In der Schusslinie der Verbitterung

Vor einigen Tagen erschien in der FAZ ein Artikel über Verbitterung. Eine gute Erinnerung daran, dass ich schon länger einmal etwas über Menschen schreiben wollte, mit denen man beim Abnehmen das (Miss-)Vergnügen haben kann.

In diesem Blog geht es um das Thema Körpergewicht, daher wird der Schwerpunkt dieses Artikels darauf liegen. An sich ist er aber übertragbar auf so ziemlich jeden Bereich: Karriere, Familie, Beziehungen, Freizeit, Sport …. sogar gesellschaftliche Themen wie die Flüchtlingskrise stehen in Zusammenhang mit Verbitterung.

Verbitterung – „jene ätzende Kombination aus Gefühlen, die mit der Überzeugung einhergeht, zu kurz gekommen zu sein, nicht das bekommen zu haben, was man für angemessen hielte„, schreibt die FAZ. Verbitterte Menschen haben das Gefühl, ungerecht behandelt, benachteiligt zu sein. Die (alleinige) Ursache ihres Unglücks liegt dabei ausserhalb ihrer Person. Es ist „die Gesellschaft“, „der Chef“, „der Staat“, „die Flüchtlinge“ oder auch „die Gene“.

Die konkrete Situation ist dabei kein Indikator für Verbitterung. Objektiv mag die Person erfolgreich sein, subjektiv kann sie dennoch das Gefühl haben, nicht so erfolgreich zu sein, wie sie es verdient hätte. Meist ist es so, dass ein starker Fokus auf Leistung und Erfolg liegt, und der (Selbst-)Wert sehr daran festgemacht wird, was man erreicht hat. Bewusst oder unbewusst dominiert die Idee, nur dann ein wertvoller Mensch zu sein, wenn man bestimmte Ansprüche erfüllt.

Der Gedanke, diese Ansprüche nicht zu erfüllen, ist damit für die Betroffenen erschreckend, denn er kratzt direkt am eigenen Selbst-Wert-Gefühl. Entsprechend wichtig ist der Schutz des Egos, der dann über das Gefühl von Ungerechtigkeit funktioniert: „Ich wäre ja erfolgreich, wenn nicht diese oder jene Umstände oder diese oder jene Person mir Steine in den Weg legte!“ Natürlich hat jeder mal dieses Gefühl, aber der Unterschied ist, dass es sich bei Verbitterten wie ein roter Faden durch das Leben zieht und sie immer Opfer irgendwelcher Umstände oder Personen sind. Wenn man nur wertvoll ist, wenn man gewisse Ansprüche erfüllt, ist es natürlich undenkbar, selbst für ein negatives Ergebnis oder einen Misserfolg verantwortlich zu sein.

Wo die meisten Menschen sagen können „Ich bin zwar nicht immer perfekt, aber trotzdem ein liebenswerter Mensch“, funktioniet das für Verbitterte so nicht. Um zum Thema dieses Blog zu kommen: In diesem Fall bedeutet das meist, dass der Glaubenssatz „Nur schlank bin ich liebenswert“ recht zentral bei der Person ist, selbst wenn sie das vom Verstand her ablehnen würde. Wo der Nicht-Verbitterte beim Anblick eines Models recht schnell zu dem Schluss kommt, dass es nicht wirklich nötig ist, so auszusehen und sich auf die eigenen Prioritäten besinnt, ist für Verbitterte der Anblick eines solchen Körpers ein nagender Stachel im Fleisch.

Warum man nun als (erfolgreicher) Abnehmer oft in den Fokus von Verbitterten gerät? Nun, dass Menschen erfolgreicher oder glücklicher sind als sie, ist schon ein Problem, aber damit können sie noch halbwegs leben, denn es ist eben Zeichen dieser schrecklichen Ungerechtigkeit, der sie ausgesetzt sind. Die anderen hatten es eben einfacher, hatten Glück und wurden ungerecht vom Leben bevorteilt. Der Verbitterte kann diese Glücklichen anschauen und sogar ein bisschen in seiner Verbitterung schwelgen, dass die es gemeinerweise so gut haben, obwohl er doch viel besser ist.

Was aber wirklich schlimm ist und quasi an den Grundfesten kratzt ist, wenn jemand am Verbitterten vorbeizieht. Also jemand, dem ganz offensichtlich nicht alles in den Schoß gefallen ist und der aus einer ähnlichen oder sogar schlechteren Situation heraus starten musste.

Für viele Leute ist so etwas – neben vollkommen normalen Gefühlen von Neid im Sinne von „whoa, das will ich auch!“ – motivierend oder inspirierend. Wenn jemand, der schlechtere Bedingungen hatte als ich es schafft, dann kann ich das auch!

Genau dieser Gedanke ist für den Verbitterten nicht im geringsten positiv oder hoffnungsvoll assoziiert, sondern kommt eher so an: „Wenn DER das kann, warum nicht DU, du Versager? Wie scheiße bist du, wenn DU das nicht schaffst?!“ Der Fokus liegt dann nicht im geringsten bei den eigenen Möglichkeiten, sondern ausschließlich auf dem wahrgenommenen Nichterfüllen dieser Möglichkeiten.

Wo die meisten Leute Verständnis für Schwierigkeiten haben und damit klarkommen, nicht überall perfekt sein zu müssen und nicht alles (auf Anhieb) schaffen zu müssen, lässt die Leistungsorientierung bei Verbitterten solche „Ausreden“ nicht gelten. Wenn man es schaffen KANN dann MUSS man es schaffen, und somit wird eine Person, die es geschafft hat quasi zum lebendigen Mahnmahl und Schuldvorwurf: „Siehst du, es geht! Nur DU bist zu scheiße, ums zu schaffen!“ – und sogar jegliche netten oder abschwächenden Worte werden in diesem Kontext interpretiert. Aus einem: „Ja, ich kenne das, mir fiel dieses und jenes auch schwer!“ wird ein „Siehst du, ich hatte es sogar NOCH schwerer und habe es TROTZDEM besser gemacht als DU!“

Für den Verbitterten gibt es in dieser Situation eigentlich nur eine Möglichkeit, diese Bedrohung loszuwerden, nämlich dieses Mahnmahl einzureißen. Im besten Fall fällt ihm eine Begründung ein, warum die andere Person es eigentlich doch total leicht hatte und der Erfolg gar nicht wirklich einer war. Dann wird betont, dass es ja scheinen mag, dass die Person aus einer vergleichbaren Position heraus gestartet ist, in Wirklichkeit war sie jedoch wesentlich besser dran. Als Gegenüber mag das zunächst einmal ziemlich negativ, gemein oder ätzend sein, wenn die eigenen Erfolge auf diese Art kleingemacht werden. Letztlich kann man allerdings nur hoffen, dass das passiert.

Warum? Wenn es dem Verbitterten auf diese Art gelingt, einen neu zu kategorisieren, nämlich zu den vom Schicksal begünstigten/ungerechtfertig Glücklichen, landet man zwar in einer Art „Feindeskategorie“, da sich der Verbitterte ja selbst als Opfer dieser Glücklicheren wahrnimmt, aber der Fokus wird damit weggelenkt von der eigenen Person, hin zur gesamten Kategorie.

Denn der entscheidende Punkt bei Verbitterten ist dieser: Ihre Energie konzentrieren sie so gut wie nie auf positive Veränderungen für sich sondern wesentlich mehr darauf, die (aus ihrer Sicht unberechtigt) Erfolgreicheren herunterzuziehen.

Gelingt es dem Verbitterten nicht, einem den Erfolg durch ein „Na, eigentlich hattest du es ja besonders leicht“ kleinzureden, wird man dadurch im schlechtesten Fall unversehens zum Ziel dieser destruktiven Energie. Wenn der Erfolg nicht kleingeredet werden kann, muss er eben weg. Oder zumindest muss die Person insgesamt so weit herabgezogen werden, dass sie sich nicht mehr über diesen Erfolg freuen kann. Die Möglichkeiten sind hier vielfältig, von direkter Zerstörung oder Sabotage bis hin zu psychologischer Sabotage. Je nach Geschick kann diese Sabotage äußerst subtil ablaufen und sogar als „sich kümmern“ oder Sorge verpackt sein.

Gefährlich sind dabei besonders die Verbitterten, die sich nicht offen aggressiv zeigen sondern nach dem Prinzip vorgehen „Halte deine Freunde nah und deine Feinde noch näher“ und sich als Verbündete tarnen.

Wenn man merkt, dass man es mit einer verbitterten Person zu tun hat, gibt es eigentlich nur einen Ausweg: Rennen. So schnell und so weit weg wie möglich. Denn Verbitterte werden nicht locker lassen in ihrem Bemühen, diese Selbstwertbedrohung loszuwerden. Versuche, konstruktiv und freundlich auf die verbitterte Person zuzugehen, möglicherweise sogar mit der Absicht sie zu unterstützen, werden in einem Filter von „will mich fertigmachen“ oder „will es mir noch extra reinreiben“ interpretiert, denn genau dieses negative Gefühl löst ja derjenige aus, der es wagt, im Umfeld des Verbitterten etwas positives für sich zu erreichen. Übrigens muss die positive Sache nicht immer 1:1 dieselbe sein, es ist möglich, dass die verbitterte Person objektiv weiterhin wesentlich erfolgreicher in genau dieser Sache ist, aber allein die Tatsache, dass jemand um sie herum etwas verändert und zufriedener wird, ist eine Bedrohung. Im Bezug aufs Abnehmen kann es also durchaus sein, dass es sich bei der Person um ein Topmodel handelt, und dennoch nicht damit umgehen kann, dass jemand in der Umgebung von Adipositas Grad 3 auf Adipositas Grad 1 abnimmt und damit dann insgesamt zufriedener wird („Mag ja sein, dass die dicke Tina einen besseren Abschluss hat, aber die ist ja auch dick und hat sonst nichts zu tun als zu lernen.“ fällt dann evtl. plötzlich weg und die Person wird zur Bedrohung).

Kurz: Verbitterte sind unglaublich toxisch und ihr gesamtes Leben basiert darauf, dass die Umstände und niemals sie selbst, Ursache für Misserfolge sind. Wer im Umfeld des Verbitterten aus eigener Kraft etwas positives für sich erreicht wird zur Bedrohung, die bekämpft werden muss. Ein positiver Umgang wird so gut wie unmöglich und am besten bringt man sich so schnell es geht aus der Schusslinie.

PS: Der Text wurde in der männlichen Form geschrieben, allerdings ist es im Bezug auf das Körpergewicht so, dass es tendenziell eher Frauen betrifft, wo das Körpergewicht oft einen wesentlich zentraleren Stellenwert hat.

PPS: Wer sich nun fragt, warum man im Vorfeld überhaupt Kontakt zu so einem negativen oder bösartigen Menschen haben sollte: Weil man es der Person nicht unbedingt anmerkt. Es mag einem zwar auffallen, dass sie oft darüber klagt, wie ungerecht die Welt ist und wer wieder alles böse war, aber Verbitterte können die liebsten, nettesten und verständnisvollsten Menschen sein, zu Personen, denen es schlechter geht. Es können gerade die sein, die in der Suppenküche helfen oder sich für Schwächere engagieren, denn solange es anderen schlechter geht, sind das Menschen, die dem Selbstwert dienen. Ob jemand verbittert ist merkt man oft erst dann, wenn es anfängt, einem besser zu gehen.

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24 Gedanken zu “In der Schusslinie der Verbitterung

  1. Sabine

    Danke, Danke, Danke!!!

    Der Beitrag kommt zur rechten Zeit!

    Diese Verbitterung musste ich vor einigen Tagen auch erleben. Ich wurde massiv von einem Familienmitglied angegangen. Zum Glück sehe ich diese Person sehr selten, aber die Bösartigkeit von Ihr bezüglich meines Abnehmens und Nichtrauchens war erschütternd.

    Das ging so weit, das ich beschlossen habe sie nicht mehr zu treffen. Der Rest der Familie ist in Ordnung, aber wenn jemand so verbittert und neidisch ist, kann das ätzend sein. Das will ich mir nicht mehr antun.

    Nur by the way: ich habe mich einfach dazu gesetzt und nix gesagt, kam ich gar nicht zu – keine Angabe oder ähnliches.

    LG
    Sabine

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  2. Inita

    Interessant …. gestern Abend geriet ich in eine Talkshow. Da war ein weiblicher Gast (76 Jahre), der von der „Verbitterung“ in den Alten- und Pflegeheimen sprach und dass die Pflegenden deren Opfermentalität ausbaden „dürfen“. Sie richtete lautstark den Appell an die anderen „macht nicht andere für Euer Leben verantwortlich!“ Recht hat sie – aber ob die deutsche Mecker- und Anspruchsgesellschaft das je lernen wird?

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  3. Bei mir ist das irgendwie umgekehrt : wenn ich etwas nicht schaffe, sagt die innere Stimme, dass es an meiner inhärenten Unfähigkeit zu allem liegt, während Erfolge meist durch die (zu) niedrigen gestellten Ansprüche zu erklären sind. Ich bin immer Schuld, und wenn was klappt, dann nur, weil äußere Umstände es so leicht gemacht haben. Ganz objektiv weiß ich, dass das nicht immer stimmt, aber als grundlegende Einstellung ist es immer in meinem Hinterkopf.

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    1. Mona

      maunzendemaus, so ist es bei mir auch und ich glaub bei gar nicht so wenigen Menschen.
      Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Firmentypen (irgendwas hohes, Geschäftsführer oder so), der hat mir das einfach nicht geglaubt, dass es solche Menschen gibt.
      Er hatte halt an den Fertigungsmaschinen immer nur angelernte Leute ohne Ausbildung und die vielleicht nicht mal genug Deutsch konnten und er sagte, dass die immer nur anderen die Schuld geben und alles und jeden ausnutzen, sodass man dem zuvorkommen muss blablabla. Dass er selbst diese Menschen ausnutzt (seeehr wenig bezahlt und Menschen wie Maschinen ersetzt, wenn sie mal nicht so funktionieren, wie er will) und irgendwie als minderwertig ansieht, sah er nicht. Nur weil jemand ein „schlechtes Gemüt“ hat bedeutet es ja nicht, dass derjenige nicht sieht, dass er ausgenutzt wird oder dass er selbst nichts Unrechtes tut, inbesondere wenn der Mensch so ist wie wir, die sich erstmal selbst die Schuld gibt, weil der Chef ja sagt, man ist selbst Schuld und gehört bestraft. Nur durch das logische Nachdenken merkt man, ob man wirklich Schuld hat oder der andere und man selbst sich das einredet.

      Erstaunlicherweise habe ich mich in dem Blog-Text sehr wiedererkannt (nur dass ich kein Problem habe, wenn jemand sportlicher ist oder schneller abnimmt). Ich war in meiner Kindheit wohl verbittert, bis es in der Grundschule alles in die andere Richtung gekippt ist, dass ich mir für alles die Schuld gab und mich bis zur totalen Erschöpfung ausgebeutet habe.
      Kann man überhaupt ein verbittertes Kind sein? Einerseits dachte ich, dass ich vielleicht ein ängstlich-depressives Kind war, aber diese Beschreibung der Verbitterung passt so extrem gut. Kann man Verbitterung lernen, z.B. von einem Familienmitglied, sodass man schon im Kindergarten verbittert ist? Ich finde das total faszinierend. Mir war nicht klar, was Verbitterung bedeutet. Das erklärt viele Reaktionen von Menschen, die ich vorher nie verstanden habe, weil es ja auch kein „nur Neid“ ist. Danke für das Thema.

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  4. … ist das Verbitterungsstörung (FPR), die mit der Weisheitspsychotherapie behandelt werden könnte? Ich weiß ja nicht ob sich das bewährt und durchsetzt? zumindest geforscht wird darüber.

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    1. Die klinisch relevante Störung meinte ich nicht, sondern eher „normale Verbitterung“, allerdings ist das ja oft fließend.
      Ob es sich durchsetzt weiß ich nicht. Ich war mal auf einem Vortrag von Dr. Linden und fand seine Vorstellung der Störung und seiner Methode ganz interessant. So 2-3 Patienten fielen mir spontan ein, bei denen das gut gepasst hätte. Aber das ist ja oft so, wenn man ein Konzept vorgestellt bekommt^^

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  5. Kris

    „Wer sich nun fragt, warum man im Vorfeld überhaupt Kontakt zu so einem negativen oder bösartigen Menschen haben sollte: Weil man es der Person nicht unbedingt anmerkt.“

    ..und weil man oft denkt, keine andere Wahl zu haben. Direkte Arbeitskollegen oder Familenmitglieder, da fällt es häufig schwer, diesen aus dem Weg zu gehen oder man traut sich des „lieben Friedens Willen“ nicht hart verbitten.

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  6. GelberRucksack

    Ich würde sochen Leuten keine Macht über mein Wohlbefinden einräumen. Ich lasse sie ihre Probleme nicht bei mir abladen, weder direkt noch indirekt. Was irgendwelche Leute mir sagen, ist genauso wichtig oder unwichtig, wie das was ich irgendwelchen Leuten sage.
    Wenn jemand meint, ich hätte es besonders leicht, Abnehmen sei für mich ein Kinderspiel, dann bestätige ich das nicht nur, sondern lege noch einen drauf: Stimmt! Ich habe nicht mal eine Waage!

    (Das stimmt übrigens wirklich.)

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  7. Manfred Burditsch

    „Ob jemand verbittert ist merkt man oft erst dann, wenn es anfängt, einem besser zu gehen.“ … oder schlechter. Dann blüht Verbitterte vielleicht förmlich auf vor Freude und neuem Selbstbewusstsein, was dann auch schonmal als Hilfsbereitschaft getarnt wird, die natürlich nicht hilft.

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  8. GelberRucksack

    Verbitterte wissen ganz genau, bei wem sie mit ihrer Masche laden können. Bei Menschen, denen es schwerfällt Grenzen zu setzen und nein zu sagen.
    Das Gute ist, wenn sie einmal auf Granit gebissen haben, suchen sie sich meist ein anderes Opfer.

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  9. Jaja, Schuld sind immer die Anderen, ich sage es den Leuten auf den Kopf zu, mache mich über ihre Ausreden lustig und lass sie allein. Ich habe einfach keine Lust mich von solchen Menschen runterziehen zu lassen, also jage ich sie in ihr Schneckenhaus zurück. Sollen sie mich für ein Arschloch halten, aber ich bin nicht ihr seelischer Mülleimer und auch kein Opfer, an dem man sein nicht vorhandenes Selbstwertgefühl steigern kann. Das heißt nicht, dass ich keine Empathie habe, aber man merkt doch ziemlich schnell den Unterschied zwischen „Pech gehabt“ und Verbitterung.

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  10. Alex

    Bingo. Wobei es meistens nicht so einfach ist, unliebsamen Kollegen aus dem Weg zu gehen, die meisten dürften ja im Angestelltenverhältnis in irgendwelche unternehmerische Strukturen eingebunden sein. Die Diskrepanz zwischen Anspruchsdenken und dem Nicht-Bemühen bzw. der Untätigkeit ist manchmal schon heftig. Wenn diese Leute die Energie, die für Lästern, Tratschen und Knüppel-zwischen-die-Beine-werfen draufgeht, in konstruktive Bahnen lenken würden, ginge es Ihnen wahrscheinlich auch gefühlt besser. Entsteht daraus – bei entsprechender charakterlicher Veranlagung- dann Mobbing?

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    1. Ich denke, jemand mit dieser Persönlichkeit ist sehr „anfällig“ für Mobbingsituationen, allerdings sehe ich da ein erhöhtes Risiko auf beiden Seiten, wowohl als Betroffener als auch als Täter. Dabei kommt es dann auch auf das Umfeld an und wie gut der Verbitterte sich „tarnen“ kann. Wenn er zu offen aggressiv und unsympathisch auftritt, gerät er eher schnell ins Abseits, was dann die Verbitterung natürlich nur umso mehr anfacht.
      Wenn es ihm allerdings gelingt, sich überzeugend als Opfer darzustellen und ggf. noch weitere Mitstreiter findet, um sich zu verbünden, sieht das anders aus. Die AfD oder Pegida sind da ganz gute Beispiele, wenn sich dann genug Verbitterte zusammenfinden, um sich gegenseitig zu bestätigen, dass DIE schuld an allem sind.

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  11. Magenta

    Danke für den Artikel, habe auch in der weiblichen Verwandtschaft jemanden, der mich extrem aggressiv angegangen ist, nach meiner Abnahme. Jetzt kann ich das besser einordnen, denn nur Neid hat als Erklärung nicht gereicht. Sie bohrte immer wieder nach und wollte mir unbedingt nachweisen, das das alles nicht gut ist (Ernährung, Sport, Aussehen).
    Der Witz ist, das sie mir seitdem (ein halbes Jahr) aus dem Weg geht, weil sie nicht neben mir stehen will, den direkten Sichtvergleich verkraftet sie wohl nicht. Schon krass!

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  12. Anonym

    Uhhm…ich habe den FAZ Artikel nicht gelesen und verstehe daher vielleicht diesen Blogeintrag etwas falsch, aber ernsthaft „Verbitterte sind unglaublich toxisch…“ und „nur einen Ausweg: Rennen. So schnell und so weit weg wie möglich“? Wirklich? Was für Unmenschen malt ihr euch denn da aus? Ich sehe da auch die andere Seite, nämlich dass ich mit einem Menschen, mit dem ich eigentlich gut zurecht komme und mit dem ich andernfalls eine Freundschaft haben könnte, nicht mehr interagieren kann weil ich genau dieses Verbitterungsgefühl habe. (Hintergrund, ich seit sieben Jahren essgestört und sehr am Kämpfen mit dem Gewicht, sie sehr schlank.) Natürlich sehe ich, dass sie sehr viel Sport macht und sehr diszipliniert ist. Nur weil jemand verbittert ist, kann man der Person doch nicht abschreiben, dass sie merkt, dass sie sich gerade unfair verhält. Bedrohter Selbstwert ist eine enorm starke Emotion. Mag ja sein, dass man sich dann aus Selbstschutz distanzieren muss. Aber zu sagen, dass hier jedes auf die Person zu gehen zum Scheitern verurteilt ist und im schlimmsten Fall ausgenutzt wird finde ich pauschalisierend und unfair. Da macht man es sich wirklich zu einfach. Als würden Verbitterte nicht versuchen, dagegen anzugehen. *brmlbrml*

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    1. @Anonym

      Dass Menschen wie du mit dieser Art der Verbitterten nicht gemeint sind, erkennt man recht einfach daran, dass du schreibst „dass ich mit einem Menschen, mit dem ich eigentlich gut zurecht komme und mit dem ich andernfalls eine Freundschaft haben könnte, nicht mehr interagieren kann weil _ich_ genau dieses Verbitterungsgefühl habe.“

      Wärst du wie die im Blogartikel gemeinten Verbitterten, würdest du sagen „meine Freundin ist schuld, weil sie mir ständig unter die Nase reibt wie toll sie ist, nur weil sie so viel Sport macht! Denkt vielleicht mal darüber nach wie ihr Leute fertigmacht, wenn ihr ihnen ständig vorhaltet, wie ach-so-diszipliniert ihr seid und was für fette Loser alle anderen sind! Genau wegen Menschen wie euch gibt es Essgestörte!“

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      1. hotspot

        „Denkt vielleicht mal darüber nach wie ihr Leute fertigmacht, wenn ihr ihnen ständig vorhaltet, wie ach-so-diszipliniert ihr seid …“

        Das wäre genau die Argumentationsfigur der Fat Acceptance Bewegung.

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      2. Woran erkennt man Verbitterte?

        Mal ein paar Symptome:

        – Schuld sind immer andere
        – Hoher Leidensdruck unter der subjektiv unverschuldeten Situation
        – Neid auf „Anomalien“, Leute die Schwierigkeiten überwunden haben
        – geringes Selbstwertgefühl
        – Einnehmen der Opferrolle

        Bitte um Ergänzungen.

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  13. Petra

    „…. Ob jemand verbittert ist merkt man oft erst dann, wenn es anfängt, einem besser zu gehen.“
    Danke dafür, das hat mir gerade die Augen über eine vormalige Freundin geöffnet. Es ging dabei zwar nicht um eine Abnahme sondern sie hat mich abgewertet, seit ich glücklich und erfolgreich bin, während sie niemals eigene Verantwortung für ihre Lebensgestaltung übernommen hat. Und ich bin halt die großspurige Zicke, während sie doch immer so nett zu allen ist.

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