Angst

Ein interessantes kleines Zitat lief mir eben im Artikel „Statistiken gegen die Terrorangst“ über den Weg:

Während das Risiko, Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden, bei nur 1:27,3 Millionen (0,0000037 Prozent) liegt, kommt einer Studie von Canada Life (2015a) zufolge eine von 110 Personen (0,91 Prozent) an den Folgen einer ungesunden Ernährung ums Leben. Das Risiko, an den Folgen regelmäßigen Rauchens zu sterben, liegt bei 1:180 (0,56 Prozent). 81 Prozent unterschätzen das Todesrisiko durch ungesunde Ernährung und 72 Prozent unterbewerten das Risiko, an den Folgen von Tabakkonsum zu sterben, aber 79 Prozent der Menschen überschätzen das Risiko eines Terroranschlags (Canada Life, 2015b).

23 Gedanken zu “Angst

  1. Wolke

    Danke für den Beitrag, hervorragend auf den Punkt gebracht. Leider richtet diese extrem verzerrte Wahrnehmung sowohl gesundheitlich als auch politisch sehr großen Schaden an.

    Gefällt mir

  2. Kommentator

    Wobei die Risiken nicht vergleichbar sind. Terror ist fremdgesteuert, Rauchen und Essen sind hingegen selbstgesteuerte Risiken.

    Hatte mal ne Vorlesung zu Safety, da ging es auch um die Akzeptanz von Risiken. Die Daumenformel war, dass zwischen selbst eingegangenen Risiken und akzeptierter Fremdgefährdung mit eigenen Eingriffsmöglichkeiten bereits ein Faktor Tausend liegt. Zwischen Letzteren und akzeptieren Risiken ohne eigene Eingriffsmöglichkeiten liegt ein weiterer Faktor Tausend.

    Es ist einfach menschlich riskantes Verhalten selbst an den Tag zu legen und gleichzeitig selbst minimalste Gefährdung durch Dritte nicht zu tolerieren.

    Gefällt mir

  3. Mona

    Ich vermute es liegt nur an der Geschwindigkeit, wie schnell sich etwas ändert.

    Menschen können doch allgemein kurzfristige Folgen besser abschätzen als langfristige? Alles Langfristige ist vielleicht sogar nicht mal vorstellbar für einige Menschen.

    Gefällt mir

  4. Das Risiko, Opfer eines Vulkanausbruchs, Erdbebens, usw. zu werden oder beim Scheissen vom Blitz erschlagen zu werden ist auch minimal. Diese Risiken zu vergleichen mit selbst beeinflussbaren Risiken wie ungesundem Essen, Rauchen, Saufen usw. ist etwas unlauter. In wie weit man Terroranschlaege als eher selbst beeinflussbar oder als Naturkatastrophe wahrnehmen will ueberlasse ich jedem selbst.

    Gefällt mir

    1. Ossi

      Menschen sind schrecklich schlecht in Risikoeinschätzung. In der Regel wird alles, was man meint selbst unter Kontrolle haben, unterschätzt, während Risiken, denen man sich ausgeliefert glaubt, überschätzt werden.

      Kürzliches Beispiel aus meinem Bekanntenkreis: mehrere Personen haben sich gegen den Zug und für das Auto entschieden, „wegen der Vorfälle“. Dass im Straßenverkehr jeden Tag mehr Menschen sterben als im Zug in 10 Jahren, wird ausgeblendet.

      Gefällt mir

      1. Mona

        Das ist doch nur eine Ausrede, weil man rechtfertigen will, wieso man das Auto nimmt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie sich gegen den Zug entschieden hätten, wenn sie wirklich gern mit dem Zug gefahren wären und nicht so gern mit dem Auto.

        Gefällt mir

      2. she_lo

        Ich fahre von Haus aus nicht gerne Zug und habe mich nun bei einer bevorstehenden Kurzreise auch bei dem Gedanken ertappt, dass man das wegen der aktuellen Lage vielleicht besser nicht tun sollte. Das hat vor allem damit zu tun, dass man eben in einem öffentlichen Verkehrsmittel keine Kontrolle hat, wer sonst noch mitfährt und auch nicht beliebig anhalten und aussteigen kann, sondern weitestgehend den Umständen ausgeliefert ist. Ob das nun wahrscheinlich ist, dass da was passiert, ist meinem Reptilienhirn egal, das wittert Gefahr und möchte da nicht mitfahren.

        Gefällt mir

  5. Alex

    Lächel- Menschen blenden die Gefahr, die vom Gewohnten, Alltäglichen ausgeht, so gut es geht aus, ansonsten würde sich kaum noch jemand hinter das Steuer eines Autos wagen. Und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten spielt eine Rolle, die schlechten Autofahrer sind ja bekanntlich immer nur die anderen. Umgekehrt sind außergewöhnliche Einzelereignisse, die tagelang die Medienwelt beherrschen, spektakulärer und brennen sich dadurch ins Gedächtnis ein. Persönlich kenne ich niemanden, der durch einen Terroranschlag ums Leben gekommen ist, wohl aber sind mehrere Bekannte bzw. Freunde tödlich im Strassenverkehr verunglückt.
    Vielleicht gibt es in einigen Jahren einen Gegentrend zur Junkernährung.

    Gefällt mir

  6. Melanie Geyermann

    Das ist in der Tat exakt… Oder 70.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Alkoholismus… Und seit dem 2.Weltkrieg sind ca.200 Menschen in Deutschland durch Terror verstorben… Laut dem WDR.

    Ich frage mich, wie viel Stress unsere 50 Billionen Zellen erleiden, wenn wir uns täglich selber kritisieren, ablehnen und zerfleischen? Seit Ihrem Buch habe ich noch nie so sehr meinen Körper geliebt, wie jetzt.Ich verurteile ihn nicht mehr und meine 50 Billionen Zellen können endlich nach 30 Jahren Bombenangriffen, Psychoterror und Kriegszuständen durch- atmen! 8,5 kg sind schon weg und ich war psychisch noch nie so gut drauf. Laut aktuellsten Studien, erzählt Bruce Lipton, dass mehrfach belegt ist, dass Ablagerungen in den Arterien nicht durch Cholesterien , sondern durch psychischen Dauerstress entstehen (Quelle: Hörbuch von Bruce Lipton).
    Dies wäre aber leider von der Biologie noch nicht zu den Ärzten vorgedrungen.
    Wie viel Terror tun wir uns täglich durch unseren Perfektionismus und unsere ewige Selbstkritik und Kritik anderer an?

    Ich denke manchmal, dass der Terror da draußen in der Welt ein guter Spiegel über unsere inneren Zustände und den Zuständen in unserer Familie ist…

    Gefällt mir

  7. Krankenhauskeime sind auch noch ein unbeachtetes Thema… Wenn es den Politikern wirklich Ernst wäre mit Gedanken um unsere Sicherheit, gäbe es ein Tempolimit, massive Förderung zur Erforschung autonomer Fahrsysteme, Anreizsysteme für Sport und gesunde Ernährung, mehr Lebensmittelkontrolleure und ständige Hygienekontrollen in Krankenhäusern

    Gefällt mir

    1. Krankenhauskeime? Um Gottes Willen, sie werden doch nicht etwa an der heiligen Schrift zweifeln? Denn siehe, dort steht geschrieben: Der MARKT wird alles richten und privatwirtschaftlich ist IMMER alles besser als staatlich. Hohe Hygienestandards würden schließlich GELD kosten und man bräuchte auch mehr und besser qualifiziertes Personal. Nein, nein, so geht dass nicht! Ein gegen Terrorismus und Kriminalität vollkommen unwirksame Totalüberwachung unbescholtener Bürger via Vorratsdatenspeicherung muss reichen für mehr „Sicherheit“.

      Gefällt mir

      1. Wir können ja auch an öffentlichen Orten operieren lassen oder auf Äckern und Wiesen, da beruhigt sich auch das ökologisch angehauchte Gewissen, diese Apparatemedizin ist eh Teufelszeug!!!!eins elff!!!!!!!!!!!!!

        Gefällt mir

    2. Mona

      Die Hygiene beschränken die Freiheit, das mag die Bevölkerung nicht. Lieber die Keime aus den Gedanken verdrängen und auf den Terror in den Medien schauen.

      Was auch „interessant“ ist: Wenn viele Menschen in einem nicht so sicheren Land sterben, erwähnt es keiner im Fernsehen. Wenn aber einige Leute von einem Menschen mit ausländischem Hintergrund in Deutschland verletzt wurden, dann berichten die ewig lang und tun so als würde jetzt jeder nicht-100%-Deutsche in Deutschland das gleiche machen.
      Wie früher: der böse Fremde, der Kinder sexuell missbraucht. Das ist ja auch ein seltsamer Zusammenhang, weil eigentlich berichtet wird, dass die Täter oft gar nicht so fremd sind, weil es Freunde/Verwandte der Familie waren.
      Dann auch noch diese seltsamen Meldungen: in X wurden y Touristen Opfer, der eine Deutsche hat überlebt. Und dann ist schon alles gut, wird nicht mehr gesagt, wo die anderen Touristen her sind und wie es denen geht.

      Gefällt mir

  8. Lorenz

    Die Chance für 6 Richtige im Lotto liegt bei 1:15 Mio., dennoch glauben jede Woche viele Menschen an ihr Glück. Und die Wahrscheinlichkeit, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben zu kommen, liegt bei 1:3 Millionen, während man mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 1: 0,158 Millionen bei einem Verkehrsunfall sterben kann. Trotzdem haben die Menschen weniger Angst vor dem Autofahren als vor dem Fliegen…..Wenn man diese Zahlen anschaut, ist eine Wahrscheinlichkeit von 1:27,3 Millionen für einen Anschlag geradezu lächerlich gering. Meiner Meinung nach haben die Medien schuld. Sie berichten derzeit über jeden Amoklauf, über jede Kleinigkeit, die irgendwo passiert und bauschen es auf, als würde stündlich nichts anderes geschehen. So beträgt die „gefühlte“ Wahrscheinlichkeit 1:2 und das macht Angst 😦

    Gefällt mir

    1. Lastalda

      Das Problem ist: wenn über so einen Vorfall NICHT berichtet würde, gäbe es auch einen Aufschrei – dann heißt der Vorwurf Vertuschung, und das sogar zu recht.

      Die Frage ist natürlich, in welcher Weise man darüber berichtet, und in welchen Kontext man die Fakten und Zahlen stellt. Und da sehe ich tatsächlich großes Medienversagen. (Stichworte Waffenexport, Ausbeutung armer Länder, Tote im Mittelmeer…)

      Gefällt mir

  9. Shark

    Ich versuche mir gerade vorzustellen, was passieren würde, wenn Politiker an solchen Dingen wie Ernährung (man sehe sich den Aufschrei an, der dem Vegetariertag in Kantinen folgte: Oh mein Gott! Zwangsvegetarisierung! Man will mir mein Fleischkonsum verbieten11elf!!!) oder dem Fahrverhalten zu schrauben (in einem Land, in dem es eine ernst gemeinte Autofahrerpartei gibt!).
    Natürlich ist es einfacher und populärer, die Gefahren anderswo zu verordnen.

    Gefällt mir

    1. Lastalda

      Gegenwind gibt es quasi immer! Aber komischerweise ist das bei manchen Fragen egal, weil die halt „alternativlos“ sind und die sich beschwerenden Bürger das nur noch nicht richtig verstanden haben… (z.B. Vorratsdatenspeicherung, Ausweitung der Rechte der Geheimdienste, Subventionen für Braunkohle… die Liste ließe sich beliebig erweitern.)

      Gefällt mir

  10. Morf

    Bei kleinen Wahrscheinlichkeiten gibt es für den menschlichen Geist nur 2 Optionen, marginalisieren (aka verdrängen) oder gnadenlos überschätzen. Das hat in manchen Fällen auch etwas mit anderen Phänomänen wie Medienpräsens oder die Überbewertung persönlicher Erfahrung (auch aus 2. Hand) zu tun. Deswegen gibt es auch Impfgegner und zum Glück eine Menge Menschen die die winzige Chance eines Impfschadens sinnvoll gegen das Risiko der tatsächlichen Krankheit abwägen.

    Wenn man sich selbst bei sowas ertappt oder generell ein besseres Gefühl für Wahrscheinlichkeiten oder Risiken bekommen möchte, kann man auch immer die Gegenprobe mit die Wahrscheinlichkeit des Nichteintretens machen oder wie hier die Chance in 1:xxx auszudrücken.

    Gefällt mir

  11. Pingback: Linksammlung – Fettlogik überwinden.

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s