Öffentlich-Rechtliche (Klischee)kacke

Vor ein paar Wochen wurde mir mehrfach ein youtube-Video zugeschickt, in dem eine bekannte deutsche Fatacceptance-Aktivistin, Hengameh, für den Kanal „Auf Klo“ interviewt wurde.

Da ich offenbar mal wieder relevante Entwicklungen verpasst habe, habe ich das mit einem Achselzucken ignoriert und mir gedacht „Ja mei, was soll ich sagen? Eine Fatacceptance-Vertreterin gibt ein Interview auf youtube … und?“ – der Blick ins Video war nun auch nicht soooo spektakulär, als dass ich den Drang verspürt hätte, das unbedingt kommentieren zu müssen. Eben klassische Fatacceptance: Eine Mischung aus Anekdoten über dumme Kommentare, die die Interviewte Hengameh sich wegen ihres Gewichts schon anhören musste und dem berechtigten Hinweis, dass der Körper anderer niemanden etwas angeht … und auf der anderen Seite dann das übliche Abstreiten und Kleinreden der gesundheitlichen Konsequenzen von Übergewicht.

Unter dem Stichwort „Klischeekacke“ werfen sich die beiden Gesprächspartnerinnen etwa Klischees zu, die ihrer Ansicht nach mit Übergewicht assoziiert sind. In einer Reihe mit „hässlich“, „asexuell“, „kindlich“ und „immer am schwitzen“ wird „ungesund“ als offenbar ebenso falsches „kack“-Klischee genannt.

Hengameh führt daraufhin aus: „Was ich zum Beispiel überhaupt nicht leiden kann ist Übergewichtig, weil es sowas normales, [Einblendung in groß: NORMAL?] also was ne Norm sein soll festlegt, und dann ist die Frage natürlich: Über welchem Gewicht oder unter welchem Gewicht? Und ich finde dick oder fett einfach so .. man nennt die Sache bei dem was es ist, so. Das kommt so ein bisschen aus dem englischsprachigen Raum, so fat activism [Einblendung: : FAT ACTIVISM] also Fettaktivismus, dass eben Fett positiv besetzt werden soll und nicht immer nur als eine Beleidigung oder als was schlechtes.“

Etwas später kritisiert sie „Voll viele Leute denken, dass dicke Leute automatisch ungesund sind“.

Die Interviewende ist dabei voll auf Hengamehs Linie und stimmt begeistert ein. Nicht mehr so ganz Fatactivism-Konform hält sie kurz darauf einen Vortrag darüber, dass Bauchfett ja doch gar nicht so gesund ist, aber ein bisschen Junk in the Trunk, also dicker Po und Schenkel dafür so gesund seien, dass sie sogar das Bauchfett ausgleichen könnten. Neuste Studien und so.

Da sie auf diese Studien unglücklicherweise nicht näher eingeht oder gar Quellen nennt, kann man nur spekulieren. Tatsächlich gilt Bauchfett, also speziell das Fett im Bauchraum in und um die Organe als das gesundheitsschädlichste Fett. Allerdings bedeutet das nicht, dass übermäßige Fettpolster am Rest des Körpers deshalb gesund sind. Auch dieses Fett belastet die Gelenke und das Herz-Kreislaufsystem weil diese dadurch gezwungen werden, mehr zu arbeiten und somit langfristig durch die höhere Belastung rascher verschleißen. Und auch dieses Fett birgt absterbende Zellen, die die Entzündungswerte im Körper erhöhen und andere Erkrankungen verschlimmern können.

Dass ein großer Po- und Beinumfang, insbesondere im Verhältnis zu einem geringen Bauchumfang dennoch statistisch gesund sind, liegt eher daran, dass es einen Hinweis auf eine ausgeprägte Muskulatur darstellt. Je höher der Muskelanteil einer Person, desto größer im Schnitt der Beinumfang und desto schmaler der Bauchumfang. Und Muskeln haben im Gegensatz zu übermäßigem Fett tatsächlich eine schützende und gesundheitsfördernde Wirkung, die sogar die gesundheitsschädlichen Effekte übermäßigen Fettgewebes ausgleichen können.

Die Darstellung „Nur weil man dick ist, ist man noch lange nicht ungesund, denn es geht um eine faire Verteilung des Körperfettes“ stimmt also so nicht. Übermäßiges Fettgewebe, also „dicksein“ ist generell nicht gesund. Ein etwas höheres Gewicht durch Muskelmasse dagegen durchaus.

Wie gesagt, die Verharmlosung oder Negierung der gesundheitlichen Risiken durch Übergewicht und „Fett positiv besetzen“ ist nichts, was mich bei einem Fatacceptance-Video besonders überrascht. Klar, es ist ärgerlich wenn Fehlinformationen verbreitet werden, aber würde man sich über jedes derartige Video oder jeden Artikel im Netz aufregen, hätte man bei der Masse an Impfgegnern, Reichsbürgern, AIDS-Leugnern und sonstigen Verschwörungsgeschichten nichts anderes mehr zu tun. Auf youtube kann eben jeder, der eine Kamera bedienen kann, den unsinnigsten Quatsch verbreiten.

Warum ich es jetzt dennoch kommentiere? Wie gesagt, neuste Entwicklungen sind da an mir vorbeigezogen, denn was ich nicht wusste: Der besagte Youtube-Kanal „Auf Klo“ ist Teil eines neuen öffentlich-rechtlichen Medienportals namens „funk“:

funk ist ein Online-Medienangebot der ARD und des ZDF für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 29 Jahren. ARD und ZDF sind gemeinsam Träger und gleichberechtigte rundfunkrechtliche Veranstalter des Angebots. Die Federführung liegt beim Südwestrundfunk (SWR). funk richtet sich an Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die ansonsten kaum oder gar nicht die Fernsehproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sender konsumieren. Das Projekt wird jährlich (Stand: 2016) durch finanzielle Mittel in Höhe von 45 Millionen Euro gefördert, wovon zwei Drittel von der ARD und ein Drittel vom ZDF finanziert werden (Quelle)

Es geht also nicht um irgend ein normales Youtubevideo sondern um ein öffentlich-rechtliches Angebot, welches hier eine unkritische Plattform für Fettaktivismus bietet. Und das finde ich deutlich weniger lustig. Mag sein, dass ich bei Reichsbürgern oder Impfgegnern auf youtube nur die Augen rolle, aber wenn diese in öffentlich-rechtlichen Medien interviewt und unkritisch für ihre tollen, progressiven Ansichten gefeiert werden, hat das eine andere Qualität.

Besonders ironisch wird dies dann, wenn man sich ansieht, was es mit einem der anderen funk-Angebote auf sich hat, nämlich „Auf einen Kaffee mit Moritz Neumeier“, der sich Gedanken übers Weltgeschehen macht – „alles bei einer Tasse Kaffee„. Moritz Neumeier macht schon länger Youtubevideos – allerdings hieß das Format früher, bevor es von den Öffentlich-Rechtlichen eingekauft wurde noch „Auf eine Zigarette mit Moritz Neumeier“ – aber Zigaretten gehen natürlich gar nicht, weswegen die böse Zigarette durch einen akzeptableren Kaffee ersetzt wurde.

Es ist zwar nicht so, dass Moritz Neumeier erklärt, dass Zigaretten gar nicht ungesund sind oder dass „Raucher sind ungesund“ eigentlich bloß Klischeekacke ist … ihre Existenz allein ist bereits ungeeignet für ein Jugendprogramm im Öffentlich-Rechtlichen. Es könnte ja immerhin sein, dass so ein Jugendlicher auf die Idee kommt, dass Rauchen cool ist, wenn so ein sympathischer junger Youtuber raucht … und sowas wollen wir auf keinen Fall!

Worin genau liegt nun der Unterschied zwischen Rauchen und Übergewicht?

Tatsächlich gelten Rauchen und Übergewicht als die beiden größten Gesundheitsrisiken und Hauptfaktoren, was vermeidbare Todesursachen angeht.

In Sachen Krebs ist Rauchen zwar individuell ein größeres Gesundheitsrisiko als Übergewicht, durch die starke Verbreitung von Übergewicht verursacht dieses jedoch insgesamt bereits mehr Krebsfälle als Zigaretten.

Und Todesfälle insgesamt?

In dieser schwedischen Studie kam heraus: „Obese adolescents have the same risk of premature death in adulthood as people who smoke more than 10 cigarettes a day, while those who are overweight have the same risk as less heavy smokers

Erst letzte Woche wurde das statistische Jahrbuch 2016 vorgestellt mit dem Ergebnis: „Rauchen und Übergewicht bleiben der Statistik zufolge gesundheitsbedrohende Laster der Deutschen.“

Und vor wenigen Monaten wurde die bisher umfangreichste Studie zu Übergewicht und Lebenserwartung veröffentlicht, welche zeigt, dass bereits leichts Übergewicht die Lebenserwartung beeinträchtigt und schweres Übergewicht bis zu 10 Lebensjahre kostet. Durch Vermeidung von Übergewicht könnte in Europa jeder siebte vorzeitige Todesfall verhindert werden.

 

Wir halten also fest: Übergewicht und Rauchen sind beide große gesundheitliche Risikofaktoren. Die Öffentlich-Rechtlichen fühlen sich offenbar durchaus berufen, in ihrem Jugendangebot einen gesundheits-erzieherischen Auftrag zu erfüllen und wollen keinesfalls direkt oder auch nur indirekt das Rauchen bewerben oder „cool“ darstellen. Das ist sogar großes Thema. Wie die FAZ schreibt:

Dem Stand-up-Comedian Moritz Neumeier hat man nur die Zigarette weggenommen und ihm eine Tasse Kaffee in die Hand gedrückt. Sein Videoblog, in dem er sich lässig zu aktuellen und weniger aktuellen Themen wie Kritikern, Wiedervereinigung und anderen Schmerzfeldern äußert, ist nun rauchfrei, aber immer noch treffsicher und heißt jetzt eben „Auf einen Kaffee mit Moritz Neumeier“. Statt Zigaretten.

Und parallel dazu wird auf dem anderen funk-Angebot, Auf Klo, dem anderen, ebenso großen Gesundheitsrisiko, Übergewicht eine Werbeplattform geboten, damit die Jugendlichen nicht etwa der Klischeekacke verfallen, Dicksein sei ungesund, weil eben „Fett positiv besetzt werden soll“.

Ah ja.

[Hier bitte den üblichen Rant über „meine Gebühren“ die sowas finanzieren einsetzen]

30 Gedanken zu “Öffentlich-Rechtliche (Klischee)kacke

  1. lekrul

    Stimme dir im Großen und Ganzen zu, aber der Text strotzt vor Tipfehlern.

    Egal, was mich aber stört, ist die Aussage: „Durch Vermeidung von Übergewicht könnte in Europa jeder siebte Todesall verhindert werden.“

    Diese Aussagen sind stets etwas heikel, denn Todesfälle verhindern geht ja nicht, die Leute sterben dann nur an was anderem, und im Durchschnitt später.

    „Durch Vermeidung von Übergewicht vergrößern sie ihre Lebenserwartung.“ hingegen stimmt mit Sicherheit, wenn dabei die Lebensqualität nicht unter die Räder kommt.

    Gefällt mir

  2. Wieder einmal interessant. Ich lebe zurzeit noch mit leichtem Übergewicht (BMI schwankt zwischen 25 bis 25,5). Mein Hausarzt hält es aber für wenig bedenklich, da mein Körperfettwert normal ist, Fettverteilung und Bauchumfang (Masse passen für Größe 38) sind in Ordnung. Also alles bestens. Ich finde so pauschal kann man nicht sagen, dass leichtes Übergewicht schlecht ist und ungesund.

    Dort eigentlich schon, denn es gibt jemanden mit dem ich mich erst seit kurzen wieder wirklich unterhalte. Dem ich wieder lerne zuzuhören, anstatt ihn zu unterbrechen und auszublenden. Dieser jemand sagt mir, dass mein Gewicht noch nicht optimal für mich ist. Ich bin seit kurzem dabei mir von meinem Körper ein seiner Meinung nach richtiges Essverhalten anzuerziehen. Und er möchte einfach nicht mit dem für alle akzeptierten, nicht mal sichtbaren Übergewicht leben. Und erst recht wollte er nicht mit einem BMI von über 40 durch die Gegend laufen.

    Ich bin in zwischen ein recht großer Fan der SetPoint-Theorie (habe ich dir per Mail einmal geschickt) und denke wirklich, dass es für jeden ein Gewicht gibt, dass optimal für den Körper ist. Bei dem er in einem physikalischen Gleichgewicht liegt, dass er über Körpersignale (Hunger, Sättigung und so weiter) steuert. Nur viele (ich würde sagen, 100 % der Übergewichtigen Menschen mit denen ich in meiner Umgebung gesprochen haben) ignorieren ihren Körper auf die ein oder andere Weise. Ich bin der Meinung, man sollte Übergewichtige nicht verurteilen. Man sollte sie nicht dazu zwingen krampfhaft ihr Gewicht zu reduzieren. Sondern einfach dazu ermutigen, ehrlich zu sich zu sein. Einmal ehrlich ihr Verhalten und die Körperreaktionen auf dieses zu bewerten. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Körper mit einem hohem BMI / Fettanteil leben will. Es ist nur leichter für den Kopf sich das einzureden.
    Genauso schlimm finde ich aber auch, wie einige Abnehmwillige auch während der Abnahme weiterhin ihren Körper vernachlässigen und sich in einer andere Richtung von seinen Bedürfnissen entfernen.

    Gefällt mir

    1. Trauerkloß

      Ja, ich ignoriere meinen Körper (so gut es eben geht).
      Denn mein Körper sagt: „Ich hab‘ HUNGER! Nein, keinen Appetit, sondern HUNGER!!“
      Ich nehme seit 2010 Antidepressiva und habe in 5 Jahren 60 kg(!!) zugenommen. Nein, die Medikamente selbst machen nicht dick, aber sie stören das Sättigungsempfinden.
      Seit Februar diesen Jahres nehme ich ab, aber es war nötig, zu akzeptieren, dass ich diese Entscheidung willentlich treffen muss, dass es eben nicht von alleine passiert. Ich nehme täglich etwa 1200-1300 kcal. zu mir. Ich hab‘ es mal mit 1000 kcal. probiert, aber da konnte ich vor Hunger tatsächlich nicht einschlafen.
      Ich habe auch mal ein paar Wochen mit der Diät ausgesetzt, mit dem Vorsatz „schon noch ein bisschen aufzupassen“, aber ich habe direkt wieder zugenommen. Ich bin somit für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich (mindestens so lange ich die Medikamente nehmen muss), meine Nahrungsaufnahme kontrollieren und aktiv steuern muss (wie ein Diabetiker das auch muss).
      Ich denke auch, dass es Menschen gibt, die so etwas wie einen Setpoint haben, d.h. ein Gewicht, das sie problemlos halten, wenn sie ihrem Appetit entsprechend essen, ohne Kalorien zu zählen (das hat bei mir auch jahrelang funktioniert). Glückwunsch! Aber ich glaube auch, dass es mehr Menschen gibt, bei denen das nicht so ist und wenn ich hier die Beiträge des Blogs nehme, durchaus in beide Richtungen. Denn noch weniger als übergewichtig „will“ ein Körper doch wohl untergewichtig sein. Trotzdem gibt es Menschen, die über ihr Sättigungsgefühl hinaus essen müssen, um ihr Gewicht zu halten.

      Gefällt 3 Personen

      1. Mona

        Kannst du mit deinem Arzt nicht besprechen, dass dir dieser Hunger zu schaffen macht?
        Ein Antidepressivum hat bei mir gut funktioniert, aber ich hatte ständig Hunger (auf Süßes), Wassereinlagerungen und dauerhaftes Schwitzen, also nassen Rücken.
        Ich hatte schon irgendwie Angst, dass ein anderes MIttel nicht so gut wirkt. Irgendwann war mein Leidensdruck durch die Nebenwirkungen und meine Fressattacken so groß, dass ich dann doch ein anderes Medikament ausprobieren wollte. Ich hatte zwar ca. 2 Monate große Probleme durch die Umstellung und es fühlt sich alles auch wirklich ein bisschen anders an als mit dem vorherigen Medikament. Die Wirkung ist ein bisschen schlechter, aber auf jeden Fall noch gut genug für mich. Ich war so erstaunt, wie schnell diese Nebenwirkungen weggingen.
        Vielleicht ist das bei dir auch eine Option?

        Gefällt mir

      2. Trauerkloß

        @ Mona
        Ich trau‘ mich nicht😦
        Ich habe schon viele Medikamente ausprobiert und die Kombination, die ich jetzt nehme, hält mich halbwegs stabil. Ich habe zwar massive Nebenwirkungen, aber nehme sie hin, weil ich fürchte, dass eine Umstellung ja auch schief gehen kann und es mir dann wieder schlechter geht. Meine Tochter ist gerade selbst mit Depressionen in der Klinik und ich brauche halt mein bisschen Kraft, um sie zu unterstützen…
        Das mit dem Hunger habe ich für mich so gelöst, dass ich einen Schummeltag pro Woche eingerichtet habe, an dem ich mich satt esse. D.h. zwar in meinem Fall über meinen Bedarf, aber ich schaffe es dann, den Rest der Woche den Hunger zu akzeptieren.
        Ich wollte auch gar nicht groß rumjammern, aber es geht mir darum, dass es wenig hilfreich ist, zu sagen, man müsse nur auf seinen Körper hören. Btw. Depressionen verschwinden auch nicht, wenn man nur mal die schönen Dinge im Leben zu schätzen weiß. Ich bin von meiner Persönlichkeit ein sehr positiver Mensch, aber trotzdem ist da mein psychischer „Phantomschmerz“, der mich, gerade weil es keinen Grund dafür gibt, so hilflos macht.
        Aber ich bin NICHT undankbar, mäkelig, sauertöpfisch und ich bin auch NICHT gierig, maßlos und einfach verfressen.
        Es ist tatsächlich leichter für mich, zu wissen, dass das Leben halt kein Ponyhof ist und ich es eben (z. Zt.) schwerer habe, abzunehmen. Da hat FLÜ echt geholfen, bei mir zu bleiben, meine Probleme beim Abnehmen zu analysieren und Lösungen zu finden. Und ich bin stolz darauf, dass ich es schaffe abzunehmen, auch wenn es nicht einfach ist.
        Und ich vermute mal, dass es Vielen hier aus individuellen Gründen auf die eine oder andere Weise schwerfällt ihr Wunschgewicht zu erreichen oder zu halten, denn sonst hätten sie es ja immer schon gehabt. Hier Selbstwirksamkeit zu erfahren, indem man nicht mehr dem vernichtenden Urteil von Fettlogiken ausgeliefert ist, ist sicher einerseits erleichternd, andererseits aber auch eine in Eigenverantwortung getroffene Entscheidung und anerkennenswerte Leistung.

        Dir, liebe Mona, danke für dein Mitgefühl!

        Gefällt mir

    2. Mike

      Larissa, es freut mich für dich, dass du problemlos dein Gewicht halten kannst, und natürlich ist es nicht so, dass bereits bei leichtestem Übergewicht Knochenerweichung, blutiger Ausfluss, schneller Tod, Supernova der Sonne und Kollaps des Universums ….

      Aber wie so oft begehst du den (verzeihlichen) Fehler, deine persönliche Erfahrung als allgemein gültig zu betrachten.
      Nachdem mein Körper eher Audrey jr. ähnelt (Aus „der kleine Horrorladen“… Feed me!) liegt mein „Setpoint“ bei ca. 350 Kilo… dann dürfte ich so unbeweglich sein, dass ich zwangsabnehmen muss, weil ich nicht mehr durch die Türen passe und die Küche und der Supermarkt unerreichbar sind.
      Ja, mein Körpe sagt am Bratwurststand „hm, lecker, komm schon…“ oder beim Chipstütenregal „Eins geht schon“, beim Burgerbrater „also von einem Burger werde ich echt nicht satt“ usw usw usw…
      Und das ist immer noch so. Nach fast 2 Jahren abnehmen (45 Kilos ins Normalgewicht) und jetzt halten.

      Dummerweise begann mein Körper mich dank der sehr sinnigen Fetteinlagerung als Viszeralfett mich bereits mit 125 Kilos langsam umzubringen, dank nicht mehr beherrschbaren Bluthochdrucks etc. pp….

      Insofern halte ich die Setpointtheorie empirisch für widerlegt, sie gilt nicht allgemein.

      LG
      Mike

      Gefällt 2 Personen

      1. Hallo Mike und Trauerkloß,

        eigentlich mache ich nicht den Fehler meine persönlichen Erfahrungen als allgemein gültig zu sehen. Ja, ich teste und bestätige meine Überlegung gerade an mir selbst. Aber der Grundgedanke ist, dass der menschliche Körper ein System darstellt, dass allgemein gültigen naturwissenschaftlichen Gesetzen folgt. Und das Ziel jedes System ist ein chemisches Gleichgewicht im Energieminium mit seiner Umgebung. Dieses Energieminimum sollte gerade der Setpoint des Gewichts sein.

        Nimmt man an, dass der Körper ein geschlossenes System ist, dass im Austausch mit seiner Umgebung (der Ernährung) steht, sollte sich ohne externe Kraft ein Gleichgewicht einstellen. Das passiert jedoch nur wenn der Austausch ungehindert passiert. Und hier liegt das Problem, den der Austausch erfolgt nur über die Nahrungsaufnahme, welche von uns aktiv oft gegen die körpereigenen Bedürfnisse erfolgt. Also der Kopf entscheidet und nicht der Körper.

        Ich denke man muss hier ehrlich sein und genau an diesem Punkt setze ich bei mir an. Es geht darum wirklich auf seinen Körper zu hören und diese Signale ehrlich umzusetzen. Es geht darum, eben die äußere Kraft, die wir auf das Gleichgewicht ausüben, zu einem Minimum zu reduzieren.

        Auch denke ich, dass der Körper einen bei der falschen Nahrungswahl/Menge sein Missgefallen äußert. Nach einer Umfrage der VuMA geben 40 % der deutschen (Hochrechnung) an, Mittel gegen Sodbrennen zu verwenden. Nun spreche ich aus meiner Verfahrung, als ich stark Übergewichtig war, habe ich die Mittel auch genommen. Seit ich die Strategie fahre auf meinen Körper zu hören, nehme ich sie nicht mehr.

        Einer meiner letzten Gedanken zu dem Thema SetPoint ist, dass Hunger und Stättigungsgefühle keinen Sinn machen würden, wenn sie nicht zu Regulierung des Körpers dienen würden. Der Körper speichert Energie und Nährstoffe zwischen und löst den Hunger bei einem Tiefstand der Speicher aus. Sind diese wieder aufgefüllt, wird das Signal von Hunger auf Satt umgestellt.
        Es gibt spezifischen Hunger bei Nährstoffmangel (habe ich auch schon selbst erfahren als ich meine Ernährung kontrolliert habe).
        Auch man es für den Körper keinen Sinn zu viele Energiereserven anzulegen. Da er hier mehr Energie verbraucht als im Minimum des SetPoint-Gewichts.

        Aber ich will auch niemanden davon überzeugen. Sondern eigentlich nur einen Gedankengang teilen, den ich aus naturwissenschaftlicher Sicht heraus hatte und bei dem ich festgestellt habe, dass ich darüber mein Gewicht reduzieren und halten kann. Und dass sich meine allgemeine körperliche Verfassung verbessert hat.

        Aber Trauerkloß, ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Kontrollmechnismen gestört werden, wenn man in die Gehirnchemie eingreift.

        Gefällt mir

      2. Mona

        @larissa
        Das auf-den-Körper-hören kann doch nur funktionieren, wenn man immer darauf hört. Z.B. bei der Bewegung. Da werden doch sehr viele ausgebremst, weil sie den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen müssen und in ihren Pausen und Feierabend auch viel anderes zu erledigen haben. Ich kann jetzt schlecht sagen: Ich brauche jetzt Bewegung, ich bin in vier Stunden zurück von meinem Spaziergang. Kann ja gut sein, dass der Körper Joggen furchtbar findet (vielleicht zu hoher Puls oder so) und lange Spaziergänge aber total perfekt für ihn sind. Das ist schon ein wichtiger Punkt, wo man dann beim Essen nicht mehr nur auf den Körper hören kann, sondern auch mit dem Kopf entscheiden muss, weil man ja weiß, wie viel Zeit man hat, um sich zu bewegen. Es kann doch keinen Setpoint geben, weil wenn der gleiche Mensch bei anderem Aktivitätslevel einen anderen Hunger, Sättigung, Muskelanteil, Hormoncocktail und sonst bestimmt noch mehr hat.
        Der nächste Punkt ist Schlaf. Wenn ich auf meinen Körper höre, dann würde ich zu spät schlafen gehen und beim Weckerklingeln nicht aufstehen. Das ist doch auch geregelt durch den Kopf, weil man weiß zu welcher Uhrzeit man irgendwo sein will.
        Das würde auch heißen: mit einzelnen Veränderungen in Umwelt und Verhalten würde man jedes Mal einen anderen Setpoint haben. Naja, es ergibt für mich keinen Sinn, weil ich ja dann wiederum aussuchen kann welches Gewicht mein Setpoint ist und dadurch ist es wieder kein Setpoint, weil man den ja durch sein Verhalten relativ frei wählen kann. Wenn ich nur darauf hören würde, was mein Körper sagt, würde ich viel stärker in Depression versinken und mein Körper mich sterben lassen würde, also mich immer kränker statt gesünder machen würde.

        Gefällt mir

      3. Trauerkloß

        @ Larissa
        Ich selbst hatte in meinem Leben auch schon Phasen, wo ich nach Gewichtszunahme gefühlt „von allein“ abgenommen (bis zu 25 kg) und problemlos mein Gewicht gehalten habe. Ohne Diät, ohne Hunger, ohne das Gefühl auf etwas zu verzichten. Das ist super. Auf magische Weise erreicht man ohne Anstrengung sein Idealgewicht. Ich weiß bis heute nicht, welche Umstände das letztendlich bewirkt haben, außer dass ich logischerweise wohl weniger gegessen habe. Dummerweise habe ich deshalb lange geglaubt, dass ich mein Gewicht nicht steuern kann. Dass irgendwelche unerklärlichen Vorgänge Gewichtszu- oder abnahme hervorrufen. Dass der natürliche Verlauf einer Gewichtsabnahme ein leichter ist.
        Wenn das bei dir so ist, dass einfach etwas Achtsamkeit, die bewusste Wahrnehmung eigener Bedürfnisse, ein „von-selbst-schlank-bleiben“ bewirken, bin ich die Letzte, die das bezweifelt. Ich wünsche dir, dass dir das erhalten bleibt. Aber wie du selbst schreibst, lassen sich eigene Erfahrungen nicht unbedingt verallgemeinern.

        Gefällt mir

  3. OK, die Qualitätsmedien mal wieder. Auf Plattformen wie Youtube und Facebook kann natürlich jeder Quatsch und Unsinn verbreiten, damit wurde dies aber lediglich demokratisiert. Oftmals sehe ich Artikel in den Medien über Dinge, von denen ich vermeintlich etwas weiß und mir stehen die Haare zu Berge ob der sachlichen Fehler, Halbwahrheiten, unzulässigen Verallgemeinerungen und falschen Schlüssen. Der rechtliche Hintergrund, Privat oder ÖR ist dabei völlig gleichgültig. Wenn ich dann von dem durch mich erkennbaren Pfusch auf die Menge unbekannten Pfusches schließe, sollte man Zeitungen als Fliegenklatsche und Fernsehen als reines Unterhaltungsprogramm betrachten.

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: 93,1kg und Chili con Bauchweh – abspeckblog

  5. Ich sehe das entspannt. So lange es im Netz noch genug Möglichkeiten gibt, sich neutral über die Risiken zu informieren, machen ein paar Jubelübergewichtige nicht viel aus.
    Im Internet gibt es auch Leute, die an die Hollow Earth mitsamt Lizard People glauben und das absolut ernsthaft verbreiten – ja, sie füllen in England ganze Stadien mit ihren Zuhörern. Und trotzdem läuft noch alles.😉
    Wer sich informieren willl, tut das auch. Wer sich nur meinungsmäßig umpuscheln lassen möchte … der würde sich vermutlich auch ohne knallkopfmäßig benannte Youtubekanäle sein geschlossenes Weltbild basteln.

    Gefällt 1 Person

      1. Das Zeug wird durch eine sehr zweifelhafte Zwangsabgabe finanziert. Das muss ich nicht ernster nehmen als anderes verschleudertes Steuergeld.
        Da finde ich Dinge wie den Mutantenstadel für´s Volksgehirn schlimmer.😀
        (Ehrlich, Bildungsauftrag … my ass!)

        Gefällt mir

  6. Wolfgang

    Sollen sie glücklich fett sein. Ihre Hornhaut an den Füßen wird immer dicker werden. Die Klamotten werden sich in den Speckfalten verhaken. Ihre Gesichter werden sich in anonyme Mondlaternen verwandeln. Und ihre Körpersprache wird zeigen das sie leiden. Glücklicherweise wird ihr Leiden durch vorzeitiges Siechtum beendet werden. Woher ich das weiß? 30 Jahre Fett akzeptiert.

    Gefällt 1 Person

    1. Analoge Halluzinelle

      Ja. Ich war auch so.
      Jetzt werde ich niemanden agitieren, der nicht will. Ich hab nur einfach allen anderen die Verantwortung für mich abgenommen. Aus mir wird kein Mondgesicht.

      Gefällt mir

  7. Der Wechsel von Zigarette auf Kaffee wurde im Kanal von Moritz Neumeier von seiner Frau erklärt: https://youtu.be/mdUAessDWu0

    Ob das nun zur Vorbereitung auf den „Funk“-Einstieg war und ob er wirklich aufgehört hat zu rauchen weiß man allein von den Videos her nicht. Die Aufklärung über die Risiken hat durchaus stattgefunden, es war kein „das gehört sich nicht so“.

    Die Folge AufKlo hatte ich auch gesehen, es als „da verteidigt sich ein bissl dickeres Mädchen halt, dass es sich wohl fühlt und keinen Bock auf abnehmen hat“. Mit Deiner Erklärung muss ich es wohl nochmal schauen. Danke für den neuen Blickwinkel.

    Was würdest Du denn in ein solches öffebtlich-rechtlich finanziertes Angebot stecken?

    Gefällt mir

  8. Ach, lass Die Leute sich doch fett fressen und frueher sterben. Gibt mehr Rente fuer die Ueberlebenden. Grins…
    Und so ’nen fat acceptance social justice warrior willste ja auch nicht im Nachbarbett auf der Pfegestation haben, oder? Ganz boes grins…

    Gefällt 1 Person

  9. Steve

    Schön ist ja auch immer wieder, wie die sich selbst widersprechen:

    Die Dicke ist die voll coole Frau da draußen, und dick ist klarerweise auch schön, aber die Moderatorin hat dann (zuuuufällig) doch BMI 19…warum wohl?

    oder

    H:“Was ich zum Beispiel gar nicht leiden kann, ist übergewichtig, weil halt normierende Scheiße und so…und im Vergleich zu welchem Gewicht überhaupt“
    Und dann bei 7:40: „Deine Nase ist doch mal so voll NORMAAAAAAL!“
    Ach JAAAAAA???!!!!! Normal im Vergleich zu welcher Nase, HÄÄÄÄÄÄÄÄÄ???!!!!!!

    Und was ist bitte „faire Verteilung des Körpergewichts“?

    Von dem ganzen anderen Schwachsinn will ich gar nicht anfangen…

    Gefällt mir

    1. Mona

      Es gibt ja auch genug andere Formen seinen Bauch vorzuzeigen:

      Wenn man Menschen in seiner Umgebung ansieht, sieht man doch auch alle möglichen Bäuche, z.B. im Schwimmbad. Wieso braucht man dann jemanden aus dem Internet, der mit seinem Bauch zeigen will, wie durchschnittliche Bäuche aussehen und dass es nichts wirklich Schlimmes ist. Es hat doch jeder einen Bauch oder nicht? Ich hab jetzt mit BMI 20 auch einen Bauch, ungefähr wie die Frau auf dem Bild, vielleicht bisschen weniger, weil ich glaube, dass ich muskulöser bin. Für einen fettfreien Bauch braucht man doch einen relativ niedrigen Körperfettanteil? Und auch dann bilden sich Hautfalten, wenn man sich beugt. Ich kann nicht so wirklich glauben, dass es Magersüchtigen hilft, dass sie Bilder zeigt. Vielleicht ist das für Leute mit verzerrter Körperwahrnehmung gut?

      Gefällt mir

  10. Jens der andere

    Es schwappt gerade die fat acceptance-Welle nach Deutschland, die in den USA schon Tsunami-Höhe erreicht hat.

    Adipös ist da teilweise das neue sexy.

    Es geht ja nicht darum, daß die eine oder andere Kurve mehr schlecht aussehen oder ungesund sind. Aber weder der heroin chic der 90er noch die wirklich deutlich adipösen Menschen, die man bei den fat acceptance-Leuten sieht, sind gesund. (Ich selbst auch nicht, BMI 32, runter von 36 – was man deutlich und angenehm merkt.)

    Meine Bandbreite ist bei 78 – 99 Kg für „Normalgewicht“. Wenn wir den „Übergewicht“-Bereich dazuzählen, sind das 78-118 Kg, also (in meinem Fall) 30 Kg. Untergewicht noch nicht gerechnet.

    Gefällt mir

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s