Gastbeitrag: Mein Weg zurück zu mir

Der heutige Gastbeitrag stammt aus der Feder von Simone Plaschke. Eine Bloggerkollegin, die mich vor kurzem wegen Fettlogik anschrieb. Auf ihrem Blog schreibt sie unter anderem auch übers Abnehmen, aber hauptsächlich über ihre MS-Erkrankung und die Arbeit als Sterbe- und Trauerbegleitung. 

Für den Einleitungstext hat sie mir einen Link zu einem Video von sich aus dem letzten Jahr geschickt- Eigentlich wollte ich nur kurz reinschauen, bin aber hängen geblieben, weil sowohl der Film als auch Simone echt fesselnd und toll waren.

 

Hier nun also ihre Geschichte zu ihrem Gewicht und ihrer Abnahme:

Ist das toll!
Nun habe ich die Ehre, für Nadjas Blog einen Gastbeitrag schreiben zu dürfen.
Darüber freue ich mich sehr, wenngleich es mir tatsächlich schwer fällt, mein persönlich erlebtes Kuddelmuddel in Sachen Abnahme und überwundene Fettlogiken in eine fein leserliche Reihenfolge zu bringen.

Was soll’s, ich schreibe einfach drauf los.

In meinem Fall gibt es zwei gewichtige Fakten, die meine Reise zum Wohlfüch-Ich beeinflussten und teilweise noch immer beeinflussen: ich zähle nicht zu den Menschen, die „von Natur aus“ übergewichtig sind (wobei wir ja mittlerweile alle wissen, dass dies im Grunde keinen von uns betrifft) und ich habe seit meinem 18. Lebensjahr Multiple Sklerose. Für die unter Euch, die diese Krankheit so gar nicht kennen, erkläre ich auf meinem Blog „meine7leben“ kurz und knackig, was Multiple Sklerose für ein Krankheitsbild ist.

Vor mehr als zehn Jahren geschah in meinem Leben viel Schlimmes: mir sehr nahestehende Lebewesen starben, meine Mutter erkrankte an Krebs und es wurde meinem Vater und mir kurz vor Weihnachten im Krankenhaus geraten, schon mal den Abschied zu planen, weil die Ärzte ihr so gut wie keine Chancen ausrechneten. Ich möchte vorweg nehmen: meine Mutter lebt, und zwar krebsfrei.
Einige Zeit später musste ich mich plötzlich von meinem Pferd verabschieden und meine MS feierte einen ihrer Höhepunkte.

Folgendes geschah: meine Motivation, mich ohne mein geliebtes Pferdchen sportlich zu betätigen sank auf den tiefsten Tiefstand. Meine früheren Interessen (Schwimmen, ab und an joggen, viel Zeit an der frischen Luft verbringen) machten sich vom Acker und ich begann, mich in all diesen Krisen mit falschem Essen zu trösten.
Ich aß nie übermäßig viel, ich aß aber in diesen vielen Jahren unfassbar falsch (und genau von diesen falschen Lebensmitteln eben DOCH definitiv zu viel, wenn ich das mit meinem heutigen Wissen auf die Kalorien beziehe).
Alle zwei Tage eine ganze Packung von den goldenen Schoko-Nuss-Kugeln oder pro Tag ne Flasche Sprühsahne waren keine Seltenheit. Rückblickend kam ich mit Sicherheit an manchen Tagen auf 4000 Kalorien, die ich zu mir nahm. Mir dreht sich der Magen um und ich bekomme feuchte Augen, wenn ich heute daran denke, was ich meinem Körper damals angetan habe.

Mitte 2014 lernte ich über ein Onlineportal einen Mann kennen, der mich völlig fesselte und in den mich mich verguckte. Wir schrieben einige Wochen und planten ein Treffen. Auf dem Weg zur Ostsee wurde mir am Tag des Dates immer mulmiger und mulmiger. Kurz bevor ich bei ihm ankam, schickte ich ihm eine Nachricht: „Ich habe Angst, dass Du Dich vor mir ekelst.“ Er verstand das gar nicht, denn er hätte doch viele Fotos von mir gesehen und wäre nun etwas verdutzt. Ich solle einfach vorbeikommen. Wir verbrachten eine gemeinsame Nacht miteinander. Ich fuhr völlig happy und verschossen nach Hause. Von ihm kam – nichts mehr. Als ich mich nach einigen Tagen erkundigte, weshalb es plötzlich so still um ihn sei, erhielt ich folgende Antwort: „Simone, es tut mir leid. Du bist innerlich ein wunderschöner Mensch, aber mit Deinem Äußeren komme ich nicht zurecht. Wenn Du äußerlich nur ansatzweise so schön wärst, wie Dein Charakter es ist…“ Ich fiel fast vom Stuhl. Aber nicht vor Wut oder Gram, sondern weil mir andauernd durch den Kopf schoss: „Scheiße, der hat RECHT!“

Ich stellte mich zuhause nackt vor meinen Spiegel und erkannte mich nicht wieder. Ich, die hibbelige, fröhliche, lebenslustige, immer wieder aufstehende und EIGENTLICH auch sportliche Simone war sich selbst völlig fremd. Ich sah kein Doppelkinn, sondern ein Dreifachkinn. Ich konnte keine Knochenvorsprünge mehr fühlen oder sehen – weder meine Beckenknochen, noch meine Schulterknochen oder meine Knie.
Meine braunen Augen waren klein, meine Haut teigig, blass und verpickelt, meine Haare dünn und schnell fettig, ich war dauermüde und wären meine zwei Hundemäuse nicht da, um die ich mich immer 10x besser kümmerte, als um mich selbst, hätte ich das Haus in meiner Freizeit wohl gar nicht mehr verlassen.

Nun stand eine Bestandsaufnahme an. Ich wog mich auf einer Waage in einem Geschäft für Tiernahrung und sah drei Ziffern, die mich absolut schockten: 140 kg.

Die erste Veränderung begann: Ich schnappte mir meine Nordic Walking Stöcke und watschelte abends nach der Arbeit und der Gassirunde durch den Wald und über die Felder. Ich ging schwimmen, ab und zu. Aus dem regelmäßigen Walken wurde auch nur noch ein ab und zu. An meiner Ernährung drehte ich allerdings damals schon ein wenig: ich ersetzte Industriezucker so gut es ging durch Xylit, und aß schon damals einige Jahre kein Fleisch mehr und trank keine tierische Milch mehr, was meiner MS sehr gut tat.

Meine anfängliche Motivation brach nach Monaten wieder ein. Ich erlebte durch eine massive Mobbingsituation im Job erneute Krisenmomente und war einfach müde vom Leben. Zwar verlor ich in dieser Zeit bereits einige Kilo, glücklicherweise, aber…heute weiß ich, dass mir damals das fehlte, was dann Ende 2015 geschah, tatsächlich durch den selben Auslöser: Ablehnung, Spiegelbild, Schockmoment. Und: ein MRT-Bild von meinem Bauch, auf dem ich massig Fett sah und ein Teil meines (huch!) so schmalen Skeletts…
Der groooooße Unterschied: es machte KLICK. So laut, dass man meinen KLICKmoment locker bis nach Buxtehude und Berlin zugleich hören konnte.

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Ich begann eneut mit dem Walken, nach kurzer Zeit wurde mir das zu langweilig und ich fing langsam und sachte wieder an zu joggen; mit moralischer Unterstützung meines Papas, der, solange ich denken kann, Hochleistungssportler war. Außerdem kaufte ich mir ein Fahrrad, eine Yogamatte und setzte mich massiv mit ausgewogener Ernährung auseinander. Vor einigen Jahren erlebte ich eine Zeit, in der ich maximal 500m Gehstrecke mit meinem Gehstock „Trampel“ schaffte. Hetue jogge ich 7-10km langsam, wirklich langsam an einem Stück durch. Manchmal auch mit Gehpausen, in denen ich sehr stramm gehe, aber diese Run-Walk-Run-Methode ist für mich perfekt, auch um die Motivation nicht zu verlieren.

Im ersten Jahr nach dem SuperKLICK verlor ich über 30kg. Lustig hierbei mein totaler Heulmoment im Dezember 2016. Ich hatte mich bis dahin nicht mehr gewogen, kein Scheiß…und rechnete mit vielleicht 10 verlorenen Kilo. Als die Waage dann minus 30 Kilo anzeigte, sprang ich im Achteck vor Freude und schnappte mir eine alte Hose. Huch – da stand ich mit beiden Beinen in einem ihrer Hosenbeine und flennte, was das Zeug hielt.

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Kurze Zeit später erzählte mir eine Freundin von Nadjas Buch „Fettlogik überwinden“. Ich lud es mir als eBook auf mein Handy und es folgten weitere Klickmomente. Diese Erleichterung, die ich spürte, als ich las, dass alle, wirklich alle Menschen es schaffen können, ihr Wunschgewicht zu erreichen und zu halten, und dies wissenschaftlich gestützt und klar und ohne „ChiChi“ aufs Papier gebracht, war riesig.

Allerdings gebe ich zu, dass ich Nadjas Scheibstil häufig als unterkühlt empfand. Je öfter ich mir ihre Zeilen durchlese, desto mehr verschwindet dieses Gefühl.
Mittlerweile denke ich: jeder von uns, und eben auch Nadja, hat seine eigene Geschichte im Gepäck. Ich selbst durchlebe jeden einzelnen meiner erlebten Momente, die ich hier niederschreibe, erneut und nicht wenig intensiv. Wie mag es dann Menschen ergehen, die ein ganzes Buch darüber schreiben? In Zeiten, in denen wir erhaltene Nachrichten von der Anzahl der mitgesandten Smileys abhängig machen, ist es meiner Meinung nach wichtig, sich einfach aufs Wesentliche zu besinnen und jedem Einzelnen seine Art und Weise und seinen individuellen Umgang mit der eigenen und auch fremden Krisen zuzugestehen. Aber das nur nebenbei 😉

Wie ist die Lage heute?
Ich esse zum einen wieder ab und zu helles Fleisch. Verzichte auf Fertigprodukte. Ich trinke sehr, sehr viel Wasser und ungesüßte Tees, jeden Tag. Ende November 2016 lernte ich meinen Freund kennen, der genau den umgekehrten Weg hinter und auch noch vor sich hatte und hat: er arbeitet fleißig und hart an Gewichts- bzw. Muskelaufbau und hatte vom ersten Moment an Verständnis und Respekt in Bezug auf meine Situation. Wir unterstützen uns gegenseitig wunderbar, auch in Sachen Ernährung, er hat mich Richtung Krafttraining geschubst und ich bin mittlerweile sooooo angefixt. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal Muskelaufbau betreiben würde. Nie hätte ich gedacht, dass ich jemals wieder joggen gehen könnte. Und beides in Kombi? Trotz MS? Trotz Medis? Ja, das geht.

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Meine Familie und engsten Freunde unterstützen mich, so gut sie es können und dafür bin ich ihnen sehr dankbar – ich stelle es mir arg schwierig vor, in einer solchen Lebensumstellung völlig allein auf weiter Flur zu stehen.

Lustig an der Sache: kurz nach Beginn meiner Kalorienzählerei stagnierte mein Gewicht plötzlich. Hmpf. Toll. Schöne Scheiße. Hallo Wassereinlageurngen 😉
Es geht langsam aber stetig weiter. Ich experimentiere lustig herum, höre auf mein Sättigungsgefühl. Das heißt, wenn ich keinen Hunger mehr habe, höre ich auf zu essen. Und wenn ich an manchen Tagen nur 900 Kalorien intus habe, ist das okay, insofern ich eben keinen Hunger verspüre und mein Körper mit allem Wichtigen versorgt ist. Seit ich auf meine Kalorienzufuhr achte und alles dokumentiere, was mir mittlerweile richtig Spaß macht und Motivation beschert, esse und genieße ich viel bewusster und das ist schlichtweg wunderbar für mich, meinen Körper und meinem alltäglichen Begleiter…die MS.

Natürlich habe ich miese Tage, wenn mich meine Schmerzen umhauen oder die Fatigue mich überrollt, erlaube ich mir meine benötigten Auszeiten und lege Ruhephasen ein.

Ich stresse mich nicht mehr mit seltsamen und frustrierenden Diätvorhaben oder Aussagen meiner Umwelt, dass ich doch lieber langsam mal aufhören soll mit der Abnahme (es sind nun – auf den Tag genau – minus 42,7kg), sondern habe mein Ziel, noch knapp 15-18 Kilo abzunehmen fest vor Augen. Ist das erreicht, liege ich übrigens noch immer am oberen Rand meines Gewichtlevels. Zudem wünsche ich mir so sehr und arbeite auch fleißig dafür, keine Hautstraffung per OP erhalten zu „müssen“, auch wenn ich mich mit dieser Option gedanklich schon auseinandersetze. Aber an Nadjas Beispiel erkennt man ja auch wunderbar, dass eine solche OP kein MUSS sein muss.

Totale Abnehmmomente für mich: ich passe wieder in Eisdielen- und Wartezimmerstühle, und zwar locker und ohne Angst, nicht mehr aus diesen herauszukommen. Ich kann meine Beine übereinanderschlagen. Meine Liebsten können mich wieder umarmen, ohne sich die Schultergelenke auszurenken. Ich sehe und fühle meine Knochenvorsprünge (was bitte bitte nicht makaber verstanden werden soll). Essen stellt für mich wieder lebenswichtige Ernährung und bewussten Genuss dar und kein scheinbares Trostpflaster oder ein Kompensieren von emotionalen Defiziten. Mein Dreifachkinn ist weg. Ich laufe locker 6, 7 Stockwerke hoch, ohne nach Luft zu ringen. Mein Umfeld reagiert positiver auf mich. Meine Augen leuchten wieder. Ich lebe bewusster. Ich bewege mich wieder gerne und viel.

Und am wichtigsten: Ich kann erkenne mich selbst wieder, wenn ich in den Spiegel schaue.

Mein Innen passt wieder zum Außen.

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26 Gedanken zu “Gastbeitrag: Mein Weg zurück zu mir

  1. Das sind ganz großartige Entwicklungen! Ich weiß tatsächlich nicht, was schwieriger (auch für den Kopf) ist … zum ersten Mal schlank(er) zu werden oder wieder schlank(er) zu werden – ich war wochenlang neben der Spur, als ich das erste Mal bemerkt habe, dass man meine Rippen unter der Haut erkennen kann. Irgendwie wirkte das „falsch“. Inzwischen habe ich mich dran gewöhnt, und verhungert bin ich auch noch nicht. ^^

    Alles Gute für die Zukunft!

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    1. Danke Dir 🙂
      Diese Veränderungen sind wirklich so krass, manchmal. Ich ziehe immer meine Arme ein, wenn ich durch einen bestimmten Türrahmen (altes Bauernhaus) zuhause gehe, obwohl ich mittlerweile locker durch passe 🙂 Ich wünsche Dir auch alles Gute!

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  2. Gratulation zum Geschafften und alles Gute für den weiteren Weg! Was die Haut angeht: aus Lymphdrainage-Gründen traktiere ich meinen Körper seit letztem Oktober mit Trockenbürsten, fünf Minuten abends. Vom Lymphdrainage-Effekt abgesehen, tut das auch meiner Haut enorm gut, sie ist sehr viel weniger schlaff als in früheren Abnehmphasen – gestern habe ich gerade über meine Trockenbürsterei gebloggt, ich kann es wirklich sehr empfehlen: https://annesch.wordpress.com/2017/07/18/bahn-frei/

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  3. Wasserstrom

    Toll ge- und beschrieben!
    Den “Klick-im-Kopf“ Effekt finde ich sehr wichtig und der Eisdielen-Stuhl gehört zu meinem Klickmoment absolut dazu; Ich war schockiert, dass der Stuhl mit mir aufstehen wollte. Da passte meine innere Wahrnehmung auch nicht mehr mit der Äußeren überein…

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    1. Hallo 🙂
      das freut mich sehr und es ist ein wunderschöner „Nebeneffekt“, wenn andere aus der eigenen Geschichte Kraft ziehen.
      Sie hat das „normale“ Programm von Chemos über Bestrahlungen und Co. durchgemacht und sich, nachdem die Blutwerte weiterhin im Keller waren, (nach Absprache mit ihrem Onkologen!) mit naturheilkundlicher Medizin professionell unterstützt/unterstützen lassen (in diesem Fall Stichwort Phytotherapie).

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  4. Galli Frey

    die Abnehmmomente kenn ich gut. Man kann sich hinsetzen wo man will und auch wieder aufstehen, ohne hängenzubleiben, Beine übereinander schlagen oder aber auch Beine ranziehen… Ich hab noch mind. 24 Kilo vor mir, aber ich kann schon ahnen, wie toll das wird, immer mehr Kleinigkeiten zu können, die einem nach und nach auffallen. Es gibt kaum ne bessere Motivation. Außer Komplimente, wie toll man nun aussieht…

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    1. Halloli 🙂
      natürich schaffst Du das!
      Und gerade im Alltag fallen, genau wie Du sagst, so viele Dinge auf, die plötzlich funktionieren, die für Normalgewichtige Menschen totale Selbstverständlichkeiten sind.

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  5. Rote Zora

    Wenn das Innere nicht zum Außen passt. Genau das ist das Elend, als stark übergewichtiger Mensch. Zum Weinen. Aber dir zolle ich großen Respekt für deine tolle Leistung. Und danke, dass du sie mit uns teilst.

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  6. Shark

    Glückwunsch zu deinem tollen Erfolg!

    Ich finde das immer total krass bei solchen Vorher-Nachher-Fotos, wieviel die Abnahme mit dem Gesicht macht. Völlig anderer Typ, völlig anderes Aussehen und 15 Jahre jünger wirkend!

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  7. Noen

    Das macht so viel Mut!

    Aber es zeigt auch wieder etwas auf, über das ich in letzter Zeit nachgedacht habe: Ist es jetzt positiv das Körperfett ein bisschen als fremd anzusehen oder nicht?
    Bei dir, Simone, war es ein Klick-Moment deine überschüssigen Kilos als Nicht-Darstellung deines Inneren zu betrachten.
    Nachdem ich FLÜ durch hatte habe ich mich vor den Spiegel gestellt und statt „Problemzonen“ ein „Vorher-Bild“ gesehen.
    Beides ist für mich eine leichte Entfremdung von diesen speziellen Teilen der Körpermasse. (Klar, wenn man sich da krass entfremdet führt das vermutlich eher zu Esstörungen, weil man die „Fremdkörper“ in sich unbedingt loswerden will.)
    Aber das sind nur zwei Messpunkte, ich frage mich daher, ob es bei jedem Menschen der Gewicht verlieren möchte hilfreich wäre eine solche Einstellung zu kultivieren. Dabei sollte man seinen Körper aber immernoch lieben, auch wenn man Teile davon loswerden will.
    Zum Glück sind wir Menschen für Widersprüche wunderbar gebaut und halten locker mehrere widersprüchliche Überzeugungen aus.

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    1. Ich habe mich lange mit Übergewicht herumgeschlagen und würde nach meiner Erfahrung sagen: ich fühlte mich immer fremd mit diesem übergewichtigen Körper, seit meiner Kindheit, aber das führte zu einer solchen Entfremdung, dass die Körperwahrnehmung darunter gelitten hat – gerade als Teenager kam ich mir manchmal nur wie ein wandelnder Kopf vor, weil ich den Rest ausgeblendet/ignoriert, nicht wahrgenommen habe.
      Erst als ich auf verschiedene Art und Weise ein besseres Körpergefühl (z.B. Feldenkrais, man entwickelt dadurch eine tolle detaillierte Wahrnehmung der Muskelbewegungen) entwickelt habe, hat sich auch einiges anderes positiv entwickelt. Auch dass man es als übergewichtige Person (wenn man sich nicht wiegt) leicht nicht mitkriegt, dass man zunimmt, spricht aus meiner Perspektive eher dazu, dass man sich uns seinem Körper sehr entfremdet ist. Am Anfang muss also wieder eine Wahrnehmung stehen – dass es dann hilfreich sein kann, wenn diese Wahrnehmung was von Außenperspektive hat (wie ein Foto oder MRT), da bin ich mir ziemlich sicher. Mir geht es z.B. auch so, dass ich Unordnung leicht ausblenden kann, aber sie dann unerträglich finde, wenn ich ein digitales Bild der Unordnung schieße und es mir anschaue, so dass ich die Motivation zum Aufräumen finde… 😉

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      1. Noen

        Ich muss zugeben in Sachen Körperwahrnehmung fällt es mir sehr schwer das Fett wahrzunehmen. Muskeln kann ich anspannen, Muskeln tun nach dem Training manchmal weh, Sehnen dehnen sich manchmal (und die in meinem Ellbogen ist manchmal morgens ohne Grund gereizt), Organe blubbern und tun auch manchmal weh, auf Knochen kann ich klopfen und dann spüre ich die Vibration. Aber bei meinem Fett spüre ich nur die Haut darüber. Das meine Brust manchmal spannt hat auch eher was mit den Milchdrüsen zu tun und nicht mit dem Fett dazwischen.
        Und mit dem „leicht entfremdet“ bzw. dem „Vorher-Bild-Gefühl“ ist es bei mir so, dass ich sozusagen meine fettfreie Masse im Körper spüre und der Überschuss an Fett sich eher so anfühlt als würde er nicht ganz dazu gehören. Ich bin dann sozusagen ein fettfreier Mensch in einer Jacke aus Fett.
        Deswegen war dieses Gefühl für mich auch so motivierend, denn eine Jacke kann man ausziehen. (Bzw. einen kleinen Teil der Jacke will ich auch behalten.)
        Das war als Jugendliche mit meiner damaligen Depression anders. Ich fühlte mich so hässlich, dass ich mich jahrelang nicht im Spiegel angesehen habe, nichtmal das Gesicht, außer ganz kurz, um nach Dreck und Pickeln zu schauen. Ich habe auch vermieden meinen Körper anzusehen oder daran zu denken. Ich bestand praktisch nur aus meinen Haaren, denn die waren das einzige um das ich mich wenigstens ein bisschen gekümmert habe und die waren auch das einzige was ich den Großteil der Woche von mir sah.
        Da war mir praktisch mein kompletter Körper fremd, nicht nur mein Fett, und zwar alles sehr fremd.
        Jetzt ist es so, dass mir mein Körper sehr nahe ist und mein Fett mir nur ein bisschen fremd ist, und zwar nur wenn ich dieses „Vorher-Bild-Gefühl“ heraufbeschwöre, um mich zu motivieren, den Rest des Tages denke ich praktisch nicht darüber nach.

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