Gastbeitrag: Fettlogik in der Kindererziehung

Vor einigen Tagen schrieb mir Jana eine lange Mail im Bezug auf Fettlogik und erzählte darin von ihrer eigenen Geschichte und wie sie inzwischen ihre beiden 8-jährigen Zwillinge erzieht. Das ist ein Thema, das ich auch aus persönlicher Betroffenheit sehr spannend finde – vor einigen Monaten gab es dazu bereits einen Gastbeitrag, in der eine Erzieherin schrieb, wie sich „Gesundes Essverhalten bei Kindern fördern“ lässt. Janas Text ist nun ein praktisches Beispiel und ich denke, grundsätzlich liegen die beiden Ansätze nicht allzu weit auseinander. PS: Ich weiß, Kindererziehung ist ähnlich wie Abnehmen ein ziemlich emotionales Thema, also ich hoffe, der Text wird im Geiste von Fettlogik gelesen, nämlich als ein Weg und nicht als Vorgabe, wie jeder gefälligst erziehen muss. Letztlich kommen Kinder auch bereits mit eigenem Charakter und Temperament auf die Welt, und was mit einem Kind funktioniert, muss nicht notwendigerweise für das nächste perfekt sein.

Als ich ein kleines Kind war, hieß es zu Hause: Mach den Teller leer. Auf der anderen Seite war meine Stiefmutter aber nicht in der Lage, sich durchzusetzen, und hat mir (und auch später meinem Bruder), was Essgewohnheiten anging, so ziemlich alles durchgehen lassen. Meine Stiefmutter ist selbst gertenschlank und war dies auch schon immer. Wohingegen meine Familie schon eher kräftiger war, zumindest als Erwachsene.
Ich war als Kind so schlank und voller Energie, dass man meinen könnte ich hätte zu Hause nichts zu essen bekommen. Doch das habe ich: Einseitig ungesund, und immer mit dem Hang zu übertreiben (Komm, ess doch noch einen Teller, es schmeckt doch so fein).

Ich war wie die meisten Kinder und sträubte mich bei Gemüse oder allem was ungewöhnlich war. Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht, sagt man so schön.
Das endete im Groben dann damit, dass ich mich größtenteils von Nudeln, ein paar heimischen Gerichten (aber blos nicht mit Gemüse), Pommes etc. ernährte. Zum Glück (im Gegensatz zu meinem Bruder) habe ich schon immer Obst geliebt.
Mein Bruder ist da schlechter dran. Er musste bereits mit 5 Jahren Medikamente nehmen, weil er einen Pilz im Darm hatte. Das zog sich durch bis heute, er isst immer noch kaum einen Bruchteil von dem was auf den Tisch kommt, und sein Gesundheitszustand wird nicht wirklich besser.

Egal was auf dem Tisch stand, wenn ich es nicht wollte, wurde mir etwas anderes gekocht. Meistens waren es dann Nudeln mit irgendeiner Soße. In die Schule gab es immer eine Flasche mit Saftschorle mit, und von dem Süßkram (der zwar versteckt, aber immerhin da war) fang ich gar nicht erst an.

Unsere gesamte Familie ist übergewichtig, manche schon seit sie ein Kleinkind sind, und das fand ich schon immer schrecklich.

Komischerweise habe ich bei meinen Kindern sehr darauf geachtet, dass diese gesund essen, und habe auch zum Großteil für mich mehr darauf geachtet, wenn sie anwesend waren. Aber ich habe immer zu viel, zu fett, zu zuckrig gegessen, am Liebsten wenn ich alleine war. Mit knapp 20 kg Übergewicht ist es weder schön noch glaubwürdig, wenn ich dann zu meiner Tochter sage: Hör zu, wenn du satt bist hör auf zu essen.

Was ich bei meinen Kindern (auch dank meinem Mann der das Buch schon verinnerlicht hatte, bevor es überhaupt existierte) umsetzte, scheiterte an mir selbst.

Ich habe viel Kritik einstecken müssen, gerade wegen der Esserziehung. Ich habe von Anfang an darauf geachtet, dass meine Kinder nicht zu viel Süßigkeiten essen, und immer morgens in den KiGa und jetzt in der Schule Obst oder Gemüse dabei haben. Immer gab und gibt es Vollkornbrot mit Putenbrust, oder Geflügelsalami.

Meine Kinder sind wie mein Mann rank und schlank im Idealgewicht mit kaum vorhandenem Körperfettanteil.

Und um es vorwegzunehmen: Ich bin keine perfekte Mutter, ich sage nicht, dass irgendjemand es machen soll wie ich.

Die erste Diskussion, die ich führen durfte: Wieso ich meine Kinder zum Probieren „zwinge“.
Ich sehe das anders, ich sehe es nicht als zwingen, sondern als meine Aufgabe, da ich ihre Mutter bin, sie zu führen. Und da die meisten Kinder nur ungern etwas versuchen, was sie nicht kennen, habe ich nunmal drastischere Maßnahmen ergriffen.
Als es zum Beispiel Blumenkohlauflauf gab, und Zwilling 1 direkt rummeckerte „Ich mag das nicht, das schmeckt nicht“ ohne es überhaupt probiert zu haben, kam der Stier in mir durch. Ich kann verdammt stur und hartnäckig sein.
Nunja ich habe ihr das Angebot gemacht, dass sie entweder probiert oder Brot essen kann. In meinem Haushalt wird nicht extra gekocht, ich habe es einfach gehasst.
Und da ich auch nicht zu feige bin, mich mit meinen Kindern, bzw. deren Aufständen rumzuärgern, habe ich eine halbe Stunde Weinen, Heulen, und Diskussion ertragen, bis sie es im Endeffekt zuerst mt angewidertem Gesicht probiert hat. Als der Inhalt des Löffels dann in ihrem Mund war, wandelte sich ihr Gesichtsausdruck zu einem richtig erfreuten und sie hat mir meinen Teller geklaut.
Was heißt das für mich? Ich war happy und sie hätte die ganze Form leergefuttert, wenn es gegangen wäre.

Zweiter Diskussionspunkt: Die Menge des Essens
Meine Kinder haben leider von mir die Angewohnheit, wenn etwas schmeckt, über die Stränge zu schlagen, was ausnahmsweise auch in Ordnung ist, aber nicht zur Gewohnheit werden sollte.
Es gab einen Geburtstag, an dem wollte meine Tochter mit 4 Jahren, obwohl sie schon einen Riesenteller verputzt hatte, noch einen Nachschlag. Und ich (in den Augen meiner Großmutter die böseste Mutter der Welt) habe es verweigert.
Ich habe ihr damals schon ruhig erklärt, dass sie auf ihren Bauch hören soll, ob der wirklich noch Hunger hat. Welch ein Wunder. Zwilling 2 hielt den Kopf an den Bauch ihrer Schwester und sagte „Dein Bauch hat keinen Hunger mehr“, und die Sache war gegessen.

Dritter Diskussionspunkt: Keine Süßigkeiten mit in die Schule.
Das steht bei mir auf selber Stufe mit: kein TV vor der Schule oder an Schultagen.
Diese unnötigen Diskussionen (ich weiche davon nicht ab) habe ich ständig.

Was zusammenfassend heißt:

1. müssen die Beiden alles probieren, aber nicht essen. Ich bestehe aber darauf, dass es zumindest versucht wird. Wenn es nicht schmeckt, kann Brot gegessen werden. In meinem Haushalt wird nicht extra gekocht. Und siehe da, sie essen wirklich 95 % der Lebensmittel, die sie aufgetischt bekommen. Sie haben sogar in der Nachmittagsbetreuung eine Belohnung bekommen, weil sie von knapp 80 Kindern die einzigen sind, die sich so gut wie nie beschweren.
Und jeder hat Sachen die er nicht mag, das ist ja auch ok.

2. dürfen meine Kinder aufhören zu essen, wenn sie satt sind. Ich bin überzeugt, dass Kinder, wenn sie nicht immer vollgestopft werden, ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper haben und merken wenn sie satt sind. Manchmal futtern sie mehr als wir Erwachsenen (wenn sie wachsen) und manchmal halt nur ne Babyportion. Aber ich bin dann nicht böse, im Gegenteil, ich lobe sie dafür, dass sie auf ihren Körper hören.

3. (und das ist der schwerste Punkt) Süßigkeiten: Die meisten Kinder in der Schule haben immer irgendwas kleines Süßes (und sei es nur die gutgemeinte Milchschnitte) dabei, meine als einzige nicht. Und das ohne Diskussion zu Hause.
Und warum? Ich erkläre es meinen Kiddies und mit mittlerweile 8 Jahren verstehen sie es sogar ein wenig. Zucker, egal ob als Milchschnitte, Traubenzucker oder Fanta, Apfelschorle, hat meiner Meinung nach nichts in der Schule verloren.

Die Eltern wundern sich, dass die Kinder nicht ruhig halten und sich konzentrieren können, haben aber dann ein Corny, ein Nutellabrot, die Apfelschorle (manche sogar schon Cola) dabei. Wir hingegen haben was das angeht keine Probleme, sie können sich durchaus auch 2 Stunden wunderbar konzentrieren (entgegen der Meinung der Lehrer, Kinder könnten sich allgemein nur 30 Minuten auf etwas fokussieren).
Was haben die beiden als Frühstück? Morgens zu Hause Haferflocken oder Naturjoghurt mit Marmelade und einem Hauch Schokostreusel. In die Schule gibt es immer mindestens Mischbrot mit Belag nach Wahl und Tomate mit Salat drauf mit, entweder Obst oder Gemüse (dank Nicer Dicer lieben sie es sich selbst zu schneiden) und Wasser oder Sprudel.

Nicht nur das es an Konzentration hapert … Nein, da wird vom Lehrer erklärt Traubenzucker sei wunderbar um sich konzentrieren zu können, dabei ist ein Apfel oder Banane wesentlich effektiver…

4. Meine Kinder dürfen und sollen mitkochen, auch wenns ne Riesensauerei gibt oder auch mal was schiefgeht. Ich will, das meine Kinder, wenn sie ausziehen, nicht denselben Stand haben wie ich, nämlich ratlos und verzweifelt. Sie sollen Spaß an der Sache haben. Mir selbst wurde es verboten unter Strafe und das war Mist.

Ja, sie sind auch aufgedreht, aber ich merke den Unterschied zu anderen Kindern. Die Lehrer bestätigen mir das, indem mir gesagt wird, dass trotz ihrer Grundenergie, die sie nunmal haben (eine Lehrerin nannte sie übersprudelnd) trotzdem zu den Besten in der Klasse gehören. Ich will hier keinesfalls die Supermutter raushängen lassen, ich finde es einfach nur gruselig wenn ich schon (meiner Meinung nach) schwer übergewichtige Kinder sehe, aus deren Ranzen dann die Flasche Eistee oder Cola ragt… Ich mache bestimmt auch Fehler, und viele finden es befremdlich, wenn meine Kids ihnen mit 8 Jahren schon erzählen: „Du das fertige Müsli und der Fruchtzwerg hat aber viel zu viel Zucker, das ist ungesund“ oder „Ich mag nur Wasser und Sprudel trinken bitte“ (und das auf einem Kindergeburtstag. Sie dürften da durchaus Süß trinken aber wollen nicht) Ich werd da schon öfter blöd angemacht, meine Kinder in eine Essstörung zu schieben, vor allem da ich jetzt für mich Kalorien zähle und mich jeden Tag wiege. Aber das Schöne ist: Meine Kinder interessieren sich dafür, sie hinterfragen und ich kann ihnen direkt jegliche Fettlogik verbannen, dank des Buches habe ich eine gute Argumentationsgrundlage, und dank dessen bin ich auch überzeugt davon.

5. Süßigkeiten die zweite: Meine Kinder dürfen Süßigkeiten essen, geregelt und in Maßen. Und ich erkläre ihnen, sie sollen es genießen, es als Besonderheit ansehen. Sie wurden auch nie mit etwas getröstet oder belohnt (Vielleicht von der Uroma mal, aber da sehen ich drüber weg, das ist so selten) Jedes verdammte Weihnachten, Nikolaus und Ostern gibt es die gleiche Diskussion. „Du Mama, lass bitte den Süßkram weg, hol den Mädels doch lieber ein Buch oder was zu spielen“ Antwort: „Ja ich mach ja nur eins dabei“. Der Endeffekt hiervon ist, wenn Patenonkel und Tante, Oma und Opa beiderseits, die Uromas, alle nur „1“ Stück (was dann ein Nikolaus plus Kekse oder sonstwas ist) schenken, habe ich meinen Schrankabteil, der dafür eingerichtet ist, brechend voll. Und dadurch dass keiner unkontrolliert tonnenweise Süßkram futtern sollte und es auch nicht macht, bleibt das Zeug stehen. Da stand an Weihnachten letztes Jahr immer noch der Osterkram, und ich war rigoros. Ich hab den Mädels eine Salatschüssel hingestellt und ihnen gesagt, dass sie da alles reinmachen sollen, was sie behalten wollen und der Rest kommt weg. Das habe ich auch getan, eine große Stofftasche (ca. 20 Liter) voll mit Süßkram ab in die Tonne.

Das habe ich auch jedem gesagt. Es ist Lebensmittelverschwendung, die Kinder so damit zu zuschmeißen. Wir schmeißen alles weg, was nicht in die Schüssel passt. Punktaus, versteht natürlich keiner. „Hey, da kannst du doch Kuchen draus backen“ Mal davon abgesehen, dass ich Backen hasse, ist es für mich nicht Sinn und Zweck, extra Kuchen zu backen, weil ich Schokolade über hab. Dann kann ich sie auch direkt essen. Wenn ich den Menschen jetzt sage „Pass auf, lass den Süßkram an Ostern. Ich schwöre dir, der fliegt in die Tonne“ werd ich böse angeguckt, als würde ich ihnen verbieten, meinen Kindern was Gutes zu tun. Aber es ist mir egal.

Dieser Text war jetzt ziemlich lang, aber es liegt mir einfach am Herzen, es bei meinen Kindern „richtig“ zu machen. Zumindest sind sie ausgeglichen, happy und gesund (auch gewichtsmäßig).

Adipös aber gesund?

„Ich bin aber gesund und habe super Blutwerte!“ ist ein recht häufiges Argument, wenn man auf die Gesundheitsrisiken von Übergewicht hinweist.

Das Argument ist schon aus logischer Sicht schwierig, denn bei Übergewicht geht es ja darum, dass erhöhte Körperfettwerte einen Risikofaktor darstellen, an Erkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt, Hirninfarkt, Gelenkproblemen, Krebs, Gicht, etc. zu erkranken. Genau wie beim Rauchen ist es ja keineswegs so, dass Zigaretten immer und bei 100% der Raucher umgehend nach der ersten Zigarette zu Lungenkrebs führen. Wir akzeptieren dennoch die Aussage, „Rauchen ist ungesund!“ weil uns klar ist, dass Rauchen das Risiko für Erkrankungen erheblich steigert. Selbst wenn die Oma von dem Friseur unserer Nachbarin als Kettenraucherin eben ihren 95. Geburtstag gefeiert hat.

Unlogisch ist das Argument aber besonders dann, wenn man unauffällige Ergebnisse beim Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker o.ä. als Gegenargument heranzieht. Denn auch bei diesen Werten handelt es sich genau genommen nur um Risikofaktoren. Ein erhöhter Blutdruck sorgt per se meist noch nicht für Probleme – wir behandeln ihn aber als Problem, weil er ein erheblicher Risikofaktor für potentiell tödliche Herz-Kreislauferkrankungen ist. Also recht vergleichbar mit Adipositas. Wer akzeptiert, dass Bluthochdruck oder auffällige Blutwerte ein Problem darstellen, auch wenn die Person (noch) keinen Herzinfarkt oder Diabetesfolgeschäden hat, müsste eigentlich auch Adipositas als Problem akzeptieren.

Abgesehen von der Logik, gibt es allerdings Studien, die das Konzept von „gesunden Adipösen“ generell in Frage stellen. Erst dieses Jahr wurden die Ergebnisse zweier Langzeitstudien veröffentlicht, die über ein bis zwei Jahrzehnte Menschen beobachtet hatten, die trotz Adipositas metabolisch „gesund“ waren, also keine auffälligen Blutwerte hatten.

Eine dänische Langzeitstudie von Februar diesen Jahres fand, dass „gesunde adipöse“ Männer im Vergleich zu gesunden normalgewichtigen Männern trotz fehlender sonstiger Risikofaktoren das dreifache Risiko für eine Herzerkrankung haben. Bei Frauen war das Risiko immerhin verdoppelt. Wobei sich ohnehin nur etwa 3% der über 6000 Studienteilnehmer überhaupt als „gesunde Adipöse“ qualifizierten und 40% der „gesunden Adipösen“ innerhalb der ersten 5 Jahre den Status zu „ungesunden Adipösen“ wechselte.

Im März wurde darüber hinaus eine Studie veröffentlicht, die sich mit körperlichen Einschränkungen und Immobilität/Behinderung bei „gesunden Adipösen“ befasste. Auch hier waren die Ergebnisse eindeutig:

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Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass auch „gesunde Adipositas“ altersbedingten Abbau beschleunigt und eine Gefahr für die Unabhängigkeit im Alter darstellt.

Die zweite Studie traf bei mir selbst natürlich voll ins Schwarze, und ich muss zugeben, dass mich das emotional ein bisschen mitgenommen hat. Wobei ich von vornherein gar nicht in die Kategorie der „gesunden Adipösen“ gefallen wäre, denn mein Blutdruck war ja bereits sehr stark erhöht. Da in meiner Familie adipositasassoziierte Probleme wie Bluthochdruck, Diabetes, Gelenkprobleme, Hirninfarke, etc. sehr verbreitet sind, habe ich wohl auch eine genetische Vorbelastung. Das ist mir übrigens vor kurzem erst bewusst geworden: Selbst wenn man davon ausginge, dass es Menschen gibt, die körperlich eher auf ein höheres Gewicht ausgelegt sind und die chronische Mehrbelastung besser wegstecken, gehöre ich offensichtlich nicht dazu. Ironischerweise scheine ich zumindest in dieser Beziehung „naturschlank“ zu sein, sonst hätte ich wohl nicht schon mit 30 so massive Gesundheitsprobleme bekommen, wo andere erst mit 40 oder 50 erkranken.

Vielleicht war es auch in gewisser Weise Glück, dass ich bereits so früh aus der Kategorie der „gesunden Adipösen“ ausgeschieden bin und dadurch mit der Nase auf das Problem gestoßen wurde. Mit dem geringeren Gewicht haben sich zumindest die Blutwerte, der Bluthochdruck und aktuell auch die Rücken- und Gelenkschmerzen erledigt, so dass ich hoffentlich eine lange Zeit in der Kategorie der „gesunden Normalgewichtigen“ sein werde.


Off Topic: Da das bei den WordPress-Abonnenten nicht im Reader angezeigt wird, möchte ich an der Stelle noch auf die Aktion #50ShadesOfFettlogik hinweisen. Schaut rein und macht mit, enn ihr Lust habt! 🙂

Gastbeitrag: „Es ist Magersucht, nicht Mager-Logik oder Mager-sinnvoll“

Diesen Freitag hatte ich Post von der Kommentatorin Wolf im Postfach mit einem kurzen Gastbeitrag (der durch meine Fragen noch ein bisschen verlängert wurde). Ihr Beitrag zeigt nochmal, dass Fettlogiken nicht nur bei Übergewicht eine Rolle spielen, und welche Gemeinsamkeiten es zwischen beiden Seiten des ungesunden Gewichtsspektrums geben kann.

Vor kurzem las ich einen Artikel auf Fettlogik, in dem eine Person mit Bulimie erwähnt wurde. In den Kommentaren wurde angeregt diskutiert, und ich stellte fest: Ich bin ja nicht die einzige Person mit Essstörung, die hier mitliest.
(Vorab: ich möchte nicht behaupten, dass alle Betroffenen so denken wie ich. Ich schildere hier mein Empfinden – ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.)

Nun mag der ein oder andere sich denken: was wollen die denn überwinden, die sind doch schon zu dünn. Hierzu mal ein paar Zitate aus Foren:

Bananen haben zuviel Fruchtzucker, sie machen fett.
Nicht essen nach 17 Uhr, im Schlaf wird alles sofort in die Fettzellen eingelagert.
Eine Mahlzeit von 400 Kalorien ist schlecht, bevorzuge vier Mahlzeiten à 100 Kalorien.
Iss nie etwas, was größer als eine Faust ist – sonst dehnt sich dein Magen aus, und du hast ab jetzt für immer mehr Hunger.
Apfelessig vorm Essen blockt die Fettaufnahme.
Cayennepfefferkapseln regen den Stoffwechsel an. Nimm sie, wenn du kurz vor der Ohnmacht bist.

Die Hälfte davon könnte so in einer Frauenzeitschrift stehen, oder?

Und die glauben das, die Magersüchtigen? Ja, sind die denn doof?
Nein. Ich wage zu behaupten, doof sind wir nicht. Die meisten von uns wissen auch, dass die oben genannten Sätze falsch sind. Aber dann denkt man sich „Ja, und wenn doch was dran ist? Und ich deswegen fett werde? Ich machs doch vorsichtshalber besser so, wie die Regeln sagen.“ Denn es ist Magersucht, nicht Mager-Logik oder Mager-sinnvoll. Es könnte ja sein, dass sich alle geirrt haben, und man doch sofort dick wird…

Wir wissen, wenn wir rechnerisch im Untergewicht sind. Wir kennen die Liste der Symptome. Haarausfall. Frieren im Hochsommer. Schmerzen beim Sitzen auf normalen Stühlen. Wir kennen die Symptome, manchmal haben wir sie, aber wir überzeugen uns: bei mir ist es nicht so schlimm. Mir geht’s okay. Mal schwindlig sein beim Aufstehen, passiert doch jeder Frau. Hat nichts mit dem Gewicht zu tun. Ich kenn doch online dutzende Frauen, die sind viel dünner und auch gesund.

Trockene Haut im Winter – hat doch jeder. Das kann man doch jetzt nicht auf Nährstoffmangel schieben. Und sowieso, ich hab doch keinen Nährstoffmangel, ich ess doch jeden Tag Obst, und Quark oder Joghurt. Mir fehlen doch keine Nährstoffe.

Ständig blaue Flecke? Tja, ich bin eben ungeschickt.

Der gepolsterte Stuhl im Büro tut beim Sitzen weh? Doofer Stuhl. Hat bestimmt nichts mit Mangel an Unterhautfettgewebe zu tun – wenn ich da hingreife, da ist doch eindeutig noch welches.

Man redet sich so heraus. Ungesund? Ich doch nicht. Dünn sein wollen doch alle. Und wir wissen doch, dass Übergewicht die Gelenke belastet und hohen Blutdruck macht. Da muss es doch meinen Gelenken und dem Herz perfekt gehen. Bis man nach zehn Minuten Joggen anhält, mit Atemnot und das Herz schlägt bis zum Hals. Und der Kardiologe nur mit den Schultern zuckt und keine Ursache findet (Ich hatte ihm wohlgemerkt einen BMI im unteren Normalbereich erzählt – gelogen. Und schon ploppt der Gedanke auf „der Arzt glaubt dir das Normalgewicht, also bist du auch nicht dünn“.) Und es wird bewusst, was man eigentlich immer gewusst hat: ich mache mich kaputt. Jeden Tag ein Stückchen. Ich muss hier raus.

Und darum lese ich den Fettlogik-Blog. Weil wir uns demselben Problem von einer anderen Seite aus annähern. Weil ich hier lerne, dass Nahrungsmittel nicht in gut und böse eingeteilt sind. Dass jedes Lebensmittel Teil einer Ernährung sein kann, ohne dass man sofort adipös wird, bloß weil man sowas gegessen hat. Weil ich meine eigenen Fettlogiken habe, die ich überwinden muss auf dem Weg zum normalen Leben in einem gesunden Körper.

Gastbeitrag: Fettlogikfrei- ein Hallo aus der Kraftsportszene

Es ist immer wieder interessant, wie unterschiedlich Menschen die Verbreitung von Fettlogiken wahrnehmen. Während einige mir rückmelden, dass sie von vielen Mythen noch nie etwas gehört haben, kennen andere (so wie ich) die meisten in- und auswendig. Inzwischen finden sich immer mehr Fettlogiken auch in seriösen Medien, aber klassische Mutterschiffe der Fettlogiken sind nach wie vor Frauenzeitschriften und Abnehmforen. Daneben gibt es jedoch eine weitere Szene, in der traditionell sehr viele Mythen kursieren: Die Fitnessszene. Das Problem daran ist, dass diese Szene und die Menschen in ihr einen besonderen Vertrauensbonus genießen, denn oftmals sehen sie so aus, wie viele Menschen gerne aussehen würden – also scheinen sie ja das Richtige zu tun, um dieses Ziel zu erreichen. Logisch: Wenn man ein Ziel hat, fragt man am besten diejenigen um Rat, die dieses Ziel schon erreicht haben. In diesem Fall ist es allerdings oft so, dass die fitten, durchtrainierten Sportler nicht wegen ihrer Fettlogiken so aussehen, sondern trotz der Fettlogiken. Jemand, der jedoch nicht die Möglichkeit hat, ähnlich zu trainieren, verzweifelt oft an den Ernährungsratschlägen.

Ich bin daher immer exra froh, wenn Leute aus der Fitnessszene fettlogikfrei sind und ihre Glaubwürdigkeit für sinnvolle Tipps einsetzen, die auch für Nichtsportler oder Anfänger umsetzbar und hilfreich sind. In ihrem heutigen Gastbeitrag schreibt Lisa, als Kraftsportlerin, nochmal vertieft über ein Thema, das ich auch in Fettlogik angeschnitten habe, und das offensichtlich eines der wichtigsten ist: Wasser(einlagerungen)! Ich fand den Beitrag auch für mich selbst nochmal sehr interessant, denn beim Kraftsport/Bodybuilding wird wirklich gezielt mit Wassereinlagerungen gearbeitet, entsprechend ist das Wissen darüber natürlich größer.

Bevor ich mit meinem Gastbeitrag beginne,möchte ich mich kurz bei euch vorstellen. lisa3Mein Name ist Lisa, ich bin 25, leide an der `bösen` Schilddrüsenunterfunktion und bin seit einigen Jahren begeisterte Kraftsportlerin. Meine Erfahrungen, sowie Trainings-, Motivations-, und Ernährungstipps teile ich gemeinsam mit meinem Trainingspartner Mike auf Instagram und Facebook. Wir sind Flugbegleiter, absolute Sportfreaks, die gerne ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Mike konnte bereits seine B-Lizenz erwerben, ich folge im November, im Frühjahr 2018 steht die Personal Trainer- Lizenz an. Unser Plan ist es, den Menschen auf ihrem individuellen Weg zum Glück zu helfen, ihnen Ängste und gewisse `Fettlogiken` zu nehmen. Wir wollen niemandem irgendein Konzept aufzwängen, sondern Pläne anhand individueller Bedürfnisse und Gegebenheiten schaffen.

Ich habe schon mehr als genug, der klassischen Diäten hinter mir
ich möchte heute gerne diverse Themen aufgreifen, einfach um die allgemeine DIÄTPANIK weiter zu mildern und euch vielleicht auch ein Stück weit weiter Mut zu geben.

`ICH HABE IM DEFIZIT GEGESSEN UND SPORT GEMACHT…WIESO ZUM TEUFEL WIEGE ICH MEHR?´

So oder so ähnlich wird das mit Sicherheit der ein oder andere von euch schon gesagt und erlebt haben und war danach so niedergeschlagen und kurz davor alle Pläne über Bord zu schmeißen, zu resignieren und aufzugeben. Ich selbst stand auch schon an diesem Punkt, mit Gefühlen wie: versagt zu haben, Wut, Traurigkeit und Unverständnis. Teilweise hab ich auch Schuldgründe, wie meine kaputte Schilddrüse, oder ein `verrosteten Stoffwechsel` (jaja) gesucht, aber seien wir ehrlich, wer im Defizit isst, NIMMT AB! Warum dann aber mehr Gewicht? GANZ KLAR! Mehr Gewicht bedeutet nicht unbedingt mehr Fett! Und ist es im Endeffekt nicht einfach nur das überschüssige Körperfett, das man verlieren möchte?
Unser Körper besteht zu einem Großteil aus Wasser

wasser

Wir sehen also, dass in alle Richtungen eine Spannweite gibt, wie viel Wasser im Körper normal ist.

Aber was beeinflusst denn nun unseren Wasserhaushalt?

– Ernährung
– Flüssigkeitsaufnahme
– Sport

Ernährung:
Hier ist es sinnvoll mal auf die eigene Kohlenhydrat Einnahme zu achten. Ein Gramm Kohlenhydrate speichert bis zu 3g Wasser in unserem Körper. Bis zu 2/3 der gespeicherten Kohlenhydratvorräte werden im Muskel gespeichert, aber nicht als einzelnes `Kohlenhydrat`, sondern an Wasser gebunden. Kohlenhydrate sind ein wichtiger Energielieferant für uns, in Glucose umgewandelt versorgte es uns mit Energie. Sollte die zugeführte Energie gerade nicht benötigt werden, speichert unser Körper diese als Glykogen in unseren Muskeln und der Leber, für eventuell später auftretende Belastungen. Erst wenn die Glykogenspeicher voll sind, wir aber weiter übermäßig Energie zuführen, ERST DANN schafft der Körper wirkliche Fettreserven.

Das ist im Übrigen auch der Grund, warum Leute bei einer kohlenhydratreduzierten Ernährung, optisch weniger pralle Muskeln haben, als Menschen, die sich auch von Kohlenhydraten ernähren. Wenn der Körper schlichtweg keine oder wenig Kohlenhydrate zu Verfügung hat, werden diese auch nicht in Glykogen umgewandelt und auch nicht im Muskel gespeichert. Wo nichts ist, kann nichts gespeichert werden. Wer sich folglich also eher Lowcarb ernährt, wird weniger gefüllte Glykogenspeicher, weniger Wasser in sich haben, weniger prall aussehen.

Um euch diese Thematik näher zu bringen, möchte ich euch das Diätwettkampftagebuch, eines befreundeten Bloggers und Bodybuilders vorstellen.
Bühnensportler bereiten sich monatelang auf Wettkämpfe vor, auch hier gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, das Ziel bei allen ist aber das Gleiche. Möglichst pralle Muskeln, bei sehr niedrigem Körperfettanteil auf der Bühne präsentieren.

Vor dem Bühnenpräsentation gehen alle Bodybuilder in eine sogenannte Peak Week. Die Peak Week soll den Körper nahezu vollständig entwässern, gleichzeitig aber garantieren, dass die Muskeln am Wettkampftag schön prall aussehen.

http://dreamteamfitness.de/peak-week/

Wer sich Julius Peak Week Tagebuch mal durchliest, wird feststellen, dass er zu Beginn Massen an Wasser trinkt, viel Salz zu sich nimmt, um das Wasser im Körper zu binden. Salz und Wasser werden schrittweise reduziert, sowie die Kohlenhydrateinnahme, mit dem Ziel die Kohlenhydratspeicher (also die Glykogenspeicher im Muskel) zu leeren und das Wasser zu entziehen.. Am Tag vor dem Event wird mit massiv vielen Kohlenhydraten geladen, mit einem Ziel, das vorhandene Restwasser mit den zugeführten Kohlenhydraten im Muskel zu speichern. Die leeren Glykogenspeicher also füllen und mit dem noch vorhandenen Restwasser in den Muskel zu befördern. PRALLITÄT 😉

Ich hoffe bis hierhin ist klar geworden, dass Kohlenhydrate unseren Wasserhaushalt im Körper beeinflussen und der Wasserhaushalt sowohl unser Gewicht, als auch unsere Optik beeinflussen kann.

Auch haben wir gesehen, dass unsere Flüssigkeitsaufnahme unseren Wasserhaushalt beeinflusst. Je mehr wir trinken, desto mehr Wasser scheiden wir aus. Durst in ein natürliches Gefühl unseres Körper, das uns mitteilt, dass wir zu wenig Wasser haben. Nach einer ausgedehnten Cardioeinheit, bei der wir viel geschwitzt haben, wird wohl jeder von uns Durst, als Durst erkennen und zur Flasche Wasser greifen. Im Alltag wird Durst oft mit Hunger verwechselt. Hier ist es mal ratsam sich die Farbe und Menge des eigenen Urins anzuschauen. Ein `guter Urin` ist nahezu farb- und geruchlos. Natürlich können gewisse Lebensmittel Farbe und Geruch ändern (Beispiel Spargel , ist der Urin aber dunkel und man quält sich schon bei einigen Tröpfchen, ist das definitiv ein Anzeichen der Dehydrierung. Der Körper bekommt zu wenig Wasser und konzentriert sich darauf, möglichst wenig weitere Flüssigkeit zu verlieren. Ausreichend trinken hilft also auch beim Gewichtsverlust, da es das oft verwechselte Hungergefühl stillt.

Sport. Auch Sport beeinflusst unseren Wasserhaushalt.
Wir haben bis dato gelernt, dass unser Körper, aufgenommene aber gerade nicht benötigte Kohlenhydrate als Glykogen in Muskel und Leber speichert. Nun ist es so, dass Sportler ausgeprägtere Muskeln als der Durchschnittsmensch hat, er hat also schlichtweg mehr Volumen, um Wasser im Muskel zu speichern. Außerdem ist kein Körper dumm, wenn ein Körper mal verstanden hat, dass er regelmäßige Belastungen durch Sport zu erwarten hat, wird er sich den Bedingungen anpassen. Heißt wenn wir zB explizit unseren Bizeps trainieren, erhält unser Nervensystem die Info: BIZEPS BRAUCHT ENERGIE. Unser Körper zieht bewusst Glykogen in den beanspruchten Muskel, um ihm ausreichend Energie zu liefern. Das erklärt auch den klassischen Pump, den man oft nach dem Trainieren einer bestimmten Muskelgruppe erlebt. Die `Energie` wird über Blut in die beanspruchte Region gebracht.

(Als kleine informative Randnotiz noch zum Thema PUMP Das ist auch der Grund weshalb einigen Menschen beim Beintraining schlecht, übel und sogar schwindelig wird, bis hin zu Erbrechen und Ohnmacht. Ein gutes Beintraining, beansprucht große Muskelgruppen, Blut transportiert Energiereserven in die Beine, was zur Folge haben kann, dass andere wichtige Körperareale nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden.)

Jetzt wird sich der ein oder andere Lowcarbernährer aber fragen: MOMENT! Ich verzichte doch auf Kohlenhydrate, wie kann das dann sein. Neben Kohlenhydraten, liefern uns auch Eiweiß und Fett ENERGIE. Zwar fällt dem Körper die Verstoffwechslung dieser Nährstoffe zu Glucose/Glykogen schwerer, aber auch das ist möglich.

Ich denke hiermit ist auch klar, dass eine ausreichende und ausgewogene Nährstoff und Flüssigkeitsaufnahme gerade für Sportler essentiell ist.
Wir haben nun diverse Bereiche abgeklärt und sollten Wissen, dass ein höheres Gewicht, trotz Defizit an Wasser liegen kann und absolut kein Grund zur Besorgnis ist.

Oft reicht der Blick in den Spiegel, das Probieren einer alten Hose, um uns glaubhaft darzulegen: ICH HAB SEHR WOHL ABGENOMMEN UND ICH SEH GUT AUS!!!!
Nachdem nun alles sehr theoretisch war möchte ich auch auf die Seele eingehen, da in meinen Augen nichts wichtiger ist.

Hierfür möchte ich euch auch einen Schwank aus meinem Leben erzählen.
Ich hatte temporär mal, durch den Wegfall von Sport und stressbedingtem (FR)essen arg zugenommen und meine Konsequenz damals war: NICHTS MEHR ESSEN
Binnen weniger Monate erreichte ich bei einer Körpergröße von 1,76 m 51 kg und ich sah wirklich grausig aus. Ich sah zum einen total ausgemergelt aus, war aber trotzdem nicht fest und was das schlimmste war: ES GING MIR PSYCHISCH RICHTIG SCHLECHT!

Keine Lebensfreude, ich bin nicht mehr aus dem Haus, war absolut gegen mich und meinen Körper, fand mich zu diesem Zeitpunkt sogar fetter denn je. Ich habe wieder mit Sport begonnen, anfangs wirklich, um noch dünner zu werden. Ausdauer, Ausdauer, Ausdauer … irgendwann jedoch habe ich durch Freunde festgestellt, dass mir Kraftsport echt Freude bereitet. Weniger Freude hat mir anfangs die Gewichtszunahme bereitet. Im Gegenteil, es hat mich richtig gestresst, bis zu dem Zeitpunkt, als ich tolle Muskeln an meinem Körper gesehen habe, gespürt habe, wie ich an Energie und Kraft gewinne und trotz mehr Kilos fester und straffer aussehe. Heute, ein paar Jahre später wiege ich +/-2-3 kg um die 68 kg. Für viele ist das sicher ein hohes Gewicht, aber ich kann schon sagen, dass ich deutlich sichtbare Muskeln vorzeigen kann. Ich muss aber auch zugeben, wenn ich mal die 70 auf der Wage sehe fühle ich mich mies, aber dann schau ich, was ich gegessen habe, war es wirklich zu viel, waren es vielleicht einfach nur viele Kohlenhydrate, habe ich zu wenig getrunken, hatte ich die Tage vielleicht ein intensives Training, dass nun auch mehr Wasser zu Regenerationszwecken im Muskel speichert, steht vielleicht meine Periode an?

lisa2

lisa1

Oft finde ich so schnell einen plausiblen Grund der mein Gewicht erklärt, mich entweder zum Handeln bringt, oder einfach entspannen lässt.
Selbstreflexion hat ziemlich viel mit Selbstliebe zu tun, es geht nicht darum, sich laufend selbst zu kontrollieren, sondern darum sich besser kennenzulernen um effektiver mit sich am eigenen Ziel zu arbeiten.

Bevor ich zu meinem letzten und dem mir liebsten Punkt meines Beitrages komme, möchte ich euch kurz erzählen, wie ich überhaupt zu dem Buch `Fettlogik überwinden` kam. Ihr wisst bereits über mich, dass ich kurzzeitig zwar mal das ein oder andere Kilo zu viel hatte, abgenommen habe und nun begeisterte Sportlerin bin, die sich eigentlich wenig Sorgen über ihre Figur machen muss. Gerade in der Bodybuilding Szene laufen viele selbsternannte Experten rum, der eine sagt dir, so musst du essen, der andere sagt dir was völlig anderes.

Als ich vor einiger Zeit meinen Freund kennengelernt habe, habe ich es mir Ernährungstechnisch sehr gut gehen lassen. Wir haben regelmäßig bei gemeinsamen Filmeabenden, auf Ausflügen auf dem Weihnachtsmarkt, im Kino und und und GENASCHT. Ich hab zugenommen und das war rational nicht mehr durch Wassereinlagerungen etc. zu entschuldigen. Ich hab ein Bäuchlein bekommen, breitere Hüften, mein Po und meine Brüste schienen zu explodieren und auch im Gesicht sah ich weitaus runder aus. Ich war ultimativ angepisst, aber statt mir zu Beginn einzugestehen, hey Lisa: du hast einfach übertrieben, habe ich dumme Gründe gesucht. Ausreden die jeder kennt.

Mir war klar ich muss irgendwie von dem überschüssigen Fett loswerden und fragte mich, welche Diät für mich wohl die Beste sei, mach ich nochmal Lowcarb, geh ich auf High Carb Low Fat, mach ich ne´ reine Eiweißdiät. Alles in meinem Körper hat sich irgendwie gesträubt, ich wollte keine klassische Diät mehr machen, ich wollte mir auch hin und wieder ohne schlechtes Gewissen etwas gönnen können. Bei diversen Internetrecherchen bin ich auf FLÜ gestoßen, habe es bestellt und innerhalb von nur 2 Tagen INHALIERT.

Defizit! Wenn du abnehmen willst, bleib im Defizit. Ich weiß wie ich mich gesund zu ernähren habe, aber wenn ich mal Schoki oder sonstwas möchte, einfach schauen, wo oder wie ich die Kalorien wo anders nichtig machen kann.
Für mich war das Buch der reinste Segen, es hat mich so dermaßen entspannt und geerdet, dass ich binnen weniger Wochen wieder unter 70kg war, meine überschüssigen Pölsterchen verloren habe und das obwohl ich auch mal zwischendrin einen Abend mit meinem Freund ein Eis gegessen habe oder sogar mal über meinen Kalorien war.

Ich habe Gewichtstabellen geführt und auch an mir feststellen können, dass wenn ich den einen Tag mehr Kohlenhydrate gegessen habe, tags drauf mehr gewogen habe, wenn ich dann aber zB diesen Tag dann nur von Eiweiß und Gemüse gelebt habe, spätestens 2 Tage später wieder bei meinem Gewicht war. Erwarte ich zum Beispiel meine Periode, gelüstet es mich oft nach etwas Süßem oder Herzhaftem, Dinge die ich sonst im Alltag nicht brauche, früher habe ich dieses Verlangen immer unterdrücken wollen, was oft im ultimativen Fressanfall geendet ist. Heute gönne ich mir die eventuellen Extrakalorien, weil ich weiß, dass das dann mein Gemüt entspannt und die Tage drauf auch einfach weniger Hunger habe.

Und geht es darum nicht langfristig? Einen Weg finden, der einem zu einem gesunden Ich hilft, bei dem man sich aber nicht alles immer nur verbietet?
Ich war so begeistert von FLÜ, dass ich Nadja angeschrieben habe, da ich gewisse Erkenntnisse analog zu meiner Geschichte/Entwicklung gerne auf meinem Blog teilen wollte. Ich kam mit Nadja ins Gespräch und beschloss in Folge dessen auch diesen (etwas sehr langen Gastbeitrag #sorry =) zu schreiben.

Nadja erzählte mir, dass ihr viele Menschen schrieben, sie hätten das Empfinden, trotz Defizit Muskeln aufzubauen.
Ein Bodybuilder würde hier klar sagen geht nicht, ich sage: GEHT DOCH. (ich möchte hier anmerken, dass der kommende Part sich auf meine Theorien und meinen Glauben stützt)

Fangen wir aber wieder klein an.
Jeder Mensch hat Muskeln, sonst wären wir nicht bewegungsfähig. Relativ zu Beginn meines Beitrages habe ich euch Julius vorgestellt. Wisst ihr noch? Der Bodybuilder, der mir freundlicherweise erlaubt hat, hier sein Peak week Tagebuch zu verlinken. Wisst ihr noch, dass sein Ziel für die Bühne war, möglichst pralle Muskeln, bei möglichst niedrigem Körperfettanteil zu haben?

Da wären wir auch schon bei unserem ersten Punkt: Dem Körperfettanteil. Je geringer der Körperfettanteil eines Menschen ist, desto deutlicher sind seine Muskeln sichtbar,das kann rein durch Optik schob viel Positives in unserem Gemüt auslösen. Wie gesagt, jeder Mensch hat Muskeln und sinkt der Körperfettanteil, werden diese folglich auch sichtbarer.

Geht man davon aus, dass Menschen auf ihrem Abnehmweg auch Sport treiben, werden diverse Muskelgruppen folglich auch beansprucht. Warum wächst ein Muskel eigentlich? Muskeln wachsen in der Regeneration. Wenn ihr im Training immer neue Reize setzt, wird es zu kleinen Muskelrissen kommen, hört sich bedrohlich an, ist es aber nicht. In der Regeneration wird euer Körper mit Hilfe von Eiweißenzymen die geschädigten Stellen reparieren, neue Musklefasern bilden und den Muskel stärken und fester machen und somit wachsen lassen. Außerdem haben wir ja gelernt, dass unser Körper Energiereserven im Muskel speichert.
Gehen wir also mal davon aus, dass ein Abnehmwilliger Sport treibt, seine Muskeln also regelmäßig beansprucht, der Körper Energie/ Glykogen für Belastung und Regenration in den Muskel transportiert, kann es meiner Meinung nach, trotz Defizit zum Muskelaufbau und gleichzeitiger Körperfettreduktion kommen. Körper zieht Energie für den Grundumsatz aus den Reserven und nutzt die neu zugeführte Energie für aktuelle Belastungen.

Nun möchte ich noch auf die innere Einstellung zu sprechen kommen.
Wie sehr wir uns selbst lieben und wertschätzen, ist maßgeblich daran beteiligt, wie wir mit uns umgehen.

Einem fröhlichen und motivierten Menschen wird es einfacher fallen, zum Sport zu gehen und leichter von der Hand gehen zum Gemüsesnack als zum Schokoriegel zu greifen.

Demotivation und Selbsthass führen zu Resignation und Aufgeben.
Wenn wir an uns glauben und es schaffen uns immer wieder selbst zu motivieren unserem Ziel näher zu kommen, dann werden wir dieses auch erreichen. Wer keine Ziele im Leben hat bleibt auf der Stelle stehen.

Die Kraft unserer Gedanken,darf NIEMALS unterschätzt werden.
Hierzu möchte ich euch die Forschung von Guang Yue von der Cleveland Clinic Foundation in Ohio vorstellen. Yue beauftragte Probanden mittleren Alters sich rein gedanklich VORZUSTELLEN, sie würden ihre Muskeln beanspruchen. Er erfasste ihre Gehirnaktivität mittels Elektroden und überprüfte gleichzeitig, dass seine Testpersonen, die Muskeln nicht tatsächlich bewegten. 5x die Woche ging es für die Probanden zum mentalen Training und bereits nach 14 Tagen erwies sich ein Zuwachs von durchschnittlich 13,5%.
Bei einer Testgruppe ohne mentales Training, war keine Veränderung festzustellen.

Ich persönlich liebe dieses Beispiel, weil es wissenschaftlich dokumentiert, zu was unsere Gedanken eigentlich fähig sind.
Wenn wir positiv gestimmt sind und mit vollem Bewusstsein an unsere Ziele glauben, werden wir diese erreichen, das soll natürlich jetzt nicht bedeuten, dass wir uns nur noch vorstellen wir würden Sport treiben, aber dieses Beispiel soll euch animieren, ein klares Bild von euch zu schaffen: SO WERDE ICH AUSSEHEN UND DAS WERDE ICH SCHAFFEN!!!
Stellt euch doch hier mal selbst die Frage, wann ihr das letzte Mal schlecht drauf wart?
Wie habt ihr diese Phase überwunden? Indem ihr euch in Selbstmitleid ertränkt habt? Nein sicher nicht, ihr habt euch mit positiven Emotionen und Erlebnissen erfüllt und somit euer Leben und eure Stimmung in eine bewusst glückliche Richtung geleitet. (* kurze Anmerkung von Nadja: Da sowas erfahrungsgemäß oft falsch verstanden wird: Bitte beachten, dass Lisa hier von „schlecht drauf“ redet und in keiner Weise von einer klinischen Depression die Rede ist, die sich grundsätzlich von „schlcht drauf“ stark unterscheidet)
Ziele sind da um erreicht zu werden, der alleinige feste Glaube daran, dass ihr etwas schafft (Abnehmen, Muskelaufbau, glücklich sein) wird euch automatisch dahin leiten, dass ihr das richtige tut, um euer Ziel zu erreichen.
Achte auf deine Gedanken, denn deine Gedanken werden zu Worten und deine Worte zu Taten.
So das war es nun aber mal endgültig von mir, vielleicht `sehen` oder schreiben wir uns ja mal auf einem meiner Blogs.
Ich würde mich freuen,
Ansonsten verbleibe ich mit lieben Grüßen =)
Lisa

Fettlogik & Ärzte

Nachdem ich im letzten Blogartikel meinen Vortrag erwähnt habe, hier der ausführliche Bericht dazu.

Also zuerst mal … ich bin blöderweise so ein Typ: Wenn man mich lange genug vorher fragt, sage ich zu fast allem „Ja“. Würde mich jemand fragen: „Könntest du morgen vor 150 Leuten einen Vortrag halten?“ wäre meine Antwort ein spontanes: „Himmel, NEIN! Ich habe panische Angst vor öffentlichen Auftritten und … Reden … vor Menschen!“ … aber frag mich ein halbes Jahr oder Jahr vorher und ich antworte: „Okay … warum nicht?“ … weil ich halt ein Vollpfosten bin.

Genau das sagte ich mir seit Januar, als „2017“ plötzlich gar nicht mehr unendlich weit weg war, ungefähr täglich: „Du Vollpfosten! Warum hast du nur zugesagt?“ Ich hatte ungelogen seit Mitte Januar Albträume.

Aber worum ging es überhaupt? Am 09. März fand in Bern eine Fortbildungsveranstaltung für Hausärzte statt und ich war eingeladen worden, dort 30 Minuten über die Behandlung von Übergewicht zu sprechen. Dass ich diesbezüglich selbst sehr durchwachsene Erfahrungen gemacht habe und das Thema extrem wichtig finde, war mit ein Grund, warum ich es letztlich zugesagt habe.

Das schwerste war, sich auf 20 Minuten (+ 10 Minuten Fragezeit) zu begrenzen. Für Details war da wenig Platz und ich konnte nur ein paar Dinge anreißen und hoffen, dass irgendwas hängen bleibt. Mein Einstieg war die Wahrnehmungsverzerrung bezüglich Körpergewicht, und wie schwierig es est, Übergewicht rein auf Sicht einzuschätzen. Dazu hatte ich ein paar Fotos aus dem Blog und dem Forum gezeigt, die Frauen zeigen, die einen BMI von 25 – 28 haben, dabei aber eher schlank wirken. Für den „Schockeffekt“ habe ich zuerst gesagt, dass die Frauen normalgewichtig sind und an der Grenze zum Übergewicht stehen, um dann aufzulösen, dass sie tatsächlich bereits übergewichtig sind.

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Aus meiner Vortragenden-Perspektive wirkte das Publikum recht unbeeindruckt, wie ich nachher erfuhr, war der Einstieg aber offenbar bereits äußerst kontrovers und viele Ärzte waren empört, dass das doch aber attraktive Frauen seien – übrigens eins meiner Hassargumente: Die Verquickung von Optik und Gesundheitsrisiko. Dass Übergewichtige oder Adipöse attraktiv sein können und manche ein höheres Gewicht bevorzugen hat halt so gar nichts mit dem gesundheitlichen Risiko von Übergewicht zu tun. Es gibt auch jetzt noch regelmäßig Leute, die mir mitteilen, dass sie mich mit 150 kg attraktiver fanden als mit meinen 65 kg. Das ändert nunmal nichts daran, dass ich mit 150 kg gesundheitlich massiv beeinträchtigt war.

Von einem Arzt erwarte ich da eine neutrale Aufklärung, ohne sein persönliches (Schönheits)empfinden. Wenn er es sexy findet, wenn eine Frau an der Zigarre zieht und/oder er selbst gerne mal ein paar Zigarettchen raucht, will ich dann ja trotzdem nicht gesagt kriegen, dass ich idealerweise ein paar Schachteln im Monat wegrauchen sollte. Wie ich mit dem Risiko umgehe, ist ja meine Sache, aber ich will zumindest wissen, wenn es da ist.

Nun ja, die Fotoreihe war eine recht gute Überleitung zum BMI-Thema und der Tatsache, dass der BMI ein relativ gutes Mittel ist, um mit 99%iger Treffsicherheit Übergewicht festzustellen.

bmi1

Fazit war also, dass es sinnvoll ist, den BMI zu erfassen. Meine eigene Umfrage ergab leider ein sehr ähnliches Bild wie die offiziellen Studien und Statistiken zur BMI-Dokumentation beim Arzt:

 

bmi

Die klassische Fettlogik, dass leichtes Übergewicht gesünder sei, hatte ich ebenfalls thematisiert, und dass die überwiegende Mehrheit der Studien (bis auf die methodisch fragwürdige Flegal-Studie) das Normalgewicht bestätigen:

An der Stelle hätte ich eigentlich gerne noch den Blogartikel von Madame Graphisme behandelt, die von ihrem Bluthochdruck erzählt, der nach ihrer Abnahme verschwunden ist. Ihr Kommentar unter dem Artikel trifft es besonders gut:

Man liest im Internet von solchen Zusammenhängen – aber erst ab morbider Adipositas und verbunden mit anderen Beschwerden, die ich nie hatte. Und da ich da natürlich weit davon entfernt war, verließ ich mich darauf, dass meine Ärzte mir alles sagen würden, das meinen Zustand würde bessern können. Vor allem, weil alle Ärzte dieses Thema trotz Wiegen völlig ausgeklammert aber jede noch so absurde „Könnte sein“-Möglichkeit untersucht haben. Mir wurde also suggeriert, dass mein Gewicht nichts damit zu tun haben könnte, da es ja kontrolliert aber nicht kommentiert wurde.
Ich sehe da keinen Grund, auf mich zornig zu sein. Einem Arzt (und erst recht mehreren Spezialisten vom Gyn- bis Endokrinologen) gegenüber habe ich ein Vertrauensverhältnis – ich glaube das, was sie mir sagen, weil ich eben von Medizin keine Ahnung habe.

Und dass es ein Problem mit dem Ansprechen von Übergewicht gibt, zeigen die Zahlen. In der Studie von Galuska, die ich im Buch zitiere, wurde nur 42% der adipösen Patienten zur Gewichtsreduktion geraten. In meiner eigenen Befragung war dies fast genau so:

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Auch unschön: Wenn das Gewicht angesprochen wurde, empfanden es offenbar 3 von 4 Patienten als nicht hilfreich.

Nun ist es halt generell ein echt schwieriges Thema und es gibt keine „perfekte Art“ damit umzugehen. Kein Arzt wird es schaffen, da bei jedem Patienten immer den richtigen Ton zu treffen. Eine nicht unbegründete Befürchtung ist auch, dass das Ansprechen als „Alles wird aufs Gewicht geschoben!“ empfunden wird:

 

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Um das zu vermeiden wäre mein Ansatz, den Patienten nachvollziehbar zu vermitteln, inwieweit ihre Erkrankung mit dem Körpergewicht zusammenhängt. Was bei Gelenkproblemen vermutlich noch für die meisten Patienten halbwegs nachvollziehbar ist, wird bei komplexeren Abläufen, wie etwa den hormonellen Zusammenhängen durch Fettgewebe als Organ, das Hormone produziert oder aber Entzündungen, die durch die absterbenden Zellen im Fettgewebe gefördert werden können, eben schon schwieriger. Sprich: Wenn das Gewicht als Faktor genannt wird, sollte dem Patienten gleichzeitig zumindest in ein paar Sätzen erklärt werden, wie genau das Gewicht sich in ihrem speziellen Fall überhaupt auswirken kann und wie und warum eine Abnahme ihre Erkrankung möglicherweise verbessern kann.

Auch finde ich es wichtig, bei Erkrankungen oder Medikamenten, die gemeinhin als mögliche Ursachen für Übergewicht gelten, die genauen Mechanismen zu erklären, wie und warum sie zu Gewichtsveränderungen beitragen können.

Am Ende fehlte mir etwas die Zeit um darauf einzugehen, wie wichtig es ist, die Selbstwirksamkeit zu fördern und Patienten nicht unnötig auszubremsen, wenn es keinen wirklichen medizinischen Grund gibt. Dass es seltene Fälle gibt, in denen eine Gewichtsreduktion besonders langsam oder gar nicht angezeigt ist, war ja z.B. auch im Gastbeitrag von Mark ersichtlich, der z.B. aufgrund seiner Darm-OP keine größere Gewichtsänderung haben sollte.

Aus eigener Erfahrung weiß ich allerdings, dass viele Ärzte sehr demotivierend sein können. Von einem freundlichen „Sie sollten ein realistisches Ziel anstreben, 90 kg wären doch schon ganz toll!“ bis zu einem abfälligen „Das schaffen Sie eh nicht!“ war schon einiges dabei.

In dem Kontext wollte ich diesen Blogartikel einfach mal als Diskussionsanstoß nehmen:

Was würdet ihr euch von eurem Arzt wünschen, bzw. was fändet ihr in Sachen Gewichtsansprache wichtig?

Welche Erlebnisse hattet ihr selbst aus Patientensicht, bzw. die mitlesenden Ärzte: Wie sieht es aus eurer Sicht aus?

Was war hilfreich und welche No-Gos gibt es aus eurer Sicht, bzw. habt ihr selbst erlebt?

 

Kurz kommentiert: Eine Rezension zu Fettlogik

Ich bin wieder da 🙂 Ich hatte ja die letzten Wochen häufiger geschrieben, dass ich derzeit sehr im Stress bin und mich freue, dass tatkräftige Blogunterstützung in Form von Gastbeiträgen kam, so dass trotz Zeitmangel der Blog nicht inaktiv war.

Inzwischen ist der Stress etwas abgeklungen und seit gestern bin ich wieder zuhause, nachdem ich einige Tage bei meinen Eltern verbracht und einen Vortrag in Bern gehalten habe – dazu dann evtl. noch etwas in den nächsten Tagen.

Natürlich gab es in letzter Zeit einiges, was aufgrund des Zeitmangels hintenüber fiel und nicht kommentiert werden konnte. Vieles ist schon nicht mehr so richtig aktuell oder es wurde schon genug dazu geschrieben. Wozu ich nun doch noch einen kurzen Kommentar abgeben möchte, ist eine Rezension über Fettlogik, die derzeit sehr viel geteilt wird.

In Fettlogik schreibe ich u.a. auch über die Fatacceptance-Bewegung und meine Geschichte damit, also wie es dazu kam, dass ich jahrelang begeisterte Anhängerin der Fatacceptance war und inzwischen kritisch geworden bin. Für mich eine gewisse Gratwanderung, denn hinter vielen Grundprinzipien, wie etwa „Jeder hat das Recht selbst über seinen Körper zu bestimmen“ und „Niemand soll unter Druck gesetzt oder abgewertet werden wegen seines Gewichts“ stehe ich nach wie vor. In anderen Bereichen, etwa was die gesundheitlichen Konsequenzen angeht, habe ich meine Einstellung geändert und empfinde den Umgang damit inzwischen als problematisch.

Das Feedback seitens der Fatacceptance-Bewegung war bisher recht gemischt, während es zu Beginn einen für mich ziemlich dramatischen Shitstorm gab (leider stand eher Robin Urban im Zentrum, die damals als Feministin eine Blogreihe über ihre eigene Geschichte mit ihrem Gewicht und Fettlogik veröffentlicht hatte), gab es auch immer wieder positives Feedback, etwa von Onyx:

„Ich gebe zu, ich hatte Vorbehalte. Sehr große sogar. Ich ging davon aus, dass es sich lediglich um eine Art polemischen, zumindest aber vorwurfsvollen Disziplinierungsversuch handelt, gewürzt mit einer guten Portion Fatshaming. Ich hatte es ziemlich schnell durch. Und was soll ich sagen? Selten habe ich mich bei einem Vorurteil so geirrt.“

Oder in diversen Rezensionen (hier, hier oder hier etwa).

Letztlich ist es natürlich auch immer eine Frage der eigenen Wahrnehmung, ob man sich von einem Buch angesprochen fühlt oder nicht. Was ich recht schade fand war, dass viele derer, die „fatshaming“ kritisierten, das Buch nicht gelesen hatten. Insofern fand ich es durchaus positiv, dass eine entsprechende Bloggerin Mitte letzten Jahres ankündigte, eine Rezension zu Fettlogik zu verfassen:

Heute kam ein Mängelexemplar von Nadja Hermanns „Fettlogik überwinden“ mit der Post. […] Bereits beim ersten Durchblättern von „Fettlogik“ wird klar, dass das Werk vermutlich ganz genauso toxisch sein wird, wie ich es mir gedacht habe. Und ich habe mir für eine Sekunde überlegt: „Warum willst du dir das eigentlich antun?“ Aber hey, dazu sind wir ja eigentlich hier…

Dass sie die Rezension plante, hatte ich bereits über einen kurzen Austausch per Mail erfahren, auf den sie auch in ihrer Rezension einging. Aufgrund der Ankündigungen rechnete ich bereits damit, dass das Fazit nicht positiv sein würde.

Es erwischte mich dennoch ziemlich kalt, wie die Rezension ausfiel und was teilweise an Interpretationen oder Zitaten aus dem Kontext gerissen wurde. Ein Beispiel:

15. Zu guter Letzt sollte man gefälligst immer schön am abschreckenden Kopfkino arbeiten, damit einem jeder überflüssige Bissen auch ganz bestimmt im Halse stecken bleibt: „Ich sah mir bewusst OP-Fotos und Videos adipöser Menschen an und das Fettgewebe im Bauchraum. Ich sah mir Fettlebern und verfettete Herzen an, und für eine kurze Zeit empfand ich Ekel bei dem Gedanken an das gelbe, aufgeblähte Gewebe, das da in mir war.“ (S.331)

Das klingt echt superscheiße, oder? Würde ich das so lesen, hätte ich wohl das Gefühl, es geht darum, dass man Leuten mit Übergewicht sagen will, dass sie total eklig sind und es ein super „Tipp“ ist, in Selbstekel zu verfallen, um keinen Bissen mehr runterzukriegen. Wenn man dann das Vollzitat im Kontext liest…

Früher war ich gewissermaßen mein Fett. »Dick« war Teil meiner Identität und etwas, das mich ausmachte. Wenn jemand Übergewicht kritisierte, fühlte ich mich kritisiert. Das hat sich in der Zeit radikal gewandelt. Mein Fettgewebe wurde zu einem reinen Energiespeicher, der zu voll war. Ich fühlte mich nicht mehr »dick«, sondern mehr »vorläufig noch Trägerin von übermäßigem Fett«. Das hängt sicher damit zusammen, dass meine persönliche Fettlogik hauptsächlich in dem Glauben bestand, ich wäre genetisch, familiär, von Natur aus dick und Dicksein gewissermaßen eine Eigenschaft von mir. Als ich die Fettlogik hinterfragte und begriff, dass Dicksein lediglich ein (erweitertes) Verhalten von mir war, konnte ich es vollkommen anders sehen und wesentlich neutraler dazu stehen.
Dies war insgesamt etwas sehr Positives, schlug jedoch kurzzeitig auch in ein Extrem. Ich sah mir bewusst OP-Fotos und Videos adipöser Menschen an und das Fettgewebe im Bauchraum. Ich sah mir Fettlebern und verfettete Herzen an, und für eine kurze Zeit empfand ich Ekel bei dem Gedanken an das gelbe, aufgeblähte Gewebe, das da in mir war. Die biologischen Prozesse zu verstehen und zu begreifen, wofür Fettgewebe gut ist, half mir dann zum Glück, Fett wieder neutral zu sehen.

… dann wird klar, dass ich das eben gerade nicht meine, sondern schildere, wie das bei mir kurzfristig passierte, aber zum Glück wieder anders wurde, als ich mich mit den positiven Aspekten von Fett beschäftigte.

Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, nachzuvollziehen, wie man etwas auf die Art missverstehen  kann, um aus einer persönlichen Problemschilderung einen Ratschlag herauszulesen. Auch was die übrigen Inhalte angeht, die auf ähnliche Art verzerrt oder aus dem Kontext gerissen wurden.

Ich gebe zu, die Rezension hat mich ziemlich geschockt, aber ich dachte mir, dass es letztlich eben eine Meinung ist und es ohnehin nichts bewirken würde, darauf zu reagieren, im Gegenteil, die Autorin hatte ja bereits u.a. auf Twitter zum Ausdruck gebracht, dass sie Kommentare erwartete. Ob sich eine Reaktion lohnt, hängt ja auch davon ab, ob man das Gefühl hat, die Person ist offen und das Gefühl hatte ich in dem Fall eher nicht.

Warum ich nun doch reagiere liegt daran, dass die Rezension in letzter Zeit, unter anderem auch wieder heute

von Seiten oder Personen mit mehreren tausenden Followern geteilt oder unter Beiträgen verlinkt wurde.

Auch das größte deutsche feministische Bloggerkollekiv, die Mädchenmannschaft, hat den Artikel verlinkt, so dass er viel Aufmerksamkeit erfuhr.

Das fand ich besonders interessant, denn bei allen dieser großen Seiten oder Personen handelt es sich um Profile, die „feministisch“ in der Selbstbeschreibung haben. Dabei empfand ich Teile der Kritik als etwas, das üblicherweise von feministischer Seite wohl als „antifeministisch“ kritisiert würde.

Beispielsweise scheint es in diesem Fall völlig okay zu sein, mir als Frau mangelnde Bescheidenheit vorzuwerfen, weil ich meine Qualifikation herausstelle:

Und ich höre sie schon rufen: Aber die Frau Hermann hat ja schließlich selbst einen Doktortitel in Psychologie und weiß damit genau, wovon sie redet! Damit auch keine Leserin je vergisst, dass die Autorin promoviert hat, weist diese in regelmäßigen Abständen im Buch darauf hin. Außerdem steht selbstverständlich der generische Titel auf dem Cover des Buches vor Ihrem Namen, was bei deutschen Publikationen ohnehin eher ungewöhnlich ist.

Zunächst mal: Ich erwähne in dem Buch meinen Doktor exakt 3 Mal. Das erste Mal zu Beginn, in meiner Biographie. Dann auf Seite 133, in folgendem Kontext:

Ich denke auch nicht, dass Übergewicht in Faulheit oder Disziplinlosigkeit begründet liegt. Ich bin dick geworden, während ich gleichzeitig mit fünfundzwanzig meinen Doktor in Psychologie gemacht habe und später die anstrengende Psychotherapieausbildung neben dem Beruf.

… um das Klischee des doofen/faulen Dicken zu thematisieren – und das, wo ich doch angeblich so darauf aus bin, zu fatshamen!

Und abschließend noch einmal auf Seite 261, wo ich mich darüber ärgere, welche übertriebene Rolle Gewicht und Abnehmen einnehmen:

Auch als ich abgenommen habe, ging es mir so: Menschen gratulierten mir, als hätte ich eine herausragende Leistung vollbracht. Ich kann ehrlich sagen, dass mir häufiger und enthusiastischer zum Abnehmen gratuliert wurde als zu meinem Doktortitel.

Auch wüsste ich nicht, dass es derartig unüblich ist, seinen Dr.-Titel auf ein Cover zu schreiben. Das sollte man dann evtl. diesen Autoren ebenfalls mitteilen:

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Also … ernsthaft?

Und dann dieser Teil hier (wo aus meiner privaten Mail zitiert wird … die ich natürlich selbst unvorsichtigerweise so geschrieben habe):

Außerdem sei sie bedroht und gestalkt worden und könne somit ihre Daten nicht preisgeben. Darüber hinaus sei der Inhalt der Arbeit auch nicht für mich von Interesse, da er „mit dem Thema Übergewicht nichts zu tun“ habe. Laber Rhabarber.

Ich hatte Frau Hinz per Mail angeboten, ihr die Nachweise über meine Qualifikationen zukommen zu lassen. Wie die meisten wissen, bin ich auch mit Comics aktiv, die sich u.a. gegen Rechts richten und z.B. im diesjährigen Antirassismuskalender erschienen oder von der Aufklärungsseite Mimikama geteilt werden. Aufgrund dessen gab es schon mehrfach Drohungen, nachdem z.B. jemand es lustig fand, unter meinem Namen mit Link zu meiner Seite auf rechten Blogs rassistische Hetze zu schreiben und gleichzeitig andere Kommentatoren zu provozieren, so dass ich plötzlich gruselige Drohmails im Postfach hatte, deren Inhalt total absurd war.

Nun sage ich nichts, wenn das jemand mit „Laber Rhabarber“ abtut – es ist ja keiner verpflichtet, jetzt in Mitleid auszubrechen. Wenn das allerdings von Feministinnen kommt, deren erklärtes aktivistisches Ziel sich u.a. auf zwei Dinge richtet, nämlich:

  1. Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen im Berufsleben zu beseitigen, z.B. sexistische Rollenzuschreibungen der „bescheidenen Frau“, die ja nicht zu „arrogant“ auftreten soll
  2. Stalking und Drohungen gegenüber Frauen, die öffentlich ihre Meinung vertreten beseitigen

… dann hat es schon einen gewissen Geschmack, wenn eine solche Rezension unkritisch geteilt und empfohlen wird. Feminismus ist halt nicht nur dann toll, wenn man der Schwester beisteht – viel interessanter ist es, wer mitlacht, wenn über die ungeliebte Kollegin im Pausenraum gelästert wird, dass sie sich garantiert hochgeschlafen hat.

Mal ehrlich: Wenn sich diese Kritik gegen eine andere/feministische Frau gerichtet hätte, der man vorwirft, unbescheiden zu sein und laber-rhabarber sich vor Übergriffen zu schützen, wäre dann nicht exakt von dieser Seite aus gesagt worden, dass das wiedermal ein klares Zeichen ist, wie Frauen in unserer Gesellschaft behandelt werden und wie nötig man Feminismus braucht?

Sorry, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, aber es zeigt, wie sehr man sich freut, dass endlich mal jemand so richtig über Fettlogik vom Leder zieht, egal wie unfair oder aus dem Kontext gerissen es sein mag.

Gastbeirag: Den letzten Kilometer ruhig auslaufen

Ein bisschen zwischen Tür und Angel von unterwegs poste ich heute den Gastbeitrag von Ingo, 45, der seit Jahren begeisterter Läufer ist und seine Begeisterung für den Laufsport weitergeben will. Mehr von ihm gibt es auf seiner Webseite, aber hier erstmal seine Geschichte:

Im Jahr 2000 kam die Erkenntnis das erste Mal. Ich bin zu dick. Ich stellte mich auf die Waage und war entsetzt. Irgendwas deutlich über 140kg. Zu dem Zeitpunkt war ich 29, 196cm lang und unsportlich. Wer nachrechnet wird feststellen: BMI >37.

Eine Bekannte nahm seinerzeit mit WW gut ab und sah auch das erste Mal seit ich sie kannte schlank und gesund aus. Das wollte ich auch.

Die Überlegung, die Gewichtsabnahme mit Sport zu unterstützen kam mir früh. Ein Jahr zuvor brachte der damalige Außenminister Fischer sein Buch heraus: „Mein langer Lauf zu mir selbst“. Also ab in den Buchhandel und gekauft das Ding. Ich erkannte viele Parallelen und fing mit der Lauferei an. Erster Tag, erster Kilometer, 11 Minuten. Noch heute sage ich zu den Leuten, die mich nach meiner Geschichte fragen, dass manche das schneller zu Fuß gehen. Ich bin aber gelaufen. So ging es von da an weiter: 2 Tage laufen, 1 Tag Pause und wieder von vorne. Mit WW in Kombination mit Sport nahm ich sehr schnell sehr viel ab. Genau das, was ich wollte. Am Ende wog ich 93kg lief etwa 4 mal die Woche je 15km und war so fit, wie zu meiner Jugendzeit, als ich aktiver Handballer war.

Was hatte ich erreicht? Viel Gewicht war weg, viel Wissen über Ernährung war dazu gekommen, Gold-Mitglied bei WW und Läufer war ich. Punkt.

Einige Zeit später holten mich die alten Gewohnheiten wieder ein. Das Laufen wurde eingestellt, das Essen wurde mehr und das Gewicht ging natürlich wieder hoch. Zwischenzeitliche Versuche, wieder ins Laufen reinzukommen wurden im Keim erstickt. Ich konnte es einfach nicht mehr.

Über mehrere Jahre zogen sich immer wieder erfolgreiche Abnahmen gepaart mit Laufgeschichten hin. Im Ergebnis blieb festzuhalten: Es war immer nach nem knappen Jahr wieder vorbei. Dabei immer wieder erhebliche Abnahmen von bis zu 40kg. Im Jahr 2008 sogar ein Kuraufenthalt mit Ernährungsberatung. Danach überwiegend Kraftsport gepaart mit Nordic Walking und schließlich wieder Laufen.
2009 dann ein Rückschlag, zwei Bandscheibenvorfälle wurden diagnostiziert und mir wurde Laufverbot erteilt. Zitat meines Orthopäden: „Wenn sie Marathon laufen, dann sitzen sie im Rollstuhl.“

Nach der Kur mit einem tollen Ernährungsberater kam ich bewusst das erste Mal mit Fettlogiken zusammen. Es wurde mein Wohlfühlgewicht festgelegt. Das Gewicht, bei dem ich mich immer wieder einpendelte, wenn ich starke Abnahmen hinter mir hatte. 105-110kg. Und tatsächlich fand ich mich immer wieder da ein und hielt dieses Gewicht eine längere Zeit bevor der nächste Absturz kam. Also Absturz nach oben….

2012 dann mein bisher letzter großer Angriff. Ich wog 143kg und dachte so bei mir, wie mir das passieren konnte. OK, Sport ging ne Weile vorher nicht, an Laufen war nicht zu denken, aber 143kg?? Das musste ja wohl nicht sein. Eine Formula-Diät musste herhalten, ich begann wieder zu laufen und in einem Jahr waren gut 40kg weg. Ich wog 101kg. Mein niedrigstes Gewicht seit 2000. Ich wollte auf Teufel komm raus auf unter 100kg kommen, schaffte es aber nicht. War ja auch klar…mein Wohlfühlgewicht lag ja auch 4 kg drüber…. Auch mein Umfeld bedachte mich mit Fettlogik: „Du bist viel zu dünn…“ Hallo? Mit mittlerweile 193cm und 101kg war mein BMI immer noch im Bereich des Übergewichts zu finden. Aber gut, was solls. Ich war fit und wollte mein nächstes Ziel angreifen: Marathon.

In der ersten Marathonvorbereitung verlor ich nicht ein Gramm an Gewicht. Ja klar, wie denn auch….Du nimmst ja Muskelmasse zu….Is klar  Ich finishte mit 3:52h und war mega stolz auf mich. Im Jahr drauf, mit mittlerweile 105kg wollte ich es noch einmal wissen. Marathon unter 100kg. 2 Monate stellte ich mich unregelmäßig auf die Waage, es passierte ja eh nichts….ich finishte in 3:55h und war wieder stolz wie Bolle.

Allerdings wurden meine anfänglichen Laufleistungen nicht wirklich besser.
Das Gewicht ging einfach nicht runter. Naja, Du bist ja in Deinem Wohlfühlgewicht, da kann ja kaum was gehen und außerdem bist Du ja viel älter geworden, wie willst Du da denn noch vernünftig abnehmen? Vielleicht habe ich mir auch meinen Stoffwechsel kaputt gemacht in all den Jahren mit den Diäten…..Fettlogiken überall….

Es musste sich was ändern, nur was?

Ach komm, vegetarisch ist die Lösung! Man liest ja so viel davon. Allerdings habe ich nicht wirklich drauf geachtet, was ich da in mich reinstopfe….Hauptsache kein Fleisch. Makronährstoffe waren zu diesem Zeitpunkt überhaupt kein Thema. Ein Fehler! Kalorien war eh nie wirklich interessant. Ein Fehler! Ich verletzte mich häufiger in dieser Zeit, eine Achillessehnenverletzung verschaffte mir sogar eine 8-wöchige Laufpause. Ein Albtraum! Erwartungsgemäß nahm ich zu, war ja klar, ich machte ja keinen Sport mehr…..Wieder diese Fettlogiken….

Mein Marathonwunsch unter 100kg zu laufen rückte in weite Ferne. Den Marathon zu laufen war überhaupt in Frage gestellt. Letztlich stand ich an der Startlinie und lief in 4:03h ins Ziel. Dazu sei erwähnt, dass ich ab KM 30 richtig kämpfen musste, da mir einfach eine vernünftige Vorbereitung fehlte und auch zu viel Gewicht drauf war (wobei ich letzteres gerne ausblendete…).

Die Laufsaison 2016 war eine Katastrophe. Ich war nicht fit und wurde nicht fit und konnte einige Läufe, an denen ich sonst so gerne teilgenommen hatte, nicht machen. Ich nahm zu….langsam, aber stetig. Das passte mir nicht, aber ich konnte nix dagegen tun…..dachte ich.

Es sei erwähnt, dass ich im Nebenberuf als Lauftrainer tätig bin und dort Anfängern das Laufen beibringe und versuche, das Feuer der Begeisterung für den Laufsport zu wecken. Und das, wo mir mittlerweile einige T-Shirts gar nicht mehr passten…. Meine selbst erdachte Vorbildfigur ging so langsam den Bach runter. Es musste was passieren.

Am 1.1.17 (Ja, erstmal ein Vorsatz fürs neue Jahr) waren wir noch einmal lecker Essen (merkste selber….) und am 2.1. ging es dann los. Ich begann mit Intervallfasten nach 16:8, trat bei FB einer Gruppe bei und wurde auf das Buch „Fettlogik überwinden“ aufmerksam. Ab ins Geschäft und gekauft. Ich glaube, dass ich so maximal drei Tage benötigte.

Danach änderte sich vieles: Mir war klar, dass ich dieses Jahr unter 100kg Marathon laufen werde, ich legte mir ein neues Zielgewicht fest und ich weiß auch, dass ich das erreichen kann.

Mir war außerdem klar, dass ich mein Ziel schon viele Jahre früher hätte erreichen können. Mein vermeintlich großes Wissen über Ernährung, was ich mir in den 17 Jahren angeeignet hatte wurde zum großen Teil von Fettlogiken verdeckt. Im Nachhinein ein echtes Trauerspiel, lag ich doch während meiner Abnahmen instinktiv immer richtig.

Die Marathonvorbereitung 2017 ist in vollem Gang. Ich wog am 2.1. 115kg und habe heute 20kg in 9 Wochenn an Gewicht verloren und es geht weiter  Derzeit bringt mir das Laufen so viel Spaß wie schon lange nicht mehr.

Ich laufe ja häufiger mit Anfängern, sehr langsam, außerhalb meiner Komfortzone. Bisher tat mir immer wieder die Hüfte weh. Man versucht sich das zu erklären, woran kann es liegen? Eine Erklärung ist, dass mein Körper mit dieser Geschwindigkeit einfach nicht klar kommt und das mir deswegen dann alles weh tut. Heute…mit 20kg weniger mache ich Vorbereitungsläufe in für mich sehr langsamer Geschwindigkeit. Vorbereitungsläufe über 2:20h, 2:40. Mir tut nix weh. Einzig mein Gewicht hat sich geändert und ich bin wohl auch dort einer Fettlogik aufgesessen….

Auch die notwendigen langen Läufe, die ich für mich mache, also ohne die langsame Gruppe, entwickeln sich zu einer wahren Freude. So bin ich in der Lage am Ende immer eine Schippe drauf zu legen, bevor ich den letzten Kilometer ruhig auslaufe. Etwas, was ich in den Jahren zuvor nicht konnte, aber immer wollte.
Ich freue mich schon auf den Hamburg-Marathon, laufe ihn als sogenannter „Pace“-Läufer oder „Zielzeit“-Läufer für die Teilnehmer, die unter 5h finishen wollen. Das wird großartig und das auch noch unter 100kg. Ein Traum!