Are you FUNKing kidding me?

Eben stieß ich auf die neue Kampagne von FUNK – ihr erinnert euch vielleicht:

funk ist ein Online-Medienangebot der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren. ARD und ZDF sind gemeinsam Träger und gleichberechtigte rundfunkrechtliche Veranstalter des Angebots. Die Federführung liegt beim Südwestrundfunk (SWR). funk richtet sich an Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die ansonsten kaum oder gar nicht die Fernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender konsumieren. Das Projekt wird jährlich (Stand: 2016) durch finanzielle Mittel in Höhe von 45 Millionen Euro gefördert, wovon zwei Drittel von der ARD und ein Drittel vom ZDF finanziert werden (Quelle)

Dazu hatte ich hier schon einmal einen Beitrag geschrieben.

Der neue Beitrag zur Kampagne #bleibdu toppt das aber bei weitem:

Mehrere junge Frauen treffen dabei eine Ernährungsberaterin im Supermarkt. Was sie jedoch nicht wissen: Statt sie zu beraten, beleidigt die „Ernährungsberaterin“ sie in einer Tour, wirft ihnen vor „voll den Scheiß“ zu essen und „viel zu fett“ zu sein und fragt „Gibt’s sonst noch was hier, was du friss… äh isst?“ … so lange bis die Kandidatinnen genug haben oder weinen.

Dann kommt plötzlich ein Chor und singt, dass die Kandidatinnen toll sind und bleiben sollen, wie sie sind.

Äh … Was zur Hölle?!

Da ist so vieles falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

In der Videobeschreibung steht:

Was in diesem Supermarkt passiert, ist unglaublich … Das neue Jahr hat gerade begonnen und viele beschäftigen sich damit, was sich im neuen Jahr für sie alles ändern soll. Schlanker, schöner, fitter, reicher – anders.Häufig geht es da nicht wirklich um eine innere Einstellung, sondern um Dinge, die einem von außen suggeriert werden.Wir sagen: „Mach dich nicht fertig mit falschen Vorsätzen, die dir jemand diktiert und die dich am Ende runterziehen. Bleib wie du bist! Du bist toll! Und wenn du was verändern willst, dann nur, weil du es willst.#bleibdu

Das Video macht leider überhaupt nicht klar, warum es ausgerechnet bei diesen Frauen schlimme Vorsätze sind, wenn sie sich gerne gesünder ernähren und abnehmen möchten. Natürlich ist es gut zu vermitteln, dass man sich nicht von außen unter Druck setzen lassen soll. Auch beim Thema Körpergewicht – eigener Körper, eigene Entscheidung. Zum Problem wird es, wenn automatisch der Wunsch nach gesünderer Ernährung und/oder Abnahme als negativ und von außen diktiert dargestellt wird, ohne weitere Erläuterung. Die Frauen erklären nicht am Anfang, dass sie sich und ihre Ernährung eigentlich toll finden, aber irgendwer ihnen ein schlechtes Gewissen macht. Es wird einfach für den Zuschauer vorausgesetzt, dass diese Wünsche natürlich von aussen diktiert sein müssen und damit etwas schlechtes sind.

So wird unterschwellig suggertiert: Abnehmen/gesund ernähren = Zwang. Und noch schlimmer, sie werden gleichgesetzt mit übelsten Abwertungen, denn die Fake-Ernährungsberaterin soll „das schlechte Gewissen“ symbolisieren. Botschaft: Wer den Vorsatz hat, seine Ernährung zu ändern, der hasst sich selbst. Dass man etwas für sich tun will, indem man seinen Körper gut behandelt? Nö. Das scheint in diesem Weltbild nicht vorzukommen. Ist das wirklich die Botschaft, die ein öffentlich-rechtliches Jugendmagazin vermitteln sollte?

Darüber hinaus finde ich die komplette Aktion in sich schon daneben. Ich hoffe, das war komplett geschauspielert und keine echten Kandidaten, die da öffentlich gedemütigt wurden. Was soll das für eine Botschaft sein? Es ist okay, Menschen fertigzumachen und emotional so unter Stress zu setzen, dass sie vor der Kamera in Tränen ausbrechen, solange man es für einen guten Zweck tut und dann ein „Hey, war ja nicht so gemeint!“ ranhängt? Und dann wundert man sich, wenn Kinder und Jugendliche Mobbing für einen Spaß halten und denken, wenn man hinterher sagt „War doch nur n Witz!“ sei es nicht so schlimm?

Sorry funk, aber die Aktion ging irgendwie daneben.

Ergänzung: Eine der Kandidatinnen, Denise, hat sich gestern hier in den Kommentaren zu Wort gemeldet und mir per Mail noch einige Informationen (und ein Beweisfoto, dass es sich tatsächlich um die Beitrags-Denise handelt) geschickt. Sie hat mir erlaubt, ihren Kommentar hier zu zitieren:

Ich danke dir für diesen Beitrag, den ich über eine Freundin gefunden habe.
Leider waren die Teilnehmer keine Schauspielerinnen, denn ich war eine von ihnen.
Es war ganz furchtbar für mich: Ich nehme mir die Auszeit von der stressigen Lernphase dafür (was ich auch beim Vorgespräch am Telefon erwähnt hatte), bin total aufgeregt und mache mir Gedanken was ich anziehe, und wie ich es schaffe mich nicht zu blamieren. Denn hey wann gewinnt man denn mal etwas?
Als allererstes: ich habe da mitgemacht um mir Tipps geben zu lassen, Alternativen zu Fertigkram und Nudeln während der Prüfungszeit zu finden. Ich habe das nicht gemacht um abzunehmen, einfach nur um mich besser zu fühlen.
Als ich dort ankam konnte ich meine Aufregung kaum verbergen, 3 Kameras die auf einen gerichtet sind und die ganzen Menschen, dazu noch in einem Einkaufscenter in dem gerade viele Leute einkaufen und das Ganze mit ansehen können.
Und dann aus dem nichts solche Beleidigungen an den Kopf geknallt zu bekommen, die ganzen Selbstzweifel die wieder auftauchen und das Schlimmste war dieses Lächeln das ich auflegen musste. 2 Kameras die die ganze Zeit auf mich gerichtet waren, da konnte man nicht zeigen, welche Welten gerade in einem zusammenbrechen. Und ich bin nicht der Typ, der sagt was ihn stört oder der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat.
Als der Walk of shame dann mit dem Chor ein Ende nahm, war ich einfach überfordert. Tut mir Leid aber ein „bleib wie du bist“ konnte da nicht retten, was da zwischen den Süßigkeiten und der Käseabteilung in mir kaputt gegangen ist.
Ich wollte doch bleiben wie ich bin und hatte nie vor mich zu ändern!
Das schlimmste an der Sache war, dass es die ganzen schlimmen Momente von damals wieder hervorgeholt hat.
Ich war mal dick und hatte 3 Jahre eine Essstörung, die mich sehr viel Kraft gekostet hat. Aber danach hat sich niemand im Voraus erkundigt.
Die Szenen waren im Kasten und ich wurde mit einer Mütze, ein paar Billigkopfhörern und einer Werbegeschenkladestation abgefertigt, dann noch kurz verstecken, damit mich die nächste Kandidatin nicht sieht und Tschüss!

Es ist also nicht nur so, dass die Kandidatinnen keine Schauspieler waren, sondern tatsächlich unter dem Vorwand ein Gewinnspiel gewonnen zu haben, in diese Aktion gelockt wurden, es wurde im Vorfeld auch seitens der Produktionsfirma nicht einmal abgeklärt, wie der Hintergrund der Betreffenden aussieht, so dass ausgerechnet jemand mit Essstörungsvergangenheit unter derartigen Stress gesetzt wurde.

Denise hat sich nach dem Dreh auch an die Produktionsfirma gewendet und geschildert, wie es ihr mit dem Dreh ging, die Antwort war allerdings wenig hilfreich:

Die Antwort war (wie ich befürchtet habe) sehr oberflächlich und sie sind überhaupt nicht auf die Punkte eingegangen die ich in dieser Mail geschrieben hatte.

Seitens der Produktionsfirma scheint nicht wirklich Einsehen zu bestehen, was an dieser Aktion schief gelaufen ist. Abgesehen davon, dass auf Kosten der Kandidatinnen versucht wurde, eine „Feelgood-Message“ zu vermitteln und gleichzeitig auf maximal ignorante Art mit den realen Gefühlen der Teilnehmer umgegangen wurde, ist der ganze Sinn der Aktion auch noch völlig daneben, wenn man Denises Aussage zu ihrem Beweggrund für die Beratung anschaut:

Ich habe da mitgemacht um mir Tipps geben zu lassen, Alternativen zu Fertigkram und Nudeln während der Prüfungszeit zu finden. Ich habe das nicht gemacht um abzunehmen, einfach nur um mich besser zu fühlen. […] Ich wollte doch bleiben wie ich bin und hatte nie vor mich zu ändern!

 

Ergänzung 2: Der Vollständigkeit halber hier auch noch das Statement von funk aus den Kommentaren:

Erst einmal: Vielen Dank für die positiven und die kritischen Rückmeldungen. Die Botschaft #bleibdu hat viele verschiedene Reaktionen und Emotionen hervorgerufen. Auch bei uns hat das Video kritische Gespräche und Diskussionen ausgelöst. Beim nächsten Mal wollen wir es anders und besser machen. Wir nehmen auf jeden Fall einiges aus eurem Feedback mit und wollen uns selbst auch zu unserer Aktion äußern. Insbesondere zu zwei Kritikpunkten von euch.

1) Wir wollen mit der Aktion eine grundpositive Botschaft vermitteln: #bleibdu. Denn wir denken, dass viel zu viele von uns den Unverschämtheiten anderer Menschen eher nachgeben würden, als auf sich selbst zu hören. Die übertriebene Rolle von „Coach Sabine“ steht für die vielen Einflüsse, die uns von außen dann doch immer wieder an uns zweifeln lassen – und darauf antworten wir mit #bleibdu. Die Protagonistinnen des Videos sind tolle Menschen und haben es nicht nötig, sich von jemandem sagen zu lassen, wie sie sein sollen oder nicht. Offensichtlich ist die eigentliche Botschaft zu kurz gekommen. Zu keinem Zeitpunkt wollten wir unsere Protagonistinnen bloßstellen. Das ist uns leider nicht an jeder Stelle gelungen und dafür entschuldigen wir uns.

2) Natürlich finden wir gesunde Ernährung wichtig. Mehr noch, sie kann auch aus gesundheitlichen Gründen sehr wichtig sein. Um das zu verdeutlichen, hat unser „Coach“ so maßlos übertrieben. Denn kein verantwortungsvoller Coach würde so beraten. Weder was die Tipps selbst angeht, noch die Art und Weise, wie sie vermittelt wurden.

Und zu guter Letzt das Wichtigste: Wir wollen, dass es unseren Protagonistinnen gut geht und haben sowohl vor als auch nach den Drehs mit ihnen gesprochen und stehen weiter mit ihnen im Austausch. Wir haben den Protagonistinnen direkt im Anschluss an den Dreh ein „echtes“ Coaching ohne Mikro und Kamera angeboten, wenn sie das machen möchten.

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58 Gedanken zu “Are you FUNKing kidding me?

  1. Jochen

    Hat mich mal wieder zum Nachdenken gebracht, ob es nicht doch irgendeine Möglichkeit für mich gibt, den Propagandafinanzierungsbeitrag (ehemalig GEZ) zu hinterziehen.

    Gehört diese Werbung für Fettleibigkeit zum Zeitgeist oder bekommen die funk-Leute von irgendwo her den Auftrag, Dauerwerbesendungen für Übergewicht zu machen, frage ich mich. Hat der Staat irgendeinen gewichtigen Vorteil von fettleibigen Menschen? Ich glaube ja nicht.
    Und seit wann haben die öffentlich-rechtlichen Sender die Aufgabe, speziell fürs Internet Inhalte zu produzieren? Da gab es doch schon Rechtsstreitigkeiten drum, weshalb jetzt reguläre Sendungen nach einer gewissen Zeit aus den Mediatheken genommen werden.

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    1. Lüdorf

      Ja, aber um „Werbung für Fettleibigkeit“ oder „Inhalte fürs Internet produzieren“ geht es hier auch garnicht.
      Nochmal lesen, sich versuchen in die Frauen zu versetzen und dann nochmal nachdenken…

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      1. Jochen

        Natürlich ärgert es mich, wie mit den Frauen umgegangen wurde – nachdem mir klar wurde, dass das nicht scripted ist. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, habe einfach zu viele Geschichten von Pseudo-Dokus gehört. Deshalb wollte ich nicht noch mal wiederholen, was im Blogartikel steht. Hätte ich besser machen sollen und dazuschreiben, dass ich es für ein Fake hielt. Die anderen Aspekte haben mich zusätzlich aufgeregt.

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  2. Denise

    Ich danke dir für diesen Beitrag, den ich über eine Freundin gefunden habe.
    Leider waren die Teilnehmer keine Schauspielerinnen, denn ich war eine von ihnen.
    Es war ganz furchtbar für mich: Ich nehme mir die Auszeit von der stressigen Lernphase dafür (was ich auch beim Vorgespräch am Telefon erwähnt hatte), bin total aufgeregt und mache mir Gedanken was ich anziehe, und wie ich es schaffe mich nicht zu blamieren. Denn hey wann gewinnt man denn mal etwas?
    Als allererstes: ich habe da mitgemacht um mir Tipps geben zu lassen, Alternativen zu Fertigkram und Nudeln während der Prüfungszeit zu finden. Ich habe das nicht gemacht um abzunehmen, einfach nur um mich besser zu fühlen.
    Als ich dort ankam konnte ich meine Aufregung kaum verbergen, 3 Kameras die auf einen gerichtet sind und die ganzen Menschen, dazu noch in einem Einkaufscenter in dem gerade viele Leute einkaufen und das Ganze mit ansehen können.
    Und dann aus dem nichts solche Beleidigungen an den Kopf geknallt zu bekommen, die ganzen Selbstzweifel die wieder auftauchen und das Schlimmste war dieses Lächeln das ich auflegen musste. 2 Kameras die die ganze Zeit auf mich gerichtet waren, da konnte man nicht zeigen, welche Welten gerade in einem zusammenbrechen. Und ich bin nicht der Typ, der sagt was ihn stört oder der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat.
    Als der Walk of shame dann mit dem Chor ein Ende nahm, war ich einfach überfordert. Tut mir Leid aber ein „bleib wie du bist“ konnte da nicht retten, was da zwischen den Süßigkeiten und der Käseabteilung in mir kaputt gegangen ist.
    Ich wollte doch bleiben wie ich bin und hatte nie vor mich zu ändern!
    Das schlimmste an der Sache war, dass es die ganzen schlimmen Momente von damals wieder hervorgeholt hat.
    Ich war mal dick und hatte 3 Jahre eine Essstörung, die mich sehr viel Kraft gekostet hat. Aber danach hat sich niemand im Voraus erkundigt.
    Die Szenen waren im Kasten und ich wurde mit einer Mütze, ein paar Billigkopfhörern und einer Werbegeschenkladestation abgefertigt, dann noch kurz verstecken, damit mich die nächste Kandidatin nicht sieht und Tschüss!

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    1. Das ist echt heftig. Beim Ansehen der Beleidigungen musste ich schon teils als Zuschauer schlucken. In der Situation selbst und mit Essstörungsvergangenheit ist sowas natürlich nochmal wesentlich härter.

      Wenn du möchtest, schick mir doch an erzaehlmiralles@gmx.de eine Mail mit einem Nachweis, dass du beim Dreh warst und ich nehme deine Geschichte in den Beitrag auf. Entweder den Kommentar selbst, oder wenn du möchtest, auch einen ausführlicheren Text.

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    2. Mike

      Kinnladerunterfall!
      Wenn das so stimmt, dann ist das
      1. ein Skandal
      2. ein fall für den Rundfunkrat
      3. evtl sogar ein Fall für den Anwalt… in wie weit die da durch die Sendung nicht gegen das „Recht am eigenen Bild“ verstossen haben, hängt von der Vertragsgestaltung ab… ich gehe mal davon aus, dass vorher ein rechtlicher Wisch unterschrieben wurde… man könnte natürlich mit „Vortäuschung falscher Tatsachen“ argumentieren, wenn die Sendung gar nicht das war, was sie angebilch vorgab zu sein.

      LG
      Mike

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      1. @teamspirits das war auch exakt mein erster Gedanke, als ich den Beitrag las: Klage wegen Körperverletztung.
        Die ganze Geschichte ist auf so vielen Ebenen unfassbar 😦

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    3. Danke für deinen Mut, das hier zu erzählen! Die Sache ist ja so schon fragwürdig, aber das setzt dem Ganzen die Krone auf. Ich muss mir unfreiwillig vorstellen, wie es mir in der Situation ergangen wäre! Und ja, auch in mir wäre da etwas zerbrochen.
      Ganz viel ❤

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  3. Nini

    Was erwartet man denn auch von einem Format was von den Öffentlich-Rechtlichen kommt? Da kann doch Größtenteils leider nur Bullshit bei rum kommen.
    Denen geht es doch auch nur darum die allgemein gängigen Themen abzuarbeiten die aktuell sind um so viele „Klicks“ bzw Zuschauer zu generieren wie möglich. Wahrheitsgehalt? Informationen richtig verarbeiten? Botschaften richtig vermitteln? Sowas sucht man anscheinend gerade bei großen Plattformen vergebens.
    Schade das es so ist.

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    1. Es gibt viele Formate in den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten, die ich jederzeit einem alternativ Format der privaten vorziehen würde.

      Bei den privaten Sendern gibt es viele Formate, die mit dem Video durchaus konkurrieren und ggf. überbieten.

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    1. Es geht hier nicht um „tumbes Bashing“. Es geht darum, dass die Idioten mit den Leuten Scheiße bauen. Bei den Privaten kann man wenigstens noch die Werbeschalter anschreiben und sie mal fragen, wieso sie diesen Müll unterstützen. Die Öffentlichen dagegen haben einen gesetzlichen Auftrag, der sie überhaupt zum Gebühreneinzug berechtigt. Kandidaten fertigzumachen oder Quote zu schinden gehört nicht darunter.

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    2. Frank

      Die Öffentlich Rechtlichen als Propagandasender hinzustellen und fragwürdige Beiträge heranzuziehen, um die GEZ-Beiträge generell zu hinterfragen, finde ich bedenklich.
      Ebenso bedenklich ist es für mich aber auch, wenn man Unbekannte für ihre Kritik an den ÖR in eine bestimmte politische Ecke stellt, nur weil AfD, Pegida usw. die gleiche Schiene fahren.
      Die Kommentare hier haben nicht die Aufgabe, Ihnen, oder Nadja Hermann (mit einem „r“) zu gefallen, sondern sollen auch konträre Meinungen wiedergeben, solange die sich in einem bestimmten Rahmen bewegen.
      Ich würde es daher gut finden, wenn Sie Kommentatoren, die Ihnen nicht gefällige Beiträge schreiben, nicht des Forums verweisen wollten, sondern sich mit ihnen sachlich auseinandersetzen.

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  4. Durch diesen Beitrag kommt in mir erst recht das schlechte Gewissen hoch, dass es diesen Monat einfach mal NICHT lief, und ich mit Stand heute gerade mal 200 Gramm verloren habe statt 4 kg wie angestrebt. 😦 Danke, vielen DANK an die Verfasser dieser dämlichen Initiative für das ungute Gefühl, für das Gefühl nicht gut genug zu sein!

    Habe fertig…

    Rea

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  5. Galli Frey

    Ich bin ehrlich entsetzt. Erstmal ist dieses Machwerk völlig unklar und egal was diese Figuren damit erreichen wollten, jmd so nieder zu machen ist ein totales Unding. Aber mit „Bleib wie du bist“ zu sagen „stopf dich ruhig mit Süßkram voll“ ist genau das andere Extrem. Der Redakteur dieses Clips und alle anderen „Mitschuldigen“ (natürlich sind nicht die Kandidatinnen gemeint) sollten sich was schämen.

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  6. Matze

    Statt sie zu beraten, beleidigt die „Ernährungsberaterin“ sie in einer Tour, wirft ihnen vor „voll den Scheiß“ zu essen und „viel zu fett“ zu sein und fragt „Gibt’s sonst noch was hier, was du friss… äh isst?“ … so lange bis die Kandidatinnen genug haben oder weinen.

    Dann kommt plötzlich ein Chor und singt, dass die Kandidatinnen toll sind und bleiben sollen, wie sie sind.

    WTF? Dr. Jekyll & Mr. Hyde oder was? Was soll denn das?

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  7. Mari

    Stimme absolut zu. Body positivity in alles Ehren, aber es stößt mir immer sauer auf, wenn jemand erwähnt, dass er Diät macht und dann als Reaktion kommt „Das brauchst du doch nicht, du bist doch voll okay so!“ Natürlich ist das meistens gut gemeint, aber uff… wie wär es stattdessn mit Unterstützung und Ermutigung?

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  8. Kari

    Ich bin gerade völlig durcheinander. Wer kommt denn auf sowas! Beim Ansehen des Clips habe ich mich zuerst nur fremdgeschämt, dachte aber, das alles sei nur fake.
    Erst bei dem Kommentar von Denise ist mir die Dimension des Ganzen aufgegangen: beschäftigen die beim deutschen Bezahlfernsehen etwa eigens Sadisten, die sich solche menschenverachtenden Spiele ausdenken?
    Dieses Machwerk ist skandalös und beschämend!
    Ich hoffe nur, dass sich auch mal jemand von den Verantwortlichen auf diese Seiten verirrt und dann hoffentlich kapiert, welcher Bullshit da produziert wurde.

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  9. Das deckt sich aber auch absolut mit dem, was ich aus meinem Umfeld höre. Dass ich freiwillig und mit Genuss den Teller halb mit Gemüse fülle, ist offenbar so unvorstellbar und abartig, dass ich für diese Ernährung mit – mit Mitleid getränkter Stimme – der Frage konfrontiert werde, wann ich denn wieder „normal“ essen könnte.

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  10. blogsbock

    Und: Warum nur Frauen?

    Wir haben drei Söhne im Twen- und Teenageralter. Auch die beschäftigen sich mit Ernährung, ihrem Körper und „wie man aussehen soll“.

    Außer Anstand und Mitgefühl fehlen mir in diesem Beitrag: die Männer.

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  11. Jacqueline

    Ich dachte es handelt sich bei dem Video nur um Promo für Lumaraas neues Album Ladies First aber wenn das wirklich keine Schauspieler waren ist das natürlich ne ganz andere Nummer.

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  12. „Bleib, wie du bist, wenn du bleiben willst, wie du bist“ = gute Aussage
    „Bleib, wie du bist, auch, wenn du dich von dir aus ändern willst“ = Bullshit
    Und da die sich anscheinend kein bisschen mit ihren Kandidatinnen beschäftigt haben, haben sie womöglich verhindert, dass diese Frauen nun etwas für sich und ihren Körper tun werden. Nein, stattdessen haben sie mögliche schmerzhafte Erinnerungen an Mobbing o.Ä. wieder ans Tageslicht gebracht. Sehr geil gemacht, FUNK. Bin stolz auf euch.

    Gefällt 2 Personen

  13. Denise

    Ihr Lieben!

    Ich danke euch für das ganze Feedback, die lieben und ehrlichen Worte und bin froh, dass es noch Menschen gibt, die solche Beiträge kritisch betrachten und nicht einfach, ohne darüber nachzudenken, schlucken.
    Ich habe und werde mir dieses Video nicht ansehen, aber die ganzen positiven Kommentare die es darauf gab bei Facebook, haben mir echt weh getan.
    Ich bin froh, dass ich eine tolle Freundin und super Freunde habe die mich so sehr unterstützen und bei Sputnik sind scheinbar eine Menge böser Emails eingetroffen, von denen ich teilweise auch gar nichts wusste.
    Natürlich ist nach so einer Aktion das Selbstbewusstsein erstmal im Keller und die Zweifel sehr groß, aber ich wurde echt gut abgefangen und bin froh, dass dieses beklemmende Gefühl so klein geworden ist, dass ich mich jetzt wieder ganz in Ruhe meinem Unikram widmen kann, da ich gerade wirklich sehr gestresst bin.
    Auch wenn ich finde, dass Sputnik einen kleinen Denkzettel verpasst kriegen sollte, möchte ich mich nicht so „nackig“ machen, denn das Thema Essstörung ist kein einfaches und ich bin einfach froh, wenn ich nicht mit diesem Thema konfrontiert bin.
    Trotzdem muss ich noch sagen, dass ich Sputnik am Donnerstag (der Dreh war am Dienstag) eine sehr lange Nachricht geschrieben habe, in der ich den Tag aus meiner Sicht beschrieben habe, meine Gefühle und meine Vorgeschichte offen gelegt habe, aus der Hoffnung heraus, dass dadurch diese Beklemmung die ich gefühlt habe, besser wird. (Was auch passiert ist)
    Die Antwort war (wie ich befürchtet habe) sehr oberflächlich und sie sind überhaupt nicht auf die Punkte eingegangen die ich in dieser Mail geschrieben hatte. Wie dem auch sei, es hat mir gezeigt, dass es sich scheinbar wirklich nur um Klicks und Brainwash handelt und die Persönlichkeiten der einzelnen Mädels echt untergegangen sind. Ob ich da gestanden hätte, oder jemand anderes, hätte überhaupt keine Rolle gespielt.
    Solange es gute Kommentare gibt, wird auch keine Einsicht statt finden.

    Ich danke euch! Habt einen schönen Sonntag.

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  14. Wolfgang

    Eigentlich habe ich mein Leben geändert um mir etwas Gutes zu tun. Mein Arzt möchte mich gerne seinen Studenten zeigen. Ich muss keine Medikamente mehr nehmen.

    Dieser beschissen polemische Spot regt mich deshalb sehr auf. Die Freiheit einfach selbst zu sein, dick, dünn, hetero, schwul, vegan oder bacon wird hier für billige Beleidigungen mit Füßen getreten.

    Die Funkleute zurück zu beleidigen ist mir zu aufwendig. Ich werde wohl auf der Straße die Fahne der Freiheit und Selbstbestimmung zeigen müssen.

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  15. Ich finde es so schade, dass „gesunde Ernährung“ immer mit „Abnehmen“ assoziiert wird.

    Kurze Vorgeschichte zu mir:
    Ich selber bin untergewichtig. Leider. Mein Gewicht schwankt von „leicht untergewichtig“ bis „noch 1 kg weniger und es gibt Zwangsernährung“. Nicht selten bekomme ich den Spruch „du kannst echt alles essen, ohne fett zu werden.“
    Ja, kann ich. Will ich aber nicht.

    Wenn ich dann also davon rede, dass ich mich gesund ernähren möchte – sofern es der monatliche Geldbeutel zulässt – bekomme ich ungläubige Blicke und mind. ein „Warum das denn ? Du bist doch schon dünn!“

    Die anschließenden Diskussionen, dass gesunde Ernährung nichts mit abnehmen zu tun hat, sondern einfach GESUND ist, verläuft meist ins endlose Klischee-Gerede und gipfelt in dem Satz: „Als ob du dich gesund ernähren müsstest…“

    Ja, verdammte Scheiße! Wenn ich nicht, wie ein großer Teil meiner Familie, an Herzversagen sterben möchte, muss ich das sogar. Es bringt mir doch überhaupt nichts, wenn die Waage geschmeidige 60kg anzeigt, wenn aber 15kg davon als Ablagerungen in meinen Arterien und meinem Herzen sind.

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    1. Ich hab überlegt, wie ich mich verhalten hätte. Da mit der Aktion so ziemlich alle meine Triggerpunkte gedrückt worden wären, hätte es passieren können, dass ich der „Ernährungsberaterin“ eine der Kameras um die Ohren gezimmert hätte. Ja, ich bin gelegentlich jähzornig.

      Der Satz von erzaehlmirnix, dass das Video auf unglaublich vielen Ebenen falsch ist, trifft meinen Gedankenwust sehr genau. Und gipfelt in einem „wie kann man nur?!“
      Ich war noch nie Fan von „Verstehen Sie Spaß?“, weil ich da selten den Spaß, sondern meistens nur die Bloßstellung gesehen habe, aber das hier geht noch einige Ebenen tiefer.

      Ein ganz dickes Danke an Denise dafür, dass Du geschildert hast, was dieser Dreh mit Dir gemacht hat. Und das mit dem Lächeln häte ich nicht mehr hinbekommen. Nicht im Ansatz – ich will auch nicht wissen, we viele Kandidaten sie nicht ins Video mit aufgenommen haben, weil die möglicherweise nicht so gut auf den „Scherz“ reagiert haben.

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  16. Sibylla

    Ich bin mal ne Runde sprachlos. Erstens, weil das an Geschmacklosigkeit nicht leicht zu überbieten ist, zweitens aber auch, weil solche Geschichten die seriöse Ernährungsberatung in einem sehr, sehr schlechten und völlig falschen Licht stehen lassen. Es dauert noch etwa ein Jahr, dann werde ich fertige Ernährungsberaterin sein und Klienten haben – die Angst vor mir haben und darum lieber ihre Gesundheitsrisiken weiter tragen, als zu mir oder einem Kollegen zu kommen und ihr Leben zu verbessern. Danke, Öffentlich-rechtliche! So macht ihr nicht nur euren Ruf des seriösen Journalismus nachhaltig zunichte, ihr zerstört auch die Zukunft von Menschen.

    @ Denise
    Es tut mir entsetzlich leid, was dir da angetan wurde! Das ist menschlich wie journalistisch und erst recht aus der Perspektive einer angehenden Ernährungsberaterin allerunterste Schublade. Ich hoffe sehr, dass du dein inneres Gleichgewicht wiederfindest und auch eine gute Antwort auf deine Ausgangsfragen findest!

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  17. Man stelle sich vor, es ginge hier nicht um eine gesündere Ernährung, sondern würde Süßigkeiten durch – sagen wir – Zigaretten ersetzen. Absolut groteske Show, die da abgezogen wird und vom Niveau her nahe an RTL und Co., die ohne nachzudenken, menschenverachtenden Bullshit absondern. Dass im Nachgang komplexe Sachverhalte (hatten die „Kandidatinnen“ zB eine Essstörung oder nicht usw.) auf einen gutgemeinten Hashtag (#bleibdu) heruntergebrochen werden, ist wohl dem Zeitgeist geschuldet. So nach dem Motto „Hey, wir sagen Dir schon, wie Du Dich fühlen darfst, wir brauchen nicht mal 140 Zeichen, zwei einfache Schlagwörter reichen schon. Dass es Menschen gibt, die sich mit ihrem hiesigen BMI schlicht nicht wohlfühlen, wird gekonnt ignoriert und das von außen aufgedrückte „sei doch einfach wie Du bist“ ist genauso beschissen wie das gemobbte „sei doch einfach mal nicht so fett“. Statt den Menschen einfach selbst zu überlassen, warum sie abnehmen wollen. Ich hab schon Nackenschmerzen vom Kopfschütteln und bei aller Liebe zum – höhö – Bildungsauftrag: dass ich gezwungen werde, für so etwas Beiträge zu zahlen…das fand ich auch schon vor der AFD Scheisse.

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  18. Pingback: Anleitung zum Mobben › Schräglage

  19. Ich bin einfach nur sprachlos. :((
    Wie ignorant muss man denn sein?
    „Sei wie du bist!“ An sich ne super Idee! Und wenn du dich gesund ernähren oder/und abnehmen möchtest, dann tu das bitte und lass dir nicht einreden, dass das die Gesellschaft von dir will!
    Ein gesunder Körper ist sicherlich mehr wert, also ne Fashionfigur. Leider wird das zu oft verwechselt. Als wäre der einzige Grund, abzunehmen, den Normen zu gefallen…. Graaa…
    Die Informationsdichte in den heutigen TV-Sendungen ist unfassbar dünn, dass nur noch Skandale und eindimensionale hau-drauf Botschaften reichen müssen, um den Zuschauer zu bespaßen. Bloß nicht zu viel Inhalt. Die könnten ja wegschalten. Und deshalb kommt sowas bei rum: Von Fakten und Umständen losgelöste Feel-Good-Aktionen, die das Thema komplett verfehlen. :(((
    Mein Mitgefühl mit den Kandidatinnen. Das ist einfach verantwortungslose Scheiße, die auch kein Chor am Ende retten kann…

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  20. Erst einmal: Vielen Dank für die positiven und die kritischen Rückmeldungen. Die Botschaft #bleibdu hat viele verschiedene Reaktionen und Emotionen hervorgerufen. Auch bei uns hat das Video kritische Gespräche und Diskussionen ausgelöst. Beim nächsten Mal wollen wir es anders und besser machen. Wir nehmen auf jeden Fall einiges aus eurem Feedback mit und wollen uns selbst auch zu unserer Aktion äußern. Insbesondere zu zwei Kritikpunkten von euch.

    1) Wir wollen mit der Aktion eine grundpositive Botschaft vermitteln: #bleibdu. Denn wir denken, dass viel zu viele von uns den Unverschämtheiten anderer Menschen eher nachgeben würden, als auf sich selbst zu hören. Die übertriebene Rolle von „Coach Sabine“ steht für die vielen Einflüsse, die uns von außen dann doch immer wieder an uns zweifeln lassen – und darauf antworten wir mit #bleibdu. Die Protagonistinnen des Videos sind tolle Menschen und haben es nicht nötig, sich von jemandem sagen zu lassen, wie sie sein sollen oder nicht. Offensichtlich ist die eigentliche Botschaft zu kurz gekommen. Zu keinem Zeitpunkt wollten wir unsere Protagonistinnen bloßstellen. Das ist uns leider nicht an jeder Stelle gelungen und dafür entschuldigen wir uns.

    2) Natürlich finden wir gesunde Ernährung wichtig. Mehr noch, sie kann auch aus gesundheitlichen Gründen sehr wichtig sein. Um das zu verdeutlichen, hat unser „Coach“ so maßlos übertrieben. Denn kein verantwortungsvoller Coach würde so beraten. Weder was die Tipps selbst angeht, noch die Art und Weise, wie sie vermittelt wurden.

    Und zu guter Letzt das Wichtigste: Wir wollen, dass es unseren Protagonistinnen gut geht und haben sowohl vor als auch nach den Drehs mit ihnen gesprochen und stehen weiter mit ihnen im Austausch. Wir haben den Protagonistinnen direkt im Anschluss an den Dreh ein „echtes“ Coaching ohne Mikro und Kamera angeboten, wenn sie das machen möchten.

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    1. > Und zu guter Letzt das Wichtigste: Wir wollen, dass es unseren Protagonistinnen gut geht und
      > haben sowohl vor als auch nach den Drehs mit ihnen gesprochen und stehen weiter mit ihnen
      > im Austausch. Wir haben den Protagonistinnen direkt im Anschluss an den Dreh ein „echtes“
      > Coaching ohne Mikro und Kamera angeboten, wenn sie das machen möchten.

      Tja, also erstmal runter machen und zum Zusammenbruch führen und nach dieser Erfahrung von den selben Leuten ein „echtes Coaching“ anbieten? Ich habt wohl echt _nichts_ verstanden und verhöhnt auch noch die Protagonisten.

      Beschwerde an den Fernsehrat ist raus.

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      1. Matthias

        @Tobias
        Dankeschön fürs Einreichen der Beschwerde. Wollte mich gestern auch nochmal hinsetzen, habs nicht mehr geschafft, aber Du hast das sowieso viel passender formuliert.

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    2. (Die Botschaft #bleibdu hat viele verschiedene Reaktionen und Emotionen hervorgerufen.Auch bei uns hat das Video kritische Gespräche und Diskussionen ausgelöst. Beim nächsten Mal wollen wir es anders und besser machen.)

      Damit möchte man hoffentlich sagen, dass es noch Menschen mit Empathie in dem coolen, funky Haufen voller abgezockter Web 2.0 Guys & Girls gibt? Na immerhin…

      (Wir nehmen auf jeden Fall einiges aus eurem Feedback mit und wollen uns selbst auch zu unserer Aktion äußern. Insbesondere zu zwei Kritikpunkten von euch.)

      Ihr nehmt „einiges mit“? Na ich hoffe doch, wenigstens die Erkenntnis: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Ja, die „olle Kamelle“ bring ich jetzt. Denn sie ist einfach, klar und allgemeingültig. Ja, auch für Funky-Leute.

      (1) Wir wollen mit der Aktion eine grundpositive Botschaft vermitteln: #bleibdu.)

      DAS ist auf jeden Fall danebengegangen. Aber danke für den Versuch. Der allerdings so undefiniert und schwammig ist… wie wäre es denn mit: „#BleibGross“? Oder „‚BleibWach“? Auch alles hübsche Buzzwords.

      Da überspringe ich mal einige Sätze, die sagen eh nichts weiter aus als: Der Coach ist das personifizierte Böse, das wir mit dem Chor überwinden. Die Kameras, die Zuschauer drumherum, der Druck, der mit einer Medienmeute erzeugt wird – das lassen wir dabei alles unerwähnt.

      (Die Protagonistinnen des Videos sind tolle Menschen und haben es nicht nötig, sich von jemandem sagen zu lassen, wie sie sein sollen oder nicht. Offensichtlich ist die eigentliche Botschaft zu kurz gekommen. Zu keinem Zeitpunkt wollten wir unsere Protagonistinnen bloßstellen. Das ist uns leider nicht an jeder Stelle gelungen und dafür entschuldigen wir uns.)

      Und da reichts mir. Die gerechtfertigte Kritik dieses Blogs, die Ängste der armen „Kandidatin“ sowie sicherlich der anderen Personen, die ihr da „fertiggemacht“ habt (denn nix anderes war es), wird von euch weggewischt. Ignoriert. Das macht das ganze noch schäbiger, als das Video eh schon ist. Habt ihr es immer noch nicht verstanden? Ihr habt Menschen vor der Kamera gedemütigt. IHR. Nicht „der Coach als Personifizierung“. IHR. Ihr super Funky Guys (& Girls) wart es. Eure Idee. Euer Script. Euer Tonmann. Eure Kamerafrau (oder auch gerne umgedreht). Und es ist mir dabei egal, dass es eine wahnsinnig tolle Message beeinhaltet. Ihr habt Menschen mit psychischem Druck konfrontiert, habt sie mit Mitteln unter Druck gesetzt, die einfach nicht gehen. Journalistisch schon gar nicht. Ihr wart das. „Zu keiner Zeit bloßstellen“? Das ganze Format war darauf aufgebaut, sie „bloßzustellen“. Das könnt ihr gar nicht abstreiten, das Video zeigt es doch. „Nicht an jeder Stelle gelungen“. Nach dem Motto: Upps, da haben wir den Menschen psychisch fertiggemacht, sorry. Wir entschuldigen uns dafür, bei Minute 1 und Minute 2.30 etwas laut gewesen zu sein, aber ansonsten war doch alles easy“?! Ihr habt Mist gebaut.

      (Denn kein verantwortungsvoller Coach würde so beraten)

      Und kein verantwortungsvoller Journalist oder wer sich dafür hält würde Menschen so demütigen, das filmen und sich auf die Schultern klopfen!

      Dieses „Angebot“ zum Schluß hätte es nicht gebraucht, um aufzuzeigen, das bei FUNK gar nicht verstanden wird, was da passiert ist. Ich finde es so unglaublich schlimm, dass dieses „Format“ überhaupt durchgezogen wurde. War da nicht einer, mit einem Hauch von Erziehung und Anstand, der gesagt hat: „Hey, das können wir nicht machen?“

      Warum nicht mit den „Kandidaten“ einfach offen reden. Ihnen dabei sagen: „Hey, bleib wie Du bist“. Ohne draufschlagen. Ich weiss, ihr wolltet zeigen, dass „andere“ das machen. Problem nur: Ihr seid „die anderen“. Die Schlechten. Und mit dieser Nicht-Entschuldigung nochmal zu zeigen, dass ihr nichts reflektiert, macht es nicht besser. Das macht es nur einfacher, FUNK widerwärtig zu finden.

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  21. @Funk

    Soso, die „grundpositive Botschaft“ namens #bleibdu. Ich habe keine Ahnung, woher dieses selbsternannte Recht zur moralischen Erhöhung kommt, aber es hat immer einen faden Beigeschmack.

    Viele Menschen wollen sich besser ernähren und gesünder leben, weil sie eben nicht „so bleiben wollen, wie sie sind“. Die Grenze zwischen „nix schmeckt so gut wie dünn sein sich anfühlt“ und „ich will unbedingt so aussehen wie die Mädels da auf dem Cover“ ist so fließend, dass ich es grundsätzlich völlig vermessen finde, allen Protagonistinnen diesen „du bist schön, so wie du bist“-Sack überzustülpen.

    Weil viele sich vielleicht auch verändern wollen. Und sind die Motive für eine gesündere Ernährung nicht erst mal egal, so lange sie nicht in Essstörung und Magersucht enden? Ist denn die Alternative „Süßes fressen bis der Arzt kommt, aber sich trotzdem dufte finden“ die so viel erstrebenswertere? Gibt es Frauen und Männern nicht vielleicht mehr Selbstbewusstsein, wenn sie eine Treppe normal hochlaufen, statt hochzukeuchen? Dieses Gefühl von Kurzatmigkeit bekommt Ihr mit nem Hashtag und Eurer „grundpositiven Message“ auch nicht weg. Davon ab, dass dieser „Verstehen Sie Spaß“-Weg dorthin völlig daneben war, aber dazu haben sich ja schon genug Zuschauer geäußert. Es gibt wirklich keinen Grund, den RTL-Limbo mitzutanzen, wenn man sein Publikum eigentlich schätzt.

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  22. Sibylla

    @ Funk,

    sorry, aber ich muss mich der Hohn-Kritik anschließen. Ihr wollt vermitteln, dass Leute sich nicht von den Erwartungen abhängig machen und formen lassen sollen, die von außen an sie herangetragen werden, und dann kommt ihr und sagt ihnen, sie sollten bleiben, wie sie sind? Das ist nur dann kein eklatanter logischer Widerspruch, wenn ihr euch als innere Instanz der Menschen begreift – was ein ganz neues Level von Bizarr ist.

    Was das Mit-den-Protagonistinnen-gesprochen betrifft, ging das ja offenkundig nicht sehr weit, nichtmal weit genug, um ihnen klar zu machen, dass es sich bei ihnen nicht mehr um Bürgerinnen handelt, die etwas gewonnen haben, sondern um „Protagonistinnen“ in etwas, das erstaunliche formale Ähnlichkeit mit Scripted-Reality-Formaten hat.

    Tobias hat recht: einem „echten“ Coaching nach so einem Erlebnis würde kein Mensch mehr etwas abgewinnen können, weder verwertbare Information noch eine konstruktive, zum eigenen Ziel führende Stimmung.

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  23. Mario

    Ich schließe mich der Grundmeinung an. Es ist ein (mindestens) geschmackloser Beitrag für den sich die Macher schämen dürfen und man darf auch die Mechanismen kritisieren nach dem FUNK zwischen „wertvoll“ und „geschmacklos“ auswählt. Ich würde sogar soweit gehen, das dieser Beitrag mit dem Format „Schwiegertochter gesucht“ konkurieren kann.

    Ich möchte allerdings daran erinnern, das FUNK nicht nur dieses eine Thema ist. Sondern ein Sammelsurium verschiedener Beträge von verschieden Produktionen zu teilweise sehr unterschiedlichen Themen.

    Da ich den Versuch der ÖR begrüße sich selbst an neue Zeiten anzupassen, würde ich es schade finden. Wenn man das gesamte FUNK Projekt auf diese Produktionsfirma reduzieren würde

    MFG

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  24. Es gitb nur ein Wort: FURCHTBAR!
    Ich schäm mich gerade fremd.
    Wie kommt man auf so eine furzdumme Idee, minderjährige Mädchen so bloßzustellen?!
    Mir geht grad der Blutdruck durch die Hutschnur ehrlich.
    Ich hoffe, dass der Bildungsauftrag dieses Senders zukünftig ernster genommen wird, denn dieser Beitrag….. ist Hatz4-TV(aka RTL, Sat1, ProSieben)-Niveau!

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  25. jteufel

    Ehrlich, ich würde den SWR und die Produktionsfirma verklagen. Ich hoffe es berichten auch größere Medien davon. Wäre ich der SWR, so würde ich die Redaktion entlassen und der Produktionsfirma den Vertrag kündigen.
    Das ist schlimmer als manchen privaten Sendern.
    Was ich nicht verstehe, muss nicht jeder Teilehmer der Veröffentlichung zustimmen?
    Das macht die Beleidgungen nicht wieder gut und den Prank ungeschehen, verhindert aber die Verbreitung des Machwerkes.

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  26. Falls ihr nach #bleibdu sucht: Die Botschaft, die wir vermitteln wollten, ist: Mach dich nicht fertig mit Vorsätzen, die dir jemand diktiert und die dich am Ende runterziehen. Bleib wie du bist. Und wenn du was verändern willst, dann nur, weil du es willst und es zu dir passt und nicht, weil andere es dir diktieren. Offensichtlich ist die eigentliche Botschaft im Video leider zu kurz gekommen. Zu keinem Zeitpunkt wollten wir unsere Protagonistinnen bloßstellen. Das ist uns leider nicht an jeder Stelle gelungen und dafür entschuldigen wir uns. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Video aus dem Netz zu nehmen.

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  27. Der versprochene Gewinn (in diesem Fall also wohl eine fachlich fundierte Ernährungsberatung, nicht Kopfhörer und Werbegeschenke) kann eingeklagt werden. Da ist das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sehr eindeutig:

    § 661a – Gewinnzusagen

    „Ein Unternehmer, der Gewinnzusagen oder vergleichbare Mitteilungen an Verbraucher sendet und durch die Gestaltung dieser Zusendungen den Eindruck erweckt, dass der Verbraucher einen Preis gewonnen hat, hat dem Verbraucher diesen Preis zu leisten.“

    Dieser Paragraph ist vor einigen Jahren im Bürgerlichen Gesetzbuch hinzugekommen, nachdem die Praxis immer mehr zugenommen hatte, daß die Veranstalter von Kaffeefahrten mit angeblichen Gewinnen, die den Teilnehmern ausgehändigt werden sollten, für die jeweilige Fahrt geworben haben. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert, daß Unternehmer mit Gewinnzusagen arglose Menschen dazu bringen, an Veranstaltungen teilzunehmen, zu denen sie sonst niemals hingehen würden.

    Und genau das ist ja auch hier passiert: Nur durch die Gewinnzusage sind die Menschen überhaupt zu dem Einkaufszentrum und in das Licht der Scheinwerfer und Kameras gekommen. Es ist also so eine Situation, wie der Gesetzgeber sie mit §661 BGB im Blick hatte.

    In diesem Fall kommt außerdem noch hinzu, daß die arglistig getäuschten Personen einem massivem Mobbing ausgesetzt wurden – mit billigender Inkaufnahme des Aufbrechens alter Traumata. Das kann durchaus strafrechtlich relevant sein. Es ist allerdings nicht so eindeutig, weil kein körperlicher Angriff erfolgt ist. Man kann als Betroffener den Sachverhalt in einem Brief an die Staatsanwaltschaft beschreiben und dabei begründen, warum öffentliches Interesse an Ermittlungen besteht. So muß man selbst nicht ergründen, welche Paragraphen anwendbar sind und welche nicht.

    Interessant ist die Aussage, daß die ganze Aktion gut gemeint gewesen sei, und daß es den Beteiligten doch gutgehen sollte. Da sagt also der Täter nach der Tat zu seinem Opfer „Du wolltest es doch auch!“.

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  28. mindph

    Hoffentlich raffen sich die Betroffenen, auf und zerren diese Produktionsfirma vor ein Gericht. Schadensersatz wäre noch das Mindeste, wenn nicht sogar ein Strafverfahren wegen ehreverletzender Beleidigung.

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  29. Nanu

    Interessant finde ich hierbei den Sprachgebrauch – in diesem Fall die unterschiedlichen Bezeichnungen, für die Frauen, die an der Sendung teilnahmen:

    Meist ist von „Kandidatinnen“ die Rede, was beinhalten würde, dass sich Menschen freiwillig zur Wahl stellen oder um etwas bewerben. Das scheint mir hier nicht zutreffend, weil die Frauen ja gar nicht wussten, was auf sie zukommt. Vielleicht haben Erzählmirnix und die Teilnehmerin, die sich hier zu Wort gemeldet hat, diese Bezeichnung verwendet, weil sie noch einen gewissen Grad an Selbstimmheit des Handelns beinhaltet.

    In den Kommentaren kam außerdem der Begriff „Opfer“ vor. Der besagt, dass etwas Übles mit jemandem gemacht wurde/ jemandem etwas angetan wurde (und wenn es nur ein schlechter Scherz wäre). Der Begriff beinhaltet jedenfalls ganz klar: Die Handelnden sind dabei andere. Wenn man die falschen Vorgaben gegenüber den Teilnehmerinnen bedenkt, erscheint mir das hier inhaltlich zutreffender: Wie soll man selbstbestimmt handeln, wenn man gar nicht weiß, was gespielt wird? „Hereinlegen“ nennt man das wohl.

    Und dann kommt „Funk“ und redet nur noch von „Protagonistinnen“. Das Wort „Protagonist“ ist aber ganz eindeutig definiert als „Handelnder“. Was uns wohl suggerieren soll: Die Frauen sind hier die Handelnden, sie wollten das so, haben das selbst so gewählt oder arrangiert.
    Ist schon interessant, wie sich sprachlich die Verantwortung verlagern lässt…

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  30. looonylight

    @funk:
    Nach so einer Aktion zu sagen, sie sei „nicht an jeder Stelle gelungen“, ist ein Euphemismus. Solche halbherzigen Entschuldigungen, in denen man noch versucht, seine Schuld zu relativieren, richten oft mehr Schaden an als gänzlich fehlende.

    Beim Anschauen des Videos hat sich bei mir der Eindruck aufgedrängt, es sei das Konzept der Aktion gewesen, die Teilnehmer zunächst vor laufender Kamera fertig zu machen, um anschleißend „aus dem Gebüsch“ zu springen und die zuvor Erniedrigten wieder aufzurichten – sprich: Den Helden zu spielen. Dass soetwas daneben ist, hätte sich aufdrängen müssen!

    Gerade, wenn man mit echten, nicht über den wahren Sachverhalt aufgeklärten Menschen arbeitet, muss doch eine ganz besondere Sorgfalt gewahrt werden.

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  31. Pingback: Lesenswerte Links – Kalenderwoche 5 in 2017 > Vermischtes > Lesenswerte Links 2017

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