Niemanden interessiert dein Grundumsatz!

Ein Rant 🙂

Wann habt ihr euch eigentlich zuletzt hingesetzt, euch eure Lohnzettel und Kontoauszüge geschnappt, und berechnet, was genau eure absolut notwendigen Ausgaben sind, so wie Miete + Nebenkosten (die wirklich nötigen, nicht das verschwenderische Wolfühlheizen, sondern nur das „gerade so dass die Rohre nicht zufrieren“-heizen), Essen (nicht den Luxus-vorgeschnippelten-Fertigsalat sondern die Minimalbasics, mit denen man gerade so überlebt) und Kleidung (nicht die … ach, ihr wisst schon), etc…. um dann zu berechnen, nach wie viel Stunden Arbeitszeit im Monat ihr diese absolut notwendigen Ausgaben gedeckt habt?

Womöglich gar nicht? Ihr würdet euch vielleicht fragen, warum ihr etwas berechnen solltet, was lediglich absolut theoretisch ist, weil ihr ohnehin eure Wohnung auf 20° heizt und euch den guten Käse und frische Paprika gönnt, statt von Nudeln und Ketchup zu leben?

Genau so geht es mir mit dem Grundumsatz.

Der Grundumsatz, auch basale Stoffwechselrate genannt, ist eine Größe, die zur Charakterisierung des Stoffwechsels hauptsächlich beim Menschen verwendet wird: Sie ist diejenige Energiemenge, die der Körper pro Tag bei völliger Ruhe, bei Indifferenztemperatur (28 °C) und nüchtern (d. h. mit leerem Magen) zur Aufrechterhaltung seiner Funktionen benötigt.

Ich bin mir nicht sicher, wann der Grundumsatz zu dem heißesten Scheiß unter Abnehmern wurde, aber eins steht fest: Er ist der heißeste Scheiß unter Abnehmern.

Jeder, der was auf sich hält, wirft in einer Unterhaltung übers Abnehmen mal ein dezentes „Grundumsatz“ ein. Und allermeistens sieht das dann so aus:

„Der Grundumsatz ist das, was dein Körper mindestens braucht um die Organfunktion aufrecht zu erhalten. Deshalb darfst du auf keinen Fall weniger essen!“

Falls doch passiert eins der folgenden Dinge:

  • Stoffwechsel geht in den Hungermodus
  • irgendwas schlimmes mit den Organen
  • Tod

Das Wort „Grundumsatz“ ist inzwischen zu meinem absoluten Hasswort mutiert, noch vor „Hungermodus“ oder „Stoffwechsel ankurbeln“

Warum?

Weil es eines dieser Worte ist, das gerne verwendet wird, um Kompetenz zu suggerieren und dabei zu 99% genutzt wird, um Quatsch zu verbreiten.

Niemanden interessiert dein Grundumsatz.

Nichtmal deinen Körper interessiert dein Grundumsatz.

Schon wenn du morgens aus dem Bett aufstehst, hat sich das Thema Grundumsatz erledigt. Geschweige denn, wenn du deinen Kaffee und dein Frühstücksbrötchen zu dir nimmst. Wenn du nicht gerade als Komapatient bei 28° über Infusionen ernährt wirst, ist das Thema Grundumsatz völlig irrelevant.

Glaubt irgendwer ernsthaft, der Körper hat irgend einen Mechanismus, mit dem er trennt zwischen der Energie, die er braucht, um morgens die Beinmuskulatur dazu zu bringen, die Extremitäten aus dem Bett zu wuchten und der Energie, die er gleichzeitig für die Leberfunktion braucht? Oder dass er 60 Herzschläge als „Grundumsatz-Energie“ verbucht und die 20 Extraherzschläge fürs ins Bad laufen irgendwo unter „Extras“ führt? Wie sollte er die „Grundenergie“ von der Energie trennen, die er fortlaufend braucht, und warum zur Hölle sollte er das tun?

Der Grundumsatz ist eine rein theoretische Formel, die ganz nützlich ist als Basis um unseren Energiebedarf zu schätzen – wohlgemerkt: schätzen, denn zu 100% genau sind diese Formeln nicht. Ansonsten ist der Grundumsatz absolut irrelevant.

Dieser Wert sagt genau gar nichts. Es ist völlig egal, ob ihr darunter oder darüber esst. Das einzige was relevant ist, ist euer Gesamtumsatz, also das, was ihr tatsächlich den Tag über verbraucht. Wenn ihr relativ inaktiv seid, einen sitzenden Bürojob habt und euren Feierabend auf der Couch verbringt, mag euer Gesamtumsatz nur geringfügig über eurem Grundumsatz liegen. Seid ihr sehr aktiv, treibt vielleicht noch fordernden Sport, liegt euer Gesamtumsatz vielleicht doppelt so hoch oder noch höher als euer Grundumsatz.

DAS ist der Wert, der für euch interessant ist. Und den findet ihr am zuverlässigsten heraus, wenn ihr die Formeln als Basis nehmt und einige Wochen überprüft, ob ihr mit dieser Rechengrundlage mit eurer Bilanz hinkommt oder ob euer Verbrauch tatsächlich etwas höher oder niedriger liegt, gemessen an dem wie euer Gewicht sich hätte in dieser Zeit entwickeln müssen.

Das Wort „Grundumsatz“ könnt ihr vollständig aus eurem Vokabular streichen. Selbst Fettlogik käme ohne das Wort aus, denn dort kommt es nur 5x vor. Zugegebenermaßen empfehle ich, nach einem „Grundumsatzrechner“ zu googeln, was aber eher der Praktikabilität geschuldet war, denn bei „Verbrauchsrechner“ oder „Bedarfsrechner“ kommt alles mögliche und es gibt nach wie vor Menschen, die mit der googlesuche ihre Probleme haben.

Ich selbst habe meinen Grundumsatz übrigens tatsächlich erst irgendwann ganz am Ende meiner Abnahme mal berechnet. Ich hatte mich relativ zu Beginn bei fddb angemeldet, wo der Gesamtbedarf berechnet wird. Dieser Wert hat bei mir recht punktgenau getroffen und ich hatte nie Bedarf, andere Rechner auszuprobieren. Es ist also problemlos möglich, 85 kg abzunehmen, ohne seinen Grundumsatz auch nur zu kennen.

Es ist absolut unsinnig, eine imaginäre Linie zu ziehen, und sich um einen Wert zu drehen, der absolut keine praktische Relevanz für euren Körper besitzt. Es ergibt vor allem keinen Sinn, eine fixe Linie zu ziehen, und zu behaupten, diese habe irgend eine Aussagekraft – egal ob ihr im Alltag lediglich 200 kcal mehr verbraucht oder als Leistungssportler das dreifache darüberliegt – und euer Körper „weiß“ wenn ihr genau diese Energie, die er für seine Organe an einem inaktiven Tag bei 28° bräuchte, unterschreitet.

Euer Körper merkt, wenn ihm was fehlt. Wenn ihm ein Mineral oder ein Vitamin fehlt, oder wenn er zu wenig Proteine hat um Zellen zu reparieren. Aber euer Körper stellt nirgendwo eine mathematische Rechnung an, um einen theoretischen Wert zu ermitteln und irgendwas „runterzufahren“, wenn ihr darunter liegt.

Nachtrag: Bitte nicht noch mehr supernette, superlange und superdifferenzierte Mails. Nehmt doch so einen bewusst flapsigen Rant nicht ganz so bierernst 🙂 Natürlich kann man den Grundumsatz nützlich als Formel verwenden. Und ich hab‘ echt noch überlegt, ob ich dazuschreibe, dass der Text polemisch ist.

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39 Gedanken zu “Niemanden interessiert dein Grundumsatz!

  1. Daniel

    Ich verwende den Grundumsatz aus einem Grund sehr gerne:
    Er ist einfach zu berechnen (siehe die ganzen Online-Rechner) und wenn ich drunter liege, habe ich auf jedenfall ein Kaloriendefizit. Natürlich kann man dann auch mal drüber liegen und das ist nicht schlimm aber für ein zuverlässiges Defizit irgendwie nützlich.
    Und ich weiß, wenn ich einen Tag besonders aktiv war, habe ich auch ein besonders großes Defizit 😉 (Ich benutze auch die Abschätzung auf fddb, dachte aber immer dabei handle es sich lediglich um den Grundumsatz)

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    1. Klar, den Grundumsatz kann man gut als „Wenn ich darunter esse, habe ich auf jeden Fall ein Defizit“-Marke benutzen … aber je nach Aktivitätslevel kann das dann halt auch individuell recht viel oder deutlich zu wenig sein. Wer 3 Stunden Sport treibt und nur Grundumsatz isst, der wird schon deutlich das Defizit spüren … hingegen die kleine, inaktive Büroarbeiterin wird damit extrem langsam abnehmen.

      Aber ich weiß, was du meinst und hatte auch überlegt, das in den Artikel so reinzuschreiben^^

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  2. Verstehe Deinen Frust. Trotzdem finde ich den GU ganz praktisch. Zum einen sehe ich, wie er sich während meiner Veränderungen (mehr Muskeln, weniger Gewicht) zum Teil deutlich ändert, das ist motivierend. Und zum anderen zeigt er zB ziemlich deutlich auf, warum manche Menschen „essen können, was sie wollen“. Klar kommt noch mal Sport, Bewegung und Co dazu.

    Aber wenn ich dann sehe, dass Schatz schonmal einen Grundumsatz von 500 kcal mehr hat, bin ich zwar gefrustet aber ich kann das alles besser nachvollziehen … und er versteht endlich, warum ich inzwischen so extrem hart Kalorien zähle, um überhaupt noch abzunehmen … (eben genau, deswegen: weil man den Rest nicht berechnen kann. Klar bin ich der Sporler und Schatz eher inaktiv, aber Grundumsatz ist eben greifbar).

    Bin echt dankbar, dass die Fitnessbude mit Hilfe meiner Werte auf der Körperwaage recht genau berechnen kann.

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  3. Sandra

    Also ich habe auch online meinen Grundumsatz berechnet. Und zwar als Grenze, damit ich weiß wie viel ich essen „darf“. Mein Ziel waren mindestens 10 kg Verlust (Start 70 kg). Hab ich innerhalb von ca. 9 Monaten geschafft. Hab meist um die 800-1000 kcal zu mir genommen. Da 1300 meine „Grenze“ war. Außer Sonntags – da hab ich nicht gezählt xD
    Ich halte mein Gewicht von aktuell 57 kg seit ca. November letzten Jahres und überschlage nur grob die Kalorien am Tag und habe dabei immer noch die 1300 im Kopf (Bürojob) – es ist einfach praktisch etwas zu haben „bis wohin“ man zählen kann 😉

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  4. Jup, ergänzend zu Sandra: beim Abnehmen nehme ich den Grundumsatz als „das darf ich essen“ Klar ist das albern, weil es eine fiktive Zahl ist, die nicht wirklich was bringt. Aber umso höher ist meine Motivation, mich im Alltag zu bewegen. Weil ich weiß, dass jeder kleine Fingerschnipp beim Abnehmen helfen kann 🙂

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  5. Ich finde den Grundumsatz auch praktisch. Nicht in dem Ansatz, das ich diesen tatsächlich zwingend essen muss, aber eben wirklich als Anhaltspunkt, was ich auch essen darf ohne zwangsläufig zuzunehmen. Vor allen DIngen um später mein Gewicht zu halten und ein wenig mit dem Gesamtumsatz zu spielen. Den Leistungsumsatz und damit den Gesamtumsatz kann ich durch Bewegung beeinflussen, den Grundumsatz ja nicht wirklich. Der ist eben nicht so variabel und ändert sich langsam durch die Veränderung meines Körpergewichts. So habe ich einen fixen Anker und einen variablen Anteil und gefühlt mehr Flexibilität. Am Anfang steht ja immer ein statistisches Element.

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  6. So sehr ich fddb schätze und jedem in meiner Community empfehle – der Gesamtumsatz beim Rechner ist zu hoch, weil sie die veraltete Formel benutzen, die für Fabrikarbeiter aufgestellt wurde (Harris-Benedict). Für Büromenschen gilt seit langem Mifflin-St. Jeor.
    Weil die wenigen korrekten Rechner den User mit Soezialfragen überfordern, hab ich notgedrungen selbst einen programmiert:
    https://kochkatastrophen.blogspot.de/p/rechner-kalorien.html

    Viele Grüße, Marc 🙂

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    1. Hi Mark, bist Du sicher, dass dein Rechner funktioniert?
      Ich habe mal damit rumgespielt: 183cm, 83kg, 36m, 7h Schlafen, 17h Gehen und Stehende Tätigkeit: 2856 kcal.
      Also, den ganzen Tag auf den Beinen, ohne Pause –> 2856 kcal? Das kann nicht stimmen. Faktor 2 halte ich für wahrscheinlicher…. (Ok, die Formel berücksichtigen wahrscheinlich keine Edge-Cases…)

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      1. Mona

        fex1, kommt wohl drauf an, was man unter gehend/stehend versteht. Wenn ich im Urlaub den ganzen Tag auf den Beinen bin und schlendernd eine Stadt anschaue, dann kommt das ziemlich gut hin bei mir, wenn ich da 17 h stehen/gehen eintrage.

        Wenn ich Paketbotin wäre, würde das wohl gar nicht passen, weil das eine ganz andere Belastung ist. Für so ein normales an-der-Kasse-Stehen und Kunden bequatschen, müsste es doch gut passen (außer man ist die ganze Zeit unter Hektik und höherem Puls).

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      2. Mona

        Oder du hast überdurchschnittlich viel Muskulatur, sodass jede Bewegung bei dir mehr Wärme erzeugt und mehr Kalorien verbraucht? Irgendwie so.
        Weiß nicht wirklich, was da alles eine Rolle spielt und wie stark.

        Das Alter in der Formel repräsentiert ja irgendwie den Muskelanteil und verringert den Grundumsatz und damit den Gesamtumsatz mit steigendem Alter. Wenn du mehr Muskulatur hast als so ein Durchschnittsmensch in deinem Alter, dann musst du dich halt jünger machen. 😉

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      3. Mona

        Tut mir leid, dass ich so oft hintereinander schreibe. Mich interessiert diese Berechnung.

        Jetzt hab ich festgestellt, dass Sport mit ziemlich wenig eingeht. Ist wohl auch wie beim Gehen/Stehen: Für leichten Sport reicht das vielleicht, aber für normalen bis harten Sport nicht. Also kommt immer drauf an, was man drunter versteht.

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      4. Ja, Du kannst meinem mit dem hier vergleichen:
        http://diaethelfer.com/berechnung_grundumsatz_leistungsumsatz.jsp

        Den hatte ich immer empfohlen, der ist nur in der Bedienung ein bisschen komplizierter, weil man noch die richtige Formel (Mifflin-St.Jeor gilt für Büromenschen, Harris-Benedict für hart arbeitende Fabrikarbeiter) einstellen muss, sowie die Broca-Anpassung bei einem BMI > 30 (bei Dir also unnötig). Die beiden Schalter waren immer die Stolperstelle für die User, deshalb hab ich die Entscheidungen bei mir im Code hinterlegt.

        Bei beiden Rechnern kommt das gleiche raus, bis auf 4 kcal Unterschied wegen ner Rundung irgendwo.

        Du hast halt einen Grundumsatz von 1800 kcal, da ist normalerweise der Großteil des täglichen Verbrauchs. Darauf kommen nochmal 1050 kcal, was gar nicht mal so wenig ist.

        Im Beispiel meines Artikels liegt Max Mustermann bei 2000 kcal Grundumsatz und 600 kcal für zur Arbeit und zurück etc, ohne große Anstrengung kommt also auch nicht viel oben drauf. Der Körper ist sehr effizient im Kalorienverbrauch, wenn er sich bewegt, leider. Sonst wären wir alle nicht dick. 🙂

        Das Rechenbeispiel Max Mustermann für den Gesamtumsatz: https://kochkatastrophen.blogspot.de/2014/02/abnehmen-kalorien-teil-3.html

        Viele Grüße,
        Marc 🙂

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      5. Mona

        Ah, ich verstehe jetzt wieso da niedrigere Werte rauskommen als erwartet.

        In deinen beiden Links wird der PAL immer stark reduziert durch den Schlaf. Vielleicht macht man das so, aber ich sehe es so zum ersten mal.
        Ich kenne das so, dass man aus einer PAL-Tabelle raussucht, was auf einen zutrifft: nur Büro, nur Student, auch mal Sport usw.

        Wenn ich bei deinen beiden Links „anstrengende berufliche Tätigkeit“ wähle, aber da nur 17 h eintrage und 7 h Schlaf, dann bekommt man nicht den ganzen x2 Faktor. Der Wert, der für mich dann herauskommt, schaffe ich aber locker zu verbrauchen, wenn ich paar Stunden Spazieren gehe, 2 h Sport mache, und sonst nur am Schreibtisch rumsitze.
        Das heißt, wenn ich wirklich den ganzen Tag einer anstrengend körperlichen Arbeit nachgehen würde, würde ich viel mehr verbrauchen als eurer Maximum (mit 7 h Schlaf).

        Naja, zu niedrige berechnete Werte sind ja nicht schlimm, weil sie beim Abnehmen helfen. Ist nur blöd, wenn man nicht mehr abnehmen möchte und wirklich häufiger etwas Anstrengendes macht und für sein Alter eine gute Muskulatur hat, weil man unfreiwillig abnimmt, wenn man sich relativ genau an diese Zahlen hält.

        Nadja hat auch öfter geschrieben, dass sie durch Sport ziemlich viel verbrauchen kann. Ich gehe mal davon aus, dass sie dann trotzdem nicht 24 h durchgehend Sport macht, um ihre hohen Werte zu erreichen.

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      6. Mona: Ich finde es toll, dass Du wirklich dafür interessierst, das passiert mir ganz selten… 🙂

        1. Zu den Unterschieden allgemeine Tabelle (Bauarbeiter / Büromensch etc.) vs. den PAL mittels eines Tagesablaufes zu ermitteln, hab ich mal vorgerechnet, was das für einen Unterschied macht – im Beispiel liegt der Unterschied bei 300 kcal – pro Tag. Das bedeutet 300 g Abnahme oder eben nicht pro Woche. Es lohnt sich also, das mal genau aufzuschlüsseln.
        Das Beispiel findest Du hier: https://kochkatastrophen.blogspot.de/2014/02/abnehmen-kalorien-teil-3.html

        2. Der größte Faktor, der in den Grundbedarf eingeht, ist das Gewicht. Jemand, der sehr viel mehr Gewicht mit sich rumträgt, braucht einfach auch mehr Energie, um dieses Gewicht von A nach B zu tragen, das ist reine Physik. Falls Du also im Vergleich zum Fragesteller viele Kilos mehr hast, ist dein Grundbedarf allein schon viel höher.

        3. Dazu kommt ja noch, was deine Tätigkeit verbraucht – auch in diese Formel geht, natürlich, das Gewicht ein. Die Formel für den Verbrauch lautet:

        verbrannte Kalorien = Sportfaktor * Gewicht
        (Je nachdem, wie anstrengend der Sport ist, desto höher ist der Sportfaktor)

        Mehr dazu hier: https://kochkatastrophen.blogspot.de/2014/02/abnehmen-kalorien-teil-4.html

        4. Nadja hat im Buch geschrieben – UND ICH BIN DIR SO DANKBAR DAFÜR, NADJA!!! – dass es ihrer Erfahrung nach am meisten Sinn macht, bei der PAL-Berechnung den Sport nicht einfliessen zu lassen, sondern eben nach der Formel unter 3) separat abzuziehen und auf die Gesamtbedarfserhöhung durch Sport zu verzichten, denn dann wird er nämlich doppelt berechnet. (Nadja: Ich hatte das genauso in ersten Versionen meiner Artikel vorgeschlagen und bekam dann kräftig auf’s Maul, so könne ich das nicht machen, so macht das ja niemand!!)
        Das Problem ist, dass die Formeln für den Gesamtbedarf ursprünglich nicht dafür gedacht waren, dass da per App jemand noch klitzekleingenau Kalorien abzieht, die war als relativ genauer Daumenwert gedacht. Beides passt nicht so ganz zusammen. Aber lustigerweise macht das nicht wirklich was – die ganzen Ungenauigkeiten in den Rechnungen mitteln sich ziemlich gut weg und man hat ein System, mit dem man gut arbeiten kann. 🙂

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      7. Mona

        Sport wird bei dir gar nicht in den Gesamtumsatz reingerechnet? Dann finde ich die Benutzung des Begriffes Gesamtumsatz irreführend.

        Für mich bedeutet Gesamtumsatz wirklich alles, auch der Sport.

        Und für mich passt der allgemeine PAL ziemlich genau:
        – Wenn ich nicht aus dem Haus gehe und den ganzen Tag, am Schreibtisch oder auf dem Sofa bin, dann hab ich einen PAL von ca. 1,2.
        – Wenn ich an einem Tag viel unterwegs bin, sonst auch eher auf den Beinen und dann noch eine anstrengende Aktivität oder 1 bis 2 h Sport hinzukommt, dann hab ich einen PAL von ca. 1,8.
        Bei der Abnahme wusste ich, wenn ich unter 2000 esse (bei normaler Sportwoche und Arbeitswoche) dann werde ich sicher nicht zunehmen und mit unter 1700 kcal nehme ich ab. (Mit 1800 natprlich ab, aber da sist so wenig, dass ich es nach einem Monat noch nicht wirklich spüre oder sich die Zahl auf der Waage eindeutig verhält.) Noch genauere Zahlen haben für mich keinen praktischen Nutzen. Bei fddb z.B. hab ich im Profil nur einmal angegeben Schreibtischarbeit mit x-mal Sport pro Woche und danach nie irgendwelche Aktivitäten eingetragen und es passte. Ich bin am Ende den faulen weg gegangen, weil ich einen Tracker mit Pulsmessung habe, der berechnet das alles selbst für mich und ich muss gar nichts machen (das Ding tragen und den Akku laden).

        Mit deiner Methode beobachtest du dich wirklich ständig und versucht auch immer nachzuvollziehen wie viele Stunden du was gemacht hast, um es dann zu berechnen? Berechnest du den Gesamtumsatz jeden Tag neu? Oder eher jeden Monat?

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      8. Wenn sich das Gewicht ändert, muss man auch den Umsatz neu berechnen. Auch deine Sportapp muss dein Gewicht kennen, sonst kann sie nicht richtig rechnen.
        Die pulsmessung in den Geräten ist aber wohl ziemlich daneben, haben Tests gezeigt.
        Aber du hast recht, am ende zählt nur der Gewichtsverlust – wenn es nicht reicht, weniger essen und mehr bewegen. 🙂

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      9. Mona

        Ja, ich trage jeden Tag brav mein Gewicht ein.
        Wenn ich nur Papier und Stift als einzige Hilfsmittel hätte, würde ich wohl trotzdem den allgemeinen PAL nehmen und sagen an einem Tag die Woche ist der bei 1,8 an zwei Tagen bei 1,6, an drei bei 1,4 und an einem bei 1,2, dann würde ich das nur einmal die Woche machen mit dem dann aktuellen Gewicht. Und hätte für eine Woche meinen Durchschnitts-PAL von 1,5 und der bleibt für immer bis ich mal eine Woche krank im Bett liege oder sonst etwas Außergewöhnliches mache, wo ich es anpassen muss.

        Wenn du diese Genauigkeit auf die Stunden gerechnet brauchst, ist das für mich auch ok. 🙂

        Ich braucht die Genauigkeit nicht und deswegen ist es mir auch nicht so wichtig, dass der Puls immer korrekt angezeigt wird. (Die Tracker messen nicht alle gleich. Manche messen nur alle 10 Minuten mal für 60 Sekunden und schätzen den Rest, das wird dann ungenauer.) Die Kalorien stimmen ziemlich gut bei mir, natürlich nicht perfekt, aber meine Esseneintragungen sind bestimmt auch nicht perfekt.Viel Nutzen mit wenig Aufwand und ich bin glücklich.

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    2. Ich finds super, dass du den Sport aus dem PAL rauslässt. Mir persönlich war nie bewusst, dass der im PAL mitdrinnen ist, obwohl das ja Sinn macht. Eigentlich 😉
      Ich rechne den Sport extra, weil ich gerne den Vergleich habe: Wie weit wäre ich ohne Sport, wieweit mit.
      Ohne Sport ist bei mir ein PAL von 1,3 realistisch, mit komm ich auf 1,4 – 1,5 je nach Lust und Laune.

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  7. Moppelmama

    Hm… dass letztendlich allein der Gesamtumsatz entscheidend ist, leuchtet mir ja ein – doch um den zu kennen, muss ich doch wissen, wie hoch mein Grundverbrauch ist?
    Im Internet finde ich alle moeglichen Angaben zum Kalorienverbrauch bei 1 Stunde Radeln, 1 Stunde die Wand anmalen, aber wie hoch der Grundverbrauch ist, denn ich zu meinen durch „Bewegung und Arbeit“ verbrauchten Kalorien addieren muss? Keine Ahnung…
    Ich habe eine Weile nachgedacht, den Grundumsatz messen zu lassen (Spirometrie schimpft sich das glaube ich), mich schreckt aber der Preis. Bisher habe ich die trial and error – Methode angewandt, die mich zu dem Schluss bringt, mein Grundumsatz liegt wohl bei 1.400 Kalorien (somit uebrigens 300 kcal unter dem, was fddb mir prophezeit hat).

    Fuer mich persoenlich reicht diese trial and error-Methode jetzt aus, allerdings habe ich dadurch fast 3 Wochen „verloren“, in denen ich trotz gezielter Ernaehrung nicht nennenswert abnahm.

    Dass diese Messungen beim Arzt allerdings sehr genau sind, wage ich auch zu bezweifeln: Logisch waere fuer mich, dass der Grundverbrauch im Winter hoeher ist als im Sommer. Zudem sollte er sich ja auch dem sinkenden Koerpergewicht bei einer Diaet anpassen.

    Falls jemand diese Spirometrie schon mal hat durchfuehren lassen, waere ich am Ergebnis interessiert, also, ob es Abweichungen zu den Schätzungen gab oder nicht.
    Danke und viele Grueße,
    Moppelmama

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  8. Nach dem Grundumsatz wird der PAL, der Persönliche Aktivität Level, ermittelt. Klar, dass ein Bauarbeiter mehr Gesamtumsatz hat, als ein Büromensch. Also gibt man einen exemplarischen Tag an, wieviele Stunden man ungefähr was macht. Das ergibt einen Faktor, mit dem der Grundumsatz multipliziert wird, heraus kommt der Gesamtumsatz. Somit braucht man den Grundumsatz zur Errechnung des Gesamtumsatzes, danach ist er aber – genau wie im Artikel beschrieben, vollkommen irrelevant. Nur der Gesamtumsatz zählt.
    Bleibt man 500 kcal täglich unter dem Gesamtumsatz, nimmt man 500g pro Woche ab.
    Bleibt man 1000 kcal täglich unter dem Gesamtumsatz, nimmt man 1000g pro Woche ab.

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  9. mischdlfee

    Nun ja…ich hab ja nun kaum noch Stress auf irgendein Wort was die Loids verwenden …für mich ist das einfachste nur diesen Wert auszurechnen und drunter zu bleiben…und nö wenn ich weniger esse sterb ich nicht, ess ich mehr sterb ich auch nicht… Worte sind weder gut noch böse auch Kalorien sind weder gut noch böse.
    Das ist und bleibt die größte Erleichterung, dass ich den Emotinalen Shice weder glauben muss sondern schön nüchtern das Abnehmen eine einfache Rechnung ist. So himmlish…
    Lg fee

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  10. derheikocom

    Danke für die Argumentation. Dieses Gespräch hatte ich neulich im Büro und mir fehlten etwas die Gegenargumente. Jetzt weiß ich für das nächste mal bescheid 😉

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  11. Mona

    Super Rant!
    Ich gebe gern meine Werte in irgendwelche Bedarfsrechner ein und glaube nur denen, die zu meiner Wirklichkeit passen: Wenn ich immer nur rumsitze und täglich mehr als 1600 kcal futtere, dann nehme ich zu. Wenn ich bisschen Bewegung und Sport mache, dann kann ich halt 2000 kcal essen usw.

    Ich vergleiche aus Neugier trotzdem die Werte, die aus dem Rechner kommen oder aus meinem Fitnesstracker oder durch meine Essensaufnahme und Gewichts-zu/ab-nahme. Ich bin jetzt nach 6 Jahren Rechnerei da angekommen, dass bei BMI 21 mein Grundumsatz irgendwo zwischen 1100 und 1500 kcal liegt. 😀
    Total Wurst.

    Das nervt echt dolle, wenn jemand gern abnehmen möchte und mich dann anspricht und sagt „Ich hab heute weniger gegessen als den Grundumsatz. Jetzt muss ich noch XYZ essen, aber ich hab gar keinen Hunger.“ Wenn ich sage „lass das doch sein mit dem Essen müssen, wenn du sowieso satt bist“, dann kommt „Aber dann nehme ich doch gar nicht ab! Man DARF nicht unter dem Grundumsatz essen, sonst mache ich meine Abnahme kaputt.“

    Zu irgendwo oben: 1 h Radfahren verbraucht so und so viel und was man so für Werte im Internet finden.
    Das finde ich total doof, weil nicht jeder gleich Rad fährt, je nach Steigung, Geschwindigkeit, eigenem Gewicht, Muskelanteil usw. verbraucht auch jeder etwas anderen in 1 h Radfahren.
    Wie diese Zahlen aus den Medien: 30 min Sex oder Küssen verbrauchen x Kalorien. Blöd, das hängt von so vielen Parametern ab.
    Es lohnt nicht mal das zu notieren
    Ich hab jetzt 15 Minuten die Spülmaschine ausgeräumt, das war anstrengend. Ich finde die Aktivität in der Liste nicht, dann sage ich mal, da hab ich bestimmt so viel verbraucht, wie bei Zumba oder so. Man kann sich damit so extrem belügen und wirklich glauben, dass man immer ein hohes Defizit hat ohne abzunehmen. Kaputter Stoffwechsel! 😉

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  12. Mariam Mumina

    Ach ich mag das mit dem Grundumsatz…ich weiß, wenn ich nur so viel esse werde ich auf jeden Fall abnehmen, mehr oder weniger langsam, aber auf jeden Fall. Bin ja jetzt am Gewicht halten, aber wenn ich mal einen Grundumsatztag einlege, kann ich kleine Sünden ausgleichen, ohne dass ich das Gefühl habe Hunger leiden zu müssen.

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  13. bcg

    Mich als Zahlenfan (und Nat.Wiss) interessiert mein Grundumsatz genau dann, wenn ich mit Kalorientracking abnehmen will.
    Neulich hat mir ein DXA-Scan nochmals die Augen geöffnet. 45 kg schlanke Masse und 31 kg Fett!

    Grundumsatz Formel = 370 + (21.6 X schlanke Masse in kg)
    => für mich:
    1342 kcal BMR
    *1,2 = 1610
    *1,3 = 1744 —> diese Zahl deckte sich ziemlich exakt mit meinen Daten von Jan/Feb 2017, gewichtstabil bei 1750 kcal
    *1,4 = 1879

    Alle Rechnungen basierend auf meinem Gesamtgewicht sind höher und landen eher so bei 2000 kcal Gesamtumsatz.

    Daher habe ich jetzt meine Kalorien/Tag im Schnitt auf 1200 kcal runtergedreht und siehe da, es passiert wieder was.

    Mein Fazit: MIR hilft es, solche Zahlen zu haben, weil ich mir damit nicht so in die Tasche lügen kann. Das kann für andere Leute ganz anders sein. Generell gilt: wenn sich so gar nichts auf der Waage tut, isst man zuviel. Egal was die Kalkulationen sagen. Das wüsste ich auch ohne DXA, aber anscheinend reichte das nicht als Motivation bei mir für die nächste Diätrunde.

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    1. Mona

      Ich lass mich nur röntgen, wenn ich Probleme hab. Das sind meist kleine Bereiche und der Rest wird abgeschirmt.
      Wie kommt man auf die Idee seinen kompletten Körper zu röntgen, wenn man sich normalerweise so gut es geht von Röntgenstrahlung abschirmt?

      Merkt man nicht durch Abtasten schon, dass man zu viel Fett hat?
      Vielleicht sollte man so eine Patientenpuppe bauen, wo man dann durch Anfassen sich anschauen kann, wie viel Fett zu wenig ist, wie viel ok und wie viel zu viel ist. Ich glaub für Brustkrebs gibt es ja schon solche Modelle, wo man das Abtasten von Knötchen üben kann.

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      1. bcg

        Wie eklastik schreibt ist DXA nicht mit einer hohen Strahlenbelastung verbunden.
        Außerdem liefert es automatisch eine Aussage über die Knochendichte mit, was mit 47 in den Wechseljahren bei vorbelasteter Mutter mal ganz sinnvoll war zu wissen. Habe mir die Untersuchung daher selbst geschenkt (kostete 95 EUR als Selbstzahler).

        Klar kann man ungefähre %Körperfett auch über Waagen aller Art, über Kalipers oder über die Navi-Methode annähern. Alles schon gemacht.
        Allerdings war ich immer gut darin zu denken, ich hätte besonders viele Muskeln 😉 DXA liefert nicht nur Zahlen, an denen ich nicht vorbei komme, sondern auch noch ein hübsche frontale Grafik, wo man Knochen, Muskeln und Fettbereiche gut sieht. Für mich war das wichtig. YMMV (your mileage may vary – bei dir mag das anders sein).

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      2. Mona

        Ich kenne nur niemanden, der das mal gemacht hat. Deswegen hab ich gefragt.
        Danke für die Infos! Wenn man außer den Zahlen sogar eine Grafik bekommt, ist das natürlich eine sehr attraktive Methode.

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  14. Gabfri

    Dieser Artikel oder auch Beitrag trifft es sowas von auf den Punkt!
    Wir denken ja immer, dass unser Körper auch denkt … tut er aber nicht ! Er funktioniert , mal besser, mal weniger !
    Und rechnen kann er leider trotz der Evolution immer noch nicht .
    Schöne Ostern 🐣

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  15. Katja

    Das Lustige an der weniger-Kalorien-als-der-Grundumsatz-Sache ist eigentlich, dass sie suggeriert, dass der Körper für Defizite überhalb des Grundumsatzes wunderbar auf Fettreserven zugreifen kann. Sobald man aber drunter kommt, vergisst er das, geht in den Selbstzerstörungsmodus und fängt an seine Organe zu fressen oder aus Trotz gar nichts mehr zu verbrennen. Oder beides. Ganz großes Kino 😀

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