Gastbeitrag: The biggest Loser

Nachdem in den letzten Tagen x Mal der Wunsch geäußert wurde, einen Beitrag zur Show „The biggest Loser“ zu bringen, und ich immer nur sagen konnte, dass ich die Serie noch nie gesehen habe, hat sich schließlich Robin Urban als langjähriger Fan der Sendung, erbarmt und einen Gastartikel geschrieben (ihr erster Gastartikel „Dem Hungerstoffwechsel auf der Spur“ erschien im November 2015).

Letzte Woche startete auf Sat1 die inzwischen schon 8. Staffel des Reality-Formats „The Biggest Loser“. In dieser Show treten übergewichtige Kandidaten gegeneinander an, um zu ermitteln, wer von ihnen innerhalb der gesetzten Zeit prozentual das meiste Gewicht verliert. Dem Gewinner winken am Ende 50.000 Euro – und ein neues, schlankeres Leben.

Seit dem Start dieses Formats, das, wie könnte es anders sein, aus den USA importiert worden ist, steht die Show unter Kritik. Das fängt beim Namen an („The Biggest Loser“ – soll das heißen, die dicken Kandidaten seien allesamt Versager?), setzt sich mit dem bekannten „Fatshaming“-Vorwurf fort, mit dem inzwischen ja ausnahmslos alles (und jeder) bedacht wird, was Abnehmen als in irgendeiner Form erstrebenswert darstellt und endet mit dem besorgten Hinweis, die Kandidaten würden verhöhnt und als Lachnummer vorgeführt.

Darum soll es hier eigentlich mal nicht gehen. Zu Punkt eins und zwei mag ich mich wirklich nicht äußern, da es mir heillos übertrieben erscheint, und bei Punkt drei bin ich der Meinung, dass dies auf ALLE Reality-Shows zutrifft – in der gesamten Fernsehlandschaft wird man keine finden, die nicht wenigstens ein bisschen voyeuristisch, distanzlos und teils hämisch rüber kommt. Immerhin wollen die Zuschauer Drama. Dass die Kandidaten in ihrer Körperlichkeit abgewertet werden, also wegen ihres Gewichts verspottet werden, finde ich dagegen ganz entschieden NICHT. Im Gegenteil – oft wird bei der Schilderung des Leidenswegs der einzelnen Kandidaten so auf die Tränendrüse gedrückt, dass einem fast selber der TV-Snack nicht mehr schmeckt. Es mag von Seiten des Senders geheuchelte Empathie sein, aber wenigstens IST es eine Form von Empathie.

Nein, heute soll es abseits von aller bereits geäußerten Kritik nur um ein Thema gehen:

Wie viel Fettlogik steckt in „The Biggest Loser“?

 

Seit dem Start der Serie habe ich die meisten Staffeln verfolgt und wohl fast alle Folgen gesehen. Selber ein kleines Moppelchen fieberte ich mit. Auch jetzt noch fasziniert mich die Show. Ich würde also unterstellen, dass ich einen recht guten Überblick über die in der Show vermittelten Inhalte habe. Und leider bin ich der Meinung, dass einige wirklich dicke Fettlogiken reproduziert werden.

Dazu muss man sich vorstellen, was die „Loser“ den ganzen Tag so treiben. Sie sind in einem abgeschotteten Camp im schönen Andalusien untergebracht, wo sie auch neben den regulären Trainingseinheiten mit ihren jeweiligen Coachs jederzeit Zugang zu einem Fitnesstudio (und einem ziemlich geilen Swimmingpool) haben. Bewegung ist damit ein essentieller Bestandteil des Kandidaten-Alltags. Wie dieser genau aussieht, wird zwar nie so richtig enthüllt, aber in der letztjährigen Sonderstaffel, in der übergewichtigte Teenager statt Erwachsene gegeneinander antraten, konnte ich einmal einen Blick auf einen Tagesplan erhaschen. Laut diesem besteht das Programm fast ausnahmslos aus Sport. Außerdem steht den Kandidaten eine eigene Küche zur Verfügung, in der sie Mahlzeiten zubereiten können mit Lebensmitteln, die ihnen wohl geliefert werden – ob nach ihrer „Bestellung“ oder einfach so, wird ebenfalls nicht gezeigt. Mehrmals die Woche finden schlussendlich sogenannte Challenges statt, in denen die Kandidaten üblicherweise Preise gewinnen können, die ihnen das Weiterkommen in die nächste Runde erleichtern. Am Ende der Woche wird dann gewogen. Wer am wenigsten abgenommen hat, fliegt normalerweise raus.

Und was da alles abgenommen wird! Letzte Woche sprengte ein Kandidat den bisherigen Rekord und schaffte (bei einem Ausgangsgewicht von mehr als 200kg) in der ersten Woche über 15kg. Eine unglaubliche Zahl, eine regelrechte Sensation, aber natürlich genau das, was die Zuschauer erwarten.

Make it big!

Diese Art Sensationalismus ist für die Einschaltquoten nötig und damit leider Schuld an der Tortur, der sich die Kandidaten unterziehen müssen. Denn solche unfassbaren Erfolge (die mit Sicherheit auch mit ein bisschen Gemauschel beim Ausgangsgewicht zustande kamen – ein paar Flaschen Wasser vorm ersten Wiegen machen’s möglich) sind selbst bei morbid adipösen Kandidaten nur durch massiven Sport zu erreichen.

Wie wir wissen hat jeder Mensch, gemessen an seiner Größe und seinem Gewicht, einen individuellen Grundumsatz. Dieser steigt bei höherem Gewicht, doch da bei einem Körper über BMI 30 das Verhältnis Fett : Muskeln langsam aber sicher eindeutig zugunsten der Fettmasse kippt, haben selbst Menschen über 200kg keinen so hohen Grundumsatz, wie ihr gewaltiges Gewicht vermuten lässt, da Fett im Ruhezustand weniger Energie braucht als Muskeln (siehe Broca-Index). Allein durch Kalorienreduktion sind die gewünschten und quotenträchtigen Wiegeergebnisse also nicht zu erreichen. Also heißt es:

Sport Sport Sport!!!

Nun ist gegen Bewegung ja an sich nichts einzuwenden und möchte man dem Schicksal „Skinny Fat“ entgehen, wird man irgendwann auf seinem Abnehmweg nicht mehr drum herum kommen. Aber wie wir aus „Fettlogik“ gelernt haben, ist Sport erstmal weder nötig zum Abnehmen, noch bei einem bestimmten Gewicht sonderlich empfehlenswert.

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Die diesjährigen Kandidaten

Die meisten Kandidaten in dieser Staffel haben ca. 50-100kg Übergewicht, ein paar sogar noch mehr. Als erste Aufgabe in der ersten Folge mussten sie einen 1,5km langen Lauf absolvieren, um sich überhaupt für die Show zu qualifizieren. Es ging eine Düne hinauf und wieder hinab, mit und ohne Treppen, über weichen Sand, in dem die Kandidaten teilweise bis zu den Knien einsanken.

Laufen auf Sand – ein anstrengendes, hocheffektives Training und absolut ungeeignet für morbid adipöse Trainingsanfänger.

Dies ist nur ein Beispiel für die Art Sportprogramm, das man den Kandidaten angedeihen lässt. Weder die Trainingsgeräte, noch die Challenges sind für die individuellen Herausforderungen gemacht, vor denen die richtig, richtig dicken Kandidaten stehen. Diese Menschen, die teilweise laut eigener Aussage seit Jahren nicht mehr wirklich von der Couch aufgestanden sind, haben weder die nötige Beweglichkeit, noch sind ihre Gelenke den starken Belastungen auf Dauer gewachsen. Sprich, die Verletzungsgefahr ist bei diversen Aufgaben viel zu hoch.

Leider wird das nie so wirklich thematisiert. Zwar gibt es in jeder Staffel mindestens einen Kandidaten, der sich wegen Knie- oder Knöchelproblemen behandeln lassen muss (wobei es wie ein Wunder scheint, dass es nicht noch mehr sind) und geht es ins Wasser, wird das Credo „Schwimmen ist besonders gut für Übergewichtige“ brav wiedergekäut, doch was nützt das bitte – wenn die selben Kandidaten nur kurz darauf aufs Laufband gescheucht werden, obwohl ein Crosstrainer wesentlich gelenkschonender wäre?

Darüber hinaus wird den Kandidaten nichts mitgegeben, was man unter „Bewegungslehre“ zusammenfassen könnte. Sport ist gut, alles klar – aber wäre es nicht sinnvoll, mal vertieft auf den Unterschied von Kraft- und Ausdauertraining einzugehen?
Genau diese Art muskelaufbauendes Krafttraining, das in „Fettlogik“ zurecht angepriesen wird, scheint im Camp nicht zu existieren. Zwar sind einige Übungen – ich denke da an die Folter mit den beiden dicken Seilen, „battle ropes“ genannt, die in Schwingung versetzt werden müssen – mit Sicherheit anstrengend genug, um einen Muskelaufbau zu begünstigen. Aber hier muss man sich wieder fragen, ob geführtes Krafttraining an Maschinen für solche – no offense – absolute Noobs nicht ebenfalls effektiver und sicherer wäre. Eben solche Maschinen, die es in jedem Fitnesstudio auf dieser Welt gibt, hat das Biggest-Loser-Camp offensichtlich nicht zu bieten. Stattdessen: Viele Übungen mit freien Gewichten, oft so schlecht ausgeführt, dass mir schon beim Zukucken der Rücken wehtut und wohl absichtlich an ein Militärlager erinnernde Parcours durch LKW-Reifen, die regelrecht danach schreien, Knöchel umzuknicken und Kniescheiben rausspringen zu lassen.

Zudem scheinen Regenerationstage nicht eingeplant zu sein, an denen sich die Muskeln von den ungewohnten Strapazen erholen können.

Und fehlt da beim Punkt „Muskelaufbau“ nicht noch was? Natürlich: Eiweiß!
Wir Fettlogik-Fans kennen das Problem, gerade bei sportlicher Betätigung genügend Protein zu uns zu nehmen, ohne gleichzeitig Massen an Kalorien in uns reinschaufeln zu müssen. Dieses Thema wird bei „The Biggest Loser“ vollständig ignoriert. Damit haben die Kandidaten also nicht nur eine extrem hohe Belastung durch den vielen Sport ohne Ruhetage, sondern scheinen nicht mal zu wissen, dass sie ihren Muskeln Reparaturstoff zuführen müssen – und das nicht zu knapp. Im besten Fall führt diese Mangelernährung zu Muskelkater und Wassereinlagerungen, im schlimmsten Fall begünstigt auch das Verletzungen und zerstört Muskeln eher, als dass da irgendwas aufgebaut wird.

Kaloriendefizit?

Was uns zur Frage führt: Was GENAU essen die Kandidaten eigentlich – und wie viel?

Meiner Beobachtung nach ist das Thema „Ernährung“ eines, dem von Staffel zu Staffel immer weniger Platz eingeräumt wird. Gab es in den ersten Staffeln immer mal wieder Challenges, die sich um diesen großen Komplex drehten – beispielsweise ein Spiel, bei dem die Kandidaten die Kalorien diverser Lebensmittel schätzen sollten – oder Folgen, in denen sie zeigen sollten, was sie gelernt haben und zum Beispiel gemeinsam ein gesundes, kalorienarmes Menü kochten, hat sich der Fokus in den späteren Staffeln immer mehr Richtung Sport verschoben.

Natürlich! Immer schweißtreibendere, kreativere oder schlichtweg irrsinnigere Bewegungsspiele sehen im Fernsehen nun mal viel großartiger aus als ein paar Kandidaten, die einträchtig zusammen Gemüse schnippeln.

Natürlich landet längst nicht alles, was die Kandidaten so erleben am Ende auch im Fernsehen. Und irgendwelche Art von Tipps müssen sie wohl bekommen, allein schon, damit die Wiegeergebnisse sensationell bleiben. Aber wie sinnvoll dürfte das wohl sein? „Obst hat viel Zucker, deshalb solltet ihr das morgens essen, mittags dann Gemüse…“ lauteten die äußerst knappen Anweisungen in der ersten Folge der neuen Staffel, bevor auch schon wieder übergeblendet wurde zu hart trainierenden Kandidaten. Und das soll das ganze Geheimnis sein?

Ich kann mich nicht erinnern, dass auch nur einmal in all den Staffeln wirklich eine Kalorienbedarfsrechnung aufgemacht worden ist. Wie viel braucht Kandidat X? Wie viel Defizit kann er erreichen? Wie viel darf er am Ende essen, ohne zuzunehmen? All das wird nicht thematisiert. Genauso wenig wie Ernährungspläne. So erfährt man in der letzten Staffel erst in einer der letzten Episoden, dass die Kandidaten offensichtlich täglich 1500kcal zu sich genommen haben – das aber nur ganz am Rande bei einem Spiel, bei dem sie ein Menü innerhalb dieses Kalorienrahmens zusammen stellen sollen (zu sehen hier, etwa ab Minute 35) – bei dem die Unsicherheit der Kandidaten bei diesem Thema offensichtlich wird. Man merkt: So ganz haben sie anscheinend nicht verinnerlicht, was ihnen da (angeblich) beigebracht worden ist.

Überhaupt: Tipps werden gerne in Form von Alltagsweisheiten wiedergegeben, aber bei der Nutzung konkreter Begrifflichkeiten herrscht eine auffällige Vermeidungshaltung vor. „Ja, ich bin am leichtesten, aber man muss ja auch sehen, dass ich nicht so groß bin,“ piepst die knapp 1,50 große und 90kg schwere Dani nach dem Wiegen in die Kamera. Wäre das nicht mal die perfekte Gelegenheit, vom BMI zu reden, der den Zusammenhang zwischen Größe und Gewicht immerhin perfekt darstellt?

Fazit

Immerhin: Die größte Fettlogik überhaupt, nämlich der idiotische Hungerstoffwechsel, wird von der Show nicht reproduziert (was aber ja auch mit dem Konzept unvereinbar wäre). Stattdessen findet sich in der Show neben den bereits genannten Problematiken vor allem in den Aussagen der Kandidaten Massen von großen und kleinen Fettlogiken, die niemals und in keiner Form kommentiert werden. Was nur beweist, dass die Kandidaten vielleicht langfristig besser damit fahren würden, in ein bestimmtes Buch reinzusehen, statt bei einer sensationalistischen Show mitzumachen.

Zwar wäre es absolut vermessen, von einer solchen Show einen Bildungsauftrag für das Publikum zu erwarten (allein deshalb, weil sie dadurch potentielle Kandidaten für die nächsten Staffeln verlieren würden), aber für die Kandidaten würde ich mir doch etwas mehr Sorgfalt wünschen. Stattdessen wird darauf verzichtet, wirkliches Wissen zu vermitteln, wenn beispielsweise wie in jeder Staffel irgendwann mindestens eine Person wie ein Häufchen Elend auf der Waage steht und sich selber nicht erklären kann, warum diese nicht nach unten gegangen ist (oder auch mal „nur“ 2kg weniger anzeigt!), woraufhin Trainer, Moderatorin und Campärztin geschlossen in typischer „Wir sind nicht wütend, wir sind nur enttäuscht“-Manier mit den Kopf schütteln – und niemand mal auf die Idee kommt nachzurechnen, ob das überhaupt sein kann, nach einer Woche Sport nonstop. Solche absolut normalen Plateaus haben schon einigen hochmotivierten Kandidaten den Rauswurf beschert.

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Der Gewinner 2014

Dennoch… so wenig man von dieser Show auch lernen kann, so lebensverändernd ist sie doch für manche Kandidaten. Und ich muss zugeben: Dabei sehe ich gerne zu. „The Biggest Loser“ bleibt auch noch im 8. Jahr mein biggest Guilty Pleasure der deutschen Fernsehlandschaft – das ich jetzt noch viel mehr genießen kann, seitdem ich selber Dank „Fettlogik überwinden“ nicht mehr dick bin und mich an die Stelle der Kandidaten wünsche.

„The Biggest Loser“, Sonntag, 17:45h auf Sat1 (oder online)

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35 Gedanken zu “Gastbeitrag: The biggest Loser

  1. Lexi

    Klasse Artikel, genau das Gleiche habe ich mir letzten Sonntag auch gedacht, als ich die Stark übergewichtigen im Sand rennen sah, taten mir schon die Gelenke weh… ich hätte das so nicht durchgehalten.

    Seit ich Fettlogik kenne, ist das Anschauen eines tendentiell eher langweiligen Formats viel lustiger geworden. 😎

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  2. Weil ich nicht verstehen kann, wie Menschen so mit sich umgehen lässt,schaue ich dieses Sendungsformat aus Prinzip nicht. Ausserdem wie schon hier geschrieben wurde,wird zuwenig auf die Ernährung ein gegangen und diese Challenge sind für mich kein Sport,sondern Mord am eigenen Körper. Was nützt einem da das gewonnene Geld,wenn die Seele zerstört wurde?

    Also lese ich euch lieber weiterhin und hole mir Rat ein und lasse die Sendung von den anderen schauen.

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  3. Ich kann solche Reality-Sendungen nicht gucken, mein Fremdscham ist zu groß. Das einzige was ich gerne geguckt habe sind die Schnäppchenhäuser, besonders als wir selbst gerade unser Haus saniert haben. Aber auch da wurde es im Laufe der Zeit immer schlimmer (wenn man dann den klassischen Fall hat, Haus für 20k gekauft, 5k zum Renovieren und man sieht aus persönlicher Erfahrung, daß man da unter 200k garnicht erst anfangen braucht…).

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  4. Ich habe mich auch immer gefragt wie diese Leute es mit ihrem Gewicht schaffen, solchen Sport zu treiben. Ich merke ja sogar „nur“ mit 20 kg mehr als Idealgewicht wie anstrengend Sport geworden ist und fange vorsichtig an, damit ich Rücken und Gelenke schone. Aber da wundert es mich auch, warum es nicht mehr Verletzungen gibt, und interessant wäre auch eine Untersuchung wie die Gelenke danach aussehen. Da gibt es wesentlich humanere Formen um abzunehmen.
    Ich habe mittlerweile keinen Fernseher mehr, weil ich einfach keinen Bedarf dazu habe. Ich schaue Serien nur noch im Internet und den ganzen Reality-Show-Kram vermisse ich wirklich überhaupt nicht.

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  5. Eva

    Leider wurde heute doch die Hungerstoffwechsel-Logik bemüht, einer der Kandidaten wollte auf sein Mittagessen verzichten und eine Mit-Kandidatin sagte dann im Kommentar, dass dann aber der Körper alles einlagert, was er kriegt und kein Fett mehr abbaut. *seufz*

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  6. Mona

    Ich hab die 1. Staffel geschaut.
    Ich fand es immer so seltsam, wie die von „nur 2 kg“ oder Ähnlichem geredet haben. Sie berücksichtigen gar nicht, dass es Schwankungen gibt. Da wird man direkt rausgeschmissen, als ob man jedes Gramm steuern kann. Diese Enttäuschung der Moderatoren ist besonders fies, finde ich. Vor allem, wenn die Kandidaten keine Ahnung haben, wie ihr Körper auf besondere Belastungen reagiert, wie viel und was sie essen können angepasst an die Anstrengung (damit man die Spiele gewinnen kann und sich nicht verletzt).

    Ich stelle mir vor, wenn ich keine Ahnung von Physik, Ernährung und Sport habe und im Fernsehen sehe, dass es so viele Leute gibt, die es auch nicht geschafft haben, obwohl ihr Übergewicht ein großes Problem darstellt, dann würde ich auch denken, dass ich das nicht schaffen kann.
    – Ich bin ja alleine und hab diese Experten nicht.
    – Man muss sich extrem quälen und den ganzen Tag Sport machen, sonst nimmt man ja nichts ab.
    – Wenn man nur 200 g in einer Woche schafft, dann ist man ja ein Versager und „es klappt bei mir einfach nicht, ich muss für immer dick bleiben“
    – usw usf

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    1. Das habe ich jetzt gar nicht bedacht (hätte eigentlich noch gut in den Artikel reingepasst), aber das stimmt schon. Ich habe die Sendung immer gerne gesehen, dabei aber immer gedacht „Ach, hätte ich doch auch mal so eine Gelegenheit“, wohlwissend, dass ich nicht dick genug war für ein solches Format (und mich natürlich niemals beworben hätte). Irgendwie war ich mir immer sicher, dass ich es alleine niemals schaffen kann, weil ich von selber nie so viel Sport machen kann. Daher vermittelt die Sendung schon irgendwie ein Bild, das die Zuschauer am Abnehmen hindert.

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  7. Wie sieht denn ein gesundes Anfängertraining aus? Was sollten denn die Ziele sein? Kraft, Ausdauer, Verbesserung des Herz-Kreislauf-Systems, Beweglichkeit, Kalorienverbrauch? Welche Grenzen sind gesetzt?

    Ich kann hier nurmal meinen Kenntnisstand wiedergeben:

    Ausdauersport:

    Die roten Muskelfasern (Typ 1, aerob) werden genutzt:

    Kraft o
    Ausdauer ++
    HKS +
    Beweglichkeit +
    Kalorienverbrauch ++

    Grenzen: Übermäßiger Ausdauersport führt zu Störungen des Eiweißstoffwechsels, zu Änderungen des Hormonspiegels mit der Folge von schlechteren Bändern und Bindegewebe und in extremen Fällen Depressionen. Die positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System sind vorhanden, aber eher gering.

    Kraftsport:

    Die rosa (Typ 2a, anaerob, laktiv) und weißen (Typ 2b, anaero, alaktiv) Muskelfasern werden genutzt:

    Kraft ++
    Ausdauer +
    HKS ++
    Beweglichkeit von o bis ++
    Kalorienverbrauch o

    Grenzen: Möglichkeit der Überlastung von Gelenken, geringer Kalorienverbrauch.

    Knochen und Bindegewebe benötigen Belastung um zu wachsen, die nötige Belastung kann durch Kraftsport sehr effektiv erreicht und individuell angepasst werden. Die positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System sind um ein Vielfaches höher als beim Ausdauersport (z. B. Blutfettwerte, Blutdruck). Die Beweglichkeit und Koordination ist von der Trainingsart sehr unterschiedlich. Prinzipiell kann man mit geringem Aufwand große Erfolge erzielen. Die sog. Grundübungen (z. B. Kniebeuge, Brustdrücken, Kreuzheben) bieten eine gute Balance von Kraft- und Koordinationstraining, sind dafür schwerer in der Ausführung wogegen Maschinentraining isolierte Muskeln gut trainiert, aber keine großen Effekte auf die Koordination hat.

    Sonderthema Schwimmen. Ein Mythos lautet, dass Schwimmen besonders gesund für Übergewichtige sei. Dies ist ein Irrtum! Die Belastung wird durch den Auftrieb im Wasser herabgesetzt, somit entstehen durch Schwimmen kaum Belastungen, was zur Folge hat, dass die Muskeln, Knochen und sonstigen Bindegewebe nicht genügend belastet werden und eher verkümmern. Durch die Auskühlung im Wasser kann es überdies zu Heißhungerattacken kommen.

    Vielleicht sollten wir mal Sportlogiken auseinandernehmen…

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  8. rinablau

    Ich fine es irgendwie bekloptt, um die Wette abzunehmen. Jeder startet doch mit ganz anderen Voraussetzungen und bei jedem liegt das Problem woanders. Besonders nachhaltig ist das ja auch nicht.
    Es gab mal eine andere Show, bei der jeweils ein einzelner Kandidat über ein Jahr beim Abnehmen begleitet wurde. Der bekam einen Personal Trainer, Ernährungsberatung etc. Das fand ich um einiges sinnvoller und ein wenig würdevoller, als „the Biggest Loser.“ War nur leider kein Erfolg, da es weniger zum „guilty pleasure“ taugte, vermutlich,,

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  9. Ich glaube, dass diese Sendung Menschen eher davon abhält, abzunehmen als sie dazu zu motivieren. Es wird doch ziemlich eindeutig vermittelt, dass Abnehmen nur mit Drill, viel viel viel Sport und Demütigungen möglich ist. Das sind alles Sachen, die ich niemals in Kauf genommen hätte um auch nur ein Kilo abzunehmen.

    Gefällt 2 Personen

  10. Ich habe die Staffel gesehen, bei der der eine Zwilling gewonnen hat, während der andere wohl zwischen seinem Ausscheiden und der letzten Folge wieder zugenommen hat.
    Das hat mir damals gezeigt, dass es nicht an den Genen liegen kann. Für mich persönlich also ein Anti-Fettlogik-Effekt.

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  11. Mona

    Das mit den Zwilingen hab ich auch mitbekommen.
    Da sieht man wie extrem der Alltag auf das Gewicht einwirkt. Der am Ende dünne Zwilling hat sich extra einen Job gesucht, wo er oft auf den Beinen ist und teilweise anstrengende Sachen machen muss. Er ist so ein dhl-Bote geworden und hat sich extra oft bewegt und auf sein Essen geachtet. Er hat aus sich eine sportliche Person gemacht, die nicht über ihren Bedarf isst. Sein Bruder hat nicht wirklich auf sein Essen geachtet und hatte auch nicht so einen aktiven Alltag.

    An der Show finde ich die letzte Sendung immer toll, wenn die Leute schon länger Zuhause sind und man sieht, wie sie ihr Verhalten ändern oder nicht. (Das ist natürlich spannender, wenn man die ganzen Folgen vorher gesehen hat, um die Personen ein bisschen zu kennen und mit zu fiebern.)

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  12. Ochmonek

    Danke für den Beitrag, Robin.

    Es gab also tatsächlich schon Hinweise zur Ernährung bei The biggest Loser. Ist mir bisher nicht aufgefallen.

    Bei den 2 Staffeln, die ich (nicht vollständig) gesehen habe, dachte ich immer, wenn man das Wiegen deutlich kürzen könnte. Willkurlich hin und her springende Zahlen, die dann irgendwann auf einem Wert stehen bleiben, finde ich langweilig. Da hätte man Zeit, stattdessen Ernährungstipps unterzubringen.

    Mein Eindruck von der Sendung: Sie vermittelt den Eindruck, dass zum Abnehmen nur eiserne Disziplin und Quälerei beim Sport erforderlich sind. Zum Konzept der Sendung gehört auch, dass das Thema Ernährung nur in den Werbeunterbrechungen behandelt wird.

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      1. Ochmonek

        Von der aktuellen Staffel habe ich noch nichts gesehen. Sonntagnachmittags ist für mich keine Fernsehzeit.

        Früher war auf jeden Fall Almased dabei. Vermutlich war auch Cola Light/Zero dabei. Und all die Produkte, deren Namen mir jetzt nicht einfällt, wo in den Spots von Verdauung die Rede ist, und die dir mit schönen Worten nichts anderes verkaufen als Sch*ße in der richtigen Konsistenz.

        Insgesamt nichts, was man nicht auch in anderen Werbeblöcken sehen würde, nur dass Produkte, die mit Ernährung zusammenhängen, dort häufiger zu sehen waren.

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    1. Mona

      😀
      Das ist mir total entfallen und jetzt erinnere ich mich auch an diese blöden Waage-Zahlen. Die sprangen wirklich sonstwohin und das hatte nie wirklich etwas mit dem am Ende angezeigten Gewicht zu tun. Das könnten sie wirklich sehr sehr viel kürzer gestalten.

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  13. Sabine

    Ich bin auch bekennender Biggest-Looser-Fan.
    Gestern sagte eine der Kandidatinnen, dass sie täglich 1.000 kcal isst. Und von einem der Gewinner (Carlo, war Staffel 2 oder 3) weiß ich, dass er viel mit EW-Shakes gemacht hat.

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  14. Elke

    Diese Show ist wie Topfmodel (das ist kein Schreibfehler) o.ä. einfach nur MIST und Verblödungsfernsehen. Es ist doch klar das nur sehr wenige von den Kandidaten auch nach ein paar Jahren schlanker sind. Aber das wird nicht hinterfragt, es geht einfach darum die große Masse der Zuschauer vor der Glotze zu halten. Ich muß auch mal dagegen angehen, dass immer wieder das Eiweiß so hoch gelobt wird. Ja man nimmt mit Protein schneller ab, ABER man verstopft auch seine Adern damit und wenn man so will wäre das auch eine Fettlogik. Kleiner Tipp „Eat to Live“ lesen, ein Buch von einem Herzarzt der vielen Herzkranken und ebend nicht nur denen geholfen hat und mit dem Mythos „Protein“ aufräumt.

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      1. @bjoern: sie meint das hier:

        http://www.diseaseproof.com/archives/diet-myths-magical-mythical-protein.html

        Dort sind dann zum Beweis ganze 4 Studien angeführt, eine von 1957, eine von 1966, eine von 1994 und sogar eine von 2001! Voll überzeugend!
        Übrigens vertreibt der Author des Buchs mittlerweile auch vegetarisches Eiweißpulver, lustig, was? Aber er ist ja schließlich Arzt – genau wie Dr. Strunz, Dr. Frank, Dr. Worms und Dr. Dukan….

        Da schau ich lieber Verblödungsfernsehen.

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      2. Ah ok, wenn ich das so lese sehe ich da ein paar extrem fragwürdige Behauptungen (um ein Pfund Muskeln aufzubauen reichen 50g Protein zusätzlich) bzw. unzulässige Verallgemeinerungen (Hülsenfrüchte haben mehr Protein pro Kalorie als Fleisch – stimmt nur für eher fettiges Fleisch) und ziemlich viele Korrelationen als Kausalitäten.
        Alles in Allem nicht sehr überzeugend.

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      3. Michael Mendelsohn

        yannaba, schöner Link. Der Mann hat im Grundsatz recht: „Study after study has shown that as protein consumption goes up, so does the incidence of chronic diseases. Similar studies show that the incidence of chronic diseases also goes up when carbohydrate and fat consumption go up. This is because if the consumption of any of the macronutrients exceeds our basic requirements, the excess hurts us.“ Also: wer zu viel isst, egal ob das nun Eiweiß, Fett oder Kohlenhydrate sind, wird eher krank. Das kannst du genau so bei Nadja nachlesen, denn wer zu viel isst, wird dick, und das erhöht das Krankheitsrisiko. Mehr steckt da nicht dahinter. Der Autor sagt eigentlich nur, man wird nicht gesünder, wenn man *mehr* von etwas isst, als man braucht.

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    1. Mona

      Elke:…Es ist doch klar das nur sehr wenige von den Kandidaten auch nach ein paar Jahren schlanker sind. …

      Wieso ist das klar? Es gibt doch immer Kandidaten, die das Abnehmen Zuhause sehr gut fortsetzen können und schlank werden. Vielleicht sind nicht alle so schnell beim Abnehmen Zuhause, das heißt doch noch lange nicht, dass sie ihr neues Gewicht mit dem sie aus der Show kommen nicht halten können. Bei dir liest es sich so, als ob fast jeder nach paar Jahren zurück auf dem hohen Ausgangsgewicht landet.

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    2. Es geht nicht darum, dass man mit Protein schneller abnimmt (da kommt es nur auf die Kalorien an und die Zusammensetzung ist egal), sondern dass man Protein zum Muskelaufbau benötigt. Ohne Eiweiß wächst der Muskel nicht, ganz einfach.

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      1. Michael Mendelsohn

        Die Zusammensetzung der Nahrung kann das Abnehmen leichter machen. Gut sind da Nahrungsmittel, die vom Körper nicht so schnell verdaut werden und daher ihren Energiegehalt langsam freisetzen. Beim Weißmehlbrötchen gibt’s erst viel freien Zucker und dann gar nicht mehr, und der Körper, der dann schnell die Insulinproduktion angekurbelt hat, findet nix mehr und bekommt Hunger. Mit Kalorien aus Vollkornprodukten oder eben Eiweiß ist die Energieaufnahme kontinuierlicher, und man bekommt nicht so leicht Hunger. Dadurch ist das Abnehmen dann leichter, d.h. ich esse weniger Kalorien, weil ich nicht so viel Schmacht habe und nehme dann doch schneller ab. Hat im Rahmen eines Diätplans mit fester Kalorienzahl (ohne Schummeln!) natürlich keine Wirkung (und insofern hast du recht), aber für viele Leute stimmt es sicher, dass sie „mit Protein“ schneller abnehmen.

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    3. Michael Mendelsohn

      Die seit langem akzeptierte Meinung ist, dass Adernverstopfung (Artiosklerose) durch zu viel Zufuhr von Fett und leicht aufschließbaren Kohlehydraten (Zucker, Stärke) verursacht wird. Es spielen wohl auch körpereigene Proteine („C-reaktives Protein“) dabei eine Rolle, aber ich glaube nicht, dass das mit der Ernährung zu tun hat.

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