Gastbeitrag: EDNOS und Fettlogik(en)

Auf den heutigen Gastbeitrag freue ich mich schon länger, umso netter war die Überraschung, ihn heute früh im Postfach zu finden. Kazuya hat mir schon vor einigen Monaten geschrieben und über ihre Erfahrungen mit EDNOS (Eating Disorder Not Otherwise Specified, also eine Essstörung, die nicht die spezifischen Kriterien für Bulimie oder Anorexie erfüllt) erzählt, war dann aber erstmal beschäftigt mit einem Japan-Aufenthalt und allerlei anderer interessanter Dinge (über die sie in ihrem Blog schreibt). Das Warten hat sich allerdings gelohnt:

Da mir „Fettlogik“ nicht nur allgemein, sondern auch im Bezug auf meine EDNOS sehr weitergeholfen hat, habe ich Nadja neulich vorgeschlagen, ein paar Worte darüber zu verlieren und hoffe, dass ich das einigermaßen lesetauglich über die Bühne bekomme😀

Vorweg möchte ich sagen, dass ich natürlich nur von meinen eigenen Erfahrungen berichte und dass sich Essstörungen in so vielen verschiedenen Ausprägungen zeigen können, dass ich hier nichts verallgemeinern möchte. Natürlich kann es sein, dass man so tief im essgestörten Denken drin steckt, dass einem auch Fakten nicht mehr weiterhelfen.Ich denke jedoch, dass es auch für viele Betroffene hilfreich sein könnte, sich fundiertes Wissen zum Thema Ernährung und Gewicht anzueignen, weil weitverbreitete Mythen wie „Hungerstoffwechsel“, „gute/schlechte Futterverwerter“ oder „Jojo-Effekt“ schon bei Nicht-Essgestörten, die „nur“ aus ästhetischen Gründen etwas abnehmen möchten, Verzweiflung hervorrufen können, und wenn das Abnehmen mit noch mehr Druck und Emotionen behaftet ist, dann ist diese Verzweiflung umso größer und kann dazu führen, dass man seine Gesundheit noch mehr als ohnehin aufs Spiel setzt. Primär gehe ich darauf ein, wie Fettlogiken den Verlauf meiner Essstörung beeinflusst haben, und darauf, inwieweit mir persönlich die neuen Erkenntnisse aus „Fettlogik“ beim Erreichen meines Zielgewichtes trotz bzw. mit der Essstörung helfen. Daher vermute ich, dass sich vor allem Leser angesprochen fühlen werden, die sich im Normal- oder Übergewicht befinden und ihr Gewicht reduzieren oder nach einer Reduktion halten möchten.

Zuerst möchte ich aber noch ein paar Worte zu meiner Vorgeschichte verlieren:

Ich würde mich nicht als eine „typische Essgestörte“ bezeichnen, auch wenn es so etwas vermutlich sowieso nicht gibt. Ich meine damit, dass Essen bei mir schon, seit ich denken kann, ein Konfliktthema war, d.h. dass ich denke, dass die Ursachen für das gestörte Verhalten auch hierin liegen, und zwar teilweise, aber nicht ausschließlich ein Ventil für andere Probleme darstellen.

Leider war mir irgendeine Form der Essstörung quasi in die Wiege gelegt. Zum einen hatte ich schon immer einen sehr großen Appetit (und mit „schon immer“ meine ich, dass das den Ärzten schon 3 Tage nach meiner Geburt aufgefallen ist) und komme damit nach meinem Vater, während meine Mutter in der Hinsicht das genaue Gegenteil von mir ist. Nicht selten kommt es vor, dass sie über Stunden vergisst zu essen und ihr dann schwindlig wird, und irgendwer ihr dann einen Schokoriegel oder etwas Ähnliches organisiert. Dazu kommt noch, dass sie aus dem Grund auch relativ schlecht über das Thema Abnehmen informiert ist und nur die typischen, irrtümerbehafteten „Eckdaten“ aufschnappt, wie dass manche essen und essen können und nicht dick werden, und andere sofort von allem zunehmen, dass die Gene einen sehr großen Einfluss auf die Figur haben, und dass sie Dicksein mit Trägheit und Disziplinlosigkeit assoziiert – einfach, weil sie wegen ihrer Veranlagung schlichtweg nicht nachvollziehen kann, wie jemand nach einem Stück Schokolade nicht aufhören kann zu essen, oder vielleicht auch einfach unterschätzt, was er zu sich nimmt. Diese Fettlogiken trug sie natürlich an mich weiter, und so glaubte ich schon in der Grundschule, dass ich einfach fürs Dicksein „gemacht“ sei.

Das hat dann natürlich seit meiner frühesten Kindheit (ich erinnere mich, dass es bereits im Kindergarten ein Konfliktpunkt war) zu Streit um das Thema Essen geführt, weil sie schon früh sehr penibel darauf geachtet hat, was und wie viel ich esse. Auch durfte ich zum Beispiel nicht ins Ballett, weil ich mich laut ihr dort vor den schlanken Mädchen lächerlich machen würde. Mit ca. 7 Jahren wog ich dann 34 kg auf 1,34m, „leicht adipös“ laut Kinderarzt.

Es dauerte also nicht lange, da wollte ich „von mir aus“ abnehmen, weil ich auch in der Schule das Ziel von Hänseleien war. Ich erinnere mich daran, dass ich mit ca. 7 1/2 Jahren in den Turnverein kam und mich auch deshalb darüber freute, weil ich hoffte, so abnehmen zu können. Oder daran, dass ich bei meiner Oma (die mich, typisch Oma eben, immer vollstopfte) in der Fernsehzeitung las, dass Apfelessig den Stoffwechsel anrege und man so abnähme, und ich das dahingehend interpretierte, dass ich vor jeder Mahlzeit 3 EL Apfelessig herunterwürgte und dann alles in mich hineinstopfte, worauf ich Lust hatte, weil ich dachte, es würde so nicht ansetzen. Als ich 10 war, dachte sich meine Mutter eine Diät für mich aus, in der ich 2 Wochen lang nur Produkte unter einem bestimmten Fettanteil essen durfte, und tatsächlich nahm ich dann in der Zeit 2 Kilo ab (unnötig zu erwähnen, dass ich seit dem 7. oder 8. Lebensjahr mehr oder weniger regelmäßig ein Gewichtsprotokoll führe). Da ich aber von Ernährung keine Ahnung hatte und meine Mutter wie gesagt so appetitlos ist, dass sie sich nie damit beschäftigen musste, war natürlich alles in wenigen Wochen wieder drauf.

So gesehen war ich eigentlich schon immer irgendwo ‚essgestört‘ (im wahrsten Sinne des Wortes – ich aß, und man störte mich dabei xD), aber verschärft hat sich das Ganze Juni 2006 im Urlaub. Da waren wir (Mutter, Stiefvater und meine Wenigkeit) mit zwei befreundeten Familien im Urlaub in der Toscana. Ich war damals 12, und hatte ca. 57 kg auf 1,60m. Im Urlaub freundete ich mich mit der Tochter der einen Familie an und da sie knapp 20 kg weniger wog als ich, wurden wir öfter miteinander verglichen. Und natürlich war das Thema Essen auch diesmal von Seiten meiner Mutter wieder omnipräsent.

Nach dem Ende der ersten Urlaubswoche machte es „klick“ und ich hungerte mir auf ungesundeste Weise 4 Kilo herunter. Also ungesund im Sinne von einer Banane, einer lächerlich kleinen Portion Müsli und einem Klecks Abendessen am Tag bei einem Sportprogramm von Tischtennis, Schwimmen und Radfahren plus beinah täglicher Ausflüge in der prallen Sonne. Aber diesmal intervenierte keiner- ich wurde sogar noch angespornt. Nach dem Urlaub ging es so weiter, bis schließlich bei 48 kg der Heißhunger kam. Dann hungerte ich wieder, dann bekam ich wieder Heißhunger. Und so weiter.

Um es zusammenzufassen, ich hatte über die letzten zehn Jahre Gewichtsschwankungen von bis zu 20 Kilo, inklusive verschiedener Gegenmaßnahmen von ca. 2006-2012.  Derzeit bin ich bei 71,8 kg bei einer Größe von 1,67m (das höchste Gewicht, was ich hatte, waren 79,2 kg), möchte ins untere Normalgewicht (um die 55 kg) und habe es unter anderem dank meiner Zahnarztangst geschafft, von den Gegenmaßnahmen wegzukommen. Der Druck, was das Thema Essen angeht, war allerdings weiterhin präsent. Und hier kommen wir nun zum Einfluss von „Fettlogik“.

Mein Diätrepertoire ist, wie bereits angedeutet, breiter als mein Hintern. Vor allem seit 2013, als das mit meiner Schilddrüsenunterfunktion anfing und mein Gewicht nach oben schnellte, habe ich alles Mögliche und Unmögliche an Diäten und „Ernährungskonzepten“ ausprobiert.

Es begann mit Almased, was ich aber nicht lange durchhielt. Und was meinen Stoffwechsel nicht „reparierte“ (an dieser Stelle musste ich an Nadjas Diät-Anekdote denken ^^). Dann kam Schlank im Schlaf, was der allerletzte Bullshit für mich war, weil ich eigentlich nicht gerne frühstücke und weil ich einen relativ unregelmäßigen Tagesablauf hatte, was regelmäßig mit den angegebenen Essenszeiten kollidierte und ich dann total gestresst war, weil ich ständig Essen mit mir herumschleppen musste und nie spontan irgendwohin gehen konnte. Vor allem die Abendmahlzeiten, die ja „Low Carb“ sein mussten, waren sehr stressig. Und da es keine Mengenbeschränkung gab, war die Abnahme auch… sagen wir mal, überschaubar.  Dann versuchte ich, komplett auf Low Carb umzusteigen, was aber daran scheiterte, dass mein Heißhunger auf Brot, Nudeln & Co. einfach zu groß war. Noch dazu verlor ich wegen meines großen Appetits auch kaum Fett, sondern eigentlich nur Wasser, was zu Folge hatte, dass nach ein paar Tagen auch gleich alles wieder drauf war und ich dachte, ich müsse mich bis an mein Lebensende weiter Low Carb ernähren, wenn ich schlank werden und bleiben wolle- und das war eine deprimierende Aussicht.

Apropos Wasser: Wassereinlagerungen waren eigentlich schon immer der Tod für sämtliche Abnehmvorhaben (und Anlass für einige Dummheiten). Da ich mich relativ unausgewogen ernährt habe, konnte es leicht passieren, dass trotz lächerlicher Mengen mehrere Tage hintereinander mehr auf der Waage stand oder das Gewicht stagnierte. Da ich aber von den Ursachen dafür keine Ahnung hatte, befürchtete ich, ich wäre entweder im Hungerstoffwechsel oder einfach ein seeehr guter Futterverwerter (wie auch immer das funktionieren sollte ^^) oder ich hätte mir den Stoffwechsel komplett ruiniert. Da dachte ich mir immer „Wenn ich esse und zunehme, und wenn ich fast nichts esse und auch zunehme, kann ich genausogut wieder mehr essen, ist eh egal“ und habe die Diät aufgegeben. Dass ich dann meistens kurzfristig die Wasserkilos wieder verloren hatte, sah ich als Bestätigung. Eigentlich hatte ich (von der psychischen Komponente abgesehen) den „klassischen“ Diätverlauf, der auch im Buch beschrieben wurde.

Andersherum bekam ich ebenfalls Panik, wenn das  Gewicht am nächsten Tag um 1 oder 2 Kilo angestiegen war, weil ich am Tag zuvor sehr ungesund gegessen hatte. Auch hier habe ich entweder resigniert aufgegeben oder, in den Zeiten als es mir psychisch schlechter ging, zu Gegenmaßnahmen gegriffen. Ich weiß noch, dass ich eines Tages mal wieder vor der Waage stand und mir dachte, scheißegal, was es ist, wenn man mir eine Methode gibt, wie ich sicher auf das Gewicht komme, auf das ich kommen will – ich mach es. Dass es das Naheliegendste überhaupt sein würde, sprich, einfach weniger Kalorien zuzuführen, als zu verbrennen, darauf wäre ich im Traum nicht gekommen.

Für den Otto-Normalverbraucher sind solche Erfahrungen schon unglaublich blöd. Wenn man allerdings noch aus körperlichen oder psychische Ursachen unter Druck steht, ist es eine doppelte Belastung. Ich habe selbst erlebt, wie mich falsche Annahmen in noch krankhafteres Verhalten getrieben haben und denke mir, dass es mir vieles erspart hätte, wenn ich einiges einfach schon früher gewusst hätte. Natürlich ist es von Person zu Person verschieden, aber ich denke, ich hätte zumindest nicht so oft zu Gegenmaßnahmen gegriffen, wenn ich z.B. gewusst hätte, dass diese Packung Chips nicht einmal ein halbes Kilo Fett ausmacht und ich nicht morgen als Jabba the Hut aufwache, nur weil ich einmal über meinen Bedarf gegessen habe.

Neben der Erfahrung, dass Fettlogiken im Bezug auf die Essstörung  Öl ins Feuer kippen können, habe ich auch den Eindruck gewonnen, dass gerade Menschen mit Essstörungen unglaublich viele Fettlogiken kennen. Vermutlich auch, weil viele von uns sich sehr eingehend zum Thema Ernährung informieren und dann unweigerlich an diesen Mythen „hängenbleiben“, weil sie eben von sehr vielen Quellen verbreitet werden und man dann dazu tendiert zu denken, dass es schon stimmen wird, wenn man wirklich fast überall das gleiche liest.

Ich bin seit 2012 in Foren für Essgestörte unterwegs und habe dort schon alles Mögliche an Fettlogiken gelesen. Beispielsweise gab es total viele Mitglieder (mich eingeschlossen), die meinten, sie hätten ihren Stoffwechsel kaputtgemacht und könnten nie wieder normal essen, ohne gleich zuzunehmen. So gut wie alle hatten bestimmte Ernährungsregeln, die bestimmt zu einem großen Teil störungsbedingt waren, aber allesamt auf Fettlogiken basierten. Wie zum Beispiel „unbedingt frühstücken“, „abends keine Kohlenhydrate“, „nach X Uhr nichts mehr essen“, und natürlich war dann die Verzweiflung groß, wenn eine dieser Regeln mal nicht eingehalten werden konnte. Und zwar – und das ist der Punkt – nicht nur, weil eine selbst aufgestellte Regel nicht eingehalten werden konnte, sondern vor allem, weil wir trotz eines Kaloriendefizits sofort befürchteten, automatisch zuzunehmen, weil wir z.B. so spät abends noch eine Scheibe Brot gegessen hatten.

Ich kann, wie gesagt, nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen. Aber mir hat das Wissen darüber, wie Abnehmen wirklich funktioniert, in zwei Punkten sehr geholfen. Im Bezug auf die Essstörung verhindert es einige negative Denkmuster und Gegenmaßnahmen, und erspart mir vieles an Stress und Paranoia. Wenn ich zum Beispiel mal von meinem Kalorienziel abweiche oder doch etwas esse, was nicht geplant war (z.B. mir ein Stück Schokolade aufschwatzen lasse), dann weiß ich, dass ich davon nicht auseinandergehen werde und kann mir sagen, okay, dann ist das Defizit heute nicht 800 Kalorien, sondern 700, und das sind immer noch 100 Gramm Fett weniger. Außerdem kann ich so viel flexibler sein und mir hilft es sehr, auch mal spontan über eine Mahlzeit entscheiden zu können und nicht an irgendwelche Regeln gebunden zu sein. Genauso gerate ich nicht mehr aus dem Konzept, wenn ich mich mal (aus welchem Grund auch immer) überfressen habe. Klar geht es mir danach nicht gut, aber ich kann mich dann damit trösten, dass ich das über kurz oder lang wieder ausgleiche, und mir hilft das Wissen, dass ich dann eben am nächsten Tag 2 Kilo mehr wiege, aber nur ein Zehntel davon Fett ist. Und dann kann ich eben auch sagen, „ok, dumm gelaufen, morgen ist ein neuer Tag“, anstatt komplett auszuflippen. Der Punkt hierbei ist, dass mein Gedankenkarussell gegen wissenschaftliche Fakten einfach nicht ankommt. Physik ist Physik, und dagegen kann man nicht argumentieren. Ein schlechtes Gefühl bleibt manchmal, aber eben nicht die unsinnige Angst, von einer zweiten Kelle Nudeln aufzugehen wie ein Hefeteig.

Der zweite Grund ist, dass „Fettlogik“ mir klar gemacht hat, dass ich auf nichts verzichten muss. Das ist insofern ein tolles Gefühl, weil ich mich mit dem Essen einschränken musste, seit ich denken kann. Dass das Abnehmen keine Frage der Einschränkung, sondern eine Frage der Planung ist, hat mir einiges erleichtert. Ich weiß, wenn ich Appetit auf eine Pizza habe, kann ich sie essen. Dann plane ich sie spontan ein und richte meine anderen Mahlzeiten danach, oder ich plane sie für den nächsten Tag ein und erziele am heutigen Tag ein höheres Defizit.

Morgen zum Beispiel gehe ich mit meinen Freunden picknicken. Es wird Sushi, Kekse, Muffins und Süßigkeiten geben. Und ich werde ohne schlechtes Gewissen essen können, nicht nur weil ich heute ein gutes Defizit erreicht habe, sondern auch, weil ich weiß, dass ich es innerhalb von 1-2 Tagen wieder ausgleichen könnte, wenn mein Defizit für morgen nicht „vorgesorgt“ hätte. Früher wäre das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Entweder hätte ich mich mit einer Magenverstimmung herausgeredet und den ganzen Tag an einem Sushiröllchen herumgekaut, oder ich hätte mich in einem Anflug von Resignation bis zum Rand vollgestopft und mich danach mies gefühlt.

Noch dazu reizen mich ungesunde Lebensmittel einfach nicht mehr so. Früher waren Dinge wie Pizza oder Burger etwas „Verbotenes“ für mich, und darum hatte ich umsomehr das Verlangen danach. Eben dieser Reiz des Verbotenen fällt einfach weg, weil ich weiß: Ich kann es haben, wenn ich will, und ich kann trotzdem abnehmen. Und das nimmt sehr viel Druck aus der ganzen Angelegenheit.

Ich möchte damit natürlich nicht sagen, dass erfolgreiches Abnehmen bei einer Essstörung das primäre Ziel ist. Natürlich sollte man sich mit den Ursachen beschäftigen, anstatt die eigentlichen Probleme mithilfe von Essen oder Nicht-Essen zu kompensieren. Andererseits heißt das meiner Meinung nach nicht, dass man auf keinen Fall abnehmen darf, weil man ein Problem mit dem Essen hat (vorausgesetzt, man befindet sich im Normal- oder Übergewicht). Ich kann von mir selbst sagen, dass ich sehr viel reflektiere und es auch merke, ob ich gerade aus allgemeinem Stress nichts essen kann, oder ob ich nichts essen will, weil in China ein Sack Reis umgefallen ist und mich das triggert, weil ich gerne so gebaut wäre wie ein Reiskorn. Noch dazu gab es eine Zeit, in der ich mich körperlich wohlgefühlt habe (eben bei um die 55 kg), und ich sehe nichts Verwerfliches daran, dieses Gewicht wieder anzustreben.

Auch denke ich, dass man über die Basics zum Thema Gewicht und Ernährung Bescheid wissen sollte, wenn man einen gesünderen Umgang mit dem Essen erlernen will – und dass Fettlogiken einem da sehr im Weg stehen, vor allem, wenn man in einer schlechten Phase steckt. Natürlich beseitigt das Wissen nicht die Ursachen der Essstörung und natürlich ist es nicht einfach, von festgefahrenen Denkmustern loszukommen, aber vielleicht lässt sich der eine oder andere Nervenzusammenbruch vermeiden, wenn man schwarz auf weiß liest, dass bestimmte Ängste und Befürchtungen einfach keinen Sinn ergeben.

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24 Gedanken zu “Gastbeitrag: EDNOS und Fettlogik(en)

  1. Lieben Dank, Kazuya, das kenne ich alles selbst sehr gut. Mir wurde nie eine Essstörung diagnostiziert, aber was Du beschreibst klingt zumindest in die Richtung dessen was ich kenne.

    Besonders mag ich den Satz, dass Abnehmen nichts mit Einschränkung, sondern mit Planung zu tun hat. Kleines Wording, große Wirkung.

    Toller Artikel 🙂

    Weiter so.

    Florian

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    1. Diese Erkenntnis war eine der wichtigsten für mich. ^^ ich habe natürlich noch viel, viel mehr dazugelernt, aber dass ich im Prinzip eben nicht verzichten muss, hat mir gerade im Alltag sehr geholfen. :3
      Vielen Dank für dein Feedback, hab mich gefreut 🙂

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    2. Myra

      Von mir ebenfalls vielen Dank für den Artikel! Mir kam da auch einiges ziemlich bekannt vor beim Lesen.

      Es klingt, als hättest du wirklich schon eine ganze Menge erreicht – darauf kannst du wirklich stolz sein! 🙂

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      1. Danke Myra 🙂
        Es war tatsächlich nicht einfach, aber so paradox es klingt, hat mich sogar auch die „unerklärliche“ Gewichtszunahme irgendwie weitergebracht. Da war ja sozusagen genau das eingetreten, was ich befürchtet hatte, und dann habe ich zunächst gelernt, mich damit zu „arrangieren“, was mir jetzt dabei hilft, ohne Stress abzunehmen und auch mal zwischendurch ein Plus zu essen, ohne gleich zu verzweifeln.
        Wobei ich sagen muss, die größte Veränderung ist wirklich seit der Lektüre von „Fettlogik“ eingetreten. :3
        Darf ich fragen, was dir im einzelnen bekannt vorkam, oder ist dir das zu privat? ^^*

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  2. Tja, mir ging es ganz genauso. Vor allem die Rechnung 7000kcal = 1kg Fett hat mich unheimlich geflasht, weil ich das noch nie zuvor gehört oder gelesen habe. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich mir das vorgestellt habe, aber bis zu dieser Stelle im Buch hatte ich absolut kein tiefgehendes Verständnis dafür, wie der Energieverbrauch des Körpers eigentlich funktioniert. Ich dachte wirklich, ich könnte ein Kilo Fett abnehmen, wenn ich mal einen Tag nur Karotten esse, und ein Kilo zunehmen, wenn ich mir nachts nach einer Sauftour noch ein, zwei Cheeseburger hole.
    Ich frage mich, was für mich eine „Kalorie“ in dieser Zeit war? Offensichtlich keine physikalische Einheit, die immer gleich ist, egal was ich mache und woraus mein Essen besteht -.-

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  3. Susanne

    Danke für den guten Beitrag… ich kann mich in einigen Aussagen gut wieder erkennen. Die allgegenwärtigen Fettlogiken machen es einem nicht leicht. Ich habe beim Stöbern im Internett diesen Artikel http://www.stern.de/panorama/wissen/jo-jo-effekt-sitzen-sie-schon-in-der-diaetfalle–3863564.html gefunden: die Anti-Jo-Jo-Formel beim kaputtdiäteten Stoffwechsel und weitere interessante Aussagen: kein Wunder, dass die Fettlogiken fröhlich weiter existieren, wenn solche „Weisheiten“ in den Medien verbreitet werden.
    Ich habe mein Ziel (56kg bei 163cm, ich hatte 82kg als „Rekord“ im letzten Jahr) jetzt fast erreicht und bin jetzt 59kg – und kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal unter 60kg war! Die guten Ratschläge, ja nicht weiter abzunehmen, jetzt wäre es genug, usw., ignoriere ich inzwischen mit einem Lächeln und diskutiere da nicht weiter… ist ja meine Sache!
    Liebe Grüsse und weiterhin alles Gute!

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  4. Danke für deinen Beitrag 🙂
    Bei mir meinte mal ein Arzt, ich hätte das Binge-Eating-Syndrom. Irgendwie habe ich mich immer ein bisschen darauf „ausgeruht“. Wenn man eine Diagnose hat und sozusagen krank ist, kann man ja gar nichts dafür. Ich glaube, der Mythos des kaputten Stoffwechsels ist die allergrüßte Fettlogik, da sie einem ja überall engegenspringt.
    Schön, dass du jetzt so entspannt mit dem Essen umgehen kannst!

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  5. nancy

    Danke für den Artikel!
    Ich war bis zum Lesen von Fettlogik immer insgeheim der Ansicht bzw. dem Glauben anhängig, Kalorienzählen an sich sei bereits ein Symptom bzw. ein wichtiges Indiz einer vorhandenen Essstörung, völlig unabhängig vom Gewicht.
    Ob das wohl auch eine Fettlogik ist….?

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    1. Eine (klinische) Störung zeichnet sich ja u.a. hauptsächlich dadurch aus, dass sie Leidensdruck und negative Konsequenzen für die Betroffenen mit sich bringt.

      In meinem Fall kann ich sagen, das Zählen nimmt ca. 5 Minuten pro Tag in Anspruch und hat mir geholfen, nun für über 1,5 Jahre ein gesundes Gewicht stabil zu halten. Kalorienzählen kann sicher im Rahmen einer Essstörung sehr dysfunktional werden, aber das gilt auch für alle übrigen Verhaltensweisen. Den Herd ausschalten oder die Tür verschließen ist ja auch eine sinnvolle Verhaltensweise, die im Rahmen einer Zwangserkrankung sehr ungesunde Ausprägungen annehmen kann.

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      1. nancy

        Fettlogik zu lesen, hat mir geholfen, dass ich es nicht mehr leicht neurotisch von mir selbst finde, auf die Kalorien zu achten.
        Ich mache das seit über 20 Jahren – so genau weiß ich es nicht mehr – und hatte seitdem nie wieder Übergewicht.
        Ich brauche eher 10 als 5 Minuten am Tag, wenn ich sie zusammenzähle. Meist aber zähle ich die eh nicht mehr und gucke nur noch selten nach den exakten Zahlen. Irgendwann hat man es im Blut, wieviel man benötigt. Keinen Hunger haben, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig essen ist mein Ziel! Natürlich ist das nicht jeden Tag gleich, das wär ja komisch – der Durchschnitt zählt.

        Jahrelang drauf zu achten – nicht unbedingt zu zählen – ist halt der Preis für mich dafür, sehr lange kein Übergewicht mehr zu haben – von kleinen Schwankungen mal abgesehen.
        Bis zum Lesen von Fettlogik fand ich das irgendwie unheimlich von mir, weil ich auch niemanden persönlich kenne, der das macht …. auf die Kalorien achten.
        Dazu fand ich es unfeministisch^^ 😀
        (Sry. falls OT)
        Durch Fettlogik sind mir viele Lichter aufgegangen, auch indirekt 🙂

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      2. Mona

        Was wäre denn feministisch? Immer so viel essen, wie die Bauarbeiter, die 2 Köpfe größer sind und 30 kg mehr wiegen? 😉

        Ich finde es auch gut Kalorien zu zählen (oder sein Gewicht zu kontrollieren oder sich regelmäßig im Spiegel ansehen), um für sich selbst zu sorgen. Das braucht nicht jeder, aber manche schon.
        Das erinnert mich ein wenig an Kochen und Backen, manche halten sich ganz genau an Rezepte, weil deren freien Versuche immer eine Katastrophe wurden, und andere schmeißen irgendwas, was gerade da ist, Pi mal Daumen zusammen und es ist trotzdem ganz gut.

        Mir macht es Spaß Daten über mich zu sammeln. Ich hab ein Aktivitätstracker-Armband, wo man in die Software sein Essen einträgt usw. und freue mich über die Daten und, dass ich mir alles anschauen kann, ganz egal ob ich zu viel esse oder mich zu wenig bewege. Es gibt mir trotzdem ein Gefühl der Kontrolle. Andere Leute haben andere Hobbies.

        Ich hab auch das Gefühl „die anderen achten nicht auf die Kalorien“, ich glaube das nicht wirklich, weil doch überall gesagt wird, dass Übergewicht doof ist und man sich nicht jeden Tag von FastFood ernähren soll. Vielleicht achten die Leute nicht drauf, die es irgendwie schaffen ihren Durchschnitt durch Sport so auszugleichen, dass sie nicht zunehmen. Die müssten spätestens dann zunehmen, wenn sie mal keine Möglichkeit haben Sport zu machen (Wegen Krankheit oder extremen Zeitmangel), weil man meiner Erfahrung nach nicht so schnell seine Ernährung umstellt auf den geringeren Verbrauch.

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      3. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Bei meinem Tiefstgewicht war ich extrem aktiv, bin geritten und war fast täglich 1-2h im Fitnessstudio. Da konnte ich eigentlich wirklich essen, was ich wollte.
        Dann musste ich wegen des Studiums das Reiten aufgeben und noch dazu bekam ich dann die Schilddrüsenunterfunktion, die sich bei mir in extremer Müdigkeit und Antriebslosigkeit zeigte. Bis die Unterfunktion dann 1 1/2 Jahre später festgestellt und behandelt wurde, war ich 18 Kilogramm schwerer. Nicht nur, weil ich keine Ahnung von meinem (leicht) gesunkenen Grundumsatz hatte und sich das dann über die Monate summierte, sondern vor allem, weil ich viel inaktiver war und mein Appetit eher noch zugenommen hatte. Aber wie es auch in „Fettlogik“ beschrieben ist, hatte ich nicht das Gefühl, zu viel zu essen, weil ich einfach später satt war. Ich hatte einfach mehr essen „müssen“, um das gleiche Level an Sattheit/Zufriedenheit zu erreichen wie vorher, und sah deshalb keinen Unterschied zu vorher. Aber selbst, wenn ich damals schon so informiert gewesen wäre wie heute, wäre es mir extrem schwergefallen, mein Essverhalten anzupassen.

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  6. MissGecko

    Wow – toller Artikel und eine „irre“ Geschichte, die sich in vielen Grundzügen mit meiner früheren Diätkarriere deckt. Irre deshalb, weil ich es reichlich irre finde, was Eltern/Mütter mit vermutlich den allerbesten Absichten ihren Kindern teilweise so antun, hier eben in Bezug aufs Gewicht und Radikalkuren. Wütend hat es mich beim Lesen auch gemacht, und ich weiß bis heute nicht so recht, wohin ich meine eigene Wut aus der Vergangenheit eigentlich richten soll – meine Mutter hat es sicherlich auch nur gut gemeint und nicht besser gewusst.

    Als Kind war ich ganz „normal“ dünn, etwas pummelig wurde ich wohl erst mit der einsetzenden Pubertät. An sehr viele konkrete Gewichtsdaten kann ich mich leider nicht mehr erinnern (bzw. wenn, dann fehlt mir meist die jeweilige Körpergröße dazu). Meine Mutter hat mich ab ca. 11/12 Jahren Radikaldiäten machen lassen, einmal so eine Formula-Diät, bei der ich Granulat mit Buttermilch löffeln musste, und mehrfach eine sogenannte „Hollywood-Star-Diät“, bei der man erst ein paar Wochen lang nur eine Obstsorte pro Tag essen durfte und anschließend mit sehr fettarmem Essen wieder an etwas normaleres Essen gewöhnt wurde. Hatte natürlich in erster Linie den Effekt, dass ich anschließend doppelt und dreifach zugeschlagen habe, bis alles ruck-zuck wieder drauf war.

    Der traurige Witz ist, dass ich irgendwann in meinen 20ern die Fotokiste meiner Mutter durchstöbert habe, und auf KEINEM einzigen Foto das dicke Kind gefunden habe, für das ich mich immer gehalten hatte. Gerade mager war ich nicht, klar, vor allem aber hatte ich in der Pubertät recht stämmige Beine bekommen, die sich aber in Relation zu egal welchem Körpergewicht halten – ishaltso. Auf einigen Bildern hatte ich Kleidung an, aus der ich leicht rausgewachsen war, aber damals war für mich der einzig bekannte Grund für kneifende Hosen der, dass ich zu fett wäre. (Richtig übergewichtig bin ich erst später, mit16/17 J., nach einer ernsthafteren Erkrankung geworden. Und das war für mich trotz gelinder Verzweiflung vor allem sehr befreiend, weil ich da gewichtsmäßig so jenseits von Gut und Böse war, dass das ständige Gemäkel irgendwann aufhörte.)

    Rückblickend habe ich mir dann zusammengereimt, dass meine Mutter wohl mit meiner Pubertät nicht klarkam, und da sie selber Gewichtsprobleme hatte – und die beschriebenen Diäten zwar nicht immer, aber oft mit mir gemeinsam machte – das wohl deshalb so an mir ausagiert hatte.

    Die größten Spuren, die diese extreme und frühe Diäterei bei mir hinterlassen hatten, war ein sehr lange (in Lebensjahren) anhaltendes Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins in Bezug auf Essen, und auch Selbsthass, wenn ich mich im Gegenpendel oft vollgestopft hatte. Ich hatte in solchen Phasen als Teenie mehrmals versucht, mich zum Erbrechen zu bringen, aber mein großes Glück (auch wenn ich das damals nicht so gesehen habe) war, dass ich schon immer einen sehr stark ausgeprägten Würge-Abwehrreflex hatte. Gottseidank, weil die Bahnung für alle Arten von Esstörungen hatte ich schon gut mitbekommen. Wenn schon essgestört, so dachte ich damals, dann doch bitte lieber Bulimie.

    Und natürlich konnte ich, wie auch ein paar Freundinnen und Klassenkameradinnen, im Schlaf die Kalorien diverser Lebensmittel aufzählen. Aber dass man einen individuellen Tagesbedarf hat, den man zumindest näherungsweise errechnen kann, und dass es soundsoviele Kalorien Einsparung bedarf, um ein Kilo Körperfett wegzubekommen… das nur Erleuchtung zu nennen trifft es nur unzureichend. Es war, als hätte einem endlich jemand diesen ganzen mystisch-magischen Nebel-Verschwurbelungsschleier, der das Thema Gewicht umgab, weggezogen. (Sorry, Nadja, war schon ein paar Jahre vor „Fettlogik“ auf FDDB 😉

    Insgesamt denke ich, dass meine Wut für damals eigentlich dieser unglaublichen Desinformation gehören sollte, die auf dem Gebiet Abnehmen noch bis heute herrscht. Die Harris-Benedikt-Formel ist ja weiß Gott keine neue Erfindung – ich war ganz erstaunt, dass die Faustregeln zu Normal- und Idealgewicht von demselben Mann stammten, und die waren weithin bekannt! – und ich würde drauf wetten, dass das mit den 7000 kcal/kg Körperfett auch keine brandneue Erkenntnis ist.

    Meine Mutter hat mich als Kind zu diversen Ärzten, Hypnotiseuren, Naturheilpraktikern und einmal sogar zu einem „Geistheiler“ geschleppt. Was hätte uns/mir alles erspart bleiben können, wenn man diese eigentlich banalen Infos wenigsten mal von berufener Seite (Arzt) bekommen hätte! Meine Mutter glaubt seit Jahren, dass sie nur noch abnehmen kann, wenn sie max. 300 kcal pro Tag isst – weil sie wohl erwartet, dass sie wöchentlich dauerhaft mehrere Kilos verlieren müsste. „Natürlich“ ist ihr Stoffwechsel kaputt 😦

    So, das war jetzt deutlich zu lang für einen üblichen Kommentar, aber das lag mir nach dem Lesen des Artikels auf dem Herzen 😉

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    1. Mona

      Hi MissGecko!
      Vielleicht könntest dudie Wut-Energie in Sport stecken?
      Dein Kommentar kommt sehr reflektiert rüber, das ist beeindruckend.

      „Der traurige Witz ist, dass ich irgendwann in meinen 20ern die Fotokiste meiner Mutter durchstöbert habe, und auf KEINEM einzigen Foto das dicke Kind gefunden habe, für das ich mich immer gehalten hatte. Gerade mager war ich nicht, klar, vor allem aber hatte ich in der Pubertät recht stämmige Beine bekommen, die sich aber in Relation zu egal welchem Körpergewicht halten – ishaltso.“

      Das mit den Fotos kenne ich auch! Und auch das mit den stämmigen Beinen von den Proportionen her. Nur, dass es nicht meiner Mutter war, sondern ich selbst, die sich immer Minderwertigkeitskomplexe und Regeln, was ich machen darf und nicht darf, anerzogen hat und ich hab eine Wut gegen mich selbst dadurch. Es wird aber immer besser, ich kann mir selbst immer mehr verzeihen. Du kannst deiner Mutter bestimmt auch irgendwann verzeihen (sodass die Wut weggeht), sie wusste es damals nicht besser (kommt so aus deinem Text rüber).

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  7. Litschi

    Vielen Dank für den Beitrag!
    Als ehemalig dickes Kind und adipöser Teenager, der mit 18 ebenfalls in die Magersucht rutschte, konnte ich mich sehr stark in deinen Erfahrungen wiederfinden. Auch ich, die Kalorienzählen auch jahre nach der Rehabilitation von der Magersucht immer noch mit Essstörung in Verbindung brachte, hat Fettlogik stark geholfen. Ebenso wie das Wissen um Wassereinlagerungen und dass 1kg Fett undgefähr 7000kcal entspricht.
    Wenn ich nun in diversen Abnehmforen manchmal lese, wie die Leute wegen 1kg Zunahme über Nacht teilweise ausflippen, kann ich nur den Kopf schütteln, obwohl ich weiss, dass ich früher auch so war.
    Auch tägliches Wiegen finde ich nicht mehr schlimm. Das Gewicht kann bei mir locker bis zu 2kg schwanken. Ist halt so. Unterdessen mache ich mir auch beinahe einen Spass daraus, vor dem Wiegen anhang meines „wie wässrig fühl ich mich heute?“-Gefühls zu schätzen, was auf der Waage erscheint.
    Wenn ich mich schlecht fühle auf Grund meines Gewichts, weiss ich, dass es nicht am Gewicht liegt, sondern, dass ich mich derzeit sowieso nicht so gut fühle und unzufrieden bin. Das Gewicht ist dann mehr der gesuchte Grund für meine Unzufriedenheit.

    Spannend, wie sich das eigene Verhalten so ändern kann!

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  8. Die andere Mona

    Danke für den Beitrag, ist echt super geworden! 🙂
    Hab mich sehr oft wieder erkannt, vor allem in dem Absatz „Apropos Wasser:“
    Auch ich wurde als Kind/Jugendliche schon zum Abnehmen ermutigt, vor allem da ich und meine Schwester die dicksten Kinder im Freundeskreis meiner Eltern waren – war ja auch verständlich, wir waren auch die Sportmuffeligsten mit dem größten Appetit 😀
    Richtig „beigebracht“ abzunehmen hat uns jedoch leider niemand. Wir haben zwar immer fleißig mit unserer Mami „Kohlsuppendiät“ und „Nur Kartoffeln essen“ gemacht, jedoch wurde das schnell wieder aufgegeben, nachdem man nach 2 Tagen kein Ergebnis auf der Waage gesehen hatte :/
    Und Fettlogiken wie:
    „Lieber 1 Brot mit viel Belag essen anstatt 2“, oder „Wenn sie mit diesem hohen Gewicht in die Pubertät rein geht, kommt sie damit auch wieder raus“ (von unserem Kinderarzt) hat man mir nicht gerade geholfen :‘D
    Naja, jetzt klappt es ja… es hat zwar 28 Jahre gedauert, aber jetzt klappt es!
    Wünsch dir noch alles Gute und hoffe, dass du dein Ziel erreichst ^_^

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    1. Mona

      „Lieber 1 Brot mit viel Belag essen anstatt 2“

      Das ist eine Fettlogik? Wie meinst du das? Ich mache das jetzt noch immer so mit meinem Brot.

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      1. Wenn ich da ungefragt meinen Senf dazugeben darf (ich kenne die Weisheit nämlich auch xD)… Ich könnte mir vorstellen, dass man durch den zusätzlichen Belag ganz schnell die Kalorien von der zweiten Scheibe Brot „reinholen“ oder übertreffen kann. Ich esse so Sachen wie belegtes Brot oder Brötchen eigentlich immer aufgepeppt als Hauptmahlzeit (wie z.B. mein gestriger „Burger“), weil sich beim Belag doch schnell einiges an Kalorien zusammenläppert.

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      2. Die andere Mona

        Genau das was Kazuya gesagt hat! 🙂 Wenn man sich 0 auskennt, legt man dann eben statt 3 Scheiben Hausmacher, 12 Scheiben auf die eine Brothälfte, womit man die eingesparten kcal vom 2. Brot, wieder mit der fetten Wurst reingeholt hat. Bei Belägen wie Gemüse oder Putenbrust, oder normalen Brotbelegungsverhältnissen macht die Logik durchaus Sinn 🙂
        Momentan esse ich seeehr selten Brot (T___T), weil es mir zu viele kcal hat und ich davon noch mehr Hunger bekomme :<
        Brötchenburger hören sich aber toll an *__*

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  9. Julia Starkimarm

    Schöner Beitrag :o)

    Besonders der Part mit deiner Mutter und den frühen Essenseinschränkungen kenne ich auch sehr gut.

    Meine Mutter ist ebenfalls eher apetitlos und hatte dann drei Töchter, die alle gerne essen (mein Bruder das Nesthäkchen kam da mehr nach ihr). Vielleicht wurde das alles noch verschärft, da meine ältere Schwester das Down-Syndrom hat und dadurch noch anfälliger für Übergewicht ist, so dass meine Ma dann eben schon drauf trainiert war beim Kind aufs Gewicht zu achten als ich dann kam.
    Ich kann mich jedenfalls nicht an eine Zeit erinnern, wo ich nicht ermahnt wurde nicht so viel zu essen, oft gefolgt vom prüfenden Blick auf meinen Teller oder der Frage danach, das wievielte Stück Kuchen das den sei (Antwort meiner älteren Schwester auf diese Frage: Eins (jedesmal eins ;o))).
    Dann kochte sie auch immer eher knappe Portionen, damit nichts weggeschmissen werden musste, was dazu führte, dass wir gebremst wurden, das letzte Stück zu essen und es dafür meinem Bruder aufgedrängt wurde. Meine kleine Schwester und ich machten uns dann dafür über die Süßigkeitenverstecke meines Vaters her, die er im ganzen Haus hatte. Wir wurden richtige Meister darin sie zu finden, unauffällig zu plündern und die Beweise anschließend verschwinden zu lassen. Wenn wir dann doch zu viel genommen hatten und es auffiel, ließ sich der Verdacht (gemeiner Weise) leicht auf meine ältere Schwester lenken. Da wäre mehr ihres gesunden Essens besser gewesen… Jede Gelegenheit außerhalb der Überwachung wurde natürlich sofort genutzt mich vollzustopfen.

    Auf Kinderfotos sehe ich eher normalgewichtig aus, allerdings war ich immer eine der Größten in meiner Klasse (allerdings nur bis zum Teenager-Alter, da holten die anderen dann auf) und wirkte dadurch oft neben den zarten Mädchen, die mir nur bis zur Schulter gingen eben einfach etwas massiger.

    Alles in allem muss man wohl sagen, dass das Thema Essen der einzige Punkt in meiner Erziehung ist, der meinen Eltern eher misslungen ist. Zum Glück haben sie das anderweitig mehr als nur wieder wett gemacht und das Gewicht bekomme ich auch alleine (dank Ehemann) in den Griff (Danke Nadja fürs vereinfachen!).

    Wir sehen ja jetzt bei unseren eigenen Kindern wie schwer das Thema Kinder und gesundes Essen ist und bemühen uns aus den Fehlern unserer Eltern zu lernen.

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    1. MissGecko

      Hahaha! Oh ja, in Plünderungen (Vorräte und Verstecke aufspüren) und Beutezügen (Taschengeld in maximale Zuckermengen umsetzen) sowie den dazu nötigen Verschleierungstechniken waren meine (jüngere) Schwester und ich auch Vollprofis!

      Unsere Mutter war/ist leider ein absoluter Kontrollfreak und hat es bei uns in vielen Aspekten übertrieben. Andererseits war sie voll berufstätig. Oft haben wir uns gleich über etwas her gemacht, kaum dass sie zur Tür raus war, und wenn’s direkt vom Mittagessen weg war.

      Als meine Eltern irgendwann eine Mikrowelle angeschafft haben – da dürfte ich so im beginnenden Teenie-Alter gewesen sein – kamen noch jede Menge perverser experimenteller Eigenkompositionen dazu, hauptsache mit vieeeeeel Käse. (Nein, nicht das berühmte Glas Nutella zum Trinken ;-), Nutella gab’s bei uns eh nicht.)

      An Versuche, 400g-Stücke Gouda an einem Nachmittag zu schaffen, erinnere ich mich auch noch. Den meisten Ärger gab’s nämlich, wenn wir „schon wieder“ eine neue Packung aufgemacht hatten, obwohl doch „schon“ zwei andere Käsesorten im Kühlschrank offen waren. Wenn dagegen eine ganze Packung von den normalen Sachen verschwunden ist, hat sie’s meist gar nicht gemerkt. Mal haben wir gewonnen wir, mal der Gouda.

      Für uns war das ein Ventil für alles nur Mögliche – Freiraum, Rebellion, Lindern von Druck.

      Meine Schwester hat die Diäten nicht mitmachen müssen und hat trotzdem noch stärkere Gewichtsprobleme bekommen als ich. Bei mir war immer bei Anfang 90+ kg nach oben Schluss, meine Schwester schätze ich mittlerweile (seit dem 2. von 4 Kindern) auf eher 120 kg.

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      1. MissGecko, das kommt mir alles so bekannt vor!
        Ich hab es zum Beispiel so gemacht, wenn von einer Tafel Schokolade nur eine Rippe weg war, dass ich die ganze Tafel genommen (und meistens auch gleich gegessen), eine neue gekauft und von der neuen die erste Rippe weggegessen habe, dass man es nicht merkt.
        Bei mir war es auch so, dass es teils in Fressgelage ausgeartet ist, wenn ich sturmfrei hatte. Meistens hab ich mir so Billigzeug gekauft und mich vor den Fernseher gepflanzt. Und mit vorhandenen Sachen zusammen an allen möglichen und unmöglichen Kombinationen versucht. XD aber mein Favorit waren geschnittene Maultaschen mit Ei und Käse überbacken, dazu Reis und Ketchup. War auch echt lecker :’3
        Aber ich glaube, ich wäre weniger eskaliert, wenn es nicht immer so einen Stress ums Essen gegeben hätte. ^^

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  10. Von mir ebenfalls herzlichen Dank für den Beitrag.
    Ich habe mich auch in sehr vielen Punkten wiedererkannt und mir kam vieles bekannt vor.
    Ich versuche schlank zu werden seit ich 12 oder 13 bin (zumindest kann ich mich seitdem daran erinnern – an vorher kann ich mich kaum noch erinnern).
    Aktuell wiege ich bei einer Größe von 1,74m ca. 71kg – mein Höchstgewicht lag Anfang 2009 bei 94kg. Ich hatte ebenfalls immer wieder Schwankungen im Bereich von 67kg bis knapp unter 90kg. 67kg ist allerdings das geringste Gewicht, das ich bisher erreicht habe.
    Mein Ziel liegt bei unter 62kg und einem Körperfettanteil unter 25% (mindestens!).
    Ich habe Anfang des Jahres nach einem „Aussetzer“ zum Ende des letzten Jahres (mit der Folge eines Plus von ca. 7-8kg!) wieder aktiv angefangen, Sport zu machen und Tagebuch zu führen. Seit ich Fettlogik gelesen habe, kann ich jetzt auch völlig unproblematisch mal weniger essen als geplant (ich habe auch an den ominösen Hungerstoffwechsel geglaubt und mich zum Teil gezwungen, noch was essen zu müssen, um mein tägliches Kalorienziel zu erreichen!) und habe im Gegenzug auch keine Angst mehr vor Geburtstagen oder ähnlichem.
    Ich habe im Laufe der Zeit auch diverseste Diäten ausprobiert – mit eher geringem Erfolg. Habe aber auch festgestellt, dass ich definitiv nicht intuitiv essen kann (zumindest nicht was Mengen angeht, da ich diese überhaupt nicht einschätzen kann), was zur Folge hat, dass ich eigtl. immer direkt zugenommen habe, wenn ich kein Tagebuch führte – wenn ich allerdings Tagebuch führe, hilft mir das unglaublich gut, mich im Rahmen zu halten. Früher hab ich immer gesagt, ich muss das machen, damit ich genug esse (Hungerstoffwechsel und so) – momentan hab ich mich bewusst für ein recht großes Defizit entschieden, um die erste Hürde (U70) zu schaffen und werde dann voraussichtlich wieder die Kalorienmenge etwas erhöhen.

    Ich bin gespannt, wie es bei mir (und auch bei dir) weitergeht und finde es großartig auch von anderen zu lesen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und denen Fettlogiken das Leben schwer gemacht haben.

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