Gastbeitrag: Abnehmen mit Essstörungen in Kombination mit Übergewicht

Ende Februar schrieb mich Luca (der Link führt zu seinem Facebookprofil) an, um mir ein Feedback zu geben, wie sich das Lesen von Fettlogik auf seine Essstörung, Bulimie, ausgewirkt hatte. Wir schrieben etwas hin und her und ich fand seine Gedanken zu dem Thema so interessant, dass ich nach einem Gastbeitrag fragte. Da er in seinem Psychologiestudium zu der Zeit gerade sehr eingespannt war, dauerte es  zwei Wochen, aber das Warten hat sich gelohnt. Vielen Dank an Luca und viel Spaß beim Lesen:

Liebe Fettlogik-Leser,

ich möchte heute gerne ein Thema ansprechen, das in den Diät-Tabus ganz vorne mit dabei ist und das man folglich in den Medien lange suchen kann: Abnehmen mit Essstörungen. Anorexie klammere ich für diesen Beitrag einmal aus, da ich mich hier an Essstörungen richte, die mit einem übergewichtigen oder adipösen BMI einhergehen.

Es ist ein wichtiges Thema, denn Menschen mit Essstörungen kommen in allen Gewichtsklassen daher und grad bei Binge-eating, Bulimie und Ednos ist der Prozentsatz an Untergewichtigen Betroffenen überraschend klein.

Ich kann hier in diesem Rahmen nur einen ganz vagen Überblick geben, weshalb viele Punkte sehr kurz kommen. Wenn ihr Fragen habt oder zu einem Thema gerne mehr lesen möchtet, dann schreibt einfach einen Kommentar 😉

~

Wenn ich das Thema Essstörungen, welches mich auch selbst betrifft, anspreche, bekomme ich folgende Antworten zu hören:

  1. Du hast Bulimie? Ich dachte, dann ist man ganz dünn.
  2. Bekomme erst mal deine Essstörung in den Griff, dann kannst du immer noch abnehmen.
  3. Stell deine Ernährung um auf Gesund, ohne Zucker, ohne Weizen und mach Slow carb, dann bekommst du keine Essanfälle mehr. Wenn du dazu noch Sport machst, bist du bald gesund und die Bulimie verschwindet.

Antwort 1 ist die am Häufigsten gehörte und sie verletzt natürlich auch am Meisten, denn der Gedanke, „zu dumm für eine Essstörung zu sein, weil man es nicht mal schafft, dabei dünn zu sein“, der kommt einem auch ohne Druck von außen. Diese Antwort schlägt genau in die Wunde, die man als Person mit Essstörung sowieso immer wieder aufreißt.

Antwort 2 ist von außen betrachtet vernünftig. Mit einer stabilen Psyche und einem gesunden Verhältnis zu sich und seinem Körper hat man sicherlich bessere Voraussetzungen, an ein gesundes Gewicht zu kommen, als wenn man mitten in der Essstörung steckt. Nur gehört zum gesund werden auch ein gesunder Körper, und zum gesunden Geist gehört auch, sich in seinem Körper wohl zu fühlen. Zuerst nur die Psyche zu therapieren und dann eine Diät zu machen, ist also nur in der Theorie wirklich eine Möglichkeit. Ich muss nach 10 Jahren Bulimie sagen: So sehr ich mir in diversen Therapien auch versucht habe, einzureden, dass ich mein Gewicht schön finde…ich tu es einfach nicht. Ich finde mich in schlank hübscher und fühle mich dann auch wohler. Mit allem anderen kann ich mich zwar selbst besänftigen und meinen Zustand aushalten, aber glücklich mit mir selbst werde ich dadurch nicht.

Antwort 3 ist deutlich zu optimistisch formuliert, aber tatsächlich nicht ganz schlecht, weshalb ich zu ihr auch am Meisten schreiben werde. Eine Umstellung der Lebensgewohnheiten im Bereich Ernährung und Bewegung hilft, sich besser zu fühlen, Food Cravings zu vermeiden und ausgeglichener zu werden. Das Problem an einer Ernährungsumstellung bei Essstörungen ist jedoch, dass die Wochen der Umstellung häufig von Rückfällen begleitet sind, und sich auch leicht wieder ungesunde Regeln in das Denken einschleichen (Beispiel: Man ersetzt seine abendlichen Brote oder Nudeln durch einen gemischten Salat. Vom leckeren Salat mit Käse und Nüssen, der nährstofftechnisch ausgeglichen berechnet ist, bleibt dann irgendwann der Käse weg. Und Nüsse haben ja auch viele Kalorien… Und das Dressing, besser nur ein halber Teelöffel. Und ohne Öl. Und man könnte ja auch die Möhren weglassen und mehr Blattsalat nehmen, der hat nämlich weniger Kalorien. …Und schon bald ist man bei trockenem grünem Salat). Diese Extreme führen dann ihrerseits wieder zu Essanfällen und bei Bulimikern führt das Erbrechen zu einem Nährstoffmangel, den der Körper wiederum durch Food Cravings und weitere Essanfälle ausgleichen möchte. Neue Gewohnheiten setzen sich folglich nur schwer durch.

Dazu kommt die psychische Komponente. Essanfälle werden durch negative Gefühle ausgelöst, das Essen fungiert als Kompensationsmethode. Da kann kein Ernährungsstil der Welt etwas dran ändern, dafür braucht es positive andere Kompensationsmethoden, ein Lernen des Umgangs mit seinen persönlichen Schattenseiten und eine Lebenseinstellung ohne ein Grundgefühl der Schuld oder des Nicht-ausreichens. …In vielen Fällen hilft da eine Therapie.

Ein Ansatz, den ich für recht sinnvoll halte, ist der einer Ernährungsumstellung mit Kalorienreduktion, dazu ein von Experten betreutes Sportprogramm (man braucht keinen Personal Coach, es reicht auch eine Beratung im Fitnessstudio mit regelmäßigen Checkups oder Gespräche mit dem Hausarzt. Nur eine Betreuung ist wichtig, damit es eben nicht wieder in Extreme geht) und viel Geduld mit sich selbst. Es wird auch da immer wieder Ess-oder Ess-Brech-Anfälle geben, wenn der Stress zu hoch oder der selbst gemachte Druck zu groß ist, aber zumindest das Verhalten außerhalb der Anfälle kann man dauerhaft ändern, und mit dem dadurch besseren Körpergefühl im Idealfall auf Dauer auch die Anfälle reduzieren.

Der Gedanke an Diät triggert natürlich das Nachdenken über Essen, und bei Essgestörten kann das dann auch schon mal zu einer 24/7-Aufgabe werden.

Bei mir äußert sich das darin, dass ich bei jeder anderen Aktivität noch das Thema Essen im Kopf habe (ja, auch bei Intimität in der Partnerschaft). Ich neige auch dazu, in Diät-Phasen nach dem Erbrechen meinen Bauch noch mehrmals mit Wasser auszuspülen, bis wirklich keine Essensreste mehr im Magen sind. Das ist mega ungesund für die Zähne und bringt den Elektrolythaushalt so sehr durcheinander, dass es für Herz und Kreislauf schwierig wird. Auch Wiegezwang schleicht sich ganz langsam wieder ein (damit meine ich nicht tägliches Wiegen, sondern Wiegen zu jeder Gelegenheit, z.B. nach jedem Gang zur Toilette, auf jeden Fall mehrfach täglich).

An so einem Punkt hilft es meiner Erfahrung nach, angenehme Dinge zu tun, die sich auf den Körper konzentrieren: Sport, ein Bad nehmen, eine Massage etc. Diese körperlichen Reize können jedoch schwierig sein, weil das Fühlen des eigenen Körpers extrem unangenehm und zur Überforderung werden kann.

Des Weiteren habe ich positive Erfahrungen gemacht mit verschiedenen „Notfall-Skills“, wie sie etwa in der Borderline-Therapie angewendet werden: Körperliche oder mentale, teilweise repetitive Übungen, die den Fokus weg von drängenden Gedanken hin zu Konzentration auf die jeweilige Tätigkeit lenken. Damit das in schwierigen Momenten funktioniert, muss der „Skill“ in ruhigen, entspannten Situationen trainiert werden.

http://www.lebenskarten.de/borderline/borderline-notfallkoffer

Ein dritter Tipp, den ich geben kann, sind Strategien gegen selbstverletzendes Verhalten (Svv). Essstörungen haben viele Übereinstimmungen mit anderen Arten selbstverletzenden Verhaltens und beide als Effekt eine emotionsbetäubende Ausschüttung der Hormone Endorphin, Adrenalin oder sogar Dopamin (je nach Art des Verletzens/ der Essstörung).

http://rotelinien.de/alternativen.html

Wenn es jedoch auch dann nicht mal Ruhe im Kopf gibt, dann ist der Punkt erreicht, an dem die Frage kommt: Diät aufgeben (=weiter Übergewicht haben, aber Essstörung legt sich zum Großteil schlafen) oder Augen zu und durch, und vielleicht endlich mal aus diesem Teufelskreis ausbrechen.

Und diese schwierig zu beantwortende Frage führt mich zum letzten Punkt dieses Gastbeitrages:

Eignet sich das Buch Fettlogik für Leser mit Essstörung?

Auch hier werde ich wieder aus zwei Perspektiven schreiben.

Persönlich hat mir das Buch sehr geholfen und wenn mein Kopf mal wieder in wilden Gedanken versinkt, dann nehme ich doch recht regelmäßig mal das Buch zur Hand und schiebe diese Hirngespinste mit Fakten beiseite. Für mich ist das ein Weg, der gut funktioniert. Das Buch baut bei mir Trigger ab und hilft mir, mich seit Ewigkeiten gedanklich mal wieder auf einer sachlichen Ebene mit dem Thema Essen zu beschäftigen.

Trotzdem muss ich sagen, dass vor Allem das Kapitel über Magersucht hart zu lesen ist. Es desillusioniert einfach total, es konfrontiert mit den eigenen Problemen und es entreißt einem die „schützende Watte“ aus dem Kopf.

Und das tut weh.

Wenn ich von meinem eigenen Erleben auf eine etwas allgemeinere Sichtweise wechsle, sehe ich sofort, dass dieser Riss aus der langjährig aufgebauten (verdrehten) Wahrnehmung durchaus Krisen auslösen kann. Das wird aber jede nähere Beschäftigung mit der Thematik. Genau das ist ja das Fiese an Essstörungen.

Ich befürworte, dass Betroffene sich der Thematik stellen. Verdrehte Tatsachen im Kopf machen langfristig nicht gesund. ABER das funktioniert nur, wenn sie grad in einer stabilen Phase ihrer Krankheit sind UND wenn sie dabei begleitet werden.

Meiner Erfahrung nach suchen einige Essgestörte bewusst Trigger, die sie weiter in negative Gedanken ziehen. Und wenn das die Grundeinstellung ist, mit der Fettlogik gelesen wird, dann wird es dem Leser keine Vorteile bringen.

Vielleicht kann ich als Rat folglich geben, dass ich dieses Buch bei Essstörungen definitiv anrate, ABER dass es wichtig ist, dass sich ein potenzieller Leser vorher klar macht, was er sich von dem Buch erhofft, was er sich erwartet und dass er zusätzlich auch eine nahe stehende oder Betreuende Person einweiht („Du, ich plane, dieses Buch zu lesen und glaube, das ist wichtig für mich. Wenn es mir deshalb schlecht gehen sollte, kann ich dich dann anrufen?“)

Das sind viele Regularien dafür, einfach ein Buch lesen zu können. Der volle Titel heißt „Fettlogik überwinden“, und wie der Titel schon sagt, stellt das Buch den Leser vor Hürden.

Einige leider vor größere als andere.

Advertisements

12 Gedanken zu “Gastbeitrag: Abnehmen mit Essstörungen in Kombination mit Übergewicht

  1. Mona

    Ich finde es hilfreich, dass hier auch Beiträge über schwere Themen geschrieben werden.

    Ich finde es auch sehr toll, dass drauf hingewiesen wird, dass man das Abnehmen oder/und gesund werden nicht ganz allein machen braucht. Man sorgt ja auch für sich, wenn man sich Hilfe holt, wie eine Therapie oder indem man jemandem Bescheid gibt, dass man sich gerade mit etwas beschäftigt, wie dem Fettlogik-Buch, was einen vielleicht in einen schlechteren Zustand führen könnte, weil es zu extrem für einen selbst ist, je nachdem auf welche Gedanken man dabei kommt und wie man damit umgeht.

    Ich fühle mich mit meinen Problemen oft unverstanden und trotzdem sage ich meinem Freund Bescheid, falls mich etwas beschäftigt oder ich nicht abschätzen kann, wie ich auf etwas reagiere. Auch wenn er mich nicht versteht und es gar nicht nachvollziehen kann, wird er ja trotzdem ein bisschen drauf schauen, ob bei mir noch alles halbwegs ok ist. Naja oft ist es so, dass er natürlich nicht drauf achtet, weil er eigene Sachen zu tun hat. Dadurch, dass ich ihn vorwarne, weiß er schon Bescheid worum es geht und ich muss nicht extra von Null erklären, wenn ich dann mit schlimmer Stimmung ankomme. Das macht es ja auch einfacher, dass ich zu ihm gehen kann, weil er mir schon die Erlaubnis dafür gegeben hat und ein bisschen Ahnung hat, wodurch die Krise oder was auch immer kommen könnte.

    Gefällt 2 Personen

  2. Katharina

    Ich habe Nadja vor etwa einem halben Jahr eine E-Mail geschrieben, um mich bei ihr zu bedanken. Sie hat mir damals auch angeboten, einen Gastbeitrag zu schreiben, wie ich das Buch als Bulimikerin empfunden habe.

    Seitdem hab ich immer mit mir gehadert, angefangen zu schreiben und alles wieder verworfen. Weil ich erstens das Gefühl hatte, ich stecke noch zu tief in der Krankheit um ernsthaft darüber zu schreiben, wie sehr sie mir geholfen hat. Außerdem hat es mich frustriert, die Gedanken in meinem Kopf nicht adäquat formulieren zu können. Also hab ich das Unterfangen Gastbeitrag etwas zähneknirschend aufgegeben.

    Und jetzt kommst du mit einem Beitrag um die Ecke, der klarer und differenzierter ist, als ich das he hinbekommen hätte. Danke dafür 🙂

    Ebenso nochmal Danke an Nadja für das Buch. Fettlogik hat meinen Kopf aufgeräumt. Und auch wenn es ein hartes Unterfangen ist Bulimie zu überwinden, war Fettlogik das erste was mir die Zuversicht gegeben hat, dass ich es schaffen kann. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

    Gefällt 3 Personen

    1. Ich musste an dich denken, bei dem Gastbeitrag, und hatte mich gefragt, ob du ihn liest 🙂

      Ganz generell für die Mitlesenden und ohne Aufforderungscharakter: Gastbeiträge sind weder zeitlich noch inhaltlich begrenzt, also zu ähnlichen Themen können auch mehrere Gastbeiträge kommen, die entweder eine ähnliche Aussage haben oder evtl. auch komplett anders rangehen. Und wer noch nicht sicher ist, ob und was er schreiben möchte, kann sich das so lange überlegen, wie er möchte, egal ob morgen oder in einem Jahr. Die Themen verlieren ja meistens nicht ihre Aktualität oder Wichtigkeit.

      Gefällt 2 Personen

  3. Ariane

    Ich lese diesen Blog seit Tag 1, aber still. Dieser Beitrag spricht mich aber besonders an, sodass ich auch ein bisschen was dazu sagen möchte. Ich bin selbst Bulimikerin seit 14 Jahren. Oder mittlerweile nur noch „nah dran“, weil die Ess-Brechanfälle etwas seltener geworden sind als für die Diagnose notwendig. Ich war die meiste Zeit (leicht) untergewichtig, kann also beim Thema Übergewicht nicht mitreden und habe daher etwas andere Voraussetzungen. Für mich ist die Lektüre hier etwas zweischneidig, weswegen ich auch trotz großem Interesse noch nicht sicher bin, ob ich das Buch lesen werde.

    Einerseits finde ich das Thema, sicher auch krankheitsbedingt (aber nicht nur), sehr interessant und Nadjas Herangehensweise ist nunmal bislang einzigartig. Der Blog hat mich einerseits bestärkt, dass ich tatsächlich auch an meinem Körper arbeiten kann, um mit ihm zufriedener zu sein. (Die Therapie hat sich immer nur auf die emotionale und mentale Seite konzentriert, es wird vermittelt, dass man bei Normalgewicht mit seinem Körper zufrieden sein „muss“. Das Konzept von Skinnyfat hat mir aber wirklich die Augen geöffnet und mir gezeigt, dass das, was ich meinte, wenn ich mich „zu dick“ nannte, keine rein verzerrte Wahrnehmung wahr, sondern sicher auch mit dem Verhältnis von Fett- zu Muskelmasse zu tun hatte/hat.) Dass dazu Sport, den ich früher kategorisch abgelehnt habe, weil er für mich nur in anorektischen Phasen zur Selbstzerstörung betrieben wurde, dazu nötig ist, dringt langsam zu mir durch. Noch habe ich den Weg ins Fitnessstudio nicht geschafft, aber ich arbeite daran. (Eigengewichtstraining zu Hause habe ich versucht, das funktioniert aber so nicht für mich und für Geräte fehlt mir der Platz.)
    Auch hat mir das Kalorien zählen (ebenfalls früher in die dunkle Anorexieecke eingeordnet) geholfen zu merken, dass nicht gleich alles verloren ist, wenn ich eine Tafel Schokolade esse. Es hat also sicherlich einige Fressanfälle verhindert.

    Auf der anderen Seite hat die dadurch verstärkte Beschäftigung mit der Essensthematik auch schlafende Hunde geweckt – meine Essstörung war vorher für ca. ein Jahr ziemlich im Hintergrund, Fressanfälle fanden nur selten und „kontrolliert“, d. h. bewusst geplant als Spannungsabbau, statt. Dadurch habe ich knapp acht kg zugenommen und wurde immer unzufriedener. „Dank“ Fettlogik habe ich fünf davon abgenommen und fühle mich wohler. Andererseits habe ich auch gemerkt, dass mich das Kalorienzählen nicht selten auch unter Druck setzt, weil mein Kalorienbudget trotz „Zusammenreißen“ und „das Richtige essen“ (sprich Lebensmittel mit möglichst wenig Kalorien bei möglichst großem Sättigungseffekt) oftmals zu schnell aufgebraucht war. Dadurch häuften sich die Fressanfälle, die ich wesentlich unangenehmer finde, nämlich die Spontanen nach einer eigentlich guten und gesunden Mahlzeit, wenn aber die Menge des Nachtisches dann entgleitet. Oder sogar ohne Nachtisch und nur, weil das Kalorienkonto schon leer ist, der Magen aber abends doch noch so furchtbar knurrt, dass man nicht schlafen kann.
    Darum lasse ich das momentan wieder mit dem Kalorienzählen und wiege mich nur regelmäßig.

    Alles in allem: Ja, man kann auch als Essgestörte/r von Fettlogik profitieren, aber wie auch Luca schon sagt, muss man dabei sehr gut auf sich acht geben. Was mir zugegebenermaßen nur so semi gelingt/gelungen ist, und ich muss zugeben, dass ich in kindischem Trotz mal kurz sauer auf den Blog war, weil er ja meine Essstörung reaktiviert hat. Was natürlich nicht stimmt, ich bin für mich selbst verantwortlich. Und an eine Möglichkeit, diese Verantwortung für mich zu übernehmen, hat mich Fettlogik ja letztlich auch erinnert: Sei nett zu deinem Körper und behandle ihn gut.

    Ich wünsche Luca alles Gute für diese Gratwanderung und danke für den Bericht.

    Gefällt mir

    1. Ich habe etwas hin und her überlegt, weil ich mich über den Kommentar sehr gefreut habe und andererseits über den Punkt mit dem Druck nachgedacht habe, da es bei einigen ja tatsächlich diesen Effekt hat (dazu hatte ich ja u.a. den Blogartikel „500 kcal“ geschrieben).

      Nachdem ich gestern endlich mal die Kategorisierung meiner Blogartikel in Angriff genommen habe, fiel mir beim Lesen der älteren Blogartikel auf, dass die teilweise noch deutlich „radikaler“ waren, weil ich mich oft spontan über Dinge aufgeregt habe vor oder während dem bloggen. Mittlerweile bin ich – zumindest habe ich selbst das Gefühl – wesentlich gelassener und habe mehr Abstand. Ich hatte selbst den Eindruck, dass der Blog (früher) deutlich „härter“ als das Buch selbst war. Ich kann mir daher vorstellen, dass wenn du seit Tag 1 den Blog kennst, das Buch vergleichsweise „harmlos“ ist. Andererseits ist es eben sehr viel auf einmal, und die gesammelten Infos können vielleicht nochmal stärker wirken, als ein gelegentlicher Blogartikel.

      Falls du irgendwann das Buch liest, würde mich auf jeden Fall sehr interessieren, wie es auf dich wirkt.

      Gefällt mir

  4. Ruth

    Hallo an alle,
    ich gehöre zu den Essgestörten, die zwischen Hungern und FA schwanken, aber mit Übergewicht.
    Das Problem ist, dass wenn ich auch nur ein bißchen restriktiv esse, beispielsweise Kalorien zähle, ich sofort wieder in eine Fastenphase reinrutsche.
    Da nehme ich dann gut ab, tatsächlich habe ich innerhalb der nletzten beiden Jahre Gewichtsschwankungen von 50 – 60 kg. ( zwischen 65 und 110 kg)
    Also . Ich weiß sehr gut, wie man abnimmt. Was ich nicht weiß, ist, wie man nicht wieder zunimmt.

    Gefällt mir

  5. Joey

    Wow, sehr guter Beitrag in dem ich mich auch wiederfinde. Ich habe selbst seit einigen Jahren Bulimie und so lang ich denken kann ein „ungesundes“ Verhältnis zu essen, habe schon als Kind immer frustgegessen, mit meinem Taschengeld heimlich Süßigkeiten gekauft usw.
    Ich war, bis auf eine recht kurze Phase so mit 18, 19 eigentlicih immer leicht übergewichtig, aber habe in den letzten drei Jahren auf bis zu 110 kilo auf 1.76m zugenommen, weil depression und bulimie so schön ineinander gespielt haben… ich war lange der meinung, dass ich erstmal wieder „gesund“ werden muss, bevor ich mir gedanken über mein Gewicht mache, aber das hat nicht funktioniert, und so habe ich ein paar Monate nachdem ich Fettlogik gelesen hatte, und immer mal wieder auf dem Blog war, angefangen Kalorien zu zählen.
    Und meine Erfahrung ist… durchwachsen. Es hilft mir, einen klaren Plan zu haben, was ich esse, wie viel ich essen darf, und zu wissen was dann mit meinem Körper passiert. Ich war auch vielen Fettlogiken aufgesessen (Hallo Hungerstoffwechsel!) und wusste andere Dinge nicht (Proteine? Brauchen das nicht nur so Pumper?) und so konnte ich mir eine klare Struktur schaffen. Das hilft mir auch gut, solange ich mich dran halten kann. Kommt aber etwas dazwischen, etwa ein essen mit Freunden, ist es manchmal schwierig es dann dabei zu belassen und nicht zu denken „jetzt ist eh alles egal, statt zwei Stück Pizza esse ich jetzt einfach die ganze und noch zwei Tafeln schokolade, damit es sich auch lohnt wenn ich dann kotzen gehe“
    Wenn ich in Situationen bin, wo es viel hochkalorisches Essen gibt, fällt es mir unheimlich schwer mich zu beherrschen, und meistens entscheide ich mich für das übergeben danach als „einfache Lösung“. Das hätte ich vor meinen Abnehmplänen nicht unbedingt immer gemacht, weil es mir da auch manchmal egal war, und ich vor meinem stetig steigenden Gewicht resigniert habe.
    Ich wäge ständig ab ob es schlimmer ist meine Kalorienbilanz zu versauen oder mich zu übergeben, was ich ja eigentlich auch nicht mehr machen will.
    Trotz allem habe ich in den letzten vier Monaten über 15kg abgenommen und ich fühle mich besser. Ich habe bessere Laune. Und ich denke, dass mir das langfristig hilft noch mehr aus dem Depressions-Bulimie-Loch rauszukommen, weil ein ganz wichtiger Faktor eben immer kleiner wird: Die unzufriedenheit mit meinem Körper. Weil ich merke, dass ich etwas ändern kann und das selbst in der Hand habe. Dass ich an vielen Tagen konsequent sein kann und abends im Bett stolz darauf bin, dass ich wenig, aber gesund, gegessen habe, Gelüsten nicht nachgegeben habe, und ich weiß, dass ich am nächsten Tag ein paar Gramm Fett weniger mit mir rumtrage.
    Ich weiß, dass es ein langer Weg ist, und das Essen wahrscheinlich immer ein schwieriges Thema für mich sein wird, aber so langsam glaube ich auch, dass ich langfristig ein zumindest… okayes Verhältnis dazu entwickeln kann.

    Das waren erstmal meine sehr unsortierten Gedanken zu dem Thema, ich hoffe nicht zu wirr 😉

    Gefällt mir

    1. Mona

      Hi Joey,
      ich weiß nicht wieso und hoffe, dass es nicht zu seltsam rüberkommt: Ich hab ein sehr starkes Bedürfnis dir zu sagen, dass du nicht so streng zu dir sein sollst, wenn du mal „Ausrutscher“ hast.

      Dass du immer abwägst, ob es schlimmer ist die Kalorienbilanz zu versauen oder zu erbrechen, kann ich nicht richtig nachvollziehen. Ich hätte von deinem Text her gedacht, dass es dazugehört stolz auf sich zu sein, wenn man mal seine Kalorienbilanz versaut hat, dass man das aushält und durchhält ohne Erbrechen.

      Gefällt mir

  6. mariposa

    Interessant von euch anderen zu lesen.
    Ich betrachte mich eigentlich als gesund, und das nicht erst seit kurzem. Allerdings habe ich jedesmal Rückfälle, wenn ich Kalorien zähle und selbige reduziere.
    Da sowohl der Fressanfall als auch die Sanitärumarmung mit 2 Kindern indiskutabel sind, habe ich inzwischen beschlossen, ein Mittelmaß zu finden: Ein bisschen zählen, ein bisschen schätzen, dank Stillerei ist der Verbrauch aktuell auch noch hoch und nicht so recht berechenbar.
    Ich habe einen ziemlich klassischen Weg hinter mir: Übergewichtig als Kind, magersüchtig mit Eintritt der Pubertät, Bulimie wenige Jahre später als Antwort auf all den Druck, damit einhergehend dann aber auch BMI im leicht übergewichtigen Bereich.

    Meine Hauptprobleme treten aber so langsam klarer hervor: Ich will noch mehr essen, wenn ich ein (unangenehmes) Völlegefühl habe, weil erlernt wurde, dass nach dem maximalen Überessen die Leere kommt. Und bei Hunger legt sich nach einiger Zeit des stolzen Aushaltens ein Schalter um, der sagt „Essen, essen, essen“ und „du könntest doch im Anschluss…“.
    Eine Lösung für beide Probleme habe ich noch nicht, aber sie liegen schon mal klarer.

    Ich muss wohl lernen, dass es länger dauern darf bei mir mit dem Erreichen des Zieles. Und Sport wird mir auch helfen, allerdings habe ich noch nicht so recht etwas gefunden, das Spaß macht, bzw. meine Motivation erhält und/ oder ins Zeitbudget sinnvoll passt.

    Das Lesen des Buches + Kalorienreduktion + mein Drang, alles immer sofort und perfekt haben zu wollen haben im Sommer dazu geführt, dass ich 6kg abnehmen konnte, dabei aber reichlich Rückfälle hatte. Dann wollte und konnte ich nicht mehr so recht ins Zählen und Abnehmen reinfinden und nahm 2kg davon wieder zu. Vor kurzem habe ich einen erneuten Versuch gestartet und habe wieder ein paar Tage hintereinander bulimisch gelebt.
    Der Artikel und die Kommentare kamen mir jetzt gerade recht und haben mich zu einigem sinnvollen Nachdenken ermuntert. Dafür danke! Mal sehen wohin der Weg geht.

    LG

    Gefällt mir

  7. Jenny

    Es ist wirklich ein sehr ehrlicher Beitrag und spricht mich genauso an, wie andere. Ich muss dazu sagen, dass ich 29 bin (aber dieses Jahr noch 30 werde), und seit einigen Jahren erbreche. MIt 13 ungefährt habe ich weniger gegessen und begonnen zu erbrechen, manchmal auch schon wegen nur 3 Pommes. Ich war damals nie so dick wie ich es jetzt bin, nicht mal ansatzweise, war aber auch nicht schlank. Ich nahm jedenfalls hab, hatte Fress-Attacken, erbrach und machte Sport, mir wurde daher gern mal schwindelig. Irgendwann, nach dem ich das Gymnasium nach der 10. Klasse verlassen habe, hörte ich grob auf, aß wieder und erbrach nur unregelmäßig. Das Brechen an sich hörte aber nie vollständig auf. Nach dem Abschluss meiner Ausbildung musste ich eine neue Arbeit finden, kam in einem sch… Job unter bei dem ich immer noch bin. 8o( Ich nahm ab da an richtig zu, erst waren es nur 10 Kilo, womit man noch leben konnte, spielte im Verein Fußball, also alles irgendwie noch im Rahmen, Kurze Zeit später lernte ich meine jetztige Freundin kennen, wir sind dieses Jahr 9 Jahre zusammen. In all der Zeit hab ich mal ordentlich zugenommen, das Brechen hörte aber nie auf. Bei unserer Diät, wobei ich sagen muss, meien Frau ist groß und normal in meinen Augen, auch wenn sie 20 Kilo zunahm, sah sie nie fett aus. Sie ist ebne auch 11cm größer, da sieht alles anders aus. Mittlerweile haben ich mal eben 45-49 Kilo Übergwicht, bei einer Körpergröße von 161cm. Wir haben beide das Programm von Detlef D Soost gemacht, hat funktioniert, ich nahm 12 Kilo ab, natürlich mit Unterstützung des Erbrechens. In all den Jahren habe ich nie aufgehört damit und natürlich mach ich mir sorgen. Man merkt es am mangelnden Zahschmelz…4 Wurzelbahndlungen sprechen für sich. Dazu sehe ich hin und wieder leicht rötlichen Schleim beim Husten, nach dem erbrechen. Es schrillen also meine Alarmglocken. Aber der Druck ist schon enorm…mein Vater, ich denke er schämt sich wie ich aussehe oder weil ich nicht schlank oder normal-gewichtig bin, macht natürlich Druck. Seine Frau hat letztens das Thema bei mit angesprochen, weil er es ja nicht so kann, wegen dem Gewicht. Mit kam sofort in den Sinn: Egal ob ich 100, 200, 300 oder 400 Kilo wiege, es itst meine Sache und wenn dann hat meien Frau was zu sagen und nicht mehr meine Eltern. Aber natürlich ist es unangenehm, dort bei jedem Besuch. Man will da nix essen und trinken, weil man das Gefühl hat, man wird beobachtet. Auf Biegen und Brechen will er dass ich abnehmen, will mir vorzeitig ein neues Fahrrad schenken, weil meinst mit 15 Jahren nicht mehr so gut läuft und da ich 30 werde, muss ich unbedingt noch abnehmen, danach gehts nicht mehr. Ich muss dazu sagen, er hat selbst abgenommen vor paar Jahren, er war nie fett, ich sah ihn als normal Mann an. Jeztzt sieht er für mich nur noch ungesund aus, sehr eingefallen im Gesicht. Seine Frau wiegt auch nur 45-50 Kilo. Da ist es besonders angenehm, als Moppel dort zu Besuch zu sein. Entsprechend, ist mein Drang wieder seht groß, mich nach jeder Mahlzeit zu übergeben, egal ob Salat oder Stulle. Ich finde grade den Druck der Familei ganz schlimm und nicht sonderlich hilfreich, um endlich mal vollständig mit dem Brechen aufzuhören. Also ich damals zur Jugendweihe so schön dünn war, hat es keine interssiert warum es so war. Entsprechend weiß es keiner aus der Familie und ich muss aufpassen, dass mir nicht irgendwann mal der Po platzt, wenn von der Familie immer weiter der Druck kommt abzunehmen. Denn dann würde ich mein Vater fragen warum er glaub, dass ich damals dünner war. Er weiß es nicht. Und er muss es auch nicht wissen. Also leide ich still bei den Besuchen dort, wenn es wieder auf das Thema essen kommt. Ich finde dreht sich bei denen viel um essen, bei mir aber komischerweise nicht.
    So ergeht es mir, Fressattacken habe ich eher seltener würde ich meinen, aber wenn ich mich nach einer Mahlzeit zu voll fühle, erbreche ich eben. Oder wenn ich wirklich mal etwas mehr gegessen habe als geplant (wer kennt das nicht). Das Buch fand ich daher sehr aufschlussreich, ich habe mich in vielen Dingen wieder erkannt. Natürlich will ich es als Hilfe und Stütze nehmen, um endlich die Pfunde auf normalen wege zu verlieren, nicht mehr dieses Schwankungen von 10-15 KIlo haben, es nachhaltig schaffen. Ein wenig verunsichert bin ich zwar wegen dem Kalorienzählen, schon allein weil der Grundumsatz bei jedem Rechner den man bei Google findet unterschiedlich ist. Damit weiß ich nicht, welcher ist denn nun der richtige? Ich plane daher mein Leben neu, mit der Unterstützung meiner Frau sollte es klappen. Ich bin froh sie an meiner Seite zu haben, dass sie mich liebt, so wie ich bin, auch wenn ich schwerer geworden bin. Und ich wünsche mir, einfach ein normales Leben fürhren zu können, ohne Erbrechen und ohne die Menge an Gewicht, ohne Druck. Innere Selbstzufriedenheit, kein Selbsthass mehr.

    Gefällt mir

  8. agi

    Auch wenn die Kommentare alle schon etwas älter sind, möchte ich doch auch noch meinen Senf dazugeben.
    Es ist für mich eine echte Erleuchtung, dass es noch andere essgestörte Individuen gibt, die eben nicht klapperdürr sind. Ich komme mir immer wie ein Alien vor mit meiner ES-Karriere und trotzdem ….zu fett.
    Wie ich bereits im Feedback (Feed füttern essen) geschrieben habe, war ich nie im Normalgewicht , also Essstörung nicht „erfolgreich“.
    Ein großer Nachteil dabei ist(mal vom Übergewicht abgesehen🤣), dass man seine Störung wunderbar verstecken kann…..ja ich war vor 16 Jahren mal in der Klinik….aber das ist ja lang vorbei…..ja wer‘ s glaubt.
    Aber das ist für mich ein so dermaßen schambesetztes Thema….da könnt ich mich auch öffentlich nackig machen.
    Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich jetzt einen anderen Plan. Ich will und kann hoffentlich auch trotz ES abnehmen.
    Ich werde das Buch regelmäßig wieder zur Hand nehmen, wenn die fiesen Stimmen zu laut werden.
    Außerdem wissen auch mein Mann und einige wenige Vertraute, dass ich meine Art von intermittierendem Fasten mache.
    Das ist neu für mich, so offen über Essen zu sprechen.
    Fällt ja aber auch leichter, als irgendwelche abstrusen Lebensmittelverbotslisten zu erklären oder zuzugeben, dass man eben doch ab und zu den Porzellangott anbetet.
    Das mit dem Kalorienzählen ist natürlich ein zweischneidiges Schwert.
    Ich möchte es aber als das sehen, was es ist: ein notwendiges Hilfsmittel.
    Außerdem macht mich das freier. Für mich wäre: low carb,fat, whatever der Trigger schlechthin für eine Erweiterung der schwarzen Liste, und die schaut im Moment eigentlich ganz gut aus und das soll auch so bleiben.

    Zum Schluss nochmal.. ..echt geiles Gefühl…ich bin nicht allein😜

    Gefällt mir

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s