Ben Hanscom, der dicke Chrakter in „Es“

Derzeit wird der Stephen King Klassiker „Es“ neu verfilmt. Die ursprüngliche Version stammt aus dem Jahr 1990, ist also inzwischen schon 27 Jahre alt.

Ein Leser hat mir nun eine Mail geschickt, in dem er auf das Thema „Wahrnehmungsverschiebung“ aufmerksam machte, und zwar anhand des Beispiels von Ben Hanscom, der die Rolle des „Dicken“ in der Jugendgruppe inne hat.

Wie Ben Hanscom sich verändert hat, sieht man im Fotovergleich. Ich habe versucht, relativ aussagekräftige Ganzkörperfotos aus der Zeit des Drehs zu finden:

benhanscom2

benhanscom

Was meint ihr: Ist Ben Hanscom ein Beispiel dafür, wie sich das Bild von Übergewicht in den letzten Jahren gewandelt hat? Ich kann mir vorstellen, dass der 1990er-Ben heute eher als „kräftig“ wahrgenommen würde und nicht unbedingt als „dick“ auffiele.

Was mir beim Durchsehen der Fotos auffiel war außerdem die Wahl der Kleidung. Ich weiß nicht, ob das generell der damaligen Mode geschuldet war oder ob die Darstellung des Charakters sich geändert hat, aber der frühere Ben Hanscom trug die klassischen kaschierenden Kleidungsstücke: gedeckte Farben, Hoodie, Flanellhemd, alles eine Nummer zu groß. Insgesamt eher unvorteilhaft und es passte zu seinem schüchternen Chrakter und dem generellen Unwohlfühlen mit seinem Gewicht.

Der aktuelle Ben Hanscom dagegen scheint eher bunte und eng anliegende Kleidung zu tragen. Ich bin ein bisschen gespannt darauf, wie sich sein Charakter im Film verhält und ob sein Problem mit seinem Übergewicht nach wie vor das zentrale Thema sein wird.

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29 Gedanken zu “Ben Hanscom, der dicke Chrakter in „Es“

  1. Tricky

    Schlabbrige, etwas zu weite Kleidung war tatsächlich damals durchaus Mode. Ich erinnere mich an meine Klamotten damals. Gut, ich war damals im oberen Normalgewicht an der Grenze zum Übergewicht (und wurde von vielen als „dick und fett“ angesprochen – die Wahrnehmung scheint sich also wirklich verschoben zu haben), aber generell trugen wir alle eher weite Klamotten. Aber das, was er da trägt, ist schon die Mode der sehr frühen 90er.

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  2. Henneline

    Ich bin mit allem einverstanden, nur nicht mit der Wahl der Kleidung :-). In den 90ern trug man oversize, wie man heute sagen würde: große schlabbrige Kleidung, Grunge und HipHop kamen gerade auf und alle trugen Flanellhemden und große Kapuzenpullis. Ich war in den 90ern Anfang 20 und ließ mir extra aus USA genau diese Kleidung mitbringen und hatte einen riesigen grauen Kapuzenpulli und ein Base Cap. Für meine Banklehre kaufte ich mir bei Stefanel zwar schicke, aber auch riesige Wollpullis. Die Klamotten gingen alle über den Po, bauchfrei kam erst danach. Ich war damals dünn bis normal gewichtig.

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  3. Jaein. Einerseits, ja, es ist ja auch in anderen FIlmen und Serien durchaus offensichtlich dass das, was mal man als übermäßig dick und daher komisch wahrnahm galt, heute lediglich pummelig ist. Andererseits kommt der neue Ben an meine Vorstellung aus der Buchbeschreibung sehr viel näher heran. Dort wird er als sehr viel übergewichtiger beschrieben, als der Junge aus der Fernsehserie. Also würde ich das in dem Fall jetzt nicht auf die verschobene Wahrnehmung bedingt sehen sondern daran, dass der Film sich besser an das Buch hält.

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    1. Dem kann ich nur zustimmen. Der aktualisierte Charakter kommt dem Ben-Charakter des Buches näher. Dort wird er als immens fett beschrieben. Auch später, als er über seine „Verwandlung“ zu seinem dünneren Ich spricht, kommt das noch einmal gut zur Geltung. Im Buch legt Ben großen Wert darauf Seine Figur zu kaschieren und trug weitesgehend sehr weite Kleidung.
      Generell bin ich aber ganz bei dir: Die Wahrnehmung hat sich verschoben. Was früher als dick galt, geht heute als pummelig durch.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.

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    2. Andererseits wird im Buch auch regelmäßig erwähnt, dass Ben quasi nur weite Schlabberklamotten trägt. In dem Fall ist also der Film wieder vom Buch weg. Vielleicht (unbelegte Mutmaßung meinerseits, nicht mit Daten unterfüttert) soll mit der engeren Kleidung im neuen Film auch einfach das Übergewicht deutlicher hervorgehoben werden, es ist ja -zumindest im Buch, die Filme kenne ich nicht- ein relativ zentrales Thema.

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  4. austrianindublin

    Mir ist das auch schon mal bei der neuverfilmung vin Charly and the chocolate factory aufgefallen. Der Dicke Deutsche war damals auch nicht ganz so dick…
    IT werde ich mir aber kaum anschauen können, da ich mich beim Trailer schon „angeschissen“ hab 😀

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  5. Maren

    Da gab es schon mal Beispiele aus anderen Filmen, leider fällt mir natürlich gerade kein Titel ein, wo auch in der Neuverfilmung ein Charakter seeeehr viel dicker ist als im Original. Weiß jemand vielleicht, was ich meine? Es könnte um irgendwelche Kinderfilme aus den 1970ern oder so gegangen sein.

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  6. xepia

    Oh je, hab mich zu früh gefreut …

    Die Idee, die beiden Ben Hanscoms zu vergleichen, fand ich zunächst genial, weil in der Romanvorlage ja für die Teile, die in der Kindheit spielen, das Jahr (im wesentlichen) 1958 scheinbar fest vorgegeben ist. Demnach könnten so tatsächlich die „zeitgeistigen“ Wahrnehmungen ein und desselben übergewichtigen Kindes aus ein und derselben Zeit (1958) durch die 1990er- und die 2017er-Linse verglichen werden, dachte ich auch.

    Insofern hält sich die 1990er Verfilmung auch an die Vorlage. Bei der neuen passt das aber offenbar nicht mehr:

    „[Regisseur] Muschietti stated that the story has been moved forward, with the scenes with the young Losers Club shifting from the 1950s to the 1980s …“ (https://en.wikipedia.org/wiki/It_(2017_film)).

    So ändert sich neben dem Parameter „Darstellung/Wahrnehmung“ auch der Parameter „Dargestelltes“: ein übergewichtiger Junge in den 50er vs. den 80er Jahren. Der Vergleich, wie ich ihn verstanden habe (bzw. gerne gehabt hätte), wird damit bestenfalls viel komplizierter.

    Was allerdings gleich bleibt, ist, dass in beiden Verfilmungen grob 30 Jahre in die Vergangenheit geblickt wird.

    PS. In den 1990ern war ich figürlich und kleidungstechnisch ziemlich genau ein 1958er Ben Hanscom. Zur Zeit bin ich eher ein Ben Hanscom der 80er Jahre, aber weiterhin im Schlabberlook aus dunklen Tönen. :o)

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  7. Ich würde behaupten, dass die Kleidung eher zur Vorlage passt – die nun mal nicht in den 90ern, sondern den 50ern spielt. Diese langen Schlabbershirts und fast schon baggyartigen Jeans gab es in den 50ern nicht, so hätte man ein Kind nicht rumlaufen lassen, selbst wenn es was zu kaschieren hätte. Kindermode in den 50ern war sehr standardisiert und, vielleicht auch aufgrund der damals noch weniger unterschiedlichen Körperformen, durchaus eng geschnitten, gerade die Hemden. Man denke auch an die kurzen (Sport)Hosen aus der Zeit, die wirklich sehr knapp waren. Damals hat sich niemand über Sexualisierung durch Hotpants aufgeregt.

    Sein Gewicht wird hoffentlich eine große Rolle spielen, anders würde ja das Buch nicht funktionieren. Er ist aber immer noch schlanker, als ich ihn mir vorgestellt habe.

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    1. Naja, im Buch ist es ja so, dass Ben sich von seinem Taschengeld extraweite Jeans, Pullis und Hemden kauft bzw. sie sich wünscht, um seine Figur zu verstecken. Ich fand den „alten“ Ben auch schon immer übergewichtig genug. Zumindest so übergewichtig, dass er zwischen den sehr schlanken Kindern in den 50er heraussticht. Richtig „schlimm“ dick wird er ja erst in einer Zeit, in der der Film nicht mehr spielt.

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      1. Mir ist auch später eingefallen, dass zB sehr oft erwähnt wird, dass er sehr große Pullover trägt (auch bei Hitze), wobei ich glaube, dass das alles Erwachsenenkleidung ist.

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  8. Also, ich erinnere mich, dass ich damals, als ich den Film das erste Mal gesehen habe, auch gedacht habe, dass ich mir den Ben viel, viel dicker vorgestellt habe.
    Ich muss dazu auch sagen, dass ich 1988/89 ein Schuljahr in Florida verbracht habe – und schon damals gab es dort viele sehr dicke Jugendliche. Auch da wäre dieser Junge eher als „kräftig“ aber keineswegs dick oder fett aufgefallen.

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    1. paranoid android

      Eine solche Szene von Kinderdarstellern zu verlangen wäre sehr wahrscheinlich strafbar.
      Diesen bizarren Niveau-Tiefpunkt aus dem Buch werde ich aber wirklich am wenigsten vermissen. Wundere mich bis heute, was Stephen King da geraucht hat…

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      1. Ich finde die Szene durchaus gewagt, allerdings sind diese „Kinder“ zwischen elf und zwölf Jahren alt. Teilweise haben da auch heute schon einige ihre ersten sexuellen Erfahrungen. Zudem ist es einfach erzähltechnisch auf einer Metaebene interessant. Sie sind als Kinder runtergegangen, mussten erwachsen werden um zu überleben und gleichzeitig aber auch auf eine erwachsene Art ein neues Bündnis eingehen, um wieder heil rauszukommen. In der Verfilmung wird das wohl nicht nötig sein, denn diese geht ja gar nicht so tief auf die Dynamik und auf Symbole ein wie das Buch. Lustigerweise fand ich es gar nicht schlimm oder verstörend die Szene zu lesen. Ich hätte sie nicht erwartet, sie erschien bzw. erscheint mir weiterhin auf Grund der Handlung auf verschiedenen Ebenen aber durchaus logisch.

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  9. Mclane

    Das sich die Wahrnehmung geändert hat, ist mir erst vor einigen Wochen wieder aufgefallen. Ich habe eine alte Folge der Hitparade des ZDF aus Anfang der 70er gesehen. Besonders die
    Männer würden heute wohl durchgehend als extrem dünn empfunden werden. Ich kann mich nicht erinnern, dass das damals
    Irgendwie ein Thema war. Über meinen älteren Bruder wurde ab und zu gesagt er könne sich problemlos hinter einer Laterne verstecken. Ich hatte nicht das Gefühl dass das zu dieser Zeit irgendwie negativ besetzt war. Jedenfalls hat niemand das Wort Magersucht in den Mund genommen.

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  10. Hannah

    Doch, ich finde den alten Ben auch sehr dick!
    Ich bin Erzieherin und NOCH adipös. 25kg sind schon weg. Mir fallen dickere Kinder stark auf, vor allem, weil ich weiß, auf welche Körperstellen ich achten muss. Übergewicht fällt ja nicht nur optisch durch die Kleidergröße auf. Sondern auch durch veränderte Bewegungsabläufe. Da bin ich mitunter deutlich sensibler als normalgewichtige Kolleginnen. Vielleicht, weil ich es aus Erfahrung weiß, welch krasse Auswirkungen das haben kann?

    Ob sich etwas verschoben hat, kann ich nicht sagen. Ich weiß nur, dass das Thema bei Kindern viel zu entspannt gesehen wird.

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  11. Kat

    Ich finde diese Frage sehr schwierig, besonders weil ich eben erst bei den „fiftyshadesoffettlogik“ reingeschaut habe und wieder einmal erstaunt war, dass man den meisten Menschen ihr Über-/Gewicht nicht so ansieht: manche sehen z.B. mit 80kg „kräftig“ aus, andere sehen fast dünn aus, wieder anderen rollt sich der Speck bis an die Oberarme, alles eine Frage der Größe und Verteilung.

    Der „neue“ Ben hat z.B. ein sehr rundes Gesicht, das wirkt automatisch viel dicker. Man sollte das wohl nicht überinterpretieren. Gibt es denn einen echten Vergleich (Gewicht/Größe/BMI) zwischen den beiden Schauspielern? Außerdem sollte man nicht vergessen, dass grade in den 90er auch extremes Untergewicht sehr gehyped wurde, im Gegensatz z.B. den 80ern. Und da die 80er grade wieder im Kommen sind schlägt das Pendel wohl auch wieder mehr in diese Richtung.

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  12. Katja

    Naja, auch der alte Ben ist sehr dick, die Kleidung kaschiert das aber besser. Dazu kommt, dass der Schauspieler des alten Ben im Gesicht schlanker ist als der neue, die Frisur lässt sein Gesicht auch tendenziell länglicher aussehen. Der neue Ben ist im Gesicht grundsätzlich runder als der alte, seine Frisur betont das aber zusätzlich enorm. Die hektischen Flecken auch.
    Ich denke, man bräuchte objektive Daten. Den alten Ben sehe ich heute auch als stark übergewichtig, allerdings fällt das bei ihm erst auf den zweiten Blick so richtig auf. Wie gesagt: im Gesicht für sein Gewicht relativ schlank und Kleidung die besser kaschiert.

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  13. „I wasn’t really thinking of the sexual aspect of it. The book dealt with childhood and adulthood –1958 and Grown Ups. The grown ups don’t remember their childhood. None of us remember what we did as children–we think we do, but we don’t remember it as it really happened. Intuitively, the Losers knew they had to be together again. The sexual act connected childhood and adulthood. It’s another version of the glass tunnel that connects the children’s library and the adult library. Times have changed since I wrote that scene and there is now more sensitivity to those issues“ http://stephenking.com/xf/index.php?threads/steves-explanation-for-losers-sex-scene.444/

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  14. PippiLotta

    Ich kenne die Verfilmung/Serie nicht, aber kleidungstechnisch ist das was der „alte“ Ben trägt nicht kaschierend, sondern die typische Kleidung der 80er/90er. Ich hatte noch bis vor kurzem Shirts und Pullis aus der Zeit als Renovierungsklamotten in meinem Schrank, obwohl ich damals erst in der Grundschule war 😀
    In die Klamotten bin ich nie rein gewachsen, ich habe sogar Shirts/Hemden von meinem Vater ausgeliehen.

    Ansonsten schließe ich mich den anderen an, man sieht die beiden Jungs zwar nicht direkt nebeneinander, aber vom Maß des Übergewichtes würde ich beide in die gleiche Kategorie stecken. Andererseits wirkt der „neue“ Ben einfach dicker, da er ein runderes Gesicht und kaum Hals hat. Vermutlich hat das die Wahl der Besetzung mit beeinflusst.

    Beide tragen aber die typische Uniform für Jungs aus der Zeit der jeweiligen Verfilmung. Die 50er sieht man da gar nicht.

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  15. agi

    Um nochmal die Klamottenwahl aufzugreifen….ich war in den 90ern zunehmend🤣 übergewichtiger Teenager…und hatte natürlich Schlabbersachen an. Spätestens ab Mitte dieses Jahrzehnts gab es dann die bauchfreie Mode und es wurde auch alles generell figurbetonter. Ich wäre natürlich im Leben nicht auf die Idee gekommen, sowas zu tragen….gab es ja in meiner Größe auch nicht.
    Wenn ich mir die Mädels heut so ansehe stellen sich mir immer wieder die Fragen:
    Finden die das schön, wenn überall die Rollen drüberhängen und jeder es sehen kann?
    Haben sie keinen Spiegel/Freundin, die ihnen sagen, dass es nicht schön aussieht?
    Gab es keine Klamotten in der Zeit richtigen Größe?
    Und wer bitte stellt low waist skinny Jeans in Größe 48 her?
    Als ich den neuen Bill gesehen habe, musste ich an den Sohn einer Freundin denken.
    Die scheut sich immer davor, Sachen in der richtigen Größe zu kaufen, weil dann der Unterschied zwischen normal und dem, was der bräuchte noch mehr ins Auge fallen würde.
    Ich denke nicht, dass sie sich dessen bewusst ist.
    Zu guter letzt:
    Vielen lieben Dank für den Filmhinweis….ich oute mich jetzt mal als Stephen King Leser
    (Friedhof der Kuscheltiere mit 12 war die Einstiegsdroge)
    Und nein es ist nicht nur Horrorkram.
    Gerade die unzähligen Kurzgeschichten sind wunderbar subtil und überhaupt nicht der Splatter, den viele sicher erwarten 😋

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