Wie mittels Manipulation Manipulation unterstellt wird

Vor einigen Wochen erschien ein Artikel auf Deutschlandradio Kultur: „Schlankheitswahn: Wie ein großes Problem klein gerechnet wird

Darin echauffiert sich der Autor, Udo Pollmer, darüber, dass das Robert-Koch-Institut „Daten massiert“ habe:

Fast jedes zehnte Kind hat extremes Untergewicht

Dabei ist die Behauptung, das Übergewicht sei das größere Problem, unzutreffend: Denn inzwischen liegen aktuelle Daten der KiGGS-Studie vor, einer Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts. Demnach sind 4 % der Kinder adipös, also „fettsüchtig“. Aber doppelt so viele, gut 9 % weisen ein extremes, also lebensbedrohliches Untergewicht auf.

Doch ein solches Ergebnis passt überhaupt nicht ins Bild. Also wurden die Daten massiert. Begründung: Die Menschen würden ihr Gewicht nach unten schummeln. Bei Magersüchtigen gilt aber das Gegenteil. Sie halten sich für zu „fett“ – sie schummeln ihr Gewicht nach oben, um weiter hungern zu können. Das Robert-Koch-Institut hat nun die ermittelten 9 % (9,1%, Konfidenzintervall 7,7-10,6) nicht etwa nach oben korrigiert, sondern auf gut 2 % heruntergerechnet – womit die Katastrophe erst mal vertuscht wäre.

Das klingt ganz schön heftig, oder? Fast jedes zehnte Kind ist lebensbedrohlich untergewichtig, aber die Wissenschaftler vertuschen das!

Dazu gibt es gleich mehrere Punkte, auf die ich eingehen möchte. Zunächst habe ich eine der Forscherinnen an der KiGGS-Studie, Anna-Kristin Brettschneider, per E-Mail kontaktiert und sie zu den Vorwürfen von Herrn Pollmer befragt. Ihre Antwort:

Die Zahlen auf die sich Herr Pollmer bezieht, basieren auf Angaben von Eltern zu Körpergröße und Gewicht ihrer Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren, welche im Rahmen eines Telefoninterviews in der KiGGS Welle 1 (2009-11) erhoben wurden. Durch das Wachstum und die Weiterentwicklung ihrer Kinder sind die Eltern oft nicht auf dem aktuellen Stand, was Körpergröße und -gewicht betreffen und machen veraltete, geschätzte (oder auch wünschenswerte) Angaben, welche zu fehlerhaften Häufigkeiten von Über- und Untergewicht führen. Die Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas werden dann häufig unterschätzt und die für Untergewicht überschätzt. Dies wurde in einer vorherigen Arbeit mit Daten der KiGGS-Basiserhebung aus den Jahren 2003-2006, welche sowohl Eltern nach Körpergröße und -gewicht gefragt als auch Größe und Gewicht der Kinder gemessen hat, untersucht (http://www.mdpi.com/1660-4601/9/2/632).

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Korrektur der Angaben erforderlich ist. Dieses Korrekturverfahren wurde mit Daten der KiGGS-Basiserhebung entwickelt (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20616608).

In KiGGS Welle 1 wurden Messwerte zu Größe und Gewicht in einer Unterstichprobe erhoben. Auf Basis dieser Angaben war es möglich, das bereits entwickelte Verfahren anzuwenden und eine aktuelle Korrekturformel für KiGGS Welle 1 zu berechnen. Mit Hilfe dieser Formel wurden anschließend korrigierte Häufigkeiten für Untergewicht, Übergewicht und Adipositas berechnet.

Das Korrekturverfahren wurde nicht nur für die 4-10jährigen (http://link.springer.com/article/10.1007/s00431-017-2861-8), sondern auch für Selbstangaben von Jugendlichen im Alter von 11-17 Jahren durchgeführt und veröffentlicht (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26541820). In dieser Arbeit ist die Methodik der Korrektur auch noch etwas genauer beschrieben.

Wir raten von der Verwendung von Prävalenzen zu Untergewicht aus unkorrigierten Elternangaben zu Körpergröße und -gewicht – so wie in dem Beitrag erfolgt – ab, da sie zu einer Fehleinschätzung führen.

Um es kurz zu machen, die Forscher hatten eine zufällige Stichprobe genommen und die Kinder gemessen und gewogen. Diese realen Ergebnisse verglichen sie dann mit den Angaben, die die Eltern gemacht hatten und kamen zu dem Ergebnis, dass Eltern dazu neigen, den BMI ihrer Kinder zu unterschätzen. Wie es in der Wissenschaft üblich ist, wurde diese Stichprobe dann als Grundlage für den Rest genommen. Das ist weder ungewöhnlich noch legt es Betrug nahe, insbesondere nicht, wenn der Prozess vollkommen transparent nachvollziehbar gemacht wird. Das Verallgemeinern von einer zufälligen Stichprobe auf die übige Population ist im Prinzip der Kern des wissenschaftlichen Arbeitens.

Die Ergebnisse passen im übrigen zu den Ergebnissen anderer Studien. Ich zitiere kurz aus Fettlogik:

Dazu passt eine aktuelle Studie von Black et al. (2015) aus England, in der Eltern zum Gewicht ihrer Kinder befragt wurden: 80 Prozent der Eltern von übergewichtigen Kindern schätzten diese als normalgewichtig ein. Erst wenn das Kind bereits adipös war, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass die Eltern es zumindest als übergewichtig wahrnahmen. Von 369 Eltern schwer übergewichtiger Kinder gaben jedoch nur vier Elternpaare an, dass ihr Kind tatsächlich schwer übergewichtig sei.

Eine neue US-Studie (Duncan et al., 2015) fiel sogar noch drastischer aus: 95 Prozent der Eltern übergewichtiger Vorschüler waren der Meinung, das Gewicht ihrer Kinder sei »genau richtig«, und sogar fast 80 Prozent der Eltern, deren Kinder bereits adipös waren, vertraten noch diese Auffassung.

Also soweit alles vollkommen nachvollziehbar.

Im Gegensatz dazu, die Argumentation von Herrn Pollmer: Der ist sogar der Meinung, eigentlich hätte man – entgegen der oben genannten, nachvollziehbaren Begründung – nach oben korrigieren müssen:

„Bei Magersüchtigen gilt aber das Gegenteil. Sie halten sich für zu „fett“ – sie schummeln ihr Gewicht nach oben, um weiter hungern zu können. Das Robert-Koch-Institut hat nun die ermittelten 9 % (9,1%, Konfidenzintervall 7,7-10,6) nicht etwa nach oben korrigiert […]“

Klar? Pollmer deutet also an, dass sogar mehr als 9 % der Kinder lebensbedrohlich untergewichtig sein müssten, weil Magersüchtige ihr Gewicht eher nach oben schummeln.

Aber moment mal … wie kommt Pollmer jetzt eigentlich auf Magersucht? Ich zitiere an der Stelle mal aus dem „Handbuch Essstörungen und Adipositas“:

anorex

Tatsächlich ist Anorexia Nervosa bei Kindern äußerst selten und beginnt meist erst in der Pubertät. Die ganze Argumentation ergibt also absolut keinen Sinn: Weder gibt es Hinweise darauf, dass unter den 4 – 10 jährigen Kindern ein signifikanter Anteil an Magersucht erkrankt ist, noch würde dies für die Befragung der Eltern eine relevante Rolle spielen.

Und wie kommt der Autor eigentlich auf „lebensbedrohliches Untergewicht“?

Ähnlich wie bei Übergewicht gibt es auch bei Untergewicht verschiedene Abstufungen (Achtung, Tabelle ist für Erwachsene, nicht für Kinder, und dient nur zur Illustration der Kategorien):

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Untergewicht ist also keineswegs gleich „lebensbedrohlich“, vor allem nicht bei Kindern im Wachstum, wo ein besonders großer Wachstumsschub schon einmal dafür sorgen kann, dass ein Kind kurzfristig ins leichte Untergewicht rutscht. Auch leichtes Übergewicht ist für Kinder aus diesem Grund kein Anlass zur Besorgnis und Kinderärzte empfehlen üblicherweise, einfach abzuwarten, bis die Größe das Gewicht wieder einholt. Zu schreiben: „gut 9 % weisen ein extremes, also lebensbedrohliches Untergewicht auf“ und im Endeffekt zu suggerieren, (mehr als) jedes zehnte Kind sei akut vom Tode bedroht, ist schon mehr als nur ein bisschen manipulativ, wenn man bedenkt, dass die KiGGS-Studie nur eine einzige „Untergewicht“-Kategorie aufführt.

Überhaupt geht der Autor mit einer gewissen Selektivität an die Zahlen – was recht ironisch ist, angesichts der Tatsache, dass er eben dies in seinem Artikel Forschern unterstellt.

So zitiert er durchaus korrekt, dass jedes fünfte Kind Anzeichen einer Essstörung aufweist:

Die Zahl der an Essstörungen erkrankten Kinder steigt kontinuierlich. Nach den Ergebnissen des Robert-Koch-Institutes weist bereits jedes fünfte Kind erste Anzeichen einer Essstörung auf. Magersucht ist die tödlichste psychische Erkrankung. Zehn bis 15 % der betroffenen jungen Frauen sterben daran.

Tatsächlich steht auch in seiner Quelle:

Bei einem Fünftel der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren finden sich Hinweise auf ein gestörtes Essverhalten
Was er dann aber nicht erwähnt, ist der folgende Part aus der selben Quelle:
Der Body Mass Index (BMI, siehe Kapitel Übergewicht und Adipositas) von Kindern und Jugendlichen mit Hinweisen auf Essstörungen ist deutlich in Richtung Übergewicht verschoben (Tabelle 2.7.3.1, oberer Teil). So sind Heranwachsende, die Symptome von Essstörungen aufweisen, fast dreimal so häufig übergewichtig wie ihre Altersgenossen mit unauffälligem Essverhalten.

Statt dessen schwenkt er direkt nach dem Part mit dem „weist bereits jedes fünfte Kind erste Anzeichen einer Essstörung auf“ um auf: „Magersucht ist die tödlichste psychische Erkrankung. Zehn bis 15 % der betroffenen jungen Frauen sterben daran.“ und suggeriert damit, dass die 20 % gefährdet seien, an Magersucht zu erkranken, bzw. zu sterben.

Der ganze Artikel ist somit enorm manipulativ: Fakten werden weggelassen oder schlicht als Täuschung bezeichnet, ohne dass es dafür eine argumentative Basis gibt. Pollmer geht in keiner Weise auf die Methodik und die Gründe der Forscher ein, sondern unterstellt diesen, „das Ergebnis passt überhaupt nicht ins Bild. Also wurden die Daten massiert“, damit „die Katastrophe erst mal vertuscht wäre“.

Keine Frage: Es ist äußerst wichtig, Studienergebnisse kritisch zu lesen und zu hinterfragen. Doch genau dies pssiert hier eben nicht: Eine sachliche Kritik richtet sich auf Inhalte und Methoden und liefert Fakten und Begründungen, aber Pollmer wirft schlicht nur mit Unterstellungen und Verschwörungstheorien über Vertuschung und Datenmanipulation um sich.Das entspricht in keiner Weise seriöser (Wissenschafts-)Kritik – aber Deutschlandradio Kultur hat offensichtlich keinerlei Probleme damit, diesen Kommentar unkritisch zu veröffentlichen.

Und am Ende wird beklagt, dass Menschen das Vertrauen in Wissenschaft und Medien verlieren, während man gleichzeitig unfundiertes Wissenschaftsgebashe und Unterstellungen publiziert.

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48 Gedanken zu “Wie mittels Manipulation Manipulation unterstellt wird

  1. neptis

    Polmer ist mir schon bei anderen Themen (Bmi, Verbraucherschutz, Veggie-Kram) als extrem unsachlich und unredlich argumentierend aufgefallen. Ich bin deswegen dazu übergegangen, ihn als eine Art RL-Troll zu betrachten und nicht mehr ernst zu nehmen. Wieso an sich seriöse Medien wie der DLF ihm trotzdem ständig eine Plattform bieten, ist mir wirklich unverständlich. Wahrscheinlich weil Kontroverse Quote bringt, da sind die Inhalte dann auch egal. Eigentlich ein ziemliches Armutszeugnis.

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    1. Zaungast

      „schon bei anderen Themen als extrem unsachlich und unredlich argumentierend aufgefallen“

      Ging mir ganz genauso.

      Nun soll man Argumente ja ohne Ansehen der Person bewerten. Leider bleibt bei genauem Hinsehen von seinen Argumenten nichts übrig. Aber das stellt man erst fest, wenn man mühevoll den Quellen hintererherrecherchiert, wofür ich Nadja einmal mehr äußerst dankbar bin.

      Hier bitte knallige Zustimmung mit Textbausteinen wie „Treffer, versenkt“, „Chapeau!“ und „demontiert“ einfügen. 🙂

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  2. Pollmer ist Populist. Er sagt und schreibt das, was die Leute gerne hören wollen und liest demzufolge auch das aus Studien heraus, was ins Weltbild passt. Wer will wirklich hören, dass er dick ist, weil er zu viel isst? Wer will hören, dass er sein Kind überfüttert und es nicht dick sondern nur kräftig ist?
    Man könnte auch sagen, Pollmer ist die personifizierte Fettlogik 😉

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  3. Anna

    Ich kann mich nicht erinnern in Deutschland jemals ein stark untergewichtiges Kind auf der Straße gesehen zu haben. Oft sehr dünn wirkende, topfitte Kinder, die eben noch einen anderen Körperbau als Erwachsene haben – da kann ich mir schon vorstellen, dass der BMI Untergewicht anzeigen würde auch wenn eigentlich alles im Lot ist.

    Was mich wirklich daran stört, dass das so veröffentlich wurde ist, dass da offensichtlich niemand halbwegs gesunden Menschenverstand hat… (1) jeder kann auf der Straße sehen, dass nicht jedes zehnte Kind vom verhungern bedroht ist. (2) wenn so viele Kinder lebensbedrohlich untergewichtig wären, dann müssten doch eigentlich auch Kinder an Untergewicht sterben. Abgesehen von tragischen Vernachlässigungsfällen, die hin und wieder in den Zeitungen stehen, ist das glücklicherweise jedoch nicht der Fall. In Deutschland leben momentan etwas über 10 Millionen Kinder unter 14 Jahren, wenn davon 9% lebensbedrohlich untergewichtig wären, wäre 1 Millionen Kinder vom verhungern bedroht. Das ist (hier!) glücklicherweise absurd.

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    1. Christian

      Hallo Anna,

      du hast hier noch nie dürre Kinder gesehen? Mag ich fast nicht glauben. Ich kenne hier mehrere Mädchen, die fast nur aus Haut und Knochen bestehen und ganz viel Sport treiben. Muss nicht heißen, daß sie magersüchtig sind. Aber sie essen einfach nicht viel. Und nein, da ist nicht eigentlich alles im Lot. Ich war selbst die ersten 25 Jahre meines Lebens stark untergewichtig. Jeder dahergelaufene Darmvirus hat mich ins Bett befördert, weil der Körper Null Reserven hatte. Ich bin einfach umgefallen und musste wieder aufgepäppelt werden. Das ist nicht schön. Erst sehr viel später habe ich begriffen, wie oft ich hätte hopsgehen können, wenn ich nicht so fürsorgliche Eltern gehabt hätte. Und irgendwann habe ich dann auch herausgefunden, wie ich meine Ernährung umstellen muss, damit ich endlich zunehme. Und natürlich steht auf dem Totenschein dann nicht Untergewicht als Todesursache, sondern Darminfekt, Kreislaufversagen etc. (BRD 2015: 139 Todesfälle von Kindern von 5-15 Jahren wg. expliziter Mangelernährung, 4488 Todesfälle wg. Darminfektionen). Man darf das Thema m.E. nach nicht verharmlosen.

      Solange die Kinder für eine solche Studie nicht allesamt real gewogen und gemessen werden, kann niemand mit Gewissheit sagen, wieviele davon untergewichtig sind. Hier wird von beiden Seiten mit statistischen Methoden und Annahmen operiert. Beide können falsch liegen. Wenn ich mir Kinder auf dem Schulhof ansehe, würde ich persönlich von einem Prozentsatz von 5-10% ausgehen.

      Auch wenn Herr Pollmer vielleicht völlig falsch liegt mit seinen Annahmen, finde ich es gut, wenn das Thema Unterernährung mal thematisiert wird (einfach, weil ich selbst davon betroffen war). Überall wird das Thema Übergewicht und die langfristigen Folgen davon angesprochen, aber daß ein unterernährtes Kind innerhalb weniger Tage sterben kann, wenn es nicht gleich entsprechend behandelt wird, ist meiner Meinung nach zu wenig bekannt. Und da der öffentliche Fokus komplett auf den Übergewichtigen liegt mit Themen wie gesunde Ernährung, mehr Sport etc. fallen die Untergewichtigen aus der öffentlichen Wahrnehmung vollständig heraus. Und ohne öffentliche Wahrnehmung findet auch keine Sensibilisierung von Eltern und Lehrern für dieses Thema statt. Direkte Folge von Unterernährung ist z.B. Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Wie viele Schüler bräuchten vielleicht statt Nachhilfestunden einfach nur eine bessere Ernährung? Wo finde ich denn im Web Anleitungen und Rezepte für gesundes Zunehmen? Tatsache ist doch, daß sich beim Thema Ernährung alles immer nur um’s Abnehmen dreht. Die andere Richtung scheint nicht vorgesehen zu sein (außer bei Leistungssport/Bodybuilding, aber das ist eine andere Baustelle).

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      1. Felix

        Verzeihung, aber genau die gleiche „gesunde Ernährung „, die nach der Diät von den (dann hoffentlich nicht mehr) Übergewichtigen eingehalten werden soll, kann von Untergewichtigen ebenfalls genutzt werden, um zuzunehmen.
        Wenn du das Buch gelesen hast, weißt du auch warum. 😉
        Kann deine Einschätzung der Häufigkeit übrigens überhaupt nicht teilen.
        Wie hier im Artikel beschrieben, gibt es ja auch Unterschiede innerhalb der Magersucht.

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  4. Magersucht ist gefährlich und Hinweise darauf zu erkennen ist wichtig. Leider sehe ich sehe/höre ich von vielen Fällen, bei denen Menschen sich beim BMI verschätzen. Menschen mit Normalgewicht Untergewicht unterstellen.

    Für mich hat das mit einer schwerer werdenden Bevölkerung und der Warnung vor den Gefahren des Übergewichts zu tun. Zum einen können Menschen nicht mehr einschätzen, in welchem Bereich „Normalgewicht“ ist, wenn viele schon im leichten Übergewicht hängen. Und dann ist der Übergewichtige Lebenswandel auch noch gefährlich.

    Da ist es doch tröstlich, dass es bei den schlanken – also den Gertenschlanken, — eigentlich bei den selten wahrgenommenen das hoch tödliche Risiko wohnt. Und als Elternteil füttert man doch lieber noch etwas zu, damit das Kind bloß nicht magersüchtig wird.

    Nein Obelix hat nur einen schweren Knochenbau und er ist nicht magersüchtig.

    Hat irgendetwas von populären Magerneid. 51% der Deutschen waren 2013 übergewichtig – ausreichend weit von Topmodell Maßen entfernt. Da beruhigt so ein Artikel – Denn über einen Fettwahn der Deutschen mag man sicher nicht schreiben – da bekommt man von 51% Gegenwind.

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    1. Mona

      @netsmurf
      Ein Kind wird doch nicht magersüchtig nur dadurch, dass die Eltern nicht zufüttern, oder? Es gibt viele untergewichtige Menschen, die nicht magersüchtig sind.

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      1. Werden sie nicht – und dann wäre das auch ein wenig hilfreicher Ansatz. Sie haben ja einen 3:1 Verhältnis zwischen Adipositas und Anorexia nervosa festgestellt. Die Wahrnehmung scheint schon so verschoben, dass Übergewicht nicht wahrgenommen oder akzeptiert zu sein scheint.

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  5. sternenmond75

    ….die bin immer wieder überrascht wie selektiv Studien gelesen werden können. Die KiGGS-Studie wurde ja nicht nur von Pollmer in bester “ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt“-Manier, sondern auch von Impfgegnern für ihre Zwecke mißbraucht, was wiederum fatale Folgen hat, wenn man die ganzen Masernbrutstätten betrachtet.

    Zum Thema untergewichtige Kinder: ich selber war bis zum Auszug aus dem Elternhaus eines. Betonung auf WAR. Ohne Magersucht. Nun haben wir zwei “baugleiche“ bald 9-Jährige Mädels zu Hause, die ebenso oft bzw. ich auf ihr Dünnsein angesprochen wurden (ausschließlich von Erwachsenen). Dabei sind in der Klasse einige offenbar übergewichtige Kinder, bei denen man die Augen fest verschließt. Dass genau diese Kids dann von anderen Kindern mit wirklich ätzenden Bemerkungen gehänselt werden, wird ignoriert. Da treffen Weltbilder/Wahrnehmungen aufeinander.

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  6. Der Name Pollmer sagte mir nichts, weshalb ich mal kurz nach ihm gesucht habe. In einem Artikel der FAZ steht er folgendermaßen zitiert: „Wir sind Säugetiere, das heißt, wir werden in anderen Säugetieren eher das finden, was unser Körper braucht, als in einer Staude am Wegesrand. Wenn Mütter sagen: Mein Kind bekommt weder Milch noch Fleisch, sondern Rohkost und Smoothies, dann frage ich mich, ob das Kind wohl von einer Gurke abstammt. Dann sind rohe Gurken sicher ein vollwertiges Lebensmittel.“ (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/udo-pollmer-im-portraet-der-veganerfresser-13497894.html )
    Man kann zu Veganismus stehen, wie man will – aber was ist das denn für eine Aussage? Eine Kuh ist ebenfalls ein Säugetier und sollte deshalb eher Fleisch als Gras fressen?

    Schon allein diese Aussage, diskreditiert den Mann völlig. Was ich bei meiner kurzen Recherche von ihm gelesen habe, bestätigt den ersten Anschein, dass er Selbstdarsteller und Populist ist (genau wie andere Populisten, geriert er sich damit, dass er vom „Etablissement“ abgelehnt wird, obwohl das gar nicht stimmt – er verdient mit seinen Thesen ja ein durchaus gutes Einkommen).

    Danke für’s Nachhaken.

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    1. Christian

      Das Zitat von Pollmer mag plakativ und überspitzt sein, drückt aber einen Fakt aus, den hier wohl einige nicht verstanden haben oder nicht wahr haben wollen: Bei der Nahrungsaufnahme geht es evolutionstechnisch gesehen vor allem um Effektivität (also darum, möglichst viel Energie aus möglichst wenig Nahrung zu ziehen). Und am effektivsten ernährt sich ein Organismus durch Aufnahme von Nährstoffen, die seinem eigenen Körperaufbau entsprechen und somit nur wenig Energie zur Umwandlung benötigen. Das trifft bei den Säugetieren auf alle Raubtiere und Allesfresser (dazu gehören wir Menschen) zu. Die Kuh (und andere Pflanzenfresser) haben einen Labmagen, Pansen etc. um pflanzliche Nahrung verarbeiten zu können. Wir Menschen haben das nicht. Dafür haben wir Kulturtechniken wie z.B. Kochen und Backen erfunden, welche es uns erlauben, mehr Energie aus Pflanzen zu ziehen, als es uns mit dem Essen von Rohkost möglich ist.

      Und selbst für die Kuh im Beispiel trifft Pollmers Aussage zu: Auch diese wird als Kind von ihrer Mutter gesäugt, also mit tierischen Fetten und Proteinen versorgt. Die ineffiziente Transformation von Pflanzenmaterial in die benötigten Baustoffe bzw. Energie ist nicht ausreichend, um den Bedarf eines Kalbes in der ersten Wachstumsphase zu decken. Und aus demselben Grund stillen wir unsere Babys, statt sie mit rohen Gurken zu füttern. Letztere liefern zwar ein paar Sekundärstoffe für unseren Körper, aber keinen nennenswerten Beitrag zu unserem Energiehaushalt.

      Herr Pollmer publiziert viel und lautstark, und er mag auch öfters mal daneben liegen. Bevor man jedoch einzelne Aussagen als „absurd“ abtut, sollte man ein wenig darüber nachdenken.

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      1. Wenn man so absurd „überspitzt“ formuliert, sollte man darüber nachdenken, wie es bei Lesern oder Hörern ankommt. Aber genau das scheint das Problem von Herrn Pollmer zu sein – er provoziert und um der Pointe willen, verzerrt er Fakten oder gibt sie verfälscht wieder.

        Und zwischen einer Gurke und einem kompletten Fleisch orientierten Nahrungsplan ist nochmal ein Unterschied, der es nicht verdient, auf solche plakative Weise darstellt zu werden.

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  7. Maren

    Das ist vor allem deshalb so frustrierend, weil jede/r, der/die mit offenen Augen durch die Öffentlichkeit geht, sehen kann, wie viele Kinder übergewichtig sind. Ich habe in den letzten Wochen mehrmals eine Gruppe von 7-9jährigen Grundschulkindern im Schwimmbad bemerkt, von denen hatte ungefähr jedes zweite deutliche Speckpolster, bei einigen Jungs faltete sich der Bauch sogar schon über die Badehose nach unten. Das lässt sich in der Altersgruppe weder mit „Babyspeck“ noch mit temporärem Übergewicht vor Wachstumsschüben schönreden. (Ich habe mich sogar zwischendurch gefragt, ob das eine gezielte Schwimmgruppe für übergewichtige Kinder war, aber dafür waren dann doch zu viele normal gebaute dabei.)

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  8. Pollmer hat halt seine Nische in der Medienwelt gefunden: Einerseits als Lebensmittelchemiker Experte was Nahrung angeht, andererseits dick und Gegner von Diäten, weil Abnehmen böse ist und schlanke Menschen eher ungesund leben. Ist eine verrückte Position und mit der verkauft er sich und seine Beiträge.

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  9. Alex

    Pollmer ist im Ernährungsbereich für die Medien das was Alice Schwarzer für Frauenrechte ist.
    Er lebt von seinen Provokationen- egal ob es sich dabei früher gegen Gifte im Essen oder heute gegen Vegetarier, Rohkost oder Vollkorn geht. Allerdings hat er nicht nur schlechte Sachen gemacht sondern war beispielsweise maßgeblich am Aufbau des Deutschen Zusatzstoffmuseums beteiligt.

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    1. DerTaran

      Alice Schwarzer war und ist eine der wichtigsten Vertreterinnen des deutschen Feminismus. Man mag ihre Thesen (und den Feminismus allgemein) mögen oder nicht, aber den Vergleich hat sie nicht verdient.

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      1. Yggdrasil

        Damit meinst Du hoffentlich nicht die Alice Schwarzer, die sich als Bildzeitungswerbetraegerin zur Verfuegung gestellt, Steuern hinterzogen und trotz Freispruch Joerg Kachelmann weiterhin der Vergewaltigung beschuldigt hat?

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      2. Alex

        Was Du so aus meinem Geschreibsel entnimmst 🙂 – ich hätte mich besser ausdrücken sollen: Der Vergleich bezieht sich ausschließlich auf die mediale Präsenz. Ich würde doch nie , niemals, nicht etwas Schlechtes über Alice, diese moralisch und rechtlich unangreifbare Lichtgestalt schreiben. Echt nicht.

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  10. Hallo Nadja! 🙂
    Seit gestern machen wir eine Abnehm Facebook Gruppe – und ich fände es klasse, wenn Du da reinschneien würdest! 🙂

    Du gehörst zu meinen Lieblings-Bloggern, hast den „Blog der Woche“-Preis abgeräumt und wärst ein wertvoller Bestandteil! 🙂

    https://www.facebook.com/groups/635696543282965/

    Viele Grüße,
    Marc 🙂

    PS: Den Kommentar musst nicht freischalten, wäre toll wenn DU kommst, das muss hier nicht als Werbung stehen.

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  11. IxChef

    Leider wird auch in der Forschung in Artikeln viel “schöngeredet“ und Rosinenpickerei betrieben, was da manchmal für Diskrepanzen zwischen dargestellten Resultats und Discussion bestehen, da stehen einem die Haare zu Berge.

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  12. Yggdrasil

    Hm, die zwanghafte Verteidigung des Dickseins von Hr. Pollmer ist vermutlich der eigenen Figur geschuldet, wird sicher auch bisschen Neid sein.

    Nichtsdestotrotz finde ich den Vorwurf, der Mann wuerde nur Polemik betreiben und haette keinen Plan von dem, was er erzaehlt, uebertrieben. Ich lese / sehe ihn gern. Das „Lexikon der populaeren Ernaehrungsirrtuemer“ ist aeusserst unterhaltsam (und basiert sicher nicht auf Luegen), und der Youtubekanal „Das Eule“ ist sehenswert.

    Unterm Strich: ich mag ihn. Einer muss ja 😉

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  13. Kari

    Ach ja, Udo Pollmer, der Garant für unsachliche, reißerische Statements zu Ernährungsfragen. Er polemisiert sich seit vielen Jahren durch die Öffentlichkeit und hat sich doch schon längst selbst disqualifiziert, jedesmal durch unhaltbare, aus der Luft gegriffene Thesen und verquere Behautungen. Es wäre besser, ihn einfach stillschweigend zu ignorieren. Vielleicht verschwindet er dann von alleine von der Bildfläche und es gäbe einen Ernährungsunlogiker weniger.
    Genervte Grüße von Kari

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  14. Wilhelm Stark

    Das erinnert mich doch total an meine Kindheit. „Kind, Du hast ja gar nichts auf den Rippen. “ „Das sind keine Fettaugen auf der Suppe, das sind KRAFTaugen“. Ich wäre auch als lebensbedrohlich untergewichtig durchgegangen.

    Aber ich bin im Gegensatz zu den wohlgenährten Kindern jeden Baum hochgenommen, ich konnte Klimmzüge und wurde beim Völkerball selten getroffen, weil ich schlicht und ergreifend zu quirlig war.

    Und alles ohne Schlankheitswahn, sondern aus purer Lust an Bewegung.

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  15. Da muss ich an meine eigene Kindheit denken und daran, wie mir meine etwas moppeligeren Freunde und manchmal sogar meine Mutter Vorhaltungen wegen meines „Untergewichts“ machten… Ich war als Kind und als Jugendliche immer sehr schlank, ohne irgendwie auf mein Gewicht zu achten. Gewichtsprobleme kamen bei mir erst mit dem Bürojob – und dann in die andere Richtung, ich habe einen katastrophalen Körperfettanteil, arbeite aber dank Ihres Buches schon daran 🙂

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  16. Abcdef

    Hm, aber das mit dem Veganismus und Kindern hat ja schon einen wahren Kern – Pollmer hat nur ein total dämliches Analogon benutzt.
    Vitamin B12-Mangel und dadurch verursachte Entwicklungsstörungen sind bei Kindern nicht gerade erstrebenswert.
    Dass Vitamin B12 bei Veganern fehlt, ist nun auch kein großes Geheimnis….

    Aber ansonsten: Du erinnerst mich etwas an Norbert Aust in einem anderen Bereich 😉

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    1. claire

      Wusstest du, dass in Deutschland bei vielen Menschen ein Vitamin B12mangel vorliegt, die sich weder vegetarisch noch vegan ernähren? Bei Veganern wird das reflexartig angesprochen, tatsächlich sind viel mehr Personen und auch Kinder betroffen.

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  17. Abcdef

    Kraaasss!
    Mein Sohn ist untergewichtig?!?

    Liegt wohl an zuviel Bewegung (Typ: Eichhörnchen) und zuwenig Süßigkeiten.
    Ich sollte wohl statt Apfel, Butterbrot und Wasser etwas Anderes in den Ranzen packen… 🙄

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  18. Ja, es ist schade, früher habe ich Pollmer gemocht, weil er hinterfragt und polarisiert, aber in den letzten Jahren ist er nur noch meh! dreht alles genauso blöd hin, wie es ihm passt – genauso wie das, was er früher kritisiert hat.

    Im Übrigen kann ich nur beipflichten, bezüglich der untergewichtigen Kinder – mein Sohn wird auch ab und zu etwas moppeliger (was bei ihm aber mittleres Normalgewicht bedeutet, aber ich bin ihn halt als Spargel gewohnt) – nur um dann einen Schuß in die Höhe zu machen und kurz ins Untergewicht (nur geschätzt, ich überprüfe das nicht) zu rutschen. Und ja – ich überprüfe nicht ständig Größe und Gewicht und würde daher wahrscheinlich auch verfälschte Angaben machen.

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  19. Abcdef

    Die Tabelle oben: kannst du vielleicht eine Altersabhängige Tabelle hinzufügen?
    Ansonsten hätte mein Sohn „Akutes Untergewicht“.
    Nach einem Internetrechner aber nur „Untergewicht“ und wenn man Messungenauigkeiten bzgl. Länge (halber Zentimeter) und Gewicht berücksichtigt (leere/volle Blase/Darm/Magen: halbes Kilogramm) ist er normalgewichtig.

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  20. Abcdef

    Da es im Text aber über Kinder geht, wäre eine Kindeetabelle nicht sinnvoller? Oder sprengt das den Rahmen/die Übersichtlichkeit? Oder verlinken?
    Ich habe glücklicherweise ja außerhalb geschaut, sonst wäre ich total erschrocken.
    Aber andererseits: der Kerl futtert, hat fast immer Zugang zum Essen und rennt halt rum wie ein Eichhörnchen. Da sieht man keinen Speck.

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  21. claire

    Ich hab mal den DLF angefragt und deinen Blogartikel weitergeleitet….bin gespannt ob es ein Feedback gibt?? PS: Wenn das noch Andere täten, wäre es toll!

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  22. Beltschazar

    Wenn ich Udo Pollmers Beiträge zu Ernährungsthemen lese, hinterlassen sie bei mir einen recht zwiespältigen Eindruck. Das liegt unter anderem daran, dass er Sachlichkeit allzu leichtfertig für eine gute Pointe opfert. Nicht selten folgt er bei seinen Äußerungen dem folgenden Schema:
    1. Nimm eine der „Säue“ die gerade durch’s Dorf getrieben werden!
    2. Behaupte das genaue Gegenteil!
    3. Benutze zum „Beiweis“ für 2. Studien so, wie ein Betrunkener einen
    Laternenpfahl verwendet – also eher zum Stützen als zur Erhellung.

    Oft ist das Ergebnis dann auch ganz unterhaltsam, besonders wenn es um auf einfachen „Wahrheiten“ beruhenden Ernährungs-Heilsversprechen (Rohkost, Paleo, Clean Eating, Detox, 5mal am Tag Obst, usw.) geht. Leider schießt seine Kritik durch derartige Zuspitzungen häufig über das Ziel hinaus. Das ist auch deshalb schade, da Pollmer durchaus über ein hohes Maß an
    Sachkenntnis verfügt.

    Abschließend möchte ich der Autorin des Blogs danken, dass sie sich die Mühe gemacht hat Pollmers Thesen sachlich zu wiederlegen und in einem angenehm lesbaren Artikel zusammenzufassen.

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