Medizinischer Ra(n)t

Eigentlich habe ich gerade ganz viele spannende Gastbeiträge auf der zu-posten-Liste, aber gestern kam eine Mail, die mich so beschäftigt hat, dass ich sie gerne teilen wollte – daher habe ich den Schreiber gefragt, ob ich sie anonymisiert posten darf.

bmi

80 kg auf 155 cm verteilt ergibt einen BMI von 33,3, was wiederum im adipösen Bereich liegt. Da wird also eine ansonsten gesunde junge Frau vom Arzt mit einem „kannste nix machen“, mit Adipositas nach Hause geschickt.

In Fettlogik hatte ich ja die gesundheitlichen Konsequenzen recht ausführlich behandelt, aber ich musste dabei besonders an diese Studie denken.

lost

Im Schnitt verliert eine Frau, die in diesem Alter bereits adipös ist, also 5,6 Lebensjahre und 14,6 gesunde Jahre.

Und wir reden hier nicht von jemandem, der die Entscheidung für sich trifft, glücklich und zufrieden adipös zu sein und das Risiko von vorzeitiger Krankheit und Tod bewusst einzugehen, sondern von jemandem, der sich mit seinem Gewicht unwohl fühlt und sich hilfesuchend an einen Mediziner gewandt hat, um von diesem dann einen solchen Rat zu erhalten.

Was zu Hölle?!

(Die Mail hat mich gestern so geschockt, dass ich spontan von meiner „Fettlogik nicht mehr verschenken“ -Regel eine Ausnahme gemacht, und die pdf angehängt habe. Ich drücke einfach mal Daumen, dass es in ein paar Monaten einen Gastbeitrag mit positiver Fortsetzung gibt 🙂 )

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27 Gedanken zu “Medizinischer Ra(n)t

  1. Wow. Wirklich trauriger Fall. 😦
    Es kostet eine gewisse Überwindung, wirklich mit dem Abnehmen anzufangen (alte Gewohnheiten sind schwer zu brechen). Da schafft die gute Frau es also sich zu motiveren und möchte es durchziehen, sucht sogar medizinischen Rat und dann SOWAS?
    Da ist es doch nicht verwunderlich, wie viele Menschen dann doch wieder abbrechen, bei solchen „Ratschlägen“…

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  2. Als ich mich vor vielen, vielen Jahren an meinen damaligen Hausarzt wandte, weil ich zunahm und das ändern wollte war seine Antwort: „Schauen Sie sich ihre Eltern an. Soviel Sport können sie gar nicht machen und sowenig essen, dass sie das ändern. Aber keine Angst, das wird auch nicht unendlich mehr.“
    Einige Jahre später und mit Bmi 46 bekam ich endlich die Kurve. Diese Aussage hat mich u. a. jahrelang gebremst. Ich hoffe die Freundin von dem Mailschreiber braucht diesen Weg nicht soweit zu gehen. So was demotivierendes.

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  3. Heike Grimm

    Fast ebenso demotivierend finde ich die Aussage meines Arztes bei einem damals aktuellen Gewichtsverlust von 34kg (heute sind es schon 42kg bei einem Ausgangsgewicht von 135,6kg): „Nun ja, Abnehmen ist einfach! Halten muß man es!“

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    1. Mona

      Seit wann ist Abnehmen einfacher als Halten? Seltsamer Arzt. Wenn man viele Monatelang oder Jahrelang abnimmt, dann ist das Halten danach keine Zauberei. Das muss er doch verstehen. Es ist ja nicht so, dass man nach einer Abnahme alles aus der Abnehmzeit verlernt und wieder die Person mit dem Verhalten von früher ist, wo man zunahm.

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  4. Birgit Neumeister

    Warum vermutet der Hausarzt Cushing-Syndrom? Nimmt sie Cortison? Ich habe nicht gelesen, daß das Blutbild in Ordnung ist. Vielleicht hat sie einen erhöhten Cortisol-Spiegel und der Arzt wollte sie, wenn auch auf ungeschickte Weise, mit dem Ergebnis versöhnen. Mich macht die Aussage stutzig, daß sie nicht abnehmen kanm, w e i l alles in Ordnung ist. Und was Cortison anrichten kann, weiß ich aus leidvoller Erfahrung. Mir persönlich wäre das, was in der Mail steht, zu wenig Information, um adäquat zu reagieren.

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    1. Ich hab keine Ahnung von der Krankheit, aber im Übergang vom 2. zum 3. Absatz verstehe ich das Gespräch mit dem Oberarzt so, dass es keine Befunde gab – also wird das Blutbild wohl in Ordnung gewesen sein.

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  5. Akina

    What the… serious fuck…
    Ich bin ernsthaft sprachlos.
    Aber ich bin sehr froh dass du von deiner Regel eine Ausnahme gemacht hast! Hoffentlich sorgt das Buch dafür, dass sie es schafft abzunehmen!

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  6. Hannelore

    Nun ja, an dicken Menschen können die Ärzte mehr verdienen, wegen Bluthochdruck, Diabetes, kaputte Hüfte und Knie……. ich finde die Aussage des Arztes ist eine Frechheit. Auch wenn sie jetzt “ gesund“ ist, muss das ja nicht so bleiben.

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    1. Ärzte verdienen da eher weniger dran, Hannelore. Die kriegen ne Besuchs- und Fallpauschale. Dann noch ein paar Untersuchungen vielleicht abgerechnet und eine Medikamentenpauschale. Das wars. Sicher verdient Big Pharma vielleicht daran, das wars aber auch. Ärzte selbst eher nicht.

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      1. Tinka

        Dicke Menschen schauen aber öfters wegen Beschwerden vorbei. Ergo: die Fallpauschalen häufen sich zumindest. Bleibt noch die Frage, wer bei gleicher Fallpauschle mit weniger Auwand behandelt werden kann: übergewichtige oder normalgewichtige Kranke?

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    2. Mona

      Ich vermute auch, dass einige Ärzte den Patienten „gut zureden“, indem sie sagen, das sei schon so ok wie es gerade ist, mach dir keinen Stress blabla. Ich kann mir vorstellen, dass sie sich denken, dass die Patienten beim nächsten Problem auch zu denen kommen. Wenn jemand jedes Jahr einmal hingeht, bringt es dem Arzt mehr, also wenn man bald keine Patienten mehr hat, weil alle aus dem Ort ein Mal da waren, aber nie mehr zurück kommen.

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  7. Bea

    Hallo, ich war noch nie in meinem Leben schlank! Habe aber nach zwei Schwangerschaften, bei einer Größe von 1,73, mein Gewicht von 136 kg auf 90 kg senken können und gut 10 Jahre halten können. Und plötzlich nahm ich zu, was ich mir gar nicht erklären konnte, denn ich achtete immer noch auf meine Ernährung! 90kg…100kg…immer wieder zum Arzt… 105kg…110kg… Und immer noch ständig zum Arzt! „vielleicht sind sie einfach der Typ dafür, vielleicht ist das bei ihnen so, sie werden ja nicht jünger“ da war ich 35!!! Also noch mehr Sport, noch weniger Süßes! 117 Kilo…Und wieder hilfesuchend zum Arzt „Das kann doch nicht sein, irgendwas stimmt da nicht, sagen sie mir bitte, was ich tun kann!“ Und der Arzt sagt zu mir, allen Ernstes „Naja, sie wiegen ein bisschen mehr als normal, aber sie sehen doch gut aus!“?? Ich hatte in knapp zwei Jahren. 27 Kilo zugenommen, hatte einen BMI von über 39!!! Ich wurde so wütend, dass ich ziemlich laut wurde! Eine Studentin kam herein und sagte dem Arzt, sonst testen sie doch einfach mal die Schilddrűse… 10 Tage später der Befund, Hashimoto und ein „dann können Sie das mit dem Abnehmen eh vergessen“ vom Arzt! Anfang März habe ich FLÜ GELESEN und bin heute von 117kg auf 100kg runter.. Und auf der Suche nach einem neuen Arzt!

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      1. Bea

        Naja, durch das Hashimoto (eine Schilddrüsen – erkrankung sinkt der Kalorienbedarf. So nimmt man ohne etwas zu ändern ~so ungefähr 200g die Woche zu! Woher sollte ich das wissen? Denn ich rannte ja fast zwei Jahre, mindestens einmal im Monat zum Arzt, auch wegen vieler anderer Symptome, aber überwiegend wegen der nicht erklärbaren Zunahme. Und eben diese zwei Jahre kam er nicht drauf mich zu testen, denn ich war ja einfach der Typ für Übergewicht! Und fälschlicherweise gehen viele, so auch mein Arzt, davon aus : wer durch Krankheit zunimmt, wird das Gewicht so, oder so, nicht wieder los!

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      2. Okay, du bist also zu der Zeit noch nicht auf den Punkt gekommen den Verbrauch über Variation in den kcal zu testen. Wäre ich ohne FLÜ wohl auch nie. Ich drücke dir die Daumen, das alles weiter passt und du eine gscheiten Arzt findest, der dir auch die richtigen medis aufschreibt 🙂

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  8. Ja, dieses „Sie sind halt ein wenig kräftiger gebaut“. Heute beim Duschen (bitte jetzt kein Kopfkino) musste ich daran denken, dass ich in meinen fetten Zeiten dabei schon mal dachte: „Nun ja, fünf Kilo können vielleicht runter, aber ansonsten schwabbelt doch nix.“
    Jetzt sind 23 Kilo runter und ein bisschen was schwabbelt sogar noch. Der Körperbau ist eben KEINE unveränderliche Größe und man muss nicht auf ewig breit gebaut sein. Das ist es ja, was man als dicker Mensch immer wieder in tröstender Absicht gesagt bekommt. Ich fand es interessant zu sehen, wie sich meine Körperproportionen während der Abnahme und vor allem noch danach verändert haben. Das äußert sich unter anderem darin, dass Leute immer noch sagen, ich hätte wohl weiter abgenommen, obwohl ich seit jetzt fast 1,5 Jahren mein Gewicht halte. Da hat sich noch ein wenig umverteilt, was ich ab und zu an meinen Waden und Armmuskeln sehe (Nadja hatte dazu ja kürzlich ein Bild gepostet, wie das mit der Entdeckung der eigenen Muskeln abgeht).
    Zurück zum Anfang: „Breit gebaut“ ist eine fiese Fettlogik und es ist traurig, wenn Ärzte damit die Motivation von Menschen zerstören, die den meines Erachtens wichtigsten Schritt gerade gehen, nämlich einzusehen, dass Veränderung nötig ist.

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  9. Anja Endesfelder

    Mir hat auch mal ein Arzt gesagt (bei dem ich auch noch in Behandlung bin, weil ich von seiner Fachkompetenz im Übrigen sehr viel halte!), dass er MS-Patienten nicht den Rat geben würde abzunehmen, da das in der Regel ohnehin nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt wäre und das Leben mit der MS ja auch ohnehin schon schwieriger und anstrengender sei als ohne sie. Das nahm ich genau so lange hin, bis ich das Baumklettern lernen wollte^^ – das klappt dann mit 35 kg weniger schon sehr viel besser (auch wenn die MS dabei natürlich nach wie vor hinderlich ist und das voraussichtlich auch bleiben wird). Der Arzt hat darauf allerdings in keiner Weise ablehnend oder sonst doof reagiert, ich glaube der freut sich eher dass ich körperlich so aktiv bin.

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  10. Das macht mich echt wütend – da vertraut man sich einem Arzt an und bekommt so ein Feedback – unglaublich -.-

    Die beschriebene Dame war doch vorher schon mal schlanker – woher kommen denn auf einmal die „gut verteilten Proportionen“ die der Arzt als Begründung nennt!? #Logik9000
    Als erstes sollte sowieso die Ernährung mal notiert werden, das wär ja das erste was ich als Arzt in Auftrag geben würde! Von Sport wird – bei mir – der Hunger angekurbelt, dadurch isst man mehr und gleichzeitig unterschätzt man ganz schnell mal die Menge an kcal die man durch Sport verbrannt hat. Ein mieser Kreislauf…

    Auch wenn es vlt eine „schöne“ Ausrede ist eine Krankheit nachzuweisen, die verantwortlich für das zusätzliche Fett ist… aber wenn wir ehrlich sind ist es doch wirklich, WIRKLICH viel, viel schöner gesund zu sein 😀

    @Nadja: Ich hoffe auch auf einen Gastbeitrag der betreffenden Lady – FLÜ öffnet einem bei so vielen Dingen die Augen, dankeschön!

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  11. Kaethe

    Im Medizinstudium lernt man in der Regel leider herzlich wenig Substanzielles übers Abnehmen. Ein Hausarzt muss ein derart breit gefächertes Wissen haben, dass er sich schon speziell aufs Ernähren fortbilden muss, wenn er in der Form ein Experte sein will (oder Fettlogik lesen^^). Ansonsten hat man die gleichen Kenntnisse über Gewichtsverlust wie die Allgemeinheit – inklusive aller gängigen Fettlogiken.
    Was für eine dumme Aussage, dass ein Arzt seinen Patienten extra krank lässt, um an ihm zu kassieren. Vielleicht ist das Buch „Medizinerlogik überwinden“ fällig ;D

    Das Stichwort lautet Selbstwirksamkeit.
    Wenn man Gewicht verlieren will, muss man selbst was tun. Gute (fundierte!) Ratschläge können helfen, aber man muss selbst der Experte über den eigenen Körper und die eigene Gesundheit sein.

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  12. claire

    Ach. Ich bin ja – schon von Hause aus 😉 – eigentlich jemand, der die (Schul)mediziner gerne verteidigt. Weil ich oft so ungerechte Vorwürfe lese, riesige Erwartungshaltungen, Patienten, die sich eh aufregen, aber dem Arzt gegenüber nie etwas rückmelden, unfaire Internetbewertungen etc etc.

    Aber. Aber aber aber, da gibt es diese Selbsterfahrungen und Berichte von anderen Menschen, bei denen ich immer denke: „WTF??? Warum bist du, Hans August Konrad oder Kevin Noel Daniel, MEDIZINER geworden?? Was ist aus primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare geworden??????? Und, wenn dus mit Gesundheit und Menschen nicht so hast, hättest du dann nicht bitte schön was mit Petrischalen in Labors machen können??“

    Mich ärgert so etwas.

    Der Arzt, der hier groben Bullshit erzählt.

    Der Psychiater, der jahrelang Psychopharmaka verschreibt, ohne zwischendurch ein einziges Mal mit dem Patienten zu sprechen.

    Der Arzt, der der schwangeren Frau erzählt, der wachsende Knoten in ihrer Brust sei gewiss nur eine Milchdrüse und sie ohne Untersuchung fortschickt.

    Die Landesärztekammer, die erklärt, dass in diesen Fällen keinesfalls eine vernachlässigte Sorgfaltstpflicht vorläge, es aus ihrer Sicht keinen Grund zur Beanstandung gäbe.

    :-((

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  13. Warte, welcher Arzt war das? Gut, darf man so nicht sagen, aber dem müsste man … und zwar mit Anlauf!

    Gäbe es wirklich Menschen, die aus genetischen Gründen nicht verhungern (also abnehmen) könnten, hätten diese doch schon lange die restliche Menschheit ausgerottet. Wahrscheinlicher ist es so, dass jemand mit ihren Maßen einfach weniger Kalorien braucht – das ist zwar gemein, aber quasi Gesetz. Der jungen Dame unbekannterweise auf jeden Fall viel Erfolg!

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  14. Kate

    Ich kenne diesen Fall ziemlich genauso. Als ich meinen Hausarzt mit 82 kg und 1,63m auf mein Gewicht ansprach, sagte er mir dass ich stimmige Proportionen habe und es Unfug wäre abzunehmen, es mit meinem Hashimoto ja eh sehr schwer ist. ich hab es manchmal dann geschafft bis auf 76 kg abzunehmen und war darüber schon wirklich froh, aber seit ich Fettlogik gelesen habe, klappt es endlich und ich lasse mich von meinen Ärzten nicht mehr verschrecken! Vorgestern habe ich Normalgewicht erreicht 🙂 Jetzt ziele ich auf einen BMI von 21 (~55kg) und bin guter Dinge, dass ich auch diese 10 kg noch in der warmen Jahreszeit stemmen kann.
    Sie soll bloß nicht aufgeben!!!

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