Gastbeitrag: Die Körperpolizei- Gedanken zum Thema Bodyshaming

Der heutige Gastbeitrag stammt von Katie, 33 Jahre und Gesundheitswissenschaftlerin, die ich vor einigen Tagen spontan im Forum anschrieb, ob sie einen ihrer Forenbeiträge über ein Erlebnis im Fitnessstudio nicht als Blogartikel posten möchte. Sie möchte! Wie sie selbst schrieb, auch aufgrund ihres Berufes, denn „Übergewicht ist mit all seinen Folgen natürlich ein Hauptschwerpunkt bei der Arbeit. Und ein sehr ambivalenter Themenkomplex. Auf der einen Seite allgegenwärtig, auf der anderen Seite im Patientengespräch aber auch klar mit Tabuisierung behaftet.
Eine verbesserte Wahrnehmung des Themas Bodyshaming im professionellen Bereich halte ich für immens wichtig, um erfolgreiche Behandlungsstrategien bei Gewichtsproblematiken entwickeln zu können.
Ebenso wie die Reduktion von Fettlogiken, welche im professionellen Bereich leider auch weit verbreitet und akzeptiert sind.“ – im Zuge der Unterhaltung über die Einleitung zu diesem Gastbeitrag kam der Gedanke bei uns beiden, das das eigentlich nochmal ein eigenes Thema wert wäre. In diesem Beitrag geht es allerdings weniger um Katies berufliche Erfahrungen sondern vielmehr um ihre persönliche Entwicklung:

Aufgrund eines Foreneintrages zum Thema lud mich Nadja ein, einen Gastartikel zu meinen Erfahrungen mit dem Thema Bodyshaming zu verfassen. Das mache ich natürlich super gerne!
Insbesondere werde ich von meinen Erfahrungen mit Skinnyshaming berichten. Denn mit meinem Höchst-BMI von 32 habe ich (Gott sei Dank) nie Erfahrungen zum Thema Fatshaming gesammelt.

und auf einmal ging es los.

Eigentlich hatte ich mir seit Jahren keine Gedanken mehr zum Thema Bodyshaming gemacht. Das letzte Mal war es wohl zu meiner Teenagerzeit der Fall. Ich hatte das Pech, eine schmächtige und kleine Spätentwicklerin zu sein. Glaubt mir, es ist kein Spaß, als 14jährige „Hühnerbrust“ in der Sportumkleide zu stehen… Hängen blieb von damals vor allem das Gefühl, wie blöd es ist, mit seinem Körper eine gewisse Norm nicht erfüllen zu können. Aber das war Gott sei Dank irgendwann kein Problem mehr. Meine Körperlichkeit trat mit den Erwachsenenjahren in den Hintergrund. Unauffällige Maße, unauffälliger BMI bei 24/25. Kein abschreckender Anblick im Spiegel. Nix, worüber ich mir Gedanken machen musste.

Bis ich heiratete, und zusammen mit meinem Mann die Leidenschaft für Kochexperimente entdeckte. Im Zusammenhang mit einer neuen beruflichen Tätigkeit, die meinen Leistungsumsatz in das Bodenlose fallen ließ, kam, was kommen musste:
Innerhalb von 5 Jahren von 63kg bei159cm Körpergröße auf 82kg.
BMI 32. Auf einmal war ich adipös.
Was veränderte sich dadurch im Alltag? Eigentlich nichts. Es schien niemanden zu interessieren. Es wurde nicht kommentiert. Weder von engen Verwandten, Freunden, noch Bekannten. Fatshaming? Habe ich in diesem BMI-Bereich nie erfahren.

Gesundheitlich war alles schon etwas blöder… Entzündungswerte „unerklärlich“ erhöht, Langzeitzucker nicht so dolle, die Leber ächzte auch schon ein bisschen.
Man muss dazu sagen, ich habe eine Grunderkrankung, die mein Risiko für Diabetes und diverse andere Stoffwechselgeschichten erhöht. Alles in allem also keine so pralle Gesamtsituation. Dennoch brachte es keiner meiner Ärzte über das Herz, mich „fatzushamen“ und auf die Notwendigkeit eines Gewichtsmanagements hinzuweisen. Das war aber auch nicht nötig.
Da ich ein Studium in Gesundheitswissenschaften absolviert hatte, war mir die Lage auch so klar.
Und eine ellenlange ausgefallene Rolltreppe am Bahnhof ließ dann auch die letzte Ignoranz schwinden: Ich war unfit, dick, und fühlte mich wie 80 Jahre alt. Also eigentlich fühlte ich mich so, wie ich mich auch mit 80 nie fühlen wollte…


Dann kam FLÜ. Und mit FLÜ die Erkenntnis, dass mir bezüglich eines Ernährungsmanagements wesentliche Puzzlesteine fehlten-

Wie jetzt? Hungermodus? Nicht existent? Keine validen Studien? Wassereinlagerungen in solchem Ausmaß bei gesunden Menschen möglich und stinknormal?
Und meine Schilddrüse? Nicht die Entschuldigung für alles? Kein Grund, jedes Jahr zu mehr Gewicht verdammt zu sein?
Ich kann schlank sein, und trotzdem essen? Und das bis zum Schlanksein muss keine 10 Jahre dauern??? Wuuuuuhhaaaa!

Motivationsschub sondergleichen, im Fitnessstudio angemeldet, Ernährung Richtung eiweißreich und defizitorientiert umgestellt, los ging es. Das Abnehmen, und damit auch das Skinnyshaming.

Na gut, das Skinnyshaming startete nicht gleich. Die ersten 15 Kilo sagte niemand was. Es wurde wohl als „sie versucht halt mal eine Diät“ eingeordnet.

Dann kamen der 26/25er BMI- Bereich. Und die ersten Kommentare. Vermehrt positiv -„Du hast abgenommen! Sieht toll aus!“, aber auch erste Warnungen vor Magersucht waren dabei… So das typische „Pass auf, das Du nicht übertreibst!“

Ich beschloss, dass ich in den unteren BMI-Bereich wollte. Auch weil ich seit Beginn meiner Abnahme laufe, und es beim Laufen für die Gelenke in meinem Fall eben doch schon einen Unterschied von 13kg macht, ob da ein 19er oder ein 24er BMI getragen wird.
Die Optik passt meiner Meinung nach auch besser zu mir. Ich habe mich immer eher als dünn und mädchenhaft empfunden. Ihr erinnert Euch? Die Hühnerbrust und so? Das rassige Vollweib mit Kurven war nie mein Selbstbild.

Inzwischen bin ich in diesem Bereich angekommen. Ich wiege 48,4kg, und habe damit einen BMI von 19,1:

foto1

Und die Bodyshamer sind außer sich. Mein Körper und mein Aussehen werden wie in den Zeiten der finstersten Pubertät von allem und jedem hemmungslos kommentiert.

sie machen sich Sorgen

Es gibt sie, die ehrlich Besorgten. Die kann ich am besten verstehen.

Denn ja, ich habe innerhalb eines Jahres über 30kg abgenommen.
Ja, mein KFA ist von über 40% innerhalb eines Jahres auf unter 20% gesunken.
Ja, im Januar kam ich keine 50 Stufen ohne Zusammenbruch hoch… Nun meistere ich die Halbmarathondistanz.
Und ja, BMI 19,x im Vergleich zu BMI 32 ist nicht nur schlank, sondern sehr schlank. Mir ist klar, dass das eine schnelle und krasse optische Veränderung ist.
Von mir aus können sich alle gerne Sorgen machen. Ich kapier warum.
Normal und alltäglich ist so eine Veränderung nämlich sicher nicht.
Aber nach der Versicherung, dass alles gewollt und ok ist, darf dann auch wieder Ruhe sein.

Schönes Beispiel ist meine fast 90jährige Nachbarin. Sie hat als Jugendliche im Krieg Hunger und auch Verhungern ganz real erfahren. Für sie ist das nichts Abstraktes. Wenn sie mir sagt, ich sehe immer dünner aus, und das bereite ihr Sorgen, dann ist klar woher das rührt.
Sympathisch: Sie schafft es, mir ihre Sorge ohne Übergriffigkeit und Beleidigungen zu vermitteln. Na ja. Fast. „An einer Frau muss doch auch was dran sein“ konnte sie sich dann doch nicht verkneifen. Aber hey, sie ist an die 90 Jahre. Und sie hatte zwei Gläser Sekt auf ihren Geburtstag getrunken. 😀 : D 😀

sie werden auch mal richtig fies

Ganz mies finde ich jedoch die Neider, oder auch die Missgünstigen.

Typische Äußerungen:

Man ist wahlweise

-magersüchtig

– sportsüchtig

– bald ein Knochengestell

– oder sieht grenzwertig aus

Nennen wir es den „als Sorge verpackten Krabbenkorb“i… Sie versuchen einfach gnadenlos, Deinen Erfolg kleinzureden, wegzureden, schlechtzureden. Gemixt mit ihren eigenen schrägen Rechtfertigungen, warum sie ja nicht abnehmen können.
Die schönste selbsterlebte Äußerung diesbezüglich bisher:

„Ich muss ja eigentlich auch abnehmen, aber ich bin irgendwie noch nicht fett genug…“– nachdem man mir minutenlang erklärt hatte, warum ich ja zu dünn und zu sportlich bin. Nun ja…

Merkwürdig ist es schon, wenn Dir die Existenz abgesprochen wird,
„Man sieht Dich ja bald nicht mehr“

-oder Dein Frausein in Frage gestellt wird…
„An einer Frau muss auch was dran sein!“

-und Dein Mann als Pädophiler bezeichnet wird…
„Steht der auf sowas? Wenn Du Dir alles weghungerst, dann siehst Du ja wie ein Kind aus.“

Ich kann damit leben. Es schockt mich nicht sonderlich. Entsprechende Kapitel in FLÜ waren da eine ganz gute mentale Vorbereitung. Ich unterstelle auch, dass viele Äußerungen einfach reflexhaft kommen, ohne dass sich die Sender über diese Metabotschaften bewusst wären. Sozusagen Anpassungsschwierigkeiten an die Konfrontation mit dem neuen Gewicht.

Dazu, dass diese Äußerungen meist von weiblichen Personen kommen, die selbst unzufrieden mit ihrem Gewicht sind, habe ich so meine eigene These…
Aber ich bin nicht die promovierte Diplom-Psychologin hier 😀 😀 😀

sie sind auch im professionellen Umfeld zu finden

Wahnsinnig machen kann man mich allerdings mit Bodyshaming im professionellen Bereich. Da bin ich berufsbedingt besonders sensibel… Ein Beispiel ist da momentan noch enorm präsent:

Ich sprach meinen Frauenarzt zu Beginn meiner Abnahme auf mein Gewicht an, und das es mich ziemlich belastet, immer dicker zu werden. Er meinte nur: „Sollen wir die Medikamente mal umstellen?“
Da ich eine gewisse Vorahnung hatte, sagte ich nur: „Lassen Sie uns das probieren, wenn ich nach einem halben Jahr regelmäßig Sport und vernünftiger Ernährung immer noch so aussehe.“
Er machte wohl keine Aktennotiz. Denn beim nächsten Besuch kam

Boah, was haben Sie abgenommen!!! Jetzt müssen wir aber aufpassen, dass Sie nicht abrutschen!!!“

Als Arzt hat er in seinem Fachgebiet von meiner besagten risikoerhöhenden Grunderkrankung sehr viel Ahnung. Eigentlich hätte er ein Feuerwerk angesichts meiner inzwischen tollen, normgerechten Blutwerte und meines Normalgewichtes abfackeln müssen. Aber nein…

Ich empfinde so etwas total demotivierend. Und es tut mir sehr leid für Patienten, die so etwas aushalten müssen, und es nicht schaffen, eine emotionale Distanz zu bewahren.

und in Fitnessstudios

Dass die nicht fettogikfrei sind- sei’s drum. Da werfe ich bestimmt nicht den ersten Stein. Aber auf Bodyshaming war ich gerade an dieser Stelle nicht gefasst…

Voriges Wochenende war ich zur Körperanalyse dort. Der Trainer begeistert, weil nochmal Fett abgebaut, Muskulatur erhalten, … Alles optimal. Ich habe 6 Kilo mehr Muskulatur als für meine Größe üblich!!! Und ich habe das Go zum Muskelaufbau bekommen.

Und was passiert fünf Tage später??? Eine Mitarbeiterin des Empfangsbereiches begrüßt mich mit

„Du bist ja nur noch Haut und Knochen“, „Du hast ja gar kein Leben mehr im Gesicht“, „Das ist ja auch nicht mehr attraktiv“, „Was wiegste denn noch?“… und blah, blah, blah…

Ich weiß gar nicht, worüber ich mich mehr ärgere… Über mich, weil ich mich tatsächlich rechtfertigte, oder über die Übergriffigkeit der Mitarbeiterin…

Das Fitnessstudio habe ich eigentlich immer als bodyshamingfreie Safezone empfunden. Der Laden ist schweineteuer. Gibt sich selbst das Image als „Premium-Fitnessanbieter“- und das erfüllen die auch… Super Geräte, ein Hammer-Wellnessbereich, topgepflegt, superqualifizierte und immer ansprechbare Trainer auf der Fläche, breites Kursangebot… Und dann so etwas.

Von mir aus können sich alle gerne Sorgen machen. Wie bereits gesagt, ich kapier warum. Aber verdammt… Im Fitnessstudio??? Ok, die bodyshamende Person ist keine Trainerin. Sie macht halt Empfang und Loungebereich…
Trotzdem: Sollte sie nicht wenigstens einen athletischen Körper erkennen???

Bin ich die erste, die dort erfolgreich war???

Und überhaupt: Im Fitti hat auf die Art mal gar kein Körper kommentiert zu werden! Ob ich da mit einem Kilo oder 500 einlaufe!

Dieses permanente Unterstellen einer Essstörung nervt. Es ist zum Kotzen. (Ooooooohh, the irony…) Und immer ist es das gleiche Schema… Leicht übergewichtige weibliche (!) Person bekommt bei meinem Anblick Bedenken…

Mein Mann meinte dazu nur:

„Ich habe die schon immer für mißgünstig gehalten. Und das Du innerhalb eines Jahres dahin kommst, wo sie selber nicht ist… immerhin bist Du bald bei dem, was die als Vorbild verkaufen… das war wohl zuviel…

(Hach, mein Mann… Alter Charmeur ♥♥♥ ).

sie wissen definitiv nicht, was sie tun…

Mal ehrlich.
Nehmen wir mal an, ich hätte wirklich ein gestörtes Körperbild. Und würde mit einer Essstörung kämpfen. Dieser absolut unsensible Umgang würde mich wahrscheinlich nur noch tiefer reintreiben.
Statt eines niedrigschwelligen Zugangs zu Hilfsangeboten würde die ständige brachiale Konfrontation dazu führen, dass ich Meidungsstrategien entwickele.
Die soziale „Ächtung“ würde meine Symptomatik wahrscheinlich nicht abmildern… Ich hätte wohl tatsächlich erst eine Chance Hilfe zu erhalten, wenn ich das Glück hätte, bei einem Klinikaufenthalt wegen eines körperlichen Zusammenbruchs einen halbwegs geschulten und sensiblen Psychiater kennenzulernen.
Keine Chance, dass da schon früher bei einem routinemäßigen Arztbesuch interveniert werden kann…

Das macht mich als Gesundheitswissenschaftlerin wirklich nachdenklich.

sie sollten keinen zu großen Einfluss haben

Je nach Tagesform, Situation und auch Person kann es richtig wehtun, wenn einen das Bodyshaming erwischt. Es erinnert an alte Verletzungen, die man während der Pubertät erfahren hat. Und die vollkommen distanzlose Übergriffigkeit kann einen schon auch einmal recht baff zurücklassen. Aber letztendlich ist es die Sache nicht wert, sich von seinem Weg abbringen zu lassen. Ein paar entsprechende Konter oder auch einmal gezielte Ignoranz der Statements helfen, das Phänomen im Zaum zu halten.

Denkt immer an die Krabben1 😉
Und seid glücklich.

Liebe Grüße!!

foto2

1

i Bezieht sich auf das in FLÜ beschriebene Krabbenkorb-Phänomen: Sobald eine Krabbe aus einem Korb voller Krabben zu entkommen droht, versuchen die anderen Krabben sie wieder hineinzuziehen.

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49 Gedanken zu “Gastbeitrag: Die Körperpolizei- Gedanken zum Thema Bodyshaming

  1. Maren

    Das alles passiert auch bei immer-schon-dünnen Frauen, es hat also nicht einmal zwingend damit zu tun, dass sie deinen Gewichtsverlust mitbekommen haben. Stell dich schon mal drauf ein, auch von Leuten, die dich nur dünn kennen, ständig als „halbe Portion“, „Elfchen“, „keine richtige Frau“ usw. bezeichnet zu werden. Ich habe ähnliche Maße wie du und erlebe das seit Jahren.

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    1. Maren

      Übrigens: Gratulation für den Erfolg, und Daumen hoch für deinen Style! Du hast eine tolle Ausstrahlung und man sieht, dass du dich jetzt in deinem Körper zu Hause fühlst.

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  2. Ich bin jetzt eher zufällig hier herein gerutscht und finde eine erstaunliche Übereinstimmung zu dem, worüber ich heute nach geschrieben habe. Ja, die Erfahrungen sind universell unter allen Dünnen – und das sind alle, die nicht dick sind … 😀

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  3. Wolfgang

    Ich bin habe noch einem weiten Weg bis zum Wunschgewicht. Aber mir geht es genauso. Das meine Wampe mich in einen plumpen Schwabbel verwandelt hatte interessierte keinen. Jetzt warnt man mich ahnungsvoll raunend, dass ich nix mehr zu zusetzen habe. Wenn die Hungersnot kommt, dafür habe ich die 30 Kilo Fett jetzt im Keller in Form von Rapsöl stehen. Warum soll ich das Zeug am Körper tragen? Also Klappe, ihr seid so fett wie ihr wollt und ich so wie ich will. Das ist alles.

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  4. Lydia

    Hallo. Schöner Beitrag. Besonders hat mir der Satz „Sie versuchen einfach gnadenlos, Deinen Erfolg kleinzureden, wegzureden, schlechtzureden“, gut gefallen. Du kannst wahnsinnig stolz auf deinen Erfolg sein, vor allem in der kurzen Zeit eine solche Veränderung.
    Dennoch, wie will man den Leuten beikommen, die einem gegenüber Bodyshaming betreiben? Sie ignorieren, dagegen argumentieren, den Mittelfinger entgegen strecken? Ich würde den Mittelfinger bevorzugen, aber eher imaginär. 😉

    lg Lydia

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  5. Ich hatte ja schon beim gestrigen Beitrag das Problem damit, was denn falsch daran sein soll, *gut* aussehen zu wollen (“ dem gängigen Schönheitsideal entsprechen“) – ist das so ein reines Frauenproblem, oder haben das ernsthaft auch Männer? Das *einzige*, was ich gehört habe, war, dass ich vielleicht nicht nur abnehmen, sondern auch mal Sport machen sollte, aber das war eher in der Richtung von „boah, wie geil hast Du denn abgenommen?! – Fuck, wenn Du jetzt noch ein bisschen Sport machst, weißt du wie leicht das geht, dass das *echt* gut aussieht? Da reicht ja das, was ich am Tag mache, pro Woche…“ – von einem Sportlehrer, den man auf die Men’s Health drucken könnte.

    Bei meiner Frau kamen ebenfalls *nur* positive Kommentare, und wohlgemerkt sind die, die überhaupt was sagen, alle schlanker – aber wir sind auch in unserem Bekanntenkreis eigentlich immer die Dicken gewesen. Mit Ausnahmen, aber das wird eher indirekt besprochen – bezüglich der Frauen. Dass der Xyz immer dicker wird und der Abc furchtbar fett ist, ist ein offenes Thema, aber dass die Lmnop langsam vor japanischen Walfängern geschützt werden müsste oder die Efghi so ein Schwangerschaftsbäuchleinchen hat, sagt denen eigentlich keiner – der Männer.

    Das „Ärzte-Problem“ wurde ja auch im Buch und vielen vorangehenden Beiträgen behandelt, aber ich halte von Ärzten, die nicht mit Skalpellen arbeiten, zu wenig, um sonderlich viel auf deren Meinung unter Berücksichtigung ihrer Selbstherrlichkeit zu geben.

    Auch die Aussage von Katies Mann würde ich nicht als „charmant“ bezeichnen – das würde ich jetzt mal einfach als Tatsache ansehen, und dann ist es halt einfach nur ehrlich (was man von seinem Partner auch erwarten sollte). Nun will Frau aber natürlich nicht sowas hören wie „naja, wenn Du ein Teig wärst, hätte ich zu viel Hefe verwendet“, was jetzt unter Männern eher ein Grund für eine Runde Kurzen wäre, von daher stelle ich mal die Frage in den Raum, ob „fatshaming“ oder sowas eher ein reines Frauenproblem ist?

    Wobei ich anmerken muss, dass man mir das ja durchaus vorgeworfen hat, also, nur weil ich Katies vorher-Bild auf die Frage „steht mir das“ mit (wahlweise) „im Vergleich zu einem Kartoffelsack?“ oder „Naja, Burkas sind manchmal schon eine gute Idee“ beantwortet hätte. Es geht hier aber um das *Ungefragte*, nicht um Widerspruch zu „schaut, wie geil ich bin“ von Leuten, die halt *nicht* einfach nur geil aussehen.

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    1. Mona

      Wie meinst du das mit dem Frauenproblem?
      – dass Frauen eher andere Frauen fat-/skinny-shamen?
      – dass von allen eher zu Frauen sowas gesagt wird?
      – dass eher Frauen sich das stärker zu Herzen nehmen, also es sie mehr beeinflusst in ihrem Denken und Handeln?
      – oder meinst du das noch ganz anders?

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    2. Lydia

      Hallo,

      ob „fatshaming“ ein reines Frauenproblem ist? Ich weiß als Frau nicht, ob sich Männer untereinander „fertig machen“. Dass Männer gegenüber dem weiblichen Geschlecht „fat/skinnyshaming“ betreiben, ist oft im Internet zu lesen.

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      1. Ja, dass das im Internet zu lesen ist, ist klar, aber meine Frage zielt auf irl. Und nicht unbedingt auf Männer untereinander, Fatshaming und „Body Positivity“ ist ja nun kein sonderlich von Männern betriebenes Thema, und wenn, käme / kommt das doch eher doof, oder?

        Um das mal klarzustellen: Wenn ein Mann im Internet schreibt, „boah, bist du fett“, wenn eine (fette) Frau fragt, ob sie in xy nicht super-toll aussieht, sehe ich das nicht als fatshaming. Ist sie ja. Das ist *ehrlich*, keine Beschämung.

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      2. Lydia

        „boah, bist du fett“. Na da hoffe ich, dass diese Frau, die in die Runde fragt, wie XY ihr Kleid an ihr aussieht, nie auf dich trifft ;-).

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      3. Also, in den meisten Fällen ist es wahrscheinlich tatsächlich primär ein Frauenproblem, was aber meiner Meinung nach nicht an den Chromosonen liegt, sondern daran, dass Frauen schon immer sehr viel mehr auf ihr Aussehen reduziert wurden und daher in dem Bereich auch besonders empfindlich, bwz. auch neidisch sind.
        Ganz konkret kann ich sagen, dass mein Mann tatsächlich schon ziemlich gefatshamed wurde – und zwar von seiner Familie. Da sind wirklich so richtig böse Sprüche gekommen – und zwar vor allem von den Männern. Ist aber auch eine sehr, sehr merkwürdige Familie, die wahnsinnig viel Wert aufs „repräsentieren“ legt.

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      4. Mona

        „dass Frauen schon immer sehr viel mehr auf ihr Aussehen reduziert wurden und daher in dem Bereich auch besonders empfindlich, bwz. auch neidisch sind.“
        @yannaba, das ist zumindest bei mir so, dass ich empfindlich bin. Ich weiß nicht, ob wirklich aus so einem Grund.

        Ich bin aber nicht wirklich neidisch, außer Neid bedeutet etwas toll finden und anhimmeln. Ich bin empfindlich, weil ich wohl Selbstwertprobleme habe (vielleicht betrifft das viele Frauen und insbesondere in Bezug auf das Aussehen?). Wenn ich irgendwohin gehe und dort viele Frauen sind, die ich hübsch finde, die schöne Kleidung tragen und ich da mit Übergewicht, Akne, Krampfadern und nicht so schöner Kleidung bin, dann will ich da einfach weg und mich verstecken, nur weil ich so bin wie ich bin und die anderen so sind wie sie sind. Dazu muss mich keiner drauf ansprechen, dass ich kaputte Haare habe oder sowas.
        (Ja, das Beispiel ist extrem, aber manche Dinge fühlen sich für mich halt so an. Es muss ja nicht unbedingt das Äußere sein. Wenn man unter sehr sportlichen Leuten geht und als einziger nach 10 Schritten schnauft oder keine 5 kg hochheben kann, wenn man bei einem Umzug helfen will. Es tut halt immer weh, wenn man feststellt dass man so anders ist als man gern sein wollte oder etwas geworden ist, was man nie sein wollte.)

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      5. sarugani

        @ Mona, das ist der Unterschied zwischen konstruktivem und destruktivem Neid.
        Konstruktiv: Das was die hat, will ich auch, ich halt mich jetzt richtig ran, damit ich auch so rank und schlank werde.
        Destruktiv: Wenn ich nicht schlank sein kann, dann darf die das auch nicht sein, die ist bestimmt magersüchtig.

        Ich hab erst einen „du musst jetzt aber nicht mehr abnehmen“-Kommentar gehört und die (schlankere, selbst frisch nach Geburt ihres Babys) Freundin war wahrscheinlich ernsthaft besorgt, weil ich in einem Jahr 20 Kilo abgenommen habe und das wirklich auffällt. Als ich ihr dann sagte, dass ich wenigstens Normalgewicht haben will, hat sie das durchaus verstanden und seitdem nur noch Komplimente gemacht.
        Vor übergewichtigen Kolleginnen und Kollegen muss ich mich hingegen dauernd rechtfertigen – es wird gelobt, wieviel ich abgenommen habe und dann wird mir entweder nicht geglaubt, dass ich das nur durch Kalorien zählen und weniger essen als verbrauchen hingekriegt habe, oder es werden mir Süßigkeiten aufgenötigt („du hast doch jetzt so viel abgenommen, da kannst du dir doch mal was gönnen“ – ja, kann ich, mach ich auch manchmal, aber ich entscheide bitte selber was ich mir gönne und wie viel davon und weil ich heute im Büro 10 extrem leckere Weihnachtsplätzchen gegessen habe, gibt’s zum Abendessen gleich nur noch Salat.), oder ich bin der Freak, der sämtliche Lebensqualität sausen lässt, um schlank zu sein („Salat? Das ist doch kein Abendessen, da gehört doch mindestens ein Rumpsteak dazu!“). Die schlanken Kolleginnen und Kollegen nicken nur, wenn ich sage, wie ich abgenommen habe – die wissen nämlich selber, wie das funktioniert, bzw. wie man schlank bleibt.
        Meine Mutter ist eine komische Person, mein Leben lang hat sie rumgemäkelt, ich wär zu pummelig, dann hab ich zwischen 2 Treffen (Weihnachten ’15 und Anfang Juli ’16) ganze sagenhafte 6 Kilo abgenommen und sie war total aus dem Häuschen, Ende Juli sagte ich ihr ganz stolz, dass ich noch 2 Kilo mehr abgenommen hatte und sie wollte mir nicht glauben, dass das in 3 Wochen durchaus machbar ist und beim nächsten Treffen Mitte November – da fehlten seit dem Treffen im Juli immerhin schon 12 Kilo oder so, da hat sie das gar nicht mehr kommentiert.
        Meine Schwiegermutter hat mich dafür nach einer Video-Skype-Session mit mehreren Leuten nochmal separat angerufen, um zu sagen, wie toll ich aussehe, da ist mir ganz warm ums Herz geworden.
        Und solange mein Partner und ich uns gegenseitig unterstützen und Komplimente machen, pfeif ich darauf, was der Rest der Welt denkt oder sagt – jedenfalls, solange er nichts Konstruktives, Hilfreiches oder Nettes sagt 😉

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    3. annesch

      Ich glaube nicht, dass nur Frauen bodyshamen, auch im RL. Ich erinnere mich an eine Gruppe von Freunden/Bekannten vor einiger Zeit im Restaurant: Einer sagte über eine Frau an einem anderen Tisch, als diese Gruppe aufstand und ging: „Also das sind ja Sauerkrautstampfer, und das in dem Rock!“. Kontext: Die Gruppe, die Frau hatte nichts mit uns zu tun, hat nicht rübergeschaut, hat nicht um seine Meinung zu dem Rock oder ihren Beinen gefragt, hat nicht auf dem Tisch getanzt. Noch mehr Kontext: Es handelte sich bei dem Rock um einen ganz schlichten, knielangen Rock, bei der Frau um eine ganz normale Frau mittleren Alters mit völlig normalen Beinen, auch wenn sie jetzt keine „megaschlanken Knöchel“ hatte.
      Ich habe in letzter Zeit öfters über diese Szene nachgedacht und werde, denke ich, auch mal den Betreffenden drauf ansprechen. Die pure Annahme, es sei ok, dass er eine solche Bemerkung macht, dass er sich berechtigt hält, sich zum Mode-/Aussehenskritiker aufzuschwingen – das finde ich inzwischen doch ziemlich daneben. Die Haltung dahinter scheint mir zu sein: das und das beleidigt meine ästhetischen Ansprüche, daher hat die Person (egal ob männlich oder weiblich) nicht so herumzulaufen – und das ist völlig daneben. Da ist die Forderung, dass alle, die keine straffen Oberarme haben, nur noch mit langärmeligen Shirts rumlaufen sollten, nicht weit, oder die Forderung, alle mit Doppelkinn sollten sich eine Kinnbinde zulegen.
      Ich bin dem „Normalgewicht“ näher gerückt und traue mich jetzt öfter, mehr und andere Röcke zu tragen – aber nichts, was gegen irgendwelche Ästhetiksensibilitäten verstoßen würde (meiner Ansicht nach). Es hat einfach mit mehr Selbstbewusstsein und einem leichteren Gefühl zu tun. Aber selbst wenn es gegen irgendwelche „ästhetischen Maßstäbe“ verstoßen würde, würde ich mir Kommentare verbitten, solange ich mich wohlfühle. Da würde ich unterschreiben, dass Frauen nicht als Objekte zur Beurteilung (ob positiv oder negativ) durch die Straßen laufen und daher auch nicht die „Pflicht“ haben, nicht gegen irgendwelche willkürlichen ästhetischen Maßstäbe zu verstoßen.

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      1. Mona

        @annesch
        Ich überlege, wie du das machen kannst ohne als „was man sagen darf“-Polizei rüber zu kommen. Der Gastbeirag nennt sich Körperpolizei. Die von dir beschriebene Person verhält sich ja als Körperpolizei, wenn sie äußert, dass jemand anderes den Rock nicht tragen sollte, also ästhetische Maßstäbe hat. Wenn du ihn drauf ansprichst, dann heißt das doch, dass du Maßstäbe hast, wo der andere dagegen verstößt indem er solche Kommentare über den Körper anderer Menschen äußert. Ich hoffe, man versteht, was ich meine.
        Dabei sehe ich natürlich, dass es etwas anderes ist, ob ich
        – jemanden, den Betroffenen, persönlich anspreche und frage, wieso er das so macht und ob er das ok findet
        oder
        – anderen Menschen, nicht dem Betroffenen, erzähle „Sauerstampfer….Rock…“ quasi = schaut hin, wie hässlich, wieso traut sie sich das meine ästhetischen Maßstäbe zu beleidigen.

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  6. Mona

    „Steht der auf sowas? Wenn Du Dir alles weghungerst, dann siehst Du ja wie ein Kind aus.“

    Das schockt dich nicht? Mich schockt es schon halbwegs, indem ich das nur hier lese! So unterschiedlich sind Menschen.

    „Du bist ja nur noch Haut und Knochen“, „Du hast ja gar kein Leben mehr im Gesicht“, „Das ist ja auch nicht mehr attraktiv“, „Was wiegste denn noch?“… und blah, blah, blah…

    Grausig…was hat sie sich denn von diesen Aussagen erhofft? Sollte das zu irgendwas führen, außer dass sie dir mitteilt, dass sie dich schlecht aussehend findet mittlerweile? Hast du ihr dann gesagt, dass man so nicht mit Menschen redet, weil das übergriffig ist?

    Ich finde dich auf den Fotos ganz normal, sportlich halt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dich in normaler Kleidung für zu dünn hält, du siehst ja nicht zerbrechlich aus oder so. Dein Körper ist doch stark und das sieht man, auch wenn alles bedeckt ist anhand der Körperhaltung.

    Ich halte seit 5 Monaten einen BMI von 20. Nächsten Sommer möchte ich auch auf 19, weil ich noch genug Fett habe und ruhig fitter sein könnte. Ich hoffe die Vorkommentatoren haben in meinem Fall Unrecht. Ich bin ja so langsam beim Abnehmen, das fällt kaum jemanden auf und ich bin zu empfindlich um Kommentare zu meinem Körper auszuhalten. Vielleicht bin ich durch deinen Beitrag jetzt vorbereitet und werde auch nicht sehr geschockt sein, falls doch was Fieses kommt. 🙂

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    1. annesch

      @mona Auf Deinen Kommentar zu meinem Kommentar kann ich leider nicht direkt antworten, lässt das Kommentarsystem irgendwie nicht zu m).
      Danke, aber da Du weder mich, noch den Betreffenden, noch unsere üblichen Kommunikationsebenen kennts, brauchst Du Dir nicht den Kopf zu zerbrechen, wie ich die Sache anspreche, ohne als Gesinnungspolizei oder PC-Polizei rüberzukommen.
      Denn das war ja wahrscheinlich gemeint, denn Körperpolizei trifft nicht zu, denn weder will ich seinen Körper kritisieren, noch will ich den Körper der Betreffenden als den gesamtgesellschaftlich geltenen neuen ästhetischen Maßstab etablieren.
      Was ich rüberbringen will, ist, dass jede Person sich so kleiden kann, wie sie will, und dass sie nicht auf der Welt ist, subjektiven ästhetischen Maßstäben zu genügen, dementsprechend auch nicht deswegen, ob hörbar oder nicht, runtergemacht werden soll. Sie trägt z.B. einen Rock, weil sie sich darin wohlfühlt und draußen eventuell die Sonne scheint und sie gern Sonne auf den Beinen hat oder jemand anderes trägt zerissene Jeans zur Opernpremiere. So what?
      Oder um andere Beispiele zu nennen, um mal von dem Fokus dick-dünn (wobei die Frau mit dem knielangen Rock definitiv nicht dick war) wegzukommen. Als ich mal mit einem (anderen) Freund im Museum war, stieß er mich kichernd (wir sprechen von einem erwachsenen Mann über dreissig) an und wies auf einen fast zwei Meter großen Mann, dessen lange Hosen über den Knöcheln endeten: „Guck mal, in was für Hochwasserhosen der herumläuft, wie bescheuert!“ Mir kam seine Bemerkung unglaublich pupertär vor – ich meine, es fiel tatsächlich auf und ich habe mir auch Gedanken gemacht, wie so etwas passieren kann: vielleicht war er zu einem Kurz-Besuch in der Stadt und hatte morgens eine Tasse Kaffee auf die Hosen bekommen und sich welche von einem Bekannten/Verwandten geliehen? Aber was ich so daneben fand, war die absolute Häme, die in der Bemerkung rüberkam.
      Oder kürzlich sollte ein ehemaliger Fußballer, Legat, glaube ich, in einem Quiz Fotos von Prominenten erkennen. Es gelang ihm bei einem Foto nicht, und er fragte: „Wer ist denn diese Hackfresse?!“ (Auf eine Frau bezogen, auf einen Mann wär’s genauso daneben.) Es war ihm dann furchtbar peinlich, als er erfuhr, dass es sich um eine zur Zeit sehr erfolgreiche Sportlerin handelte und er entschuldigte sich öffentlich. Die Frage ist, ob er sich auch entschuldigt hätte, wenn er auf einer Party über eine unbekannte, unberühmte Person denselben Spruch gebracht hätte, oder ob er das ok gefunden hätte.

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      1. Mona

        @annesch
        Ich meine nicht dein konkretes Beispiel, sondern allgemein in solchen Situationen. Ich hab dein Beispiel halt auch als Beispiel genommen. Ich glaub, da ist ein Missverständnis.

        „Er“ ist die Körperpolizei in dem Beispiel.
        Du sagst:
        „Was ich rüberbringen will, ist, dass jede Person sich so kleiden kann, wie sie will, und dass sie nicht auf der Welt ist, subjektiven ästhetischen Maßstäben zu genügen, dementsprechend auch nicht deswegen, ob hörbar oder nicht, runtergemacht werden soll.“

        Dann kann er doch genauso sagen:
        „Was ich rüberbringen will, ist, dass jede Person sagen kann, was und wie sie will, und dass sie nicht auf der Welt ist, subjektiven moralischen Maßstäben zu genügen, dementsprechend auch nicht deswegen, ob hörbar oder nicht, runtergemacht werden soll.“

        Dadurch würdest du als Gesinnungspolizei dastehen, oder nicht?
        Naja, immerhin hat er der anderen Person nicht ins Gesicht „…Sauerkrautstampfer…“ gesagt. So viel Anstand kennt er wohl.

        Das mit der Hose ist ein ziemlich harmloses Beispiel. Außergewöhnliches schaut man doch meistens an. Lachen will man nicht, aber besser als fiese Urteile an den Kopf geschmissen zu bekommen. Lachen ist nicht immer fies, find ich. Kommt auf den speziellen Humor an.

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    2. annesch

      @mona Interessant ist, dass Du nicht auf das Hackfresse-Beispiel eingehst. Aber bitte, wenn Du eine gesellschaftliche Atmosphäre vorziehst, in der jeder die Fiesheiten, die ihm über das Aussehen der anderen Menschen einfallen, ohne Nachdenken raushaut, ist das natürlich deine Sache.
      Ebenso, wenn es Dir Spaß macht, solche Bemerkungen zu machen oder zu hören – frag mal die Betroffenen, ob es „witzig“ ist oder ihrem Humor entspricht. Ob die Frau im knielangen Rock oder der Mann in den zu kurz wirkenden Hosen die Bemerkung gehört hat oder nicht, kann ich weder mit ja oder nein beantworten, aber es war jeweils möglich, dass sie es hörten.
      Das Problem mit Mobbing oder Bodyshaming oder Kleidungs-Shaming ist, dass Du nicht einteilen kann: das ist nicht ok zu sagen und das ist ok (weil Du es lustig, zutreffend, gerechtfertigt etc. findest, weil der Betroffene es nicht hört), denn es ist der kontinuiertliche Ausdruck einer abwertenden Haltung.

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      1. Mona

        Ziehe ich doch gar nicht vor, annesch.
        Ich gehe nur davon aus, dass fiese Menschen fies zu mir sein werden, wenn ich sage, dass es sie nichts angeht, welchen Rock die Frau trägt oder nicht trägt.
        Ich bin doch auf deiner Seite, mich hat es nur interessiert, wie man das am besten macht, ohne dass der „Körperpolizist“ mich angreift oder mich als Gesinnungspolizei ansieht. Ich glaube einfach nicht, dass so ein „Körperpolizist“ dann sagt „ok, du hast recht, ich sollte aufhören über das Aussehen anderer Menschen zu urteilen und mich drüber lustig zu machen.“

        Nur weil man etwas anschaut, heißt es doch nicht, dass man es blöd findet. Nur weil man lacht, heißt es nicht, dass man den anderen auslacht. Wenn jemand ein interessantes Gemälde anschaut und es einen an irgendwas erinnert oder man einfach lachen muss, weil es so anders ist als man es sich vorstellen konnte. Dann ist das nett und nicht böse.

        Die Sache mit der zu kurzen Hose ist doch nur ein Feststellung. Man nennt es halt Hochwasserhose, aber das ist doch keine Beleidigung in Bezug auf das Aussehen. Du hast doch geschrieben, dass dir das auch schon aufgefallen sei, dass die Hose zu kurz ist im Vergleich zu dem, was man sonst erwartet. Manchmal reagiert man halt ein bisschen kindisch/albern, aber man macht das ja nicht so wirklich absichtlich und nicht böse.

        Bei dem Hackfressebeispiel kann man doch nichts anderes machen. Hackfresse ist normalerweise „böse“, da ist es doch ganz natürlich, dass man es nicht zu jemandem sagt und dadurch ist es auch normal, dass man sich dafür entschuldigen sollte.

        Hose: keine Abwertung

        Fresse: Abwertung

        Wenn jemand sagt „schöne Schuhe“ kann das genauso abwertend gemeint sein oder nett gemeint sein. Es gibt auch lustige Schuhe, die man cool finde. Nur weil man lacht ist es keine Abwertung.

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  7. Kari

    „Ich habe mich immer eher als dünn und mädchenhaft empfunden. Das rassige Vollweib mit Kurven war nie mein Selbstbild.“
    Das Äußere an das Selbstbild anzupassen.
    Dazu gehört jede Menge Selbst-Bewusstsein. In sich reinhören, das was man möchte, überhaupt zu erkennen und die Verwirklichung des Erkannten dann durchzuziehen. Das ist schon ohne blöde Kommentare schwer genug.
    Daher: Kompliment an Dich und Danke fürs veröffentlichen. Das ist Denkanstoß und Ansporn zugleich.
    Herzliche Grüße von Kari

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  8. Käse

    Für mich sagt es nur: es ist scheißegal wie dick oder wie schlank man ist, irgendeiner meckert immer.

    Abnehmen um negativer Kommentare zu entgehen wird nicht klappen.
    Na gut, mich motiviert der Gedanke daran nicht wirklich, schon hätt ich deutlich mehr unternommen.

    Möglicherweise gibt es einfach Gewichtsbereiche in denen man „sichtbar“ wird. Vermutlich entsprechend der Gauß’schen Normalverteilung. Wenn ich bestimmte Kommentare nicht ertragen kann/will, müsste ich mich in dem Bereich aufhalten.

    Andere Menschen davon abzuhalten ihre Meinung in die Welt hinauszuposaunen kann ich sowieso nicht, also besser gucken wie man dem ganzen am Besten entgeht: Sich anpassen oder eine gepflegte Scheißegal-Einstellung entwickeln.

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    1. Peka

      Das Problem bei der Gaus’schen Normalverteilung ist hier, dass der breite Teil der Glocke in unserem Land mittlerweile bei bmi 25-28 liegen dürfte. Ist die Frage, ob man um der Unsichtbar(er)keit willen ins leichte Übergewicht möchte. Ich möchte das nicht, zu gross ist mein Benefit durch mittleres Normalgewicht.

      Was die Kommentare anbelangt gebe ich dir Recht. Irgendwer wird immer irgendwas zu bemäkeln haben. Je nach Kommentator und Tagesform gibt es von mir eine ehrliche, nette Antwort, gerne auch mit Humor, bissigen Humor, aktives Ignorieren oder einfach Themenwechsel.
      Gerade beim Thema Gewicht ist mir die Meinung Anderer ziemlich wurscht, dafür habe ich andere Baustellen. Ich verstehe also durchaus, dass sich manche von bissigen Bemerkungen zur Figur verletzt fühlen.
      Nur- Kommentare unerwünschter Art werden sich nicht verhindern lassen. Besser man überlegt sich schon im Vorfeld, wie man reagieren könnte, dann ist die Gefahr sich überfahren zu fühlen nicht ganz so gross.

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    1. Mona

      Die Aufgabe dort ist Wörter einzukreisen, die die andere Person beschreiben. Die Wörter und wie die Person jeweils aussah sieht man, wenn man auf die Datei im Supplementary material klickt.

      Das ist doch etwas komplett anderes als es dem anderen wirklich zu sagen. Ich finde, die Gedanken sollten frei sein. Wenn ich von einer Frisur oder Kleidungsstück denke „Oh hässlich, wieso zieht sie das an?“ und dann „badly dressed“ ankreise, dann heißt es doch nicht, dass ich neidisch oder irgendwie aggressiv bin.
      Ich hab nicht deren Text gelesen, nur das Abstract, da ich keinen Zugang habe.
      Mir kommt der Zusammenhand da seltsam vor. Ich kenn mich aber in solchen Test nicht aus. Ich kann nur nicht glauben, dass da Studienteilnehmerinnen wirklich irgendwie idirekte Aggression gezeigt haben, nur weil sie jemanden als skinny bezeichnen.

      Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber das Outfit und MakeUp in normal angezogen, finde ich arroganter und hässlicher als das wo die Frau im Minirock und bauchfrei da steht. Aber wenn ich nicht jetzt die Aufgabe gesehen hätte, hätte ich mir nicht die Gedanken drum gemacht, welches Styling wie auf mich wirkt und welche Wörter ich einkreisen würde. Heißt das nun, dass ich der Frau in Jeans und Pulli in intra-sexual competition stehe?

      @Käse, ich sehe das auch so, irgendwer meckert immer. Aber das hat meiner Meinung nach nichts mit der Normalverteilung zu tun. Ich vermute eher, dass es einfach irgendeine Eigenschaft einer Person genommen wird und als zu normal kann man ja auch angemeckert werden. Irgendwer meckert immer, auch wenn man schon immer normalgewichtig war oder schon immer „zu dünn“ war.

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  9. Brigitte

    Langsam komme ich auch in den von Euch angesprochenen „Gewichtsbereich“.
    Meine Mutter brachte es gestern, als sie meinen Mann und mich nach drei Monaten wieder sah. *“..noch weniger darf es jaetzt nicht mehr werden“*
    Ich konnte es bei ihr verstehen: sie kämpft um ihr eigenes gewicht ein Leben lang und sie reflektiert nicht all zu viel, was sie darüber sagt. Auch bleibt es dabei, dass sie sich oberflächlich mit den Thema Abnahme beschäftigt, weil sie die Hürden zu stark findet. Ihr Mann ist auch pummelig, beide essen gerne… also geben sie nach aussen die Fettakzeptanz.
    Weil ich Mutti lieb hab, kann ich mich da mal drauf einlassen. Spontan haben mein Mann und ich laut losgelacht, weil ihr Sätzchen absolut in das Klischeé passte.
    Sie äussert auch ein Problem damit, dass ich mich verändere und sie nun eine Machtlosigkeit ihres Alter und ihren Körper betreffend erfahren muss, wie sie meint. ( hach, Mutti, da komm ich auch noch hin…)

    Dennoch: meine Akzeptanz bezüglich dieser Bemerkungen schwindet bei Fremden. Man hat nicht zu kommentieren, wenn ich dick bin. Aber auch nicht, wenn ich dünn bin. Es sei denn, wir sitzen gemeinsam auf einer Rettungsinsel und diese droht zu kentern. Dann mag es ( aus der Ferne betrachtet) nachvollziehbar sein. (…Ironie…;-) )
    Und Ja, meiner Erfahrung nach kommt dieses verhalten durchaus aus neid. Und ich erinnere mich an Tage…Jahre… in denen mich solcher Neid stark betraf. Ich schwanke zwischen Milde und Ärger, den ich auch äußere, wenn ich mir solche Sätze einfange.
    Aber nebenbei überwiegt doch eine schleichende Annerkennung. Im Beruf, bei den Hobbies (fragt mal mein Pferd 😉 , bei uns beiden als Eheleute sowieso. darauf konzentriere ich mich und wir feiern jeden Tag ein kleines Stückchen mehr.

    Wenn ich gerade genau darüber nachdenke: so richtig ärgert mich das ab heute wohl nicht mehr. Schließlich ist auch negative Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit und Neid muss man sich verdienen.

    Also: habt einen schönen Tag!

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  10. Ralf

    Hallo Katie,

    ich lese hier (seitdem ich das Buch durchhabe) sehr regelmäßig den Blog. Bin aber nicht im Forum dabei. Bei mir sind es knapp über 30 KG, die ich seit Jahren sehr gut halte.

    Was ich an den ganzen „Gastbeiträgen“ hier einfach nicht verstehe. Ihr haltet euch an Orten auf, wo die blöden Sprüche (die kennt man auch als Mann) zwangsweise kommen. Da kann man sich nun wirklich VORHER Antworten zurechtlegen auf die 5/6 Standard-ich-Meine-Es-Nur-Gut-Mit-Dir Phrasen.

    Du bist Sport-Mager-Blah-Blah-SÜCHTIG !!! Coole Sache.

    Sucht ist ne Krankheit und darf somit nur von Medizinern diagnostiziert werden. Man könnte solche Sprüche also in die Richtung kontern. „Danke für die Diagnose aber als Arzt kann ich Dich nicht für voll nehmen“ Solche Sätze kann man sich zurechtlegen. Ich hatte es hier vor einigen Wochen schon einmal geschrieben.

    SIE „Ralf gehst Du kotzen?“
    ICH „Willste auch ne Pommes Majo? Ich tue Dir einen aus“
    Seitdem Ruhe.

    Ich halte das für einen sehr großen Unterschied wie man sich darstellt mit dem Gewichtsproblem. Habe ich bei einer Radtour vor mir jemanden wo der Hintern Rechts und Links auf der Motorollersitzbank runterhängt denke ich mir. „Beweg Dich bloß nicht zu viel“ Habe ich vor mir jemanden wo der Hintern Rechts und Links beim Fahrradsattel runterhängt denke ich mir „Spitze – Joggen geht nicht. Das endet im Rollstuhl. Die Person tut was im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Viel Erfolg dabei.“

    Optisch ist es aber dasselbe Bild. Ein übergewichtiger Mensch auf einem Sattel…

    Fahrrad wirkt selbstbewusst
    Roller wirkt Trotzig.

    Ist so 😉

    Weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

    Gruss.

    Ralf

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    1. Mona

      “ Ihr haltet euch an Orten auf, wo die blöden Sprüche (die kennt man auch als Mann) zwangsweise kommen.“
      Es gibt Orte an denen ich anderen Menschen zwangsweise blöde Sprüche an den Kopf werfen muss/darf? 😉

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      1. Ralf

        Na nun komm Mona. Dass da selbsternannte Missionare unterwegs sind ist nun kein Geheimnis. Wir reden hier nicht davon ob das moralisch OK ist, sondern von der Tatsache, dass es gemacht wird.

        Ich kenne Dich nun nicht näher – Im Forum bin ich nicht – aber Sätze wie
        Die Mona muss … der Kuchen darf … die Pocke soll ….

        Hast Du doch garantiert auch schon vor den Latz bekommen.

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      2. Mona

        War ja nur ein Scherz. Mir fallen keine Orte ein, wo ich damit rechnen würde.

        Ich bin im Forum registriert, aber ich lese und schreibe nicht.

        Was du mit dem Folgenden sagen wolltest, verstehe ich nicht:
        „aber Sätze wie
        Die Mona muss … der Kuchen darf … die Pocke soll ….

        Hast Du doch garantiert auch schon vor den Latz bekommen.“

        Was ist die Pocke? Ist das irgendein Dialekt?

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      3. Ralf

        Ich kann auf Deinen letzten Beitrag nicht antworten. Keinen Plan warum. Pocke versteht hier jeder und heißt halt „Dicker Bauch“. Das hätte ich vielleicht allgemeiner schreiben sollen. Gemeint war damit
        DIE MONA muss ab/zunehmen
        DER KUCHEN DARF noch rein… Du kannst es vertragen
        DER KUCHEN DARF nicht rein …..
        Die Pocke ist zu klein/groß.

        Das war damit gemeint.

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      4. Mona

        Ach so. Ne, ich hab zum Glück keine fiesen Kommentare abbekommen.
        Außer von Familie und Verwandten, die beim Übergewicht meinten, ich sei schwanger und wenn ich normal+unsportlich war haben die gesagt: „An dir ist ja nichts dran.“ „Iss mal mehr, du bist so dünn geworden. Isst du überhaupt genug?“ Das mit der Kritik am Schlanksein kam aber nur manchmal von Leuten über 60 und meistens von über 80-Jährigen.

        Hab ich wohl Glück. Wie ich hier schon geschrieben habe, ich bin zu empfindlich für fiese Kommentare und bin ziemlich froh, dass ich sowas wie im Gastbeitrag noch nie ins Gesicht gesagt bekommen habe.

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  11. Jo, das gibt es auch bei Männern:
    „Bekommst Du zu Hause nichts mehr zu essen“ (ich koche selbst)
    „Wenn Du mal krank wirst, hast Du nichts mehr zuzusetzen“ (ich mache Sport, damit ich nicht krank werde)
    „Du siehst ja auch wie ein Biafra Kind“ (nein, die sind bettelarm und hungern nicht freiwillig)

    Am Ende ärgert mich dass dieselben, die sind ungesund ernähren, sich nicht bewegen etc. mir vorwerfen, ich würde meine Gesundheit ruinieren, wo ich doch genau raus bin aus dem Kreislauf und etwas für meine Gesundheit tut nämlich: Gesund essen, viel Bewegen, wenig Alkohol ….

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  12. Yggdrasil

    Der ganze Political-Correctness-Schnellzug hat den Waggon mit dem Aufdruck „skinnyshaming“ noch nicht angekoppelt. Leuten, die durch sehr niedrigen BMI auffallen, darf man noch ungestraft Frechheiten an den Kopf werfen. Dicken Leuten mit hohem BMI eher weniger.

    Kommt aber noch, macht Euch mal keine Sorgen. Wir leben, was das angeht, schon so dermassen in der medialen Filterblase, dass noch ein bisschen weniger Realitaet den Unterschied auch nicht mehr ausmacht 😉

    Zugegeben: kann auch was damit zu tun haben, dass man mit einem BMI von 19 (in einer Gesellschaft mit einem Durchschnitts-BMI von 27 – geschaetzt, hab grad auf die Schnelle keine belastbaren Daten gefunden) eher raussticht als mit einem BMI von 30-35. Bedenke mal: Du bist von 80 kg (bei 1.60) auf unter 50 kg innerhalb eines Jahres geschnippt. Waehrend man bei den schon recht fragwuerdigen 80 kg in der freien Wildbahn gefuehlt noch recht viele Exemplare trifft, ist das bei unter 50 kg bei ueber 30jaehrigen Frauen tatsaechlich recht selten. Und jetzt ist das noch in einer Person vereint – dass man sich da bloede Kommentare anhoeren darf, liegt schon irgendwo nahe.

    Mich wuerde ja mal interessieren, was fuer Sprueche einem so gedrueckt wuerden, wenn man innerhalb eines Jahres von BMI 19 auf BMI 31 liefe. Kann mir nicht vorstellen, dass da nichts kaeme.

    Die hier schon angesprochene LMAA-Haltung ist wohl wirklich zu empfehlen. Ist wohl so: aus der Haelfte spricht der Neid, aus der anderen Haelfte spricht die Sorge – die kriegen’s nur meistenteils nicht sauber formuliert.

    Zu der Thematik „unter Maennern“: skinny/fatshaming gibt’s da auch. Da muss der Unterschied aber schon sehr krass sein, dass das Maennern ueberhaupt auffaellt. Wie oft ist den hier anwesenden Frauen schon auf die Fuesse gefallen, dass der Ehemann das neue Kleid/Frisur/Schmuck/Make-Up gar nicht bemerkt hat? Im Gegenzug: wie oft musste Euer Mann schon nachfragen, ob Euch der neue Anzug/Rasur o.ae. gefaellt? Seht ihr, so sieht’s aus 😉

    Meiner Erfahrung (als Kerl) nach tun sich Maenner uebrigens sehr viel leichter, in gleichgeschlechtlichen Gespraechen auf geaendertes Gewicht hinzuweisen. In gewohnter Maennerart immer ein bisschen poltrig. Was ich da so schon gehoert habe:

    – Hui, Wohlstandsspeck
    – hast auch zugelegt, oder?
    – so ein gewisser Wohlstandsbauch laesst sich auch nicht mehr verleugnen, kann das sein?

    die andere Richtung (viel abgenommen) kenne ich nicht. Ich hab in den letzten 20 Jahren von 65 kg auf 80 kg zugelegt, ganz schleichend. Da waren nie grosse Schwankungen drin. Sollen sich mal andere zu aeussern 🙂

    Was das Auffallen angeht: mir ist letztens ein Kumpel uebern Weg gelaufen (den ich so alle 0.5-2 Jahre mal sehe), der hat von 115 kg auf 80 kg abgespeckt. Ist mir nicht aufgefallen, bis er im Gespraech von selber drauf gekommen ist. Muss an der Winterkleidung gelegen haben 😉

    Sei es wie es sei – ich wuerde mir nicht ueber Gebuehr Gedanken machen ueber das ganze Gelaber. Aussergewoehnliche Veraenderungen im aeusseren Erscheinungsbild provozieren nun mal Reaktionen. Wie schnell das vom Tisch ist, liegt in Deinen Reaktionen begruendet. Siehe Ralfs Blogeintrag.

    Ich wuerd‘ mal sagen: halte das Gewicht jetzt mal 2 Jahre, dann wird Dir aus Deinem Umfeld keiner mehr mit solchen dummen Spruechen kommen. Dann haben die Leute sich naemlich dran gewoehnt, dass Du aussiehst, wie Du jetzt aussiehst.

    Eh ich es voellig vergesse: Respekt! ~1/3 von der Koerpermasse innerhalb eines Jahres weghungern ist mal ne krasse Leistung. Sieht gut aus. Ich mag die Optik von so Hungerhaken [1].

    Gruss Yggdrasil…

    [1] Aetsch 😀

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  13. Da muss man ja auch neidisch werden 🙂

    Das im Fitnessstudio war natürlich tatsächlich das allerletzte – wenn die Chefin oder der Chef das mitgekriegt hätte, hätte es sicherlich böse Ärger für die Frau gegeben. Ich würde aber die missgünstigen Kommentare mancher Personen eher als Kompliment ansehen (obwohl das im ersten Moment bestimmt schwer fällt).

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    1. Frede

      Wäre das möglich gäbe es diese ganzen Artikel wohl nicht. Das Selbstwertgefühl wird nunmal viel über äußere Faktoren gesteuert. Ich bezweifel, dass sich da wirklich jemand von freisagen kann auch wenn es da sicherlich zig Abstufungen gibt. Ich glaube mehr braucht man da ganricht zu sagen.

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      1. GelberRucksack

        Ich glaube, es handelt da eher um eine Art „Selbstwert“-Logik.
        Sollte jeder mal für sich selbst hinterfragen.

        Außerdem: Wenn das, was Andere so sagen, so enorm wichtig ist, ist das, was man selbst so sagt, sicher ebenso wichtig. Also einfach öfter mal was sagen und sich z.B. Kommentare verbitten. Dann gibts bald irgendwo ein Forum, wo Leute ellenlange Berichte einstellen über gemeine Mitmenschen, die sich Kommentare zu ihrem Gewicht verbitten.

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      2. Mona

        Beides stimmt doch irgendwie. In Büchern über Selbstwert steht zumindest immer, wenn man zu sehr drauf achtet, wie andere einen finden oder man sich selbst mit anderen vergleicht, dann geht der Selbstwert in den Keller, wenn nicht allzuviel positive Sachen dabei rauskommen. Aber andererseits machen das ja die meisten Menschen. In der Schule bekommt man den Notenspiegel und weiß wie viele besser sind usw.

        Die Lösung ist dann ja meistens, dass man lernen soll unabhängig von anderen sich anzusehen und selbst überlegen, wie man sich findet oder das was man macht, total egal wie die anderen sind und was die sagen. Also: nicht mit anderen vergleichen und sich um sich selbst kümmern, was man selbst gern machen möchte und wie realistisch das mit den eigenen Ressourcen ist. Der eine Entscheidet sich halt für „Ich will unbedingt einen Marathon laufen und trainiere jetzt 3 mal die Woche dafür und achte auf das Essen, weil Laufen mit wenig Gewicht am besten für die Gelenke ist und mit kaputten Gelenken kann man nicht weit laufen.“, dadurch macht er alles um es zu realisieren und das wird dann auch gehen, wenn keine zu großen Steine in den Weg kommen. Der Nächste sagt „Ich will unbedingt jeden Tag eine Tafel Schoki haben, das mag ich und ich will es mir nicht nehmen lassen. Dafür nehme ich total gern in Kauf, dass ich 15 kg Übergewicht habe. Das macht mir nichts aus. Schoki ist so viel wichtiger für meine Zufriedenheit als jetzt um jeden Preis abzunehmen.“ Der Dritte sagt „ich will unbedingt jeden Tag Schoki und unbedingt einen Marathon laufen. Ich finde meinen Weg.“

        Am Ende muss jeder seinen eigenen Weg suchen. Es sind ganz unterschiedliche Dinge für unterschiedliche Menschen wichtig. Wenn einem ganz wichtig ist, dass alle Mitmenschen ihn mögen und toll finden, dann ist das unrealistisch und dann wird der Mensch vielleicht unglücklich, sobald er auf eine Person trifft, die ihn einfach nicht mag, egal wie dolle er sich anstrengt/verstellt, um gemocht zu werden. Derjenige, der weiß, das er nicht der hübscheste, fitteste, schlauste, reichste aller Menschen sein kann, zumindest eher unwahrscheinlich und noch unwahrscheinlicher alles gleichzeitig, der vergleicht sich vielleicht weniger mit anderen. Genauso ist der zufriedener, der akzeptiert, dass es immer Menschen geben wird, die einen nicht mögen oder zu fett/zu dünn und dadurch zu hässlich finden. Dem ist es dann viel egaler als demjenigen, der von jedem Lob haben möchte.

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  14. eine Frau

    Hm, ich war früher mal etwas dick, aber die meiste Zeit meines Lebens bin ich schlank und sportlich und das gewollt.. und Spaß macht es mir auch. Ich kenn beides, entweder, boah, bist du fett geworden oder halt: Kann im Regen ohne nass zu werden spazieren gehn, bist du magersüchtig? Kotzt Du? Irgendwie scheint die Leute das mächtig zu interessieren, wie man aussieht. Wenn ich den Neid durchschimmern seh, ist es ja noch ok, aber häufig sind die Kommentare abfällig. Hab ich dran gewöhnt. Es scheint auch für Feministinnen keine Regel zu geben. Wenn ich schlank bin und Sport mache, reden die auch nicht besser. Schade. Frauen limitieren sich irgendwie, immer muss einer Vorschriften machen, wie man zu sein hat. Und das sag ich als Feministin 😦

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  15. Frede

    Tatsächlich kenne ich das auch zur Genüge. Manchmal habe ich den Eindruck es wird davon ausgegangen dass eine schlanke Frau keine Gefühle hat.
    Es gibt aber auch Bereiche in denen Abnahmen, auch in niedrige Bereich des Normalgewichts, ausschließlich positiv wahrgenommen werden. Besonders beim klettern fällt mir das auf. Beim Klettern merkt man in ganz besonderer Weise sein Körpergewicht und es ist wohl jedem der sich da ein bisschen länger mit beschäftigt klar, dass es immer besser ist möglichst wenig zu wiegen. Deshalb pumpen Kletterer idR auch nicht, denn Ziermuskeln bringen in erster Linie Gewicht. Und wenn man da hinkommt und erzählt dass man 5 Kilo abgenommen hat erntet man neidische Blicke, aber keine missgünstigen. Anders sieht es natürlich aus wenn man krankheitsbedingt Muskelmasse abgebaut hat, da bekommt man dann Mitleid. Im Tanz- und Akrobatikbereich in dem ich auch noch unterwegs bin sieht das ähnlich aus. Ich glaube das hat viel damit zu tun, dass man sein Gewicht nochmal stärker wahrnimmt wenn man das längere Zeit vorallem an seinen Armen hängen hat.

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  16. Sersi

    Ich find es ja arg was ihr erlebt habt. Ich hab ja tatsächlich bisher nur positive Kommentare zu meiner Abnahme bekommen (bin jetzt am oberen Rand des Normalgewichts), während ich in meiner Zeit als „Dicke“ eher negative Kommentare gekriegt hab. Der einzige der meinte, ich solle mich eher aufs Halten als aufs weitere Abnehmen konzentrieren war mein Hausarzt. Wobei ich mittlerweile weiß, dass er damit meinte, ich solle nicht aufgeben und wieder in meine alten Gewohnheiten fallen und nicht, dass ich mein (damaliges) leichtes Übergewicht behalten soll und er das damals einfach blöd ausgedrückt hat. Meine Theorie ist aber, dass das daran liegt, dass wir in Österreich doch (noch) ein wenig schlanker sind, als die Leute in Deutschland. Der Durchschnitts BMI von Frauen lag 2015 ja bei 24 in Österreich und über 60% der Frauen sind normal oder untergewichtig, weitere 25% sind Übergewichtig. Adipositas ist bei uns vergleichsweise mit 13% noch eher was seltenes und von diesen 13% sind die meisten eher Älter. D.H. bei uns schaut die Norm einfach noch ein bisschen anders aus.

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  17. Pingback: Wasserballett und Jetlag | The last five

  18. ich fand deine Schilderungen sehr interessant. Meine Erfahrung ist als Person mit atypischer Magersucht, dass ich es einerseits schlimm finde, dass mein Aussehen/ Figur oft hemmungslos von nicht Nahestehenden Personen zum Thema gemacht wird und ich mich dann unglaublich schäme. Andererseits macht es mich auch immer stolz, zu höhen, dass mich jemand zu dünn findet. Zur Zeit falle ich mit meinem 19,4er BMI (leider) nicht mehrbauf, was mich dann auch irgendwie kränkt.

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