„Rund? Na und!“

Die NZZ hat einen Artikel geschrieben: „Rund? Na und!“ … und der ist …. ärgerlich. Warum? Ich versuche es mal teilweise aufzudröseln. Der Beginn spricht schon für sich:

Jeder kennt einen Schlank­fresser.

Ah?

Vielleicht sind Sie ja zufällig einer.

Schau‘ mer mal.

Das sind die Menschen, die meinen, den Energiegehalt eines Big Macs locker zu kompensieren, wenn sie die Treppe statt den Lift nehmen.

Hm. Kurzes googeln: Ein Big Mac hat 508 kcal. Müsste eine recht hohe Treppe sein, für die man mindestens 45 Minuten braucht. Der berühmteste Treppenlauf-Wettbewerb findet im Empire State Building statt und dauert um die 10 Minuten.

Aber das mit der Treppe ist wohl eher symbolisch gemeint. Konzentrieren wir uns also auf den Kern: Es geht um NEAT. NEAT ist Non-Exercise-Activity-Thermogenesis, also der Energieverbrauch von Alltagsbewegungen, die nicht explizit „Sport“ sind. So wie Treppe statt Fahrstuhl nehmen. Hihi, wie könnte so etwas lächerliches wohl einen Unterschied machen?

neat

Oh. Allein die Körperhaltung schlanker Menschen … entschuldigung „Schlankfresser“ kann also schon mehr als die Hälfte eines Big Macs ausmachen? Da ist die Treppe noch gar nicht mit eingerechnet.

Solche, die den Satz «Ein Bier ist auch eine Mahlzeit» für einen Scherz unter Saufkumpanen halten statt für eine ernährungsphysiologische Tatsache.

Eine 0,33er Flasche Beck’s enthält 125 kcal, ein Krombacher Pils 128 kcal. Tatsächlich kann man sich jetzt über die Definition von „Mahlzeit“ streiten, aber die meisten stellen sich darunter wohl mehr vor als etwa 40g trockene Nudeln oder eine halbe Brezel. Aber der Kern soll wohl sein: Der Schlankfresser ist sich nicht über den Kaloriengehalt seiner Nahrung bewusst.

Der Schlank­fresser fällt besonders häufig durch seine Herablassung gegenüber Dicken auf. Rein zufällig ist er normalgewichtig, und er bildet sich viel darauf ein. Er ist der festen Überzeugung, sich aus eigener Kraft dünn zu halten.

Verstehe. Der „Schlankfresser“ ist nur zufällig schlank, weil er ja der doofen Ansicht ist, dass Alltagsbewegung einen Unterschied macht und den exakten Kaloriengehalt von Bier mutmaßlich nicht kennt.

Doch Schlankfresser ignorieren wissenschaftliche Tatsachen. Heute geht man davon aus, dass die Neigung zu Übergewicht weitgehend genetisch bedingt ist.

Ich zitiere mich an der Stelle mal selbst aus Fettlogik: „Die Dinge, die tatsächlich genetisch begründet sind, sind Appetit, Vorliebe für bestimmte Geschmacksrichtungen (wie süß oder fettig) und der Bewegungsdrang. In mehreren Studien (etwa einer deutschen Studie von Haupt und Kollegen, 2009) wurde nachgewiesen, dass Träger von sogenannten Adipositas-Genen im Schnitt 125 bis 280 kcal mehr konsumieren und es keine Unterschiede im Stoffwechsel selbst gibt.“

Der Schlankfresser ist also der Meinung, wegen seines Ess- und Bewegungsverhaltens schlank zu sein, obwohl man doch inzwischen weiß, dass die Neigung zu Übergewicht weitgehend genetisch bedingt ist – durch das Ess- und Bewegungsverhalten. Hmmmm.

Mehr noch: Es gilt als gesichert, dass die Regulation des Energiehaushaltes von Dicken und Dünnen komplett unterschiedlich ist. Seit Ende der 1990er Jahre ist die «Selfish-Brain-Theorie» bekannt und in zahlreichen Studien belegt.

Äh. Nein. Einfach nein. Nur weil man einer kompletten Bullshit-Theorie wie Selfish Brain oder Trennkost oder sonstigem Quatsch ein „es gilt als gesichert“ voran stellt, ist das noch lange nicht wahr. „Es gilt als gesichert, dass man durch den Konsum ausreichend bunter Nahrungsmittel Regenbögen kackt. Seit Ende der 1990er Jahre ist die „Regenbogentherie“ bekannt …“

Ihre Hauptaussage ist, dass das Hirn von allen Organen am meisten Energie einfordert. Diesen überlebenswichtigen Vorgang nennt man «Brain Pull». Das Hirn unterbindet in Notsituationen die Versorgung für den Rest des Körpers. Es entzieht anderen Organen den Brennstoff Glukose, um ihn selbst zu verbrauchen.

Ja, das ist ganz toll, aber so funktioniert es leider nicht. Wenn der Körper eine Möglichkeit hätte, den Energiebedarf von Organen wie dem Herzen oder der Leber einfach mal so drastisch zu reduzieren, dann hätte er das in tausenden Jahren Evolution mit Sicherheit zum Normalprogramm gemacht, anstatt in Zeiten andauernder Hungersnöte tausende lebenswichtige Kalorien unnütz zu verblasen. Natürlich ist es im Falle einer drastischen Unterernährung so, dass bei lebensbedrohlichem Körperfettanteil die Organfunkion schrittweise zurückgefahren wird und nur noch die absolut überlebensnötigen Funktionen aufrecht erhalten werden – das betrifft aber übrigens nicht nur (verlangsamten) Herzschlag, Nieren(versagen) und Verdauung(sprobleme) sondern auch das Gehirn in Form von z.B. Konzentrations- und irgendwann auch Wahrnehmungsstörungen. Verhungern ist ein ziemlich schrecklicher Tod.

Das betrifft aber ausdrücklich nicht Menschen mit normalen oder gar erhöhten Körperfettwerten, bei denen der Körper in Zeiten von Energiemangel problemlos an die extra dafür eingerichteten Fettreserven gehen kann.

«Übergewicht hat eine neuro­ener­getische Ursache, es entsteht durch einen Versorgungsengpass und nicht durch das Überangebot der Umwelt», sagt Achim Peters.

Daher auch die ganzen Adipösen in Hungergebieten.

Und die steigenden Adipositaszahlen haben sicher nichts damit zu tun, dass wir erstmalig in der Geschichte der Menschheit ein permanentes Überangebot an Essen zur Verfügung haben:

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Bei den Dicken passt sich der Brain Pull mit der Zeit an, sie müssen mehr essen, um ihr Gehirn zu versorgen – und nehmen zu. Bei den Dünnen passt sich der Brain Pull nicht an, er bleibt ständig hoch und nimmt Energie aus dem Körper. Das bedeutet mit anderen Worten, dass Dicke nicht zu viel essen, sondern genau so viel, wie es ihr Energiehaushalt verlangt.

Ja, zu dem Schluss könnte man kommen, wenn man sich auf Selbstangaben zum Ernährungsverhalten verlässt und glaubt, Dicke äßen gleich viel oder gar weniger als Dünne. In Fettlogik habe ich mehrere Kapitel zu dem Thema und einen auführlichen Überblick über Studien, die Selbstangaben mit objektiven Messungen vergleichen. Nochmal kurz das Fazit zitiert: „So habe man über Jahrzehnte hinweg an der vermeintlichen Tatsache geforscht, dass Adipöse weniger essen als Normalgewichtige, und daraufhin alle möglichen Theorien über Stoffwechsel, Genetik und andere Erklärungen untersucht. Mittlerweile sei allerdings klar, dass Übergewichtige tatsächlich mehr essen als Normalgewichtige und ihre Selbstbeobachtung nicht mit objektiven Daten übereinstimmt.“
Schlanke Menschen funktionieren nicht fundamental anders als übergewichtige Menschen. Wir sind keine unterschiedlichen Spezies und mein Körper hat keine magische Verwandlung durchlaufen in den letzten Jahren. Sowohl mit 150 kg als auch mit 65 kg liegt mein Kalorienbedarf da, wo er laut Berechnung sein soll und meine Organe brauchen die Energie, die normale Organfunktion eben braucht.

Wenn Übergewichtige wegen mangelnder Hirnversorgung nicht abnehmen können, müssten wir dann nicht z.B. Sigmar Gabriel umgehend von seinem Posten entfernen? Immerhin hat er nun eine Magenverkleinerung, was wohl bedeutet, dass sein Gehirn nun nicht mehr ausreichend versorgt wird.

Dicke sind damit aber nicht kranker als Dünne. Die Studien, die in der Vergangenheit einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Bluthochdruck oder Neigung zum Herzinfarkt aufgezeigt haben, werden von der Wissenschaft heute stark angezweifelt.

Wieder: Nein. Werden sie nicht. Die steigenden Krankheitsrisiken von Diabetes, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Gelenkproblemen, Gicht, Asthma, Krebs und zahlreichen anderen Erkrankungen werden im Gegenteil ständig bestätigt. Und es handelt sich dabei auch nicht um bloße Korrelationen, sondern man kann a) die Mechanismen benennen, wie sich Körperfett auf das jeweilige System auswirkt und b) durch Abnahme lassen sich diese Erkrankungen stark verbessern und teilweise sogar heilen. Ein oder zwei Wissenschafler wie Achim Peters oder Udo Pollmer sind keineswegs „die Wissenschaft“. Das wäre so, als würde man Dr. Axel Stoll mit seiner Reichsflugscheibe als „die Wissenschaft“ bezeichnen oder die paar Klimawandelleugner unter den Forschern als „die Wissenschaft“ präsentieren. Egal in welchem Bereich, es wird immer 1-2% an Wissenschaftlern geben, die dem großen Konsens widersprechen und ihre ganz eigene (Verschwörungs)Theorie zum Besten geben.

Ein anderer Irrtum: Dicke sterben früher. Achim Peters hat dafür vor zwölf Jahren eine Expertengruppe aus den Bereichen Mathematik, Chemie, Psychiatrie und Hirnforschung um sich geschart und 12 000 Studien ausgewertet. Ihr Fazit: Dicksein ist nicht ungesund. Ein paar Kilos zu viel schützen sogar vor Krankheiten. Die Universität Hamburg hat einen Body-Mass-Index (BMI) bestimmt, der die höchste Lebenserwartung bringt: Mit BMI 27 lebt es sich am längsten. Das entspricht ungefähr der Gewichtsklasse von Angela Merkel.

Zunächst mal: Angela Merkel wirkt laut ihrer Bilder nicht wie BMI 27. Hier die Bilder aus dem Forum von Userinnen, die alle einen BMI über 30, also Adipositas haben:

bilder1w

Aber das nur am Rande.

Leider wird keine Quelle zur Originalstudie angegeben, aber es ist inzwischen ein bekanntes Thema, dass Sterblichkeitsstudien im Bereich Übergewicht einer Verzerrung unterliegen, die von seriösen Wissenschaftlern berücksichtigt wird. Dadurch, dass chronisch Kranke und Raucher im Schnitt einen niedrigeren BMI haben, gleichzeitig aber ein höheres Sterberisiko, werden die Ergebnisse unfair verzerrt. Die Menschen sterben früher weil sie krank sind und/oder Rauchen und sie sind dünner, weil sie krank sind und/oder rauchen. Lustigerweise hat Peters das selbst im Abschnitt zuvor noch in anderem Zusammenhang erklärt:

Anders gesagt: Wenn in einem Dorf mit hoher Geburtenrate auch viele Storchennester zu finden sind, heisst das noch lange nicht, dass die vielen Störche für die vielen Kinder verantwortlich sind.

Wird der Fehler in der Berechnung berücksichtigt, ist das Ergebnis eindeutig: Normalgewicht ist das gesündeste. Dies ist in zahlreichen umfassenden Analysen bestätigt und darauf basieren auch die BMI-Einteilungen zu Unter-, Normal- und Übergewicht. Erst 2016 kam die bisher größte Studie erneut zu diesem Ergebnis – und je länger der Untersuchungszeitraum desto niedriger der BMI mit der längsten Lebenserwartung (innerhalb des Normalgewichts) – bereits leichts Übergewicht verkürzt die Lebenserwartung.

Wenn man die Kosten im Gesundheitswesen vergleicht, so brauchen die Schlanken gleich viel oder gar mehr finanzielle Ressourcen. Sicher ist: Die meisten Gesundheitskosten entstehen am Ende eines Menschenlebens. Dicke werden im Alter zwar zunehmen immobil und leiden häufiger an Krankheiten der Gelenke wie Arthrose. Doch Dünne bekommen häufiger Schlaganfälle und leiden vermehrt an psychischen Problemen wie Depressionen. «Die schweren Krankheiten, an denen Dünne leiden, wiegen die Kosten für die gesundheitlichen Probleme von Dicken längst auf», sagt Achim Peters.

Eine extrem krasse Verzerrung der Wahrheit. Tatsächlich sorgt Übergewicht für einen Verlust gesunder Lebensjahre, sprich: langjährig Adipöse sind bis zu 20 Jahre früher krank.

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Dennoch ist es wahr, was Peters sagt: Dicke verurusachen trotzdem nicht mehr Kosten, denn gleichzeitig sterben sie auch mehrere Jahre früher, wodurch sich die hohen Kosten am Ende des Lebens reduzieren und Schlanke dann tatsächlich statistisch häufiger typische Alterserkrankungen bekommen – weil die Übergewichtigen vorher schon weggestorben sind. Ja, das ist ganz toll für unsere Rentenkasse, dass Raucher und Übergewichtige ziemlich schnell nach der Rente sterben, aber es wäre doch recht zynisch, nun aus volkswirtschaftlichen Gründen „Werdet dick und raucht ganz viel!“ zu verbreiten. Das erinnert mich übrigens an den Vortrag eines Arztes nach meinem Radunfall. Er sagte, dass er mir zum Radhelm raten würde, und die offiziellen Empfehlungen da nicht so vehement sind, weil Radhelme wesentlich mehr Kosten im Gesundheitswesen verursachten. Menschen ohne Radhelm seien nach einem Unfall nämlich meist entweder nur leicht verletzt oder direkt tot, während der Radhelm oft das Leben rette und dann aufwendige OPs und Reha nach sich zöge um die schweren Verletzungen zu heilen.

Im Rest des Artikels geht es dann hauptsächlich um unfaire Diskriminierung von Übergewichtigen, und ehrlich gesagt will ich das gar nicht weiter kommentieren. Dass offenbar vor über hundert Jahren ein fähiger Politiker aufgrund seines Übergewichts von den Medien durch Schmähungen in den Suizid getrieben wurde, ist tragisch.

Aus der Tatsache, dass jemand ein Kalorienplus gegessen hat irgendwelche Persönlichkeitseigenschaften oder Fähigkeiten in komplett anderen Bereichen herauslesen zu wollen ist Blödsinn. Auch wenn die NZZ diese Tour umgekehrt versucht und Übergewichtigen in ihrem Artikel mehr Fairness und Sressresistenz  bescheinigt und versucht „den Schlankfresser“ als ignorantes und unsensibles Feindbild zu etablieren.

Anstatt also Schlüsse vom Gewicht auf Charakter(defizite) als Vorurteile zu zeigen, ist es laut der NZZ offenbar schon okay, Übergewichtigen einen besseren Charakter zuzuschreiben – so wie manch ein Sexist der Ansicht ist, positiver Sexismus sei doch was Gutes. Als Frau kann man doch einfach besonders gut mit Kindern und alten Menschen, schließlich sind wir ja biologisch aufs Kümmern programmiert. Nee, sorry, ist immernoch blöd. Zumindest wenn man einerseits negative Vorurteile ablehnt, andererseits dann aber positive Vorurteile durchaus belegen möchte.

Liebe NZZ, ihr tut Übergewichtigen mit solchen Artikeln keinen Gefallen. Dadurch, dass ihr Übergewicht als unabänderliches genetisches Schicksal darstellt und die realen Gesundheitsrisiken kleinredet tragt ihr dazu bei, dass Menschen demotiviert werden, ein vermeidbares Risiko zu minimieren. Artikel wie diesen habe ich früher mit Freuden im Familien- und Bekanntenkreis geteilt und mir beruhigend versichert, dass mein Übergewicht so schlimm gar nicht ist. Das hat aber weder etwas an meinem extrem erhöhten Blutdruck geändert (der jetzt wieder im Idealbereich ist), noch an meinen ständigen Rückenschmerzen (die jetzt weg sind), den Schlafproblemen und dem Schnarchen (weg) und es hat mich letztlich auch nicht vor einem kaputten Knie und Immobilität bewahrt – das kaputte Knie und das erhöhte Arthroserisiko werden mir als Konsequenz nun auch erhalten bleiben.

Nichts gegen Feelgood-Artikel und Aufrufe zu einem freundlicheren Umgang miteinander – egal mit welcher Körperform. Aber bitte verwechselt das nicht damit, Menschen einreden zu müssen, dass Körpergewicht so etwas wie die sexuelle Orientierung oder die Hautfarbe ist und das einzige Problem in diskriminierenden Reaktionen von ignoranten Homophoben, Rassisten oder „Schlankfressern“ liegt.

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25 Gedanken zu “„Rund? Na und!“

  1. Christian

    Vielen Dank, dass du wieder mal diesen andauernden Schwachsinn auseinandergenommen hast, @Erzählmirnix!

    Das Diagramm „Life years lost vs. healthy life years lost“ ist kaum lesbar, könntest du das nochmal in besserer Auflösung einstellen oder verlinken?

    Zu diesem Zitat noch eine kleine Ergänzung:
    „Das Hirn unterbindet in Notsituationen die Versorgung für den Rest des Körpers. Es entzieht anderen Organen den Brennstoff Glukose, um ihn selbst zu verbrauchen.“

    Das Hirn unterbindet selbstverständlich nicht die Energieversorgung für den Rest des Körpers und es entzieht auch den Organen keinen Brennstoff. Was passiert, ist Folgendes: Bei einer niedrigen Verfügbarkeit von Glukose werden die Zellen insulinresistent (physiologische Insulinresistenz), die ihre Energie ebenso aus Fettsäuren gewinnen können. Durch diesen Mechanismus wird die Glukose nicht in den Muskeln verschwendet, sondern für die Organe gespart, die auf die Glukose angewiesen sind. In der Leber kann zudem auch aus Protein Glukose und aus Fetten sogenannte Ketonkörper produziert werden, um die Energieversorgung des Gehirns aufrecht zu erhalten. Die körpereigene Glukoseproduktion reicht aber nicht aus, um damit die gesamte Muskulatur zu versorgen, deren bevorzugter „Brennstoff“ Fettsäuren sind. Hier wird also nichts entzogen oder eingespart, sondern die verfügbaren Energieträger ihrem Angebot entsprechend verteilt.

    Ich finde es wirklich schlimm, wie mies solche Artikel recherchiert sind. Gerade in heutigen Zeiten, wo Begriffe wie „Lügenpresse“ missbraucht werden, um unliebsame Meinungen zu diskreditieren, sollte man doch bei wissenschaftlich belegten Fakten bei den Redakteuren zumindest die Bemühung erkennen können, sich vor dem Abliefern eines Artikels mit der Materie befasst zu haben.

    Zieht man darüber hinaus noch in Betracht, wie viele Übergewichtige durch solchen Schwachfug davon abgehalten werden, etwas an ihrer Situation zu ändern, grenzen solche Artikel schon an fahrlässige Körperverletzung.

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  2. Oh man, das ist genau der Grund, weshalb man belächelt und nicht ernst genommen wird, wenn man Normalgewicht erreichen will… da Übergewicht ja „überhaupt gar nicht schlimm“ ist, denken alle immer und sofort an ästhetische Gründe….

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  3. Jan

    Sehr sehr guter Artikel!!!

    Und in diesem Fall sei es auch verziehen, dass ein Selbstzitat drin steckt :), denn der Inhalt ist absolut wahr. Ich bin immer wieder überrascht davon, wie leicht sich Menschen einlullen lassen, wenn sie „Beweise“ oder Studien zu ihren Theorien finden. Egal ob es dabei um Krebs, Impfungen, Übergewicht oder sonstige Themen gibt. Solange beide Seiten nicht gleich stark beleuchtet wurden, sollte man kein Urteil fällen.

    Dieser Blog (und erzählmirnix) weisen darauf immer wieder sehr schön hin.
    Gefällt mir wirklich gut (:

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  4. „Eine 0,33er Flasche Beck’s enthält 125 kcal, ein Krombacher Pils 128 kcal. Tatsächlich kann man sich jetzt über die Definition von “Mahlzeit” streiten,“

    Ich möchte hier eher über die Definition von „Bier“ streiten 😉
    Sorry, der musste sein

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  5. Mona

    Ich verstehe nicht, was das mit diesem brain-pull sein soll.
    Wer ist kaputt?
    Wenn das Hirn die Reserven aufbrauchen würde, dann wär es doch gut zum Abnehmen. Aber bei Stress funktioniert es nicht? Hat das alles irgendeine Logik, die Sinn ergibt? So auf den ersten Blick verstehe ich nicht, wieso das irgendwem erklären könnte, dass er dick oder dünn ist.

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  6. Vor einem Jahr hätte ich diesen Artikel in der NZZ wieder einmal als “ Beweis“ für die unabänderliche Tatsache genommen, dass ich nur unter größten Anstrengungen abnehmen kann und wenn diese nachlassen ich automatisch wieder zunehmen werde.
    Leider wird es immer wieder Journalisten und Wissenschaftler ( und Poliktiker) aus der zweiten Reihe geben die ein wenig Rampenlicht abkriegen wenn sie extreme Positionen vertreten. Vieleicht hätten sie einfach in ihrer Jugend doch das Spielzeug kriegen sollen dass sich sich so gewünscht haben

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  7. laurali

    Der Artikel ist ekelhaft und das aus verschiedenen Gründen: bereits mit den ersten Sätzen ist er abwertend und absolut bodyshaming! Schrei! Ausserdem, mal semantisch betrachtet: Wtf soll ein „Schlankfresser“ sein? Und das Gegenteil, ist das ein Fettfresser, ein Dickfresser, ein Übergewichtsfresser? Mich persönlich nervt solche Wortwahl, ich hätte hier abgebrochen, aber man soll ja die Quellen kennen 😉
    Jo und wie gehts weiter, nach diesem fulminanten Einstieg?

    Mit Mimimimi und Aluhutgedöns und Geschwuebel und Thesen, die mal eben Physik usw aushebeln.

    Gefährlich finde ich daran genau das von dir genannte: derdie Dicke wird in seiner Opferhaltung bestätigt – gestern stolperte ich bei „Kaffe und Tee“ bei Youtube über ein Interview mit der Begründerin eines Fatacceptance- Forums in D. Die Frau war – stark adipös. Also einfach unglaublich dick. Und erzählte lächelnd und gewiss überzeugt !!, dass sie sehr diszipliniert sei in Sachen Ernährung – das seien die meisten Übergewichtigen.

    Diese extrem verzerrte Selbstwahrnehmung wird durchsolche Bullshitartikel gestützt und entmutigt somit Adipöse. Die Seele wird dabei vielleicht gepampert – Mimimi – aber leider wird der Körper trotzdem drunter leiden und Diabetes und Co entwickeln und jo, früher versterben. Dumm gelaufen – das mit dem Brain pull.

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    1. Gaddnzwerch

      Generell stimme ich Dir zu. Allerdings glaube ich durchaus das einige Übergewichtige sehr diszipliniert in Sachen Ernährung sind. Das muss ja nicht auf Kalorien hinauslaufen.
      Ich fände z.B. Trennkost sehr schwierig. Mit viel Disziplin machbar, dennoch erfolglos für’s Abnehmen. Oder sich vegetarisch zu ernähren. Kann auch Disziplin erfordern, muss sich aber nicht auf der Waage niederschlagen.

      Nur weil jemand dick ist würde ich ihm/ihr nicht gleich Disziplin absprechen. Nicht mal in Sachen Ernährung.

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  8. Alleine schon, wenn ich den Begriff „Schlankfresser“ lese weiß ich, was für eine Art „Artikel“ das ist.
    Da wäre man schon fast enttäuscht, nicht die üblichen Fettlogiken zu lesen. 😀

    Liebste Grüße,
    Mi ♥
    wortesserin.wordpress.com

    Gefällt 3 Personen

  9. Wie immer ein richtig guter Blogpost! ❤
    Ich bekomm gar nicht genug von den von dir zerpflückten Zeitungsartikeln. 😀 Traurig allerdings, dass sich diese Fettlogiken nicht nur in den Hirnen festkrallen, sondern auch noch von der "seriösen Presse" so weiterverbreitet werden.

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  10. Anonym

    Brain Pull? Ah ja. Wenn die Energie also nicht überschüssig ist wird sie vom Gehirn verwendet und dann trotzdem noch im Fettgewebe gespeichert wie … überschüssige Energie halt. Energie die extra Energie generiert oder so.
    Ich hab selten so einen Bullshit gelesen. Klar, aus medizinischer Sicht ist es definitiv gut, an gestörter Appetitregulation zu arbeiten, die ja auch endokrin bedingt ist … und sich zufällig durch längerfristige vernünftige Ernährung in Ordnung bringen lässt, sofern man dazu noch in der Lage ist. Bei Extremfällen ist das sicher schwer ohne Behandlung, da kann man dann medikamentös und operativ nachhelfen. Das Ziel ist letztendlich aber trotzdem eine reduzierte Kalorienzufuhr wie bei Normalgewichtigen, die merkwürdigerweise weder dem Gehirn noch dem armen Stoffwechsel schaden, der für alles verantwortlich gemacht wird obwohl er nur ganz normal seine Arbeit macht wie der Stoffwechsel der meisten anderen Menschen auch.

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    1. Anonym

      Also, ich meine natürlich eine reduzierte Kalorienzufuhr im Vergleich zu der vorher bestehenden Überernährung. Wenn man ein gesundes Gewicht erreicht hat, muss man natürlich kein Defizit mehr essen. 😉

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  11. Margarete

    Danke, danke, danke für dieses herrliche und sehr logische Auseinandernehmen des Artikels! Ich bin das erste Mal in einem Dickenforum darauf gestoßen, wo der Artikel natürlich großen Jubel ausgelöst hat. Ich hatte zum Glück schon viele Fettlogiken über Board geworfen, als ich den Artikel las, und trotzdem kommt man wieder leicht ins Schwanken… vielleicht hat Herr Peters mit seinen 12.000 (!!!) ausgewerteten Studien und den vielen Experten ja doch recht…? Da ich nur Laie in Sachen Ernährung bin, bin ich immer froh, wenn mir ein „Gegenexperte“ wenigstens eine andere Meinung aufzeigt… die ich, liebe Nadja, absolut logisch finde. Uff. Ich lese dein Buch gerade zum vierten Mal – dank Kalorienzählen und Kraftsport den BMI im letzten Jahr auf Normalgewicht gebracht (-12kg), Gewicht seit vier Monaten locker gehalten (warte immer noch ängstlich auf Jojo und Co.) und bin hoch motiviert weiterzusporteln. Wenn man aber dann immer wieder lesen muss, dass Schlanke doch eigentlich viel kränker seien als Dicke und gestresster und böser… nun ja, über solche Nachrichten freut sich der innere Schweinehund dann doch an verregneten Couch-Tagen… So, und jetzt rein in die Laufschuhe! Das abendliche BAYERISCHE bierchen muss erarbeitet werden!

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  12. Schokoliebhaber

    Auch wenn ich den Punkten sonst zustimme, finde ich es doch sehr drastisch Minderheitenmeinungen im Wissenschaftsbereich direkt mit Verschwörungstheorien (und der Nazivergleich mit Axel Stoll ist halt auch echt bitter ~) gleichzusetzen …

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  13. Michael Mendelsohn

    Hypothese: der Blutzuckerspiegel im Hirn beeinflusst das Hungergefühl. Wenn ich jetzt viel denke, sinkt der Blutzuckerspiegel im Hirn, also esse ich was, auch wenn gesamtkörperlich genug Energie da ist (aber nur nicht genug davon in Richtung Hirn wandert) => „Brain Pull“.

    Kann man diese Hypothese bestätigen oder widerlegen? Z.B. durch Messung des Blutzuckergehaltes in Halsschlagader und -vene?

    Wenn die Hypothese stimmt, dann wäre das ideale Abnehmgerät eines, das am Hals „angeschlossen wird“ und die Zuckerzufuhr zum Hirn solange erhöht, bis der Venenwert einen bestimmten Pegel erreicht.

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  14. Steiner

    Nur ein echtes Einhorn kackt Regenbögen, das weiss doch jeder. 😉 *ich hab so gelacht

    Ich kenne auch so einen „Schlankfresser“ seit 10 Jahren beobachte ich den/die:

    Dieser SF isst unter Beobachtung genau so viel, wie andere Normalgewichtige auf den 1. Blick aber:
    SF kommt zu Fuss zur Arbeit, auch wenn er angibt mit der Bahn zu kommen – wie kommt das? SF läuft bei Wartezeiten zur nächsten Haltestelle, hier nur ein paar hundert Meter. Kommt die Bahn dan nicht, dann zur nächsten. Wird SF von der Bahn dann überholt, läuft er komplett, er ist ja fast da. SF weiss das nicht, dass macht er immer so. Er kommt mit der Bahn, er hat ein Jobticket. Dass die Bahn es schwer hat, SF wirklich zum Mitfahren zu erwischen, fällt ihm nicht auf.

    Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht für uns alle das Essen zu machen. SF isst 1/3, Normal isst 2/3, ich esse bzw. aß 3/3 und das sind Tatsachen. Kommuniziert isst SF, dasselbe wie ich oder gefühlt sogar mehr, was nicht stimmt, auch wenn das vorkommt, weil SF schonmal die Schüsseln verwechselt, je nach Geschmack und Qualität des Essens.

    SF isst nach eigenen Angaben wie bekloppt Schokolade. Ja das stimmt, so sieht es aus. Wenn man sich an einer normalen Verzehrgewohnheit orientieren würde. Ich kenne keine normale Verzehrgewohnheit bei Schokolade. Ich esse bis nichts mehr da ist. SF isst eine Schachtel Pralinen 4 bis 5 Stück und verschenkt den Rest. Bringt das mit und verteilt, isst selber vor Zeugen um andere zu verlocken. Es dauert trotzdem eine Woche die Schachtel, die bei mir nach 1 Stunde leer ist, aufzuessen und das nie allein. Diesen Mythos unterstützt ungemein, wenn überall Papierchen von Pralinen liegenbleiben, dass sieht schwer nach Orgie aus.

    SF ist zu faul zum kochen. „Punkt“ und zu faul zum essen. „Punkt“
    Dies lässt SF ziemlich gefrässig wirken, wenn man SF einmal angefüttert hat, fragt SF immer wieder mal nach essen. Hauptsache, SF muss es nicht selber machen. Dies wirkt wie Gefrässigkeit, ist aber tatsächlich ein enormer Aufwand, um etwas zu essen zu bekommen.

    SF bedauert jede ausgefallene Mahlzeit, isst aber nichts selbstständig. Termindruck, widrige Umstände führen dazu, dass die Methode, sich Mahlzeiten in Gesellschaft zu verschaffen, mal nicht funktionieren. Einfach eine Banane zu essen, kommt nicht in Frage. Vollreife, braune Bananen mag SF nicht. Dass die Banane mal gelb war und wegen Vernachlässigung so aussieht, spielt keine Rolle. Es wird nicht bemerkt, dass die „Notfall-Banane“ nie gegessen wird und immer braun wird.

    SF hat eingebildete oder tatsächliche Unverträglichkeiten: z.b. Fettunverträglichkeit
    SF schafft es, ohne kompetent zu wirken, fette Lebensmittel sofort anhand eines für ihn unangenehmen Geschmacks oder tatsächlicher Unverträglichkeiten auszumachen und zu meiden. Hier scheint es ein Gefühl für „Dickmacher“ zu geben, was antrainiert scheint, bewusst oder unbewusst.

    SF arbeitet 7 Tage die Woche. Das heisst, trotz privater und geschäftlicher Aktivitäten, hat SF einen fast lückenlosen Zeitplan. SF trifft sich mit anderen Menschen geschäftlich oder privat und greift auf ein Netzwerk unzähliger Bekannter zurück um auch nur 30 Minuten Freizeit mit „Leben“ zu füllen. Im Notfall tut es auch ein kurzfristiger Geschäftstermin. Notfalls wird auch telefoniert, aber das Gehirn steht nicht still. Beim Telefonieren geht man natürlich unentwegt durch alle Räume, weil man schlechten Empfang hat oder etwas Stille sucht.

    SF trägt Kleidung die oft über Jahre schon perfekt passt. Es ist selbstverständlich in seine Kleidung hineinzupassen und somit eine unendliche Auswahl zu haben. Es ist selbstverständlich sobald der Knopf spannt, etwas mehr für sich zu tun. Abzunehmen.

    SF hat clevere Interessen. Geht gern ins Theather, ins Museum, zu Vorführungen usw. Es werden sogar Reisen in andere Länder für besondere Vorstellungen besucht. Alles Bewegung, Koffer schleppen, usw. angucken muss man sich ja natürlich auch alles.

    Sport macht SF nach eigenen Angaben nur für die Gesundheit und nur sporadisch. Sporadisch heisst für SF, einmal die Woche, dafür wird dann wirklich jeder Termin gestrichen. Selbstverständlich.

    Fragt man SF was er isst, stellt man fest, dass SF instinktiv wenig und sehr sättigend isst. UND alles, ohne Ausnahme. Nun essen viele von uns jeden Sonntag Kuchen. SF würde dasselbe sagen, tatsächlich verpasst SF so ziemlich jeden Sonntag die Kuchenzeit und isst maximal 1 mal im Monat Kuchen am Sonntag. An anderen Tagen muss er nicht und denkt auch nicht drüber nach. Aus seiner Sicht ist SF genau wie alle anderen. „Isst er aber nicht.“

    SF isst fast nie ohne die Gesellschaft anderer Menschen. Single sein unterstützt diesen Effekt bzw. eine sehr hohe Aktivität. Ich habe beobachtet, dass sich sehr schlanke Ehepaare „treffen“.
    Sie verbringen ihre Zeit mit ihren eigenen Aktivitäten und treffen sich im Laufe des Tages bei gemeinsamen Terminen/Feiern oder kurz vorher. Es gibt für sie keinen Grund auf den anderen zu warten oder sich aufhalte zu lassen.

    Platzt eine Verabredung oder ein Essen dann organisiert SF sofortigen Ersatz. Klappt das nicht, lässt er die Mahlzeit enttäuscht ausfallen und unternimmt etwas ohne essen.

    Das sind nur meine Erfahrungen, mal ganz ohne Studien.

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