Gastbeitrag: Die Portion Nudeln

Der heutige Gastbeitrag ist ein bisschen anders, denn diesmal geht es weder um ein Sachthema, noch um einen Erlebnisbericht sondern um eine Kurzgeschichte zum Thema Essen und Essstörungen. Ich hoffe, ihr habt Spaß mit dem Experiment! Aber erstmal kurz zur Autorin, Katrin:

Als ich Nadjas Buch gelesen hatte, war ich ziemlich begeistert. Als Pädagogin und Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche weiß ich, dass das Gewicht alle Generationen beschäftigt. Da ich gerne Kurzgeschichten schreibe und auch schon einige kleinere Literaturwettbewerbe gewonnen habe, hat mich das Nadjas Buch spontan zu einer weiteren Kurzgeschichte inspiriert. Wie wäre es, über eine Portion Nudeln zu schreiben, die zwar objektiv immer gleich groß ist, aber von vier sehr unterschiedlichen Menschen völlig anders wahrgenommen wird.

Da es mein Berufsfeld ist, wollte ich auch die pathologische Seite des Essens darstellen und so ist Person 1 (Maren) anorektisch, also magersüchtig und reguliert ihr niedriges Gewicht durch restriktive Nahrungsaufnahme , sie isst also einfach sehr, sehr wenig. Ich habe mich bemüht die Körperschemastörung, unter der Magersüchtige leiden, in besonderem Maße herauszustellen. So glaubt sie selbst von sich, dass sie einen dicken Bauch und fette Oberschenkel hat, während ihr Umfeld sie ganz anders wahrnimmt. Maren „lernt“ im Verlauf der Geschichte zu erbrechen. Damit leidet sie an einer Magersucht vom Purging-Typ (to purge = reinigen, säubern, löschen). Es wäre außerdem möglich, dass Maren eine Ess-Brech-Sucht (Bulimie) entwickelt. Häufig geht der Bulimie eine Anorexie voraus.

Person 4 (Peter) ist adipös, dies alleine hätte noch keinen psychischen Krankheitswert. Allerdings leider er unter Ess-Attacken, die außerhalb seiner Kontrolle sind und hat damit eine Binge-Eating-Störung. Die Binge-Eating-Störung ist bislang nur im amerikanischen Manual für psychische Störungen, dem DSM-5 aufgeführt. Allerdings wird auch in Deutschland zunehmend diese Störung vergeben, wo sie dann aber anders klassifiziert wird. Menschen mit Binge-Eating-Störung haben zwar ähnliche Ess-Attacken wie Personen, die unter Bulimie leiden. Sie erbrechen allerdings nicht, so dass es meist zu einer Gewichtszunahme kommt. Nach einem Ess-Anfall haben die Betroffenen meist große Schuld- und Schamgefühle.

Person 2 und 3 sind „relativ normal“ (Wer ist denn schon völlig normal?). Bernd liebt Fitness und Sport, zählt Kalorien und überlegt wie er diese am besten verbrennen kann. Er ist athletisch, tut aber auch einiges dafür und wird von Renate als der „schöne Bernd“ bezeichnet. Ob dies nun eher ironisch oder ernst gemeint ist, bleibt offen (vermutlich ist die Wahrheit irgendwo dazwischen). Renate ist Teilzeitkraft und Vollblutmutter, liebt ihre Kinder und akzeptiert schweren Herzens die paar Pfund mehr auf den Hüften, die seit deren Geburt nun mal da sind. Oder tut sie das doch nicht? Schließlich hat sie schon einige Diäten probiert, die aber alle nicht funktionierten, und so ganz neidlos ist sie ja auch nicht, wenn bei anderen Leuten doch eine Schlankheitskur klappt…

Die Kurzgeschichte mit den vier Charakteren soll nicht bedeuten, dass alle Menschen mit Anorexie so denken wie Maren. Oder alle Menschen mit Binge-Eating sich so fühlen wie Peter. Aber es soll Einblicke geben in die Innenansicht psychischer Störungen und auch deren Abgrenzung zu normalen Denk- und Handelsmustern. Denn ich glaube, so ein bisschen werden sich die meisten doch in Bernd oder Renate wiedergespiegelt fühlen. Und sei es nur ein sehr klein wenig.

In diesem Sinne,

viel Spaß beim Lesen,

Katrin Ühlein

(Kontakt: katrin.uehlein@gmx.de)

 

Die Portion Nudeln von Katrin Ühlein

Maren

Maren versuchte nicht zu atmen, als der Kellner ihre Portion Nudeln brachte. Sie wollte den leckeren Geruch möglichst wenig wahrnehmen und versuchte sich mental zu stärken, möglichst langsam und bewusst zu essen. Jeden Bissen zehnmal kauen, dann erst schlucken. Sie rutsche an die vordere Stuhlkante, so dass ihre Beckenknochen das harte Holz spürten und sie automatisch die dünnen Oberschenkel anspannen musste, um nicht nach unten zu fallen. Dies verbrannte Kalorien, lästige Kalorien, wovon die die Nudeln jede Menge hatten. Sie konnte auf diese Weise zwar nur lächerlich wenige Kalorien loswerden, aber das schlechte Gewissen wurde ein wenig besänftigt. Dass Maren heute morgen bereits 10km gejoggt war und sich ihr Mittagsessen auf einen Salat mit reinem Essig – keinem Öl – begrenzt hatte, das zählte für Maren schon längst nicht mehr. Sie sah nur die dampfenden Nudeln vor sich und spürte das Loch in ihrem Bauch. Am liebsten hätte sie mit ihrer Faust auf ebendiesen geschlagen, damit er Ruhe gab. Sie hatte Hunger! Das durfte nicht sein, das war das Todesurteil! Der Todesstoß! Hunger zu haben war die größte Schwäche, die sie sich eingestehen konnte. Sie fühlte sich als Versagerin und hätte heulen können. „Du schaust so ernst. Ist irgendwas?“, Renate blickte Maren an. Schnell zwang sich Maren zu einem Lächeln: „Nein, nein. Ich überlege nur gerade, ob die Soße wirklich vegan ist…“ Dass sie sich frühzeitig als Verfechterin der veganen Ernährung outete ersparte vieles. Keiner fand es seltsam, dass sie in der Kantine nur Salate aß, schließlich enthielt auch das vegetarische Essen immer Milch, Käse oder andere nicht-vegane Produkte. Keiner wusste, dass sich Maren ausschließlich von Rohkost ernährte. Oft gab sie Essig oder Zitronensaft dazu, damit dies den Magen angriff und schloss und das Hungergefühl verging. „Also rein pürierte Tomatensoße ist sicherlich vegan und die Nudeln sind auch ohne Ei, das hatte der Kellner doch versichert. Mach dir mal keine Sorgen.“ Renate wirkte zuversichtlich und schien abzuwarten, bis Maren den ersten Bissen nahm, um ihre Aussage zu bekräftigen. Maren drehte umständlich zwei Spaghetti auf der Gabel, ihr „eigentlich habe ich ja schon gegessen“ ging im allgemeinen Stimmengewirr unter. Es gab kein Entrinnen: Sie musste sich die hässlichen, gelben, verführerischen Schlangen auf der Gabel hinunterwürgen. Tapfer steckte sie die Gabel in den Mund, kaute bedächtig zehnmal und schluckte schließlich. „Passt, alles OK“, nickte sie kurz zu Renate hinüber. In Wirklichkeit hatte Maren keine Ahnung. Sie hatte sich schon so weit von normaler Ernährung entfernt, dass sie leichte Nuancen längst nicht mehr schmeckte. Ob Ei in den Nudeln war, oder Sahne in der Tomatensoße war Maren aus ernährungsethischer Sicht auch völlig egal. Ihr Problem waren die zusätzlichen Kalorien. Sie beschloss sicherheitshalber bei ihrer Kalorienzählung von Nudeln mit Ei und mindestens 100g Sahne auszugehen. Lieber 150 – sicher ist sicher. Sie würde morgen ein Extra-Training an Fitness einlegen müssen und vielleicht auch die Karotte im Salat weglassen. Sie wollte ja nicht so aussehen wie Peter. Ihr Blick fiel zu ihrem Arbeitskollegen. Sein Stuhl stand etwas vom Tisch entfernt, damit Peters dicke Schenkel unter dem Tisch Platz fanden und sein Bauch nur leicht an die Tischkante stieß. Mit Entsetzen sah Maren, dass sich Peter auch Nudeln bestellt hatte. Mit Käse-Sahne-Soße, aber welchen Unterschied machte das schon? Maren betrachtete ihren eigenen Bauch, der sich unter dem Tisch immer mehr zu wölben schien, desto länger sie ihn betrachtete. Auch ihre Oberschenkel schienen durch die bloße Betrachtung zu wachsen und nur knapp unter der Tischkante Platz zu finden. „Du dickes Schwein“, flüsterte sie sich selbst zu, „Warum musst du Hunger haben?!“ Viel zu hastig verschlang sie fast alle Nudeln. All die Vorsätze langsam und bedächtig zu essen und die Hälfte stehen zu lassen klappten nicht. Maren unterdrückte eine Träne. Sie hatte es nicht geschafft, wie war schwach geworden. Viel zu schwach. Sie war eine Versagerin, eine Niete. Sie hatte vergessen vor dem Essen ihren Magen mit 2 Litern Wasser zu füllen und ihr Hungerfühl durch eine Kanne starken Kaffee zu betäuben. Dann hätte nichts mehr hineingepasst. So hätte es klappen können. Aber ohne diese Hilfsmittel war sie viel zu schwach. Wasser war das einzige neben schwarzem Kaffee, was Maren in großen Mengen zu sich nahm. Keine Kalorien, das war erlaubt. Bevor Maren das erste Mal in der Klinik zwangsernährt wurde, hatte sie zwar die These vertreten, dass auch in Wasser versteckte Kalorien steckten. Aber daran glaubte sie nicht mehr. Die Therapie in der Klinik war ja erfolgreich gewesen, oder etwa nicht? Wie in Trance stand Maren auf ging Richtung Toilette. Sie kniete sich nieder und steckte zwei Finger in den Mund. Sie hatte es schon oft versucht, aber es war ihr bislang nie gelungen. Fast schien es so, als würde ihr Körper kein bisschen verdaubarer Masse wieder hergeben. Doch diesmal musste es funktionieren. Sie konnte nicht bis morgen warten. Aus dem Wasserhahn des Waschbeckens trank Maren so viel Wasser wie sie konnte. Dann beugte sie sich erneut über das Klo. Mit einem Schwall erbrach sie alles Wasser und auch die Portion Nudeln mit all der Tomatensoße kam zum Vorschein – fast unverdaut. Befreit stand Maren auf. So ging das also! So konnte sie erbrechen! So gab es eine Möglichkeit zu essen und doch nicht zuzunehmen! Schnell wischte sie ihren Mund ab und ging beschwingt zu ihrem Platz zurück. Nie wieder würde sie Angst haben müssen, wenn ein gemeinsames Arbeitsessen anstand. Maren spürte dass eine neue Ära des Essens und Essenloswerdens für sie angebrochen war. Mit einem Lächeln setzte sie sich an den Tisch und aß auch die letzten Nudeln ihres Tellers vollständig auf.

Bernd

Als sein Teller serviert wurde überschlug Bernd die Kalorien. Er schätzte seine große Portion Spaghetti mit Hackfleischsoße auf 1500 Kalorien, dazu der bunte Salat und die Apfelsaftschorle nochmals 200 Kalorien. 1700 Kalorien bei einem Essen! Glücklicherweise war Bernd heute noch im Fitnessstudio gewesen und konnte sich dieses Schlemmen mit fast gutem Gewissen gönnen. Er würde morgen in der Arbeitspause schwimmen gehen müssen, um auch jeden Rest unnötige Kalorie in Muskelmasse umzuwandeln oder zu verbrennen. Bernd achtete sehr auf seinen Körper. Aus Gründen, die ihm selbst unverständlich waren sah er seinen Körper als sein Kapital an. Zwar arbeitete er im Büro, war also rein beruflich nicht zu körperlichen Höchstleistungen gezwungen, aber dennoch wünschte er sich ein langes, gesundes und glückliches Leben. Auch wenn dies mit Kalorienzählen und viel Sport verbunden war. Gelegentlich nahm er Proteinshakes zu sich und reduzierte Süßigkeiten auf ein Minimum. Zwar konnte er die Selbstlüge erkennen, wenn er sagte: Ein Schoko-Proteinshake ist genauso lecker wie ein Schokoriegel. Trotzdem war für ihn die Nahrungsaufnahme von den vermeintlich toten Kalorien eines Schokoriegels unweigerlich mit einem schlechten Gewissen verbunden. Schlank, fit, athletisch – so wollte er sein und dafür tat er viel. Zum Beispiel hatte er heute trotz Magenknurren auf sein Mittagessen vollständig verzichtet. Andererseits musste er aber auch aufpassen, dass er nicht zu schmal wurde oder sich mangelernährte. Ein Hemd wollte er nicht werden… Sein Blick fiel auf Maren, welche unendlich lange ihre Gabel in ihren Spaghetti zu drehen schien. Maren war richtig schön schlank, das gefiel ihm gut. Aber als Mann konnte er sich das nicht leisten. Ein Mann braucht Muskeln und starke Schultern, an denen sich Frauen ausheulen können. Freilich konnte er jetzt nicht sagen, wann sich das letzte Mal eine Frau an seinen großen Schultern ausgeweint hatte – aber darum ging es ja nicht. All dies ging Bernd in seinem Kopf herum während er hungrig und trotzdem bedächtig seinen Teller Nudeln aufaß. Lecker! Sehr lecker! Er hörte auf die Gespräche der anderen, welche auch das gute Essen lobten: „Der neue Italiener ist echt ein Geheimtipp.“ „Da gehen wir nächstes Mal wieder hin.“ Und so weiter. Immer wenn sich ein Gespräch über Fitness ergab, redete Bernd begeistert mit. Das war sein Thema und er hatte seinen Sitzplatz geschickt gewählt. Weit weg von den Müttern, die ihre Fettpolster und ihre versagenden Diäten beklagen und weit weg von Peter. Wo Peter in der Nähe war erstickte er jedes Gespräch um Fitness im Keim. Der dicke Peter! Boah, der überaus dicke Peter! Bernd schüttelte sich kurz. Aber nur kurz. Dann fiel ihm auf, dass er eigentlich voller Vorurteile war. Was wusste er schon über Peter? Peter schien ja eigentlich auch ganz normal zu essen. Eine Portion Nudeln, so wie die meisten. Auch stopfte er sich das Essen keineswegs in den Mund. Bernds Teller war fast leer, während Peter noch nicht mal die Hälfte gegessen hatte. Vielleicht hatte Peter ja eine seltene Schilddrüsenerkrankung oder er musste Medikamente nehmen, die ihn zunehmen ließen. Vielleicht aß er wie ein Spatz aber hatte einen schlechten Stoffwechsel. Irgendwie war Bernd aber auch froh, dass er wenig über Peter wusste. Seine Freunde und Bekannten waren eben einfach alle sportlich. Da bestimmte der gemeinsame Fitnessglaube das Freizeitprogramm. Man verstand sich ohne großartig diskutieren zu müssen. So, der Teller war nun leer. Bernd lehnte sich nach hinten und streckte seine Arme nach oben um Bauch, Brust- und Oberarmmuskeln zu dehnen. Überaus lecker! Er verschränkte die Finger und drückte sie von seinem Körper weg. 10 Knöchelchen knackten leise. Während die anderen sich noch eine Panna Cotta oder ein Tiramisu gönnten, bestellte Bernd nur einen Espresso. Dieser war kalorienarm und half Bernd sich der Müdigkeit zu widersetzen, welche nach einem üppigen Essen unweigerlich eintrat. Sein Nebenmann erzählte gerade begeistert von einer neuen Wurst mit weniger Fett und mehr Protein. Diese Wurst musste er haben! Er prägte sich den Markennamen gut ein und schrieb ihn in sein imaginäres Fitness-Notizbuch. Daneben vermerkte er: Morgen in der Mittagspause schwimmen gehen. Sicher ist sicher. Auch die letzte Kalorie sollte ihren Nutzen in Bernds Körper erfüllen.

Renate

Da hatte sich Renate ja den genau richtigen Platz ausgesucht, neben dem Knochengestell Maren. So ein Hungerhacken, so dürr wollte Renate nicht sein. Und gesund war das sicher auch nicht. Dann lieber ein paar Pfund zu viel, Frauen sollten Rundungen haben. Nach zwei Schwangerschaften war es ja auch ganz normal, dass sie keine Modellmaße hatte, oder? Im Vergleich zu Peter, der ihr gegenüber saß, wirkte sie außerdem nahezu schlank. Also alles eine Sacher der Perspektive. Wie Maren das Gesicht verzog, als ihr Essen kam. Dabei hätten ihr ein wenig Sahne und Ei sicherlich nicht geschadet. Renate liebte Fleisch und Fisch und ihr war jede vegetarische oder vegane Ernährung suspekt. Einmal war sie auch wirklich sehr, sehr schlank gewesen: Damals als ihr zweiter Sohn geboren wurde und sie ihn stille. Es fiel zeitlich in die frühen Wechseljahre, sie fühlte sich fit und verbrauchte schier unendlich Kalorien. Es schien als könne sie essen, was sie wolle und nahm kein Gramm zu. Alle Verwandten hatten sie bewundert. Naja, und dann war diese Zeit vorbei und ein Pfund Hüftgold gesellte sich neben das andere. Wie das eben so ist. Mit Genugtuung stellte Renate fest, dass der schöne Bernd auch Spaghetti Bolognese bestellt hat, genau wie sie. Dann konnte ihre Wahl nicht so schlecht gewesen sein, denn Bernd achtete sehr auf gesunde Ernährung. Und Peter, naja, natürlich hatte er die Käse-Sahne-Soße gewählt. Renate schätzte ihr eigenes Gericht auf 800 Kalorien. Nun ja, vielleicht eher 700 Kalorien, die Tomaten in der Soße waren ja quasi ohne Nährwert. Das von Peter knackte bestimmt die 1000-Marke… und war weit ungesünder. Renate nahm den ersten Bissen. „Lecker ! Superlecker“, sagte sie in die Runde. Sie blickte in zustimmende Gesichter von weiteren Müttern mir ähnlichen Hüften wie den ihren. Die Teilzeitkräfte schienen alle an dieser Seite der langen Tafel vereint. Alles etwas stärkere Frauen mit roten Wangen, runden Gesichtern und einem Glas Rotwein in der Hand. Nur Maren und Peter passten nicht so recht in das Bild. „Na, da sagst du was! So leckere Spaghetti könnte ich zu Hause niemals zaubern. Aber Lukas isst im Moment eh nur Pommes und Chicken Nuggets, dem könnte ich gar nicht mit Nudeln daher kommen.“ „Wirklich, ist er immer noch so heikel? Du Arme, dann musst du ja zwei verschiedene Essen kochen, denn Markus mag bestimmt nicht nur Pommes, oder? Und selber kann man ja auch nicht immer das gleiche essen…“ „Wisst ihr das Neueste? Tamara von der Buchabteilung ist wieder schwanger, das dritte jetzt. Ihr ist ständig übel, deswegen ist sie heute auch nicht mit dabei.“ „Ich habe jetzt eine neue Diät ausprobiert, Ananas und Grapefruit. Regt den Stoffwechsel an. Und was soll ich euch sagen: Es funktioniert! Bereits 3 Kilo sind unten. Fitness-Studio klappt einfach nicht nebenher. Wer soll denn da die Kinder nehmen?“ „Ach, deswegen isst du jetzt nur eine Tomatensuppe und einen Salat? Ist das denn erlaubt? Ananas und Grapefruit ist das doch auch nicht?“, fragte Renate interessiert. „Naja, eigentlich nicht“, entgegnete Simone, „aber ich dachte, wenn ich schon mal sündige, dann zumindest eher kalorienarm. Die Grapefruit brennt die Kalorien schon weg, die ändert ja den Stoffwechsel.“ Klingt in der Tat interessant, fand Renate. Könnte sie auch einmal ausprobieren. Das Problem war, sie konnte den bitteren Geschmack einer Grapefruit nur begegnen, wenn sie dem Ganzen eine Menge Zucker entgegensetzte. Aber vielleicht wäre es ja dann ein Nullsummenspiel und die Grapefruit verbrannte den Zucker. Hm, dann könnte es ihr das schon wert sein. Aber nur Grapefruit, Ananas und Zucker? Keine Kartoffeln, Nudeln und Fleisch mehr? Wohl doch keine Diät für sie. Mal sehen wie lange Simone durchhielt, bevor ihr die Südfrüchte zum Hals heraushingen oder zu den Ohren herauskamen. Natürlich sagte Renate Simone dies nicht. Sie wollte sie ja nicht demotivieren. Und naja, vielleicht hatte Simone ja auch mehr Glück als sie selbst was Diäten anging. Gönnen würde sie es ihr! Renate dachte dies tatsächlich völlig ohne Neid. Simone hatte mindestens 15 Kilo mehr als sie und ein paar Pfund weniger wären für sie ein Riesenfortschritt. Karin hatte es ja geschafft. Sie saß jetzt bei den Fitnessleuten, die fast schon räumlich getrennt zu den Müttern saßen. Karin sah super aus! Wie sie da jetzt so bei den Sportlern saß! Nicht ganz so neidlos musste Renate dies anerkennen. Allerdings hatte sich mit dem Abnehmen auch ihr Charakter verändert. Das übliche Miteinander in den Pausen interessierte sie gar nicht mehr – wer ein Kind erwartete, wenn zwei Arbeitskollegen anbandelten, wer krank war und warum, etc. Sie machte ihre Arbeit schnell und zügig und wärmte sich nur mitgebrachtes Essen aus der Tupperdose auf. Selten ging sie in die Kantine und aß dort einen Salat. Vielleicht täuschte sich Renate, aber möglicherweise lief da was zwischen Karin und dem schönen Bernd. Wären ein nettes Paar die beiden. Sie würde es weiterbeobachten. Ihr entging so schnell nichts. Schnell nippte Renate an ihrem Rotwein. Lecker, auch dieser! Ein echtes Festessen. Wenn die Schwiegereltern sich mal wieder bereit erklärten die Kinder zu nehmen, würde sie mit ihrem Mann hier herkommen. Renate liebte ihren Mann. Und sie liebte ihre Kinder. Was waren schon ein paar Pfund zu viel angesichts solcher Schätze! Und irgendwie hatte Karin schon recht. Der Tratsch auf der Arbeit, hin und wieder ganz nett. Aber ihr Herz schlug nicht für die Arbeit, sondern für die Familie. Fast wehmütig betrachtete Renate ihren letzten Bissen Nudeln und steckte ihn genussvoll in den Mund. Zum Abschluss des guten Essens bestellte sie einen Cappuccino und ein Tiramisu. Sie hatte eine Weile überlegt, ob dies kalorienmäßig gehen würde. Natürlich hatte Maren keinen Nachtisch genommen. Aber nachdem sie sogar die diätmachende Simone überreden konnte, dass ein Nachtisch noch drin war, hatte sich ihr schlechtes Gewissen sehr schnell beruhigt.

Peter

Wie immer in Gesellschaft in der gegessen wurde hatte Peter den Eindruck, dass alle ihn anblickten. Er nahm einfach mehr Raum ein als alle anderen und man konnte ihn nicht übersehen. Aus Höflichkeit übersah ihn deswegen jeder und blickte über ihn hinweg. Dies aber so auffällig, dass es den paradoxen Effekt hatte und Peter sich erst recht im Mittelpunkt fühlte. Um nicht auffallend viel essen zu müssen, hatte sich Peter bereits zu Mittag ein Schnitzel mit Pommes gegönnt und kurz vor Aufbruch noch ein Schinken-Käse-Sandwich. Er wollte nicht der In-sich-hinein-stopfende Dicke sein und damit alle Klischees erfüllen, von denen er glaubte, dass die anderen sie hatten. Bedächtig aß er seine Käse-Sahne-Nudeln und trank seine Cola. Als die anderen bereits ihre Nachspeisen bestellten war er erst bei der Hälfte der Nudeln angelangt. Nur Maren, die schräg von ihm saß, gehörte wohl auch zu den eher langsameren Essern. Aber Maren war sowieso eine Ausnahme. Peter hatte bemerkt, dass sie während des Beisammensitzens zweimal den Tisch verließ und zum Klo eilte. Dort verbrachte sie überdurchschnittlich viel Zeit, so dass man nur schwer an eine schwache Blase glauben konnte. Vermutlich hatte sie so schnelle Körperfunktionen, dass das Essen nur so durch sie hindurchrauschte und sie noch nicht mal eine normale Portion im Magen behalten konnte. Ein Metabolismus-Wunder! Wenn man so wollte. Peter hingegen war das Gegenteil. Mit Schilddrüsenunterfunktion gehörte er zu den gefährdet Adipösen. Hinzu kam, dass durch seine stetige Zunahme die Medikamente stets neu eingestellt werden mussten. Eine Weile hatte er zusätzlich zu den Schilddrüsenpräparaten auch ein leichtes Antidepressivum genommen. Obwohl der Arzt ihm versicherte, dass das Medikament selbst nicht für die Gewichtszunahme verantwortlich sei, sondern nur den Appetit anrege, hatte er dennoch 20 Kilo zugenommen. Und war diese auch nach Absetzen des Antidepressivums nicht mehr losgeworden. Damals fingen auch die Fressanfälle an, nicht mehr steuerbare Essattacken, denen Peter hilflos ausgeliefert war. Peter wollte lieber nicht daran denken. Stopp. Gedankenstopp. Positiv denken. Das hatte die Psychotherapeutin auch immer zu ihm gesagt. Po-si-tiv. Schulgefühle und Schamgefühle wegen der Essattacke brachten ihn nur wieder Richtung nächsten Fressanfall. ‚Eine schöne grüne Wiese. Lauter Blumen drauf. Ich liebe diese Wiese, wenn es mir nicht gut geht, kann ich mich dort ausruhen. Ich rieche den Duft der Blumen, ich höre das Zwitschern der Vögel.‘ Peter versuchte sich zu entspannen, aber irgendwie klappte das heute nicht. Alle redeten über ihre Kinder. Er hätte auch gern Kinder, dabei hatte er noch nicht mal eine Frau. Eine Freundin gab es mal, aber das war jetzt auch schon einige Monate her. Susi. Auch nicht an Susi denken. Stopp. Gedankenstopp. Die grüne Wiese. Mit den Blumen. Schnell schob sich Peter eine vollbeladene Gabel Nudeln in den Mund und spülte es mit einem großen Schluck Cola hinunter. Auch das andere Thema Diäten war so gar nicht sein Thema. Gerne würde er sich mit Maren unterhalten, dem Metabolismus-Wunder. Aber irgendwie blickte Maren ihn immer ganz angsterfüllt an. Warum wusste er nicht. Vielleicht war er zu wuchtig für sie. Vielleicht hatte sie Angst, dass er sie erdrücken konnte. Peter fand in kein Gespräch. Niemand schien sich mit ihm unterhalten zu wollen. Freilich versuchte er auch nicht, von sich aus ein Gespräch zu starten. Was hätte er schon sagen können. Er kam sich vor wie ein unendlich schwerer Klotz in der Menge sich gut unterhaltender Leute. Schnell noch einen Nudelbissen. Noch ein großer Schluck Cola. Peter kratzte die Sahne-Soße vom Teller und steckte sich den Löffel in den Mund. Weder Nudeln noch Soße schafften es seinen Mund auszufüllen. Aber das brauchte er jetzt. Voll werden. Satt werden. Essen. Bis der Bauch weh tat. Peter spürte, dass auch dieser Tag wieder einer dieser Tage werden würde… Esstage. Fresstage. Er hatte sich dann nicht mehr unter Kontrolle. Auch jetzt dachte er die ganze Zeit an seine Tiefkühltruhe zu Hause. Dort stapelten sich Pizzen und Fertiggerichte. Herzhaft essen, dann süß (im Küchenregal gab es Schokolade, Gummibärchen und Zuckerbonbons, welche er oberflächlich kaute), dann Obst. Letzteres schien den Magen zu reinigen, damit noch mehr hineinpasste. Dann wieder herzhaft (gerne auch Chips oder die Reste der vertilgten Pizzen), Süßkram, Obst. Immer so weiter. Bis Peter zu platzen schien, der Bauch voll war, nichts mehr ging. Erst dann war er fertig. Er wusste nicht, warum es ihm so erging. Er spürte nur eine Leere in sich, die sich auszudehnen schien und er wirkte dagegen indem er aß. Voll werden, nur nicht die Leere spüren. Während des Essens keine Chance den Anfall zu kontrollieren. Ein Epileptiker kann ja auch nicht seine Anfälle unterbrechen. So erging es ihm auch. Und danach… ja danach: Schuld! Scham! Verzweiflung! Versuche glücklich zu sein, positiv zu denken, bis ihn der nächste Anfall einholte! Peter verabschiedete sich früher von den anderen und ging einsam nach Hause. Negative Gedanken quälten ihn. Stopp! Es ging nicht. Ne-ga-tiv. Nicht positiv. Kein bisschen. Mal wieder nicht. Zu Hause brach er Stück tiefgefrorener Salami-Pizza ab und steckte es sich in den Mund, während er darauf wartete dass der Ofen warm wurde. Neben dem Rest Salamipizza würde er noch zwei weitere Pizzen essen. Süßigkeiten und Obst legte er neben sich bereit, um nicht lange suchen zu müssen.

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40 Gedanken zu “Gastbeitrag: Die Portion Nudeln

  1. Madsaly

    Diese Geschichte ist traurig und so wahr. Genauso verhält es sich.
    Wenn der Kopf doch endlich mal ruhig sein würde. Wenn das Vergleichen mit anderen doch endlich vorbei wäre . Letztendlich bete und hoffe ich, dass alle Ess-Typen , die es unter uns gibt, den Weg aus dem Gedankengefägnis finden . Hin zur Gelassenheit und der Erkenntnis, dass das Leben schön ist . Es ist ein langer Weg , bis hin zu dem Tag, an dem es dann auf einmal da ist ,
    das Gefühl: ich bin so, ich liebe mich so, alles um mich herum ist ok.

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  2. Wolf

    Deine Darstellung des Erbrechens: nein. Einfach nein. Schön wärs, wenns so leicht wäre. Ein Schwall und alles raus.

    Es ist schmerzhaft. Es dauert. Man heult vor Schmerz und Ekel und Scham. Es krampft im Bauch, der sich wehrt gegen den Finger im Hals.

    Und hinterher ist man nicht befreit. Man weiß, dass man nur ein neues Kapitel aufgeschlagen hat. Nach Hungerkrämpfen und Ohnmacht kommen jetzt faulende Zähne und blutende Speiseröhre. Bis zum Herzstillstand durch Kaliummmangel.

    Wir wissen, was wir tun. Suizid auf Raten.

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      1. Je mehr du gegessen hast und je kürzer der Abstand zw. Essen und Erbrechen, desto schmerzhafter ist es, weil in einem Schwall große Mengen unverdautem Essen nach oben drücken, gegen den Kehlkopf etc.
        Schmerzhaft ist es auch, noch die letzten Reste hochzuwürgen, bis sich der Magen verkrampft, der Hals vom Zustoßen wehtut und manchmal verletzt man sich auch die Finger oder reißt sich die Mundwinkel ein. Sehr unangenehm das Ganze.
        Aber ja, in einer Situation wie der von Maren auch eine Erleichterung und ein Hochgefühl… es ist verdreht :/

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      2. @Wolf @Madita
        Entschuldigung, dass ich so platt frage (ich hoffe, ich trete niemandem damit zu nahe):
        Ist es nicht einfacher/schmerzfreier/angenehmer, einfach nicht zu essen, als sich zu übergeben?
        Und, isst man nur (wie in der Geschichte) aufgrund von sozialem Druck? Oder was ist die Motivation, überhaupt zu essen?

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    1. Günter

      „Wir wissen, was wir tun. Suizid auf Raten.“

      Das ist eine interessante Parallele – ich hätte nie gedacht, dass Essstörungen, die genau in der Gegenrichtung (Brechsucht) ausschlagen, von der gleichen Kraft getrieben werden.

      Seit mir (massiv adipös) mein Arzt gesagt hat, dass ich einen Herzinfarkt (leider) überlebt habe, ohne etwas davon mitzubekommen, ist mir bewusst geworden, dass meine Essgewohnheiten ein bewusst/unbewusst selbstzerstörerisches Motiv beinhalten.

      Deswegen ist es auch so einfach, die Essgewohnheiten in Zaum zu halten, wenn man gerade eine Hoch-Phase hat und in den anderen Zeiten so schwierig, auch wenn man genau weiss, dass Essen die Leere im Inneren nicht auffüllt. (Wenigstens hört man die innere Stimme nicht, wenn die Chipstüte laut knistert.)

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      1. Mona

        Hallo Günter,
        mich interessiert es sehr, was du vorher dachtest.
        “ ich hätte nie gedacht, dass Essstörungen, die genau in der Gegenrichtung (Brechsucht) ausschlagen, von der gleichen Kraft getrieben werden.“

        Bei Magersüchtigen kann man die Selbstzerstörung fast nicht übersehen, auch wenn es einigen selbst nicht bewusst ist.
        Bei Brechsucht kann ich das gar nicht genau sagen, ob es automatisch Selbstzerstörung ist, weil es doch genug Leute gibt, die damit ihre Esssucht „ausgleichen“ und es wie ein Anfall kommt, wie bei Peter in der Geschichte. Das heißt, es gibt dann wohl Phasen, wo es nicht gebraucht wird und der Körper heilen kann.

        Wer jeden Tag mehrfach bricht und sozusagen jeden Bissen wieder aus dem Magen holt, der macht sich natürlich viel mehr kaputt als jemand, der das einmal im Monat macht.

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      2. Günter

        @Mona: Das klingt fast so, als hätte jemand mit Übergewicht überhaupt eine Vorstellung, welche Probleme jemanden mit Untergewicht plagen könnten. Nein. Diese Vorstellung, dass Menschen mit Untergewicht überhaupt von demselben Stern wie ich stammen könnten, tröpfelt erst so langsam herein, seit ich regelmäßig Fettlogik-Blog lese.

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      3. Mona

        @Günter, danke für die Antwort. Ja, ich dachte, dass du eine Vorstellung schon hattest. So, wie du es beschreibst, verstehe ich auch, dass du keine hattest.

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    2. Jade

      Ich würde dir ja gerne zustimmen, nur würde ich gerade sagen, dass es da von Person zu Person und selbst da von Tag zu Tag verschieden ist. Mit genug Flüssigkeit fand ich das immer SEHR einfach, was es mir auch Jahre später noch schwer macht. In regelmäßigen Abständen kommen da diese Gedanken beim Einkaufen wie leicht es doch war. Und nur noch 1 mal kann ja nicht schaden…. Aber wirklich als qualvoll habe ich es nie empfunden, Magenschmerzen kamen wenn meist erst mit deutlicher Verzögerung 😦

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  3. Mopelchen

    Interessanterweise empfinde ich das Eßverhalten von allen vieren nicht als ’normal‘. Am normalsten erschien mir Renate, auch wenn die Dame allen gängigen Fettlogiken aufsitzt.

    Bei Maren und Peter steht wohl außer Frage, dass die beiden enorme Probleme haben, wobei Peter schon einen großen Schritt weiter ist und sich Hilfe geholt hat.

    Was mir bei Bernd quer runter geht, ist die mentale Notiz ‚muss morgen noch mehr Sport machen‘. Auch das hat schon wieder einen Ansatz zum Zwanghaften. Und kann es sein, dass er sich mit den 1500 kcal stark nach oben verschätzt? Ich komm hier auch 800 bis 1000 kcal (ohne Getränk). Nicht wenig, aber für mich sind 500 kcal im Augenblick eine volle Mahlzeit.

    Und auch interessant: Keiner der viere kommt auf die Idee, nur einen Teil der Portion zu essen. ‚Danke, war hervorrangend! Kann ich den Rest mitnehmen?‘ funktioniert auch hierzulande. Maren tut es nicht, weil sie sich beobachtet fühl. Renate und Peter interessiert es aus dem einen oder anderen Grund nicht. Aber wenn Bernd schon alles in Trainingseinheiten umrechnet, hätte ihm da nicht auch der Gedanke kommen können?

    Irgendwie hat’s da keiner mit Mäßigung – ich glaub, das isses, was mich an Bernds Perspektive kratzt.

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    1. Ich hab gestern zu viel Gegessen. Das habe ich schon beim Essen erkannt und im Prinzip habe ich mir dann genau diese geistige Notiz gemacht, dass ich diese Woche wohl wirklich mal auf meine 3 Studio-Besuche kommen muss, um das wieder auszugleichen. Von daher finde ich diesen Gedanken alleine nicht zwanghaft.

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    2. Ich erkenne mich da auch eher bei Bernd.
      Aber ich plane bei sowas im Vorraus: Essensauswahl und Portion vorher grob abschätzen und entsprechend die restlichen Malzeiten des Tages planen.
      Als sportlicher Mann kann eine einzige normale Malzeit *im Restaurant* nicht das Tagesbudget sprengen. 🙂

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  4. Yggdrasil

    Hm, gedanklich identifizier ich mich eher mit Bernd, koerperlich hat’s mir noch zuviel von Peter 😉

    Kleine Anmerkung zu Bernd: dieses „muss morgen noch mehr Sport machen“ kann ich zumindest vom Ansatz her erklaeren: Bernd isst einfach gern. Am Ende des Essen ist er gern satt, im Sinne von „boah bin ich voll“, nicht im Sinne von „so, keinen Hunger mehr, auch wenn ich xyz noch schaffen wuerde“. Wenn Du verstehst.

    Und ja, einen an der Waffel haben sie tatsaechlich alle vier. Der eine mehr, der andere weniger.

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  5. Hm, ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Bern, der Super-Sportler, und Maren, die Magersüchtige, tatsächlich einen ganzen Teller Nudeln bestellen. Bei aller Liebe, aber Menschen, die so ticken, tun das einfach nicht. Schon gar nicht mit Hackfleischsoße, selbst wenn man sportelt. Da wäre vielleicht eine Hochzeit o.ä. bei der einem das Menü auf fertig porti0nierten Tellern serviert wird, realistischer.

    Ich bin natürlich ganz klar Renate 🙂 Ach ja, aber auch Peter hätte sich vermutlich keine Nudeln bestellt. Wohl aber vorher was gegessen. Aber gut, es sind ja auch nur Stereotypen.

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    1. Rena

      Mein bester Freund ist ein „Bernd“ – genauso und doch ganz anders. Anders weil: er geht 5x die Woche zum Fitness, läuft täglich oder fährt Fahrrad. Proteinpulver ist ein bestandteil seiner Ernährung, aber in erster Linie ernährt er sich normal (ca. doppelt so viele Kalorien wie ich als „Renate“). Wir waren oft genug beim Italiener als er sich zwei Portionen Nudeln bestellt und auch gegessen hat. Ich habe es auch oft genug erlebt, dass er ohne Hunger essen mußte um nicht abzunehmen (an dieser stelle habe ich ihn früher echt für bekloppt gehalten.)

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  6. Ich finde mich sehr gut in Maren wieder. Das Ganze wird beschrieben, auch wenn ich ab und zu ein paar Fehlerchen finde. Aber das kann auch an mir als Person liegen und hat ja auch nichts zu sagen. 😉
    Im Kopf hat man genau diesen langen Gedankengang und das nur wegen Nahrung. Es ist wirklich absurd, wenn man sich das einmal vor Augen hält und versucht, neutral zu betrachten.
    Wie auch immer: Sehr guter Beitrag, liebe Katrin. 🙂

    Liebste Grüße von Mi ♥
    wortesserin.wordpress.com
    wortfluesterin.wordpress.com

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    1. Ich muss mich am *nur wegen Nahrung* echauffieren:
      Nahrung aufzunehmen ist nunmal ein Gundbedürfnis und für das überleben des Individuums und der ganzen Spezies nicht ganz unwichtig.
      Ich finde es nur verständlich, dass Essen (oder auch das Nicht-Essen) für viele Menschen von großer Bedeutung ist. Eigentlich wundert es mich, dass einige Leute dem ganzen Thema viel zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

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    1. annesch

      Genau mein Gedanke! Eine Kurzgeschichte sollte ohne ein langes Intro funktionieren – ob sie das tut, lässt sich im Nachhinein nicht mehr feststellen, weil’s ja nicht möglich ist, das gelesene Intro wieder zu vergessen…

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  7. Wie schön wäre eine Person, bei der die tägliche Tagesbilanz stimmt, ohne Zwang oder Schwerpunkt in irgendeiner Richtung.
    Ein Mensch der ein gutes Essen und die Gesellschaft einfach nur geniessen kann und darf. Ganz ohne irgendwelche Gedanken an Kalorien, Bewegung, Gewicht…..
    Da sitzen ein paar Menschen, in wohl netter Atmosphäre und bei gutem Essen zusammen und haben am Ende dadurch nur mehr oder weniger Probleme. Wie schade.
    Ernährung ist doch „eigentlich“ ebenso natürlich, wie Bewegung und Atmen.
    Ich wünsche Allen eine „selbstverständliche“ Ernährung und die Möglichkeit, solche Gelegenheiten einfach geniessen zu können/dürfen. Das halte ich für eine Art Gesundheit, die ich einfach jedem Menschen wünsche.
    Da schliesse ich auch Menschen ein, die das aufgrund gesellschaftlicher, politischer Umstände (z. B. Kriegs- Naturkatastrophengebiete und dritte Welt) nicht erleben dürfen. Es gibt soooo viele Probleme, es ist so schade, dass ein Thema wie Ernährung, derart ungleich daneben geht.
    LG
    Sue

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    1. Mopelchen

      War genau mein Gedanke.

      Ich hab selbst einige Probleme in solchen Situationen. Bzw. Ich hatte Probleme. Wie Peter und Maren immer das Gefühl, die anderen beobachten und werten. Größtenteils ist das nur Kopfkino und Ausdruck der eigenen Unsicherheit.

      Mittlerweile bin ich soweit, auch Mal fünfe gerade und Gott ’n guten Mann sein zu lassen. Wenn’s bei der Firmenfeier gutes Essen gibt, dann ess ich. Vielleicht bin ich beim Büffet etwas wählerischer. Vielleicht reicht mir Salat, eine Hauptspeise und der Nachtisch. Auch muss ich nicht mehr alles probiert haben. Aber das, was ich esse, esse ich mittlerweile auch vor Kollegen mit Genuss und ohne Reue und ohne mir gleich wieder zu überlegen, wie lange ich dafür wieder strampeln muss. Und wenn ich dann am nächsten Tag keine Lust auf Frühstück hab, isses auch gut.

      Und nur, dass das keiner falsch versteht. Ich bin zwei bis dreimal in der Woche im Sportstudio. Nicht wegen der Kalorien. Sondern weil Bewegung Wunder gegen Rückenschmerzen und Stress wirkt.

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    2. >>>Ernährung ist doch „eigentlich“ ebenso natürlich, wie Bewegung und Atmen.<<<
      Möchte man denken, aber sowohl für Atmen als auch für Bewegung gilt: Es ist zwar natürlich, aber dadurch nicht unbeding einfach und erfordert auch (viel) Training. 😉
      Jeder macht es irgendwie; was aber nicht heisst, dass es jeder gut macht. Genau wie bei der Ernährung.

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  8. Mona

    Die Geschichte ist gut beschrieben. Ich hatte einen richtigen Film im Kopf.

    Ich dachte zuerst, dass ich bestimmt eine der Frauen am besten nachfühlen werde.
    Renate finde ich sehr eigenartig. Relativ normal finde ich den Bernd.

    Ich selbst bin eine Mischung aus Bernd und Peter. Das finde ich irgendwie interessant.

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  9. Leonie

    Wie eine Essstörung sich wohl entwickeln würde, wenn der/die Betroffene in ein ganz anderes soziales und ökonomisches Umfeld käme? So bei einem der letzten Naturvölker oder in einem armen Drittweltland auf einem agrarischen Dorf. Wo man sich einfach eingliedern und am „normalen Leben“ dort beteiligen muss, weil es keine Alternative gibt. Und wo kein Mensch eine Ahnung von Essstörungen hat.

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    1. Das hätte ja mehrere Ebenen. Einmal das geänderte soziale Umfeld und die mangelnde Verfügbarkeit von hochkalorischer Nahrung. Es kommt auch auf die Ursachen und die Funktion der Essstörung an. Wenn die Essstörung für die Psyche quasi überlebensnotwendig ist, weil damit Traumata oder Ängste kompensiert werden, dann kann das „umtopfen“ in eine fremde Umgebung ohne diese Kompensationsmöglichkeit auch sehr gefährlich sein. Für so etwas gibt es Kliniken als geschützte Räume nicht ohne Grund.

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  10. Monika

    Ich halte es fuer unnormal, Essen in Sport umzurechnen. Als ob man sich es verdienen muesse, satt zu sein. Wtf. Was, wenn was dazwischen kommt? Hungert man dann am nächsten Tag? Außerhalb des Fettlogikuniversums kenne ich keinen normalgewichtigen Menschen, der Kalorien zaehlt oder so rechnet.

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    1. Mona

      Sehr sportliche Menschen, die ihren Körper optimieren wollen, beschäftigen sich irgendwann schon mit Kalorien und schätzen sie dann wenigstens, wenn sie bestimmte Muskelmassen oder einen bestimmten niedrigen Körperfettanteil erreichen wollen. Schon allein, um sicherzustellen, dass sie die Leistung bringen können und mit genug wichtigen Stoffen versorgt sind. Bei Muskelaufbau ist das halt Protein. Bei Fettabbau die Kalorien allgemein.

      Auch ganz normale normalgewichte Menschen passen ihre Ernährung bzw. Bewegung aneinander an, auch wenn sie keine Ahnung von Kalorien haben. Zum Beispiel wenn man sich zu Weihnachten vollgefressen hat, dann sagt man die nächsten Tage halt „Boah nicht schon wieder essen, bin noch satt von gestern. Ich geh lieber eine Stunde spazieren oder gehe abends tanzen“, „lieber kein Nachtisch, hatte ja die letzten Tage so viel“ oder „Frühstück brauch ich nicht oder ein kleines reicht auch.“ Das ist doch kein Hungern, die Portionen sind nur kleiner/normaler. Es muss ja auch nicht direkt am nächsten Tag sein, zwei Wochen später oder über einen Monat durchgehend, geht doch auch. Man merkt es selbst gar nicht wirklich, dass man das macht. Wenn man eine Woche nur auf den Beinen ist, dann isst man doch automatisch anders als wenn man die ganze Woche nur rumsitzt. Es funktioniert in beide Richtungen, Essen anpassen und Bewegung anpassen. Wenn man keine Balance findet, bleibt man auch nicht normalgewichtig. Ohne Balance endet man irgendwann entweder im Untergewicht oder Übergewicht.

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      1. Ganz genau diese Balance sollte doch eigentlich von Natur aus vorhanden sein. Es sollte doch normal sein, dass man sich so ernährt, wie man sich bewegt oder eben anders herum, Dass sich derart viel Menschen da so einen Kopf drum machen müssen, zeigt doch, dass da irgendetwas nicht stimmt, aus dem Gleichgewicht geraten ist . . . . dabei sollten wir uns doch eigentlich um ganz andere Dinge einen Kopf machen.
        LG

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      2. Frank

        @sue
        „Ganz genau diese Balance sollte doch eigentlich von Natur aus vorhanden sein.“

        Die „Natur“ ist darauf programmiert, Reserven zu bilden. Unser Nahrungsmittelangebot ist auch im höchstem Grade unnatürlich.

        „Es sollte doch normal sein, dass man sich so ernährt, wie man sich bewegt oder eben anders herum,“

        Damit stufst Du 2/3 der westlichen Zivilisation als unnormal ab.

        „Dass sich derart viel Menschen da so einen Kopf drum machen müssen, zeigt doch, dass da irgendetwas nicht stimmt, aus dem Gleichgewicht geraten ist . . . .“

        Ich habe es ja nicht so mit Esoterik und daher höre ich wohl auch keine innere Stimme, die mir sagt wann ich genau die richtige Menge Nahrung verputzt habe, die meinem Tagesumsatz entspricht. Welche Möglichkeit habe ich denn nun, das Gleichgewicht wieder herzustellen? Mit Deinen Worten: Ich mache mir einen Kopf.

        “ . . . dabei sollten wir uns doch eigentlich um ganz andere Dinge einen Kopf machen.“

        Die da wären?

        Gefällt 2 Personen

      3. Maren

        @ sue: Von Natur aus ist diese Balance vorhanden, ja. Bis vor wenigen Generationen haben die meisten Leute sich im Alltag so viel körperlich bewegt, und es gab schlicht und einfach nicht so viele kalorienreiche Nahrungsmittel, die ständig verfügbar waren, dass kaum jemand die Chance hatte übergewichtig zu werden. Nicht ohne Grund waren viele Krankheiten, die durch Übergewicht (mit)verursacht werden, früher „Reiche-Leute-Krankheiten“.
        Denk dir mal einen ganz normalen Tagesablauf auf einem Bauernhof vor 100 Jahren, überleg mal, was da alles an körperlicher Energie notwendig ist, um ein warmes Haus, einen sauberen Stall, satte Tier und Menschen, saubere Wäsche und Essen auf dem Tisch zu haben. Oder überleg mal, welche Lebensmittel aus dem Supermarkt selbst vor 50 oder 60 Jahren nicht selbstverständlich waren (ich meine, z.B. meine Großeltern kannten keine „Snacks“. Bei denen gab es Frühstück, Mittagessen, Abendbrot, und am Sonntag einen Nachmittagskaffee).

        Heutzutage haben wir ein Überangebot an kalorienreichen Nahrungsmitteln (vor allem unglaublich viel zugefügten Zucker) und viele Menschen haben zu wenig Bewegung im Alltag, sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit. Unser Appetit ist aber immer noch von den vorherigen 100.000 Jahren Menschheitsgeschichte geprägt. Wir sind biologisch darauf programmiert, Süßes und Fettiges zu mögen, und das macht sich die Lebensmittelindustrie zu nutze, die uns haufenweise süßen und fettigen Kram aufschwatzt.

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    2. Es wäre aber für viele Menschen, bei denen die Kalorienbilanz eben nicht aufgeht und die vergeblich versuchen Gewicht zu reduzieren schon hilfreich eine Kenntnis über Aufnahme / Verbrauch zu entwickeln. Und durch technische Hilfsmittel wie Fitnesstracker und Kalorientracker Apps ist das auch gar nicht mehr so schwierig.

      Ambitionierte Sportler machen das auch, teilweise noch mit Beachten der Nährstoffbilanz. Viele Menschen rechnen auch und teilen das ihrer Umwelt nicht unbedingt mit, weil sie Angst vor den Reaktionen ihrer Mitmenschen haben. Das wirkt dann so als könnten diese Menschen alles essen und wären eben von selbst Normalgewichtig.

      Wenn die Balance von selbst stimmt ist ja alles in Ordnung. Falls nicht und man etwas ändern will oder eine erreichte Änderung beibehalten will, dann ist es eben hilfreich, dies im Auge zu behalten.

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  11. Anne

    Zum Thema normal vs. unnormal:
    Ich finde alleine den Begriff „normal“ schwierig und würde ihr gern von „natürlich“ abgrenzen.

    Natürlich ist weder die permanente Verfügbarkeit hochkalorischer Lebensmittel und verarbeiteter Speisen, noch eine überwiegend sitzende Tätigkeit.
    Wenn mein genetisches Programm einerseits nach Essen schreit und ich gleichzeitig neun Stunden täglich einem Bürojob nachgehe, dann bleibt mir nichts anderes übrig als an den Stellschrauben zu drehen und mich den Lebensbedingungen anzupassen. Diese vernunftgesteuerte Anpassung ist einer nicht an unsere biologischen Voraussetzungen angepassten – also unnatürlichen – Umwelt geschuldet, aber meines Erachtens völlig normal und wünschenswert. Anpassungsfähigkeit durch Logik und Verstand als unnormal zu bezeichnen, ist in meinen Augen total verquer.

    Zur Kurzgeschichte:
    Marens Teil fand ich leider auch etwas schwach, mag aber an meinen eigenen Erfahrungen liegen. Nudeln erbrechen sich nicht so leicht und kurz nachdem man einen Schluck Wasser getrunken hat, hat sich das im Magen auch noch nicht unmittelbar zu einem Brei vermengt, sondern in der Regel erbricht man dann zuerst direkt wieder das Wasser…

    Außerdem kenne ich keine Magersüchtige/Bulimikerin, die sich in der Öffentlichkeit keine Gedanken darum macht, ob und wie man das möglichst unauffällig tun kann. Das Erbrechen selbst geschieht nicht lautlos, es riecht unangenehm und an Händen, Mund und Hals hängt einem danach Erbrochenes. Die Augen sind gerötet und tränen, die Wimperntusche verschmiert nicht selten.
    Generell wirkt man danach erstmal etwas fertig und öffnet nicht die Klotür, um sich direkt wieder strahlend an den Tisch zu den anderen zu setzen. Insofern ein ziemlich unrealistisches Szenario und ich halte es für sehr viel wahrscheinlicher, dass so jemand sich unter einem Vorwand frühzeitig verabschieden und sich dann zu Hause unbeobachtet den Finger in den Hals stecken würde, anstatt in einer Restauranttoilette, wo nicht mal ein Waschbecken in der Kabine ist.

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  12. Ui .. ich entdecke deutlich die „Petra“ in mir.

    Das „Fressen bis ich mich nimmer bewegen kann“ bzw. der Bauch heftigst spannt ist zwar schon zum Glück länger nimmer passiert, trotzdem sind mir Peters Gedanken total geläufig. Insbesondere die Gedanken mit den Kindern und dem oftmals ein bißchen zwischen den Stühlen fühlen in einer Gesellschaft…

    Und tatsächlich hatte ich in den letzten Tagen auch so Tiefpunkte, wo ich dann halt einfach mal noch nen Joghurt, noch ne Packung Salzbrezeln oder so verputzen „mußte“.

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  13. Ich verstehe Peter ganz und gar. Dieses „Ich bin anders“ Gefühl, trug ich oft mit mir rum und manchmal geht es mir auch heute noch so.
    Die Leere zustopfen, und etwas anderes mit dem „Fressen“ zu verdrängen, vollends auf den Geschmack konzentriert sein und deshalb immer wieder nachlegen müssen. Schmecken, etwas spüren, das positiv und süss ist, bis der Genuss sich wandelt und dann wird er zur Qual, wie das Leben eben.
    Ich bin nicht mehr depressiv, obwohl ich nicht daran glaube, das Depressionen heilbar sind. Man kann damit umgehen lernen, aber die Neigung bleibt. Ich habe mich besser im Griff inzwischen und hab mich ein bisschen lieb, deshalb habe ich auch beschlossen, endlich agressiv gegen mein Gewicht vorzugehen. Nicht das ich schon gelegentlich kleine Gefechte geschlagen hätte, auch immer mit Erfolg. Trotzdem habe ich mich immer wieder vom Schlachtfeld zurückgezogen. Ich wollte keine Auseinandersetzung, sah auch keien Chance auf positive Bestätigung und seihe da….so ist es ja dann auch immer gekommen.
    Ich werde dieses Jahr eine ambulante „Reha“ in der MHH machen …“Leichter leben“.

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    1. Mona

      Das klingt ja wie ein Krieg bei dir:
      „…endlich agressiv gegen mein Gewicht vorzugehen. Nicht das ich schon gelegentlich kleine Gefechte geschlagen hätte, auch immer mit Erfolg. Trotzdem habe ich mich immer wieder vom Schlachtfeld zurückgezogen.“

      Wenn der Abnahmeprozess sowas Schreckliches zu sein scheint, hätte ich keine Lust dazu.

      Ich seh das ganz anders. Ich sehe es nicht als Schlacht oder Kampf. Ich sehe das als Pflege und Kümmern um mich selbst, wie wenn man trockene Haut hat, dann cremt man sich ein, wenn man zu viel Fett hat, dann kümmert man sich mehr um sich und macht es sich schön, sucht sich kalorienärmeres Essen, hört auf zu Essen wenn der Hunger weg ist oder isst allgemein seltener, z.B. nur zwei Mal am Tag. Kümmern und Pflegen ist für mich auch Sport, wenn meine Knochen und Muskulatur schwach ist, dann ist der Alltag schwer und ich fühl mich schlechter, wenn ich trainierter bin, geht es mir besser, weil ich dabei auch noch Stress abbaue.
      Es ist wohl rübergekommen, wie ich das meine.

      Ich kann mich auch mit Peter vom Verhalten her sehr identifizieren, kenne auch heftige Essattacken, aber diesen Gedanken an eine Schlacht lese ich da nicht raus, ich lese eher Hilflosigkeit raus. Für mich ist es absurd gegen sich selbst zu kämpfen. Ein Körper ist ja nichts, was du einfach austauschen kannst. Du lebst damit jeden Tag. Man bleibt ja trotzdem man selbst, auch wenn man sich drum kümmert, dass man gesünder wird und dafür sein Körperfett in den Normalbereich bekommt.

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  14. Ja, mag sein, dass es so klingt. Ich bin momentan auf dem Kriegfuss, aber das ist nur eine Laune. In Wahrheit bin ich eher Pazifist, ausser gegen mich….gelegentlich.
    „Man“…macht nämlich gar nichts….ich mache was, oder ich mache was nicht.
    Ich esse zuviel, ich kann meine Gier nicht bezwingen, ich bin verantwortlich, ich allein kann etwas ändern.
    Ich empfinde meine Attacken als Sucht und diese Sucht habe ich als meinen Feind indentfiziert. Und ganz ehrllich …..ich habe Angst, denn fletsche ich ein bisschen die Zähne.

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  15. Pingback: Gastbeitrag: „Es ist Magersucht, nicht Mager-Logik oder Mager-sinnvoll“ – Fettlogik überwinden.

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