Gastbeitrag: Hengameh, der Sommer und die Körperpolitik

Im Mai postete ich einen Gastbeitrag von Nenzija. Ein Gastbeitrag, der dermaßen geliebt wurde, dass ich im Anschluss ein bisschen Angst hatte, es folgt eine Petition, dass ich den Blog an sie weiterreiche 😉 Seither liege ich ihr in den Ohren, mal wieder etwas zu schreiben, und da sie sich per Mail über einen Artikel echauffiert hat, der mir ebenfalls x-fach zugeschickt wurde, war das die ideale Gelegenheit, sie nochmal für einen Gastauftritt zu gewinnen. Dass auch Tante Jay heute einen Rant über diesen Artikel verfasst hat, war Zufall 🙂n4

Wer Nenzija vom letzten Mal nicht kennt und zu faul ist, den Link oben zu klicken, hier nochmal ihre Selbstbeschreibung: „@Nenzija alias @mpertinenzija alias @ZhirkShruti alias Nadine E. Pirat, Metaller, Forentroll, Gamer. Abgebrochenes Informatikstudium. War zu shice in Physik. Schreibt privat und beruflich Kram und bastelt anderer Leute Bücher. Spielt auch mal Herausgeber. Schraubt ab und an Websites zusammen. Arbeitete früher mal beim PEN. Stümperte als Presseschnepfe für die Piratenpartei rum. Kocht gern, isst gern. Mag Krähen.“

Und nun viel Spaß mit ihrem Beitrag:

Ich will mich heute dran machen, einen von Hengameh Yaghoobifarahs Texten ziemlich ausführlich zu beleuchten und da wir hier bei „Fettlogik überwinden“ sind, geht es auf vielfachen Wunsch des „FLÜ“-Publikums um Hengamehs Artikel auf vice.com, „Dick für den Sommer“, in dem sie feststellt, dass schon wieder Sommer ist und wieso das für Leute wie sie voll scheiße ist. Es empfiehlt sich, den Artikel vorher oder nebenher zu lesen.

Im ersten Absatz erklärt Hengameh, wie sehr sie als übergewichtige Frau unter dem Sommer leidet. Da kommt so gut wie jede Frau mit, die im Sommer unter der Hitze stöhnt, bei der sich in den Körperfalten der Schweiß sammelt, die mit den sensorischen Eindrücken und den Wespenplagegeistern nicht klarkommt und auch noch ständig das Gefühl hat, eigentlich eine Art Tarn-Überwurf statt des Spaghettiträger-Tops tragen zu müssen, weil sie sonst das (berechtigte oder unberechtigte) Gefühl hat, dass die Leute sie schief angucken, weil sie in welcher Form auch immer des Tageslichts unwürdig ist, egal, ob das stimmt oder nicht. Und man mag sich, weil das Schwitzen, die wunden Stellen und das Sonnenverbrannte eklig ist und man sich was aus den Blicken macht, nicht mal mehr selbst leiden. Alles soweit nachvollziehbar. Auch ich habe mich oft genug unwohl gefühlt, wenn im Sommer größere Aktivitäten anstanden, weil das alles einfach viel zu anstrengend und eklig war und wollte mich vor allem niemandem zeigen.

Wir haben hier aber eine Person, die ihre Klage über die Feindseligkeit des Sommers mit folgendem Satz eröffnet (Heraushebung von mir): „Es ist Sommer und das ist körperpolitisch die anstrengendste Zeit des Jahres.“ Was bedeutet das? Also: Eigentlich würde sich Hengameh am liebsten in ein Kellerloch verkriechen und dort in Ruhe ihr Eis essen oder still vor sich hinweinen, weil der Sommer sie überfordert und ihr körperlicher Zustand sie daran hindert, diese Zeit wirklich genießen zu können: „Sonnengerötet, mit eingeschränkten Garderobenoptionen, verschmiertem Make-Up und verschwitzt ist es viel schwieriger, sich vor dem Spiegel einzureden, dass man eigentlich doch ziemlich cute ist.“ Sie muss sich also einreden, dass sie süss aussieht? Armes Kerlchen. Aber sie ist ja eine Aktivistin für Körperpolitik. Das verlangt maximale Opferbereitschaft.

Eine Aktivistin für Körperpolitik leidet keineswegs körperlich – das wäre zu profan – sondern an einem gesamtgesellschaftlichen körperpolitischen Mißstand. Die Aktivistin opfert ihr Leiden einem höheren Zweck, sie leidet nicht als Privatperson, nein, sie weist als Repräsentantin einer politischen Bewegung aktiv auf diesen Mißstand hin. Wenn also die körperpolitische Aktivistin Hengameh rausgeht und im Namen aller unter dem Sommer leidet, dann dürfen irgendwann vielleicht wirklich alle an die Sonne! Hurra! Obwohl sie das eh schon dürfen! Äh … Hengamehs Aktivismus macht einen brühheißen Sommertag in der Fußgängerzone zwar nicht weniger beschissen, aber das ist ja egal. Dieser eherne politische Wille zählt und gehört gefeiert.

Nach dem vorhersehbaren Hohelied auf den Winter (korrektere Klamotten, kühlerer Kopf) folgt ein Sermon, wie wichtig es doch sei, den übergewichtigen Körper richtig zu benennen, sich so die Bedeutungshoheit über den Begriff „fett“ wiederzuholen und sich damit selbst zu ermächtigen. Dann wird aufgezählt, was so alles gar nicht geht. Das von Hengameh präferierte „chubby“ heißt auf Deutsch übrigens „moppelig“ bzw. „pummlig“, „fat“ heisst „fett“. Aber das sind Petitessen, nebensächlich. Interessanter ist, welche Begriffe Hengameh ernsthaft stören. Es handelt sich um Begriffe wie „adipös“ und „übergewichtig“, die irgendwie andeuten, dass Dick-Sein kein subjektives gesellschaftliches Konstrukt ist, das man überwinden muss, sondern ein objektiv definierbarer körperlicher Zustand, den man ändern kann, wenn man sich denn die Mühe machen will.

Deshalb bezeichnet Hengameh die Begriffe „übergewichtig“ und „adipös“ als „pseudo-wissenschaftlich“. Auch die Wendung „das Konzept Übergewicht“ und nicht einfach „Übergewicht“ geben die körperpolitische Stoßrichtung vor: Übergewicht ist in der Körperpolitik ein angeborenes, ein irreversibles körperliches Merkmal, ja genetisch festgelegt, wie es weiter unten heisst: „Das Konzept „Übergewicht“ lässt außer Acht, dass irgendwelche Leute irgendwann irgendeine eine beliebige Norm festgelegt haben.“ Dieser Satz sortiert Übergewichtige in die Kategorie von PoC, LGBT und Menschen mit Behinderungen und macht sie somit zu Opfern von Diskriminierungen durch elitäre Gruppen (aka irgendwelche Leute), die Privilegien haben, die sie ihren Opfern vorenthalten. Das Privileg, die Sommerhitze überwiegend klaglos zu ertragen, zum Beispiel.

Damit lässt Hengameh weitestgehend unter den Tisch fallen, das „irgendwelche Leute“ eine ziemlich große Anzahl von Ärzten und Wissenschaftlern waren (und sind), die in jahrzehntelangen Reihenuntersuchungen und Studien in den neunziger Jahren zu der verstörenden Erkenntnis gelangt sind, dass in den industrialisierten und Schwellenländern vor allem durch Übergewicht verursachte Krankheiten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs Fahrt aufgenommen hatten und dass diese Krankheitssymptome bei wesentlich niedrigerem Gewicht begannen als bis dahin angenommen. 1997 zog die WHO die Konsequenzen und paßte die BMI-Grenzwerte an die gegebenen Verhältnisse an, gewissermaßen als Warnschuss. Mehr kann sie nicht tun und neuere Statistiken belegen, dass Warnschuss um Warnschuss ungehört verhallt: Die Menschheit wird zunehmend übergewichtiger – und leidet zunehmend darunter.

All das unterschlägt Hengameh, denn damit würde sie ja Argumente zulassen, die implizieren, dass Dicksein irgendwie nicht so harmlos, nett und im Grunde gesund ist, wie sie uns das gerne verkaufen würde. Statt also ihre Behauptungen zu belegen, verlinkt Hengameh nur auf eine ebenfalls übergewichtige Frau, die sich ausgerechnet im Missy Magazine darüber beschwert, dass „wichtige AnzugträgerInnen“ sie 1997 als zu dick definiert hätten, um anschliessend den Blick auf die angeblichen Verstrickungen zwischen Medizinwesen und Diätindustrie lenken. Die Ärzte, die da angeblich ganz tief drinstecken, wollen die übergewichtigen Menschen schon bei Bagatelleiden („Knieschmerzen, Depressionen, Migräne, Muskelschmerzen“) tief in die Arme der Diätindustrie treiben und möglichst drinbehalten. Die Frage, ob Gesundheit und Körperfettanteil wirklich zwingend zusammenhängen und beantwortet Hengameh ebenfalls mit Geraune: „Für einige Leute scheinbar schon.“ Roß und Reiter werden nicht benannt, brauchen auch nicht benannt zu werden, „einige Leute“ genügt schon, um bei geübten Lesern sämtliche Quälgeister vor dem inneren Auge auferstehen zu lassen, die einem doch mal wegen des Übergewichts auf den Zeiger gegangen sind. Und diese Feinde sind laut Hengameh, dahin lenkt sie jetzt den Blick: schlank. Und sie heulen durch den Saal. Und sie heißen „Becky“.

Basic Beckys“ können nie im Leben so sophisticated, exciting und edgy wie eine Hengameh sein. Sie sind vielmehr oberflächlich, durchschnittlich, ein bisserl blöd und vor allem: schlank. „Basic Bitches“ halt, die sich in der Sonne bräunen, in den Augen der Hengamehs dieser Welt viel zuviel blöd lachen, ungerechtfertigten Spaß haben, unerreichbar gut aussehen, ohne was dafür geleistet zu haben, einfach so, und Ketamin schmeissen: „Sorry, ihr „Basic Bitches“, euer wöchentlicher Ketaminkonsum und eure ungeschützte Haut in der Sonne sind auch nicht gesund.“ Ketamin? Laut Hengamehs angeätztem Bericht von der Fusion neulich schmeissen Hengamehs „Freund_innen“ ebenfalls Ketamin: „„Ein Schauplatz der White Supremacy“, murmelte ein*e Freund*in und zog von einem Holzrührstab für Kaffee Ketamin, während wir nebeneinander am Lagerfeuer saßen.“ Ich muß zugeben, ich steh auf dem Schlauch. Vermutlich ist dieser ganze Artikel ebenso Satire, wie ihr Artikel zur Fusion:

Sich darauf zurückzuziehen, dass alles eh nur satirisch gemeint ist, ist mittlerweile ein übliches Merkmal schwacher Schreiberlinge, die keinerlei Argumentation aufbauen können. Wie auch immer es um die Satire und den Konsum psychogener Drogen mit krassen Nebenwirkungen in Hengamehs Welt nun wirklich bestellt sein mag und egal wer sich was in welcher Dosis, wie oder warum reinpfeift: In dieser Welt sollte man vermutlich lieber nicht besser aussehen oder sich wohler in seiner Haut fühlen als Hengameh, sonst ist das nämlich diskriminierend und ein beständiger stummer Vorwurf an Hengameh. Meine Interpretation, aber warum auch nicht: Satire!! Nicht. Das ist zumindest der prägende Eindruck, den mir die Lektüre von Hengamehs vor Selbstmitleid, Aggression und Verachtung nur so tropfenden Texten verschafft. Ein einziges Gemotze und Geheule, bezeichnend für eine Person, die „Misandrie“ und „Reverse Racism“ als Hobbys nennt, aber das ist bestimmt auch nur Satire. Spätestens jetzt wäre mal ein wenig wissenschaftliche Unterfütterung der Satire angebracht, auch wenn Hengameh Wissenschaft, die ihr und ihrer Körperpolitik nicht in den Kram passt, bekanntlich als „pseudo“ schmäht. Doch Rettung naht in der Person von Dr. Gunter Frank, ein weißer, männlicher Cis-Hetero Medizin-„Insider“ mit zahlreichen Bestsellern. Ein exzellenter Verkäufer seiner selbst, ähnlich wie Hengameh, der den Leuten vermutlich alles erzählen würde, damit die weiterhin seine Bücher kaufen, seine Beratungsstunden bezahlen, seine mannigfaltigen Seminare buchen, ihn als Keynotespeaker und in Talkshows einladen und seine Texte abdrucken. Damit verdient er nämlich seine Brötchen. Das ist nicht verboten, aber man sollte diese Geschäftstüchtigkeit durchaus mit berücksichtigen. Dr. Frank verwendet schon erstaunlich viel Mühe darauf, alle übrigen Vertreter seiner Zunft zu diskreditieren, um sich als den einzig wahren Checker hinzustellen – und so seine „So knallen Sie ihren behandelnden Arzt mit ausgesuchten Fragen gegen die Wand“-Beratungsbücher zu verkaufen. Wie kommt Hengameh auf so einen kapitalistischen weißen Cis-Hetero-Patriarchen, der überdies eine fiese Naturwissenschaft, nämlich Medizin, studiert hat? Vielleicht ist ihr die Naturheilkunde-Zusatzqualifizierung von Dr. Frank sympathisch. Das könnte so gehen: Die böse, kalte Gerätemedizin, möglicherweise noch evidenzbasiert aka „pseudo-wissenschaftlich“, ist böse. Die macht immer so Studien und so langweiliges Beweis-Gedöns, statt auf Mutter Gaia, den eigenen Körper und Anekdoten vom angeheirateten Schwippschwager der Schwester des Friseurs des Nachbarn zu hören. Oder Dr. Frank wurde auserwählt, weil er zwecks Verkauf seines eigenen Abnehmbuches bestätigt, was Hengameh ebenfalls gerne als Körperpolitik verkaufen möchte: dass einem der Körper sagt, was man essen soll: „In diesem Buch schildere ich meine Erlebnisse, die ich in Gewichts- und Ernährungsfragen seit über 10 Jahren in meiner Praxis täglich erlebe. Diese Erlebnisse habe ich verglichen mit der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage […]“ – und natürlich ist diese Datenlage voll der Bullshit. Die geballte Kraft von zehn Jahren Praxisanekdoten, zwischen Seminarterminen, Lesereisen und Talkshowauftritten, basierend auf den überzeugenden Selbstauskünften übergewichtiger Patienten, sind natürlich vieel seriöser. Was kann Hengameh also Geileres über den Weg laufen, als ein weißer, männlicher Cis-Hetero Medizin-„Insider“-Naturheilkundler der einer LGBT/PoC/dick*fetten Autorin/Speakerin/Bloggerin mit Weltschmerz bestätigt, dass sie voll die Checker*in ist? Das sieht nämlich dann total so aus, als ob sie sich direkt ins Feindeslager begeben hätte, um sich eine Zusatzmeinung von einem weißen männlichen Cis-Hetero-Patriarchen einzuholen. Jackpot! Insbesondere, wenn Dr. Frank so Sachen sagt wie: „Viele Ärzte scheinen über die tatsächlichen Zusammenhänge von Übergewicht und Gesundheit schlecht informiert zu sein und pflegen bei der Behandlung von übergewichtigen Menschen die üblichen, längst widerlegten Klischees.“ Jaja! Ack! Full ack! Denn, so Hengameh: „Die Annahme, dicke Körper seien automatisch krank oder ungesund, ist ein gefährlicher Mythos. Dicke Menschen machen nicht automatisch weniger Sport oder essen mehr, sondern die Fettschicht unter der Haut ist ein genetisch definiertes Baumerkmal.“ Und Dr. Gunter Frank, der Arzt, dem die Frauen vertrauen, ergänzt leutselig: „Oft sind die Molligen und Dicken die Gesünderen.“ SO geht das! DAS ist Wissenschaft! NIMM DAS, WHO!

Nun folgt ein sacklangweiliger Zeilenfüller-Exkurs über den großen Bereich „Übergewicht und Komik“, der damit eröffnet wird, dass Hengameh allen Menschen, die dünner als übergewichtig sind, unterstellt, Übergewichtige generell zu Witzfiguren zu degradieren. Als Beleg zieht sie zunächst die Reaktionen des schlanken Teils eines Publikums auf einem feministischen Kunstkinofestival heran, das ausgerechnet am „Body Positivity“-Abend wagte, sich über die flatternden Oberarme in der Videoinstallation einer finnischen Künstlerin namens „Hinni Huttinen“ lauthals zu amüsieren. Wenn das nicht die beabsichtigte Wirkung der Videoinstallation war, ist das natürlich eher doof, insbesondere, da die Künstlerin laut Ankündigung eingeladen war und zwecks späterer Podiumsdiskussion mit im Saal saß. Aber so eine Künstlerin würde sich wohl kaum an die Öffentlichkeit trauen, wenn sie solche Reaktionen nicht ertragen könnte, oder? Und überhaupt: Lachen Leute zwangsläufig, weil sie sich lustig machen möchten, oder dient das Lachen der Ableitung von mulmigen Gefühlen wie Angst, Ekel oder genereller Abwehr? Und warum geht Hengameh auf diese möglichen Motivationen nicht ein? Antwort: Weil es nicht in ihre Körperpolitik-Argumentationsschiene passt. Nein, Hengamehs Reaktion erfolgt Monate im Nachhinein, schriftlich: „Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte jeder lachenden Person eine Realitätsschelle gegeben. So fest, dass auch meine Oberarme wackeln würden.“ Man beachte den Konjunktiv, denn jetzt wird’s interessant. Hengameh hätte ihr körperpolitisches Problem mit diesem Gelächter problemlos auf der anschliessenden Podiumsdiskussion ansprechen können, wenn sie das denn gewollt hätte. Ob das geschehen ist, lässt sich nicht nachvollziehen, doch laut den Ankündigungen des Festivals und der Künstlerin saß sie mit im anschließenden Diskussionspanel. Aber das ist nicht die einzige Perle, die zutage fördern konnte: Hengameh war möglicherweise nur sehr bruchstückhaft über die Künstlerin informiert – also, für ne selbsternannte Journalistin: Die Künstlerin heißt Hinni Huttunen. Mit einem u hinten. Wer, wie ich, einen Nachnamen hat, der häufiger mal falsch geschrieben wird, kennt dieses reflexhafte Zähneknirschen, wenn sich insbesondere im publizistischen Bereich zum wiederholten Male keine Mühe gegeben oder nachgefragt oder gar nachrecherchiert wird. Vermutlich kann Hengameh aber nix für die falsche Namenswiedergabe, weil die kultursensiblen und auf jedes Binnen-I bedachten FestivalveranstalterInn*inn_en den Nachnamen schon in ihrer eigenen Ankündigung mindestens einmal falsch wiedergegeben hatten, davon einmal auf . Und Hengamehs eigene Bemerkungen, wie sie sowas bei sich selbst findet, sind aufschlussreich:

 

Das Missy Magazin, bei dem Hengameh mitarbeitet, ist als Partner der Berlin Feminist Film Week aufgeführt. Das selbe Missy Maganzin bringt aber abgesehen von ein wenig Vorschau im letzten Jahr und einem Interview mit der Veranstalterin, Karin Fornander, kaum Berichterstattung. Vielleicht gab’s ja kostenlose Anzeigenschalten. Was weiss ich schon. Das Interview liest sich jedenfalls ganz interessant, besonders dieser Satz gefällt mir: „Am besten umgibt man sich natürlich nur mit Menschen, mit denen man sich sicher und schön fühlt. Wenn ich das Gefühl habe, dass mein Körper mir gehört und nur mir, dann fühle ich mich gut.“ Doch wenn man sich entschließt, diesen höchsteigenen Körper zu verschlanken und zu bräunen oder sich das Haar auf besondere Weise zu stylen, hat man besser keine Körperpolitikerin vom Schlage einer Hengameh um sich, die dann gleich Ketamin-Konsum unterstellt, einen „Basic Bitch“ nennt und das Haar „Wursthaare“ (ich komme weiter unten noch darauf zurück). In diesem Fall dürfte man sich relativ schnell unsicher, unschön und ungut fühlen, bis Hengameh mal wieder „Satire!!!111elf“ schreit.

A propos ungut fühlen: Jetzt kommt im Rahmen des Exkurses „Mode für Übergewichtige ist auch ironisch, aber wehe Ihr Fucker lacht!“ endlich meine absolute Lieblingsstelle in Hengamehs Text: „Als ich mal mit einem hellblauen, hautengen American-Apparel-Onesie und Jelly-Shoes durch Wien lief, sammelte ich statt Credits für einen guten Geschmack nur abwertendes Starren ein. Fremde fotografierten mich heimlich. Ich hätte meinen Körper ja unter einem weiten Kleid verstecken können, aber da ich etwas so Figurbetontes trug, lud ich die Öffentlichkeit quasi dazu ein, sich so zu verhalten, wie sie es taten.“ Hengameh trägt einen hellblauen Strampler zu Kunststoffbadeschuhen in der Öffentlichkeit und will damit Credits für ihren guten Geschmack sammeln? Okayyy. Eine Runde Credits für Hengameh. Weniger für den guten Geschmack, mehr für diese äußerst naiv vorgetragene Missinterpretation des Begriffes „Geschmack“. So weit daneben ist selten, das muss Absicht, das muss dieser „Humor“ sein, von dem Hengameh weiter unten schreibt: „Auch ich frage mich manchmal, ob Leute, während ich spreche, in lautes Gelächter verfallen, weil ich dick und für sie lächerlich bin oder einfach hammer Witze mache. Ich gehe gerne von Letzterem aus, weil der Gedanke mir sehr gut gefällt, Leute mit Humor zum Lachen zu bringen.“ Nö, die sind wahrscheinlich verzweifelt und können nicht anders als lachen, weil Hengameh in ihrer zur Schau gestellten Überheblichkeit so hammermäßig nervtötend ist.

Hengameh darf selbstverständlich jederzeit rumlaufen, wie sie lustig ist. Allerdings hat jeder das Recht, ihren „guten Geschmack“ megapanne zu finden und erst mal komisch zu gucken, wenn sie sich in der Öffentlichkeit produziert. Man darf über ein solches Pannenoutfit erstaunlicherweise sogar lachen. Wie man dann weiter reagiert, hat weniger mit „Diskriminierung“ als mit Manieren zu tun: Heimlich Fotos mit dem Smartphone schießen, um die dann im Kreise der Freunde zwecks ablästern zu teilen, ist eher Scheiße, außer natürlich man heißt Hengameh und ist Publizistin. Zur Illustration: Ein Link auf ein Foto von im unteren Drittel von Hengamehs „Berichterstattung“ zur Fusion 2016, das mit dem Copyright-Vermerk „privat“ gekennzeichnet ist. Die Auflösung des Bildes deutet auf ein Smartphone-Bild hin, aus dem ein Bereich zur ausgeschnitten wurde (Zitat Bildbeschreibung: Mehrere Personen warten vor dem Zaun auf die Shuttle-Busse. Eine weiße Person trägt ein Warbonnet.).

Ist dieser Typ eigentlich gefragt worden, ob er als Negativbeispiel für White Supremacy im Missy Magazine herhalten will oder hat die ungestüme junge Undercover-Journalistin in ihrem aufklärerischen Eifer überreagiert und das Missy Magazine an den Rand einer bildrechtlichen Abmahnung gebracht? Der Typ könnte durchaus realistische Chancen haben: Er ist keine Person der Zeitgeschichte. Er wird im Subtext so herausgehoben und ist im Bildausschnitt so mittig, so dass er keineswegs als Beiwerk gelten kann. Für ein Versammlungsbild von der Fusion hat das Bild zu wenig Verbindung zur Veranstaltung, da ist ja nur eine Gruppe von Leuten vor einem Zaun in der Pampa (das Schild im Hintergrund wirkt eher x-beliebig), von denen EINER besonders herausgehoben, also über ein besonderes Merkmal identifizierbar gemacht, und über den gesamten Text hinweg als Element einer rassistisch agierenden Teilmenge von Leuten auf der Fusion bezeichnet wird.

Man könnte also annehmen, Hengameh wertet den Typen ab und verletzt obendrein noch seine Persönlichkeitsrechte durch ein wahrscheinlich ohne sein Einverständnis zustandegekommenes und obendrein noch publizistisch verwertetes Foto. Wieso ich das annehme? „Hi Du weißes, rassistisches Cis-Hetero-Patriarchenmännchen, ich würde gern ein Foto von Dir und Deinem Warbonnet machen, mit dem Du Deine White Supremacy zur Schau stellst, weil ich das unglaublich rassistisch und kacke finde, dass Du es trägst und ich es gerne in meiner Berichterstattung über diese unglaublich beschissene White Supremacy-Fusion verbraten möchte,“ wird Hengameh wohl kaum gesagt haben. Und wenn sie freundlicher gefragt hätte, wär’s fast schon ne glatte Lüge gewesen. Aber was gibt’s da schon groß abzuwerten und welches Persönlichkeitsrecht? Der Typ ist ja nur eine „rassistischer männlicher weißer Cis-Hetero“-Unperson, für Hengameh ist sowas voll okay und eine Beschwerde würde vermutlich, wie alles andere, mit der Bemerkung „white tears“ abgeblockt:

Worauf ich hinaus will: Hengameh hat ebensowenig Manieren wie der Rest der Welt. Sie ist eine Person, die sich mit gehässigen Kommentaren auf Kosten anderer Leute hochzieht und sich von ihren gleichgesinnten Kumpels beklatschen lässt. Leute, die ihrer Meinung nach so blöde, belanglos und braungebrannt sind, unterstellt sie das Modedrogenschmeißen und nennt und sie „Basic Bitches“, obwohl ihre eigenen Kumpel*innen es selbst praktizieren. Andere Leute, bezeichnet sie als Nazis, weil sie kurzgeschorenes Haar tragen: „Der Game-Changer passierte auf dem Weg zum Klo, wo ich einen betrunkenen Nazi traf. Er fragte mich, wo der Snackautomat sei. Ich wies ihn auf die andere Seite des Zuges hin, damit er bloß nicht in meine Richtung kam. Für einen Moment hatte ich vergessen, dass die Fusion in einem Bundesland mit sehr vielen Nazis (leider wie fast alle Bundesländer in Deutschland) stattfindet und dass meine Angst vor dem Glatzkopf mit der 0,2l-Wodka-Flasche berechtigt war.“ Anderer Leute Haar tituliert sie als „Wursthaare“, die Leute selbst als „Hippies“ und „White Supremacists“, weil es augenscheinlich hellhäutige Personen sind, die gerne mit Dreads rumlaufen. Ist aber bestimmt nur Satire:

 

Hengameh be- und verurteilt liebend gerne andere, legt für sich selbst aber ganz eigene Maßstäbe an: Sie beschwert sich mit Vorliebe über ihre multiple Diskriminierung als „dick*fette“-muslimisch-PoC-LGBT-undwasweißichsonstnoch-Frau, und nennt das Körperpolitik und Feminismus. Sie flippt darüber hinaus zu gerne aus, wenn etwa ein Rosa von Praunheim es wagt, sie aufgrund ihrer hellen Haut nicht als PoC zu klassifizieren: „Wenn ich einen rassistischen Blick auf Neukölln sehen will, kann ich auch Buschkowski oder Sarrazin lesen, da braucht Rosa von Praunheim, der sich offenbar noch nie mit seinem weißen Privileg auseinandergesetzt hat, keine weitere Dokumentation drehen.“ Oder wenn sie sich auf Twitter dabei erwischen lässt, dass sie die Praxis in Nazideutschland, Juden zusätzliche jüdische Vornamen („Sara“ und „Israel“) in den Pass einzutragen, nicht auf dem Schirm hatte. Erst reagiert sie kleinlaut, dann dreht sie voll auf: „Ja, @Nabertronic, es ist kein Geheimnis, dass du ständig Rassismen reproduzierst und dich dadurch besonders cool/männlich/superior fühlst.“ Kurz: Hengameh macht keine Fehler und hat das Vorrecht des Austeilens für sich gepachtet, alle anderen dürfen gerne einstecken, aber wehe, sie mucken sich. Das geht mal gar nicht. Das ist patriarchaler männlicher weißer Cis-Hetero-Rassismus, der „dick*fette“-muslimisch-PoC-LGBT-undwasweißichsonstnoch-Personen wie Hengameh grundsätzlich diskriminiert.

Ich habe eigentlich wenig Lust auch noch darauf einzugehen, ob Übergewichtige nun lustiger oder weniger lustig sind als schlanke Personen, aber der Vollständigkeit halber und weil Hengameh sich fast ausschliesslich auf Filmschauspieler bezieht, als ob’s nix anderes auf der Welt gäbe: Die Eigenart, Körpermerkmale in Filmen oder im Theater bestimmte Charaktereigenschaften zuzuschreiben ist uralt. Das begann nicht erst in Hollywoods Stummfilmära, als noch fast ausschliesslich kurze zehn-Minuten-Komödien, sogenannte One-Reeler, gedreht wurden, sondern datiert viel früher: die komödiantische Praxis im Theater seit der Renaissance ist ein gutes Beispiel dafür, wie erst Masken und dann Stereotypen eingesetzt wurden, um bestimmte Rollen zu definieren, und dies übertrug sich auf den Film, weil mit sehr einfachen Mitteln, in kürzester Zeit und ohne Ton eine Geschichte erzählt oder ein komischer Effekt erzielt werden sollte. Vor allem die männlichen Komödien-Schauspieler der One-Reeler-Ära hatten so gut wie alle ziemlich auffällige körperliche Merkmale, die zum Teil extrem von der damaligen Norm abwichen und als Kontrast zu den „normalen Menschen“ zu dienen hatten: sehr dünn, sehr dick, sehr klein, sehr groß, sehr bemuskelt, sehr schwach, sehr behaart, sehr faltig, sehr babygesichtig, zu lange Beine, zu kurze Beine, was auch immer.

Manche von ihnen, wie Ben Turpin, schielten, andere hatten die für das fortgeschrittene Stadium einer Rosacea typischen Knollennasen. Und keiner von denjenigen, deren Normabweichung auf einem nicht ablegbaren körperlichen Merkmal basierte, kriegte je eine ernsthafte oder gar romantische Rolle. Sie hatten Clowns und Freaks zu sein, über die mal grundsätzlich gelacht wurde, egal wie sie sich dabei gefühlt haben mögen. Es ist dem allgemeinen Amüsement und der Glotzlust vermeintlich normaler Menschen an extremen Abweichungen und ihrer Neigung zu Stereotypen zuzuschreiben, dass sich diese Praxis so etabliert hat und bis heute hält. Es ist aber Anzeichen einer schwachen Argumentation, jetzt ausgerechnet Übergewichtige, die von all diesen Gruppen noch die besten Möglichkeiten haben, sich durch eine Gewichtsreduktion aus dieser „Rolle“ herauszuarbeiten, als ganz besonders diskriminierte Gruppe zu beklagen. Man kann allenfalls anführen, dass der von Hengameh prominent aufgeführte John Candy, der mit seinem starken Übergewicht laut Medienberichten nach seinem Tod wohl nicht zu hundert Prozent glücklich war, aber nie abgenommen hat, weil er befürchten mußte, dass er keine guten Rollen mehr als John Candy kriegen würde. (Nicht zu Unrecht: Jennifer Grey ist so ein Fall, zahlreiche Kinderschauspieler kriegten nach der Pubertät keine Rollen mehr.) Candy er starb mit 44 Jahren an einem Herzinfarkt. Mit 44 verdammten Jahren! Das ist zu jung, Scheiße nochmal!

Und jetzt zum letzten „Argument“, das die allmählich langweilig werdende Hengameh in ihrem Textchen aufzubieten hat: Das angebliche Liebsein der Übergewichtigen, um die Akzeptanz ihrer Umgebung zu gewinnen: „Mittlerweile kotzt mich die Assoziation von Dicksein und Naivität/Liebsein/Freundlichkeit an. Sie täuscht vor, dass dicke*fette Menschen so verzweifelt und einsam sind, dass sie nur nett zu anderen sein können. Sie können sich Arroganz, Gehässigkeit oder hohe Ansprüche in der Wahl ihrer Partner*innen oder Freund*innen nicht leisten.“ Und dann sind wir schon beim Finale Furioso: Hengameh findet zwar, dass Freundlichkeit und Respekt sehr wichtig seien, leitet aus dieser „Urban Legend“, dass Dicke klischeemäßig lieb und nett seien, für sich den Anspruch ab, grundsätzlich scheiße zu jedermann sein zu können, weil: „[…]alle sollten grumpy sein dürfen.“ Und giftige Kommentare abschießen dürfen. Naja, fast alle und schon mal gar nicht gegenüber Hengameh:

 

Das ist der verdammt arrogante Bullshit einer selbsternannten Körperpolitikerin, die offenbar nur imstande ist, um ihren eigenen Bauchnabel zu kreisen und deshalb in Kauf nimmt, dass andere aufgrund ihres Gedröhnes und ihrer haltlosen „Satire“ gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen, damit SIE sich weniger „diskriminiert“ fühlen muss.

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63 Gedanken zu “Gastbeitrag: Hengameh, der Sommer und die Körperpolitik

  1. Viktor

    Hmm, wer einen so obskuren Rassismus wie „männlicher weißer Cis-Hetero“ vertritt, hat irgendwie nicht so mein Ohr.

    Sorry, da kann der Text noch so satirisch sein.

    Viktor
    (männlich, weiß, CIS, queer)

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    1. Mixi

      Das ist doch kein Sexismus, sondern eine Benennung. Damit queer und trans sichtbar und aussprechbar wird. Dazu gehört natürlich aus ein Begriff für nicht-trans, cis. Der renommierte Psychater und Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch hat ihn begründet. Seine Bücher haben mich tief bewegt. Nicht einfach, aber messerscharfe Analyse unserer Gesellschaft.

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  2. Wolfgang

    Ich würde mich über so einen Quark nicht so lange auslassen. Ich bewunder die Langmut die dazu nötig war diesen Artikel zu schreiben. Ich war fett und der Sommer war schlimm. Ich bin aber nicht über andere hergezogen und war beleidigt. Ich habe jetzt 24 Kilo abgenommen ohne auf die Diätindustrie und die Medizin und Politik und beleidigte fette Schnepfen Rücksicht zu nehmen. Der Sommer mag mich jetzt. Mein Blutdruck mein Zucker und mein Arzt sind ebenfalls zufrieden. Wer sich wie diese [entfernt: bitte keine Abwertungen] oder wie sie heisst in seinem Manko suhlt bleibt eben wie er ist.

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  3. Björn

    Wenn Hengameh das alles so durchschaut hat verstehe ich nicht wieso sie dann ein Problem mit dem Sommer hat? Sie müsste sich doch gut finden wie sie ist? Ausserdem finde ich es einen weiten Schritt vom BMI zur Ablehnung von Dicken – die Leute gehen doch nicht rum und stufen die Leute nach BMI ein, und wenn die BMI-Tabelle angepasst wird ändert sich die Einstellung der Leute?

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  4. Inita

    Sorry, ich habe mir noch nie irgendeinen Gedanken um das Gewicht irgendwelcher Leute gemacht. Wieso fühlen sich Übergewichtige eigentlich immer angestarrt und abgewertet?! Wahrscheinlich weil sie es selber tun, unterstellen sie es anderen. Darauf kann man natürlich mit einem langen Artikel antworten, man kann es auch bleiben lassen. Denn wer seinen eigenen Selbsthass projiziert, ist meist unbelehrbar.

    LG

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  5. Habe in hoffentlich richtiger Reihenfolge nun beide Artikel gelesen. Auffaellig am Vice Artikel ist die Ablehnung des Fakts, dass Uebergewicht in den meisten Faellen ungesund ist und nur derjenige darueber zu urteilen hat, was ungesund ist und was nicht, wer sich selbst voellig gesund verhaelt. Ein gutes Beispiel zum Thema „Whataboutism“.
    Dieser Beitrag nun wirkt wie ein Angriff auf die Autorin. Es wird nicht der wirklich schlechte Artikel sachlich auseinandergenommen, nein, es wird viel mehr darauf hingewiesen, wie die Autorin sich doch sonst daneben verhaelt. Auch wieder „Whataboutism“ pur. Zwei Artikel vom selben Kaliber. Eine kritische Auseiandersetzung mit einem Artikel, wie dieser Vice Artikel, sieht definitiv anders aus. Es waere doch auch ein Ansatz gewesen, generell auf solche Personen einzugehen… was veranlasst sie solche Artikel zu schreiben? Ohne eben diese persoenlichen DInge.

    Gruesse.

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    1. Das sehe ich anders. Es stimmt, dass man mehr an dem Artikel selbst auseinandernehmen könnte, allerdings sind wir ja hier auf einem Blog zu einem Buch, das das bereits auf rund 400 Seiten sehr ausführlich getan hat.

      Interessanter finde ich daher tatsächlich, das Aufzeigen der Doppelmoral, die sich hinter den an sich positiven Positionen der Fatacceptance verbirgt. Ich sage jetzt mal „die Fatacceptance“ weil es sich bei der Autorin des VICE Artikels um eine der führenden deutschen Vertreterinnen handelt und dieser Artikel auch offiziell in einem Magazin erschienen ist, und somit durchaus repräsentativ ist. Und da ist es interessant, dass exakt das, was (zu recht!!) kritisiert wird, nämlich das Abwerten von Menschen, unkritisiert reproduziert wird. Das macht die Bewegung nochmal auf einer viel tieferen Ebene unglaubwürdig, denn man kann nicht hingehen und ein respektvolles Miteinander fordern, wenn man das selbst nicht in Ansätzen liefert.

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      1. Ich muss gestehen, weder dein Buch gelesen zu haben, noch all zu viel der Autorin des VICE Artikels oder sonstiges aus dem Bereich „Fat acceptance“. Also nehme ich nur die zwei Artikel her.
        Du sagst ja selber, dass die Autorin etwas (zu recht!!) kritisiert (ungeachtet der wissenschaftlichen Falschaussagen im urspruenglichen Artikel). Die Positionen der Fat Acceptance seien ja auch an sich positiv. Nur wenn dann die Doppelmoral hier anhand eines Artikels, der ueber vermeintlichen Rassismus geht, aufgezeigt wird, ist irgendwie auch nicht so das Wahre. Das klingt so wie im Kindergarten… oder „Bevor du ueber andere urteilst, komm du erstmal selber klar“. Schwierig zu beschreiben. Vielleicht gefaellt mir auch einfach der Schreibstil nicht, eben weil er eben auch mehr dem eines VICE-Artikels daherkommt.

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    2. Also um es nochmal zu verdeutlichen was ich meine: Hier wird aufgezeigt, dass das vorgebliche Ziel „Körperakzeptanz“ und generell respektvolles Miteinander (was ein gutes Ziel ist) nur vorgeschoben ist, um Politik für sich selbst zu betreiben.

      Das Aufzeigen der Doppelmoral ist deshalb interessant, weil es die Hintergründe offenlegt, dass es eben nicht darum geht, dass z.B. andere Beleidigen oder durch Fotos zu demütigen irgendwie bekämpft werden soll .. nö. Es geht darum, dass SIE das natürlich machen darf, aber eben nur als Täterin und gefälligst nicht als Opfer.

      Das fände ich vergleichbar damit, dass man aufdeckt, wenn ein bekannter Tierrechtsaktivist, der einen Bioladen betreibt, in seiner Freizeit gerne auf Hundekämpfe wettet. Da ist dann auch klar, dass es nicht darum geht, dass derjenige Tiere liebt, sondern rein um seinen persönlichen Gewinn.

      Im Falle von Fatacceptance ist es doppelt schlimm, weil hier ein wirklich gutes Ziel (Respekt für alle) instrumentalisiert wird, um eine absolut schädliche Politik durchzudrücken, die letztlich dafür sorgen kann, dass Menschen Gesundheit- und Lebenszeit verlieren.

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      1. Ohne auf den Fusion Artikel einzugehen (oder ihn gelesen zu haben) ist es doch etwas anderes, wenn man Rassisten als solche benennt oder eben selber nicht sehr gluecklich ueber das „fatshaming“ ist (im VICE Artikel eben deutlich krasser ausgedrueckt). (Bin auf Arbeit, sollte nicht zu viel Zeit auf Blogs verbringen, daher wirken meine Antworten vllt etwas abgehackt)

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  6. Die Lektüre des Vice Artikels habe ich recht zügig abgebrochen, da mir ansonsten das Ketamin im Halse steckengeblieben wäre (oder bin ich schon zu alt, um die richtige Darreichungsform zu kennen?)…
    Letztlich bin ich im Umgang mit körperpolitischen Themen relativ unbewandert, finde allerdings erschreckend, dass persönliche Lebensentscheidungen (Diät ja/nein, Sonnenbäder ja/nein, Ketamin ja/nein.) politisiert, evtl. auch romantisiert und vor allen Dingen harsch abgeurteilt werden. Letztlich ist auch der Vice Artikel ein Produkt unserer Kommentarspaltengesellschaft, welche sich mehr und mehr von belegbaren Fakten abwendet und sich eine eigene Wirklichkeit konstruiert. Ich habe hier nur Abneigung/Hass gegen Andere herausgelesen, nicht mehr.
    Nichtsdestotrotz ist es natürlich auch gemein vom Sommer so warm zu sein ;-)…

    Schöne Grüße!

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  7. noxneurotica

    Mir ist klar, dass es darum geht, diese in der Fatacceptance häufig auftretende Doppelmoral aufzudecken (Toleranz und Respekt fordern, diese aber nicht selbst an den Tag legen). Wenn man das aber selbst dann eben auch auf eine etwas bissige Art macht, ist das dann nicht auch wieder Doppelmoral? Der Artikel enthält auch viel sachliche und inhaltliche Kritik, aber für mich bleibt immer so ein schaler Beigeschmack, wenn man es selbst auch nicht lassen kann, persönlich zu werden. Ich meine solche Sätze wie: „Eigentlich würde sich Hengameh am liebsten in ein Kellerloch verkriechen und dort in Ruhe ihr Eis essen oder still vor sich hinweinen (…).“ „(…) weil Hengameh in ihrer zur Schau gestellten Überheblichkeit so hammermäßig nervtötend ist.“ Das ist der verdammt arrogante Bullshit einer selbsternannten Körperpolitikerin, die offenbar nur imstande ist, um ihren eigenen Bauchnabel zu kreisen (…).
    Ich mag Sarkasmus und Zynismus, nur fand ich, dass er hier stellenweise die eigentlich gute sachliche Kritik untergräbt, weil damit alles so einen Anstrich von „Ätschbätsch“ bekommt. Im ersten Moment dachte ich auch so „Haha, sicker Buuuurn“ aber im zweiten Moment so „Naja, eigentlich wären solche Seitenhiebe nicht nötig gewesen“.

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  8. sternenmond75

    Hollaria! Mein Wortschatz ist um ein vielfaches erweitert worden (CIS! etc.), mein Wissenhorizont sowieso (Keratin….aha….dann auch noch im Kaffee? Muss so ein Berlin-Ding sein statt Stevia :-P), aber bei aller Wut, die auf beiden Lagern zu finden ist, bleibt bei mir schlussendlich nur eine Frage : warum gibt es verdammt nochmal kein Foto von dem Wien-blauer-Wurstpellen-Einteiler-weil-American-Apparel-sonst-nur-für-Basic-Bitches-produziert-Addiletten-Outfit der dick-fetten-sommerhassenden Dame ???
    Aber schon interessant, wie eine Gruppe von Menschen für sich selbst absolute Toleranz bis zum Tod (im wörtlichen Sinne) fordert, aber andere Menschen aufgrund ihres Äußeren so abwertet. Das kann man nicht ernst nehmen. Selbe Schublade wie die Homöopathie-Fanatiker, die evidenzbasierte und sich selbst auch kritisch hinterfragende Medizin als Schulmedizin abwerten (dafür muss man immerhin studieren) und ihre über 200-Jahre-alte-Mottenkisten-Placebo-Scharlatanerie bar jeder Vernunft/Wissenschaft lobpreisen. Da kommt man mit Argumenten nicht weiter. Da hilft nur: lasst sie in Ruhe (früher) sterben. Bin ich heute fies….und das ganz ohne Keratin 😉

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    1. fex1

      > Da hilft nur: lasst sie in Ruhe (früher) sterben

      Genau das hab ich mir auch gedacht (allerdings ohne „sterben“). Es hat mich bisher nicht interessiert und wird es in Zukunft auch nicht. Soll sie (Hengameh, wie spricht man das aus? Was ist CiS oder so die ganzen anderen Akronyme??) ihren Kram machen. Niemand muss das das konsumieren… (und sollte auch nicht)

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  9. Erik

    Ich halte es nicht für sinnvoll, sich mit den Äußerungen der Hengameh zu beschäftigen. Die Frau hat psychische Probleme und ihre Peer Group bestärkt sie noch darin.

    Lest neben diesen Texten hier mal https://teariffic.de/2015/01/02/no-passt-nicht-warum-white-passing-nicht-nur-ein-privileg-ist/

    Kurz zusammengefaßt läßt sich feststellen: sie hat gegen eigentlich fast jeden Menschen Abneigungen, sogar gegen Leute, mit denen sie sich umgibt; die sind ihr zu cis, zu white, zu männlich. Die einzigen, die sie nicht haßt, sind schwarze Queers: die beneidet sie – sie wäre so gern eine von denen. Selbst sieht sie sich gegen jede Realität als QTPoC, d. h. als queere, farbige Transperson.

    Schaut mal nach Instagramm: https://www.instagram.com/cat_arsis/
    Da hat sie ein Quasi-Nacktbild veröffentlicht. Trans und PoC ist sie ganz sicher nicht – es würde mich nicht wundern, wenn auch das Q einem Wunschtraum entspricht.

    Solange sie in Ihrer Sekte (heute auch „Filterblase“ genannt) treu bleibt, und sich Anerkennung daraus zieht, daß diese Leute ihr einreden, daß Widerspruch bedeutet, daß sie Recht hat; solange wird sich an ihrem Denken auch nichts ändern. Es bleibt zu hoffen, daß Hengameh rechtzeitig ins Leben (zurück)findet, denn so, wie sie in ihren letzten Texten der Haß überhand gewinnt, sehe ich kein gutes Ende.

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    1. „Die Frau hat psychische Probleme..“ finde ich bedenklich. Nur weil jemand Ansichten hat, die die meisten (darunter auch ich) für übertrieben halten und nicht mit DER NORM (TM) übereinstimmen, ist das noch kein Grund diese Person zu pathologisieren. Und frag dich mal, ob du auch einem Typen mit schrägen Ansichten gleich „psychische Probleme“ unterstellen würdest.

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  10. Kannte Hengameh nicht namentlich, hab jetzt ein paar Artikel von ihr gelesen und festgestellt „doch, bin ich manchmal drübergestolpert, hab ich immer wieder weggeklickt, weil es mir zu blöd war. Selbst, wenn sie mal meine Meinung teilte, fand ich das ziemlich neben der Spur und mich in keinster Weise angesprochen.

    Aber, ich gebe zu, auch obigen Artikel habe ich angefangen zu lesen und irgendwann nur noch überflogen. Wäre er nicht hier auf diesem Blog, hätte ich ihn auch weggeklickt. Ich verstehe die Intention und was man damit aufzeigen will, und das an sich finde ich gut. Mag aber den Tonfall nicht, der teilweise persönlich beleidigend wird (Beispiele wurden ja schon genannt). Man muss beim Lesen zwar lachen, aber das muss man bei Schadenfreude und Häme auch, und diese Art „Humor“ und „Bissigkeit“ mag ich gar nicht. Diesen Artikel hier empfinde ich als ziemlich herablassend (es mag sein, dass auch Hengameh herablassend ist, aber gleiches mit gleichem zu vergelten ist nicht meine Welt).

    Dem Inhalt dieses Artikels hier stimme ich zu. Dem Tonfall nicht.

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  11. Wednesday Addams

    Ich bin beruhigt, dass noch anderen Lesern aufgefallen ist, dass der hier vorliegende Gastbeitragen eher wie eine persönliche Abrechnung wirkt. Klar, der Vice-Artikel beinhaltet „Fettlogiken“ und die üblichen körperpositiven Mantras vom Leiden der Dicken. Aber: Anstatt, dass diese meinetwegen auch auf lustige Weise widerlegt werden, geht es nur darum, wie arrogant diese Autorin ist, dass sie in irgendeinem anderen Artikel über Menschen auf einem Festival(?) hergezogen hat etc. Ich kenne diese Autorin nicht, habe bis auf den verlinkten „Dick im Sommer“-Artikel nichts von ihr gelesen, daher muss ich ehrlich sagen: Ob diese Frau unsympathisch oder arrogant oder sonstwas ist, interessiert mich eigentlich gar nicht. Und sich darüber beschweren, dass die Autorin Leute abwertet (Wursthaare und so), indem man selber einen ziemlich abwertenden Beitrag schreibt… nunja, ich finde, das ist kein guter Stil und hat inhaltlich null mit diesem Blog zu tun.

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  12. Hengameh ist selbst so unglaublich rassistisch, dass es mich ernsthaft wundert, dass ihr das niemand sagt und sie dafür zurechweist. Vor Ewigkeiten habe ich mal einen Kommentar (ganz sachlich und verbünftig und vorsichtig) hinterlassen und der wurde nie freigegeben.
    Wie kann jemand mit einer solchen Doppelmoral eine Bühne kriegen?

    Ihre Peergroup erfreut sich wahrscheinlich an dem Hass den sie versprüht. „Das wird man ja wohl sagen dürfen“-Style

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  13. Hengameh hat ein Problem. Mit sich. Und sie suhlt sich darin. Fast egal wie ihre MItmenschen sich verhalten, sie fühlt sich angegriffen und diskriminiert – und diskriminiert dabei doch selbst wieder ihre Mitmenschen. Hätte sie eigentlich was zu sagen, also mitzuteilen, wenn es ihr gut ginge mit sich und den MItmenschen?

    Nenzijas Gastbeitrag finde ich okay, auch wenn er einige hm persönliche Anwürfe enthält, über die man geteilter Meinung sein kann; das fiel ja auch anderen Kommentatoren auf. Aber der Text ist ja kein neutraler, sachlicher Nachrichtentext, sondern letztendlich auch ein persönlicher Kommentar. Der interessant analysiert und Zusammenhänge aufzeigt.

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  14. „Worauf ich hinaus will: Hengameh hat ebensowenig Manieren wie der Rest der Welt. Sie ist eine Person, die sich mit gehässigen Kommentaren auf Kosten anderer Leute hochzieht und sich von ihren gleichgesinnten Kumpels beklatschen lässt.“

    Das ist natürlich ganz was anders: Denn als dicke Person, die dazu noch weiblich und eine PoC ist, hat sie keine strukturelle und institutionelle Macht. Sie kann deswegen gar nicht diskriminieren, sie kann sich nur gegen Diskriminierung wehren. Und im Abwehrkampf ist eben mehr erlaubt als im Angriff.

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    1. Dicke Menschen haben keine institutionelle Macht? Also im Vergleich zur Repräsentanz von PoC, B/PoC, weiblichen und LBQT-/Nicht-Cis-Personen in den Führungs- und Entscheidungsebenen hierzulande und weltweit, können sich dicke Menschen darüber nun wirklich nicht beklagen.

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  15. Michael Mendelsohn

    Bei mir ist es ja schon mit dem Verständnis zu Ende, wenn sich Hengameh Yaghoobifarah als PoC bezeichnet. Selbst wenn die gebürtige Kielerin persische Wurzeln hat, dann ist sie doch eine Arierin? Sicher ist sie doch wegen ihrer Hautfarbe keinen Diskrimierungen ausgesetzt.

    Bei Körperpolitik soll es um Macht und Machtmechanismen gehen, die über den menschlichen Körper vermittelt werden. Deshalb ist „fett“ (pummelig, moppelig, adipös) für Frau Yaghoobifarah auch keine Zustandsbeschreibung, sondern eine Machtaussage. Sie erlebt das einmal als politische Entscheidung der WHO, durch Anpassung des BMI Menschen als übergewichtig zu erklären, die vorher noch ein „normales“ Gewicht hatten. Sie erlebt es auch als Machtmittel im Dialog mit Ärzten, die ihre Vorstellungen von Therapie nicht teilen (wollen). Sie sieht ihr Körpergewicht als eine Dimension, entlang derer sie ausgegrenzt wird.

    Diese Herangehensweise stößt da an ihre Grenzen, wo sie die biologisch-medizinische Komponente des Körpergewichtes ignoriert. Ähnlich wie Frauen schwerlich die Menstruation als Konstrukt des Patriarchats darstellen können, sondern sie sich als biologische Konsequenz des Frau-Seins ergibt, gibt es eben nicht nur soziale Folgen erhöhten Körpergewichts, sondern auch medizinische – ganz unabhängig von der Gesellschaftsform.

    Und natürlich ist die Ausgrenzung der Dicken schon größtenteils internalisiert. Politische Arbeit ist hier Arbeit an uns selbst. Als beispiel diese Sätze: „Ich saß vor der Leinwand und lächelte, weil ich diese Assoziation von dicken, wackelnden Oberarmen und starken Flügeln toll fand. Vor allem Huttinens ernster Blick dabei. Die schlanken Leute aber lachten.“ Anstatt das Lachen als einen stärkeren Ausdruck ihres eigenen Lächelns zu begreifen, als Reaktion auf die Komik einer unerwarteten Bewegung, benutzt Frau Yaghoobifarah diese Reaktion, um sich abzugrenzen. Damit perputuiert sie diejenige Körperpolitik, der sie doch entgegentreten will.

    Wenn der Ansatz einer fettenfreundlichen Körperpolitik gelingen soll, dann muss doch folgendes gegeben sein:
    * medizinische Riskiken und biologische Konsequenzen dieses Körperzustandes nicht leugnen
    * eigene internatisierte Verhaltensweisen identifizieren
    * danach schauen, was von den menschlichen Interaktionen tatsächlich von diskriminierenden Körpervorstellungen geprägt ist

    Leider leistet Frau Yaghoobifarahs Artikel das nicht; würde er es tun, bliebe von ihrer Anekdotensammlung nicht mehr allzuviel übrig.

    „Vor allem jetzt im Sommer, wo doch alles so scheiße ist“ — ich hab‘ auch Sommer, ich bin auch dick, und ich find’s prima. Ich sitz‘ halt wie die schlanken Leute im Schatten.

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    1. Mixkassette

      PoC heißt nicht schwarz (!), sondern ist ein Sammelbegriff für nicht-weiß (-europäisch) Ich verstehe nicht warum so viele Leute damit Probleme haben. „Weiß“ meint ja nicht die Helle der Haut.

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      1. Michael Mendelsohn

        „Sammelbegriff für nicht-weiß (-europäisch)“ — ich hab Hengameh Yaghoobifarah gegoogelt, Bilder von ihr gibt’s genug, und sie sieht definitiv weiß und europäisch aus. (z.B. auf https://www.buzzfeed.com/hengamehyaghoobifarah/lippenstift-test ) Und natürlich meint „weiß“ die Helle der Haut, plus möglicherweise Körperbau/Augenstellung/Gesichtsform, die weiße Europäer (caucasians) von weißen Asiaten (oder Inuit etc.) unterscheiden.

        Der Kontext des Begriffs ist eben die Diskriminierung über die per Aussehen sichtbare Abstammung. Frau Yaghoobifarah ist für mich dem ersten Anschein nach eine PoF, aber keine PoC. Mag sein, dass sie auf Fotos anders aussieht als live und tatsächlich solcher Diskriminierung ausgesetzt ist (oder auch in umgekehrter Richtung, wo ihr wegen ihres Aussehens die Zugehörigkeit zum angestammten Kulturkreis abgesprochen wird) -da lasse ich mich gerne eines Besseren belehren-, aber allein von ihren Fotos kann ich das nicht nachvollziehen.

        Das ist aber gar nicht das Problem. Mein Problem sind Christian’s Ausführungen im Kommentar über meinem: „Denn als dicke Person, die dazu noch weiblich und eine PoC ist, hat sie keine strukturelle und institutionelle Macht. Sie kann deswegen gar nicht diskriminieren, sie kann sich nur gegen Diskriminierung wehren.“ (Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie hier ernst oder ironisch gemeint sind, aber es gibt wohl tatsächlich Leute, die so denken.)
        Das halte ich auf mehreren Ebene für falsch: Gesellschaft ist nicht monolithisch, sondern unterteilt sich in unterschiedliche Bereiche, in denen die Machtverhältnisse jeweils anders geordnet sein können. Und wenn es gesellschaftliche Subgruppen gibt, in denen PoC zu sein bedeutet, sich für Diskriminierung nihct mehr entschuldigen zu müssen, weil sie per Definition nicht mehr stattfinden kann, so verleiht dieses Attribut in diesem Kontext Macht – und dann wird’s eben auch eine Machtfrage, ob ich es benutzen darf oder nicht.

        Und von da bekommen wir auch wieder den Bogen zur Fettacceptance: wenn ich mich über „ich fühl mich so scheiße, weil ihr mich alle diskriminiert“ öffentlich definiere, durchkreuzt ein fröhliches „ich fühl mich scheiße, weil ich fett bin, aber ich nehm‘ jetzt ab“ diesen Manipulationsversuch. Denn das erleben wir ja schon bei kleinen Kindern: dass Erwachsene auf erlebte Ungerechtigkeit in meinem Sinne reagieren, führt halt oft dazu, dass Kinder dann falsche Ungerechtigkeiten konstruieren („der hat aber angefangen“) und das also manipulativ einsetzen. Ich finde das nicht ok. (Und ich halte auch die Reaktion von Erwachsenen, die eine Seite als gerecht und die andere als schuldig ausmachen wollen, für falsch: Konflikte könne wir auch bei Kindern dadurch lösen, dass wir Verständnis füreinander erzeugen, udn uns zu Menschen entwickeln, die solches Verständnis suchen.)

        Aber hey, wenn ich schon so viel Opferkarten ziehen kann, wieso sollte ich da meine Masche ändern…

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      1. Mona

        Woah, das schrecklichste Video, das ich seit Monaten geschaut habe.

        Auf mich wirkt es so, dass sie alles wie eine 14-jährige erklärt. Sie kann das doch nicht wirklich ernst meinen mit den Beschreibungen, was mit schlank oder dick assoziiert wird, oder? Wieso denkt sie, dass Kinder Vorbilder nur in Videos und Filmen suchen? Wenn man raus geht, sieht man doch, dass es dicke Menschen gibt, die toll sind und auch dünne Menschen, die toll sind. Das was man tolles macht, hat nur wenig mit dem Körperfett zu tun. Oder vertue ich mich gerade?
        Auf dem Niveau kann ich auch in die Öffentlichkeit, aber das wär mir viel zu peinlich. Es gibt doch andere Menschen, die sich da realistischer und wissenschaftlicher mit dem Thema beschäftigen und in Interviews die Menschen aufklären, statt nur zu sagen „die anderen sind doof, weil die machen, dass ich mir einreden muss süß zu sein“.

        Sie kann doch nicht alles, was ihr angeblich passiert immer nur komplett ins Negative ziehen und es als Tatsachen darstellen. Kann sie schon, aber sie sollte dabei nicht so tun, als wären ihre Aussagen wirklich Fakten. „Frauen sollen nicht viel Raum einnehmen… dicke Frauen nehmen ….sozialen Raum ein, dadurch dass eben Blicke auf sie gerichtet werden… nur Typen dürfen laut sein und breit machen…“
        Ist das wirklich so, ist das allgemein gültig in Deutschland oder Berlin (sie ist doch in Berlin da?)?
        Ich kenn das so nicht, wieso sollte man einen dicken Menschen mehr anschauen als einen dünnen? Wenn ich die Straße entlang gehe, ist es mir doch (wenn ich selbst gesund bin) erstmal total egal, was die anderen denken könnten und ich hab auch keine Zeit und Nerven über die Fettreserven der anderen Menschen Gedanken zu machen.

        In einem Ihrer Texte hab ich den Ausdruck „Fat Empowerment“ gelesen. Gibt es den Ausdruck wirklich oder wird er nur von ihr benutzt. Ich dachte immer man empowert Menschen und nicht Dinge.

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  16. Laphroaig

    Ich möchte jetzt auch einmal kurz meinen Senf dazu geben:
    Im Grunde stimme ich den meisten hier zu und mag diesen Gastbeitrag ebenfalls nicht. Das liegt weniger daran, dass ich es nicht gut finde, dass Hengameh kritisiert wird, sondern am Argumentationsverlauf und Ton. Viele Anhänger dieses Blogs (ich zum Beispiel) lesen gerne die hiesigen Beiträge, weil sie wissenschaftlich daher kommen. Das wissenschaftliche Schreiben wird hier zwar nicht jedes Mal unter Beweis gestellt – und auch nicht in einer Form die vergleichbar wäre mit der akademischen – aber es zielt doch immer wieder darauf ab. Und das mag ich und ich vermute auch diverse andere Anhänger vom Blog.
    Dieser Gastbeitrag verließ leider sehr schnell das wissenschaftliche Terrain und deshalb mochte ich, und vermutlich weitere hier, ihn nicht besonders. Allerdings ist das völlig legitim, denn dies ist ein Blog und kein scientific journal oder eine Doktorarbeit. 😉
    Meiner Meinung nach sollte man deshalb auch nicht hingehen und diesen Beitrag verteidigen, weil er gewisse Dinge kritisch aufzeigt und damit ja eine Daseinsberechtigung hat. Es ist nämlich Geschmacksache, finde ich. Ja, der Beitrag beinhaltet wörtliche Zitate und ja ab und zu werden auch andere Quellen herangezogen um eine Argumentation zu unterfüttern. Aber der Fokus liegt meines Erachtens doch darauf, sich über diese Hengameh auszulassen und nicht über ihre löchrigen Argumentationsstränge und ihre auf fragwürdigen Quellen basierenden Thesen und Schlüsse. Wenn man über das Wohl der Allgemeinheit besorgt ist und um das Wohl desjenigen, der jedes Wort der Hengameh aufsaugt und unreflektiert lässt, dann denke ich, dass man einen solchen Rant als ebenso schädlich werten kann. Ich zumindest lese hier sehr viel Wut und Aggression heraus, die sich hauptsächlich auf einer persönlichen Ebene bewegt sich und ironischerweise ausgesprochen stark dem be- und verurteilendem Ton der Hengameh annähert.
    Wie war das noch? An eye for an eye only ends up making the whole world blind. 😉

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    1. Tante Jay

      Die löchrigen Argumentationsstränge sind ja schon hinreichend beantwortet.Überall hier.

      Hengameh hat aber eine „ich bin besser als du“-Attitüde, die sie mit verzweifeltem Weinen zu unterstreichen sucht.

      Sie macht alles und jeden für ihr Elend verantwortlich, nur nicht sich selbst. Und das bei Dingen, die sie durchaus ändern könnte, wenn sie sie so stören. Aber nö: Sie jammert lieber.

      Ist okay, jeder hat das Recht, sich unglücklich fühlen zu dürfen. Aber wenn ich das auch noch rausbrülle und die Gesellschaft, Fat-Shaming oder wer weiß was verantwortlich dafür mache, dass es mir beschissen geht, darf ich mich nicht wundern, wenn ich ausgelacht werde.

      Das hat mit Wut und Aggression recht wenig zu tun, sondern mit dem völligen Unverständnis, wie jemand völlig schamfrei anderen mit dem Mist auf den Sack geht.

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      1. Laphroaig

        Ich möchte lediglich daran erinnern, dass hier eventuell nicht jeder Fan ist von diesem Gastbeitrag und eventuell von Rants dieser Art im Allgemeinen. Dieser Rant vermittelt u.a. ein Gefühl von Wut und Aggression – meiner Meinung nach zumindest – sehr deutlich sogar. Es wäre sonst irgendwie ja auch kein Rant… 😀
        Ich stelle nicht in Frage, dass man Hengamehs Äußerungen und Veröffentlichungen und Tweets etc. aus berechtigten Gründen kritisieren darf auf einer ebenso öffentlichen Bühne. (Ob man das muss ist natürlich eine andere Frage)
        Was ich sagen wollte ist lediglich, dass dies hier der Blog zum Buch und für Fans von „Fettlogik überwinden“ ist und einige Anhänger (inkl. mir) etwas anderes gewohnt sind und diesen Gastbeitrag daher nicht genießen konnten.
        Die Autorin hat sich nicht sonderlich wissenschaftlich mit Hengameh auseinandergesetzt, sondern schreibt in einem Ton der fernab von Neutralität ist. Man kann Hengameh durchaus kritisieren für sämtliche Punkte, ganz ohne derart persönlich zu werden. Dieser Gastbeitrag ist in meinen Augen gleichermaßen ein „rausbrüllen“ und „jammern“ und „schamfrei[es] […] auf den Sack geh[en]“. Obwohl ich, wie bereits gesagt, Hengamehs vermeintliche Einstellung nicht teile und für sehr wenig reflektiert halte, kann ich diesen Gastbeitrag trotzdem genauso wenig abgewinnen. Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Beitrag nicht verstanden habe. Es muss mir keiner erklären, wie kacke Hengameh doch ist und warum der Gastbeitrag deshalb total toll ist. Es ist Geschmackssache, Leute. Genauso wie das American Apparel Outfit. 😉
        Ich wiederhole: Wenn man herablassende, gehässige, be- und verurteilende Art kritisieren möchte, dann doch nicht, indem man sie repliziert. Es ist wenig niveauvoll und verfehlt doch einfach den Punkt. Des Weiteren muss man auch bedenken, dass man mit Provokation a la Hengameh eben auch Klicks und Likes und die ersehnte (?!) Aufmerksamkeit sammeln kann, vielleicht tut ignorieren ja auch mal ganz gut.

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    2. Bei derartiger Argumentation kommt man aber mit sachlicher Diskussion nicht weiter. Wenn jedes persönliche Problem ins politische Licht gezogen wird, dann darf man es nicht emotional aufladen.
      „Mein Fett ist politisch!“ Nein. Dein Fett ist deine Sache, und dein Problem. Die Argumentation „die anderen machen, daß ich mich dick fühle“ ist doch absurd. Wie soll man darauf sachlich eingehen?

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  17. Tante Jay

    „Als ich mal mit einem hellblauen, hautengen American-Apparel-Onesie und Jelly-Shoes durch Wien lief, sammelte ich statt Credits für einen guten Geschmack nur abwertendes Starren ein. Fremde fotografierten mich heimlich. Ich hätte meinen Körper ja unter einem weiten Kleid verstecken können, aber da ich etwas so Figurbetontes trug, lud ich die Öffentlichkeit quasi dazu ein, sich so zu verhalten, wie sie es taten.“

    Das war genau die Stelle, die ich auch großartig fand. Da läuft man mit einem hellblauen Strampelanzug und „jelly-shoes“ durch Berlin und wundert sich, dass die Leute vor Lachen zusammenbrechen. Ich musste die Klamotten erst googeln, ich kannte die echt nicht.

    Die Bildersuche hat fast dafür gesorgt, dass ich ein Sauerstoffzelt brauche…

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  18. Ich

    Ich möchte hiermit Laphroaig zustimmen, denn auch ich empfinde diesen Kommentar – wie auch Nenzijas ersten – als „geht gar nicht“.
    Erneut wurde sich mit bemüht flapsigen Formulierungen locker und jugendlich gegeben – leider wirkt es auf mich lediglich rotzig, unerzogen und respektlos.

    Ansonsten muss ich gestehen, mit diesen ganzen Abkürzungen (Cis, PoC,…) so gar nichts anfangen zu können und fühle mich gerade älter als ich tatsächlich bin ;oP

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  19. Ich möchte hier einmal eine Lanze für diesen Gastbeitrag brechen. Mitunter ist einem so zum Weinen zu Mute, dass nur noch Sarkasmus (und auch ein wenig Zynismus) bleibt. Eigentlich sollte Hengameh einem Leid tun, es ist ihr Leben, welches sie sich zur selbstgewählten Hölle macht. Das Problem ist nur, dass sie andere davon abhält die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen, indem sie versucht ihnen einzureden alle anderen wären Schuld und gegen sie. Sie nimmt ihnen wertvolle Lebenszeit auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben, welches sie aber für sich einfordert, aber auf Grund ihrer bornierten Ansichten niemals erreichen wird. Sie durch den Kakao zu ziehen, ein Stück weit der Lächerlichkeit preiszugeben und damit als Looserin zu klassifizieren kann ein probates Mittel andere abzuschrecken sein.

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  20. Laphroaig

    Ergänzung: Lassen sich Leser von Hengameh wirklich so leicht manipulieren, dass man überhaupt eine solche (lange) Hassrede verfassen „muss“? Ich finde das immer etwas befremdlich, wenn davon ausgegangen wird, dass jeder Leser völlig unkritisch und naiv ist und nicht in der Lage ist über Dinge zu reflektieren. Also auch als ich nicht 25 sondern 15 war (oder xy), war ich doch in der Lage mir selbst eine Meinung zu bilden und ich denke nicht, dass Hengameh so viele Menschen „davon abhält die Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen“ wie einige anscheinend denken (zumindest mein Vorredner). Wenn derartige Texte so eine Macht besitzen, dann Mahlzeit. 😉

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    1. So habe ich es auch nicht gemeint, aber es gibt nun einmal leicht Beeinflussbare. Wer fest im Leben steht wird sich sicher nicht beeinflussen lassen, aber sie hat nun einmal eine Followerblase, die muss ja nun nicht unbedingt noch größer werden. Und ein Text macht es sicher nicht, es ist halt ein ganzes Ökosystem.

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  21. Mixkassette

    Sorry, ich konnte den Text nicht zu Ende lesen. Er ist zu polemisch. Geradezu herabwürdigend gegen H. Das ist nicht das Diskussionsniveau was ich von dieser Seite hier kenne und erwarte. Ich finde das sehr schmerzlich.

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  22. Mona

    @Sascha, Du musstest lachen?

    Bei mir war es anders. Ich war total weit vom Lachen entfernt. Ich hatte beim Lesen eher einen Schreck und konnte immer schlechter Atmen, weil ich einen Kloß im Hals bekam, dass es solche Personen gibt, die sich öffentlich für Körperpolitik einsetzen wollen, aber es so extrem machen, dass nur sie gut dastehen und jeder andere Mensch als irgendwie falsch erklärt wird.

    Besonders die Wortwahl von Hengameh ist irgendwie sehr extrem. Ist das normal immer wieder englische Wörter einzubauen?

    Mich hat der eine Satz verwirrt: „„Hi Du weißes, rassistisches Cis-Hetero-Patriarchenmännchen, ich würde gern ein Foto von Dir und Deinem Warbonnet machen, mit dem Du Deine White Supremacy zur Schau stellst, weil ich das unglaublich rassistisch und kacke finde, dass Du es trägst und ich es gerne in meiner Berichterstattung über diese unglaublich beschissene White Supremacy-Fusion verbraten möchte,“ wird Hengameh wohl kaum gesagt haben.“

    Hab dann in den Fusion-Bericht geschaut, da kam Hetero nicht vor. Ich hab mich gefragt, wie man nur anhand eines Fotos so eine Beschreibung zusammenstellt, aber es war wohl witzig(?) gemeint, indem es ein wenig übertrieben dargestellt wurde.
    Wobei ich wirklich nicht verstehe, wie sie bei der Fusion Nazis gefunden hat. Wieso sollten Nazis zu der Fusion gehen? Da ist die Stimmung doch das Gegenteil zu einer Nazi-Einstellung.

    Wieso kleidet sich die Frau so extrem auffällig und wundert sich, dass andere Menschen sie anschauen? Sie interpretiert alles, was andere Menschen machen/sagen/sind, auf ihre seltsame Weise. Ich kannte einige Begriffe nicht und „Basic Becky“ hat mich erschreckt. So kann man ja jede Frau nennen, die man nicht mag, dann steht es da im Raum und stimmt vermutlich einfach nicht.

    Ich kann da nicht lachen, weil mir der Atem stockt. Ich glaube, das war von dem Artikel hier auch so gemeint, dass man übertreibt, um deutlicher zu zeigen, in welche Richtung die Körperpolitik von Hengameh geht.

    Ich finde den Artikel gut, weil es um eine Person geht, die meint Körperpolitik machen zu können und das hat mit dem Fettlogik-Buch viel zu tun. Das Buch soll ja zeigen, was schon untersucht wurde und wie man sich das Leben einfacher machen kann. Die Frau macht das Gegenteil, sie beschwert sich über den Sommer und tut so als wären alle anderen Schuld daran, dass sie sich nicht so wohl fühlt oder angeschaut fühlt. Ich vermute sie würde sich auch so fühlen, wenn sie ganz schlank wäre.

    Oh man, es entsetzt mich wirklich, dass so jemand meint „Körperpolitik“ betreiben zu müssen in der (Internet)Öffentlichkeit.

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  23. Wiesler

    Also mir hat der Beitrag gefallen. Aber er fällt schon aus dem Rahmen der sonst hier üblichen sachlichen Erörterung und Abwägung. Die Frage, die man an nenzija stellen müßte, wäre, warum sie diese polemische Form wählt. In der Kurzvorstellung steht, dass sie mal für die Piratenpartei gearbeitet hat. Vielleicht hat sie ja da die Erfahrung gemacht, dass „sachlich“ in der Politik gern untergeht. Das ist zumindest meine Vermutung. Im übrigen: spätestens wenn Hengameh sich politisch aus dem Fenster lehnt, d.h. für sich in Anspruch nimmt, für andere zu sprechen (in diesem Stil), halte ich eine derartige Replik für passend.

    Davon abgesehen werden hier viele Abkürzumngen benutzt (PoC LGBT CiS usw) die auch ich noch nie gehört habe.

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  24. Laphroaig

    Ja, es fällt wirklich aus dem Rahmen der hier üblichen Blogeinträge und das ist schade!

    Eine polemische Form kann man ja durchaus wählen, ein Gastbeitrag kann ja auch spannend sein, eben weil er sich durch Form und Stil von erzählmirnix Beiträgen unterscheidet. Aber dies ist spätestens dann kein „sachlicher“ Rant mit hippen Anglizismen oder coolen Lehnwörtern (oder den neusten Fachbegriffen? 😉 ) mehr, wenn z.B. Hengamehs Kleidungsstil be- und verurteilt wird und als „Pannenoutfit“ bezeichnet wird. Ich wüsste nicht, wo an dieser Stelle Hengamehs Körperpolitik kritisiert wird, welche ja scheinbar kritisiert werden soll, um ihrer Fanbase aufzuzeigen, was daran verkehrt und schädlich ist. Derartige Angriffe lassen sich auch von der vorgeschobenen Genehmigung „Hengameh darf selbstverständlich jederzeit rumlaufen, wie sie lustig ist“ nicht verschönern.

    Es ist auch dann kein Rant mehr, der zu diesem Blog ‚passt‘, wenn behauptet wird, dass Hengameh ein Mensch ist, der „ebensowenig Manieren [hat] wie der Rest der Welt“ und „sich mit gehässigen Kommentaren auf Kosten anderer Leute hochzieht und sich von ihren gleichgesinnten Kumpels beklatschen lässt“. Diese Schlussfolgerung wurde gemacht auf Grundlage ihrer Artikel, Tweets etc. Keiner von uns weiß, wie sich diese Frau in der Realität verhält. Das was sie schreibt kann durchaus bescheuert sein und gehässig etc. aber wir sind hier immer noch im Internet. Diese Frau erbeutet sich mit dieser Gehässigkeit Likes und Aufmerksamkeit und Berühmtheit. Diese Internet Persona muss nicht zwangsläufig in jeder Facette identisch sein mit der ‚wahren‘ Hengameh, welche keiner von uns kennt. Die fiktiven Elemente in ihren Texten wurden ja sogar aufgezeigt in diesem Gastbeitrag, was diese Annahme in meinen Augen weiter unterstützt und zeigt, dass Hengameh die Realität durchaus ausschmückt – milde ausgedrückt. Internetauftritte von Menschen sind nunmal häufig radikaler und beleidigender usw. da es keine Konfrontation im klassischem Sinne ist und quasi jeder sich traut ganz groß die Klappe aufzureißen und zu brüllen oder zu jammern oder sonst was. Das Internet selbst legt schon einen anderen Maßstab an an jede unserer Argumentationen, das muss doch nicht zusätzlich verschlimmert werden durch respektlose unsachliche Rants über respektlose unsachliche Rants.

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    1. Ich nehme jetzt mal zur Kenntnis, dass mein Eindruck bei dem Artikel offenbar von dem der Mehrheit abweicht. Ich erkläre mir das damit, dass ich durch den Shitstorm damals aus genau dieser Fatacceptance-Richtung einen anderen Bezug habe – persönlicher und aber eben auch so, dass ich genau mit diesen Widersprüchen (mir wurde auf absolut mieseste Art begegnet unter dem Vorwand, man müsse mich wegen Fatshaming hassen) konfrontiert war. Damit will ich nicht sagen, dass ich recht habe, sondern (hoffentlich) verständlich machen, warum ich den Artikel weniger feindselig sondern vielmehr als „das zeigt genau, was da schief läuft“ lese.

      Das „Pannenoutfit“ habe ich z.B. so verstanden, dass hier jemand mit einem wirklich extrem auffälligen Outfit rausgeht, das an JEDER Person als irgendwie auffällig/merkwürdig wahrgenommen würde, unabhängig von der Körperform. Aber dass Leute dann so reagieren wird als „Die diskriminieren Dicke!“ hingestellt. Wenn eine schlanke Person mit einem total auffälligen Outfit herumläuft, wird sie ebenso angeschaut werden. Daran wird für mich deutlich, dass es eher darum geht, aktiv „Diskriminierung“ quasi herzustellen, denn Hengameh ist angesichts ihrer Fotos nun wirklich nicht dermaßen dick, das sie tatsächlich angestarrt würde aufgrund dessen. Sie fällt noch vollkommen in den Rahmen dessen, was als „normal“ wahrgenommen wird. Klar gibt es immer irgendwelche Idioten, die dann doch einen Spruch machen, das will ich nicht ausschließen, auch wenn es mir mit 150 kg meiner Erinnerung nach nicht passiert ist … aber das ist keinesfalls systematisch oder regelmäßig. Jetzt zu suggerieren, dass das Starren wegen ihrer Körperform passiert ist und nicht weil sie ein extrem auffälliges Outfit gewählt hat, ist daher … na ja. Und in diesem Kontext hatte ich das „Pannenoutfit“ gesehen, nicht in einem „LOLOL, doofe Hengameh trägt hässliche Sachen!!!“

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      1. Michael Mendelsohn

        „Ich nehme jetzt mal zur Kenntnis, dass mein Eindruck bei dem Artikel offenbar von dem der Mehrheit abweicht.“ — das verstehe ich nicht. Mein Eindruck ist, dass ein Minderheit an KommentarInnen Nenzijas Stil nicct passt (so 6-8 Namen zähle ich), der Rest liegt da mehr oder weniger auf deiner Linie. „Vielzahl von Leute“ statt „Mehrheit“ würde ich akzeptieren. 😉

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      2. Laphroaig

        Wie gesagt, ich selbst bin ja ebenfalls der Auffassung, dass es einiges an Hengamehs Äußerungen zu kritisieren gibt. Und wenn sie sich dazu entscheidet, die von ihr wahrgenommenen Blicke von Passanten auf eine solche Art und Weise zu interpretieren, dann kann man auch das kritisieren, weil es ja ganz anscheinend nur ein Mittel zum Zweck ist. Diese „Reaktion“ von Passanten hat sie doch lediglich für ihre Behauptungen genutzt und das ist natürlich eine ziemlich schwache Argumentation. Wie gesagt, absolut (und simpel) zu kritisieren.

        Nenzijas Wortwahl klang für mich nicht nach einem kindischen „LOLOL, doofe Hengameh trägt hässliche Sachen!!!“, sondern wie gesagt schlicht und einfach be- und verurteilend, und das ist einem spaßbefreiten Ton. Es ist an dieser Stelle einfach nur überflüssig überhaupt weitere Adjektive zu verwenden, es sei denn man möchte genauso wenig Manieren an den Tag legen wie es ja die gute Hengameh zu tun scheint. Man hätte es bei einer Formulierung a la „ein besonders auffälliges Outfit“ belassen können, oder „ein Outfit, dass stark von dem was wir sonst so sehen abweicht“. Das sage ich nicht, weil ich mich verpflichtet fühle politisch überkorrekt zu sein, sondern weil das genau der Punkt ist um den es mir geht und der, welcher dafür sorgt, dass ich diesen Gastbeitrag aufgrund seines Tons und seiner persönlichen Angriffe nicht gut finde. (Und hier für Fehl am Platz halte.)
        Ein großer Prozentsatz der deutschen Bevölkerung hat vor geraumer Zeit einen Vokuhila getragen, das kann zur falschen Zeit am falschen Ort ebenso „extrem auffällig“ sein. Es ist evolutionär betrachtet völlig sinnvoll und natürlich zu „starren“ wenn einem etwas neues oder ungewöhnliches begegnet. Was am Ende des Tages aber ungewohnt und „extrem“ ist, ist relativ. Ich möchte damit sagen, dass ihr Outfit nicht beurteilt werden muss und als „Pannenoutfit“ betitelt werden muss, denn das ist das persönliche Empfinden der Autorin und eine Wertung die nicht haltbar ist, da Mode und alles was damit zu tun hat einem stetigen Wandel unterliegt und „Looks“ die von einer Person als „pannenhaft“ empfunden werden eines Tages die Norm darstellen könnten. ( Könnten (!) – völlig egal wie unwahrscheinlich das ist. 😉 )
        Somit wirkt dieser Gastbeitrag einfach auf gleiche Art beleidigend, wie die Zeilen von Hengameh, auch wenn der Gastbeitrag sich meinetwegen „für den guten Zweck“ gegen nur eine Person richtet. Ich bin mir auch unsicher, warum Fans von Hengameh (die sich frei dazu entscheiden Fans zu sein und sicherlich nicht durch solche Texte prompt gebrainwasht werden) durch einen so unsachlichen Rant wie diesen hier wieder zur Vernunft finden die sie, als Fahne im Wind, einfach schwups verloren haben.

        Einfach mal locker bleiben und weniger Hass rausbrüllen oder jammern in die Welt, egal wie sehr manche Leute das provozieren. 🙂

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  25. Ich störe mich auch an diesem Gastbeitrag. Nicht wegen des Inhaltes – wer sich mit Ansage zum Horst macht sollte dafür verspottet werden – sondern weil ich über die selbstverschuldeten Firstworldproblems der Frau Hastenichgesehn nachdenke, die mir völlig egal sind.

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  26. kleinefrau

    meins ist es auch nicht, weder der Ausgangbeitrag, noch das Posting hier, das sich in Überlänge über irgendetwas ausläßt, wo ich schon nach 3 Sätzen innerlich aussteige.
    Ich glaube, das Thema als solches (und die zig Abkürzungen dazu) gehen schlicht komplett an meiner Realität vorbei, vielleicht empfindet man das anders, wenn man irgendwie damit zu tun hat.

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  27. nenzija

    1. Zur Textform. Das hier ist eine Polemik, zwar mit argumentativer Unterfütterung auf Wunsch einer einzelnen Inhaberin dieses Blogs stattfindet, aber nichtsdestotrotz eine Polemik ist. Wer meint, da persönliche Aversionen gegen Hengameh oder gar Hass rauszulesen, sollte folgendes wissen: Ich kenne Hengameh nicht, sie schreibt lediglich Texte, angesichts derer es mich aus verschiedenen Gründen juckt, was dagegenzusetzen. Der Text ist bewusst GENAU SO geschrieben und es ginge noch wesentlich schärfer, wenn gewünscht. Natürlich ginge es auch total sachlich. Da hab ich aber keinen Bock drauf. MIR macht das Schreiben solcher Texte Spaß. Ob seine Lektüre allen Lesern Spaß macht, steht auf einem ganz anderen Blatt und wenn ich darauf achten würde, dürfte ich sowas gar nicht mehr schreiben, weil immer irgendwer ein Haar in der Suppe fände und manchmal rühre ich sogar absichtlich Haare in diese Suppe. Mein Ruhepuls während des Schreibens ist niedrig, meine Atemfrequenz normal, zwischendurch kichere ich vor mich hin und halte es wie Frank Zappa: „I do it to amuse myself. If I like it, I release it. If somebody else likes it, that’s a bonus.“

    2. Zur Sprache. Selbstverständlich darf man Hengamehs Schreibstil aufgreifen und persiflieren. Menschen, die Texte verfassen, in denen jedes zweite Wort ein Anglizismus, eine schräge Abkürzung oder irgendein Konstrukt ist, das maximal vor fünf Jahren aus einem akademischen Diskursuterus gepreßt wurde, und so bestenfalls für Unleserlichkeit sorgt, schreien geradezu danach, hin und wieder eins auf den Deckel zu kriegen. Mein Text ist deshalb schwer zu lesen und noch schwerer zu verstehen? Upsi. Könnte das Absicht sein? Yarp. Natürlich wäre er mit Glossar oder Anmerkungen einfacher zu konsumieren gewesen, aber ist es nicht voll geil, sich mal in die lustige, bunte Welt des akademischen safer spaces-Soziolekts reinzugooglen? Eben.

    3. Zur Angriffsfläche. Von Hengameh steht genau das zur Verfügung, was sie gewollt und gekonnt im Netz über sich präsentiert. Warum also sollte es verboten oder verpönt sein, genau darauf zurückgreifen, einige von Hengamehs selbst geäußerten Ansprüchen an die Menschheit daran zu messen und über die bissige Replik bei Bedarf auch mal noch ein bisschen Häme drüberzukrümeln? Das Ausgangsmaterial für obigen Text waren einige von Hengamehs Tweets, eine Handvoll ihrer Texte und ein paar Recherchen. Bei einigen der Funde konnte ich mein Glück (nachdem ich ausgiebig fazialpalmiert hatte) kaum fassen. Dass Hengamehs Texte supersubjektiv sind, ist uns allen – inklusive Hengameh – klar. Dass ihre Ansprüche überzogen und angesichts ihres eigenen Verhaltens (das sie selbst in epischer Breite dokumentiert) sogar eher Leute verprellen, wohl eher nicht. Beste Voraussetzungen für einen schmerzhaften Auffahrunfall mit der Realität also, und für den sorge ich liebend gerne. Die leuchtende Vorbildfunktion oder das Hinhalten der anderen Wange oder die sachliche Argumentation überlasse ich anderen.

    4. Zu meinem „Persönlichwerden“. Hengameh verlässt ihre persönliche Hengameh-Sphäre mit folgendem Satz in ihrem Text, es ist ihr erster: „Es ist Sommer und das ist körperpolitisch die anstrengendste Zeit des Jahres.“ Alles, was danach kommt, kann als Auslassung, Zuspitzung, Haltung zum Thema Körperpolitik gewertet werden und ist somit nicht mehr persönlich oder privat. Diesen Kippschalter Privat-Öffentlich hat Hengameh selbst betätigt, so inszeniert sie sich auch sonst. Nach Belieben vor- und zurückschnippsen läuft da normalerweise nicht und Hengameh verwertet ihre privaten Gefühle und Erlebnisse sichtlich bewusst zu politisch-aktionistisch-publizistischen Zwecken, das ist ihr Authentizitätslack. Und ich darf diesen Umstand ja wohl mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen ernst nehmen und ein bisschen an diesem Lack kratzen, nicht? Und wo wir schon dabei sind: Wie greift man eine inszenierte Persönlichkeit ad hominem an, wenn man ohnehin nicht weiß, wo die Inszenierung endet und die echte Person anfängt?

    5. Was das mit „FLÜ“ zu tun hat. Hengameh schreibt: „Dicke Menschen machen nicht automatisch weniger Sport oder essen mehr, sondern die Fettschicht unter der Haut ist ein genetisch definiertes Baumerkmal.“ Hengameh ist das Hengameh-gewordene Krabbenkorb-Phänomen. Ihr ist nicht daran gelegen, unmittelbar was an der schlimmen Situation zu ändern (nicht mal für sich selbst) oder dafür zu sorgen, dass andere sich wohler fühlen. Sie bemotzt nur alles und will andere in ihre enge, trübe, deprimierende, kleine Hengameh-Welt mit runterziehen, die vor Hatern, Rassisten, Nazis, Wespen, unentrinnbaren Schicksalen, genetisch festgelegten Baumerkmalen, hassenswerten Jahreszeiten, eingeschränkten Kleidungsoptionen, weißer Überlegenheit, Diskriminierungen, Depressionen und Enttäuschungen nur so strotzt, ohne aber mitzuteilen, wie man sie da wieder rausgezogen kriegt. Man steht vor diesem Loch mit einer Strickleiter, ist ratlos und wird noch mit Papierkügelchen, die mit Spucke angefeuchtet sind, beschossen. Das sind Texte, die in dieser Qualität auch schon in der EMMA abgedruckt wurden: Wie schlimm doch alles ist und die haben die Macht und wir haben sie nicht oh wir armen unterdrückten Frauenschuschus WÄR HASSÄHN SÄH rhabarberrhabarberschnief. Vor wenigen Jahren hätte ich sowas noch toleriert oder sogar gefressen. Jetzt schreib ich Polemiken drüber. Dann fangen die Leute wenigstens irgendwann mal an, drüber zu diskutieren. Meinetwegen gerne auch, nachdem sie die gemeine Polemik und die fies-dreckig lachende Autorin derselben ausführlich Scheiße gefunden haben.

    6. Ich würde diesen Text jederzeit wieder so schreiben. (Okay, vielleicht ohne die Tippfehler und die massiv überarbeiteten Sätze, die am Ende keinen Sinn mehr ergeben, aber ansonsten genau so.)

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    1. Ossi

      Also ich habe mich sehr darüber amüsiert. Ich finde es immer wieder schön, wenn Leuten wie H. ihre eigene Doppelmoral um die Ohren gehauen wird. Vor allem weil Internet-Aktivisten ihrer Couleur gerne laut und schrill alles niederschreien und einem Shitstorm unterziehen, was nicht in ihr kleinkariertes Weltbild passt. Da bleiben Wissenschaft gerne mal und ein rationaler Diskurs eigentlich immer auf der Strecke.

      Nadja hat schon am eigenen Leib zu spüren gekriegt, wie gemein und persönlich der wirrtuelle Mob werden kann. Erinnert sich noch jemand an „Shirtgate“, wo der Mob einen Astrophysiker dazu gebracht hat, sich vor laufenden Kameras weinend für ein Hemd zu entschuldigen, das er bei einer Pressekonferenz getragen hat? ´

      Ich finde es gut, wenn dieser Szene der Spiegel vorgehalten wird. Dieser Tendenz, wegen jedem Mist gleich einen Twitter-Lynchmob loszuschicken, muss auch mal was entgegengehalten werden.

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    2. Ich habe auch immer den Eindruck, das Menschen wie H. immer versuchen den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und bevor man den eigenen Arsch hochbekommt werden die anderen halt unten gehalten. Dazu bekommt man noch Mitleid geschenkt, sozusagen eine Komfortzone in der Privathölle. Von daher genau richtig sie verbal einmal durchzuschütteln.

      Ich habe mich jedenfalls gut über Deine Polemik amüsiert und finde sie auch gar nicht so scharf, OK ich bin aber auch ziemlich viel britischen Humor gewohnt.

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  28. Schon ziemlich am Anfang kommt der springende Punkt. Ich habe das schon öfters gelesen, daß Leute jammern wie schwierig es ist (bzw. wie schwierig man es ihnen macht) , sich vor dem Spiegel einzureden man wäre ganz okay (oder wie hier, cute).

    Da kann ich nur sagen, Kaum jemand ist mit sich zufrieden. Man muß den eigenen Körper akzeptieren. Aber wer sich selber immer wieder etwas einreden muß, tut eben das nicht. Dann ist das Gerede von Fat Acceptance eben nur Selbstbetrug.

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  29. Peter Meier

    Tjaja – was für ein Aufreger. Dabei hat Hengameh ja schon selbst das Wort geschrieben, das gut zu ihrer Attitüde passt: Grumpy. Vielleicht muss da so. Ich selber empfinde das als unnötig, und auch so, dass sie sich selbst und ihrem Anliegen mit diesem Auftreten im Weg steht. Aber vielleicht hat ihr rebellisches Auftreten ja doch den einen oder anderen berechtigten Punkt.

    Trotz des Umstandes, dass ich Frau Hengameh als ziemlich schräg empfinde und ihre Argumentation als unaufrichtig, möchte ich ihr an manchen Punkten beipflichten.

    1. Ja, Dicke werden diskriminiert – und das ist keineswegs gut so.
    2. Ja, es gibt Ärzte, welche die Bedeutung von Übergewicht überinterpretieren – und andere Riskikofaktoren bzw. aufwiegende Faktoren (z.B. Bewegung – 2 Stunden am Tag) unterbewerten.
    3. Ja, man darf auch ungesund leben und dick sein – das gilt zumal dann, wenn es tatsächlich, ganz objektiv schwierig ist, als Dicker wieder schlank zu werden.

    Anmerkung: Dass das dauerhafte Abnehmen mit viel Willen und einem guten Plan doch für viele Menschen möglich ist, okay, die Erkenntnis ist noch nicht zu Hengameh vorgedrungen, und auch nicht, dass das – richtig durchgeführt – gute Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann.

    4. Ja, man muss nicht unbedingt gutgelaunt und fröhlich seinen Standpunkt verbreiten, wenn man sich zurück gesetzt und diskriminiert fühlt – und dies zudem auch ist.
    5. Ja, es hat schädliche Auswirkungen, wenn die gesundheitliche Bedeutung von Übergewicht und Adipositas übertrieben werden – und die meisten Redtionsdiäten (das hat Hengameh nicht geschrieben) sind in der Summe ihrer Wirkungen in Bezug auf die Gesundheit sogar leicht schädlich. Für nicht wenige (!) Dicke wäre insofern schon was gewonnen, wenn sie ihren Körper einfach akzeptieren würden und auf Fastenkuren etc. einfach verzichten würden. Gegen gesündere Ernährung spricht dann übrigens trotzdem nichts.

    Grumpy. Bzw. schlechtes, aggressives, abwertendes und selbstgerechtes Benehmen: Nein, das ist eher keine gute Idee, jedenfalls dann nicht, wenn man andere Menschen von der eigenen Meinung überzeugen will. Dummerweise scheint sich Hengameh in eine Denkweise verrannt zu haben, welche das eigene Verhalten grundsätzlich rechtfertigt, während das Verhalten (oder das bloße Existieren) anderer ebenso grundsätzlich kritisierbar ist.

    Das mag das eigenen Selbstbild stützen, aber – pardon – vielleicht ist dies in diesem Falle auch so dringend geboten, dass der Frau Hengameh die anderen Optionen eben nicht zur Verfügung stehen. Ich hoffe, ich täusche mich an diesem Punkt erheblich. Frau Hengameh hat jedenfalls, obwohl das sicher nicht ihre Absicht war, in vollem Umfang mein Mitleid erregt. Sie tut mir wirklich leid – und ich wünsche ihr einen Freundeskreis, in dem sie sich voll geborgen und angenommen fühlen kann.

    Möglicherweise ist dies sogar schon der Fall. Umso besser.

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    1. Mona

      Wieso schreibst du zuerst „Hengameh“ und dann „Frau Hengameh“? Hengameh ist ihr Vorname.
      Noch eine Frage: Hast du das Buch „Fettlogik überwinden“ gelesen? Natürlich kann jeder ungesund leben und dick sein. Ich verstehe aber nicht, wieso man sich dann darüber beschwert (und es Körperpolitik nennt) als hätte jemand einem ein Bein geklaut. Wenn man dick ist, wieso muss man dann sich selbst doof finden (so verstehe ich den Sommer-Text) und die schlanken Menschen beschimpfen? Wieso muss sie so tun als wäre Dicksein super gesund und super gut für alle Menschen, obwohl sie das selbst an sich nicht mag?

      Hmm, hab gerade die Idee, dass Sie sich vielleicht selbst „verbietet“ abzunehmen (also es nicht als Möglichkeit erkannt wird), weil sie ja dann zu den Basic Beckys gehören würde, was ja gar nicht geht nach all ihren Texten, die öffentlich sind.
      Hach, so viele Vermutungen.

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      1. Peter Meier

        Wieso ich ihren Namen falsch verwendet habe? Nachlässigkeit, pardon. Vielleicht liegt es aber auch ein Stück weit daran, dass ich diesen Namen nicht einordnen konnte. Warum sie andere Menschen (die z.B. auf Weiblichkeit und ihren Körper wert legen) beschimpfen muss?

        Keine Ahnung – vielleicht schlechte Tagesform. Oder halt der Umstand, dass diese Frauen bei diesen äußerlichen Fragen knapp zu 100 Prozent eine andere Meinung vertreten als Hengameh, und ich habe bislang nicht den Eindruck, dass diese Dame gut damit klar kommt, wenn andere Menschen andere Meinungen vertreten.

        Zur Frage: „Wieso muss sie so tun als wäre Dicksein super gesund und super gut für alle Menschen, obwohl sie das selbst an sich nicht mag?“

        Das ist eine gute Frage, aber das hat – denke ich – vor allem mit zwei Dingen zu tun. Erstens damit, dass wir alle zur selektiven Informationsverarbeitung neigen und jenen Berichten etc. mehr Gewicht beimessen, die den eigenen Standpunkt unterstützen. Den gleichen Effekt gibt es ja auch bei jenen zu beobachten, die bei moderat übergewichtigen Frauen davon ausgehen, dass dies dramatisch negative Effekte auf die Gesundheit hätte – während sie selbst z.B. nicht einmal einen regelmäßigen und ausreichenden Schlaf hinbekommen aufgrund ihrer gestressten Lebensweise.

        Wir alle sind so! Jedenfalls auf dem einen oder anderen Sektor – behaupte ich mal ganz dreist.

        So, und dann kommt bei Hengameh wohl noch ein zweiter Faktor dazu, vielleicht überwiegt dieser enorm. Hengameh hat er kannt (in Bezug auf ihre diskriminierte Peer Group und darüber hinaus), wie wichtig Selbstakzeptanz für Menschen ist – und wie wichtig es ist, sich aus den Fängen negativer Zuschreibung befreien zu können. Das ist im Kern gut verstandener Feminismus (so weit ich das überhaupt beurteilen kann…) – nur, dass sie halt an der Stelle, sozusagen im weltanschaulichen Überschwang, deutlich übertreibt und gesundheitliche Effekte des Dickseins systematisch klein redet oder ignoriert – auch, weil sie glaubt, damit quasi ein gutes Werk zu tun.

        Nunja, und sicher gibt es ja auch noch weitere Gründe oder andere Gründe, die ich im Moment nicht erkenne. Vielleicht ist eckt Hengameh einfach auch gerne an (um wahr genommen zu werden), oder es ist auch einfach der Herdentrieb, bzw. Hengamehs Anpassung an einen bestimmten Flügel im feministischen, ähm, Diskurs – der radikalfeministische „Fat acceptance“-Flügel sozusagen. Oder es sind auch einfach die Leute und Aktivisten, mit denen sie zu tun hat, an denen sie hängt. Tja, und dann käut sie halt wieder, was diese Leute, denen sie nahe ist, halt landauf und landab so denken und schreiben.

        Für die Betroffenen kann das – auch wenn es an einigen Stellen inhaltlich schlicht falsch ist – dennoch sehr befreiend sein. Das sollten wir als mitfühlende Menschen niemals unterschätzen, den Druck, der auf die Wahrnehmung von Frauenkörper (und zwar nicht nur subjektiv!) ausgeübt wird – und wie schwierig es halt ist, sich davon so halbwegs frei zu machen und sich als Mensch und Frau wieder wohl zu fühlen, wenn frau halt nicht so ins Bild passt.

        Das ist nicht einfach.

        Mit anderen Worten: Der Kampf um die eigene Emanzipation ist kein einfacher – und vielleicht ist es so (mir kommt das so vor), als ob Hengameh auch kein einfacher Mensch ist. Weil ich sonst nichts mit ihr zu tun habe und auch keinen Grund, auf sie böse zu sein (eher habe ich da echtes Mitleid, pardon), möchte ich mich nicht in den Spott einreihen, den sie mit ihren großspurigen und aggressiven Verlautbarungen heraus fordert.

        Ich bin auch nicht gerade perfekt. Auch finde ich es spannender zu versuchen, so einen Menschen bzw. seinen/ihren Standpunkt zu verstehen – als mich darüber lustig zu machen. Das heißt noch lange nicht, dass ich Hengamehs Standpunkt(e) und Auftreten sonderlich toll fände.

        😉

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