Schluss mit Ausreden!

Dieses Thema geht mir schon länger im Kopf herum, weil ich innerlich immer ein bisschen zusammenzucke, wenn jemand sagt, Fettlogik mache mit Ausreden schluss.

Die meisten sagen das in einem positiven Kontext, daher fällt es mir immer schwer, da dann kleinkariert reinzugrätschen. Ich tue es jetzt trotzdem mal, und hoffe, dass diejenigen, die die Formulierung in ihren Rezensionen oder Blogtexten verwendet haben, sich nicht auf den Schlips getreten fühlen.

Fettlogiken sind keine Ausreden! Zumindest nicht für mich. Hier mal die Wikipedia-Definition von Ausrede:

Eine Ausrede ist das Vorbringen eines nicht zutreffenden Grundes für einen vermeintlich oder tatsächlich tadelnswerten Umstand. Das von der sich äußernden Person vorgebrachte ungültige Argument dient als Entschuldigung.

Der von der sich äußernden Person zu verantwortende, als verwerflich geltende Sachverhalt, also der wirkliche Grund, soll verschwiegen werden, weil er sanktioniert würde oder von ihr als unangenehm empfunden wird. Grund für die Verwendung einer Ausrede kann ein tatsächlicher oder ein vermeintlicher Gesichtsverlust oder Schamgefühl bei Bekanntwerden des wahren Grundes, Rücksichtnahme auf die Gefühle des anderen oder die Aussicht auf Strafe sein.

Im Rechtswesen wird eine Ausrede auch als Schutzbehauptung bezeichnet.

Kurz: Wer eine Ausrede verwendet, der ist sich darüber im klaren, dass sie nicht zutrifft.

Genau das ist bei Fettlogiken allerdings eben gerade nicht der Fall. Vielmehr sind Fettlogiken ja Glaubenssätze, Mythen und Fehlvorstellungen, die tatsächlich geglaubt werden und zu einem großen Teil auch so etwas wie „Allgemeinwissen“ sind.

„Ausrede“ impliziert, dass ich 30 Jahre meines Lebens keinen Bock zum Schlanksein hatte und mir irgendwelche Vowände wie „Gene bestimmen 50-80% des Körpergewichts.“ oder „Durch Jojo-Diäten und die Schilddrüsenunterfunktion ist mein Stoffwechsel superlangsam und ich müsste mich extrem einschränken um schlank zu sein“ ausgedacht habe, um nicht schlank sein zu müssen.

Das ist Quatsch. Ich habe das vollen Herzens geglaubt und hätte jedem, der mir das Gegenteil erzählen wollte, den Kopf abgerissen dafür, mir zu unterstellen das seien „Ausreden“.

Wenn Fettlogiken mit Ausreden gleichgesetzt werden, hat das etwas anklagendes, der Marke „Du willst ja bloß nicht.“. Mich hätte das sofort instant-wütend gemacht, denn ich hatte ziemlich viele Fettlogiken sehr verinnerlicht und war dadurch auch etwas … na ja … verbittert im Bezug auf die Ungerechtigkeit, mit einem langsamen Stoffwechsel geschlagen zu sein und mir dafür dann auch noch blöde Sprüche anhören zu müssen (und mit den ganzen Fettlogik-Glaubenssätzen im Hinterkopf zählt „Iss weniger!“ zu „blöde Sprüche“, weil das in meiner Welt bedeutet hätte „Nag halt an einem Salatblatt, während die Glücklichen mit dem guten Stoffwechsel ihre drei Sahnetorten fressen.„).

Klar, je nach Stimmungslage oder Situation konnte die ein oder andere Fettlogik auch mal als Ausrede fungieren, aber ein großer Teil der Fettlogiken waren Dinge, die mich belasteten oder deprimierten und nichts, was ich freiwillig gerne glauben wollte. Sicher war es hart, mir an der ein oder anderen Stelle klarzumachen, dass ich Dinge nicht sehen wollte oder mir etwas eingeredet habe, aber das war nie bewusst oder absichtlich mit dem Ziel, mir selbst etwas vorzumachen. Ich wollte keinen langsamen Stoffwechsel oder schlechte Gene haben, ich hätte sonstwas dafür gegeben, einen normalen/guten Stoffwechsel zu haben. Und mir war auch nicht klar, wie sehr mein Gewicht mir tatsächlich schadete, auch wenn das etwas war, was ich zumindest ahnte und versuchte, wegzuschieben.

Die Reaktionen, die bisher kamen, lassen sich auch zu einem großen Teil mit „Erleichterung“, „Befreiung“ oder „Hoffnung“ zusammenfassen, zumindest sind das die Begriffe, die ich am meisten lese in Mails, Rezensionen oder Kommentare. Das zeigt mir, dass es den meisten Lesern so ging wie mir, also dass die Fettlogiken eher eine Belastung waren als etwas, das man freiwillig sucht. Ich denke auch nicht, dass Leute, die Fettlogiken tatsächlich als Ausreden verwenden, ein Buch wie Fettlogik überhaupt anfassen würden, denn das würde ja jeder Logik zuwiderlaufen. Da Ausreden etwas freiwilliges sind, gebe ich doch kein Geld dafür aus, damit Schluss zu machen.

Fazit: Statt „Ausreden“ finde ich „Mythen“, „(falsche) Glaubenssätze“ oder „Fehlvorstellungen“ wesentlich passendere Begriffe für „Fettlogik“.

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28 Gedanken zu “Schluss mit Ausreden!

  1. Wolfgang

    Ich glaube es wird langsam Zeit den Begriff der Konstruktion in die Diskussion einzuführen.Durch Erziehung, Kultur und neuerdings auch Werbung wird unser Weltbild geformt. Wie Pipi Langstrumpf machen wir die Welt wie sie uns gefällt. Ist ja nicht verwerflich. Wenn unser Leben in den Konflikt mit der Physik und Mathematik gerät wird es lebensgefährlich. Denn dann stellt man fest wie die Tatsachen liegen.
    Übergewicht macht krank und tötet dich vor der Zeit. Das wird auch nicht wiederlegt wenn jemand einen dicken 90 Jährigen findet. Obwohl ich noch keinen getroffen habe.
    Sich an einem konstruierten Weltbild festzuhalten das von den Tatsachen widerlegt ist ist allerdings eine Ausrede. Bevor wir unser Gehirn entwickelten lebten wir in einer Welt des Mangels. Dies ist aber nicht mehr so. Unser Körper hat aber noch keinen Stopschalter für den Fettspeicher gebildet. Bis die Evolution so weit ist müssen wir eben mit dem Gehirn unser Gewicht kontrollieren. Messen, wiegen und zählen, das sind die instrumente der Wissenschaft die wir mit unserem Gehirn entwickelt haben. Glauben an irgendwelche unbewiesene Dinge macht fett.
    So bevor ich noch weiter ins reden komme, einen guten Abend noch. 😉
    Gruß wolfgang

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    1. kork

      Dochdoch, die Evolution arbeitet unter Hochdruck daran, Leute mit (physisch oder intellektuell bedingtem) Fett-Stopschalter herauszuselektieren. Die ohne Stopschalter bekommen jetzt schon als Kinder Altersdiabetes – Und wuerden ohne medizinische Hilfe oftmals nicht das gebæhrfæhige Alter erreichen oder sie wæren zu krank, um eine Schwangerschaft durchzustehen. Die Evolution muss also jetzt den Hebel noch bei unser Cleverness im medizinischen Bereich anlegen. Fettlogiken sind schon mal ein Schritt in diese Richtung.

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  2. Es gibt sie aber doch, diejenigen, die sich selbst belügen und für die die Fettlogiken ausreden sind. Die kaufen sich nämlich auch nie das Buch und würden es auch nie lesen, bevor sie es verurteilen. Die die wirklich abnehmen wollten und über das Buch gestolpert sind, haben es i.d.R. als kolossale Erleichterung empfunden.

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  3. Hallo Nadja,
    ich habe den Begriff der Fettlogiken richtig interpretiert, finde deinen heutigen Eintrag aber sehr wichtig um wieder aufzuzeigen, was es mit den Logiken an sich zu tun hat.
    Da ist die Abgrenzung zur Ausrede ein guter Vergleich.
    Herzliche Grüße
    Ganga

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  4. noxneurotica

    Hm, ich hab schon ein paar Leute gesehen, wo ich mich doch frage, ob die Fettlogiken nicht zumindest semi-absichtlich sind. Das ist die Marke Hardcore-Fat-Activist. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass sich dieser „Safe Space“ rausgesucht wurde um der Realität zu entfliehen. Ich gehe davon aus, dass diese Flucht nicht bewusst ist, wie nach dem Motto „Ich bin zu faul zum abnehmen, also suche ich mir jemanden der es mir halbwegs plausibel ausredet“, aber der Unwille, von der eigenen Meinung abzuweichen ist so stark, dass sich da schon ein Selbstschutzmechanismus vermuten lässt. Man hofft da nicht auf / ist nicht zugänglich für die befreiende Erkenntnis, dass abnehmen doch geht, sondern möchte in seiner Hilflosigkeit bestätigt werden und engagiert sich entsprechend. „Ausrede“ ist da vielleicht wirklich ein ungenauer Begriff, aber „Fehlglaube“/“Irrtum“ ignoriert für mich, dass da durchaus eine aktive Komponente im Aufrechterhalten dieses Glaubens bestehen kann, es ist mehr eine selektive Faktenblindheit, die mit Überzeugung verteidigt wird.

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  5. noxneurotica

    Achja außerdem hab ich das „Schluss mit Ausreden“ auch so verstanden, dass man nach Lesen des Buches die ganze Aufschieberei mal ablegt. Also dass man erkennt, dass man jetzt sofort und heute anfangen kann abzunehmen und man es nicht erst auf den vermeintlichen besseren Zeitpunkt vertagen muss. „Ich kann nicht abnehmen wenn ich keinen Sport mache“, „Ich fang nächste Woche an, diese Woche hab ich schon verhauen, weil ich auf einer Grillparty war“, „Ich hab keine Lust ständig zu kochen“ – das sind für mich Ausreden, die nicht unbedingt nur auf Unwissen beruhen, sondern einfach auf Bequemlichkeit. Dass das Buch einem klipp und klar sagt, dass jeder Eumel abnehmen kann, mit so viel oder wenig Zeitaufwand wie er möchte, erlöst einen schon von dieser Einstiegshürde und eventuellem Perfektionsdrang.

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    1. fex1

      Ich denke auch, dass der Übergang von Echtem Glaube und Selbstbetrug ist fließend. Und oft erkennt man oft bei genauerer Betrachtung, dass gewisse Überzeugungen doch am
      Ende Wunschdenken war.
      Der kleine Teufel redet immer dann so überzeugend, wenn man kurz davor ist, aus seiner Komfortzone heraus zu kommen. Sei es beim Essensverzicht, bei sozialen Ängsten, oder bei schweren Kniebeugen. 😉

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  6. Liebe Nadja, ich mag Ihre wissenschaftliche Exaktheit – genau die gibt mir in „FL“den notwendigen Rückhalt, wenns wieder mal stagniert… Ich werde übermorgen siebzig, hab nach knapp überstandener Endokarditis (hat nix mit Dicksein zu tun, ist bakteriell) natürlich Herzinsuffizienz zurückbehalten. Mehrere der Medikamente, die ich nehmen muss, machen dick, auch Kortison war nach einer Folgeerkrankung dabei. Aber nach der Lektüre von FL gibts einfach keine Ent-Schuldigungen mehr! 12 Kilo sind schon geschafft (=10% vom Ausgangsgewicht…) – wollen doch mal sehen! Sport entfällt leider ganz, Gehen ist meistens machbar. Also Kalorienstopp! ?
    Danke für den Augenöffner, den ich in seiner klaren Form so wunderbar akzeptieren kann.
    Barbara

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  7. Entschuldigungen, für viele sind es auch Entschuldigungen, bzw. Rechtfertigungen, die es ihnen „erlauben“ sich in Selbstmitleid zu suhlen. „Ich KANN ja gar nichts gegen meine Situation machen, weil #hierirgendeineFettlogikeinsetzen#“ Ich glaube, das Buch hilft denen, die tatsächlich abnehmen wollen und es nicht nur gern tun würden…

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  8. Mona

    Interessant. Ich hab das die ganze Zeit so gesehen, wie Nadja das beschreibt. Hab es nicht so richtig einordnen können, wenn Leute von „Ausreden“ geschrieben haben.

    Für mich sind Fettlogiken falsche Vorstellungen. Ich kenn viele Übergewichtige, die sich einfach nicht vorstellen können, dass sie überhaupt dafür gebaut sind schlank zu sein. Viele Können sich auch einfach nicht vorstellen, dass man nach 40 Jahren Übergewicht noch überhaupt irgendwie zum Normalgewicht kommen kann. Sie glauben dann an so Sachen, wie schwere Knochen oder Gene, die das automatisch machen, dass man mit dem Alter oder Geburt eines Kindes zunimmt. Das wird ja immer durch andere bestätigt, also muss es wahr sein. Andere werden auch mit dem Alter dicker/unsportlicher, andere werden nach dem Berufseinstieg dicker, weil sie die ganze Zeit rumsitzen, andere werden nach dem Kind bekommen dicker. Das ist so normal, dass man nicht mal auf die Idee kommt, dass es anders geht.

    Ich finde, dass das Buch dann aufzeigt, welche Möglichkeiten einem noch offenstehen und dadurch bekommt man Hoffnung. Man sieht im Buch, dass es nichts Schlimmes ist abzunehmen und wie schlimm das starke Übergewicht werden kann, sodass es andere Krankheiten und Schmerzen auslöst oder verschlimmert. Außerdem sind im Buch auch viele Sachen, die zeigen wie man dick geworden ist. Nämlich nicht durch jeden Tag Sahnetorte futtern, sondern dadurch, dass man sich vielleicht ein bisschen zu wenig bewegt hat als früher oder regelmäßig ein Brötchen oder Cola oder sowas zu viel hatte und es sich geläppert hat über die Jahre. Ich finde vor allem die Beschreibungen mit den Krankheiten gut. Dort wird ja aufgezeigt, dass es sich positiv auswirkt, wenn man nicht übergewichtig ist, auf Depressionen, auf Fruchtbarkeit, auf Gelenkbeschwerden usw.

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    1. Ich sehe es genau so wie Nadja, für mich war das Buch eine Offenbarung, weil ich wirklich abnehmen wollte und eben auch an die Fettlogiken „geglaubt“ habe. Nur diejenigen, die das Buch eben nicht lesen wollen, es verurteilen und aufgrund ihrer Fettlogiken es gar nicht probieren, die gibt es halt. Und im Endeffekt ist doch völlig egal, ob man es Ausrede, Entschuldigung, Irrglaube oder verhängnisvoller Mythos nennt. Der Kern ist doch, will ich oder will ich nicht… abnehmen.

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  9. Irenicus

    Hmm ich denke, dass da aber bei vielen eine Teil-Komponente von „wider besseren Wissens“ dabei ist. Natürlich hat jeder Mensch diverse Fettlogiken verinnerlicht, die dann keine Ausreden sind. Zum Beispiel Salat ist gesund, der kann nicht so viele Kalorien habe (auch wenn noch Lachs und Dressing dabei ist)
    Aber so ein bisschen nutzt man die Fettlogiken doch auch als Ausrede. Denn irgendwie ist jedem klar, dass wenn er weniger isst, er auch abnimmt. Es ist nur zu anstrengend, oder man möchte nicht auf die Lebensqualität verzichten. Dabei spielen natürlich auch jede Menge unterbewusste Dinge eine Rolle. Zum Beispiel, dass die Lebensqualität halt nicht (nur) am Essen hängt, sondern auch daran, schmerzfrei zu gehen, wird einfach verdrängt bzw. wird das schmerzfreie Gehen nicht mit dem Gewicht in Verbindung gebracht.

    Trotzdem war zumindestens mir immer klar, dass ich jederzeit abnehmen könnte. Ich habe mir nur vielfach ausreden zurechtgelegt ala: „Ich fange morgen an. Dann muss ich ja heute nicht.“ Und ja, dass waren Ausreden. Mir war durchaus bewusst, dass heute anfangen, und nicht noch schnell die Torte aufessen, durchaus sinnvoller gewesen wäre.

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    1. Mona

      „Denn irgendwie ist jedem klar, dass wenn er weniger isst, er auch abnimmt.“

      Ich finde, das ist nicht so. Es gibt viele die denken, dass dann alles noch schlimmer wird, weil der Stoffwechsel dann verärgert reagiert und ganz extremes Jojo machen wird. Also manche glauben wirklich, dass auch wenn sie die ganze Zeit Sport machen und die ganze Zeit weniger essen, dass sie nicht für das Schlanksein geschaffen sind. Sie glauben nicht, dass sie das wirklich beeinflussen können, vor allem wenn sie schon schlechte Diäterfahrungen haben und immer wieder enttäuscht wurden und andere Menschen sogar noch die ganzen Erlebnisse bestätigen, dass es bei anderen auch so ist.

      „Trotzdem war zumindestens mir immer klar, dass ich jederzeit abnehmen könnte.“
      Bei mir war das auch immer so, weil ich nie mehr als 3 Jahre am Stück dick war. Ich war in meinem Leben die meisten Jahre normalgewichtig, deswegen wusste ich, dass ich es wieder werden kann. Ich kenne aber Menschen, die schon immer Übergewicht hatten, die können sich das überhaupt gar nicht vorstellen, schlank sein zu können. Für sie fühlt es sich viel wahrscheinlicher an 1 Billiarde € auf der Straße zu finden als schlank zu sein.

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  10. hotspot

    „Kurz: Wer eine Ausrede verwendet, der ist sich darüber im klaren, dass sie nicht zutrifft.“

    Viele sind sich sehr wohl darüber im Klaren, dass sie zuviel essen, zu viele Süßigkeiten. zu viel Cola etc. Sie wollen es nicht wahrhaben, weil sie ihre geliebten Gewohnheiten nicht ändern wollen.
    Ich werde immer wieder gefragt, wie ich abgenommen habe. Sage ich „kcal tracken, weniger essen, Sport“, kommt die Antwort „das könnte ich nicht“. Und das heißt nichts anderes als „ich will das nicht, weil ich mich nicht ändern will“. Im Grunde weiß jeder, dass man mit einem Kaloriendefizit abnimmt. Aber ein langsamer Stoffwechsel oder die Gene SIND eine wunderbare Ausrede, die man sogar überall nachlesen kann.

    „Ich habe das vollen Herzens geglaubt und hätte jedem, der mir das Gegenteil erzählen wollte, den Kopf abgerissen dafür, mir zu unterstellen das seien „Ausreden“.“

    Natürlich hast du das geglaubt wie so viele andere. Man glaubt halt, was einen in seinem Sein bestätigt. Und das auch gern mal wider besseres Wissen. Schließlich hat man es oft genug gelesen und von „Experten“ gehört.

    „Ich wollte keinen langsamen Stoffwechsel oder schlechte Gene haben, ich hätte sonstwas dafür gegeben, einen normalen/guten Stoffwechsel zu haben.“

    Logisch wolltest du das alles nicht. Du wolltest schlank sein, den Stoffwechsel einfach „haben“. Aber vermutlich wolltest du dich und dein Leben – wie die Meisten – dafür nicht ändern müssen. Und dafür kamen dir die Fettlogiken unbewusst ganz gelegen.

    Nun kann man natürlich diskutieren, ob eine unbewusste Ausrede eine solche ist.
    Aber das ist am Thema Ausrede auch die einzige Frage.

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    1. käse

      Die Frage ist doch eher: vor wem rechtfertigt man sich? vor sich selbst oder vor anderen?

      Person A: du willst ja garnicht abnehmen, hör auf mit den Ausreden
      Person B: Doch, ich will abnehmen. Aber nicht jetzt unter diesen Bedingungen
      Person A: Alles Ausreden

      Sorry, ich finde es nachvollziehbar wenn Person B irgendwann blockt und keine Lust mehr hat sich vor Person A zu rechtfertigen. Warum auch?

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  11. Es sind ja irgendwie die meisten hier, die vielleicht ihr Leben lang übergewichtig waren.

    Nun gehen hier einige einen neuen Weg und es ist klasse.

    Trotzdem kann man doch Empathie für sein altes Leben haben und damit auch mit anderen Übergewichtigen. Warum muss man eigentlich immer auf jemanden herabschauen? Wenn jemand nicht die Kraft hat, sich stark einzuschränken weil er/sie gerade eine anstrengende Phase hat oder weil die Person sich vielleicht einfach nicht mag und meint schlank sein geht nur für andere. Es kann tausend Gründe geben und ob sie nun eine Fettlogik ist oder tatsächlich psychologischer Natur, versuche ich nicht zu verurteilen.

    Ich wünsche jedem ein schlankes und gesundes Leben.

    Mir hat das Buch unglaublich gut getan. Trotz der wirklich harten Arbeit gebe ich nicht auf. Doch ich kenne einige Menschen und auch bei mir Phasen da hätte ich das nicht durchgehalten. Da hilft mir das Buch jetzt sehr. Doch vor dem Buch hatte ich vielen Experten geglaubt und in meinem dicken Umfeld ist es auch normal wie viel man isst. Für mich wird es ein sehr langer Weg sein.

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    1. Irenicus

      „Trotzdem kann man doch Empathie für sein altes Leben haben und damit auch mit anderen Übergewichtigen. Warum muss man eigentlich immer auf jemanden herabschauen? “
      Ich schaue nicht auf mein altes Ich herab. Aber ich finde es doch sehr hilfreich zurückzuschauen, und zu sehen, warum ich etwas getan habe.
      War man einfach nur zu faul, oder hat man tatsächlich das falsche geglaubt und dann danach gehandelt. Den entsprechenden Erkenntnisgewinn, kann man evtl. auch auf andere Gebiete übertragen. Wenn es nur Ausrede für die Faulheit war, dann sollte man mal bei andren Dingen nachschauen, ob man nicht woanders auch einfach nur faul ist. Und andersrum, bei Falschinformation heißt das, dass ich auch auf anderen Gebieten vielleicht mal genauer hinschauen müsste und mcih anders (bzw. besser) informieren muss.

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      1. Ich glaube nicht, dass Sylvia meinte, dass man empathielos auf sich selbst zurück schaut, sondern es ging vermutlich um Empathie gegenüber anderen (immernoch) Übergewichtigen, die es eben aufgrund irgendwelcher individuellen Lebensumstände trotz allem nicht packen, sich aufzuraffen und abzunehmen…

        Denn auch wenn vielleicht tatsächlich eigentlich wirklich jeder abnehmen könnte (rein vom Vorgang ansich her), ist trotzdem jeder Mensch individuell einzigartig, und wenn zb jemand psychisch so kaputt ist, dass er/sie die Energie dazu trotz größtem Wunsch, schlank zu sein, einfach (derzeit) nicht aufbringen kann, muss man doch nicht irgendwie immer so in diese Richtung treten, den Leuten latent dieses Gefühl zu vermitteln, dass sie nur faule und charakterschwache Looser sind, die sich irgendwas einreden oder bestimmte Mythen nur zu gern glauben…

        Manche würden vllt auch nie sagen, dass sie aus diversen Fettlogik Gründen nicht abnehmen könnte – sondern sie sagen vllt „ich muss in dieser Phase meines Lebens andere Prioritäten setzen, ich möchte mir diese Qualen jetzt gerade nicht auch noch antun, dazu reicht meine innere Kraft nicht“…

        Das sind weder Ausreden noch Blindgläubigkeit, sondern ehrlich abgewogene Fakten…, und andere Entscheidungen zu treffen, sollte man vllt trotz eigenem Abnehm-Erfolg anderen auch noch zugestehen?!

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  12. IULIUS

    Selbstverständlich sind Fettlogiken allesamt Ausreden. Ausreden dafür, sich nicht ändern zu wollen, bzw. für die eigen mangelnde Selbstdiszipin.

    Ich jedenfalls kenne niemanden, der sich nicht im Klaren ist, daß die Menge des Essens unmittelbar mit dem Gewicht zusammen hängt. Fettlogiken sind halt eine gesellschaftlich akzeptierte Ausrede.

    Wenn jemand wirklich ehrlich zu sich selber ist wird er zugeben, daß er immer wußte, daß er sein Gewicht durch sein eigenes Verhalten beeinflussen kann.

    Das Buch regt zum Nachdenken über seine Ziele an, es ändert die Prioritäten.

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  13. Trauerkloß

    Ich habe viele Fettlogiken wirklich geglaubt! Z.B. hatte ich Angst davor, dass ich mir durch Diäten, den Stoffwechsel ruinieren kann. Wie ein fieser Countdown, der einen mit jeder gescheiterten Diät näher an den Punkt bringt, wo das Übergewicht unwiderruflich bestehen bleibt. Es schien mir also gefährlich, eine Diät anzufangen, wenn ich mir nicht hundertprozentig sicher war, sie bis zum Erreichen des Normalgewichts durchzuhalten.
    FLÜ hat mir die Möglichkeit gegeben, diese und andere Ängste hinter mir zu lassen und mich mit den tatsächlichen Problemen beim Abnehmen zu beschäftigen. Denn es ist ja nicht so, dass man „nur“ weniger essen braucht.

    Ich habe vor einigen Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Die „Raucherlogiken“ (soo schädlich ist es gar nicht, ohne Raucherpausen hätte ich nie mal 5 Min. Ruhe) hatte ich schon viele Jahre davor aufgegeben. Das allein hat nicht gereicht um „einfach nicht mehr zu rauchen“. Mein Mann war ebenfalls Raucher und ich habe es nicht geschafft, meine Sucht aufzugeben, während er weiterrauchte. Ich habe es tatsächlich erst geschafft, als wir uns getrennt haben (übrigens nicht wegen des Rauchens).

    Dass ich mir dieses massive Übergewicht angegessen habe, hat Gründe und Faktoren, die das Abnehmen erschweren gibt es auch genug:
    Ich habe Depressionen und nehme Medikamente, die für ein verstärktes Hungergefühl sorgen.
    Die Depressionen mindern meinen Antrieb, so dass ich mich kaum noch bewege.
    Ich bin neben meiner chronischen Depression auch noch mit aktuellen schweren Problemen konfrontiert, die mich sehr fordern, so dass ich mich frage, ob ich im Moment Teile meiner begrenzten Kraftressourcen für eine Diät aufwenden kann.
    Es gibt dank der Depressionen nur wenige Dinge, die ich noch genießen kann; eines davon ist: Essen.
    Ich muss so unglaublich viel abnehmen um mein Zielgewicht zu erreichen, dass ich dafür über ein Jahr veranschlagen muss und ich schaffe es nicht über einen so langen Zeitraum konsequent Disziplin zu üben. Versagen ist somit sehr wahrscheinlich.

    Doch diese Probleme sind überschaubar, wenn man sich nicht mehr um die ganzen Fettlogiken Gedanken machen muss.
    Ich habe Lösungen für meine Probleme gefunden:
    Ich kombiniere Kalorienzählen mit Lowcarb und kann dadurch vergleichsweise große Mengen essen und der Blutzuckerspiegel sinkt nicht plötzlich ab.
    Ich habe mir bewusst gemacht, dass meine Antriebslosigkeit womöglich abnimmt, wenn Bewegung nicht mehr so anstrengend wegen des Übergewichts ist.
    Das Gleiche gilt für meine Kraftreserven; Abzunehmen kostet zwar Kraft, aber das Übergewicht schränkt meine Leistungsfähigkeit eben auch sehr ein.
    Während ich früher nur Wasser trank, gönne ich mir inzwischen Cola zero und andere Diätsprudel um entgangene Essensfreuden zu kompensieren.
    Ich halte keine anderthalb Jahre konsequente Diät durch-aber 6 Tage! Einmal pro Woche gibt es einen Schummeltag.
    Ich habe vor 5 Monaten mit 150 kg begonnen.
    Jetzt sind es noch 123 kg.

    Abnehmen mag einfach sein, aber leicht ist es nicht.

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    1. Mona

      Danke, dass du deine Sicht aufgeschrieben hast. Ich finde dich ein tolles Vorbild. Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft!

      Bei chronischen (rezidivierenden) Depressionen überlege ich mir ganz genau, ob es mir durch die Tabletten, die sehr viel Hunger machen, besser oder schlechter geht. Ich hab so lange die Medikamente gewechselt bis ich welche hatte die zwar nicht so extrem gut geholfen haben (aber noch gut genug), aber mich trotzdem erleichtert haben, weil der Hunger wieder normal war. Ich probiere jedes Medikament mindestens 3 Monate, auch wenn es hart ist. Ich hab mit dem extremen Hunger über ein Jahr lang ausgehalten und 20 kg zugenommen, obwohl ich mich so gut ich konnte schon zusammengerissen habe, weil die Tabletten gegen Angst und Depression so gut geholfen haben. Es ist wie überall im Leben eine Kosten-Nutzen-Analyse. Ich war irgendwann nicht bereit mich so extrem zusammenzureißen und den extremen dauernden Hunger auszuhalten. Mir war der Nutzen zu gering dafür, was ich alles dafür „bezahle“. Ich war halt bereit die ganzen Anstrengungen in einem Medikamentenwechsel und in das Risiko, dass die Depression schlimmer wird, zu investieren, um diesen starken ständigen Hunger weg zu bekommen.

      Das ist natürlich nicht für jeden empfehlenswert.

      Ich war halt in dem Moment so verzweifelt, dass ich lieber eine schlimme Depression aushalten wollte als diesen ständigen starken Hunger noch länger aushalten zu müssen. Das muss man sich selbst überlegen, was einem selbst am meisten hilft. Bei einem Medikament war ich bereit 4 Monate starke Unruhe auszuhalten, um meine Stimmung ein kleines bisschen zu heben. Beim anderen war ich bereit über ein Jahr ständig Hunger zu haben, damit die Depression nicht mehr so schlimm ist und irgendwann hat es gewechselt und ich war bereit die Depression auszuhalten, um den Hunger nicht ständig so stark zu haben. Ich wähle quasi immer das kleinere Übel und überlege mir, ob es langfristig besser ist das größere Übel auszuhalten. Kurzfristig zu denken bringt einen bei sowas meistens nicht weiter, finde ich. Wenn ich immer kurzfristig denken würde, würde ich den ganzen Tag im Bett verbringen, was langfristig gesehen eine sehr schlechte Sache für mich wäre. Deswegen stehe ich jeden Morgen auf und lege mich erst abends wieder hin, weil es langfristig gut für mich ist, obwohl es im Augenblick sehr schwer fällt.

      Hmm, ich merk gerade, dass ich gern im Forum mitmachen würde, weil es mir Nutzen bringt, aber ich bin einfach nicht bereit so viel Zeit dafür herzugeben, wie ich zum Lesen und Schreiben bräuchte.

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  14. Trauerkloß

    Danke für den netten Zuspruch hier! 🙂

    Wie meine Leidensgenossin schreibt, hat man bei chronischen Depressionen oft nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Das macht das Abnehmen schwer-und das ist keine Ausrede!
    So hilfreich es auch ist zu wissen, dass nicht die Medikamente dick „machen“, sondern der Zusammenhang von Energiezufuhr und Energieverbrauch unverändert bleibt, so wichtig ist es auch, sich bewusst zu machen, dass das vermehrte Hungergefühl es einem tatsächlich schwerer macht, das Essen einzuschränken. Das hilft einem, sich realistische Ziele zu setzen und natürlich wäre es gerade für Depressive kontraproduktiv, wenn sie den Eindruck hätten, Schwierigkeiten beim Abnehmen wären nur ein Zeichen von Faulheit und mangelnder Selbstdisziplin.
    Selbstdisziplin ist eine begrenzte Ressource und bei Depressiven ist sie häufig schon mit Aufstehen, Waschen, Anziehen verbraucht.
    Umso motivierender ist es, wenn man die Schwierigkeiten überwindet.

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