Gastbeitrag: Die lieben Nährstoffe oder was ist „ausgewogene“ Ernährung

Diese Woche geht bei mir der Stress in die (hoffentlich vorerst) letzte Runde, bevor ich wiedermal ein bisschen durchatmen kann. Umso dankbarer bin ich, dass die Teamarbeit hier gerade absolut toll funktioniert und ganz viele spannende Gastbeiträge zu unterschiedlichen Themen hereinkommen. Jane Doe (ja, das ist ein Pseudonym 😉 ) hat mir vor einigen Tagen eine lange Mail mit gleich zwei interessanten Themen geschickt, nämlich ihren Erfahrungen mit Fatacceptance und ihrer Beschäftigung mit Nährstoffen in ihrer Ernährung. Da das Wetter sie dieses Wochenende im Haus gehalten hat, gibt es heute einen Beitrag zum Thema Nährstoffe – und wenn sie von ihrer Gastbeitragserfahrung nicht abgeschreckt wird, vielleicht auch demnächst einen Folgebeitrag über Fatacceptance. 🙂

Auf FLÜ bin ich im Dezember gestoßen und fand es sehr befreiend zu erfahren, dass ich im Endeffekt selber darüber bestimmen kann, wie viel ich wiegen möchte. Zwar war ich immer im Normalgewichtsbereich, aber es waren in letzter Zeit schleichend einige Kilos dazu gekommen, die mich von meinem Wohlfühlgewicht getrennt haben. Die habe ich dank Kalorienzählen inzwischen runter.

Was mich am Buch sehr fasziniert hat, war die Thematik der Nährstoffversorgung. Das Diätbeispiel von Person X, die im Endeffekt an einer Unterversorgung mit Proteinen scheitert, war für mich absolut nachvollziehbar. Da ich mich schon seit einigen Jahren mit Fitness und Krafttraining beschäftigte, wusste ich, wie wichtig ausreichend Proteine sind. Das Kalorienzählen mit App hat mir auch gezeigt, dass meine Ernährung dahingehend in Ordnung war und ich die empfohlenen Mengen an Protein auch in der Regel zu mir nehme.

Inzwischen bin ich aber einen Schritt weiter gegangen, da ich zur Zeit versuche schwanger zu werden. Beim obligatorischen Besuch bei der Gynäkologin wurde mir empfohlen, jetzt schon ein Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, um die Folsäureversorgung in der Frühschwangerschaft sicher zu stellen. Als ich fragte, was ich sonst noch beachten müsse hieß es „Mit einer ausgewogenen Ernährung nimmt man alle nötigen Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien zu sich und läuft keine Gefahr, einen Mangel zu bekommen“.

Das ist auch der Satz, den man sehr häufig liest und der so schön beruhigend ist. Klar, denkt man, ich ernähre mich doch ausgewogen, das wird schon passen. Ich wollte es auch in Hinblick auf die geplante Schwangerschaft aber mal wirklich genau wissen und habe mir ein Trackingtool gesucht, das nicht nur die Makroverteilung erfasst, sondern eben auch Vitamine und Mineralstoffe (www.cronometer.com). Hier mal ein exemplarischer Tag:

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Das ist übersetzt ein Frühstück mit 2 Scheiben Vollkornbrot mit Eiersalat, Butter und Marmelade, Mittagessen aus Haferflocken mit Milch mit Blaubeeren und einer Birne, einem Milchkaffee und drei Plätzchen zwischendurch sowie einem Abendessen mit einem großen Salat mit Hühnerbrust, Baguette, Eisbergsalat, Tomaten und Walnüssen. Die Menge an Protein ist ausreichend, die Kalorienzahl in Ordnung. Aber man sieht, dass einige Vitamine zu kurz kommen und dass es an Eisen und Kalzium fehlt. Ich habe dann einige Tage getrackt und dabei festgestellt, dass es sich bei den meisten Vitaminen im Schnitt ausgleicht (eine rohe Paprika liefert z.B. mehr als den Tagesbedarf an Vitamin C). Was ich allerdings so gut wie nicht geschafft habe, war genug Eisen, Kalzium, Vitamin E und Ballaststoffe.

Das hat mich ehrlichgesagt doch sehr erstaunt und ich habe mich dann informiert, wie ich das optimieren kann. Denn grade Eisen ist ein kritischer Nährstoff, die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für menstruierende Frauen 15 mg am Tag, für Schwangere sogar 30 mg. Auch Kalzium ist für Schwangere sehr wichtig. Hier mal ein exemplarischer Tag, nachdem ich einige Änderungen vorgenommen hatte und inzwischen ganz gut raushabe, wie ich meinen Bedarf decken kann:

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Das ist übersetzt ein Frühstück mit zwei Scheiben Vollkornbrot mit Hummus, Babymöhren und Mandelmus, einem Mittagessen aus Bolognese mit Rote-Linsen „Nudeln“, Rinderhackfleisch und Parmesan, einer Orange und einem Milchkaffee zwischendurch und einem Abendessen aus einem Smoothie mit Milch, Banane, Blaubeeren und einem Grüngemüse-Smoothiepulver. Das Tool kennt leider nicht alle Lebensmittel; bei der Rote-Linsen-Pasta habe ich dafür „normale“ rote Linsen angesetzt. Für das Smoothiepulver gabs leider auch keine genaue Quelle, aber die Verpackung verspricht mir, dass 100 g des Pulvers rd. 1,1 kg Frischware entspricht – daher kommen dann die 50 g Spinat in der Liste.

Was diese Umstellung jetzt gebracht hat: Die roten Linsen sind ein sehr guter Eisenlieferant, den Rest zum Decken des Bedarfs habe ich aus dem Hummus, dem Rinderhack und dem Grüngemüse-Smoothiepulver bezogen. Weiterhin benutze ich jetzt vornehmlich Weizenkeimöl, da dies reich an Vitamin E ist. Den weißen Zucker, den ich früher für meinen Kaffee, Tee und Smoothie genommen habe, habe ich durch Erythrit ersetzt. Die gesparten Kalorien „investiere“ ich dafür z.B. in den Parmesankäse. Der hat zwar eine hohe Kaloriendichte, liefert mir aber dafür auch viel Kalzium (die 30g rund 26% des Tagesbedarfs).

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich es dennoch nicht an allen Tagen schaffe, immer die empfohlenen Mengen zu mir zu nehmen. Dennoch ist die Versorgung mit den bei mir kritischen Nährstoffen deutlich besser als zuvor gewährleistet.

Was hat mir das jetzt gebracht? Ungefähr zwei Wochen, nachdem ich umgestellt hatte, habe ich bemerkt dass ich mich wesentlich leistungsfähiger fühle. Ich bin wacher und konzentrierter, beim Sport schneller unterwegs und brauche weniger Schlaf. Heute, an einem Sonntagmorgen war ich z.B. um 8 Uhr morgens von selber wach und fühlte mich frisch und ausgeschlafen – das ist etwas, was ich früher von mir absolut nicht gekannt habe. Sonntags bin ich eigentlich nie freiwillig vor 10 Uhr aufgestanden, auch wenn ich abends schon um 23 Uhr im Bett war. Ich führe das auf die bessere Eisenversorgung zurück. Beweisen kann ich es nicht, dafür hätte ich den Wert bei einem Blutbild kontrollieren lassen müssen. Was sich auch geändert hat, ist dass ich kaum noch Heißhunger auf irgendwas verspüre. Das war zu Beginn der Abnahme noch anders.

Warum nun der Gastbeitrag: Ich glaube inzwischen, dass viele Menschen Nährstoffmängel haben und dies ein Grund dafür ist, dass viele Abnehmversuche scheitern. Denn wenn ich die Kalorien bei gleicher, schon vorher vielleicht unzureichender Nährstoffversorgung runterfahre, verschärfe ich die Mängel noch. Wenn gleichzeitig Sport getrieben wird, wird es nochmal schlimmer. Wenn ich so beobachte, was die Menschen um mich herum so essen, glaube ich schon, dass da leider sehr viele „leere“ Kalorien konsumiert werden. Ich war schon vor meiner Nährstoffoptimierung an dem Beispieltag mit meinen Blaubeeren, der Birne und dem großen Salat zum Abendessen im Vergleich mit meinem Umfeld ziemlich „gesund“ unterwegs (das ist natürlich keine ausreichende „Datenmenge“, vielleicht ist das bei Euch ja total anders).

Dies wird leider auch von vielen Ernährungsmythen verstärkt. Die oft so hart gescholtenen Milchprodukte liefern viel wertvolles Kalzium, das oft so gescholtene rote Fleisch kann dazu beitragen, die Eisenversorgung zu ergänzen. Warum grade für Frauen, die mehr Eisen als Männer brauchen das Klischee vorherrscht, dass die allenfalls mal ein bisschen mageres Hühnchen essen und die roten Steaks den starken Männern vorbehalten sind – das ist eigentlich ein Unding. Hier werden Lebensmittelgruppen meiner Meinung nach völlig zu Unrecht verteufelt. Übrigens: 100 g mageres Rindergulasch haben 121 Kalorien, 100 g Hühnerbrust 104 Kalorien. Der Unterschied ist also gar nicht so groß – aber das Rindergulasch liefert 2,34 mg Eisen, das ist mehr als doppelt so viel wie die Hühnerbrust.

Bei den Hülsenfrüchten, die ich jetzt auch vermehrt esse um auf genug Eisen zu kommen beachtet bitte für den Fall, dass Ihr das nachmachen möchtet, dass die nicht jeder gut verträgt. Ich finde die Pasta aus roten Linsen (gibt es z.B. bei dm) für die Verdauung angenehmer als gekochte rote Linsen. Es ist aber eine Sache der Gewöhnung, also wer umstellen möchte, sollte die Mengen langsam steigern und immer daran denken, die trockenen Hülsenfrüchte gut zu waschen.

Ich kann nur jede/n ermutigen, mal eine Zeitlang zu gucken ob die Nährstoffversorgung stimmt und dann ggf. regulierend einzugreifen. Für mich war der Gewinn an körperlichem Wohlbefinden die Sache wert. Man muss das nicht zu 100% betreiben (bei mir gabs neulich zu Fasching auch einen Tag, an dem ich mich nur von Berlinern, Wurstbrötchen und Alkohol „ernährt“ habe ;-)), es bringt denke ich schon viel, wenn die grobe Richtung stimmt. Wenn es heißt, das wäre „zwanghaft“ und „genussfeindlich“ vergleiche ich das in Diskussionen mit meinem Umfeld inzwischen gerne mit einer Inspektion beim Auto. Denn da verlasse ich mich auch nicht nach Bauchgefühl darauf, ob es genug Öl und Bremsflüssigkeit hat und ob die Zündkerzen noch ok sind, sondern lasse das regelmäßig kontrollieren. Unsere Körper und unsere Gesundheit sollten uns doch mindestens genauso viel wert sein, oder?

Gastbeitrag: Diät war gestern, heute bin ich einfach glücklich

Vor einigen Monaten schrieb mich Larissa an, und wir haben uns etwas über Themen wie BMI, Abnehmen und Reaktionen der Umwelt ausgetauscht. Larissa bloggt ebenfalls (Link zum Blog) und ihr Weg geht mehr in Richtung intuitives Essen. Da ich weiß, dass einige Fettlogik-Leser lieber keine Kalorien zählen, dachte ich, dass Larissas Ansatz da vielleicht hilfreich sein könnte:

Nadja hat mir angeboten in einem Gastbeitag meinen Weg „der Abnahme“ vorzustellen. Dabei lasse ich den ersten, beschämenden Teil der Jojo-Diäten-Weinanfälle-die Welt hasst mich-Phase einmal aus. Diese endete von einem Schokocroissant träumend mit der Erkenntnis, dass ich gar nicht abnehmen will. Ich hatte zwar in mehreren Selbstversuchen gezeigt, dass ich es kann und meine Bilanz bei durchschnittlich 5 Kg pro Diät lag. Aber das Entscheidende Problem war, dass ich abnehmen nicht mochte und es mir dadurch nicht wirklich gut geht. So wurde mir von allen Sorten der Shake-Ernährung schlecht, ich liebe Nudeln und Brot und ich fühlte mich allgemein ziemlich unwohl bei der Sache.

Ich traf für mich die Entscheidung, dass ich lieber mit einem BMI weit oberhalb der 30 lebte, als noch einen Tag mit dem Abnehmen zu verbringen. Ich entschied, dass ich ab heute nur noch Dinge tun wollte, die mein Wohlergehen und Wohlbefinden steigerten. Als ich im September 2015 diesen Entschluss traf, war mein Wohlbefinden – sagen wir – etwas eingeschränkt. Es war nicht so, dass mir mein Übergewicht Probleme bereitete. Damit kam ich um ehrlich zu sein klar. Ich muss keine Treppe hochlaufen. Ich lebe im ersten Stock, mein Arbeitgeber und andere Orte haben Fahrstühle verbaut oder besitzen eine Rolltreppe, ich muss in meiner Freizeit auch keinen Sport treiben. Auch habe ich jemand der mich trotz Übergewicht liebte. Also warum etwas tun, dass man nicht möchte? Sollte jetzt die Antwort, wegen der Gesundheit kommen, alle meine Blutwerte waren in Ordnung und auch hier sah ich keine Notwendigkeit. Zumal meine Urgroßmutter 102 ihrer 103 Lebensjahre mit Übergewicht und bester Gesundheit verbracht hat.

Aber es gab Dinge, die mein Wohlbefinden störten. So hatte ich Magenprobleme (von Unwohlsein bis Schmerzen war alles dabei), Verdauungsstörungen und litt häufig unter Sodbrennen. Auch sah meine Haut nicht besonders gut aus. Wenn ich ehrlich bin, kann man unter Umständen davon ausgehen, dass das Auftreten der Beschwerden in gewisser Weise mit meiner Ernährung zusammenhing. Na gut, wenn ich wirklich ehrlich bin, war ich mir ziemlich sicher, dass es so war. Also fasste ich einen zweiten Entschluss, ich wollte zwar nicht abnehmen, aber ich wollte meine Ernährung verbessern. Damit meinte ich nicht, dass ich mich perfekt ernähren wollte, ich wollte einfach das subjektive Gefühl mich besser zu fühlen. Auch habe ich bis heute keine klare Antwort darauf gefunden, was eigentlich die perfekte Ernährung ausmacht.

Als leidenschaftliche Naturwissenschaftlerin begann ich dann mein Experiment zur Steigerung meines subjektiven Wohlbefindens zu starten. Hierzu begab ich mich auf eine Suche zur Ernährungsumstellung. Um genauer zu sein, ich wollte eine Anleitung, wie eine solche funktionierte. Etwas wirklich zu friedenstellendes habe ich damals nicht gefunden. Deshalb startete ich damit mein eigenes Konzept zu entwickeln. Mittlerweile geht dieses recht stark in Richtung des intuitiven, naturschlanken Essverhaltens, dass auf einen Set Point-Gewicht zuläuft.

Ich denke, man kann sich darauf einigen, dass eine Ernährungsumstellung auf der Änderung der Gewohnheiten beruhen muss. Ich will dabei die Gewohnheiten nicht in gute und schlechte unterteilen. Denn es hat einen Grund und einen Sinn warum man etwas tut, ansonsten hätte man es sich nie angewöhnt. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass jemand von sich sagt, dass er ab heute ein sinnloses, selbstzerstörendes Verhalten erlernen möchte oder dieses unbewusst tut.

Das einzige was man zu Beginn tuen kann, ist das Muster der Gewohnheiten zu finden. Allgemein kann man wohl sagen, dass wir einem bestimmten, übergeordneten Gewohnheitsmuster folgen. Dieses hat sich langsam aus unserem Leben heraus entwickelt und bleibt immer gleich. Innerhalb des Musters sind die untergeordneten Gewohnheiten angeordnet. Um es nun nicht komplizierter zu machen als es ist. Ich zum Beispiel folge an Arbeitstagen dem Muster: Frühstuck, Mittagessen, Zwischenmahlzeit und Abendessen. Und auch an freien Tagen, lässt sich dieses erkennen. Dabei gibt es aber auch noch andere Faktoren, die eigentlich immer gleich sind. Zum Beispiel der Umfang der Mahlzeit, ihre grobe Richtung was man isst und wie. Ich denke, wenn man sich innerhalb dieses Muster wohlfühlt, sollte es unverändert bleiben. Also wenn man wie ich ein Frühstücksmensch ist, sollte man nicht zwanghaft versuchen, es ausfallen zu lassen.

Ich hatte wäre der Umstellung nie das Gefühl etwas anders zumachen. Oder besser gesagt, etwas zu tun das ich nicht möchte. In meiner letzten Diät (damals Weight Watchers) war dies anders. Zwar hatte ich schon einige „Freiheiten“, die mir innerhalb der Low Carb-Phasen fehlten, aber ich fühlte mich trotzdem nicht wohl. Nachdem ich mir Gedanken zu dem Aufbau der Gewohnheiten gemacht habe, weiß ich auch woher dieses unangenehme Gefühl kam. Das Gefühl eben nicht das zu tun, was man möchte, sondern etwas was irgendjemand anders für gut empfindet. Wie schon gesagt, bestand ein meiner übergeordneten Gewohnheitsmuster aus dem Essen des Frühstücks. Wenn ich nicht gerade auf Diät war bestand es aus einen belegten Brötchen vom Bäcker und meist noch einem süßen Backteilchen. Mit dem Einstieg ins Punktezählen wurde mir ziemlich schnell angezeigt, dass dies wohl nicht das beste Frühstück ist. Das wusste ich auch schon vorher, aber nun wurden mir auch Alternativen eröffnet. Zusammengefasst bestanden diese Alternativen aus ein paar wenigen Haferflocken, Magerquark oder fettreduzierter Joghurt mit Obst. Wirklich glücklich war ich mit dem neuem „für mich und mein Gewicht besseren“ Frühstück nicht. So unterschied sich sowohl die Zusammensetzung meines Frühstücks als auch seine Menge sehr von dem früheren Frühstück. Alles daran versetzte sich mich in einem inneren Wiederstand. Aber wenn ich meiner Diät weiterfolgen wollte, konnte ich nichts anderes Essen. Anderenfalls hätte ich für meine anderen Mahlzeiten nicht mehr genug Punkte. Drei Wochen später saß ich dann ziemlich schlecht gelaunt an meinem Schreibtisch und träumte von einem Schokocrossiant und beendete im Geiste die letzte Diät meines Lebens.

Als ich an dem Tag meinen Entschluss fasste, wirklich nie wieder eine Diät zu machen und mit dem Gewicht zu leben, begann ich auch über meine Ernährung nachzudenken. Wie gesagt, so ganz gut ging es mir damit nicht. Aber auch nicht so schlimm das wirklich ein Handlungsbedarf bestand. Ich machte mir darüber Gedanken, was eigentlich meine Frühstücksgewohnheit ausmachte. Das alleinige einhalten eines Frühstückes war es nicht. Aber sieht man sich den Unterschied an zwischen dem belegten Brötchen (glücklich) und dem Quark/Joghurt Obst (unzufrieden) an, enthält das Brötchen mehr Kohlenhydrate. Ich fragte mich, ob das vielleicht der Punkt sein, den ich übersehen habe. Ich kam zu dem Gedanken, dass es innerhalb des übergeordneten Gewohnheitsmuster unveränderliche Aspekte bzw. unveränderliche Teilgewohnheiten gab. Also setzte ich innerhalb des Gewohnheitsmuster Frühstück den Verzerr von Kohlenhydraten als unveränderlichen Aspekt. Aber wenn ich etwas ändern wollte, dann musste ich neben den unveränderlichen Teil auch einen veränderlichen finden.

Bei der Ernährungsumstellung habe ich für mich festgestellt, dass ich die Teilgewohnheiten in vier Kategorien zuordnen kann:

  • Den Essgewohnheiten, also wie man isst,
  • den Ernährungsgewohnheiten, also was man isst,
  • den Bewegungsgewohnheiten und
  • den Gewohnheiten, die auf dem ersten Blick eigentlich nichts mit der Ernährung zu tun haben.

Ich hatte also mein Leben, aufgebaut aus Gewohnheiten vor mir liegen, und wollte etwas ändern, um dieses Leben zu verbessern. Jetzt ist nur noch die Frage, wo man ansetzt. Auch wenn es viele Baustellen gibt, heißt es nun eins nach dem anderen. Es geht darum mit einer bewussten Endscheidung etwas zu bewirken und damit eine Gewohnheit aktiv und bewusst zu ändern. Dabei sage ich aktiv und bewusst, weil ich festgestellt habe, dass einiges einen Dominoeffekt hervorruft und viele unbewusste Weiterentwicklungen folgen. Der Vorteil bei einer bewussten Entscheidung ist, dass das restliche Leben unangetastet bleibt. Man überfordert sich nicht und man erkennt, ob die Änderung den gewünschten Effekt auswirkt.

Bevor man anfängt, sollte man sich die Frage stellen, was man wirklich will. Es geht an diesem Punkt nicht um das Allumfassende, sondern um eine Kleinigkeit, durch die das Leben besser wäre. Hat man diesen Punkt gefunden, dann überlegt man sich, was man tun könnte, um eine Besserung zu erzielen. Und wenn ich davon spreche, was ich möchte, sollte man den Begriff des Ichs an dieser Stelle weiter fassen. Den wenn man etwas ändern möchte, dann sind wir als denkendes und aktiv handelndes Wessen nicht alleine. Sondern da ist noch unser Körper, der Information auswertete, der weiß, wie es uns geht und eigentlich alles gut alleine regeln kann. Ich denke, dass eigentlich Problem des Übergewichts und dem darauffolgenden Scheitern der Abnahmen lässt sich in einem grundlegenden Kommunikationsproblem zwischen Kopf und Körper finden. Wenn es nun darum geht etwas zu ändern, um eine Besserung zu erreichen, dann geht es darum, was wir (Kopf und Körper) als Gemeinschaft wollen.

Nachdem der Ansatzpunkt gefunden ist, geht man dazu über Alternativen auszuprobieren und zu schauen, was einem besser tut. Für mich hieß es an dieser Stelle mir Alternativen zu meiner aktuellen Frühstücksgewohnheit zu suchen. Diese bestand wie gesagt aus einem belegtem Brötchen das von Bäcker aus auf dem Weg zur Arbeit gegessen wurde. Die erste Sache, die ich änderte war, wie ich aß. Anstatt im Gehen unaufmerksam zu essen, nahm ich mir vor, ein paar Minuten früher aufzustehen und in Ruhe zu Hause zu essen. Ich trank sowieso einen Milchkaffee zu Hause und beides ließ sich nun kombinieren. Die Alternative zum Brötchen war selbst belegtes Brot. Und da ich ja auch zu sehen wollte, auf meinen Körper einzugehen, wurde es Vollkornbrot. Hiermit kam ich schon wesentlich besser klar. Ich verspürte nicht das Gefühl des inneren Widerstands.

So habe ich oft Dinge geändert und für einige Zeit beibehalten. Danach bin zur altbekannten zurückgegangen. Einfach um zu schauen, ob die Änderung mir wirklich etwas gebracht hat und ich wirklich einen positiven Effekt sehe. Also sich doch einfach ein Brötchen beim Bäcker zu holen oder nach der Anpassung der Portionsgrößen einmal richtig überessen. Meist bin ich froh, nach dem Versuch wieder die neue Gewohnheit auszuführen. Ich finde es gut, den Unterschied zu sehen bzw. zu fühlen und es hilft mir meist mein neu gewonnenes Wohlbefinden wertzuschätzen.

So habe ich nun die letzten 1,5 Jahre verbracht und muss sagen nach meinem subjektiven Empfinden geht es mir besser. Die negativen Erscheinungen sind weg, ich fühle mich körperlich und geistig gestärkt und bin um einiges fröhlicher. Ich habe das Gefühl besser mit Stress um zu gehen und bin im allgemeinen viel entspannter.  Mit dem Gewicht ist es so eine Sache. Ich weiß, dass einige mich wohl noch als zu dick empfinden und ich selbst sehe das ein oder andere Kilo zu viel im Spiegel. Aber ich empfinde es nicht mehr als zu störend. Das Normalgewicht ist laut BMI erreicht und wenn ich alle paar Wochen einmal auf die Waage steige, sieht man das Gewicht noch weiter fallen. Ich denke ich werde irgendwann an meinem Set Point ankommen, aber die genaue Zahl ist mir dabei egal. Natürlich könnte ich dazu übergehen aktiv mein Gewicht weiter zu senken, bis ich irgendwann im unteren Normalgewicht bin. Aber dann wäre ich wieder an dem Punkt an dem ich vor 1,5 Jahren war. An einem Punkt an dem ich mein Gewicht und meinen Körperumfang über mein Wohlergehen setze. Ich habe deshalb für mich beschlossen mein Leben als entspannte durchschnittliche Normalgewichtige zu verbringen. Mich nicht auf ein Gewicht zu fokussieren, dass andere als ideal empfinden würden und mich zu viel Kraft und Nerven kostet, es zu erreichen. Stattdessen beschäftige ich mich weiter mit meiner Ernährung und bin einfach glücklich.

larissa

Gastbeitrag: Die Krux mit dem Wording

In letzter Zeit komme ich zu nichts so richtig (ich arbeite daran, versprochen 🙂 )… umso froher bin ich, dass mir in letzter Zeit so viele Themen ins Postfach flattern. Vor kurzem schrieb Petra, und wir hatten einen kleinen Austausch zu Formulierungen (ich werde unten sogar zitiert) – das fand ich so interessant, dass ich sie fragte, ob sie es nicht als Beitrag für den Blog zusammenfassen will:

Schon zu Silvester 2016 war ich mir ganz sicher, dass dies ein besonders gutes Jahr für mich werden würde. Ich wusste nicht genau warum und hatte auch keine großartigen Pläne – schon gar keine Neujahrsvorsätze, von denen ich noch nie viel gehalten hatte. Es war „nur so ein Gefühl“…

Dass ich Recht behalten sollte, wurde mir dann im Laufe des Jahres immer mehr bewusst.

Als ich mich nach den Feiertagen auf die Waage stellte, was ich mehr als sehr selten machte, leuchtete es mir in blauen Digitalziffern ungeschönt entgegen: 120,4 kg. Wow! Ich war geschockt. Mir war klar gewesen, dass ich zu viel auf die Waage brachte, schließlich kniffen meine Jeans schon ganz ordentlich, aber das hieß, dass ich im letzten Jahr noch etwa 8 kg zugelegt hatte. Es musste Schluss damit sein – und zwar sofort!

In den ersten Tagen tat ich mal nicht viel mehr als mir bei den Hauptmahlzeiten keinen Nachschlag zu nehmen, den Süßkram auf ein kleines Stückchen am Abend zu reduzieren und mir genauer anzusehen, was ich tagsüber so alles futterte. Ich war nie der Typ gewesen, der eine ganze Tafel Schokolade verputze, eine Tüte Chips auf einmal vernichtete, oder viel Limonaden und Fruchtsaft konsumierte. Meine Kalorien kamen eher von zu vielen reichlich belegten Vollkornweckerln mit Butter, Wurst und Käse und den zu großen Portionen bei den Hauptmahlzeiten.

Ich entschied mich dafür, wieder Kalorien zu zählen und die Kalorienzufuhr auf maximal 1.200 kcal täglich zu beschränken. Ich bastelte mir ein einfaches Excel-Sheet, mit dessen Hilfe ich mein Gewicht aufzeichnen und ein Ernährungstagebuch führen wollte. Das hatte beim letzten Mal vor etwa zehn Jahren gut geklappt, also ging ich davon aus, dass es auch diesmal funktionieren würde. Schließlich hatte ich mit Ende zwanzig schon mal dreißig Kilo wegbekommen und hatte immerhin „nur mehr“ ca. 87 kg gewogen. Über die Jahre hatte ich mir die Kilos dann schleichend, aber doch wieder angefuttert.

Doch ich hatte das Gefühl, dass das nur die halbe Miete sein würde. Schließlich wollte ich diesmal tatsächlich in den Normalgewichtsbereich kommen und der startete bei mir bei ca. 70 kg. Natürlich war auch das langfristige Ziel klar: In dieser Gewichtsklasse zu bleiben.

Ich nahm mir also die Zeit, um mein Gewissen zu erforschen und herauszufinden, womit ich mich bis jetzt immer selbst torpediert hatte. Da wurden mir wieder einmal alle möglichen Dinge bewusst. Von Selbstlimitationen („So richtig schlank werde ich wohl nie sein bei meinen schweren Knochen.“), über das immer noch falsche Einschätzen von Portionsgrößen und deren Kalorien bis hin zu diversen Ausreden („Für regelmäßigen Sport fehlt mir einfach die Zeit.“).

All das hatte ich mir in der Vergangenheit schon oft klargemacht und es schien mir nicht der fehlende Puzzleteil zu sein.

In den vergangenen Jahren hatte ich mich intensiv mit Sprache, Sprachmustern und der Wirkung von Worten beschäftigt. Als ich mich damit auseinandersetzte, was Begriffe wie „Gewicht reduzieren“, „Kilos verlieren“, „Pfunde loswerden“ oder „abnehmen“ mit mir machten, stieß ich auf ein Problem, dessen ich mir davor nicht bewusst gewesen war. All diese Worte wie „verlieren“ oder „loswerden“ waren für mich alles andere als positiv besetzt, da ich in meinem Leben schon viele schlimme Verluste verarbeiten musste. Kein Wunder also, dass mein Unterbewusstsein sich mit aller Kraft dagegen sträubte, etwas zu verlieren, egal was es war und egal, ob ich bewusster Weise davon überzeugt war, dass der „Verlust“ von überschüssigen Kilos positiv und wichtig für mich wäre.

Auch das Wort „reduzieren“ löste bei mir keine Motivation aus. Hatte es doch für mich die Bedeutung, von etwas weniger zu bekommen oder zu haben bzw. sich einschränken zu müssen. Also gar nicht gut. Ich blockierte mich offenbar mit diesen Worten nur selbst.

(Hier möchte ich kurz anmerken, dass ich mich nicht zu den Menschen zähle, die meinen, dass alles nur positiv und schön und gut ist oder zu sein hat. Ich nenne die Dinge schon gern beim Namen. In diesem Fall wollte ich mir aber bewusst eine Art von „Umgehungsmechanismus“ schaffen, um einen Stolperstein aus dem Weg zu räumen.)

Mit dieser für mich neuen Erkenntnis überlegt ich, wie ich denn mein Vorhaben nun bezeichnen sollte und ob es einen Begriff gäbe, der für mich positiv oder zumindest neutral besetzt war. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus und ich musste etwas „um’s Eck denken“, um eine Lösung für mich zu finden. Ich wählte den Begriff „abrüsten“, der beim Heer gebräuchlich ist, wenn z.B. Grundwehrdiener nach dem verpflichtenden Dienst das Heer verlassen, worüber die meisten ganz froh sind. Also durchaus ein positives Ereignis.

Ich kombinierte meinen neugewählten Begriff „abrüsten“ mit einem entsprechenden Bild und stellte mir vor, wie die Fettzellen Schritt für Schritt ihren abgeleisteten Dienst beendeten und endlich gehen konnten. Diese Wort-Bild-Kombi half mir im letzten Jahr dabei, am Ball zu bleiben und weiterzumachen, auch wenn’s gerade einmal nicht so gut lief.

Als ich Nadja, deren Fettlogik-Buch ich Anfang 2017 gelesen habe, ein Mail schrieb, um mich für ihr geniales Buch zu bedanken, erwähnte ich mein anfängliches Wording-Problem und bekam zusätzlichen Input von ihr. Sie schrieb dazu: „Ich überlege gerade, warum ich den Ausdruck „purzelnde Pfunde“ so wenig mag – vielleicht, weil ich dank ADS sehr ungeschickt bin und mich häufig stoße, hinfalle und mir weh tue. Purzeln ist da wohl als etwas Unkontrolliertes (und schmerzhaftes) assoziiert, und ich fand gerade den Aspekt von Kontrolle so befreiend.“

Diese Überlegung fand ich nur allzu logisch. Klar ist es nicht angenehm zu purzeln, wenn das öfter mal ungewollt passiert und man sich dadurch weh tut. Spannend fand ich hier den Vergleich zu mir selbst. Ich trainiere seit 12 Jahren japanische Kampfkunst, die natürlich eine umfangreiche Fall- und Rollschule beinhaltet und habe daher gar kein Problem damit zu fallen oder „zu purzeln“, weil ich weiß, dass mein Körper richtig reagiert und ich mich dabei kaum verletzen werde.

Ich habe hier noch einige Beispiele zusammengetragen, die mir seit Anfang meines Projekts „Abrüsten“ aufgefallen sind und die es wert sind, mal einen Blick darauf zu werfen:

Tiefststand:

Oft lese ich in Foren, dass jemand seinen Tiefststand an Gewicht gerade erreicht hat, was natürlich ein schöner Erfolg ist. Bei manch einem könnten Geist und Körper auf Dauer aber der Meinung sein, dass ein Tiefststand nicht ganz so toll ist, kennen wir doch alle Begriffe wie das Gefühlstief, einen Tiefststand am Aktienmarkt, oder das Tief in der Metrologie, um nur einige zu nennen.

Vielleicht wären für manche von uns Begriffe wie „Beststand“ oder „bestes Ergebnis“ nachhaltiger.

Kilos schmelzen dahin:

Auf den ersten Blick, ein doch sehr positiver Begriff. Nicht unbedingt für Menschen wie mich, die bei „schmelzen“ entweder an zu heiße Sommertage in der stickigen Großstadt, oder an das lästige Eincremen mit Sonnenschutz am Meeresstrand denken. Sicher auch nicht so toll für diejenigen unter uns, die dabei das Bild von klebrigen Fingern und bekleckertem Gewand haben, wenn die leckere Eiscreme in der Tüte wieder einmal schneller schmilzt als man sie genussvoll aufessen kann.

runterhungern:

Das Wort „runterhungern“ fällt für mich in die Kategorie „Zwangsbeglückung meines Körpers“. Bei „hungern“ kommen in mir Bilder von Kindern in Drittweltländern, oder magersüchtigen Menschen hoch. Dieser Begriff hat für mich nichts mit Gesundheitsförderung und dem Wohlfühlen im eigenen Körper zu tun, etwas das viele „Abnehmwillige“ ja erreichen wollen.

Dem Körper ein paar Pfunde abringen:

Diesen Begriff habe ich in einer Zeitschrift gelesen, während ich diesen Artikel schrieb. Es ging dabei um ein intensives Workout-Programm, das bei besonders hartnäckigen Kilos an Bauch, Po und Oberschenkeln helfen sollte. „Etwas abringen“ klingt für mich nach Kampfansage gegen den eigenen Körper und nicht nach dem konsequenten Verfolgen eines Ziels.

Vermutlich lassen sich noch viele Beispiele finden, aber ich denke, es ist klar, was ich meine, wenn ich sage, dass Worte und Begriffe einen gewissen Einfluss auf uns haben und durchaus auch Blockaden in uns auslösen können.

Natürlich ist es so, dass jeder Mensch etwas Anderes mit einem Begriff verbindet, auch abhängig davon, welche Erfahrungen er bisher in seinem Leben gemacht hat und welche Informationen er damit verknüpft. Was für den einen super passt, stellt für den anderen ein Problem dar.

Vielleicht hilft es also nicht nur mir weiter, mal einen näheren Blick auf die Worte zu werfen, die man gerne im Zusammenhang mit dem Erreichen seines persönlichen Zielgewichts verwendet und deren Wirkung auf das eigene Selbst auszuloten.

Gastbeitrag: Binge-Eating und Schwindelanfälle überwunden

Mitte November erhielt ich eine Mail mit dem Titel „Binge-Eating und Schwindelanfälle überwunden“, in der Annika ihre Geschichte erzählte. Heute freute ich mich dann erneut, denn sie hat ihre Geschichte nochmal in Form eines Gastbeitrages verfasst, so dass ich sie hier im Blog posten darf 🙂

Hallo zusammen,

(nur kurz vorweg – es handelt sich hier um meine eigenen Erfahrungen und Eindrücke und nicht um medizinische oder wissenschaftliche Fakten.)

Ich bin 26 Jahre alt und litt an der Binge Eating Störung.*

*(Definition laut wikipedia: […] eine Essstörung, bei der es zu periodischen Heißhungeranfällen (Fressanfällen) mit Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten kommt. Im Gegensatz zur Bulimie werden anschließend keine Gegenmaßnahmen unternommen, so dass längerfristig meist Übergewicht die Folge ist.[…])

Meine Geschichte

Seit meiner Pubertät bin ich mit dem Thema „Essstörungen“ konfrontiert.

Mit ca. 12 Jahren habe ich von einer Freundin erfahren, dass meine Mutter als junge Erwachsene an Bulimie erkrankt ist und in einer Klinik war. Ich habe mich 2 Jahre nicht getraut, sie darauf anzusprechen aber immer fleißig ihr Essverhalten beobachtet. Sie aß viel – ungewöhnlich viel und war rank und schlank. Ich konnte mir denken, dass sie noch immer krank war.

Nach 2 Jahren habe ich sie auf unsensible Art und Weise darauf angesprochen, doch sie hat es bis heute immer abgestritten. Mittlerweile trinkt sie, aber das ist eine andere, unschöne Geschichte.

Als ich 18 war, wurde meine kleine Schwester magersüchtig. Sie hungerte, bis sie aussah wie ein Skelett und es war einfach nur schrecklich, ihr dabei zuzusehen. Mittlerweile hat sie die Krankheit mithilfe einer stationären Therapie überwunden und es geht ihr sehr gut.

Währenddessen wurde ich immer dicker und dicker. Mein Höchstgewicht lag bei 96kg bei 1,78m Körpergröße. Ich wusste, dass ich aufgrund meines Essverhaltens zugenommen hatte. Mir war jede Kalorie bewusst und doch aß ich. Ich aß, bis mir der Bauch wehtat. Jeden Tag aufs Neue, um meinen inneren Schmerz zu betäuben.

Ich habe mich und mein Leben gehasst, war bestimmt auch zeitweise depressiv und habe mich im Kreislauf von Diäten, Voll-Fressen und essgestörten Familienmitgliedern gefangen gefühlt.

Wie hat mir FLÜ geholfen?

Ich habe immer gedacht, ich bin ein psychisches Wrack. Ich bin aufgewachsen in einer essgestörten Familie und daher ist es kein Wunder, dass ich nun auch an einer „Binge-Eating-Störung“ leide. Bei mir waren es also auch die „Gene“, die mich dick gemacht haben, aber halt nicht im „klassischen Sinn“.

Ich war fest davon überzeugt, dass ich erst mal meine psychischen Probleme behandeln muss und mir vorher sowieso nichts helfen wird, abzunehmen. Andererseits habe ich es jedes Mal aufs Neue probiert, habe jede x-beliebige Diät ausprobiert und bin jedes Mal mit dem fettlogischen Satz „…aber Morgen, da fang ich dann so richtig an!“ gescheitert.

Jedes. Verdammte. Mal.

Ich habe bis zum Lesen des Buches nicht verstanden, dass es Quatsch ist. Mir ist im wahrsten Sinne ein Licht aufgegangen.

Ich habe erst nach Lesen des Buches verstanden, dass ich mich mit der Denkweise, dass ich mit meinen psychischen Problemen sowieso nicht abnehmen kann, meine Selbstwirksamkeit zerstört habe. Ich habe einfach nicht dran geglaubt, dass ich es schaffen kann, obwohl ich es doch so sehr wollte. Ich dachte – wenn ich erst schlank bin – wird alles wieder gut.

Haltet mich bitte nicht für bescheuert, aber ich habe das Buch nun bereits ca. 6 Mal gelesen. Immer, wenn ich merke, dass meine Gedanken mal wieder in die falsche Richtung abdriften, fange ich an zu lesen und könnte jedes Mal weinen, da ich mich einfach darin wiederfinde.  Seitdem ich es das erste Mal gelesen habe, vor ca. 6 Monaten hatte ich keinen einzigen, unkontrollierten Essanfall mehr und habe auch keine Angst mehr davor. Wenn es mich überkommt und ich sehr große Lust auf Schokolade bekomme (PMS lässt grüßen), dann gibt es Tage, da nutze ich meine gesamten Tageskalorien für Süßigkeiten. Das ist bisher 4-5 Mal vorgekommen, und es ist so befreiend! Ich darf essen! Ich muss mir nichts mehr verbieten und gerade das löst in mir aus, dass ich gar nicht mehr so oft das Bedürfnis verspüre, zu essen.

Und sonst so?

Eine Folge meines gestörten Essverhaltens waren jahrelange Schwindelanfälle. Bis zu 10 Mal am Tag wurde mir plötzlich sehr schwindelig. Das Einzige, was mir half, um den Blutzucker wieder zu regulieren, war Zucker. Ich war aufgrund der Schwindelattacken eine Woche im Krankenhaus und wurde einmal durchgecheckt, aber alle Blutwerte waren normal. Meine Frage nach „Diabetes?“ wurde nur abgenickt- Diabetes war nämlich meine größte Befürchtung gewesen. Meine Frage, ob es an meinem Gewicht liegen könnte, wurde auch nicht ernst genommen – obwohl ich zu diesem Zeitpunkt beinahe adipös war (BMI = 29).

Erst nach FLÜ fing ich an, meine Proteinzufuhr zu erhöhen. Ich hatte einfach in den letzten Jahren sehr kohlenhydratreich gegessen, ohne dass es mir bewusst war.

Es ist unfassbar: nach 5 Jahren auf der Suche nach Ursachen, nach einer schmerzhaften Nasen-OP, die ich auf mich nahm (die mir mein HNO empfohlen hat, da ich schlecht Luft bekäme) habe ich von Nadja den simplen Tipp bekommen, mehr Eiweiß zu essen.

Wie sieht es heute aus?

Ich habe nun fast 22kg verloren und werde von Fitnesstrainern und Freunden als „schlank und fit“ bezeichnet. Das ist völlig irre. Ich? Schlank und fit?

Ich möchte noch gern 8 kg verlieren, damit einer baldigen Familienplanung nichts mehr im Wege steht.

Und die Fressanfälle?

Ich kann immer noch über den Hunger essen und es gibt seltene Momente, da würde ich schon gern mal wieder „die Kontrolle verlieren“.  Also es ist längst nicht alles gold, was glänzt. Aber es geht mir gut. Ich habe die Kontrolle über mein Leben zurück.

Gastbeitrag: „Ich bin zu arm, um abnehmen zu können“

Ende letzten Jahres erhielt ich eine Mail von Karin mit dem Betreff „Hier wird über dich gesprochen“ – in der Erwartung zu einer der üblichen hitzigen Diskussionen weitergeleitet zu werden, klickte ich die Mail an und wurde positiv überrascht: Karin selbst hatte auf Facebook ein erstes Resumee nach 100 Tagen Fettlogik gepostet. Vor wenigen Tagen meldete sie sich erneut: Am Zielgewicht angekommen. Und wie ich das gelegentlich so mache, wenn mir jemand interessante Dinge schickt, habe ich sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, ihre Geschichte im Blog zu erzählen 🙂

Ich einen Gastbeitrag verfassen? Es schwankte zwischen Geehrtfühlen und Panik.

Zumal – was habe ich schon zu sagen? Aber ich wage es. Vielleicht mag es die Eine oder den Anderen dazu ermutigen eine Kehrtwende zu machen und das Leben unter Kontrolle zu bringen?

Kleiner Haftungsausschluss zum Voraus:
Das einzig stetige im Leben ist die Veränderung. Diese hier geschriebenen Worte geben meine aktuellen Gedanken wieder. Da ich jedoch nicht ausgelernt habe, kann es durchaus sein, dass es eines Tages leicht anders tönen könnte, als ich es heute beschrieben habe. Das Leben lernt einen Tag für Tag aufs neue.

Seit Juni 2016 bin ich alleinerziehende Mama von drei Prinzessinnen.
Als dreifache Mutter und dann noch alleinerziehend ist mir niemand böse, wenn ich übergewichtig bin. Ist ja verständlich – schliesslich muss ich mich um die drei Kinder kümmern. Die Trennung – eine Geschichte für sich – das muss sich ja bemerkbar machen. Mir müsste es doch so schlecht gehen! Aber ob es mir wirklich schlecht ging? Ich hatte von beginn weg, im Frauenhaus die Betreuerinnen, anschliessend die Anwältin, meine Therapeutin, eine gute Begleitung. Meine Familie stand mir zur Seite – Alles in Butter – wie man so schön sagt. Und doch stresste mich die Lage. Meinen geliebten Mann musste ich verlassen. Die Polizei drängte mich dazu, Anzeige zu erstatten. Eheschutz müsse ich einreichen, der Prozess stand bevor. Daneben läuft das Leben zügig weiter. Aufstehen, Knuddeln, Anziehen, Essen machen, Essen aufräumen,… und dann? Ja, und dann?

Ich ertappte mich eines Tages dabei, wie ich in meiner inneren Anspannung mich wieder zu Tisch setzte, kaum war die Küche in der Wohnung meiner Eltern, bei denen ich Unterschlupf finden durfte vorübergehend, aufgeräumt, und wieder von vorn begann zu Essen, obwohl ich doch eben gerade eine ausgiebige Mahlzeit hatte. *Kopfschüttel* Was tue ich hier? Die Anspannung, die Situation in der ich Steckte, obwohl ich da gar nicht drin sein wollte, begann mich zu kontrollieren. So wird mich meine Situation komplett kaputtmachen können.

Will ich mich dem ausliefern, oder wehre ich mich? Aber wie will ich schon abnehmen? LowCarb habe ich soweit ausgetrickst, dass ich davon Zunehmen konnte. Schlank im Schlaf, was auch nicht schlecht half, griff irgendwie auch nicht mehr. Es muss was neues her. Während dem nervösen herumscrollen im Facebook habe ich schon vor einiger Zeit Erzählmirnix entdeckt. Ich wusste vom Buch Fettlogik überwinden. Die Recherche ergab, dass das Buch Fettlogik überwinden in der Lokalen Bibliothek im Sortiment ist. Mit meiner Kulturlegi (Caritaskarte) konnte ich vergünstigt eine Mitgliedschaft erstellen und kann somit aufs Buch zugreifen, ohne es gleich kaufen zu müssen – zumal mir bevorstand meine neu gefundene Wohnung komplett neu einzurichten, hatte ich alles Hab und Gut, was ich nicht innerhalb der 3h Zeit packen konnte zurücklassen müssen. Da kam nur mit, was wirklich von Wert war für mich und die Kinder.

Das Buch war schnell gelesen. Ok – die medizinischen Kapitel waren recht zäh, aber es tat WOHL. Ich begann zu verstehen, warum meine Vollwerternährung von vor der Trennung, LowCarb und Schlank im Schlaf nicht mehr greifen konnte. Warum ich an diesen ekelhaften Set-Points hängen blieb. Und dann kam der 1. August 2016. Ein Datum, in der Schweiz gefeiert, beinahe dem 1. Januar gleichzusetzen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Motiviert durch Nadjas Vorbild startete ich damit zu zählen. Dank meines technikbegeisterten Vaters hatte meine Mutter gar einen einfachen Schrittzähler, den ich leihen durfte.

Top motiviert startete ich ins Projekt. Im Schrittzähler zugehörigen App konnte ich meine Wunschabnahme pro Woche definieren. 500g – Wie die LaLecheLeague es stillenden Müttern vorgibt, das war mein Ziel. Aber irgendwie habe ich es nicht so mit Mathematik. So wurde aus dem geplanten halben Kilo in der Anfangsphase (ok, die ersten zwei Drittel) durchschnittlich 1.2 kg Gewicht pro Woche, die mein Körper einfach so abzuschütteln vermochte. Ich war ganz erstaunt. Wie oft wollte ich alles über den Haufen werfen. Phu – das wird nie was. Schon wieder über Budget gegessen, schon wieder kaum bewegt (Rekord: 300 Schritte in einem Tag)…

Aber es kam der Moment, wo die Hosen rutschen begannen. Die Zahl auf der Waage kleiner wurde. Das Umfeld es bemerkte…

Mich begeisterte die Feststellung, dass jedes Kilogramm Fett sozusagen 7000 kcal Schulden entspricht. Wenn ich die abbezahlt habe und künftig in meinem Budget bleibe, so kann ich schlank werden und bleiben. Und meine Schulden sind abbezahlt. Ich zahle noch einen kleinen Resten Zinsen zurück, aber die eigentlichen Schulden sind bezahlt.

Es gab so einige Lehrblätze. An einigen davon möchte ich euch einen Augenblick teilhaben lassen:

1. Ohne Stressessen ist das Leben deutlich günstiger.
Da meine 30% Arbeitsstelle nicht ausreicht um den Lebensunterhalt zu finanzieren und auch die Alimente dies nicht ausgleichen vermögen bin ich Sozialhifebezügerin, wo mir der Fehlbetrag zum Existenzminimum aufgerundet wird. Welche Entlastung – auch wenn es Existenzminimum ist. Im Bewusstsein um meinen effektiven Bedarf und dem Wunsch trotz meiner Sorgen nicht dick(er) zu werden, blieb mir plötzlich mehr Geld zu Verfügung, welches ich sonst gegessen hätte. Gehungert habe ich nie. Aber ich konnte mit Hilfe des Kalorienbewusstseins die Essensmenge dahingehend einschränken, dass ich auch weniger Verbrauch hatte, welcher sich wiederum im Portemonnaie bemerkbar machte.

2. Was du brauchst um Abzunehmen muss nicht kosten.
Es kam der Moment, in dem ich den Unterschied bemerkte zwischen Abnahme mit oder ohne Sport. Sport ist Mord. Definitiv und für immer. Oder etwa doch nicht? Das Buch konnte ich in der Bibliothek leihen. Den Schrittzähler konnte ich ebenfalls leihen, und als ich was anders wollte, konnte ich es für etwa 2/3 des Neupreises auf dem Occasionsmarkt erstehen. Ausgedehnte Spaziergänge sind mit 3 Kleinkindern nicht so das Gelbe vom Ei. Alleinerziehend kannst du auch nicht einfach mal aus dem Haus raus und ne Runde joggen. Aber was dann? Youtube hat für dich en mass Workout-Filme bereitgestellt für jeglichen Bedarf. Und so ging ich zur Sache. An fitten Tagen durfte es durchaus etwas Wilder zu und her gehen (z.B Bodykiss)
Aber sehr oft war ich einfach nur geschafft vom Tag, als ich dazugekommen wäre, was zu tun. Dann suchte ich mir ein Pilatesprogramm für „Älteres Semester“. Mit Stichworten wie „ohne Geräte“ oder „stehend“, „sitzend“ findet ein jeder das passende Programm, mit welchem man gerade in dem Moment noch was bewegen mag. Auch nutze ich eine Yoga-App in der kostenlosen Version (AsanaRebel), die es mit diesen ollen Grünen Markierungen im Kalender, die man nur nach erfolgtem Workout erhält, schafft, mich TÄGLICH dazu zu bringen diese Workouts zu machen. Die Tatsache, nicht die Vollversion zu besitzen bringt mich dazu eher einmal mehr das „Grosse“ Programm zu wählen (zwischen 10 und 20min an Stelle von 4-6min Kurzworkout), da ich nicht weiss, wann es mir wieder frei angeboten wird.

3. Fettlogiken können hilfreich sein – wenn man sie bewusst einsetzt.
Morgens – kein Problem. Mittag? Kriegen wir auch noch hin. Aber der Abend. Rein aus sozialen Gründen ist der so schwer hinzukriegen und löst schon zum Frühstück Stress aus. In dem Moment bediente ich mich in vollem Bewusstsein der Fettlogik: nach 18.00 wird nix mehr gegessen. Nicht, weil meine Kohlenhydrate Uhren auf sich trügen, sondern, weil mein Kopf überfordert ist, nach einem Snack zu merken, wann genug ist. Zwischenzeitlich bin ich so gut bei Bewusstsein, dass (ausser bei Käse) ich durchaus auch ein Kurzvormitternachtsnack einlegen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Und das macht es für mich so wertvoll:

4. Ich hab mein Leben selber in der Hand.
Die familiäre Situation war – in Expresszusammenfassung – „Scheisse“. Kontaktverbot, Klagen, Verfahren…. Nichts, was man jemandem jemals wünschen täte. Aber – ich bin alles in Allem nicht hilflos ausgeliefert. Die Kinderbetreuung, damit ich meinen Job wieder aufnehmen konnte – dann schreibe ich halt eine Einsprache, auf dass sie mir gutgeheissen wird. Der finanzielle Fehlbetrag – Dann kollaboriere ich mit dem Sozialdienst, damit ich diese Hilfe erhalte. Meine Fragen und inneren Nöte – Ich bin so froh um meine Therapeutin, die mich und die Kinder so toll begleitet! Und selbiges auch mit dem Essen – mein Stress und meine Existenzangst machte, dass ich keine Sättigung mehr wahrnehmen konnte. Also nehme ich die Hilfe eines Apps und Buches in Anspruch und entscheide mich bewusst dafür im Budget zu bleiben, oder es zu überziehen. Ich habe früher Versuche gehabt von LowCarb und ähnlichem. Das geht immer recht gut bis zum Set-Point oder zum Bruch der Regeln. Aber wehe mir, ich versage…

Kalorienzählend mit dem Wissen von Nadja hatte ich das erste mal selber Kontrolle über das, was mit mir geschieht. Und wenn ich eine Tafel Schokolade esse geht die Welt nicht unter. Punkt. Dann passt sie entweder ins Budget, oder wenn sie es nicht tut, habe ich halt mit der „Begleichung meiner angefressenen Schulden“ etwas länger. Aber es ist mein Entscheid, wie ich mich organisiere. Und das fühlt sich saugut an.

Das war jetzt unglaublich viel an Worten und ihr fragt euch sicher: Aber WAS hast du überhaupt geschafft?

Keine Sorge – das verrate ich euch auch noch 🙂
Ich begann am 1.8.2016 mit 93.8kg.
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Anfang Juli 2016
Dank einer ausgeprägten Tallie und ausgeklügelter Kleidung mit ausgezeichneter Grösse von 176cm merkte man mir das aber kaum an.
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Anfang Oktober – 80kg – Erste Kleidung begann danach zu rufen ersetzt zu werden…
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Anfang Dezember – Plötzlich kommt Experimentierlaune auf und Dinge, die man zuvor nur von weitem bestaunte werden plötzlich Thema
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Und plötzlich hat man das Wunschgewicht erreicht – 14.2.2017 Einfach so und relativ unerwartet in einer Phase wo alles in mir schrie: Gib auf!
Oder wenigstens: Gib dich zufrieden….
27.8kg bis hier hin. Von BMI 31.0  auf BMI 21.3 aktuell und das ganze in 199 Tagen.
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Ich habe unglaubliche Freude an Sport und Bewegung entwickeln dürfen. Ich gehe wöchentlich ins Dorfschwimmbecken schwimmen, wo über Mittag gratis schwimmen ist. Auf meinem Bürotisch stehen zwei Dosen Pelati – nicht zum essen, sondern weil ich dort mein Laptop aufklappe, Youtube einschalte und sobald die drei Prinzessinnen schlafen ich in Ruhe mein Workout mache.

Ich habe herausgefunden, dass ich in 20min im Dorf sein kann zu Fuss, während wir sonst 10min zum Bus gehen würden, 5min Reserve einbauen müssen um dann 5min damit zu fahren und dann noch zum Ziel zu gehen…

Gerne möchte ich noch ein paar Körperfettprozente gegen Muskeln eintauschen. Machen wir nun alles noch – schliesslich habe ich es diesmal in der Hand.

Hach, ich könnte euch wohl noch Stunden lange Berichten, was ich mit FLÜ alles erleben und erlernen durfte. Aber ich glaube für den Moment reicht das mal so. Bei Fragen nur zu! Sagt mir, was ihr von mir gerne noch wissen wollt!

„Wer garantiert, dass das nicht alles einseitig zitiert wurde?“

Dieser Satz kam so oder so ähnlich nun schon in einigen Rezensionen zu Fettlogik, daher wird es Zeit, diese Frage einmal zu thematisieren. Vorab: Ich hasse diese Frage. Es ist aus meiner Sicht eine unfassbar ignorante, antiwissenschaftliche Frage und der Inbegriff des Postfaktischen, der auch noch die Frechheit besitzt, sich als „kritisch“ zu tarnen.

Ist das etwas hart? Mag sein. Letztlich ist es einfach die Frage, die jedes Mal und bei jedem Thema von Leuten gestellt wird, wenn man ihnen einen Haufen Belege für eine Aussage liefert, die ihrer gefühlten Wahrheit gegenüber steht. Gleichzeitig sind sie aber zu faul, sich damit zu befassen und so kommt einfach ein „Mäh, zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie!“, „Man kann ja alles wissenschaftlich beweisen“, „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“.

Auf die Art kann man sich von vornherein jede wissenschaftliche Auseiandersetzung mit einem Thema direkt sparen, denn diese Sprüche immunisieren gegen alles, was den Leuten irgendwie nicht in den Kram passt – egal ob Klimawandel, Impfen, Verbrechensmeldungen – auf diese Art wird alles zum alternativen Fakt, wo Belege und haltlose Behauptungen gefälligst als gleichwertig zu betrachten sind.

Und nein, das ist keine „gesunde Skepsis“ – Skeptisch wäre es, wenn man konkrete Anhaltspunkte für Fehler benennen würde und die angegebenen Quellen prüft. Was übrigens einige Fettlogik-Leser auch getan haben. Danke dafür.

Keine Ahnung ob es etwas bringt, Leuten die so eine Frage stellen, eine echte Antwort zu liefern. Wenn es bloß als Trumpsche Immunisierung gegen unliebsame Ergebnisse genutzt wird, sind das vermutlich ohnehin alles #Lügenerklärungen. Ich versuche mir jetzt allerdings einfach mal Option 2 vorzustellen, und sehe jemanden vor mir, der keine wissenschaftliche Ausbildung hat und sich ehrlich fragt, woher man als Laie eigentlich wissen soll, wem man trauen kann. Immerhin scheinen ja auch die Medien ständig widersprüchliche Ergebnisse zu berichten. Mal ist Übergewicht ganz schlimm, dann plötzlich ist leichtes Übergewicht sogar das gesündeste. Mal muss man 5 Mahlzeiten essen, dann wieder maximal drei oder bloß eine. Und immer sind das irgendwelche „allerneusten Studienergebnisse“. Also vielleicht besser gar nichts mehr glauben? Nur noch auf sich selbst hören?

Also zunächst mal: Rein statistisch ist es tatsächlich so, dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass Studien mal zufällig ein komplett abweichendes Ergebnis liefern. Diese Wahrscheinlichkeit lässt sich berechnen („p-Wert“). Um signifikant, also „überzufällig“ zu sein, muss die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis nur auf Zufall beruht, je nach Fachrichtung bei unter 5 %, unter 1 % oder unter 0,1 % liegen. Das bedeutet aber auch, dass bei hunderten publizierten Studien rein statistisch immer welche dabei sein werden, deren Daten nur auf Zufällen beruhen. Angesichts der Tatsache, dass eher die Studien veröffentlicht werden, die ein positives oder „interessantes“ Ergebnis haben (im Gegensatz zu „Wir haben diese Idee geprüft, aber … nö. War nix.“ oder „Wir haben zum drölfzigtausendsten Mal ein bereits bekanntes Ergebnis bestätigt.“) ist der Wert unter den veröffentlichten Studien eher höher anzusiedeln. Und hier sind wir noch bei echten Ergebnissen, denn natürlich gibt es auch fehlerhafte Messungen oder schlechte Studiendesigns (ich habe z.B. bei der Biggest-Loser-Studie geschrieben, warum ich diese für schlecht halte) und Forscher, die tatsächlich betrügen.

Aussaggekräftiger als einzelne Studien sind daher Metaanalysen verschiedener Studien und Übersichtsartikel.

Ich versuche einfach mal, zu erklären, wie ich Fettlogik geschrieben habe.

Wie habe ich die Studien überhaupt gefunden? Einige, die ich besonders gut fand, hatte ich über die Jahre, bevor ich überhaupt an ein Buchprojekt dachte, in die Lesezeichen gelegt, um sie bei Bedarf in Diskussionen zu verwenden – das waren zuerst meist (Blog-)Artikel zu Fatacceptance, im Laufe meiner Abnahme dann alles mögliche (Anti-)Fettlogische. Das war schonmal eine gute Basis um Studien „beider Seiten“ zu haben. Als ich die einzelnen Kapitelüberschriften zusammen hatte, also eine Sammlung von Fettlogiken, begann ich, in Datenbanken nochmal konkret zu den einzelnen Themen zu suchen. Also klassische Stichwortsuche: „Body weight BMR“, „Weight loss Energy expenditure“, „Obesity blood pressure“, etc.

Dabei habe ich mir die relevantesten Studien zu meiner Fragestellung durchgeschaut. War das Ergebnis überall ähnlich, habe ich mir die Studien ausgewählt, die am qualitativ hochwertigsten waren (neuer, größer, gutes Studiendesign,…) und sie als Beispiel genommen. Wenn die Ergebnisse gemischt ausfielen, habe ich mir die einzelnen Studien näher angeschaut um rauszufinden, was im Design anders war und was die Unterschiede erklären könnte. Was ich nicht gemacht habe: „Unliebsame“ Ergebnisse zu ignorieren.  Ich hatte beim Schreiben keine „Agenda“ und manche der Ergebnisse haben mich selbst überrascht. Letztlich war das Recherchieren auch für mich unglaublich interessant. Wenn sich „Fettlogik überwinden“ so liest, als sei es quasi „aus einem Guss“, dann ist das so, weil ich anhand der Ergebnisse meine Theorien erstellt habe und nicht umgekehrt.

Wenn manche beim Fettlogik von „Aha-Erlebnissen“ oder „Klick-Momenten“ reden … nun, so ging es mir teilweise beim Schreiben auch. Es gab mehrere Momente, in denen sich alles zusammenfügte und verschiedene Ergebnisse plötzlich wie ein Puzzle zusammenpassten. Ich hatte schonmal erzählt, dass ich zum Thema „Weight Cycling“ (also Gewichtsschwankungen) vorher die absolut feste Überzeugung hatte, dass diese gesundheitsschädlich seien. Das hatte ich sogar noch in meiner Diplomarbeit vor 10 Jahren so geschrieben. Ich hatte mir also überlegt, dass das evtl. an ungesunden Crashdiäten liegen könnte und hatte geplant zu recherchieren, ob es Belege dafür gibt, dass Menschen mit großen Gewichtsschwankungen evtl. zu den Extremzeiten eher ungesund essen. Meine persönliche Hypothese vor der Recherche zu „Jojo-Diäten sind viel schädlicher als Dicksein!“ wäre also gewesen, dass es nur eine halbe Fettlogik ist, und das daran lieg, dass die Diäten unausgewogen sind. Tatsächlich waren dann die ersten relevanten Studienergebnisse singemäß alle: „Das hat sich inzwischen als Irrtum herausgestellt und liegt daran, dass unfreiwilliger, krankheitsbedingter Gewichtsverlust nicht von Diäten unterschieden wurde. Diäten sind nicht ungesund, tendenziell eher sogar das Gegenteil.“ – Oh. Also: Kapitel entsprechend verfasst. Passte so gesehen ja sogar noch besser, denn auf die Art war es nicht nur „eine halbe Fettlogik“ sondern eine „ganze Fettlogik“.

Ich denke, was vielen nicht ganz bewusst ist, ist, wie tief meine eigenen Fettlogiken bei mir saßen. Mich hat es selbst oft überrascht, dass sie einfach nicht stimmten. Ich weiß noch, wie ich beim Krankheitskapitel fast aus den Latschen gekippt wäre. Aus meiner Fatacceptance-Zeit war ich fest davon überzeugt, die Krankheitszusammenhänge seien „fragwürdig“, „vage“ und „alle nur korrelativ“. Ich bin rangegangen mit der Einstellung, dass ich vermutlich ein paar Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rückenschmerzen finden würde, die in klarem Zusammenhang zum Gewicht stehen, denn wenn ich ehrlich war hatte ich das im Hinterkopf trotzdem immer ein wenig geglaubt und ja dann auch selbst gemerkt, dass diese Dinge bei mir besser wurden (also Bluthochdruck und Schmerzen).

Dann gab ich meine Suchbegriffe ein und … tja. Da war so gar nichts „vage“. Das war im Gegenteil, äußerst eindeutig und quasi ein permanenter Schlag ins Gesicht. Anstatt ein paar wenige Krankheiten mit halbwegs klaren Bezügen zu finden, gab es kaum etwas, das nicht im Zusammenhang mit dem Gewicht stand. Ich musste irgendwann einfach aufhören, und so gibt es einige relevante Erkrankungen, die noch fehlen (Asthma beispielsweise, glaube ich).

Lustigerweise hatte ich in meiner Fatacceptance-Literatur dann einen Artikel zu „Aber Übergewicht ist besser für die Knochendichte“ und nach der ganzen Recherche dachte ich „Tzö, das ist sicher auch Bullshit, den ich jetzt lockerflockig als Fettlogik widerlege.“ – DAS war dann aber tatsächlich wahr. Ist ja bei näherer Ursachenbetrachtung auch logisch. Also, wie ging ich mit diesem „Gegenergebnis“ um? Es steht im Buch. Was ja auch ein Hinweis sein könnte, dass ich „unliebsame Fakten“ eben nicht ignoriere oder verheimliche. Wenns so ist, ist es halt so. Und mal ehrlich, das zu ignorieren wäre ja nicht unbedingt schwer gewesen, denn wer hätte mir ernsthaft einen Strick daraus gedreht, eine bestimmte Erkrankung unter tausenden NICHT erwähnt zu haben? Ich hätte ohne weiteres sagen können, dass ich Ostheoporose eben genauso wie Asthma gar nicht gesucht habe, weil ich ja nicht jede Erkrankung thematisieren kann.

Und hier ein weiteres Ding zum Thema „Gegenstudien“: Fettlogik ging ja ein Jahr vor der Printversion als selbstverlegtes ebook an den Start. Diese Version war noch deutlich kürzer, insbesondere der Teil zum „Hungerstoffwechsel“. In zig Diskussionen wurden mir auch noch zig Studien zugeschickt, die mir zeigen sollten: Hah! Er existiert doch. Ínzwischen sind die meisten Studien aus diesen Kapiteln aus exakt solchen Diskussionen heraus im Buch gelandet, denn ein genaues Lesen der Studien ergab eben, dass der Grundumsatz nicht (stark) sank. So gesehen ist das das stärkste Kapitel im Buch, denn es basiert zum größten Teil nicht auf meiner Recherche sondern auf der Recherche der „Gegner“, die mir ihre (vermeintlich) stärksten Belege schickten.

Wenn es also irgendwo „kontroverse Ergebnisse“ gab, habe ich immer versucht, möglichst genau zu erklären, woher diese kommen. Das wurde in einer Negativrezension auch angekreidet: Sie kommt nie zum Punkt und erzählt viel mehr von irgendwelchen Studien-DURCHFÜHRUNGEN als von den ERGEBNISSEN.“ aber in manchen Bereichen war es eben wichtig, aufzudröseln warum manche Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und was das Studiendesign damit zu tun hat. An sich war meine Absicht, den Prozess auch gerade für Laien verständlich und transparent zu machen, denn klar stimmt theoretisch die Aussage, dass man zum Thema Gewicht ganz unterschiedliche Ergebnisse findet. Nur bedeutet das eben nicht, dass es dann auch unterschiedliche Tatsachen gibt – es bedeutet nur, dass manche Studien nicht geeignet sind, um eine bestimmte Frage zu beantworten. Wer nun eine bestimmte „Agenda“ verfolgt kann also tatsächlich immer irgendwelche dubiosen Studien aus dem Hut ziehen, die ein bestimmtes Ergebnis stützen  deswegen gibt es ja so viele „Wunderdiäten“ oder komplett unterschiedliche Ansätze.

Das ist allerdings kein Grund, die Wissenschaft und die Realität an sich in Frage zu stellen und nur noch gefühlten, oder alternativen Fakten zu folgen. Im Gegenteil, es sollte Anlass sein, sich (auch als Laie) mehr mit Originalstudien zu befassen. Artikel zu Studien sind oft Mist – kann man nicht anders sagen. Ich hatte hier schon einige Artikel großer Zeitungen kommentiert, und das waren noch nichtmal die wirklich unseriösen Seiten. Wer in einem Artikel nur von „neuen Studien“ oder „Studien sagen,….“ spricht, ohne Quellen anzugeben, schreibt oft Bullshit. Aber auch wenn die Studien angegeben werden, lohnt sich oft ein Blick hinein, um zumindest das „Abstract“, also die Zusammenfassung zu lesen. Dort wird kurz das Wesentliche zur Studie erklärt, also die Durchführung, das Ergebnis und das Fazit.

Klar kann man nicht zu jedem Thema umfassend informiert sein und sich als fachfremder Mensch in zig Originalstudien zu Dingen wie Klimawandel, medizinischen Themen oder Physik einlesen. Wichtiger ist eher, dass man Strategien entwickelt, um „Fake News“ und unseriösen Quatsch möglichst gut zu enttarnen. Im Zweifel hat es seinen Grund, wenn 95 % der Experten eines Fachgebietes eine bestimmte Meinung vertreten. Das bedeutet nicht, dass diese zwingend richtig sein muss, es bedeutet nur, dass es ein nachvollziehbares Erklärungsmodell benötigt und klare, nachprüfbare Belege, wenn jemand diesen Konsens in Frage stellt.

Es mag in zweiter Instanz interessant sein, warum 95 % der Experten irren, aber die Begründung darf nicht zentral darauf beruhen. „Die Ärzte/Politiker/Wissenschaftler/Industrie … sind alle nur geldgeil und manipulieren, daher darf man denen grundsätzlich nicht trauen.“ ist kein Beleg. Und „Wer garantiert, dass das nicht alles einseitig zitiert wurde?“ ist kein Gegenargument.

Gastbeitrag: Low Carb High Fatlogic

yuFast hätte ich es verpasst: Heute ist der Jahrestag der Fettlogik-Printversion! 365 Tage Fettlogik als toter Baum – inzwischen in der 14. Auflage. Und zur Feier des Tages schickte mir heute die Bloggerkollegin Frau Yu einen Gastbeitrag. Das ist heute besonders schön, denn sie war gewissermaßen von Anfang an dabei und erlebte sogar noch die ganze Vorher-Geschichte, bevor ich mich mit Fettlogik quasi „outete“. Hier also Frau Yus Geschichte, aus der direkten Nachbarschaft des virtuellen Bloggerdorfes:

Ich verfolgte Nadjas Blog „Erzählmirnix“ schon lange.
Darauf gestoßen bin ich ganz „klassisch“ – naja klassisch für die Bloggerwelt.
Nadja hatte mal zu einem meiner Beiträge kommentiert, ich habe nachgesehen, wer da geschrieben hat, habe lustige Strichmännchen gesehen und mich erst mal eingelesen.
Geblieben bin ich dann als treue Leserin nicht wegen der Strichmännchen, sondern wegen der Inhalte, der pointierten Art und Weise sich mit dem Alltagswahnsinn, der uns umgibt, auseinander zu setzen. Ich mochte die Kontroversen.

Irgendwann postete Nadja dann mal ein Foto von sich während der Renovierungsarbeiten an ihrem Haus und ich dachte „Ach, die ist ja auch dick. Hätte ich gar nicht gedacht.“
Und irgendwann häuften sich plötzlich auf dem Blog die Comics zum Thema Übergewicht.
Ich sah, wie angepisst einige Leser waren, Nadja plötzlich Fatshaming vorwarfen und total ausflippten.
Ich, die ich mich aber an das besagte Foto erinnerte, dachte nur: „Kommt mal klar! Die wirft euch das nicht vor! Sie setzt sich damit auseinander!“ und ich habe mich köstlich über die Comics amüsiert, weil ich mich selbst in so vielem wieder erkannte.

Dann irgendwann ließ sie die Bombe platzen: Ihre Geschichte. Von 150 kg auf Normalgewicht und wie sie sich mit den Fettlogiken auseinander gesetzt hatte.
Sie kündigte ihr Buch an und ich war Feuer und Flamme.

Denn: ich war selbst schon immer dick.

Seit Kindheitstagen war ich immer die Dicke und seit Kindheitstagen versuchte ich gegen die fetten Windmühlen anzukämpfen.
Doch statt nachhaltig schlanker zu werden, wurde ich immer dicker. Bis ich letztlich ein Höchstgewicht von 127 kg erreicht hatte.
Diesem Gewicht sagte ich bereits im Jahr 2009 den Kampf an und fing an, Punkte zu zählen und eben auch darüber zu bloggen.
Bis 2013 blieb ich dem Punktezeug treu. Und kam irgendwie auf 110 kg.
Dieses Gewicht hielt sich ewig. Es war so, als könne ich diese Marke einfach nicht unterschreiten.
Setpoint, ganz klar!

Aber irgendwie wollte ich mich nicht damit abfinden, dass es das jetzt gewesen sein sollte mit der Abnahme und suchte nach Alternativen zum Punktezählen.
So stieß ich, durch meine „Blognachbarn“, auf LCHF (Low Carb High Fat) als Ernährungsform.
Was hatte ich zu verlieren? Und so ließ ich mich auf das Experiment ein und nahm erfolgreich ab.
Bis auf 97 kg.

Kaum war ich UHU, wurde ich schwanger und packte mir in der Schwangerschaft, aber vor allem in der ersten Zeit nach der Geburt, 17 kg wieder drauf.
Schokolade to the max!
Ich war so runter mit den Nerven, verursacht durch die schlechten Nächte mit meinem Baby, dass das Essen (wieder einmal) mein Trost wurde. So spachtelte ich mich kreuz und quer durch das vielfältige Nahrungsangebot. Rosinenstuten zum Frühstück, Pizza zum Mittagessen und als Nachtisch einen Becher Ben&Jerrys.

Alles gar kein Problem. Das hatte ich mir schließlich verdient!

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Nach der Schwangerschaft mit 114 kg

Nun ja, mit dem Gewicht stieg auch die Unzufriedenheit in mir.
Es konnte doch nicht sein, dass ich wieder aus dem Leim ging, „nur“ weil ich ein Kind bekommen hatte.
Dann müssten ja alle Mütter auf der Welt schwerst adipös sein.

Ich besann mich zurück auf LCHF. Diese Ernährung tat mir gut, sie half mir dabei, meinen Heißhunger im Zaum zu halten.

Also startete ich mit 114 kg in den erneuten Abnehmversuch.
Ungefähr zur gleichen Zeit las ich FLÜ.

Ich habe, glaube ich, eine der allerersten Kindleversionen gelesen. In einem Rutsch, an einem Nachmittag.

Ich war baff. Was ich da las zog mir teilweise einfach den Boden unter den Füßen weg.
Wie? Es gibt keinen Hungerstoffwechsel?!
Was? Es ist nicht genetisch bedingt?
Hä? Mein Mann ist gar keine Stoffwechselmaschine, die alles direkt verbrennt?

Ich gebe zu, oft regte sich zuerst Protest in mir. Ein vehementes DAS KANN DOCH NICHT SEIN!

Naja, wohl eher ein DAS DARF NICHT SEIN denn sonst fehlen mir ja alle Ausreden bzw. Erklärungen!

Nachdem der erste Schock verdaut war und ich mich mit meinen eigenen Fettlogiken auseinandeer gesetzt hatte, ging es dann aber stetig bergab mit dem Gewicht.
Innerhalb eines Jahres verlor ich 30 kg,

Derzeit pendle ich um die 84 kg-Marke herum, will aber auf jeden Fall noch weiter runter.
Ich blieb übrigens LCHF treu und bin es bis heute geblieben.
Viele werden sich vielleicht fragen, warum.
Low Carb ist doch genussfeindlich, nicht auszuhalten und wird gemeinhin gern als „spleenige Ernährung“ belächelt.
Außerdem müsste ich doch durch FLÜ verstanden haben, das es im Prinzip egal ist, ob ich Low Carb oder High Carb, Paleo oder Kohlsuppe, Punkte oder Shakes zu mir nehme.
Ja, das habe ich auch verstanden.
Nur leider funktioniert bei mir der „alles ist erlaubt, aber in Maßen“-Ansatz nicht. Ich kann mich bei kh-lastigem Essen nicht kontrollieren.
Süßigkeiten sind am schlimmsten, aber selbst ein schnödes Weizenbrötchen oder Nudeln sorgen dafür, dass ich den ganzen Tag rumfresse und alle guten Vorsätze über Bord werfe.
Mit LCHF hingegen bleibt der Blutzuckerspiegel ruhig, es gibt also keine Heißhungerattacken durch Blutzuckerspitzen und das macht es mir schon sehr viel einfacher, mich an mein Kalorienbudget zu halten.
Der relativ hohe Fettanteil im Essen sorgt für eine langanhaltende, zufriedenstellende Sättigung, sodass ich an den meisten Tagen mit zwei Mahlzeiten auskomme, anstatt wie früher durchgängig irgendwas vor mich hin zu futtern.
Außerdem schmecken LCHF-Gerichte einfach geil. Muss man mal so sagen. 😀

Mascarpone mit Beeren, Eier mit Speck, Salat mit ordentlich Öl im Dressing und ein nettes Steak mit Kräuterbutter – das sind schon ziemlich coole Mahlzeiten.

Ich schweife ab, aber ich wollte einfach kurz einmal erklären, warum diese Ernährungsform für mich der Weg ist, langfristig mein Gewicht verringern und halten zu können.

Aber FLÜ hat natürlich auch meinen Blick auf LCHF verändert.
Mir war immer klar, dass es auf die Kalorienbilanz ankommt, wenn es ums abnehmen geht.
Und so versuchte ich natürlich immer ein ausreichendes Defizit zu erreichen, damit das Gewicht schwinden würde.
Wie gesagt, macht das reichhaltige Essen bei meiner Ernährungsform lange satt.
Das führte oft dazu, dass ich nach zwei Mahlzeiten und somit 1.000 – 1.200 Kalorien am Tag fertig war mit Essen. Ich wollte nicht mehr, weil ich einfach keinen Hunger hatte.
Aber Fettlogik-Yubaba saß in meinem Hirn und wetterte: „HUNGERSTOFFWECHSEL! Du isst viel zu wenig!!!“
Sodass ich manchmal tatsächlich noch was nachschob, nur damit die Kalorien höher waren.
Oder aber mit dem schlechten Gefühl, mit der wenigen aufgenommenen Energie meinen Körper zu Grunde zu richten, ins Bett ging.

Das war eine wirkliche Erleichterung für mich. Echt. Dieser Hungerstoffwechsel-Mythos ist für mich Das Mutterschiff aller Fettlogiken.
Die Hinweise darauf, bloß nicht zu wenig zu essen, lauern überall.
Jeder selbsternannte Ernährungsexperte wird dir das früher oder später um die Ohren hauen.

Was mich auch eiskalt erwischt hat, war die Tatsache, dass mein Mann eben nicht mit einem „guten“ Stoffwechsel gesegnet und ich mit einem „miesen“ geschlagen war.
Das war immer mein Nummer 1 – Jammerthema. „Ich esse genauso viel, wie mein Mann und der ist schlank und ich werde immer fetter!“

Öhm ja.
Mein Mann ist einige Zentimeter größer als ich und eben ein Mann. Und dazu auch noch viel aktiver. Finde den Fehler!

Angespornt durch FLÜ habe ich dann mal unseren Bedarf und unseren Verbrauch gegenüber gestellt und musste erkennen, dass, wenn wir das gleiche essen, er easy peasy in seinem Tagesbedarf liegt, während ich dann längst drüber bin.
Wer hätte das gedacht?! (Hier bitte massives Augenrollen vorstellen.)

Was mich auch nachhaltig beeindruckt hat, war, dass über das LCHF-Forum irgendwann eine regelrechte Fettlogik-Welle schwappte.
Ich hatte auf dem Blog Werbung dafür gemacht und es einzelnen Mitforisten ans Herz gelegt, klar, aber auf einmal war es überall Thema.
Ich habe mit Freude gesehen, dass viele Teilnehmer ganz viel positives, wichtiges, augen-öffnendes für sich da heraus ziehen konnten.
Besonders schön fand ich, dass viele dadurch erkannt haben, dass LCHF keine Stoffwechselwunderdiät ist, die mit haufenweise Fett irgendwelche Körperprozesse anfacht, die dann für eine automatische Gewichtsabnahme sorgen.
Leider wird das manchmal so verkauft und am Ende sitzen Leute da, essen 4.500 Kalorien am Tag und wundern sich, dass sich ihr Gewicht nach oben schraubt, obwohl sie sich doch so „brav an LCHF halten“ und überall ordentlich Fett ran geben.

Auch in Sachen Zielsetzung hat mich Fettlogik stark beeinflusst.

y4
84 kg

Ich habe immer den Larifari-Ansatz („Och so um die 80 Kilo reichen doch!“) verfolgt.

Das rührte daher, dass ich es für absolut unrealistisch hielt, dass ich jemals auch nur in die Nähe des Normalgewichts kommen könnte.
Und dann kam Nadja und hat es einfach so vorgemacht und auch noch wissenschaftlich belegt.
Es ist eine Befreiung zu wissen, dass ich jedes Gewicht erreichen kann, wenn ich will.
Deswegen habe ich mein Zielgewicht auch runter korrigiert, auf 67 kg, was meinem obersten Normalgewicht entspricht.
Gestartet bin ich nämlich mit der Vorstellung, bei 82 kg wäre ich fertig und zufrieden.
Jetzt, in der Nähe dieses Gewichts, denke ich eher „Nope, da muss noch einiges gehen!“
Vielleicht bin ich bei 67 kg dann der Ansicht, das mittleres oder unteres Normalgewicht noch besser wären. Wer weiß. Vielleicht sage ich auch bei 75 kg: „Ach, alles cool!“
Ich weiß nun jedenfalls, dass theoretisch alles möglich ist.

Fettlogik überwinden hat mich also wirklich von vielem befreit. Allein dafür bin ich Nadja auf ewig dankbar.
Allerdings hat FLÜ aber manchmal auch einen „negativen Effekt“ auf mich.
Den „Bist ja selbst Schuld“-Effekt will ich den mal nennen.
Wenn ich auf der Stelle trete beim Abnehmen, wenn ich sogar mal leicht zunehme, weiß ich jetzt, dass das in meiner Verantwortung liegt.
Klar ist es schön, sich der eigenen Verantwortung bewusst zu sein. Es ist aber auch eine Last irgendwie.
Es war eben einfacher, es auf kosmische Konstellationen und die allgemeine Ungerechtigkeit zu schieben, als sich einzugestehen, dass man einfach zu viel isst.
Wenn ich in so einer Stimmung dann noch krasse Erfolgsgeschichten lese, in denen Menschen in einem halben Jahr 30 kg abspecken, zieht mich das enorm runter.
„Alle schaffen das, nur du nicht! Bist ja selber Schuld! Verlierer.“

Für mich, als emotionaler Esser, ein gefährlicher Gedanke, der schnell zu einem Fressanfall führen kann.

(Ja, davor bin ich auch mir LCHF nicht gewappnet. Es hilft mir, den blutzuckerinduzierten Hunger auszuschalten, dieser Fallstrick fällt also weg. Bleibt aber immer noch die Herausforderung, echten Hunger von emotionalem Hunger zu unterscheiden und nicht einfach loszuessen.)

Doch auch wenn das im ersten Moment negative Gefühle bei mir erzeugt, es bleibt nun mal die Wahrheit. Ich allein entscheide, ob, wann und wie viel ich esse und somit entscheide auch ich allein über mein Gewicht.

vny
127 kg vs. 84 kg

Alles in allem kann ich, wie so viele vor mir es auch schon taten, sagen, dass Fettlogik überwinden und damit Nadja, mein Leben verändert hat.
Und ich finde es großartig zu sehen, welchen Erfolg das Buch hat.

Danke, Nadja! 🙂