„Wer garantiert, dass das nicht alles einseitig zitiert wurde?“

Dieser Satz kam so oder so ähnlich nun schon in einigen Rezensionen zu Fettlogik, daher wird es Zeit, diese Frage einmal zu thematisieren. Vorab: Ich hasse diese Frage. Es ist aus meiner Sicht eine unfassbar ignorante, antiwissenschaftliche Frage und der Inbegriff des Postfaktischen, der auch noch die Frechheit besitzt, sich als „kritisch“ zu tarnen.

Ist das etwas hart? Mag sein. Letztlich ist es einfach die Frage, die jedes Mal und bei jedem Thema von Leuten gestellt wird, wenn man ihnen einen Haufen Belege für eine Aussage liefert, die ihrer gefühlten Wahrheit gegenüber steht. Gleichzeitig sind sie aber zu faul, sich damit zu befassen und so kommt einfach ein „Mäh, zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie!“, „Man kann ja alles wissenschaftlich beweisen“, „Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“.

Auf die Art kann man sich von vornherein jede wissenschaftliche Auseiandersetzung mit einem Thema direkt sparen, denn diese Sprüche immunisieren gegen alles, was den Leuten irgendwie nicht in den Kram passt – egal ob Klimawandel, Impfen, Verbrechensmeldungen – auf diese Art wird alles zum alternativen Fakt, wo Belege und haltlose Behauptungen gefälligst als gleichwertig zu betrachten sind.

Und nein, das ist keine „gesunde Skepsis“ – Skeptisch wäre es, wenn man konkrete Anhaltspunkte für Fehler benennen würde und die angegebenen Quellen prüft. Was übrigens einige Fettlogik-Leser auch getan haben. Danke dafür.

Keine Ahnung ob es etwas bringt, Leuten die so eine Frage stellen, eine echte Antwort zu liefern. Wenn es bloß als Trumpsche Immunisierung gegen unliebsame Ergebnisse genutzt wird, sind das vermutlich ohnehin alles #Lügenerklärungen. Ich versuche mir jetzt allerdings einfach mal Option 2 vorzustellen, und sehe jemanden vor mir, der keine wissenschaftliche Ausbildung hat und sich ehrlich fragt, woher man als Laie eigentlich wissen soll, wem man trauen kann. Immerhin scheinen ja auch die Medien ständig widersprüchliche Ergebnisse zu berichten. Mal ist Übergewicht ganz schlimm, dann plötzlich ist leichtes Übergewicht sogar das gesündeste. Mal muss man 5 Mahlzeiten essen, dann wieder maximal drei oder bloß eine. Und immer sind das irgendwelche „allerneusten Studienergebnisse“. Also vielleicht besser gar nichts mehr glauben? Nur noch auf sich selbst hören?

Also zunächst mal: Rein statistisch ist es tatsächlich so, dass eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass Studien mal zufällig ein komplett abweichendes Ergebnis liefern. Diese Wahrscheinlichkeit lässt sich berechnen („p-Wert“). Um signifikant, also „überzufällig“ zu sein, muss die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis nur auf Zufall beruht, je nach Fachrichtung bei unter 5 %, unter 1 % oder unter 0,1 % liegen. Das bedeutet aber auch, dass bei hunderten publizierten Studien rein statistisch immer welche dabei sein werden, deren Daten nur auf Zufällen beruhen. Angesichts der Tatsache, dass eher die Studien veröffentlicht werden, die ein positives oder „interessantes“ Ergebnis haben (im Gegensatz zu „Wir haben diese Idee geprüft, aber … nö. War nix.“ oder „Wir haben zum drölfzigtausendsten Mal ein bereits bekanntes Ergebnis bestätigt.“) ist der Wert unter den veröffentlichten Studien eher höher anzusiedeln. Und hier sind wir noch bei echten Ergebnissen, denn natürlich gibt es auch fehlerhafte Messungen oder schlechte Studiendesigns (ich habe z.B. bei der Biggest-Loser-Studie geschrieben, warum ich diese für schlecht halte) und Forscher, die tatsächlich betrügen.

Aussaggekräftiger als einzelne Studien sind daher Metaanalysen verschiedener Studien und Übersichtsartikel.

Ich versuche einfach mal, zu erklären, wie ich Fettlogik geschrieben habe.

Wie habe ich die Studien überhaupt gefunden? Einige, die ich besonders gut fand, hatte ich über die Jahre, bevor ich überhaupt an ein Buchprojekt dachte, in die Lesezeichen gelegt, um sie bei Bedarf in Diskussionen zu verwenden – das waren zuerst meist (Blog-)Artikel zu Fatacceptance, im Laufe meiner Abnahme dann alles mögliche (Anti-)Fettlogische. Das war schonmal eine gute Basis um Studien „beider Seiten“ zu haben. Als ich die einzelnen Kapitelüberschriften zusammen hatte, also eine Sammlung von Fettlogiken, begann ich, in Datenbanken nochmal konkret zu den einzelnen Themen zu suchen. Also klassische Stichwortsuche: „Body weight BMR“, „Weight loss Energy expenditure“, „Obesity blood pressure“, etc.

Dabei habe ich mir die relevantesten Studien zu meiner Fragestellung durchgeschaut. War das Ergebnis überall ähnlich, habe ich mir die Studien ausgewählt, die am qualitativ hochwertigsten waren (neuer, größer, gutes Studiendesign,…) und sie als Beispiel genommen. Wenn die Ergebnisse gemischt ausfielen, habe ich mir die einzelnen Studien näher angeschaut um rauszufinden, was im Design anders war und was die Unterschiede erklären könnte. Was ich nicht gemacht habe: „Unliebsame“ Ergebnisse zu ignorieren.  Ich hatte beim Schreiben keine „Agenda“ und manche der Ergebnisse haben mich selbst überrascht. Letztlich war das Recherchieren auch für mich unglaublich interessant. Wenn sich „Fettlogik überwinden“ so liest, als sei es quasi „aus einem Guss“, dann ist das so, weil ich anhand der Ergebnisse meine Theorien erstellt habe und nicht umgekehrt.

Wenn manche beim Fettlogik von „Aha-Erlebnissen“ oder „Klick-Momenten“ reden … nun, so ging es mir teilweise beim Schreiben auch. Es gab mehrere Momente, in denen sich alles zusammenfügte und verschiedene Ergebnisse plötzlich wie ein Puzzle zusammenpassten. Ich hatte schonmal erzählt, dass ich zum Thema „Weight Cycling“ (also Gewichtsschwankungen) vorher die absolut feste Überzeugung hatte, dass diese gesundheitsschädlich seien. Das hatte ich sogar noch in meiner Diplomarbeit vor 10 Jahren so geschrieben. Ich hatte mir also überlegt, dass das evtl. an ungesunden Crashdiäten liegen könnte und hatte geplant zu recherchieren, ob es Belege dafür gibt, dass Menschen mit großen Gewichtsschwankungen evtl. zu den Extremzeiten eher ungesund essen. Meine persönliche Hypothese vor der Recherche zu „Jojo-Diäten sind viel schädlicher als Dicksein!“ wäre also gewesen, dass es nur eine halbe Fettlogik ist, und das daran lieg, dass die Diäten unausgewogen sind. Tatsächlich waren dann die ersten relevanten Studienergebnisse singemäß alle: „Das hat sich inzwischen als Irrtum herausgestellt und liegt daran, dass unfreiwilliger, krankheitsbedingter Gewichtsverlust nicht von Diäten unterschieden wurde. Diäten sind nicht ungesund, tendenziell eher sogar das Gegenteil.“ – Oh. Also: Kapitel entsprechend verfasst. Passte so gesehen ja sogar noch besser, denn auf die Art war es nicht nur „eine halbe Fettlogik“ sondern eine „ganze Fettlogik“.

Ich denke, was vielen nicht ganz bewusst ist, ist, wie tief meine eigenen Fettlogiken bei mir saßen. Mich hat es selbst oft überrascht, dass sie einfach nicht stimmten. Ich weiß noch, wie ich beim Krankheitskapitel fast aus den Latschen gekippt wäre. Aus meiner Fatacceptance-Zeit war ich fest davon überzeugt, die Krankheitszusammenhänge seien „fragwürdig“, „vage“ und „alle nur korrelativ“. Ich bin rangegangen mit der Einstellung, dass ich vermutlich ein paar Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Rückenschmerzen finden würde, die in klarem Zusammenhang zum Gewicht stehen, denn wenn ich ehrlich war hatte ich das im Hinterkopf trotzdem immer ein wenig geglaubt und ja dann auch selbst gemerkt, dass diese Dinge bei mir besser wurden (also Bluthochdruck und Schmerzen).

Dann gab ich meine Suchbegriffe ein und … tja. Da war so gar nichts „vage“. Das war im Gegenteil, äußerst eindeutig und quasi ein permanenter Schlag ins Gesicht. Anstatt ein paar wenige Krankheiten mit halbwegs klaren Bezügen zu finden, gab es kaum etwas, das nicht im Zusammenhang mit dem Gewicht stand. Ich musste irgendwann einfach aufhören, und so gibt es einige relevante Erkrankungen, die noch fehlen (Asthma beispielsweise, glaube ich).

Lustigerweise hatte ich in meiner Fatacceptance-Literatur dann einen Artikel zu „Aber Übergewicht ist besser für die Knochendichte“ und nach der ganzen Recherche dachte ich „Tzö, das ist sicher auch Bullshit, den ich jetzt lockerflockig als Fettlogik widerlege.“ – DAS war dann aber tatsächlich wahr. Ist ja bei näherer Ursachenbetrachtung auch logisch. Also, wie ging ich mit diesem „Gegenergebnis“ um? Es steht im Buch. Was ja auch ein Hinweis sein könnte, dass ich „unliebsame Fakten“ eben nicht ignoriere oder verheimliche. Wenns so ist, ist es halt so. Und mal ehrlich, das zu ignorieren wäre ja nicht unbedingt schwer gewesen, denn wer hätte mir ernsthaft einen Strick daraus gedreht, eine bestimmte Erkrankung unter tausenden NICHT erwähnt zu haben? Ich hätte ohne weiteres sagen können, dass ich Ostheoporose eben genauso wie Asthma gar nicht gesucht habe, weil ich ja nicht jede Erkrankung thematisieren kann.

Und hier ein weiteres Ding zum Thema „Gegenstudien“: Fettlogik ging ja ein Jahr vor der Printversion als selbstverlegtes ebook an den Start. Diese Version war noch deutlich kürzer, insbesondere der Teil zum „Hungerstoffwechsel“. In zig Diskussionen wurden mir auch noch zig Studien zugeschickt, die mir zeigen sollten: Hah! Er existiert doch. Ínzwischen sind die meisten Studien aus diesen Kapiteln aus exakt solchen Diskussionen heraus im Buch gelandet, denn ein genaues Lesen der Studien ergab eben, dass der Grundumsatz nicht (stark) sank. So gesehen ist das das stärkste Kapitel im Buch, denn es basiert zum größten Teil nicht auf meiner Recherche sondern auf der Recherche der „Gegner“, die mir ihre (vermeintlich) stärksten Belege schickten.

Wenn es also irgendwo „kontroverse Ergebnisse“ gab, habe ich immer versucht, möglichst genau zu erklären, woher diese kommen. Das wurde in einer Negativrezension auch angekreidet: Sie kommt nie zum Punkt und erzählt viel mehr von irgendwelchen Studien-DURCHFÜHRUNGEN als von den ERGEBNISSEN.“ aber in manchen Bereichen war es eben wichtig, aufzudröseln warum manche Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und was das Studiendesign damit zu tun hat. An sich war meine Absicht, den Prozess auch gerade für Laien verständlich und transparent zu machen, denn klar stimmt theoretisch die Aussage, dass man zum Thema Gewicht ganz unterschiedliche Ergebnisse findet. Nur bedeutet das eben nicht, dass es dann auch unterschiedliche Tatsachen gibt – es bedeutet nur, dass manche Studien nicht geeignet sind, um eine bestimmte Frage zu beantworten. Wer nun eine bestimmte „Agenda“ verfolgt kann also tatsächlich immer irgendwelche dubiosen Studien aus dem Hut ziehen, die ein bestimmtes Ergebnis stützen  deswegen gibt es ja so viele „Wunderdiäten“ oder komplett unterschiedliche Ansätze.

Das ist allerdings kein Grund, die Wissenschaft und die Realität an sich in Frage zu stellen und nur noch gefühlten, oder alternativen Fakten zu folgen. Im Gegenteil, es sollte Anlass sein, sich (auch als Laie) mehr mit Originalstudien zu befassen. Artikel zu Studien sind oft Mist – kann man nicht anders sagen. Ich hatte hier schon einige Artikel großer Zeitungen kommentiert, und das waren noch nichtmal die wirklich unseriösen Seiten. Wer in einem Artikel nur von „neuen Studien“ oder „Studien sagen,….“ spricht, ohne Quellen anzugeben, schreibt oft Bullshit. Aber auch wenn die Studien angegeben werden, lohnt sich oft ein Blick hinein, um zumindest das „Abstract“, also die Zusammenfassung zu lesen. Dort wird kurz das Wesentliche zur Studie erklärt, also die Durchführung, das Ergebnis und das Fazit.

Klar kann man nicht zu jedem Thema umfassend informiert sein und sich als fachfremder Mensch in zig Originalstudien zu Dingen wie Klimawandel, medizinischen Themen oder Physik einlesen. Wichtiger ist eher, dass man Strategien entwickelt, um „Fake News“ und unseriösen Quatsch möglichst gut zu enttarnen. Im Zweifel hat es seinen Grund, wenn 95 % der Experten eines Fachgebietes eine bestimmte Meinung vertreten. Das bedeutet nicht, dass diese zwingend richtig sein muss, es bedeutet nur, dass es ein nachvollziehbares Erklärungsmodell benötigt und klare, nachprüfbare Belege, wenn jemand diesen Konsens in Frage stellt.

Es mag in zweiter Instanz interessant sein, warum 95 % der Experten irren, aber die Begründung darf nicht zentral darauf beruhen. „Die Ärzte/Politiker/Wissenschaftler/Industrie … sind alle nur geldgeil und manipulieren, daher darf man denen grundsätzlich nicht trauen.“ ist kein Beleg. Und „Wer garantiert, dass das nicht alles einseitig zitiert wurde?“ ist kein Gegenargument.

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71 Gedanken zu “„Wer garantiert, dass das nicht alles einseitig zitiert wurde?“

  1. thezora

    Mal wieder Klasse geschrieben! Nur als kleiner Hinweiß, Asthma wird im Buch kurz angeschnitten, habe die Stelle grade gestern Abend erneut gelesen. Nimmt dem Artikel aber nichts von seinem Wahrheitsgehalt, finde ich.

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      1. Frank

        @bjoernstarkimarm
        Vielleicht hat sie es im Schlaf geschrieben? Wie auch immer, ob vergessen oder nicht gelesen spielt keine Rolle. Sie macht das Buch schlechter als es ist und da muss man doch einschreiten.

        P.S.: Ich muss wohl doch darauf hinweisen, dass das ein Scherz von mir war.

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  2. annesch

    Danke, dass Du dich durch die ganzen Studien gewühlt hast und wir jetzt davon profitieren…! 🙂 Es lohnt sich für alle, sich grundlegende Recherche-Kenntnisse anzueignen – den Fußnoten auf Wikipedia nachzugehen oder bei bestimmten Themen mal in den Daten z.B. der statistischen Landesämter bzw. des Bundesamts zu stöbern…
    Ich suchte jetzt gerade einen Link, den ich vor einiger Zeit mal gelesen hatte (nicht gut archiviert…), der grundlegende Recherche-Kenntnisse vermittelte, die wir alle heutzutage gut brauchen können. Leider finde ich ihn gerade nicht, aber hier (http://upload-magazin.de/blog/742-basiswissen-journalismus-recherche-fur-blogger/) stehen auch schon interessante Sachen drin. Selbst wenn man erst mal nur die Zeit hat, zu lesen (und sich anzueignen, durch üben, damit man nicht immer nachschauen muss), welche Suchformulierungen es für Suchmaschinen gibt, um Suchen zu spezifizieren und einzuschränken.

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  3. Amelie

    Danke dafür!
    Ein wunderbarer Artikel über wissenschaftliches Arbeiten und warum auch ein Churchill-Zitat keine vernünftige Diskussionsgrundlage bilden kann.

    Einfach danke.
    Ich ziehe meinen wissenschaftlichen Hut vor deiner wirklich hervorragenden wissenschaftlichen Arbeit und wünschte mir, alle wüssten wie viel Arbeit das ist sich so gut in ein Thema einzuarbeiten.

    Heil dir Pubmed.

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  4. sternenmond75

    Liebe Nadja,

    das war ein verbaler Home Run !!! YEAHHHH!!! Ich muss das sofort speichern, neee besser ausdrucken und für all elenden Diskussionen mit Gegner von Diäten und Impfungen, Leugnern von HIV/Aids, Krebs, ADHS & Co. sowie Gläubigen der Homöopathie, Bachblüten & Schnickschnachschnuck das Blatt an die Stirn tackern 🙂

    Genau DAS ist es, was mich immer nervt: wenn es erdrückende Beweise für oder gegen XY gibt, dass ein einfaches

    “MÄHHHH! Lobbyismus! Lügeeee! Aber die Mutter meines Meerschweinchens dessen Züchter davon die Urgroütante fünften Grades hat aber BliBlaBlub! So, und nun beweis mal, dass ich nicht unrecht habe und zwar nur mit alternativen Fakten, die mir gefallen, sonst finde ich das total blöd. Peng.“

    reicht, um irrsinnigen, gefährlichen Verschwörungstheorien oder Methoden weitere Anhänger zu verschaffen.

    Also: Nadja for president. Echt mal!

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  5. Fenris

    Hallo! Erst einmal vielen Dank für die tollen Artikel und natürlich Dein Buch. Ich habe es erst vor ein paar Wochen als Hörbuch konsumiert und war einfach nur erleichtert. Es hat mir endlich die Verantwortung zurück gegeben mein Gewicht selbst in der Hand zu haben! Ich bin selbst Forscherin und von daher war der wisschenschaftliche und mathematische Ansatz für mich sehr schlüssig und vor allem praktikabel (die ersten 10 Kilo sind schon weg und es werden noch 30 folgen 🙂 Mein Mann ist übrigens auch begeistert und macht mit!
    Ich denke viele Menschen haben aber genau hiermit ein Problem. Sei es die Verantwortung oder die Möglichkeit sich selbst anhand signifikanter Ergebnisse damit auseinander zu setzen. Ich bin selbst in einem Haus aufgewachsen in dem tagtäglich dutzenden Fettlogiken gehuldigt wurde. Es ist einfacher der Presse zu glauben, die nur Teile oder eben schlechte Studien zitiert (mir am ehesten im Gedächtnis sind immer noch die Schlagzeilen „Schokolade ist gesund und macht schlank“…).
    Durch die umfangreiche und begründete Argumentation im Buch wurden mir die Augen geöffnet bzw. mir eine Anleitung zum „lösen des Puzzles“ gegeben.
    Noch einmal vielen Dank und ich werde weiterhin gerne mitlesen!

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    1. Fenris

      Ach, eine Fettlogik, die ich verpasst habe wäre „wenn Fettzellen schon da sind, kann man diese nur noch leeren, sie bleiben aber“. So oder so ähnlich. Das wäre eine Erklärung für Jojo (Fettzellen sind ja schon da und füllen sich deshalb wieder schneller/leichter) und für ein eher höher gestecktes Endgewicht (Fettzellen sind ja da, ich kann also nie ganz dünn sein).
      Gab es dazu ein Kapitel (habe ich es wirklich verpasst?) oder wurde es nicht behandelt?
      Schon mal vielen Dank falls jemand mehr weiß 🙂

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  6. Ich nehme an, dass sich besonders gerne auf folgendes ausgeruht wird: „Die Thesen in diesem Artikel wurden durch die verlinkten Quellen ja offensichtlich bestätigt. Warum muss ich mir jetzt also die Mühe machen, die Quellen selbst durchzugehen, wenn es bereits jemand anderes gemacht hat?“ Ist natürlich eine bequeme Einstellung, wird aber viel zu häufig ausgenutzt, um Bullshit zu verbreiten (oder eben Fakten, bei denen man meint, sie wären korrekt, aber keine Belege vorweisen kann).

    Es lohnt sich immer, Quellenangaben zu checken. Ich habe es schon oft genug erlebt, dass zwar brav die Quellen verlinkt wurden, aber deren Inhalt offensichtlich nicht im Ansatz verstanden wurde. Bspw. habe ich letztens in einem Artikel eine Studie zu Süßstoffen. Die These des Artikels war, dass Süßstoffe nicht den Appetit anregen, sondern die Darmflora ändern und daher Adipositas begünstigt. In der Studie ging es aber um die entkrampfende Wirkung von Süßstoffen in Bezug auf Epilepsie. (Für Interessierte: https://kaschmiro.wordpress.com/2017/01/24/besser-keinen-suessstoff-oder-doch/)

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  7. Jessi

    Vielen herzlichen Dank für diese ausführlichen Begründungen und Belege für die Recherchen und wie du vorgegangen bist. Du kennst dich durch Studium und Promotion besser aus mit Studien, Statistiken, … etc. als der Großteil deiner Leser, und für dich ist vieles klar und offensichtlich, daher finde ich es sehr gut, dass du hier ein bisschen Einblick in die Materie gibst.

    Denn sonst könnte man ja auch wieder einfach denken: „Das ist eine Person, die das behauptet, und die Studien eben zu ihren Gunsten ausgelegt hat und nur weil sie zufällig abgenommen hat, heißt das ja nichts!“ (; Oder ähnliches….

    Ich bin in einer Facebook-Gruppe einer Formula-Diät und dort trieft es nur so von täglichen Fettlogiken. Als eine Bekannte (der ich dein Buch empfohlen habe) dort dein Buch erwähnt hat wurde der Beitrag sofort gelöscht =D

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  8. proxima-ratio

    Was für ein erster Absatz! Würde ich mir am liebsten aufs T-Shirt drucken. Diese pseudo-kritische Grundhaltung ist vor allem im alternativen Milieu, aus dem ich stamme und dem ich mich irgendwie noch verbunden fühle, total verbreitet. Es wäre wirklich toll, wenn in den ganzen soziologisch-geistes’wissenschaftlichen‘ Studiengängen mal der Umgang mit Studien besprochen würde, als MINT-Lehrer ist man im Lehrerzimmer nur am Ohrenschlackern.

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  9. Tanzanite

    Hey, eine kleine Frage zu den Erkrankungen, die du ausfindig machen konntest. Hast du evtl. Auch etwas über den Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Übergewicht heraus gefunden?

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      1. Mona

        Ah. Ja, das ist interessant, ob das Immunsystem vom Übergewicht schlechter wird. Das kann man wahrscheinlich gar nicht wirklich untersuchen, weil so Vieles auf das Immunsystem wirkt, z.B. allgemein Stress.

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      2. Tanzanite

        Also ich meine, ob allgemein eine höhere Anfälligkeit bei Übergewichtigen für Gürtelrose festgestellt wurde bzw. besonders ob bei Übergewichtigen eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer wiederkehrenden Gürtelrose festgestellt wurde. Oder ob es unter den Übergewichtigen besonders viele Nonresponder, also Menschen, bei denen die Virustatika nicht anschlagen, gibt.

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  10. Auch wenn es Lenin war der mal schrieb: „Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis“. Ich argumentiere immer mit mir. 55 Jahre, 23 KG abenommen mit dem Fettlogik Buch-Wissen (also nur Defizit) und mein Arzt sagt mir ich hätte die besten Vitalwerte seitdem er mich kennt – und das sind über 20 Jahre. Beste Blutwerte, Cholesterin Top, Belastungs EGK so gut wie nie etc.

    Ganz ehrlich: Da ist mir die Wissenschaft sowas von egal die meint, es wäre schädlich für den Stoffwechsel unter seinem Grundumsatz zu essen. Jetzt ist eine Selbststudie (n=1) nicht sehr repräsentativ, aber es gibt ja noch viel mehr solcher Beispiele wie die Kommentare hier immer zeigen.

    Also danke für das Buch, danke für die Recherche. Es gibt leider viel zu viel Interessen und Lobbyisten, die es lieber anders hätten.

    Was kriege ich für Spam von sog. Experten (Sportler oder Popstars-Ausbildern) die „die Methode“ gefunden haben. Am Ende sind es irgend welche Mittel, die sie verkaufen wollen. Pillen, Shakes oder einfach nur das abgedroschene LowCarb. Zitat des Popstar Ausbilders (sinngemäß):“Ich habe mich immer gewundert, warum ich bei reduziertem Essen und viel Sport meine Fettpolster nicht los geworden bin. Wahrscheinlich ist das Sixpack unter dem Fettpolster gewachsen. Erst als ich ….. (natülich seine Methode) angeweden habe …..“ bla bla bla.

    Das diese Leute Fettlogik bekämpfen ist doch klar. Was wenn man ohne Mittel, Shakes, Programme etc. gesund abnehmen könnte. Das wäre eine Katastrophe für eine immer mehr boomende Industrie.

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  11. Ich muss gestehen, dass ich dein Buch (noch) nicht gelesen habe. Aber es reizt mich immer mehr. Weil du eben so sachlich an damit umgehst.
    Und gerade die Aussage: “Die Ärzte/Politiker/Wissenschaftler/Industrie … sind alle nur geldgeil und manipulieren, daher darf man denen grundsätzlich nicht trauen.” macht mich wahnsinnig und hat mich dazu gebracht aus einigen Facebookgruppen auszutreten.

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      1. Ja, hab ich. Aber irgendwie nie eine Benachrichtigung über ein Update oder so bekommen…
        War mein erster E-Book-Kauf über Amazon, bei dem ich an einem update Interesse hätte… Daher bin ich da was blöd, was die Technik angeht.

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      2. sternenmond75

        Problem bekannt, alle Einstellungen waren richtig, aber immer noch das alte E-Book. Dann monatelang faul geschoben bis zu Deinem Posting und heute Nacht eine Mail an den Kundenservice von amazon geschickt. Der rief mich a) kurz nach 8 Uhr bereits an bzw. besprach meinen AB und schickte b) parallel eine Mail, dass ich kurz “JA“ zurück mailen soll und die neueste Fassung dann downloadbereit ist. Also das ist mein DANKE für die Erinnerung, mal aktiv zu werden.

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  12. @yetanothermist

    „[…] in manchen Bereichen war es eben wichtig, aufzudröseln warum manche Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen und was das Studiendesign damit zu tun hat.“
    Genau das finde ich an dem Buch so gut. Endlich kann ich als Laie mal einen Überblick über die verschiedenen Meinungen bekommen und eine wissenschaftliche Einschätzung haben. Auch die Zitierungen finde ich sehr vertrauenserweckend.

    Ein bisschen Gewicht habe ich schon verloren – jetzt ist Klausurenphase und ich schaffe es psychisch nicht mich noch um mein Essen zu kümmern, dafür ist Frustessen einfach viel zu hilfreich im Kampf gegen Formeln. Und ja, ich weiß, dass es auch eine Fettlogik ist es auf „einen Tag nach den Klausuren“ zu schieben, aber ich habe nicht genug Kraft um an meiner Prüfungsangst und meinem Körper gleichzeitig hart zu arbeiten…

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  13. Für Freunde von FLÜ habe ich hier mal eine Excel-Tabelle zusammengestellt, die aufgrund des Gewichtes BMI/Grundumsatz/Leistungsumsatz mit PAL berechnet und in der man Ernährung und verbrannte kcal eingeben kann. Die Tabelle hat mir gezeigt dass die Berechnung meiner Abnahme zumindest mit der Waage korreliert (Tendenz, fast nie genau). Ggf. kommen wir dann mal zu einer Studie n>1 in der bewiesen wird, dass es einzig und allein um das Kaloriendefizit geht. Oder wir merken, dass die Theorie falsch ist 😱
    http://manfred-wolff.de/abnehmen-mit-excel/

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  14. Das zielt ja nun eine erkenntnistheoretische Frage, und geht für den Laien sicherlich zu weit, von daher ist das sicherlich per se eine gute Reaktion – also, das Offenlegen der eigenen Methodik. Da ich ein paar Punkte kritisch sehe, versuche ich es mal mit einer für Laien einfachen Antwort, welche „wissenschaftlichen“ Egebnisse man denn nun „glauben“ sollte:

    Es gibt eine Theorie, die
    (a) für jeden *nachvollziehbar* *begründet* und
    (b) an der Realität *überprüfbar* ist und
    (c) die Realität *besser* erklärt als alternative Theorien.

    Das ist jetzt natürlich stark vereinfacht, aber das ist ja grundsätzlich auch das, was Nadja schreibt. Leider schreibt Nadja noch ein paar mehr Sachen, die ich kritischer sehe, und die ich nicht so unterschreiben würde.

    Das bezieht sich auf „postfaktische Ingnoranz“ und „Lügenerklärungen – da gibt es eine wissenschaftliche Theorie dazu, Akerlofs Market for Lemons. Grundsätzlich beschreibt er Gebrauchtwagenmärkte, auf denen es für Laien schwer einzuschätzen ist, wie gut das Auto wirklich ist. Das Problem hat man nun offenbar auch mit Wissenschaft und Pressemeldungen, was ein sehr schlechtes Licht auf Wissenschaft und Presse wirft (wenn man jetzt Gebrauchtwagenhändlern einen schlechten Ruf zuspricht).

    Das Problem des Lemons Markets ist es, dass mangels Transparenz ein Markt, auf dem auch nur ein schlechtes Produkt tatsächlich gehandelt wird, langfristig zu einem Markt für *ausschließlich* schlechte Produkte wird, da es sich nicht mehr lohnt, gute Produkte zu verkaufen, weil die Käufer den Unterschied eh nicht merken. So haben wir jetzt „postfaktische Fake News“ auf der einen versus die „Lügenpresse“ auf der anderen Seite, und was wir nicht mehr haben, sind realitätsnahe Nachrichten. Also, schlimmstenfalls; Akerlofs Theorie ist nicht in Stein gemeißelt, sondern nur eine (wirtschaftswissenschaftliche) Theorie.

    Das wäre dann übrigens das, was Wissenschaftler von nicht-Wissenschaftlern unterscheidet: Zweifel. Ein wirklich guter Wissenschaftler wird eine Theorie haben, die sich mit Tatsachen deckt, aber immer froh sein, wenn jemand sie anzweifelt und nach alternativen, besseren Theorien sucht, da *gesicherte* Erkenntnis – man denke hier an Platons Höhlengleichnis – *auch* nur eine (philosophische) Theorie ist.

    Nun ist das auch innerhalb der Wissenschaft – vor allem der Sozialwissenschaft – nöchst umstritten, wie mit Erkenntnis im Allgemeinen umzugehen ist, und das ist keineswegs eine ausdiskutierte Frage. Halten wir aber mal fest, dass das Problem nicht nur Laien haben, sondern auch wissenschaftler in zumindest allen sozialwissenschaften Bereichen sowie bei jeglicher sonstiger Fragestellung, die sozial oder politisch thematisiert wird. Es gibt auch Theorien, warum das so ist, aber das ginge jetzt zu weit, und da bin ich nicht tief genug drin.

    Wenn also Nadja schreibt

    > Im Zweifel hat es seinen Grund, wenn 95 % der Experten eines Fachgebietes eine bestimmte Meinung vertreten.

    Dann würde ich das mit einem großen Löffel Salz schlucken und mir erstmal genau anschauen, wen die Forscher eigentlich unter „Experten des Fachgebiets“ versetehen. Zudem ist eine Untersuchung dessen, was Experten denken, eine soziologische Fragestellung, und soziologische Themen sind normalerweise nicht monokausal; es gibt *mehrere* Gründe, warum die „das“ denken. Einer dieser Gründe mag sicher die Pharmalobby sein (hey, es ist nicht so, als *gäbe* es keine Pharmalobby), aber das reicht halt als Erklärung *nicht* aus. Es ist auch nicht zwingend so, dass die Pharmalobby zwingend die Unwahrheit vertritt, nur mal so, um das mitzubedenken. Das heißt also, dass 95% von irgendeiner Gruppe, die die Pharmalobby bezahlt, x sagen, macht x noch lange nicht wahr oder falsch, sondern ist schlicht *gar kein* Argument.

    Das Problem gibt es übrigens auch auf der Ebene von Metastudien – wenn der ganze Forschungszweig x hinterherrennt, wird auch eine Metastudie x ergeben, unabhängig davon, was x jetzt ist oder ob es stimmt oder nicht. Es gibt zudem nämlich das Problem der „Cargo Cult Science“, also Leuten, die so tun, als würden sie Wissenschaft machen, es sieht auch total nach Wissenschaft aus, ist es aber nicht (es gibt einen recht guten Wikipedia-Artikel dazu). So gibt es Leute, die durchaus brav ihre p-Werte berichten und sowas auch veröffentlicht wird, aber die p-Werte sind halt jenseits von Gut und Böse; man muss da schon auch drauf achten.

    Um das zu betonen: Nadjas Punkte sind grundsätzlich wahrscheinlich richtig, aber eben nur wahrscheinlich. „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ hat aus meiner Perspektive einen enormen Wahrheitsgehalt, aber wenn man selbst keine Statistiken fälschen kann, macht man sich halt wahrscheinlich nur lächerlich.

    Man kann und sollte man immer alles anzweifeln, aber man kann es ruhig glauben, wenn die *gebrachte* Erklärung besser ist als „Gedankenkontrolle durch Echsenmenschen“ oder sonstiger Unsinn – wie Berufung auf höhere Instanzen. Ein *guter* Wissenschaftler kann seine noch so komplexen Sachen dem Durchschnittsmenschen nachvollziehbar erklären; das wäre mein empfohlenes Entscheidungskriterium. Und „ist so“ ist keine wissenschaftliche Erklärung, sondern *gar keine*.

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    1. Fenris

      Warum im Bereich der Sozialwissenschaften ansiedeln? Ist meiner Meinung nach nicht ganz richtig. Körperfunktionen und Abnahme/Zunahme hat natürlich etwas mit Verhalten zu tun, in erster Linie ist es jedoch medizinisch und von daher auch durch Messungen „einfacher“ festzustellen (siehe Selbstauskunft) und nichts latentes.

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      1. Fenris, weil Wissenschaft und Daten immer noch von Menschen interpretiert/ausgewertet werden. Soweit ich das verstanden habe, bezieht sich der Kommentar ja auch auf den Prozess der Wissensgenerierung. Grundsätzlich hat er auch Recht mit dem, was er schreibt, nur hat Nadja eigentlich gar nicht das Gegenteil behauptet. Sie hat die Daten und Modelle herangezogen, die aktuell das beste Erklärungsmodell bieten und sich ja nicht für Vollständigere verschlossen.

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      2. @Fenris: Da hast Du schon recht, aber „Fettlogik“ ist eben kein naturwissenschaftlich-medizinisches „Problem“, sondern ein sozialwissenschaftlich-medizinisches; psychologisches, wenn Du so willst.

        Medizin ist halt keine reine Naturwissenschaft – aktuell ist da der Forschungsbereich „Compliance“ sehr groß – also die Problematik, dass Medikamente ggf. deswegen nicht so toll wie erwartet wirken, weil die Leute sie *nicht so nehmen, wie sie sollten*. Und damit hast Du halt keine monokausale Einfachheit, wie es z.B. die Physik gerne hat (oder hätte), sondern komplexe – latente – Phänomene wie „Abnehmen“, was ja nun auch latent aus mehreren Elementen besteht – Gewicht, Größe, kcal-Aufnahme, kcal-Verbauch etc. sind ja nun mindestens vier.

        Ich habe das aber eher deswegen geschrieben, weil die Wissenschaft des menschlichen Verhaltens eine der schwierigsten (und gleichzeitig fehlerbehaftetsten) ist, (weil man die Fehler halt nicht sofort merkt), und deswegen einen Riesen-Schlonz Probleme mit sich zieht, die Najda halt (was ja durchaus vernünfig ist) gerne ignorieren würde, aber das geht halt – wie man an einigen sehr dummen „Gegenargumenten“ merkt, nicht so leicht.

        Ist doof, ja, aber Menschen *sind* so gesehen doof. Schau, ich bin Wirtschaftswissenschaftler, und da basiert alles auf dem „homo oeconomicus“, dem vernünftigen Menschen, von dem alle wissen, dass es ihn nicht gibt, aber „Volldeppen, die machen, was sie wollen“ als Alternativtheorie lässt sich halt nichts verkaufen. Eine Wunderdiät, bestehend aus einem proteinreichen, ausgewogenen 800kcal-Frühstück und sonst nur jede Stunde ein Arsenicum Mercurius – C30 Globuli, hingegen schon – und die funktioniert sogar, wenn die Leute sich daran halten.

        Möchte jemand Arsenicum Mercurius – C30 Globuli? Nur zwei Euro das Stück, und ich habe drei Wochen Lieferzeit.

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      3. Fenris

        Erstmal: ja 🙂 Schön dass man sich hier nicht „streitet“ sondern Meinungen austauscht!!!
        Ich finde dann sollte man unterscheiden, zwischen dem „interpretieren“ und „reagieren“ auf die Fettlogiken und natürlich auf die „Wirkungsweise“ an sich.
        Dass das ganze Konstrukt in den Sozialwissenschaften zu Hause ist, ist richtig! Ich bin Sozialwirtin 😉 Da geht mein Forscherherz auch auf. Ich würde gerne die Daten von allen hier sammeln um die Stichprobe von n=1 erweitern 🙂
        Was ich meinte ist tatsächlich die „reine“ Funktionsweise. Energie rein, Fettspeicher, Energie raus. Das ist kein sozialwissenschaftliches Phänomen…
        Ansonsten richtig!

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      4. @Fenris:

        Die „reine“ Funktionsweise, also „Energie rein, (Fett)speicher, Energie raus“ *anzuzweifeln* ist wahlweise einfach nur dumm (was ein sozialwissenschaftliches Problem wäre) oder aber eine bahnbrechende physikalische Erkenntnis, die ich für viele Milliarden an E.On oder Vattenfall verkaufen und/oder zwei Nobelpreise (Physik, Frieden) bekommen würde.

        Ich dachte aber, es wäre klar, dass es hier um Leute geht, die Sachen behaupten/glauben, nicht um die Sachen an sich. Aber wenn Du hier was forschen willst, mach das; Nadja ist da sehr offen für – normalerweise. „Leute, die Bullshit zum Thema Ernährung glauben, sind dicker als Leute, die sich mit Ernährung auskennen“ ist zum Beispiel eine These, die ich für super gewagt halte – siehe meine Globuli-Diät.

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      5. Zur Ernährungsforschung als scheinbar naturwissenschaftliche Messung:

        Bei den meisten Studien zur Ernährung und Lebensweise ist man nicht rund um die Uhr unter wissenschaftlicher Aufsicht wie ein Versuchstier, sondern protokolliert das eigene Verhalten selbst. Die einen genau, andere weniger genau.

        Und im Gegensatz zu Medikamentenstudien kann bei Ernährung und Sport kein Vergleich zu Placebos gezogen werden, weil es weder Placebo-Nahrungsmittel noch Placebo-Bewegung gibt.

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    2. Fenris

      Genau das meine ich 🙂 Es ist nicht einfach dumm (wo wir wieder bei den Sozislwissenschaften sind bzw. Psychologie oder Ökonomie, je nach Modell!). Es ist das Perpetuum Mobile das eigentlich nicht existiert. Von wegen „Hungermodus“. Das ist für mich „Fettlogik“. Dass es eben doch nur auf rein und raus hinausläuft…
      Ich glaube wir sind uns grundsätzlich einig!

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  15. Nachtrag zu „Man kann ja alles wissenschaftlich beweisen“:

    Nein, man kann *überhaupt nichts* wissenschaftlich* beweisen. Das ist einer der wenigen Punkte, in dem sich die Wissenschaft einig ist.

    *: Einschränkung hier auf praktische Wissenschaften, natürlich geht das in theoretischen Wissenschaften, aber wir jeden hier nicht von formaler Logik oder theoretischer Mathematik oder sonstigen Axiomensystemen, die keinen direkten Realitätsbezug haben, oder?

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  16. Wow, was für ein Artikel! 🙂
    Zum Glück bist du aufgrund deiner Ausbildung wahrscheinlich hart genug im Nehmen (und Verteidigen deiner Thesen). Trotzdem ist es nervig, wenn man immer wieder gegen eine Wand aus Ignoranz rennt, so muss es Dir zumindest vorkommen und dass ist ja eigentlich auch das grundlegende Thema all deiner Comics, die ich liebe und geniesse! 🙂
    Bleib stark, lass dich nicht beirren, erleuchte uns – Messias! Lach. Das wäre die andere Seite der Medaille.
    Ich finde es großartig, dich kennenzulernen. Vielen Dank, dass Du die Szene veränderst!

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  17. Nadja, danke. Weißt du, was ich vor 2-3 Jahren noch von meinem Prof in Klinischer Psychologie (KTV) gelernt habe?

    – Setpointtheorie
    – Gewichtsschwankungen führen zu schweren Herzerkrankungen
    – Therapieziel „Normalgewicht“ können man knicken, mehr als 5% Gewichtsabnahme (halten) könnten Patienten eh nicht leisten
    – Fundamentale interindividuelle Unterschiede im Stoffwechsel

    Da saß ich nun, meine Hoffnungen alle in die Hose gerutscht, mit Bauchweh und undefinierbarer Wut aus Hilflosigkeit: „Soll ich das wirklich meinen verzweifelten Patienten sagen?“ (Und eigentlich dachte ich: „Heißt das, ich werde immer übergewichtig bleiben?“)

    Dein Vorgehen ist gut und korrekt. Und das mit den stärkeren Knochen ist eigentlich logisch: Je mehr man Knochen beansprucht, desto härter werden sie. Das ist eine natürliche Reaktion auf Beanspruchungsstimuli.

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  18. Ich weiß gar nicht, wo ich das unterbringen soll, ich schreib’s einfach hierein: Letztens gab’s eine Sendung mit H. Lesch. Dort wurde ein Experiment „vorgestellt“. Ein Typ aß 2300 Kalorien täglich und hielt sein Gewicht. Die selbe Kalorienzahl aß er in Form von Zucker etc. und nahm 6 oder 8kg zu. Ich war total verwirrt. Alle in meiner Umgebung nickten: „Ja klar, es gibt gute und böse Kalorien“ – und ich befand mich wieder kurz vor meiner alten Fettlogikspirale.

    Wie ist das zu erklären? Ein Physiker (den ich mag) hebelt die Physik aus. Kann das wahr sein? Oder hat er Recht und ich nicht? *SEUFZ*

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    1. Ein Link wäre nett gewesen. Der wäre hier: https://goo.gl/xQjhdg

      Eine beeindruckende Studie mit einem n=1 über die bahnbrechende Diskussion, ob nun Fette oder Zucker dick machen (Ergebnis: Zucker), ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, ob nicht Fett *und* Zucker dick machen.

      Aber gut, der Typ hat 2.300kcal am Tag gegessen, bei 76 kg und – schätzen wir mal, 180 cm und 30 Jahren. Das sind 500kcal über Grundumsatz, nur mal so. Und mit seiner neuen Ernährung

      > Das geplante Tageslimit ist erreicht. Und es ist noch nicht einmal Nachmittag.

      … ist es durchaus nicht vermessen, anzunehmen, dass da irgendwas nicht ganz koscher ablief, v.a. weil er 8,5 kg in zwei Monaten zugenommen hat. Das wären – wohlwollend reines Fett, alles andere bräuchte *mehr* kcal zum Aufbau – 56.000 kcal. 500 kcal zu viel am Tag vom Plan (ohne Sport) kommt nur auf 30.000, insofern nehmen wir mal Occams Rasiermesser und gehen davon aus, dass der junge Mann *nicht* vom späten Vormittag bis Nachts gehungert hat, und die Physik schon noch recht hat.

      Herr Lesch macht ja auch seit meiner Kindheit mehr Fernsehen als Physik, und dass im Fernsehen viel Unsinn läuft wissen wir nun alle.

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    2. Mona

      Ich hab mir das auch direkt angeschaut. 🙂 Die Sendung ist echt wirr. Zucker böse, Smoothie böse, Fett gut, Industrie böse, FDA schaut böse. Bin auch enttäuscht, dass die nicht auf die Idee kommen aufzuklären, wo die Kilos des Mannes herkommen. Er kann wohl schlecht Energie aus dem Nichts erzeugen für sein Zusatzgewicht. Mein Gedanke war eher, dass er vielleicht beim Essen halbwegs auf die 2300 kcal geachtet hat, aber dann keine Lust hatte sich zu bewegen. Schon allein wegen seines neuen Hungers ab dem Mittag und man zeigte, dass es für ihn neu war, dass er lieber auf dem Sofa rumlag. Da hat er sich wohl einfach gehen lassen.

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      1. Ja, das war mein erster Gedanke auch, deswegen die 1.800 kcal Grundumsatz: 500 kcal am Tag zu viel x 60 Tage = 30.000 kcal zu viel = 4,3 kg Fett – das reicht nicht. Ich will Dir nicht widersprechen, er hat sich wahrscheinlich gehen lassen *und* mehr gegessen.

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      2. Öh… ich hab das nicht geguckt, nur gelesen – die zeigen, dass er „lieber auf dem Sofa rumlag“? Im Text steht, er hätte sein „Programm“ incl. Sport nicht geändert…

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      3. Mona

        Ja, das mit der Bewegung war halt mein erster Gedanke beim schauen. Mit „gehen lassen“ meinte ich dann auch, dass ich so ein Bild von dem Prozess im Kopf habe, wo alles mit der Zeit entglitten ist und er immer weniger Bewegung und immer mehr Essen hatte. Vielleicht hat er angefangen zu schätzen und hat die ganze Eskalation nicht bewusst wahrgenommen. Oder er wusste das und hat sein Video und Ergebnis trotzdem so enden lassen als hätte er die 60 Tage alles richtig gemacht. Dann ist er ein Lügner. Das ist mir total egal, was er gemacht hat und ob es bewusst war. Ich kann es nicht verstehen, dass es so kritiklos in die ZDF-Sendung genommen wird.

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      4. Mona

        Ja, im Video sind die drauf eingegangen, dass er den Zuckerkonsum auch im Alltag direkt merkt (oder es sich auf die Psyche auswirkt, irgendwie so). Er hat kurze Kicks durch den Zucker, aber dann zu nichts zu gebrauchen ist. Sie sagten, dass er das vorher nicht kannte. Er fühlt sich träge und auch im Video zeigen die nochmal, dass er tagsüber auf dem Sofa liegt, weil er durch den Zucker immer wieder Tiefs hat. So habe ich das zumindest verstanden. Ich hab es jetzt nicht nochmal angesehen.

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      5. Er hat zwar nicht mehr gegessen, aber sich weniger bewegt, das führt schon mal zu einer Gewichtszunahme. Außerdem binden Kohlenhydrate Wasser. Da er jetzt viel Zucker/Kohlenhydrate gefuttert hat, hat er mehr Wasser eingelagert, also noch mehr Gewicht zugelegt. Wer schon mal „Schlank im Schlaf“ ausprobiert hat, wird selber feststellen, dass er/sie morgens weniger wiegt, wenn er/sie am Abend vorher keine Kohlenhydrate gegessen hat (und zudem darf man nachts vermutlich mal aufs Klo…)

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      6. Ich behaupte nicht einmal, Zucker sei nicht böse. Ich glaube auch sofort, dass die Blutwerte sich nach langfristig zu hohem Zuckerkonsum auch verändern können, aber ich hatte es wirklich so verstanden, dass dieser n=1 sein Programm beibehielt, die Kalorien auch und 8kg zugenommen hat. Wir können ja noch wohlwollend sagen „Okay, 3kg Wasseransammlungen wegen des Zuckers“, aber sonst? Sagen wir einmal, diese Sache mit „hohem Insulinspiegel“ und weniger „Fettabbau“ stimme auch und man verbrauche einfach etwas „langsamer“ Energie, trotzdem wäre die Differenz von +8kg immer noch viel zu viel.

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  19. VD

    Ja, so ist es. Menschen sind eben nicht rational. Menschen erleben ungern kognitive Dissonanzen: ich glaube, etwas zu wissen und trotz logischer Beweise weigere ich mich die Realität zu akzeptieren, alles andere verlangt von mir eine kognitive Anstrengung. Und wofür? Immerhin, wenn ich nicht für meine körperliche Verfassung verantwortlich bin, sonst der heilige Geist, der kappute Hungerstoffwechsel oder wie auch immer, führe ich die Ursache auf stabile oder nicht kontrollierbare Ursachen zurück und dies ist eben selbstwerdienlich, ich kann schließlich nichts dafür.
    Nadja, für dein Buch bedanke ich mich. Ich, selbst Wissenschaftlerin und Psychologin, musste meine persönliche „Fettlogiken“ überdenken und in meiner praktischen Ministudie (N=3, Alter: 34, 59, 70, alle weiblich) haben alle Probandinnen ein Gewichtsverlust von insgesamt 65 kg innerhalb eines Jahres erreicht. Fazit: ehrliches Tracking + moderates Defizit = funktioniert wunderbar.
    Manchmal muss ich auch erklären, wie überhaupt eine empirische Studie funktioniert und warum manche Statistken nicht so einfach zu fälschen sind. Viele der von Dir genannten Argumente sind sehr hilfreich. Zudem hilft es häufig kurz zu erklären, dass es Unterschiede zw. den verschiedenen Zeitschriften gibt. Die hochkarätigen Peer-Reviewed Publikationen und das gesamte Verfahren, das sich dahinter verbirgt, ist Vielen unbekannt.
    Herzliche Grüße und weiterhin für Aufklärung kämpfen!

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  20. Nadja, wahrscheinlich hättest du dein Buch damit anpreisen müssen, dass du drölfzig Studien ausgewertet hast, davon x Metastudien und z Gegenstudien. Es wird immer Kritiker geben und Leute, die dein Buch nicht passt. Viele hier sind dankbar, dass du mit deinem Buch dem Abnehmen das „Mystische“ genommen hast; es braucht keine Zaubermittelchen, keine Stoffwechsel“booster“ oder sonstigen Quatsch zum Abnehmen. Es steckt in unserer Verantwortung. Aber gerade das passt vielleicht einigen Lesern nicht.
    Als ich in einem Beitrag das mit den Quellenangaben gelesen habe, musste ich sofort an einen Beitrag in der „Brigitte“ denken, den ich kürzlich gelesen habe. Dort wurde das Thema Abnehmen behandelt und es gab Stellungnahmen von Prof. Froböse von der Sporthochschule Köln. Und natürlich wurde auch auf die neuesten Studien aus Kanada hingewiesen. Quelle: das Buch von Prof. Froböse… 😦 Der Artikel war für mich wieder so ein tolles Beispiel, dass ich nicht mehr weiß, was ich glauben soll oder nicht. Zum einen ist da ein Wissenschaftlicher, der die „neuesten Studien“ zitiert, zum anderen betet er aber wieder Jojo und Hungerstoffwechsel runter. Was ist Bullshit und was ist Fakt?

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  21. Kiko

    Prinzipiell möchte ich Dir recht geben, die ‚Statistik-Fälschungs-Keule‘, vorzugsweise von Nichtwissenschaftern oder gar von Leuten ohne akademische Ausbildung lässt mich auch immer schaudern. Das ist mir arg nah an Stammtischparolen…

    Andererseits, Dein Buch (ich belibe mal beim internettauglichen Du) ist natürlich auch nicht der Wahrheit letzter Schluss, den es in der Forschung auch nicht gibt, sondern ein durchrationalisierter Erfahrungsbericht. Ich habe das Buch gern gelesen – mein erstes ‚Dicke-Leute-Buch‘.

    Zu Beginn habe ich mich arg aufgeregt, weil eben viele, ich nenne sie mal ‚Diät-Logiken‘ drin stecken und die Euphorie im Internet einfach nur grotesk war… Viele betrachten Dein Buch als Bibel des Abnehmens, als den einzigen richtigen Weg. Führen sich auf, als hätten Sie nun ‚die‘ Erkenntnis gegenüber den Anderen, die den Weg zur Erleuchtung noch finden müssen. Ich habe mich auf ein Paar Blogs und den Amazon-Reaktionen rumgetrieben und es ist heftig, dass bei jeder, auch noch so berechtigten Kritik sofort Leute aus ihren Verstecken kommen, die eben nicht mehr wissen, als im Buch steht. Es anwenden wie bibeltreue Christen im Exegesekreis.

    Ich bin auch Wissenschaftlerin, aber keine Ärztin und keine Ernährungswissenschaftlerin. Ich kann also keine Fehler in der Studienauswertung nachweisen bzw. ich will mich nicht so sehr damit beschäfftigen, dass ich es ernstlich könnte. Aber einige Zirkelschlüsse und Logikfehler sind mir schon aufgefallen – etwa das Problem, dass Du die bis zu 200 kcal Unterschied, die vom Rauchen vs. Nicht-Rauchen stammen, als durchaus ausschlaggebend beschreibst, während Du dieselbe kcal-Menge aus Schilddrüsenproblemen als Ausrede einstufst. Den verlangsamten Stoffwechsel nach einer Diät nennst Du auch unerheblich – wobei je nach Gewicht 5-8% weniger Umsatz schon was ausmachen können und auch wenn sie nur über eine bestimmte zeit anhalten durchaus den Jojo zumindest stark begünstigen.

    Was logisch etwas problematisch ist, ist Deine Annahme, unteres Normal-Gewicht sei gesünder als leichtes Übergewicht oder gar oberes Normalgewicht. Das ist möglicherweise statistisch so, aber nicht im Einzelfall: ein gesunde, sprotlicher Mensch mit einem gesunden Körperfettanteil, der sich regelmäßig bewegt, auch mal auspowert und sich vernünftig (nicht einfach nur kalorienbewusst, sondern ausgewogen, vitamin- und balaststoffreich) ernährt ist sicher gesünder als sein Zwilling, der möglicherweise dünner ist, sich aber durch kalorienarme, aber ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung als das, was Du skinnyfat nennst, herausstellt. Zumindest auf Perspektive, denn als junge Leute können wir unseren Körpern einiges antun, was sie kompensieren (katerloses Durchfeiern ist mit 20 ja auch eher möglich als mit 30). Ich vermute, Dir ist das klar – aber Dein Buch vermittelt einen anderen Eindruck; verleitet Leute, die an Deinen Lippen kleben, zu Fehlannahmen.

    Und damit sind wir beim letzten Punkt, den ich wirklich schwierig finde – Du schließt den psychologischen Aspekt völlig aus! Vergleiche zu Rauchern in Deinem Buch finde ich extrem schwierig. Wenn man Süchte und falsche Konditionierungen einfach Kraft willens ausstellen könnte, wären Psychologen arbeitslos. Ich bin nicht ganz sicher, warum es so ist. Ich vermute, das liegt daran, dass Du eben diesen Selbstermächtigungsmoment erlebt hast und weitergeben wolltest. Und vielleicht auch etwas, um – und das lese ich in sehr vielen Ganst- und Kommentarbeiträgen auf dem Blog – sich sebst das alte Ich als möglichst negativ einzuprägen, um nicht wieder in alte Muster zu verfallen. Das erinnert mich krass an die pro-ana-Bewegung und bevor hier der shitstrom über mir ausbricht – mir ist kalr, dass die meisten Magersüchtigen oder die ‚richtigen‘, nicht einfach nur abenhemen wollen. Aber es gibt eine Reihe von Ernährungsstörungen, die mit einer Fixierung auf Gewichtsreduktion oder das Halten eines extrem niedrigen Gewichts einhergehen – für Laien, wie mich und sicher auch einige Betroffene, wirken sie wie Magersüchtige, einfach weil der Phänotyp stimmt. Merkte man auch ganz deutlich in der Kurzgeschichte.

    Auich die Ernährungshinweise, die Du gibst, die man auf dem Blog findet gehen nicht gerade in die Richtung gesunder, ausgewogener Ernährung. Kalorienfreie Nudeln und Vitaminpillen sind für mich nicht sehr weit weg von Wattebausch und O-Saft. Klar, ab einem bestimmten Gewicht – und das war bei dir mit 150 kg ganz sicher erreiht, ist das Wichtigste erstmal zu reduzieren. Auch viele Adipositas-Äzte würden so einen Abnehmwilligen sicher auf eine Formula-Diät setzen, denn ganz koscher ist eine Ernährung, die zu so einem Geiwcht führt, nicht. Aber Unzufriedenheit ist ja oft schon bei deutlich geringerem Übergewicht da, wo derartig radikale Mittel nicht nötig sind, wohl aber ehrliches Aufschreiben und Rechnen.

    Und am Ende vielleicht noch meine persönliche Motivation, dies hier zu schreiben: ich habe mit der in der Fettlogik beschribenen Denke – die war mir nämlich lotgisch erschienen Übergewicht aufgebaut. Nachdem ich im Anschluss an eine schwngerschaftbedingte Erkrankung ein hormonelles Problem entwikelt habe (das über Jahre unentdekckt blieb, wiel ich nicht auf die Idee kam, dass mit kaum veränderter Ernährung keine Zunahme von 15 kg in 3 Monaten zu erklären ist), nahm ich zu. Ich versuchte mich im Kaloriendefizit, weil es für mich – immer sportlich und schlank logisch schien. Schließlich habe ich mich damit (bei körperlicher Gesundheit) als Teenie immer schön im Untergewicht halten können. Dass ich gleichzeitig in den Beruf einstieg und keinen Sport mehr machte, kam dazu. Statt aber Zeit für sich zu fordern und Sport zu machen, habe ich echt wenig gegessen. Mit extremer Kalorienreduktion auch immer mal etwas Gewicht verloren, aber ich konnte diese Art zu leben nicht aufrechterhalten und nahm wieder zu. Blöd. dann kam noich ein Kind, weitere Spontanzunahme post partum. Als das Hormonproblem erkannt und behandelt wurde, blieb ich aber auf dem aufgebauten Gewicht, inzwischen über 30 kg sitzen. Es kam zu einem circulus vitiosus von Abnahme und Zunahme, weil ich meinem sporthungrigem Körper keine Zeit zugestanden habe und stattdessen immer wieder radikal diätet habe – da eine moderate Kalorienreduktion nichts brachte. Natürlich habe ich nicht zugenommen, weil es irgendwelche geheimen teuflischen Käfte gab, die mich nachts anfütterten, sondern viel mehr, weil ein reines Kaloriendefizit über Ernährung für mich nicht funfktioniert hat, in dem Sinne, dass es nicht dauerhaft durchhaltbar war (es gingen 10 kg runter, 12 rauf und so weiter). Nach 4 Jahren war ich bei plus 40 Kg bei ständigem Diätgefühl. Man fühlt sich dann miserabel…

    Ich habe den Kreis dann irgendwann durchbrochen, als der Leidensdruck groß genug war, dass ich an ein Adipositas-Zentrum dachte. Ich habe überlegt, wo meine Fehler liegen und voller Schock festgestellt, dass ich während meiner auswärtigen langen Arbetstage WEDER Aß NOCH TRANK. Die fehlenden Kalorien holte ich dann im Homeoffice nach, trinken war aber auch zuhause ein großes Problem. Ein Trinktagebuch (ich schriebe ja seit meiner Jugend mein Essen auf, aber bei Getränken nur Softdrinks, die ich meide, oder Alkohol – wegen der Kalorien) führte zu Tage, dass ich viel zu wenig trank, maximal einen halbn Liter täglich, wobei die Hälfte auf Kaffee zurückging.

    Mein über ein Tagebuch ermittelter – nicht errechneter – Umsatz lag damlas bei etwa 1800 kcal, was bei einer großen Frau mit 40 kg Übergewicht ein Witz ist. Also machte ich nach 4 Jahren Pause wieder Sport, aß dieselben Kalorien, aber eben jeden Tag und in mehreren Mahlzeiten, nicht in einem Riensenhappen und trank 2 Liter. Ich nahm in 8 Monten 20 kg ab und wäre sicher jetzt ‚fertig‘, wenn nicht ein weiteres King sich engeschlichen hätte.

    Daher bin ich jetzt wieder dabei und habe natürlich zwecks Motivationserhaltung Interesse an der Fragestellung. So ein Buch wie deines, hätte mich damals extrem in meine ‚Diät-Logik‘ getrieben und mich dazu gebracht, wieder eine Radikaldiät zu starten. Deswegen finde ich die Absolutheit, v.a. der Kommentare schon schwierig.

    Wie gesagt, ich finde das Buch gut, es ist aber eine Art Manifest. Deine persönliche Geschichte. Deine persönliche Selbstermächtigung ggegenüber der Fettacceptance – die habe ich übrigens erst bei Dir und etwa zeitgleich bei Bento kennengelernt. Da ging es darum, warum die schöne und dicke Plus-Size-Tanze vom Asos-Shop eine ganz schlimme Fatshamerin ist. Sie vermittle ein falsches Bild vom Dick sein, weil sie ein schönes Gesicht habe und eine konventionell als schön betrachtete Figur (Sanduhr) und dann auch noch gemeiner Weise Sachen vorführe, die Ihr stehen. Abstrus häßliche, sich völlig unschön präsentierende Damen wurden dann als Identifikationsfolie vorgeschlagen. Als müste man die dicken Models für ihr hübsches Gesicht sdtrafen – zu konventionell… Das sind ganz krude Fanatiker und das Buch verdient schon Lob, wenn es die etwas zurchtweist.

    Im Nachhinein muss ich aber sagen, ein Paar Wochen nach dem Lesen, bin ich entspannter. Kurz danach, hätte ich Dich am liebsten angerufen und Dir jeden Fehler – vor allem Deiner Fans auf Amazon – und meine persönliche gegenteilige Erfahrung entgegengebrüllt. Ging unbekannter Weise ja Gott sei Dank nicht und ich kann inzwischen die guten Seiten an dem Buch schätzen. Obwohl ich sagen muss, dass es mich sehr befremdet hat, dass diese für mich natürliche Idee jemandem fremd sein könnte, lange Zeit extrem verwirrt hat.

    Liebe Grüße
    Kiko

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    1. „Was logisch etwas problematisch ist, ist Deine Annahme, unteres Normal-Gewicht sei gesünder als leichtes Übergewicht oder gar oberes Normalgewicht. Das ist möglicherweise statistisch so, aber nicht im Einzelfall: ein gesunde, sprotlicher Mensch mit einem gesunden Körperfettanteil, der sich regelmäßig bewegt, auch mal auspowert und sich vernünftig (nicht einfach nur kalorienbewusst, sondern ausgewogen, vitamin- und balaststoffreich) ernährt ist sicher gesünder als sein Zwilling, der möglicherweise dünner ist, sich aber durch kalorienarme, aber ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung als das, was Du skinnyfat nennst, herausstellt.“

      Zwei Anmerkungen dazu:
      – statistische Aussagen sind fast nie so allgemeingültig, daß sie auch auf jeden Einzelfall zutreffen – dafür macht man ja die Statistik. Siehe dazu den sprichwörtlichen kettenrauchenden Urgroßonkel, der 60 Jahre täglich im Uranbergwerk gearbeitet hat und 100 Jahre alt geworden ist. Von daher finde ich eher deine Aussage logisch problematisch, daß ihre Aussage logisch problematisch ist ^^
      – ich habe das Buch gerade nicht vorliegen, aber was ich zu diesem Thema aus dem Buch mitgenommen habe war, daß nicht mittleres bis unteres Normalgewicht am gesündesten ist, sondern ein Fett-Muskel-Gewichtsverhältnis, daß man als normal gebauter Mensch in diesem Gewichtsbereich hat. Ich war mir eigentlich recht sicher, daß das mehr oder weniger so im Buch steht (wer schlägts nach?)

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      1. Kiko

        zum ersten: ich verstehen nicht, inwiefern Du ein Gegenargument für das meine bringst? Nur weil es ‚eh klar‘ ist, dass Statistiken nicht den Einzelfall abbilden, darf man jetzt nicht darauf hinweisen, dass überbordendes Beharren auf statistischen Wahrscheinlichkeiten zum Fehlschluss führen kann?

        zum zweiten: Deine Annahme würde die These, es gäbe Menschen, die zwar schlank sind, aber einen gefährlich hohen Körperfettanteil mit gesundheitlich ungünstiger Verteilung (Bauchbereich), also im Internetslang ’skinnyfats‘, völlig ad absurdum führen.

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      2. „darf man jetzt nicht darauf hinweisen, dass überbordendes Beharren auf statistischen Wahrscheinlichkeiten zum Fehlschluss führen kann“

        1: Ich sehe nicht, daß du das oben getan hättest bzw. ich kann mich nicht entsinnen, daß das im Buch behauptet worden wäre.

        2: entweder ich verstehe nicht, was du sagst, oder du verstehst nicht, was ich sage. Warum kann es keine Skinny Fats geben, wenn Skinny Fat ungesund ist?

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    2. Rübe

      Liebe Kiko,

      jetzt habe ich sehr lange über deinen Kommentar nachgedacht. Und ich habe noch nie auf diesem Blog kommentiert oder zu irgend einem Kommentar zu „Fettlogik Überwinden“. Ich bin keine blinde Anhängerin, nur eine interessierte Leserin.
      Ich bin in einigen Deiner Aussagen anderer Meinung. Ich habe die betreffenden Aussagen von Dir in Anführungszeichen gesetzt.

      „während Du dieselbe kcal-Menge aus Schilddrüsenproblemen als Ausrede einstufst.“
      Leider habe ich Fr. Hermanns Buch verschenkt und nicht mehr vorliegen, aber ich habe diese Stelle so gelesen: Fr. Hermann schreibt, dass bei einer nicht eingestellten Schilddrüsenunterfunktion der Mensch weniger kcal verbraucht als einer ohne einer Schilddrüsenunterfunktion. Hingegen ist das nicht mehr so, wenn die Schilddrüsenunterfunktion mittels Medikamention (L-Thyrox) eingestellt ist. Dann besteht kein Verbrauchsunterschied.

      „sicher gesünder als sein Zwilling, der möglicherweise dünner ist, sich aber durch kalorienarme, aber ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung als das, was Du skinnyfat nennst, herausstellt.“
      Ich verstehe Deinen Punkt nicht. Fr. Hermann beschreibt in einem ganzen Kapitel, dass Skinnyfat ebenfalls nicht „gesund“ ist.

      „Du schließt den psychologischen Aspekt völlig aus!“
      Frau Hermann hat ein Buch über Fettlogiken geschrieben und nicht über psychologische Ursachen, die Fettleibigkeit begünstigen können. Außerdem spekuliere ich mal, dass Personen die Gefallen an ProAna haben nicht unbedingt Fettlogik lesen um sich die besten Tipps zu holen, wie man Kalorien vermeidet, sondern in einschlägigen Foren ihren eigenen Kosmos haben.

      „Auich die Ernährungshinweise, die Du gibst, die man auf dem Blog findet gehen nicht gerade in die Richtung gesunder, ausgewogener Ernährung. Kalorienfreie Nudeln und Vitaminpillen sind für mich nicht sehr weit weg von Wattebausch und O-Saft.“
      Nun so wie ich Fr. Hermann verstehe, schreibt sie einige Male, dass sie persönlich Junk-Food nichts abgewinnen kann. Außerdem schreibt sie, dass sie sich gesund ernährt hat, nur eben zu viel gegessen hat. Tja und was diese Kalorienarmen Nudeln betrifft, auch wenn ich selbst nicht zu dieser Sorte Mensch gehöre, es gibt Menschen, die gerne viel essen. Was ist jetzt verwerflich daran, wenn man gerne mehr an „Masse“ im Magen hätte, diese Nudeln zu wählen und nicht die normalen Hartweizennudeln, die wesentlich mehr Kalorien besitzen? Sind diese kalorienarmen Nudeln ungesünder als Hartweizennudeln?

      Es ist kein persönlicher Angriff an Dich Kiko, ich habe das Buch und Fr. Hermann nur anders verstanden als Du.

      Liebe Grüße,
      Rübe

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  22. Yggdrasil

    Mal so ein paar Gedanken am Rande: ich wuerde Skepsis nicht per se verteufeln, im Gegenteil. Ganz besonders der Punkt „zu jeder Studie gibt es eine Gegenstudie“ ist eher etwas, was ich schlicht unterschreiben wuerde.

    Ums mal festzuhalten: die meisten Studien sind einfach Schrott. Wieviel randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudien in Hinsicht auf Ernaehrung/Gewicht mit einer hinreichend grossen Versuchsgruppe ueber einen aussagekraeftigen Zeitraum, finanziert von einem unabhaengigen Geldgeber, verbunden mit einer Auswertung, die nicht Korrelation mit Kausalitaet verwechselt, gibt’s da draussen?

    Dass ab einem gewissen Zeitpunkt der Durchschnittsmensch von dem ganzen Studienblabla einfach nichts mehr hoeren will, weil er ohnehin alle 2 Wochen was anderes hoert, ist an der Stelle dann vielleicht nicht ganz so verwunderlich. Dumm ist allerdings tatsaechlich, dass das als „Argument“ hergenommen wird, nicht ueber sein Weltbild nachdenken zu muessen.

    Ich persoenlich finde jetzt auch nur einen einzigen Punkt der ganzen „(Nicht)Fettlogiken“ nicht diskutierbar: das mit der Energiebilanz. Mehr rein als raus: fetter. Weniger rein als raus: duenner. Alles andere (Setpoint, Jojo usw.) wuerde ich in Hinsicht auf die Komplexitaet nicht mit dem Verwetten von lebenswichtigen Koerperteilen diskutieren wollen.

    Wie’s mit der Wissenschaft halt so geht: man falsifiziert sich zur Wahrheit. Nur dass die ganze Ernaehrungsgeschichte zuvielen Variablen abhaengt, als dass man da auch nur irgendwas als „gesicherte Erkenntnis“ annehmen sollte. Dem einzelnen bleibt wohl nur, FUER SICH SELBST herauszufinden, wie er _DAUERHAFT_ abnehmen kann (abnehmen ist ja nicht der Punkt, wenngleich schwer genug, aber das Zielgewicht ueber Jahre zu halten ist es .. das Maerchen vom Jojo kommt ja nicht von ungefaehr, sondern schlicht daher, dass es den meisten auf Jahre gesehen halt so geht, wie’s eben so geht).

    Was man weiss: dass man nichts weiss. Ist immer ein guter Ansatz.

    Ergaenzende Anregung: es gibt ein paar Mechanismen, die noch nicht ansatzweise verstanden sind, was Ernaehrung und resultierendes Gewicht angeht. Darmflora und das ausgesprochen komplexe Zusammenspiel der appetitregulierenden Hormone, naemlich. Wenn man ein bisschen in den Niederungen der Theorie bezueglich Ghrelin, Leptin und Cortisol rumdrueckt, kriegt man das Gefuehl, dass Quantentheorie so schwierig dann eigentlich auch nicht sein kann .. sehr schoene Einschaetzung, ueber die ich mal in einem Artikel diesbezueglich gestolpert bin:

    [Zitat]
    Metabolic endocrinology appears to be only slightly more complicated than a nuclear reactor and brain surgery combined.[/Zitat]

    Schoen gesagt fuer meinen Geschmack 🙂

    Und weil es mir ab und an Spass macht, des Teufels Advokat zu spielen: wenn ich mir den Duktus, Grammatik und Rechtschreibung des durchschnittlichen Kommentarschreibenden hier so anschaue, dann werfe ich einfach mal eine Hypothese in den Raum:

    Gewichtsabnahme ueber FLÜ und einer daraus resultierenden geaenderten Lebensweise ist nur was fuer Leute mit einem deutlich ueberdurchschnittlichen IQ. Menschen auf der linken Haelfte der IQ-Gausskurve sind mit der Eigenverantwortung ueberfordert und koennen ihre Instinkte/Triebe/Gelueste unmoeglich ueber einen Zeitraum steuern/kontrollieren/beeinflussen, dass ihnen eine dauerhafte Gewichtsabnahme moeglich ist. Wobei der ueberdurchschnittliche IQ nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung ist. Daraus resultierend die Konklusion, dass fuer die Mehrzahl der Bevoelkerung die ueber FLÜ erzielbaren Erkenntnisse nicht zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion fuehren und damit die entsprechende Herangehensweise an das Problem nicht funktionell ist.

    Freut Euch, wenn’s fuer Euch funktioniert (tut’s auch bei mir). Aber nehmt’s nicht als Allheilmittel fuer jeden und versucht nicht, die Welt zu missionieren. Denn damit seid Ihr kein Stueck besser mehr als die ganzen „Deppen“, ueber die Ihr Euch hier grad so schoen aufregt 🙂

    Gruesse vom Yggdrasil…

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    1. Ein wahnsinnig guter Kommentar, danke dafür.

      Der Mechanismus des Abnehmens ist vermutlich unkompliziert, aber alles, was drumherum bei einem Menschen geschieht (dispositionell oder auch als physiologisch-neuroendokrinologische Reaktion auf drastische Life-Events), ist wirklich kompliziert und darf vielleicht im Gesamtzusammenhang nicht vernachlässigt werden. Man muss irgendwo an einer Ecke den Kreislauf mit viel Willenskraft durchbrechen, damit alle anderen Faktoren mitziehen und sich verbessern. Das ist tagtäglich harte Arbeit, Übung von Selbstkontrolle etc. Ich war immer ein emotional eater, habe aber nie alle Kriterien für die Diagnose „Binge Eating“ erfüllt. Für mich ist es gerade eine neue Erfahrung, so lange und so stabil abzunehmen und das Gewicht auch zu halten. Aber ich habe auch immer wieder „Angst“, dass durch eine kleine Veränderung, eine depressive Episode oder irgendeinen riesen Frust diese fragile Balance zerstört wird.

      Nadja hat mir persönlich sehr geholfen und die Abnahme als „Mission Impossible“ erst einmal erleichtert. Aber an allen anderen Dispositionen (zuviel Cortisolausschüttung, müde Nebennierenrinden, starke Lust auf Zucker, Gewichtszunahme bei depressiven Episoden oder Frustration) muss ich selbst bekämpfen. Das muss man erst einmal schaffen. Alteeeer … 😀

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  23. Ich denke Konsens ist hier, dass Fundamentalismus nicht weiterhilft, nirgends weiterhilft. Jede und jeder muss ihren und seinen eigenen Weg gehen. Das es bei mir funktioniert (n=1), bedeutet ja noch nicht, dass es allgemein funktioniert.

    Wenn ich aber Diätratgeber etc. lese finde ich immer mehr diesen oder einen ähnlichen Satz: „Als Kaloriendefizit wird der Zustand bezeichnet, wenn du mehr Energie verbrauchst, als du deinem Körper durch Nahrung zuführst. Um die Energiebilanz auszugleichen, greift der Körper auf vorhandene Masse wie Fett, oder Muskeln zurück. Dieser simple Fakt ist extem wichtig für jede Diät und kann dir einiges erleichtern.“ (z.B. http://www.fitness-spartacus.de/kaloriendefizit-so-einfach-ist-abnehmen).

    Von daher hat es sich die Erkenntnis doch ein wenig durchgesetzt. Und dass Sport hilft, LowCarb etc. ist doch auch allgegenwärtig wie z.B. hier https://www.juvalis.de/apotheke/natuerlich-abnehmen-25-wissenschaftlich-bewiesene-tipps/.

    Mein Mantra ist: „Es gibt nicht den Weg, finde Deinen Weg.“ Und da hat mir das Buch doch geholfen meinen eigenen Weg zu finden.

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  24. Christian

    Im Buch werden hauptsächlich Korrelationsstudien herangezogen, wo die statistische Verteilung der Krankheiten in Abhängigkeit des BMI untersucht wurde. Das ist für sich genommen schon erdrückend genug.

    Aber natürlich ist der BMI nicht die Ursache einer Erkrankung, denn der BMI ist nur eine Zahl, ein Verhältnis aus Gewicht und dem Quadrat der Körpergröße.

    Die Ursache der Erkrankungen liegt oft im zu hohen Körperfettanteil. Nähert man sich der Thematik von der biochemischen Seite, dann schließt sich der Kreis und beweist, dass die statistische Häufung eben kein Zufall oder Irrtum ist, sondern die Ursachen tatsächlich mit dem Übergewicht (=zu viel Körperfett) zu tun haben.

    Wenn man versteht, wie eine Insulinresistenz entsteht, dann weiß man, was Übergewicht mit der Entstehung von Diabetes zu tun hat. Wenn man versteht, was Insulinresistenz mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten zu tun hat und wie der erhöhte Blutzucker mit entzündlichen Ablagerungen in den Arterien zusammen hängt, dann weiß man auch, dass die Häufung von Herzinfarkten und Schlaganfällen bei Übergewicht kein Zufall oder Irrtum ist.

    Leider kommen diese Zusammenhänge im Buch etwas zu kurz und daher beobachte ich auch eine gewisse Fixierung auf den BMI (BMI gut, alles gut). Wäre das so einfach, dann würden Normalgewichtige tatsächlich keinen Diabetes und keinen Herzinfarkt bekommen.

    Die Reduktion des Abnehmens auf die Einhaltung eines Kaloriendefizits ist mir daher eigentlich auch zu technisch. Ich kann ja auch nicht jemandem Klavierspielen beibringen, indem ich ihm sage, dass er einfach nur die richtige Taste zur richtigen Zeit drücken muss. Auch wenn diese Aussage völlig korrekt ist, hilft sie einfach nicht dabei, WIE man das erreicht.

    Damit will ich die Leistung des Buches nicht schmälern und die Erkenntnis, dass dahinter nicht doch noch irgendwie eine Art von Magie steckt, mag für den ein oder anderen der entscheidende Schubser gewesen sein. Aber am Ende zählt es, dass man diese Erkenntnis auch in die Tat umsetzt und dass man den Körper trotz reduzierter Nahrungszufuhr ausreichend mit den Nährstoffen versorgt, die er zum Funktionieren braucht.

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    1. Mona

      Ich finde im Buch ist nicht so eine Fixierung auf den BMI, wie du es andeutest. Da steht doch ziemlich deutlich, dass es das Körperfett ist, das problematisch ist. Da wird auch beschrieben, dass auch wenn man Normalgewicht hat, aber einen zu hohen Körperfettanteil hat, dann besteht ein größeres Risiko für Krankheiten XYZ, wie bei Übergewichtigen. Bei einigen Sachen, wie den Gelenken ist das Problem das Gewicht an sich, wobei doch auch beschrieben wird, dass man mit Muskulatur Gelenke stabilisieren kann.

      Zum „WIE“

      Ich hab das so verstanden, dass das Buch KEINE Anleitung sein sollte. Sie schaut drauf, ob das stimmt, was man so als *ist doch logisch und es sagen alle so* aus Internet, Fernsehen, Presse und Umfeld kennt. Vieles hat sich als großer Mythos herausgestellt, manches als irgendwie verdrehtes Halbwissen und manche Sachen stimmen sogar, wie das mit der Knochendichte.

      Wenn man ein „WIE“-Buch erwartet, dann ist Fettlogik überwinden das falsche Buch.
      Anders gesagt: Es gibt dafür kein Buch, weil jeder seinen eigenen Weg finden muss, wie er sein korrigiertes Wissen umsetzen möchte. Wenn es genau ein „WIE“ geben würde, dann würden alle exakt das Gleiche machen. Dann würde jeder Atkins machen oder jeder würde Fasten durchziehen. Da aber jeder seine eigenen Vorlieben hat und sein eigenes Leben und einen eigenen Alltag lebt, braucht auch jeder sein eigenes „WIE“, was auch nicht für immer gleich bleibt. Eine Person hat mit 25 Jahren ihr WIE gefunden und mit 50 Jahren ist alles so anders, dass man ein neues WIE suchen muss. So viele Spezialbücher kann keiner schreiben. Außerdem weißt man selbst erst, was sein eigenes WIE ist, wenn man es mal ausprobiert hat und auswertet, ob es zu einem passt oder eher nicht so.

      „Aber am Ende zählt es, dass man diese Erkenntnis auch in die Tat umsetzt und dass man den Körper trotz reduzierter Nahrungszufuhr ausreichend mit den Nährstoffen versorgt, die er zum Funktionieren braucht.“

      Das steht auch ungefähr so im Buch.

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