Fettlogik & Psychotherapie

Zu meine Jubiläum gab, bzw. gibt (die Aktion läuft noch ein paar Tage) es die Möglichkeit, mir Fragen zu stellen. Da einiges zusammenkam, habe ich schonmal gesammelt und gruppiert. Grob zeichnen sich die Bereiche Arbeit, aktuelles Ernährungsverhalten und sonstiges/persönliches ab. Ich fange einfach mal mit dem Bereich Arbeit an 🙂

Meine Frage: welche Zusammenhänge, die du in deiner psychologischen Ausbildung und Tätigkeit kennengelernt hast, haben dir beim Abnehmen am meisten geholfen?

Dazu musste ich jetzt länger grübeln, aber es läuft tatsächlich auf „keine“ hinaus, selbst wenn das krass klingt. Das Thema Übergewicht begleitet mich schon mein Leben lang und natürlich hatte ich zwischendurch bewusst oder unbewusst die Hoffnung, durch Studium oder Ausbildung auf irgend etwas hilfreiches zu stoßen. Das war aber nicht der Fall. Auch in der verpflichtenden (Gruppen)Psychotherapie im Rahmen der Ausbildung kam das Thema Gewicht nicht auf, was einerseits daran lag, dass ich damals mitten im Fatacceptance-ich-habe-kein-Problem-mit-meinem-Gewicht-Modus war und andererseits daran, dass ich den Therapeuten nicht besonders mochte und dann lieber ein weniger emotionales Thema nahm (so unemotional, das ich mich nichtmal mehr daran erinnere, welches es war).

Beim Durchsehen meiner alten Unterlagen zum Thema Essstörungen und Adipositas fiel mir dann neulich auf, dass die voll mit Fettlogiken sind, z.B. der Minnesota-Starvation-Study, die als Begründung für den „Setpoint“ herangezogen wurde. Die Ausbildung hat mich tatsächlich auch in meier Fatacceptance-Überzeugung eher bestärkt, denn ich habe daraus nochmal die Bestätigung mitgenommen, dass meine Diäten mir den Stoffwechsel zerstört hätten.

Das soll nun nicht heißen, dass Psychotherapie nichts nützliches zum Thema Gewicht zu bieten hat, aber ich glaube, ich schrieb auch in Fettlogik, dass mir wohl einfach die Voraussetzungen fehlten. Durch die Fettlogiken war ich dermaßen überzeugt davon, dass alles viel zu schwierig sei, dass ich gar nicht wirklich Strategien ausprobierte.

 

Ich bin selbst auch Psychologin, arbeite auch mit Patienten (chronischer Schmerz), u.a. geht es da auch um Aktivitätsaufbau etc. Ich habe mich tatsächlich immer mal gefragt – wie unglaubwürdig bin ich denn eigentlich, ich „weiß“ ja offenbar wie es geht, verstehe (und lehre/erkläre) Lernprozesse, Verstärkung von Verhalten und so weiter, und kann es ja offensichtlich nicht mal selbst umsetzen. (Gleichzeitig weiß ich natürlich auch, dass Wissen alleine nicht reicht, und welche Prozesse gesundes Verhalten verhindern, blabla, aber irgendwie war das schon immer mal präsent.) Kanntest du solche Gedankengänge auch?

Ja 🙂 Ich hatte die selbst ziemlich oft und gelegentlich habe ich das auch explizit angesprochen, wenn ich z.B. über die positive Wirkung von Sport was gesagt habe. Also so der Marke „Na ja, ich halte mich da selbst nicht dran, aber *hüstel* …“  – ich dachte auch selbst, dass gerade wenn es um unangenehme Dinge geht, wo man als Patient auch mal in Abwehr geht, es eigentlich nahe liegt dann sowas zu denken wie „Tzö, was will die mir eigentlich erzählen …“ aber es hat mich überrascht, dass das bei Patienten wohl meist nicht der Fall war, zumindest nie so, dass es auffiel. Wenn das doch mal im Laufe einer Therapie irgendwie zur Sprache kam, dann sogar eher positiv, also dass die Patienten meinten, sie fänden es ganz entlastend, dass ich auch nicht „perfekt“ sei und vielleicht auch wüsste, wie schwierig manche Dinge sind. Oder dass ich eben „trotzdem“ zufrieden und selbstbewusst wirkte und ihnen das zeigt, dass es eben möglich ist, das zu sein ohne erst dieses und jenes erreichen zu müssen. Es gab, soweit ich mich erinnere, nur eine Situation in der es für eine Patientin merklich unangenehm war. Die war sehr schlank und druckste irgendwann herum im Bezug auf ihre Eheprobleme, bis sie sich dann überwand und meinte, es störe sie, dass ihr Mann so zugenommen habe, aber es sei nicht so, dass sie was gegen Übergewichtigere habe oder so … sie war dann merklich erleichtert, als ich ihr rückgemeldet habe, dass ich das verstehe und nicht persönlich nehme – was auch stimmte.

 

Mich würde interessieren, ob sich durch das Ablegen von Fettlogiken deine Sicht auf Essstörungen jeglicher Art (Anorexie, Bulimie, BED…) verändert hat. Und ob du – falls du als Psychotherapeutin damit zu tun hast – mit Betroffenen vielleicht sogar anders umgehst oder Therapieformen anders bewertest? Oder hat dein professionelles Ich in dem Sinne nichts mit deinen persönlichen Überzeugungen zu tun?

Doch, das hat sich verändert. Das ist für mich kein ganz einfaches Thema, weil ich im Nachhinein merke, dass ich definitiv Fehler in manchen Psychotherapien gemacht habe. Allerdings war ich damals noch in Supervision und muss dazu sagen, dass alles „von oben abgesegnet“ war und ich kenne Leute, die noch an meiner Ausbildungsstelle arbeiten oder in Therapie sind und weiß, dass das weiterhin so läuft.

Ich hatte damals aufgrund meiner eigenen Gewichtsthematik darum gebeten, lieber keine primär essgestörten Patienten zu bekommen, aber es gab einige, bei denen das eine Nebendiagnose war. Wie gesagt war ich damals ziemlich auf dem Fatacceptance-Trip und fand es viel wichtiger, sich selbst zu akzeptieren. Ich sprach also meine Unter- und Übergewichtigen Patienten von mir aus gar nicht auf ihr Gewicht an und so war es meistens gar kein Thema, weil die Hauptrobleme im Vordergrund standen. Das ist etwas, das ich heute auch kritisch sehe, denn ich weiß mittlerweile, wie stark die körperliche Seite mit der psychischen zusammenhängt – also auch im Bezug auf Nährstoffe und hormonelle Einflüsse durch das Gewicht und Sport.

Ich erinnere mich an eine Patientin, die sehr unzufrieden war mit ihrem Körper. Damals hätte ich gesagt: schlank, heute weiß ich, dass sie eine wirklich extreme Ausprägung von Skinnyfat war. Als sehr einseitig essende Vegetarierin trieb sie gleichzeitig enorm viel Ausdauersport, in der Hoffnung, ihren Körper zu verändern. Sie wollte Muskeln aufbauen, aber tatsächlich bewirkte das natürlich bei der einseitigen Ernährung und dem Fokus auf Ausdauer eher das Gegenteil und sie baute Mukeln ab.

In ihrem Fall habe ich aus heutiger Sicht z.B. absolut versagt, weil ich mit ihr nur Übungen zur Selbstakzeptanz gemacht habe, die ihr aber kaum geholfen haben. Ich denke, ihre Problematik von Depression und sich insgesamt Hilflos und Ausgeliefert fühlen hätte es wesentlich mehr geholfen, das Thema Ernährung, ausreichend Protein und Kraftsport anzugehen. Nicht primär aus irgendwelchen optischen Gründen, obwohl es ihr sicher auch geholfen hätte, sich selbst im Spiegel attraktiver zu finden, aber hauptsächlich auch weil ich denke, sie hatte einige Nährstoffmängel, die ihre Depression verstärkt haben. Darüber hinaus wäre es vermutlich eine verhältnismäßig schnelle und wirksame Art gewesen, wie sie ein Kontrollgefühl bekommen hätte und die Wahrnehmung, nicht mehr hilflos zu sein und mit ihren Handlungen wirklich etwas ändern zu können, hätte vermutlich geholfen, auch in anderen Bereichen diese Erfahrung zu machen.

Bei ihr wäre das im Nachhinein sogar der beste Ansatzpunkt gewesen, weil das der einzige Bereich war, in dem sie trotz ihrer Depression immer aktiv war, und umso schlimmer war es, dass es kein Ergebnis brachte. Man hätte mit verhältnismäßig wenig Aufwand da sehr viel erreichen können, und das hätte ihr Selbstvertrauen und auch ihr Vertrauen in die Behandlung sicher sehr gestärkt, so dass auch schwierigere Bereiche möglich gewesen wären. Statt dessen musste sie die Erfahrung machen, dass ich quasi an ihren Wünschen vorbeitherapiert habe und ihr vermittelt habe, dass sie das was sie will ohnehin nie erreichen kann und sich besser so akzeptiert. Letzteres ist in manchen Bereichen, wenn es wirklich unrealistische Erwartungen sind, sicher nicht komplett falsch, aber in ihrem Fall war es eben nicht unrealistisch was sie wollte.

An diese Patientin denke ich auch heute noch oft, weil das der gravierendste Fall in diese Richtung war und ich es eigentlich auch schrecklich finde, Patienten eigene Ideen aufzudrücken. Normalerweise versuche ich immer, Patienten in ihrem eigenen Weg und eigenen Zielen zu helfen und eben nicht irgendwelche eigenen Vorstellungen auf sie überzustülpen. Ich denke auch, sonst gelingt mir das ganz gut, aber in diesem Fall merke ich im Nachhinein, dass ich da vollkommen daneben lag und dass mir wohl auch meine eigenen Probleme im Weg standen.

Mittlerweile hat sich also da durchaus meine Einstellung verändert. Ich bin nach wie vor voll für Eigenverantwortung und eigene Ziele. Also wenn ein Patient mit 150 kg zu mir kommt und mir sagt, dass das Gewicht kein Bereich ist, den er in der Therapie behandeln will, ist das etwas, das ich akzeptiere und dann auch nicht dränge oder ja-abere. Anders als vorher würde ich aber das Thema Unter- oder Übergewicht nicht einfach ignorieren, sondern würde die körperlichen Zusammenhänge zur Psyche ansprechen, so wie ich es auch mit anderen relevanten Faktoren, wie z.B. Schlaf mache. Wenn ich zum Arzt gehe, weil ich ein schmerzendes Knie habe, und er sieht bei der Untersuchung ein auffälliges Muttermal, dann erwarte ich ja auch, dass er das zumindest anspricht und fragt, ob mir bewusst ist, dass das evtl. ein Problem sein könnte. Ich fände es ziemlich unlustig, wenn ich nach einem Jahr mit der Diagnose Hautkrebs in die Praxis käme und er dann sagen würde „Ja klar, dass das auffällig ist, habe ich mir schon immer gedacht, aber ich dachte, sie würden schon fragen, wenn Sie meine Meinung dazu wollen.“ – Man muss die Fakten zumindest kennen, um eine informierte und freie Entscheidung treffen zu können.

Falls sich generell irgendwer wundert: Ich habe mich sehr bewusst für Verhaltenstherapie im ambulanten Setting entschieden, gerade wegen der Machfrage. Zwang und Druck auszuüben ist etwas, das ich generell ablehne, daher kommt für mich auch die Arbeit in Psychiatrien, Gefängnissen oder Entzugskliniken nicht in Frage, da das dort oft nicht zu vermeiden ist. In der ambulanten Verhaltenstherapie begegnet man sich dagegen auf Augenhöhe und der Patient hat selbst die Wahl, ob und wie er das umsetzt, was in der Stunde Thema ist. Meine Aufgabe ist dabei, nachvollziehbar zu vermitteln, warum bestimmte Dinge hilfreich sind und welche Möglichkeiten sinnvoll sein können – nicht, irgendwem zu sagen, wie er zu handeln hat.

Kurz: An meiner Grundeinstellung hat sich nichts geändert, allerdings ist mir inzwischen bewusst geworden, wie stark der Einfluss von Ernährung, Bewegung und Körpergewicht auf die Psyche ist, so dass ich die Bereiche im Rahmen von Information/ Selbstverantwortung mehr einbeziehe und nicht nur in irgendwelchen Nebensätzen mal erwähne, dass Ausdauersport Studien zufolge ähnlich wie Antidepressiva wirkt, sondern konkret die Zusammenhänge erkläre und auf die Art eher vermittle, warum es sinnvoll sein kann, die Bereiche anzugehen. Bisher habe ich damit gute Erfahrungen gemacht.

 

So, dafür, dass es nur drei Fragen waren, bin ich doch ziemlich ausführlich geworden. Falls noch Fragen offen sind, könnt ihr die natürlich gerne stellen.

8 Gedanken zu “Fettlogik & Psychotherapie

  1. Mona

    Mir geht es auch so, dass wenn mir jemand etwas erklärt und es gut begründet und mich nicht zwingt, dann finde ich es ganz sympathisch, auch wenn ich dann sehe, dass die Person mit dem Wissen auch Probleme bei der Umsetzung hat. Liegt vielleicht daran, dass ich recht ehrgeizig bin und es dann probiere, wie ich das selbst hinbekomme, wenn ich es insgesamt als sinnvoll ansehe.

    Die Antwort auf die letzte Frage ist auch toll. So menschlich und gut nachvollziehbar. Im Nachhinein ist man oft schlauer.

    Mir fallen keine Fragen ein. Ich freue mich sehr, dass andere Menschen so tolle Fragen stellen und eine ausführliche Antwort bekommen.

    Gefällt mir

  2. Frank

    Mal nebenbei angemerkt, weil es nicht alltäglich ist:
    EMN, ich finde deine ehrliche, selbstkritische Art, wie du mit Fehlern (noch dazu öffentlich) umgehst, sehr erfrischend.

    Gefällt mir

  3. Jemand

    Gerade in einem Bereich, in dem Selbstreflektion vermutlich nicht so ganz unwichtig ist, ist es doch schön zu sehen, dass das auch „auf der anderen Seite“ funktioniert und man nicht einem selbsternannten Halbgott der auswendig gelernten Wenn-Dann-Beziehungen gegenüber sitzt 😉 (Sagt jemand, der von diesem Fach mal so gar keine Ahnung hat)

    Gefällt mir

  4. fak

    Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und widerspreche deiner eigenen Antwort zur ersten Frage, obwohl du es nun natürlich wirklich besser beurteilen können müsstest. Warum? Ich bin selber kein Psychologe, habe aber selbst Verhaltenstherapie in Anspruch genommen und auch in Gruppen gesehen, wie Verhaltenstherapeuten/-therapeutinnen mit anderen gearbeitet haben. Ich habe keine Ahnung, ob man das im Fach selbst auch so sehen würde, aber meine Kurzformel dafür, was gute Verhaltenstherapie macht, ist, dass sie Handlungsfähigkeit wieder herstellt; ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, bzw. von Kontrolle, wie du es ja hier auch selbst schreibst. Und nun war das vielleicht nicht bewusst, aber ist nicht das genau das, was du mit der Recherche und den Schlüssen, die du daraus gezogen hast, gemacht hast? Indem du eben diese Mythen ausgeschlossen hast, die ein Gefühl von Hilflosigkeit vermittelt haben? Ich halte es schon für plausibel, dass hinter dieser Vorgehensweise auch etwas steckt, das mit den Zielen einer Verhaltenstherapie kongruent ist. Zumindest hast du mit dem Buch mit mir genau das gemacht, was ich eben geschrieben habe, nämlich Handlungsfähigkeit wiederhergestellt, das beschreiben ja auch andere ähnlich. Liegt es da nicht nahe, zu sagen, dass du zuerst im Prinzip dasselbe mit dir selbst gemacht hast und ist das nicht irgendwie eine verhaltenstherapeutische Vorgehensweise in gewissem Sinne?

    Gefällt 1 Person

    1. Ich gebe dir recht, dass das Buch natürlich meinen, also einen prinzipiell verhaltenstherapeutischen, Ansatz spiegelt.

      Ich hatte die Frage allerdings konkreter verstanden und wenn es um konkrete Inhalte geht, kann ich eben nicht sagen, dass mich etwas davon erreicht hat. Wenn man nun ganz abstrakt wird kann man natürlich sagen, dass die Ausbildung dazu beigetragen hat, mich letztlich zu dem Menschen zu machen, der ich dann mit 30 war, und der diese Mythen ausgeschlossen hat. Aber dann könnte man halt auch sagen, dass die Grundschule oder mein Praktikum mit 15 mir in diesem Prozess etwas vermittelt hat, und das wäre wohl ebenso richtig.

      Gefällt mir

  5. Michael Mendelsohn

    Danke für die Antworten! „Geistiges Wachstum durch Abnehmen“ könnte man es zusammenfassen. 🙂

    Ich hatte gehofft, dass bei meiner Frage (der ersten) etwas zur Steuerung des Eigenverhaltens abfällt: Einsichten, wie die Motivation, sich einzuschränken, zustandekommt, und was sie gefährdet (Umgang mit Versuchungen etc.). Schließlich ist ja Verhaltensänderung oft ein Ziel einer Therapie.

    Gefällt mir

  6. Kaja

    Wow, danke für die Antworten! Ich bin auch ganz beeindruckt davon, wie selbstkritisch und offen du mit früheren „Fehlern“ umgehst. So eine Therapeutin hätte ich auch gerne gehabt 😉

    Gefällt mir

  7. Katharina

    Hallo allerseits,
    ich möchte noch ein anderes Kriterium beisteuern: mein „Baustein“ heißt Realismus.
    Vor 6 Jahren habe ich eine Psychoanalyse abgeschlossen. Bin lebenslang übergewichtig und durch depressive Episoden geplagt. Ich brauchte eine Psychotherapie sehr dringend, denn ich befand mich damals in einer schweren Krise. Interessant: Ich war ganz froh, dass ich eine Analyse (klassisch, mit Liegen auf der Couch) gewählt hatte und nicht mit meinem „Verhalten“ konfrontiert wurde, jedenfalls nicht so, wie ich damals jegliche Verhaltenstherapie verdächtigte. Ich hatte das unumstößliche Vorurteil, dass ich dort einen 10-Punkte-Plan bekommen würde. Aber, gut. Ich hatte ja auf der Couch bei jeder Stunde die Gelegenheit, mein Thema selbst zu bestimmen.
    Was passiert ist: Ich habe neu sehen gelernt. Ich habe für mein gesamtes Leben die „Logiken“ kritisch und damit realistisch sehen können, teilweise über Bord werfen können – all die Schönrednereien, die Lügen, die mäandernden Not-Erklärungen. Ich habe gelernt, es so zu sagen, wie es ist. Auch endlich, dass ich dick bin. Und dass das nicht gut ist.

    Es hat bei 1,80 m Körpergröße noch während und nach der Analsye bis zu 128 Kilo gereicht. Dann blieb „es“ stehen. Ich nahm nicht mehr zu. Ich kam – wenn auch sehr allmählich – vom Essen los. Inzwischen kommt aber ehrlicherweise dazu, dass ich mit fast 50 Jahren Bluthochdruck, Kniearthrose, Schlafapnoe und venöse Insuffizienz habe. Auch dieser „feine Katalog“ ist mir behilflich, das Essen peu a peu umzuwerten.

    Nach einer Internet-Recherche-Runde zu „Fatacceptance“ bin ich nun hier gelandet. Ich habe zwar den Hungerstoffwechsel- Lügenknochen nie so richtig im Mund gehabt – aber für mich ist das Buch und das Thema Fettlogik etwas ganz anderes geworden: die Gewissheit, endlich realistisch auf dieses Thema schauen zu können.
    Ich sehe inzwischen Fatacceptance als einen Übergangsmodus an, durch den man als adipöse Frau vielleicht durch muss, um zum fett-logik-befreiten Realismus zu kommen. Die Gefahr dabei ist, in dem Übergang stecken zu bleiben.

    Wieder mit meiner mir eigenen Langsamkeit bewege ich mich seit einem Vierteljahr nach unten und habe jetzt – mit 124 Kilo begonnen – 10 Kilo weniger. Noch ein praktischer Motivationshelfer: ein von meiner KK finanzierter Kurs. 16 übergewichtige Frauen, eine Psychologin, eine Ernährungsberaterin, ein Sportlehrer. Aus den fett-logischen Tipps der Ernährungsberaterin habe (schmunzelnd) ich meine individuelle fett-logik-kritische (noch nicht ganz befreite) Weise gemacht. So komme ich vorwärts.

    Es lebe der Realismus.

    Gefällt mir

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s