Nochmal die biggest-Loser-Studie

Mittlerweile hatte ich selbst Zeit, mich ein wenig mit der Biggest-Loser-Studie zu befassen. Eigentlich hat Dr. Kerner die methodische Kritik bereits recht ausführlich in seinem Video dargestellt, aber einige Punkte lassen sich vielleicht noch ergänzen.

Zunächst mal ist die selbst erstellte Formel für den Grundumsatz, welche von den Wissenschaftlern genutzt wurde, wirklich fragwürdig. Alle übrigen und bewährten Grundumsatz-Rechner kommen auf komplett andere und deutlich niedrigere Zahlen:

Während die Formel aus der Studie bei 90kg einen GU von 2272 erwartet und bei 131kg einen GU von 2403, spucken andere Rechner deutlich geringere Werte aus:

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Wenn mit dieser auf Adipositas korrigierten Formel gerechnet wird:

nw3

werden die Werte sogar noch deutlich geringer für die zweite Messung und liegen für 131kg bei 1642 (Frauen) und 1893 (Männer).

Die „erwarteten Werte“ der Forscher kann man also als Vergleich ziemlich abschreiben, da diese Zahlen keine Aussagekraft besitzen. Dennoch bleibt die große Frage, wie es zu den real gemessenen Werten kommt (in der Tabelle „RMR measured“), denn DIE sind wirklich erstaunlich.

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Wenn diese Werte stimmen würden (Spoiler: Ich glaube nicht, dass es so ist), würde das so ziemlich alles in Frage stellen, was bisher zu Energieverbrauch gefunden wurde – und nein, ich übertreibe hier nicht. Denn während das Absinken des RMR zwischen dem ersten und dem zweiten Messpunkt klar Sinn ergibt durch die verringerte Muskel- und Körpermasse generell, ist ein Absinken zwischen dem zweiten und dritten Messzeitpunkt … nun … äußerst unwahrscheinlich, um nicht sogar fast zu sagen „unmöglich“, wenn man die deutliche Gewichtszunahme der Kandidaten bedenkt – sowohl was die Fett- als auch die Muskelmasse angeht. Der Grundumsatz hätte durch die erhöhte Körpermasse deutlich steigen müssen.

Nun erklären die Autoren dies mit reduziertem Stoffwechsel. Gleichzeitig geben sie in der Diskussion zu, dass ihr Ergebnis (mit den 14 Versuchspersonen) allem widerspricht, was bisher gefunden wurde. („A meta-analysis of previous cross-sectional studies found that subjects who had lost weight exhibited a 3% to 5% lower RMR compared with control subjects who had not lost weight“ – also die Analyse bisheriger Studien zeigt eine sehr geringe Absenkung des RMR, was auch dem entspricht, was ich in Fettlogik an Ergebnissen gefunden habe). Auch bei Personen mit Magenverkleinerung ließ sich so ein extrem reduzierter Stoffwechsel wie in der Studie nicht finden.

Darüber hinaus war es in den Studien, die ich gelesen und in Fettlogik zitiert habe so, dass die leichte Stoffwechselsenkung sich im Laufe der Zeit nach Erhöhung der Kalorienaufnahme wieder erhöhte. Sprich: Während und kurz nach deutlicher Kalorienreduktion ergreift der Körper minimale Sparmaßnahmen (hier etwa ~5%, ich fand bis zu ~8%), aber wenn wieder „normal“ (also ohne Kaloriendefizit) gegessen wird, werden diese Sparmaßnahmen wieder teilweise oder komplett aufgelöst.

Was also in dieser Studie herauskam ist, dass 6 Jahre nach dem Abnehmen, während einer im Schnitt deutlichen Gewichtszunahme und ohne Kaloriendefizit, der Grundumsatz weiter sank. Ein Ergebnis, das so ziemlich allen bisherigen Forschungsergebnissen krass widerspricht und auch schlicht sehr unwahrscheinlich ist, denn die reale Stoffwechselreduzierung müsste ja noch drastischer sein, wenn man bedenkt, dass zwischen Zeitpunkt 2 und 3 deutlich an Fettmasse und Muskelmasse zugelegt wurde und vor allem die Muskelmasse einen höheren Energiebedarf hat.

Es widerspricht auch meiner kleinen Einzelfallanekdote. Als ich mit 20 für knapp 10 Monate extremer Radikaldiät 66kg abnahm und anschließend wieder zunahm (durch Essen, nicht den Hungermodus) entsprach mein Grundumsatz später mit 30 dennoch exakt dem berechneten Wert (der „echten“ Formeln, nicht der der Wissenschaftler aus der Studie). Also kein Jahre verzögerter Hungermodus durch mehrere Monate Radikaldiät, wie es in der Studie war. Ich schäme mich an der Stelle nicht, meine kleine Ein-Personenstudie aufzuführen, denn 14 Personen sind nun auch nicht allzu beeindruckend.

Was ist nun also mein Tipp? Nun, zwischen den beiden Messzeitpunkten 2 und 3 wurde, wie Dr. Kerner bereits ausführte, das Messgerät gewechselt. Die Fehlerquote der Geräte war recht hoch, genug um die Ergebnisse zweifelhaft zu machen. Ich gehe einen Schritt weiter und sage, dass die Ergebnisse der ersten beiden Messungen in der Show vermutlich falsch waren. Sie sind wesentlich zu hoch angesetzt. Ein Grundumsatz von über 2600 kcal ist wirklich verdammt hoch – bei diesem Gewicht war das mein GESAMTumsatz.

Die Ergebnisse der aktuellen Messung hingegen wirken recht realistisch und stimmen etwa mit dem überein, was andere Formeln errechnen. Ein Grundumsatz von ~1900 kcal ist für eine deutlich adipöse Person durchaus realistisch. Ihr Grundumsatz entspricht damit etwa meinem Gesamtumsatz als schlanke Frau.

Nun ist es natürlich schwierig, einfach zu behaupten „Die Messungen stimmen nicht“, klar. Aus meiner Sicht ist es allerdings die plausibelste Erklärung für ein extrem unplausibles Ergebnis, das – wie bereits gesagt – vollständig dem Stand der Wissenschaft und jeder Energiebedarfsberechnung widerspricht. Wenn eine kleine Studie, deren erste Testergebnisse im Rahmen einer TV-Show durchgeführt wurden, zu Ergebnissen kommt, die allen bisherigen Ergebnissen widersprechen, MUSS aus meiner Sicht die Möglichkeit bedacht werden, dass die Messung falsch war, bevor man diese 14 Personen-Studie derartig durch die Medien zerrt.

Gerade wenn man sich den Gesamtumsatz zum Messzeitpunkt 1 anschaut, der bei nahezu 4000 kcal liegt, und dabei bedenkt, dass die Mehrheit der Kandidatinnen Frauen waren, ist das äußerst fragwürdig. 4000 kcal ist ein extrem(!!) hoher Tagesumsatz – zu meiner schwersten (aber inaktiven) Zeit lag mein Tagesumsatz bei ca. 2700 kcal. Auch der Tagesumsatz von über 3000 kcal nach der Abnahme erscheint extrem hoch gegriffen.

Der aktuelle Tagesumsatz von 3400 kcal hingegen ist für (wieder) schwer adipöse Menschen recht realistisch. An der Stelle wird übrigens auch das „Die Kandidaten sind jetzt im Hungermodus und DESHALB wieder dick!!!“ nahezu lächerlich, denn von einem Tagesumsatz von 3400 kcal kann ich und die Mehrheit der Menschen nur träumen. Das kriege ich nichtmal an Tagen mit 2 Stunden Ausdauersport hin.

Dass die Kandidaten im Schnitt wieder deutlich zugelegt haben (allerdings nach 6 Jahren immernoch fast 20kg unter dem Ausgangsgewicht!) liegt vermutlich schlicht daran, dass das Konzept ziemlich fragwürdig ist. Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld nehmen, durch radikalste Sportprogramme in kurzer Zeit extrem abzuspecken und danach wieder in ihr altes Umfeld zu stecken, wo sie gar keine Möglichkeit haben, das Extremprogramm weiterzuführen, ist nahezu unmöglich. Dasselbe Problem besteht darin, wenn man Drogensüchtige in eine Entzugsklinik steckt und danach wieder ohne Betreuung in ihr bisheriges Umfeld schickt. Sowas funktioniert meistens nicht, weil die Leute keine Möglichkeit haben, Strategien für ihren Alltag zu finden.

Was ich allerdings an der ganzen Sache wirklich schockierend finde ist, wie diese wirklich auf den ersten Blick bereits äußerst unplausiblen Ergebnisse nun unkritisch(!) durch die Medien gehen obwohl es buchstäblich duzende Studien gibt, die das so nicht bestätigen und im Prinzip der Stand der Wissenschaft ein anderer ist. Dass bei derartig krassen Ergebnissen einer sehr kleinen Studie nicht zumindst mal kritischer nachgefragt wird, wundert mich. Und selbst wenn man diese wirren Resultate für bare Münze nimmt, ist es erstaunlich, dass bei einem Gesamtumsatz von 3400 kcal so getan wird, als sei die Gewichtszunahme der Kandidaten irgendwie unvermeidlich. Nochmal: Das ist ein sehr hoher Wert und keineswegs „eine Erklärung für den Jojo-Effekt“.

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47 Gedanken zu “Nochmal die biggest-Loser-Studie

  1. Danke! Ich finde, diese Analyse hat wesentlich mehr Substanz als das Video.

    Du solltest den Text allen Nachrichtenseiten schicken. Das ist ja echt gruselig, was die so schreiben.

    In einem Artikel stand, die Probanden dürften sich jetzt nur noch von Gemüse ernähren, wenn sie ihr Gewicht halten wollen. Hallo? Ich träume vor deren aktuellen Grundumsatz…

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      1. Hihi stimmt. Es gibt doch immer diese 100 kcal Fotos mit Essen. Also „so viel Paprika sind 100 kcal vs. so viele Gummibärchen“. Vielleicht sollte man die mal mit den total niedrigen Umsätzen der Probanden machen. Problem: so viel Gemüse hab ich nie im Haus ^^

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  2. Peka

    Wenn ich die Tabelle richtig lese, ist die interessante Zeile die (fast) ganz unten. Der Gesamtbedarf (TEE) nämlich verhält sich in etwa so wie es zu erwarten ist. Der TEE liegt zwar etwas niedriger als er sollte, allerdings muss man das auch in Zusammenhang mit der Entwicklung der Fettmasse (FM) im Rahmen des “ Programms“ sehen. Die Verläufe von TEE, FM und FFM passen jedenfalls erheblich besser zusammen als der seltsame Grundumsatz.

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  3. Pingback: 100,7kg und neue Ernährungs-Erkenntnisse – abspeckblog

    1. Generell können die Rechner nur eine grobe Richtung geben, am besten kann man es bestimmen, wenn man nach ein paar Wochen die tatsächliche Gewichtsveränderung mit der erwarteten (laut Kalorienbilanz) vergleicht.

      Der Rechner, den fddb benutzt soll zwar generell etwas zum Überschätzen neigen, aber ich muss sagen, dass ich damit recht zufrieden bin. Wenn ich „inaktiv“ angebe, ist das recht genau passend 🙂

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  4. Hapi

    Wieso sink der Grundumsatz eigentlich im Alter?

    Meine Vermutung wäre hier, dass hier eigentlich nicht weniger Kalorien im Alter per se benötigt werden, sondern ältere Menschen im Schnitt weniger relative Muskelmasse im Vergleich zum Gesamtgewicht haben, da sie sich weniger körperlich betätigen.

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    1. Ja, das ist größtenteils Statistik, weil IM SCHNITT die Aktivität und Muskelmasse im Alter sinkt. Davon unabhängig gibt es Hinweise darauf, dass der Stoffwechsel (Zellerneuerung usw.) sich durch das Altern minimal verlangsamt, aber das ist ein wirklich geringer Effekt.

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    2. Muss nicht gleich Sarkopenie sein aber sofern man nicht dagegen arbeitet, verliert der Mensch im Alter ca. 300g Muskelmasse pro Jahr. Daher benötigt er weniger Energie. Behält er aber die Energieaufnahme bei nimmt er halt zu.

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  5. Mir tun die BL im Artikel (und generell) einfach nur leid, denn wie man auch an deinen Formeln hier sieht hatten diese Menschen sicher einen ganz „brauchbaren“ Grundumsatz nach der Show. Ich habe von all den Formen die es gibt und die du hier erwähnt hast ganz pessimistisch die genommen, die den geringsten Wert ausgespuckt hat und dazu noch das eingetragene Gewicht nach unten korrigiert, damit ich mich an geringe Kalorienwerte gleich gewöhne. Das sind bei mir immer noch ca. 1400 kcal pro Tag, wenn ich nur im Bett läge und auf dem Handy Fettlogik lesen würde. 😉

    Ich versuche, nicht mehr als diesen Wert zu essen, weil ich somit immer etwas abnehmen muss. Manchmal sinds halt auch mal 1600kcal, Pech. Aber durch diese Restriktion findet man auch kreative Rezepte, die für wenig Kalorien viel Masse bieten. So machen Shirataki-Nudeln mit Gemüse und einer Sahnesoße mal locker nur 300kcal pro Portion. Das macht mich pappsatt, ich könnte aber theoretisch über 4 Portionen davon essen und könnte im Bett liegend noch abnehmen. Ich gönnde mir oft einen Burger oder Ofenkäse, und selbst das geht bei 1400kcal locker in den Plan, wenn man eben sonst nichts Hochkalorisches reinhaut. Die von dir ausgerechneteten Werte sind ja echt komplett utopisch. Für 3000 kcal könnte ich ja 2 Tafeln Schoki essen, dazu noch eine Packung American Cookies und dann nochmal ein geiles Nudelgericht und Obst dazu noch knabbern und würde nicht zunehmen!

    Aber im Artikel klingt das ja so, als dürften sie nach dem „Jojo“ jetzt nur noch einen Sellerie essen und nehmen davon noch zu, weil sie sich den Stoffwechsel komplett zerstört haben. Das finde ich traurig. Die Kommentare beim NYT-Artikel finde ich auch ganz schlimm. Da schreiben Leute ganz frustriert und bitter „I know I will always be hungry or fat.“ und das kann doch einfach nicht sein. 😦

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  6. Was weder den Kandidaten von Biggest Loser noch den Lesern des Buches „Fettlogik“ erklärt wird, das ist das was man machen soll, wenn man sein Kalorienbudget für den Tag gegessen hat, aber danach immer noch Hunger hat.

    Es ist ja trivial, vorzugeben man müsse nur weniger als seinen Kalorienumsatz essen um Fett abzubauen. Dann würden das ja alle machen. Einfach weniger essen, so einfach.

    Tatsächlich hat der NYT Artikel die Folge beschrieben, die viele Kandiaten mit der niedrigkalorischen Essenaufnahme hatten: konstanten Hunger und Fressanfälle.

    Irgendwann wird man ein Mittel finden, mit dem das Hungergefühl so stark gedrückt wird, wie es einige glückliche Zeitgenossen von Natur aus haben. Bis dahin muß man mit den Methoden der Psychologie lernen, mit dem Hunger zu leben. Dazu kann man seine aufgenommenen Kalorien zählen, damit man auch sicher im negativen Bereich bleibt, aber ohne Vorbereitung auf das, was danach kommt, nämlich Hunger. Damit kann man umgehen, aber das muß man lernen. Ich habe viele Folgen dieser Show gesehen, aber das wurde nie erwähnt.

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    1. Erstmal muss man zwischen Hunger und Appetit unterscheiden – was viele Leute verwechseln. Es ist enorm schwierig, aufzuhören mit Langeweileessen, Frustessen oder Gewohnheitsessen – das hat aber nichts mit Hunger zu tun.

      Hunger hat man meist dann, wenn man „die falschen“ Dinge isst, also hochkalorische Dinge, die nicht satt machen. Da kann man sich genauer informieren, welche Lebensmittel gut sättigen bei akzeptabler Kalorienmenge …

      Mit dem Hunger zu leben muss man m.E. nicht lernen, wohl aber, dem Appetit zu widerstehen.

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      1. kork

        Ich habe leider Erfahrung mit allerlei Antidepressiva machen muessen. Als Nebenwirkung tritt bei mir zu Beginn stets ein mehr oder minder stark reduzierter Hunger auf. Beim Absetzen jedoch geht mir jegliches Sættigungsgefuehl flöten. Ich spuere zwar, dass mein Magen bereits unangenehm voll ist, aber trotzdem nagt weiter der Hunger in mir. Man sollte meinen, dass der Kopf nach ein paar Tagen lernt und die Verbindung „Hunger = muss mehr essen“ unterbricht, das passiert aber nicht.

        Diese Art ewiger Hunger ist uebrigens viel schwerer zu ertragen als ein paar Stunden echter Kohldampf!!

        Das hat mir sehr zu denken gegeben. Es dauert bei mir nur jeweils 2-3 Wochen, erinnert mich aber an das Prader-Willi-Syndrom, das Nadja auch mal erwæhnt hat. Ich halte es fuer sehr gut möglich, dass es viele Menschen gibt, die æhliche Varianten einer Störung des Sættigungsgefuehls haben – lebenslang, keine schöne Vorstellung!

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      2. Mona

        Ich hab auch einige Antidepressiva und andere Medikamente durch. Das ist echt heftig, was die teilweise machen.
        Bei einem war es besonders schlimm, da hatte ich schon sehr viel Ahnung über Abnehmen und was ich alles brauche und wie viele Kalorien ich so verbrenne usw. Wusste ich schon alles, weil ich erst paar Jahre vorher 10 kg abgenommen habe, ich hatte dann einen BMI von 21. Aber es hat alles nicht geholfen. Ich hab gegessen und gegessen. Zuerst fand ich das noch nicht so schlimm, weil ich wenigstens die Depression ein bisschen besser im Griff hatte. Irgendwann nach einem halben Jahr habe ich mein vorheriges Maximalgewicht überschritten und hab versucht ganz extrem abzunehmen, aber das haute auch nicht hin. Daraufhin hab ich Fettlogik überwinden gefunden und hab dann alles probiert und es ging auch nicht. Vom Verstand wusste ich alles und wurde vom Buch bestätigt und habe mich bemüht und ich hab mich trotzdem immer weiter überfressen (Es ist schrecklich, wenn man so kraftlos ist, dass man verzweifelt sich anschauen muss, dass man etwas macht, was man niemals wollte. Ich finde das fühlt sich an als ob jemand anderes einem das Essen in den Mund stopft und gleichzeitig sagt, wenn du das nicht isst, werde ich dich aus dem Fenster werfen, oder so ähnlich). Davon hatte ich eine Zunahme von 20 kg, hatte einen BMI von 29,irgendwas sehr nah an 30 und davor hatte ich furchtbare Angst, weil ich das von meiner Mutter kenne, wie belastend Übergewicht ist, schon allein von der Körpermechanik (oder wie man das kennen soll). Außerdem hatte ich noch eine doofe Nebenwirkung: Schwitzen. Das war gar nicht lustig immer einen nassen Rücken zu haben auch bei sehr kaltem Wetter draußen. Es war nicht sooo extrem, wie viel ich gegessen habe, sondern was. Wenn ich ganz viel Schokolade aufgegessen habe, dann hab ich mir natürlich das Mittagessen oder so gespart, was nicht so toll ist, weil ich dann zu wenig Eiweiß hatte usw. Ich nahm pro Woche ziemlich genau 400 g zu, habe also jeden Tag ca. 400 kcal zu viel gegessen im Durchschnitt. Da hätte ich jeden Tag 2 Stunden bisschen Sport machen müssen, aber ich war nicht in der Lage wegen der Depris und der Angst. Ich bessere mich in eher sehr kleinen Schritten.

        Natürlich hatte ich ich auch Angst, dass die Depression sich verschlimmern, wenn ich schon wieder ein anderes Medikament ausprobiere. Der Wechsel dauerte auch fast 6 Wochen, wo es mir bääh ging, bis ich mich an das Neue gewöhnt hab. Das neue Medikament fühlt sich anders an, aber ich lerne damit umzugehen, dass ich jetzt bisschen mehr meine Depression zurück habe, dafür ist das doofe Schwitzen weg und ich hab dieses jeden Tag Überfressen nur als PMS, was auch schlimm genug ist. Manchmal denke ich, man sollte PMS als psychische Störung einstufen, obwohl das höchstens eine ganze Woche dauert, ist es teilweise schlimmer als Panikattacken oder schwere Depression. Dann brauch ich immer den restlichen Zyklus, um mich von dieser Phase zu erholen. Irgendwas ist ja immer.

        Kennt ihr Reiseüberkeitstabletten? Die machen ziemlich müde und wenn ich dann nicht einschlafen will oder nach dem Schlafen aufwache, dann muss ich unbedingt etwas Schokoladiges (Fettiges mit Salz geht manchmal auch) haben und es die ganze Zeit essen, in diesen Momenten hab ich Angst vor mir, weil ich denke, ich würde sogar über Leichen gehen. Zum Glück nimmt man Tabletten gegen Reiseübelkeit sehr selten.

        Dieser komische Extremhunger, wo die Kontrolle über sich selbst versagt, hat einerseits ja nichts mit dem Körper zu tun, weil der ja versorgt ist mit genug Kalorien, aber andererseits hat es ja doch mit dem Körper zu tun, da es irgendwie durch die Medikamente verursacht wird bzw. direkt vom PMS ganz ohne Medikamente.

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    2. fak

      Ich weiß nicht…es ist ja schwierig, nur von eigener Erfahrung auf die Allgemeinheit zu schließen, aber mit 130kg als 1,83m-Mann, mit im Alltag geringer Bewegung und ein paar mal Sport die Woche, schaffe ich es in der Regel, bei 1200-1500kcal täglich keinen Hunger zu haben. Es hängt halt davon ab, was ich esse und wie es verteilt ist. Wenn ich doch mal Hunger habe, dann kann ich das meistens recht gut darauf zurückführen, wie die Ernährung an dem Tag sowohl zeitlich als auch auf die Lebensmittel verteilt war. Wenn man nicht total krass reduziert glaube ich eigentlich nicht, dass man ständig mit Hunger umgehen muss, wenn man eine für einen selbst passende Ernährungsweise gefunden hat.

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      1. Ich hatte/habe beim Abnehmen durchaus Hunger, aber das liegt im Wesentlichen an zwei Dingen:
        a) Ich möchte ein halbwegs hohes Defizit von wenigstens 1000-1500kcal/Tag haben und
        b) Ich möchte trotzdem noch 200-500kcal Süßigkeiten essen
        Das heißt ich esse typischerweise weniger als 1000kcal normales Essen. Wenn ich auf a und/oder b verzichten könnte müsste ich keinen Hunger haben. Ich habe laut fddb ca. 2400kcal inaktiven Tagesumsatz, das heißt ich könnte jeden Tag z.B.
        200g mageres Fleisch oder Fisch
        1kg Kartoffeln
        500g Magerquark
        1kg Gurken, Tomaten oder dergleichen
        + diverse Kleinigkeiten um daraus schmackhafte Gerichte zu machen
        essen und würde immer noch ca. n halbes Kilo pro Woche abnehmen – ohne Sport!

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    3. Wenn man sein Budget voll hat und noch immer Hunger hat, lernt man, dass man das Budget mit dem falschen Lebensmitteln ausfüllt und fängt an, solche zu suchen, die besser sättigen. Oder wenn das nicht klappt, dass man sein Budget etwas hochsetzen kann. Und trotzdem abnimmt, nur eben langsamer.

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    4. Mona

      „wenn man sein Kalorienbudget für den Tag gegessen hat, aber danach immer noch Hunger hat.“

      Ich denk, dann soll man sich ablenken, insbesondere mit anstrengendem Sport, sodass man entweder ganz vom Hunger abgelenkt ist oder so dass man dann doch noch ein wenig essen kann durch die erarbeiteten Kalorien.

      Vielleicht helfen auch „Skills“, wie Borderline-Leute sie benutzen. Das ist bestimmt sehr viel Arbeit soweit zu kommen und in der Zwischenzeit muss man mit Rückfällen zurecht kommen, was auch nicht leicht ist.

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      1. Mona

        Manche Leute gehen dann schlafen, wenn sie noch Hunger haben, aber entschieden haben nicht noch mehr zu essen. Das würde ich auch gern können. Mir tut schlafen gut, leider bekomme ich das eher schlecht als recht hin.

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  7. kork

    Nee, hungrig schlafen können nur die wenigsten. Mona, viel Erfolg mit dem neuen AD.

    Sport macht hungrig. Direkt danach vielleicht noch nicht, aber nach 1-2 Std. kommt bei mir gesunder Appetit auf. Das ist doch bestimmt bei den meisten so, der Körper ist doch nicht blöd?

    Auch die Sache mit Karotten gegen Heisshunger und so: ich habe den Eindruck, das fnktioniert nur bei Gemueseanfængern. Wer immer schon gern Gemuese gegessen hat, dem wird sein hungriger Magen was husten, wenn da nur Rohkost kommt!

    Nein, das sind keine faulen Ausreden – ich hatte noch nie mehr als BMI 22. Nicht wegen Veranlagung, sondern weil ich von Klein auf an vernuenftige Ernæhrung und viel tægliche Bewegung gewöhnt wurde. Aber ich verstehe auch gut, dass andere es schwerer haben.

    Menstruationsbeschwerden duerften allerdings mit der Gewichtsabnahme deutlich geringer werden. Mein „Tage“ dauern nur 36-48 Std. Wie ist deine Erfahrung, Mona?

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    1. Naja, n Kilo Gurkensalat hilft schon gegen Hunger, ebenso wie n Liter Wasser … allerdings auch ähnlich lange. Ist ne solide Option um noch 1-2 Stunden bis zum Essen zu überbrücken (oder die Zeit bis zum Einschlafen ^^).

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      1. kork

        …also bei mir funktioniert da nicht. Verhælt sich dann so, wie ich es schon oben beschrieb (dort als Absetzsymptom bei Antidepressiva, durchaus auch bei gemischter Kost): Magen proppenvoll und immer noch hungrig. Ja, das geht!

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    2. Mona

      „Magen proppenvoll und immer noch hungrig. Ja, das geht!“
      Das ist gut beschrieben!

      Was meinst du mit deinen „Tagen“? PMS oder die Menstruation? Bei mir dauert beides auf jeden Fall deutlich länger als 40 h.

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      1. kork

        …wir geraten hier auf Abwege mit diesem Frauenthema… aber vielleicht liest du dies ja noch:

        Ich habe den Eindruck, dass uebergew. Frauen sehr viel stærker gebeutelt werden, sowohl was die Dauer der Tage als auch PMS (hab ich gar nicht) angeht (ist ja auch logisch, Fettgewebe – Hormonproduktion). Was ich meinte, war: du hattest ja stark abgenommen, hat sich das nicht verændert bei dir?

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      2. Mona

        Es hat sich bei mir nichts verändert.
        Ich merke nur eine Veränderung in Bezug auf Sport. In meinem Leben waren die „Tage“ zu Zeiten mit weniger Sport/Bewegung/Dehnung immer schmerzhafter als mit Sport/Bewegung/Dehnung. Ansonsten wirklich kein Unterschied. Ich kann mit BMI 19 9 Tage durchbluten und mit BMI 29 nach 5 Tagen fertig damit sein. Kommt bei mir wie gesagt eher auf sportliche Anstrengung an.

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  8. IULIUS

    Ich würde die Sache ganz anders angehen, wenn die einen Umsatz von 3.400 kcal haben, was müssen die dann noch zusätzlich gegessen haben, um auf das Gewicht zu kommen.

    Betreffend Verbreitung von Schwachsinn:
    Zum einen denkt kaum jemand wirklich über das nach, was er liest. Zum anderen, es ist neu also wird es verbreitet. Den Effekt kann man gezielt ausnutzen. Es gibt zu viele denen es nur darum geht „bekannt“ zu werden…

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  9. Danke für die Erklärung!

    Ich finde das Fazit – ja. wie finde ich es?? Ich entscheide mich für LOL.

    Unglaublich. Am Ende der Show hatten die Kandidaten also ein Tagesbudget von 3000 und werden trotzdem fett. Und das, weil ihr Stoffwechsel ruiniert ist.

    Ich meine – oh mann. Oh mannohmannohmann.

    Und jetzt sind sie überall das Opfer.

    Oh Mann. Oh Frau.

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  10. Peter Meier

    Grundsätzlich kann ich deiner Argumentation gut folgen – allerdings glaube ich, dass Forschung gerade dann interessant wird, wenn unerwartete Ergebnisse auftauchen. Ein Punkt – von dem aus eben weiter geforscht/untersucht werden müsste, z.B. mit verbesserter Messmethodik.

    Ich weiß nicht, ob es dieses a) „Absinken“ des Grundumsatzes wirklich in so starker Form gibt und b) ein Absinken weit nach dem Abschluss der Diät vielleicht doch auftritt. Meine These dazu wäre, dass nach einer so traumatischen Erfahrung wie „Biggest Loser“ bei manchen Ex-Teilnehmern sich eine regelrechte Sportallergie einstellt, und in Verbindung mit Alterungseffekten der Grundumsatz (wenngleich vermutlich nicht so stark wie publiziert) dann tatsächlich absinken kann.

    Umgekehrt würde ich vermuten, dass Ex-Teilnehmer, welche mindestens 4 x pro Woche weiter Sport treiben im Umfang von mindestens insgesamt 7 Stunden pro Woche (noch besser: 14 Stunden…) den Grundumsatz eher stabil halten können im Verlauf von 6 Folgejahren.

    Ist aber eine ziemlich wilde Spekulation meinerseits.

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    1. Ich bin voll bei dir, was das Weiterforschen bei interessanten Ergebnissen anbelangt – allerdings ist das halt ein Feld, in dem schon recht viel geforscht wurde und auch schon recht viele Ergebnisse vorliegen. Also nicht unbedingt so, dass nun ein bahnbrechend neues Thema mit überraschendem Ergebnis gefunden wurde sondern mehr so „Hm, komisch, diese Studie hat komplett andere Ergebnisse als die fünfzig Studien davor“ – klar, wenn dieses Ergebnis nun in weiteren (und methodisch besseren) Studien wieder auftreten sollte, müsste man die bisherigen Ergebnisse in Frage stellen oder eben differenzierter forschen. Aber in Anbetracht der Kritikpunkte und der wirklich unrealistischen Werte der ersten Messungen vermute ich eher, dass es sich schlicht um fehlerhafte Daten handelt.

      Wenn in einer Testreihe der Verbrauch eines Autos immer zwischen 5,5 und 5,8 Liter liegt, und plötzlich liegt er bei 2 Liter, würde man ja auch eher das Messgerät prüfen als davon auszugehen, plötzlich ein Superauto erschaffen zu haben^^

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  11. Die andere Mona

    Lustiger (oder trauriger??) Weise erinnert mich die Studie an meinen Arbeitsplatz. Ich arbeite in einem Labor in dem durch häufigen Chefwechsel und ungenaue/mangelnde Dokumentation häufig die gleichen Prüfungen gemacht werden, bevorzugt von Azubis – die haben ja Zeit! Meistens kommt bei den Prüfungen das gleiche Ergebnis raus… wie endtäuschend… 😦 Aber wenn ein Azubi dann mal was verwechselt und dabei auf ein „Bahnbrechendes, neues“ Ergebnis stößt, das dem aktuellen Chef viel besser gefällt, als das alte Ergebnis, wird aufgrund dieses Ergebnisses mindestens noch 5 weitere Mitarbeiter beschäftigt um noch weitere supertolle Ergebnisse zu finden!
    Meistens wird dann aber relativ schnell klar, dass der Azubi einfach etwas ungenau gearbeitet hat, oder ähnliches :’D

    Ich bin auf jeden Fall heilfroh, dass ich diesen Blog hier gefunden habe auf dem solchen „bahnbrechenden und sensationellen“ Studien, auf die sich die Medien momentan ja gerade zu stürzen, schnell den Wind aus den Segeln genommen wird. 🙂
    Aber trotzdem traurig, dass so etwas überhaupt veröffentlicht werden darf…

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  12. Das mit dem Sättigungsgefühl, also, ich hab eigentlich immer Hunger. Nicht so, dass ich dringend was essen müsste, aber richtig normal satt fühle ich mich selten. Kommt wohl daher, dass ich als Teenager aufgrund meiner Fructoseunverträglichkeit immer Heißhungeranfälle hatte und wahllos alles in mich reingestopft habe. Ksnn msn dadurch den Trigger im HIrn verschieben? Also quasi das Gefühl ruinieren? Wird nur langsam besser, seit ich mich selbst diagnstiziert habe. Sprich die Tipps zum Kaloriensparen mit Obst essen und so, die würden bei mir nach hinten losgehen und neuen Hunger auslösen. Vielleicht ist das hier bei einigen auch so. Grade wenn ich versucht habe, mich ‚gesünder‘ mit viel Obst, Gemüse und Salat zu ernähren, folgten Heißhunger und Durchfall. Durch den dadurch entstandenen Reizdarm ist es etwas schwierig mit Vollkornprodukten, auch soll ich nicht zuviel Kohlehydrate. Bin bei Obst und Gemüse eingeschränkt, aber der Heißhunger wird besser! Viel Protein und dadurch leider auch Fleisch (Hülsenfrüchte als Proteinquelle darf ich wegen der Oligofructose nicht so) helfen. Manchmal können es auch versteckte NAhrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten sein, die es schwierig machen.

    Allerdings war ich immer zu dünn. ‚Dank‘ der Durchfälle…Auch das ändert sich ein bisschen. Wobei ich auch noch extrem zeirlich bin, Normalgewicht würde bei mir schon merkwürdig aussehen für mein Empfinden 😉

    Was mich bei der BL Studie gewundert hat, war die Aussage eines Teilnehmers, er könne wegen des kaputten Stoffwechses nicht mal eben ein Bier trinken wie seine Kumpels, er würde sofort zunehmen, die nicht. Fragt sich, was der Mann so isst, im Gegensatz zu den anderen???

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  13. Mike

    Mir ist gerade aufgefallen, dass offenbar die Kontrollgruppe fehlt. Die Nasenbohrer haben die aktuellen Messwerte nicht gegen eine Kontrollgruppe ähnlich schwerer Personen verglichen, die dieses massive Abnehmen NICHT unternommen haben, sondern sie nehmen eine selber aus den eigenen meßwerten entwickelte Formel als Vergleichswert. Damit beisst sich die Schlange aber in den Schwanz.

    Das macht die ganze Studie wertlos, und mein Prof hätte die mir um die Ohren gehauen!
    Die (not so) peer Reviewer sind wohl selber den Fettlogiken verfallen!

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