Freitagssammlung

Wir hatten schon länger keine Linksammlung mehr, aber da mir in letzter Zeit einiges über den Weg lief oder mir zugeschickt wurde (danke!), sammle ich heute mal wieder:

Auf Twitter begegnete mir gestern folgende Studie, die die Sterblichkeit im Bezug zum BMI über mehrere Jahrzehnte verfolgte. Das Ergebnis der Autoren:bild

A BMI in the 50th to 74th percentiles, within the accepted normal range, during adolescence was associated with increased cardiovascular and all-cause mortality during 40 years of follow-up. Overweight and obesity were strongly associated with increased cardiovascular mortality in adulthood.

Also bereits ein BMI am oberen Rand des Normalen während der Jugend war später mit steigender allgemeiner und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit korreliert. Das sind jetzt natürlich erstmal nur Korrelationen, aber der Zusammenhang zwischen höherem Gewicht im jungen Alter und höherer Sterblichkeit fällt sehr deutlich aus.

Recht eindeutig in diese Richtung zeigt auch eine neue Studie zur Adipositaschirurgie. Insgesamt fast 49.000 Patienten, von denen rund die Hälfte sich einer Magenverkleinerung unterzogen hatte, während die andere Hälfte dies nicht getan hatte, zeigte eine starke Verringerung der Sterblichkeit, insbesondere der Herz-Kreislauf- und Krebsbedingten Todesfälle bei den Operierten. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass die Operation nicht unumstritten ist und einen sehr schwerwiegenden Eingriff mit hohem Risiko und einigen schweren Nebenwirkungen darstellt. Auch gibt es Hinweise darauf, dass das Suizidrisiko nach der OP ansteigt. Und dennoch war die generelle Lebenserwartung trotz dieser Faktoren deutlich höher nach der OP.

Gesundheit und Abnehmen ist entgegen vieler Behauptungen kein neues Phänomen. Hier der Link zu einer Seite, die eine Sammlung idiotischer Diäten in den letzten Jahrhunderten zusammengestellt hat. So neu ist die lucky-300x300Kohlsuppendiät beispielsweise gar nicht, immerhin wurde sie schon 175 Jahre vor Christus so in etwa durchgführt. Nur dass man nicht nur Kohl essen sollte, sondern auch den Urin von Leuten trinken sollte, die viel Kohl aßen. Und ich fand die Kohlsuppendiät schon ätzend… Dass 1929 empfohlen wurde, lieber zur Zigarette statt zur Süßigkeit zu greifen, ist aus heutiger Sicht wohl auch nicht mehr sooo ein guter Rat. Von Arsen und Bandwürmern wollen wir gar nicht anfangen.

Dabei hatte man laut Ask the Past bereits 1330 gute Ratschläge zum Abnehmen:

“They should eat foods of little nourishment, great bulk, and quick digestion, and often bathe before they eat… they should eat many vegetables with sharp vinegar dressings… they should exercise frequently and swiftly before eating, and tolerate hunger. They should accustom themselves to eating once a day and sleeping less, and they should drink old and fine wine…. sleeping little and in a hard bed, frequent sex, and spending time in the sun and in warm houses all make a fat body become slender.”

 

Zur Zeit steht England ja eher wegen Brexit im Fokus, aber vor einigen Tagen gab es einen Artikel über das Verbot von „bodyshamenden“ Anzeigen, wie etwa das Plakat „Are you beach body ready?“:

Adverts which put Londoners under pressure over body image are to be banned from the Tube and bus network.

Sadiq Khan announced that Transport for London would no longer run ads which could cause body confidence issues, particularly among young people.

The Mayor, a father of two teenage daughters, warned the ads could “demean” women and encourage them to conform to unrealistic or unhealthy body shapes.

Was unrealistische Körperformen anbelangt, könnt ihr hier auf 9Gag eine Sammlung von Menschen sehen, die allesamt den unrealistischen Standards erlegen sind.

Ich habe gestern ebenfalls auf Facebook ein Vorher-Nachher-Foto gepostet, da mir bei der krasserscheissSuche nach Hausfotos ein Foto meines Beins in die Hände fiel. Erst auf den zweiten Blick fiel mir auf, dass ich damals wohl ein Foto des geschwollenen Knies machen wollte. Ich erinnere mich, wie jede Bewegung wahnsinnig weh tat und ich gleichzeitig keine Krücken hatte, die die 150 kg tragen konnten, so dass ich jedes Mal schon unerträgliche Schmerzen hatte, wenn ich nur die paar Meter von der Couch zur Toilette zurücklegen musste. Wenn ich dann Artikel wie den gestrigen in der Vice lese, mit Aussagen wie: „Dicke Menschen machen nicht automatisch weniger Sport oder essen mehr, sondern die Fettschicht unter der Haut ist ein genetisch definiertes Baumerkmal.“ denke ich daran zurück, wie ich das selbst jahrelang so geglaubt und verbreitet habe. Dummerweise hat mein Knie das Memo über den genetischen Bauplan wohl nicht bekommen und fand das massive Übergewicht buchstäblich „nicht tragbar“.

Das ist übrigens auch so ein Grund, warum ich auf manche Aussagen empfindlicher reagiere. So ist es durchaus völlig legitim, wenn jemand einen bestimmten optischen Geschmack hat, aber gewisse Dinge, kommen bei mir dann einfach so an:

AU

Umso mehr freut es mich, wenn Leute Fettlogik lesen und es zwischenzeitlich sogar auf Verkaufsrang 21 bei Amazon war.

rang21

Mittlerweile ist es in der 6. Auflage und das Forum hat schon fast 1000 Mitglieder. Dafür ein Danke an euch. Die Facebookgruppe hat, wie mir mitgeteilt wurde, ihr zusammen verlorenes Gewicht berechnet, und kam auf ein verlorenes Nilpferd. Es freut mich unendlich, wenn ich mir vorstelle, dass ich einigen vielleicht mein eigenes „auf die Fresse fallen“ ersparen kann.

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3 Gedanken zu “Freitagssammlung

  1. she_lo

    Bei manchen Leuten ändert sich nicht nur die Optik, sondern auch ein Teil der Persönlichkeit, wenn sie schlank sind. Man traut sich vielleicht mehr und ist extrovertierter als zuvor und nicht mehr so „nett und pflegeleicht“ wie als dicke Person. Als ich mit Anfang 20 zum ersten Mal richtig dünn war, wurde ich auf einmal zur Konkurrenz für meine Freundinnen, obwohl ich mich nicht offensiver verhielt als zuvor und natürlich immer noch „ich“ war. Dh solche Aussagen müssen nicht zwangsläufig immer was mit dem Aussehen zu tun haben.

    Da man als einzige ja im eigenen Körper steckt und vieles von einer ganz anderen Warte sieht, sind Missverständnisse wohl auch unvermeidlich. Dein Beispiel, was jemand sagt und was du raushörst, kann ich gut nachvollziehen.

    Krasse links und Fotos btw. Unfassbar was manche da geschafft haben und wie toll alle aussehen. Ich hab so einen unglaublichen Respekt vor diesen Leuten, weil ich mich nur mit ein paar kilos rumschlage und mir kaum vorstellen kann wieviel Kraft es braucht, eine so große transformation zu vollziehen.

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  2. nessii31

    Wie viele Bücher sind in einer Auflage, wenn du jetzt schon in der 6. bist? Auf jeden Fall ein Riesenerfolg! Die historischen Diäten fand ich echt interessant, ich glaube, da bleibe ich lieber beim Kalorienzählen und Sport machen…

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