Gastbeitrag: Die Krux mit dem Wording

In letzter Zeit komme ich zu nichts so richtig (ich arbeite daran, versprochen 🙂 )… umso froher bin ich, dass mir in letzter Zeit so viele Themen ins Postfach flattern. Vor kurzem schrieb Petra, und wir hatten einen kleinen Austausch zu Formulierungen (ich werde unten sogar zitiert) – das fand ich so interessant, dass ich sie fragte, ob sie es nicht als Beitrag für den Blog zusammenfassen will:

Schon zu Silvester 2016 war ich mir ganz sicher, dass dies ein besonders gutes Jahr für mich werden würde. Ich wusste nicht genau warum und hatte auch keine großartigen Pläne – schon gar keine Neujahrsvorsätze, von denen ich noch nie viel gehalten hatte. Es war „nur so ein Gefühl“…

Dass ich Recht behalten sollte, wurde mir dann im Laufe des Jahres immer mehr bewusst.

Als ich mich nach den Feiertagen auf die Waage stellte, was ich mehr als sehr selten machte, leuchtete es mir in blauen Digitalziffern ungeschönt entgegen: 120,4 kg. Wow! Ich war geschockt. Mir war klar gewesen, dass ich zu viel auf die Waage brachte, schließlich kniffen meine Jeans schon ganz ordentlich, aber das hieß, dass ich im letzten Jahr noch etwa 8 kg zugelegt hatte. Es musste Schluss damit sein – und zwar sofort!

In den ersten Tagen tat ich mal nicht viel mehr als mir bei den Hauptmahlzeiten keinen Nachschlag zu nehmen, den Süßkram auf ein kleines Stückchen am Abend zu reduzieren und mir genauer anzusehen, was ich tagsüber so alles futterte. Ich war nie der Typ gewesen, der eine ganze Tafel Schokolade verputze, eine Tüte Chips auf einmal vernichtete, oder viel Limonaden und Fruchtsaft konsumierte. Meine Kalorien kamen eher von zu vielen reichlich belegten Vollkornweckerln mit Butter, Wurst und Käse und den zu großen Portionen bei den Hauptmahlzeiten.

Ich entschied mich dafür, wieder Kalorien zu zählen und die Kalorienzufuhr auf maximal 1.200 kcal täglich zu beschränken. Ich bastelte mir ein einfaches Excel-Sheet, mit dessen Hilfe ich mein Gewicht aufzeichnen und ein Ernährungstagebuch führen wollte. Das hatte beim letzten Mal vor etwa zehn Jahren gut geklappt, also ging ich davon aus, dass es auch diesmal funktionieren würde. Schließlich hatte ich mit Ende zwanzig schon mal dreißig Kilo wegbekommen und hatte immerhin „nur mehr“ ca. 87 kg gewogen. Über die Jahre hatte ich mir die Kilos dann schleichend, aber doch wieder angefuttert.

Doch ich hatte das Gefühl, dass das nur die halbe Miete sein würde. Schließlich wollte ich diesmal tatsächlich in den Normalgewichtsbereich kommen und der startete bei mir bei ca. 70 kg. Natürlich war auch das langfristige Ziel klar: In dieser Gewichtsklasse zu bleiben.

Ich nahm mir also die Zeit, um mein Gewissen zu erforschen und herauszufinden, womit ich mich bis jetzt immer selbst torpediert hatte. Da wurden mir wieder einmal alle möglichen Dinge bewusst. Von Selbstlimitationen („So richtig schlank werde ich wohl nie sein bei meinen schweren Knochen.“), über das immer noch falsche Einschätzen von Portionsgrößen und deren Kalorien bis hin zu diversen Ausreden („Für regelmäßigen Sport fehlt mir einfach die Zeit.“).

All das hatte ich mir in der Vergangenheit schon oft klargemacht und es schien mir nicht der fehlende Puzzleteil zu sein.

In den vergangenen Jahren hatte ich mich intensiv mit Sprache, Sprachmustern und der Wirkung von Worten beschäftigt. Als ich mich damit auseinandersetzte, was Begriffe wie „Gewicht reduzieren“, „Kilos verlieren“, „Pfunde loswerden“ oder „abnehmen“ mit mir machten, stieß ich auf ein Problem, dessen ich mir davor nicht bewusst gewesen war. All diese Worte wie „verlieren“ oder „loswerden“ waren für mich alles andere als positiv besetzt, da ich in meinem Leben schon viele schlimme Verluste verarbeiten musste. Kein Wunder also, dass mein Unterbewusstsein sich mit aller Kraft dagegen sträubte, etwas zu verlieren, egal was es war und egal, ob ich bewusster Weise davon überzeugt war, dass der „Verlust“ von überschüssigen Kilos positiv und wichtig für mich wäre.

Auch das Wort „reduzieren“ löste bei mir keine Motivation aus. Hatte es doch für mich die Bedeutung, von etwas weniger zu bekommen oder zu haben bzw. sich einschränken zu müssen. Also gar nicht gut. Ich blockierte mich offenbar mit diesen Worten nur selbst.

(Hier möchte ich kurz anmerken, dass ich mich nicht zu den Menschen zähle, die meinen, dass alles nur positiv und schön und gut ist oder zu sein hat. Ich nenne die Dinge schon gern beim Namen. In diesem Fall wollte ich mir aber bewusst eine Art von „Umgehungsmechanismus“ schaffen, um einen Stolperstein aus dem Weg zu räumen.)

Mit dieser für mich neuen Erkenntnis überlegt ich, wie ich denn mein Vorhaben nun bezeichnen sollte und ob es einen Begriff gäbe, der für mich positiv oder zumindest neutral besetzt war. Das stellte sich als gar nicht so einfach heraus und ich musste etwas „um’s Eck denken“, um eine Lösung für mich zu finden. Ich wählte den Begriff „abrüsten“, der beim Heer gebräuchlich ist, wenn z.B. Grundwehrdiener nach dem verpflichtenden Dienst das Heer verlassen, worüber die meisten ganz froh sind. Also durchaus ein positives Ereignis.

Ich kombinierte meinen neugewählten Begriff „abrüsten“ mit einem entsprechenden Bild und stellte mir vor, wie die Fettzellen Schritt für Schritt ihren abgeleisteten Dienst beendeten und endlich gehen konnten. Diese Wort-Bild-Kombi half mir im letzten Jahr dabei, am Ball zu bleiben und weiterzumachen, auch wenn’s gerade einmal nicht so gut lief.

Als ich Nadja, deren Fettlogik-Buch ich Anfang 2017 gelesen habe, ein Mail schrieb, um mich für ihr geniales Buch zu bedanken, erwähnte ich mein anfängliches Wording-Problem und bekam zusätzlichen Input von ihr. Sie schrieb dazu: „Ich überlege gerade, warum ich den Ausdruck „purzelnde Pfunde“ so wenig mag – vielleicht, weil ich dank ADS sehr ungeschickt bin und mich häufig stoße, hinfalle und mir weh tue. Purzeln ist da wohl als etwas Unkontrolliertes (und schmerzhaftes) assoziiert, und ich fand gerade den Aspekt von Kontrolle so befreiend.“

Diese Überlegung fand ich nur allzu logisch. Klar ist es nicht angenehm zu purzeln, wenn das öfter mal ungewollt passiert und man sich dadurch weh tut. Spannend fand ich hier den Vergleich zu mir selbst. Ich trainiere seit 12 Jahren japanische Kampfkunst, die natürlich eine umfangreiche Fall- und Rollschule beinhaltet und habe daher gar kein Problem damit zu fallen oder „zu purzeln“, weil ich weiß, dass mein Körper richtig reagiert und ich mich dabei kaum verletzen werde.

Ich habe hier noch einige Beispiele zusammengetragen, die mir seit Anfang meines Projekts „Abrüsten“ aufgefallen sind und die es wert sind, mal einen Blick darauf zu werfen:

Tiefststand:

Oft lese ich in Foren, dass jemand seinen Tiefststand an Gewicht gerade erreicht hat, was natürlich ein schöner Erfolg ist. Bei manch einem könnten Geist und Körper auf Dauer aber der Meinung sein, dass ein Tiefststand nicht ganz so toll ist, kennen wir doch alle Begriffe wie das Gefühlstief, einen Tiefststand am Aktienmarkt, oder das Tief in der Metrologie, um nur einige zu nennen.

Vielleicht wären für manche von uns Begriffe wie „Beststand“ oder „bestes Ergebnis“ nachhaltiger.

Kilos schmelzen dahin:

Auf den ersten Blick, ein doch sehr positiver Begriff. Nicht unbedingt für Menschen wie mich, die bei „schmelzen“ entweder an zu heiße Sommertage in der stickigen Großstadt, oder an das lästige Eincremen mit Sonnenschutz am Meeresstrand denken. Sicher auch nicht so toll für diejenigen unter uns, die dabei das Bild von klebrigen Fingern und bekleckertem Gewand haben, wenn die leckere Eiscreme in der Tüte wieder einmal schneller schmilzt als man sie genussvoll aufessen kann.

runterhungern:

Das Wort „runterhungern“ fällt für mich in die Kategorie „Zwangsbeglückung meines Körpers“. Bei „hungern“ kommen in mir Bilder von Kindern in Drittweltländern, oder magersüchtigen Menschen hoch. Dieser Begriff hat für mich nichts mit Gesundheitsförderung und dem Wohlfühlen im eigenen Körper zu tun, etwas das viele „Abnehmwillige“ ja erreichen wollen.

Dem Körper ein paar Pfunde abringen:

Diesen Begriff habe ich in einer Zeitschrift gelesen, während ich diesen Artikel schrieb. Es ging dabei um ein intensives Workout-Programm, das bei besonders hartnäckigen Kilos an Bauch, Po und Oberschenkeln helfen sollte. „Etwas abringen“ klingt für mich nach Kampfansage gegen den eigenen Körper und nicht nach dem konsequenten Verfolgen eines Ziels.

Vermutlich lassen sich noch viele Beispiele finden, aber ich denke, es ist klar, was ich meine, wenn ich sage, dass Worte und Begriffe einen gewissen Einfluss auf uns haben und durchaus auch Blockaden in uns auslösen können.

Natürlich ist es so, dass jeder Mensch etwas Anderes mit einem Begriff verbindet, auch abhängig davon, welche Erfahrungen er bisher in seinem Leben gemacht hat und welche Informationen er damit verknüpft. Was für den einen super passt, stellt für den anderen ein Problem dar.

Vielleicht hilft es also nicht nur mir weiter, mal einen näheren Blick auf die Worte zu werfen, die man gerne im Zusammenhang mit dem Erreichen seines persönlichen Zielgewichts verwendet und deren Wirkung auf das eigene Selbst auszuloten.

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47 Gedanken zu “Gastbeitrag: Die Krux mit dem Wording

  1. Jürgen S.

    Eine Bekannte von mir spicht davon, dass Kalorien in ihrem Körper gefangen seien und sie diese armen Kerle befreien und in die Welt entlassen wolle.

    Sowas finde ich niedlich und insbesondere für Kinder sehr gut geeignet.

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  2. Interessanter Artikel 🙂 Beim Lesen habe ich gemerkt, wie mich diese Begriffe auch unbewusst stören. Seit FLÜ sind Kalorien/Fett das Äquivalent zu einem Geld-Haushaltsbuch. Momentan spare ich fleißig (= Kalorien reduzieren und abnehmen). „Sparen“ ist für mich positiv besetzt, da es mir Sicherheit, Flexibilität und auch etwas Luxus verspricht. Und wenn ich besonders viel gespart habe, kann ich in Ruhe einen Schokoriegel genießen^^

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    1. KurvenFan

      Wie wärs statt VERZICHT mit SAMMELN?
      Ich bin eine begeisterte Sammlerin (Bücher, Filme, …) und nutze meinen ausgeprägten Sammlertrieb um mich zu motivieren. So sammle ich jetzt Kalorien (eingesparte, wobei Sparen bei mir jetzt auch nicht unbedingt was negatives ist).

      Ich bastel mir auch mit Vorliebe hübsche Übersichten in Excel, wo ich dann täglich ankreuze, ob ich mein Tagesziel geschafft hab. Da sammel ich dann grüne Kästchen.

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  3. Ich mag Begriffe wie „verlieren“ und „purzeln“ nicht, weil sie so passiv sind. Als würde das Körperfett einfach mal so unabsichtlich von einem abfallen. Dabei hängt das mit so viel Arbeit zusammen, die bei diesen Begriffen einfach nicht ausreichend gewürdigt wird.

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  4. Katrin

    Das sind echt interessante Gedanken! „Abnehmen“ war für mich glücklicherweise nie wirklich negativ besetzt, aber „runterhungern“ und Konsorten finde ich auch unglücklich gewählt und ärgere mich jedesmal, wenn ich das in einem Artikel lese. Als Alternativen: Vielleicht ist „ich erleichtere mir mein Leben“ auch für den einen oder anderen geeignet… bei mir ist in den letzten Monaten der Abnahme sportbedingt auch so ein halb-scherzhaftes „ich arbeite noch an meinem Leistungsgewicht“ dazugekommen.

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  5. Für mich ist „Krieg mit meinem Körper“ schon immer Normalzustand gewesen, so dass für mich die ganze „abringen“- und „runterhungern“-Beriffsblase sehr positiv und motivierend ist. Es macht mich auf positive Weise wütend und energiegeladen.
    So verschieden sind Menschen! 🙂

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  6. Ich war schon immer der Realist. Weder Worttaktiken noch andere Tricks funzen bei mir, ich habe immer einen weg gefunden , sie nicht zu beachten, auszuhebeln und mich selber zu betucken. Die platte, ungeschönte Wahrheit: Ich habe Übergewicht und Rückenschmerzen und die werden besser wenn ich abnehme, was mit weniger Essen funktioniert. passt für mich sehr gut:). Ich mag Klarheit und Wahrheit.

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  7. Ich finde Purzeln ja ganz zauberhaft. Ich assoziiere das nicht mit schmerzhaften Stürzen, sondern freudigem Herumkullern. PURZELbaum und so!
    Für mich können Dinge, die purzeln, nur toll sein ❤

    Spannend, wie unterschiedlich die Gedanken zu solchen Dingen sein können. Abrüstende, salutierende kleine Fettzellen entzücken mich aber auch sehr …

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    1. Und ich hasse es im Zusammenhang mit Gewicht, weil es sich zu leicht anhört 😂 Bei mit purzelt nichts runter, je nach Tag muss ich richtig kämpfen und da nervt dieses locker flockige purzeln nut😒

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  8. Ich habe vor einer Weile das Buch: Mein Ich-Gewicht von Maja Storch gelesen und da wird dieses ganze Wording Thema auch gut behandelt. Letztendlich braucht man nun mal ein Ziel auf das nicht nur der rationale Kopf sondern auch das fühlende Unterbewusste positiv reagiert, sonst regt sich einfach immer Widerstand. Mein Ziel ist es gesund und agil zu sein und damit fahre ich 100 Mal besser als mit dem Ziel abzunehmen oder leichter zu werden. Voll spannend hier zu lesen welche Assoziationen zu bestimmten Begriffen auftauchen 🙂

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  9. annesch

    Sehr interessanter Artikel! Danke! Ich habe mal vor Jahren „Mein Ich-Gewicht“ von Maja Storch gelesen – sie vertritt zwar die These „Wohlfühlgewicht“, was ich heute nicht mehr so toll finde, aber sie gibt einem Ideen für gute Denkschritte, wie man von blockierenden Wording wegkommen kann. Interessant finde ich den Ansatz, alle Formulierungen, Vorhaben sowohl auf einer positiven UND auf einer negativen Skala zu bewerten mithilfe von sogenannten somatischen Markern, wie Bauchgefühl, spontane Ablehnung etc. – und nicht beide Skalen gleich zu mischen. Beispiel: „Gewicht verlieren, das klingt zwiespältig für mich, vielleicht 40 von 100 Punkten.“, sondern zu sagen: „Einerseits total positiver Ausschlag auf der Skala bei der Idee, vielleicht 70 von 100 Punkten, ich stelle es mir total toll vor.“ und „Gleichzeitig verursacht etwas daran bei mir ein negatives Gefühl, es hat dann nur einen Ausschlag von 10 von 100 Punkten.“ Und dann kann man schauen, woran es liegt – ob am wording, wie Petra es beschreibt, oder daran, dass man die Ziele anderer verwirklicht, oder was auch immer – und einerseits schauen, dass man die positiven Aspekte hochtreibt und die negativen runter.
    Ich habe es damals gar nicht auf Abnehmen angewendet, sondern auf Aufräumen. Ich stellte fest, dass ich die Worte „Aufräumen, Ordnung schaffen“ etc. gar nicht mochte und kam schließlich zu Formulierungen wie „Freiraum schaffen“, „Raum für frische Luft und Licht“ etc.
    Hinter der ganzen Geschichte mit dem oben erwähnten Buch steht noch ein ganzes Modell, das „Zürcher Resourcenmodell“ – das geht dann weiter, neben den Büchern von oben erwähnter Autorin mit den Büchern anderer vernetzter Autoren, dass man, wenn man dann Probleme (z.B. wording) und Ziele und Motivationen (für was auch immer) identifiziert hat, sich überlegt, welches Symbol (Tier, Landschaft, Gegenstand) dafür steht und seine Umgebung damit „primed“, also kleine Erinnerungen fürs „Unbewusste“ im Alltag platziert, auf der Kaffeetasse, auf dem Bildschirmschoner, Bild an der Wand, Schlüsselanhänger usw.
    Meiner Erfahrung nach ist dieses Zürcher Resourcenmodell nicht das Wunderwerkzeug, mit dem man auf einmal alles in den Griff bekommt, aber es bietet lustige und überraschende Anregungen. Z.B. auch den, manchmal auf Problemlösungs-/Formulierungssuche Ideen ganz schnell und spontan bei anderen abzufragen und die dann nach dem geschilderten System abzuchecken und ggfs auf sich anzupassen, weil man so auch mal Gedankenwege einschlägt, die man sonst nicht genommen hätte.
    Sorry, langer Kommentar. Hast Du als Verhaltenstherapeutin eine Bewertung zu solchen Systemen, @erzählmirnix?

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  10. Pia

    Kann ich gut nachvollziehen, geht mir ähnlich. Hab überlegt, was mich positiver stimmt und mich mehr bzw. wirklich motiviert: Schlankheit aufbauen, Straffheit forcieren, wohlgeformte Beine herstellen, la Figura pflegen. Es ist gar nicht so einfach, alte Denkmuster zu durchbrechen und Dinge, die negativ besetzte Begriffe um- und positiv zu formulieren. Aber es macht Spaß 🙂
    Ich liebe Dein Buch Nadja und kann es wirklich nur empfehlen.

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  11. Vielen Dank für diesen Beitrag! Bis dato ist mir noch nie aufgefallen, dass es sich bei mir genauso verhält… Und jetzt, noch während dem Lesen dieses Beitrags, kam für mich die große Erleuchtung: ich möchte mich von dem überschüssigen Fett BEFREIEN das mein gesundes und fittes Ich gefangen hält. Gefangen zu sein oder festzustecken ist für mich durchweg negativ behaftet. Mein ganzes Leben über kämpfe ich für meine Unabhängigkeit und (wenn man so will) auch für mehr Freiheit in meinem Leben. Da ich mir mein Übergewicht immer gerne mit Begriffen wie „Speckmantel“ schön geredet habe (wer steht bitte nicht auf Würstchen im Speckmantel oÄ lecke Speisen) wurde eine solche Kampfansage langsam mal dringend nötig. Und wenn ich das mit meinem Wunsch nach Freiheit positiv benennen und unterstützen kann ist das Ziel für mich schon fast erreicht 💪Also noch einmal: vielen Dank für das Augen-Öffnen und diesen wundervollen Denkanstoß! 💕

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  12. Ist mir nie aufgefallen, aber stimmt – die meisten Worte im Zusammenhang sind erstaunlich negativ konnotiert. Wobei ich jetzt „loswerden“ respektive, das hatten wir noch nicht, „abstoßen“ (fiel mir bei Deiner Aktienmarktreferenz ein) nicht negativ sehe. Man hat was, was man nicht braucht, und das implizieren die Wörter. Aber ich verstehe, was Du meinst… lasst uns ein neues Wort entwickeln!

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  13. Ich musste die ganze Zeit beim Lesen des Artikels daran denken, wie viel man beim Abnehmen moglicherweise gewinnt:
    Gesundheit, Schmerzfreiheit, Flexibilität, Agilität, Selbstbewusstsein…?
    Vielleicht nicht für jeden alles relevant, aber doch definitiv sehr positiv, oder? Vielleicht hilft das ja für die sprachlichen Motivationskomponente.

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    1. Petra

      Hallo Stefan!
      Für mich persönlich ist „Ballast abwerfen“ sehr neutral.
      Wie bei allen anderen Worten und Begrifflichkeiten gibt es sicher auch hier jemanden, für den das gar nicht geht (spontan fiele mir ein: Ballast kann ja auch als „etwas Überflüssiges“ definieren. Wenn ich mich selbst schon oft als überflüssig empfunden habe und mit allen Mitteln versucht habe nicht als solches wahrgenommen zu werden, dann kanns schon sein, dass sich die überschüssigen Kilos auch „anklammern“ und Beachtung finden wollen.)
      Wenn der Begriff für dich gut passt, dann ist das meiner Meinung nach das Wichtigste 😉.
      Viele liebe Grüße
      Petra

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  14. Nach 30 Jahren wollte ich mit dem Rauchen aufhören. Statt: „ich will nicht mehr rauchen“, wurde mein Matra zuerst: „noch eine sch…-Kippe, und ich fall tot um“. Mir fiel auf dass das nichts brachte, weil ich automatisch das Bild einer schönen, „leckeren“, beruhigenden, beschäftigenden Zigarette vor meinem inneren Auge hatte – das Gehirn brauchte die Anforderung also nur noch in die Tat umzusetzen, ergo wieder mit dem Unfug anzufangen.
    Der Durchbruch kam mit: „Ich atme gerne frische Luft!“ Nach zwei, drei Tagen stellte sich (ungewollt aber begrüßt) der Effekt ein, dass ich nach dem Aufsagen das Bedürfnis bekam, tief durchzuatmen. Und der Schmacht war fort; nur kurz, aber effektiv.

    Nach diesem für mich sehr klaren, guten Artikel mache ich mich dann mal auf die anti-Sahnesoße-Suche… in etwa: „ich bin gern fit und schlank“, oder: „für mich nur Ausgewähltes auf dem Teller“.
    „Intermittierendes Fasten räumt Zellmüll auf und vermeidet Diabetes II“ ist für mein Gehirn wahrscheinlich zu abstrakt.

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      1. annesch

        So ’ne gelassen vor sich hin atmende Zelle probiere ich mir demnächst mal vorzustellen…😁. Oder spielende Zellen, die wie kleine Kinder reagieren, wenn sie zum Essen gerufen werden: „Och nö, wir spielen gerade so schön, noch keinen Hunger…“

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  15. nessii

    Ich mochte die Formulierung „Ich habe X Kilo verloren“ auch nie. Ich war immer ein Schussel und habe dauernd Dinge verloren – Dinge, die ich wiederfinden wollte. Die Kilos sollten aber gefälligst wegbleiben! Deswegen habe ich immer „abnehmen“ genommen, weil das Verb bei mir wirklich nur damit in Verbindung gebracht wird, das ist in Ordnung. Inzwischen habe ich aber meinen Zieldialog glücklicherweise sowieso ändern können von „Ich will abnehmen“ zu „Ich will Muskeln aufbauen!“ – und Aufbau ist ja wohl immer was Gutes! 😀

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    1. Mona

      „Ich will“ klingt für mich oft wie „irgendwann mal“. Ich hab bei „Ich will…“ das Gefühl, dass dann sowieso tausend Ausreden kommen doch nicht anzufangen.

      Ich hätte deine Sätze ein wenig anders formuliert:
      „Ich werde abnehmen und Muskeln aufbauen.“
      Klingt für mich entschiedener, als ob man das durchzieht, egal was kommt.

      Oder noch konkreter aus meiner Sicht:
      „Ich nehme ab.“
      „Ich baue Muskeln auf.“
      Das mit den Muskeln geht sowieso nicht von heute auf morgen und man ist damit wohl nie so richtig fertig, also kann man das immer als seinen Satz nehmen, wie „Ich kümmere mich um meine Gesundheit“ oder sowas in der Art.

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      1. Diese Motivationsfeinheiten kenne ich auch, wobei „ich werde“ für mich auch nach irgendwann-mal klingt.
        In einer Kolumne von Eckhart von Hirschhausen habe ich gelesen, dass in einer Studie belegt wurde, dass die Selbstmotivation besser klappt, wenn man sich selber in der Du-Form anspricht. Also nicht „Ich nehme ab“ sondern „Du nimmst ab“

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  16. anderekennedy

    Vielen Dank für diese Zeilen! Ich selbst habe auch dieses Verlustproblem. Ich weiß, dass ich zu viel wiege. Aber ein „zu viel“ ist für eigentlich positiv und ein „weniger“ von etwas gefällt mir nicht. Da ich ungern etwas verliere. Ich hoffe, dass ich jetzt mit einem Abrüsten endlich größeren Erfolg habe.

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  17. Hey wow, kann man eigentlich mehr als _ein_ „Gefälltmir“ vergeben? 🙂 Ich habs ja eh mit der Sprache/Wortspielereien, usw. – von daher wunder ich mich grad über mich selber, dass ich mir da im Zusammenhang mit Abnehmen/Körper/Gewicht noch keine Gedanken gemacht habe.

    Mich hat der Beitrag sehr sehr angesprochen und ich bin mir sicher, dass du damit bei vielen Menschen das letzte Puzzleteilchen geliefert hast, das dem jeweiligen Erfolg noch im Wege stand. Grad passend zum Beginn der Fastenzeit 🙂

    Ja, was soll ich sagen – ich bin megabegeistert. Was mir vielleicht zusagen würde, wäre eine Formulierung in die Richtung „mich von Überschuss/Überflüssigem/Ballast befreien“

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  18. Maren

    Eine Freundin von mir nannte es ihre „Metamorphose“ – sie wandelte sich zu dem, was sie eigentlich sein wollte. Das war bei ihr nicht nur Abnehmen, sondern auch einiges andere in ihrem Leben sortieren, von daher ist es vielleicht als Begriff zu abstrakt. Aber ich musste dabei immer an den Schmetterling denken, der aus der Raupe rauskommt 🙂

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  19. Juvia

    Hey, vielen Dank für diesen Beitrag! ❤
    Das ganze hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich gehöre wohl zu den Leuten, die aus ihrem dicken Kokon schlüpfen und eine regelrechte Transformation zum schönen Schmetterling durchführen möchten.

    Kann mir sogar vorstellen, diese Wordingsache zu nutzen, um Naschkram mit etwas negativem zu besetzen, und Sport (der für mich immernoch Mord ist) mit positiven Assoziationen zu verbinden.

    Von daher, passt bei mir! 😉

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    1. Ntl

      Ich finde deine Idee genial und suche nun nach ein paar „negativen“ Wörtern für Süßkram.. Außer „Hemmer“ (hemmt die Abnahme) und „Falle“ (wenn, dann esse ich gleich die ganze Tafel…) hab ich aber noch nix. Hast du noch ein paar Ideen?

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      1. Juvia

        Kommt drauf an, was es ist. Jelly Beans und Skittles könnten bei mir „Diabeteskügelchen“sein, und im inneren Auge formen sich gleich Bilder von absterbenden Füßen etc. Solche Schockbilder funktionieren bei Zigaretten nicht, aber wären sie auf meinem Essen (anstatt der bunten und kitschigen Verpackungen), würde ich das Lebensmittel wohl nicht mehr anfassen.
        Der Rest wie diverse Schokoriegel könnte schlicht und ergreifend „Pickelfressenverursacher“ heißen. Bei mir verursachen Lebensmittel mit hohem KH Anteil fast sofort Pickel und das belastet mich sehr. Die Auswirkung auf die Haut ist bei diesem Naschkram bei mir zumindestens sofort spür-/sichtbar, wohingegen eine Abnahme ja eher etwas ist, was man nach einiger Zeit erst sieht und damit eher in der Ferne liegt, nicht greifbar ist und auch nicht direkt motiviert. Somit ist die Assoziation mit Pickeln gleich doppelt wirksam. Abnehmen UND eine schöne Haut haben, in einem Wisch. 🙂

        P.S.: Schokolade bzw. Kakao an sich muss ja nicht ganz negativ sein. Ich will mal Schoki selbst herstellen, damit ich eine kalorien- und zuckerreduzierte Alternative zu gekaufter Schokolade habe, und die darf dann gerne positiv bleiben.

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  20. Barbarella

    Ja, die Macht der Wörter finde ich auch sehr interessant.
    „Purzelnde Pfunde“ empfinde ich als sehr fröhlich und beschwingend.
    „Abnehmen“ hab ich jetzt keine spürbare Abneigung.
    Doch „dünn sein / werden“ empfinde ich als beängstigend. Es hat für mich was von „sich dünne machen“ zu tun – verschwinden, nicht mehr wahrgenommen werden. Und ich glaub, es hat auch was damit zu tun, dass mein Vater vor seinem Tod für seine Verhältnisse gut abgenommen hatte. Er war sehr stolz drauf – dann starb er. Ähnlich verhält es sich bei meiner Mutter, die inzwischen regelrecht abgemagert ist (nun im Untergewicht) und sehr kränkelt. Bei ihr hab ich seit Jahren Angst, dass sie stirbt.
    „Dünn sein“ bzw. „dünn werden“ verbinde ich mit Tod. Das ist sehr unangenehm. Und wohl nicht besonders förderlich für meine Abnahme.

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  21. Wenn ich es recht bedenke, hatte ich wohl auch das Problem mit den (für mich) richtigen Begriffen. Ich beschloss „Ballast abzuwerfen“. Und stellte mir das Äquivalent der abgenommen Kilos in erst in Butterstücken, dann in Kartoffelsäcken vor . Und diesen Baallast nun nicht mehr mit mir rumtragen zu müssen, war täglich Motivation.

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  22. Im englischen gibt es umgangssprachlich „to shred“ für „Fett abbauen“. Das gefällt mir recht gut.
    1) Es ist erst einmal neutral, weil man es vorher in keinem anderen Zusammenhang verwendet hat
    2) Wörtlich heißt es auf Deutsch „schreddern“. Das hat etwas aktives, kraftvolles, dynamisches. Das gefällt mir. 🙂

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  23. Sibylla

    Schon spannend, wie unterschiedlich die Empfindungen sein können. Ich versuche mich ungefähr genauso lange, wie ich (erfolgreich) am Projekt de facto-Normalgewicht arbeite, an einem minimalistischeren Lebensstil, also sind für mich die „klassischen“ Begriffe Abnehmen und übeschüssiges Körperfett Verlieren durchaus positiv besetzt – gilt dasselbe doch auch für den Krempel, der meine Wohnung und mein Leben zugemüllt hat. Sobald es nicht mehr da ist, kann es nicht mehr nerven, und das ist gut!

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