Gastbeitrag: Warum mich Fettlogiken nerven

Heute schreibt Stefanie einen Gastbeitrag, der möglicherweise (oder auch nicht, manchmal überrascht mich, welche Artikel kontrovers werden) Kontroversen eröffnet und mit eine interessanten Thema zu Diskussionen einläd. Sie postet den Artikel auch nochmal bei sich im Blog, ihr könnt euch also aussuchen, ob ihr lieber direkt bei ihr als Autorin kommentiert oder hier im Blog zum Thema Fettlogiken diskutiert.

 

Nach meinem Post vom 18. Februar, in dem ich mich über Quacksalber-Bücher beschwert habe, hatte ich einen kleinen Wortwechsel mit Nadja und die Frage tat sich auf, WARUM diese Fettlogiken im Alltag eigentlich so nerven, obwohl man selbst ja schon frei davon ist und sich solche Bücher (setze ein: Artikel, Dokus, Sprüche) gar nicht antun müsste.

Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und bin nicht wirklich auf eine allgemeingültige Antwort gekommen. Aber auf viele relativ unsortierte Gedankenfetzen. Vielleicht erkennt sich darin ja jemand wieder, aber in erster Linie ist dieser Text eine Sammlung meiner ganz persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Empfindungen.

Zuerst mal habe ich schon im oben erwähnten Post angedeutet, dass solche „Infos“ nicht immer ernährungswissenschaftlich oder sachlich sind sondern irgendwelchen Ideologien und Zeitgeisterscheinungen folgen. Diese Unlauterkeit macht mich zornig. Was ein Mensch glaubt oder nicht glaubt, ist seine eigene Sache. Jeder ist für seine Weltanschauung und den daraus resultierenden Handlungen selbst verantwortlich.

Wenn jedoch bei Themen, die eigentlich auf Tatsachen bezogen sind, irgendwelche spirituellen Anteile eingearbeitet sind, halte ich das für nutzlos bis gefährlich.

Zum zweiten habe ich auch Mühe damit, zu akzeptieren, dass die Menschen, die gewisse Fettlogiken in die Welt bringen oder auch nur glauben, in Summe die Gesellschaft ausmachen, in der ich leben muss. Sie gestalten ganz konkret meinen Lebensraum mit. Sei es durch marktwirtschaftliche Gestzmässigkeiten, durch politische Wahlen oder durch irgendwelche anderen Verhaltensweisen, die eine Gesellschaft halt so am Laufen -oder am Scheitern- hält.

Solche Leute sind die Ärzte, Lehrer, Arbeitgeber, Kunden oder Sportvereinsleiter meiner Familie und mir.

Wenn nun ein Mensch Fettlogiken verbreitet, denen man als Laie halt glaubt, weil es sehr zeitaufwändig und schwierig wäre, die ganzen zu Grunde liegenden Studien selbst auszuwerten, dann ist das entweder sehr boshaft und verlogen, oder sehr dumm und schlampig recherchiert.

Beides nicht sonderlich symphatisch….

Wenn ein Mensch Fettlogiken glaubt, die mit zwei Minuten Nachdenken entlarvt oder zumindest in Frage gestellt werden könnten, wie z. B. der Hungerstoffwechsel -wir kennen alle die dicken, fetten Leute aus Hungersnotgebieten, die immer noch mehr zunehmen, weil sie nichts zu essen haben?- dann ist es mit meinem Vertrauen auch nicht besonders weit her.

Ich kann nicht glauben, dass solche Leute in ihrem politischen oder beruflichen Umfeld klügere Schlüsse ziehen. Aber ich muss mit den Auswirkungen der Masse dieser falschen Schlüsse leben!

Nicht falsch verstehen: Wenn sich jemand dessen sehr bewusst ist, was er oder sie da tut, und es trotzdem weiter so ausleben möchte, mit allen Konsequenzen und offenen Auges, dann soll er/sie es tun. Wer bin ich, dass ich anderen beibringen kann, was richtig oder falsch ist.

Wenn mir eine Meinung oder Haltung nicht passt, der- oder diejenige aber voll dahinter steht, dann muss ich halt damit leben, dass nicht jeder so tickt wie ich.
Aber eine Ansammlung von Verblendungen, Halsabschneidereien und Dummheiten, die ertrag ich nur schlecht.

Gleichzeitig ist es natürlich so, dass ich selbst dick geworden bin, weil ich bestimmte Infos nicht richtig bewertet habe. Also richtet sich dieser Zorn auch ein Stück weit gegen meine eigene Denkfaulheit, meine eigene Dummheit.

Drittens ist mir aufgefallen, dass langsam aber stetig die Realität verschleiert wird. Ich hatte es sehr hurtig-schludrig formuliert in einem Kommentar zu meinem ersten Gewichtspost schon geschrieben, und Nadja selbst schrieb es in ähnlicher Form in ihrem Text „Wahrnehmung„.

Es ist eine widerliche Wahrheit, dass zu allen Zeiten auf dieser Erde Leute verhungert sind, dass es immer noch vielfach vorkommt, in einer Welt, in der Nahrungsmittel für alle da wären, wäre die Weltordnung eine andere. Dass es vorkommt, dass auch in reichen Ländern  vereinzelt Menschen verhungern wegen Vernachlässigung oder Quälereien.

Wir alle kennen Fotos von KZ-Häftlingen, die nur noch aus Haut und Knochen bestehen.
Und das Thema Magersucht als ernsthafte Krankheit.

Ich finde es ziemlich schlimm, wenn sich die Sehgewohnheiten so sehr verändern, dass ein Körper, der medizinisch betrachtet gesund, fit und NORMAL, noch nicht mal DÜNN ist, mit solchen Dingen in einen Topf geschmissen wird.  Wundern tut mich das nicht, die ewigen Relativierungen in unschönen Themenbereichen sind ja Alltag. Trotzdem zynisch.

Der vierte Punkt ist ein sehr persönlicher, trotzdem glaube ich, dass es vielleicht mehreren so geht.
Seit ich selber auf mein Essverhalten achtgebe, beobachte ich auch die Leute um mich herum ganz anders.
Letzten Sommer, als ich gerade angefangen hatte, abzunehmen, war ich viel im Freibad. Mit geschärfter Wahrnehmung habe ich auf einmal entdeckt, wie viel Speckröllchen und Schwammigkeit auch bei schlanken Leuten zu sehen waren. Wie viel Kinder oder Jugendliche schon eine gewisse Moppeligkeit mir sich herumtrugen. Ich bekam am Rande Gespräche über die Figur mit, mit Fettlogiken oder Ausreden gespickt.
Als ich Kind war, habe ich manchmal, nicht jedesmal, Geld für Gummibärchen am Schwimmbadkiosk von Grosseltern oder Onkel und Tanten geschenkt bekommen.

Wenn meine Eltern Gäste hatten, hatte der Besuch meist eine kleine Süssigkeit dabei, die ich dann sofort gegessen habe, andere Kinder in meinem Umkreis ein paar Tage aufgespart haben.

In jedem Fall war es irgendeine Art von Besonderheit.

Dieser Freibadsommer dagegen war für mich wie ein Symbol für den Überfluss in dem wir heute leben. Immer wird dauernd gegessen, alles mögliche wird geschleckt und geschlabbert und diese Formulierung „immer“ und „dauernd“ ist kein Stilmittel, sondern nahezu unübertrieben wahr.

Dass ich selber auch so ein gefrässiger Mensch bin, hat mich so richtig angekotzt, mich hat es geekelt. Nicht vor den anderen dicken Leuten als solche, sondern als Spiegelbild meiner selbst.

Ich habe gemerkt, dass zuvieles Essen wie ein Rattenschwanz mein Leben durchschlängelt, als Ausdruck von Masslosigkeit, Disziplinlosigkeit, Unzufriedenheit, Schwermut und Egoismus. Und immer die schnelle Befriedigung. Das unkontrollierte Essen war symptomatisch dafür, dass ich nicht ein grosses Ziel über den schnellen Genuss stellen konnte.

Ach was red ich da: Genuss. Gier ist das bessere Wort. Genossen habe ich eben gerade nicht, weil Genuss auch das „Besondere“ benötigt, Verzicht abwechselnd zum Genuss.

Fünftens kommt eine Art Mitleid hinzu. Mitleid ist schon ein zu starkes Wort, aber es ist so, dass ich mir selbst sehr befreit und selbstbestimmt vorkomme und das auch bei anderen Fettlogik-Lesern so oder so ähnlich gelesen habe. Jeder, der noch in diesen Mythen gefangen ist, der eine Opferrolle einnimmt, tut mir gewissermassen leid. Einfach, weil es so unsagbar schön ist, selbst Herr oder Frau der Lage und nicht seinen Genen, seiner Umwelt o.ä. ausgeliefert zu sein.

Ich weiss, es ist gang und gäbe, Täter jeder Art, -sei es im wörtlichen Sinne kriminelle Täter oder auch nur im Sinne einer Gesinnung, einer Handlung in Anführungszeichen gesetzte Täter- es ist also allgemein üblich, diese Verhalten irgendwie ins Passiv zu setzen.

Wenn man dann entdeckt, dass es kein Muss ist, ein ewiges Zweijähriges zu sein, das noch überwältigt wird von Emotionen und sich nach dem Lustprinzip benehmen muss, sondern dass man rechnen, einteilen und Erfolg haben kann, dann ist das einfach so supertoll (und ich bin jetzt echt sehr versucht, hier GEIL hinzuschreiben), dass ich das jedem wünsche!
Ich kann das gut stehen lassen, wenn wer sagt, dass er die Kosten für Übergewicht überschlagen hat und die Prioritäten anders setzen möchte. Es geht mir nicht um Krankenkassenkosten oder ähnliches.

Andere baden meine Fehler mit aus, ich die ihren, so ist das halt geregelt und das hat ja viel für sich.

Aber doch bitte nicht als Resultat einer gefühlten Machtlosigkeit grösseren Zusammenhängen gegenüber, die sich jeder Kontrolle entziehen.
Vielleicht liest sich das alles einen Tick zu dramatisch, aber das das Schreiben nicht mein Job ist und ich extra gesagt habe, dass dieser Text ein unsortierter Haufen persönlicher Eindrücke ist, möchte ich das so schreiben, wie ich es empfinde. Und diese Befreiung fühlt sich in der Tat so dramatisch an.

Letztendlich läuft es wahrscheinlich aber doch auf das Ergebnis hinaus, dass mir in geglaubten und gelebten Fettlogiken und in übergewichtigen Mitmenschen einfach ein Spiegel vorgehalten wird. Ich ärgere mich also oft nur über mich selber, nehme ich an.

Entweder in Form von Gedanken wie: „Aha, so bist du also auch, ist ja bescheuert!“ oder: „So warst du mal und das hätte es alles gar nicht gebraucht, wenn du früher dahinter gekommen wärst, wie es auch anders gehen kann!“
Ich hoffe nun, dass mir meine Besserwisserei  nicht zum Fallstrick wird und ich von Fressattacken, die ich nicht kontrollieren kann, überfallen werde und ich demnächst wieder ein Ü90kg-Foto posten muss 😉

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45 Gedanken zu “Gastbeitrag: Warum mich Fettlogiken nerven

  1. Heute ist so ein Tag, an dem mich die Fettlogiken anderer unfassbar belasten. Ich bin bei fddb in einer Gruppe unterwegs, in der die meisten extremes Übergewicht haben, die Ühis. Am Anfang meiner Abnahme, ohne Hintergrund Wissen & Struktur ging es mir dort gut. Ich hatte das Gefühl dort Rückhalt zu finden & weil 1600 immer noch ein Defizit sind & ich von Anfang viel Sport gemacht habe, habe ich recht schnell & gut abgenommen. Es wurde kritisch beurteilt, das es viel zu schnell sei, etc blablabla. Vor kurzer Zeit habe ich dann Fettlogik gelesen & habe so eine 180° Denkdrehung gemacht, das ich in dieser Gruppe unglücklich bin. Natürlich wird kritisiert, das ich jetzt nur noch 1200 kcal essen, natürlich kommt der Hungerstoffwechsel & natürlich wird jedes neue Mitglied, das die gleichen Gedanken hat & schneller abnehmen möchte erstmal völlig belabert & runter gemacht.. so dann auch wieder gestern Abend. Ich habs heut früh gelesen & bin so geladen. Dabei könnte ich die Gruppe einfach verlassen & gehen, denn dagegen halten bringt überhaupt nichts. Es ist so ärgerlich & schade.

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    1. Deswegen bin ich von My Miracle zu FDDB gewechselt, ich habe die Klugscheißerei dort nicht mehr ausgehalten, jetzt lasse ich Foren und ähnliches links liegen und mache mein eigenes Ding. Lass die Leute in ihrer selbstgeschaufelten Hölle schmoren, Hauptsache sie ziehen Dich nicht mit runter. Diese Leute haben Probleme mit sich selbst und wollen diese anscheinend auch behalten, also lass sie ihnen, wenn es ihrem Leben Sinn gibt.

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    2. Wesi

      Da gebe ich Dir Recht! Ich bin auch stolz, mit wirklich gesundem, reichhaltigem vegetarischem Essen in vier Wochen 7 kg verloren zu haben. Ich fahre sehr viel Rad und esse knapp meinen Grundumsatz – knapp 1500 kcal -mal mehr mal weniger aber immer ohne Hungern.
      Und da höre ich heute in einer Gruppe:“traurig! Du bist Beratungsresistent und wirst es böse bereuen. “
      Ganz ehrlich: wie fies ist das denn???
      Ich habe eher das Gefühl, dass ich endlich den Absprung schaffe, seit dieser Woche bin ich erstmals wieder unter 100 kg. Und unter 70 will ich kommen (in einem knappen Jahr)
      Ich gebe nicht auf! Und je schneller, desto gesünder für meine Gelenke.

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  2. Was für ein grossartiger Text ! Dieses Erkennen auch von dieser Maßlosigkeit, diesem ständigem „gefresse „,und diesem nicht warten können, sondern diese sofortige Befriedigung ist eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaftsstruktur.
    Und genau das macht mich manchmal sehr wütend und zornig.
    Dieses Erkennenkönnen von was brauche ich, und was nicht, ist für mich auch ein zutiefst politischer Vorgang, denn ich entziehe mich der Masse die sich gern mit Masse abspeisen lässt. Sehr deutlich im Kino zu sehen, oder auch beim Elektronikkauf oder ….etc , lauter Scheiss den man nicht braucht, aber das hat man heut so halt…..
    Dieses „Herr werden „“ über mein eigenes Verhalten ist gerade sehr heilsam, und ich fühle mich zutiefst zufrieden wenn ich 300g Spagetti verdrücke, auf die ich mich den ganzen Tag gefreut habe…ohne das Ich den ganzen Tag ans Essen denken muss….Ich bin Viel überlegter, und damit auch viel freier in meinem handeln…
    Fettlogiken sind fürchterlich zu ertragen, ich reg mich echt drüber auf, aber sie sitzen echt schwer…wie bei mir ja auch jahrelang. Aber viele sind echt unbelehrbar und wollen es auch bleiben…
    Da mach ich dann Reissleine und schweige , mit einem fetten Grinsen. …

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  3. Mean(th)ing

    Ja, das beschreibt sehr schön, warum mich Fettlogiken bei anderen Menschen so nerven. Vorallem deren Berharrlichkeit und Sturheit. Da kann man noch so oft auf die Hauptsätze der Thermodynamik und Studien verweisen, der Hungerstoffwechsel ist und bleibt eine der weitverbreitedsten Fettlogiken überhaupt. Und genau deswegen will ich manchmal den Leuten einfach Nadjas Buch um die Ohren klatschen. Die sind wie mein 8-jähriger Bruder: Ich glaube dir nicht, weil ich dir nicht glauben will! (Toll, jetzt rege ich mich wieder auf… Nicht gut für meinen Stoffwechsel! :D)

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  4. Farid Darwish

    Hier noch ein kleiner Denkanstoß, der in eine etwas andere Richtung geht.
    Wie selbstverständlich gehen wir hier alle von einem gewissen Menschenbild aus, dem ausgeklärten, reflektierten, selbstbestimmten Individuum. Dabei handelt es sich jedoch genauso um eine Idealisierung bestimmter Aspekte, wie es umgekehrt bei vielen „Fettlogikern“ der Fall ist:
    Dort die übertriebene Fremdbestimmtheit, hier die übertriebene Selbstbestimmtheit. Wer übergewichtig ist kann entweder ÜBERHAUPT nichts dafür, weil alles an den Genen hängt, oder ist KOMPLETT selbst Schuld, weil uninformiert, undiszipliniert und schlicht und ergreifend dumm.
    Leider, leider ist die Welt nicht so einfach und viele Menschen befinden sich in dem weiten Spektrum zwischen diesen Extremen: Mit Bedürfnissen und Wünschen, die sie als ihre eigenen Wahrnehmen und die sie auch emotional sehr stark mitnehmen. Und Gleichzeitig mit über Jahrzehnten eingeübten Verhaltensmustern und Weltbildern, die sich eben nicht so einfach ablegen lassen.
    Das Vorstellung einer alles überragenden Vernunft, die dem rationalen Menschen vollkommen frei seine Wege gehen lässt ist ein rührendes Missverständnis und weder Neurophysiologisch noch Psychologisch haltbar.
    Mein Vorschlag: Auch weiterhin die Menschen positiv motivieren, sich um sich und ihren Körper zu kümmern. Und wenn das manchmal schwer und langatmig ist, sich auf das eigene Mitgefühl besinnen. Und wenn es manchmal trotz Wissen und Wollen nicht klappt, nicht mit der „Willensschwäche“-Keule zu schlagen, sondern vielleicht vorschlagen einen Psychologen zu konsultieren und auf Ursachenforschung zu gehen. Und auch da akzeptieren, dass sich psycho-dynamische Prozesse nicht endlos beschleunigen lassen….

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    1. Da hast du schon recht, dass es halt im echten Leben nicht nur schwarz und weiss gibt. Ich kenne das ja auch (wie wahrscheinlich jeder), schwach sein, unvernünftig sein, ja sogar nicht vernünftig sein zu können im Moment.
      Aber es hilft doch ungemein, wenn das Kind einen Namen hat, und zwar den richtigen! Also dass eine Depression Depression heisst und kein Bock heisst kein Bock. Nerven tut ja nur diese gewisse Ignoranz, die Streitlust in einem Thema, das eigentlich nicht viel Interpretationsspielraum lässt. Oder halt Ausreden.
      Mit Ausreden ist doch keinem gedient, mich jedenfalls hat es sehr weitergebracht, als ich erkennen konnte, dass ich eben in einem bestimmten Verhaltensmuster oder Selbstbild stecke anstatt zu meinen, ich bin irgendwie handlungsunfähig, weil der Grund meiner Tatenlosigkeit ausserhalb meiner Kontrolle liegt, wie z.B. eben Gene, Erziehung oder Krankheit.
      Wenn ich erkenne, da gibt es etwas, was sich wirklich nicht ändern lässt, dann kann ich mich damit arrangieren, damit leben und muss nicht diesen Selbstbetrug noch aufrecht erhalten.
      Kommt es rüber, was ich meine?
      LG Stefanie

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      1. Farid Darwish

        Ja, ich glaube du sprichst da einen sehr guten Punkt an.
        Es gibt ja eine „Vorstufe“ der Kontrolle und zwar die „Beeinflussung“. So ein menschlicher Stoffwechsel ist sehr kompliziert und fast jeder kennt die Tage, an denen man 2 Stunden Sport macht und nur gedünstetes Gemüse isst und sich an der Waage dann doch nichts bewegt. Da zeigt sich für mich die Grenzen der Kontrolle und das eben all das „(natürwissenschaftliche) Wissen über den eigenen Körper eben nur für Heuristiken taugt…

        Was ich aber so auffällt, wenn ich hier so lese: Warum stört ihr euch denn an der Fettlogik Anderer? Am Ende leiden nur sie selbst darunter, wenn sie so denken. Ich finde es eben manchmal lustig. Und ich finde es erschreckend, wenn ich bei mir selbst solches Verhalten feststelle. Aber was Andere denken und tun, kann mir doch egal sein, sofern ich selbst überhaupt nicht davon betroffen bin….

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      2. Um deine Frage zu beantworten, warum ich mich an Fettlogiken anderer störe, muss ich nochmal konkreter werden. Dann wird das ganze noch persönlicher und damit vielleicht kontroverser, aber das Risiko geh ich jetzt ein;-)
        Ich meine, wenn jemand das Buch „Fettlogik nicht lesen WILL, weil er sich nicht überzeugen lassen will, oder Quellenangaben, Links, weitere Erklärungen zu einem Artikel o.ä. nicht verfolgen WILL, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, sprich, weil er sich weigert, seine Ansichten zu reflektieren, dann unterstelle ich diesem Menschen, dass er einer Religion o.ä. angehört, die ihm irgendwie nutzt, ohne die Hintergründe zu kennen, dass er eine Partei wählt, ohne das Programm gelesen zu haben, dass er Medien konsumiert, die ihm in den Kram passen und er die darin enthaltenen Infos nicht hinterfragt oder überdenkt.
        Das unterstelle ich einfach, ohne es zu wissen, aber ich halte grundsätzlich Mitmenschen für eher schlimmer statt besser, nenn mich Misanthropin.
        Mit den Auswirkungen dieses Verhaltens muss ich leben und das stört mich. Vielleicht bin ich zu misstrauisch, zu pessimistisch, zu böse, aber so denke ich mir das.
        Gleichzeitig mag ich meine Mitmenschen doch gerne genug, dass ich es sehr schade finde, wenn sie sich selber so einsperren und gewissermassen Lebenslügen aufbauen. Ist ja auch anstrengend und evtl. schädlich….
        LG

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    2. Mona

      Ich störe mich nur an Fettlogiken, der Menschen, die mir viel bedeuten, weil ich denke, dass es ihnen helfen würde, wenn ein paar Fettlogiken weg wären.

      Bei anderen nehme ich es zur Kenntnis und versuche denen nicht irgendwas großartig zu erklären. Ich sage dann höchstens kurz meine Sichtweise dazu, wenn sie mich ansprechen.

      Es gibt noch eine Gruppe bei der mich Fettlogiken nerven, das sind Ärzte und Medien, weil sie Einfluss auf viele Menschen haben. Meistens kann ich das gut ignorieren.

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  5. Mona

    Ich glaub, mich nerven Fettlogiken nicht wirklich. Es nervt mich eher, dass andere drauf bestehen und ich dann nachgebe, weil ich keinen Nerv hab irgendwelche Studien rauszusuchen. (Es würde ja auch nichts bringen, weil die gemeinten Menschen das nicht lesen würden, weil sie nicht mal das Fettlogik-Buch lesen wollen.)

    Für mich ist das ein bisschen so als wenn jemand behauptet 2+3=4. Da steh ich dann und hab keine Ahnung, wo ich ansetzen kann, damit mir geglaubt wird, dass es doch 5 ergibt.

    Ich fand den Satz super:
    „Wenn man dann entdeckt, dass es kein Muss ist, ein ewiges Zweijähriges zu sein, das noch überwältigt wird von Emotionen und sich nach dem Lustprinzip benehmen muss, sondern dass man rechnen, einteilen und Erfolg haben kann,“
    Ich bin eher ein „ewig Dreijähriges“ 🙂 Ich will in mir eine erwachsene Elternperson heranzüchten, die auf das Dreijährige aufpasst. Dann wird das Leben bestimmt ein bisschen leichter. (Naja, außer wenn die beiden ständig im Konflikt sind.)

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    1. „Für mich ist das ein bisschen so als wenn jemand behauptet 2+3=4. Da steh ich dann und hab keine Ahnung, wo ich ansetzen kann, damit mir geglaubt wird, dass es doch 5 ergibt.“

      Das fasst es perfekt zusammen. Ich hatte schon so viele Diskussionen (über Fettlogik, aber auch andere Themen), in denen ich genauso hilflos da stand, weil mein Gesprächspartner einfach völlig beratungsresistent war. Einmal hat jemand mir gegenüber ernsthaft behauptet, alle meine Universitätsprofessoren würden lügen, und das bei einem Thema, das ich als Allgemeinwissen einstufen würde. Was soll man da noch antworten? Das macht einfach sprachlos.

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      1. Ist schon geil, wenn jemand einfach mit „Also, ich halte das einfach für falsch“ antwortet auf einen mit Studien belegten Auszug aus Nadjas Buch. Da juckt es einen doch gewaltig in den Fingern – in whatsapp eine Unflätigkeit zu tippen natürlich 😉

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  6. Agnes

    Tja, ich zähle derzeit halt eher zu den maßlosen Fressern. Wenn mich jemand Schlankes oder ein Diätender sieht, findet er/sie das bestimmt auch eklig.
    Hatte Dank Fettlogik 8kg abgenommen, war schön im Normalgewicht, dann erstmal pausiert, drei Monate gehalten, dann kam Stress (Ausbilderschein + Altes Haus gekauft + Arbeit nervt) zack wieder alles drauf und auf dem Weg nach oben.
    Ich schaffe es derzeit irgendwie einfach nicht, mich an Kalorienvorgaben zu halten. Es geht mir schlecht, also fresse ich. Nicht gesund. Aber naja… nur da ich jetzt vollkommen fettlogikfrei bin, weiß ich, das ich zu 100% selbst dran schuld bin, das ich wieder fett werde. Auch doof….
    Andere Leute reden sich halt raus, aber da hat man sich ja auch nicht einzumischen. Leben und Leben lassen.

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    1. Ich glaube nicht, dass dich irgendwer hier eklig fände, oder dass das so gemeint war im Artikel (zumindest ist das meine Interpretation). Es kennt jeder Phasen, in denen es in irgend einem Bereich nicht läuft, und die meisten hier kennen das wohl besonders in Bezug auf Essen. Und es kann jedem passieren, dass man trotz Fettlogikfreiheit in eine „Boah, es geht jetzt gerade nicht“-Schiene kommt, und das ist auch OK. Hatte ich auch 1-2 Mal während des Abnehmens, was man sogar an der Kurve sehen kann. Es geht ja nicht darum, irgendein tolles Ideal von nun an 100%ig ohne Abweichung zu leben, sondern darum zu wissen, dass man es könnte, wenn man wollte, und eben bewusst entscheiden kann, ob man gerade will oder ob andere Sachen Priorität haben.

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      1. Agnes

        Ich habs nochmal durchgelesen. Beim ersten mal die das „geekelt“ wohl hängengeblieben.
        „Dass ich selber auch so ein gefrässiger Mensch bin, hat mich so richtig angekotzt, mich hat es geekelt. Nicht vor den anderen dicken Leuten als solche, sondern als Spiegelbild meiner selbst.“
        Das ich hab also wohl wirklich etwas zu extrem interpretiert.
        Es nervt trotzdem, wenn man es eigl. besser weiß und trotzdem nichts hinkriegt.
        Ich hab schon beschlossen, das ich es nochmal versuche, sobald wir mit dem gröbsten durch und eingezogen sind.
        Aber mit meiner Hauptfettlogik „Jeder in meiner Familie ist breit gebaut und für ne Frau hab ich viel Muskeln“ zu leben war halt doch wesentlich angenehmer, als sich komplett bewusst zu sein, das man es sich gerade selbst verbockt 🙂

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      2. Ja, genau, EMN nimmt es vorweg, aber du hast es ja weiter unter sowieso noch mal relativiert. Ich bin ja immer noch übergewichtig (BMI 27) und auch mein Mann wiegt zu viel. Das finde ich auch nicht eklig. Bevor ich mich mit mir und meinem Essverhalten auseinander gesetzt habe, fand ich auch nie jemanden eklig (also nicht wegen dem Gewicht 😉 ).
        Ich meinte wirklich, dass mich die Körper und vor allem das Verhalten der Freibad-Leute so ermahnten und mir vor Augen hielten, WARUM ich so dick geworden war.
        Alles Gute dir, auf dass es dir bald nicht mehr schlecht geht!
        LG Stefanie

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      3. Agnes

        @Stefanie. Ja, ich glaube, ich habe mich da sogesehen „ertappt“ gefühlt, daher meine negative Reaktion. Als ich mir das nochmal in Ruhe durchgelesen hab, kam das dann auch ganz anders rüber 🙂
        Tut mir leid, das ich dich so fehlinterpretiert hab

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    2. Mona

      @Agnes, ich finde, es liest sich so als ob du sehr streng zu dir selbst bist.

      Ich kann mir nicht vorstellen, wieso jemand anderes (auch Schlanke und Diätende) dich oder dein Essen eklig finden könnte.

      Dass du 8 kg abgenommen hast, zeigt doch, dass du es später gut schaffen kannst, wenn du wieder Aufmerksamkeit und Ruhe dazu hast. „Ausbilderschein + Altes Haus gekauft + Arbeit nervt“ sind ja schon zeit- und nervenraubende Dinge und ich könnte dabei auch nicht auch noch an Portionen oder bestimmte Lebensmittel denken. Da wär ich bestimmt schonmal froh, dass ich einschlafen, aufwachen und zur Arbeit gehen schaffe. Ich wünsche dir genug Entspannung und dass du dich lieb behandelst.

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  7. noxneurotica

    Jupp, dieser Artikel fasst meine Gedanken, die ich bei meinem letzten Urlaub hatte, sehr gut zusammen… Fressbude an Fressbude, im Schwimmbad dichteres Gedränge am Essensstand als im Wasser… Das Prinzip, dass es ‚out‘ ist, den eigenen Konsum zu überdenken, begegnet mir ständig und ich habe mir erst unlängst richtig drüber aufgeregt, als in der ZEIT ein Artikel erschien, indem die Bemühung zu gesunder Ernährung mal wieder in die spirituelle Asketen-Ecke der Genusslosigkeit und wahnhaften Selbstoptimierung gesteckt wurde. Man kann in diesem Beitrag übrigens ‚Fettlogik‘ mit ‚Fleischkonsum‘ ersetzen und erhält ein ziemlich genaues Abbild meiner Lebensrealität aktuell. Menschen reagieren einfach sehr unangenehm darauf, wenn suggeriert wird, sie können etwas an sich ändern. Es viel schöner, gesagt zu bekommen, ‚du bist gut so, ändere dich bloß nicht, denke nie kritisch nach, lehn dich zurück und genieße dein Leben.‘ Und das sagen Werbung, Umfeld und teilweise sogar Experten jeden Tag.

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    1. Apropos Trends & Kultur: Ich kann auch diesen Kult darum, keinen Sport zu machen, nicht nachvollziehen. Beziehungsweise nachvollziehen kann ich ihn schon, es ist halt das Gegengefühl zu Fitness-Instagram und Clean Eating, aber diese ewige Gemähre von wegen „omg I never do exercise“ „the most exercise i get is rolling out of bed to fridge“ „all i ever eat is pizza“ oÄ… ja toll. Hauptsache relatable. Oder auch Buzzfeed Videos über Sport, wo dann so Sachen kommen wie, dass man lieber Freunde und Sßaß hat als einen Sixpack…
      Irgendwie lässt das jede sportliche Betätigung als eine für Normalsterbliche kaum schaffbare Aktivität darstehen.

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      1. Mona

        Ich denke, das mit ich-esse-ständig Pizza-und-mache-keinen-Sport soll Freiheit darstellen. Sie sind Rebellen oder so.

        Sagt sowas jemand, der über 35 ist? Das fände ich seltsam, weil man dann durch die letzten 20 Jahre ohne Sport (oder nur der Bewegung vom Bett ins Bad oder Küche) und ständig Pizza essen ziemlich sicher schon Rücken-Schmerzen bekommt und schlapp ist bei körperlichen Tätigkeiten.
        Spätestens ab 40 Jahren können die doch keinem erzählen, dass sie so frei und glücklich sind, durch wenig Bewegung und mit einseitiger Ernährung, weil man den Verfall doch bis dahin schon sehen kann.

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      2. Agnes

        Also ich kenne von der Fraktion „Ich mache nie Sport und ernähre mich von Fertignahrung“ eigl nur Leute, die einen körperlich harten Job haben und nach Feierabend daher keine Lust mehr auf Sport haben. Oder kochen. Oder überhaupt irgendwas. Und vll. ein paar 16-jährige, die noch nicht merken, was sie sich antun.

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      3. Mona

        Die Menschen mit körperlich schwerer Arbeit haben doch Sport am nötigsten, weil deren Körper über Jahrzehnte an die bestimmte Belastung gewöhnt ist und sie Dysbalancen im Körper entwickeln. Das wissen sie bestimmt auch selbst. Ich trau solchen Leuten nicht zu, dass sie aus dem „kein Sport+Fertiggerichte“ ihre Freiheit und ihr Glück ziehen oder sich irgendwie besonders cool und genussfreudig sehen.

        Bei körperlicher Arbeit verstehe ich das schon sehr gut, wenn man in der Freizeit mal hinsetzen möchte, um sich auszuruhen, und keine Nerven hat Lebenskraft/-zeit ins Kochen zu stecken. Das sind doch dann nicht die Menschen, die im Internet total stolz drauf sind, dass sie nicht kochen und sich so gut wie nie bewegen, oder?

        Geringe Bewegung ist bestimmt in den USA ganz toll, weil sie damit ausdrücken können, dass sie Geld für ein Auto haben, es sich leisten können Pizza zu bestellen und dabei über die Menschen lachen können, die sich anstrengen müssen/wollen, um zu kochen oder Sport zu betreiben. Faulheit als Luxusgut. Seht her ich kann es mir leisten 😀 und du musst schuften, du arme Socke 😦 .

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      4. käse

        Ich würde es mir viel einfacher erklären:

        Seit Jahren tobt ein Fitnesshype und Körperkult. Jeder, den das auf den Senkel geht, betont ganz bewusst, dass er das nicht mit macht.

        Genau so wie es Apple Fans gibt, und Hater die betonen, wie viel toller doch Samsung ist.

        Oder Veganer die betonen, wie viel gesünder und moralisch besser sie jetzt sind. Und Fleischesser, die über sich selbiges behaupten (nur weniger „spießig“).

        Also kurz: es geht auch ums Image und um die Gruppenzugehörigkeit. Man will sich von anderen abgrenzen, häufig auch über das abwerten der anderen um sich selbst aufzuwerten.

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  8. Benji

    Ich würde nicht sagen, dass mich die Fettlogiken nerven, aber seit ich das Buch gelesen habe, fällt mir deutlicher auf, wo sie einem überall begegnen. In diversen Abnehm-Foren werden sie geradezu heruntergebetet. Da heißt es gleich bei der Vorstellung: “ Das sind aber viel zu wenig Kalorien pro Tag, da kommst du unweigerlich in Hungerstoffwechsel…..“ . Bitte, wenn es ihre Meinung ist. Ich denke mir meinen Teil und ignoriere solche Kommentare. Denn wie schon mehrfach erwähnt führt jede Reaktion darauf nur zu endlosen Diskussionen und da hab ich keine Lust zu. Jeder soll den für sich am besten funktionierenden Weg nehmen und akzeptieren, dass das für andere halt auch ein anderer sein kann. Getreu dem Motto „Leben und leben lassen“

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  9. Bernd

    Noch ein Aspekt scheint mir wichtig: Fettlogiken sind häufig offizielle Lehrmeinung!
    Ich selber wog 2010 180 kg und habe es dank medizinischer Ernährungsberatung (und dass ich mich konsequent an die Empfehlungen der Ernährungsberaterin gehalten habe) immerhin geschafft, innerhalb von 20 Monaten auf 96 kg herunter zu kommen. Auch von ihr hörte ich immer wieder, dass ich bloß nicht zu schnell abnehmen solle, weil mir sonst der Hungerstoffwechsel drohe oder gar noch Schlimmeres. Als dann mein Gewicht stagnierte und ich sogar wieder zunahm – ich wurde schlicht und ergreifend schludrig – versuchte sie es mit diversen Ansätzen, wie z.B. 3-Phasen-Diät, die aber – Überraschung! – nicht so recht fruchten wollten. Ich unterschätzte halt meine Nahrungsaufnahme, ohne sie genau zu kennen.
    Heute weiß ich dank Nadjas Buch, dass im Grunde genau das gilt, was ich eigentlich schon immer vermutet hatte, aber nie bestätigt bekam: Was zählt, ist einfach nur das Defizit in der Energiebilanz. Und basta. Diese erschreckend einfache, wissenschaftlich vertretbare These zu kennen und zu wissen, dass man damit ein Mittel in der Hand hat, sein Gewicht zu kontrollieren, ist tatsächlich GEIL. 😉
    Dummerweise ernte ich auch jetzt noch von meiner Ernährungsberaterin Blicke mit hochgezogenen Augenbrauen, wenn ich ihr mit einer Vokabel wie „Defizit“ und zu drastisch angesetzten Abnahmezielen komme.
    Aber das muss ich wohl ignorieren lernen. 😌

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  10. Sarja

    Ich ärgere mich über Fettlogiken, weil sie mich so lange vom Abnehmen abgehalten und dadurch auch unmündig gehalten haben. Aber ich unterstelle niemandem, dass er/sie sie wissentlich verbreitet.

    Manche Experten bzw. „Experten“ haben nicht oder nur schlampig recherchiert – das ist ärgerlich, aber ich verstehe es auch. Schließlich sind diese Abnehmwahrheiten *hüstel* vollkommen etabliert. Wer weiß, wieviel von dem, was wir als „ist doch klar, gesunder Menschenverstand, seit Jahren bewiesen“ ansehen, nicht auch falsch ist?

    Auch Ärzte: nicht jeder von ihnen ist nun einmal Ernährungsfachmann/frau, aber auch sie sind Menschen mit ihren eigenen Fett- und sonstigen Logiken. Wenn mein Orthopäde mir rät abzunehmen, aber nicht so schnell weil blablabla, sehe ich das nicht als bösen Willen. Er meint es nicht böse, im Gegenteil, er möchte mich vor Schaden bewahren und nutzt dafür sein Wissen. Dass das Wissen falsch bzw lückenhaft ist, ist Pech.

    Aber ganz ehrlich: ich sehe mich nicht als Aufklärerin, die jetzt mit flammendem Schwert die Wahrheit verkündet. Wenn jemand mit Fettlogiken kommt, erkläre ich warum ich das anders sehe, verweise ggf. auf das Buch und lasse ansonsten den anderen wie er ist.
    Ich mag ehrlich gesagt auch diese Zuordnung „die Fettlogiker“ vs. „wir“ nicht. Ich muss nicht zu einer Gruppe gehören und ich brauche auch kein Feindbild.
    Hauptsache, ich bin mit mir im Reinen (und nehme ab).

    Viel schlimmer finde ich die, die willentlich meine Anstrengungen untergraben, in dem sie Schokolade oder Kuchen hinstellen – „heute kucken wir mal nicht auf die Kalorien/einmal ist keinmal/ist doch Geburtstag/sooo dick bist Du doch nicht/Du sollst doch nicht vom Fleisch fallen“, denn das ist dumm und gemein (im besten Fall dumm und gedankenlos).
    Mit denen möchte ich auch nicht diskutieren, dem trockenen Alkoholiker stellt man ja auch keinen Schnaps hin. Da haben alle genug Anstand, Mineralwasser anzubieten, aber wenn jemand eine Diät macht kann man nicht einen Obstsalat machen?

    Und gleich danach ärgern mich die ganzen „Du bist doch gar nicht dick/Du wirst ja viel zu dünn“ Sprüche. Hallo?! Ich wiege jetzt 114 kg, so groß kann ich gar nicht sein, dass das nicht zu dick ist. Und ich habe jetzt von den 11 kg, die ich in den letzten 11 Jahren zugenommen habe, 4 wieder abgenommen. Ich habe also 7 kg mehr als zu der Zeit, als ich „nur“ 30 kg Übergewicht hatte. Und ich will verdammt noch mal vom Fleische (bzw. Fett) fallen – das ist der Sinn des Kalorienzählens.
    Und jetzt komme ich komplett vom Thema ab: es kotzt mich an, dass alle zustimmend nicken, wenn ich sage, dass ich wegen meiner Kniearthrose abnehmen muss. Ach so, jaja, hm, klar, das muss dann sein. Aber würde ich sagen, ich möchte abnehmen, weil das Bauchgeschwabbel hässlich ist, ich es hasse, mich im Sitzen nicht richtig bücken zu können, weil das Fett im Weg ist, dass ich es satt habe, hässliche, teure Übergrößenkleidung zu kaufen und ich einfach auch normal und schlank sein möchte, werde ich überhäuft mit „Argumenten“ warum das nicht geht und auch vollkommen hirnlos ist. Was soll das? Dürfen Dicke nicht schlank werden, ausser sie sind todkrank? Bzw. müssen sie hehre Gründe haben und nicht so niedere wie „ich möchte Klamotten von der Stange kaufen“? Bah.
    Ähm ja. Aber wie gesagt, Fettlogiken stören mich gar nicht so sehr.

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    1. ch mag ehrlich gesagt auch diese Zuordnung “die Fettlogiker” vs. “wir” nicht. Ich muss nicht zu einer Gruppe gehören und ich brauche auch kein Feindbild.
      Hauptsache, ich bin mit mir im Reinen (und nehme ab).

      Ehrlich gesagt sind das so Gedanken, die mir auch immer wieder mal kommen, generell in meinem Alltag, aber auch beim Verfassen des obigen Posts. Ich finde, dass ich mich ein bisschen reinsteigere, dass ich Schubladen aufmache/fülle und eben Feindbilder konstruiere. Das stimmt schon, dass es mir letztlich reicht (reichen müsste?) dass ich selber mit mir im Reinen bin.
      Aber trotzdem wird immer wieder der Diktator in mir laut, der schreit: „Aber ich habe RECHT! Und das will ich laut sagen!“
      Ich glaube, ich bin ein Mensch der sich gerne aufregt. Mhm, jetzt fällt mir dazu kein Schlussatz ein, ich lasse das so stehen……

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  11. Sarja

    🙂
    Ich habe wohl „aber ich habe Recht!!!*aufstampf* … uuuups, doch nicht“ etwas zu oft erlebt. Und man kann nur sehr selten andere überzeugen, schon gar nicht mit missionarischem Eifer.
    „Fettlogik überwinden“ hat mich überzeugt, weil ich schon vorher dachte, das kann doch alles so nicht stimmen. Set Point, Hungermodus und Jojo sind ja nun mal eher unlogisch, Kaloriendefizit = Gewichtsabnahme logisch.
    Ein Buch über Trennkost oder Darmreinigung hätte Abwehr ausgelöst. Und je fanatischer jemand dafür plädiert, desto stärker ist meine Abwehr.

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  12. Ich habs auf Instagram (jaaa, ich weiß…) eigentlich schon wieder aufgegeben, Leuten ihr „Ich nehm nicht ab, esse wohl zu wenig.“ auszureden oder anzudeuten, dass Oalmeal mit 500 g Beeren und Xylitschoko zum Frühstück, Mittags 2 kg Ofenkartoffeln mit Quarkdip und Abends Salat mit ’ner ganzen Packung Feta zwar sicherlich von den Inhaltsstoffen her recht gesund sein mag, aber zum Abnehmen bei ’ner 1,60 m Frau auf 70 kg nicht (mehr) so geeignet… Man wird nur „negativ“ oder schlimmeres genannt. 😀

    Ich glaube, für die meisten Menschen ist es für die Nerven am besten, sein Umfeld nicht vehement aufklären zu wollen, auch wenns schwerfällt. Und das ist ja im Bereich Gesundheit nicht nur mit Fettlogiken frustrierend, sondern auch mit Themen wie „Detox“, „Entsäuerung“, Globuli, Impfen und, und, und…

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  13. fak

    Ein Zitat aus dem persönlichen Teil, das es für mich aber auch sehr genau trifft:

    „Ich habe gemerkt, dass zuvieles Essen wie ein Rattenschwanz mein Leben durchschlängelt, als Ausdruck von Masslosigkeit, Disziplinlosigkeit, Unzufriedenheit, Schwermut und Egoismus. Und immer die schnelle Befriedigung. Das unkontrollierte Essen war symptomatisch dafür, dass ich nicht ein grosses Ziel über den schnellen Genuss stellen konnte.

    Ach was red ich da: Genuss. Gier ist das bessere Wort. Genossen habe ich eben gerade nicht, weil Genuss auch das “Besondere” benötigt, Verzicht abwechselnd zum Genuss.“

    Insbesondere der erste Absatz trifft es für mich fast zu gut. Ich halte mich für jemanden, der durchaus zu kritischem Denken fähig ist, der politische und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch betrachtet. Und an dem Punkt Essen es aber über Jahre überhaupt nicht geschafft hat, sich da einigermaßen vernünftig zu verhalten. Ich habe zunächst als Jugendlicher eine mögliche Karriere im Leistungssport dem Essen geopfert, weil das maßlose Essen in einer Verletzungspause dazu führte, dass die Verletzungsprobleme dann mit Übergewicht erst recht nicht mehr in den Griff zu bekommen waren. Und dann waren die Jahre zwischen 20 und 30, die eigentlich ganz gut hätten sein können, ziemlich scheiße und ich kann erst jetzt glaube ich richtig klar einschätzen, wieviel das Essen damit zu tun hatte. Weil ich erst jetzt, mit Anfang 30, es schaffe, bewusster zu bleiben und überhaupt merke, wieviel es ausmacht, sich vernünftig zu ernähren. Irgendwie wusste man es ja immer, aber so konkret…anderthalb Monate so ernährt, dass 10kg Abnahme dabei rauskamen und mich dabei fast durchgehend hervorragend gefühlt; zwei Tage Ernährung wie früher und sofort nur noch die Hälfte der Energie und die Hälfte der Offenheit anderen Menschen gegenüber. Es ist arg krass. Und ärgert einen. Ich habe das schon vor ein paar Jahren für mich so formuliert: mein langfristig wichtigstes Bedürfnis ist, abzunehmen. Mein kurzfristig wichtigstes Bedürfnis ist, mich heute vollzufressen und morgen wieder. Das widerspricht sich ja nun leider etwas. Dass man es dann nicht schafft, das langfristige Ziel zu bevorzugen, ist ärgerlich. Insbesondere, wenn das kurzfristige Fressbedürfnis dann auch noch anderen langfristigen Zielen im Weg steht. Dabei ist es dann leicht, in die „jetzt ist es eh schon egal“ bzw. „ich schaffe das sowieso nicht“-Fettlogik zu verfallen und die schlechte Laune das übermäßige Essen beeinflussen zu lassen und das übermäßige Essen die schlechte Laune. Besser – und das gelingt mir momentan ganz gut, auch durch die Lektüre des Buches, die das ganze Thema versachlicht hat: drauf schauen, warum es gerade nicht besser geht mit dem Essen, das zunächst mal akzeptieren und wenn möglich zu ändern und dann halt wieder zu dem zurückzufinden, wo man eigentlich hin wollte. Bei mir heißt das gerade: 10kg in anderthalb Monaten abgenommen, jetzt eine gute Woche, in der die Ernährung nicht so war, wie eigentlich geplant – dabei aber durch zeitweises Weiterverfolgen des eigentlichen Plans (obwohl der Tag doch schon „kaputt“ war) und weitere Dokumentation des eigenen Verhaltens nicht völlig den Faden verloren und auch nicht wieder zugenommen, nur halt nicht weiter ab. Und das ist doch eigentlich ganz ok, und dann geht’s weiter.

    Jetzt habe ich glaube ich mehr einen Motivationsbeitrag für mich selbst geschrieben, als wirklich im Kommentar beim Ausgangstext zu bleiben – aber das ist hoffentlich auch ok und vielleicht findet sich ja auch noch für jemand anders etwas darin, worin er/sie sich wiederum wiederfindet, so wie ich mich im Zitat.

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  14. Stefanie, ich finde mich in deinem Text komplett wieder.
    Wie oft ich mich mittlerweile auf meine Hände setzen muss, weil ich wieder die ältesten Fettlogiken in Foren lese und nichts dazu schreiben will, ist schon sagenhaft.
    Aber auch im „echten Leben“ ist es unglaublich, wie verbreitet und vor allem verankert Fettlogiken sind.
    Am häufigsten begegnet mir der Hungerstoffwechsel. Direkt danach kommt „Ich esse wirklich total wenig. Aber Kalorien zähle ich nicht.“

    Und ich verstehe dich auch in dem Punkt, dass du dich selbst in anderen wieder erkennst.
    Ich denke ganz oft „Scheiße und das hast du auch jahrelang geglaubt!“

    Hach ja. Ich muss echt lernen, einfach darüber hinweg zu sehen…
    Ich bin kein Mensch, der gerne „missioniert“ – auch nicht für die Wahrheit.
    Wenn jemand Interesse hat, erkläre ich gerne, wenn ich aber merke, ich stoße auf Fettlogik galore, dann sag ich nix mehr und denke mir meinen Teil.

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    1. Ich denke, das „sag ich nix mehr und denke mir meinen Teil“ ist bei mir ein Grund dafür, warum ich mich ärgere.
      Weil ich nämlich auch nicht sehr eifrig missioniere im „echten Leben“. Sondern eher sehr freundlich – man will ja nicht streiten- den Sachverhalt einmal erkläre und danach denk ich eben meinen Teil weiter. Und das gärt dann und macht mich zornig.
      Ich bin mir nur nicht sicher, ob das klug ist oder höflich oder verlogen…
      Ich habe halt oft genug erlebt – nicht nur bei fettlogik, sondern allgemein-, dass ein Gegenüber nicht zuhört oder nicht reflektieren will. Und da denk ich dann eher: ja was will ich da jetzt rumdiskutieren, dreht sich eh alles im Kreis und bringt nix ausser Stress.
      Ich dagegen sage nur „Ich habe Recht“, wenn ich mir sicher bin, dass ich recht habe 😉
      Ansonsten sag ich halt, dass ich das glaube, aber nicht weiss, dass ich etwas gar nicht weiss o.ä.
      Und sollte ich mal falsch liegen, dann revidier ich das halt. Ich glaub ich bin da nicht stur oder stolz. Aber ich bin halt der Überzeugung, dass es ein Richtig und ein Falsch gibt, nicht alles relativ ist, und dieses Richtig vertret ich dann auch. Wenn es jemand nicht glaubt, lass ich ihn /sie in Ruhe.
      Nur dass ich es innerlich nicht stehen lassen kann, sondern es in mir weiter arbeitet und dann reg ich mich bei „Gleichgesinnten“ auf 😉
      Wie gesagt, ich bin da noch am prüfen, ob die Vorgehensweise „Die Wahrheit immer sagen, egal obs dann ungemütlich wird“ die bessere wäre…

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  15. Magenta

    Man kann nur Menschen helfen, die das auch wollen, ansonsten sind Diskussionen eh völlig sinnlos. Innerlich stört mich das gar nicht, wenn jemand beratungsresistent ist.
    Ich bin nur für mein eigenes Gewicht und mein eigenes Leben zuständig, nicht für das der anderen. Wenn ich angegriffen werde, weil ich nach Meinung anderer zu schnell und völlig falsch abgenommen habe (ja das kommt gelegentlich vor), lasse ich diese Leute stehen oder sage, dass Sie sich um ihren eigenen Sch…ß kümmern sollen, auch innerhalb der Familie.
    Für Stefanie: Ich wünsche Dir mehr Gelassenheit!

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  16. Sarja

    Oh nein, das ist doch etwas anders. Denn was ja auch gerade oft gelobt wird, ist dass das Buch eben n i c h t missioniert. Du bekommst die Fakten, was Du daraus machst ist Dein Ding.
    Und so sehe ich es auch im Umgang mit anderen – ich kann Fakten oder auch meine Meinung äussern, aber ich ärgere mich nicht, wenn das nicht angenommen wird. Ich bin nicht für das vermeintliche Glück meiner Mitmenschen verantwortlich.

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