Schwere[s]los – wie die DAK Adipösen das Leben schwer macht

In meinem letzten Blogartikel hatte ich angekündigt, die Inhalte der DAK-Studie „Schwere[s]los – Aufklärungskampagne Adipositas“ zu besprechen.

Adipöse Menschen haben in unserer Gesellschaft ein schweres Los. Sie kämpfen nicht nur gegen Pfunde, sondern auch gegen Vorurteile. Viele finden, dass die Fettleibigen selbst schuld sind an ihrer Situation. Dass Adipositas eine ernste Krankheit ist, die behandelt werden muss, sehen nur wenige. (Quelle)

Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie. Findet die DAK.

Ich finde, das zentrale Ergebnis dieser Studie ist, dass meine Krankenkasse Geld für ergebnislose Studien ausgibt statt etwas sinnvolles zu finazieren.

Und damit nicht genug lässt die Interpretation der „Ergebnisse“ auch noch erkennen, dass die DAK ein Konzept von Adipositas hat, das man bestenfalls noch als „fragwürdig“ bezeichnen möchte – insbesondere im Hinblick auf den Teil mit der  „Aufklärungskampagne“.

Die Klage darüber, dass Übergewicht zu wenig auf nicht beeinflussbare Faktoren wie Krankheit(en), Gene oder Stoffwechsel zurückgeführt wird, nimmt einiges an Raum ein in der Kampagnenauswertung.

Da überrascht es nicht, dass jeder Vierte in Deutschland eine negative Einstellung zu Menschen mit Adipositas hat. Mehr noch: Adipositas wird zwar als Erkrankung eingestuft, jedoch von vielen Menschen – zum Teil auch Ärzten – als selbst verschuldet angesehen (Quelle)

„Viele“, das waren übrigens 36% der Befragten.

In „Übermäßiger Nahrungsaufnahme“ sahen nebenbei gesagt nur 6% der Befragten die Ursache für die Zunahme an übergewichtigen Menschen.

Die DAK eiert dann in ihrer Aufklärungskampagne ziemlich herum, was die Ursachen für Adipositas angeht. Man stellt zunächst klar, dass das ja alles ziemlich mysteriös ist mit dem Gewicht:

Die Ursachen für Adipositas sind vielschichtig und von der Wissenschaft noch nicht vollständig geklärt.

Aber irgendwie ist Essen ein Risikofaktor. Ebenso wie Gene:

Unstrittig ist, dass übermäßiges Essen, zu wenig Bewegung und eine ungünstige genetische Veranlagung zu wesentlichen Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas zählen.

Und offenbar auch irgendwie das Gehirn:

Auch psychische Faktoren, Schlafstörungen, chronischer Stress und ungünstige Umweltbedingungen können dazu führen, dass die Balance von Energiezufuhr und -verbrauch ins Ungleichgewicht gerät. Aufgrund der jüngsten Erkenntnisse der Wissenschaft wird heute neben dem Lebensstil und der Energiebalance auch der Steuerung durch das Gehirn eine wichtige Bedeutung zugewiesen.

Irgendwie stellt die DAK also direkte Ursachen – nämlich Energieaufnahme und Energieverbrauch – kommentarlos und gleichwertig in eine Reihe mit indirekten Ursachen wie Gene, Stress oder Schlaf und erweckt damit beim Laien den Eindruck, dass „die Gene“ irgendwie genauso viel Einfluss haben auf das Gewicht wie das Essverhalten. Eine recht neue Metaanalyse kam übrigens erst unlängst zu dem Ergebnis, dass die genetische Veranlagung zu Adipositas keinen signifikanten Einfluss auf die Abnahme hat:

We have observed that carriage of the FTO minor allele was not associated with differential change in adiposity after weight loss interventions. These findings show that individuals carrying the minor allele respond equally well to dietary, physical activity, or drug based weight loss interventions and thus genetic predisposition to obesity associated with the FTO minor allele can be at least partly counteracted through such interventions.

Eine gute Ergänzug zu dem, was ich bereits in Fettlogik im Bezug auf die Zusammenhänge zwischen Genen und Körpergewicht geschrieben hatte. Essen und Bewegung als „Risikofaktoren“ in eine Reihe mit „den Genen“, „Stress“ u.ä. zu stellen wird in der Absurdität vielleicht besser verständlich, wenn man es auf andere Erkrankungen überträgt:

„Alkoholismus ist eine ernste Erkrankung. Risikofaktoren für Alkoholismus sind genetische Veranlagung (kein Witz, Alkoholismus ist genetisch veranlagt), Stress und negative Lebensereignisse sowie regelmäßiges übermäßiges Trinken.“

„Risikofaktoren für das Rauchen sind genetische Veranlagung, ADHS, sich Zigaretten in den Mund stecken und Stress“

Da wird das direkte, selbst beeinflussbare Krankheitsverhalten (Trinken, Rauchen, Überessen) gleichgesetzt mit den externen und größtenteils nicht oder nur wenig beeinflussbaren Risiofaktoren für das Verhalten. Beim Betroffenen wird damit in Kombination mit den restlichen Aussagen der Eindruck gefestigt, das Gewicht sei größtenteils unbeeinflussbar und durch externe Faktoren festgelegt.

Doch am ärgerlichsten ist, dass die DAK auch noch den letzten Rest Selbstwirksamkeit zertritt, indem sie mit dem vollen Aufgebot von Hungerstoffwechsel-Jojo-Effekt-Panikmache zu dem guten alten „Diäten bringen gar nichts!!!“ ansetzt. Auf das bloß kein Übergewichtiger auf die Idee kommen möge, dass er mit „weniger essen“ das komplexe genetische Erkrankungspaket „Adipositas“ beeinflussen könnte:

Dass die Erkrankung so hartnäckig ist, liegt auch daran, dass sich der Körper vehement dagegen wehrt, die überschüssigen Pfunde wieder abzugeben. Das Stoffwechselsystem reagiert nämlich sehr sensibel auf kleine Veränderungen, die früher einen evolutionären Vorteil hatten. Bekommt der Körper weniger Nahrung, zum Beispiel im Rahmen einer Diät, ergreift er sofort Gegenmaßnahmen, um im Falle einer Hungersnot gewappnet zu sein, und fährt den Kalorienverbrauch herunter.

Achtung: Jojo-Effekt

Sobald die Diät beendet ist, strebt der Körper nach einer Wiederherstellung des Ausgangszustands und es kommt zum bekannten Jojo-Effekt und einer Gewichtszunahme. Daher können auch keine einzelnen Diäten helfen.

Oder machen wir es noch deutlicher:

Warum fällt es uns so schwer, anzuerkennen, dass Fettleibigkeit eine Krankheit ist und keine Lebenseinstellung? Man wählt ja auch nicht, ob man einen Schlaganfall bekommt oder Krebs.

Gleichzeitig bringt die Aufklärungskampagne dann wieder Schnipselchen von echten Ernährungsfakten, die jedoch ebenfalls mehr Vewirrung als Fakten schaffen:

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So startet eine Fotoreihe mit halben Keksen, vereinzelten Gummibärchen und Möhrchen, die jeweils 40 kcal „schwer“ sind und offenbar beim Leser den Eindruck erwecken sollen: „Siehste! Um 130 kg zu wiegen, muss man jeden Tag nur 5 Gummibärchen zu viel essen!“ was natürlich vollkommener Unsinn ist. Nun war und ist es mir selbst ebenfalls wichtig, das Klischee des sich permanent vollfressenden Dicken zu korrigieren, aber bitte nicht so. Denn natürlich stimmt es faktisch, dass ein permanenter Überschuss von 40 kcal pro Tag zu einer langsamen Gewichtszunahme führt, aber das bezieht sich immer nur auf den tatsächlich aktuellen Verbrauch. Es berücksichtigt nicht, dass mit steigendem Körpergewicht auch der Kalorienbedarf steigt und wenn ich als schlanker Mensch 1800 kcal pro Tag verbrauche und jeden Tag 1840 kcal esse, die Gewichtszunahme nach wenigen Kilo stoppt. Dann bin ich evtl. einen BMI-Punkt schwerer als zuvor, aber ich werde davon nicht adipös. Mit 68 kg mehr liegt mein Verbrauch um mehrere hundert kcal höher als zuvor und wir sind dann nicht mehr bei einem halben Keks oder fünf Gummibärchen sondern schon bei einer Packung Gummibärchen.

Man bekommt das Gefühl, die Aufklärungskampagne will um jeden Preis den Zusammenhang zwischen Essen und Körpergewicht kleinreden und Übergewicht als ein Schicksal darstellen, auf das der Kranke keinen Einfluss hat. Wenige Seiten später kommt dann eine Fotoreihe:

Für die Kampagne SCHWERE[S]LOS habe ich ganz bewusst „normal” gewichtige Menschen, die mit ihrem Körper zufrieden sind, fotografiert. Diese sollten sich Gedanken machen, wie sie sich mit einer Adipositas-Erkrankung fühlen würden. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Gesellschaft stark auf das Äußere fixiert ist, werden diese Patienten oftmals extrem ausgegrenzt und in ihrem Alltag benachteiligt. Durch den Prozess des Sich-Hineinversetzens in einen adipösen Menschen soll für diesen Verständnis und mehr Mitgefühl geweckt werden.

Das Ergebnis sind selbstbewusst und glücklich lächende Schlanke, die auf Klebezettelchen folgende Sätze geschrieben haben:

– Ich würde mich traurig und einsam fühlen
– Ängstlich, langsam, Selbsthass, depressiv
– Eingeschränkt, unzufrieden, ungesund, nicht akzeptiert, ausgegrenzt
– So, als ob ich in jeder Hand eine Einkaufstüte mit je 5kg hätte, und permanent tragen müsste
– Ich würde mich nicht mehr selbstbewusst fühlen, wahrscheinlich schwach, und ich würde mich zurückziehen
– Unwohl, hässlich, eingeschränkt, außerhalb
– Ich würde mich unwohl, nicht selbstbewusst fühlen
– Krank, hässlich, unbeweglich, so plump, isoliert

Entschuldigung, vielleicht bin ich etwas doof, aber inwiefern ist es gegen Stigmatisierung hilfreich, wenn man unkommentiert positive Fotos schlanker Menschen darstellt, die sich teilweise abwertend und beleidigend mit Zuschreibungen wie „Selbsthass“, „hässlich“, „plump“ über Adipöse äußern? Ist das nicht genau die Stigmatisierung, die die Studie eigentlich bekämpfen will? Aber gleichzeitig wird es als „Verständnis und Mitgefühl“ bezeichnet, wenn man Übergewichtige pauschal als nicht selbstbewusst, unzufrieden und hässlich darstellt? Bitte was?

Das ganze Konzept der Studie und der Kampagne erschließt sich mir nicht und es fällt schwer auszumachen, was die DAK überhaupt als „positives Ergebnis“ durchgehen lassen würde. Die Diskriminierung und das schwere Los der Übergewichtigen schien bereits im Vorfeld als Ergebnis festzustehen, wenn man sich die Fragen näher betrachtet.

Ungeachtet – oder gerade aufgrund – dessen hatte ich spontan die Idee, dass es interessant sein könnte herauszufinden, wie Fettlogik-Leser diese Fragen beantworten. Und dank der Unterstützung von Dr. Johannes Kerner, den ihr möglicherweise schon aus seinem Video zur Biggest-Loser-Studie kennt, konnten wir eine Replikationsstudie mit 157 Teilnehmern aus dem Forum auf die Beine stellen. Die Ergebnisse sind ganz spannend:

Da die Forsa-Umfrager bei der DAK zu den Gründen für Übergewicht eine offene Frage gestellt haben, haben wir das ebenfalls getan. Nun sind solche Fragen fürchterlich auszuwerten, wenn man das wissenschaftlich korrekt macht, aber da wir im Gegensatz zur DAK keinen sechsstelligen Betrag zur Verfügung haben, hier die grafische Darstellung, was die Foristen denken:

tagcloud

Der Großteil der Fettlogik-Leser sieht also Essen/Ernährung als den zentralen Faktor an in der Übergewichtsfrage. Soweit so wenig überraschend und dennoch erfreulich.

Kommen wir nun zu den zehn Fragen, die sich die DAK zur Diskriminierung/ Stigmatisierung Übergewichtiger ausgedacht hat. Meine Kritikpunkte an den Fragen decken sich dabei recht gut mit dem, was im Forum darüber diskutiert wurde. Dort sah man größtenteils dieselben Probleme.

Zwei der zehn Fragen fokussierten auf das ästhetische Empfinden der Befragten:

  • „Ich finde fettleibige Menschen unästhetisch“
  • „Ich finde fettleibige Menschen schön“

Inwieweit diese beiden Fragen für Stigmatisierung oder Diskriminierung einen Aussagewert haben ist fraglich. Optische Präferenz ist etwas sehr subjektives und sagt erstmal nichts darüber aus, wie ich die Person als Mensch ansonsten sehe. Ich muss jemanden nicht attraktiv finden, um ihn als Mensch zu respektieren oder zu schätzen und umgekehrt kann ich auch der Meinung sein, jemand ist objektiv gutaussehend, ohne dass ich eine gute Meinung von ihm habe. Ich finde Frauke Petry beispielsweise gutaussehend. Darüber hinaus ist die Frage unscharf gestellt. Es gibt schöne Menschen, die fettleibig sind und es gibt nicht-fettleibige Menschen, die ich nicht ästhetisch finde. Das lässt sich nicht pauschal beantworen. Die Frage „Ich finde Fettleibigkeit schön/unästhetisch“ wäre hier meiner Ansicht nach wesentlich passender gewesen um klarzumachen, dass es hier lediglich um eine isolierte Eigenschaft geht.

Als nächstes die Frage: „Ich frage mich, warum derjenige es so weit hat kommen lassen, dass er fettleibig ist“ … die Frage ist mehr als nur suggestiv. „es so weit hat kommen lassen“ impliziert bereits eine eindeutige Negativwertung. Egal ob Zustimmung oder Ablehnung wird damit bereits vorausgesetzt, dass der Befragte Übergewicht schlecht findet. Was uns die Antwort dann sagen soll … keine Ahnung. Die Zustimmung könnte sowohl als empathisches Mitfühlen ausgelegt werden als auch als harsche Verurteilung. Eine Ablehnung sowohl als Ignoranz („Nein, ich frage mich das nicht, weil es keinen guten Grund für Fettleibigkeit gibt“) oder auch als Ablehnung der in der Aussage liegenden Negativwertung von Übergewicht („Nein, ich frage mich das nicht, weil Dicksein völlig okay ist und es keinen Anlass gibt, irgendwelche Ursachenforschung zu betreiben“).

Ebenso sieht es mit der zentralsten Frage „Fettleibige sind selbst daran schuld, wie sie sind“ aus. Das Wort „Schuld“ impliziert bereits eine moralische Wertung, eine moralische Verfehlung. Bei der Beantwortung ist unklar, ob der Befragte die Frage im Sinne von Selbstverantwortung oder im Sinne von moralischer Verfehlung interpretiert. Im Forum wurde diese Frage ebenfalls diskutiert:

Mir hat vor allem die „sind sie selbst schuld?“-Frage Schwierigkeiten bereitet, weil ich es in dem Kontext total doof finde, von „Schuld“ zu sprechen.
Haben Übergewichtige zu viel gegessen und ihr Übergewicht damit selbst herbeigeführt? Da würde ich klar „ja“ sagen. Auch zu „verantwortlich“.
Aber „Schuld“ fragt ja (aus meiner Sicht) auch nach der Ursache dahinter, und das ist nicht so einfach. (Außerdem ist „schuld“ klar wertend, was Mist ist.) Da spielt die Erziehung, Vergangenheit und der Zugang zu vernünftiger Information eine große Rolle. […] „Selbst schuld“ ist ein hartes Urteil, was keinem weiter hilft.

Oder

Bei der „Schuldfrage“ bin ich auch hängengeblieben. Einfach, weil nach meinem Sprachgefühl der Begriff Schuld einen moralischen Aspekt reinbringt, dessen ich mich lieber enthalten möchte.

Oder

Ich hatte auch mit der Schuldfrage mit am meisten zu knabbern.
Weil ich eben auch schuld sehr negativ besetzt finde und ich glaube, Schuldgefühle hindern einen eher am Weiterkommen – man kann die Frage nach der Schuld auch prima nehmen, um aufzuschieben, etwas zu tun, hatte ich die letzten Jahre auch immer wieder festgestellt.
Ich bin verantwortlich für mein Gewicht, hätte ich als Formulierung besser gefunden.

 

Dieses Dilemma zieht sich auch durch die dritte zentrale Frage: „Ich habe Mitleid mit fettleibigen Menschen„. Auch hier ist wieder absolut nicht klar, was eine Zustimmung oder Ablehnung bedeutet und inwiefern dies für ein positives oder für ein negatives Bild von Übergewicht spricht. Denkbar sind u.a.:

  • Ich habe ein neutrales/positives Bild vom Dicksein und empfinde daher kein Mitleid
  • Ich habe ein negatives Bild vom Dicksein, aber finde, Dicke sind selber schuld und empfinde daher kein Mitleid
  • Ich habe ein negatives Bild vom Dicksein und empfinde Mitleid

Im Forum schrieb eine Userin darüber hinaus, dass sie sich in dem Kontext gegen den Begriff Mitleid sträubt, weil sie ihn als „von oben herab“ empfindet. So ergibt sich dann auch die Möglichkeit „Ich habe ein negatives Bild vom Dicksein aber lehne den Begriff dennoch ab“. Auch hier wäre es weit sinnvoller gewesen, direkt nach der Einstellung zu fragen z.B.: „Ich denke Übergewicht beeinträchtigt die Lebensqualität“

Die übrigen Fragen, „Fettleibige Menschen sind meist lustig“, „Fettleibige Menschen strahlen Geselligkeit aus“ und „Fettleibig sein ist auch ein Ausdruck von Lebensfreude“ zielen offenbar alle auf das Klischee des lustigen, gemütlichen Dicken ab. Diese Fragen sind schlicht vollkommen aussagelos im Bezug auf die Frage nach der Diskriminierung Übergewichtiger. Es wird zwar nach „positiver Diskriminierung“ gefragt, aber was sollen wir mit der Information anfangen, dass einer von zehn Menschen ein klischeehaft-positives Bild von Dicken hat? Hat der Rest nun tatsächlich ein negatives Bild oder ein schlicht realistisches, das besagt, dass die Zahl auf der Waage nicht lustiger oder geselliger macht?

Einzig die Frage „Ich vermeide den Kontakt mit fettleibigen Menschen“ fragt tatsächlich nach Diskriminierung. Hierzu lässt sich nicht viel sagen, ausser dass es mich gewundert hat, dass es tatsächlich eine nicht geringe Zahl von Menschen gibt, die diese Frage mit „Ja“ beantworten. Die Gründe dafür kann ich mir so spontan nicht vorstellen, aber hier liegt „Diskriminierung“ oder „Dickenhass“ vielleicht tatsächlich am nächsten an der Antwort.

„Lieber viel zu dick als viel zu dünn“ ist hingegen einfach nur dumm. Es ärgert mich, wie viel Zeit ich selbst mit der Grübelei über der Beantwortung dieser extrem nutzlosen Frage verschwendet habe.

So, nun sind sicher alle neugierig, wie sich die Antworten der Fettlogik-Leser von denen der DAK-Studienteilnehmer unterscheiden. Also spanne ich euch nicht weiter auf die Folter – die roten Balken sind die Antworten der DAK-Befragten, die blauen darunter die Fettlogik-Leser:

auswertung2

Wie man sieht liegt der größte Unterschied darin, dass die Fettlogik-Leser wesentlich mehr „Schuld“ bei den Übergewichtigen sehen. Interessanterweise haben sie allerdings offenbar gleichzeitig mehr Mitleid.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass die DAK offenbar der Meinung ist, dass der Fokus auf der Selbstverantwortung für das Gewicht automatisch zu einer negativeren Haltung und mehr Diskriminierug führt. Wie man allerdings ebenfalls sieht haben Fettlogik-Leser insgesamt weniger Vorurteile, sowohl im positiven als auch im negativen. Sie sind weniger der Ansicht, dass Adipositas lustig/gesellig/lebensfroh bedeutet, gleichzeitig vermeiden deutlich weniger Befragte den Kontakt mit Fettleibigen.

Möglicherweise muss man also Übergewicht nicht als gottgegebenes Schicksal darstellen um Diskriminierung zu verhindern. Vielleicht geht es im Gegenteil eher darum, die freie Entscheidung zu betonen: Niemand muss dick sein, aber jeder hat gleichzeitig das Recht darauf, so dick oder so dünn zu sein, wie er möchte. Aufgabe (m)einer Krankenkasse ist es nicht, Übergewichtige als bemitleidenswerte, schwache, plumpe, selbsthassende und nicht selbstbewusste Hascherl zu inszenieren, auf die die Gesellschaft mit Mitleid herabblicken soll. (M)eine Krankenkasse sollte die nötigen Informationen und Werkzeuge zur Gewichtskontrolle liefern, damit ich die Wahl habe, was ich mit meinem Körper tue.

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34 Gedanken zu “Schwere[s]los – wie die DAK Adipösen das Leben schwer macht

  1. Die DAK ist eine Krankenkasse und Krankenkassen sollten doch eigentlich wissen, dass sie um der Gesundheit ihrer Mitglieder (und damit ihrer Kosten) willen Übergewicht lieber bekämpfen als schönreden sollten. Mehr und mehr wird propagandiert, dass übergewichtige Leute fast nichts für ihren Zustand können und ebenso fast nichts dagegen unternehmen können, weil [ … ]. Das klingt für mich religiös. Glaube und Auslegung bar jeder faktischen Grundlage – und wer etwas anderes sagt, gehört zu den bösen Fettshamern, die unsere armen Frustfresser gleich noch fetter machen. Denkt man das Geschwurbel zu ende, gibt’s dann bald rituelle Heiligsprechungen von Menschen wie Dr. Nadja Herrman, die’s trotzdem geschafft haben, von Fettleibigkeit auf Normal- oder gar Idealgewicht zu kommen. Nur um zu zeigen ’natürlich geben wir Euch ein Vorbild, aber das ist auch gleich so vergöttlicht, dass niemand von Euch verlangt, diesen Zustand selbst zu erreichen‘. Anbeten genügt. Amen.

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    1. Mona

      Ich kann mir vorstellen, dass die DAK ausgerechnet hat, dass sie nicht an den Gesunden verdienen, sondern einfach an vielen Mitgliedern. Viele Menschen finden sich dick (oder sind das wirklich) und wollen Bestätigung, dass es so in Ordnung ist und sie wenig dafür können. Somit zieht deren Text viele Leute an, die „die Ergebnisse“ positiv finden und zur DAK wechseln können, wenn sie sowieso drüber nachgedacht haben, die KK zu wechseln, weil sie ihre jetzige nicht ganz toll finden. So wird deren Entscheidung zu wechseln erleichtert, da sie jetzt wissen wohin sie wechseln möchten und es dann wahrscheinlicher auch machen.

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      1. Normalerweise würde ich diese Theorie echt bescheuert finden, weil das nicht sehr langfristig gedacht ist. Allerdings geht die DAK gerade total pleite und von daher wäre schon eine kurzfristige Einnahmequelle für sie eine attraktive Option.

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    2. Michael Mendelsohn

      Solange die Kasse die Magenbandoperation zahlt, tut sie ja was. Und vermutlich rechnet sich das auch, wenn man die Folgekosten für Übergewicht gegen die Operationskosten aufwiegt.

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      1. Ich schätze, Sie haben Recht. Magenband-OPs passen wunderbar ins Bild… als das einzige Mittel gegen Adipositas (neben dem Wunder à la Nadja Hermann). Das frustriert mich irgendwie.

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  2. Mopelchen

    Es gibt für mich allerdings noch einen anderen Grund, (extrem) Fettleibige zu meiden. Das ist nicht Ablehnung oder Hass, sondern – so blöd es klingt – Selbstschutz und eigene Unsicherheit. Gerade wenn ich die Person nicht kenne, hab ich keine Ahnung, ob ich ihr als ‚Abtrünnige‘ irgendwie auf den Schlips treten werde oder nicht. Bei Freunden oder direkten Kollegen spielt Körpergewicht genau keine Rolle. Aber schon bei den Kolleginnen aus dem ersten Stock, mit denen ich wenig bis gar nichts im Tagesgeschäft zu tun hab, lauf ich auf rohen Eiern. Ich will keine Krabbenkorbdiskusion vom Zaun brechen. Das bringt mir nichts und kostet nur Energie. Ich muss mit den Leuten ja noch zusammenarbeiten. Und damit meide ich den Kontakt, wo auch immer es sich einrichten läßt. Kann sein, dass das auch wieder meinen Vorurteilen geschuldet ist. Nur mach ich gerade diese Erfahrung immer Mal wieder und, sorry, das muss ich mir nun auch wieder nicht geben.

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    1. Wenn du so von „Abtrünnige“ schreibst, könnte man denken, dass du dich schämst, abgenommen zu haben, statt stolz darauf zu sein. Gerade, wenn du Menschen nicht gut kennst, wirst du doch nicht sofort über dieses Thema sprechen. Und nur durch deinen Anblick fühlt sich doch sicher niemand auf den Schlips getreten. Man kann Themen ja auch aussparen. Du wirst doch einer Freundin, die gerade in einer Krise mit ihrem Partner steckt, auch nicht ausgebreitet von deiner neuen Liebe vorschwärmen oder mit streng gläubigen Katholiken darüber diskutieren, warum du alles was Glauben betrifft, ablehnst, wenn du weißt, dass du sie damit kränken könntest. Oder verzichtest du generell auf Kontakte, weil etwas was du sagst, bei anderen in die falsche Kehle kommen könnte?

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      1. wasserstrom34

        Ich kann Mopelchen’s Haltung nachempfinden.
        Ich selbst bin stolz darauf, mit dem Rauchen aufgehört und stolz darauf, abgenommen zu haben.
        Aber gerade durch diesen Stolz habe ich Angst, als militanter Nichtraucher oder als Abnehm-Heilige (um unterhalb zu zitieren) zu gelten.
        Durch diese Angst spreche diese Themen nicht von mir aus an, sondern werde darauf angesprochen – und schon fängt der Eiertanz an weil ich den Nochrauchern und Übergewichtigen gegenüber ein ganz komisches Gefühlsgemisch habe – ein schlechtes Gewissen, weil ich sie abgehängt habe, Stolz, weil ich es geschafft habe, Mitleid, Schadenfreude und Ungeduld spielen auch noch eine Rolle – nicht gerade eine königliche Haltung.
        Dazu kommt noch, dass das Nachfragen oft unehrlich wirkt; Ich möchte jedoch meine Erfolge nicht zwischen Tür und Angel abwerten.

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      2. Mopelchen

        Du wirst lachen – oder auch nicht – aber: letzteres. Mein Mann und ich haben einen sehr kleinen Freundeskreis von maximal einem Dutzend Personen. Sowohl er als auch ich fühlen uns von großen Personengruppen schlicht überfordert. Parties sind für mich verdammt anstrengend. Nach maximal zwei Stunden bin ich durch. Und ihm geht’s nur wenig besser. Wir mögen unsere Freunde und sind gern mit ihnen zusammen. Aber alles in kleinen Dosen. Und ja, ein Teil dieses ‚Problems‘ ist bei mir auch das Bestreben, den Leuten nicht auf die Füße zu treten. Nicht alles, aber das spielt da definitiv mit.

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  3. sieben6

    Eigentlich ist es unverantwortlich, dass eine renommierte Krankasse wie die DAK solche Falschaussagen publiziert. Erstaunlich, dass der Artikel auf der DAK Seite die medizinische Absegnung erfahren hat – die Studienlage wird den Ärzten der DAK ja auch bekannt sein.

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  4. Robroy

    Harter Tobak – ich muss sagen, ich finde es ja sehr lustig, die DAK-Aussagen zu lesen und mich in mein 1,25 Jahre jüngeres adipöses Ich reinzuversetzen – wirklich sehr mysteriös, warum ich bei meinen Essgewohnheiten 105 kg auf den Rippen hatte. Weiter unten wird’s dann in der Tat beleidigend. Und wenn man bedenkt, dass für so nen Schwachsinn hart erarbeitete Krankenkassenbeiträge draufgehen, ist eigentlich auch der erste Teil nicht mehr lustig.

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  5. SyCa

    Ich kenne kein anderes Thema, in dem der Wunsch nach persönlicher Veränderung derart gehässige, inkompetente und unverantwortliche Kommentare als offenbar erwünscht erscheinen lassen. Als seien die höchst privaten Bereiche Körper, Genuss und Geschmack zum Abschuss freigegeben, sobald das Wort „Gewichtsreduzierung“ fällt.
    Verstehe einer diese Menschen… o_O

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  6. Mona

    „Adipöse Menschen haben in unserer Gesellschaft ein schweres Los. Sie kämpfen nicht nur gegen Pfunde, sondern auch gegen Vorurteile.“

    Tun die Menschen das wirklich? Ich hab das noch nie gehört „Ich kämpfe gegen Vorurteile.“ Gegen die Pfunde kämpft doch auch nicht jeder adipöse Mensch. Ich mag das Wort „kämpfen“ in dem Zusammenhang nicht bzw. auch allgemein bei Sachen, die mit einem selbst zu tun haben, wie Depression, Krebs, …

    Gilt Adipositas allein für sich gesehen wirklich als Krankheit?

    Worüber will die DAK aufklären? Dass Adipositas etwas ist wofür man sich schämen und bemitleiden muss, da man anderen einen schlimmen Anblick zumutet?

    „jeder Vierte in Deutschland“ Das sind ja auch nur 25% der Befragten, die die Adipositas (was auch immer die Befragten drunter verstehen) als negativ (was auch immer das nun heißen mag für den Befragten) ansehen.

    „Dass die Erkrankung so hartnäckig ist, liegt auch daran, dass sich der Körper vehement dagegen wehrt, die überschüssigen Pfunde wieder abzugeben.“
    „Sobald die Diät beendet ist, strebt der Körper nach einer Wiederherstellung des Ausgangszustands und es kommt zum bekannten Jojo-Effekt und einer Gewichtszunahme. Daher können auch keine einzelnen Diäten helfen.“

    Wie haben sie herausgefunden, dass sich der Körper wehrt? Kann es nicht auch sein, dass es ein kognitives Ding ist? Dass die Menschen vielleicht sich das einfach nicht zutrauen oder sich sonstwie sabotieren, weil sie falsche Vorstellungen haben? Wenn sich mein Körper wehrt, dann wehre ich mich gegen mich selbst. Wem nützt der ständige Kampf gegen den eigenen Körper? Das macht das Leben nicht gerade lebenswerter, wenn man den eigenen Körper als Feind ansieht.

    „Man wählt ja auch nicht, ob man einen Schlaganfall bekommt oder Krebs.“

    Wenn ich so leicht etwas gegen Krebs machen könnte, wie ich abnehmen und Normalgewicht halten kann, dann wär Krebs nichts Bedrohliches mehr. Wie kommen sie überhaupt auf die Idee Adipositas und Krebs zu vergleichen? Ich finde auch, dass die freie Entscheidung in Bezug auf Körperfett betont werden sollte bei Erwachsenen. Ich wünschte echt, dass ich Krebs so leicht wegmachen könnte wie überschüssiges Körperfett.

    Es ist so gemein, was die Schlanken des Fotoprojektes denken, wie sich Adipöse fühlen müssten. Sie können sich wohl gar nicht vorstellen, dass Adipöse sich auch hübsch, fröhlich, mutig, stark fühlen können, wie jeder andere Mensch auch? Sind die positiven Dinge ein Privileg der Schlanken?
    Das erinnert mich an Menschen die über viele Generationen nur unter Reichen und/oder nur unter Professoren gelebt haben. Wenn man sie dann fragt wie das ist ohne Schulabschluss und mit sehr wenig Geld auszukommen, da kommen bestimmt auch solche negativen Dinge raus, weil sie einfach keinen Kontakt haben (wollen) zu den Menschen, die viel weniger Bildung und Geld haben. (Ich kenn das auch andersrum, dass Arme Menschen mit wenig Bildung sich sehr unwohl fühlen, wenn sie zu einer Feier eingeladen werden, wo nur Reiche und/oder Akademiker sind.) Nur weil man keinen Schulabschluss hat und/oder sehr arm ist, heißt es nicht, dass man sein Leben automatisch beschissen findet. Man kann sich ja auch über andere Dinge freuen als viel Bildung und viel Geld.

    Wieso nennen sie das „Studie“?

    Ich hab letzte Woche auch den DAK Text gelesen. Mich hat am meisten die Frage nach dem Mitleid beschäftigt. Muss ich Mitleid empfinden? Darf ich kein Mitleid empfinden? Wieso sollte ich jemanden bemitleiden? Ich selbst mag nicht bemitleidet werden. Ich empfinde das auch als „von oben herab“.

    Ich vermeide den Kontakt zu fettleibigen Menschen nicht, dafür hab ich dann immer diese Gedanken, dass ich dem Menschen irgendwie helfen sollte oder etwas über das Buch erzählen oder sonstwas müsste. Ich verkneife mir das natürlich, weil es mir nicht zusteht mich ungefragt einzumischen, obwohl ich dann immer weiter darüber nachdenke.

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    1. > Gilt Adipositas allein für sich gesehen wirklich als Krankheit?

      Jein. Adipositas ist krankhaft, und eine medizinische Indikation – wie Alkohol- oder Nikotinabusus – aber keine eigenständige Krankheit. Es ist eine Diagnose lt. ICD-10, und es gibt „Heilmittel“ – die wären „Abnehmen“, und es gibt Folgeerkrankungen. Ich finde daher Nadjas Ansatz, das mit Rauchen und Trinken zu vergleichen nicht doof, und eine Kampagne mit „fitten Rauchern“ und „fröhlichen Alkoholikern“ wäre ja nun eher doof…

      > Wie haben sie herausgefunden, dass sich der Körper wehrt?

      Von allem, was ich dazu kenne, und das ist Nadjas Buch plus weiterführende Recherchen: Ganz sicher haben sie das niemals rausgefunden, das ist eine leere Behauptung.

      > Kann es nicht auch sein, dass es ein kognitives Ding ist?

      Dafür hingegen gäbe es wohl Belege. Und halbwegs etablierte Therapiemöglichkeiten.

      > Wie kommen sie überhaupt auf die Idee Adipositas und Krebs zu vergleichen?

      Bösartige Panikmache?

      > Es ist so gemein, was die Schlanken des Fotoprojektes denken, wie sich Adipöse fühlen müssten. Sie können sich wohl gar nicht vorstellen, dass Adipöse sich auch hübsch, fröhlich, mutig, stark fühlen können, wie jeder andere Mensch auch? Sind die positiven Dinge ein Privileg der Schlanken?

      Es kann sich jeder fühlen, wie er will, die Frage ist, ob das irgendwie einen Rückhalt in der Realität hat. Die genannten positiven Gefühlchen der „Schlanken“ sind sicher auch nicht immer berechtigt, aber definitv kein Privileg – wie erwähnt, Gefühle kann jeder haben, wie er will. Menschen können aber nur schwer von sich selbst abstrahieren, man denkt grundsätzlich aus einer „ich“-Perspektive heraus. D.h., das ist immer ein „wenn ich so dick wäre, fände ich mich nicht hübsch“ etc. pp., und mehr sagt das auch nicht aus.

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      1. > und eine Kampagne mit „fitten Rauchern“ und „fröhlichen Alkoholikern“ wäre ja nun eher doof…

        Haha, sehr geile Vorstellung. 😀

        > Wie haben sie herausgefunden, dass sich der Körper wehrt?

        Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der Körper wehrt. Aber erst ab einem hinreichend niedrigen KFA. Spätestens, wenn es an die überlebenswichtigen Fettreserven geht.

        Man könnte auch bei „Hunger haben“ schon, von „sich wehren“ sprechen. (Hunger wäre quasi eine Entzugserscheinung ;)) „Sich wehren“ ist halt auch ziemlich schwammig….

        > Es kann sich jeder fühlen, wie er will,

        Sehr gut! Ich glaube auch, dass das tatsächlich auch zum Großteil eine Frage des Wollens ist.

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  7. ortrud

    Hallo, sehr geehrte Damen und Herren!

    Ich habe lang ausgeholt, diesen Kommentar zu schreiben, auch um fuer mich selber zusammen zu fassen:

    Fakt ist nunmal, dass Uebergewicht dadurch entsteht, dass zuviel Energie zugefuegt und zu wenig verbraucht wird. Dies kann aus Unwissenheit geschehen (mangelnde Kenntnis ueber eine gesunde Ernaehrungs – bzw. Lebensweise). Und auch durch die Unfaehigkeit; eine gesunde Ernaehrung – moeglichst in Kombination mit ausreichend Bewegung – entsprechend im taeglichen Alltag umzusetzen.
    Warum ist es ratsam Uebergewicht zu vermeiden? Weil Uebergewicht zu Adipositas fuehren kann, und dadurch viele weitere Krankheiten entstehen. Soweit so gut.
    Ich denke, die wichtigste Frage, die sich eine Krankenkasse also stellen sollte, sei:
    Wie liessen sich diese Folgekrankheiten und- Beschwerden verringern oder sogar schon von vornherein vermeiden?

    Durch AUFKLAERUNG ueber eine gute Ernaehrung, und zwar mit Informationen und Kampagnen, die auf aktuellem Stand sind, statt durch Lebensmittel -Konzerne finanzierte Studien zitieren.
    Und durch ANGEBOTE, die den Menschen konkrete Hilfestellung bieten. Programme, die sowohl auf die unterschiedelichen Lebenssituationen individuell eingehen; als auch langfristig begleitend sind, damit ein dauerhafter Erfolg bei der Umstellung der Ess – bzw. Lebensgewohnheiten erzielt werden kann.

    Weswegen dies wenigen gelingt; liegt – meiner Ansicht nach – an ganz unterschiedlichen Gruenden, welche so individuell sind, wie das Leben eines jeden Einzelnen.
    Sicherlich dienen extreme Ess- ,Trink – oder auch andere Konsumgewohnheiten haeufig zur Kompensation von Problemen, denen tieferliegende psychiche Ursachen zugrunde liegen.

    Diese vorliegende DAK- Studie scheint allerdings an dem Ziel, derlei Probleme „bei der Wurzel“ packen zu koennen, vorbeizugehen.

    Zum EINEN ist die Art der Fragestellungen leider voellig unanbegracht, da sie relativ plump darauf abzielt, Menschen in recht fragwuerdige Kategorien stecken zu wollen und schon von vornherein polarisiert:
    schoen oder haesslich, lustig oder nicht lustig, lebensfroh oder nicht lebensfroh, gesellig oder nicht gesellig, charakterschwach oder charakterstark (schuldig oder unschuldig) ; aesthetisch anzusehen oder nicht aesthetisch anzusehen; bemitleidenswert oder nicht bemitleidenswert…bis hin zu „abstossend – oder nicht abstossend“ /ich vermeide den Kontakt…

    Zum ANDEREN wurden Betroffene selbst gar nicht befragt?

    Den Ansatz, zu mehr Toleranz oder Akzeptanz Menschen gegenueber aufzurufen; die gesundheitliche Probleme haben, halte ich fuer gut und erstrebenswert.
    Unangesehen, ob dies Adipositas-Patienten sind, Alkoholiker, Raucher, Krebskranke, Menschen mit schwerer Akne…die Liste laesst sich fortschreiben.

    Ich gehe wohlmeinend davon aus, dass dies wohl der Hintergrund fuer die DAK war, die Studienteilnehmer im einzelnen darueber zu befragen, welche Meinung oder Emotionen sie gegenueber „fettleibigen“ Menschen haben?

    Interessant waere fuer mich, zu erfahren, wer diese Fragen entwickelt hat (ein Psychologe/Marketingexperte/die Sekretaerin…?) und zu welchen Zweck tatsaechlich?

    Hilft es einem uebergewichtigen Menschen, dass seine Krankenkasse ihm als Patient bescheinigt, dass ihn viele nicht fuer aesthetisch halten? Das einige sogar Kontakt mit ihm meiden? etc etc…
    Weiss er das nicht sowieso bereits aus taeglicher Erfahrung? Ist das AUFGABE einer Krankenkasse, Mitgliedsbeitraege fuer derlei Erhebungen zu auszugeben und zu veroeffentlichen?

    Abschliessend moechte ich noch loswerden, dass ich den Vergleich mit Alkoholikern, Rauchern und auch den Vergleich mit anderen Menschen, die beispielsweise extrem Sport betreiben und dadurch regelmaessig ihre Gesundheit ruinieren, sehr passend finde; um auf die teilweise Absurditaet dieser DAK- Studie aufmerksam zu machen.
    Der Gipfel der Absurditaet war fuer mich die Frage:
    BESSER DICK ALS DUENN?

    Ich selber war mein Leben lang duenn und wurde deswegen auch oft gehaenselt, von Menschen, die dicker waren. Es liegt in der Natur der Gesellschaft, denke ich, dass Menschen die Tendenz haben, sich persoenlich erheben zu wollen ueber solche, die auesserlich anders sind.

    Diese ganze Diskussion erinnerte mich ausserdem an einen Slogan, der einmal sehr populaer war:

    „Ich kann auch ohne Alkohol lustig sein“

    Wobei eigentlich der Nachsatz fehlte:

    „Ich kann auch ohne Alkohol ungluecklich sein“

    Ich kann auch, wenn ich dick bin, gluecklich sein. Oder auch, wenn ich duenn bin – aber eben auch ungluecklich.
    Genauso kann ich mich selber schoen finden, oder von anderen als schoen wahrgenommen werden, oder auch als haesslich oder als „unaesthetisch“.
    Das alles kommt vor.

    Jeder Einzelne sollte vermutlich versuchen, selber die Verantwortung fuer sein eigenes Wohlbefinden uebernehmen. Und Toleranz denjenigen gegenueber, die anders sind, schadet nicht.

    Aufgabe einer Krankenkasse ist es allerdings, solche Dinge zu thematisieren, sondern wirksame Programme zu entwickeln, die hilfreich sind.

    Mit freundlichen Gruessen,

    Ortrud Nolles

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  8. Alex

    Anscheinend haben Knie-Arthroskopien als Nonsens-OPs ausgedient…
    Wirklich übel, wie unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Studien („Lieschen Müller findet mich hässlich, weil ich dick bin“), Menschen in eine bestimmte Richtung gedrängt werden sollen. Besonders über die Frage nach dem Kontakt bin ich gestolpert: was ist denn damit genau gemeint? Interkontinentalflug mit freier Sitzplatzauswahl wahlweise neben 50 oder 200kg oder die Wahl des Lebenspartners? Die Frage, ob Dicke „schuld“ sind, habe ich eher als verantwortlich denn als moralisch wertend verstanden. Das zeigt dann die geschickte Fragestellungen, die einen sehr großen individuellen Spielraum zur Beantwortung überlässt. Wie hoch sind eigentlich die Folgekosten nach Magen-Ops? Weiß hier jemand darüber Bescheid?

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  9. Agnes

    Also wegen den 40kcal zu viel und dann zack – 130kg
    Stellt euch das mal in die andere Richtung vor. Jeden Tag 40kcal zu wenig und nach 10 Jahren ist man dann magersüchtig?

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    1. Käse

      hm… es gibt einige die seit FLÜ angefangen haben exakt so zu rechnen.

      Zum reinen Veranschaulichen find ich das nicht verkehrt. Auch wenn es sehr linear ist.
      Ich bezweifle allerdings dass es bei den meisten so konstant ist.

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      1. Agnes

        Naja, es passiert aber das gleiche wie bei 40kcal zu viel.
        Durch das niedrigere Gewicht hat man einen etwas geringeren Verbrauch und irgendwann sind „Alter Verbrauch – 40kcal“ der neue Verbrauch…..

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      2. Mona

        Ich denke, dass ihr aneinander vorbei redet.

        Käse verstehe ich so, dass man jeden Tag 40 kcal weniger isst als man an dem Tag verbraucht. Da nimmt man natürlich immer weiter ab, weil der verbrauch geringer wird und man da auch noch jedes Mal die 40 kcal abzieht.

        Agnes verstehe ich so, dass man an einem bestimmten Tag (Beginn) feststellt, dass man 2000 kcal verbraucht hat und1960(=2000-40) kcal gegessen hat. Das heißt ja, dass man abnimmt wenn man alle folgenden Tag auch 1960 kcal isst. Die Abnahme stagniert schnell, weil bald der Tag kommt, wo der Verbrauch auch 1960 kcal beträgt und deswegen kann man ja nicht noch weiter abnehmen, wenn man immer 1960 kcal isst. Man kann da nicht wirklich magersüchtig (nur vom BMI) werden, außer man hatte schon relativ starkes Untergewicht am Beginn-Tag.

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  10. Pingback: Schwere[s]Los – Comic – Fettlogik überwinden.

  11. Pazuzupa

    „Ich vermeide den Kontakt mit fettleibigen Menschen“
    Ich sehe das nicht unbedingt als Diskriminierung. Wenn ich einen aktiven und sportlichen Lebensstil habe, dann werde ich mir eher aktive und sportliche Menschen als Freunde suchen als fettleibige.

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    1. tja und solche Freunde wie Pazuzupa will ich auf keinen Fall haben und wenn ich tausendmal Idealgewicht hab. Eines meiner größten Probleme während meiner früheren schlanken Zeit: ich stand dauernd auf der falschen Seite, oder wurde jedenfalls von den anderen der falschen Seite zugeordnet, ausgedrückt durch hämisches Zuzwinkern wenn eine Dicke den Friseurladen betrat oder ähnliches. Nein, zu solchen Leuten will ich ganz sicher nicht gehören, nie. Ich werde mich also bevorzugt mit dicken Freunden umgeben müssen, weil ich selbst als Katalysator um die Spreu vom Weizen zu trennen nicht mehr tauge.

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      1. Youtube Sucks

        Was hat denn hämisches Zwinkern, sich lustig machen usw. damit zu tun, dass man einen aktiven Lebensstil pflegt und deswegen dicke Menschen teilweise meidet?

        Ich hatte mehrere fettleibige Freunde, mit denen ich Dinge unternommen habe, und obwohl ich sie als Menschen schätzte, gingen manche Dinge mit ihnen einfach nicht. Und dazu gehörten schon Spaziergänge, jedwede Art von sportlichen Aktivitäten, aber auch alles mögliche, wo man mal in einen Sitz passen müsste. Ich hab mich deswegen nie über die Leute lustig gemacht, aber es macht mir einfach keinen Spaß, irgendwo hinzugehen, wenn neben einem jemand fast einen Kreislaufkollaps kriegt, jammert, dass die Füße so weh tun, sich alle 20 Meter auf eine Bank setzt, und nach einer Treppe so durchgeschwitzt ist und so schlechte Laune hat, dass sie es an mir auslässt. Ich hab die Person nicht dazu gezwungen, irgendwo hinzulaufen, der Vorschlag ging von denen aus. Man muss aber nicht dick sein, um sich dementsprechend zu verhalten, das möchte ich dazusagen. Ich hatte auch schon mal einen dünnen Freund, der alle fünf Minuten Pipi musste, Hunger oder Durst hatte, dem die Füße weh taten usw., aber die übergewichtigen Leute waren halt alle eingeschränkt und die meisten wurden dann als Resultat aggressiv, schnippisch usw.

        Auf einen Kaffee irgendwo gerne, aber für die meisten Alltagsaktivitäten würde ich mir dann Leute suchen, die fit genug sind, sie durchzuhalten.

        Desweiteren wurden mir auch Diskussionen aufgezwungen, die ich gar nicht wollte, und auch Neid entgegengebracht. Darum habe ich nicht gebeten. Oft kam das aus heiterem Himmel, und oft mit einer echt anstrengenden passiven Aggressivität. Ich kann das jedenfalls nicht mehr ertragen. Ich brauch mit keinem zu diskutieren, der sich ungefragt ständig mit Fettlogik verteidigt – ohne dass ich ihn angegriffen habe, und nervige Diskussionen anfangen will, wieso ja alles nicht klappt und alle gegen ihn sind.

        Und es gibt für mich nix Ätzenderes, als Leute in ihrer selbstgewählten Unfähigkeit ständig bestätigen zu müssen, damit sie sich weiterhin gemütlich als Opfer einrichten können. Den guten Freunden kann ich wenigstens stecken, dass ich an einer derartigen Diskussion wirklich 0 Interesse habe, und die lassen dann auch gut sein, alle anderen mussten leider abgesägt werden.

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  12. Pingback: Die Krankenkassen & die Adipositas – Fettlogik überwinden.

  13. Kerstin

    Zum Thema Vermeidung des Umgangs mit Übergewichtigen: Hier würde ich auch ein (situations/personen-abhängiges) Ja ankreuzen. Nicht, weil ich selbst Dicke diskriminieren würde. Ich selbst bin eine „Naturschlanke“, und ich habe den deutlichen Eindruck, dass alleine das Zusammensein mit einer schlankeren Person dicke Menschen oft dazu bringt, ihr eigenes Übergewicht zu thematisieren. Und das in der Regel durch Weitergabe der ganzen Fettlogiken, die du in deinem Buch so schön entlarvt hast, und mit denen dann begründet wird, warum man selber ja nicht abnehmen könne, aber ich hätte es ja sooo gut, ich hätte ja offenbar einen ganz anderen Stoffwechsel, andere Gene, da könne man halt nix machen etc. pp. Völlig sinnlos, darauf mit Fakten antworten zu wollen. Ich habe den Eindruck, alleine durch meine bloße Anwesenheit permanent für ein schlechtes Gewissen zu sorgen und ich kenne tatsächlich übergewichtige Menschen, die mir jeden Bissen in den Mund zählen als Beweis für die „Tatsache“, dass ich ja „alles essen kann, ohne zuzunehmen“, sie selbst aber nicht. Es ist vielleicht vergleichbar mit der Situation, die einzige Gesunde in einem Krankenzimmer zu sein, oder gerade eine Gehaltserhöhung bekommen zu haben, wenn ein Freund seinen Job verloren hat? Fühlt sich für beide Seiten blöd an… Man selbst hat Schuldgefühle, weil es einem besser geht; die Gegenseite hat vielleicht auch Schuldgefühle, weil sie es nicht „schafft“, und wenn dann noch Neid, Abneigung oder Aggression dazu kommen (gängige Muster in der Begegnung mit „erfolgreicheren“ Menschen), mehr oder weniger unterschwellig, ist das nicht die beste Voraussetzung für ein unbeschwertes Beisammensein. Es gäbe weiß Gott viele andere schöne Themen, über die man sich unterhalten könnte, aber die dicke Person, die nicht von sich aus nach kürzester Zeit über ihre ständigen und vergeblichen Abnehm-Versuche redet, muss ich erst noch finden. Genau so selten wie Raucher, die dazu stehen, dass sie rauchen. 😉 Ich arbeite an meinem Mitgefühl, aber es fällt mir schwer (generell, nicht nur bei diesem Thema). – Ich muss dazu sagen, dass ich an mir selbst und anderen ähnliche Verhaltensweisen in anderen Kontexten erkenne: Wenn z.B. jemand zu erkennen gibt, dass er gut in Mathe ist, redet man sofort darüber, warum man selbst so schlecht darin ist (also, ich zumindest ;), oder wenn man einen Musiker kennen lernt kommt das Thema unweigerlich auf die eigenen gescheiterten Versuche, ein Instrument zu lernen. Das nervt die vermutlich genauso. Nur, dass diese Themen in der Regel nicht so mit (unausgesprochener) Schuld, Schuldgefühlen, Selbsthass, innerer Abwehr etc. verknüpft sind, die eine gelungene Kommunikation so schwierig machen.

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