Gastbeitrag: Gesundes Essverhalten bei Kindern fördern

Vor einiger Zeit schrieb mich Britta mit der Bitte an, einen meiner Comics für ihre Seite nutzen zu dürfen. Ihr Angebot, sich zu revanchieren, nahm ich gerne an als ich sah, dass sie sich schwerpunktmäßig mit Ernährung beschäftigt.

Sie arbeitet seit 12 Jahren als Erzieherin, Einzelfallhelferin und Erziehungsberaterin mit Kindern und ihren Familien und schreibt in ihrem Beitrag darüber, wie man ein natürliches und intuitives Essverhalten bei Kindern fördern kann.

Wie ich in Fettlogik schrieb, ist dies angesichts der relativ neuen Situation des ständigen Nahrungsüberschusses gar nicht so einfach und ebenfalls im Buch werden die Studien thematisiert, denen zufolge genetische Veranlagungen auf den Appetit einen großen Einfluss haben. Über den Bedarf essen ist also mit Sicherheit nicht ausschließlich auf Erziehung und Umwelteinflüsse zurückzuführen, aber dennoch gibt es natürlich Faktoren, die sich günstiger oder weniger günstig auf Dinge wie Nahrungsvorlieben oder ein natürliches Sättigungsgefühl auswirken. Ich persönlich fand den Beitrag auch aus der Nicht-Eltern-Perspektive spannend, als jemand, der schon früh übergewichtig war und nie ein gesundes intuitives Essverhalten enwickelt hat. 

Als Erzieherin und Erziehungsberaterin arbeite ich seit über 12 Jahren mit Kindern und ihren Familien zusammen.

Da ich mich privat stark mit dem Thema Ernährung beschäftige und auch selbst dauerhaft fast 20 Kg abgenommen habe, interessierte mich von Anfang an, was die Gründe für Übergewicht bei Kindern sind.

Ich habe im Laufe der Jahre mit vielen adipösen Kindern und ihren Eltern gearbeitet, habe versucht zu ergründen, was passieren muss, damit aus einem Kind, was mit einem natürlichen Sättigungsgefühl auf die Welt kommt und dessen Bewegungsdrang sehr hoch ist, ein adipöses Kind wird.

Vollkommener Unsinn und doch gerne als Erklärung für ungesunde Essgewohnheiten genutzt: „Kinder essen das nicht, wenn es nicht süß ist.“ oder „Das hab ich schon 100 mal versucht, der isst kein Gemüse/Obst.“

Ich versichere euch, das stimmt nicht.

Vielleicht braucht es eine kurze Anlaufzeit, ja, aber, sie essen Obst und Gemüse und zwar alle!

Was aber tatsächlich hinter dem Übergewicht der Kinder steckt, ist die Unwissenheit der Erwachsenen.

Wir trainieren unseren Kinder quasi ihr Hunger- und Sättigungsgefühl ab und zwar von Anfang an.

Hunger- und Sättigungsgefühl

Ich konnte schon oft beobachten, dass die Signale, die uns Säuglinge senden, wenn sie hungrig oder satt sind, übersehen oder falsch interpretiert werden.

Wie Eltern beim Füttern der Kinder angespannt und nervös sind, immer in der ständigen Angst, dass Kind könnte zu wenig essen und sich somit nicht optimal entwickeln.

Und das, obwohl Säuglinge und Babys von Anfang eines tun: sie essen, wenn sie hungrig sind und hören auf, wenn sie satt sind.

Ganz natürlich,

Eltern trauen sich oftmals nicht, auf das zu hören, was ihre Babys ihnen signalisieren.

Kein Wunder, denn auch sie bekommen ihr natürliches Gespür für ihre Babys abgesprochen und abtrainiert.

Von Ärzten/ Ärztinnen, von Kinderkrankenschwestern/ -pflegern, Hebammen/Geburtshelfern und Erzieherinnen/ Erziehern, also vermeintlichen Experten/Expertinnen.

Wer Kinder hat kennt wahrscheinlich auch die Fülle an Ratschlägen, die man in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt des Babys zum Thema Stillen bekommt.

Das Baby muss alle 2 Stunden gestillt werden“

Ein fester Essensrhythmus ist wichtig, von ihm sollte nicht abgewichen werden“

Um den Rhythmus einzuhalten, sollte das Baby auch nachts geweckt werden“

Ab _____Monaten sollte das Baby nachts nicht mehr gefüttert werden. Es sollte lernen durchzuschlafen und am Tag zu Essen.“

_____ ml sollte das Baby pro Mahlzeit trinken“

Das Baby sollte nicht mehr als ____ml trinken, sonst wird es überfüttert“

Am Besten führst du ein Essenstagebuch.“

Das Baby kann keinen Hunger haben, es wurde ja gerade erst gestillt.“

Das Baby muss an Gewicht zulegen. Biete ihm die Brust/Flasche an, auch wenn es gerade nicht danach verlangt.“

Und, wem kommt das bekannt vor?

Kein Wunder, dass Eltern die Signale ihrer Kinder nicht deuten können.

Dabei könnte es so einfach sein.

Babys spüren wenn sie Hunger haben und verlangen dann nach Essen.

Nur dann.

Kein Frustfressen, kein Langeweileessen, nicht, weil es gerade so gesellig ist, oder man aus Höflichkeit die Brust leer trinken muss.

Nein.

Einfach nur bei Hunger.

Und Babys spüren auch noch wunderbar, wenn sie satt sind. Dann drehen sie den Kopf zur Seite und schieben die Zunge nach vorn.

Schade, dass uns die Experten nicht bestärken, einfach auf unser Gefühl und das unserer Babys zu vertrauen, denn so lernen nicht nur unsere Kinder, sondern auch wir Eltern von Anfang an, dass unsere Kinder nicht in der Lage sind, selbst in sich hinein zu spüren, sondern von außen gelenkt werden müssen, wenn es um ihr Hunger -und Sättigungsgefühl geht.

Und so führen wir das dann über die Jahre fort, mit Sätzen, wie „Der Teller wird leer gegessen.“, „Du willst doch groß und stark werden.“ oder „Wenn du nicht aufisst, scheint morgen nicht die Sonne.“

Geschmackssinn

Auch beim Geschmackssinn und dessen Entwicklung brauchen Kinder selbstverständlich unser Einschreiten.

Tee ohne Zucker?

Trinken Kinder nicht“

Das muss schon ein bisschen gesüßt sein“

Gemüse?

Kinder bevorzugen Obst, wegen dem Fruchtzucker.“

Wasser?

Saftschorle trinken sie einfach lieber.“

Ein bisschen Geschmack muss schon sein.“

Hartnäckig hält sich der Mythos, nur wenn es süß ist, würden unsere Kinder genug Essen und trinken.

Dies stimmt schon mit den Erfahrungen, die viele Eltern machen überein, liegt aber nicht daran, dass Kinder ausschließlich süße Lebensmittel favorisieren, sondern daran, dass wir die Geschmacksnerven unserer Kinder an süß gewöhnen.

Wer jahrelang süßen Tee getrunken hat, wir den ungesüßten erst einmal nicht so lecker finden. Umgekehrt verhält es sich jedoch genauso.

Meine zehnjährige Tochter findet gesüßten Tee bis heute eklig.

Der Geschmackssinn von Kindern muss sich erst entwickeln und braucht den geeigneten Rahmen, um sich auch entwickeln zu können, um Vorlieben und Abneigungen heraus zu bilden.

Hier ist es mehr als kontraproduktiv, wenn bestimmte Lebensmittel nicht mehr gekauft, bestimmte Speisen nicht mehr gekocht werden, wenn die Kinder diese ein- oder auch mehrmalig nicht gegessen haben.

Das isst er/sie nicht, das brauche ich gar nicht mehr anzubieten.“

Kinder brauchen die Möglichkeit Lebensmittel erneut probieren zu können. Dazu brauchen wir sie nicht zu animieren, die Lebensmittel müssen nur verfügbar sein.

Und damit meine ich nicht, dass man die Äpfel in den Obstkorb legt und hofft, die Kinder würden schon zugreifen, sondern, dass man den Apfel aufschneidet und appetitlich anrichtet und im besten aller Fälle selbst mit Genuss zugreift.

Manche Lebensmittel werden so mit der Zeit noch einmal probiert, der Geschmack überprüft und vielleicht für doch ganz gut befunden.

Verbot von Zucker

Wenig Erfolgversprechend für die Entwicklung eines gesunden Essverhaltens ist auch das Verbot von bestimmten Lebensmitteln.

Viele Eltern verbieten ihren Kindern Zucker in jeglicher Form, vergessen jedoch, dass dies überhaupt nicht mit der Lebensrealität unserer Kinder überein stimmt.

Süßes ist überall für unsere Kinder verfügbar, überall werden sie in Versuchung geführt. Ein generelles Verbot nährt nur die Lust nach Süßem und führt zu wahl- und hemmungslosem Essen von Süßigkeiten, wenn diese dann mal verfügbar sind.

Sinnvoller ist es, die Kinder zu eigenverantwortlichem Verhalten zu erziehen.

Ihnen zu erklären, warum zu viel Süßes nicht gut für sie ist und sie alters- und entwicklungsgerecht selbst entscheiden zu lassen.

Das heißt nicht, dass wir zu sehen, wie unsere Kinder grenzenlos Süßes essen, sondern, dass wir Erwachsenen den Rahmen vorgeben, in dem sich unsere Kinder frei bewegen können.

Das Absprechen eigener Erfahrungen

Wenn du jetzt nichts isst, wirst du später Hunger haben.“

Von zu viel Süßem bekommt man Bauchschmerzen.“

Das schmeckt doch so gar nicht.“

Das Essen tu ich dir auf.“

Was spricht eigentlich dagegen, dass Marmeladenbrot noch mit einer Scheibe Salami zu belegen und zu schauen, wie das so schmeckt?

Warum sollten unsere Kinder nicht mal eine Mahlzeit auslassen dürfen und selbst spüren, ob das zu Hunger führt?

Warum nicht mal eine Tüte Gummibärchen auf einmal aufessen und spüren, wie sich das anfühlt?

Könnten unsere Kinder nicht auch selbst das Essen auf ihren Teller tun und so einschätzen lernen, wie viel sie wovon essen möchten ?

Essen ist nicht nur bloße Nahrungsaufnahme, sondern ist etwas sehr Sinnliches. Wir sollten unsere Kinder so viele sinnliche Erfahrungen wie möglich sammeln lassen, gerade, wenn es ums Essen geht.

Kein noch so guter und stetig wiederholter Rat wird je eine selbstgemachte Erfahrung ersetzen können.

Und die sollten wir unseren Kindern unbedingt eingestehen, wenn wir wollen, dass sie ein Essverhalten erlernen können, bei dem sie auf ihr Gefühl und auf ihre Erfahrung setzten können, bei dem sie im Gleichgewicht sind und sich frei fühlen.

Denn eigentlich müssen wir mit der Erziehung bei uns ansetzen.

Die Kinder bringen alles mit, was sie für ein gesundes Essverhalten brauchen.

Wir sollten ihnen zusehen und von ihnen lernen.

38 Gedanken zu “Gastbeitrag: Gesundes Essverhalten bei Kindern fördern

  1. Ingo R.

    Sehr schöner Beitrag. Es ist auf jeden Fall wichtig das Bewusstsein der Eltern zu schärfen.
    Doch wie verhält man sich, wenn das Kind (ab 1 Jahr) und dessen Ernährung nicht mehr allein der Kontrolle der Eltern unterliegt? Die oben erwähnten Esslogiken sind sicherlich auch in der Kita verbreitet und Kinder die bspw. langsam oder wenig essen, werden dort eher angetrieben.

    Und ab wann beginnt man damit, das Kind an regelmäßige Esszeiten heranzuführen?

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    1. Hallo Ingo,
      deinen Einwand bezüglich der Situation in der Kita finde ich sehr gut und ist tatsächlich oftmals schwierig in der Einrichtung umzusetzen.
      Leider.
      Nicht immer deshalb, weil den Erziehern und ErzieherInnen das nötige Wissen fehlt, sondern und vor allen Dingen, Personal und die Zeit.
      Tun sich beispielsweise beim Mittagessen 25 Kinder alleine ihr Essen auf, dauert es nicht nur wesentlich länger, der Aufwand für die ErzieherInnen ist auch wesentlich höher. Es wird mehr verschüttet und gekleckert und einige Kinder benötigen Hilfestellung.
      Bei der Personalsituation in deutschen Kitas ist vieles, was pädagogisch gut und sinnvoll wäre, oft schwierig umzusetzen. Ich weiß leider wovon ich spreche.
      Zu den festen Essenszeiten rate ich persönlich zur Entspannung.
      Ich finde, es sehr wichtig, dass es Essenszeiten gibt (Frühstück, Mittagessen, Vesper, Abendbrot) und natürlicherweise werden sich hier auch mehr oder weniger festeZeiten einpendeln.
      Ob das Kind dann aber etwas essen möchte oder nicht, entscheidet es selbst.
      Wenn es nichts, essen möchte, muss es bis zur nächsten Mahlzeit warten und kann aber zwischendurch Obst und Gemüse essen.

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    2. Julia Starkimarm

      Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man die Erzieherinnen auch einfach darauf ansprechen kann.

      Wir haben explizit darum gebeten, dass unsere Kinder nicht zum essen und ganz besonders nicht zum aufessen veranlasst werden.
      Auch wenn unsere beiden eher Frühstücksmuffel sind, geben wir ihnen trotzdem immer was mit. Dann kommt es eben oft wieder ungegessen oder teilweise zurück, aber so haben sie die Wahl.

      Das mit den regelmäßigen Essenszeiten halten wir so, dass wir dann möglichst zusammen am Tisch sitzen. Dabei erwarten wir von den Kindern dass sie mit dabei sitzen. Essen müssen sie nichts nur gibt es ein Alternativprogramm erst ca 30 min nach dem Essen (wenn sie also statt dem gekochten Essen Joghurt oder noch besser Süßkram etc essen wollen).

      Bislang scheint es mit dem entspannten Umgang mit dem Essen und auch den Süßigkeiten ganz gut zu klappen. Beide (1 und 3 Jahre alt) sind zwar eher am oberen Ende des Normalgewichts aber sie lassen auch mal Süßkram stehen um Obst oder Gemüse zu essen und fühlen sich eben nicht gezwungen aufzuessen. Auch bei Schokolade und Kuchen :o)

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  2. Vulpes

    Schöner Beitrag!
    Ich hoffe, dass der Trend zu Baby-Led Weaning noch zunimmt und Eltern schon mit Beikoststart mehr auf die Bedürfnisse ihrer Kinder achten als darauf, dass das Gläschen leer wird.

    Wir wollten unserem Sohn später natürlich auch Süßigkeiten anbieten – aber ab wann ist es sinnvoll? Wie viel Zucker in welchem Alter? Aktuell hatten wir vor, ihm bis zum vierten Lebensjahr möglichst von Zucker fern zu halten. Allerdings frage ich mich schon, wie realistisch das ist

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    1. Sibylla

      @ Vulpes

      Wieder ein Erfahrungswert und wie wir das so handhaben: Für uns hat es sich als unrealistisch herausgestellt, unserer Tochter gar keinen Zucker zu geben. Daheim sind manche Sachen einfach nicht da, sodass sie von allem, was wir vor ihr zu uns nehmen, etwas probieren darf (Kaffee mag sie nicht, Grüntee aber schon, daher haben wir für sie und besondere Gelegenheiten einen entkoffeinierten geholt *schiefgrins* Grüntee geht ja noch, aber was hätte ich gemacht, wenn sie auf Kaffee fliegt? Getreidekaffee?). Dabei hat sie selbst bei Süßigkeiten eine natürliche Appetitbremse bewiesen; dass Edelbitterschokolade von 70% aufwärts nicht allzu üppig verschlungen wird, ist klar, aber auch bei der Vollmilchschokolade vom Papa reichen ihr geschätzte 10 Gramm, dann hat sie genug und mag einfach nicht mehr.

      Aufpassen müssen wir nur manchmal im Kontext mit anderen Leuten, die gern Süßigkeiten schenken und auch mal vergessen, die Eltern zu fragen. Zuletzt beim Friseur hat sie eine Handvoll Haribo verpasst bekommen (und zwei davon gemocht, der Rest klebte überall – auf dem Kind, auf uns, auf der Einrichtung *letzteresselbstverschuldetundnichtmeinproblem*), und dann irgendwann kam ein „Oh, darf sie das überhaupt?“

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    2. Hallo vulpes,

      ich persönlich würde dazu raten, die Sache weniger verkopft anzugehen und Gedanken wie “ wann sollen wir ihr Süßigkeiten anbieten?“ oder “ bis zum vierten Lebensjahr wollen wir warten“ zu streichen und statt dessen abzuwarten, zu beobachten und zu reagieren.
      Verlangt euer Kind nicht nach Schokolade und co ?
      Dann gibt es keine Notwendigkeit es anzubieten.
      Sieht euer Kind, wie ihr oder andere Süßes esst und möchte probieren?
      Dann, wieso nicht?
      Mag es sich im Supermarkt etwas Süßes aussuchen?
      Warum nicht, eine Kleinigkeit erlauben?
      Ein zwangloser Umgang ist, glaube ich, sehr wichtig.

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  3. Sibylla

    Was „man“ macht, kann ich nicht sagen, aber ich kann dir erzählen, wie wir das mit unserem 21 Monate alten BLW-Baby machen. Zu essen gibt es immer dann, wenn sie Hunger hat, und zwar das, worauf sie Appetit hat, und wenn die Erwachsenen essen, dann darf, muss sie aber nicht mitessen. Abends ist unsere Hauptmahlzeit und da hat sich schon ein kleines Ritual eingeschliffen, das ihr gut signalisiert, dass es bald etwas zu essen gibt. Ich koche, und irgendwann kommt der Papa heim und spielt Tischdecken mit ihr (sie deckt ihren Platz selber 🙂 ), dann essen wir. Inzwischen können wir ihre schwankenden Vorlieben ganz gut lesen: wenn sie total auf Fleisch abfährt, dauert es noch etwa eine Woche, dann ist die nächste Kleidergröße dran; zieht sie Kohlenhydrate und Gemüse vor, dann kommt der nächste Schub neue Wörter und Fähigkeiten.

    Bisher kategorisch verweigert hat sie nur zu spät geerntete und ziemlich stachelige Brennnesseln, so gut wie alles andere isst sie wenigstens sporadisch in Maßen, inklusive rohem Knoblauch (ganz blw-typisch selber gewählt!), Muscheln, Spinat und Spargel. Das einzige, wo wir leider eingreifen müssen, ist Weizen, denn der verschlimmert ihre Hautprobleme (die ohne Weizen höchstens latent vorhanden sind).

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  4. Als ich von dieser anscheinend neuerdings grassierenden Unsitte, Babys zum Füttern aufzuwecken las, dachte ich sofort, dass DAS ja wohl kaum stimmen kann… sicher gibt es Babys, die schon zu leicht auf die Welt kommen und wirklich aufgepäppelt werden müssen/Krankheiten haben, die das nötig macht, aber ich habe immer öfter das Gefühl, dass sinnvolle Maßnahmen für einen TEIL der Kinder schließlich auf alle übertragen werden, obwohl das dann einfach übertrieben ist.

    Auch beobachte ich immer mal wieder, wie Kleinkindern Essen angeboten wird, obwohl sie gar nicht danach gefragt haben… einfach um sie ruhigzustellen… teils, obwohl sie noch gar nicht am quengeln sind…

    Bei mir war die Ernährung immer ein großes Trara. Ich habe als Kind vieles nicht gegessen. Mein Cousin allerdings auch, aber nur ich wurde zum Essen gezwungen… Begründung: Ich hätte als Kleinkind alles gegessen und erst danach Abneigungen entwickelt, während er bestimmte Sachen schon immer nicht mochte -.-

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    1. Hallo Robin,

      das habe ich auch schon oft gehört, dass Eltern meinen, es stecke Trotz oder so etwas in der Art dahinter, wenn Kinder bestimmte Lebensmittel nicht mehr essen, die sie bisher mochten.
      Tatsächlich kann das passieren und ist total normal, da sich der Geschmackssinn, wie gesagt noch entwickelt.

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  5. Ich muss im Nachhinein leider sagen, dass ich bei meinem Sohn in der Hinsicht viel falsch gemacht habe und heute kämpft er wie ich immer mal wieder mit Übergewicht. Erst einmal habe ich wohl eine Vorliebe für Süßes in ihm hervorgerufen, weil ich in der Schwangerschaft und Stillzeit viel davon gegessen habe – ansonsten durchaus gesund und bio. Das erste Glas Nutella das ich für ihn kaufte habe ich oft bereut. Und dann habe ich viel zu spät gemerkt, dass er Konflikte mit mir gerne über das Essen austrug. Totale Machtspielchen. Bei Oma aß er alles, bei mir streikte er oft. Das ging so weit, dass er mit 10 Jahren Knochenprobleme bekam und erst als er merkte, dass er richtig Schwierigkeiten hatte, hat er wieder normaler gegessen. Als er mit 14 mit American Football anfing, hat der Trainer gesagt, wie die Jungs sich ernähren sollten. Und da fing er an, mir Vorträge über gesunde Ernährung zu halten, :-D. Vielleicht hätte ich ihm, als er so seine Macken entwickelte, nicht nachgeben sollen – aber dazu fehlten mir damals auch einfach die Nerven. Heute ist er 34 und isst fast alles und kocht außerdem noch sehr gut.

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  6. Trauerkloß

    Meine Teenager-Tochter leidet (wie ich) an Depressionen. Ambulante Therapie reichte nicht aus und so entschieden wir uns für einen Klinikaufenthalt. Dort war aber nicht die Behandlung der Depression das Hauptthema, sondern ihr „problematisches Essverhalten“. Auch zuhause frühstückt sie meist nicht, ein Symptom ihrer Krankheit ist Übelkeit (bis zum Erbrechen). Sie aß in der Klinik also gelegentlich nicht zu den Mahlzeiten und nahm auch einige Kilo ab. Kein Problem eigentlich, da sie zuvor wegen fehlender Aktivität etwas zugenommen hatte und leichtes Übergewicht bekommen hatte und sich nun freute, dieses wieder los zu sein.
    In der Klinik sagte man ihr aber, dass sie zu den Mahlzeiten etwas essen müsse. Weigerte sie sich, wurde ihr der Ausgang gestrichen. Die „Therapiegespräche“ thematisierten hauptsächlich ihr Essverhalten und ihr Gewichtsverlust.
    Natürlich waren viele Mitpatienten essgestört.
    Natürlich ist es für diese schwierig, damit klarzukommen, dass jemand Mahlzeiten auslässt, während sie zur Nahrungsaufnahme gezwungen werden.
    Aber darf man andere zum essen zwingen, um ein passendes Therapeutisches Setting für Essgestörte zu schaffen?
    Meine Tochter wurde nicht behandelt, weil ihr Essverhalten nicht den Stationregeln entsprach. Nach zweieinhalb Monaten kam sie wieder nach Hause.

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    1. Kari

      Mich gruselt es, wenn ich sowas lese. Das klingt wie eine Geschichte aus dem Mittelalter. Sei froh, dass die Tochter nicht mehr dort ist. Dieser Zwang ist doch in jeder Hinsicht kontraproduktiv. Essen hat (sollte) mit Macht nichts zu tun.( haben)
      Es dient primär der Sättigung und dem Genuß. Punkt. Viel Glück für alles weitere.

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    2. Mona

      wow, dass deine tochter so lang dort geblieben ist, obwohl ihr ja noch zusätzlicher stress gemacht wurde. ich weiß schon, dass schlaf, bewegung und gute ernährung zur therapie von depressionen gehört, aber ich weiß auch wie gut es tut überschüssiges fett loszuwerden. eine sorge weniger. ich wünsch ihr eine hilfreiche therapie, eventuell entwickelt sie mit dem erwachsen werden genug strategien, die ihr helfen gut mit der krankheit umzugehen, sodass sie gesund wird.

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  7. Hallo!
    Dass Kinder keine Verbote für bestimmte Lebensmittel brauchen, dem stimme ich zu.
    Ich habe zwei Kinder, bei denen wir vor 1 1/2 Jahren festgestellt haben, dass sie ein Laktoseunverträglichkeit haben – sprich: Laktose führt zu Durchfall, der Kleine wurde nicht trocken. Damals waren sie 4 1/2 bzw 2 1/2.
    Man kann auch durchaus einem 2 Jährigen schon erklären, dass er nicht soviel Joghurt od Milch zu sich nehmen darf, weil er sonst Durchfall/ Bauchschmerzen bekommt.
    Actio und reactio – das verstehen Sie. Und fragen mittlerweile selbständig bei manchen Dingen, ob das laktosefrei ist.
    (dafür kann man die Gemüsezufuhr in einer bestimmten Altersgruppe fördern, wenn man Ihnen erzählt, dass man von Bohnen pupsen muss … .)

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  8. Sabine

    Mein Sohn wurde gestillt, wenn er es wollte, und durfte auch später immer aufhören, wenn er satt war. Er kriegte nach der Muttermilch nur noch ungesüßten Tee, Wasser oder Saftschorle mit wenig Saft zu trinken. Limo/Cola war (so ab 10 Jahren) absolute Ausnahme zu Weihnachten, am Geburtstag oder in einem Restaurant. Wenn er traurig war, kriegte er Streicheleinheiten und keine Süßigkeiten – und schon als kleines Kind mochte er keine „Kinderschokolade“, die war ihm zu süß. Gemüse mochte und mag er, einige Arten nicht gekocht, aber roh als Salat.
    Wir haben oft zusammen gekocht, das hat ihm immer Spaß gemacht und selbst geschnibbelter Salat schmeckt irgendwie besser…abegesehen davon, dass man dabei unauffällig mit einem Teenager ins Gespräch kommt.
    Heute ist er 25 und ernährt sich nicht immer ideal, aber ich bin zuversichtlich, dass eine gesunde Basis gelegt wurde.

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  9. Sibylla

    Semi-OT, aber so bemerkenswert, dass ich es mir nicht verkneifen kann:
    Das ist die erste BLW-Diskussion, deren Zeuge ich werde, die nicht völlig entgleist! Und: Anscheinend hält sich das Polarisierungspotenzial deutlich unter Fettlogik-Blog-üblichen Größenordnungen 😀 Ungewohnt und Hoffnung machend, sodass ich gern wieder öfter in die Kommentare schauen werde 🙂

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      1. Sibylla

        Breilose Beikost ist ein bisschen vereinfacht. Der Kernpunkt beim BLW ist nicht die Konsistenz des Essens, sondern die Selbstbestimmung der Kinder. Man kann ihnen auch gedämpfte Karotten am Stück reindrücken oder ihnen einen Löffel und eine Schale voll Karottenbrei geben. Das Wichtige ist, dass das Kind selbst bestimmt, was und wie viel es isst. Denn wenn man es lässt, dann klappt das alles ganz wunderbar, auch und gerade mit der Bedarfsgerechtigkeit.

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  10. Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich kann wirklich aus der Praxis bestätigen, dass Kinder ein gesundes Sättigungsgefühl haben. Ich bin selbst übergewichtig und kämpfe seit meiner Jugend mit dem niemalsendenden Kreislauf von Diät und Zunahme dagegen an. Meine Kinder habe ich von anfang an soviel essen lassen, wie sie es wollten, auch wenn sie manchmal fast nichts wollten. Zuhause habe ich mich bemüht immer Obst und Gemüse auf den Tisch zu bringen und den Süßigkeitenstand niedrig zu halten. Gerade Rohkost wurde von beiden immer gut gegessen. Natürlich gibt es Vorlieben und Dinge die weniger gut gegessen werden, aber beide essen gerne Gemüse und Obst. Natürlich essen sie auch gerne Süßigkeiten und ich verbiete diese nicht, kaufe aber nicht regelmäßig etwas, so dass wir meistens nichts im Haus haben und sie ihr Taschengeld einsetzen müssen, wenn sie etwas wollen. Auswärts haben sie immer gegessen, was es dort so gab und auch wenn das nicht immer so gesund war, waren sie nie übergewichtig. Sie sind jetzt 11 und 13 Jahre alt und mit ihrem Gewicht absolut im grünen Bereich. Und das bei Eltern die selbst übergewichtig sind und ihre Ernährung wesentlich schlechter im Griff haben.

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  11. Meine Große (7) isst bis heute sehr gern einen möglichst fantasievoll angerichteten Gemüseteller. Die Kleine macht bäh und bleibt bei ihrem Nutella-Brot, fängt aber jetzt – mit 4 – ab und zu an und verlangt sich ihre eigene Portion Salat. Trotz gleicher Erziehung und gleicher Vorbilde.r

    Die Große hat übrigens immer alles gegegessen. Seit der 1. Kita gab es dann ein „Bäh, das ess ich nicht“ – hält sich bis heute, trotz aller Angebote. Ich denke, das Wichtigste ist: Vorbild sein. Ich trinke fast nur Wasser (außer Kaffee und Tee, natürlich) und steht die Wasserflasche auf dem Tisch, trinken eben alle Wasser, fertig. Ich esse viel Obst und Gemüse und sage auch schon mal: Boah, jetzt hab ich aber genug von den Süßigkeiten, wenn es mal welche gibt. Wie heißt es so schön: Du kannst die Kinder erziehen, wie Du willst, sie machen Dir doch alles nach!

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  12. Oh, ja diese Kindertagesstätten! Ich erinnere mich an eine Elternsitzung, bei der es an einer Stelle hieß( die Leiterin):“ Und zwei unserer Kinder trinken nichts!“
    An der Telle wurde strafend in meine Richtung gesehen.
    “ Was gibt es denn, was meine Zwei nicht mögen?“ War meine Frage.
    „Zitronentee!“
    Also das Zeug zum Auflösen aus der Dose.
    Auf meine Antwort, dass sie zu Hause nur Wasser oder Milch angeboten bekämen, wurde mit Entrüstung entgegnet.
    Ich fühlte mich entsprechend schlecht.
    Ich war bestimmt nicht in allem gut als Mutter – aber meine beiden mittlerweile erwachsenen Spargel werden wohl keine Gewichtsprobleme mehr bekommen. Essen ist für Sie das was es ist: Notwendigkeit mit Genuß.
    Liebe Eltern: vertraut einfach den natürlichen Bedürfnissen eurer Kinder! Kein Baby kommt auf die Welt um gleich darauf freiwillig zu verhungern ! Alles das, was wir in gut gemeinter Sorge in sie hineinstopfen, ist Nötigung!
    Mit liebevollen Grüßen
    Kari

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  13. Silke

    Ich stimme dem Beitrag bis auf einen Punkt zu.

    Und den finde ich so WICHTIG, das ich es hier berichtigen möchte.
    Falls es hier vielleicht eine zukünftige Mama lesen sollte.

    die Stillempfehlung das Baby alle 2 Stunden anzulegen hat sehr wohl seine Richtig- und Wichtigkeit in den ersten Tagen!
    Damit die Milch gut einschiessen kann ist es in den ersten Tagen essentiell das Kind oft anzulegen. (meiner Erfahrung nach reichen 48 -72 Stunden)

    Danach stillt man nach Bedarf. Im Sommer kann es sein das Babys alle 30 min trinken wollen wegen der Hitze.
    Wenn das Kind schläft, schlafen lassen…Wenn die Brust am aber platzen ist macht es Sinn auch diese Regel zu durchbrechen.

    Es muss BEIDEN gut gehen… Kind und Mutter…

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    1. Krixi

      Das mit dem stillen unterschreib ich mal.

      Brust anbieten schadet imho nicht. Ein baby gegen seinen willen zu stillen geht nicht. die müssen ja aktiv saugen, sonst kommt nichts.

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  14. Was man vielleicht noch dazu sagen sollte: In vielen Familien werden über das Essen emotionale Machtkämpfe ausgeführt. Dass das in meiner Familie ganz extrem so war, ist mir erst mit dem Abstand von einigen Jahrzehnten als Erwachsene klar geworden. Meine Mutter war extrem kontrollsüchtig (was letztlich wohl auch mit einer autistischen Neigung zu tun hat, die in ihrer Generation einfach nicht erkannt wurde). Sie hatte ganz feste Meinungen, was wir wann wie wo in welchen Mengen essen müssten, und schon, wenn wir mal abends zwei Sorten Brot in einer anderen Reihenfolge als „normal“ aßen, wurde das von ihr kommentiert (wohlgemerkt, da waren wir schon Jugendliche!)
    Die Super-Kombination war dann noch, dass mein Stiefvater einfach ein unglaublich altmodisch-autoritärer Mensch war, der bei jedem „das mag ich nicht“ direkt Aufmüpfigkeit und Rebellion witterte, so dass man dann auch schon mal weinend eine halbe Stunde vor einem Teller mit irgendetwas Ekligem saß. Das war übrigens alles in den späten 1980er / frühen 1990er-Jahren, nicht dass jemand hier auf die Idee kommt, ich erzähle Anekdoten aus dem Zweiten Weltkrieg oder so ^^
    Dass bei so einem Schwachsinn zwei Kinder mit einem einigermaßen gesunden Essverhalten herausgekommen sind, ist eigentlich ein Wunder 😉

    Ich habe es als junge Erwachsene als unglaubliche Befreiung empfunden, endlich den ganzen Tag essen zu können (bzw. nicht essen zu müssen) was und wie ich Lust hatte. Dadurch habe ich aber auch erst mal ein paar Jahre gebraucht, mich auf ein gesundes und vernünftiges Maß einzupendeln.

    Mir geht auch echt die Hutschnur hoch, wenn ich irgendwo mitkriege, wie eine Mutter oder ein Vater einem Kind Essen aufdrängt bzw. mit irgendeiner absurden Argumentation Essen verbietet. Eben weil man oft spürt, dass es in Wirklichkeit nicht um das Essen geht, sondern um einen Machtkampf.

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  15. Lisa

    Ich finde den Artikel durchaus gut und versuche dies auch so zu halten. Meine Kinder (R. 4 Jahre, E 16 Monate) wurden (werden) gestillt und wurden (werden) mittels (neudeutsch) „Breifrei“ an Festes Essen gewöhnt.
    Die Große wird gefragt, was sie essen möchte. Sie darf dann davon auch so viel wie sie will oder eben nicht will.
    Dem Lütschen lege ich eine Auswahl der Sachen hin, von denen ich weiß, dass er sie mag oder noch nicht kennt.
    In der KiTa gibt es morgens eine Brotdose mit viel Auswahl, die nicht geleert mit nach Hause gebracht werden muss. Auch da darf sie essen, was und wie viel sie möchte.
    Sie trinkt am liebsten stilles Wasser (in der KiTa zum Frühstück Milch, Zuhause vor der KiTa Kakao). Obst und Gemüse wird probiert. Wenn sie es nicht mag, ist es ok. Ich biete es immer wieder an. Auch biete ich ihr mehrfach am Tag Obst/Gemüse an, welches sie mag.
    Ich versuche ihr einen gesunden Umgang mit Süßigkeiten beizubringen. Und da kommt der Knackpunkt. Ginge es nach ihr, würde sie den ganzen Tag vor der Glotze sitzen und Süßkram/Chips futtern. Sie isst aus Langeweile. Vornehmlich süßes. Ich versuche das weitestgehend einzuschränken. Es hat sich bei uns aber auch so eingebürgert, dass sie nach dem Mittagessen ein Eis essen darf.
    Häufig kommt sie aus der KiTa (um 13:00, gefrühstückt wird in der KiTa um 09:00) und will nicht wirklich essen. Dafür aber ein Eis. Ich gebe ihr dann etwas zu essen auf den Teller, von dem ich weiß, dass sie im Normalfall das doppelte schafft. Und ich bestehe darauf, dass sie ihren Teller leert, bevor sie ein Eis bekommt.
    Wenn sie keinen Hunger hat und nicht essen will, also auch kein Eis, dann ist das ok. Dann darf sie später den Teller leeren und ein Eis essen.
    Sie isst dann aber immer direkt den Teller leer.
    Nun zu meinem Anliegen. Ist es denn wirklich richtig so? Für mich klingt es logisch und richtig, aber ich bin eine Mama und wir machen ziemlich viele irrationale und komische Sachen.
    Wie bringe ich ihr einen gesunden Umgang mit Süßkram bei? Wie appelliere ich da an ihre Eigenverantwortung? Sie ist sehr klug (und das sag ich nun nicht irrational in meiner Mutterschaft). Wenn sie abends nicht auf mich hört, drohe ich ihr, sie muss mit ungeputzten Zähnen ins Bett. Sie weiß, dass dann Karius und Baktus kommen und ist ganz kooperativ 😀
    Aber ich befürchte, dass es für Eigenverantwortung beim Thema Süßkram zu früh ist.
    Haben Sie Erfahrungen? Tipps? Ich bin für alles offen.
    Lieben Gruß!

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    1. Julia Starkimarm

      Eigenverantwortung beim Süßkram ist ein echt schwieriges Thema bei kleinen Kindern.

      Wir versuchen es bei unserem 3-Jährigen mit diesen vier Grundregeln:
      – er muss am Tag schon irgendwas „richtiges“ gegessen haben, bevor er was Süßes bekommt (also nicht schon gleich mit Süßkram in den Tag starten)
      – kurz vor dem Abendessen (unserer Hauptmahlzeit) bekommt er nichts damit er sich nicht mit Süßem satt isst. Isst er mit, bekommt er die Süßigkeiten nach dem Essen als Nachtisch, ansonsten muss er ca 30 Minuten warten
      – von dem was auf dem Tisch steht wie z.B.: Kuchen bei einer Feier kann er sich soviel nehmen, wie er will (da ist es dann an uns dafür zu sorgen, dass sowas nicht ständig vorkommt ;o))
      – wenn er von sich aus etwas Süßes möchte, kann er seine Token einsetzen (kleine Papierkarten wovon er täglich zwei bekam die für eine bestimmte Menge Süßigkeiten stehen). Er kann sie auch ansparen und dann eben alle auf einmal rauskloppen. Seitdem er allerdings ganztags im Kindergarten ist, brauchen wir die Token gar nicht, weil er nur sehr selten von sich aus was Süßes will und es dann auch direkt bekommt (sofern nicht Regel 1 und 2 ziehen ;o))

      Wir haben den Eindruck dass dieses System ganz gut für uns funktioniert. Er ist zwar eher am oberen Rand des Normalgewichtes, allerdings hat er auch kein Problem damit Essen stehen zu lassen oder seiner kleinen Schwester von seinen „rationierten“ Süßigkeiten etwas abzugeben. Und wenn eine vielversprechende Süßigkeit eben doch nicht schmeckt, zwingt er sie sich nicht runter (was ich selbst erst kürzlich gelernt habe).

      Sehr schön zeigt diese kleine Anekdote den entspannten Umgang meiner Kids mit Essen:
      Neulich waren wir bei einer Kindergartenbekanntschaft zu Besuch und es gab (kleine) Muffins. Die Mama hatte noch einen Teller Rohkost dazu gemacht, wie sie selbst meinte eher fürs gute Gewissen als mit der Erwartung dass davon gegessen würde. Als dann aber meine beiden Kinder sich nach einem halben Muffin auf den Rohkostteller stürzten und den ziemlich leerten war ich dann doch sehr stolze Mama (muss ich noch dazu sagen, dass ich dem guten Vorbild meiner Kinder nicht gefolgt bin und einen guten Teil der Muffins massakriert habe?… )

      Auf jeden Fall wünsche ich Dir viel Erfolg dabei den richtigen Weg für Euch zu einem entspannten und guten Umgang mit Essen und Süßigkeiten im besonderen zu finden

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    2. Liebe Lisa, ok ist grundsätzlich erst mal alles, wo du mit gutem Gefühl mitgehen kannst und was deine Tochter nicht unter Druck setzt und beides scheint doch der Fall zu sein.
      Du schreibst ja auch, dass deine Tochter zu einem späteren Zeitpunkt noch isst. Also besteht, denke ich, kein Grund zur Sorge.

      Zu der Frage mit der Eigenverantwortung:
      Vielleicht magst du mal ausprobieren, dass es eine bestimmte Menge an Süßigkeiten gibt, über die deine Tochter 3 Tage lang frei verfügen kann, bevor es die nächste Ration gibt. Wieviel du für angemessen hältst, solltest du dir im Vorfeld überlegen.
      Ob sie alles an einem Tag aufisst oder sich die Ration einteilt, darf sie selbst entscheiden.
      Liebe Grüße,
      Britta

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  16. Brendan

    BLW ist super. Und soweit keine Krankheit oder Allergie oder Unverträglichkeit vorliegt – alles anbieten und Essen lassen, wann und soviel die Kinder wollen. Mit das Erste, was meine jetzt 5 jährige gegessen hat, waren reine, pure Butter und schwarze Oliven. Isst sie bis heute gerne.

    Sie hat immer wieder Phasen, in denen sie Unmengen von „ungesundem“ Zeug isst: mal sind es Gummibärchen (schon lange vorbei, mag sie nicht mehr), Salzstangen und -brezeln (auch schon wieder vorbei), dann wieder diese schrechkliche „Milch“schokolade aus Palmöl (hat sich gerade etwas gelegt). All time favourites sind übrigens Möhren, Brombeeren, Himbeeren, Salatgurken und Nudeln al pesto.

    Es ist doch einfach unglaublich interessant zu beoachten, wie sie Geschmackspräferenzen entwickeln, verschieben und auch wieder auflösen. Es gibt Phasen, da braucht sie vermehrt Zucker, dann wieder mehr Salz oder auch mal Saures und beißt herzhaft in eine Zitrone. Ebenso spannend ist es, zu beobachten, wie sich das Verhalten ändert von „alles zusammen pampen“ bis „alles getrennt und nacheinander“ und wieder zurück.

    Anfangs habe ich mir Sorgen gemacht, weil sie so extrem wenig gegessen hat und keinen Brei mochte – egal welchen. Bis mir ein erfahrener und kluger Vater sagte, es sei noch kein Kind an einem gedeckten Tisch verhungert. Recht hatte er! Seitdem bin ich entspannt und die Lütte kriegt, was sie will und wann sie will. Und wenn es Pestonudeln als verspätetes Frühstück um halb 11 am Sonntagmorgen sind.

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  17. Ali

    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Meine Frau und ich mussten als Kinder immer aufessen (keine Ahnung, wie oft ich dabei gewürgt habe). Unseren Kindern wollte ich das nicht antun. Sie dürfen fast essen und trinken wie sie wollen. Interessanterweise hält sich Süßkram in Grenzen (obwohl sie unkontrolliert rankönnen) und aktuell werde ich regelmäßig gebeten, Obst aufzuschneiden. Vom Gewicht sind beide eher Hungerhaken. Ich kann Ihnen also voll und ganz zustimmen.

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  18. Nicole

    Ich habe drei Kinder, bei denen ich mehr oder weniger essenstechnisch alles gleich gemacht habe: 6-9 Monate gestillt, Getränke: Wasser und ungesüssten Früchtetee, jeder befüllt sich einen Teller selber und muss nicht aufessen, etc. Die Große (10 Jahre) und der Kleine (4Jahre) essen schon immer so gut wie alles, lieben und verlangen nach Rohkost in jeglicher Form, was auch ein Grund ist, warum bei uns bei jeder Mahlzeit nett angerichtete Rohkostteller auf dem Tisch stehen. Der Mittlere ist so gut wie kein Gemüse, weder roh noch gekocht und so gut wie kein Obst. Er wird immer mal wieder darauf hingewiesen, er könne ja probieren, was er auch gelegentlich tut, um dann festzustellen „mag ich nicht“. Er hilft auch gerne beim Kochen, schneidet Gemüse, etc. Die von ihm zubereitete Gemüsesuppe oder ähnliches rührt der dann aber nicht an. Er ist mittlerweile 7 Jahre, isst seine Nudeln oder Kartoffeln „nackt“, am liebsten isst er Pizza (da darf immerhin Tomatenmark drauf), Pommes (im Backofen selbstgemachte Kartoffelecken), Pfannkuchen und Milchreis, letzteres beides immerhin mit Apfelmus. Das ist jetzt ein recht langer Kommentar geworden, aber ich wollte deutlich machen, dass die genannten Tipps sicher gut sind und bei den meisten Kindern auch funktionieren werden. Ich kann das grundsätzlich so unterstützen und trotzdem ist die Erfolgsquote nicht 100%. Aber wie sagt man so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich gehe mit dem ganzen Essensthema recht gelassen um, irgendwann wird vielleicht auch der Mittlere gesünder und abwechslungsreicher essen.

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    1. Liebe Nicole,
      du hast recht, nichts funktioniert 100%ig immer und bei jedem Kind. Dass du deinen Sohn essen lässt, wie es für ihn am besten ist und offenbar gelassen bleiben kannst, finde ich super. Das bedeutet auch, dass du dich zurück nehmen kannst und auf deine Erziehung vertraust. Und du baust keinen Druck auf. Und der hat beim Essen auch wirklich nichts zu suchen.
      Liebe Grüße,
      Britta

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  19. Ulli

    Liebe Britta,
    vor einiger Zeit habe ich einen interessanten Artikel zu Übergewicht bei Kleinkindern gelesen (ich weiß leider nicht mehr wo, war aber seriös). Und zwar hat man festgestellt, dass Frauen, die während der Schwangerschaft sehr stark zunehmen oder bereits vorher stark übergewichtig waren, häufig übergewichtige Kinder hatten. Diese Kinder kommen meist auch schon als „Wonneproppen“ (also ziemlich schwer) auf die Welt. Nun vermutet man, dass das Hormonsystem dieser Kinder bereits im Mutterleib auf Übergewicht „programmiert“ wird.
    Und so einen Fall habe ich auch in der Familie erlebt. Die Mutter war als Kind selbst übergewichtig, hat im Teenageralter auf Normalgewicht abgespeckt und lange gehalten. Als sie mit Ende 20 schwanger wurde, aß sie nach dem Motto „endlich keine Diät mehr“ und nahm während der Schwangerschaft fast 30 Kilo zu. Das Kind kam als Wonneproppen zur Welt und war IMMER hungrig. Sie hat ihn kaum satt bekommen und ich habe es selbst gesehen, er hat immer die doppelte Portion von meiner ein Jahr älteren Tochter gegessen. Und wenn sie ihm nicht mehr geben wollte, hat er geweint und getobt und das schon als Baby mit „natürlichem“ Sättigungsgefühl. Ja, und leider war er ein dickes Baby, Kleinkind und ist auch heute mit 19 immer noch stark übergewichtig trotz diverser Abspeckkuren.
    Liebe Grüße
    Ulli

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    1. Brendan

      Ich habe da so meine Zweifel, ob das alleine an den Hormonen liegt – ohne dir zu nahe treten zu wollen. Ich beobachte selbst in meinem Umfeld wie Kinder von ihren übergewichtigen Eltern gefüttert werden und selber aufgehen wie ein Hefekloß. Egal wohin sie kommen, dem Kind wird etwas zu essen zwischen die Kiemen geschoben, auch wenn es gar nicht danach gefragt hat. Schreit das Kind, ist es unzufrieden, weint es – kriegt es etwas zu essen. In Gesprächen höre ich dann immer: Das Kind hat ja soviel Hunger, es will ja immer essen, es wird immer so unleidlich und braucht einfach so viel.
      Da wird die Ursache mit der Wirkung verwechselt. Zumindest nur an den Hormonen liegt das nicht, vermute ich mal.

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  20. Pingback: All about KW 36 – Lieblinks, Gedanken und mehr › Foodina

  21. Lida Appel

    Hallo, das hört sich alles ganz toll an, was aber tun wenn sich das Kind einfach nicht für Essen interessiert weil es tagsüber einfach zu viele andere Interesante Dinge gibt? Dafür Nachts dann aber nicht schlafrn können vor Hunger. Ein sanftes Abgewöhnen des nächtlichen Essens hat zu 3-4 Stunden Dauerwachsein geführt und auch nach 3 Wochen hat sich daran nicht geändert. Das Kind ist 2 Jahre und wurde noch nie zum Essen gezwungen etc. Das Essen generell haben wir via Baby led weaning eingeführt. Aber schon zu stillzeiten wurde nie länger als 3-5 min getrunken. Und gemeldet hat sich das Kind eigentlich auch nur nachts. Mit einem Kind das weiss wann es Hunger hat und wann nicht in einem ausgewogenen Maß hat meins leider nichts gemein. Ich habe sowohl für Ruhe beim Essen gesorgt, als auch für Interessantes essen. Geändert hat sich nichts. Mitlerweile habe ich keine Ideen mehr. Und gegessen wird noch immer Nachts.
    Tagsüber auch ein wenig. Und durchaus Gemüse, Obst etc.
    Aber eben keine Mahlzeiten welche einen durch eine Nacht tragen.

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    1. Mona

      Ich hab kein Kind, daher kommen mir viele Fragen:

      Darf man zusammen mit einem Kind nicht mal 1 bis 3 Nächte hungern und wach durchmachen, irgendwann schläft das Kind doch ein? Passiert dann irgendwas Schlimmes, außer dass es tagsüber dann mehr wach gehalten werden muss, um im normalen Tagesrhythmus zu bleiben, damit es irgendwann nachts schläft ohne nachts zu essen? Ist das schlimm, wenn es nachts nur Wasser bekommt und erst ab 5 Uhr oder so wieder etwas zum Essen, wenn es dann noch essen will?

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