Are you FUNKing kidding me?

Eben stieß ich auf die neue Kampagne von FUNK – ihr erinnert euch vielleicht:

funk ist ein Online-Medienangebot der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren. ARD und ZDF sind gemeinsam Träger und gleichberechtigte rundfunkrechtliche Veranstalter des Angebots. Die Federführung liegt beim Südwestrundfunk (SWR). funk richtet sich an Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die ansonsten kaum oder gar nicht die Fernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender konsumieren. Das Projekt wird jährlich (Stand: 2016) durch finanzielle Mittel in Höhe von 45 Millionen Euro gefördert, wovon zwei Drittel von der ARD und ein Drittel vom ZDF finanziert werden (Quelle)

Dazu hatte ich hier schon einmal einen Beitrag geschrieben.

Der neue Beitrag zur Kampagne #bleibdu toppt das aber bei weitem:

Mehrere junge Frauen treffen dabei eine Ernährungsberaterin im Supermarkt. Was sie jedoch nicht wissen: Statt sie zu beraten, beleidigt die „Ernährungsberaterin“ sie in einer Tour, wirft ihnen vor „voll den Scheiß“ zu essen und „viel zu fett“ zu sein und fragt „Gibt’s sonst noch was hier, was du friss… äh isst?“ … so lange bis die Kandidatinnen genug haben oder weinen.

Dann kommt plötzlich ein Chor und singt, dass die Kandidatinnen toll sind und bleiben sollen, wie sie sind.

Äh … Was zur Hölle?!

Da ist so vieles falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

In der Videobeschreibung steht:

Was in diesem Supermarkt passiert, ist unglaublich … Das neue Jahr hat gerade begonnen und viele beschäftigen sich damit, was sich im neuen Jahr für sie alles ändern soll. Schlanker, schöner, fitter, reicher – anders.Häufig geht es da nicht wirklich um eine innere Einstellung, sondern um Dinge, die einem von außen suggeriert werden.Wir sagen: „Mach dich nicht fertig mit falschen Vorsätzen, die dir jemand diktiert und die dich am Ende runterziehen. Bleib wie du bist! Du bist toll! Und wenn du was verändern willst, dann nur, weil du es willst.#bleibdu

Das Video macht leider überhaupt nicht klar, warum es ausgerechnet bei diesen Frauen schlimme Vorsätze sind, wenn sie sich gerne gesünder ernähren und abnehmen möchten. Natürlich ist es gut zu vermitteln, dass man sich nicht von außen unter Druck setzen lassen soll. Auch beim Thema Körpergewicht – eigener Körper, eigene Entscheidung. Zum Problem wird es, wenn automatisch der Wunsch nach gesünderer Ernährung und/oder Abnahme als negativ und von außen diktiert dargestellt wird, ohne weitere Erläuterung. Die Frauen erklären nicht am Anfang, dass sie sich und ihre Ernährung eigentlich toll finden, aber irgendwer ihnen ein schlechtes Gewissen macht. Es wird einfach für den Zuschauer vorausgesetzt, dass diese Wünsche natürlich von aussen diktiert sein müssen und damit etwas schlechtes sind.

So wird unterschwellig suggertiert: Abnehmen/gesund ernähren = Zwang. Und noch schlimmer, sie werden gleichgesetzt mit übelsten Abwertungen, denn die Fake-Ernährungsberaterin soll „das schlechte Gewissen“ symbolisieren. Botschaft: Wer den Vorsatz hat, seine Ernährung zu ändern, der hasst sich selbst. Dass man etwas für sich tun will, indem man seinen Körper gut behandelt? Nö. Das scheint in diesem Weltbild nicht vorzukommen. Ist das wirklich die Botschaft, die ein öffentlich-rechtliches Jugendmagazin vermitteln sollte?

Darüber hinaus finde ich die komplette Aktion in sich schon daneben. Ich hoffe, das war komplett geschauspielert und keine echten Kandidaten, die da öffentlich gedemütigt wurden. Was soll das für eine Botschaft sein? Es ist okay, Menschen fertigzumachen und emotional so unter Stress zu setzen, dass sie vor der Kamera in Tränen ausbrechen, solange man es für einen guten Zweck tut und dann ein „Hey, war ja nicht so gemeint!“ ranhängt? Und dann wundert man sich, wenn Kinder und Jugendliche Mobbing für einen Spaß halten und denken, wenn man hinterher sagt „War doch nur n Witz!“ sei es nicht so schlimm?

Sorry funk, aber die Aktion ging irgendwie daneben.

Ergänzung: Eine der Kandidatinnen, Denise, hat sich gestern hier in den Kommentaren zu Wort gemeldet und mir per Mail noch einige Informationen (und ein Beweisfoto, dass es sich tatsächlich um die Beitrags-Denise handelt) geschickt. Sie hat mir erlaubt, ihren Kommentar hier zu zitieren:

Ich danke dir für diesen Beitrag, den ich über eine Freundin gefunden habe.
Leider waren die Teilnehmer keine Schauspielerinnen, denn ich war eine von ihnen.
Es war ganz furchtbar für mich: Ich nehme mir die Auszeit von der stressigen Lernphase dafür (was ich auch beim Vorgespräch am Telefon erwähnt hatte), bin total aufgeregt und mache mir Gedanken was ich anziehe, und wie ich es schaffe mich nicht zu blamieren. Denn hey wann gewinnt man denn mal etwas?
Als allererstes: ich habe da mitgemacht um mir Tipps geben zu lassen, Alternativen zu Fertigkram und Nudeln während der Prüfungszeit zu finden. Ich habe das nicht gemacht um abzunehmen, einfach nur um mich besser zu fühlen.
Als ich dort ankam konnte ich meine Aufregung kaum verbergen, 3 Kameras die auf einen gerichtet sind und die ganzen Menschen, dazu noch in einem Einkaufscenter in dem gerade viele Leute einkaufen und das Ganze mit ansehen können.
Und dann aus dem nichts solche Beleidigungen an den Kopf geknallt zu bekommen, die ganzen Selbstzweifel die wieder auftauchen und das Schlimmste war dieses Lächeln das ich auflegen musste. 2 Kameras die die ganze Zeit auf mich gerichtet waren, da konnte man nicht zeigen, welche Welten gerade in einem zusammenbrechen. Und ich bin nicht der Typ, der sagt was ihn stört oder der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat.
Als der Walk of shame dann mit dem Chor ein Ende nahm, war ich einfach überfordert. Tut mir Leid aber ein „bleib wie du bist“ konnte da nicht retten, was da zwischen den Süßigkeiten und der Käseabteilung in mir kaputt gegangen ist.
Ich wollte doch bleiben wie ich bin und hatte nie vor mich zu ändern!
Das schlimmste an der Sache war, dass es die ganzen schlimmen Momente von damals wieder hervorgeholt hat.
Ich war mal dick und hatte 3 Jahre eine Essstörung, die mich sehr viel Kraft gekostet hat. Aber danach hat sich niemand im Voraus erkundigt.
Die Szenen waren im Kasten und ich wurde mit einer Mütze, ein paar Billigkopfhörern und einer Werbegeschenkladestation abgefertigt, dann noch kurz verstecken, damit mich die nächste Kandidatin nicht sieht und Tschüss!

Es ist also nicht nur so, dass die Kandidatinnen keine Schauspieler waren, sondern tatsächlich unter dem Vorwand ein Gewinnspiel gewonnen zu haben, in diese Aktion gelockt wurden, es wurde im Vorfeld auch seitens der Produktionsfirma nicht einmal abgeklärt, wie der Hintergrund der Betreffenden aussieht, so dass ausgerechnet jemand mit Essstörungsvergangenheit unter derartigen Stress gesetzt wurde.

Denise hat sich nach dem Dreh auch an die Produktionsfirma gewendet und geschildert, wie es ihr mit dem Dreh ging, die Antwort war allerdings wenig hilfreich:

Die Antwort war (wie ich befürchtet habe) sehr oberflächlich und sie sind überhaupt nicht auf die Punkte eingegangen die ich in dieser Mail geschrieben hatte.

Seitens der Produktionsfirma scheint nicht wirklich Einsehen zu bestehen, was an dieser Aktion schief gelaufen ist. Abgesehen davon, dass auf Kosten der Kandidatinnen versucht wurde, eine „Feelgood-Message“ zu vermitteln und gleichzeitig auf maximal ignorante Art mit den realen Gefühlen der Teilnehmer umgegangen wurde, ist der ganze Sinn der Aktion auch noch völlig daneben, wenn man Denises Aussage zu ihrem Beweggrund für die Beratung anschaut:

Ich habe da mitgemacht um mir Tipps geben zu lassen, Alternativen zu Fertigkram und Nudeln während der Prüfungszeit zu finden. Ich habe das nicht gemacht um abzunehmen, einfach nur um mich besser zu fühlen. […] Ich wollte doch bleiben wie ich bin und hatte nie vor mich zu ändern!

 

Ergänzung 2: Der Vollständigkeit halber hier auch noch das Statement von funk aus den Kommentaren:

Erst einmal: Vielen Dank für die positiven und die kritischen Rückmeldungen. Die Botschaft #bleibdu hat viele verschiedene Reaktionen und Emotionen hervorgerufen. Auch bei uns hat das Video kritische Gespräche und Diskussionen ausgelöst. Beim nächsten Mal wollen wir es anders und besser machen. Wir nehmen auf jeden Fall einiges aus eurem Feedback mit und wollen uns selbst auch zu unserer Aktion äußern. Insbesondere zu zwei Kritikpunkten von euch.

1) Wir wollen mit der Aktion eine grundpositive Botschaft vermitteln: #bleibdu. Denn wir denken, dass viel zu viele von uns den Unverschämtheiten anderer Menschen eher nachgeben würden, als auf sich selbst zu hören. Die übertriebene Rolle von „Coach Sabine“ steht für die vielen Einflüsse, die uns von außen dann doch immer wieder an uns zweifeln lassen – und darauf antworten wir mit #bleibdu. Die Protagonistinnen des Videos sind tolle Menschen und haben es nicht nötig, sich von jemandem sagen zu lassen, wie sie sein sollen oder nicht. Offensichtlich ist die eigentliche Botschaft zu kurz gekommen. Zu keinem Zeitpunkt wollten wir unsere Protagonistinnen bloßstellen. Das ist uns leider nicht an jeder Stelle gelungen und dafür entschuldigen wir uns.

2) Natürlich finden wir gesunde Ernährung wichtig. Mehr noch, sie kann auch aus gesundheitlichen Gründen sehr wichtig sein. Um das zu verdeutlichen, hat unser „Coach“ so maßlos übertrieben. Denn kein verantwortungsvoller Coach würde so beraten. Weder was die Tipps selbst angeht, noch die Art und Weise, wie sie vermittelt wurden.

Und zu guter Letzt das Wichtigste: Wir wollen, dass es unseren Protagonistinnen gut geht und haben sowohl vor als auch nach den Drehs mit ihnen gesprochen und stehen weiter mit ihnen im Austausch. Wir haben den Protagonistinnen direkt im Anschluss an den Dreh ein „echtes“ Coaching ohne Mikro und Kamera angeboten, wenn sie das machen möchten.

Zwischenbericht

In letzter Zeit wurde ich wieder enorm oft nach Fettlogik-Übersetzungen gefragt und einige Leute haben mir sogar geschrieben und angeboten, die Übersetzung ins Englische oder in andere Sprachen selbst zu übernehmen. Daher an der Stelle mal einen kurzen Zwischenbericht von der Buchfront.

Also vorab: Mit dem Vertrag mit Ullstein habe ich auch die Übersetzungsrechte an den Verlag abgegeben. Die deutschen Verlage übersetzen allerdings nicht selbst sondern verkaufen die Rechte dann ihrerseits an ausländische Verlage weiter. Das hat bisher zu Verträgen mit Verlagen aus …

  • Polen
  • Tschechien
  • Russland und
  • Estland

… geführt. Dass es sich dabei vorwiegend um osteuropäische Länder handelt ist (ein halber) Zufall. Prinzipiell versucht Ullstein es überall, aber es ist offenbar so, dass kleinere und osteuropäische Länder öfter in den Westen nach Deutschland schauen. Von Deutschland aus ein Buch in ein englischsprachiges Land zu verkaufen ist, wie mir gesag wurde, sehr schwer. Dort ist man gewohnt, eigene Autoren zu haben und der Weg funktioniert eigentlich immer anders herum, also dass US-Autoren auf deusch übersetzt werden. Das Interesse ist also von vornherein eher gering.

Nun ist es so, dass mir die englische Übersetzung ebenfalls sehr am Herzen liegt, und ich damals bei den Vertragsverhandlungen vereinbart habe, dass die Übersetzungsrechte nach 2 Jahren wieder an mich zurückgehen, falls bis dahin nichts passiert ist. Das bedeutet, 2018 könnte ich dann theoretisch selbst die Übersetzung angehen. Mein Plan wäre dann, das Buch ebenfalls wieder zuerst als selbst publiziertes Ebook bei Amazon einzustellen und darauf zu hoffen, dass es ähnlich läuft wie in Deutschland.

Momentan besteht aber noch Hoffnung. Das liegt einerseits daran, dass die Verkaufszahlen von Fettlogik in den letzten zwei Jahren kontinuierlich gestiegen sind und wir inzwischen schon mehrere Wochen in den vorderen Rängen der Spiegel-Bestsellerliste sind (derzeit Platz 4, davor mal als beste Platzierung Platz 3) – eher ungewöhnlich, dass ein Buch sich nach Jahren so nach vorne arbeitet, aber natürlich toll! Inzwischen sind wir in der 13. Auflage. Das könnte durchaus nochmal ein Argument für andere Verlage sein. Ausserdem hat seit einigen Wochen eine neue Mitarbeiterin die Übersetzungs-Abteilung übernommen und die ist supernett und begeistert von Fettlogik, daher will sie jetzt nochmal in die Offensive gehen.

Um Vorsichtig mal in Richtung englischsprachiges Publikum vorzufühlen, habe ich vor kurzem eine englische Version meiner Comics mit „Emoticomix“ auf Facebook gestartet. Ich weiß noch nicht, wie gut das funktioniert, weil ja die Comics oft auf deutscher Politik und Sprachwitzen basieren und das englischsprachige Publikum vielleicht mit dem Humor auch gar nichts anfangen kann. Aber es ist zumindest ein Anfang. Also wenn ihr Erzaehlmirnix/Fettlogik auf englisch unterstützen wollt, könnt ihr das zur Zeit indirekt über die Verbreitung der Comics tun – ansonsten … ich halte euch auf dem Laufenden, falls sich irgendwas tut 🙂

„Rund? Na und!“

Die NZZ hat einen Artikel geschrieben: „Rund? Na und!“ … und der ist …. ärgerlich. Warum? Ich versuche es mal teilweise aufzudröseln. Der Beginn spricht schon für sich:

Jeder kennt einen Schlank­fresser.

Ah?

Vielleicht sind Sie ja zufällig einer.

Schau‘ mer mal.

Das sind die Menschen, die meinen, den Energiegehalt eines Big Macs locker zu kompensieren, wenn sie die Treppe statt den Lift nehmen.

Hm. Kurzes googeln: Ein Big Mac hat 508 kcal. Müsste eine recht hohe Treppe sein, für die man mindestens 45 Minuten braucht. Der berühmteste Treppenlauf-Wettbewerb findet im Empire State Building statt und dauert um die 10 Minuten.

Aber das mit der Treppe ist wohl eher symbolisch gemeint. Konzentrieren wir uns also auf den Kern: Es geht um NEAT. NEAT ist Non-Exercise-Activity-Thermogenesis, also der Energieverbrauch von Alltagsbewegungen, die nicht explizit „Sport“ sind. So wie Treppe statt Fahrstuhl nehmen. Hihi, wie könnte so etwas lächerliches wohl einen Unterschied machen?

neat

Oh. Allein die Körperhaltung schlanker Menschen … entschuldigung „Schlankfresser“ kann also schon mehr als die Hälfte eines Big Macs ausmachen? Da ist die Treppe noch gar nicht mit eingerechnet.

Solche, die den Satz «Ein Bier ist auch eine Mahlzeit» für einen Scherz unter Saufkumpanen halten statt für eine ernährungsphysiologische Tatsache.

Eine 0,33er Flasche Beck’s enthält 125 kcal, ein Krombacher Pils 128 kcal. Tatsächlich kann man sich jetzt über die Definition von „Mahlzeit“ streiten, aber die meisten stellen sich darunter wohl mehr vor als etwa 40g trockene Nudeln oder eine halbe Brezel. Aber der Kern soll wohl sein: Der Schlankfresser ist sich nicht über den Kaloriengehalt seiner Nahrung bewusst.

Der Schlank­fresser fällt besonders häufig durch seine Herablassung gegenüber Dicken auf. Rein zufällig ist er normalgewichtig, und er bildet sich viel darauf ein. Er ist der festen Überzeugung, sich aus eigener Kraft dünn zu halten.

Verstehe. Der „Schlankfresser“ ist nur zufällig schlank, weil er ja der doofen Ansicht ist, dass Alltagsbewegung einen Unterschied macht und den exakten Kaloriengehalt von Bier mutmaßlich nicht kennt.

Doch Schlankfresser ignorieren wissenschaftliche Tatsachen. Heute geht man davon aus, dass die Neigung zu Übergewicht weitgehend genetisch bedingt ist.

Ich zitiere mich an der Stelle mal selbst aus Fettlogik: „Die Dinge, die tatsächlich genetisch begründet sind, sind Appetit, Vorliebe für bestimmte Geschmacksrichtungen (wie süß oder fettig) und der Bewegungsdrang. In mehreren Studien (etwa einer deutschen Studie von Haupt und Kollegen, 2009) wurde nachgewiesen, dass Träger von sogenannten Adipositas-Genen im Schnitt 125 bis 280 kcal mehr konsumieren und es keine Unterschiede im Stoffwechsel selbst gibt.“

Der Schlankfresser ist also der Meinung, wegen seines Ess- und Bewegungsverhaltens schlank zu sein, obwohl man doch inzwischen weiß, dass die Neigung zu Übergewicht weitgehend genetisch bedingt ist – durch das Ess- und Bewegungsverhalten. Hmmmm.

Mehr noch: Es gilt als gesichert, dass die Regulation des Energiehaushaltes von Dicken und Dünnen komplett unterschiedlich ist. Seit Ende der 1990er Jahre ist die «Selfish-Brain-Theorie» bekannt und in zahlreichen Studien belegt.

Äh. Nein. Einfach nein. Nur weil man einer kompletten Bullshit-Theorie wie Selfish Brain oder Trennkost oder sonstigem Quatsch ein „es gilt als gesichert“ voran stellt, ist das noch lange nicht wahr. „Es gilt als gesichert, dass man durch den Konsum ausreichend bunter Nahrungsmittel Regenbögen kackt. Seit Ende der 1990er Jahre ist die „Regenbogentherie“ bekannt …“

Ihre Hauptaussage ist, dass das Hirn von allen Organen am meisten Energie einfordert. Diesen überlebenswichtigen Vorgang nennt man «Brain Pull». Das Hirn unterbindet in Notsituationen die Versorgung für den Rest des Körpers. Es entzieht anderen Organen den Brennstoff Glukose, um ihn selbst zu verbrauchen.

Ja, das ist ganz toll, aber so funktioniert es leider nicht. Wenn der Körper eine Möglichkeit hätte, den Energiebedarf von Organen wie dem Herzen oder der Leber einfach mal so drastisch zu reduzieren, dann hätte er das in tausenden Jahren Evolution mit Sicherheit zum Normalprogramm gemacht, anstatt in Zeiten andauernder Hungersnöte tausende lebenswichtige Kalorien unnütz zu verblasen. Natürlich ist es im Falle einer drastischen Unterernährung so, dass bei lebensbedrohlichem Körperfettanteil die Organfunkion schrittweise zurückgefahren wird und nur noch die absolut überlebensnötigen Funktionen aufrecht erhalten werden – das betrifft aber übrigens nicht nur (verlangsamten) Herzschlag, Nieren(versagen) und Verdauung(sprobleme) sondern auch das Gehirn in Form von z.B. Konzentrations- und irgendwann auch Wahrnehmungsstörungen. Verhungern ist ein ziemlich schrecklicher Tod.

Das betrifft aber ausdrücklich nicht Menschen mit normalen oder gar erhöhten Körperfettwerten, bei denen der Körper in Zeiten von Energiemangel problemlos an die extra dafür eingerichteten Fettreserven gehen kann.

«Übergewicht hat eine neuro­ener­getische Ursache, es entsteht durch einen Versorgungsengpass und nicht durch das Überangebot der Umwelt», sagt Achim Peters.

Daher auch die ganzen Adipösen in Hungergebieten.

Und die steigenden Adipositaszahlen haben sicher nichts damit zu tun, dass wir erstmalig in der Geschichte der Menschheit ein permanentes Überangebot an Essen zur Verfügung haben:

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Bei den Dicken passt sich der Brain Pull mit der Zeit an, sie müssen mehr essen, um ihr Gehirn zu versorgen – und nehmen zu. Bei den Dünnen passt sich der Brain Pull nicht an, er bleibt ständig hoch und nimmt Energie aus dem Körper. Das bedeutet mit anderen Worten, dass Dicke nicht zu viel essen, sondern genau so viel, wie es ihr Energiehaushalt verlangt.

Ja, zu dem Schluss könnte man kommen, wenn man sich auf Selbstangaben zum Ernährungsverhalten verlässt und glaubt, Dicke äßen gleich viel oder gar weniger als Dünne. In Fettlogik habe ich mehrere Kapitel zu dem Thema und einen auführlichen Überblick über Studien, die Selbstangaben mit objektiven Messungen vergleichen. Nochmal kurz das Fazit zitiert: „So habe man über Jahrzehnte hinweg an der vermeintlichen Tatsache geforscht, dass Adipöse weniger essen als Normalgewichtige, und daraufhin alle möglichen Theorien über Stoffwechsel, Genetik und andere Erklärungen untersucht. Mittlerweile sei allerdings klar, dass Übergewichtige tatsächlich mehr essen als Normalgewichtige und ihre Selbstbeobachtung nicht mit objektiven Daten übereinstimmt.“
Schlanke Menschen funktionieren nicht fundamental anders als übergewichtige Menschen. Wir sind keine unterschiedlichen Spezies und mein Körper hat keine magische Verwandlung durchlaufen in den letzten Jahren. Sowohl mit 150 kg als auch mit 65 kg liegt mein Kalorienbedarf da, wo er laut Berechnung sein soll und meine Organe brauchen die Energie, die normale Organfunktion eben braucht.

Wenn Übergewichtige wegen mangelnder Hirnversorgung nicht abnehmen können, müssten wir dann nicht z.B. Sigmar Gabriel umgehend von seinem Posten entfernen? Immerhin hat er nun eine Magenverkleinerung, was wohl bedeutet, dass sein Gehirn nun nicht mehr ausreichend versorgt wird.

Dicke sind damit aber nicht kranker als Dünne. Die Studien, die in der Vergangenheit einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Bluthochdruck oder Neigung zum Herzinfarkt aufgezeigt haben, werden von der Wissenschaft heute stark angezweifelt.

Wieder: Nein. Werden sie nicht. Die steigenden Krankheitsrisiken von Diabetes, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Gelenkproblemen, Gicht, Asthma, Krebs und zahlreichen anderen Erkrankungen werden im Gegenteil ständig bestätigt. Und es handelt sich dabei auch nicht um bloße Korrelationen, sondern man kann a) die Mechanismen benennen, wie sich Körperfett auf das jeweilige System auswirkt und b) durch Abnahme lassen sich diese Erkrankungen stark verbessern und teilweise sogar heilen. Ein oder zwei Wissenschafler wie Achim Peters oder Udo Pollmer sind keineswegs „die Wissenschaft“. Das wäre so, als würde man Dr. Axel Stoll mit seiner Reichsflugscheibe als „die Wissenschaft“ bezeichnen oder die paar Klimawandelleugner unter den Forschern als „die Wissenschaft“ präsentieren. Egal in welchem Bereich, es wird immer 1-2% an Wissenschaftlern geben, die dem großen Konsens widersprechen und ihre ganz eigene (Verschwörungs)Theorie zum Besten geben.

Ein anderer Irrtum: Dicke sterben früher. Achim Peters hat dafür vor zwölf Jahren eine Expertengruppe aus den Bereichen Mathematik, Chemie, Psychiatrie und Hirnforschung um sich geschart und 12 000 Studien ausgewertet. Ihr Fazit: Dicksein ist nicht ungesund. Ein paar Kilos zu viel schützen sogar vor Krankheiten. Die Universität Hamburg hat einen Body-Mass-Index (BMI) bestimmt, der die höchste Lebenserwartung bringt: Mit BMI 27 lebt es sich am längsten. Das entspricht ungefähr der Gewichtsklasse von Angela Merkel.

Zunächst mal: Angela Merkel wirkt laut ihrer Bilder nicht wie BMI 27. Hier die Bilder aus dem Forum von Userinnen, die alle einen BMI über 30, also Adipositas haben:

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Aber das nur am Rande.

Leider wird keine Quelle zur Originalstudie angegeben, aber es ist inzwischen ein bekanntes Thema, dass Sterblichkeitsstudien im Bereich Übergewicht einer Verzerrung unterliegen, die von seriösen Wissenschaftlern berücksichtigt wird. Dadurch, dass chronisch Kranke und Raucher im Schnitt einen niedrigeren BMI haben, gleichzeitig aber ein höheres Sterberisiko, werden die Ergebnisse unfair verzerrt. Die Menschen sterben früher weil sie krank sind und/oder Rauchen und sie sind dünner, weil sie krank sind und/oder rauchen. Lustigerweise hat Peters das selbst im Abschnitt zuvor noch in anderem Zusammenhang erklärt:

Anders gesagt: Wenn in einem Dorf mit hoher Geburtenrate auch viele Storchennester zu finden sind, heisst das noch lange nicht, dass die vielen Störche für die vielen Kinder verantwortlich sind.

Wird der Fehler in der Berechnung berücksichtigt, ist das Ergebnis eindeutig: Normalgewicht ist das gesündeste. Dies ist in zahlreichen umfassenden Analysen bestätigt und darauf basieren auch die BMI-Einteilungen zu Unter-, Normal- und Übergewicht. Erst 2016 kam die bisher größte Studie erneut zu diesem Ergebnis – und je länger der Untersuchungszeitraum desto niedriger der BMI mit der längsten Lebenserwartung (innerhalb des Normalgewichts) – bereits leichts Übergewicht verkürzt die Lebenserwartung.

Wenn man die Kosten im Gesundheitswesen vergleicht, so brauchen die Schlanken gleich viel oder gar mehr finanzielle Ressourcen. Sicher ist: Die meisten Gesundheitskosten entstehen am Ende eines Menschenlebens. Dicke werden im Alter zwar zunehmen immobil und leiden häufiger an Krankheiten der Gelenke wie Arthrose. Doch Dünne bekommen häufiger Schlaganfälle und leiden vermehrt an psychischen Problemen wie Depressionen. «Die schweren Krankheiten, an denen Dünne leiden, wiegen die Kosten für die gesundheitlichen Probleme von Dicken längst auf», sagt Achim Peters.

Eine extrem krasse Verzerrung der Wahrheit. Tatsächlich sorgt Übergewicht für einen Verlust gesunder Lebensjahre, sprich: langjährig Adipöse sind bis zu 20 Jahre früher krank.

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Dennoch ist es wahr, was Peters sagt: Dicke verurusachen trotzdem nicht mehr Kosten, denn gleichzeitig sterben sie auch mehrere Jahre früher, wodurch sich die hohen Kosten am Ende des Lebens reduzieren und Schlanke dann tatsächlich statistisch häufiger typische Alterserkrankungen bekommen – weil die Übergewichtigen vorher schon weggestorben sind. Ja, das ist ganz toll für unsere Rentenkasse, dass Raucher und Übergewichtige ziemlich schnell nach der Rente sterben, aber es wäre doch recht zynisch, nun aus volkswirtschaftlichen Gründen „Werdet dick und raucht ganz viel!“ zu verbreiten. Das erinnert mich übrigens an den Vortrag eines Arztes nach meinem Radunfall. Er sagte, dass er mir zum Radhelm raten würde, und die offiziellen Empfehlungen da nicht so vehement sind, weil Radhelme wesentlich mehr Kosten im Gesundheitswesen verursachten. Menschen ohne Radhelm seien nach einem Unfall nämlich meist entweder nur leicht verletzt oder direkt tot, während der Radhelm oft das Leben rette und dann aufwendige OPs und Reha nach sich zöge um die schweren Verletzungen zu heilen.

Im Rest des Artikels geht es dann hauptsächlich um unfaire Diskriminierung von Übergewichtigen, und ehrlich gesagt will ich das gar nicht weiter kommentieren. Dass offenbar vor über hundert Jahren ein fähiger Politiker aufgrund seines Übergewichts von den Medien durch Schmähungen in den Suizid getrieben wurde, ist tragisch.

Aus der Tatsache, dass jemand ein Kalorienplus gegessen hat irgendwelche Persönlichkeitseigenschaften oder Fähigkeiten in komplett anderen Bereichen herauslesen zu wollen ist Blödsinn. Auch wenn die NZZ diese Tour umgekehrt versucht und Übergewichtigen in ihrem Artikel mehr Fairness und Sressresistenz  bescheinigt und versucht „den Schlankfresser“ als ignorantes und unsensibles Feindbild zu etablieren.

Anstatt also Schlüsse vom Gewicht auf Charakter(defizite) als Vorurteile zu zeigen, ist es laut der NZZ offenbar schon okay, Übergewichtigen einen besseren Charakter zuzuschreiben – so wie manch ein Sexist der Ansicht ist, positiver Sexismus sei doch was Gutes. Als Frau kann man doch einfach besonders gut mit Kindern und alten Menschen, schließlich sind wir ja biologisch aufs Kümmern programmiert. Nee, sorry, ist immernoch blöd. Zumindest wenn man einerseits negative Vorurteile ablehnt, andererseits dann aber positive Vorurteile durchaus belegen möchte.

Liebe NZZ, ihr tut Übergewichtigen mit solchen Artikeln keinen Gefallen. Dadurch, dass ihr Übergewicht als unabänderliches genetisches Schicksal darstellt und die realen Gesundheitsrisiken kleinredet tragt ihr dazu bei, dass Menschen demotiviert werden, ein vermeidbares Risiko zu minimieren. Artikel wie diesen habe ich früher mit Freuden im Familien- und Bekanntenkreis geteilt und mir beruhigend versichert, dass mein Übergewicht so schlimm gar nicht ist. Das hat aber weder etwas an meinem extrem erhöhten Blutdruck geändert (der jetzt wieder im Idealbereich ist), noch an meinen ständigen Rückenschmerzen (die jetzt weg sind), den Schlafproblemen und dem Schnarchen (weg) und es hat mich letztlich auch nicht vor einem kaputten Knie und Immobilität bewahrt – das kaputte Knie und das erhöhte Arthroserisiko werden mir als Konsequenz nun auch erhalten bleiben.

Nichts gegen Feelgood-Artikel und Aufrufe zu einem freundlicheren Umgang miteinander – egal mit welcher Körperform. Aber bitte verwechselt das nicht damit, Menschen einreden zu müssen, dass Körpergewicht so etwas wie die sexuelle Orientierung oder die Hautfarbe ist und das einzige Problem in diskriminierenden Reaktionen von ignoranten Homophoben, Rassisten oder „Schlankfressern“ liegt.

Bilder lügen nicht.

Habt ihr auch manchmal das Gefühl, alle anderen haben viel schlankere Schenkel? Man selbst sieht sich ja aus einem anderen Winkel …

Das sind meine Schenkel aus dem furchtbar unvorteilhaften Winkel von oben im sitzen…

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… nicht.

Verarscht.

Zur Anwendung kam: Der beliebte Fototrick, sich leicht erhöht (auf zwei dicke Bücher) zu setzen, so dass die Oberschenkel die Matratze nicht berühren. In Wirklichkeit sieht das so aus:

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Fragen an meinen Mann – Teil 2

… ohne große Worte … hier Teil 2 eurer Fragen an meinen Mann 🙂

  • Wurdest du/dein Mann auf ihr Übergewicht angesprochen? Also im Sinne von ,,hey findest du sie noch aktraktiv so?“
    Und was war die bissigste Bemerkung die mitbekommen hast?
  • Hat sich (also ganz konkret aus Lebenspartner-Sicht) emn in Wesen verändert? Also, hat das die Beziehung beeinflusst? z.B. Selbstbewusstsein, Freizeitaktivitäten und insbesondere „Serien auf dem Laufrad statt auf dem Sofa schauen“, etc
  • Hat dein Mann dein Buch gelesen? Liest er auch deinen Blog? Was fühlt/denkt er über seinen eigenen BMI?
  • Wie überrascht war er als du die ganzen Statistiken interpretiert hattest und welche fettlogiken hat er selber über Bord geworfen?
    Hat er gesagt: Liebes 500 cal ist zu wenig und musstest du Überzeugungskraft einsetzen?
    Hatte er jemals Drohungen seitens der Diät Industrie gegen dich befürchtet?
  • Hast du das Buch Fettlogik überwinden vor der E.Bookveröffentlichung gelesen? Oder vor der Taschenbuchveröffentlichung? Hast du geahnt, dass es mal ein Bestseller werden wird? Ist dir bewusst, dass das Buch Fettlogik überwinden das Leben sehr vieler Menschen sehr stark zum positiven verändert hat?
  • Nervt es ihn nicht ab und zu das es immer um das Thema Ernährung, Sport und abnehmen geht? Hat er überhaupt das Gefühl, dass es nur noch um Essen und Sport geht?
  • Hat sich euer freizeitverhalten verändert, seid ihr quasi einfach aktiver (Rad statt Auto), spazieren statt Kino, haben sich Freunde / Urlaubsorte verändert usw. Es wird sich bestimmt nichts fulminantes verändert haben (oder doch?) mich würden eher so die kleinen Sachen interessieren, die ja mit deinem ursprünglichen Ausgangs Gewicht nicht so leicht möglich waren nehme ich an.
  • hast du eine Generalerlaubnis für all die Cartoons „EMN & Kerl“ gegeben oder wie macht ihr das praktisch? Du bzw. eure Beziehung führt ja quasi auch noch ein online-Leben, ohne dass du selbst aktiv bist. Ich finde da jetzt nichts diskreditierendes unter den Cartoons, die ich gelesen habe, stelle es mir aber auch nicht ganz so einfach vor.
  • Wie geht er mit deiner Populariät um? Nervt es?

Das Leben mit meiner Holden, ich glaube viele stellen sich es spannender vor als es ist. Wir harmonieren gut bei unseren Freizeitaktivitäten, die auch weiterhin oft aus Internet und Serie bestehen. Früher kam noch impulsives Essen dazu, was uns auf unseren Weg in die Top 100 brachte. Wirklich was gesagt hat damals niemand, vor allem weil man uns später auch nur so kannte und weil ja alle nette Menschen sind. Die Abnahme wurde eher besprochen, mit Skepsis oder Sorge um die Gesundheit, später fragend wie man es selber schaffen könnte.

Dass Nadja sich verändert hat? Da kann ich nur entschieden „Jain“ sagen. Einerseits sind Ängste und Hemmungen weg, die sie belasteten und einschränkten (Ergänzung: Ich wurde irgendwann ziemlich unsicher bezüglich meiner körperlichen Belastungsfähigkeit, weil ich oft umknickte, beim Laufen Schmerzen bekam o.ä., schon bevor die Kniesache wirklich anfing – ich sagte also öfter Unternehmungen ab, weil ich nicht sicher war, ob ich sie körperlich schaffe), aber das sie sich nun persönlich stark verändert hat, das sehe ich nicht so. Ich denke sie ist nun eher mehr sie selbst als vorher. Mit der Einarbeitung in der Thematik hat sie eine Berufung gefunden, ein Thema das immer mehr zentraler für sie wurde, aber es beschränkt sich nicht nur auf Sport und Essen, wie man aus den Comics sieht. Und auch wenn es nicht so mein zentrales Themengebiet ist (Ok, Essen schon), finde ich die Themen meist ebenfalls spannend. Unser Alltag hat sich unterm Strich nur wenig verändert. Außer das wir oft unterschiedliche Sachen essen und eben ’ne Seriensession mit dem Crosstrainer machen. Neu ist, das nun aktivere Sachen als Freizeitunternehmungen wieder möglich sind. Vor allem Radtouren. Unsere Tour am Bodensee war einfach vorher nicht möglich. Und sie zeigte mir, wie weit sie mich mittlerweile überholt hat.

Als sie damals ihr Buch schrieb, war ich einer der Korrekturleser und war überrascht wie gut es sich las und wie ich anfing selber zu reflektieren. Als Nadja selbst abnahm, hatte sie schon viel von meiner Skepsis abgebaut, dennoch (und das kann man nicht oft genug betonen) beruhigte es mich, das sie sich immer ärztlich überwachen ließ, denn Mängel sind nun eine Gefahr bei stark reduzierter Nahrungsaufnahme. Tatsächlich hatte ich mir selbst davor um so etwas keine großen Gedanken gemacht, deswegen waren da wenig Mythen die abgebaut werden mussten. Ich hatte nur einmal versucht Kohlenhydratfrei abzunehmen, was darin resultierte das es mich dermaßen nervte und ich so übellaunig wurde, dass mir Nadja Nudeln kochte. So gefiel mir das Buch gut, klang vernünftig und überzeugend. Aber Bestseller? Wer denkt denn an sowas?

Ich kann es bis heute kaum glauben, wie sich das ganze entwickelt. Den Blog und die Comics lese ich natürlich auch. Meist bin ich bei den Comics ja das Testpublikum („Wenn DU das verstehst…“) und bei den EMN und Kerl speziell meist eh. Oder ich kriege gesagt das DER Spruch ein Comic wird. Und manchmal überrascht sie mich und ich sehe es erst online. Also wirklich Mitsprache habe ich da nicht.. aber in die Pfanne hauen will sie mich ja nie.

Von dem großen Rummel halte ich mich eher fern. Ich war nie (nicht persönlich nehmen) Fan von Onlineforen und Diskussionen, die nerven mich meist. Ansonsten ist ihre Popularität wirklich toll, ich sehe aber auch wie viel Arbeit für sie drin steckt. Das ist auch das woran ich mich gewöhnen muss, denn an sich arbeitet sie so gesehen immer, ich erkenne es nur nicht immer, wenn sie auf dem Sofa scheinbar sinnlos im Internet surft. Aber auch wenn sie das manchmal etwas nervt, stört mich das nicht (Ergänzung: Das sind die Momente, in denen ich hoch konzentriert irgendwas schreibe und er reinkommt und anfängt, mich mit einem lustigen Video oder der letzten Online-Partie vollzuquatschen^^)

Das einzige was mich an dem Ganzen selber stresst, wenn es Leute gibt, die vergessen, dass sie auch nur ein Mensch ist, dass sie Shitstorms und was auch immer direkt abbekommt. Vor allem, weil ich ihr da kaum helfen kann (außer mit kontraproduktiver Schokolade). Mich freut es vor allem, das sie wirklich Menschen helfen kann oder zumindest zum Nachdenken bringt. Dass es so viele sind, ist fast schon unglaublich, aber toll (Ergänzung: Das sind die Momente, in denen er zockt und ich reinkomme und ihm die neuste Amazonrenzension vorlese , mich über einen gemeinen Kommentar echauffiere oder ihn mit einer netten Nachricht vollquatsche^^)

Fragen an meinen Mann – Teil 1

Wie angekündigt hat mein Mann sich an eure Fragen gesetzt und die erste Hälfte beantwortet (ich habe sie etwas thematisch gruppiert, also der Teil über unser aktuelles Leben kommt noch).

Für mich war es ehrlich gesagt ein bisschen ungewohnt, ihn als Gastschreiber zu haben, denn wo ich bei anderen Gastbeiträgen ganz entspannt bin, hatte ich hier immer das Bedürfnis, reinzugrätschen („Was? So war das doch gar nicht….! Weisst du nicht mehr, das war soundso!“) aber da es um seine Perspektive geht, habe ich mich in Zurückhaltung geübt. Mein „Schatz, du sollst keinen Ratgeber schreiben, die Leute wollen bloß deine Erfahrungen lesen!“ wurde schließlich mit einem „Ich will aber meine Weisheit weitergeben!!!“ quittiert 😀

Und da sowohl Mann als auch Leserschaft meine Zensur des Originaltextes kritisiert haben, kommt nun als erstes die unveränderte Rohversion 🙂

Mein Leben mit Erzählmirnix.

Viele kennen mich als „der Mann“, ich glaube aber mehr von euch einfach als „Kerl“, vor Allem wenn ich mal wieder ’nen Spruch gemacht hab und der vercomict wird. Und ihr kennt auch Nadjas Geschichte, wie es dazu gekommen ist das sie abnahm und durch ihre Erfahrungen ihr Buch geschrieben hat. Aber wie war es, dabei zu sein? Mit ihr wortwörtlich durch Dick und Dünn zu gehen? Stellt euch eine angenehme Märchenonkelstimme vor, hier nun Kerls Zusammenfassung inklusive einem kleinen Perspektivwechsel:

„Wie konnte es soweit kommen.“ Das war eine Frage, die ich mir vor ein paar Jahren gestellt hatte. Weniger händezusammenschlagend dramatisch, sondern eher als eine wirklich nüchterne Frage. Auslöser waren die massiven Knieprobleme Nadjas die uns die Fragen stellen ließen, an die wir davor nie gedacht hatten: „Was ist der Preis eines solchen Gewichts“. Schmerzen, Immobilität, immer stärkere Einschränkungen. Davor war es irgendwie nie ein Thema. Das wir beide innerhalb unserer ersten Jahre gut zunahmen, sahen wir bestimmt, aber realisierten wir nicht wirklich, es war kein direktes Problem. Wir aßen gern, waren Couchkartoffeln und harmonierten gut so zusammen. Es gab andere Probleme, die uns völlig reichten. Arbeit, Fernbeziehung, mein Nachziehen und Einarbeiten an neuer Stelle. Dann das neue Haus. Es war immer etwas. Die Zunahme, wenn man sich täglich sieht, hat was schleichendes. Man sieht es, aber auch nicht. Und vor Allem, es war erst mal nicht wichtig oder gar dramatisch.

Das neue Haus brachte dann auch mehr Bewegung in unser Leben. Und damit kamen die Probleme ans Tageslicht. Der Körper wurde belastet und nach kurzer Zeit ging es mit dem Knie los. Es zog sich lange hin, bis wirklich klar war, was die Ursache und auch die Lösung für die massiven Schmerzen war. Für Nadja war es der dringend nötige Impuls, nach einer Lösung zu forschen und sich intensiv immer mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Das Ergebnis habt ihr gelesen und seht ihr auf ihrer Seite.

Für mich war es anders. Ich habe den Luxus, das ich trotz meines Übergewichts gut im Leben klarkomme (bisher). Klar, man merkt es schon hier und da, aber das ich keinen klassischen Freizeitsport betreibe stört es nicht wirklich. Es führte dazu, das bei mir der Wille fehlte, es wirklich durchzuziehen. Dabei hatte ich an sich andere Faktoren, die mich hätten motivieren können. Mit Nadjas Immobilität war klar, das ich da einspringen musste, was bei ihr nicht mehr ging. Und mit Verschlimmerung der Geschichte wurde es immer mehr. Diese Last, dieses „Funktionieren müssen“, sollte ja Anreiz sein, sich selbst in Topform zu halten, damit das auch gewährleistet bleibt. Aber leider war diese Bürde eher lähmend. Was ist, wenn Nadja was passiert? Kann ich ihr dann helfen und wie? Was ist, wenn mir etwas passiert? Wie geht es weiter?

Glücklicherweise lief es dann besser als erwartet. Mit eisernem Willen und Ausdauer kam Nadja wieder in den grünen Bereich und ich unterstützte sie. Und sie zog mich sogar 20 Kilo mit (von denen ich mir allerdings 10 mittlerweile wiedergeholt habe).

An sich kann ich an all die Partner nur eines sagen: Abnehmen selbst ist hart. Es erfordert Disziplin, Durchhaltevermögen und Frustresistenz. Man kämpft an sich schon genug gegen den inneren Schweinehund, doch auch von Außen gibt es Gegenwind. Und da kann man bzw sollte man als Freund/Partner helfen. Vieles findet im Alltag statt: Versuchungen, soziale Verpflichtungen oder die alltäglichen Ritale. Sie alle haben dazu geführt, das die ein Abnehmwunsch mehr oder weniger freiwillig entstand. Dass sich da was ändern muss, ist logisch. Es wird grade für den Partner die Erkenntnis kommen müssen, das sich das Leben auch für ihn selbst, auch wenn er nicht abnehmen will oder muss, stark und an sich für immer ändern muss. Denn der Lebensstil und der Einfluss den man als Partner oder Freund hat, kann sowohl helfen, aber auch alles wieder in alte Bahnen lenken.

Man sitzt diesbezüglich im selben Boot. Aber das hat man sich ja irgendwie ausgesucht.

Ich selbst habe vor, meine letzten 20 Kilo anzugehen. Ganz im Sinne des Neujahrsvorsatz. Und auch wenn viele munkeln werden, ich hätte ja dafür den besten Partner überhaupt, denen muss ich leider sagen: Es kann einem so viel wie möglich geholfen werden. Es durchzuziehen, das muss man ganz alleine.

In dem Sinne: Lebt glücklich! Und Gesundheit ist nun mal ein Teil davon.

Und nun der Teil mit den Fragen:

Eigenes Gewicht/Eigene Abnahme:

  • Mich würde interessieren, ob er als Mann andere blöde Kommentare zum Thema ÜG, Diät und abnehmen bekommt als du als Frau.
  • Mich würde wahnsinnig interessieren wie/ ob euer Freundeskreis (oder auch die Verwandtschaft) auf die Zunahme reagiert hat. Wurdet ihr je damit konfrontiert, dass ihr zunehmt?
  • Wie geht es ihm selbst mit seiner Diät? Welche Strategie wählt er für sich? Was motiviert ihn besonders zu den Veränderungen?
  • Jetzt, wo er offiziell auf Diät ist, zählt er da Kalorien, oder macht er etwas anderes?

Ich glaube unter Männern ist Gewicht schon irgendwie ein anderes Thema, wobei man das doch nicht verallgemeinern darf. Vielleicht eher, das Männer direkter damit umgehen und das auch nicht so verletzend empfinden bis zu einem bestimmten Rahmen natürlich. Dazu muss ich sagen, das mein Team sehr familiär ist und wir uns alle untereinander gut verstehen. Ich glaube das ganze wird eher über die Nahrungsaufnahme festgemacht. Als ich zunahm, ist das eher weniger registriert, bzw. thematisiert worden. Man ist halt ein großer Kerl, man isst gerne, warum ein Sixpack, wenn man sich ein Fass leisten kann,… Denke die Meisten wissen wie das so abging, neckend aber nicht böse und ich nehme mich da gar nicht raus. Als ich anfing weniger zu essen und über Kalorien sprach, wurden zum einen natürlich Witze darüber gemacht, ob ich wirklich satt werde oder ob ich die Banane wirklich essen sollte. Wenn ich mal schwach wurde, natürlich auch. Aber dazwischen gab es auch Gespräche darüber, wie und ob man abnehmen oder fitter werden könnte. Als ich meine ersten 20 Kilos runter hatte, wurde das aber auch wohlwollend erwähnt. Die 10 Kilo zurück dann eher ignoriert oder gar nicht wahrgenommen.

Generell musste ich feststellen, das kontrolliertes Essen eine erhebliche Umstellung bedeutet, vor allem in einem anstrengenden Berufsumfeld. Der Kern von Nadjas Buch war auch mein Ansatz: Eine negative Kalorienbilanz. Zum einen nicht mehr so viel essen und gleichzeitig mehr verbrauchen. Und in den Jahren habe ich versucht das unterschiedlich umzusetzen. Fitnessstudio war eine gute Sache, bis ich mich verletzte und wochenlang nicht mehr hinging, dazu verschob sich meine Schichtarbeit immer mehr auf späte Schichten, der Fluch des Dienstleistungsgewerbes. Dazu muss man sich überlegen wie man im Alltag seine Kalorien kontrolliert, denn das Fehlschätzen das Nadja thematisiert, trifft wirklich zu. Eine Zeit lang habe ich auch Kalorientagebuch geschrieben, aber ich muss zugeben, es hat mich dann doch sehr genervt. Zumal man ja, wenn man nicht noch mehr Zeit investiert zum Vorkochen oder ähnlichem, irgendwann nur noch schätzt (was aber auch noch besser ist als gar nicht drauf zu achten). Zur Zeit kontrolliere und protokolliere ich täglich mein Gewicht und motiviere mich so, zumindest essenstechnisch Maß zu halten. Und auch wenn es nach Klischee klingt, dieses Jahr muss wieder mehr Sport her.

Generell muss man es wirklich wollen, da kann einem keiner helfen. Ich sah ja, was für Konsequenzen Übergewicht haben kann, Gesundheitlich vor allem, aber da bei mir die Einschränken noch nicht so groß sind, ist meine Wille auch nicht so stark, es ist eher eine Vernunftsentscheidung.

Das Hauptproblem ist einfach, das man neben all dem Stress auch dafür Konzentration und Willen aufbringen muss um wirklich konsequent zu sein. Mehr seiner Freizeit (ein Luxus wenn Sport ein Hobby ist) in Fitness zu investieren oder seine kleine Belohnung wegzulassen. All das ist eine Mehrbelastung, die erst mal zu stemmen ist, die aber hoffentlich irgendwann zum eigenen Lebensstil umzuwandeln ist.

Mein Gewicht/Meine Abnahme:

  • Irgendwo in ihrem Buch schrieb Nadja, dass du später, also nach der Abnahme, gestanden hast, dass du schon Sorge hattest, dass sie (also Nadja) pflegebedürftig werden könnte. Wie sah das konkret aus? ZB der Gedanke tauchte auf und wurde dann schnell weggewischt oder hast du dich da länger mit beschäftigt?
  • Ich fände spannend, wie er es erlebt hat, als deine massive Abnahme losging. Hatte er Sorgen, Bedenken, was es mit dir macht, wenn du es nicht schaffst? Oder was passiert, wenn du es schaffst?
  • Mich würde interessieren ob es manchmal sowas wie Neid, oder besser: eine nicht ausschließlich positive Emotion von ihm dir gegenüber gab.
    Beispielsweise in dem Moment wo du ihn „überholt“ hast.
  • Hatte er zwischendrin mal Angst vor deiner Abnahme? Meinem Männe macht es grade richtig angst wie schnell die Kilos purzeln und das ich bald gar nichts mehr esse, was natürlich schwachsinn ist ^^
  • mein mann ist nicht so ganz von.meinem plan überzeugt, mich zu halbieren (auf 60kg), vom gesundheitlichen aspekt steht er voll hinter mir… nur naja er steht halt auf meinen körper, wie er jetzt gerade ist (bin noch ein ÜHU), ich hab n bisschen Angst, dass er mich mit 60kg nicht mehr sexy findet… gab es bei euch auch solche bedenken?
  • Hat er bemerkt, wie du abgenommen hast? Am Anfang und auch jetzt noch, du bist ja deutlich DEUTLICH schlanker geworden, bemerkt er jetzt noch, wenn du doch noch weniger wirst?
  • Mich würde interessieren, ob er sich bei deiner Abnahme Gesundheitspredigten in deinem Namen anhören musste (z.B. von Freunden )
  • Meine Frage wäre: Kamen da Sprüche von den Kumpels? Also vielleicht schon zur Zunahme … könnte mir vorstellen aber noch eher bei der Abnahme?
    Ich hab mal bei eienr Freundin sogar erlebt, dass der Partner total eifersüchtig war, als sie 20 Kilo weniger wog und Angst hatte, nun verlässt er sie.. Also das ist vielleicht etwas extrem – doch gab es da auch so Gedanken, dass man gleich ziehen muss, um attraktiv zu bleiben oder so. DieFreizeit verändert sich ja auch bestimmt, wenn die Frau plötzlich aktiver wird..
  • Mich würde interessieren, ob er irgendwann Angst bekommen hat, dass Du für andere Männer zu attraktiv werden könntest (solche Vorwürfe bzw. Eifersuchtsreaktionen habe ich in meinem Umfeld öfter gehört, so nach dem Motto: „Du willst Dir ja nur einen neuen suchen, oder was soll das?“ Gilt übrigens nicht nur für Männer).
  • hat es ihn nicht verunsichert, dass Du jetzt aktuell ins Beuteschema vieler anderer passt?
  • Mich würde interessieren wie es für ihn war dass er sich anders ernährt hat als du und wie/ob ihr wieder gemeinsame Mahlzeiten gefunden habt. Hat er seine Ernährungsgewohnheiten auch geändert? Wenn ja, wie war das für ihn?
  • Wurde ihm unterstellt, dass er nur abnimmt um dir zu gefallen, oder dass du ihn sogar zwingst? Wurden Stimmen laut, dass er zuhause ja nichts ordentliches mehr auf den Tisch bekommt und quasi ausgehungert wird?

Wenn man sich täglich sieht, fällt einem so eine Gewichtszunahme nicht direkt auf und wenn es keine Probleme gibt, denkt man auch nicht darüber nach. Man hat ja meist andere Sachen, die einen beschäftigen. Und da wir beide recht… bequeme.. Menschen sind, waren auch die Einschränkungen nicht so deutlich. Die Knieproblematik, die immer schlimmer wurde, zeigte mir erstmals was für Zusatzprobleme Übergewicht brachte. Zum einen war es Verursacher der ganzen Schmerzen, dadurch dass die Gelenke stärker belastet wurden, aber auch das man Fehlbewegungen schwerer kompensieren konnte. Zum anderen sorgte es für mehr Immobilität, da man das eine Bein kaum noch kompensieren konnte, zumal wir ja nicht im Erdgeschoss wohnen. Ich musste realisieren, das ich sie nicht tragen und kaum stützen konnte und der schlimmste Fall, eine nahezu permanente Bettlägerigkeit, kam mir auch in den Sinn. Das lässt einen über Konsequenzen und Lösungen grübeln. Wie sollte ich das alles schaffen? Was kann ich tun? Mein eigenes Gewicht war mir damals noch sehr egal.

Zum Glück fand Nadja ihren Weg und auch wenn sich das alles sehr plötzlich und schnell anhört, war es doch ein langer und beschwerlicher Weg. Wie die Zunahme ist das alles ein relativ schleichender Prozess. Das heißt die Sorgen um sie und die Situation allgemein waren noch lange da, aber mit jedem Erfolgserlebnis kam immer mehr Hoffnung dazu. Ich meine, Abnehmen und Trainieren war DIE Lösung, da hatte ich keinen Zweifel, und das was ich dafür tun konnte war sie zu unterstützen wo ich konnte und ihr die Sicherheit zu geben, das ich da bin um sie aufzufangen falls es mal Misserfolge geben sollte.

Das Erste das bei uns sich geändert hat war, das jeder von uns sein Ding machte was das Essen angeht. Ohne den Zwang das man da einen Kompromiss finden muss, konnte auch jeder von uns erst einmal das essen, was er für richtig hielt, und das ist auch noch heute so. Die Mahlzeiten essen wir zusammen, aber das hat sich eher ergeben als das es ein Muss war. Ich selbst hab natürlich auch vieles ausprobiert und so bin ich zu Hause weg vom klassischen Brötchen, Toast und Rühreifrühstück, sondern esse gerne einen Obstsalat mit Magerquark und etwas Kakao.

Die Frage mit der Attraktivität stellte sich mir gar nicht. Ich meine, sie war immer noch sie, das was sie ausmacht für mich, sowohl charakterlich als auch optisch, das hat sich nie geändert. Es ist ja keine sprunghafte Veränderung wenn sie Kilos verliert, ihre Züge und ihr Gesicht bleiben ja gleich, es erfolgt ja keine totale Entfremdung. Und dazu kommt, je besser es wurde, je mehr Schmerz und Leid verschwand, desto besser ging es ihr und auch das machte mich glücklich. Auch das sie mich überholen würde war von vornherein klar, zum einen lief sie ja einen Marathon was das Abnehmen anging und ich spazierte eher, mitgezogen von ihrem Enthusiasmus und positiven Aufschwung, zum anderen lag ja ihr gesundes Gewicht unter meinen, also kam das ja nicht überraschend.

Das Umfeld, bekam das natürlich auch mit und äußerten die üblichen Bedenken, auch direkt bei mir, aber auch wenn mir die Meinung anderer diesbezüglich relativ egal war (es war ja die Lösung unser Probleme), entkräftete ich vieles damit, das es wirklich ärztlich überwacht sei und das Gewicht sie stark einschränke. Irgendwann, vor allem als man die positiven Auswirkungen sah, die Verbesserung für ihr Leben, änderte sich das eher zu Respekt, das sie etwas schaffte von dem viele wissen, das es schwer ist. Das man bei mir Überraschung äußerte das ich auch noch abnehmen müsse, tat ich dann immer gerne als Kompliment ab. Generell wurde aber, um auf die Frage einzugehen, kein kausaler Zusammenhang zwischen ihrer und meiner Abnahme geäußert, es kennen uns ja auch alle nur als langjähriges Paar, vielleicht ist das auch ein Grund. Und weil wir auch ein solches sind, macht mich ihre steigende Attraktivität nicht wirklich nervös.

Wenn man jetzt vielleicht den Eindruck hat, das Gewicht einer Person ist mir völlig egal, das ist mittlerweile nicht so. Ich bin ein Mensch, bei dem die Wellenlänge eher in die Sympatie und Attraktivität rein gespielt, doch mittlerweile ist ein starkes Übergewicht bei mir mit negativen Erfahrungen belegt, bzw mit Sorgen über die Gesundheit. Vielleicht am ehesten vergleichbar mit Rauchern. Ich urteile nicht über die Person selbst deswegen, es ist auch die Entscheidung eines jedes einzelnen ob er bei sich was ändern will oder nicht, aber ich sorge mich schon immer etwas, ob der Person es irgendwann gesundheitlich schlecht gehen wird. Was ändern muss jeder selbst wollen, ich würde dann gerne helfen wenn ich kann.

Fragen an den Mann – Update

Kleines Update: Ich habe all eure Fragen an meinen Mann hier in den Kommentaren und auf Facebook gesammelt und ihm gegeben („Oh Gott, so viele Frage! Das weiß ich alles gar nicht mehr genau!“) und er setzt sich am Wochenende ran.

Ich fand ganz interessant, was für Fragen kamen und wie sich viele offenbar unsere Beziehung vorstellen 😀

Um die Wartezeit zu überbrücken habe ich euch ein kleines Comic gemacht^^

arsch