Das Niveau … äh Politiker nehmen ab

Normalerweise kommentiere ich ja regelmäßig Medienberichte, in denen Fettlogiken verbreitet werden. Manchmal stolpere ich allerdings auch über Dinge, die meine verbliebenen Fatacceptance-Sensoren aktivieren, z.B. wenn ein Artikel einfach unglaublich unverschämt, übergriffig und dazu noch sinnlos ist. Ich präsentiere daher, den heutigen Artikel der FAS aus dem Bereich Politik(!): „In jedem Dicken steckt ein Dünner

Mit einem Best of absolut sinnlosem Fatshaming:

Der Außenminister Sigmar Gabriel kann jetzt ein ganz anderer Typ werden als der Parteivorsitzende mit demselben Namen. Vielleicht muss er das sogar. Außenminister treten diplomatisch, gewandt, staatsmännisch auf. Ein schlankerer, gesünderer Gabriel passt da besser als der kräftige Polterer.

Merke: Menschen mit Übergewicht sind offenbar nicht diplomatisch, gewandt, staatsmännisch.

Kann gut sein, dass den Ausschlag zum Abnehmen die Familie gegeben hat. Das Nachdenken über die Endlichkeit des Lebens. Oder dass der Arzt gesagt hat: Hören Sie mal, wenn Sie als Diabetiker so weiter machen, dann werden Ihre Töchter nicht mehr lange unbeschwert mit Ihnen zusammenleben können und Sie auch nicht mit denen.

Kann gut sein, dass der Chefredakteur gesagt hat: Wenn Sie es nicht wissen, spekulieren Sie doch einfach wild herum, immerhin werden Sie ja nach Worten bezahlt und nicht nach Fakten.

Aber selbst wenn der Anlass unpolitisch war, gibt es den politischen Effekt: Der Mann hat sich 13 Kilo auf jenen Typus zubewegt, der zum neuen Amt passt.

Merke: Ämter haben offenbar Kleidergrößen. Je mehr Kilos, desto weniger passt man rein.

Wenn die Kanzlerin in der „Tagesschau“ zu sehen ist, sagen jeden Abend etliche Leute vorm Fernseher etwas Mitteloriginelles über deren Körper.

Wirklich? Kann ich mir gar nicht vorstell…

Und das bei Merkel, die immer in Blazer-Uniform auftritt, also wenig Angriffsfläche bietet. Trotzdem: Gerade hat sie irgendwie eine dickere Phase. Ich glaube, sie hat wieder abgenommen. Drei Kilo, viereinhalb?

… okay, kann ich doch.

Auch bei Fischer war das Privatleben der Auslöser: Seine Frau hatte ihn verlassen; absolute, abgrundtiefe Krise. Er hatte sich schon lange nicht mehr wohl gefühlt in dem fetten Körperpanzer, und er wusste ganz genau, dass da drinnen noch ein anderer steckte.

„Fetter Körperpanzer“

Politiker sprechen nicht gern öffentlich über Gesundheit, Fitness, ihren Körper. Auch Fischer wollte jetzt nicht mit der F.A.S. darüber reden.

Warum nur? Wo die FAS doch so niveauvoll über dieses Thema berichtet.

Er hatte seit dem langen Lauf dicke und dünnere Phasen, wurde schon Jojo-Joschka genannt. Das ist natürlich nicht schön, aber Politiker müssen sich viel Schlimmeres anhören.

Sowas wie „fetter Körperpanzer“ vielleicht?

Gleichzeitig offenbart jede politische Abnehmleistung Eigenschaften, die einen guten Politiker auszeichnen: Disziplin, Kampfgeist, Selbstkontrolle.

Was zur Hölle ist eine „politische Abnehmleistung“?

 

Und achtung… jetzt kommt mein Lieblingszitat aus dem Artikel:

Trotzdem ist das mit dem eigenen Körper eine besondere Sache. Der gehört nur ihnen, genauso wie die Seele. Darüber müssen sie nicht Rechenschaft geben.

omg

Unser Foto zeigt Actinarctus doryphorus, das Bärtierchen, dessen Körpergewebe und Körperzellen bei Ultraviolett-Strahlung leuchten. Trotz oder gerade wegen seines geringen Körpergewichts von durchschnittlich einem Millionstel Gramm ist das Bärtierchen zu Höchstleistungen fähig.

Vielleicht kann das Bärtierchen den nächsten Artikel schreiben?

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27 Gedanken zu “Das Niveau … äh Politiker nehmen ab

  1. Wer hat diesen „Journalisten“ eingestellt? Und wie kommt man darauf, sowas zu schreiben. Ist ja nicht so, das wir in der Politik wichtige Sachen zu regeln hätten. Da kann man sich doch lieber mit der Figur beschäftigen. Wenn ich der Petry aus der AFD zuhöre(n muss), dann denke ich mir nicht etwa: „Man, was für ein menschenverachtender Dünnschiss“ sondern natürlich: „Na, die könnte ja auch mal etwas für ihre Fitness tun.“

    Mhm, ist klar.

    Liebe Grüße, Mi ♥

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  2. venus

    Was zur Hölle hat der Autor dieses FAS-Artikels zu sich genommen? Einen ganzen Frankfurter Kranz – und ist dann wütend geworden, weil er doch auf Diät ist? Und hat dann möglicherweise seinen Frust auf irgendwelche Politiker abladen müssen? Sorry, mußte jetzt einfach mal genauso blöd rumspekulieren wie der Herr Journalist…

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  3. Peter Teuschel

    Ja mei. Da würde ich jetzt gerne einen 43seitigen Kommentar schreiben: „Gehört meine Seele mir?“ Aber irgendwie weist meine Schreibhand eine unerklärliche Schwäche auf. Und fühlt sich gleichzeitig so leicht an wie ein im UV-Licht phosphoreszierendes Bärtierchenhändchen.

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  4. Mona

    Dank FAS wissen wir nun, dass Politiker auch einen menschlichen Körper haben und dick sein können, zunehmen können und abnehmen können. Wir lernen außerdem: dünn ist supi, dick ist bäh. Nur wer ein Millionstel Gramm wiegt, erbringt Höchstleistungen. Alle anderen sind Polterer, krank, kurz vorm Tod und stecken in einem fetten Körperpanzer. Sie haben insgesamt keine der supi-tollen-uiui Eigenschaften, die dünne Menschen haben.
    Die Abnehmer haben das nur gemacht, um ihr Image als Politiker aufzupolieren. Und Politik machen die nur, weil sie bekannt werden, Personenschützer und Fahrer bekommen. Ist doch logisch!!!11!!!!!11!!1!11

    Ich verstehe nicht, was „Typwechsel“ in dem Zusammenhang bedeutet. Nur weil jemand ein anderes Gewicht hat, ist er ja direkt ein anderer Mensch, oder wie? Er sieht doch nur anders aus, daran gewöhnt man sich auch. Ich glaube, die Autorin hat eine falsche Vorstellung davon, was eine Abnahme mit einem Menschen macht. Wenn ich mir die Haare blau färbe, bin ich dann ein ganz anderer Mensch mit anderen Eigenschaften, anderer Disziplin, anderem Kampfgeist, ja?

    Schreibt sie jetzt einen Vergleichsartikel über dünne, die dick wurden? Davon gibt es bestimmt auch jede Menge Politiker. Könnte man auch aufzählen und sagen, welche Eigenschaften sie ausmachen. Sie hat ja so ziemlich jeden aufgezählt, der man sichtbar abnahm. Wenn Abnehmen Erfolg bringt, wieso hat dann Chris Christie nicht den tollen Erfolg? Seine Eigenschaften müssten doch alle toll sein in der Logik der FAS Autorin.

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  5. Erwähnenswert auch „Wie Diäten das Image aufbessern sollen.“

    Abnehmen macht man ja nur, um sein Image aufzupolieren! Kommt der Imageberater und sagt „laut Umfragen werden Sie nur von 23% der Gesundheitsbewussten gewählt. Diese Zahl ließe sich signifikant erhöhen, wenn Sie 20kg abnehmen.“

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  6. Es ist schon so, dass schlanken Leuten mehr Kompetenz,Disziplin und Kampfgeist zugetraut wird als dicken. Ist natürlich oberflächlich, aber so ist nun mal das Denken der Allgemeinheit. Das ist sogar durch Umfragen belegt. Gabriel wird wahrscheinlich tatsächlich bessere Chancen im Wahlkampf haben, wenn er nun einiges an Kilos abnimmt.

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  7. Dicken Politikern traut man in Deutschland eh nichts zu, man denke nur an Leute wie Ludwig Erhard oder Helmuth Kohl. Bei letzterem waren die teilweise beträchtlichen Gewichtsschwankungen nach seiner jährlichen Kur sogar Anlass zu besorgten Fragen von knallharten Interviewern 😂

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  8. Was ist der Unterschied zwischen einer Journalistin und 100 Schimpansen, die auf Computertastaturen herumhacken? Journalisten werden ueblicherweise leider nicht mit Bananen bezahlt.

    Wie kam sie nur auf Bärtierchen? Ich habe so einen Verdacht, dass sie beim googlen wegen Jucken in der unteren Haartracht einfach auf der falschen webpage gelandet ist. Zur weiteren tiefenpsychologischen Analyse ist ihr Artikel aber einfach zu flach…

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      1. Peka

        Hier wird den Bärtierchen ja wenig Wertschätzung entgegengebracht. Das sind grossartige Überlebenskünstler, die wird es noch geben, wenn hier sonst nix mehr kreucht und fleucht. Die Form, die Bärtierchen annehmen um ganz üble Zeiten zu überstehen, heisst übrigens „Tönnchen“…….

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  9. Hahahaha, wenn sie nun einen totalen Hänfling zum Außenminister gemacht hätten, hätte es geheißen, der muss noch was zulegen, damit aus ihm ein politisches Schwergewicht wird. Ich bin dafür, Barack Obama einzubürgern und ihm diesen Posten zu vermachen. Gabriel konnte ich noch nie leiden…

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  10. Katharina

    Ganz ehrlich: ich wäre nicht mal auf die Idee gekommen über sowas zu schreiben. Merkwürdig mit was für Dingen manche Leute Ihr Geld verdienen dürfen!

    Danke, Deine Kommentare sind klasse!
    😀

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  11. Knorkowski

    „Merke: Menschen mit Übergewicht sind offenbar nicht diplomatisch, gewandt, staatsmännisch.“

    Ist diese Interpretation nicht ein bissel billig?
    Es geht in dem Satz um den Polterer. Das ist die Aussage. Textverständnis!

    Letzteres haben vor allem auch moderne „Netzfeministinnen“ nicht.

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    1. Mona

      Nennt man das wirklich Interpretation, wenn es schon ziemlich eindeutig ist?

      „Außenminister treten diplomatisch, gewandt, staatsmännisch auf. Ein schlankerer, gesünderer Gabriel passt da besser als der kräftige Polterer.“

      erster Satz:
      – Außenminister sind x.
      zweiter Satz:
      – schlank ist eher x.
      – kräftig ist eher NICHT x.

      x = diplomatisch, gewandt, staatsmännisch

      Der Polterer kann nicht gemeint sein, weil Polterer sich nicht mit „schlanker, gesünder“ vergleichen lässt. Die liegen nicht auf einer Skala. Und es wird dort mit „besser als“ verglichen, also ist es doch eindeutig, dass schlank und kräftig verglichen wird, weil es das Polterer nicht sein kann.

      erzaehlmirnix hat es so aufgeschrieben, wie es der Text sagt. Vielleicht hat die Autorin des FAS-Artikels das nicht so gemeint, aber sie hat es so geschrieben. Ich kann doch nur auf den Text schauen und nicht in ihre Gedanken.

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  12. Lol… danke schön! 🙂

    Ich hatte den Artikel auch gelesen, die 13 kg Abnahme mitgenommen, weil mich das Ergebnis seiner Magen-OP interessiert hat.

    Schön, dass Du all die Gemeinheiten, die ich komplett überlesen habe, nochmal herausstellst. 🙂

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  13. Ich glaub ich schreib das nahezu jedes Mal, aber ich LIEBE es, wenn du Zeitungsartikel auseinandernimmst. Diesmal hast du ein ganz besonderes Meisterwerk auf die Beine gestellt (aber der Fairness halber muss ich zugeben, dass die FAS da auch eine ganz besonders dankbare Vorlage geliefert hat).
    Ich find es eh ein Unding, dass Menschen des öffentlichen Lebens so krass nach ihren optischen Merkmalen verurteilt werden. Gerade bei Politikern müsste man meinen, das da doch etwas anderes im Vordergrund stehen sollte, als das Gewicht, die Frisur und welche schuhe jemand trägt.

    *googelt Bärtierchen*

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