Gastbeitrag: Extremes Übergewicht, der berufliche (Nicht)einstieg… ja und ich!

Im Oktober 2016 schrieb mir Lia zum ersten Mal eine Mail darüber, wie sie in einem Forum auf Fettlogik stieß und beim Anblick meiner Bilder dachte „Verdammt, DAS könntst DU sein!“ – auf dem Weg dorthin haben wir uns seither immer mal wieder geschrieben.

In Fettlogik schreibe ich auch über die Diskriminierung Übergewichtiger, und wie sich zwar einerseits die Wahrnehmung was „dick“ ist, stark verschoben hat, andererseits aber Menschen, die tatsächlich als „dick“ identifiziert werden, eine Menge negativer Stereotype begleiten. In ihrem Gastbeitrag berichtet Lia aus dieser, ebenfalls wichtigen, Perspektive:

Hallo 🙂 Mein Name ist Lia und ich bin 25 Jahre alt. Lia ist nicht mein richtiger Name, da mein echter Name aber sehr selten ist bleibe ich erstmal bei Lia, denn dies ist ein für mich sehr sensibles Thema.

Ich war stark übergewichtig, mein Höchstgewicht lag bei ungefähr 180-185 Kilo verteilt auf 1,67 Meter. Das ist viel zu viel und wahrlich nicht schön, aber was dieses Gewicht – gerade auf beruflicher Ebene – ausmacht möchte ich ein wenig aus meiner Perspektive schildern.

Wir schreiben das Jahr 2012, ich beendete mit ungefähr 130 Kilo meine schulische Laufbahn an einem beruflichen Gymnasium. Die Schulzeit war nicht immer schön und mir wurden ein paar Steine in den Weg gelegt, aber ich meisterte das halbwegs und dachte jetzt wird alles schöner. Leider falsch gedacht, es begann eine Odysee, die meine Sicht auf andere Menschen veränderte. Ich begann mich nach meiner Schulzeit zu bewerben, eine solide Ausbildung im kaufmännischen Bereich, denn ich bin ein „Zahlenmensch“ und mag präzises arbeiten. Und zack sitzt man also bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur.

Die hibbelige Dame war euphorisch und begeistert, gab mir ein paar Tipps auf den Weg und meinte noch „Also Frau Lia Sie haben ein berufliches Gymnasium in der Richtung Wirtschaft besucht und wirken sehr motiviert, da schreiben Sie keine 100 Bewerbungen. Das verspreche ich Ihnen!“. Ich begann sofort, voll motiviert. Okay die Bewerbungsfotos waren etwas kritisch, denn ich bin kein Freund davon aber ich habe das Glück gehabt, dass man mir mein Gewicht nicht wirklich darauf ansah.

Die ersten Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und Tests flatterten ins Haus. Ich war super optimistisch und hab mich immer gut vorbereitet dank Bewerbungscoach, denn wenn ich etwas mache, dann richtig! Ich könnte jetzt ausführlich weitermachen, das Ende vom Lied bleibt gleich: Ich habe keinen Ausbildungsplatz erhalten. Im ersten Jahr redete ich mir nur was von „Ach komm nächstes Jahr bestimmt (…) einfach nur Pech gehabt (…)du findest schon noch was!“ ein. Was mir aber anfangs gar nicht in den Sinn kam war, dass es an meiner Figur liegen könnte.

In einem Vorstellungsgespräch als Industriekauffrau wurde ich gefragt, ob ich denn keine Rückenprobleme hätte, obwohl nein es wurde – nachdem ich von oben bis unten mit abfälligen Blicken gemustert wurde – ungefähr so ausgedrückt: „Waaaas? Und Ihr Rücken? WARUM haben Sie denn noch keine Rückenprobleme? Und Sie sind sich sicher, dass die Ausbildung für Sie das Richtige ist?“. Ja den Wink mit dem Zaunpfahl habe ich damals nicht verstanden, bzw. redete es mir schön.

Ein Steuerberater war der Erste, der es auf den Punkt brachte. Ich rief ihn an, denn ich hatte keine Rückmeldung wie vereinbart erhalten. Erst redete der gute Mann um den heißen Brei herum, erst als er merkte dass es mir sehr ernst ist kam folgender brutal sensibler Satz in einem nicht so netten Tonfall: „Ich will es kurz machen Frau Lia, Ihre Proportionen passen einfach nicht zu uns als etablierten Dienstleister!“ Das hat gesessen, auch wenn er ehrlich war.

Wie bereits erwähnt sah man auf dem Bewerbungsfoto nicht unbedingt mein stolzes Gewicht von ungefähr 130 Kilo an. Ich sah so oft förmlich enttäuschte oder Abneigung signalisierende Blicke, teilweise wirklich verachtend. Sie hatten etwas anderes erwartet. Dieser „Oh mein Gott, die ist fett!“- Blick wird immer in meinem Gedächtnis bleiben

Ich schaffte es öfters auch mal zu einem Probearbeiten, eine Stelle in einer Zeitarbeitsfirma machte mir sogar richtig Spaß. Das Team, aus ca. 12 Leuten bestehend, war freundlich, die Lage gut und ich fand es dort sehr angenehm. Bis ich zu einem Gespräch gebeten wurde und ich wurde über meine Ernährung verhört. „Wie bitte? SIE essen also Schwarzbrot?!?“ Ohja liebend gerne und ich atme sogar Sauerstoff! Ich bin immerhin ein Mensch, wenn auch ein dicker. Nach dem Verhör hörte ich noch aus dem Nebenzimmer ein „Naaaaa, ist DIE FETTE schon weg?“ und daraufhin folgte drei Tage später der Anruf des Geschäftsstellenleiters „Nein Frau Lia, es tut mir ja leid, aber bitte denken Sie nicht es sei nur wegen Ihrer Figur!“ – Nur? Na danke.

Ich könnte Stunden fortführen, was so für skurrile Momente zustande kommen, den Vogel abgeschossen hat aber definitiv die Dame der Berufsberatung. Wohlgemerkt eine neue Dame, die Erste war irgendwie verschwunden. Sie bat mich zum Gespräch und hörte sich gar nicht richtig an, was meine Erfahrung ist, was ich eigentlich möchte und was nicht. Sie unterbrach mich und erzählte mir gleich ich sei ein hoffnungsloser Fall, ich solle mir überlegen ob ich nicht lieber eine etwas andere Ausbildung machen möchte. Diese sog. „Ausbildung“ wäre für Menschen gewesen, die besondere Unterstützung brauchen, im Sinne von extremen Lernschwierigkeiten/einer verminderten Intelligenz. Ich habe nicht zwei solide Schulabschlüsse gemacht und mich durch drei Leistungskurse gekämpft um dann so eingestuft zu werden. Ich war fassungslos, Kompetenz pur! Natürlich kann die Dame auch nicht zaubern, aber alleine auf die Idee zu kommen macht mich sprachlos. Nur weil ich (extrem) dick war wurde ich in eine gewissen Ecke geschoben.

Und auch andere Menschen schoben mich gerne in diese Ecke. Richtig aufgefallen ist mir dies total, als die Nachbarin meiner Eltern aufgeregt sturmklingelte und mir erzählte, ich müsse unbedingt sofort einen Nebenjob in der Spülküche der örtlichen Seniorenresidenz annehmen. Ich fragte sie wie sie darauf käme und es kam nur „Ja nun ich hab gehört du findest ja eh keine Ausbildung, du scheinst überfordert zu sein, einfache Arbeiten liegen dir wohl eher“ – ich kochte innerlich, denn a) hat diese Nachbarin nie mehr als ein „Hallo“ mit mir geredet und b) kann sie meine Lage null einschätzen oder habe ich nach Ihrer Unterstützung gefragt. Ich blieb äußerlich gerade noch so gefasst und sagte ihr höflich, dass das nicht infrage käme. Kaum die Tür geschlossen fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Sie denkt in Schubladen. Das ist menschlich und wir tun es irgendwie alle wenn wir ehrlich sind. Übergewicht wird oft suggeriert mit mangelnder Leistungsbereitschaft, einem schwachen Willen, Faulheit, man habe sein Leben nicht im Griff, es sei einem alles egal. Und genauso denken auch die zahlreichen Betriebe. Da nimmt man lieber die schlanke junge Dame, statt der Übergewichtigen. Und genau das wurde mir mit zum Verhängnis.

Leider habe ich diese Tatsache erst vor einem Jahr begriffen, vier Jahre nachdem mein Bewerbungsmarathon startete. Nur ich kann mir helfen meinen Körper wieder gewichtstechnisch in den Normalbereich zu manövrieren und mir die beschriebenen Momente zu ersparen. Ich habe übrigens aufgehört genau zu zählen wie oft ich mich beworben habe, letzter Stand waren alleine 400 schriftliche Bewerbungen, da kommen aber noch deutlich mehr hinzu.

Daran sieht man wie sehr das Gewicht das Leben beeinflussen kann, wie sehr man sich selber Steine in den Weg legt. Und ich ärgere mich tierisch, dass ich nicht früher angefangen habe endlich abzunehmen, aus dem Frust heraus wurden aus den 2012 noch 130 Kilo, Mitte 2013 150 Kilo bis zu 185 Kilo im März 2016. Ein Großteil von meinem Übergewicht habe ich mittlerweile verloren, einen Ausbildungsplatz habe ich bis dato leider nicht. Ich sitze in einer Zwickmühle fest und dieses Gefühl aus Existenzangst, dem Druck anderer Menschen und einfach auch einem totalen Schamgefühl weil man mit Mitte 20 feststeckt, ist nicht schön, es ist fast schon demütigend. Und mir rennt die Zeit davon mit 25. Kein noch so tolles Essen ist es wert sowas zu erleben.

Dennoch stößt mir die Art wie mit mir umgegangen wurde auf, wie sehr Menschen sich blenden lassen und vorverurteilen. Mein Kopf ist immernoch der gleiche Kopf wie vor 4-5 Jahren und ich bin auch noch genauso motiviert. Da ist es eigentlich völlig egal ob ich 60 Kilo wiege oder 160 Kilo. Oder auch: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry in „Der kleine Prinz“) – was wirklich stimmt.

Aufgeben ist aber nicht, ich schaffe es noch irgendwie, a) ins Normalgewicht und b) in einen sinnvollen Beruf 🙂

Man muss dazu sagen, dass ich natürlich nicht nur abnehme um eine wesentlich bessere bzw. überhaupt eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Ich genieße jetzt schon jeden Tag ein völlig neues Körpergefühl, man wird auch nicht mehr so angestarrt oder kann entspannt ein paar Schritte laufen ohne gleich keine Luft mehr zu bekommen. Kleidung von früher – Größe 52/54 – wird gefühlt langsam zum Zelt, man schläft besser, ist wirklich körperlich leistungsfähiger, man hat irgendwie mehr Lust etwas zu unternehmen. Je mehr der – ich nenne es so, für mich war/ist es wie ein Gefängnis – Panzer sich auflöst, desto freier fühlt man sich. Für mich bedeutet meine Abnahme ein neues, gesünderes Leben mit mehr Freiheiten, ohne bremsendes Gewicht.

An der Stelle starte ich einfach mal einen Aufruf: Falls jemand eine Ausbildungsstelle im kaufmännischen Bereich zu vergeben hat, oder jemanden in dem Bereich kennt, und Lia kennenlernen möchte, schreibt mir gerne eine Mail und ich leite sie an sie weiter! Vielleicht findet sich ja auf diesem Wege eine Möglichkeit! Das wäre großartig.

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53 Gedanken zu “Gastbeitrag: Extremes Übergewicht, der berufliche (Nicht)einstieg… ja und ich!

  1. Hach. Ich kenne das. Zumindest die Sache mit dem in eine Schublade gesteckt werden und wie Dicke wahrgenommen werden. Vergleichbar mit deiner jetzigen Situation ist bei mir lediglich, dass ich mit aktuell 123/175cm und 30 Jahren nach jahrelangem inneren Widerstand doch gerne eine Beziehung hätte und vielleicht ein Kind. Ich glaube wir haben beide Angst davor, dass der Zug abgefahren ist. Das Zeitfenster ist vorbei und das nur, weil wir zu dick sind/waren. Ich mache mir Vorwürfe, weil ich es habe so weit kommen lassen und weiß andererseits, dass ich anders als durch den Schutzpanzer nicht überlebt hätte. Es ist zum verrückt werden. Ich wünsche dir dennoch, dass du etwas findest!

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    1. Lia

      Manchmal sitze ich da und denke mir „Hilfe du bist 25, andere sind viel jünger… Person X hat schon das erreicht… das wird nie was“ – aber oft auch „ok du bist 25, du warst extrem schwer und das war alles nicht schön aber 25 ist nicht zu alt um beruflich etwas Sinnvolles zu starten“
      Ich hab mit 23 öfters mal gehört ich sei zu alt für eine Ausbildung, und da frage ich mich wirklich warum? Eigentlich ist es selbst mit 35 nicht zu spät, vermutlich werde ich mal bis 75 arbeiten dürfen, das sind ab jetzt noch 50 Jahre. Ich glaube mein Zug steht noch am Bahnhof, die Frage ist nur welcher Bahnhof und dann auch welches Gleis

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      1. Ein Bekannter hatte psychische Probleme und schaffte es erst mit 36 eine Ausbildung zu beginnen.
        Jetzt ist er vierzig und Fachinformatiker mit Job bei der Firma, bei der er die Ausbildung angefangen hat. Es gibt also durchaus noch Betriebe, die nicht nur nach dem CV schauen, sondern auch „Risiken“ eingehen. 🙂
        Du schaffst das auf jeden Fall! 🙂

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      2. Treutomaten

        Hallo Lia, ich möchte Dich hiermit nur ein bisschen Mut machen. Ich selber habe (zwar aus anderen Gründen als du aber auch nicht unwichtig) auch erst sehr spät meine Ausbildung begonnen. Ich war, glaube ich, 26 und wurde kurz drauf 27, als ich meinen Traumjob gefunden habe. In meinem Beruf ist es sogar nicht unüblich, dass man erst älter werden muss, um ihn überhaupt richtig gut machen zu können. Das durchschnittliche Alter liegt hier bei 23. Wenn du neben dem kaufmännischen auch ein bisschen medizinisches Interesse hast und Spaß am Umgang mit Menschen, dann würde ich dir vorschlagen, dass du dir mal den Beruf des Hörgeräteakustikers anschaust.

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  2. Fred M. Späth

    Da ich auch von über 180 kg gestartet bin, habe ich den Beitrag mit Interesse gelesen. Allerdings bin ich etwas bestürzt – so krasse Absagen habe ich trotz hohen Gewichts nicht bekommen. Gut, ich war da schon etabliert als hochqualifizierter Softwareentwickler und stand nicht vor einer Ausbildung, aber meine Erfahrung war die, dass Männer dick sein dürfen, Frauen aber nicht. Z.B. habe ich einmal in einem Assessment Center für angehende Führungskräfte die 7 anderen Kandidaten ziemlich blass aussehen lassen – musste mir aber vorher einen extra Stuhl ordern, weil ich in den zierlichen Stühlchen mit Armlehnen fest gesteckt hätte … Das hat aber irgendwie keinen interessiert.

    Diese Phänomen zeigt eine ziemlich üble Einstellung auf, und da hilt auch keine „FatAcceptance“, denn das ist Sexismus pur. Ein kleiner Tipp, solange Du noch „umfangreich“ bist: ich habe das Thema immer proaktiv mit Selbstironie angesprochen, da kann man zumindest vermeiden, dass man sich in die Opferrolle drängen lässt.

    Lia, Dir viel Glück beim Weitersuchen!

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    1. Mona

      Je dicker Softwareentwickler sind, desto besser sind sie. 😉
      (Denken sich viele, weil in deren Kopf sitzt so einer die ganze Zeit vorm Computer und stopft ununterbrochen Chips, Pizza und Cola in sich hinein.)

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  3. Julia

    Danke an Lia für diesen ehrlichen Erfahrungsbericht. Zugegebenermaßen bin ich etwas geplättet. Ich habe dieselbe Schullaufbahn, bin genauso alt, mein Abitur im selben Jahr gemacht und auch mein Gewicht lag beim Abitur schätzungsweise bei um die 135 Kilo. Auch ich habe mich danach um dieselbe Ausbildung beworben und zu diversen Gesprächen eingeladen. Allerdings, hier liegt der Unterschied: Nicht ein einziges Mal habe ich mich in einer solchen Situation wiedergefunden. Alle meine Gespräche verliefen professionell und mein Gewicht wurde weder thematisiert, noch würde ich irgendwie komisch beäugt. Ich habe innerhalb weniger Wochen die Zusage für meine Ausbildung bekommen.

    Wenn ich mir diesen Beitrag durchlese, wird mir doch bewusst, wie wenig selbstverständlich mein Weg gewesen zu sein scheint und dass ich riesiges Glück hatte. Genau vor solchen Reaktionen habe ich nämlich immer Angst gehabt. Im Berufsalltag mit Festanstellung spricht das natürlich niemand an, aber manches Mal merke auch ich, dass man sich mir gegenüber anders verhält, irgendwie distanzierter…

    Es wäre interessant zu wissen, wo Lia denn eigentlich herkommt und in welcher Region sie eine Ausbildung sucht. Da wäre ich gern bereit, meinen Ausbildungsbetrieb anzusprechen. 🙂
    Alles Gute für dich, Lia!

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  4. Abby

    Ohje du arme. Ich war schon kurz davor, innerlich die Betriebe mit Angst vor Arbeitsunfähigkeit und Ausfall zu verteidigen. Aber dann war ich kurz ehrlich zu mir. Wir Menschen sind manchmal furchtbar kacke. Ich hoffe Du findest bald was, ich gönne es dir sehr.

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    1. Lia

      Danke 🙂 Ich kann das auf der einen Seite schon nachvollziehen. Wie erwähnt, viele suggerieren Übergewicht – und gerade massives Übergewicht – mit Faulheit, einem nicht gesunden Lebensstil etc., aber ich kenne auch die andere Seite. Wenn ich etwas will, dann ziehe ich das durch und rein körperlich ging es mir für das Gewicht wirklich noch gut, keine Rückenprobleme oder dergleichen. Natürlich wäre sowas vielleicht irgendwann hinzugekommen, die Frage wäre nur wann gewesen.

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  5. Renate

    Glaube ich dir glatt. Menschen sind so. Aber du kannst trotzdem Menschen dazu bringen, sich mit Kompetenz überzeugen. Ist natürlich schwierig, wenn du ihnen gegenüber als „Bittsteller“ um einen Ausbildungsplatz gegenüber stehst.
    Es wird garantiert nicht einfacher mit den Jahren.
    Was hast du in den letzten Jahren gemacht, außer dich zu bewerben und abzunehmen? Hast du dich weiter gebildet? Studiert? Selbstständig gemacht? Gebloggt oder gevloggt. Gereist? Gejobt? Hast du dich irgendwo sozial engagiert. Sonst was.
    Du hast doch nicht die ganze Zeit zu Hause gehockt und geschmollt.
    Wer so viel Grips im Kopf hat wie du, dazu schreiben kann und sich nicht aufgegeben hat, muss doch Alternativen zur klassischen Ausbildung sehen.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Liebe für deine Zukunft.

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  6. Lia

    @Fred M. Späth Dankeschön 🙂 Diese Erfahrung kann ich bestätigen, es ist gesellschaftlich wesentlich akzeptierter wenn ein Mann übergewichtig ist.
    Kaufmännische Ausbildungen sind begehrt und man hat sowieso schon genug Konkurrenz. Ich saß in einem Test drin, da waren 100 Auserwählte. Blöd nur, dass es nur einen Platz gab. Ergo: 99 Träume platzen. Aber das ist gängige Praxis leider 😦

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  7. antonio

    wollte mal fragen , im Buch steht drin, ab einen gewissen punkt ca 105 kg ,ging nichts mehr runter an gewicht ,sie sind dann zum Arzt haben blut checken lassen und dann Proteine genommen 15 g glaub ich und dann gingen die Kilos wieder runter, ich hab seit 01.01 bis jetzt ca 30 kg abgenommen von 140 kg runter ,und so wie es aussieht ,steht mein gewicht momentan, meine Frage wo kann ich so eine Untersuchung machen lassen oder was muss ich dem Arzt sagen ?weil mein Allgemeinarzt z.B sagt mir ich darf nur 0,5 kg max pro Woche abnehmen,und wenn der so schon anfängt , bis aus Bayern, wäre dankbar für tips will noch 20-25 kg noch abnehmen

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    1. Puh, schwierig. Meine Ärztin hat damals meine Abnahme unterstützt und wusste über meine Ernährung bescheid, so dass sie dann von sich aus die Bluttests gemacht hat, die sinnvoll waren. An sich macht das der Hausarzt, aber wenn der nicht mitmacht ist es natürlich ungünstig. Gibt es die Möglichkeit, den Hausarzt zu wechseln?

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  8. Mama Mamsie

    Hallo Lia, meine Tochter ist in einer ähnlichen Situation…..es tut mir unendlich leid, dass die Meisten einfach nur nach dem Äußeren beurteilt werden…..Versuch es bei den Kliniken…da habe ich bisher die besten Erfahrungen gemacht….ich wünsche dir viel Glück und ein dickes Fell…lass dich nicht zum Opfer machen….

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  9. claire

    Liebe Lia, danke für dein mutiges Teilen. Ich finde furchtbar was du erlebt hast und es macht mich traurig. Ich wünsche dir sehr, dass du bald deinen Platz findest! LG

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  10. Mona

    Hi Lia, ich kenn auch dieses Gefühl „Und mir rennt die Zeit davon mit 25.“ Das ist aber gar nicht so. Du machst dein Bestes und wenn es halt dauert, wie lang es dauert.
    Man kann auch mit 35 in den Beruf einsteigen. Du wirst es bestimmt früher schaffen, auch wenn du vielleicht doch auf einen anderen Beruf ausweichen musst. Ich habe mich auch gefragt, wieso du kein Studium machst, wobei es in dem Bereich vielleicht auch zu viele Konkurrenten gibt.
    Ich kenn sogar Leute, die mit über 40 Jahren noch Ausbildungen oder Umschuldungen gemacht haben und ihren Berufseinstieg geschafft haben. (Weil deren Ausbildung aus dem Ausland nicht anerkannt wurde, haben sie etwas komplett anderes gemacht, was thematisch überhaupt nicht mit ihrem vorherigen Leben zusammenhängt und trotzdem geht es irgendwie.)
    Alles Gute!

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    1. Lia

      Hallo Mona, das mit dem Studium ist eine berechtigte Frage, leider darf ich nicht studieren. Ich habe die Schule mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife verlassen, um studieren zu können muss ich den praktischen Teil erlangen. Hört sich einfach an – ist es aber nicht, denn ich kann diesen nur a) durch eine mind. 2 jährige Ausbildung oder b) ein einjähriges Praktikum mit lustigen Bedingungen erlangen.

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      1. Lia

        Nein, das ist nicht so einfach. Ich habe schon alles durch an Möglichkeiten. Und sowieso, ich möchte endlich eine Ausbildung machen und eine Chance bekommen anstatt festzuhängen.

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  11. annesch

    Liebe Lia, danke für Deinen Bericht, ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft! Ich kenne dieses Gefühl des sich schließenden Zeitfensters sehr gut… Ich habe mehrere Freundinnen, die zehn bis fünfzehn Jahre älter sind als ich, und das war eigentlich immer sehr hilfreich, wenn sie mir im Gespräch vermittelten: Hey, aus der Perspektive einer älteren Person, die viele Lebenswege/Berufswege beobachtet hat, die nicht dem Standard entsprechen, sieht alles nur halb so schlimm aus. Heutzutage haben Lebensläufe generell mehr Brüche und viele arbeiten später in einem anderen Bereich als in dem, in dem sie ursprünglich angefangen haben.
    Aber ich kann trotzdem total den Wunsch verstehen, endlich die erste Startmöglichkeit zu bekommen und etwas Konkretes zu haben.

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    1. Lia

      Hallo annesch, das hast du vermutlich recht. Dennoch ist es nicht schön in dieser Warteschleife mit unangeahnten Ausgang festzuhängen. Der Druck von Außen kommt auch noch hinzu, viele Menschen um mich herum sind der Meinung ich sei ein absoluter Exot ohne Gleichgesinnte auf dieser Welt

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      1. Mona

        Du bist ganz sicher kein Exot. Die ganzen Leute in deiner Situation sagen das einfach nicht, wenn sie neue Menschen kennen lernen: Ach übrigens, ich bin x Jahre alt und habe noch keinen Beruf, obwohl ich geplant habe schon vor y Jahren den Berufseinstieg gemacht zu haben.

        Außerdem ist es total egal, was die anderen denken. Das kannst du sowieso nicht ändern. Sollen sie doch denken, was sie wollen. Wichtig ist, was du selbst denkst und machst.

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  12. Hallo, ich kann nichts versprechen, aber wenn Lia mag, kann sie mich gerne kontaktieren. Ich bin Ausbildungskoordinatorin bei der TARGO Dienstleistungs GmbH und wir bilden Kaufleute für Büromanagement aus. Einsatzort ist Duisburg. Lia müsste es natürlich durch ein paar formelle Stufen schaffen und dann auch in der Bewerberrunde überzeugen, aber ich kann ihr versprechen, dass wir auf vieles achten, aber nicht auf das Aussehen ☺️ liebe Grüße Julia

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  13. Tejo

    Hallo Lia,
    danke, dass du darüber so offen sprichst. Dass du nicht aufgibst sondern kämpfst, macht mir (und sicher auch anderen) Mut 🙂
    Es ist wirklich schade, dass du auf soviele unprofessionelle Unternehmen getroffen bist. Leute, die so mit Bewerbern, und Menschen allgemein, umgehen, sind menschlich verkümmert und häufig sind das aus meiner Erfahrung auch Betriebe, in denen man nicht arbeiten will. Nicht mit solchen Leuten, und nicht in so einer Organisationskultur.

    Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg! Ich drücke dir die Daumen!

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    1. Lia

      Guten Morgen Tejo, da stimme ich zu. Ich habe diverse Unternehmen kennen gelernt, bei denen ich mir im Nachhinein dachte, dass es besser gewesen ist eine Absage zu erhalten. Bei einigen kann ich mir nichtmal mehr Vorstellen überhaupt Kunde zu sein.
      Man muss aber auch sagen, dass es auch faire Unternehmen gab 🙂 es gehört einfach auch etwas Glück dazu

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  14. moneswelt

    Ich kann die Erfahrungen von Lia auch bestätigen. Ich hatte bei Höchstgewicht bereits einen Job, wurde jedoch nie für Beförderungen in Betracht gezogen, da „zu weich“ (Blödsinn, also wohl Schublade). Bereits bei meiner ersten grösseren Abnahme folgte direkt eine Beförderung.
    Das Gewicht hielt ich leider nicht.
    Wegen der dann wieder folgenden Vorverurteilung hab ich gewechselt. Zu einem Chef, den ich ziemlich Schubladen-frei eingeschätzt hätte.
    Was soll ich sagen – wieder abgenommen, diesmal deutlich mehr. Letzte Woche kam die Beförderung, im Gespräch wurde die Abnahme sogar mit als Grund genannt …
    Anscheinend ist vorurteilsfreiheit ein Traum :/

    Alles Gute, Lia!

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    1. Lia

      Guten Morgen 🙂 Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung. Das macht mir Hoffnung, dass das mit immer weiter sinkenden Gewicht leichter wird.
      Ein Platz reicht ja schließlich 😉

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  15. Ach mensch.
    Ich bin mit 122kg (davon schon das ein oder andere Schangerschaftskilo) auch ziemlich dick, allerdings gut verteilt auf 1,83m
    Bisher hatte ich zum Glück nie so viel Pech mit Arbeitsstellen, bin aber auch nicht so qualifiziert, hab einen ganz normalen mittleren Beruf würde ich sagen. Ich habe aber auch wirklich sehr sehr selten schlechte erfahrungen gemacht, ob das an meinem guten Selbstbewusstsein liegt weis ich nicht genau.

    Ich bin leider durch eine Krankheit dick geworden aber interessant zu sehen ist das ich am Anfang der Schwangerschaft tatsächlich 10kg abgenommen habe, warum weis ich nicht denn keine Diät vorher hat auch nur ein einziges Kilo purzeln lassen. Auch das Wasser in meinen Beinen bleibt bis jetzt (toitoitoi es kommt ja noch der Sommer) weg. Ich habe also Hoffnung das sich vielleicht die Hormone so durcheinander schütteln das ich wenn das Baby da ist endlich einige Kilos abarbeiten kann.

    Ich höre mich um bezüglich der Arbeit und wünsche dir alles alles gute ❤

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  16. chantyla

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich weiß, wie Du dich fühlst, Lia. Ich hatte damals mit 18/19 nach meinem Fachabi auch einen recht holprigen Start. Ich habe es nicht so genau mitbekommen wie Du, dass es an meinem Gewicht lag, gehe aber bei einigen Sachen davon aus. Wenn ich mich da an ein Vorstellungsgespräch erinnere, denke ich an die abfälligen Blicke – das war schon fast arrogant Ich bin 1,78 m groß und weiß nicht, wie viel ich damals gewogen habe, sicherlich mehr als heute. Ich schätze so an die 140 kg vielleicht.

    Nach meinem Fachabi in Medientechnik wollte ich erst auch logischerweise in diesem Bereich, bin dann aber aufgrund von Mangel an Angeboten (zumindest zu der Zeit) möglichst schnell in den Kaufmännischen Bereich gewechselt mit den Bewerbungen. Eine Zeit lang tat sich gar nichts, bis ich dann plötzlich wieder eine Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen habe. Der Ausbilder war selber sehr übergewichtig und da dachte ich unterbewusst noch „Na, das wird ja dann wohl doch hoffentlich kein Problem sein“. Ist mir aber beim Lesen des Artikels erst aufgefallen, dass ich damals unterbewusst gewusst habe, woran es sicherlich gelegen haben muss. Ich bin dann noch im Oktober – also nach ursprünglichen Ausbildungsbeginn im August/September hereingerutscht. Mein Gewicht war und ist auch heute nie ein Thema gewesen, jetzt freuen und unterstützen mich alle beim abnehmen.

    Ich hoffe sehr für Dich, Lia, dass es bald etwas wird. Vielleicht hast Du Glück und es kommt ganz schnell und auf einmal etwas, so wie es bei mir der Fall war. Ich würde dir es auf jeden Fall von ganzem Herzen wünschen.

    Erst vor kurzem habe ich mich auch noch mit der Situation auseinander gesetzt was Vorurteile usw. betrifft, da ich bald meinen Ausbilderschein mache.

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    1. Lia

      Hallo 🙂 Interessanterweise war es gerade ein sehr korpulenter Herr einer Versicherung, der spitze Bemerkungen machte – obwohl er deutlich im Glashaus saß. Oder eine Steuerberaterin, Sie führte ein einstündiges Gespräch – mein Vortrag wäre besser – darüber, dass Ernährung und Sport ja ihr Steckenpferd seien, wie schlimm Bauchfett ist, was ich nicht essen dürfte etc. -> auch sie war garantiert gewichtstechnisch im leichten Übergewicht.

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  17. Ygg

    Ich fühle mich auf der einen Seite richtig traurig nach dem Lesen dieser Odyssee und auf der anderen wütend. Und weil ich keine Medaille bin, Stelle ich mir auf der dritten Seite die Frage: wäre kein Studium für dich in Frage gekommen?

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  18. cratter13

    Ich kann dich so gut verstehen, liebe Lia. Deine Geschichte finde ich wirklich bestürzend und einfach unfassbar, dass du schon über 400 Bewerbungen geschrieben haben sollst.. Ich bin zwar erst Anfang 20, aber war während der Schulzeit ebenfalls extrem übergewichtig und hatte mich Vorurteilen zu kämpfen. Letztendlich konnte ich innerhalb der Abi-Phase dann abnehmen auf ein gesundes Normalgewicht, was mir wahrscheinlich deine negativen Erfahrungen erspart hat. Denn ich musste mich nur eine Handvoll mal bewerben und hab einen Platz für ein duales Studium erhalten, genau wie ich es wollte 🙂 Ich hoffe bei dir wird es weiterhin so gut laufen mit der Abnahme, dann läuft das auch mit dem Ausbildungsplatz noch, da bin ich mir sicher! ❤ Ganz viel Liebe, liebe Lia 🙂

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  19. Klopsmöhre

    Ich kann Lia’s Ausführungen sehr gut nachvollziehen. Ich bin eine studierte Frau. Nicht, weil ich unbedingt studieren wollte – sondern weil ich mit einem BMI von >40 keinen Ausbildungsplatz gefunden habe. Also wählte ich das Studium. Nach dem Abschluss habe ich zwar einen Job gefunden – aber nur als Hilfskraft. In meinem jetzigen Job in der öffentlichen Verwaltung wurde mir zunächst der unbefristete Vertrag verweigert. „Nehmen Sie erst ab.“ war die Bedingung. Ich stehe häufig in der Öffentlichkeit, und dass eine fette Frau die Firma repräsentiert passte manch einem nicht. Obwohl meine Leistungen stets super waren und meine direkten Vorgesetzten und die Personalvertretung sich für mich einsetzten, dauerte es eine ganze Weile, bis der Personalchef sich überzeugen ließ. Würde ich meine Arbeit nicht so lieben, hätte ich mich in der Zeit vermutlich nach was anderem umgesehen. Na ja, aber wer hätte schon eine Fette eingestellt?!

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  20. Stephan

    Liebe Lia,

    ich bin Personalchef in einem Industriekonzern. Ich kann Dir zwar zurzeit kein Angebot machen, aber wenn Du magst, können wir gemeinsam auf Deine Bewerbungsunterlagen schauen und überlegen, was sich da verbessern lässt?

    Ich​ zuversichtlich, dass Du was findest.

    Herzliche Grüße
    Stephan

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  21. JenBaer

    Hallo Lia,

    ich hatte nach dem Abitur das „Glück“ das man mir mein tatsächliches Gewicht nicht angesehen hat (gut verteilt und so…). Also nicht das volle „Ausmaß“. Als ich mich dann aber nach ein paar Jahren nach einem neuen Job umsehen wollte, wurde ich trotz Qualifikation und passendem Anforderungsprofil nie eingeladen. Headhunter (in meiner Branche normal) haben mich vielleicht 1-2 mal im Jahr, kontaktiert, aber es ging nie wirklich weiter.

    Zwischendrin war ich im Ausland für mein Masterstudium, als ich dann zurück kam liefen die Bewerbungsgespräche fast alle auf Empfehlung von ehemaligen Kollegen und vor allem Telefonisch. Daher kann ich nicht einschätzen ob sich da etwas geändert hat, denn meine Bewerbung war auf Englisch und dementsprechend ohne Foto.

    Im Februar habe ich dann allerdings ein neues Bewerbungsfoto auf Xing und LinkedIn gepostet, denn seit der Abnahme (habe mich aktuell halbiert) passte das alte Foto einfach nicht mehr zu mir. Seitdem schreiben mich jede Woche 1-3 Headhunter oder Personaler an und sind ernsthaft interessiert an mir. Auf Bewerbungen erhalten ich nun prozentual betrachtet deutlich mehr (60-70% im Vergleich zu 5% vor der Abnahme) Einladungen und das Einzige das sich verändert hat ist mein Bewerbungsfoto.

    Ich kann deine Erfahrungen daher unterschreiben und drücke dir die Daumen das du (und alle anderen in der gleichen Situation, denn du bist sicherlich kein Einzelfall) eine Chance bekommst.

    Herzliche Grüße,
    JenBaer

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  22. Hans

    Bei dicken Managern hat man diese Vorurteile typischerweise eher nicht, komisch …
    Aber ich kann die Sicht der Bewerber auch etwas verstehen. Rein statistisch wird der/die sehr übergewichtige Bewerber(in) vermutlich eher irgendwelche Probleme bekommen als jemand weniger übergewichtiges.

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  23. Doro

    Hallo Lia,

    ich kann Deine Probleme (und Deinen Kummer) gut nachvollziehen. Ich habe studiert, fand auch einen Job in dem mich zugleich wohl (die Arbeit hat mir Spaß gemacht) und unwohl fühlte: mein unmittelbarer Vorgesetzter hatte definitiv ein Problem mit mir als dicker Frau – nach einen erheblichen Abnahme (22kg) bot er mir dann plötzlich das Du an. Nachdem ich wieder zugenommen hatte (Frustfutterrn nach privater Trennung) wurde das Verhältnis wieder deutlich schlechter. Als Dicke gibt man einfach eine gute Zielscheibe ab. Im Zweifel ist es aus meiner Sicht sogar besser, dass Du nicht in diesen Betrieben, die Dich nicht mit Deinem Gewicht akzeptiert haben, gelandet bist – es wäre dort nicht einfach geworden. Aus meiner Erfahrung muss man als dicke Frau mehr als gut sein, um akzeptiert zu werden.

    Ich habe vor einigen Jahren erneut deutlich abgenommen und mich mit Mitte 40 noch einmal komplett beruflich verändert. Das ich das geschafft habe, liegt meiner Meinung nach auch daran, dass ich durch die Abnahme meine „Selbstwirksamkeit“ erkannt hatte (hätte ich aber damals nicht so benennen können) – und da habe ich mich getraut zu kündigen, ohne dass ich etwas Neues hatte. Einfach weil mich die damalige berufliche Situation so genervt hat. Im Nachhinein denke ich, dass mir in den folgenden Bewerbungsgesprächen nicht nur das „schlanke Foto“ geholfen hat, sondern auch eine gewisse Selbstgewissheit („ich schaff das“).

    Ich denke, Du schaffst das auch – mit jedem purzelnden Pfund wirst Du merken, dass Du etwas schaffst und das auch ausstrahlen. Mir ging es bei der wirklich unfairen Behandlung meins Vorsgesetzten damals so, dass ich fast dachte, es sei normal oder ich habe es „verdient“. Ich hatte einfach eine Opferausstrahlung.

    Als Vorgesetzte wäre mir eine 25-jährige Azubine, die engagiert und interessiert ist, deutlich lieber als eine 16-jährige, die auf Wunsch ihrer Eltern oder weil ihr nichts besseres eingefallen ist, die Ausbildung macht. Und im Übrigen hast Du recht, es liegen eh noch 50 Jahre bis zur Rente vor Dir!

    Herzlichst
    Doro

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  24. Tory

    Hey Lia,

    ich will dir gar nicht meine Lebensgeschichte hier aufschreiben oder gar wagen zu behaupten ich wüsste wie du dich fühlst, aber einen Teil der Geschichte verstehe ich dennoch sehr gut:
    Und zwar den Teil mit der weglaufenden Zeit.

    Ich bin jetzt 24, klingt im ersten Moment für die meisten hier ja noch nicht wirklich alt, aber ich habe auch noch keine Ausbildung fertig und hadere mal wieder mit mir ob ich gerade das richtige mache. Angefangen hat das Gefühl das ich zu langsam und irgendwie zu schlecht oder einfach nicht konform mit den gesellschaftlichen Normen gehe, als ich die zwölfte Klasse wiederholt habe, da ich merkte so schaffe ich das Abi nie im Leben. Tja blöde Idee so in Nachhinen betrachtet. Denn meine Klasse und mein Lehrer hätten mich irgendwie durchgeschleift da bin ich mir heute sicher. Im neuen Jahrgang sind alle (logischerweise) ein Jahr jünger. Man fühlt sich irgendwie alt und manchmal einfach fehl am Platz, da in der Altersklasse ein Jahr echt noch ne ganze Menge ausmacht. Nach weiteren anderthalb Jahren Schule hab ich dann auf Gutdeutsch gesagt auf die Schule geschissen. Es lief überhaupt nicht, was sowohl an mir als auch an zwei Lehrern lag. (Hauptsächlich jedoch wohl an mir. Leider.)
    Da ich auf einem allgemeinbildenden Gymnasium war, hatte ich zu meinem Glück nach Antrag die Fachhochschulreife und habe mich auf meinen Traumberuf beworben: Physiotherapie. Ausgrechnet jedoch aufs Studium… Tja ich hatte Glück, die wollten mich sogar nach dem Aufnahmetest noch. Was ich nicht wusste, eine private Uni nimmt jeden der es bezahlen kann und mit meinem aktuellen Zeugnis durfte ich so nicht studieren (Fachhochschulreife schulischer Teil). Also musste ich mir wohl oder übel irgendwas suchen wo ich praktischen Teil der Fachhochschulreife herbekam. Hab also ein FSJ im Klinikum gemacht. Im Nachhinein ein sehr lehrreiches Jahr, und habe seit dem nie wieder so wenig gewogen, da ich vor lauter Stress sehr viel abgenommen hab, aber rotzdem eins der schlimmsten meines Lebens. Studienplatz hatte ich ja aber plötzlich wollte ich den Beruf nicht mehr da ich seit dem FSJ Dinge über den Beruf wusste die mich entmutigt hatten, das jetzt noch zu studieren.
    Ich fühlte mich zu dem Zeitpunkt psychisch sehr ausgelaugt und wurde fuchsig weil alle meine Freunde Abi hatten und schon fast ein Jahr studiert und irgendwie alle was erreicdht hatten und ich war noch nicht mal ausgezogen. Ich wusste nicht mehr was ich wollte. Ich durfte zwar studieren aber ich wollte nicht mehr. Also haben mich meine Eltern zu einer speziellen Berfusberatung geschickt (für alle die es interessiert, da ich dort sehr gut beraten worden bin: Struss & Partner in Hamburg). Ich bekam eine Menge Vorschläge aber dank meines „Helfer-Syndroms“ sollte ich möglichst soziale Berufe meiden. Ich sah mich in meinen Erfahrungen vom FSJ bestätigt.
    Also fing auf deren Anraten eine Ausbilfung zur PTA(Pharmazeutisch-technische Assisstentin) an. Nach ungefähr einem dreiviertel Jahr merkte ich dann das mir die Weiterbildungsmöglichkeiten und die wenigen verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten (normale oder Krankenhausapotheke; an Forschungsplätze kommt man als PTA so gut wie gar nicht dran) einfach nicht reichen. Es machte mir zwar Spaß aber die Aussichten auf die Zukunft waren mir irgendwie nicht genug. Also nach langem Ringen mit mir selbst und den Hadern meinen ELtern davon zu erzählen, habe ich die Ausbildung schlussendlich abbrechen dürfen, unter der Bedingung etwas neues zu haben oder zumindest zu wissen was ich will.
    Damit war ich dann jetzt wieder bei der Physiotherapie, ich studiere es jetzt dual an der Hochschule bei der ich auch vorher schon meinen Studienplatz hatte und bin mit STudium überhaupt nicht zufrieden lieber aber meinen Beruf, was mich motiviert den Mist irgendwie duchzustehen. Nichtsdestotrotz bin ich die Zweitälteste im Studiengang und die einzige ältere hat schin Studium fertig. Das Gefühl ist wirklich ätzden da ich mit meinem ALter da wirklich einen ziemlichen Abstand zu den andren hinlege aber ich habe ja die ganze Zeit etwas gemacht. Ich habe weder meine Zeit vergeudet noch denke ich das die Erfahrungen die ich in dieser Zeit gesammelt habe schlecht waren. Natürlich gibt es Zeiten in denen ich hadere, besonders dann wenn ich mir die Laufbahn meiner Schwester angucke: Abi,Ausbildung mit Auszeichnung, Studium mit Auszeichnung und jetzt gutbezahlter Job mit berzfsbegleitendem Masterstudium. Aber dann denke ich an meinen Onkel der wusste auch nie so richtg was er wollte und war erst mit 30 fertig und wusste wo er hinwollte. Er aht noch mehr abgebrochen und neu angefangen und war ab einem punkt immer dre älteste und hatte wohl auch das gefühl ihm laufe die zeit davon, jedoch hat er nie aufgegeben und er hat auch alles was er wollte und ie zeit hat gerreicht. Ich bin in zwei Jahren fertig und bin dann 26, ich finde das shcon relativ alt aber man hat sich das ja nur bis zu einem bgrenzetn Anteil so ausgesucht. in deinem Fall kannst du da üerhaupt nichts für und ich hoffe das du dieses Jahr endlich eine Stelle bekommst in einer toleranten Fima! Ich für meine Teil habe jedoch leidlich erfahren müssen das die Schulzeit irgendwie nie aufhört und damit auch das Shubladen-Denken und die Intoleranz immer bleibt.
    Aber nur weil wir älter sind als die anderen Berufsanfänger, heißt das ja nicht das wir weniger wert sind. Deinen Wert wird hoffentlich bald jemand erkennen und ich hoffe du machst dir deine tickend Uhr nicht zu groß und zu schwer, denn so schlimm ist sie nicht.
    Und falls du noch Ideen brauchst wo du dich noch bewerben kannst, schau mal in Lübeck bei der Nordjob vorbei! Da kannst du dich sogar persönlich vorstellen und bei den meisten auch direkt deine Bewerbungsunterlagen da lassen. Sie findet am 13./14.06. in der MuK in Lübeck statt.

    Ich wünsche dir viel Glück und Erfolg im weiteren Leben und hoffe nicht zu sehr mit meinem Text genervt zu haben 😉

    Liebe Grüße Tory

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