Gastbeitrag: Mut & Motivation

Heute kamen zwei Mails in mein Postfach geflattert, die mich sehr bewegt haben. Nummer eins beinhaltete einen Link zu einem Artikel der Pharmazeutischen Zeitung: „Adipositas: Zu dick, aber nicht schuld daran“ in dem in nur vier Absätzen sorgfältig jegliches bisschen Selbstwirksamkeit zertreten wird, das ein übergewichtiger Mensch haben könnte und mit dem Satz schließt: „Normalgewicht sei jedoch für viele Adipöse kein realistisches Behandlungsziel. Anzustreben sei vielmehr eine moderate, aber dauerhafte Gewichtsabnahme.“

Ich habe überlegt, ob ich diesen Artikel kommentiere. Habe überlegt, die unglaubliche Unangemessenheit solcher Vergleiche herauszustellen: „Einem Menschen mit Adipositas die Schuld an seinem hohen Body-Mass-Index zu geben, sei deshalb genauso sinnlos, wie im Fall von Krebs oder Bluthochdruck die Schuld bei den Betroffenen zu suchen.“ insbesondere wenn dann Begründungen wie diese folgen: „Wer abnehmen und das niedrigere Gewicht auch halten will, muss auf Dauer unangenehme Dinge vermehrt tun, nämlich bewusst weniger essen, als er möchte, und Treppen steigen statt bequem mit der Rolltreppe zu fahren“ – aber gleichzeitig will ich diesen unfassbaren Bullshit auch gar nicht durch eine ausführliche Kommentierung aufwerten.

Glücklicherweise kam kurze Zeit später Mail Nummer 2, von Manuela, die mir einen Text mit der Überschrift „Mut & Motivation“ schickte. Und was könnte besser dazu geeignet sein, es einem solchen Artikel entgegenzusetzen?

Also, auf Manuela, die sich als Adipöse für das unrealistische Ziel entschieden hat, Normalgewicht zu erreichen:

m1
09/2016, 88kg, BMI 3

Hallo ihr Lieben,

hier eine „kleine“ Geschichte von mir:

Ich heiße Manuela, bin 33 Jahre, wohne im schönen Unterfranken und kämpfe seit ich 13 Jahre alt war gegen mein Gewicht…manchmal mehr, … manchmal weniger.

Ok, ja es ist tatsächlich so – ich hatte eine schwere Kindheit – mein Vater streng und ausfallend, meine Mutter die, die nur einsteckte und versuchte ihm alles recht zu machen. Wir vier Kinder, die tagtäglich draußen  in der Landwirtschaft mithelfen mussten und nicht so viel Zeit hatten für die schönen Sachen des Lebens, so wie andere Kinder vielleicht. Irgendwann hatte meine Mutter dann aber doch die Schnauze voll und als ich 12 Jahre alt war, sind meine Mutter, meine drei Brüder und ich vor meinem Vater im wahrsten Sinne des Wortes geflüchtet.

Das war dann auch die Zeit, als ich anfing mich mit meinem Körper zu beschäftigen. Andere Stadt, neue Schule, Schwimmunterricht, den ich bisher nicht hatte und viele hübsche Mädchen in der Klasse, die irgendwie alle besser im Badeanzug aussahen als ich. Ok, ich hatte vielleicht nicht großartig Übergewicht, aber schlank war wohl auch was anderes! Spätestens als mir eine Schulkollegin einen Badeanzug schenkte, in dem ich aussah, wie eine Presswurst, merkte ich, dass Toastbrot mit Salami oder Schokolade nicht gerade zur  besten  Ernährungsform gehören. Und was ist Sport eigentlich? Ach das was man in der Schule 2 Stunden die Woche hat und sich am liebsten irgendwie drum herum drückt??! Ah ja…hat wohl alles seinen Sinn, wie sich im Nachhinein herausstellte. Ok, zu diesem Zeitpunkt war ich nicht in der Lage irgendwas zu ändern oder mir großartig Gedanken zu machen, was ich ändern könnte, musste mich ja erstmal zurecht finden im neuen Leben, ohne den „bösen“ Vater, aber auch ohne die alten Freunde und die alte Umgebung. Also ging es erstmal so irgendwie weiter.

Wir mussten ein paar Monate später wieder umziehen und wieder neue Menschen, neue Schulkollegen, andere schlanke Mädchen und ich die „Neue“, die sich nichtmehr wohl fühlte in ihrer Haut. Inzwischen hatten sich wieder einige Kilos mehr angesammelt auf der Waage und ich merkte, dass ich wohl doch nach meiner Mutter kam, die ich eigentlich nie schlank kannte, sondern eben nur immer schon etwas „kräftiger“ – Die Gene eben! Richtig schlank werde ich wohl nie sein, aber man kann ja mal probieren, ein paar Kilos abzunehmen.

So fing es mit 13 Jahren an, dass ich immer wieder Diäten ausprobierte. Shakes, Nulldiäten, nur ein Apfel am Tag und so weiter. Nichts hielt ich lange durch. Irgendwann als ich 18 war, wurde dann Weight Watchers ziemlich präsent und meine Mutter und ich meldeten uns dort an. Das erste mal in meinem Leben, konnte ich wirklich Erfolge sehen. Ich fand das System echt gut und nahm ganze 13 Kilos ab. Nur lange gehalten hab ich´s nicht. 8 Jahre später war ich bereits zum dritten mal dort und habe diesmal mein Traumgewicht von 57 kg bei 1,67 m erreicht. Das war toll, endlich mit Freude shoppen gehen, mit gutem Gefühl ins Schwimmbad, Komplimente von allen Seiten und viele Verehrer. Aber wie es halt immer war, so war es auch diesmal.

Ich lernte meinen jetzigen Mann kennen, bekam eine süße Tochter und und hatte wieder acht Jahre später satte 30 Kilo mehr auf der Waage als mein „Traumgewicht“ von damals.

Ende September 2016 konnte ich mein Spiegelbild nichtmehr ertragen und erst recht keine Bilder von mir! Ich bin dauernd zum Arzt gerannt, weil ich dachte, es könne etwas nicht stimmen mit mir. Vielleicht eine Krankheit, Schilddrüsenunterfunktion oder so. Ich hatte Schmerzen in den Fußgelenken, oft Bauchschmerzen   – vielleicht eine Unverträglichkeit ? Aber es war nichts. Alles war laut den Ärzten in Ordnung.  Also musste ich mich wohl doch damit abfinden, dass es an mir lag. An schlechter Ernährung und zu wenig Bewegung! Und so mehr ich darüber nachdachte, umso mehr wurde mir das auch bewusst.

Es musste  also was passieren, irgendwas, irgendwie! Doch der Weg schien lang. 30 kg?! So lange hungern und immer zurückhalten!!! Aber wer nicht anfängt, der kommt auch nie ans Ende, sagte ich mir immer wieder.

So begann ich mich an viele Ratschläge aus dem Internet und diversen Büchern zu halten. Quälte mich mit kohlenhydratarmer Ernährung, grünem Tee und Verzicht auf  jegliche  Form von Zucker. Immerhin 8 kg waren schon weg!

Und dann kamst du liebe Nadja – du und dein Buch „Fettlogik überwinden“. Ich hatte es zufällig Anfang November auf Amazon entdeckt. Ich habe fast alle Bewertungen zu diesem Buch gelesen und war dadurch schon dermaßen begeistert, dass ich es kaum noch erwarten konnte, bis das Buch endlich geliefert wurde. Zwei Tage später war es dann da und  ich musste sofort los lesen. Ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Und habe es innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Es hat alles verändert! Ich hatte an so viele  Logiken geglaubt und musste so oft über mich selbst lachen, weil ich all die Jahre versucht hatte so viele Dinge zu beachten und doch wieder entmutigt war, mit dem Glauben, ich kann nicht schlank bleiben, es ist eben die Veranlagung, dass ich schnell zunehme. Dabei ist es doch so klar, dass man wieder und noch schneller zunimmt wenn man nach einer Diät wieder in seine alten Muster verfällt.

„Fettlogik überwinden“ ist der Hammer und sollte weltweit bekannt sein. Jeder sollte die Möglichkeit haben zu wissen, dass es dieses Buch gibt und was es bewirken kann. Ich habe es selbst schon vielen Bekannten und Freundinnen weiter empfohlen, die sich bis dahin mit den vielen „Weisheiten“ rumgeschlagen haben.

Hier meine TOP  – Fettlogiken, von denen ich echt soooo überzeugt war:

  • Der Tag ist sowieso schon ruiniert, jetzt kann ich essen bis mir schlecht wird
  • Ich werde nie richtig schlank sein können  und bleiben, das liegt einfach in meinen Genen
  • Ich hab bestimmt einen miesen Stoffwechsel und muss mich so zusammen  reißen um mein Gewicht überhaupt halten zu können
  • Der JoJo-Effekt natürlich – wie soll ich jemals mein Gewicht halten können ohne mein ganzes Leben zu hungern
  • Ich habe bestimmt eine Krankheit, dass ich nicht schlank sein kann, aber kein Arzt findet sie
  • Ich habe schon  so viel abgenommen in meinem Leben, dass mein Körper es schon gar nicht mehr anders gewohnt ist und einfach nichtmehr abnehmen will

Ja diese und noch viele andere Gedanken haben es mir immer schwer gemacht überhaupt daran zu glauben, dass ich nochmal mein Traumgewicht erreichen könnte. Jetzt weiß ich, dass ich einfach nur mehr Kalorien am Tag verbrauchen muss, als ich zu mir nehme und selbst wenn ich mal 300 kcal mehr esse, wie ich mir fürs Abnehmen vorgenommen habe, werde ich nicht gleich ein Kilo zunehmen weil ich ja immer noch weit unter meinem Tagesbedarf liege oder ich mache solange Sport bis ich die 300 kcal wieder verbrannt habe und wenn die Waage doch mehr anzeigt, dann  ist es ganz bestimmt nur Wasser.

m2
02/2017, 68 kg, BMI 24

Inzwischen habe ich 20 kg abgenommen und will noch 10 kg schaffen. Und ich weiß auch, dass ich es schaffen werde. Die Schmerzen und körperlichen Probleme sind verschwunden und ich bin fitter und laufe jetzt sogar freiwillig und mit Freude Strecken, die ich sonst nur mit dem Auto gefahren wäre. Klar gibt es Tage, an denen möchte ich am liebsten nur essen und verliere die Motivation. Aber dann  lese ich wieder in Nadjas Blog und ich habe mir eine Kleid für den Sommer ausgesucht, dass ich auf  jeden Fall (in Größe 36) tragen will und es soll gut aussehen, ja es wird gut aussehen! Ich weiß zwar auch, dass ich nach der Abnahme wohl mein ganzes Leben lang auf meine Kalorienzufuhr aufpassen muss, aber in der Hinsicht dass ich viele hundert Kalorien mehr essen kann als jetzt und  mir durch Sport noch mehrere dazu verdienen kann, gewinne ich auch an Mut, dass ich nie mehr übergewichtig sein muss, wenn ich nur immer ein bisschen über meine Ernährung nachdenke. Motivation  ist das Wichtigste für mich und ich hoffe ich konnte euch auch alle ein bisschen davon abgeben !

Ich wünsche euch alles Liebe und viel Erfolg auf eurem Weg!

Eure Manuela

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11 Gedanken zu “Gastbeitrag: Mut & Motivation

  1. Nadia

    Toll! Du wirst die letzten 10kg bestimmt so souverän abnehmen, wie die 20kg, die schon runter sind! Ich freue mich für dich! Das macht auch wieder Mut und gibt mir noch Mal wieder den bitter nötigen A****tritt 😉

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  2. Hallo Manuela
    Klasse dass es so toll klappt bei dir.
    Da braucht es erst mal eine Anregung von aussen dass man sich traut nur auf sich selber zu hören und plötzlich klappt das.
    Im Artikel den Nadja im Vorfeld zitiert sieht man die Auswirkungen wenn man sich dem Schicksal als Übergewichtiger ergibt und nicht dagegen ankämpft.
    Ja es ist möglich

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  3. sarugani

    Super, Manuela! Du siehst toll aus und die letzten 10 Kilo schaffst Du auch noch!

    Ich habe gerade versucht, den verlinkten Artikel bitterböse zu kommentieren, aber komischerweise scheitert das Posten immer an der Sicherheitsabfrage. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt ;-P

    Was bringt den Doktor um sein Brot?
    a) die Gesundheit
    b) der Tod.

    Und das gilt wahrscheinlich genauso für die Leute, die uns Mittelchen gegen Cholesterin und Bluthochdruck verkaufen wollen.

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  4. Kari

    Hey, Manuela,
    Gratulation zum Erreichten! Deinen Beitrag zu lesen macht mit wieder Lust, auch meine letzten 7 kg zuviel anzugehen. Danke für die Inspiration!
    Liebe Grüße von Kari

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  5. Susanne

    Gut gemacht, Manuela! Die letzten kg wirst du auch noch schaffen.
    Durch das blosse Lesen des Artikels „Adipositas: …“ bekomme ich schon Blutdruck 😉
    Ich selbst habe es von BMI 31,5 auf jetzt BMI 23 geschafft und mein Ziel ist BMI 21 – und da möchte ich dann auch bleiben.
    Und an meiner Adipositas war nur ich ganz alleine Schuld! Zuviel Süsses z.B. – und ja, es ist nicht leicht, seine (dummen) Gewohnheiten zu ändern, aber es geht!
    Und die im Artikel genannten „unangenehmen Dinge“ wie Treppensteigen z.B. machen einem mit weniger Gewicht doch deutlich weniger aus, so dass es auch leichter ist, sich mehr zu bewegen (was das Gewichthalten ja auch wieder leichter macht). Ich habe wieder deutlich mehr Spass an Bewegung… nix mehr Knie-Hüfte-Rücken 🙂

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  6. Maren

    Was haben die Leute nur immer alle gegen das Treppensteigen! 😀 U-Bahnhöfe sind doch das beste Beispiel: alles drängelt sich auf den engen Rolltreppen, man hat die miefenden Achseln des Vordermanns vor der Nase, womöglich versucht noch jemand von hinten das Portemonnaie aus dem Rucksack zu klauen – und nebenan ist die riesige breite leere Treppe, auf der man viel flotter vorankommt. Ich finde übrigens auch, dass Treppen ein guter Fitnesstest sind. Wenn man nämlich nach so einer U-Bahn-Treppe außer Atem ist, dann stimmt irgendwas nicht, das sollte man als gesunder Mensch unter 65 oder so problemlos packen.
    (Für mich persönlich war vor ca. 10 Jahren dieses Außer-Atem-Sein nach Treppen oder wenn ich dem Bus hinterhergerannt bin, der Anlass mehr Sport zu machen. Jetzt bin ich mit 39 Jahren deutlich fitter als ich es mit 29 war, und die Leute denken immer noch, ich sei Ende 20 ;))

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  7. Sabine

    Hallo Manuela!

    Wir haben eine ähnliche Biographie und was Du schreibst habe ich auch so erlebt. Ich freue mich für Dich – Du strahlst das positive Lebensgefühl über das Du schreibst auch auf dem Foto aus!

    Viel Erfolg bei den letzten Kilos!

    „Erleichterte Grüße“
    Sabine

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  8. Sibylla

    Deine Maße sind ganz ähnlich wie meine, hab nur einen Zentimeter mehr und bin auch noch genau 10 Kilo von meinem Ziel entfernt. Allerdings schon mehr als ein Jahr lang, irgendwie fällt es mir grad schwer mit der Disziplin. Wird aber 🙂 Ein paar Monate wirklich aufpassen bringt mich glaub ich jetzt weiter als ein Jahr lang ein bisschen. Also starte ich nochmal richtig durch 🙂

    Viel Erfolg dir!

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  9. Manu33

    Freut mich, dass ich ein paar von euch motivieren kann. Das mit dem Treppen steigen seh ich auch so. Ich würde momentan nicht auf die Idee kommen eine Rolltreppe oder einen Aufzug wegen zwei, drei Stockwerken vorzuziehen. Vor ein paar Wochen hab ich mir eine Fitnessuhr zugelegt, die meine Schritte, verbrauchten Kalorien usw. anzeigt. Seitdem freu ich mich über jeden Schritt den ich abends auf der Uhr stehen hab.

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  10. she_lo

    Hallo Manuela, du siehst toll aus, Gratulation zum bisher Erreichten, und die letzten zehn Kilo zum Ziel schaffst du auch noch!

    Der verlinkte Artikel ist auf so vielfältige Weise schwachsinnig, dass mir schon gar nichts mehr dazu einfällt 😦 Und so ein Mist kommt von jemandem, die Prof. Dr. ist an einer medizinischen Hochschule, da fällt man doch vom Glauben ab. Ich kann nur hoffen, dass die Dame versehentlich ganz, ganz falsch zitiert wurde.

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  11. zweiFluesse

    Zu dem Artikel der Pharmazeutischen Zeitung: Der Artikel ist zum Einen ein Armuszeugnis für journalistisches Arbeiten. Da gibt es eine Pressekonferenz, die insgesamt eine Stunde dauert. Der Verlag schickt jemanden hin, vielleicht nur einen freien Mitarbeiter, von dem der Leser nicht weiß, wie viele Fachkenntnisse er selbst hat und ob das vielleicht nur einer von vielen Terminen war. Die anderen beiden Themen der Pressekonferenz werden unter den Tisch fallen gelassen und es werden aus dem Vortrag von Prof. de Zwaan die drei schlagkräftigsten Aussagen zusammengefasst. Fertig.

    Das Pressematerial zur Veranstaltung kann übrigens hier eingesehen werden: http://www.dgim.de/portals/pdf/Presse/20170212_DGIM%20Pressemappe%20PK%20Februar%202017%20neu.pdf Da klingen auch die Aussagen von Prof. de Zwaan schon etwas anders, wahrscheinlich wäre es besser gewesen, wenn sie sich bei ihrem Vortrag enger daran gehalten hätte. Prof. de Zwaan arbeitet übrigens schwerpunktmäßig zum Thema Essstörungen, nicht zum Thema Übergewicht allgemein.

    Beim Durchlesen der Materialien beschleicht mich das Gefühl, dass die Ärzte selbst zu resignieren beginnen. Im Manuskript von Prof. de Zwaan steht ja auch:

    „Eine Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent des ursprünglichen Gewichts, die über ein Jahr gehalten wird, gilt als Erfolg. Dieses Ziel wird allerdings von vielen Patienten als enttäuschend niedrig bewertet. Aufgrund dieser eher bescheidenen Langzeitergebnisse konservativer Behandlungsmaßnahmen, wozu auch die Psychotherapie, egal welcher Ausrichtung, zählt, wird nicht mehr ein Normalgewicht (Body-Mass-Index/BMI 18–25 kg/m2), sondern eine moderate, aber dauerhafte Gewichtsabnahme als Behandlungsziel definiert.“ und später: „Die Erwartungen an Langzeiterfolge sollten realistischer werden, die Zufriedenheit auch mit geringer dauerhafter Gewichtsreduktion möglichst gesteigert werden.“ (!!!!)

    Da steckt das ganze Dilemma drin. Es gelingt bei vielen Patienten nicht, eine dauerhafte Abnahme in den Normalgewichtsbereich zu erreichen, also wird Bescheidenheit propagiert, was aber wieder die Patienten demotiviert. Wenn ich mich auf 5-10% Abnahme beschränkt hätte, wöge ich heute immer noch zwischen ca 98 und 93 Kilo, bei meiner Größe ist das noch weit im Übergewichtsbereich. Da hätte ich mit dem Abnehmen erst gar nicht angefangen. Im Grund wird da doch das Scheitern der bisherigen Strategien eingestanden. Das müsste doch Thema der Forschung sein: Was haben wir bisher falsch gemacht, wo könnten neue Wege sein? Bis jetzt baden die Patienten es aus, dass die Ärzte es offenbar auch nicht besser wissen.

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