Übergewicht: Mediale Darstellung und Realität

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel hier auf dem Blog gepostet, den ich heute aufgrund der Aktualität reposte und am Ende ergänze.

Hier also zunächst der alte Artikel von Sptember 2016:

Vor kurzem ging wieder einmal eine Studie durch die Medien. Die DAK hat die Einstellung gegenüber Adipositas in der Allgemeinbevölkerung erfragt. Zur Studie selbst werde ich noch schreiben, heute soll es jedoch nicht um Text gehen sondern um das, was noch mehr als (tausend) Worte sagt: Die Bilder.

Die meisten großen Nachrichtenportale bebilderten ihre Artikel mit dem Bild einer Person, die – gemäß dem Inhalt des Artikels – Adipositas, bzw. Fettleibigkeit darstellen sollte.

Adipositas ist der Begriff, der für einen BMI über 30 gilt. Hierbei gibt es noch drei weitere Abstufungen, nämlich Adipositas Grad 1 (BMI 30-34,9), Adipositas Grad 2 (BMI 35-39,9) und die schwere morbide Adipositas Grad 3 (ab BMI 40). Auf der Seite der deutschen Adipositas-Gesellschaft finden sich die ungefähren Zahlen zur Verteilung innerhalb der Kategorien. Diese sieht ungefähr so aus:

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3 von 4 Adipösen fallen also in die Kategorie von BMI 30-34,9 und nur ein kleiner Teil ist schwer morbid adipös. Ich selbst war mit 150 kg bereits weit in dieser Kategorie. Damals sah ich so aus:

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Damit war ich also bereits innerhalb der Kategorie der Adipösen eine Minderheit. Doch wie sieht die Mehrheit aus? Ich habe im Forum herumgefragt und einige der Mitglieder waren so freundlich, mir Fotos zur Verfügung zu stellen, die sie im BMI-Bereich 30-35 zeigen.

Das sind adipöse/fettleibige Frauen:

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Und das sind adipöse/fettleibige Männer:

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Als nächstes habe ich mir die Fotos zu den Artikeln in den großen Medienportalen angeschaut. Das waren häufig dieselben Agenturfotos, aber ihr dürft raten, in welcher Adipositaskategorie die abgelichteten Personen waren. Hier eine kleine Collage:

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Wie deutlich zu erkennen ist, handelt es sich bei allen Bildern um Menschen, deren BMI deutlich über 40 liegt und die morbid adipös sind. Der einzige mögliche Ausnahmefall ist die zweite Person auf dem Foto links unten, aber interessanterweise lautet hier die Bildunterschrift auch „Viele Übergewichtige trauen sich nicht an den Strand“ während alle anderen Bilder explizit mit „Fettleibigkeit“ oder „Adipositas“ benannt sind. So war es auch, als ich auf das einzige Vorschaubild klickte, das tatsächlich eine Frau mit Adipositas Grad 1 zeigte. Ich war positiv überrascht von der Seite Frauenzimmer, doch die Bildunterschrift sprach erneut wieder von Übergewichtigen …

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Als es um Adipositas/Fettleibigkeit ging, wurde hingegen dieses Bild gezeigt:

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Dass dies in der Berichterstattung zu Adipositas kein Einzelfall ist, erkennt man, wenn man in der google Bildersuche Adipositas oder Fettleibigkeit eingibt:

googlesuche

Dass in den Medien fast ausschließlich schwer morbid adipöse Menschen gezeigt werden, wenn es um die Bebilderung von „Adipositas“ geht, obwohl diese nur eine kleine Minderheit der Adipösen stellen, hatte ich schon häufiger kritisiert. Aber warum ist das ein Problem?

Es hat etwas damit zu tun, wie die Medien unser Bild über Adipositas und Übergewicht prägen. In Fettlogik hatte ich zur Normalisierung von Übergewicht geschrieben:

In unserer Gesellschaft ist mittlerweile die Gewichtsverteilung etwa gedrittelt: Etwas über ein Drittel der Menschen sind normalgewichtig, etwas mehr als ein Drittel ist leicht übergewichtig, und etwas weniger als ein Drittel ist adipös. Nur etwa 1 Prozent ist untergewichtig. »Die Mitte«, also das, was gewissermaßen die Norm darstellt, ist folglich leichtes Übergewicht. Meinem Eindruck nach wird dieses leichte Übergewicht tatsächlich so »normalisiert«, dass es gar nicht als solches wahrgenommen wird.

Das zieht sich insofern weiter, als dass auch Adipositas – also bereits stark gesundheitsgefährdendes Übergewicht – nicht mehr so schnell als solches wahrgenommen wird. Adipositas Grad 1 oder oft sogar noch Grad 2 werden häufig nur als „leichtes Übergewicht“ empfunden. In Fettlogik zitiere ich diverse Studien, denen zufolge sich die Mehrheit der Adipösen nicht als solches wahrnimmt: 3/4 der Adipösen schätzten sich in diversen Umfragen als lediglich „leicht Übergewichtig“ ein. In einer Befragung zu weiblichen Körperformen wurde im Schnitt sogar erst ab BMI 38 von „zu dick“ gesprochen.

Ähnlich auch in einer Studie aus England, bei der adipöse Menschen gebeten wurden, sich selbst einzuschätzen: Lediglich 11 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer mit BMI über 30 waren sich bewusst, dass sie adipös waren.
Die Forscher verglichen daraufhin die Quote der Adipösen, die sich 2012 als adipös oder zumindest »sehr übergewichtig« einschätzten, mit der Quote von 2007. Während 2007 noch 50 Prozent der Adipösen sich selbst als solche identifizierten, fanden sich 2012 nur noch 34 Prozent »sehr übergewichtig« oder »adipös«. Fast zwei Drittel der befragten Adipösen schätzen sich selbst als normal oder zumindest nicht besonders übergewichtig ein.

Dies liegt sicher nicht ausschließlich an den Medien, sondern mit Sicherheit auch daran, wie unsere Sehgewohnheiten duch unsere Umwelt geprägt werden. Wenn wir immer mehr Übergewichtige sehen, wird dieses Bild automatisch irgendwann zur Norm. Dennoch haben die Medien einen großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, indem sie Benennen und Einordnen, was wir sehen.

Wenn „Adipositas“ grundsätzlich mit Bildern von BMI weit über 40 dargestellt wird, prägt das selbstverständlich das Bild dessen, was wir uns unter „adipös“ oder „fettleibig“ vorstellen. Und wie man sieht ist hier die Realität von Adipositas deutlich anders als die mediale Darstellung:

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Übrigens wird dieses Thema auch dann interessant, wenn wir uns dem Inhalt der Studie zuwenden, die besagt, wie adipöse Menschen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. Während „nur dicke“ Menschen nämlich meist noch recht positiv gesehen werden, ist die Einstellung zu „fettleibigen“ Menschen dieser Studie zufolge deutlich negativer. Gefragt wurde jedoch nur nach der Einstellung gegenüber den Begriffen, es wurde nicht gefragt, was die befragten Personen sich eigentlich genau unter „dick“ und „fettleibig“ vorstellen. Ist es das mediale Bild von Fettleibigkeit oder ist es das reale Bild, das da beurteilt wurde?

Die Frage ist doch, wie würde „die Gesellschaft“ tatsächlich über „die Adipösen“ denken, wenn den Befragten klar wäre, dass es kein „wir gegen die“ ist, sondern um – je nach Statitik – jeden vierten oder fünften Menschen um uns herum geht. Um uns.

Und die Frage ist, welche realen Konsequenzen diese Wahrnehmung von Adipositas hat. Wenn Adipositas auf diese Art zum Bild für ein Extrem gemacht wird, steigt natürlich auch die Schwelle, diese Bezeichnung zu verwenden. Das ist im Alltag natürlich egal, es geht ja nicht darum, in der Fußgängerzone besser Adipöse diskriminieren zu können (was dann bei der tatsächlichen Menge an Adipösen auch recht aufwendig wäre) aber es führt dazu, dass Ärzte und andere Fachleute sich ebenfalls zweimal überlegen werden, dem Patienten mit BMI 32 den Begriff „adipös“ mitzuteilen. Und wie eine Forenuserin schrieb:

Ich muss mir dabei dann auch selbst eingestehen: Als ich irgendwann in der Vergangenheit zum ersten Mal auf den Begriff „adipös“ gestossen bin, habe ich auch danach gegoogelt und habe mir dann beim Betrachten der Bilder gedacht „Nein, sooo siehst Du nicht aus, da gehörst Du nicht dazu“.

Dann wird einerseits in den Medien ausführlichst über die Gesundheitsrisiken von Adipositas berichtet, in dramatischen Farben Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Gelenkschäden beschworen, ähnlich wie beim Rauchen der Lungenkrebs – also durchaus sinnvolle Berichte über Gesundheitsrisiken – aber die, die es betrifft sehen die Bilder und denken „Da gehörst du nicht dazu.“ – und so sorgen Bilder dafür, dass (tausend) Worte einfach verpuffen.

Und hier der aktuelle Part.

Auch heute geht nämlich wieder eine Medung durch die Medien, über stark steigende Übergewichts/Adipositaszahlen. Nachdem ich 2016 bereits die Argumente verbloggt habe, lasse ich mal die Bilder der aktuellen Meldungen für sich sprechen (ich habe nur die größeren Medienportale gewählt. Der Rest ist ähnlich):

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Fazit: Dieses Mal ist die Diskrepanz sogar noch deutlicher. Nicht „Adipositas“ wird mit morbid adipösen Prsonen bebildert, sondern bereits „Übergewicht“ wird mit dieser Gewichtsklasse dargestellt. Eine Gewichtsklasse, in die nur ein minimaler Prozentsatz der „Übergewichtigen“ tatsächlich fällt.

Wie „leichtes Übergewicht“ tatsächlich aussieht, hatte ich bereits vor einigen Jahren einmal verbloggt unter „Magerwahn und Schlankheitsterror

Ich selbst sah mit leichtem Übergewicht so aus:

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Fettlogikfreier Austausch

Da bin ich mal wieder. Bei mir herrscht in den letzten Tagen vollkommen landunter und ich komme zu absolut gar nichts – also sorry für all die unbeantworteten Nachrichten usw., aber trotz eines durchschnittlichen Schlafs von ~4 Stunden pro Nacht ist es gerade ziemlich schwierig den zig Großprojekten Herr zu werden. Immerhin gleichen sich „keine Zeit für Sport“ und „keine Zeit für essen“ halbwegs aus, mit einer dezenten kleinen Tendenz zu „also für ein bisschen was Naschen ist ja eigentlich immer Zeit ….“

Wann das wieder besser wird, weiß ich nicht, aber von mir aus darf das bald sein. Bis dahin nehme ich mir jetzt trotzdem mal die Zeit, um passenderweise ein schon länger auf der To-Do-Liste stehendes Projekt anzugehen. Ich wurde schon mehrfach gefragt und gebeten, auf die diversen Zusammenschlüsse von Fettlogik-Lesern zu verweisen, die sich inzwischen gebildet haben.

Und wenn ich selbst schon nicht so recht verfügbar bin im Moment, ergibt es ja durchaus Sinn, an der Stelle mal die Alternativen aufzuführen 🙂

Die für mich persönlich zentralste Anlaufstelle ist, das inoffizielle, aber zunehmend irgendwie doch offizieller werdende Fettlogik-Forum. Als Saskia, die Gründerin mich damals gefragt hat, ob es okay ist, wenn sie ein Forum zum Buch gründet, fand ich das toll, aber wollte erst einmal abwarten, wie es sich entwickelt, da es nicht „mein Forum“ ist und nicht unter meiner Leitung steht. Es wäre ja theoretisch denkbar gewesen, dass es sich in eine Richtung entwickelt, die ich nicht vertreten könnte. Aber tatsächlich gefällt mir das, was ich als Userin mitbekomme sehr. Ich mag die Atmosphäre und die Menschen dort, so dass das Forum das erste und einzige Forum ist, in dem ich tatsächlich aktiv bin (in letzter Zeit natürlich nicht).

Ich empfehle daher das Forum inzwischen regelmäßig. Generell, wenn ihr Fragen habt ist das Forum oft eine gute Anlaufstelle, weil dort die „üblichen“ Fragen schon recht ausführlich behandelt wurden und inzwischen sehr viele Leute dort sind, die einige Erfahrung haben und teils massiv Gewicht verloren haben und/oder bereits länger in der Haltephase sind und viele hilfreiche Tipps und Tricks über das Buch hinaus haben.

Da das Forum vor kurzem umgezogen ist, habe ich Saskia gefragt, ob sie nicht einen kleinen Vorstellungstext dazu schreiben will:

„Hallo!

Ich heiße Saskia, bzw. die meisten kennen mich als „Saskiasaurus“. Ganz offiziell habe ich im März vor zwei Jahren mit dem Abnehmen begonnen, zunächst mit Hilfe von Weight Watchers und verschiedenen Apps, bis ich auf FddB gestoßen bin. Dort trat ich einer Gruppe bei, in der immer wieder betont wurde, wie wichtig das langsame Abnehmen ist, der Hungerstoffwechsel ein großes Problem, bloß keinen Sport, wenn man noch so schwer ist…

Ich meine, ihr wisst alle, von welchen Dingen ich hier rede. Ich hab das alles erst mal angenommen, aber weil es sehr langsam ging und meine Motivation immer geringer wurde, habe ich begonnen mich weiter zu informieren, mehr zu lesen und bin dann, über ein anderes FddB Mitglied zu Nadjas Buch gekommen.
Anfang letzten Jahres, nach dem ich also endlich FLÜ gelesen hatte und mich gerne mit anderen darüber austauschen wollte, ohne all die Fettlogiken, die mir in meiner alten Gruppe entgegen geworfen wurden und mich häufig abgehalten haben, habe ich bei FddB meine eigene Gruppe gegründet.
Diese wurde schnell immer größer (aktuell sind wir ~1100 Mitglieder) und war von Anfang an super aktiv. Dort wurden dann Tagebücher erstellt und sich ausgetauscht – leider ist das Format nicht sonderlich übersichtlich & es wurde schnell nach anderen Möglichkeiten gefragt.

Anfang Mai ’16 eröffnete ich dann, in Absprache mit Nadja, ein Forum: „Ohne Unsinn Abnehmen“ über einen, für mich als Laien, einfachen Provider, in der Hoffnung möglichst wenig Schwierigkeiten zu haben. Das ging dann auch erst mal gut, doch wir sind nun innerhalb eines Jahres fast 3000 Mitglieder geworden und die Forensoftware konnte weder unseren Wünschen, noch denen der Mitglieder gerecht werden.
Glücklicherweise konnte ich innerhalb dieser Zeit auch ein super Team zusammenstellen, zwei Admins, mehrere Moderatoren, die genauso viel, wenn nicht mehr Arbeit und Zeit in das Forum investieren wie ich. Aber die Software hat uns immer wieder Grenzen aufgezeigt und der Wunsch nach einem Umzug war immer größer. Eine unserer Administratorinnen, Maria (und ihr Ehemann), haben sich dann bereit erklärt, sich um den Umzug zu kümmern und das Forum von nun an über deren eigenen Server laufen zu lassen und damit auch die Kosten immens zu senken.
Das neue Forum ist nun knapp eine Woche online und es gibt noch viel zu tun, aber ich freue mich & hoffe, dass wir hier nun unser „Forenheim“ gefunden haben.

Wie unterscheidet sich das FLÜ- Forum von anderen Abnehm- Foren? Bei uns ist es Konsens, dass der Hungerstoffwechsel nicht so existiert, wie er propagiert wird. Es ist üblich zu Diskussionen Belege zu liefern, so kann man sich auch bei kontroversen Themen dank verlinkter Studien einen guten Überblick verschaffen. Ich würde behaupten, dass wir ein sehr gutes Forenklima haben. Natürlich ist es bei einer solchen großen Gruppe unterschiedlicher Menschen nicht ausgeschlossen, dass wir unsere Moderatorenrechte tatsächlich mal nutzen müssen, aber es kommt erstaunlich wenig vor… 😉
Viele Nutzer berichten uns, dass das Forum ebenso viel Anteil am Abnehmerfolg hat, wie das Buch und darüber freuen wir uns natürlich wahnsinnig. Viele Mitglieder, die bereits „fertig“ sind, sind dennoch aktiv. Es beschränkt sich also gar nicht auf das reine Abnehmen, das Gewicht halten spielt ebenfalls eine große Rolle, genauso wie regelmäßiges laufen/trainieren/klettern, Rezepte auszutauschen oder ein eigenes Tagebuch zu schreiben und alle am Abnehmweg teilhaben zu lassen.
Ihr seid also alle herzlich Willkommen bei uns.
& an dieser Stelle auch noch mal ein riesiges Danke an alle, die am Forum arbeiten & ihre Zeit dafür hergeben!

Mein Start lag übrigens mit 1,73 bei 135 kg als ich mich das erste Mal so richtig auf die Waage getraut habe. Mein tiefstes Gewicht bisher lag so bei 82 kg – leider läuft es bei mir aktuell nicht besonders gut, ich hatte arge Schwierigkeiten wieder in meinen „Abnehmalltag“ zu finden, nach dem sich in meinem Privatleben viel verändert hat (Arbeit/Wohnort/einfach viel Stress)- aber, vor allem das Forum hilft mir, nicht wieder ganz aus dem Thema zu fallen & die tolle Community hilft mir dran zu bleiben. “

Neben dem Forum gibt es noch andere Zusammenschlüsse und Gruppen, z.B. auf Facebook. Da ich selbst privat nicht auf Facebook aktiv bin, kann ich zu den Gruppen dort leider nicht viel sagen, aber wenn ihr etwas dazu in die Kommentare posten wollt: gerne!

Auch auf Instagram hat sich eine Community gebildet, die Hashtags wie #fettlogiküberwinden #fettlogik #fettlogikfrei #fettlogikfrei2017 usw. nutzen – ich bin selbst seit einiger Zeit auf Instagram unter @fettlogik aber nach wie vor und im moment natürlich besonders inaktiv dort 🙂 daher habe ich das mit den Hashtags und Co noch nicht so ganz raus. Auch hier: Wenn ihr dazu mehr Infos habt, gerne in die Kommentare!

Das gilt natürlich auch für alle anderen Ort, an denen Fettlogik-Leser sich treffen oder gegenseitig unterstützen: Hier in den Kommentaren könnt ihr (euch) sammeln und vernetzen!

Samstagsspaß

Vor einiger Zeit hatte ich mal im Forum gefragt, was die User dort rückblickend als das blödeste erinnern, das sie je unternommen haben, um abzunehmem. Nachdem inzwischen schon über 100 Beiträge zusammengekommen sind, dachte ich, ich mache mal eine kleine Best-Of-Liste. Und ganz am Ende erzähle ich, was mir neulich eingefallen ist, was ICH als blödestes getan habe. Und ich verspreche euch, es wird jeden einzelnen Beitrag davor toppen und wie den Inbegriff von Vernunft wirken lassen. Also wann immer ihr einen Beitrag lest und denkt „Hihi, das ist echt blöd“, denkt daran, ich war blöder 😀

Na denn … beginnen wir mit dem Klassiker, der mehrfach und in verschiedenen Sprachen aufkam:

  • Kohlsuppe. Ich hab einen riesen Topf davon gekocht und diesen in 2 Tagen aufgegessen, da mir das Süppchen vorzüglich geschmeckt hat. Ergebnis nach 2 Tagen: 2 kg mehr

  • Die Kohlsuppe übrigens ist ja tatsächlich sehr kalorienarm, und ich finde sie sogar lecker. Allerdings war ich der festen Überzeugung, je mehr man davon isst, umso mehr nimmt man ab.

  • In der französischen „Prisma“ habe ich dann mal „la soupe détox“ gefunden, so etwas Ähnliches wie Kohlsuppe. Hat prima geklappt, so lange ich nur diese Suppe gegessen habe. Aber da ich nicht mein ganzes Leben darauf verzichten wollte, auch mal andere Dinge zu essen, hielt der Erfolg nicht lange.

Doch die Kohlsuppe ist natürlich nicht die einzige Wunderdiät…

  • In meiner Jugend wurde „unter der Hand“ die ganz tolle Möglichkeit zum Abnehmen geflüstert. Nur Käsewürfel und ein Glas Sherry für den Kreislauf. Die Käsewürfel waren ok, für Sherry war ich zu jung. Der super Erfolg: Nach zwei bis drei Tagen kippte ich um und konnte den am folgenden Tag stattfindenden Schulausflug nicht mitmachen! SUPER!

  • Ansonsten war das Blödeste, einfach jede doofe Zeitschriftendiät völlig kritiklos zu machen. An besten total widersprüchliche Dinge so nach dem Motto, klar nur Kartoffeln hat nicht funktioniert, daher essen wir jetzt nur noch Ananas

  • Die Gunmibärchen-Diät (nichts essen außer Gummibärchen).

  • Eine Schokoladendiät, ich dachte wenn ich nur Schokolade esse, hängts mir voll aus dem Hals raus und ich hab meine Schokisucht überwunden, nach 3 tagen hab ich wegen starken Kopfschmerzen abgebrochen.

  • Ich kann mich ganz wage an eine super Geheimtipp Diät erinnern. Da war ich ca. 15 Jahre. Es gab Zwieback, Orangen und Joghurt und erst nach einigen Tagen durfte man etwas Tartar gebraten essen.

  • Hab mal zwei Wochen lang nur von Molke gelebt, obwohl ich schon Buttermilch furchtbar finde. Will dieses Zeug nie wieder riechen müssen. Am Ende war ich so neben der Spur, dass ich ein spontanes Fastenbrechen mit einer Großpackung Kinderriegel gemacht habe…

  • Pampelmusen-Eier-Diät … am drittten Tag kamen mir die ungezuckerten Pampelmusen zu den Ohren heraus, und ich wollte kreativ sein … Also Eier nicht gekocht, sondern aufgeschlagen, und dann startete der Versuch, ein Pampelmusen-Omelett zu fabrizieren … Börks … Nach ein paar Bissen wanderte der ungeniesbare Rest in die Mülltonne und die Eier-Pampelmusen-Diät war für immer beendet …

  • Das blödeste war definitiv eine Obstdiät mit 16 die eine übergewichtige Freundin von ihrer Ernährungsberaterin empfohlen bekommen hatte. Man durfte nur Obst und Gemüsesaft zu sich nehmen. Da ich morgens ordentlich Hunger hatte, hab ich auf nüchternen Magen 1 ganze Annanas verdrückt und war dann auch nicht in der Schule weil ich eine Magenschleimhautentzündung hatte seit dem esse ich übrigens auch keine Annanas mehr und die Geschichte wird von meiner Familie immer wieder ausgebuddelt….. wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen würde ich sagen

  • … Ein Buch gekauft, in dem es um das wundersame Abnehmen mit negativen Kalorien ging…

Und es gibt natürlich auch prinzipiell irgendwie wirkungsvolle Konzepte, die trotzdem furchtbar nach hinten losgehen können …

  • Das blödste bei mir war wohl Intermittierendes Fasten – ich hab nur von 12 Uhr Mittags bis 8 Uhr Abends (oder so…) gegessen, aber währenddessen alles was ich wollte \o/Versuch wurde nach einer Woche und 2Kg mehr abgebrochen

  • Almased, Würgereiz inklusive. Weil es ja so einfach ist und so toll sättigt… Dazu gab es dann höchstens noch Brühe. Habe das mit 2 Kindern und 20-30 Stunden Arbeitswoche in einem Restaurant rund 2 Monate durchgezogen. Wie weiß ich immer noch nicht. Nur das ich nie wieder so blöd sein werde.

  • Mensch das Almased! Das hab ich ja komplett vergessen, dass ich das auch mal gemacht hab. Genau zwei Tage lang. Am 2. Tag bin ich dann mittags beim Kunden umgekippt und musste dort mit Zuckerwasser wiederbelebt werden und saß anschließend über eine Stunde in nem Kaffee und hab mich mit Espresso gedopt, damit ich die 250km wieder nach Hause fahren konnte. Termine für den restlichen Tag konnte ich natürlich knicken. Ach ja, ich hab das Experiment danach abgebrochen und das Zeug weggeschmissen, aber das habt ihr euch sicher schon gedacht.

  • Ich habe als Teenager FDH gemacht, weil alle meinten, einfach weniger Essen bringt ja schon was. Ich dann also extra viel essen auf den Teller geschaufelt, um dann die Hälfte wieder runter nehmen und am Ende mit einer normalen Portion da zu stehen.

  • Außerdem habe ich als Teenie noch eine zeitlang mit einer Freundin LowFat30 gemacht, da darf man nur Lebensmittel mit wenig Fett essen, Fett hat dann irgendwie rote Punkte und man bekommt 3 Fettpunkte und die darf man nicht überschreiten oder so ähnlich. Grüne Lebensmittel waren fettfrei und damit fast grenzenlos okay, also haben wir dann eben ständig Nudeln ohne Soße oder Brezeln gegessen und haben dann auch mehr als 1, 2 Kilo nicht verloren und natürlich total oft Heißhunger, weil blanke Nudeln nun mal maximal 3 Stunden satt machen.

Dann wären da noch die Wundergeräte …

  • Tiefenwärme. Man bekommt so Manschetten umgeschnallt, liegt 20 Minuten mehr oder weniger entspannt auf einer Liege und schwitzt Fett aus, nicht Wasser. „Die Fettpölsterchen schmelzen wie Butter in der Sonne!“ Dolle Sache.

  • Auch als Teenie hatte ich so eine Art Magnet, das sollte man sich ans Ohr klemmen um so einen mysteriösen Akkupunkturpunkt zu stimulieren, der für Abnahme / Stoffwechsel / Hunger / whatever verantwortlich ist.Ich war leider zu blöd um genau diesen Punkt zu treffen, oder mein Ohr war zu komisch gebaut (wahrscheinlich zu fett), so dass das Ding nicht richtig klemmte ODER ich habe es verloren , bevor die Wirkung eintreten konnte.

  • Ich hatte so Dauer-Akupunkturnadeln / -knöpfe im Ohr, von einer Ärztin gesetzt, die gleichzeitig als Ernährungsberaterin arbeitete. Tat saumässig weh, so dass ich die Dinger irgendwann aus dem Ohr gepfriemelt habe. War natürlich meine Schuld, dass ich kein Gewicht abgenommen habe, da ich die Knöpfe ja aus dem Ohr gefummelt hatte.

  • Vor ca. 4 Jahren hab ich mir ein Zungenpiercing stechen lassen.Ok, das wollte ich zwar schon immer haben, und es gefällt mir total gut, aber die Idee dahinter war unter anderem, dass ich dann ja immer was im Mund habe zum „spielen“, damit ich nicht so viel unnützes Zeug in mich rein stopfe.Hat natürlich nicht geklappt

  • Einen „Bauchmuskel“-Roller, mit den Händen die Griffe greifen, auf die Knie und schön weit nach vorne rollen. Mehr als Rückenschmerzen und Frust kam natürlich nicht bei rum, etwaige sichtbare Effekte wurden ja… nun… VERDECKT -_-

  • so ein komisches Wackelgerät. Man legt sich den Gurt um den Bauch, dann wird abwechselnd gewackelt und gestromt. Soll angeblich ein tolles Sixpack machen….naja…wohl eher mehrere Sixpacks übereinander. XD Reden wir nicht drüber dass es nicht geklappt hat.

Oder die Wundermittelchen zum Stoffwechsel-Boosten …

  • Das nutzloseste war wohl, morgens mit Würgereiz Apfelessig zu trinken um dann dank meines angekurbelten Stoffwechsels essen zu können, was ich will. Warum es nicht geklappt hat? Ich habe einfach nie lange genug durchgehalten, damit die Magie wirken konnte. Aber alle paar Monate wieder gab es einen neuen Versuch. Irgendwann muss das doch funktionieren, oder? ODER?

  • Ich glaub, meine blödeste Diät waren mit 15 diese widerlichen Apfelessigdrinks zur Stoffwechselankurbelung. Ich fand den Geschmack schon beim ersten Glas ekelerregend, hab das aber wochenlang durchgezogen (zusätzlich zu FDH). Abgenommen hab ich dann wirklich die paar Kilo, die ich loswerden wollte, und war auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Hab den Erfolg dann aber leider dem Apfelessig zugesprochen.

  • Ich hatte in irgendeiner Frauenzeitschrift was von einem Stoffwechselbooster gelesen: Tomatensaft mit einem Bund Petersilie und einigen Spritzern Tabasco püriert auf nüchternen Magen trinken. Sollte den Stoffwechsel ankurbeln. War eklig. Habe ich einige Wochen durchgezogen. Gebracht hat es außer einigen Ekelanfällen genau nichts. Das ganze ist mehr als 20 Jahre her. Heute wäre das als Green Smoothie vielleicht wieder in und up to Date… Wundert es jemanden, dass ich bei dem Green-Smoothie-Trend nicht mitgemacht habe?

  • Und das teuerste, unnötigste war wohl dann tatsächlich die Akkupunktur inkl Appetitzüglertropfen für teuer Geld

  • ich biete Zitronensaft mit Ahornsirup …das muss in den 80ern gewesen sein und völlig erfolglos.

  • Ich hab mal mit 13 oder so chinesische Tee-Tropfen bestellt. Was genau da drin war, weiß ich nicht mehr, angeblich irgendwelche pflanzlichen Extrakte. Die sollte man morgens und abends in ein Glas Wasser tröpfeln und trinken. Angepriesener Effekt: Weniger Hunger bei gleichzeitig angekurbeltem Stoffwechsel… Wirklicher Effekt: Ekel und weniger Geld in meinem Sparschwein (Hab letztens tatsächlich beim Aufräumen noch so ein Fläschchen gefunden. Lange hab ichs ja nicht durchgezogen, war also immer noch was übrig^^)

  • Pu-Errh-Tee gerunken bis zum Abwinken, bis ich gelesen habe, wie schafstoffbelastet das Zeug ist. Natürlich auch nicht abgenommen, weil ich ja nebenbei weiter gegessen habe wie zuvor.

  • Ich habe mal versucht mit Schüssler Salzen abzunehmen (hat bei einer Freundin von meiner Mutter gaaaaanz toll geholfen…..). Man musste erst so fragen beantworten, dann kam raus welche Salze man braucht, bei mir musste übrigens der Stoffwechsel angekurbelt werden

  • 80er-Jahre Kräutertropfen, durch die man angeblich unbegrenzt essen können soll, wenn man die vor dem Essen einnimmt.

Oder Dinge, die schon in die deutlich gesundheitsgefährdende Richtung gehen…

  • Das Dämlichste, das ich je gemacht habe, war im Studium, als ich mir dann doch mal Appetitzügler geholt habe. Ergebnis: Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Herzklopfen, extremes allgemeines Unwohlsein, nervöse Unruhe, nicht-schlafen-können, Panikattacken. Suuuuuuper. Abnahme: gleich Null. Heißhunger auf Antistressfutter: schnellte in die Höhe.

  • Das Blödeste, was ich gemacht habe war, destilliertes Wasser zu trinken, um mal schnell gaaaanz viel abzunehmen vor einer Feier… hat gar nicht geklappt, obwohl eine Freundin darauf schwörte und angeblich. .. aber nicht augenscheinlich! … Erfolg hatte.

  • Oh, ich war echt blöd. Ich habe u.a. echt gefährlichen Scheiß geschluckt. Darunter:ECA Stacks – damals erlaubt, mittlerweile verboten. Nebenwirkungen: Herzrasen, Übelkeit, Bluthochdruck (sehr schlau, wenn man den eh schon hat). Keine merkliche Abnahme (habe sie allerdings auch sehr schnell abgesetzt). Sibutramin – damals erlaubt, mittlerweile verboten. Nebenwirkungen: Kopfschmerzen des Todes. Keine merkliche Abnahme (habe es allerdings auch sehr schnell abgesetzt). Orlistat (Alli) – gibt es noch. Nebenwirkungen: zu widerlich zum Schildern. Und dann noch:

  • Achja kurz darauf habe ich dann mit dem Rauchen angefangen weil man kann dann immer rauchen statt essen und das ist nämlich voll klug Hat voll super geklappt

Okay, beim Durchsehen fand ich dann eine Geschichte, die verdächtig ähnlich zu meiner ist, die ich euch fürs Ende versprochen habe …

Die Hexendiät
Ist eher eine Trotzreaktion gewesen, auf das ständige „Genörgel“ vom Arzt wegen der überschüssigen Kilos. Ich war damals noch weit entfernt von einem festen Willen zur Gewichtsreduzierung, sondern wollte einfach akzeptiert werden. Ich erklärte mir selbst, dass ich nun mal so bin und ein recht darauf habe zu sein, wie ich sein wollte. Ich bin dick und das ist gut so !
Aber…. ich komme den Wünschen meines Umfelds gern nach, ich bin extremst harmoniebedürftig. So suchte ich nach einer Diätform, die irgendwie die Selbstsabotage schon beinhaltete.
Bei Amazon fand ich ein Buch mit dem Titel „Die Hexendiät“.
Ich las es an und es war einfach fantastisch, ein Projekt, das schon in der Beschaffungsphase der Hilfsmittel aufwendig war und während der Zelebration noch einmal zulegen würde.
Es gab gleich zu Beginn eine Rieseneinkaufsliste: Verschiedene Arten von Halbedelsteinen, Bergkristalle, Jaspis, und einige mehr… Anzahl der Steine, entweder je einer oder eine durch drei zu teilende.
Kerzen in verschiedenen Farben, Anzahl durch drei teilbar. Ein gelber Schal, ein Kleidungsstück (Oberteil), ein Foto in der Totale von mir.
Dann Kräuter für verschiedene Tees, die meisten mußte ich aufwendig in der Apotheke bestellen. Auf Seegurkenpulver habe ich verzichtet, als die PTA mir erklärte, die Seegurke sei keine Pflanze, sondern ein Lebewesen.
Ein Flasche Rotwein und zwei verschiedene Blätter aus Fotokarton, eines schwarz und eines weiß. Einen neuen Stift, etwas Musik zum entspannen. Dann Holunderbaumwurzeln, bei Vollmond ausgegraben.
Aus den Kräutern waren verschiedene Tees zu bereiten, die vor jeder Mahlzeit zu trinken waren. Aus dem Rotwein und den Wurzeln mußte ich nach einem aufwendigen Rezept und nach der Uhr in einem mehrstündigen Einkochverfahren einen Sud bereiten. Dieser wurde dann in die Flasche zurück gefüllt und diese wurde schliesslich neu etikettiert. Es sollte ein eigener Entwurf sein, mit eigens erfundenen Namen: CoDüSa…für Corinas Dünnsaft.
Während der Vollmond abnahm, meditierte ich abendlich im Kreise aufgestellter brennender Kerzen und daniedergelegter Steine. Jeden Morgen trank ich einen Schluck vom CoDüSa und tagsüber die Tees. Ein Glas Wasser wurde allabendlich ins Fensterbrett gestellt, genau nach Vorschrift mal auf den schwarzen, mal auf den weißen Fotokarton. Morgens , gleich nach dem Aufstehen, wurde das getrunken. Beim Zähneputzen fand ich dann mein Foto, welches hinter dem Spiegel klemmte, nach dem Abendritual wurde dieses ringsrum mit der Schere verkleinert, genauso geschah es mit dem Kleidungsstück, dass dann mit dem gelben Schal tailliert wurde. Parallel dazu tailierte sich auch der Mond.
Zwischendurch mußte ich die Schnipsel verbrennen. Da zog ich bis zum Neumond durch.
Am Ende mußte alles was ich benutzt hatte, um zu hexen verbrannt werden, auch der gelbe Schal. Das geschah im Ofen meiner Schwester (überzeugte Esoterikerin) , ihre Kinder, sie der Hund und ich standen davor und zuckten zusammen wenn es knackte.
Erfolg drei Kilo in vier Wochen, kein Wunder bei dem Stress!

… also, kommen wir zu mir, und dem Highlight, das mir wieder eingefallen ist. Ich hatte als Jugendliche mal eine totale Eso-Phase und mir mehrere Bücher über schwarze Magie und Co. besorgt. Da es schon ewig her ist, weiß ich nicht mehr genau, wie das Ritual ging, (es wurden jedenfalls keine Tieropfer gebracht, allerdings musste ich ewig suchen um schwarze Kerzen zu finden), aber am Ende hatte ich mein Übergewicht in eine Geldmünze übertragen, die ich irgendwo auslegen musste, um einem armen Opfer, das die Münze aufhebt, mein Übergewicht anzuhängen. Total arschig von mir, ich weiß! Aber ich war damals so verzweifelt, dass ich meine moralischen Bedenken vollständig über Bord warf, um mit der vollen Macht Satans endlich schlank zu werden.

Ich hatte vor 2 Jahren schonmal eine Liste all meiner idiotischen Diätversuche hier im Blog veröffentlicht (ein großer Teil davon wurde oben genannt *hüstel*) aber diese unrühmliche Episode wirklich komplett verdrängt … hätte mir damals jemand gesagt, was ich heute weiß. Oder … möglicherweise hat auch nur endlich jemand die verdammte Münze aufgehoben?!

Was war das blödeste, was ihr unternommen habt, um abzunehmen?

Medizinischer Ra(n)t

Eigentlich habe ich gerade ganz viele spannende Gastbeiträge auf der zu-posten-Liste, aber gestern kam eine Mail, die mich so beschäftigt hat, dass ich sie gerne teilen wollte – daher habe ich den Schreiber gefragt, ob ich sie anonymisiert posten darf.

bmi

80 kg auf 155 cm verteilt ergibt einen BMI von 33,3, was wiederum im adipösen Bereich liegt. Da wird also eine ansonsten gesunde junge Frau vom Arzt mit einem „kannste nix machen“, mit Adipositas nach Hause geschickt.

In Fettlogik hatte ich ja die gesundheitlichen Konsequenzen recht ausführlich behandelt, aber ich musste dabei besonders an diese Studie denken.

lost

Im Schnitt verliert eine Frau, die in diesem Alter bereits adipös ist, also 5,6 Lebensjahre und 14,6 gesunde Jahre.

Und wir reden hier nicht von jemandem, der die Entscheidung für sich trifft, glücklich und zufrieden adipös zu sein und das Risiko von vorzeitiger Krankheit und Tod bewusst einzugehen, sondern von jemandem, der sich mit seinem Gewicht unwohl fühlt und sich hilfesuchend an einen Mediziner gewandt hat, um von diesem dann einen solchen Rat zu erhalten.

Was zu Hölle?!

(Die Mail hat mich gestern so geschockt, dass ich spontan von meiner „Fettlogik nicht mehr verschenken“ -Regel eine Ausnahme gemacht, und die pdf angehängt habe. Ich drücke einfach mal Daumen, dass es in ein paar Monaten einen Gastbeitrag mit positiver Fortsetzung gibt 🙂 )

Gastbeitrag: Abnehmen & Feminismus

Ich verfolge schon länger FrauMajas Blog und wusste, dass sie Fettlogik gelesen hat. Bereits bei ihrem Blogartikel „Stop commenting on my body„, in dem sie sich gegen gut-feministisch-gemeinte Kommentare zu ihrer Abnahme ausspricht, ploppte schon leise das Wort „Gastbeitrag“ bei mir auf.

Diese Tweetkette schließlich brachte mich dazu, laut zu ploppen:

gast

Letztlich griff der Text von Frau Maja allerdings so viele spannende Themen auf, dass ich sie fragte, ob wir ihn nicht in zwei Bereiche aufteilen wollen. Heute wird es also um Majas feministische Sichtweise gehen und demnächst erscheint ein Artikel zum Thema ADHS und Übergewicht, bzw. Abnehmen. Dieser wird dann im Rahmen einer Art „Themenwoche AD(H)S“ erscheinen (Beiträge von Betroffenen und/oder Experten gerne an erzaehlmiralles@gmx.de):

Guten Tag, ich bin FrauMaja und ich bin ein wahnsinnig kompliziertes Exemplar Mensch, denn ich bin eine Feministin auf Diät.

Dieser Zustand ist von Fallstricken gepflastert, denn wieso ist man gleichzeitig gegen Fatshaming und will trotzdem abnehmen?

Zunächst mal: Dass ich anfing abzunehmen und das auch seit über 4 Monaten und dabei gut 25 verlorenen Kilos durchziehe, hatte vor allem etwas mit meiner Gesundheit zu tun, denn die lag bei 102 Kilo auf 1,67 m im Herbst 2016 ziemlich am Boden.

Von einer Erkältung wurde ich von den Beinen geholt und saß dann mit einem Puls von 120 beim Arzt.

Danach habe ich mich eigentlich bis Weihnachten durchgängig krank oder zumindest nicht gesund gefühlt.

Ich muss aber auch -ganz unfeministisch- zugeben, dass ich mich mittlerweile auch sehr viel lieber im Spiegel angucke. Ich finde meine schlankere und auch muskulösere und fittere Figur schon ziemlich gut, auch wenn ich bis zum Idealgewicht nach BMI noch ein paar Kilos vor mir habe.

fraumaja

Als ich das erste mal ein ‚Vorher/Nachher‘-Foto vom Zwischenstand meiner Abnahme gepostet habe, fragte mich jemand warum man denn für das ‚Vorher Bild‘ (Das erste in der Kollage) immer ein Unvorteilhaftes nimmt. Aber wenn ich ehrlich bin, gibt mein Gesichtsausdruck ziemlich gut meinen damaligen Gemütszustand wieder. Ich war mit meiner Figur unglücklich. Und zwar nicht nur, weil ich so dick war (Man nimmt das selbst gar nicht so krass wahr in dem Moment) sondern auch weil ich zwei Monate Krankheit und schlecht fühlen hinter mir hatte, die auch auf mein Gewicht zurück zu führen waren. Wohlbefinden, Gesundheit und Körpergefühl gehen natürlich miteinander her und keiner kann mir verübeln, dass ich mich in der Situation nicht sehr wohl in meinem Körper gefühlt habe.

Als feministische Frau, die sich schon sehr genau überlegt hat, wer ihren Körper kommentieren darf und wer nicht, ist abnehmen schon deshalb auch ein nervenaufreibender Prozess, weil einem ständig Leute erklären wollen ob, wie viel und wie schnell man abnehmen ‚darf‘.

„Aber wieso willst du abnehmen, genieß doch lieber das Leben!“ (Ich bin krank geworden, weil ich zu viel genossen habe!)

„Ach du bist doch auch so eine hübsche Frau!“ (Aber keine gesunde. Kruzifixnochmal.)

„Also ich finde dünne Frauen gar nicht sexy, ich will im Bett was zum anfassen haben…“ (Warum teilen einem eigentlich Leute ungefragt ihre optischen Präferenzen bei der Wahl ihrer (Sexual-)Partner mit, wenn es um ein völlig unkinky Thema wie Abnehmen geht?)

„Aber du musst langsam abnehmen!“ (Gibt’s da eigentlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung wie in der Innenstadt?)

Natürlich bekomme ich auch viel Lob und positive Rückmeldung, aber ich will trotzdem nicht, dass man mir in das reinredet, was ich mit meinem Körper mache!

Richtig unangenehm wird es für mich allerdings auch, wenn mir andere feministische Menschen versuchen einzureden ich würde offensichtlich falschen Körperidealen anhängen, wenn ich unbedingt abnehmen möchte.

Wie gesagt, ich möchte selbst entscheiden, was ich mit meinem Körper anstelle. Und wenn ich dünner werde, weil ich mich dann besser fühle, dann ist das kein Statement für die Allgemeinheit. Geht völlig klar für mich, wenn jemand dick ist und sich gesund fühlt und so bleiben will. Ich muss das nicht immer dabei setzen und meine Abnahme rechtfertigen.

Ich finde es bedenklich, wenn einem in Sachen Bodyacceptance eine Figur oder ein Körperbild aufgezwungen wird, und eine Abnahme quasi als Verrat an der Sache gesehen wird.

Bodycommenting, als das ungefragte Kommentieren der Figur anderer Menschen, finde ich schlimm, wenn es als Fatshaming daher kommt. Aber es hat eben auch niemand das Recht darauf, das ganze umzudrehen und mir das Recht auf meine körperliche Selbstbestimmung abzusprechen, wenn ich abnehmen möchte. Das ist nicht in Ordnung.

Und ja, ich bin ein einigermaßen reflektierter Mensch und nein ich habe keine Essstörung. Im Gegenteil, bevor ich angefangen habe meine Nahrung zu dokumentieren und Kalorien zu zählen, hatte ich einige sehr ungesunde Essmuster, die auch zur Gewichtszunahme geführt haben.

Natürlich könnte ich über all die Leute, die mein Gewicht und meinen Körper kommentieren, sagen „Lasse reden!“.

Aber es macht mir auch bewusst, wie groß die ‚Fremdbestimmung‘ in Sachen Körperlichkeit immer noch ist.
Natürlich ist es sehr bedenklich, wenn bspw. dünne Frauen noch dünner werden wollen, weil sie ‚Germany‘s Next Topmodel‘ oder einen H&M Katalog angesehen haben und sich nun im Vergleich dick fühlen, weil dort ein sehr, seeeehr dünnes Körperideal verkauft wird. Und dann finde ich es gut, wenn sich Menschen Sorgen machen.

Aber ich wünsche mir auch sehr, dass Menschen, die Übergewicht loswerden möchten, weniger „Ja, aber…“ sondern mehr „Yay, ich wünsche die, dass du deine Ziele erreichst!“ hören. Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung der Akzeptanz aller Körperbilder und auch viel motivierender 🙂

Gastbeitrag: Lars VLOGGT über Fettlogik und was es bedeutet, dick zu sein

Vor einigen Wochen schrieb mich Lars an, um zu fragen, ob es für mich okay sei, wenn er einen VLOG (VLOG = Video Tagebuch) über sein Leben mit ~200 kg, seine Abnahme und Fettlogik(en) auf youtube macht – was an sich schon supernett ist, denn natürlich ist es sein gutes Recht, dort über alles zu reden, was er möchte, selbst wenn ich das doof fände (was ich nicht tue. Ich freue mich natürlich.)

Und nachdem ich seine bisherigen Videos schon ziemlich toll fand, konnte ich ihn dafür gewinnen, einen Gast-VLOG für Fettlogik zu drehen. Erstmals gibt es also einen Gastbeitrag in Videoform 🙂

Auf die Frage, was man vor dem Sehen des Videos über Lars wissen sollte, antwortete er wie folgt:

Lars, 38 Jahre alt aus Duisburg/NRW (lebe nun aber nach der Schweiz, England, Irland in Bayern -.-), Bürohocker in der Spielebranche der schon ca 100 Diäten hinter sich hatte und am Ende mit 200 Kilo da stand.

Hab FLÜ gekauft weil so viele Leute es empfohlen haben und bin seitdem voll auf Kurs.

Die Videos mache ich vor allem um mich selbst zu motivieren bzw zu zwingen 🙂

Viel Spaß 🙂

Gastbeitrag: Extremes Übergewicht, der berufliche (Nicht)einstieg… ja und ich!

Im Oktober 2016 schrieb mir Lia zum ersten Mal eine Mail darüber, wie sie in einem Forum auf Fettlogik stieß und beim Anblick meiner Bilder dachte „Verdammt, DAS könntst DU sein!“ – auf dem Weg dorthin haben wir uns seither immer mal wieder geschrieben.

In Fettlogik schreibe ich auch über die Diskriminierung Übergewichtiger, und wie sich zwar einerseits die Wahrnehmung was „dick“ ist, stark verschoben hat, andererseits aber Menschen, die tatsächlich als „dick“ identifiziert werden, eine Menge negativer Stereotype begleiten. In ihrem Gastbeitrag berichtet Lia aus dieser, ebenfalls wichtigen, Perspektive:

Hallo 🙂 Mein Name ist Lia und ich bin 25 Jahre alt. Lia ist nicht mein richtiger Name, da mein echter Name aber sehr selten ist bleibe ich erstmal bei Lia, denn dies ist ein für mich sehr sensibles Thema.

Ich war stark übergewichtig, mein Höchstgewicht lag bei ungefähr 180-185 Kilo verteilt auf 1,67 Meter. Das ist viel zu viel und wahrlich nicht schön, aber was dieses Gewicht – gerade auf beruflicher Ebene – ausmacht möchte ich ein wenig aus meiner Perspektive schildern.

Wir schreiben das Jahr 2012, ich beendete mit ungefähr 130 Kilo meine schulische Laufbahn an einem beruflichen Gymnasium. Die Schulzeit war nicht immer schön und mir wurden ein paar Steine in den Weg gelegt, aber ich meisterte das halbwegs und dachte jetzt wird alles schöner. Leider falsch gedacht, es begann eine Odysee, die meine Sicht auf andere Menschen veränderte. Ich begann mich nach meiner Schulzeit zu bewerben, eine solide Ausbildung im kaufmännischen Bereich, denn ich bin ein „Zahlenmensch“ und mag präzises arbeiten. Und zack sitzt man also bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur.

Die hibbelige Dame war euphorisch und begeistert, gab mir ein paar Tipps auf den Weg und meinte noch „Also Frau Lia Sie haben ein berufliches Gymnasium in der Richtung Wirtschaft besucht und wirken sehr motiviert, da schreiben Sie keine 100 Bewerbungen. Das verspreche ich Ihnen!“. Ich begann sofort, voll motiviert. Okay die Bewerbungsfotos waren etwas kritisch, denn ich bin kein Freund davon aber ich habe das Glück gehabt, dass man mir mein Gewicht nicht wirklich darauf ansah.

Die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und Tests flatterten ins Haus. Ich war super optimistisch und hab mich immer gut vorbereitet dank Bewerbungscoach, denn wenn ich etwas mache, dann richtig! Ich könnte jetzt ausführlich weitermachen, das Ende vom Lied bleibt gleich: Ich habe keinen Ausbildungsplatz erhalten. Im ersten Jahr redete ich mir nur was von „Ach komm nächstes Jahr bestimmt (…) einfach nur Pech gehabt (…)du findest schon noch was!“ ein. Was mir aber anfangs gar nicht in den Sinn kam war, dass es an meiner Figur liegen könnte.

In einem Vorstellungsgespräch als Industriekauffrau wurde ich gefragt, ob ich denn keine Rückenprobleme hätte, obwohl nein es wurde – nachdem ich von oben bis unten mit abfälligen Blicken gemustert wurde – ungefähr so ausgedrückt: „Waaaas? Und Ihr Rücken? WARUM haben Sie denn noch keine Rückenprobleme? Und Sie sind sich sicher, dass die Ausbildung für Sie das Richtige ist?“. Ja den Wink mit dem Zaunpfahl habe ich damals nicht verstanden, bzw. redete es mir schön.

Ein Steuerberater war der Erste, der es auf den Punkt brachte. Ich rief ihn an, denn ich hatte keine Rückmeldung wie vereinbart erhalten. Erst redete der gute Mann um den heißen Brei herum, erst als er merkte dass es mir sehr ernst ist kam folgender brutal sensibler Satz in einem nicht so netten Tonfall: „Ich will es kurz machen Frau Lia, Ihre Proportionen passen einfach nicht zu uns als etablierten Dienstleister!“ Das hat gesessen, auch wenn er ehrlich war.

Wie bereits erwähnt sah man auf dem Bewerbungsfoto nicht unbedingt mein stolzes Gewicht von ungefähr 130 Kilo an. Ich sah so oft förmlich enttäuschte oder Abneigung signalisierende Blicke, teilweise wirklich verachtend. Sie hatten etwas anderes erwartet. Dieser „Oh mein Gott, die ist fett!“- Blick wird immer in meinem Gedächtnis bleiben

Ich schaffte es öfters auch mal zu einem Probearbeiten, eine Stelle in einer Zeitarbeitsfirma machte mir sogar richtig Spaß. Das Team, aus ca. 12 Leuten bestehend, war freundlich, die Lage gut und ich fand es dort sehr angenehm. Bis ich zu einem Gespräch gebeten wurde und ich wurde über meine Ernährung verhört. „Wie bitte? SIE essen also Schwarzbrot?!?“ Ohja liebend gerne und ich atme sogar Sauerstoff! Ich bin immerhin ein Mensch, wenn auch ein dicker. Nach dem Verhör hörte ich noch aus dem Nebenzimmer ein „Naaaaa, ist DIE FETTE schon weg?“ und daraufhin folgte drei Tage später der Anruf des Geschäftsstellenleiters „Nein Frau Lia, es tut mir ja leid, aber bitte denken Sie nicht es sei nur wegen Ihrer Figur!“ – Nur? Na danke.

Ich könnte Stunden fortführen, was so für skurrile Momente zustande kommen, den Vogel abgeschossen hat aber definitiv die Dame der Berufsberatung. Wohlgemerkt eine neue Dame, die Erste war irgendwie verschwunden. Sie bat mich zum Gespräch und hörte sich gar nicht richtig an, was meine Erfahrung ist, was ich eigentlich möchte und was nicht. Sie unterbrach mich und erzählte mir gleich ich sei ein hoffnungsloser Fall, ich solle mir überlegen ob ich nicht lieber eine etwas andere Ausbildung machen möchte. Diese sog. „Ausbildung“ wäre für Menschen gewesen, die besondere Unterstützung brauchen, im Sinne von extremen Lernschwierigkeiten/einer verminderten Intelligenz. Ich habe nicht zwei solide Schulabschlüsse gemacht und mich durch drei Leistungskurse gekämpft um dann so eingestuft zu werden. Ich war fassungslos, Kompetenz pur! Natürlich kann die Dame auch nicht zaubern, aber alleine auf die Idee zu kommen macht mich sprachlos. Nur weil ich (extrem) dick war wurde ich in eine gewissen Ecke geschoben.

Und auch andere Menschen schoben mich gerne in diese Ecke. Richtig aufgefallen ist mir dies total, als die Nachbarin meiner Eltern aufgeregt sturmklingelte und mir erzählte, ich müsse unbedingt sofort einen Nebenjob in der Spülküche der örtlichen Seniorenresidenz annehmen. Ich fragte sie wie sie darauf käme und es kam nur „Ja nun ich hab gehört du findest ja eh keine Ausbildung, du scheinst überfordert zu sein, einfache Arbeiten liegen dir wohl eher“ – ich kochte innerlich, denn a) hat diese Nachbarin nie mehr als ein „Hallo“ mit mir geredet und b) kann sie meine Lage null einschätzen oder habe ich nach Ihrer Unterstützung gefragt. Ich blieb äußerlich gerade noch so gefasst und sagte ihr höflich, dass das nicht infrage käme. Kaum die Tür geschlossen fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Sie denkt in Schubladen. Das ist menschlich und wir tun es irgendwie alle wenn wir ehrlich sind. Übergewicht wird oft suggeriert mit mangelnder Leistungsbereitschaft, einem schwachen Willen, Faulheit, man habe sein Leben nicht im Griff, es sei einem alles egal. Und genauso denken auch die zahlreichen Betriebe. Da nimmt man lieber die schlanke junge Dame, statt der Übergewichtigen. Und genau das wurde mir mit zum Verhängnis.

Leider habe ich diese Tatsache erst vor einem Jahr begriffen, vier Jahre nachdem mein Bewerbungsmarathon startete. Nur ich kann mir helfen meinen Körper wieder gewichtstechnisch in den Normalbereich zu manövrieren und mir die beschriebenen Momente zu ersparen. Ich habe übrigens aufgehört genau zu zählen wie oft ich mich beworben habe, letzter Stand waren alleine 400 schriftliche Bewerbungen, da kommen aber noch deutlich mehr hinzu.

Daran sieht man wie sehr das Gewicht das Leben beeinflussen kann, wie sehr man sich selber Steine in den Weg legt. Und ich ärgere mich tierisch, dass ich nicht früher angefangen habe endlich abzunehmen, aus dem Frust heraus wurden aus den 2012 noch 130 Kilo, Mitte 2013 150 Kilo bis zu 185 Kilo im März 2016. Ein Großteil von meinem Übergewicht habe ich mittlerweile verloren, einen Ausbildungsplatz habe ich bis dato leider nicht. Ich sitze in einer Zwickmühle fest und dieses Gefühl aus Existenzangst, dem Druck anderer Menschen und einfach auch einem totalen Schamgefühl weil man mit Mitte 20 feststeckt, ist nicht schön, es ist fast schon demütigend. Und mir rennt die Zeit davon mit 25. Kein noch so tolles Essen ist es wert sowas zu erleben.

Dennoch stößt mir die Art wie mit mir umgegangen wurde auf, wie sehr Menschen sich blenden lassen und vorverurteilen. Mein Kopf ist immernoch der gleiche Kopf wie vor 4-5 Jahren und ich bin auch noch genauso motiviert. Da ist es eigentlich völlig egal ob ich 60 Kilo wiege oder 160 Kilo. Oder auch: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry in „Der kleine Prinz“) – was wirklich stimmt.

Aufgeben ist aber nicht, ich schaffe es noch irgendwie, a) ins Normalgewicht und b) in einen sinnvollen Beruf 🙂

Man muss dazu sagen, dass ich natürlich nicht nur abnehme um eine wesentlich bessere bzw. überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Ich genieße jetzt schon jeden Tag ein völlig neues Körpergefühl, man wird auch nicht mehr so angestarrt oder kann entspannt ein paar Schritte laufen ohne gleich keine Luft mehr zu bekommen. Kleidung von früher – Größe 52/54 – wird gefühlt langsam zum Zelt, man schläft besser, ist wirklich körperlich leistungsfähiger, man hat irgendwie mehr Lust etwas zu unternehmen. Je mehr der – ich nenne es so, für mich war/ist es wie ein Gefängnis – Panzer sich auflöst, desto freier fühlt man sich. Für mich bedeutet meine Abnahme ein neues, gesünderes Leben mit mehr Freiheiten, ohne bremsendes Gewicht.

An der Stelle starte ich einfach mal einen Aufruf: Falls jemand eine Ausbildungsstelle im kaufmännischen Bereich zu vergeben hat, oder jemanden in dem Bereich kennt, und Lia kennenlernen möchte, schreibt mir gerne eine Mail und ich leite sie an sie weiter! Vielleicht findet sich ja auf diesem Wege eine Möglichkeit! Das wäre großartig.