Fettlogik & Ärzte

Nachdem ich im letzten Blogartikel meinen Vortrag erwähnt habe, hier der ausführliche Bericht dazu.

Also zuerst mal … ich bin blöderweise so ein Typ: Wenn man mich lange genug vorher fragt, sage ich zu fast allem „Ja“. Würde mich jemand fragen: „Könntest du morgen vor 150 Leuten einen Vortrag halten?“ wäre meine Antwort ein spontanes: „Himmel, NEIN! Ich habe panische Angst vor öffentlichen Auftritten und … Reden … vor Menschen!“ … aber frag mich ein halbes Jahr oder Jahr vorher und ich antworte: „Okay … warum nicht?“ … weil ich halt ein Vollpfosten bin.

Genau das sagte ich mir seit Januar, als „2017“ plötzlich gar nicht mehr unendlich weit weg war, ungefähr täglich: „Du Vollpfosten! Warum hast du nur zugesagt?“ Ich hatte ungelogen seit Mitte Januar Albträume.

Aber worum ging es überhaupt? Am 09. März fand in Bern eine Fortbildungsveranstaltung für Hausärzte statt und ich war eingeladen worden, dort 30 Minuten über die Behandlung von Übergewicht zu sprechen. Dass ich diesbezüglich selbst sehr durchwachsene Erfahrungen gemacht habe und das Thema extrem wichtig finde, war mit ein Grund, warum ich es letztlich zugesagt habe.

Das schwerste war, sich auf 20 Minuten (+ 10 Minuten Fragezeit) zu begrenzen. Für Details war da wenig Platz und ich konnte nur ein paar Dinge anreißen und hoffen, dass irgendwas hängen bleibt. Mein Einstieg war die Wahrnehmungsverzerrung bezüglich Körpergewicht, und wie schwierig es est, Übergewicht rein auf Sicht einzuschätzen. Dazu hatte ich ein paar Fotos aus dem Blog und dem Forum gezeigt, die Frauen zeigen, die einen BMI von 25 – 28 haben, dabei aber eher schlank wirken. Für den „Schockeffekt“ habe ich zuerst gesagt, dass die Frauen normalgewichtig sind und an der Grenze zum Übergewicht stehen, um dann aufzulösen, dass sie tatsächlich bereits übergewichtig sind.

normal

Aus meiner Vortragenden-Perspektive wirkte das Publikum recht unbeeindruckt, wie ich nachher erfuhr, war der Einstieg aber offenbar bereits äußerst kontrovers und viele Ärzte waren empört, dass das doch aber attraktive Frauen seien – übrigens eins meiner Hassargumente: Die Verquickung von Optik und Gesundheitsrisiko. Dass Übergewichtige oder Adipöse attraktiv sein können und manche ein höheres Gewicht bevorzugen hat halt so gar nichts mit dem gesundheitlichen Risiko von Übergewicht zu tun. Es gibt auch jetzt noch regelmäßig Leute, die mir mitteilen, dass sie mich mit 150 kg attraktiver fanden als mit meinen 65 kg. Das ändert nunmal nichts daran, dass ich mit 150 kg gesundheitlich massiv beeinträchtigt war.

Von einem Arzt erwarte ich da eine neutrale Aufklärung, ohne sein persönliches (Schönheits)empfinden. Wenn er es sexy findet, wenn eine Frau an der Zigarre zieht und/oder er selbst gerne mal ein paar Zigarettchen raucht, will ich dann ja trotzdem nicht gesagt kriegen, dass ich idealerweise ein paar Schachteln im Monat wegrauchen sollte. Wie ich mit dem Risiko umgehe, ist ja meine Sache, aber ich will zumindest wissen, wenn es da ist.

Nun ja, die Fotoreihe war eine recht gute Überleitung zum BMI-Thema und der Tatsache, dass der BMI ein relativ gutes Mittel ist, um mit 99%iger Treffsicherheit Übergewicht festzustellen.

bmi1

Fazit war also, dass es sinnvoll ist, den BMI zu erfassen. Meine eigene Umfrage ergab leider ein sehr ähnliches Bild wie die offiziellen Studien und Statistiken zur BMI-Dokumentation beim Arzt:

 

bmi

Die klassische Fettlogik, dass leichtes Übergewicht gesünder sei, hatte ich ebenfalls thematisiert, und dass die überwiegende Mehrheit der Studien (bis auf die methodisch fragwürdige Flegal-Studie) das Normalgewicht bestätigen:

An der Stelle hätte ich eigentlich gerne noch den Blogartikel von Madame Graphisme behandelt, die von ihrem Bluthochdruck erzählt, der nach ihrer Abnahme verschwunden ist. Ihr Kommentar unter dem Artikel trifft es besonders gut:

Man liest im Internet von solchen Zusammenhängen – aber erst ab morbider Adipositas und verbunden mit anderen Beschwerden, die ich nie hatte. Und da ich da natürlich weit davon entfernt war, verließ ich mich darauf, dass meine Ärzte mir alles sagen würden, das meinen Zustand würde bessern können. Vor allem, weil alle Ärzte dieses Thema trotz Wiegen völlig ausgeklammert aber jede noch so absurde „Könnte sein“-Möglichkeit untersucht haben. Mir wurde also suggeriert, dass mein Gewicht nichts damit zu tun haben könnte, da es ja kontrolliert aber nicht kommentiert wurde.
Ich sehe da keinen Grund, auf mich zornig zu sein. Einem Arzt (und erst recht mehreren Spezialisten vom Gyn- bis Endokrinologen) gegenüber habe ich ein Vertrauensverhältnis – ich glaube das, was sie mir sagen, weil ich eben von Medizin keine Ahnung habe.

Und dass es ein Problem mit dem Ansprechen von Übergewicht gibt, zeigen die Zahlen. In der Studie von Galuska, die ich im Buch zitiere, wurde nur 42% der adipösen Patienten zur Gewichtsreduktion geraten. In meiner eigenen Befragung war dies fast genau so:

arzt

Auch unschön: Wenn das Gewicht angesprochen wurde, empfanden es offenbar 3 von 4 Patienten als nicht hilfreich.

Nun ist es halt generell ein echt schwieriges Thema und es gibt keine „perfekte Art“ damit umzugehen. Kein Arzt wird es schaffen, da bei jedem Patienten immer den richtigen Ton zu treffen. Eine nicht unbegründete Befürchtung ist auch, dass das Ansprechen als „Alles wird aufs Gewicht geschoben!“ empfunden wird:

 

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Um das zu vermeiden wäre mein Ansatz, den Patienten nachvollziehbar zu vermitteln, inwieweit ihre Erkrankung mit dem Körpergewicht zusammenhängt. Was bei Gelenkproblemen vermutlich noch für die meisten Patienten halbwegs nachvollziehbar ist, wird bei komplexeren Abläufen, wie etwa den hormonellen Zusammenhängen durch Fettgewebe als Organ, das Hormone produziert oder aber Entzündungen, die durch die absterbenden Zellen im Fettgewebe gefördert werden können, eben schon schwieriger. Sprich: Wenn das Gewicht als Faktor genannt wird, sollte dem Patienten gleichzeitig zumindest in ein paar Sätzen erklärt werden, wie genau das Gewicht sich in ihrem speziellen Fall überhaupt auswirken kann und wie und warum eine Abnahme ihre Erkrankung möglicherweise verbessern kann.

Auch finde ich es wichtig, bei Erkrankungen oder Medikamenten, die gemeinhin als mögliche Ursachen für Übergewicht gelten, die genauen Mechanismen zu erklären, wie und warum sie zu Gewichtsveränderungen beitragen können.

Am Ende fehlte mir etwas die Zeit um darauf einzugehen, wie wichtig es ist, die Selbstwirksamkeit zu fördern und Patienten nicht unnötig auszubremsen, wenn es keinen wirklichen medizinischen Grund gibt. Dass es seltene Fälle gibt, in denen eine Gewichtsreduktion besonders langsam oder gar nicht angezeigt ist, war ja z.B. auch im Gastbeitrag von Mark ersichtlich, der z.B. aufgrund seiner Darm-OP keine größere Gewichtsänderung haben sollte.

Aus eigener Erfahrung weiß ich allerdings, dass viele Ärzte sehr demotivierend sein können. Von einem freundlichen „Sie sollten ein realistisches Ziel anstreben, 90 kg wären doch schon ganz toll!“ bis zu einem abfälligen „Das schaffen Sie eh nicht!“ war schon einiges dabei.

In dem Kontext wollte ich diesen Blogartikel einfach mal als Diskussionsanstoß nehmen:

Was würdet ihr euch von eurem Arzt wünschen, bzw. was fändet ihr in Sachen Gewichtsansprache wichtig?

Welche Erlebnisse hattet ihr selbst aus Patientensicht, bzw. die mitlesenden Ärzte: Wie sieht es aus eurer Sicht aus?

Was war hilfreich und welche No-Gos gibt es aus eurer Sicht, bzw. habt ihr selbst erlebt?

 

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144 Gedanken zu “Fettlogik & Ärzte

  1. Dass nicht einmal Ärzte gegen andere Arztmeinungen gefeit sind, sieht man in diesem Text von Eckart von Hirschhausen:
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/von-chirurgen-und-schamanen-die-knie-odyssee-des-eckart-von-hirschhausen/14921458-all.html

    Ein paar Zeilen (mit mehreren Auslassungen) aus dem verlinkten Artikel dazu:
    „Meine Perspektive auf die Medizin veränderte sich schlagartig, als ich selbst Patient wurde. Ich hatte Schmerzen im linken Knie, die kamen und gingen. Dann gingen sie nicht mehr, sondern blieben, und ich dachte: Geh doch mal zum Arzt.
    […]
    Der Kollege sprach große Worte gelassen aus: „Meine ehrliche Meinung: abnehmen, mehr bewegen.“

    Ich bin dann direkt zu einem anderen Arzt gegangen. Klar, bevor man größere Eingriffe ins Leben plant, holt man sich eine zweite Meinung. Und außerdem: Was ist denn das für ein komischer Ratschlag? Abnehmen, mehr bewegen – hat der Orthopäde dafür studiert?
    […]
    Den Vorwurf, den ich mir selbst mache: Ich hätte das mit dem Abnehmen und der Bewegung mal ernsthaft probieren sollen. Fett ab- und Muskeln rund um das angeschlagene Knie herum aufbauen reicht in vielen Fällen aus. Und wenn es nicht reicht, kann man immer noch operieren. Die „konservative“ Therapie dauert und erfordert mehr Einsatz und Disziplin.“

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  2. Katz

    Um nochmal zu den Ärzten zurückzukommen…
    Ich bin ja auch so ein typischer Fall von: Lebenspartnerschaft eingegangen -> Erstmal 15 kg zugenommen. Als ich bei 1,63 m / 75kg das erste Mal wegen meines Gewichts zu meiner Hausärztin ging, sie kennt mich quasi seit meiner Geburt, hiess es nur, das wäre nicht so schlimm und wenn ich uuuuunbedingt abnehmen wolle, dann könne sie mir *Bekannte Pulverdiät* empfehlen, damit wäre ratzfatz alles runter. Tja, das war irgendwie nicht so richtig hilfreich…Das Zeug hing mir nach 4 Wochen schon total zum Hals raus, die Diät war gestorben. Kommentar der Ärztin dazu „Tja, wenn es Ihnen am Willen mangelt, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen!“
    Bald darauf wurde ich schwanger und nahm, dank ausgeprägter Schwangerschaftsübelkeit, ziemlich gut ab. Leider wurde ich von der Hebamme ziemlich unter Druck gesetzt, dass das nicht gut sei und ich schauen müsse, dass ich wieder Speck auf die Rippen kriege. Als die Übelkeitsphase vorbei war, habe ich es mir trotzdem gut gehen lassen, es hiess ja auch nach der Schwangerschaft wäre es mit dem Stillen ja Ratzfatz weg…
    Tja es endete mit 95 kg und natürlich ging trotz Stillen nichts ratzfatz weg.
    Nach der Geburt ging es mir psychisch ziemlich bescheiden, unter anderem eben auch wegen diesem hohen Gewicht. Auch dieses Mal war meine langjährige HÄ keine grosse Hilfe und verschrieb mir ein paar Johannisblütentabletten das wars. Es endete in einem Selbstmordversuch weil es mir einfach so abartig beschissen ging und ich keinen anderen Ausweg mehr wusste.
    Ich war dann jetzt 2 Jahre in Therapie, was mich von der Psyche her schon sehr stabilisiert hat. Im letzten Jahr bin ich zufällig über FLÜ gestolpert (Der TV Hören und Sehen sei dank) und habe das Buch innerhalb von einer Woche inhaliert. Dank FLÜ hat sich mein Leben total verändert und ich habe die ersten 15 kg schon weg 😀 Ich zähle zwar keine Kalorien, fotografiere aber täglich mein Essen um den Überblick nicht zu verlieren und das klappt sehr gut.
    Ich wünschte mir, dass die Ärztin mich einfach schon früher ernst genommen hätte, damit wäre mir schon viel geholfen gewesen.

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  3. Negativ Bespiele gibt es ja reichlich und ich könnte da noch auch Einiges schreiben. Aber ich habe auch ein positives Erlebnis gehabt: Vor gut 10 Jahre war ich wegen Schlafproblemen bei einem Schlafmediziner und nach einer Analyse meines Schlafes sagte er mir, dass meine Sauerstoffversorung zu schlecht sei und für die Bescherden verantwortlich sei. Ich wog damals locker 30 kg zuviel und der Arzt sagte mir, dass die Unterversorgung mit Sauerstoff auch mit dem Gewicht zu tun habe könnte und erklärte mir die Zusammenhänge sehr gut. Und obwohl er eher schmächtig war, klang sein „ich weiß, wie schwer das ist, aber eine Abnahme könnte helfen“ weder zynisch oder lächerlich. Ich fühlte mich als Dicke nicht abgewertet oder gar lächerlich gemacht. Auch schob er die Beschwerden nicht allein aufs Gewicht, sondern zog auch andere Ursachen in Erwägung. Ich fühlte mich ernst genommen und hatte auch nicht das Gefühl „von obern herab“ angesprochen zu werden. Ich glaube, dass ist der Punkt: Den Patienten auf Augenhöhe auf das Übergewicht anzusprechen und die Gesundheitsrisiken anzusprechen, wobei der Ton die Musik macht. Und natürlich sollter der Arzt/die Ärztin die akuten Probleme ernst nehmen und behandeln.

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  4. Antje Kilián

    In meiner Familie haben damals mit Anfang 20 alle auf mich eingeredet ich solle doch mal kontrollieren lassen, ob ich es nicht doch mit der Schilddrüse habe, denn dann könnte ich (uns sie) ja quasi Garnichts für mein (leichtes) Übergewicht. Die Ergebnisse waren aber völlig normal. Nach einem kurzen Gespräch mit meiner Ärztin, bei der ich beteuerte, gar nicht soooo viel zu essen und ja auch zweimal die Woche ins Fitnessstudio zu gehen sagte sie zu mir, mache könnten einfach nicht abnehmen und ich wäre einfach nur in die falsche Zeit geboren. Ein paar Jahrzehnte früher und mein Körper wäre als ideal angesehen wurden. Das fand ich damals sehr tröstlich (wenn aus heutiger Perspektive betrachtet auch nicht sehr hilfreich) und widerholte es brav bei jedem, mit dem ich darüber sprach. Vor etwa zwei Jahren war ich dann noch bei einer Ernährungsberaterin die mir aber nach etwa 20 Minuten „viel Gemüse, weniger Süßigkeiten“ etwa eine Stunde versuchte einen Diätdrink zu verkaufen mit dem sie ja auch super abgenommen hat (das nennt man heute ERNÄHRUNGS-Beratung tststs)

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  5. gitte54

    Ich bin selber Ärztin und ich finde die Materie schon schwierig. In Patientenbefragungen haben Patientinnen unter der Frage: „Haben Sie schon mal darüber nachgedacht den Arzt zu wechseln und warum?“ geschrieben: „Weil die Ärztin mich auf mein Gewicht angesprochen hat.“

    Seit ich „Fettlogik“ gelesen haben, gehe ich das Thema allerdings offensiver an als vorher: ich rechne oft den BMI aus (teile es aber nicht immer mit), bei passender Thematik: PCO-Syndrom, unreine Haut, unerfüllter Kinderwunsch, Pilleneinnahme (BMI > 30 erhöht das Thromboserisiko unter der Pille) etc. spreche ich es an. Oder wenn ich auf meinen Gewichtsverlust im letzten halben Jahr angesprochen werde 😉 Ich empfehle bei Gelegenheit das Buch auch weiter und vor allem weise ich darauf hin, dass man nicht weiß ob man viel oder wenig isst, wenn man es nicht genau ausrechnet.

    Letztendlich finde ich aber nicht, dass ich jedem immer wieder das Gewicht unter die Nase reiben muss. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass Abnehmen sowieso nur klappt, wenn ich selber es will – und nicht, wenn ich es nur versuche, weil jemand es mir empfohlen hat. Dafür muss schon ein gewisses „jetzt reicht´s, jetzt nehme ich es in Angriff“ da sein.

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      1. gitte54

        Bei Übergewicht kommt es oft zu einem Überwiegen von Androgenen, also männlichen Hormonen. Akne kann ein Symptom von Hyperandrogenämie (also zu vielen männlichen Hormonen) sein, zusammen mit „männlicher“ Behaarung, Zyklusstörungen und stammbetonter Adipositas (also „Apfelform“ des Körpers). Ist natürlich auch bei Kinderwunsch nicht gerade hilfreich
        Außerdem fördert dass stoffwechselaktive („Organfett“) Entzündungsprozesse im Körper, ist zwar keine „offizielle“ Ursachen, aber zumindest wäre es ein Aspekt, der mit eine Rolle spielen kann.

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      2. Mona

        Schlanke können diesem Überwiegen der Androgenen auch haben?
        Ich kenn zumindest mehrere schlanke Frauen, die Akne bekommen, wenn sie die Pille nicht nehmen und sie sind schon über 30. Sieht man ja auch bei Frauen, die gerade versuchen schwanger zu werden, dass deren Haut ohne Pille recht pickelig ist und eventuell vernarbt wird dadurch.

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      3. gitte54

        Ja, das gibt es bei jedem Gewicht. Die Ursachen können verschiedene sein, z.B. auch genetisch. Und nicht jeder Akne ist hormonell bedingt.

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    1. Singsang

      Ich bin PCOS-Patientin mit jahrelang unerkannter Schilddrüsenunterfunktion.
      Eine Frauenärztin hat mir mal bei leichtem Übergewicht an den Kopf geknallt (leider in jungen, unsicheren Jahren), mein Hirsutismus würde verschwinden, wenn ich abnehmen würde.
      Ich hab abgenommen, aber egal bei welchem Gewicht, die Haare verschwanden nicht, und abnehmen ging nur durch Hungern. Dadurch nahm ich bis in den klar adipösen Bereich zu.

      Oh Wunder: Mit Thyroxin und Metformin konnte ich plötzlich abnehmen, ohne zu hungern und ich kann mein Gewicht halten, ohne Diätportionen zu essen. Das ging vorher nicht…

      Was ich sagen will: WENN man bei PCOS-Patientinnen das Gewicht thematisiert, dann mit weiterer Diagnostik (AGS abklären, Schilddrüse, Insulinresistenz). Leider ist das wirklich noch nicht in allen Köpfen angekommen und man kämpft sehr lange und muss sehr lange nach guten Ärzten suchen, bis einen jemand ernst nimmt.

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  6. Abcdef

    Mir ist gerade eingefallen:
    Es handelt sich ja um zwei verschiedene Dinge, die offenbar Otto-Normalverbraucher bzw Arzt verknüpft: Attraktivität – quantitative Bewertung eines Gewichtes.
    Kannst du den Unterschied deutlich zeigen, indem du eine attraktive, und deutlich übergewichtige Frau/Mann zeigst und zusätzlich eine ungepflegte (dies geht dann vermutlich als nicht-attraktiv durch) Person, dazu noch das Pendant, also insgesamt 4 Personen.
    Dies sollte dann deutlich machen, dass Attraktivität nicht zwangsläufig mit dem Gewicht zusammenhängt.

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  7. MissMaple

    Mit Ärzten habe ich tatsächlich unterschiedliche Erfahrungen gemacht, was meine Adipositas anging.

    Der Klassiker:
    Von vielen wurde ich einfach überhaupt nicht darauf angesprochen. Wenn trotz Symptomen keine klinisch relevanten Ursachen gefunden werden konnten, wurde ich wieder nach Hause geschickt.

    Das Negativbeispiel:
    An meinem letzten Wohnort hatte ich eine sehr nette und kompetente Hausärztin. Ich hatte damals einige Symptome, die, wie ich heute weiß, von blockierten Atlasgelenken kamen. Sie hatte mehrere Dinge untersucht und als sie zu keinem Ergebnis gekommen war, sagte sie schroff: „Dann müssen sie jetzt eben mal abnehmen!“ Das hat mich echt umgehauen, weil es erstens total überraschend kam (und natürlich Salz in meine damals noch schmerzende Wunde „Ich bin sowieso immer nur die Dicke“ streute) und einfach so in Kontrast stand zu ihrer sonst so netten, kompetenten und verständnisvollen Art. Verschreckt und eingeschüchtert bin ich ab diesem Punkt weniger gerne zu ihr gegangen, auch wenn ich mal krank war.

    Das Positivbeispiel:
    … ist meine jetzige Frauenärztin. (Mittlerweile suche ich meine Ärzte immer gerne nach Bewertungen im Internet aus, da ich keine Lust mehr habe auf vermeintliche „Götter in weiß“, die dann aber doch eher durch Inkompetenz auffallen. 😉
    Sie hat mich von sich aus auf mein Gewicht angesprochen und sagte mir, die Pille, die ich nehme, sei eigentlich nur bis zu einem Gewicht von 90 kg in vollem Umfang wirksam. Hier war ich erstmal geschockt … war ich wirklich so dick, dass Medikamente nicht richtig wirken? Sie hat mir dann nahegelegt, es doch einmal mit Abnehmen zu versuchen. Dabei hat sie die Vorteile auf mehreren Ebenen aufgezählt (weniger Rückenprobleme, positive Auswirkungen auf den Hormonhaushalt etc.) und angemerkt, dass sie es auch immer schwierig findet, Kilos zu verlieren (ich würde sie im oberen Normalgewicht einschätzen) und damit Empathie gezeigt. Wir hatten auch das Thema Thrombose angesprochen – eigentlich, weil ich eine Pille wollte, mit der das Risiko möglichst gering ist – und sie sagte: „Ihr Übergewicht ist hier der viel entscheidendere Faktor. Selbst wenn Sie mit Normalgewicht eine der „gefährlichen“ Pillen nehmen würden, wäre Ihr Risisko geringer als jetzt.“
    Uff. Das hatte gesessen. Aber ich habe es nicht als Angriff verstanden, denn sie hat mir einfach die Fakten dargelegt. Und sich sogar noch auf eine wissenschaftliche Studie berufen.

    Ich bin dieser Ärztin unfassbar dankbar. Und so wünsche ich mir eigentlich auch den Umgang mit dem Thema. Auf keinen Fall beschämend oder einschüchternd wie bei meiner damailgen Hausärztin. Stattdessen einfühlsam, respektvoll – und mit Hilfe wissenschaftlicher Fakten.

    Nadjas Buch hat mir dann „den Rest“ gegeben, was Abnehmen betrifft. Seitdem ich es gelesen habe, verliere ich mit meinem derzeitigen Defizit pro Monat 2 kg. Befinde mich jetzt gerade bei einem BMI um 30. Und habe, wenn alles klappt, Ende des Jahres endlich Normalgewicht erreicht.

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