Gastbeitrag: Abnehmen ohne Kalorienzählen.

Fettlogik wird gerne in einem Atemzug mit Kalorienzählen genannt – was vermutlich daran liegt, dass das Thema Kalorien recht präsent ist und ich selbst dieses Mittel genutzt habe. Diese Assoziation lässt sich dann nur schwer mit den gelegentlich eingestreuten Hinweisen, dass es auch ohne geht, lösen. Dass Kalorienzählen allerdings keineswegs der einzige Weg ist und für manche Charaktertypen sogar zu gegenteiligen Reaktionen führt, zeigt Lastalda, ihres Zeichens Programmiererin um die 30, mit ihrer Geschichte. Und die beigefügte Abnehmkurve zeigt: Es geht sogar sehr gut:

kurve

Die große, überfordernde Freiheit

In „Fettlogik Überwinden“ wird sehr umfangreich und einleuchtend erklärt, dass man zum Abnehmen einfach weniger Kalorien zu sich nehmen muss, als man verbraucht. Und dass viele Diäten scheitern, weil die Probanden entweder die aufgenommenen Kalorien unterschätzen oder die verbrauchten Kalorien (z. B. durch Sport) überschätzen – oder beides. Um erfolgreich abzunehmen, kann man „einfach“ Kalorien zählen, auf ein Defizit achten, durchhalten, und das wird funktionieren.

Aber geht es auch ohne Zählen? Weder Kalorien noch Punkte?

Vielleicht nicht für jeden – aber für manche schon. Ich habe in den letzten 3 Jahren (davon die Hälfte Diätpause wegen Schwangerschaft und Stillzeit, also eigentlich anderthalb Jahre) von BMI 32 auf BMI 21 abgenommen, ohne Kalorien zu zählen oder an einem Diätprogramm teilzunehmen.

Vorgeschichte

Meine Kindheit und die dicke Identität

Ich war kein dickes Kind, habe mich aber immer als mollig empfunden. Ich weiß noch, dass ich irgendwann in der frühen Grundschulzeit meine Mutter fragte, ob ich dick sei. Sie antwortete mir, ich sei „normal, weder zu dick noch zu dünn“. Was ich interpretierte als „Ich bin dick, Mama hat mich nur zu lieb, um es mir zu sagen“. Ich sah ja, dass andere Kinder in meiner Umgebung deutlich dünner waren als ich. Und meine Mutter hatte es mir ungewollt bestätigt: ich war nicht dünn. Also war ich dick.

Da meine Mutter und meine Oma auch beide deutlich übergewichtig waren, solange ich mich erinnern kann, und schon von klein auf bei uns über die starken mütterlichen Gene gewitzelt wurde (man kann Kinderfotos von Oma, Mama und mir im gleichen Alter nebeneinander halten, und das Gesicht sieht fast identisch aus), habe ich das auch als ziemlich normal empfunden – dann werde ich wohl auch dick. Ist halt so. Kann man nichts machen, also lohnt es sich auch nicht wirklich, sich groß damit zu beschäftigen.

(Heute verstehe ich, was meine Mutter damals eigentlich meinte, wenn ich meine eigene Tochter ansehe. Die ist nämlich normalgewichtig, weder zu dick noch zu dünn… Ich gebe mir große Mühe ihr das, wenn das Thema aufkommt, als was Positives zu spiegeln, in der Hoffnung, dass es ihr eine dicke Identität erspart.)

Somit war der Grundstein für meine Identität als Dicke gelegt. Allerdings hatte ich bis ins mittlere Teenageralter gar keine Gelegenheit, wirklich übergewichtig zu werden. Ich liebte zwar Süßigkeiten, aber die gab es bei uns nur zu Geburtstagen, Ostern und Weihnachten, und Taschengeld gab’s gar nicht. Chips etc. gab es generell nicht, und Kuchen oder Eis nur, wenn mal Besuch da war (was selten vorkam). Standardgetränk war Tee mit Süßstoff, zu essen gab es drei Mahlzeiten täglich und dazwischen bei Bedarf Obst oder Gemüse aus dem Garten.

Als ich mit ca. 15 Jahren ausgewachsen war (1,73 m), wog ich 65 kg – das entspricht BMI 21, also mittlerem Normalgewicht. Dennoch empfand ich mich als mollig – nicht wirklich sehr dick, aber auf keinen Fall schlank. Schlank war ein Großteil der Mädels in der Schule, und die sahen ganz anders aus als ich.
Aber meine Mutter war als Jugendliche, Familienfotos nach zu urteilen, auch nicht dick gewesen… von daher war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis mich dieses Schicksal auch ereilte.

Gelegenheit macht dick, oder: Zunehmen ohne hinzugucken

Als ich mit 18 von zuhause auszog, um zu studieren, wog ich immer noch 65 kg. Ich kannte den Begriff Setpoint nicht, bis ich FLÜ gelesen habe, aber als genau das habe ich dieses Gewicht damals empfunden – eben das Gewicht, bei dem sich mein Körper eingependelt hatte, ohne dass ich je auf meine Ernährung geachtet hätte. Jedenfalls war das die Zahl, die mir die Waage unbeirrt über Jahre hinweg anzeigte, wenn ich all paar Monate mal drauf stieg. Und weil ich den BMI damals durchaus kannte, wusste ich, dass das als mittleres Normalgewicht ja okay sein sollte, womit ich keinen Sinn darin sah, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es gab so viele spannendere Themen!

Was ich mit dem Auszug unter anderem hinter mir ließ, war Süßstoff, denn der hatte mir nie geschmeckt. Aber süß mussten Getränke schon sein – Wasser bekam ich einfach nicht herunter, und ungesüßter Tee war widerlich. Also dann doch lieber richtigen Zucker. Oder richtigen Saft.

Was dazu kam, war zum ersten Mal selbst über Geld zu verfügen. Damit knauserte ich zu Anfang sehr, weil ich große Angst hatte, dass es nicht reichen würde – ich hatte ja nie gelernt, mit Geld umzugehen. Aber ich stellte relativ schnell fest, dass Süßigkeiten (SÜSSIGKEITEN!!!) nicht teuer sind. Und TK-Pommes auch nicht. (Ansonsten kochte ich allerdings gerne viel mit frischem Gemüse – mit ordentlich Beilage, versteht sich.)

Ich weiß nicht genau, wie alt ich war, als ich das nächste Mal auf eine Waage stieg. Vielleicht 20? Da wog ich auf einmal 75 kg. Ups!

Ach so, das war die Pille! Da lagert man ganz gemein viel Wasser ein! Auf die Idee, dass es auch mit meinem Zuckerkonsum zu tun haben könnte, kam ich gar nicht.

Misstrauisch beobachtete ich die nächsten Monate meine Waage (nicht täglich, aber so ungefähr alle 1-2 Wochen). Und es blieb bei 75 kg. Ging es doch mal drüber, aß ich abends ein paar Tage lang nen kleinen Obstsalat statt belegte Brote, und ließ eventuell mal die Süßigkeiten weg (die billigen hatten inzwischen ihren Neuigkeitsreiz verloren und die leckeren waren zu teuer für Dauereinsatz, daher war der Süßkonsum ohnehin zurück gegangen), und dann hatte ich meine 75 wieder. Offenbar war das mein neuer Setpoint. Etwas höher, als ich eigentlich angenehm gefunden hätte, aber ich konnte damit leben (und mein damals-Freund-jetzt-Mann auch).

Während und nach meiner ersten Schwangerschaft wog ich mich regelmäßig – ich nahm ziemlich genau die empfohlenen Kilos zu und hatte sie nach der Stillzeit problemlos wieder runter. Yay, Setpoint gehalten!

Irgendwann in der Folgezeit wurde ich zu faul zum Wiegen. Mein Körper hatte sich ja jetzt offenbar die 75 kg gemerkt. Ich wog mich nur noch sporadisch, dann gar nicht mehr.

1-2 Jahre später wog ich auf einmal 85 kg. Mist, so war das nicht geplant gewesen! Wo die herkamen, konnte ich mir nicht recht erklären. Oder doch – das war Glücksspeck. Wenn man zusammen glücklich ist, dann nimmt man halt zu, das ist normal. Hatte ich mal irgendwo gelesen. Darauf, dass das vielleicht an den vielen gemeinsamen Abenden auf der Couch mit leckeren Knabbereien liegen könnte, kam ich nicht, zumindest nicht ernsthaft.

Diäten funktionieren nicht!

Glücklich war ich mit meinem Leben schon, nur mit dem Gewicht nicht so wirklich. Von einer guten Freundin (die quasi gegen ihr Übergewicht kämpft, seit ich sie kenne, und damals meine 75 kg als Traumgewicht bezeichnet hat) hörte ich von WeightWatchers. Sie benutzte allerdings nur die Tabellen, machte aber kein bezahltes Programm mit. Ich ließ mir die Tabellen geben und probierte das auch mal, da mir das Konzept recht einleuchtend mit vertretbarem Aufwand erschien – und stellte den Versuch nach drei Tagen bereits ein, weil mich das Punkte zählen total kirre machte. Auf einmal dachte ich den ganzen Tag nur noch an essen – daran, wie viele Punkte das jetzt waren, und wie viele ich noch übrig hatte, und was ich für diese Punkte noch essen konnte… Ich hatte nie Probleme mit Heißhunger gehabt, aber in diesen Tagen lernte ich ihn kennen. (Dankenswerterweise verschwand er nach Beendigung des Diätversuchs auch gleich wieder.)

Das konnte nicht gesund sein! Wenn man die ganze Zeit ans Essen denkt, kann man doch nicht abnehmen!
Kurze Zeit später stieß ich in einem Blog auf die Aussage „Nach 95% der Diäten sind die Betroffenen hinterher schwerer als vorher!“. Das hat mich tief erschüttert, und passte zu meinen seit Ewigkeiten vergeblich gegen ihr Übergewicht kämpfenden Freunden. Bloß gut, dass ich dem grade noch so entkommen war! Da fand ich mich doch lieber mit meinem Gewicht ab und lenkte meine Energie auf wichtigere und spannendere Themenfelder. Mein Studium und meine Familie und die Verbesserung der Welt durch das Internet zum Beispiel.

Berufseinstieg, oder: Das dicke Ende kommt erst noch

Mit 26 schloss ich mein Studium ab, heiratete meinen Freund und begann im Jahr darauf mein Berufsleben. Toller Job, klasse Firma. Schreibtisch. Und nachdem ich all die Jahre immer zu wenig getrunken hatte, nun endlich die Gelegenheit mir jeden Tag eine große Kanne Tee auf den Tisch zu stellen und die über den Tag auch zu trinken. Mit Zucker, versteht sich. Und hinter mir im Schrank ein stets gut gefülltes Fach mit den wirklich leckeren Süßigkeiten, die ich mir jetzt bedenkenlos leisten konnte – als Nervennahrung. Schließlich arbeitete ich mit dem Kopf, und das Gehirn braucht Glucose als Nährstoff. Hatte ich in der Biochemie-Vorlesung gelernt!

Bewegung hatte ich dafür quasi gar nicht mehr. War ich während des Studiums ständig von Vorlesung zu Vorlesung über den Campus gelaufen, und später während der Diplomphase viel Rad gefahren bin, um Töchterchen zur KiTa zu bringen, saß ich jetzt den ganzen Tag am Schreibtisch und benutzte für den Arbeitsweg das Auto. Mein tägliches Maß an Bewegung bestand noch aus Treppen steigen (vierter Stock ohne Fahrstuhl), ein- bis zweimal am Tag kurz den Flur runter und ein bisschen Haushalt. Dass das nicht gesund sein konnte, war mir dabei durchaus bewusst – aber ich war immer ein Bewegungsmuffel gewesen und Bewegung nur um der Bewegung willen erschien mir so… sinnlos. Verschwendete Energie. Dennoch begann Sport langsam nach etwas zu klingen, was mir wahrscheinlich gut tun würde, wenn ich denn mal den Hintern hoch bekäme.

Etwa ein halbes Jahr später suchte eine Kollegin jemanden, der ihren Vertrag im Fitnessstudio (im Erdgeschoss des gleichen Gebäudes, wo ich arbeite) übernehmen wollte, da sie nicht mehr hinging. Ich beschloss, das als Wink des Schicksals aufzufassen und übernahm. Die Eingangsmessung brachte Furchtbares zutage: 97,6 kg bei 43,4% Körperfettanteil! Viszerales Fett war wohl noch im Normalbereich und der Skelettmuskelanteil mit 25% für meinen nicht vorhandenen Fitnesszustand auch recht okay. Aber fast 98 Kilo! Katastrophe!

Naja, mit mehr Bewegung würde das sicher besser werden!

The long way down

Sport

In der Folgezeit schaffte ich es immerhin ca. 1-3 mal pro Woche ins Studio. Ich machte Krafttraining an verschiedenen Geräten und anschließend 15-20 Minuten Crosstrainer. Beides machte nicht wirklich Spaß, aber war erträglicher als ich es mir vorgestellt hatte. Mit Hörbuch war das ganz gut auszuhalten, und hinterher fühlte ich mich jedes Mal merklich besser als vorher. Ich merkte also: das tat mir gut.

Das Gewicht ging allerdings nicht runter. Bei meiner zweiten Messung nach einem guten halben Jahr war ich sogar auf 99,7 kg angekommen, also fast 100! Aber das waren doch bestimmt Muskeln, oder…? Nein, leider nicht. Der KFA war sogar auf 44,4 gestiegen. Der Muskelanteil war gleich geblieben, also hatte ich tatsächlich geringfügig Muskelmasse aufgebaut, aber hauptsächlich war das mehr Fett! (Im Nachhinein betrachtet habe ich mir da wohl mehr gegönnt „weil ich mir das ja verdient habe“.)

Ich war nahe am Verzweifeln. Der Trainer gab deutliche Hinweise, dass ich vermutlich an meiner Ernährung was ändern müsste, wenn ich abnehmen wollte. In dieser Zeit las ich unter anderem einen Artikel von jemandem, der die Quintessenz seiner erfolgreichen Abnahme mit der schönen Formel „Eat less, excercise more!“ zusammengefasst hatte, und letztendlich leuchtete mir das nach langem Nachdenken doch mehr ein als „Diäten scheitern automatisch“. Nachdem mehr Bewegung allein offenbar nicht reichte, wurde es also Zeit, den „weniger Essen“-Teil anzugehen.

Eine neue Routine

In dieser Zeit erzählte mir meine Mutter, dass sie jetzt seit einer ganzen Weile abends keine Kohlehydrate mehr aß, und damit richtig gut abnahm. Da ich ja, wie ich wusste, Mutters dominante Gene hatte, schloss ich daraus, dass das bei mir vielleicht auch funktionieren könnte. Also sprang ich über meinen Schatten und begann zum ersten Mal in meinem Leben eine echte Diät (nannte und empfand es aber nicht so).

Ich war schon immer ein extremer Routinemensch. Solange ich denken kann, hab ich unnötige Entscheidungen gehasst und vermieden – dann lieber immer die gleichen Schokos mit Milch zum Frühstück, immer den gleichen Kochschinken auf die Schulstulle, im Alltag immer das gleiche Outfit. Hauptsache nichts entscheiden müssen, was sich vermeiden lässt! Da ich von meiner alten Routine dick geworden war, musste ich mir also irgendwie eine neue Routine bauen, mit der ich weniger aß.

Generell komme ich auch mit allgemeingültigen Regeln besser klar als damit, mich jeden Tag neu zu irgendwas zu motivieren. Zum Beispiel funktioniert die Regel „ich gehe an jedem zweiten Werktag ins Fitness-Studio, es sei denn, ich habe einen Termin, der das verhindert und den ich nicht verschieben kann“ (Meetings auf Arbeit, Termine der Kinder etc.) sehr viel besser, als mich an einzelnen Tagen zu fragen, ob ich heute zum Sport gehe. Eine große Entscheidung ist für mich einfacher als viele kleine.

Also legte ich Regeln fest. Die fürs Fitness-Studio stand ja schon seit einem halben Jahr und wurde beibehalten. Dazu kam „getrunken wird nur noch Wasser“, „keine Zwischenmahlzeiten oder abendlichen Snacks“, „3 Mahlzeiten am Tag, kein Nachholen, dabei abends LowCarb und LowFat“. Zusätzlich gab es die eine erleichternde Regel dass ich, wenn ich wirklich starkes Verlangen nach etwas ganz Spezifischem habe, das dann auch (in überschaubaren Maßen) essen darf, um Heißhunger vorzubeugen.

Von Kalorien hatte ich damals keine wirkliche Vorstellung, bzw. glaubte nicht daran. Ich ging fest davon aus, dass ich eben ein „guter Futterverwerter“ mit einem „langsamen Stoffwechsel“ war (das erklärte mir auch gut meine Trägheit im Vergleich zu schlanken Mitmenschen). Aber dann musste ich halt weniger essen als Leute, die „schlechtere Futterverwerter“ waren. Und ich hatte die Hoffnung, dass meine neuen Regeln dazu reichen würden.

Und weil ich nun endlich endlich verstanden hatte, dass nicht auf die Waage steigen eine ganz schlechte Idee für mich ist (und ich den erwarteten Erfolg protokollieren wollte), begann ich, mich regelmäßig jeden Freitagmorgen zu wiegen und das Ergebnis in eine Excel-Datei auf meinem Smartphone einzutragen.

Und siehe da – die Kilos schmolzen dahin. Von Juli bis Oktober schaffte ich es von 99,6 kg auf 86,4 kg runter, worauf ich sehr stolz war. Es irritierte mich fast ein wenig, dass das so gut lief. Ich hatte keinen Plan gehabt, keine Vorstellung was zu erwarten war – solange das Gewicht jeweils unter dem der Vorwoche lag, oder wenigstens nicht drüber, war ich zufrieden. Dass zyklische Wassereinlagerungen, gerade bei Frauen, zu Gewichtsschwankungen führen, war mir bewusst, daher verfiel ich auch nicht in Panik, wenn es mal ne Woche nicht runter oder sogar ein bisschen rauf gegangen war. Ich aß dann in der folgenden Woche noch ein bisschen weniger, und wurde dann mit einem umso größeren Gewichtssprung belohnt.

Babypause

Mein erstes Ziel war, bis zur demnächst geplanten zweiten Schwangerschaft möglichst genug Kilos runter haben, dass ich während der Schwangerschaft nicht über die 100 kg-Marke kam. Diese Schwangerschaft begann im Oktober, und damit hatte die Diät vorerst Pause, da mir die Gefahr zu groß war, das Baby einem Nährstoffmangel auszusetzen. Also gab es abends wieder öfter mal Brot, zwischendrin reichlich Obst, und Süßigkeiten in Maßen waren auch wieder erlaubt. Aber immer mit der Waage im Blick, damit es nicht ausartete.

Und siehe da – zwei Tage vor der Geburt meines Sohnes wog ich 97,8 kg, und damit weniger als mein Höchstgewicht. Hurra!

Dann kam die Stillzeit, und wie nach meiner ersten Schwangerschaft gingen die Kilos rapide runter, obwohl ich aß so viel und worauf ich Lust hatte. Der zusätzliche Energieverbrauch durchs Stillen ist grandios! Gegen Ende der Stillzeit musste ich, ebenfalls wie beim ersten Mal, aufpassen, nicht unters Ausgangsgewicht zu kommen. Meine Hebamme und Gynäkologin waren sich einig, dass es nicht gut ist, Vorschwangerschaftsfettdepots während der Stillzeit abzubauen, da in Fettgewebe ja immer auch Giftstoffe und Schwermetalle gespeichert werden und diese dann in die Muttermilch gelangen. Das erscheint mir auch heute noch plausibel genug, es nicht zu riskieren. Allerdings setzte ich mir nicht das Vorschwangerschaftsgewicht sondern das niedrigste Gewicht während der Schwangerschaft als Limit, und das waren 83 kg.

Gemein wird das Ganze dann nur, wenn man irgendwann nicht mehr stillt und sich aber an die erhöhte Nahrungszufuhr gewöhnt hat. Das war mir allerdings zum Glück bewusst, also drosselte ich wieder. Aber es war sauschwer, zu meiner Erfolgsroutine zurückzukehren. Süßigkeiten wieder komplett zu streichen, erschien mir furchtbar. Also setzte ich stattdessen die Regel ein, dass eine kleine Süßigkeit pro Tag erlaubt ist. Da es inzwischen wieder Herbst wurde, beschloss ich, in der kalten Jahreszeit statt einem kleinen Salat lieber einen Teller Suppe zum Abendbrot zu essen, was meine Familie sehr gern mitmachte. Nach einiger Recherche kaufte ich einen Slow Cooker und kochte nun ca. alle 3 Tage einen großen Topf LowCarb-Suppe, der dann aufgebraucht wurde. Mann und Kinder bekamen separat Nudeln oder Reis dazu, die jeweils gekocht im Kühlschrank aufbewahrt wurden (das brachte gleich den Vorteil mit, dass die kalte Beilage die heiße Suppe innerhalb von Sekunden auf für Kinder angenehme Verzehrtemperatur runter brachte). Ich aß also z.B. Tomatencremesuppe, mein Mann Tomatencremesuppe mit Nudeln, und die Kinder Nudeln mit Tomatensauce.

Mit der Rückkehr zur Arbeit klappte es dann auch wieder ganz gut, die Nascherei zwischendrin sein zu lassen, und so ging das Gewicht auch weiter runter. Es ging aber nicht mehr so schnell wie vor der Schwangerschaft, was mich schon etwas frustrierte – aber immerhin, es ging runter, und ich hatte ja Zeit.

Fettlogik überwinden

In diesem Winter stieß ich, von blog.fefe.de kommend, das erste Mal auf das erzählmirnix-Blog, das ich großartig fand, und von da aus auch auf das Fettlogik-Blog. Ich überlegte eine ganze Weile, ob ich mir das Buch wirklich antun wollte – immerhin lief es ja (wenn auch nicht ganz so schnell, wie ich es mir gewünscht hätte), und ich hatte ein bisschen Angst, mich allzu sehr mit den Details zu befassen und dann vielleicht wieder, wie damals bei meinem WeightWatchers-Versuch, nur ans Essen denken zu müssen.

Aber letztendlich hatte ich trotzdem das Gefühl, einen Motivationsschub gebrauchen zu können, und so kaufte ich das ebook und las und staunte. Offenbar waren Kalorien doch nicht so willkürlich, wie ich immer gedacht hatte – und die Unterschiede zwischen guten und schlechten Futterverwertern bzw. die Einflüsse der Darmflora waren scheinbar erheblich geringer, als ich gedacht hatte. Am meisten erschütterte mich die Erkenntnis, dass geringes Übergewicht nicht gesünder ist als Normalgewicht. Auch viele der Comics legten gemein den Finger in die Wunde – besonders der zum Thema BMI (Stichwort „Und… bist Du sehr muskulös?“), und auch die zum Thema „jetzt ist der Tag eh schon versaut“. Das war alles sehr einleuchtend und unbequem und brachte mich sehr zum Nachdenken. Ich hatte trotzdem keine Lust, Kalorien zu zählen, da es ohne ja gut genug funktionierte. Im Buch wird ja auch klar gesagt, dass Kalorien zählen nur ein Weg von vielen ist.

Dennoch wurde ich neugierig, wie hoch denn mein Defizit eigentlich war. Also suchte ich eine Weile, bis ich eine Kalorien-App fand, die ihre Daten lokal auf dem Handy speichert statt in der Cloud. Und damit zeichnete ich dann mal eine Woche lang meine komplette Ernährung auf. Beim täglichen Mittagessen in der Mensa musste ich aber schätzen.

Dabei stellte ich fest, dass meine Nahrungsaufnahme bei ca. 1300 – 1500 kcal pro Tag lag, und mein Verbrauch bei rund 1800 kcal ohne Sport. Und dass mein eines allabendliches Stückchen Nougatschokolade mit gerade mal 43 kcal zu Buche schlug, mir also keineswegs die Diät versaute. Vielmehr war halt mein Grundumsatz seit Diätbeginn deutlich gesunken, weil ich ja viel leichter war (das steht sogar auf meinen Messungen vom Fitness-Studio drauf, hatte ich nur nie beachtet, weil ich ja nicht an Kalorien glaubte – inzwischen über 200 kcal pro Tag weniger Grundumsatz!).

Nach ein paar Tagen stellte ich aber auch fest, dass ich begann, die 1400 kcal „voll zu machen“, also wenn ich tagsüber kalorienarm gegessen hatte, dann aß ich abends noch was Leckeres, weil es ja im Budget war – auch ohne dass ich überhaupt so wirklich großen Appetit darauf gehabt hätte, einfach nur weil ich noch Platz hatte. Das war aber natürlich dämlich – sonst hatte ich alles, was ich nicht gegessen hatte, als kleinen Sieg betrachtet. Das machte mir nochmal eindringlich bewusst, dass Kalorien zählen langfristig wirklich nichts für mich ist, und nach der Woche ließ ich es dann auch wieder.

Was ich aus dieser Woche mitnahm, war endlich zumindest eine vage Vorstellung der Kaloriendichte von verschiedenen Lebensmitteln, und das Bewusstsein, dass ich ohne allzu große Schwierigkeiten ein Defizit von ungefähr 500 kcal pro Tag halten konnte, also etwa 1 Pfund Fettabbau pro Woche – genug um auf der Waage sichtbar zu sein. An Zahlen behielt ich eigentlich nur die 43 kcal für das Stückchen Nougat im Kopf, was mir ein Referenzwert für Snacks geblieben ist. Außerdem habe ich seit dem immer mal Rezepte durchgerechnet, um zu schauen, wie es sich auswirkt, gewisse Nahrungsmittel zu ersetzen, oder auch immer mal einzelne Nahrungsmittel nachgeschaut. Beim Einkaufen schaue ich auch oft auf die Nährwerttabellen, sowohl nach kcal wie auch nach Eiweißgehalt, um zwischen Alternativen zu entscheiden. Z.B. bei Eis am Stiel lohnt sich das sehr.

Auf Eiweiß zu achten war ein weiterer Hinweis, den ich aus FLÜ mitnahm und seit dem in meine Routine eingebaut habe– zwar nur grob überschlagen, aber immerhin nehme ich bewusst mehr Eiweiß zu mir. Das mag einer der Gründe sein, warum bei der letzten Messung im Fitness-Studio (bei 75 kg, also an der Obergrenze zum Normalgewicht) zum ersten Mal mein Muskelanteil nach oben gegangen ist, ich also endlich nicht mehr im gleichen Maß Muskeln wie Fett abbaute. Und mit 32% war auch der Körperfettanteil endlich an der Obergrenze zu „okay“.

Neue Ziele

Die tollste Erkenntnis aus FLÜ für mich aber war, dass ich mein Zielgewicht frei wählen kann. Zuvor hatte ich zurück auf 75 kg gewollt, also zu meinem Erwachsenen-Setpoint, mit der ganz zaghaften Hoffnung, dass 70 ja vielleicht auch klappen könnten. Aber ich war fest überzeugt, dass es weiter runter nicht gehen würde. Ich war ja nun mal kein schlanker Typ, nie einer gewesen, und auch niemand in meiner unmittelbaren Familie ist schlank.

Dass ich das sehr wohl sein kann, war dann tatsächlich eine Art Befreiungsschlag. Ich konnte wieder 65 kg (BMI 21) wiegen! Das war das neue Ziel, auf das ich mit geballter Motivation zusteuerte. (Siehe Fettlogik-Knick ab März 2016 in meiner Gewichtskurve.)

Inzwischen bin ich bei 64 kg, aber noch nicht ganz. Da ist überall noch deutlich Fett (und mit einem KFA von 26% bilde ich mir das nicht nur ein), vermutlich weil ich halt immer noch wenig Muskulatur habe. Daher, und weil ich ja grad so entspannt abnehme, habe ich das Zielgewicht auf 62 kg runter korrigiert (Idealgewicht laut Broca-Formel), und werde dann nochmal schauen. Eventuell geh ich noch ein bisschen weiter runter, um etwas Puffer zu haben. Spätestens bei 60 kg ist Schluss – und ich freu mich drauf, endlich anzukommen und wieder passende Klamotten kaufen zu können (die 42er Sachen, die mit 100 kg unangenehm eng saßen, sind jetzt halt sehr weit, aber es sieht noch nicht so schlimm aus, dass ich Zwischengrößen hätte kaufen müssen – ein immer enger werdender Gürtel tut’s noch). Ob der Bauch dann halbwegs flach wird, muss sich zeigen. Vielleicht ist das Gewebe nach zwei Schwangerschaften zu ausgeleiert, um sich ohne die Rückbildungshormone vom Stillen vollständig zurückzubilden. Wenn es so ist, kann ich damit leben. Ich will ja nicht Model oder Schauspieler werden, nur im Strandurlaub mit halbwegs gutem Gefühl einen Bikini tragen können, weil’s einfach praktischer ist. Normale kurze Sachen gehen schon jetzt.

Ob ich dann, wenn ich gewichtsmäßig angekommen bin, den Ehrgeiz entwickle, signifikant Muskulatur aufzubauen, muss sich noch zeigen. Aber zumindest bin ich viel, viel schlanker, als ich für möglich gehalten hätte, und habe schon eine ganze Weile viel mehr Energie im Alltag, was einfach großartig ist. Ich kann mit meinen Kindern toben statt träge auf der Couch zu sitzen, kann mal eben locker flockig die Koffer ins Auto tragen ohne aus der Puste zu kommen, oder recht problemlos meinen zweijährigen Sohn kilometerweit auf den Armen tragen. Ich bin immer noch ein Sportmuffel, das Training ist nach wie vor etwas, was ich aus Vernunft mache, nicht aus Spaß. Aber Bewegung im Alltag erschreckt mich zumindest nicht mehr, und die ständige Lethargie ist weg – als ob ich die ganze Zeit über 30 Kilo weniger mit mir rumschleppe… 😉 Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Abnehmen ohne Kalorien zählen – Ein paar grundlegende Gedanken zum Schluss

Beim Zurückblicken auf meine Geschichte ist mir eines stark aufgefallen – intuitives Essen funktioniert bei mir gut, solange ich mich regelmäßig wiege. Einmal pro Woche reicht dabei völlig aus, um rechtzeitig zu bemerken, wenn es nach oben geht. Dann esse ich in der nächsten Woche einfach ein bisschen weniger und es pendelt sich wieder ein (und wenn’s nur Wasser war, dann bin ich hinterher halt ein bisschen leichter, ist ja auch kein Weltuntergang). Ich habe immer nur dann zugenommen, wenn dieses Korrektiv fehlte. Nachdem ich das nun endlich verstanden habe, werde ich nicht mehr aufhören mit dem wöchentlichen Wiegen. Irgendwann werd ich’s vermutlich nicht mehr aufschreiben, aber definitiv wiegen!

Ich denke, auch ohne langfristig Kalorien zu zählen, kann das Wissen aus FLÜ beim Gewicht halten einen großen Beitrag leisten, wenn man sich die richtigen Botschaften anguckt. Dass man 7000 kcal zusätzlich aufnehmen muss, um 1 kg Körperfett zu bilden, kann einen in der Haltephase ja eigentlich nur entspannen. Das bedeutet doch, dass Schwankungen von mehreren Kilos innerhalb einer Woche definitiv Wassereinlagerungen sind und einen also nicht allzu sehr beunruhigen müssen. Und dass das Magnum, das man heute Abend genießt, morgen nicht 1 kg mehr Fett auf die Hüften bringen kann, weil es ja „nur“ etwa 350 kcal hat, was grade mal 50 g Fett entspricht. Also auch keine Panik wert. Einfach die nächsten Tage bissl weniger essen, die Waage im Blick behalten, und gut.

Zum Abnehmen reicht es natürlich, einfach sicherzugehen, dass man überhaupt ein Defizit hat. Dafür mal für 1-2 Wochen sein Essen zu tracken, um ein Gefühl für Mengen, Kalorien und Nährstoffe zu bekommen, ist ganz sicher sinnvoll, auch wenn man danach nicht Kalorien zählen will. (Vor Beginn der Abnahme ist es wahrscheinlich noch sinnvoller, weil man dann sieht, wo die persönlichen extra-Kalorien herkommen und wo man am besten sparen kann.) Ob man das Defizit dann auch halten kann, ohne weiter zu zählen, ist sicher individuell verschieden. Aber grad im Hinblick auf die langfristige Zukunft ist es vermutlich sinnvoll, irgendwann die Entscheidung „ess ich das jetzt oder nicht?“ nicht mehr daran zu knüpfen, ob das heute noch ins Budget passt, sondern daran, ob ich das jetzt wirklich brauche, ob mir das jetzt wirklich gut tut – oder eben ob ich‘s in letzter Zeit vielleicht etwas übertrieben hab und grad ein bisschen kürzer treten sollte. Ich bin einigermaßen zuversichtlich, dass Gewicht halten mit Genuss auch über gesunden Menschenverstand geht, nicht nur an der kurzen Leine.

Und auch abnehmen kann ohne Kalorien zählen gehen. Ob man der Typ dafür ist, muss wohl jeder selbst herausfinden. Möglicherweise hängt es stark davon ab, ob man gern sehr abwechslungsreich isst oder, wie ich, starke Routinen bevorzugt (gibt’s ja sicher auch weniger extrem als bei mir). Mich haben schon damals bei meinem WeightWatchers-Versuch die vielen Entscheidungen, Möglichkeiten und Abwägungen überfordert. („Das waren jetzt X Punkte, bleiben noch Y. Davon könnte ich Z essen… oder was Größeres, aber dann hab ich morgen weniger Punkte…“) Für mich war das ganz viel Konjunktiv und Mikroentscheidungen, aber zu wenig Richtschnur und Routine –einfach zu viel nachdenken über Essen.

Kalorien zählen gibt einem letztendlich die Flexibilität und Freiheit, jeden Tag anders und neu zu essen und auch kaloriendichte Speisen einzuplanen, und trotzdem weiß man immer, wo man steht. Der Preis dafür ist eben, dass man sich mit jeder einzelnen Mahlzeit auseinandersetzen muss (mindestens indem man sein Essen irgendwo eintippt und aufhört zu essen, wenn das Budget alle ist).

Meine Routine lässt deutlich weniger Freiräume, dafür muss ich quasi keine Entscheidungen treffen und über nix groß nachdenken. Abnehmen ist weitgehend ein no-brainer für mich, und das finde ich total bequem und entspannend. „Schokolade?“ – „Nein, danke!“ und fertig. Kein Überlegen, ob das heute noch ins Budget passt, kein ein- oder drum herum planen. Nachdenken muss ich nur über Lebensmittel, die ich „außer der Reihe“ gegessen habe (z.B. das Stück Kuchen heute auf Arbeit, weil Kollegen was ausgegeben hatten). Das passiert aber so selten, dass ich das problemlos im Kopf behalten kann, und damit weiß ich halt auch immer, wo ich stehe.

Ob man nun die große Freiheit des Kalorienzählens entspannend oder überfordernd findet – da hilft letzten Endes nur ausprobieren. Wie man zu seiner gesunden Energiebilanz kommt, ist ja zum Glück jedem selbst überlassen. Und das ist ja auch eine Form von Freiheit. Eine, die sogar ich genieße, und zwar sehr. 🙂

56 Gedanken zu “Gastbeitrag: Abnehmen ohne Kalorienzählen.

  1. Nadia

    Ein toller Beitrag! Ich hab mich in vielem (leider) wiedererkannt.
    Ich hatte auch mal WW probiert und stellte auch fest, dass mir dieses Punkte zählen auf die Nerven geht! Sobald ich „gezwungen bin“ etwas ständig aufzuschreiben und auszuwerten hab ich schon keine Lust mehr überhaupt anzufangen 😑
    Mal für zwei Wochen alles aufschreiben, was so gefüttert wird, ist ok, dann reicht es aber auch wirklich.
    Auf jeden Fall ein motivierender Beitrag, dass man es wirklich ohne ständiges zählen schaffe kann. Toll!

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  2. Willi

    Bislang glaubte ich immer, dass ich intuitiv „nicht zunehme“. Nach dem Lesen dieses Berichts stelle ich fest, dass auch bei mir die Waage als korrektiv benutzt wird. Sobald ein „Grenzwert“ (ca. 1-2 kg über dem Mittelwert) überschritten wird, esse ich automatisch weniger oder mache mehr Sport. Dies geschah bislang ohne großartiges Nachdenken und wurde von mir deshalb auch nicht bewusst wahrgenommen.

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    1. Lastalda

      Ich habe den leisen Verdacht, dass die meisten, die erfolgreich „intuitiv“ ihr Gewicht halten, so ein Korrektiv haben – sei es die Waage oder die Lieblingshose.

      Also vermutlich nahezu alle außer denen, die von Natur aus einen schwach ausgeprägten oder nervösen Appetit und/oder oder ein sehr starkes Bewegungsbedürfnis haben.

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  3. Ich finde deinen Beitrag sehr spannend, erst recht, da ich den Gedanken: „Och, ich habe ja noch Budget – spitze, dann esse ich jetzt etwas (auch wenn ich keinen Hunger habe)“ gut nachvollziehen kann. So geht es mir nämlich auch. Dein Beitrag motiviert mich, es mal eine Zeit ohne Zählen zu versuchen.

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      1. Prinzipiell schon. Aber man ist stimmungsmäßig gegen Schwankungen von bis zu 2 kg nicht mehr so gut gewappnet, weil man nicht mehr ganz sicher sagen kann, dass das bestimmt Wasser ist. Aber vielleicht spornt das ja dann wieder an, mehr Acht zu geben.

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      2. Lastalda

        Tut es (jedenfalls bei mir). Aber ich kann inzwischen eigentlich ganz gut einschätzen, ob ich ein Defizit hatte oder nicht. Nicht unbedingt, wie groß es war (und ganz schlecht, wie viel ich ggf. drüber war), aber im Zweifelsfall heißt dann halt die Devise „Lieber bissl mehr sparen“.

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      3. Lastalda

        …wobei man da schon eine gute mit Handteil braucht, und auch da sollen die Werte nicht so ganz genau sein. Von daher weiß ich nicht, ob man damit die täglichen Wasserschwankungen wirklich sieht…

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  4. deine erzählungen aus kindheit und jugend und die schnelle zunahme nach dem auszug erinnern mich sehr an meine eigene kindheit, auch von den gewichtsangaben her müssen wir figurmäßig ganz ähnlich ausgesehen haben. ich hatte auch diesen unbefriedigenden „normalzustand“ zwischen den deutlich dünneren klassenkameradinnen und der einen quotendicken.

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  5. Deinen Bericht finde ich sehr beeindruckend. in Einigem finde ich mich wieder (ich fand mich zu dick, obwohl ich normalgewichtig war, Süßigkeiten gab es zuhause nur selten, Sport war nie mein Ding – passiv ist er mir immer noch am liebsten – usw.).

    Intuitives Abnehmen funktioniert bei mir leider nicht. Deshalb bewundere ich Dich ein bisschen, weil es bei Dir klappt.

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    1. Lastalda

      Ich würde das, was ich mache, nicht als intuitives Abnehmen bezeichnen. Mit intuitivem Essen ohne wiegen hab ich ja zugenommen. Intuitiv ist Zucker und Fett lecker. Intuitiv würd ich schon gern mehr essen als jetzt. 😉

      Was ich mache, ist Abnehmen mit Routine. Die Routine ist so gebaut, dass plusminus 100 oder 200 kcal keine große Rolle spielen – es ist quasi immer ein Defizit da. Der Rest ist Geduld.

      Aber für die, bei denen das nicht klappt, gibt’s ja immer nich das tägliche zählen. Und bestimmt auch noch andere Wege.

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    1. Lastalda

      *Kalorien nachguck*

      Zum Frühstück esse ich wochentags 250 g Magerquark + 1-2 handvoll Obst + 1 EL Zucker ≈ 350 kcal. Am Wochendende 1 Brötchen (1 Hälfte mit Hähnchenbrustaufschnitt, die andere mit dünn Marmelade) plus 1 kleine Tasse Milch ≈ 380 kcal.

      Mittags gibt’s einen Teller normales Mittagessen nach Geschmack (Wochentags Mensa (da lasse ich oft etwas von der Beilage übrig), Wochenends wird gekocht, wobei ich schon ein bisschen auf Fett achte, aber an sich kaum Diätessen koche sondern für die ganze Familie. Bei gehaltvollem Essen esse ich halt ne kleinere Portion), grundsätzlich ohne Nachholen oder Nachtisch ≈ 600 – 700 kcal (kann auch mal mehr oder weniger sein).

      Abends gibt’s im Winter einen Teller Suppe ≈ 150 – 200 kcal, sonst einen kleinen Teller gemischten Salat (Eisbergsalat, Tomate, Gurke, Paprika) mit etwas Joghurtdressing und dazu wechselnde Eiweißbeilagen (Hähnchenbrust/ Putenbrust / Kochschinken /Mozzarella light/ Ei, selten Falafel oder Pinienkerne) ≈ 220 – 250 kcal.

      Wenn die Kinder im Bett sind und alle Arbeit erledigt ist, und ich DANN noch wirklich Lust drauf hab, darf es noch ne kleine Süßigkeit für 40 – 60 kcal sein. (Ist aber selten.)

      Das lässt sich mit dem Familienessen für mich gut verbinden, was mir wichtig ist. (Die essen halt Abends Tortillas zum Salat oder Nudeln/Reis zur Suppe. Morgens isst eh jeder seins.)

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  6. Katja

    Spannend finde ich die Aussage, dass die meisten Leute nach Diaeten schwerer sind als vorher. Und fuer viele Leute ergibt sich daraus der Schluss, besser gar nicht erst mit der Diaet anzufangen. Dabei ist halt nicht (oder nur selten) die Diaet „schuld“, sondern es mangelt bei der Umsetzung irgendwie. Wie man das Kaloriendefizit erreicht, ist ja wurscht – Punkte zaehlen, Kalorien zaehlen, Carbs weglassen, was auch immer. Aber am Schluss muss halt das Budget stimmen. Und wenn es das nicht tut, nimmt man auch nicht ab. Schlussendlich ist wohl meistens fehlende Disziplin oder mangelnder Durchhaltewille das Problem… Viel Erfolg jedenfalls allen, die es versuchen!!

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    1. Lastalda

      „Schlussendlich ist wohl meistens fehlende Disziplin oder mangelnder Durchhaltewille das Problem…“

      …oder halt mangelndes Verständnis/Wissen in Sachen Kalorienbalance/-defizit. Wogegen FLÜ sehr gut hilft.

      Diese 95% müssen auch gar nicht stimmen. Ich ärgere mich heute, dass ich das so unreflektiert geglaubt und als unverrückbare Wahrheit angenommenen habe.

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  7. GelberRucksack

    Ich denke, die Botschaft aus FLÜ ist genau nicht, man müsse Kalorien zählen, sondern man muss weniger essen, als man verbraucht. Wie man dies letzlich bewerkstelligt, ist jedem selbst überlassen.

    Ansonsten sehr viel Text. aber danke für die Mühe.

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  8. Matthias

    Interessanter Beitrag, dankeschön! Mit einigen Punkten konnte ich mich gut identifizieren (Programmierer, Abneigung gegen dauerhaftes Zählen, lieber eine große Entscheidung als viele kleine aber dann auch relativ problemlos das Durchhaltevermögen aufbringen).
    Bei mir reichte zweiwöchiges Zählen, damit ich jetzt relativ gut abschätzen kann, wie viel ich esse und mit kleinen Korrekturen an den Routinen wieder von den Polstern runterkomme. Mein automatisches Korrektiv scheinte in den vergangen Jahren auch schon ganz gut zu funktionieren (10kg Schwankung (60-70kg) in 14 Jahren Gewichtsaufzeichnung). Es geht dank FLÜ jetzt nur etwas schneller wieder runter.

    Was mich interessieren würde: ist das mit den Toxinen im Fettgewebe und der Schlussfolgerung, in der Stillzeit nicht unter das Vor-Schwangerschaftsgewicht abzunehmen, auch eine Fettlogik? Gibt es brauchbare Studien dazu?
    Bei mir geht immer eine rote Lampe an, wenn ich zu einleuchtende Begründungen höre, die vom Abnehmen abhalten sollen. Wir hatten das beim ersten Kind auch von der Hebamme erzählt bekommen.
    Im Gastbeitrag von Julia (… als mein Mann mit Volldampf Richtung Normalgewicht davonrauschte …) stand, dass sie nach der Geburt 4 Kilo weniger als vor der Geburt hatte, gestillt hatte und am Ende (der Stillzeit?) nach 9 Monaten 20kg abgenommen hatte.

    Hintergrund: meine schwangere Frau beäugt meine Abnahme nach FLÜ etwas neidisch und würde mit der Stillzeit auch gerne auf den Zug aufspringen (natürlich mit nicht zu großem Defizit, ausreichend Vitalstoffen und Protein und immer Blick auf Entwicklung des Babys).

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    1. Lastalda

      Gute Frage. Ich weiß nicht, ob es ne Fettlogik ist. Mir war die Sache einfach zu heikel, um es zu riskieren (bin ein „better safe than sorry“-Mensch) – und nach der Stillzeit ist ja immer noch genug Zeit zum Abnehmen.
      Während der Stillzeit hatte ich auch, offen gestanden, andere Prioritäten – einfach weil der ständige Schlafmangel zusätzlich zur Hormonumstellung massiv am Nervenkostüm zehrt (zusätzlich zum physisch anstrengenden Alltag mit Baby, der beim zweiten nicht einfacher wird). Ich glaube nicht, dass ich da die Kraft gehabt hätte, noch Diät zu halten. (Wobei gesunde Ernährung prinzipiell natürlich super ist, auch und grade während der Stillzeit. Wenn man dazu kommt. Zu hohe Ansprüche an sich zu stellen, ist erfahrungsgemäß dem Leben mit Baby nicht zuträglich.)

      Letzten Endes muss das wohl jeder selbst entscheiden. Falls Du (oder jemand anderes) belastbare Studien zum Thema Abnahme in/nach der Schwangerschaft findet, wär ich auch sehr interessiert.

      Mit derselben Begründung (Schwermetalle und Toxine) wird ja auch gerne vor starker Abnahme generell gewarnt, aber da leuchtet mir das weniger ein. Dann werden die halt ausgeschwemmt und über Nieren => Urin aus dem Körper befördert. Ist doch super. Ja, dazwischen sind sie kurzzeitig im Blutstrom, aber gegen die Gesundheitsrisiken von Übergewicht abgewogen erscheint mir das hinnehmbar.
      Aber Stillzeit ist halt anders. Babys stecken nunmal viel weniger weg als Erwachsene, und so ziemlich alles, was im mütterlichen Blutkrieslauf rumschwirrt, landet halt auch in der Muttermilch.

      Alles gute euch und eurem Nachwuchs!

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    2. Michael Mendelsohn

      Klingt nach Fettlogik, ja. Diskutiert haben wir das vor einem Monat hier: https://fettlogik.wordpress.com/feedback/comment-page-2/#comment-13547

      1. Gibt es überhaupt Anlass zu der Vermutung, dass deine Frau schwermetallbelastet ist?
      2. Die Logik „abnehmen bis zu Vorschwangerschaftsgewicht ist ok“ ist unsinnig, denn er setzt voraus, dass die Fettzellen irgendwie „wissen“, was wann eingelagert wurde, und auch, dass während der Schwangerschaft keine Schwermetalle aufgenommen wurden. (Dann gab’s aber vorher vermutlich auch keine.)
      3. Mir ist nicht offensichtlich, warum ein Prozess, der Fett aus den Zellen transportiert, das auch mit Schwermetallen tut, und warum dieser Prozess nur aktiv ist, wenn man abnimmt.

      Wenn ihr der Meinung seid, dass da vielleicht doch etwas dran ist, lasst euch doch einfach: beim Gesundheitsamt beraten, lasst ggf. Milch testen, und dann habt ihr was definitives und nicht x-mal im Netz hin-und herkopierte „Informationen“ ohne Quelle.

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      1. Lastalda

        Prinzipiell gebe ich Dir Recht, dass teste lassen besser ist als diffuse Ängste. Aber einige Deiner Punkte finde ich trotzdem problematisch:

        An sich finde ich es nicht so weit hergeholt, dass das Fett, was zuletzt (also während der Schwangerschaft) aufgebaut wurde, auch zuerst wieder abgebaut wird. Da hab ich aber keine Studien/Lehrbuchangaben zu – hast Du evtl. welche, oder nen Mediziner, den man das mal fragen könnte?

        „1. Gibt es überhaupt Anlass zu der Vermutung, dass deine Frau schwermetallbelastet ist?“

        Hier kann ich natürlich nur für mich sprechen, nicht für Matthias‘ Frau. Von Schwermetallen hab ich wenig Ahnung, aber ich lebe in ner Großstadt, umgeben von vielbefahrenen Straßen, und das seit 10 Jahren (in denen mein Übergewicht ja erst zustande gekommen ist). Da kann also schon was an Belastung da sein.

        „und auch, dass während der Schwangerschaft keine Schwermetalle aufgenommen wurden. (Dann gab’s aber vorher vermutlich auch keine.)“

        Letzteres stimmt mindestens dann nicht, wenn die Belastung vom Arbeitsplatz kommt – da greift der Mutterschutz ja, d.h. man würde, sobald dem Arbeitgeber die Schwangerschaft mitgeteilt wird, woanders hin versetzt werden.

        Was ersteres angeht: die grundlegende Idee derr Empfehlung ist ja, dass man in der „normalen“ Stillzeit die Fettdepots aufzehrt, die während der Schwangerschaft angelegt wurden. Ca. 9 Monate rauf, ca. 9 Monate wieder runter. Das ist ein überschaubarer Zeitraum. Älteres Fettgewebe ist oft halt über einen viel längeren Zeitraum schon vorhanden, also hatte es mehr Zeit, da Giftstoffe anzusammeln. Ergo könnte die Konzentration (so es denn eine gäbe) dort höher sein.

        „3. Mir ist nicht offensichtlich, warum ein Prozess, der Fett aus den Zellen transportiert, das auch mit Schwermetallen tut, und warum dieser Prozess nur aktiv ist, wenn man abnimmt.“

        Na, wenn man abnimmt, wird Fett aus den Fettzellen raus in die Blutbahn transportiert, und daran gebundene fettlösliche Giftstoffe werden halt mitgenommen. Wenn man nicht abnimmt, bleibt das Fett samt Toxinen in der Zelle. Was ist daran nicht logisch?

        (Aus dem von Dir zitierten Thread)
        „Gefühlsmäßig würde ich mir da aber weniger Sorgen machen – diese Schadstoffe haben dich ja bisher auch nicht umgebracht, die Auswirkungen dürften also in jedem Fall überschaubar bleiben.😉“

        Den Ansatz „was einen Erwachsenen nicht krank macht, ist auch für einen Säugling ungefährlich“ halte ich für grob fahrlässig und nicht haltbar. Man dosiert ja Medikamente nicht umsonst (grade bei Kindern) pro kg Körpergewicht!
        Aber das nur am Rande. 😉

        Wie gesagt, das geht alles von der Prämisse aus, dass im Fettgewebe Toxine eingelagert werden. Ob das (in nennenswertem Umfang) überhaupt der Fall ist, ist schwer zu sagen, da gebe ich Dir vollkommen Recht! Testen lassen mag eine gute Idee sein – aber ich hätte keine Lust, das erstmal zu riskieren. Denn um die Prämisse überprüfen zu lassen, müsste man ja entsprechend Defizit fahren bis entsprechende Mengen ins Blut gelangen können, bevor man die Milch testen lassen kann – und falls es doch stimmt, sind die Giftstoffe dann schon im Baby. Das Risiko war und wär mir zu groß. (Deswegen gibt es vielleicht auch keine Studien zu dem Thema – die durch eine Ethikkommission zu bekommen, könnte schwer sein.)

        Ich will auch sicher keinem das Abnehmen ausreden, warum sollte ich auch? Aber es läuft einem ja auch nicht weg (wen man nicht grade vor Schmerzen immobil ist). Und Elternschaft hat halt andauernd was mit Abwägungen zu tun, was nur jeder selbst für sich tun kann. Für mich war „better safe than sorry“ ausschlaggebend. Wenn’s Kind gesund ist, super. Aber wenn nicht – dann hält man sich evtl. für den Rest seines Lebens vor, ob diese Entscheidung nicht dazu beigetragen hat. Unter dieser Abwägung hab ich mich für die Diätpause entschieden.

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      2. In Anbetracht dessen, daß soweit ich weiß die Zahl der Fettzellen relativ konstant bleibt und die nur mehr oder weniger gefüllt werden würde es mich wundern, wenn eventuelle Giftstoffe nicht gleichmäßig wieder abgegeben werden.

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      3. Mona

        „warum dieser Prozess nur aktiv ist, wenn man abnimmt.“

        Ich habe keine Ahnung, aber…
        Ich kann mir auch vorstellen, dass dieser Prozess jeden Tag passiert. Ich dachte, wenn man sich bewegt gibt es immer einen Teil auch Fettverbrennung und es ist ja nicht automatisch so, dass man die exakt benötigte Menge in seinem Essen hatte, die dann bis zum nächsten Essen ausreicht.
        Ich kann mir auch vorstellen, dass nicht einfach das Fett verbrannt wird, was als letztes hinzu kam. Kann doch auch sein, dass das älteste Fett zuerst verbrannt wird und die Zellen dann mit „frischem Fett“ aufgefüllt werden.

        Wenn jemand Ahnung hat, wie das wirklich funktioniert, dann würde ich das auch gern erfahren.

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      4. Agata

        Dieser Aspekt hat mich grad nicht in Ruhe gelassen und ich habe google konsultiert. Meine bescheidene Recherche ergab einen Verweis auf eine (leider nicht mehr ganz aktuelle) südkoreanische Studie, die den Zusammenhang von starker Abnahme und freigesetzten Giftstoffen aus dem Fettgewebe untersuchte. Siehe: http://gesuender-abnehmen.com/abnehmen-tipps/vergiftung-abnehmen.html
        Die Quelle: http://www.nature.com/ijo/journal/v35/n5/abs/ijo2010188a.html

        Wenn man nun die Ergebnisse ernst nimmt, bedeutet das, dass eine Gewichtsabnahme genauso Risiken brigt, wie das halten eines zu hohen Gewichts. Was mir hier aber fehlt, ist eine Antwort auf das: was nun? Wenn ich abnehme, vergifte ich meinen Körper und wenn nicht, sterbe ich an Bluthochdruck. Aha. Die Warnung der Mediziner wird hier sicher alle aufhorchen lassen, denn es klingt ganz nach: Übergewicht ist unterm Strich dann doch „gesünder“. Hallo Fettlogik! Es scheint sich in der wissenschaftlichen Szene leider nix getan zu haben, um die Frage zu beantworten. Oder weiß jemand mehr?

        Zum Thema Stillen und Abnahme sind diese (wohlgemerkt sehr ähnlichen) Artikel interessant, weil etwas aufbauend:
        http://www.badische-zeitung.de/gesundheit-ernaehrung/experte-muttermilch-ist-mehr-als-ernaehrung–99819033.html
        http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Entwarnung-Muttermilch-enthaelt-ungefaehrliche-Schadstoffmenge-id25404791.html

        Vielleicht ist hier ein Mittelweg angebracht: Lieber während der Stillzeit Pausieren und erstmal die Schwangerschaftskilos reduzieren (was ja durchaus mal ein halbes Jahr dauern kann) und nach dem Abstillen mit viel Motivation und Energie wieder ran! Ich finde, Lastlada, Du hast ihn gefunden, den Mittelweg!

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      5. Lastalda

        Danke für die Recherche, sehr spannend!
        Hm, ich bin immer davon ausgegangen, dass die freigesetzten Giftstoffe normalerweise dann halt über den Urin ausgeschieden werden, aber dem scheint nicht so zu sein…
        Aber dennoch sind das ja offenbar meist Konzentrationen im Serum, mit denen Erwachsene gut klar kommen. Ich mache mir da persönlich für meinen Körper keinen großen Kopf drum – dem geht es normalgewichtig definitiv besser, das merke ich jeden Tag.

        Letztendlich würde ich davon ausgehen, dass der gesundheitlich positive Effekt des Normalgewichts gegenüber dem Effekt solcher Giftstoffe überwiegt. (Ich würde auch vermuten, dass die Konzentration solcher Toxine in der US-Bevölkerung stärker ist, weil dort ja häufig geringere Umweltstandards gelten als in der EU, also die Hintergrundbelastung höher sein dürfte?)

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      6. Michael Mendelsohn

        Die Studie, die du da aufgetan hast, ist gut. Die Vollversion ist unter http://www.nature.com/ijo/journal/v35/n5/full/ijo2010188a.html zu finden.

        Interessanterweise suggeriert sie auch, dass eine Abnehmpause in der Stillzeit nur wenig nützt: Abnehmen hat kurzfristig nur wenig Auswirkungen auf die Schadstoffpegel; die vorangegangene lange Abnehmphase hingegen schon. Ob ich jetzt noch ein paar Kilos mehr abnehme oder nicht macht wenig Unterschied. (Auch eine kurzfristige Zunahme bringt anscheinend nichts.) Für belastbare Aussagen müsste man natürlich Schwangere und Stillende direkt mal untersuchen.

        Aber auch langfristig sieht man an figure 1 in der Studie, dass die Zusatzbelastung durch Abnehmen gegenüber Gewicht halten (stable) unter 50% ausmacht (Achtung: die Achse sind nicht „genullt“, das sieht optisch bedenklicher aus als es ist). Wenn die Belastung beim einen unbedenklich ist, ist sie es beim anderen auch.

        Mein Fazit: den Zusammenhang gibt es, er ist aber nicht in der Praxis nicht relevant => Fettlogik.

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  9. Mona

    Danke für den Text.

    „Eine große Entscheidung ist für mich einfacher als viele kleine.“

    Ist das nicht bei allen Menschen so?

    Ich hab Spaß am Zählen. Habe mich jahrelang auch ein Mal die Woche gewogen, aber seit einem Jahr mache ich das täglich. Bin so eine mit Fitnesstracker, die Schritte usw. zählt. 🙂
    Als ich mich jede Woche gewogen habe, nahm ich aber auch mal viel zu, weil ich einfach keine Nerven hatte meinen Heißhunger auszuhalten, weil so viel anderes mir Sorgen bereitet hat. Irgendwann vorher hatte ich auch mal eine deutliche Zunahme, weil ich das erste Mal Krafttraining gemacht hab und dadurch viel zu viel gegessen habe. Ich weiß nicht, ob es wirklich gesteigerter Hunger war (wegen viel zu wenig Protein schätze ich) oder ob es einfach der Gedanke war „Jetzt trainiere ich und habe vielmehr Muskulatur, da kann ich auch mal mehr Kuchen essen oder Nachschlag bekommen.“ oder „Jetzt kann ich wie alle anderen essen.“ Nur leider waren alle anderen mit denen ich öfter gegessen habe große junge Männer.

    Ich finde es toll, dass jemand der vom ständigen Aufschreiben nicht begeistert ist, auch abnehmen kann. Ich denk, das hab ich so als Jugendliche immer gemacht. Kleidung wird zu eng –> weniger essen bis es wieder in Ordnung ist. Jetzt könnte ich das nicht, weil ich mich zu sehr beschummeln würde und dann frustriert wäre. „Ach dieses kleine Stück Schokolade, das zählt ja nicht.“ oder ich vergesse wirklich, was ich schon alles gegessen habe. Mein löchriges Erinnerungsvermögen ist echt interessant, da bin ich oft verblüfft.

    „Der Preis dafür ist eben, dass man sich mit jeder einzelnen Mahlzeit auseinandersetzen muss (mindestens indem man sein Essen irgendwo eintippt und aufhört zu essen, wenn das Budget alle ist).“

    Das Problem mit de „aufhören zu essen, wenn das Budget alle ist“ habe ich nicht, weil ich immer alles erst nach dem Essen eintrage.Ich protokolliere ohne vorher zu schauen, ob es passt oder nicht passt. Das führt dann doch manchmal zu den kleineren Entscheidungen, die zum Schummeln geeignet sind. Nur bei Eiweißshakes schaue ich nach, ob ich vielleicht schon genug Eiweiß gegessen habe und gar keinen Shake benötige, um meinen Muskelkater oder Heißhunger zu beruhigen.
    Ich esse so als würde ich nicht zählen (naja,ich wiege meine Lebensmittel ab, wenn ich Zuhause bin) und dann schreibe ich doch alles auf nach dem Essen. Ich belasse es dann aber so wie es ist. Habe wahrscheinlich häufiger als andere „überraschend“ viel zu viele Kalorien aufgenommen, über Verbrauch und mehr als gedacht, oder bin manchmal überrascht, dass ich keinen Hunger habe, obwohl da noch eine Mahlzeit sogar ins Budget passen würde (sehr selten).

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    1. Lastalda

      Auch eine spannende Methode. 🙂
      Und wenn Du dann hinterher merkst, dass Du drüber warst – was machst Du dann? Am nächsten Tag weniger essen?

      „Ist das nicht bei allen Menschen so?“

      Weiß ich nicht. Ich vermute, bei mir ist das stärker ausgeprägt als bei den meisten anderen. Meine bequemen Routinen (das erstreckt sich ja auf alle Lebensbereiche) wären vielen Leuten sicherlich zu eintönig.
      Ich denke, da gibt’s einfach ein großes Spektrum, und wo man steht, muss man halt selbst rausfinden.

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      1. Mona

        Wenn ich zu viel gegessen habe, dann überlege ich woran das liegen könnte. Ob ich wirklich Hunger hatte oder vielleicht wieder zu wenig drauf geachtet habe oder vielleicht den Teller leer gemacht habe ohne dass ich wirklich Hunger hatte. Meistens ist es dann entweder PMS, allgemeiner Stress, nicht auf den Hunger/Sättigung achten oder wirklich kaum Proteine in meiner Nahrung. Meist hilft mehr schlafen/erholen und regelmäßiger Sport damit ich mich wohler fühle(Stressabbau) und dann hab ich auch Kapazität auf meinen Hunger zu achten und nicht einfach aus Lust oder Frust zu essen.

        So meinte ich das nicht, dass jeder Mensch Routinen bräuchte. Ich kann verstehen, dass manche schon die Krise bekommen, nur weil sie an zwei Tagen der Woche das gleiche Frühstück hatten. Ich bin ein Phasenesser, mal mehrere Wochen Müsli, mal mehrere Wochen Brot, mal nichts, mal Quark usw. Ich esse eigentlich einfach das, was mir schmeckt, und es kann monatelang das gleiche sein, aber auch von einem Tag auf den anderen mir plötzlich gar nicht mehr schmecken und ich lasse es liegen (blöd wenn ich gerade ein großes Brot gekauft hab).

        Ich meinte eher, dass wenn man eine große Entscheidung trifft, dass man dann den Kopf frei hat um z.B. zu arbeiten, nachzudenken, überlegen oder etwas zu organisieren. Wenn man sich wirklich jeden Tag aufs Neue überlegt, was man denn mittags zu welcher Uhrzeit essen möchte und wohin man dafür geht und wie viel Geld man ausgeben möchte und mit wem man essen möchte, dann ist ja der Kopf schon nicht mehr ganz so frei.

        Du scheinst eine Tagesroutine zu haben, andere haben ihre wöchentliche oder mehrwöchige Routine. Es wird wohl einen ähnlichen Effekt haben, etwas Gewohntes zu haben, wobei man nicht mehr entscheiden muss.

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  10. Super Beitrag, klasse geschrieben (ja, ist schon recht lang, aber liest sich wirklich sehr gut!) und ich hab mich auch in einigen Dingen wiedergefunden. Sätze wie „Ich glaube nicht an Kalorien“ finde ich sehr lustig. 🙂

    Dass du dir deine eigenen Regeln gebaut hast, ist ein guter Ansatzpunkt, der sicher auch anderen helfen kann. Bei mir war das z.B. so, dass ich eines Tages _beschlossen_ habe, jetzt morgens Yoga zu machen. Beschluss heißt: Das wird gemacht. Da gibts kein drüber nachdenken und überlegen sollichmagichmussich. Ich _mach_ und gut. Und mittlerweile gehts nicht mehr ohne. Morgens ohne Yoga ausm Haus? Undenkbar! *gg*

    Vielen Dank, dass du dir die Mühe für diesen langen, ausführlichen Bericht gemacht hast (Hier zeigt sich mal wieder, dass Zwischenüberschriften und Absätze sehr lesefreundlich sind! Vielen Dank auch dafür!!) und so superschön erzählt. 🙂

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    1. Lastalda

      Awww… Gern geschehen! 🙂

      Und ja, genau wie Du das mit dem Yoga beschreibst, geht es mir auch mit meinen Routinen. Ich finde das ungemenn befreiend. 🙂

      „Sätze wie „Ich glaube nicht an Kalorien“ finde ich sehr lustig.:)“

      Ich auch. 😛 Aber passt halt. Ist wie mit Leuten, die nicht an Evolution glauben – davon existiert die natürlich trotzdem, aber man kann sich das so schön zurechtverdrängen… *seufz*

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  11. Mila

    Danke, dein Bericht ist super. Ich erkenne mich an vielen Stelle wieder.
    Du sprichst etwas an, was mir in der letzten Zeit im Kopf herumgespukt hat. Zum Frühstück esse ich ganz selbstverständlich immer das gleiche. Wieso eigentlich nicht mittags oder abends? Während ich also gerade in den letzten Tagen darüber nachgedacht habe, ob ich mir nicht auch für mittags (Kantine) und abends (zuhause) was überlege, kommt mir dein Artikel über den Weg gelaufen.
    Ich habe schon festgestellt, dass es mir leichter fällt „vernünftig“ zu essen, wenn ich es schon vorher festlege und nicht entscheiden muss, wie du gesagt hast.
    Also setze ich mich jetzt gleich hin und entwerfe meine eigenen Routinen und Regeln.

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    1. Lastalda

      Viel Erfolg! 🙂

      Immer ganz das selbe zu essen, könnte mikronährstofftechnisch kritisch sein (eben wegen fehlender Vielfalt). Aber bestimmt findest Du auch Einschränkungen, die trotzdem genug Vielfalt zulassen. 🙂 (Z.B. „immer hauptsächlich Gemüse zum Mittag“ mit wechselnder Sorte, oder solche Dinge… je nachdem, was bei Dir passt. Mir reicht schon „nur ein Teller, nicht zu fettig und KH-Beilage in Maßen“ als vernünftige Regel.)

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  12. Wow, ein sehr umfangreicher Text mit vielen tollen Tipps! Danke dafür schonmal. Ich finde es auch sehr wichtig, das man sich (zumindest) im groben Gedanken darüber macht, was man den nächsten Tag bzw. die nächsten Tage essen möchte. Nur so hat man auch die nötigen Sachen zuhause oder kann sich entsprechende Mahlzeiten für die Arbeit vorbereiten, die 1. nährwertig sind und 2. gesunde, frische Lebensmittel enthalten.

    LG, Alex

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  13. Das gibts doch gar nicht. Viele Parallelen zu meiner Übergewichtsentwicklung und des Umganges damit sind verblüffend.
    Ich war mit 20 Jahren bei 175cm und 68 kg normalgewichtig, arbeitete als Koch und aß, ohne nachzudenken. In den Jahren 1986-1989 arbeitete ich nicht und nahm im Colleg (ohne körperliche Betätigung und bei immer mehr Essen) 24 kg zu. In den 90er Jahren ging das bei ständigem Rauchen aufhören und wieder anfangen und essend komensieren so weiter, bis die 100-kg-Marke geknackt wurde und irgendwann die 110-kg-Marke und ich mich bei zunehmendem Alkoholkonsum während der letzten Jahre bei 115 kg einpendelte. Im November 2015 las ich FLÜ, ohne mir konkrete Ziele für mich zu setzen. Mitte Dezember gelang mir spontan der Alkoholentzug. Der Nebeneffekt war, daß mir plötzlich die Kalorien der 5 bis 10 Bier fehlten, ich also automatisch abnahm. Ich behielt meine in den Augen aller meiner Mitmenschen merkwürdige Ernährungsweise bei, indem ich nämlich nur einmal am Tag, d.h. aller 24 Stunden esse. Ich hatte mir das vor Jahren so gedacht, daß ich den Zeitpunkt der nächsten Mahlzeit so lange herauszögere, bis ich so richtig Hunger hätte. Das führte von einem 2-Mahlzeiten-Regime, nachdem ich in den Dauernachtdienst gewechselt war, zu nur 1 Mahlzeit“, einfach weil es so praktisch war und ich keine Zeit mehr hatte zu essen als nachmittags.
    Ich zählte nie Kalorien, sondern aß mich einfach nur satt, zögerte dann aber die Zeit bis zur nächsten Mahlzeit hinaus. Da auch ich ein Routinemensch bin, pendelte sich das alles irgendwann ein und nach und nach ließ ich kalorienreichere Sachen (Nudeln, Eis…) weg und bekam ein Gespür für ein tägliches Kaloriendefizit, mit dem man ohne nachzudenken, einfach indem man immer die selbe Anzahl von Nahrung ißt, abnimmt. Genauso wie du kam ich, sobald ich doch einmal versuchte, Struktur in die Sache zu bringen, jedesmal ins Schlingern und kehrte zur intuitiven Ernährung zurück.
    Seit Beginn dieses Jahres handhabe ich das so, daß ich nachmittags esse: 3 Scheiben Brot (an freien Tagen 3 Brötchen), Belag, dazu Gemüse wie Gurken, Tomaten, Paprika, Radieschen, Kohlrabi. Danach 500 g Fruchtquark oder Joghurt. Beim Belag – bei 200 g Aspikwurst o. Harzer Käse = 200 Kcal oder 200 g Weichkäse = 600/700 kcal ist hier eine enorme Bandbreite möglich ebenso wie beim Joghurt, wo die Spanne zwischen 300 und 750 kcal für dieselbe Menge liegt. Je nach Kombination fällt das Kaloriendefizit mal kleiner oder größer aus. Das Wahrnehmen der Kalorien begann allerdings erst, als die Sache so richtig ins Rollen kam und ich es, weil es von allein lief, eigentlich gar nicht nötig hatte, auf die Nährwerttabellen der Lebensmittel zu gucken. Ich tat es rein interessehalber, mit geschärfter Neugier.
    Seit Dezember 2015 nahm ich 30 kg ab und wiege aktuell 84 kg.

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    1. Mona

      Ich verstehe nicht, wieso du sagst das sei eine intuitive Ernährung und beim Versuch zu strukturieren du in Schlingern gekommen bist. (?_?) Das was du beschreibst ist doch eine ziemlich feste Struktur und sie scheint dir zu helfen. Anscheinend hat deine Intuition lieber Bier getrunken und vielleicht häufiger gegessen und das hast du ja ganz bewusst aus praktischen Gründen selbst geändert, also hast du Struktur reingebracht.

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      1. Die Struktur entstand intuitiv. Ich habe weder entschlossen gehandelt noch großartig nachgedacht, sondern folgte einfach den Gegebenheiten. Weder hatte ich den Entschluß abzunehmen gefaßt oder mit ihm gerungen noch jemals überhaupt an eine Diät gedacht, nie Kalorientabellen gewälzt. War ja auch nicht so nötig, weil ich das ernährungsphysiologische Wissen aus meiner Ausbildung zum Koch noch intus hatte, die mittlerweile 30 Jahre zurück liegt, während ich als Krankenpfleger im Dauernachtdienst nunmehr einer völlig anders geartete Arbeit.nachgehe.

        Die einzige bewußte Entscheidung, die ich überhaupt fällt, der ich dann folgte und aus der heraus meine jetzige Ernährung unterhalb des Grundumsatzes entstand, war die, die nächste Mahlzeit so lange wie es nur geht, hinauszuzögern, also so richtig Hunger zu entwickeln. Nach und nach, wenn man weniger ißt, wird man auch mit viel weniger satt und so verringert sich peu a peu die Kalorienzufuhr. Das Nachdenken setzte erst ein, als ich die ersten 10 Kilo runter hatte, als mir plötzlich klar wurde, daß der cold turkey ja auch diesen nie beabsichtigten Effekt der deutlichen Kalorienreduktion hatte und ich auf dieser Schiene weitermachen kann, wenn es denn nun schon von allein so gut angelaufen war. Also ließ ich nach und nach die Nudelmahlzeiten weg, denen ich sonst an meinen freien Tagen frönte, was jedesmal eine Zufuhr von sicherlich 2000 bis 3000 Kalorien bedeutet hatte. Die Summe macht es. Unterstützend kann man das Schilddrüsenhormon L-T4 (Thyroxin) erwähnen, das den Stoffwechsel ankurbelt sowie Sitagliptin, welches ich als Adipöser mit Metabolischem Syndrom (gestörte Glucosetoleranz = Diabetes mellitus Typ 2) nehmen muß und welches den Appetit hemmt.

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  14. Mona

    Danke für diesen Text, ich fand das Stichwort Routine (und wie du das in Kontrast setzt zum Kalorienzählen) total interessant.
    Ich bin auch eine, die diese ganzen Mikroentscheidungen im Alltag eher lästig findet. Es gibt schon genug „große“ Dinge, die stressen / ablenken oder einfach spannender sind, da hilft es, wenn die banalen Dinge routiniert durchgeplant sind.
    Regelmäßiges detailliertes Kalorienzählen wäre für mich schlicht und einfach keine Option, weil ich dafür im Alltag keine mentale Energie habe. Mein Mann hat mal ein paar Monate lang Kalorien gezählt, und zwar mit der ihm eigenen Detailgenauigkeit und Disziplin (d.h. jede Zutat abwiegen). Ich fand das sehr sehr erhellend, aber gleichzeitig auch sehr nervig. Dazu kommt, dass ich an normalen Arbeitstagen mindestens zwei Mahlzeiten außer Haus einnehme und mich nicht bei allem genau informieren kann, wie viele Kalorien es hat.
    Aber es war wie gesagt – und wie du es ja auch ansprichst – sehr erhellend, sich das Thema überhaupt mal anzugucken. Allein schon das Verhältnis von Eiweiß und Kohlehydraten, das mir manche Aha-Erlebnisse beschert hat. (Background: Ich war nicht übergewichtig, ich war aber mit Ende 20 / Anfang 30 allgemein sehr unfit, wollte mich gern gesünder ernähren, und hatte mir ein paar Kilos angefuttert, die nach meinem Gefühl einfach nicht zu mir passten. Habe dann angefangen regelmäßig Sport zu treiben, was das allgemeine Körpergefühl sehr verbessert hat, aber dabei habe ich dann auch gemerkt, dass ich mehr darauf achten muss, was ich esse, und zwar nicht in erster Linie quantitativ, sondern qualitativ. Denn wenn man z.B. den ganzen Tag nur Gebäck und Brötchen und so was gegessen hat, fühlt man sich abends gleichzeitig träge und immer noch hungrig, und das ist keine gute Basis, um ein paar Kilometer zu laufen.)
    Das „passive“ Kalorienzählen und eine etwas erhöhte Aufmerksamkeit zu diesem Thema hat bei mir schon einen deutlichen Effekt erzielt: Ich achte jetzt darauf, zu jeder Mahlzeit eine gewisse Menge Eiweiß und genügend Vitamine zu mir zu nehmen, und merke, dass ich dadurch deutlich länger satt und deutlich weniger träge bin. Und dabei bin ich noch unter den empfohlenen Eiweißmengen, die schaffe ich als Vegetarierin im normalen Alltag kaum.

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  15. Émile

    Richtig guter Text, ich glaub ich werd das auch mal probieren. Mein Problem war bei der Zählerei immer, dass ich mich reingesteigert und es übertrieben habe und zwar wirklich übertrieben, d.h. 300kcal pro Tag oder weniger, was ich mit meinem Nicht-mal-wirklich-Übergewicht natürlich niemals länger als ein paar Tage ausgehalten habe worüber ich im Nachhinein durchaus froh bin, weil es mir einfach scheiße ging und ich absolut nichts mehr auf die Kette bekommen habe und quasi ständig todmüde war. Leider hat das aber auch dazu geführt dass ich direkt wieder aufgegeben habe. Aber in Anbetracht dessen was du ohne so ein Theater geschafft hast, will ichs noch mal versuchen ^^

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    1. Lastalda

      Nur 300 kcal pro Tag essen erscheint mir wirklich sehr heftig – da noch alle nötigen Bausteine unterzubringen dürfte schwer sein (va. Protein, den Rest könnte man evtl. ja supplementieren…)
      Probier’s doch mal gemäßigter. Grade wenn’s nur ein paar Kilo zu viel sind, hetzt Dich doch nix. Steter Tropfen höhlt den Stein. 😉

      Alles Gute!

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  16. Tolle Berichte und Erfahrungen, vielen Dank !! Auch ich „kämpfe“ seit Jahren mit meinem Gewicht und habe in den letzten 15 Jahren. ca 10 kg zugenommen (immer wieder was abgenommen, dann wieder zugenommen usw) in Summe sind’s jetzt gut 10 Kilo zufiel (1,58 / 74Kg) … also nicht sehr erfolgreich der „Kampf gegen die Kilos“…. 😟 Und jetzt auch schon wieder 5 kilo in den letzten Woche, da ich es einfach leid war, dauernd mit Hunger und Frust w/Verzicht auf dies und das, rumzulaufen. Ich habe alles ausprobiert, WW, teilfasten, low carb, low fat etc. Was aber alles immer wieder zu nichts machte, war einfach, dass ich nach einigen Tagen Kaloriendefizit dem Hunger (nicht Appetit !) nicht mehr widerstehen konnte und dann sicher auch einige Zeit zu viel gegessen hatte… Frage daher an Euch, wie geht Ihr mit dem Hunger um, den man doch (ich zumindest) bei einer verminderten Kalorienzufuhr hat. Der Körper (zumindest meiner) merkt einfach, wenn da ein Defizit ist und „fordert die Kalorien ein… Danke jetzt schon für Eure Hilfe

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    1. Mona

      – mich entspannen
      – viel wasser oder tee trinken (meistens hab ich durst, aber mein körper schreit nach essen, was nach dem trinken weggeht)
      – ablenken, sport, irgendwelche sinnvollen aufgaben, wo die hände beschäftigt sind
      – kaugummi
      – protein-shakes (wenn ich zu wenig protein habe, dann schreit mein körper immer nach essen und zwar komischerweise nach süßem und fettigem) davon natürlich die Kalorien berücksichtigen
      – viel essen, was wenig kalorien hat, z.b. gemüse. irgendwie machen mich zur zeit radieschen zufrieden.
      – lesen
      – schlafen (wenn ich noch nicht ganz schlaf hatte, dann esse ich viel mehr als wenn ich gut ausgeschlafen bin)

      von anderen weiß ich, dass sie weniger essen, indem sie nur kalorienarme lebensmittel zuhause haben oder nur geringe mengen zuhause haben, von denen man gar nicht wirklich zunehmen kann.

      hast du schon im forum geschaut? da sind bestimmt schon ganz viele menschen, die dir ihre erlebnisse und strategien erzählen können.

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    2. Das klingt nach zu vielen falschen Kohlenhydraten. Vor meiner OP wollte ich das nie wahrhaben, aber ich denke, das war der Grund, weshalb ich fast immer hungrig war.

      Mir hat oft – aber nicht immer – das geholfen:
      – die Hände beschäftigen (Basteln, Handarbeiten)
      – sauer Eingelegtes zu essen
      – Eiweißhaltiges, vor allem Milchprodukte oder Soja-„Joghurt“ (Alpro Soya Natur & Kokos find ich besonders lecker)

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    3. Lastalda

      Wenn Du wirklich starken Hunger hast, obwohl Dein Defizit gar nicht so groß ist, könnte es helfen, ca 1 x pro Woche einen Refeed einzulegen (also relativ KH-lastig ca. Deinen Tagesbedarf oder ein bisschen mehr zu essen), das kann das Hungergefühl sozusagen resetten. Dazu steht im Forum auch einiges.

      Ein gewisses Maß an Hunger ist aber während einer Diät, denke ich, normal (wenn man nicht grad nur 100 – 200 kcal pro Tag Defizit hat). Ich hab mich damit arrangiert und kann das weitgehend ignorieren. Wasser trinken reicht mir normalerweise. Ist quasi auch Gewohnheitssache.
      Aber sich immer mal wieder nen Tag satt essen (also Tagesbedarf ohne Defizit) ist sicher viel besser als Fressattacken bekommen.

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  17. liebe Mono, viele Dank für die Tips ! Kalorienreich Lebensmittel habe ich schon lange nicht mehr zu Hause, da kann ich sonst nicht von lassen… 😉 Ich schaue mich mal weiter im Forum um. Lieben Dank !

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  18. Uli

    Danke für den informativen Beitrag. Interessant in den ganzen Einträgen ist, dass wenig Männer dabei sind. 🙂 Habe mir das Buch gestern geholt und werde morgen (Urlaub fängt an) mal einsteigen. Habe seit ein paar Tagen meine Kohlehydrate reduziert (wahrscheinlich fast schon LowCarb) und fühle mich dabei recht gut – mag aber Kartoffeln, Reis, Brot usw. eh nicht so sehr. Interessanterweise macht sich das am Bauchumfang schon bemerkbar, aber die Waage sagt irgendwie was anderes. Bin alllerdings über 155kg und glaube, die Waage hat damit Probleme. Seit LowCarb zähle ich (über FDDB) meine Nahrung und erfasse sie und das klappt auch gut. Ich lese auf jeden Fall hier fleißig weiter mit und werde auf jeden Fall mal berichten, wie es soweit läuft. Mal schauen, ob ich LowCarb, mit dem ich mich gut fühle, nach dem Buch über Bord werfen muss… 😀

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  19. Pingback: Wie viele Kalorien hat eine Pizza im Restaurant? | Realität mit Sahne.

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