Adipositas – Der Unterschied zwischen Realität und medialer Darstellung

Vor kurzem ging wieder einmal eine Studie durch die Medien. Die DAK hat die Einstellung gegenüber Adipositas in der Allgemeinbevölkerung erfragt. Zur Studie selbst werde ich noch schreiben, heute soll es jedoch nicht um Text gehen sondern um das, was noch mehr als (tausend) Worte sagt: Die Bilder.

Die meisten großen Nachrichtenportale bebilderten ihre Artikel mit dem Bild einer Person, die – gemäß dem Inhalt des Artikels – Adipositas, bzw. Fettleibigkeit darstellen sollte.

Adipositas ist der Begriff, der für einen BMI über 30 gilt. Hierbei gibt es noch drei weitere Abstufungen, nämlich Adipositas Grad 1 (BMI 30-34,9), Adipositas Grad 2 (BMI 35-39,9) und die schwere morbide Adipositas Grad 3 (ab BMI 40). Auf der Seite der deutschen Adipositas-Gesellschaft finden sich die ungefähren Zahlen zur Verteilung innerhalb der Kategorien. Diese sieht ungefähr so aus:

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3 von 4 Adipösen fallen also in die Kategorie von BMI 30-34,9 und nur ein kleiner Teil ist schwer morbid adipös. Ich selbst war mit 150 kg bereits weit in dieser Kategorie. Damals sah ich so aus:

me138

Damit war ich also bereits innerhalb der Kategorie der Adipösen eine Minderheit. Doch wie sieht die Mehrheit aus? Ich habe im Forum herumgefragt und einige der Mitglieder waren so freundlich, mir Fotos zur Verfügung zu stellen, die sie im BMI-Bereich 30-35 zeigen.

Das sind adipöse/fettleibige Frauen:

bilder1w

Und das sind adipöse/fettleibige Männer:

bilder1m

Als nächstes habe ich mir die Fotos zu den Artikeln in den großen Medienportalen angeschaut. Das waren häufig dieselben Agenturfotos, aber ihr dürft raten, in welcher Adipositaskategorie die abgelichteten Personen waren. Hier eine kleine Collage:

bilder2

Wie deutlich zu erkennen ist, handelt es sich bei allen Bildern um Menschen, deren BMI deutlich über 40 liegt und die morbid adipös sind. Der einzige mögliche Ausnahmefall ist die zweite Person auf dem Foto links unten, aber interessanterweise lautet hier die Bildunterschrift auch „Viele Übergewichtige trauen sich nicht an den Strand“ während alle anderen Bilder explizit mit „Fettleibigkeit“ oder „Adipositas“ benannt sind. So war es auch, als ich auf das einzige Vorschaubild klickte, das tatsächlich eine Frau mit Adipositas Grad 1 zeigte. Ich war positiv überrascht von der Seite Frauenzimmer, doch die Bildunterschrift sprach erneut wieder von Übergewichtigen …

bilder3

Als es um Adipositas/Fettleibigkeit ging, wurde hingegen dieses Bild gezeigt:

bilder4

Dass dies in der Berichterstattung zu Adipositas kein Einzelfall ist, erkennt man, wenn man in der google Bildersuche Adipositas oder Fettleibigkeit eingibt:

googlesuche

Dass in den Medien fast ausschließlich schwer morbid adipöse Menschen gezeigt werden, wenn es um die Bebilderung von „Adipositas“ geht, obwohl diese nur eine kleine Minderheit der Adipösen stellen, hatte ich schon häufiger kritisiert. Aber warum ist das ein Problem?

Es hat etwas damit zu tun, wie die Medien unser Bild über Adipositas und Übergewicht prägen. In Fettlogik hatte ich zur Normalisierung von Übergewicht geschrieben:

In unserer Gesellschaft ist mittlerweile die Gewichtsverteilung etwa gedrittelt: Etwas über ein Drittel der Menschen sind normalgewichtig, etwas mehr als ein Drittel ist leicht übergewichtig, und etwas weniger als ein Drittel ist adipös. Nur etwa 1 Prozent ist untergewichtig. »Die Mitte«, also das, was gewissermaßen die Norm darstellt, ist folglich leichtes Übergewicht. Meinem Eindruck nach wird dieses leichte Übergewicht tatsächlich so »normalisiert«, dass es gar nicht als solches wahrgenommen wird.

Das zieht sich insofern weiter, als dass auch Adipositas – also bereits stark gesundheitsgefährdendes Übergewicht – nicht mehr so schnell als solches wahrgenommen wird. Adipositas Grad 1 oder oft sogar noch Grad 2 werden häufig nur als „leichtes Übergewicht“ empfunden. In Fettlogik zitiere ich diverse Studien, denen zufolge sich die Mehrheit der Adipösen nicht als solches wahrnimmt: 3/4 der Adipösen schätzten sich in diversen Umfragen als lediglich „leicht Übergewichtig“ ein. In einer Befragung zu weiblichen Körperformen wurde im Schnitt sogar erst ab BMI 38 von „zu dick“ gesprochen.

Ähnlich auch in einer Studie aus England, bei der adipöse Menschen gebeten wurden, sich selbst einzuschätzen: Lediglich 11 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer mit BMI über 30 waren sich bewusst, dass sie adipös waren.
Die Forscher verglichen daraufhin die Quote der Adipösen, die sich 2012 als adipös oder zumindest »sehr übergewichtig« einschätzten, mit der Quote von 2007. Während 2007 noch 50 Prozent der Adipösen sich selbst als solche identifizierten, fanden sich 2012 nur noch 34 Prozent »sehr übergewichtig« oder »adipös«. Fast zwei Drittel der befragten Adipösen schätzen sich selbst als normal oder zumindest nicht besonders übergewichtig ein.

Dies liegt sicher nicht ausschließlich an den Medien, sondern mit Sicherheit auch daran, wie unsere Sehgewohnheiten duch unsere Umwelt geprägt werden. Wenn wir immer mehr Übergewichtige sehen, wird dieses Bild automatisch irgendwann zur Norm. Dennoch haben die Medien einen großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung, indem sie Benennen und Einordnen, was wir sehen.

Wenn „Adipositas“ grundsätzlich mit Bildern von BMI weit über 40 dargestellt wird, prägt das selbstverständlich das Bild dessen, was wir uns unter „adipös“ oder „fettleibig“ vorstellen. Und wie man sieht ist hier die Realität von Adipositas deutlich anders als die mediale Darstellung:

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Übrigens wird dieses Thema auch dann interessant, wenn wir uns dem Inhalt der Studie zuwenden, die besagt, wie adipöse Menschen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. Während „nur dicke“ Menschen nämlich meist noch recht positiv gesehen werden, ist die Einstellung zu „fettleibigen“ Menschen dieser Studie zufolge deutlich negativer. Gefragt wurde jedoch nur nach der Einstellung gegenüber den Begriffen, es wurde nicht gefragt, was die befragten Personen sich eigentlich genau unter „dick“ und „fettleibig“ vorstellen. Ist es das mediale Bild von Fettleibigkeit oder ist es das reale Bild, das da beurteilt wurde?

Die Frage ist doch, wie würde „die Gesellschaft“ tatsächlich über „die Adipösen“ denken, wenn den Befragten klar wäre, dass es kein „wir gegen die“ ist, sondern um  – je nach Statitik – jeden vierten oder fünften Menschen um uns herum geht. Um uns.

Und die Frage ist, welche realen Konsequenzen diese Wahrnehmung von Adipositas hat. Wenn Adipositas auf diese Art zum Bild für ein Extrem gemacht wird, steigt natürlich auch die Schwelle, diese Bezeichnung zu verwenden. Das ist im Alltag natürlich egal, es geht ja nicht darum, in der Fußgängerzone besser Adipöse diskriminieren zu können (was dann bei der tatsächlichen Menge an Adipösen auch recht aufwendig wäre) aber es führt dazu, dass Ärzte und andere Fachleute sich ebenfalls zweimal überlegen werden, dem Patienten mit BMI 32 den Begriff „adipös“ mitzuteilen. Und wie eine Forenuserin schrieb:

Ich muss mir dabei dann auch selbst eingestehen: Als ich irgendwann in der Vergangenheit zum ersten Mal auf den Begriff „adipös“ gestossen bin, habe ich auch danach gegoogelt und habe mir dann beim Betrachten der Bilder gedacht „Nein, sooo siehst Du nicht aus, da gehörst Du nicht dazu“.

Dann wird einerseits in den Medien ausführlichst über die Gesundheitsrisiken von Adipositas berichtet, in dramatischen Farben Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Gelenkschäden beschworen, ähnlich wie beim Rauchen der Lungenkrebs – also durchaus sinnvolle Berichte über Gesundheitsrisiken – aber die, die es betrifft sehen die Bilder und denken „Da gehörst du nicht dazu.“ – und so sorgen Bilder dafür, dass (tausend) Worte einfach verpuffen.

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54 Gedanken zu “Adipositas – Der Unterschied zwischen Realität und medialer Darstellung

  1. Ja, das merke ich zur Zeit auch ganz deutlich – ich bin von 99,7kg auf 75,4kg runter (Bei 177cm) und damit im oberen Normalbereich. Meine Umwelt nimmt mich inzwischen als „superschlank“ war, und ich höre immer „Du musst doch nicht weiter abnehmen!“ Ich wurde schon als schlank wahrgenommen, als ich noch im übergewichtigen Bereich (80-83kg) war.
    Wenn ich von meinem Zielgewicht 65kg rede (also noch 10kg to go…) höre ich immer wieder „Dann bist du doch nur noch Haut und Knochen!“
    Es kann natürlich sein, dass besonders der Vorher- Nachher- Unterschied hier auch eine Rolle spielt, aber die Leute sind immer sehr erstaunt, wenn ich ihnen Zahlen und Fakten zum Normalgewicht vorbete…

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    1. Minarra

      Ich vermute, dass es hier eher die Missgunst aus den Leuten spricht. In etwa: ‚Sie schafft es abzunehmen und zeigt damit dass es möglich ist. Dadurch fühle ich mich schlechter, weil ich es nicht schaffe.‘ Jeder möchte sich selbst doch in der besseren Position sehen als andere. Wenn sich das Verhältnis dreht, findet man das nicht mehr so toll.

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      1. Das spielt bei Vielen sicherlich mit rein, bei einigen meiner Kollegen denke ich aber, ist es auch einfach gefährliches Halbwissen. 10kg hört sich so verteufelt viel an, da glauben alle, dass das ja quasi unmöglich sein muss.

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    2. Willi

      Das mit dem „… nur noch Haut und Knochen …“ höre ich schon mein Leben lang (bin jetzt mitte 50, BMI zwischen 20,1 und 20,6 je nach Jahreszeit). Bislang immer von Personen, die ich selbst als übergewichtig oder adipös einschätze. Seltsamerweise hat noch nie ein Arzt zu mir gesagt, ich müsste zunehmen.
      Manchmal kommt die Aussage auch als Witz verkleidet: „Du kannst nur Krankheiten bekommen, die Haut oder Knochen betreffen.“
      Je nach Laune entgegne ich: „Ich kann essen was ich will, ich nehme einfach nicht ab!“. Das führt im ersten Moment zur Verwirrung, da ja das Wort „zu“ erwartet wird.

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      1. Eigentlich ist das doch total dämlich, dass du dir das Bodyshaming anhören muss, würdest du entgegnen mit „Dafür hast du doch Fett für uns beide!“ müsstest du dich gefälligst entschuldigen… Verrückte Welt.

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  2. Mona

    Wenn ich Einkaufen gehe oder in der Stadt bin, sehe ich immer wieder Personen, die so dick sind, wie die auf den Medienbildern. Das erschreckt mich jedes Mal und ich mache mir Sorgen, weil man dann auch oft direkt sieht, wie schwer es für sie ist zu gehen und wie stark die Füße belastet sind. Insbesondere unter Studenten ist mir aufgefallen, dass es immer mehr Personen werden, die so stark adipös sind. Ich hab natürlich nicht gezählt, vielleicht ist das nur meine selektive Wahrnehmung, weiß ich nicht.

    Da wo ich aufgewachsen bin (ländlich, aber Stadt), gab es vielleicht 10 Personen, die ich in Adipositas Grad 3 einsortiert hätte. Ich war dieses Jahr nochmal dort (bin da extrem selten), bin einkaufen gegangen und paar Dinge erledigen, da waren plötzlich überall Menschen, die so extrem aussahen, wie auf den Medienbildern. Dagegen sah meine adipöse Verwandtschaft total schlank aus! Ich bin davon sehr erschreckt, ich hab mir das niemals denken können bis ich es gesehen habe.

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    1. Mona

      Besonders traurig werde ich, wenn ich das bei Babys, Kindergarten- und Grundschulkindern sehe. Ich weiß, dass es nicht mein Problem ist, trotzdem beschäftigt es mich sehr stark.

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  3. Yggdrasil

    Naja. Da einer des Teufels Advokaten spielen muss: die Einstufung „ab BMI 30 ist man adipös“ ist genaugenommen auch nur an den Haaren herbeigezogen. Warum nicht 29 oder 31?

    Weil’s halt so ist.

    Und wenn Leute mit BMI 30-35 bestenfalls als „bissel pummelig“ oder „ist halt was dran an dem Persönchen“ wahrgenommen werden und nicht, wie man das wohl gern hätte (irgendwas zwischen „krass adipös!“ und „boah wie fett!“), dann ist das halt auch so. Spiegelt ja auch tatsächlich das wahr, was man auf der Strasse sieht – normal ist, wer eigentlich zu schwer ist, wie im Artikel schon treffend festgestellt wurde. Nach unseren Massstäben „eigentlich zu schwer“, wohlbemerkt. Wer definiert gleich nochmal, was zu schwer ist? Anhand welcher Kriterien war das?

    Wo es anfängt, auf die Gesundheit und die Psyche zu schlagen, ist wohl fliessend und bei jedem verschieden. Ich fand mich bei einem BMI von knapp 27 zu fett und hab mein Leben umgekrempelt. Ich würde mich aber niemals auf das schmale Brett begeben und das als allgemeingültig und sinnvoll hinstellen.

    Also lasst die „leicht übergewichtigen“ halt normal im Sinne der Verteilung, leicht übergewichtig im Sinne der allgemeinen Wahrnehmung oder auch gern adipös Stufe 1 nach einer willkürlichen Festlegung sein. Solang die sich damit wohlfühlen, weil die Bewegung stimmt, ist alles in Butter.

    Arbeitskollege von mir wuchtet den ganzen Tag schwere Kisten (~20 kg) durch die Gegend. Der wiegt garantiert mindestens 110 kg auf ca. 1,80m. Von der Körperstatur aber halt wie ein Strongman (Wampe und Brustkorb grob selber Umfang, Oberarme wie unsereiner Beine).

    Der wirkt auf mich alles andere als ungesund. Und der liegt im BMI satt über der 30.

    Meinjanurmalso…

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      1. Yggdrasil

        Ist mir bewusst. Ich muss mich diesem Pauschalurteil „BMI > 30 –> adipös“ aber sicherlich nicht anschliessen – ich sehe das schlicht anders.

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      2. Ich kann meinen Kommentar nicht dort einsortieren, wohin er gehört, sorry.

        @Yggdrasil: Du darfst das gerne anders sehen, das tun sehr viele Menschen. Es ändert nur leider nichts an objektiven Kriterien, nach denen die Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Krankheiten mit steigendem Gewicht ansteigen, und zwar teils erheblich.

        Und was die Grenzen angeht: Irgendwo muss man die halt ziehen. Dass es keine absoluten Grenzen sind, bei denen Krankheitsrisiken sprunghaft ansteigen, ist klar. Aber das gilt doch in vielen Bereichen. Der eine kann mit 0,3Promille noch problemlos reagieren, der andere überfährt eine rote Ampel, weil er sie nicht mehr wahrnimmt. Trotzdem gibt es klare Grenzen, die für alle gelten.

        Letztlich heißt ja „adipös“ auch nicht zwingend „krank“, sondern es bezeichnet einen bestimmten Körperzustand, der halt an den BMI gekoppelt ist. Nicht mehr, nicht weniger. Und das ist etwas, das für mich wenig mit Meinung zu tun hat. Ich lege Entfernungen ja auch nicht nach meinem Belieben aus, weil ich finde, dass die Festlegung des Meters total willkürlich war. 😉

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    1. Mona

      @Yggdrasil
      Ich hab dich so verstanden, dass du für jeden individuell eine Grenze haben möchtest, weil Menschen Unterschiede haben. Richtig?
      Wie würdest du denn die Grenze bestimmten? Und wär die individuelle Grenze zu mehr Risiko für Krankheiten und Belastungsschäden so weit weg von der BMI=30 Grenze?

      Ich persönlich finde, dass jeder schon beim BMI von 25 aufgeklärt werden sollte (vielleicht vom Arzt?), was Übergewicht alles auf lange Sicht mit einem anstellen kann. Bei Rauchern wird ja auch viel erzählt. Dann kann die Einzelperson durch das Wissen sich überlegen, ob sie eine weitere Zunahme hinnimmt oder doch lieber nicht.

      Ich denke mir, dass die Mehrheit der normalen Adipösen erst mit 50 Jahren oder so merkt, wie verschlissen der Körper durch das unnötige Gewicht ist und sie mit 25 Jahren die Auswirkungen gar nicht so eingeschätzt hat.

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    2. echitna

      Ich muss Yggdrasil zustimmen. Der BMI berücksichtigt nur Gewicht und Körpergröße. Ob aber jemenand gesund ist oder nicht hängt eben auch von anderen Faktoren ab, z.B. von der Verteilung des Körperfetts (Stichwort Waist to Hip Ratio) und ob das Gewicht wirklich von Fett kommt oder von Muskeln. Jeder Bodybuilder hätte nur vom BMI her ja schon Adipositas.Bei sehr hohen BMI-Werten ( > 35) mag das anders sein.

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      1. Dass „jeder Bodybuilder“ vom Gewicht her adipös wäre, stimmt allerdings auch nicht. Ich hatte im Buch mehrere Gegenbeispiele dafür aufgeführt. Zu seiner beten Wettkampfzeit kam Schwarzenegger gerade mal in den unteren Adipositasbereich. Die Studien, die ich für Fettlogik gelesen habe kamen darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass „zu Muskulös für den BMI“ nur in etwa 1% der Fälle zutrifft – dagegen sind 30-50% der Menschen trotz normalem BMI in einem zu hohen Körperfettbereich.

        Die Kritik am BMI geht damit in genau die falsche Richtung.

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      2. echitna

        Meine Kritik bezieht sich ja nicht nur darauf, das der BMI keine Muskelmasse berücksichtigt, sondern das er nur zwei Faktoren heranzieht. Es gibt eben noch viele andere Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen. Das jemand der keine drei Schritte laufen kann ohne zu schnaufen fit und gesund ist kann man natürlich nicht behaupten, aber warum soll jemand, der z.B. dreimal die Woche Sport treibt und sich gesund ernährt, aber trotzdem ein paar Kilo zuviel hat gleich krank sein nur weil diese Zahl das aussagt? Es kann ja nun mal nicht jeder das ‚Glück‘ haben einen ektomorphen Körpertyp zu haben.

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      3. Christian

        Ich stimme auch zu, dass man nicht alleine auf den BMI schauen sollte. Die ganzen Studien, die im Buch angeführt werden, zeigen Korrelationen aber keine Kausalitäten.

        Ja, es ist statistisch gesehen wahrscheinlicher, mit erhöhtem BMI von Diabetes oder Herz-Kreislauf Erkrankungen betroffen zu sein. Aber die Ursache dafür ist nicht der BMI, sondern unter anderem zu viel Körperfett.

        Es mag auch stimmen, dass es eine Korrelation gibt zwischen hohem BMI und erhöhtem Körperfettanteil und dass Menschen mit Übergewichts-BMI infolge erhöhter Muskelmasse die absolute Ausnahme darstellen. Aber auch das ändert nichts an der Tatsache, dass der BMI nicht die Ursache für die Erkrankung ist.

        Insulinresistenz ist die Vorstufe zum Diabetes und die Folge eines gestörten Fettstoffwechsels. Die Wahrscheinlichkeit dieser Stoffwechselstörung steigt mit zunehmendem Körperfettanteil, speziell mit Zunahme des viszeralen Bauchfetts.

        Man sollte wirklich aufhören, die BMI-Einstufung als harte Grenze zu sehen. Nicht einmal wegen derjenigen, die vielleicht keine Probleme bekommen werden, obwohl sie definitionsgemäß übergewichtig sind, sondern vor allem wegen derer, die auch trotz Normalgewichts-BMI ein erhöhtes Risiko tragen. Meiner Einschätzung nach ist jemand mit BMI 25, der sich kaum bewegt, deutlich gefährdeter an Diabetes zu erkranken als jemand mit BMI 29, der regelmäßig körperlich aktiv ist.

        Es spielen außerdem noch so viele weitere Faktoren eine Rolle, die der BMI niemals erfasst, wie z.B. eine passende Vitamin- und Mineralstoffversorgung, eine ausreichende Zufuhr an maritimen Omega-3 Fettsäuren, oder ein adäquates Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren, oder die Menge an langkettigen, gesättigten Fettsäuren, die jemand konsumiert.

        Die Quintessenz dieses Beitrages ist doch, die gesundheitlichen Risiken nicht zu unterschätzen und nicht dem Irrglauben zu verfallen, dass es einen selbst gar nicht betrifft. Wie bringt man das mangelernährten Normalgewichtigen bei?

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      4. Frank

        @echitna
        Ein hoher BMI sagt eben nicht, dass man krank ist, sondern dass man sich eben in einem definierten Gewichtsbereich befindet. Dass Übergewicht und Adipositas ein erhöhtes Krankheitsrisiko darstellen, sagen ganz andere Studien. Viszerales Bauchfett bspw. bleibt ein enormes Risiko, unabhängig davon, ob man fit ist oder nicht.
        Anderes Beispiel:
        Ob man sich einen Sonnenbrand als Schlanker beim Laufen, oder als Dicker beim faul Rumliegen einfängt, ist dem Hautkrebs auch ziemlich egal.

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  4. Juliane

    Das kenne ich auch! Besonders vom näheren Umfeld werde ich einfach nicht als das wahrgenommen, was ich bin. Nämlich adipös. Alle sagen, ich hätte eben nur ein „wenig mehr“ auf den Rippen… Ich habe gerade erst die 10 kg Marke geknackt und alle sagen, jetzt noch mal 10 und alles ist gut. Wenn ich aber sage, dass ich auf 59kg runter muss um „Idealgewicht“ zu haben, wollen mir das viele nicht glauben und das erste was ich höre ist dann „das schaffst du nicht“….

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  5. Katharina

    Einerseits: Interessant, wie sehr offensichtlich Wohlleben und „fat acceptance“ uns schon unterwandert haben…

    Andererseits: Könnte es sein, dass der starke Bild-Eindruck vielleicht auch von den immerhin 3 halbnackten Oberkörpern kommt, die bei den Pressebildern dominieren?

    Die Blogbetreiberin im Mittelalter-Kleid sieht schlicht gut aus – das Kleid war offensichtlich sehr „günstig“ geschnitten… Wie aber die „Bauchbeschaffenheit“ nur mit BH und Höschen war, wissen wir ja aus dem Blog-Titelbild. Übergewichtige und Adipöse können mit Kleidung immer noch viel kaschieren, nackt nicht mehr…

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    1. Mona

      Bei der Person in rosa Shirt und der Person in hellblauem Shirt sieht man doch auch, dass es zu viel Gewicht ist, obwohl sie beide etwas anhaben.
      Ich denk, dass schlanke Menschen noch viel mehr verstecken können durch Kleidung. Man sieht nicht automatisch nackt gut aus, nur weil man schlank ist. Wenn eine schlanke Person das Bikini-Oberteil so falsch trägt, wie oben auf den Bildern, dann sieht das auch nicht gerade vorteilhaft aus.

      Auf Nadjas Bild hat sie nicht nur das schöne Kleid, sondern sie liegt ja auch mit den Knien vor dem Bauch. Da kann man Beine und Bauch halt schlecht einschätzen. Am Gesicht, Oberweite und Oberarmen sieht man ein wenig, dass sie da stark übergewichtig war. Da sie lächelt und hübsch aussieht, kommt man doch nicht auf die Idee, dass sie Adipositas Grad 3 haben könnte, weil man aus dem Fernsehen immer nur diese 300 kg Menschen sieht, die nicht mehr alleine aus dem Bett kommen oder direkt nur im Bett leben. Sie ist ja deutlich schlanker, kann Sachen allein machen und arbeiten gehen, da bekommt man das Gefühl, dass sie einfach nur Übergewichtig ist, bzw. zu den Grad 1-Adipösen gehört. So erkläre ich mir das, da man ja nicht durch die Gegend läuft und jeden fragt, wie sein BMI ist und ob es schädlich für die Person ist.

      Naja, die Bilder zu den (Internet-)Artikeln sollten schon vernünftiger sein, weil sie so viele Menschen erreichen und die Menschen dann denken „Phu so extrem, wie auf dem Bild ist es bei mir nicht, also alles gut!“ Obwohl es doch nicht gut ist, anhand der Körperwerte.

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  6. Zaungast

    Würden die Medien tatsächlich Fotos von Leuten mit BMI 30-34 zur Bebilderung von Adipositas verwenden, dann kann ich mir förmlich vorstellen, was für empörte Kommentare das unter dem jeweiligen Artikel nach sich ziehen würde:

    „… aber was ich ja eine FRECHHEIT finde ist das Foto, das die XY-Zeitung hier verwendet. Die Frau hat doch wohl eine ganz normale Figur!!! Aber Hauptsache immer den Leuten eintrichtern sie wären zu fett, damit sich alle so runterhungern wie die bei GNTM und so. Werde ich mir merken und die XY nicht mehr lesen!!“

    Hachja…

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  7. Doro-T

    Ich persönlich finde es sehr Erleichternd (Haha!), dass durch die genaue Eingrenzung und Versachlichung der Kategorien Übergewicht und Adipositas in deren Schweregraden ( nochmal haha! ) die Emotionalität rausgenommen wird aus der ganzen Debatte. Ich bin Adipös Grad 2 und denke mittlerweile „Ach, guck mal an, so und so viele Kilos und dann hab ich Normalgewicht, das dauert also wahrscheinlich so und so lange, usw.blabla.“ ANSTATT wie früher in den Kategorien „dick/fett=wertlos und hilflos ohne die Möglichkeit abzunehmen, weil (hier beliebige Ausrede und Falschannahme einsetzen).
    Dadurch, dass durch Nadja Übergewicht berechenbar wurde, hat es für mich seinen Schrecken verloren und ich kann es als änderbaren Zustand sehen und somit habe ich die Macht über mich und durch diese Erkenntnis wesentlich mehr Lebensqualität gewonnen.

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  8. Susanne

    Nach 24kg Abnahme auf jetzt 57kg (bei 161cm „Grösse“) habe ich schon mehrmals gesagt bekommen, dass ich jetzt dünn sei… mein BMI ist gerade mal mitten im Normalbereich! Das „Moppelige“ scheint doch wirklich das eigentlich Normale zu sein?

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  9. Abraxxas

    Ist der BMI an sich nicht auch eine Fettlogik?
    Warum und wer hat ihn aus welchem Grund erfunden?
    Und warum soll sich alle Welt dannach richten?
    Entschuldigt bitte diese Anfängerfragen, aber ich lese gerade das Buch und habe seit dem 19. September 2016 3,5 Kilo abgenommen.

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    1. Warum und wer ihn erfunden hat kann ich dir leider nicht sagen. Aber es ist keine Fettlogik.
      Mit zunehmendem Gewicht steigen die Gesundheitsrisiken und dementsprechend hat man die BMI-Grenzen festgelegt. Natürlich ist es individuell unterschiedlich, bei welchem Übergewicht und ob überhaupt jemand krank wird. Es stirbt auch nicht jeder Raucher an Lungenkrebs. Natürlich kann man auch übergewichtig/adipös und gesund sein. Das Risiko, dass bestimmte Krankheiten später auftauchen, ist aber mit höherem Gewicht größer. Der BMI ist da lediglich eine Richtschnur, eine Orientierungshilfe.

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    2. sternenmond75

      zur Geschichte hat Wikipedia ein paar interessante Infos. „Erfunden“ wurde er bereits 1832 – also schon bissel her, aber nachdem sich erst die Versicherungen darauf als Berechnungsgrundlage für die lustigen Sterbewahrscheinlichkeitsberechnungen im letzten Jahrhundert darauf stürzten, scheint sich die WHO in den 80igern das als sinnvolles Tool sich zu Eigen gemacht haben. Seitdem ist das Ding wohl Fluch und Segen zugleich, wenn ich die Beiträge hier so betrachte. Ich finde die Diskussion, warum man sich danach richten soll und was diese „willkürlichen“ Grenzen sollen jedenfalls sooooooooo müßig und irgendwie langweilig (sorry!). Dieselben Diskussionen gibt es beim IQ (warum erst ab 130 hochbegabt und unter 70 minderbegabt?), bei Körpergroßen (Kleinwüchsig-/Riesenwuchs) und so weiter und so fort. Und warum also dieser BMI? Weil Menschen unheimlich gern auf Orientierung und generell Werte stehen. Meter, Minute, Liter, Grad, km/h…..und so weiter und so fort. Und weil‘ s so schön ist mit den Zahlen, gibt es spannende Statistiken (die echten, die gefälschten, die guten, die blöden), die für jede Meinung etwas bieten. Und wenn es einen wirklich interessiert, schaut er sich diese Studien ganz genau an und kann dann schauen, wie das Studiendesign ist, wer das ganze finanziert hat, was genau beleuchtet wurde und dann entscheidet man, ob es „klick“ macht oder nicht. Also BMI ist total geil für alle analytischen Menschen, die beim Anblick von Zahlen & Studien Glücksgefühle und Sicherheit verspüren 🙂 und die anderen hören auf ihr „Bauchgefühl“ (Wortwitz!). Also bei FLÜ ist eine gewisse Zuneigung zu Zahlen&Studien quasi Grundvoraussetzung 😉

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  10. Ich glaube, in den Medien wird „Übergewicht“ und „Adipositas“ oftmals synonym verwendet. Die Einstufungen in Übergewicht und die unterschiedlichen Adipoitas-Stufen machen die meisten BMI-Rechner im Internet gar nicht. Ich habe das gerade mal mit fiktiven Werten bei einem BMI Rechner der IKK (!) getestet, da wird selbst bei einem BMI von über 50 noch von Adipositas geredet und bei einem BMI von über 30 heißt es, das sei deutlich über dem Normalgewicht. Ich nutzte BMI-Rechner.net und dort gibt es die Einteilung in Übergewicht, Adipositas und starke Adipositas. Aber auch dort wird bei einem BMI von über 40 nicht von morbider Adipositas geredet. Wenn schon die BMI-Rechner keine einheitliche Einteilung nutzen und die Medien nur bei extremer Fettleibigkeit von Adipositas und bei schlanken Schauspielern/innen von Magerwahn von sprechen, wie soll da ein Bewußtsein beim Menschen für Normalgewicht, Übergewicht oder Adipositas entstehen? Nadja hat da ja schon mal eine Bildergalerie veröffentlich und bei den Normalgewichtigen Personen hab ich mir da gedacht, boah, wie dünn. Nein, normal! Ich versuche mein Bild dahingehend zu ändern.

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  11. Danke für diesen Beitrag! Ich muss gestehen, dass ich nach dem Lesen von FLÜ selbst angefangen, meine Umgebung kritischer zu beäugen. Das, was ich sonst als völlig normal gewichtstechnisch eingestuft habe, ist jetzt, wenn ich es wirklich ehrlich und kritisch beachte, schon im Bereich (leichtes) Übergewicht anzusehen. Natürlich ist mir schon lange klar, dass ich selbst in die Kategorie Adipositas Grad 2 (mit einem BMI von 36) falle, aber das sind vielleicht auch Umstände, die man so genau nicht ins Auge fassen möchte. Ich glaube auch, dass viele adipöse Menschen aus Angst, es nicht zu schaffen, erst einmal froh sind, wenn sie in den Bereich Übergewicht fallen (ich hätte, wenn ich meine gewünschten 30kg schaffe, immer noch BMI über 30 und kann mir gar nicht vorstellen, wie ich aussehen würde, wenn ich in einem normalen BMI liege!). Diese Vorstellung, 40 kg oder mehr abzunehmen, kann einen schon erschrecken und den Druck erhöhen. Aber ja, Du hast Recht, es wird medial schon runtergespielt und nur Extrembeispiele rausgesucht. LG, H.

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    1. Liebe Hermine,
      da habe ich z. T. wiedererkannt. Vor 5 Jahren habe ich 50 kg abgenommen und hatte am Ende noch einen BMI von 27 und fühlte mich toll! Noch mehr abzunehmen schien mir nicht möglich und auch nicht nötig. Ich war ja schon schlank und alle sagten mir, dass es jetzt reicht. Leider habe ich wieder 40 kg zugenommen.
      Wenn man viel abnehmen will/muss, ist das echt schwierig. Nicht nur, dass man selber zweifelt (vor allem, wenn in den Medien immer noch Hungerstoffwechsel und Jojo hochgehalten werden), auch die Menschen in der Umgebung sagen oft „Was, so viel? das schaffst du nie! Versuch doch erst mal 10 oder 20 kg abzunehmen“. Da kann der eigene Mut schon schwinden. Und so fett wie auf den Fotos ist man ja auch gar nicht und ein bisschen weniger dick würde ja schon reichen… Ich bin mit einem BMI von über 40 im Frühjahr gestartet, bin jetzt bei BMI 36,5 und habe mir nach der Lektüre von Nadja Buch einen BMI von unter 25 als Ziel gesetzt. Ich will mich einfach nicht mehr mit Übergewicht abgeben. Wie ich dann aussehen werde, weiß ich nicht (wahrscheinlich wie im 7. Monat schwanger, ich habe ziemlich viel Bauch :-(), aber ich mir stelle mir vor, wie ich dann in allen (!) Geschäften nach tollen Klamotten schauen kann und nicht mehr nur in der Zeltabteilungen der Kaufhäuser.

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      1. Da stimme ich Dir absolut zu! Ich sehe viele Dinge nach FLÜ auch ganz anders und halte es nicht mehr so schwierig, überhaupt erst mal diese 30kg abzunehmen. Das erst mal zu schaffen. Ich habe auch immer nur in 10er-Schritten gedacht. Aber jetzt sag ich mir: Nein, so was Blödes! Du willst doch sowieso die 30kg abnehmen, dann halt auch fest daran! Wenn ich die runter habe, hätte ich einen BMI von 25. Also die 5 Kilo zu einem normalen BMI schaffe ich dann bestimmt auch. Aber erst mal gaanz langsam anfangen. 😉

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  12. Zur BMI-Geschichte, dessen Schwelle für Übergewicht 1998 mal eben so herunter gesetzt wurde (vermutlich auch der für ADIPOSITAS, doch fand ich dazu per Kurzrecherche keine Angabe):

    „Vor der flächendeckenden Einführung des BMI mit Beginn der 1980er Jahren, griffen Mediziner zumeist auf einfache Tabellen mit Größe und Körpergewicht zurück. Zwar wusste man um den BMI bzw. Quetelet-Index, doch wurde die Bedeutung noch nicht so hoch eingeschätzt. Das änderte sich spätestens Ende der 1990er Jahre, als die US-Regierung den Begriff BMI in verschiedenen Kampagnen einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Interessant ist in diesem Kontext, dass das National Institutes of Health die Grenze für Übergewicht etwa zeitgleich – konkret 1998 – von einem BMI von 27,8 auf einen Wert von 25 herunter korrigierte. Auf einen Schlag waren 30 Millionen US-Amerikaner, die zuvor ein gesundes Normalgewicht aufwiesen, übergewichtig.“

    http://www.bmi-rechner.net/artikel/bmi-geschichte.htm

    „Die meisten Menschen träumen davon, im Schlaf abzunehmen. 35 Millionen Amerikaner widerfuhr 1998 das Gegenteil. Sie gingen mit Normalgewicht ins Bett, um als Übergewichtige aufzuwachen. Der Grund: Die Regierung hatte die Norm gesenkt. Galt bis dahin in den USA, dass das Übergewicht beim Mann bei einem Body-Mass-Index (BMI) von 27,8 und bei der Frau bei 27,3 begann, wurde es nun bereits bei einem Wert von 25 für beide Geschlechtern angesetzt. Hauptsache, griffige, runde Zahlen – auch wenn das Verhältnis von BMI und Fett bei Mann und Frau verschieden ist.“

    http://www.tagesspiegel.de/wissen/geschichtedesbmi-schlank-einschlafen-fett-aufwachen/4545038.html

    (Nebenbei: Ganz ebenso wurden im Lauf der Zeit die Kriterien für Bluthochdruck stark nach unten gesetzt – was vor 30 Jahren noch als normal galt, gilt heute als mindestens mittlerer Bluthochdruck. Jede Veränderung ein Mega-Geschäft für BigPharma!)

    Wie auch immer: die von Nadja gesammelten Fotos zeigen stark übergewichtige Menschen, die statistisch gesehen „adipös“ sind und – ebenfalls statistisch betrachtet – ein deutlich höheres Krankheitsrisiko haben.

    Klar ist auch, dass die Gesamtbevölkerung immer fetter wird – kein Wunder angesichts der Esskultur, wie sie in westlichen Ländern allgemein üblich ist (zuviel, zu fett, zu süß) und anderso gerade zunimmt.

    Es wäre also durchaus hilfreich, wenn die Presse ihre Abbildungen verändern würde, um Missverständnissen vorzubeugen (nee, da bin ich noch lange nicht…).

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    1. Mona

      Wenn man Zahlen ändert nur weil sie dann griffiger werden, ist natürlich unsinnig.

      Insbesondere beim Bluthochdruck vermute ich, dass der runter gesetzt wurde, weil die Forschung weiter ist und man weiß, was das alles machen kann, vor allem wenn Menschen jetzt noch länger leben als früher.

      Ich finde, es ist fürs Pharma-Geschäft eher schlecht niedrigere Grenzwerte zu haben, weil man bei leichtem Bluthochdruck ja noch mit seiner Lebensweise (irgendeine Prävention) ernstere Folgen vermeiden kann und dadurch keine Medikamente braucht. Fürs Pharma-Geschäft sind doch die Situationen am besten, wo die Menschen merken „ach Kacke ich kann das jetzt nichts mehr beeinflussen, hätte ich mal früher mehr Sport gemacht oder weniger Stress ertragen“ Dann bleiben ja nur Medikamente, wenn man länger leben will als ohne Medikamente/Behandlungen.

      Beim Übergewicht ist das ja noch einleuchtender. Wenn jemand kein Übergewicht hat, dann bekommt er auch keine Folgen des Übergewichts und muss wahrscheinlich in seinem Leben auch weniger Medikamente nehmen als z.B. seine stark übergewichtigen Geschwister.

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  13. Yggdrasil

    Gibt jetzt soviele Stellen, auf die ich gern antworten würde, ich versuch‘ das einfach mal als Sammelantwort 😉

    Zu dem Einwurf von mir relativ weit oben hier im Kommentarfeld und den Antworten dazu: ich will nicht in Abrede stellen, dass der BMI als Richtwert brauchbar ist. Ich möchte nur ab und an in Erinnerung rufen, dass er genau dieses ist: ein Richtwert, anhand dessen man nicht allein entscheiden darf. Also immer schön offenen Geistes durch Leben marschieren und sich immer in Erinnerung rufen, dass nicht allein der BMI etwas über eine Person aussagt. Da gibt’s noch Sachen wie Geschlecht, Alter, Körperbau, Bewegungsprofil, FFMI, genetische Veranlagungen (damit meine ich nicht Nahrungsverwertung, da müßte man eher Richtung Darmflora schauen .. naja, anderes Thema) und was weiss ich…

    Der Gedanke, sowas wie Zwangsaufklärung ab BMI 25 zu betreiben .. mir zu radikal. Sich dick und rund zu fressen würde ich unter Freiheit subsummieren, wobei man sich da sicherlich streiten kann (ab einem bestimmten Punkt geht’s halt auf Kosten der Allgemeinheit). Irgendwann ist Aufklärung sicherlich Pflicht, aber vorher doch bitte erstmal die Raucher, Trinker (ab 1 Flasche Bier für Männer am Tag wird’s gefährlich, bei Frauen noch weniger), Autofahrer mit Karren jenseits der 100 PS usw. usf. verarzten. Sind auch Hochrisikogruppen. Verstehst schon.

    Zu der Geschichte mit dem Blutdruck: ich persönlich tendiere hier auch deutlich Richtung Lobbyarbeit der Pharmakonzerne. Leider ist es nämlich nicht so, dass bei kleineren gesundheitlichen Problemen die Leute ihre Lebensweise ändern. Die wollen ne Pille und so weitermachen wie bisher.

    Der durchschnittliche Patient will von Eigenverantwortung halt nix hören, der will die Symptome weghaben und nicht die Ursachen bekämpfen (vor allem wenn’s dem bequemen Lebensstil widerspricht). Oder kennt einer von Euch nen erfolgreichen (!) Orthopäden, dem die Leute aufgrund der oft getroffenen Diagnose „sie fressen zuviel und bewegen sich zuwenig – ab sofort kein Kuchen mehr und pro Tag mindestens eine Stunde Spazierengehen, in 6 Monaten kommen sie nochmal vorbei!“ die Bude einrennen, weil’s tatsächlich sovielen Leuten mit Problemen im Bewegungsapperat geholfen hat, das genau so zu machen? Lieber ne Spritze ins Kreuz und beim Bandscheibenvorfall so ne kleine OP .. viel besser!!1!elf

    Ich hab in meinem Bekanntenkreis ziemlich genau 3 Leute, die in den letzten 2 Jahren mal mit nem leichten Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert wurden und sich diesen oder jenen Stand eingefangen haben. Die 3 Personen vereinen in sich folgende Prädikate: Raucher, das tägliche Bier muss schon sein, Wurst ist lecker, die Wampe stört mich nicht, 4 Stück Zucker im Kaffee sind kein Problem, ich fahr‘ gern mitm Auto.

    Die Jungs schlucken jetzt jeden Tag früh, mittag und abend 3-5 Pillen, also mehr als 10 Tabletten am Tag. Seit Monaten oder gar Jahren. Und dreimal dürft ihr raten, wer von den dreien es geschafft, seinen Lebensstil so umzukrempeln, dass man dem abkauft, dass er gern alt werden möchte (Hinweis: „keiner“ ist als Antwort erlaubt).

    Blutdruck ist übrigens nur ein Beispiel. Cholesterin ist genauso ne Geschichte. Der Grenzwert da ist seit den 50ern von 2,6 auf mittlerweile 2 Kilogramm pro Kubikmeter Blut gesenkt worden (nicht über die Maßeinheiten stolpern, das ist nur ein Scherz für die zahlenaffinen Leser unter Euch). Als Dankeschön hat es das Cholesterinmedikament „Crestor“ unter die Top 10 der umsatzstärksten Medikamente weltweit geschafft: >5 Milliarden Euro.

    Leider ist der Ansatz in unserem Gesundheitssystem nicht, dass der Arzt oder das Pharmaunternehmen dann Kohle kriegen, wenn der Patient gesund geworden ist.

    Auch wenn wir das hier im Blog schonmal hatten, den vom Hr. Eugen Roth kram ich an der Stelle nochmal raus:

    Was bringt den Doktor um sein Brot?
    A) die Gesundheit, B) der Tod.
    Drum hält der Arzt, auf daß er lebe,
    Uns zwischen beiden in der Schwebe.

    Genießt den sonnigen Tag! Ich muss nochmal raus, bißchen Sonne tanken 🙂

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    1. Mona

      „Der Gedanke, sowas wie Zwangsaufklärung ab BMI 25 zu betreiben .. mir zu radikal.“

      Ja, ich habe es viel zu radikal geschrieben. Ich finde, dass wie es im Allgemeinwissen (so ziemlich alle Erwachsenen und viele Kinder wissen das) verankert ist, dass Raucher riskieren Lungenkrankheiten zu bekommen und rauchende Schwangere ihr Kind schädigen können. Bei Alkoholikern weiß doch auch fast jeder, dass es eine Krankheit ist und man drauf achten soll, dass man nicht zu viel und zu oft trinkt, weil es böse Auswirkungen haben kann auf Organe und das ganze Leben.
      Solche Informationen könnte man doch auch in der Schule beibringen. Das ist keine konkrete Droge, wie Nikotin oder Alkohol, vielleicht macht es das deswegen schwerer die Folgen damit zu verbinden.
      Eine sachliche Aufklärung kann doch nicht schaden, z.B. wie bei Karies oder Virenkrankheiten. Adipositas soll man ja nicht verbieten oder so, soll jeder so dick sein, wie er halt ist. Mit Aufklärung ist das eine freie Entscheidung. Ohne Aufklärung ist das ein unabwendbares Schicksal: „Womit hab ich das verdient so viel Gewicht zu haben, andere haben viel mehr Glück mit ihrem Gewicht, und jetzt kommt bei mir auch noch der hohe Blutdruck, Schmerzen und … hinzu. Blöde Gene (oder was auch immer).“

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      1. sternenmond75

        …spannender Wortwechsel zwischen Mona und Yggdrasil! Ich weiß, was Du meinst, Mona, und bin auch nicht bei jedem Argument von Yggdrasil „dabei“, aber wie zum Henker stellst Du Dir – Mona – eine Umsetzung dieses ambitionierten Aufklärens ab BMI 25 vor? Arztbesuch nur noch mit vorherigem „auf-die-Waage-steigen“ (aber büdde nackig, sonst wird es ja noch ätzender :-P)? Auf ALLEN Lebensmittel (außer Coke Zero…) Warnhinweise mit Bildern von Leuten BMI >25 zur „Abschreckung“ (also auch auf der fetten Banane und Avocado)? Ich übertreibe gerade Deinen Ansatz wie Du merkst, weiß aber natürlich, dass es Dir um Information für die breite Masse geht. Ich bin mir allerdings wirklich sicher, dass Menschen – sofern sie frei entscheiden können – sich über alles eine eigene Meinung bilden, was sie gut finden, was nicht gut, was praktikabel ist, was nicht, und dann gibt es dann noch Situationen, da hilft die schönste Aufklärung nicht. Da wird dennoch die Zigarette angesteckt, der Wagen auf dem Behindertenparkplatz ohne Berechtigung geparkt, beim Nachbarn abgeschrieben, zu wenig geschlafen, das Glas zu viel getrunken…[setze x-beliebige Katastrophen, Laster und Schwächen ein]. Ja, so sind sie die lieben Menschen: so unbeständig! Und wenn man ab und zu einen klaren Moment im Nebel sieht, kauft man sich FLÜ und rafft es oder nicht. Oder wie ich: raffen und ab und zu Dank turbulenten Familienleben alle Erkenntnisse über Bord werfen oder (in Echt) minutenweise oder stundenweise (tage-?) zu vergessen, weil das Leben ab und an ein SCHEISS-STRESS ist. Übrigens findet die sachliche Ernährungsaufklärung schon (je nach Einrichtung in einer recht penetranten Art und Weise) in den Schulen statt, zumindest in Schleswig-Holstein. Und dann geht der Domino-Effekt wieder los, denn der ein oder andere reagiert allergisch auf Aufklärung jedweder Art und empfindet sowas als Bevormundung. Ist aber auch alles schwierig mit den Menschen, was? Wir sind uns aber einig, dass HIER Leute herumhüpfen, die alle „aufgeklärt“ sind und damit das Schicksal selbst in der Hand haben, richtig?

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      2. Mona

        Alle Menschen machen Fehler oder sind mal hilflos. Ich glaube nicht, dass wir hier alle perfekt aufgeklärt sind. Es kann sich ja immer noch ändern, was die Wissenschaftler so schreiben oder was man persönlich für sich wünscht.

        Ich möchte gar keine Abschreckung. Eventuell eine Abwägung. Die Umsetzung der Tipps und des Wissens möchte ich gar nicht erwarten. Ich kenn das auch, dass es Wochen gibt, wo ich einfach nichts so hinbekomme, wie gewollt. Ich fände es auch bescheuert, wenn mir jemand verbietet viel Schokolade und/oder Torte zu essen, nur weil das nicht so optimal ist. Es schmeckt mir einfach.

        „Übrigens findet die sachliche Ernährungsaufklärung schon (je nach Einrichtung in einer recht penetranten Art und Weise) in den Schulen statt, zumindest in Schleswig-Holstein.“

        Das wusste ich nicht. Das kommt mir nicht sehr sachlich vor, wenn es in penetranter Weise passiert. Anscheinend wird dann erwartet, dass dieses Wissen wirklich umgesetzt wird und nicht unbedingt, dass jeder frei entscheiden kann.
        Eine Ernährungsaufklärung ist schwierig, weil man ja nicht sagen kann, das Lebensmittel ist etwas Böses und das andere Lebensmittel ist etwas Gutes. Man fällt ja nicht tot um, wenn man mal ganz viel McDoof oder sowas isst.

        Ich dachte eher an Aufklärung über Zivilisationskrankheiten, wie die Krankheiten ablaufen, wie das Risiko ist und was man tun kann, um das Risiko zu senken (wenn man denn will). Ernährung ist ja nicht alles. BMI 25 sagt halt einfach, dass man sehr wahrscheinlich zu viel Körperfett hat, ob man das dann wirklich hat, kann man sich ja dann noch überlegen oder einen Arzt einschätzen lassen. Ich werde bei Ärzten öfter nach meinem Gewicht gefragt, die notieren das. Bei schwacher Muskulatur und Dysbalancen sagt der Arzt ja auch, dass man den Rücken, Bauch, was auch immer, kräftigen soll.

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  14. Pingback: Last und lästig.. | Oben der Himmel, unten die Erde .. und in der Mitte: Barbarella

  15. Da hier ja auch immer wieder auf die Aufklärung bezüglich „konkreter“ Dinge wie Alkohol und Nikotin hingewiesen wird, mchte ich mal anmerken, dass es auch gerade hier massive Wahrnehmungsstörungen gibt.

    Als ich mich vor ein paar Jahren mit einer morbid adipösen (die übrigens Ende 50 wegen kaputter Knie schon im Rollstuhl saß) Kettenraucherin unterhalten habe, fing die an, sich über die Warnbildchen auf den Zigarettenpackungen aufzuregen und meinte, man solle doch aufhören den Übergewichtigen und den Rauchern das Leben schwer zu machen, sondern lieber den Scheiß-Säufern ihren Alkohol verbieten, das sei ja schließlich das Schlimmste überhaupt.
    Ihr war offenbar nicht klar, dass sie gerade mir damit ein wenig Fuß getreten ist, weil ich eigentlich recht gerne was trinke und ich dachte nur, naja, wenigstens musst du bei mir nicht ständig passiv trinken.

    Aus Neuglierde habe ich dann mal Studien zu Krankheitswahrscheinlichkeit/Sterblichkeit der Faktoren Rauchen/Trinken (also heavy drinking) gegoogelt.
    Tatsächlich gibt es davon diverse (wobei ich mich jetzt nicht sonderlich mit der Methodik etc. auseinandergesetzt habe). Zu meiner Riesenüberraschung haben diese Studien fast alle Übergewicht/Rauchen/Alkohol verglichen und sind zu dem genauen Gegenteil von dem, was jeder erwarten würde gekommen: Tatsächlich war Übergewicht das höchste Risiko, gefolgt von Rauchen und dann erst der Alkohol (damit will ich jetzt nicht das Trinken gutheissen). Jetzt fragt mal aus Spass etwas herum, was die Leute so denken. Alle, die ich gefragt habe, dachten Alkohol wäre das schlimmste und Übergewicht das kleinste Risiko.

    Wahrscheinlich muss man da noch genauer nachforschen, aber was, wenn es wirklich so ist? Wenn wirklich die Person, die sagt: „Ich bin zwar adipös, aber ich rauche und trinke nicht und bin daher gesünder als andere.“ mehr daneben liegt als die, die meint „Ich bin zwar Alkoholiker, aber wenigstens bin ich schlank und rauche nicht.“ Bei letzterer würden wir doch alle den Kopf schütteln, oder?

    Von daher finde ich eine verstärkte Aufklärung auch schon in Schulen richtig. Ja, auch hier in Berlin werden die Kinder teilweise penetrant über Ernährung aufgeklärt. Aber nicht so, wie es sein sollte. So glaubt mein Sohn, dass Zucker der Teufel aber Süssstoff noch schlimmer ist, das wurde ihnen in Nawi so beigebracht. Ach ja, und dass man 5 mal am Tag Obst und Gemüse essen sollte, und all die sowas. Aber andererseits glaubt er auch, dass der übergewichtige Klassenkamerad da gar nichts für kann und dass das Vererbung ist.
    Also werden simple Fakten über die Risiken von Übergewicht überhaupt nicht erwähnt, und wieder nur irgendwelche Ernährungs-Binsenweisheiten beigebracht. Weil die Lehrer es nämlich selber nicht besser wissen.

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    1. Mona

      Mir ist dazu noch etwas eingefallen. Manche Leute haben Gewichtszahlen im Kopf, die sie dann mit etwas assoziieren. Wenn sie hören, dass jemand 50 kg wiegt, dann denken die direkt, der/die ist doch magersüchtig, ganz egal, ob die Person nun 1,5 m oder 1,9 m groß ist.
      Ich habe auch schon gehört, dass ältere Menschen 70 kg bei Erwachsenen als zu dürr bezeichnen, einfach nur anhand der Zahl.
      Ich kenn das auch von Früher. Wenn man in der 5. Klasse als Mädchen über 60 kg hatte, da war man schon furchtbar dick nur wegen der Zahl, ist ja egal, dass man einen Kopf größer ist als die anderen. Kinder denken ja oft: Ich bin normal –> ich wiege 50 kg —> alle die 60 kg wiegen sind fett und alle die 40 kg wiegen sind krank.
      Bei manch anderen ist es so eingespeichert, dass ab 100 kg alle dick sind und alle unter 100 kg normal sind, egal wie groß oder klein man ist.

      Vielleicht bin nur ich auf solche Menschen getroffen? Ich finde es auf jeden Fall interessant, dass es auch solche Denkweisen gibt.

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      1. Michael Mendelsohn

        Darin besteht ja die eigentliche Leistung des BMI: Körpergröße und Gewicht so in Bezug zu setzen, dass „dick“ und „dünn“ eben nicht nur vom konkreten Gewicht bestimmt werden.
        Von „dick“ dann auf „ungesund“ bzw. „gefährdet“ zu kommen, macht eben nicht der BMI, der Wert ist da nur ein Indiz.

        Dass die Medien sich an BMI 30 als Grenze für Adipositas orientieren sollten, legt übrigens auch die medizinische Diagnostik nahe, siehe ICD-10 E66. Wer einen abweichende Definition von Adipositas verwendet, darf das natürlich gerne tun, sollte das dann aber schon kurz erläutern. „Adipositas per Magna“ ist ab BMI 40, möglicherweise ist die Zuordnung des Begriffs „Fettleibigkeit“ eher dazu?

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      2. sternenmond75

        …nein diese Menschen, die Zahlen ohne Zusammenhang bewerten, gibt es überall.

        Klappt ja auch manchmal, aber auch manchmal nicht. Wie bei der Kleidergröße von Frauen: trägt eine ca. 1,50 m große Frau Größe 40 ist davon auszugehen, dass sie nicht mehr auf dem Pfad des Idealgewichts wandelt (bitte jetzt nicht mit den Ausnahmen der kleinen Elfen mit sensationeller Oberweite ankommen!). Eine ca. 1,80 m große Frau hingegen wird auch mit schlanker Statur häufiger auf diese Größe (oder größer) ausweichen müssen (außer sie ist Model und genießt ein Fitting) weil „die Stange“ bei Hosen-/Kleider-/Rocklänge oder im Schulterbereich bei den kleineren Größen hier schlichtweg nicht sitzt/passt/zu kurz ist. Dennoch gibt es dann einige Leute, die bei Kleidergröße 40/42/44 sehr kritisch die Augenbrauen hochziehen (jetzt mal unabhängig von dem elenden Umstand, dass auch noch von Kleidermarke zu Kleidermarke die Größen ganz eigen interpretiert werden – DIN hin oder her *GRRRRR*) oder das andere Extrem: kleine schlanke Frauen bei Größe 32/34 angefeindet werden. ÄTZEND!

        Da wird also „Size-Shaming“ betrieben 😉

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      3. Käse

        Eigentlich ist das Hirn generell darauf ausgelegt eher assoziativ zu denken.

        Das heißt: eigentlich passiert das ständig, das „in sich logische denken“ ist das schwierige. Das Assoziative das „einfachere“. Wobei es dabei ja auch noch unterschiedliche Komplexitätsstufen gibt.

        Man wirft ein Wort in den Raum, und schon haben Leute ein Bild im Kopf, oder irgend eine andere Sinnesverknüpfung. Überprüfung? Fehlanzeige. Ob das nun Kilogramm, BMI, „gesund“, schlank, adipös, Hungerstoffwechsel oder Trump sind: der erste Eindruck zählt.

        Klar, man kann durch Aufklärung bestimmte Eindrücke anders priorisieren. Funktioniert aber nicht mit allem. Die Bilder auf Zigarettenpackungen oder auch eine Nährwertampel würden nicht viel ändern. Eher im Gegenteil: Die Bilder und die Ampelfarben laden wieder zum assoziieren als zum differenzieren Betrachten ein.
        Wer nicht will, der will nicht.

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  16. Katja

    Es ist wirklich spannend, wie sich auch die eigene Wahrnehmung verändert. Ich weiß, dass ich in den letzten Jahren, mich immer mal wieder verglichen habe mit wer weiß wem. Der Verkäuferin beim Bäcker, der Freundin, Arbeitskollegin oder einfach der Frau auf der Straße. In meinem Kopf war immer klar, so dick bist du gar nicht. Selbst eine Ärztin sagte mir mal, ich sei zwar nicht schlank, sie sähe aber kein Problem bei meinem Gewicht. Nur so nebenbei, ich wog damals mehr als jetzt, wo ich schon gut 10 Kilo abgenommen hab. Letztendlich untermauerte alles nur meine Gedanken, dass ICH ja gar nicht so dick sei…
    Inzwischen ist meine Wahrnehmung da ein wenig anders. Ich schau schon genauer hin und kann das zu viel an Gewicht auch erkennen. Ich kenne Undine de Rivière, die vor kurzem auch hier einen Gastbeitrag hatte, noch aus den Zeiten, wo sie adipös war. Ich habe sie damals immer als eine wunderschöne, kurvige Frau wahrgenommen. Jetzt, wenn ich die Vorher-Nachher Bilder siehe, nehme ich das zu viel deutlicher wahr und wunderschön ist sie noch immer. 😉

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  17. Bernd

    Ich bin 1,85 Meter groß und wiege 107 Kilo. Adipositas. Und das nicht nur nach BMI-Index. ICh hab ne krasse Wampe. Als ich mal eine Diskussion übers Abnehmen angefangen habe, meine einer, dass ich doch nicht fett wäre. Ich hatte auch immer wieder Freundinnen, die weitaus dünner waren als ich, aber nie meinten, dass ich fett wäre. Und die hatten alle normales Gewicht. Die Wahrnehmung ist tatsächlich faszinierend unterschiedlich.

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  18. Katharina

    Ich finde den Artikel (und die Diskussion hier) irgendwie am Thema vorbei. Die Leute wurden doch gefragt, wen sie als „ZU dick“ empfinden und das ist ja auch erstmal eine Frage der Ästhetik und eben nicht nur der Gesundheit. Und offensichtlich finden die meisten Menschen von ihrem ästhetischen Empfinden her irgendwas zwischen hohem Normalgewicht und leichter Adipositas schöner als niedriges Normalgewicht bzw. Untergewicht und sehr starke Adipositas. Und das ist auch gar nicht weiter verwunderlich oder ein mediales Problem, das war schon immer so. Wir haben eher die Ausnahme-Jahrhunderte erwischt, wo es die Tendenz zum gesünderen, fitteren Schönheitsideal gab oder gibt. In vielen Zeiten und Kulturen galt und gilt irgendwas zwischen BMI 25 und 40+ als schön, nicht nur bei Frauen. Wenn man Leute wirklich aufklären will, muss man doch grade diese falsche Verknüpfung knacken. Also, auch wenn jemand als „schön“ gilt – was immer das im Einzelfall heißt, kann er/sie medizinisch gesehen zu dick sein. Oder anders ausgedrückt: wenn ich meine Eitelkeit voranstelle, weil ich z.B. mit Normalgewicht kacke aussehe, dann werde ich eben mit einem mehr oder minder erhöhten (Rest-)Risiko leben müssen. „Schönlogik“ überwinden sozusagen.

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  19. Shark

    Ich finde in dem Zusammenhang auch die „skinny fat“-Sache interessant. Wenn heute schon Adipöse nicht mehr als solche wahrgenommen werden, weil deren Figur zur Norm geworden ist, dann werden Vertreter der Skinny-fat-Fraktion erst recht nicht erkannt.

    Wer Größe 36/38 trägt, kann ja kein ungesundes Maß an Fett haben, nicht wahr?

    Mir fällt das besonders bei Mädchen und jüngeren Frauen auf, da die ja meist im Sommer enge Tops anhaben. Da finde ich erschreckend, was da manchmal für Speckbäuche zur Schau gestellt werden, die eben anscheinend nicht als solche wahrgenommen werden.

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