Gastbeitrag: Die Kontrolle wiedergewinnen

Der heutige Gastbeitrag ist ein sehr emotionaler – hauptsächlich für die Autorin, Kat, aber auch für mich. Kat stieß nämlich mitten während des Shitstorms kurz nach Veröffentlichung von Fettlogik (ausgelöst u.a. durch Robin Urbans damalige Blogreihe) auf das Buch und zählt somit zu den ersten Lesern. Und seit über einem Jahr verfolge ich ihren Weg über Twitter und ihren Blog mit – und immer wenn mir zwischendurch alles zu viel wird und ich mir denke „Wozu das alles?“, macht sie mir wieder klar, warum ich das Buch geschrieben habe. Bevor Kat nun ihre innerliche Veränderung beschreibt, hier ihre äußerliche:

kat

Vorgeschichte

‚Ich kann nicht mehr‘. Diese Satz sagte ich im Frühjahr 2012 zu meiner Schwester am Telefon. Und brach daraufhin weinend zusammen. Ich war zu diesem Zeitpunkt 34 Jahre alt und wog 120 Kilo (Kleidergröße 50/52) bei einer Größe von 1,78 Meter. Dieser Satz stellte mein Leben auf den Kopf und markierte gleichzeitig die Geburtsstunde meines Blogs Katze on the run. Inspiriert durch eine Bekannte kam ich auf die Idee, meine Gedanken ins Netz zu schreiben, anonym natürlich. Schließlich muß nicht jeder wissen wer ich bin. Es schreibt sich freier wenn man anonym ist. Schreiben wurde für mich eine Art von Therapie und ich dachte mir: ‚Vielleicht hilft das ja irgendjemandem da draußen, dem es gerade ähnlich geht‘ (typischer Blogger Größenwahn :-D)

Meine Situation damals: Ich fühlte mich alt, häßlich, ausgelaugt, verloren, am Boden, trauerte einem Mann hinterher (meinem Kryptonit, im Blog heißt er North Country Boy) und wußte, dass ich einfach nicht mehr so weitermachen konnte. Als erstes schmiß ich einen Nebenjob, der mich psychisch unglaublich belastete. Ich kam einfach nicht mit der Art meines Chefs klar und weiß im nachhinein auch, dass ich den Job nie hätte annehmen sollen. Dann verließ ich einen zweiten ehrenamtlichen Job welcher eigentlich eine Herzensangelegenheit meinerseits war. Ich passte da schon länger nicht nicht mehr hin und hätte eigentlich viel eher gehen müssen. Mit einem Schlag brach mir ein Bekanntenkreis weg. Aber ich tat nichts mehr um an dieser Situation irgendetwas zu ändern. Ich hatte einfach keine Lust mehr und war viel allein. Ich dachte nach. Über mich und meine Vergangenheit. Im September 2012 (nach dem Besuch eines Lady Gaga Konzertes übrigens) traf ich noch eine weitere Entscheidung, die mein Leben nachhaltig beeinflussen sollte. Ich entschloß mich eine Therapie zu machen. Ich hatte das Gefühl, dass in meiner Vergangenheit unglaublich viel falsch gelaufen ist und ich daran arbeiten müsse. Bereits in meiner Pubertät (so im Alter von 16,17 Jahren) gab es diesen Punkt an dem ich nicht weitermachen wollte. Vielleicht wäre mir einiges erspart geblieben, wenn ich damals auf den Rat einer Lehrerin gehört hatte und zu einem Psychologen gegangen wäre. Ich entschied mich dagegen (‚Kind, was sollen nur die Leute sagen‘) und machte einfach weiter. Das hatte in meinem bisherigen Leben immer ganz gut funktioniert. Nur irgendwann ist halt Schluß mit funktionieren. Im Februar 2013 begann ich meine Therapie. Das Thema Essen und Übergewicht stand da nicht wirklich im Vordergrund, sondern viele andere schmerzhafte Erlebnisse aus meiner Vergangenheit.

Ich war doch gar kein dickes Kind oder Wann ist das eigentlich so aus dem Ruder gelaufen?

Wenn ich zurückblicke, habe ich mich immer übergewichtig in Erinnerung. Vor einigen Jahren fand ich allerdings Familienfotos von mir, im Grundschulalter, und war auf diesen normalgewichtig. Auch eine Nachfrage bei meinen Geschwistern ergab, dass ich ein normalgewichtiges Kind war. Wann und warum ist das Ganze dann so eskaliert? Diese Frage stelle ich mir nun schon seit einiger Zeit und ich habe inzwischen eine Antwort gefunden. Ich glaube, ich habe mich immer abgelehnt gefühlt. Von dem Menschen der eigentlich meine wichtigste Bezugsperson sein sollte: meiner Mutter. Je stärker die Ablehnung war und je schlechter ich mich fühlte, desto mehr aß ich. Ich habe meine Kindheit als ziemlich ruhig und glücklich in Erinnerung. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch im Kindergarten war, aber da mein Vater Alkoholiker und psychisch krank war, fand ich das eigentlich gar nicht so schlimm. Dachte ich zumindest. Tatsache ist, dass ich ziemlich an meinem Vater hing (ich habe die gewalttätige Seite meines Vaters zum Glück nie wirklich kennengelernt). Das Verhältnis zu meiner Mutter ist in meiner Erinnerung anfangs liebevoll und sehr eng. Was wahrscheinlich daran lag, dass ich noch zu klein war um zu verstehen, wie narzisstisch und manipulativ sie eigentlich ist. Das erste einschneidende Erlebnis bezüglich meines Gewichts passierte noch vor meiner Pubertät. Meine Mutter war einige Jahre mit jemandem zusammen, der für mich zum ersten Mal sowas wie ein Vaterersatz war. Als diese Geschichte auseinander ging (bis heute kenne ich nicht alle Hintergründe), nahm ich das erste Mal extrem zu. Ich war untröstlich und stopfte mich mit Essen voll.

Die weiteren Probleme begannen, als ich in die Pubertät kam und unübersehbar zur Frau wurde. Immer wieder erwähnte meine Mutter, dass sie ja lieber Jungs gehabt hätte. Ich konnte nun aber wirklich nichts dafür dass ich ein Mädchen geworden bin. Ich habe lange dafür kämpfen müssen als eines anerkannt zu werden. Bis zu dem Moment als mir Brüste wuchsen, wurde ich nämlich immer für einen Jungen gehalten. Ich habe jahrelang gedacht dass alles besser gewesen wäre, wenn ich doch nur ein Junge geworden wäre. Ich hatte Angst davor eine Frau zu sein. Ich fühlte mich unwohl in meinem Körper und kam überhaupt nicht mit all den Emotionen und all der familiären Scheiße klar, die sich vor mir auftürmte (ich war langsam alt genug um Wahrheiten über meine Mutter zu erfahren). Ich hatte Übergewicht, ich wurde in der Schule gehänselt (dick, Brille und auch noch gut in der Schule, also Opfer deluxe) und ich wünschte mir ungefähr 20 Mal am Tag, dass ich einfach sterben würde um das alles nicht mehr ertragen zu müssen. Meine Mutter war in der Zeit größtenteils damit beschäftigt vor Freude auszuflippen weil ihr erstes Enkelkind geboren wurde: ein Junge, welch Ironie. Ich schrie nach Hilfe, indem ich das Abitur schmeißen wollte. Meine Lehrer hörten mich, meine Mutter nicht. Ich ging natürlich nicht von der Schule ab, sondern funktionierte weiter. War unglücklich, fühlte mich häßlich (das bekam ich auch immer mal wieder gerne von Fremden auf der Straße gesagt) und machte ein Abitur, welches mit meinen früheren schulischen Leistungen nicht mehr viel zu tun hatte. Mein anschließendes Studium befreite mich etwas. Endlich kein Klassenverband mehr, kein Gehänsel von Schulkollegen, kein Sportunterricht etc. Sondern lockere Bekanntschaften mit netten Menschen.

Zu dieser Zeit passierte wieder etwas, dass einen weiteren Gewichtsanstieg verursachte. Ich verliebte mich Hals über Kopf in einen verheirateten Mann und stolperte in eine mehrjährige Affäre. Vermutlich dachte ich, dass ich nicht mehr wert wäre als das. Ich beendete das ganze irgendwann und nahm danach noch einmal 25 Kilo zu. Weil ich wieder alles in mich reinfraß. Ich reduzierte mich in den folgenden Jahren eigentlich nur noch auf mein Aussehen, redete mir selber ein dass ich fett und hässlich sei. Mit meiner Mutter sprach ich über so etwas eigentlich kaum noch. Während ich das schreibe, wird mir gerade bewußt wie sehr ich dieses Verhalten von meiner Mutter übernommen habe. Sie reduzierte sich nämlich nur darauf wie attraktiv und schlank sie war. Ich war tatsächlich immer stolz darauf eine jugendliche Mutter zu haben, die noch Minirock trug und toll aussah. Was ich ihr allerdings vorwerfen muß, ist die Tatsache dass sie in Konkurrenz zu ihren eigenen Töchtern gegangen ist und gerne mal auf ätzende Art und Weise unsere Körper kommentiert hat. Im Wörterbuch könnte beim Begriff Bodyshaming auch ein Foto meiner Mutter sein. Ich ließ es geschehen dass Fremde meinen Körper beurteilten und wehrte mich nie dagegen. Ich ließ einfach alles geschehen. Vielleicht liegt es daran dass ich, dank Übergriffigkeiten meiner Mutter, einfach nicht mehr wußte, dass auch ich eine Grenze haben darf.

Dazu eine Geschichte, die sich während einer U-Bahnfahrt ereignete, als mir zwei Männer gegenüber saßen:

Mann 1 (mit Blick auf mich): ‚Die hat bestimmt Zuhause die Spiegel verhangen damit die sich nicht sehen muß‘.

Mann 2: ‚Bei der findest du die Löcher bestimmt nicht mehr‘.

Ich weiß noch, dass ich mich nie wieder so erniedrigt gefühlt habe, wie in dieser Situation. Ich bin nach Hause gekommen und habe stundenlang geweint. Weil ich in meiner Würde verletzt wurde. Ich konnte in dieser Situation nichts sagen. Ich konnte nichts tun. Wie habe ich später darauf reagiert? Ich habe einfach weiter gegessen. Warum hätte ich auch aufhören sollen?! Ich hatte mich damit abgefunden dick zu sein. Und ich hatte mich in eine Opferrolle begeben, in der ich es von nun an einfach aushielt. Ich saß in einem Schneckenhaus und hatte die Kontrolle über mich und mein Leben schon längst verloren.

Im November 2004 traf ich einen Mann (das oben schonmal erwähnte Kryptonit) der mir auf Jahre das Genick brechen sollte. Nicht nur weil er wunderschön war, sondern weil er mich eben auch attraktiv fand. Er hatte in seiner Jugend ähnliche Dinge erlebt wie ich und er war der erste Mann bei dem ich mich frei und wunderbar fühlte. Äh, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass es nur ein One Night Stand war, oder? Und dass er manisch-depressiv ist? Und dass dieser sogenannte One Night Stand sich 5 Jahre später wiederholte. Und dann nochmal. Ich redete mir auch diese Situation lange schön. Bis ich daran fast zerbrach. Ich redete mir ein, dass es wohl an mir lag dass da nicht mehr draus wurde. An meinem Aussehen, an meiner Art etc. Ich verlor komplett meine Selbstachtung, sobald ein Mann mir das Gefühl gab etwas besonderes zu sein.

Ich zerbrach fast an dem Gefühl der Wertlosigkeit, an dem Gefühl der Abhängigkeiten (von Männern, meiner Mutter), an meinem Gewicht dass mir inzwischen auf die Knie ging und Schmerzen verursachte. Und bei allem redete ich mir immer noch ein, dass es alles gar nicht so schlimm sei und wahrscheinlich alles an mir liegt. Weil ich einfach falsch bin.

Anmerkung: Ich hoffe ihr denkt jetzt nicht, dass mein Leben nur scheiße war, nein, ganz im Gegenteil. Es gab viele schöne und lustige Momente. Ich machte zu der Zeit einen Job, der mir endlich das langersehnte Selbstvertrauen gab. Der mich glücklick machte und bei dem ich eine Menge über mich selbst lernte.

Ich blieb sehr lange Zuhause wohnen (viiiiel zu lange). Weil es bequem war. Weil ich bequem war. Und weil ich abhängig von meiner Mutter war. Ich schaffte es nicht, mich aus dieser Anhängigkeit zu befreien. 2010 zog ich in eine eigene Wohnung. Mit einem Gewicht von 120 Kilo. Kaum war ich bei meiner Mutter raus, entspannte sich vieles in meinem Leben. Ich fühlte mich freier und endlich auch wohler in meiner Haut. Ich hatte meinen eigenen Raum, in dem ich tun und lassen konnte was ich wollte. Die Knieschmerzen und die Haare am Kinn bzw. den androgenetischen Haarausfall (der 2007 diagnostiziert wurde) ignorierte ich. Das Geschnaufe beim Treppensteigen lachte ich weg und zur U-Bahn ging ich einfach ein bißchen früher los als die anderen. Was ist schon dabei?

Anmerkung:

Ganz schön wirr geschrieben, oder?! Es ist schwierig die eigene verkorkste Familiengeschichte auf einige Sachen runterzubrechen, aber dank meiner Therapie weiß ich nun dass es tatsächlich daran hakte, dass ich für meine Mutter nie gut genug war. Das ist das Gefühl, welches sie mir vermittelt hat. Schon in der Schwangerschaft sprach sie davon, wie es erst ist wenn ihr Sohn auf die Welt kommt. Ich werde nie das Kind sein welches sie wollte. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch gerne andere Eltern gehabt. Meine Geschwister würde ich aber alle gerne behalten. Die sind nämlich ganz wunderbar. Und nun weiter im Text.

Schritte in die richtige Richtung

Ich hatte Glück und fand ziemlich schnell eine gute Therapeutin, der ich vertraute. Nach unseren ersten Gesprächen gab sie mir zu verstehen, dass ich schon auf dem richtigen Weg sei und nur noch einen kleinen Schubs in die richtige Richtung brauchte. Ich hatte halt schon etliches reflektiert. Es war befreiend mit jemandem außerhalb meiner Familie über all das reden zu können, was in meinem Leben passiert war. Und zu erfahren, dass ich mich eben nicht angestellt habe, sondern meine Empfindungen richtig sind. Weil sie eben meine sind. Dass ich nichts dafür kann wer und was ich bin. Die Gespräche machten mich stark und nahmen mir Zentnerlasten von meinen Schultern. Auch über mein Gewicht und meine Essproblematik redeten wir. Ich wußte, dass ich eine emotionale Esserin war, aber ich hatte irgendwie noch nicht die Kraft es zu ändern. Ich erinnere mich da an Tage an denen ich morgens als erstes die Chipstüte aufriß, mir eine Cola einschüttete und mir zwei Tafeln Schokolade einverleibte. Wundert sich hier noch irgendjemand warum ich 120 Kilo wog?! Immerhin fand ich den Weg zum Sport. Ich kaufte mir 2014 einen Pilates Reformer. Jahre vorher hatte ich Pilates mal auf der Matte ausprobiert und fand die Sportart ganz spannend. 2014 passierte noch etwas anderes: Ich fastete im März zum ersten Mal. Vorausgegangen war Ende 2013 eine vermeintliche Halsentzündung, die sich als Magenübersäuerung entpuppte und mir meinen Hals verätzte. Ja, es ist so unangenehm wie es klingt. Und schmerzhaft. Nach dem Fasten wollte ich keine Cola mehr trinken und zum Vegetarismus zurückkehren (ich war mit 18 einige Jahre Vegetarierin). Ich fastete und fühlte mich danach wie ein neuer Mensch. Ich habe seitdem nie wieder Cola angerührt und blieb bei stillem Wasser und Kräutertee. Und ich verlor innerhalb von 4 Monaten 15 Kilo. Ich glaubte an ein Wunder, dabei tat ich nichts anderes als einfach weniger Kalorien zu essen. Aber das wußte ich damals noch nicht. Ich trainierte regelmäßig und bemerkte die ersten Veränderungen an meinem Körper. Ich wog 105 Kilo und nahm in den Folgemonaten wieder etwas zu (5 Kilo). Während der Therapie hatte ich mehrfach Kontakt mit dem Kryptonitmann (der von 2004, ihr erinnert euch?!) und hörte auf zu rauchen.

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben und Fettlogik überwinden

Auf diesen Absatz freue ich mich am meisten, denn dies ist der Punkt an dem sich mein Leben in zwei entscheidenden Dingen änderte. Ende 2014 war ich beim Thema Männer mal wieder auf die Klappe gefallen (weil ich immer noch in den alten Mustern meiner Unsicherheiten klebte und nein, dafür kann kein Mann was) und folgte dem spontanen Rat einer Freundin, mich doch mal bei einer Singlebörse anzumelden. Dort traf ich Anfang 2015 den Mann (Blogleser werden jetzt hier Bescheid wissen und wahrscheinlich Herzchen in den Augen haben ;-). Ich lernte den Mann kennen als ich 110 Kilo wog. Wir hatten viel hin und her geschrieben und mein Gefühl sagte mir, dass dies etwas ernstes wird. Kein Mann für einen One Night Stand sondern eventuell der Mann für einen One Life Stand. Tatsache ist, bei unserem ersten Treffen passierte etwas was ich so noch nicht von mir kannte. Ich war keine Sekunde unsicher bezüglich meines Aussehens oder meines Wesens. Ich fühlte mich einfach wohl mit ihm. Und ich vergaß die Zeit und alles um mich herum. Einen Monat später ließ ich mich auf die erste richtige echte Beziehung in meinem Leben ein. Mit jemandem, der mich so liebt wie ich bin. Der mit meinen Fehlern umgehen kann und der keine Angst vor meiner Geschichte hat. Der an meiner Seite ist, aber mir auch die Freiheit lässt, die ich brauche. Was umgekehrt genauso gilt. Ich hatte, trotz der verkorksten Geschichten der Vergangenheit, immer die Hoffnung dass es so eine Beziehung für mich da draußen gibt. Und es gibt sie wirklich. Ich habe mich in den ersten Monaten häufiger dabei erwischt einfach mal vor Glück zu weinen (höre ich hier jetzt gerade ein kollektives aaaaaw ;-).

Etwa zur gleichen Zeit stolperte ich, dank Robin Urban (Schätzeken, du bist echt eine meiner Heldinnen), via Twitter über Fettlogik überwinden. Ich war über Nadja schon in diversen Diskussionen gestolpert und dachte immer: ‚Ach das ist so ne Maskufreundin‘ (never judge a book by its cover). Aber nachdem Robin über das Buch schrieb, wollte ich es jetzt doch genauer wissen. Der Mann war so lieb und kaufte mir das ebook. Ich las es am 8.6.2015. Nadja hatte mich spätestens beim Kapitel mit den Blutwerten (meine waren und sind immer noch fantastisch) in der Hand. Womit sie mich aber wirklich gewann, ist die Tatsache dass ich mich selber in ihr wiederfand. Ich war bis oben hin voll mit Fettlogiken. Ich begann sofort mein Essen zu tracken. Und ich begann zum ersten Mal auf meine Eiweißzufuhr zu achten (als Vegetarierin eh wichtig). Ich trainierte inzwischen 6 Mal die Woche und hatte mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht. Ich startete mit 105 Kilo und einer Kleidergröße von 48/50. Ein Jahr später wiege ich 76 Kilo (+- immer mal wieder ein paar Gramm) und trage Kleidergröße 38/40. Nadja hat mir etwas elementares wiedergegeben, nämlich die Kontrolle über meinen eigenen Körper. Etwas, was mir jahrzehntelang gefehlt hat. Etwas, von dem ich dachte dass ich es nie wieder zurück bekommen würde. Fettlogik überwinden hat in gewissem Sinne meine Therapie vollendet. Es hat nämlich die inneren Veränderungen endgültig äußerlich sichtbar gemacht. Es hat mich von meinem Kummerfett befreit. Von dem Fett, welches mich immer an den Schmerz der Vergangenheit erinnert hat.

Ich mache inzwischen nicht nur Pilates, sondern auch Yoga. Mein Körper ist stark und beweglich. Ich habe sichtbare Muskeln, Schlüsselbeine und Hüftknochen (wie unglaublich kitzelig man da sein kann), meine Knie schmerzen nicht mehr. Das Doppelkinn ist übrigens auch verschwunden und es ist erstaunlich wo ich überall Knochen spüre. Bei längerem sitzen schmerzt mittlerweile sogar der Hintern. Und meine Kiste war mal verdammt gut gepolstert. Ich schaue inzwischen wirklich gerne in den Spiegel. Manchmal zu gerne und zu lange haha. Ich mag meinen neuen Körper, auch wenn die Arme und Oberschenkel ein bißchen hängen. Von den Brüsten reden wir besser auch nicht. Ich sehe jünger aus. Eigentlich wollte ich mein Ziel von 68 Kilo schon längst erreicht haben, aber momentan bin ich da nicht mehr so verbissen. Ich habe Normalgewicht und ich genieße einfach dieses neue Körpergefühl. Ich kann Treppen steigen und bin kaum noch aus der Puste. Ich kann Röcke tragen, ohne darunter Hosen tragen zu müssen. Außerdem hatte ich das unwahrscheinliche Glück meine alten Anziehsachen im Internet verkaufen zu können. Was Geld in meine Kasse spülte, um mir eine komplett neue Garderobe zulegen zu können. Klamotten kaufe ich inzwischen auch fast zu gerne. Und es ist erstaunlich was alles zu groß wird: die Brille, Schmuck, Schuhe.

Lest und staunt: Ich darf mir übrigens wieder Kommentare über meinen Körper anhören: Dass ich zu knochig werde, zu dünn, dass ich aufpassen soll etc. Dass ich zu dick bin, hat übrigens nie jemand gesagt. Gehört sich ja nicht. Wenn ich über die Straße laufe, sagt übrigens keiner mehr was. Schade, dass ich diese zwei Männer aus der U-Bahn nie wieder getroffen habe. Heute hätte ich einen Konter parat. Und dann war da noch der Kommentar von meiner Mutter: ‚Ach, jetzt willst du plötzlich Muskeln haben, früher habt ihr bei mir immer darüber gelästert‘. Nee, Mama, für uns warst du immer gut so wie du warst. Du hast darüber gelästert, dass die Ärsche deiner Töchter immer fetter werden. Die Ironie daran ist übrigens, dass meine Mutter heute mehr wiegt als ich. Was mich übrigens nicht stört. Ja, ich rede immer noch mit ihr. Andere tun das nicht mehr. Scheinbar habe ich eine Stimme in mir, die mir sagt dass sie mir wichtig ist. Sie ist halt meine Mutter. Nur hat sie heute keine Macht mehr über mich. Es ist mein Leben. Das lebe ich. Ich weiß inzwischen, dass ich gut bin wie ich bin. Dass ich mich nicht mit Essen vollstopfen muß, wenn mir etwas emotional zusetzt.

Es ist nicht alles Silber oder so

Bei all dem positiven bleibt aber doch etwas negatives. Ich weiß immer noch nicht, was ich mal beruflich machen will. Mit 38 stehe ich vor dem nichts und versuche endlich rauszufinden, was denn etwas für mich wäre. Da ist immer noch dieses Gefühl von ‚Ich kann nix‘ und ‚Ich bin zu blöd für alles‘. Das ist vermutlich die letzte Aufgabe, die ich noch bewältigen muß. Wichtig ist ja bei all dem, den Humor nicht zu verlieren (ich hoffe er kam streckenweise durch). Da ich irgendwie zu feige war meinem Leben ein Ende zu setzen und immer noch da bin, glaube ich ja dass das Schicksal noch einiges mit mir vor hat. Äh, könnte ich vielleicht mal ’nen Tipp bekommen?

P.S. Falls sich jemand fragt, ob ich mich mal mit meiner Mutter bezüglich der Vergangenheit auseinander gesetzt habe, nun ja, ich habe es versucht. Hat aber nix gebracht. Meine Mutter glaubt ihre Wahrheit. Und ich muß mit meiner leben und klarkommen. Klappt mal mehr, mal weniger. Manchmal auch gar nicht.

Letzte Worte

Ich habe Robin und Nadja schon öfters gedankt, aber ich finde danke sagt man viel zu selten. Danke, dass ihr mein Leben ein bißchen leichter gemacht habt. Nadja, besonders danke ich dir dafür, dass ich, mit einer Tüte Colakracher in der Hand solche Sätze sagen kann: ‚Wenn ich die jetzt noch esse, habe ich morgen maximal 100 Gramm mehr auf der Waage. Also kein Grund zur Panik‘ 😀

51 Gedanken zu “Gastbeitrag: Die Kontrolle wiedergewinnen

  1. Arne Hoffmann

    Schön, dass es dir gelungen ist, so viel Negatives hinter dir zu lassen!

    Und wenn du dich jetzt auch noch irgendwann mal an ein „Masku“-Buch wagst, kommen vielleicht sogar deine Vorurteile gegenüber so fürchterlichen Leuten wie uns in Wanken. 🙂

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  2. Mona

    Das kommt mir so bekannt vor. Es tut mir sehr leid, wenn ich höre, dass andere Menschen das auch so erlebt haben, wie ich:

    „Bereits in meiner Pubertät (so im Alter von 16,17 Jahren) gab es diesen Punkt an dem ich nicht weitermachen wollte. Vielleicht wäre mir einiges erspart geblieben, wenn ich damals auf den Rat einer Lehrerin gehört hatte und zu einem Psychologen gegangen wäre. Ich entschied mich dagegen (‚Kind, was sollen nur die Leute sagen‘) und machte einfach weiter. Das hatte in meinem bisherigen Leben immer ganz gut funktioniert. Nur irgendwann ist halt Schluß mit funktionieren.“

    Danke für deinen Text, er macht Mut (nicht nur zum Abnehmen).

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  3. Wow, wir haben eine sehr ähnliche Geschichte. Narzisstische Mutter, blöde Männer und dann den besten Partner auf Erden. Zusätzlich noch emotionales Essen, Kontrollverlust… Und dann die wiedererlangte Kontrolle.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass dein Weg genauso weitergeht, wie du es dir wünschst und du so glücklich bist und bleibst, wie es in deinem Beitrag klingt.

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    1. Michaels Definition oben ist das, was Du von Feministen bekommst.

      „Masku“ ist v.a. ein von feministischer Seite gebrauchter, derogativer Begriff, der grob alle bezeichnet, die die Dogmen der feministischen Religion anzweifeln, mit Fakten widerlegen oder Sätze wie diesen schreiben. Wie ja auch oben aus dem Text ersichtlich wird „Masku“ gerne verwendet, um sich mit den vernünftigen Vertretern und deren fundierten Meinungen aus dem nicht-feministischen Lager nicht beschäftigen zu müssen, weil das sowieso alles misogyne Nazis sind.

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      1. cat-stage

        @shitlord
        Das hast du sehr schön beschrieben. Wusste bis jetzt allerdings auch nicht, dass die verbreitete Beschimpfung/Verunglimpfung davon „Masku“ ist.
        Jetzt verstehe ich auf jeden Fall auch, wieso der Begriff mit EMN in „Zusammenhang“ gebracht wird, wenn in manchen(!) feministischen Kreisen schon Fakten bezüglich Übergewicht und dessen Folgen als „Fatshaming“ abgetan werden.
        Aber hey, wir wissen ja alle, dass Übergewicht gesund ist und abnehmen nicht geht und uns das alles nur von der Diät- und Fitness-Industrie (und der Schulmedizin) erzählt wird, damit sie an uns profitieren können.
        Kann vielleicht jemand Lektüre von feministischer Seite empfehlen, der reflektierter mit dem Ganzen umgeht?

        Ansonsten @Gastbeitrag:
        Wunderschöner Blogeintrag, der mich als Sensibelchen auch ein paar mal fast um ein Tränchen berauben wollte. 😉
        Danke fürs Teilen und tolle Leistung, das alles bewältigt zu haben und auch noch zu bewältigen.
        Und ermutigend, jetzt gleich (20) mit einer Therapie weiterzumachen und es nicht schon wieder Jahre aufzuschieben. Es sieht zwar immer wieder so aus, als würde man (ich) es alleine schaffen, aber dann hat sich doch nichts essentielles geändert, auch wenn ich weiß, was schief läuft. Ich glaube, ohne den letzten kleinen „Schubser“, wie du ihn so schön genannt hast, schaffe ich es nicht, aus meiner Komfortzone langfristig herauszukommen.

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      2. @cat-stage:

        Ich kann Dir keine „reflektierte“ feministische Literatur empfehlen, wenn es um das Thema Abnehmen oder andere, echte, (auch) psychische Probleme geht. Da hier auch feministisch eingestellte Leute mitlesen, die noch irgendwie vernünftig sind – ich nenne mal Nadja, Miria, und (ungern) Robin – und die nichts dazu sagen, bezweifle ich, dass es aus der „Ecke“ was gibt (und Fettlogik ist bei weitem nicht antifeministisch).

        Ich kann Dir aber davon abraten, sowas zu lesen, da der Grundtenor des „modernen“ Feminismus (seit so 50 Jahren) – und leider auch der Medien – zunehmend mehr Menschen, allen voran Frauen, ihre Wirkmächtigkeit (und Eigenverantwortlichkeit) abspricht und Dir das genau Null hilft. Klar braucht man andere Menschen, die einem helfen, befürworten, für einen da sind, einen „in die richtige Richtung schubsen“, aber die für _Dich_ richtige Richtung kannst Du nur selbst kennen, und dazu musst Du (und nur Du) _ausprobieren_. Dabei hilft es Dir genau Null, Dir einreden zu lassen, dass Du „diskriminiert“ wirst, wenn zwei Deppen in der U-Bahn Scheiße reden – fatshaming, fettphobie, blablubbs. Das ist rein emotional, und mit 20 fiel es mir auch schwer, Arschlöcher einfach nur als solche zu sehen, und der Feminismus macht es Dir nur _einfacher_, die Probleme, die _Du_ (eventuell, ich kenn Dich nicht) _hast_, auf andere zu schieben.

        Davon gehen sie aber nicht weg – weder die Probleme noch die Arschlöcher.

        Warum ich das so lange schreibe liegt an Deiner „Komfortzone“ – wieso bezeichnest Du die so, wenn es Dir (wirkt zumindest so) nicht wahnsinnig prickelnd geht? Weil Du nichts dafür kannst? Mag sogar sein. Aber das weißt Du (rational) auch ohne feministische Literatur, und emotional dauert es eh länger.

        Du kannst Dir natürlich einreden, dass Du „einfach mal nur Deine Komfortzone verlassen“ müsstest, aber in der Realität müsstest Du das ununterbrochen – weißt Du schon, Du schreibst ja „langfristig“. Vor allem aber _ist_ es überhaupt keine Komfortzone, wenn Du Dich darin nicht komfortabel _fühlst_ – Du hast also jeden Grund, mal was anderes auszuprobieren (bzw. damit weiterzumachen). Du musst nicht aus Deiner Komfortzone „raus“, Du solltest sie (langsam und behutsam) suchen und finden. Dann ist es auch leichter, wenn man mal wirklich „raus“ muss – glücklicherweise besteht die Welt zu 95% aus netten Menschen, wenn man sie denn sehen will – oder kann.

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      3. Masku = Gegenspieler von Hengameh. Batman vs. Joker (na, wer da wohl der Joker ist, wenn man Hengamehs Instragamm Account so anschaut :-P…….bin ich heute wieder böse….muss mal weg – die misandin-misogyne Hölle wartet auf mich)

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    2. Arne Hoffmann

      „Maskulismus: Weltsicht und Theoriegebäude der Männerrechtsbewegung. Ihr zufolge verdient auch ein Mann Zuwendung und Unterstützung, wenn er diskriminiert wird, zum Opfer wird oder aus anderen Gründen leidet. Maskulisten geht es darum, Benachteiligungen, soziale Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Bezug auf alle Menschen einschließlich der Männer zu erforschen, herauszufinden, was die möglicherweise vielfältigen Ursachen dafür sind, und realistische Lösungsstrategien zu entwickeln, die dann in einer gerechten Politik zur Anwendung kommen.“

      Quelle: https://www.amazon.de/Pl%C3%A4doyer-f%C3%BCr-eine-linke-M%C3%A4nnerpolitik/dp/149543625X

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      1. Arne Hoffmann

        Mona @ all: Kannst du ein paar humanistische Texte verlinken, die zeigen, inwiefern auch Männer von geschlechtsspezifischen Nachteilen betroffen sind? „Einfach nur Mensch sein“ heißt, überhaupt nichts zu tun, um die Einseitigkeit in der Geschlechterpolitik anzugehen.

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      2. nancy

        An Arne Hoffmann, den „Maskulisten“

        Sie nassauern doch genauso plakativ am Leid der Frauen, denen von Männern tatächlich Gewalt angetan wurde wie die Feministinnen, die das Leid der Frauen für ihre eigenen Zwecke benutzen.
        Das eine wie das andere widert mich an.

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  4. Liebe Kat,

    was für ein persönlicher Bericht! Sehr mutig von Dir, so offen darüber zu berichten und Deinen Erfolg mit uns zu teilen. Schaut super aus! Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass sich auch der berufliche Erfolg bald bei Dir anklopft. Da wird doch in diesem ganzen Fettlogik-Nadja-Riesen-Konzern-der-bald-FETT-ins-Merchandising-mit-Kochbuch?-Proteinshakes?-Fitness-DVD?-FETTKuscheltieren?-einsteigt ein Job zu erschaffen sein! Wie dem auch sei: ich wünsche Dir von Herzen auch hier schnellstmöglich ein Erfolgserlebnis.

    ganz liebe Grüße
    sternenmond

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  5. fex1

    Toll, was Du geschafft hast! 🙂

    >> Bei längerem sitzen schmerzt mittlerweile sogar der Hintern.

    Haha, kenne ich. Das gibt sich wieder, wenn Du genug Kniebeugen machst (jaja, ich weiß, ich wiederhole mich. Aber zu recht!:P)

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  6. Tolle Leistung! Gratulation, Du kannst stolz auf Dich sein. Zu Deinem Problem mit dem Job: Warum bietest Du nicht Ernährungsberatung nach Dr. Hermann an? 😉 Du hast Dich nahezu halbiert und kommst offen, direkt und glaubwürdig rüber, das sind doch Grundlagen. Nur so eine Idee…

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  7. @cat-stage
    Ich glaube den letzten kleinen Schubs zu bekommen, kann unglaublich helfen. Überhaupt Hilfe anzunehmen ist immer gut. Ich ärgere mich heute auf über mein Ich von damals dass nicht einfach rebelliert und sich Hilfe gesucht hat. Ich war halt einfach immer brav und unauffällig. Typisch Alkoholikerkind hörte ich mal. Ich hoffe für dich dass du den Schubs bekommst. Manchmal ist es gut die Komfortzone zu verlassen.

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  8. @all: Vielen Dank für eure Reaktionen auf diesen Post. Ich hatte ein bißchen Angst davor so offen zu schreiben, weil es diesmal nicht mein kleiner Blog war auf dem ich sonst schreibe. Eure Reaktionen bedeuten mir viel.

    Das mit den Kniebeugen muß ich mal machen. Der Mann lacht nämlich immer wenn ich über einen schmerzenden Hintern jammere :-D. Manchmal sitze ich sogar schon auf einem Kissen. Wie so ne Prinzessin auf der Erbse haha.

    Danke auch für die Komplimente bezüglich meines Aussehens. Ich speichere sie ab, falls ich mal wieder in alte Muster verfallen sollte und mich wertlos und scheiße fühle.

    Und zum Thema Job: Ich denke aktuell wirklich über etwas im Ernährungsbereich nach. Das Thema interessiert und fasziniert mich.

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    1. @Kat:

      Ich fühle mich mal durch das „@all“ eingeschlossen, auch wenn ich es eher weniger verdient habe, aber nachdem heute Hobbypschologentag zu sein scheint:

      Ich hab ja nun auch dank Nadjas blödem Buch 30 Kilo abgenommen, weil ich meiner Frau drei Sätze draus vorgelesen habe, und seitdem nichts mehr zu Essen bekomme. Nicht, dass das vorher viel besser gewesen wäre, aber das mit dem Hintern gibt sich nach ein paar Wochen. Warum? Keine Ahnung.

      Das mit dem Job hingegen ist ein interessantes Thema… ich meine, wenn Du schreibst:

      > Mit 38 stehe ich vor dem nichts … Da ist immer noch dieses Gefühl von ‚Ich kann nix‘ und ‚Ich bin zu blöd für alles‘.

      … dann spielen wir zwar in einer anderen Liga, und ich entschuldige mich mal ironisch für den fehlenden Respekt vor Älteren (hey, Du _wolltest_ heftigere Kritik!), aber die Idee mit „irgendwas im Ernährungsbereich“ ist wirklich unterstützenswert. Vor allem, wenn man bedenkt dass Leute wie die „Fettlöserin“ ernsthaft Geld damit verdienen, den Leuten unsäglichen Unsinn einzureden. Das ist weder gut noch irgendwie schätzenswert, und alles, was man machen kann, ist, es selbst besser zu machen.

      Nachdem Du 38 bist, bist Du zumindest alt genug, dass Dich niemand mehr als blöde Göre abtun kann (was eh leider unpopulär wird), aber von daher ginge das – vor allem, nachdem das Nicole Jäger auch verkauft bekommt.

      Es ist Dir aber sicher jede VHS in Deiner Umgebung dankbar, wenn Du einen Kurs „Abnehmen ohne Fettlogik“ (oder so) anbietest. Das bringt nicht sonderlich viel Geld, so um die 25€/Stunde, aber hey – wenn es Dir Spaß machen würde, ist es besser als gar nichts. Plus vegetarisch ist noch besser, dann füllt sich der vielleicht sogar, und „gesunde Ernährung“ ist auch „in“, für Pilates & Yoga braucht man halt ggf. noch irgendein Zertifikat, aber es kostet und schadet nicht, es auszuprobieren – ein Jahr lang, muss sich ja erst rumsprechen. Klar würde Dich das viel Überwindung kosten, aber der Moment, in dem das erste Mal Leute auf Dich hören, ist unbezahlbar.

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      1. @Shitlord: Mensch, du verplanst ja hier schon meine berufliche Laufbahn :-D. Im Ernst, ich versuche im Moment meinen beruflichen Weg zu finden. Etwas das mich im besten Fall erfüllt und das ich gerne mache. Fettlogik hat mich nun zum Thema Ernährung wirklich gepackt und ich könnte mir vorstellen dass der Bereich etwas für mich ist.

        Andererseits neige ich auch dazu schnell von Dingen gelangweilt zu sein und bin meistens ziemlich sprunghaft 🙂

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      2. @Kat

        Ich wollte Dir nur Möglichkeiten aufzeigen, die ich für ernsthaft realistisch halte. Probier’s halt aus, sonst weißt Du es nie. Ich halte VHS für den einfachsten Weg, auch wenn der wahrscheinlich in ersten Jahr mega-deprimierend ist, aber immer daran denken: Man braucht sieben Jahre, um etwas gut zu können. Woher kommt wohl das „verflixte siebte Jahr“? Eben.

        Alternativ möchtest Du vielleicht ein paar süße Kätzchen? Das hier sind (von links) Two-Nose, Altair, Tigerchen & Orion, alles Männchen, zweifach entwurmt, geimpft, und bei Nürnberg abzuholen. Nach München und Berlin könnten ich „liefern“ (lassen).

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  9. Shark

    Darf ich fragen, ob sich bei deinen „haarigen“ Problemen wie Haare am Kinn und dem androgenetischen Haarausfall durch die große Gewichtsabnahme auch etwas verändert hat? Ein hoher Körperfettanteil soll ja einen großen(?) Einfluss auf den Hormonhaushalt haben.

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    1. Darfst du. Die Haare am Kinn wachsen weiter. Und werden epiliert :). Seitdem dee Haarausfall diagnostiziert würde, nehme ich Regaine für Frauen. Und habe so gut wie keinen Haarausfall mehr. Ich überlege sogar Regaine mal abzusetzen, habe aber Angst dass es dann wieder schlimmer wird. Da ich dunkelhaarig bin, bin ich generell mit mehr Haaren gesegnet (im positiven wie im negativen ;))

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      1. Meine FA hat mir auch ein Rezept für Regaine ausgestellt, aber ich bin da wirklich im Zwiespalt – soll ich das tun, kann ich mir das leisten- man muss schließlich dauerhaft behandeln, was ist mit dem verstärkten Aufall am Anfang… Gnarf.
        (Ich hab mich wieder erinnert, dass ich hierzu einen Kommentar schreiben wollte, als der Beitrag rauskam, und als ich nach gegebenem Anlass nochmal las, hatte schon jemand nach den Dingen gefragt, nach denen ich auch fragen wollte :D)

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      2. Ich glaube es gibt auch andere Produkte in dem der Regaine Wirkstoff enthalten ist (Minoxydil oder so). Ja, das Zeug ist teuer aber es gibt Apotheken im Umkreis bei denen man mit Kundenkarten Rabatt bekommt. Das anfängliche Shedding (ich glaube so heißt das anfängliche Abstoßen der Haare) hat bei mir ziemlich schnell aufgehört. Ich schwöre auf das Zeug auch wenn es sauteuer ist.
        Momentan überlege ich aber auch, ob ich mal absetze um zu sehen ob der Ausfall immer noch akut ist.

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  10. alx_a

    Liebe Kat,

    vielen Dank für diesen offenen Beitrag. Ich habe ihn verschlungen und mich in vielen Dingen selbst wiedergefunden. Und ich kenne auch das Gefühl, dass du hier in den Kommentaren beschreibst, viel über sein früheres Ich nachdzudenken und sich zu wünschen, dass es damals schon die Kraft gehabt hätte „aufzustehen“. Es ist zwar nicht schön zu sehen, dass andere Menschen auch ähnliche Erfahrungen gemacht haben, aber es gibt Kraft zu sehen, dass sie mit etwas Hilfe die Vergangenheit überwunden/verarbeitet haben und zuversichtlich und (auch emotional) leichter nach vorne schauen können. Ich wünsche dir nur das Beste!

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    1. Danke alx_a, vielleicht war mein jüngeres ich viel zu ängstlich und viel zu sehr darauf bedacht nicht aufzufallen. Wahrscheinlich brauche ich einfach für alles ein bisschen länger ;). Ich akzeptiere meine Vergangenheit, sie hat mich zu dem gemacht was ich bin. Scheinbar stärker als ich es selber immer dachte. Und ich ziehe heute auch Vorteile aus der ganzen Sache. Ich erkenne häufig die Schwachstellen meines Gegenübers (nutze sie aber nicht aus), höre nur noch auf mein Bauchgefühl und halte Dinge nicht mehr einfach aus, sondern beende sie. Dieses passiv sein hat mir all meine Energie geraubt.
      Ich wünsche dir auch nur das Beste 🙂

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  11. Toller Beitrag! Und du kannst sehr, sehr stolz auf dich sein. Respekt, was du alles geschafft hast unter so schwierigen Bedingungen. Und ich bin mir sicher, dass du auch die berufliche Herausforderung schaffen wirst. Du bist nämlich viel, viel stärker, als du meinst.

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  12. Susanne

    Liebe Kat,
    ich freue mich sehr für dich, dass sich alles so sehr zum Positiven gewendet hat 🙂
    Zu deinem (Noch-)Problem mit der beruflichen Zukunft hätte ich einen heißen Tipp, der mir sehr geholfen hat. Seit zwei Jahren habe ich ebenfalls mit mir gehadert, was ich denn nun eigentlich für den Rest meines Lebens machen möchte. Das fing so mit 36, 37 an. Zufällig hat mir meine Freundin ein Buch geschenkt, „Magic Cleaning“ von Marie Kondo. Es geht darin kurz gesagt ums richtige, dauerhafte und nachhaltige Aufräumen und vor Allem Entrümpeln, was ich gern scon lange machen möchte, aber nie so recht wusste wie. Ein tolles Buch, eine Offenbahrung, ich kann es kaum erwarten, bis meine Räume erleichtert aufatmen und wieder frischer Wind durch meine vier Wände zeiht, wenn ein paar Kubikmeter überflüssiger Krempel entsorgt sind und ich nur noch von schönen und für mich wichtigen Dingen umgeben bin. „Magic Cleaning“ ist für alle Aufräummuffel das, was für alle Nicht-Abnehmen-Könner „Fettlogik überwinden“ ist 😉

    Als beim Aufräumen und Entsorgen die Kategorie Bücher dran war, wovor ich absoluten Horror hatte, denn ich liiiiieeebe Bücher!, habe ich in Gedanken schon einmal durchgespielt, welche Bücher ich denn weggeben könnte, bzw. genauer gesagt, welche ich auf jeden Fall behalten würde, wenn ich alle anderen weggeben müsste. Und was soll ich sagen, es waren die Garten- und Grünzeugbücher. Da ich sowieso seit einigen Jahren mit mir hadere, wieso ich nach dem Abi nicht gleich Landschaftsarchitektur studiert habe, und mir übrigens auch einbildete, dass ich mir ein zweites Studium gar nicht leisten kann, hatte ich den Gedanken daran schon fast aufgegeben. Aber allein durch dieses Gedankenspiel (Welche Bücher machen mich glücklich und ich würde sie darum nie weggeben) war ich motiviert, alles mal durchzurechnen, und siehe da, ich kann es mir leisten. Daher werde ich ab dem nächsten Jahr endlich meinen Traumberuf studieren, yippieh!

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    1. Liebe Susanne, danke für deine Worte und danke für den Tipp mit dem Buch. Ich habe bereits vor Wochen alles mögliche aussortiert, neue Möbel gekauft und auch mein Wohnzimmer umgestellt, damit ich mehr Platz habe und mich freier bewegen kann. Außerdem die dunklen Möbel gegen helle aussortiert.
      Ich will jetzt tatsächlich das finden was ich für den Rest meines Lebens machen will. Ich weiß wo Talente liegen aber ich kriege sie aktuell irgendwie nicht zu einer Tätigkeit gebündelt.
      Ich finde es cool dass du nun deinen Traumberuf studieren wirst 🙂

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  13. Huhu Kat,

    hab’grad beim Lesen deines Gastbeitrags volle Bude heulen müssen… Echt hammer, wieviele deiner Vergangenheitstraumata mit meinen krass konform gehen und wie sehr deine Worte meine Seele berührt haben… Lange her, dass ich mich einer fremden Person auf Anhieb so verbunden fühlte und sofort den Drang in mir spürte, dir am liebsten sofort meine Lebensgeschichte zu erzählen und mich dann (wahrscheinlich) stundenlang mit dir darüber zu unterhalten ^o^

    Schon ziemlich panne sowas, aber irgendwie auch schön, weil das sehr selten vorkommt 🙂

    Freue mich auf jeden Fall für dich, dass du heute da bist, wo du eben jetzt bist, dass du es geschafft hast, die Dämonen abzuhängen und deine Seele befreien konntest, und das beziehe ich primär nichtmal auf’s Abnehmen, sondern insgesamt die innere Befreiung von all dem Shice… Nachdem die inneren Ketten einmal gesprengt wurden, hat sich der Rest, wie zb das Abnehmen im Prinzip wie eine natürliche Folge in deine Lebenslinie eingebettet, der Körper folgt eben immer der Seele 😉 – nichtsdestoweniger eine unglaubliche Leistung…)

    Vielen lieben Dank für diesen Text…, werde mich gleich mal auf deinem Blog umsehen – evtl bringst mich ja gleich nochmal zum Heulen LOL 😉

    LG

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    1. Ich möchte dich für diesen Kommentar jetzt einfach mal virtuell drücken. Ich hatte jetzt nämlich gerade vor Rührung Pipi in den Augen. Danke für deine Worte. Es berührt mich immer sehr wenn Leute ähnliches oder die gleichen Dinge erlebt hat. Weil ich in jungen Jahren dachte, dass das nur bei uns so war und mich dafür geschämt habe.
      Ich hoffe mein Blog bringt sich jetzt nicht erneut zum weinen. Das könnte ich doch nicht verantworten 😉

      Liebe Grüße

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  14. Aaaaw vielen lieben Dank für die virtuellen Knuddel, das ist ja total nett und freut mich auch, dass ich meine Emotionen beim Lesen deines Beitrags offenbar so rüberbringen konnte, dass du auch tatsächlich spüren konntest, wie berührt ich wirklich war 😉

    LOL das klang jetzt wahrscheinlich schon wieder irgendwie so, als ob ich eins an der Waffel hab^^ (naja, ein Stück weit ist das wohl sogar so :-D)

    Und ja, gerade dieses quälende Gefühl, dass man scheinbar immer die einzige Person ist, der solche dummen (verletzenden, entwürdigenden) Sachen passieren, wie eben zb die Hänseleien (sowohl in der Schule, Sport etc, als eben auch durch wildfremde Menschen auf der Straße….) hat mich während meiner Kindheit und Jugend fast um den Verstand gebracht. Ich hab’mich immer so sehr geschämt und vor allem wollte ich nie, dass das Menschen in meiner Nähe mitkriegen, hätte darüber niemals gesprochen und immer so getan, als wäre mir das alles sch***egal bzw als ob ich es gar nicht höre 😦

    Hab’mir im Stillen stundenlang jede Nacht den Kopf zerbrochen, wie das sein kann, wieso ich immer überall „auffalle“ (das hatte nur zum Teil mit Übergewicht zu tun, da ich ab der Pubertät extrem gehungert habe und damals oft sogar eher Richtung Magersucht tendierte), und was das für Menschen sein mögen, die sowas immer machen usw… Woran ich allerdings keine Sekunde zweifelte, war, dass das definitiv an mir liegen musste, dass ich irgendwas dermaßen abartiges ausstrahlen muss… Und besonders, weil es eigtl ganz egal war, wie ich gerade war, konnte es nur an mir gelegen haben (wurde selbst im Kindergarten schon gehänselt, weil ich angeblich arrogant war, nen’eingebildeten Gang hätte, dann ne’Brille, dann etwas kräftiger als andere Kinder war – wenngleich niemals fett, sondern genau wie deine Erfahrung, dachte ich das zwar immer, aber wenn ich heute Fotos ansehe, war ich lediglich ein Kind, was körperlich seinem Alter einfach immer 1-2 Jahre voraus war – und als ich mit 12 das erste Mal abgehungert hatte und durch die gleichzeitig beginnende Pubertät plötzlich ziemlich gut aussah, hassten sie mich wieder, weil ich angeblich so eingebildet war… LOL)…

    LG nochmals ❤

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    1. Oh da ist wirklich so vieles was ich kenne. Ich war eingebildet weil ich gut in der Schule war (nein ich habe mir darauf nix eingebildet, mir war das eher peinlich). Ich bin auch immer irgendwie aufgefallen und zwar auch schon als ich nicht übergewichtig war. Und mich hat es deprimiert. Es mußte ja halt an mir gewesen sein. Ich bin mal (im Alter von 7 oder 8) 100 Meter zur Trinkhalle um die Ecke gelaufen um Bonbons zu holen und dabei von 2 Jungs geärgert und gehauen worden. Ich hab mich natürlich nicht gewehrt, weil ich dachte mit mir sei was falsch. Meine Existenz muß Menschen echt aufs übelste provoziert haben. Heute weiß ich natürlich dass das alles Vollidioten waren die sowas machen.

      Es ist verdammt schwer sich von dem ganzen damaligen Mist zu distanzieren. Wenn mich heute jemand länger anguckt werde ich immer noch unsicher und kriege manchmal fast Panik. So nach dem Motto: Gleich kommt ein blöder Spruch

      Das werde ich wohl nie ablegen aber ich mag mich inzwischen. Das macht es einfacher ❤

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  15. Pingback: Auslöser – Berg- & Talträume

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