Gastbeitrag: Warum FLÜ allein (mir) nicht reichte

Gestern schickte mir Ines einen Gastbeitrag zu einem Thema, das schon gelegentlich aufkam: Was, wenn Fettlogik nicht motiviert, sondern das Gegenteil bewirkt und Druck erzeugt? Bei Ines, 27, war dies zumindest zeitweise der Fall und sie hat ihre Geschichte und ihre Gedanken dazu aufgeschrieben. Möglicherweise finden sich darin einige wieder, denen es ähnlich geht oder ging – auch ich konnte mich damit identifizieren (siehe mein Blogartikel von Juni zum Thema „Arsch über Latte“) und fand den Beitrag auch selbst nochmal hilfreich:

 

Liest man im Forum, wann es bei den Leuten „Klick“ gemacht hat, ist die Antwort zu 80-90%: „Nachdem ich FLÜ (= FettLogik Überwinden) gelesen habe!“ Die Leute hatten wieder das Gefühl, selbst die Kontrolle über ihr Gewicht zu haben und sind es angegangen.
Ich habe den FLÜ-Blog im Juni 2015 gefunden. Habe die Blogartikel verschlungen, das neue Wissen begierig gelesen. Das klang alles so viel logischer als diese Hungerstoffwechseltheorien! Damit sollte ich es auch schaffen! Aber irgendwie meinte mein Kopf, dass er nichts anfangen könne mit der Motivation, die ihm da quasi auf dem Silbertablett serviert wurde. Die Euphorie wich ziemlich schnell einem unangenehmen Druck. Je länger ich wusste, dass ich keinen mysteriösen Stoffwechselkobolden ausgeliefert war, desto mehr Frust baute es bei mir auf, dass ich nicht endlich etwas änderte. Der „Klick“, den so viele andere hatten, legte bei mir anscheinend einen Schalter um, über den kein Strom lief. Im Folgenden möchte ich ausführen, wo ich schließlich mein „Kraftwerk“ gefunden habe.

Zunächst ein kurzer Blick auf meine bisherige Geschichte:

  • 08/2013: Ich beschließe abzunehmen (Gewicht: 114kg)
  • 06/2015: Ich entdecke den FLÜ-Blog (Gewicht: 70kg)
  • 09/2015: Ich erreiche mein erstes Ziel (64kg auf 1,63m) und will eigentlich weiter abnehmen. Stattdessen fährt die Gewichtskurve Zickzack und ich finde gerade genug Motivation, um zwischen 67 und 65kg zu pendeln.
  • 06/2016: Ich kaufe mir endlich die Printversion von FLÜ, starte neu mit 67,6kg und beschließe „Diesmal bis zum Ende!“
  • 09/2016: 59,0kg, also 8,6kg runter, Tendenz fallend (500-600g/ Woche im Durchschnitt)

Wie man sieht, habe ich mit dem Abnehmen begonnen, deutlich bevor ich FLÜ kannte. Ich habe meinen Grundumsatz gegessen (der damals mit 1.600-1.700kcal noch schön hoch lag) und gut Kilos verloren. Eigentlich müsste man doch meinen, ich hätte FLÜ gar nicht „nötig“, oder? Ich hatte ja offensichtlich meinen Weg gefunden. Allerdings gab es dann mehrere Faktoren, die mir das Abnehmen erschwert haben.

Einen hatte ich recht schnell identifiziert: Nach ca. 25kg Abnahme hatte ich genug vom „nur-für-mich-abnehmen“ und habe mir ein Abnehmforum gesucht, um mich auszutauschen. Da wurde ich das erste Mal mit dem Hungerstoffwechsel und einer recht extremen Idee eines Jojo-Effekts bekannt gemacht. Es gab ganze „Stoffwechselaufbaugruppen“ und da mir das Ganze irgendwie logisch erschien, habe ich diese Weisheiten recht schnell ebenfalls verbreitet.

Meine Abnahme wurde dann auch langsamer, was ich auf einen „eingeschlafenen Stoffwechsel“ zurückführte – der wahre Grund war wohl eher der verminderte Verbrauch durch das verlorene Gewicht und mein höherer Trainingsgrad beim Sport bei gleichbleibender Intensität. „Logische“ Schlussfolgerung aus dem Forum: Ich musste mehr essen, was ich natürlich tat. So eierte ich ewig um die 70-72kg herum, wochenlang, monatelang. Dann fand ich FLÜ, las den Blog und fand, dass das alles so viel logischer klang als die Theorien aus dem Forum.

Ging Abnehmen deswegen schneller? Ein wenig. Aber es war immer noch langsam, begleitet von reichlich Ausnahmen; die Motivation für den Sport fehlte allzu oft und als ich die 64kg erreicht und damit 50kg abgenommen hatte, war auch dieser Rest vorbei. Ich habe noch eine Weile halbherzig gezählt und Sport gemacht, auch auf der Waage stand ich weiterhin 1x/ Woche. Aber so richtig wollte die nicht abwärts gehen. Und ich „wusste“ ja, dass es im Normalgewichtsbereich schwieriger werden würde.

Sprung 9 Monate später: Es ist Juni 2016 und ich beschließe wieder loszulegen. Mache mir ein Konzept, ziehe das durch. Habe am Anfang ein paar Rechenfehler drin bei der Schätzung von Kalorienaufnahme und -verbrauch, die aber schnell erkannt und behoben sind. Es geht erfolgreich abwärts und das in einem Tempo, das für mich zufriedenstellend ist – gerade weil ich ja im Normalgewichtsbereich bin. Vor kurzem habe ich die U60 geknackt, was ich vorher nie wirklich für realistisch gehalten habe. Ich weiß noch, ich hatte das im anderen Forum als „utopisches Traumziel“ definiert. Und jetzt? Bin ich dabei, bis Ende des Jahres so weiterzumachen, sodass ich dann hoffentlich bei 50-53kg ankomme und das Projekt „Abnehmen“ abgeschlossen ist. Nächstes Jahr geht es dann an Muskelaufbau und Körper definieren.

Die eigentliche Frage ist doch aber: Was hat sich denn noch geändert, abgesehen von Forum und FLÜ? Simple Antwort: Mein Job. Denn wenn wir uns nochmal den Zeitstrahl von oben nehmen, kann ich einen zweiten daneben legen:

  • 03/13 – 03/15: Job 1 (Frankfurt)
  • 03/15 – 03/16: Job 2 (Frankfurt)
  • seit 05/16: Job 3 (Mannheim)

Job 1 war mein erster Job nach dem Studium. Neue Stadt, eigene Wohnung, neuer Job, nette Kollegen, keine finanziellen Sorgen mehr. Ich bin aufgeblüht, als ich nach Frankfurt gezogen bin. Ich wurde auf Arbeit trotz BMI 43 sofort akzeptiert und integriert, ich mochte meinen Job und ich liebte die Stadt, in der es so viel zu tun und zu entdecken gab. Und mit dem Erwerb meines ersten Smartphones im Juli 2013 habe ich dann beschlossen, das mit dem Abnehmen nochmal zu versuchen. Nun konnte ich endlich eine der fddb-Apps nutzen und das habe ich auch fleißig getan.
Job 2 kam, weil Job 1 befristet war und ich in der Gegend bleiben wollte. Die Arbeit an sich war okay, mit den Kollegen bin ich allerdings nie wirklich warm geworden. Während sie sich untereinander geduzt haben, wurde ich auch nach Monaten gesiezt. Parallel dazu ist meine Gewichtskurve deutlich flacher geworden und dann eben in den Zickzack-Kurs nach Erreichen des ersten großen Ziels übergegangen. Ich hatte mich im Grunde damit abgefunden, dass ich wohl nicht weiter runter kommen würde, da müsste ich mich viel zu sehr anstrengen und einschränken usw.
Auch Job 2 war befristet, ich bin allerdings nicht nach den 2 Jahren im Vertrag gewechselt sondern bereits nach einem Jahr – zu Job 3. Die Wohnungssuche war schwierig, der Umzug energieraubend. Aber ich liebe den Job, ich mag meine Kollegen und ich fühle mich hier so wohl wie bei meinem ersten Job damals. Und nach nur einem Monat in dieser positiven Umgebung habe ich beschlossen, es eben nochmal anzugehen. Und diesmal richtig! Also kaufte ich mir endlich die Printversion von FLÜ und las sie in 2 Tagen durch. Dann machte ich mir einen Plan und den ziehe ich jetzt auch durch.

Was ich mit dieser Geschichte schlussendlich ausdrücken will: FLÜ hat mir wichtige Dinge gegeben, die ich nach Erreichen meines ersten Ziels zum Weitermachen dringend brauchte: Eine neue Vision von mir (ein klares Ziel!!) und Faktenwissen zum Thema Stoffwechsel. Auch das Forum habe ich durch FLÜ gefunden und dafür bin ich sehr dankbar.
Was FLÜ (allein) bei mir nicht schaffte, war es, der großen Motivation tatsächlich Taten folgen zu lassen. Dafür brauchte ich erstmal freie mentale Kapazitäten, die waren nämlich mit Jobsorgen und stärker werdenden depressiven Phasen schon so sehr ausgeschöpft, dass mehr als ein „Gewicht gerade so im Rahmen halten“ nicht drin war. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mir das Buch erst so vergleichsweise spät zugelegt habe. Ich wusste ja grob, was drinstehen würde, hatte aber zu Zeiten von Job 2 einfach nicht „den Nerv“ mich damit auseinanderzusetzen. Die Motivation, die das Buch eigentlich liefern kann/ sollte, hätte mein überlastetes Hirn als „Druck“ uminterpretiert und unter diesen Voraussetzungen wollte ich es nicht lesen. Erst, als ich wieder den Kopf frei hatte, konnte ich mich wirklich auf FLÜ einlassen und das daraus Gelernte erfolgreich in die Realität umsetzen.

10 Gedanken zu “Gastbeitrag: Warum FLÜ allein (mir) nicht reichte

  1. Rosalynne

    Ich erkenne in diesem Beitrag meine eigene Geschichte mit FüL – Ich habe seit 2011bis 2013 60kg Gewicht verloren durch WW, aber es hat stagniert und ist sogar 20kg rauf bis 2015. Ich habe es im März 2015 gelesen, und das hat mich immerhin soweit motiviert, erneut bei Weight Watchers einzusteigen, 10kg abzunehmen – davon aber 5 innerhalb der nächsten Monate wieder zuzunehmen. Erst im Februart 2016 habe ich mich selber motivieren können, das Projekt „normaler BMI“ mal wieder anzupacken, und jetzt ist auch 18kg weg seit dort. Das Erkennen von Fettlogiken ist das eine – sich aufzuraffen und was anzupacken, die Veränderung, ist halt das andere.

    Gefällt 2 Personen

  2. Henrike

    Vielen Dank für Deine Geschichte, Ines! Das ist mal ein ganz anderer Blickwinkel als mein bisheriger, finde ich sehr erhellend und auch hilfreich! Genügend innere Kapazitäten frei zu haben, die Abnahme in den Hauptfokus zu nehmen und sich mit oberster Priorität darauf zu konzentrieren, hilft ungemein, aber das kann man sich meist nicht aussuchen.

    Und tatsächlich ist es bezüglich des Gewichtes inzwischen meine größte Angst, das Ziel aus den Augen zu verlieren (das gilt ja auch und vor allem später beim Halten), weil einem das Leben dazwischen grätscht. Es ist gut, sich das rechtzeitig bewusst zu machen, danke dafür.

    Und auch hier nochmal Gratulation zu Deiner Wahnsinnsleistung!!!

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo und danke für diesen Beitrag! Ich erkenne mich selbst auch wieder, denn auch bei mir klappt das Abnehmen nicht so gut, wenn ich den Kopf nicht frei habe. Ich habe FLÜ erst gestern bekommen und die ersten 70 Seiten schon gelesen. Ich hoffe, es kommt noch was zum Thema Stress. 😉 Ansonsten toll, wie Du dann die Kurve doch bekommen hast und Dich nicht mehr von allen anderen „zutexten“ lässt (das ist auch mein Problem…). LG, H.

    Gefällt mir

  4. Inita

    Ojeojeojeoje … den „Stoffwechsel-Thread“, den kenn ich, das ist so ungefähr das Unheilvollste, was es in diesem Abnehmforum gibt.

    Eine bestimmte Frau hat es den Leuten dort vor ein paar Jahren regelrecht eingehämmert als das ABSOLUTE CREDO. Die Frau ist natürlich längst weg – man könnte sie sonst ja mal nach ihrer Theorie befragen und ob sie sie heute noch so vehement vertritt … die Leute hängen monatelang fest und haben im Grunde immer das Gefühl haben „selber schuld, hast deinen Stoffwechsel geschreddert“. Außerdem schinden sich die Leute dort mit Sport. Ich finde ein Kapitel mit „Sportlogik“ wär gar nicht schlecht … Bitte, Sport ist gut, das wissen wir – aber ich habe alle Abnehmrunden in meinem Leben (und es waren sehr viele!) OHNE Sport, nur auf dem Sofa bewältigt in meinem Leben.

    Ganz herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Erfolg!

    Gefällt mir

    1. Jup, der Sport…
      Fand ich ein tolles Zitat in dem Video „Sugar – the Bitter Truth“ das hier mal verlinkt war (eine Vorlesung einer amerikanischen Uni zum Thema Zuckerstoffwechsel, ziemlich spannend). Sinngemäß: Sport ist großartig und gesund. Aber Gewicht verlieren ist der schlechteste Grund um Sport zu machen (Eben weil man den Kalorienbedarf von mehreren Stunden Sport locker in wenigen Minuten zu sich nehmen kann).

      Gefällt 1 Person

  5. Kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich wollte zwar immer abnehmen und habe entsprechende Pläne gemacht, dabei aber immer „Nebenbaustellen“ gehabt, die zu viel Energie gekostet haben. Es war auch der Job, also im Grunde Existenzängste. Seit Anfang des Jahres habe ich den Kopf endlich frei. So kann ich lang entwickelte Denk- und Verhaltensmuster endlich anpacken und ändern. Seitdem klappt es gut mit dem Abnehmen und dieses Mal soll es der letzte Anlauf sein, bei dem ich das Ziel dann auch mal erreiche!

    Gefällt mir

  6. Mopelchen

    Kommt mir irgendwie vage bekannt vor. Ging bei mir aber über mehr als 10 Jahre, in denen ich dir ein oder andere Fettlogik schon selbst widerlegt hatte. Allerdings hab ich zwei ganz wichtige Dinge mitgenommen. Erstens: Normalgewicht ist keine Utopie, sondern machbar. EMN ist genauso groß wie ich und unter schwierigeren Bedingungen gestartet. Sie hat’s geschafft, dann krieg ich das ja wohl auch noch hin. Und zweitens: Eiweiß und Fett sind wichtiger als Kohlenhydrate, wenn man die Energiezufuhr drosselt. So klappt’s im Augenblick ganz gut. Wir werden nächstes Jahr sehen, ob das mit dem BMI 23 geklappt hat.

    Gefällt mir

  7. EineKivi

    Danke für den schönen Beitrag!

    Mir geht es insofern ähnlich, als dass ich erstmal mit meinem Leben richtig zufrieden werden musste, so dass das überschüssige Fett nun die einzige Großbaustelle war.
    Gefühlt musste ich mir quasi beweisen, dass ich „trotz“ Adipositas alles erreichen kann- Studium, Beziehung, Tanzkurs, Dissertation, Ehe, Kind…

    Es ging Ende letzten Jahres zunächst richtig gut mit der Abnehmerei. Nach knapp 20 Kilo (das klingt soviel besser, als 17kg) war die Luft raus.
    Neue Stelle mit hoher Arbeitsbelastung nebst Kleinkind und Hauskauf haben mich so eingenommen, dass ich einfach phasenweise keinen Bock mehr auf Kalorienrestriktion und Sport hatte.
    Das große Aber: ich habe nicht wieder zugenommen!

    Jetzt bin ich wieder bereit die nächsten Kilos anzugehen und bin auf Uhu-Jagd. Mal sehen, ob ich das Vögelchen noch dieses Jahr erwische…..
    LG
    EineKivi

    Gefällt mir

  8. Anna

    Ein schöner Artikel. Ähnliches habe ich auch schon erlebt, u. a. stagnierte meine Abnahme, nachdem mir meine Arbeitgeberin deutlich gemacht hatte, dass sie mich mit meinem Gewicht nicht in einer dauerhaften, karriereorientierten Anstellung bei sich sieht. Ich empfand einen richtigen Widerwillen dagegen, weiter abzunehmen, im Widerstreit damit, dass ich eigentlich auch gerne für mich selbst abnehmen wollte (und das ja vorher auch getan hatte).

    Ich ziehe demnächst für einen neuen Job in dieselbe Stadt und hoffe auf eine ähnliche Geschichte wie die von Ines in ihrem ersten Job.

    Gefällt mir

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s