Gastbeitrag: Mein Körper gehört mir!

So ist das: Leute schicken mir coole Fotos von sich, so wie diese:

100kg66kg

… und ich frage gleich nach mehr 🙂 Daher gibt’s nun sogar Text dazu. In diesem Fall ein sehr interessanter und persönlicher Beitrag über Fatacceptance:

Eigentlich wollte ich mich nur bei Erzählmirnix herzlich für Buch und Blog bedanken und wurde prompt gefragt, ob ich denn auch mal etwas in Form eines Gastbeitrags zurückgeben möchte. Ja, wollte ich, denn gerade die Gastbeträge, die das Thema Körpergewicht aus so vielen verschiedenen Richtungen beleuchten, haben mir unglaublich dabei geholfen, mit den vielen kleinen Stolpersteinen auf meinem Weg fertig zu werden. Von der Angst vor einer Darm-OP bis hin zu den Dehnungsstreifennarben, jeder Blogeintrag zeigte mir immer und immer wieder, dass ich mit meinen Problemen nicht alleine war und dass das alles ganz normal war.

Dann saß ich allerdings vor dem leeren Blatt und … nichts. Schreibblockade. Toll. Dabei wusste ich doch sehr genau, was mir auf dem Herzen lag und was ich los werden wollte. Ich wollte über den Wert von einer positiven Einstellung gegenüber dem eigenen Körper schreiben und warum ich die derzeitige Fat Acceptance-Bewegung als zum aller größten Teil ziemlichen Mist empfinde. Nur, wie anfangen? Also, logische Folge: Prokrastination.

Da ich nun ich den letzte Tagen krank geschrieben war und mir somit irgendwann dann doch die Ausreden ausgingen, bin ich noch mal in mich gegangen und habe mich nochmal gefragt, warum dieser Anfang denn so wahnsinnig schwer ist. Die Antwort: wenn ich über dieses Thema schreiben möchte, dann muss ich etwas weiter ausholen und über eine Ereignis in meinem Leben schreibe, dass ich – wenn ich ganz, ganz ehrlich mit mir bin – immer noch am liebsten vergessen würde. Aber gut, die Sache ist mir wichtig und vielleicht hilft es ja irgendwem da draußen. Daher von vorne:

Ich bin 40, weiblich, verheiratet, kinderlos, voll berufstätig und seit zwei Monaten zum ersten Mal im Leben auf meinem Idealgewicht. Das ist für mich eine völlig neue Welt, denn von Kindesbeinen an war ich immer schon an der oberen Grenze des Normalbereichs oder etwas darüber. Meine Mutter kämpft auch schon ihr ganzes Leben lange mit ihrem Gewicht und hat einige sehr schlechte Angewohnheiten an uns Kinder weitergegeben. Dazu gehören auch Essen zum Stressabbau und als Trost. Dazu kam dann noch ein unsäglicher Konkurrenzkampf zwischen meiner Mutter und ihrer Mutter um die Zuneigung von uns Kindern, der – ja, ihr ahnt es schon – auch über das Essen ausgetragen wurde. Damit war dann schon mal der Grundstein gelegt und das Fundament gegossen. Aber das alleine hat mich nicht auf insgesamt 107 kg hochgetrieben. Es gibt Bilder von mir in der vierten Klasse, auf denen ich als mit Abstand Längste in der Klasse ziemlich normalgewichtig aussehe. Auch fünfte und sechste Klasse waren noch im Rahmen. Dann kamen die Sommerferien, in denen ich für zwei Wochen bei Verwandten in der Schweiz alleine Urlaub machen ‚durfte‘.

Innerhalb dieser zwei Wochen schaffte es ein angeheirateter Onkel, mein komplettes Vertrauen in die Welt und mich selbst in den Boden zu rammen. Im Nachhinein ist man immer schlauer. Klar gab es vom ersten Tag an Warnsignale. Aber mit 14 hatte so keine Ahnung von Sexualität, dass er mich den einen Morgen noch halb schlafend im Bett kalt überraschte. Wie ich ihm da entkommen bin, … Ehrlich gesagt war das mehr Glück als Verstand. Das war aber nicht mal das Schlimmste an der Situation. Schlimmer war die Tatsache, dass ich es nicht schafft, aus der Schweiz meine Eltern zu benachrichtigen. Das Telefon meiner Verwandten wollte ich nicht benutzen. In der öffentlichen Telefonzelle hatte ich auch kein Glück. Wahrscheinlich weil ich so durch war, dass ich vor lauter Zittern die Tasten nicht getroffen habe. Ich war also allein auf feindlichem Gebiet und musste noch eine Woche überleben.

Jetzt könnte man ja meinen, dass ich ja Glück gehabt hätte und das ‚nur‘ eine versuchte Vergewaltigung war, die bestimmt nicht so schlimm war. Die Tatsache, dass ich nach 25 Jahren hier sitze und zittere, während ich das schreibe, sagt da was anderes. Dabei hatte ich wirklich Glück im Unglück. Ich hatte nämlich nie Zweifel daran, dass meine Eltern mir glauben würden. Als mein Vater mich damals abgeholt hat, hab ich zwar die Klappe gehalten. Aber nicht, weil ich Angst hatte, dass er mir nicht glauben würde, sondern weil ich da einfach nur noch weg wollte. Ich hab meinem Vater absolut zugetraut, dass er – auch wenn er schon in unserer Hofeinfahrt steht – nochmal umdreht, zurück fährt und den Mann zusammen schlägt. Meine Mutter war also die erste Person, der ich die Geschichte erzählt hab. Nach dem Mittagessen. Als mein Vater schon in den Garten oder in seinen Hobbykeller verschwunden war. Sie glaubte mir.

Danach geschah … nichts. Keine Anzeige, keine Strafverfolgen, nichts. Ich bin ein Fall für die Dunkelziffer. Der Kontakt zu den Verwandten wurde minimiert, aber um des Friedens Willen nicht komplett abgebrochen. Das Thema wurde ab und an angesprochen, spielte aber insgesamt keine große Rolle. Folgerichtig wurde der Vorfall auch nie in einer Therapie aufgearbeitet. Ich tat also das, was ich gelernt hatte, und fraß meinen Probleme in mich hinein. Und nahm zu.

Die Gewichtszunahme hatte auch noch einen ‚angenehmen‘ Nebeneffekt. Dieser Scheißkörper, der nur Ärger macht, wurde zunehmend unattraktiver. Fett ist eine verdammt gute Panzerung gegen unerwünschte Aufmerksamkeit seitens des anderen Geschlechts. Und ja, was kümmerte mich mein Körper?! Der war war weiblich, dreckig, tat komische Dinge und machte – wie gesagt – nur Ärger. Ich wollte ihn nicht! Hätte es eine Möglichkeit gegeben, ihn umzutauschen, hätte ich sie in Anspruch genommen. So konnte ich ihn nur ignorieren. Zwischen 14 und 35 war ich ein Kopf ohne Körper. Ich definierte mich über meine akademischen Leistungen und meine Persönlichkeit. Man braucht keinen Körper, um seinen Doktor zu machen und den tollsten Ehemann der Welt (meiner Meinung nach) zu ergattern.

Gesund ist das jedoch nicht.

Mit 30 rutschte ich in eine Burnout-Depression, verlor dann gottseindank meinen Job, fand einen neuen, und zog dafür einmal quer durch die Republik. Mein Mann folgte mir neun Monate später. In dieser Zeit verlor ich zum ersten Mal Gewicht. Sieben Kilo, ohne es zu wollen oder groß zu bemerken. Steckte ich vorher in der Fatalismusfalle fest, fing es mir damals an zu dämmern, dass mein Gewicht eventuell etwas mit meinem Lebensstil zu tun haben könnte. Außerdem fing ich an, zu ahnen, dass es nicht unbedingt daran lag, was genau ich esse, sondern wie viel davon. Denn danke Arbeitslosigkeit und Umzug waren Fertigpizza und Schokolade treue Wegbegleiter. Abgenommen hab ich trotzdem, sogar dauerhaft.

Der richtige Zündfunke kam aber fünf Jahr später. Wie waren mittlerweile mehrfach in der selben Gegend umgezogen und hatten einen kleinen, aber feinen Freundeskreis aufgebaut, zu dem unter anderem mein Nähkurs gehörte (und immer noch gehört). Die Kursleiterin schaffte es, nach und nach meine weibliche Seite herauszukitzeln, in dem sie mich immer wieder herausforderte, Neues auszuprobieren. An dem Abend, an dem der mentale Schalter umkippte und ein Licht anging, hatte ich ein tailliertes Shirt fertig gestellt, dass ich meinem Mann zeigen wollte. Das Shirt war sehr körpernah geschnitten und ich war unsicher wie sonst was. Während ich noch kritisch an mir rumzupfte, stand her hinter mir, legte mir die Hände in die Taille und meinte nur: „Du siehst gut aus!“

Und zum allerersten Mal in unserer Beziehung glaubt ich ihm, ohne einen Anflug von Zweifel. Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten konnte ich in den Spiegel schauen und sah mich. Nicht meinen Körper, sondern mich. Und ich sah tatsächlich gut aus. Trotz meiner 100 kg hatte ich Kurven an den richtigen Stellen. Mein Körper war etwas Wundervolles und Einzigartiges, dass nur mir gehörte. In diesem Moment hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Bedürfnis, mich um alle Aspekte von mir zu kümmern. Körper, Seele und Geist. Was ich dann auch tat. Von 100 kg auf 87 kg runter innerhalb von sechs Monaten. Das hätte ich nicht geschafft ohne diese positive Grundeinstellung zu meinem Körper, der es wert war, auch mal negative Emotionen auszuhalten und sich nicht mit Schokolade zu medikamentieren.

Leider muss ich zugeben, dass ich mich beim ersten Plateau mit einigen Fettlogiken selbst aus dem Wasser geschossen habe. Ich blieb als vorerst auf den 87 kg hängen, wechselte zweimal den Job, zog nochmals um. Letztes Jahr dann hatte mein Mann von seinem Wohlstandsbäuchlein genug. Vor allem, nachdem er feststellen musste, dass er mit nur 10 kg Übergewicht anfing, nachts zu schnarchen. Gleichzeitig wurde ich immer unzufriedener mit den drei – vier Kilo, die sich dann doch wieder eingeschlichen hatten. Im Juli 2016 kaufte sich das beste Ehemonster der Welt dann ‚Fettlogik überwinden‘, nachdem er schon Monate vorher Nadjas Blogs verfolgt hatte. Das Buch drückte er dann auch mir in die Hand. Keine zwei Tage später korrigierte ich mein Zielgewicht um fünf Kilo auf 65 kg nach unten, checkte meine tägliche Proteinmenge und begab mich ins lokale Sportstudio. In den letzten Monate hab ich meinen kompletten Kleiderschrank entsorgt (nervig), neben dem Muskelaufbautraining das Laufen angefangen (spaßig) und für mein Hobby Liverollenspiel einen neuen Charakter ‚gebaut‘, den ich schon seit Ewigkeiten spielen wollen, aber körperlich nicht konnte (sehr, sehr spaßig).

Die Reise war nicht nur körperlich eine Herausforderung. Ich musste mich auch immer wieder mit mentalen Blöcken rumschlagen. Es hat zum Beispiel lange, lange gedauert, bis ich anfing, mich nicht mehr als fett zu empfinden. Neben Nadjas Blog half dabei auch /r/loseit, ein Subreddit zum Thema Gewichtsabnahme.

Was mir nun kaum bis überhaupt nicht geholfen hat, war ironischer Weise die Körperakzeptanzbewegung. Zumindest in der extremen Variante der Fat Acceptance. Ich denke, man kann aus meiner Geschichte schon herauslesen, wie wichtig es für mich war, meinen Körper zu akzeptieren und wieder in mein Selbstbild integrieren zu können.
Das war ausschlaggebend, um abnehmen zu können und meine langsam, aber sicher auflaufenden gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Eine Bewegung, die sich auf die Akzeptanz jedweder Körperformen auf die Fahnen geschrieben hatte, die musste mich doch auch mit offenen Armen empfangen. Richtig? Leute, die selbst damit ringen, ihren übergewichtigen Körper zu akzeptieren, mussten doch Verständnis haben, stimmt‘s?

Leider falsch gedacht.

Wie so viele Bewegungen, die sich sozialer Gerechtigkeit in irgendeiner Form widmen, gibt es einen Teil, der vielleicht nicht die Mehrheit, dafür aber sehr laut ist, und der sich bemüht, den Diskurs zu bestimmen. Diese Gruppe ist teilweise recht heterogen, verteidigt aber ihre Ansichten mit Zähnen und Klauen. Zu diesen Ansichten gehören so Dinge wie, dass jeder Versuch, Gewicht zu verlieren, sich auf ‚internalisiertem Hass gegen Dicke/Fette‘ begründet und daher abzulehnen ist. Diese ‚Fettphobie‘ sei ein soziales Konstrukt und von patriarchalischen Kreisen gefördert, um Frauen/dicke Menschen in Schach zu halten und der Diätindustrie zuzutreiben. Gesundheitliche Probleme haben nichts mit Fettleibigkeit oder Übergewicht zu tun. Dieser Zusammenhang ist von Wissenschaftlern erfunden worden, um Dicke zu gängeln. In Extremfällen wird auch schon mal die Definition von ‚Gesundheit‘ in Frage gestellt und ‚Gesundheit‘ ebenfalls als reines soziales Konstrukt abgelehnt. Sowieso wäre Diabetes nur Angstmacherei. Und überhaupt, Dünne würden ja schließlich auch krank. Falls trotzdem Abnehmversuche unternommen werden, so wird man gleich gewarnt, dass dies eh zwecklos sein, wobei die Prozentzahlen für gescheiterte Diäten mit jedem Post und Blogeintrag immer höher werden. Im Augenblick liegen sie – glaube ich – bei 99%. Es waren mal 95%.

Falls es dann eine Leitfrau der Szene (der überwiegenden Anteil scheint tatsächlich weiblich zu sein) dann doch wagt, auf die eine oder andere Art und Weise abzunehmen, bricht die Hölle los. So geschehen, als Gabourey Sidibe von ihrer Magenverkleinerung erzählte. Die Tatsache, die die Schauspielerin mittlerweile an Diabetes Typ 2 litt/leidet und zur Einsicht kam, etwas tun zu müssen: egal. Sie stellte den Status Quo in Frage und war damit in den Augen einiger zum Abschuss freigegeben.

Ebenso, als Ashley Graham – ihres Zeichens Model für Übergrößen – es wagte, Bilder von sich bei sportlicher Betätigung zu veröffentlichen und zu erzählen, dass ihr das Spaß mache. Von schädlichem Einfluss auf schwächere, leicht zu beeindruckende Gemüter war da die Rede. Und davon das die gute Frau Graham mit ihrer Modelfigur ja eh nicht stellvertretend sein konnte für die Dickenheit, obwohl sie zuvor als eine der Frontfrauen der Fat Acceptance gehandelt wurde. Da waren wohl einigen die hoch hängenden Trauben doch zu sauer.

Persönlich aber noch schlimmer empfinde ich die Reaktion auf Dünne. Auf Leute wie mich, die es entgegen aller Widerstände geschafft haben, ihren Körper wirklich zu akzeptieren, Selbstbewusstsein aufzubauen und dann Gewicht zu verlieren. Frauen wie ich sind schwach und haben dem sozialen Druck nachgegeben. Wir sind Opfer des Patriarchats. Da Fettsein revolutionär und ein Ausdruck von Selbstbewusstsein ist, sind wir bestenfalls bemitleidenswert, schlimmstenfalls aber der Feind in den eigenen Reihen. Auf jeden Fall sind wir, die wir einen BMI von unter 25 erreicht haben, Freaks, Ausnahmeerscheinungen, unrealistische Körper, Kinderfrauen, keine richtigen Frauen, Kuriositäten, um nur einige Ausdrücke zu nennen, die mir in den letzten Monaten untergekommen sind.

Genau letzteres trifft mich sehr persönlich und sehr tief. Das tut wirklich weh. Seit Tag X hatte ich mich zwanzig lange Jahr immer wie ein Freak gefühlt. Nicht ganz richtig, etwas kaputt, schmutzig und mit diversen Gebrauchspuren. Immer und immer wieder fragte ich mich, ob ein ‚normaler‘ Mensch in dieser oder jener Situation anders reagiert hätte. Reagierte ich nicht über, wenn ich einem Mann klar machte, dass ich es nicht schätzte, dass er mir so nahe auf die Pelle rückte? Vielleicht verhielt er sich ja normal und ich war eben abnorm und falsch? Mein Übergewicht, bei aller Schutzfunktion, half an diesem Punkt nicht wirklich. Ich war ersten groß und zweitens breit und fiel damit in allen Raumdimensionen aus dem durchschnittlichen Rahmen. Also eben auch da nicht normal.

Es hat lange, lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass ich unter den gegebenen Umständen absolut normal bin. Ich bin kein Freak der Natur, kein Unfall. Diverse Gebrauchsspuren, ja vielleicht, aber wer jenseits der 30 hat die nicht? Das zu verstehen war befreiend. Das hat mir eine unheimliche Last von den Schulter genommen. Mein Körper und meine Gewichtsabnahme folgen keiner politischen Agenda. Ich hab abgenommen, weil ich das wollte. Es war letztlich ein letzter Stinkefinger in Richtung meines Onkels. Seh her, ich hab keine Angst mehr vor dir. Ich muss mich nicht mehr verstecken.

Daher finde ich es so unverschämt, von diesen Leuten schon wieder mit dem Label ‚Freak‘ versehen zu werden, nur damit sie sich selbst besser fühlen können. Wenn diese Frauen so stark und selbstsicher wären, wie sie in ihren Blogs und Posts immer vorgeben, dann müsste ihnen doch egal sein, was ich mit meinem Körper tue. Dass diese Fat Acceptance Aktivistinnen trotzdem Gift und Galle beim Anblick von erfolgreichen Abnehmern spucken, sagt am Ende sehr viel über diese Leute aus. Es ist genau diese Diskrepanz, die die Bewegung letztlich toxisch macht. Ich hab nichts dagegen, wenn Leute versuchen, sich vollständig zu akzeptieren. Ich hab aber sehr wohl etwas dagegen, wenn sie dazu andere fertig machen müssen, weil sie selbst mit sich nicht wirklich zurecht kommen. Gott und die Welt für die eigenen Probleme verantwortlich machen zu wollen, ist weder erwachsen noch feministisch noch selbstbewusst noch in irgendeiner Art und Weise positiv. Es ist einfach nur kindisch.

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29 Gedanken zu “Gastbeitrag: Mein Körper gehört mir!

  1. Loslem

    Sehr cooler Gastbeitrag 🙂

    Die Schattenseite der „Fat-Acceptance“ gut wiedergegeben, das ist ein Punkt, der mich auch oft stört…
    Ich bin auch nicht überzeugt von Fitnessbloggern, die Body-Positive Messages haben… „Yeah, 10 Liegestütze! Gönnt euch ruhig etwas Schokolade!“

    Okay, das zum Artikel. Was unbedingt noch gesagt werden muss: Digga Deine Rüstungen sind ja der Hammer! Bombe!
    Und nach Gewichtsverlust stehen sie dir noch besser 😉

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    1. Mopelchen

      Wohl dem, der einen Freund hat, der sich mit Lederarbeiten hervorragend auskennt. Das ist ein und die selbe Rüstung. Die wurde nur von XL auf S umgearbeitet. Meiner Meinung nach hat der Mann das Unmöglichen vollbracht.

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      1. Farraige

        hm… Ich habe ihn aber auch schon mal wo gehört… Ich glaube auch, dass ich dich schon mal gesehen habe – auf Con. Ich muss auch zugeben, dass ich diesen Artikel nur wegen dem eindeutig larpigen Bild mit einer mir irgendwie bekannten Frau drauf, angeklickt habe.

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  2. Clara Leist

    Fatacceptance zusammengefasst : Wenn man ein Problem entdeckt, gibt es zwei Möglichkeiten: entweder, man reisst sich den Hintern auf und ändert etwas (anstrengend) oder man sitzt sich den Hintern weiterhin platt und jammert, die ANDEREN seien schuld aka litten an falscher Wahrnehmung (bequem). Diese Bewegung entscheidet sich – OH WUNDER – für den mit Schokolädchen geplasterten weg zur Couch. Und zur Belohnung gibts einen Aluhut für alle (in XXXL).

    Dir: alles Gute. Und weiterhin viel Elan, Mut, Liebe, Wildheit, Freude, Gefühle zulassen, LEBEN!

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  3. BMI WTF?

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zur Gewichtsabnahme. 🙂

    Ja, es ist unverschämt, sportliche, normalgewichtige, gesundheitsbewusste Menschen als Freaks und Opfer des Patriarchsts zu bezeichnen.

    Aber es ist halt so, dass Sünde ungern alleine dasteht und fieberhaft nach Komplizen sucht. Ob es sich um Sünde im religiösen Sinn handelt oder ob es eine Gesundheitssünde ist.

    Die militanten Fat Acceptance-Jünger*innen wissen doch genau, dass ihre Fettleibigkeit ungesund ist. Ebenso ist Fettleibigkeit keineswegs nur Privatsache. Ich habe einmal erlebt, wie eine fettleibige Frau gestürzt ist und es rückten 2 Rettungsassistentinnen an, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Die fettleibige Frau war viel zu schwer, als dass die beiden Rettungsassistentinnen sie hätten hochheben können und zum anderen war sie auch nach skinny fat. Will heißen, sie hatte nicht die Muskulatur. um die Rettungsassistentinnen beim Hieven auf die Trage zu unterstützen. Das hört sich zum einen sehr unschuldig an, zum anderen ist Fettleibigkeit nicht nur eine Bürde für die betroffene Person, sondern mitunter auch für das Umfeld, wie man hier sieht! Aber das wollen die Anhängerinnen der Fat Acceptance-Bewegung nicht wahrhaben. Dennoch haben sie ein schlechtes Gewissen, dass sie mit ihren gedanklichen Konstrukten zu kaschieren versuchen!

    Da ich selbst auch viele Jahre übergewichtig war, an diversen Abnehmversuchen gescheitert bin, habe ich schon Verständnis für die Anhänger der Fat Acceptance-Bewegung, muss aber sagen, das ein Schönreden der eigenen Situation nicht förderlich ist. Ja, es ist sehr frustrierend, wenn man das Abnehmen mich schafft, obwohl viele andere einfach so abnehmen, obwohl sie „essen was sie wollen“.

    Abschließend möchte ich sagen, das hier auch eine Fettlogik greift, die viele fettleibige in die Arme der Fat Acceptance-Bewegung treibt. Das ist dieser tief verwurzelte Gedanke, dass fettleibige Menschen Versager sind und man möchte ja kein Versager sein. Also redet man sich, wie schon oben gesagt, die eigene Situation schön und versucht diejenigen, die es geschafft haben, abzunehmen als Freaks oder Opfer des Patriarchats dastehen zu lassen.

    Oje, das ist jetzt aber viel Text geworden. Sorry!

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    1. Mopelchen

      Ich fürchte, dass einigen Aktivistinnen eben nicht klar ist, was ihre Fettleibigkeit gesundheitlich wirklich bedeutet.

      Einerseits fangen die gesundheitlichen Auswirkungen sehr viel früher an, als man das wahr haben möchte. Mein Mann fing, wie gesagt, mit nur 10 kg Übergewicht an, nachts den Wald abzuholzen. Das hörte schlagartig wieder auf, als er wieder auf Normalgewicht rutschte.

      Andererseits kämpft der Körper sehr, sehr lange gegen die heftigsten Auswirkungen an, nur um dann völlig zusammenzubrechen. Es ist absolut schrecklich, zu sehen zu müssen, wie eine geliebte Person immer ungeschickter durch die Gegend stolpert, weil die Nerven in den Vorderfüßen absterben. Oder von einem etwa gleichaltrigen Freund zu hören, dass er jetzt schon Augenprobleme hat, die auch auf seine Diabetes zurückzuführen sind. Ich kann die Liste noch eine Weile fortsetzen. Irgendwann wird die Rechnung fällig, egal was das letzte Blutbild sagte. Und wenn es dann so weit ist, dann wird’s heftig.

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      1. Mopelchens Kerl

        Um ganz genau zu sein waren es sogar nur 5 Kilo Übergewicht über BMI 25 drüber. Hat zu so einem starken Schnarchen geführt daß wir schon Schlafapnoe befürchtet hatten.

        10 bisher insgesamt abgenommen, 5 noch geplant, dann BMI 22 als Traumziel erreicht.

        Sogar diese im Vergleich minimale Gewichtsabnahme hat das allgemeine Wohlempfinden bereits spürbar gebessert. Schnarchen schon seit Monaten nur noch bei latenter Erkältung.

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      2. BMI WTF?

        Hammer was?

        Solange bei Adipositas immer noch von „ein paar Pfund zu viel auf den Rippen“ gelabert und bei Talkshows ein dickes, fideles Model einer verzweifelten Magersüchtigen gegenübergestellt wird, kann es echt sein, dass Fettleibigkeit gar nicht als solche mit all ihren Konsequenzen wahrgenommen wird.

        Sehr bedauerlich.

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  4. noamik

    Deine letzten beiden Sätze sind so wahr. Das versuche ich gerade meiner großen Tochter abzugewöhnen das zu tun. Sie ist übrigens vier Jahre alt, da ist das vermutlich noch normal …

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  5. Danke für Deinen Bericht – und in der Tat, tolle Rüstungen!!! Das Gefühl von „Kopf ohne Körper“ hatte ich auch sehr lange. Und dieses „Körper irgendwie nicht wahrnehmen“ ist, denke ich, auch der Grund für das, was viele, die nie übergewichtig waren, nicht verstehen – dass man zunimmt und es nicht richtig bewusst registriert oder die Wahrnehmung zur Seite schiebt und immer weiter zunimmt.
    Wenn sich dann Körperwahrnehmung entwickelt – durch wachsendes Selbstbewusstsein in jedem Sinne, neue Kleidung, oder Sachen wie Sport, Entspannungsübungen à la Feldenkrais, Yoga, was auch immer – dann ist das eine wunderbare Erfahrung, ich weiß zwar heute noch, dass ich dieses „nur-Kopf“-Gefühl hatte, aber kann es mir zum Glück kaum noch genau vorstellen, wie das war, weil heute alles zusammengehört.

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    1. Mopelchen

      Ich glaub, ein anderer Aspekt war auch, dass ich immer die Schmächtigste war daheim. Auch mit 107 kg. Wenn du immer nur mit Menschen zusammen bist, deren BMI noch höher ist als deiner, dann fällt dir das gar nicht mehr so sehr auf. Also, ja. Übergewichtig. Aber Adipositas Grade 2?! Ich doch nicht! Von daher war es einfach, meinen Körper weiter zu ignorieren.

      Mir fiel erst nach und nach im Vergleich zu meinem Mann auf, dass da was nicht ganz passt.

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  6. Maren

    Wow, großartiger Text, danke für die schonungslose Offenheit. Ich bin mir sicher, dass es viele Leute gibt, bei denen vielleicht so ungelöste Geschichten aus der Kindheit dahinterstecken.

    Und ja, volle Zustimmung beim Thema Fat Acceptance, das ist einfach nur völlig falsch abgebogener Feminismus. Leider scheint es sich hierzulande ja gerade erst auszubreiten.

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  7. Farraige

    Hey – ich glaub ich habe dich sogar schon mal im LARP gesehen…
    Ich glaube ich hätte den angeheirateten Onkel selbst verklagt. In jedem Fall finde ich es eine starke Leistung wie du zurück zu deinem Körper gefunden hast. Noch dazu ohne Therapie, das ist nicht leicht und dazu würde ich wohl auch niemanden in deiner Situation raten, was es aber nicht weniger erstaunlich macht.

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    1. Mopelchen

      In der breiten oder schmalen Version? Schmal hab ich nämlich erst ein LARP hinter mir. Falls breit, müsste das während meiner Promotion gewesen sein. Dazwischen war eine recht lange Pause und wenn du den uralten Nickname kennst, dann passt das am besten.

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      1. Farraige

        Breite Version, glaub – wobei mir beide irgendwie entfernt bekannt vorkommen… Ich war letztes Jahr aber auf mehr als 10 LARPs (so viele wie noch in keinem anderen Jahr… ^^). Aber ich glaube ich habe dich nur mal gesehen und vielleicht zwei Worte mit dir gewechselt, aber nicht wirklich aktiv mit dir gespielt… Ich laufe meist als Serafin, manchmal aber auch als Made/Leylin herum – oder eben NSC herum…
        Wobei ich bei dem Namen nicht sicher bin, ob ich ihn nicht in einem Lied oder einer Geschichte gehört habe…

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  8. Mike

    Wie viele LARPen hier eigentlich noch?

    Ich komme leider nicht mehr so oft dazu, wie ich gerne würde.

    1. Glückwunsch zur Gewichtsabnahme. Sieht gut aus!
    2. Glückwunsch und ganz ganz fester virtueller Knuddel für den Stinkefinger gegenüber deinem Onkel.

    Gruß
    Mike

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  9. Hast du die Rüstungen etwa selbstgemacht?? o.o

    Im Moment merke ich, dass die zusätzliche Schwungmasse schon irgendwie nützlich war. Wenn man Platz braucht in Bus oder Bahn, oder wenn man sich irgendwo vorbeidrängen muss. Aber allmählich lerne ich, das über Körpersprache anders zu regeln. Schließlich bin ich ja weder unsichtbar noch winzig. ^^

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    1. Mopelchen

      Nein, die Rüstung ist nicht komplett selbst gemacht. Ursprüngliche Version war von der Stange gekauft. Allerdings musste sie dieses Jahr stark angepasst werden. Und das war dann Handarbeit von einem sehr guten Freund. Der Rest der Gewandung ist aber zum allergrößten Teil Handarbeit. Bis auf Stiefel und Hose und bei der Hose überleg ich mir auch, was anderes selbstzumachen.

      Was Schwungmasse angeht: Die hab ich durch Muskelmasse ersetzt. Und durch Lautstärke. 😉 Mich einfach abdrängen oder ignorieren ist schwer, wenn ich das nicht will.

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  10. Lena

    Hallo „Mopelchen“ (Leider erfährt man in dem Beitrag deinen Namen nicht? 😦 )
    Ich finde es total stark von dir, was du erreicht hast und dass du dieses Trauma so souverän und toll überwunden hast. Gott sei Dank kam es auch nicht schlimmer, als es schon war! Hast du daran gedacht, den Onkel noch jetzt zu belangen? (Verdient hätte er es ja!)

    Das mit der Fatacceptance ist mir auch schon aufgefallen. Also, dass die Leute da entgegen ihrer „Predigt“ leben. Z.B. heißt es in ihren Reihen „Körperakzeptanz“ und „Körpervielfalt“, im gleichen Satz fällt dann aber noch der Zusatz „gegen Schlankheitswahn“. Ist das nicht widersprüchlich? Konsequenterweise müssten doch Menschen mit BMI 17 oder 18 auch in den Kreisen willkommen geheißen werden?

    Viele Grüße,
    Lena 🙂

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    1. Mopelchen

      Hallo Lena,

      der Vorfall liegt ein Vierteljahrhundert zurück. Beweise hab ich nicht einen. Es wäre, falls nicht schon verjährt, Aussage gegen Aussage. Wie stehen da meine Chancen und was hätte ich davon? Es wäre meiner Meinung nach den Stress nicht wert.

      FA und Untergewicht bzw. Essstörungen ist ein ‚lustiges Thema. Einerseits brüsten sich etliche damit, wenigstens gestörtes Essverhalten zu haben, so wenig wie sie essen würden. Das mag in Einzelfällen sogar stimmen. Wenn im nächsten Satz aber gleichzeitig von weiterer Gewichtszunahme gesprochen wird, mutet das doch etwas seltsam an. Andererseits gab es vor nicht allzu langer Zeit ernsthafte Diskussionen darüber, das Anorexiepatienten und misshandelte Kinder, die unter den Augen ihrer Eltern hungern, ja wohl gesellschaftliche Privilegien genießen und es deswegen ganz bestimmt nicht so schlimm haben wie Dicke. Manchmal weiß ich echt nicht, ob ich heulen oder lachen soll.

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      1. Maren

        Man muss halt bedenken, die Fat Acceptance kommt aus den USA. Zum einen ist dort die gesamte Bevölkerung deutlich übergewichtiger als hier, ungesunde Esskultur noch deutlich weiter verbreitet, und viele Leute haben anscheinend jedes Maß für normale Ernährung völlig verloren.

        Zum anderen treibt die Social Justice-Bewegung dort mittlerweile echt seltsame Blüten, das ganze Gerede von „Privilegien“ entbehrt manchmal jeglicher Logik, und Leute kommen auf die Idee, Ärzte wegen „fat shaming“ anzuprangern, wenn die ihnen zu vermitteln versuchen, dass z.B. die Dosierung von Medikamenten bei hohem Übergewicht immer unzuverlässiger wird oder dass es schwierig sein kann schwanger zu werden, etc.

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