Wahrnehmung vs. Realität

Die Befragungsseite Gallup hat die diesjährigen Ergebnisse ihrer regelmäßigen Telefonbefragung zum Thema (Über)gewicht veröffentlicht.

Zunächst mal hier die Statistiken zur Entwicklung von Übergewicht und Adipositas in den USA:

oveweightusa

Ganz anders ist offenbar die Wahrnehmung der US-Bürger, laut der aktuellen Gallup-Befragung. Während sich 1990-1999 noch etwa 44% selbst als Übergewichtig sahen, sank diese Rate 2000-2009 auf 41% ab. In den aktuellen Ergebnissen waren sogar nur noch 37% der Befragten der Ansicht übergewichtig zu sein. Gemäß der Zahlen fühlen sich also weniger als die Hälfte der tatsächlich Übergewichtigen selbst so.

Entsprechend sah es auch mit der Absicht aus, Gewicht zu verlieren. Während in der Zeit seit 1950 bei steigenden Übergewichtszahlen auch die Anzahl derer anstieg, die über eine Diät nachdachten, setzt mittlerweile ein umgekehrter Trend ein:

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Interessanterweise scheinen also auch sehr viele Menschen in der Gallup-Befragung der Ansicht zu sein, eigentlich nicht übergewichtig zu sein und dennoch gerne etwas abnehmen zu wollen.

Auch das selbst gesetzte „Idealgewicht“ ist in den letzten Jahren um mehrere Kilo gestiegen.

Fazit auf der Seite:

Body weight is a sensitive topic for many Americans. The U.S. obesity rate has actually risen to its highest point since Gallup began tracking this measure. In the 1950s, many more women than men said they wanted to lose weight — yet in recent decades, men have almost caught up with women in their desire for a trimmer body. On the other hand, fewer Americans now than in the past two decades believe they are overweight, and the benchmark for their ideal weight continues to be set higher.

Kurz: Es gibt immer mehr real Übergewichtige, dennoch nehmen sich kontinuierlich weniger Menschen als übergewichtig wahr und entsprechend rückläufig ist auch die Absicht, abnehmen zu wollen.

12 Gedanken zu “Wahrnehmung vs. Realität

  1. Mika

    Das bestätigt meinen Eindruck. Meine Theorie ist ja dass das daher kommt, das man in unserer Gesellschaft niemanden mehr kritisieren darf (Repräsentiert dadurch das es dann immer heißt: Lass ihn doch, ist doch sein Leben). Ich könnte mir vorstellen das die Leute sich dadurch weniger ertappt fühlen und folglich dann weniger nachdenken.

    Sind nur meine Gedanken =)

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    1. dingsda

      Du kannst doch jemanden kritisieren und ihm trotzdem sein Leben lassen. Du kannst ja sagen, wie Du es machen würdest, aber gleichzeitig ergibt sich daraus halt kein normativer Anspruch. Denn: ja, es ist sein Leben und das darf man so dick oder dünn leben, wie man will. Zum Glück.
      Ich sehe diesen „Gesinnungsterror“ nicht.

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  2. Das zeigt, dass Medien praktisch keine Vorbildfunktion (mehr?) haben. Niemand scheint sich mit Filmstars oder Models zu vergleichen (die in den letzten zwanzig Jahren ganz sicher nicht dicker geworden sind), sondern die Orientierung findet im direkten Umfeld (das sehr wohl zugelegt hat) statt. Die Fixierung der Fat Activists auf „die Öffentlichkeit, die durch die Abbildung dünner Menschen Druck erzeugt“ ist also nichts als eine Schimäre.

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  3. Mona

    Zur ersten Graphik: Hat es irgendeinen Sinn, dass die Jahreszahlen gleichmäßig auf der Achse verteilt sind, aber die Jahre in diesen Abständen beliebig scheinen? Mal sind es 2 Jahre, mal 14, mal 6. Wenn man zwischen 80 und 94 alle 2 Jahre eingetragen hätte, wär der optische Eindruck nicht mehr so heftig, weil der Anstieg viel länger dauern würde, auch optisch.

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  4. Wolfgang

    Passt ja zur den Reaktionen aufs abnehmen. Mit 96 Kilo bei 1,80 Größe hört man dann „Du bist zu dünn“ „du hast ja nix zum zusetzen“ Wer leidet jetzt eigentlich unter der „Körperpolizei“ Die Dicken oder die Dünnen?😉

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  5. jutta

    „Während sich 1990-1999 noch etwa 44% selbst als Übergewichtig sahen, sank diese Rate 2000-2009 auf 41% ab.“

    Wenn ich mir die Gewichtskurven ansehe, dann gab es ab ca. 1978 einen deutlichen Anstieg und ab ca. 1998 eine Verflachung auf hohem Niveau. In den 1990er-Jahren konnten sich vermutlich viele Leute noch daran erinnern, dass sie oder die Menschen in ihrer Umgebung früher schlanker waren und dass sie in letzter Zeit zugenommen haben oder sahen das auf ihren Fotos von vergangenen Urlauben oder Familienfesten. 2000 war der Abstand zu dieser schlankeren Zeit (1970er-Jahre und früher) einfach schon zu groß.

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  6. Rita

    Frau Dr. HERMANN sieht jetzt phantastisch aus!
    Ich habe als junge Frau schon einmal 52 Kilo abgenommen. Danach hatte ich Gallensteine und eine schwere lebensbedrohliche Pankreatitis. In den 30 Jahren danach ging es wieder rauf auf 110 Kilo.
    Das Buch hat mich total überzeugt und motiviert, es noch einmal zu versuchen, um vielleicht den Rest meines Lebens schlank und beweglich zu verbringen.
    Danke !

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  7. Wir hatten neulich auch so eine Situation. Mein Mann und ich waren in der Stadt unterwegs und ich meinte: „Schau mal die Frau dort drüben, dass ist mein nächstes Ziel.“ Er: „Ach Quatsch, die wiegt doch viel mehr als du.“
    Ich hab die Dame dann mal angesproche, weil sie unseren Sohn so süß fand und sie gefragt was sie wiegt. Sie hat 86 kg geantwortet. Da war mein Mann ziemlich paff, das es doch 10 kg Unterschied sind. Wir haben uns dann die Jacken ausgezogen und uns nebeneinander hingestellt. Er hat sogar ein Foto gemacht und ich sah den Unterschied sofort. Er hat tatsächlich noch versucht das wegzudiskutieren. Am Ende kam dann: „Sei froh, dass ich mir andere Frauen nicht so genau ansehe.“😉

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  8. Vor ein paar Tagen erst hab ich mir Gedanken über die veränderte Wahrnehmung gemacht; nämlcih als mein Vater seine Fotoschublade (Ja, die guten alten Fotos aus der analogen Zeit ;-))
    sortiert hat und mir danach einen grossen Packen überlassen hat.
    Ich hatte die Bilder seit meinem Auszug von Zuhause (über 20 Jahre) nicht mehr gesehen und es war lustig, wie ich die Personen darauf mittlerweile einschätzen würde im Gegensatz zu meiner Erinnerung.
    Es gab in meiner meiner Kindheit 3 dicke Frauen in meinem Leben, die damals (80er bis frühe 90er Jahre) als „richtig fett“ galten und 1 dickes Mädchen (Grundschulalter). So richtig mit drüber lästern, dumme Sprüche machen und bösem Reden.
    Ich weiss noch, wie ich als (dünnes) kleines Mädchen drüber sinnierte, ob ein kleiner Hocker unter (oder im) Hintern der einen dicken Frau verschwinden würde, wenn sie sich drauf setzt.
    Oder wie ich dachte, als eine davon schwanger war, dass man an ihr keinen Babybauch entdecken würde, weil es keinen Unterschied machen würde.
    Über die dicke Mitschülerin hab ich damals gedacht, ob bei ihr das Fett raustropfen würde, wenn sie vom Arzt mit Spritzen gestochen wird.
    Und letztens war ich soooo erstaunt, wie NORMAL oder „nur bisschen gut beieinander“ diese Leute auf den Bildern waren! Es ist schon schräg, wie sich die Sehgewohnheiten in nur 3 Jahrzehnten verändern. Krass….
    LG

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