Gastbeitrag: Hast du mal ein Rezept?

10373642_471562566309520_602721014550145356_nVor kurzem schrieb mir Chrissy, a.k.a. der Speckterminator und bot mir an, einen ihrer Artikel als Gastbeitrag zu posten. Ein Blick auf ihre Homepage zeigte, dass unsere Gewichtsgeschichte ganz ähnlich war: Mit ebenfalls fast 150 kg war auch sie nahezu immobil und hatte gesundheitliche Probleme. Ihre Abnahme verlief allerdings weit schwieriger, angesichts zweier Hirninfarkte mit Lähmung, Reha und dem mühsamen Weg, wieder laufen zu lernen. hanteln

Von Übungen im Sitzen mit dem Theraband ist sie mittlerweile zu Krafttraining und Cardio gekommen. In ihrem Gastbeitrag stellt sie die Frage, inwiefern Rezepte als Problemlöser taugen.

Hast du mal ein Rezept?

Oft hören einst Adipöse diese Frage. Und man fragt sich, liegt die Abnahme jetzt an einem Rezept? Sind kalorisch niedrige Rezepte ein Garant auf Gewichtsabnahme? Oder füttern sie eh nur die Festplatte bis zum nächsten Montag, Monat, Jahr? Mit dem Gedanken im Hintergrund, man hat ja was getan, man hat sich ja Rezepte beschafft.Man will es ja angehen. Jetzt habe ich Rezepte, jetzt muss das klappen. Und nach Karlas Grillfeier schaue ich dort mal hinein. Aber vor Omas Geburtstag hat das eh keinen Sinn.

Haste mal paar Rezepte ? Wollte man wirklich etwas tun, und macht das für sich von Rezepten abhängig, dann müsste man nicht fragen, hat Google doch Tausende davon vorzuweisen. Ebenso die Buchhandlungen. Die Medienwelt.Wo du hin schaust Fitness, Diäten, Rezepte.

Und dich fragt man, haste mal paar Rezepte. Und will meist eigentlich nur sagen, siehst du, ich will auch was tun. Mein Rezept jedoch möchte kaum einer „nachkochen“, denn das heißt Aufarbeitung, Hinterfragung, Umstellung, Kraft und Disziplin.

Ich brauchte zum Abnehmen kein einziges Rezept. Nur ein Grundwissen über Nahrung. Und damit werden wir in Massen beworfen: Was ist gut, was ist schlecht, was wirkt wie, was ist hoch kalorisch, was niedrig? Im Grunde wissen wir das alle. Man muss es nur anwenden.

Wie viele leichte Kochbücher hast du zuhause? Wie viele Rezepte aus Frauenzeitschriften ausgeschnitten und gesammelt? Um dein schlechtes Gewissen zu beruhigen? Und vielleicht hast du sie ja sogar ausprobiert. Das Hähnchen Ragout aus der Frauenzeitschrift war lecker. Fast hättest du deinen Schokopudding mit Sahne danach nicht mehr geschaft. Nach den zwei Portionen davon. Haste mal paar Rezepte?

Als ob es ein kulinarisches Wunder Rezept gibt. Wie der so genannte Kilo Kick, oder das weizenlose, dafür meist aber fette Eiweissbrot. Rezepte, Rezepte, Rezepte.

Ich habe 65 Kilo abgenommen, niemanden nachgekocht, bin meinen eigenen Weg gegangen, mich nach dem gerichtet, was ich mir schmackhaft kalorisch niedrig zusammenstellte, und zwar so vorwiegend, dass ich hauptsächlich kalorisch arm, aber nebensächlich kalorisch hoch essen konnte. Nachdem ich für mich feststellte dass für mich persönlich gesund abnehmen nicht totaler Verzicht auf alles „ungesunde“ sondern einfach nur der Verzicht auf Abnehmmittelchen war.

Mir also nichts dauerhaft verbot. Keinen „Diät Namens-Gott“ zu ließ, der mir erzählte was höchste Sünde ist und was gar nicht geht. Denn gehen geht im Grunde alles mit der richtigen Ein und Aufteilung. Wenn es denn in den Rezepten nicht verboten ist. Ignorierst du eins der zehn Gebote, bist du kein guter Christ. Ignorierst du ein Gebot einer Diät mit Namen, zb das Gebot keinen bösen Weizen zu essen, bist du kein Low Carber. Ich wollte eigentlich nur ich sein. Mit dem was mir gut tut und ohne das, was mir nicht gut tut. Und das waren nicht unbedingt nur Nahrungsmittel die da aussortiert werden mussten aus meinem Leben.

Ich habe eine Waagschale für mich gefunden. Man muss für sich selber heraus finden, will ich nur abnehmen, will ich abnehmen und total auf gesund umstellen, oder will ich gesund zunehmen ?

Gesund zunehmen? Jetzt werden Einige stutzig werden, aber ja, auch das geht, denn wie ich schon öfter schrieb, gesund ist nicht gleich kalorienarm.

Und wenn ich dann täglich zB „gesundes“ aber meist fettes Eiweißbrot in Mengen verschlinge, mit gesunder Hafermilch runter spüle, 200 g Beutel gesunde Nüsse am Abend knabber, den gesunden Möhrenkuchen noch aus der Küche hole, faul auf der Couch liege und in gesunden Rezepten blättere, ja dann, dann könnte der Schuss durchaus nach hinten los gehen.

Ich schrieb ganz selten und meist nur auf Anfrage wie ich ein Essen gemacht hatte. Machte aber viele Fotos. Sicher, ich hätte ein Rezeptbuch machen können, schöne bunte Bilder von Gesundem, Rezepte mit Kalorienangaben davor und einem Vorher Nachher Foto von mir.

Mit den Werbeslogan

„KOCHT EUCH SCHLANK“

Hätte euch suggerieren können, seht her, ich habe Rezepte für euch, die machen euch schlank! Und bei euch würde ein Kochbuch mehr auf dem Küchenbord stehen. Könnte mir ja egal sein, Hauptsache ihr habt es bezahlt. Doch so einfach geht das eben nicht. Zum Abnehmen und späteren Halten gehört soviel mehr dazu als kalorisch arme Rezepte. Und darüber solltet ihr euch klar sein wenn ihr wieder mal auf Rezeptsuche seid, einem viel versprechendem Buch.

Ich fand eins nicht nötig, da ich A wusste, Google hat eh tausende Rezepte, und B, dass es mit Rezepten eben alleine nicht getan ist.Warum mir also Arbeit machen damit?

Auch bei meinem 539 Seiten kostenlosem  Erfahrungsbericht „Weil ich wieder im Regen tanzen wollte.. 1+2“ sage ich immer wieder, dort findet man keine Wunder Diät, höchstens Motivation und Mut. Aber seinen Willen finden, sein Leben ändern, das muss jeder selber. Ich kann nur an meinem teilhaben lassen und hoffen, dass es Einigen helfen und motivieren kann.

Ein Abnehm „Rezept“ ihr Lieben, habe ich für euch aber leider nicht 😉

9 Gedanken zu “Gastbeitrag: Hast du mal ein Rezept?

  1. Elisa

    Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Abnahme, dein Weg zeigt sehr deutlich, was mit entsprechender Motivation und Willenskraft möglich ist. Ich bin sehr beeindruckt.LG

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  2. Trauerkloß

    Ich finde Rezepte aus Zeitschriften sind häufig so zusammengestellt, dass das Foto möglichst attraktiv aussieht. Die Kalorien werden meist dadurch eingespart, dass die Portionen einfach sehr sehr klein sind. Davon werde ich nicht mal ansatzweise satt. Ich möchte mich wenigstens einmal am Tag satt essen. Ich habe mir also eigene Rezepte gebastelt, die diesem Bedürfnis gerecht werden (kohlenhydrat- und fettarm) und -ganz wichtig- mir schmecken. Dem eigenen Geschmack Rechnung zu tragen, macht die Beschränkung der Kalorienzufuhr leichter.
    Ich finde, gerade wenn man über einen langen Zeitraum Diät halten muss (weil man sehr viel abnehmen muss/möchte), ist es wichtig, sich mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen und für den Abnehmprozess selbst Verantwortung zu übernehmen. Diätrezepte können dabei natürlich hilfreiche Anregungen sein, von allein machen sie jedoch nicht schlank.

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  3. Reni

    ein sehr guter Beitrag und ich lese gerade dein erstes Buch. Ich bin total beeindruckt und so kann ich mir sehr gut vorstellen, was in einem adipösen Menschen vor geht. Danke dafür, dass du deine Gesichte mit uns teilst und in vielen erkennt man sich selber wieder. Die Tochter von meiner Freundin hatte auch mit 40 einen Schlaganfall, leider hat man sie erst nach 8 Std. im Bett bewußtlos gefunden. Aber ich werde ihr dein Buch zum Lesen mitbringen, vielleicht bringt es ihr was.

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  4. Deine Gewichtsabnahme ist wirklich beeindruckend! Ich hätte allerdings schon noch auf ein „Abnehm-Rezept“ am Schluss gehofft 😀 Ne, Spaß! Ich brauch auch keine Rezeptsammlung oder einen strengen Ernährungsplan, oft reicht ein Grundwissen über die richtigen Lebensmittel und Ernährung um dem Ziel Fettabbau erfolgreich zu erreichen.

    LG, Laura

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  5. Barbarella

    Hm .. die Rezeptfragerei finde ich auch immer sehr befremdlich .. ich weiß eh, dass ich cniths daheim kochen werde – deswegen frage ich auch nciht nach Rezepten 😉

    Naja – Schicksal eines hauptsächlichen Auswärtsessers.
    Von dem her war ich sehr überrascht von Deiner Überschrift und der Annahme, dass das ehemalig Adipöse oft horen würden.

    .. obwohl, wenn man als „Rezept“ die Frage „Wie hast Du das gemacht?“ seht, ja, dann werden die Leute, die sichtbar abgenommen habne, wohl schon oft nach einen (im übertragenen Sinne) Rezept gefragt.

    Gratuliere auf jeden Fall heftigst zu Deiner fantastischen Abnahme! *Daumenhoch*

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