Wahr_nehmung

Vor ein paar Tagen hatte ich mit jemandem eine Unterhaltung über die Magersuchtsdebatte, also konkret die Tatsache, dass immer mal wieder Leute kommen und mir sagen, dass meine Fotos „mager(süchtig)“, „heruntergehungert“, „abgemagert“, „viel zu dürr“, „wie ein Klappergestell“, „skeletthaft“ oder „ausgezehrt“ aussehen und mir mehr oder weniger indirekt mitteilen, dass sie mich für magersüchtig halten.

Daraufhin meinte sie sinngemäß, dass sie sich freuen würde und in gewisser Weise darauf hinfiebere, dass jemand sie für „zu dünn“ hielte, während sie auf einem bequem-normalgewichtigen BMI sei und das locker nehmen kann.

Verstehe ich gut. Das hätte 1:1 von mir kommen können, als ich (sehr) übergewichtig war. Ehrlich gesagt glaube ich, dass das eine relativ klassische „dicke Fantasie“ ist, dass man sich wünscht, jemand fände einen zu dünn, würde einen womöglich sogar zum Essen ermutigen. Wenn man Jahre- oder Jahrzehntelang immer nur Kritik in die eine Richtung („Du bist zu dick!“ „Iss nicht so viel!“ „Sei doch mal disziplinierter!“) hört, dann erscheint es wie der reinste Luxus, wenn man sich vorstellt, die Umwelt sagt plötzlich Dinge wie „Also ich finde, du könntest ruhig etwas mehr essen“ oder „Na komm, gönn dir doch was!“ – sogar Beleidigungen wie „magersüchtiges Klappergestell“ haben da eine gewisse Anziehungskraft.

Hätte man mich früher gefragt, wie es mir gehen würde, wenn mir das jemand sagt, hätte ich gesagt „Cool! Ich würde mich freuen!“ oder „Ich würde es als Kompliment sehen!“

Ich glaube, das Ding ist, wenn man sich das so zusammenfantasiert und sich vorstellt, man hat dabei ja einen normalen BMI (meiner liegt recht genau mittig), dann läuft die Fantasie oft so ab:

„Oh mein Gott, du bist ja total dürr!!! Bist du etwa magersüchtig?“

„Haha, stell dir vor, mein BMI ist vollkommen normal!“

„Oh, na dann. Aber ehrlich, du siehst ganz großartig aus! Wie ein Model!“

 

Tatsächlich läuft es allerdings eher so:

„Oh mein Gott, du bist ja total dürr!!! Bist du etwa magersüchtig?“

„Haha, stell dir vor, mein BMI ist vollkommen normal!“

„Du lügst doch oder du irrst dich!“

„Nein, wirklich, mein BMI liegt bei 21!“

„Das kann nicht stimmen!“

„Doch, wirklich.“

„Das du so uneinsichtig bist, zeigt ja, wie gestört du dich wahrnimmst. Ganz klar, Magersucht!“

„Nein, ich….“

„… ernsthaft, geh zum Arzt. Sofort. Und iss eine Sahnetorte. Ich werde jetzt genaustens beobachten, was du isst, und ob du innerhalb der nächsten 2 Stunden aufs Klo gehst (und kotzt)“

Irgendwann stellst du fest: Die Magersuchtsdebatte ist kein Spaß. Du sitzt nicht auf einem bequemen Normalgewicht und hast das letzte Wort, sondern du befindest dich quasi in einer Lose-Lose Situation, in der jede mögliche Reaktion den Verdacht erhärtet. Denn ein Kernsymptom der Magersucht ist ja die verzerrte Wahrnehmung und der Versuch, die Symptomatik vor anderen zu vertuschen.

„Bist du magersüchtig?“ ist somit eine ähnlich tolle Frage wie „Hast du schon aufgehört, deine Frau zu verprügeln?“. Gewichtsangaben sind natürlich gefälscht: normaler BMI? Komm, lüg nicht! Und wenn man in dem Eifer des Gefechts etwas sagt wie „Ja aber schau doch mal, hier, ganz objektiv, da ist doch Fett, ich bin doch nicht dürr!“ könnte man sich auch gleich ein Leuchtschild mit „Anorektisch!“ über den Kopf pinnen. Genau sowas sagen Magersüchtige! Du kannst im Prinzip nur darauf hoffen, dass andere Menschen sich einmischen und versichern, dass du wirklich nicht zu dürr bist und wirklich noch isst.

Es ist ein furchtbar unangenehmes Gefühl, wenn einem hartnäckig unterstellt wird, zu lügen oder zu vertuschen. Das ist übrigens auch etwas, was ich als Therapeutin immer versuche zu vermeiden, denn es bringt absolut nichts, jemanden in die Defensive zu drängen und ihm zu vermitteln, dass er jetzt sagen kann, was er will, und alles nur die These unterstreicht.

Als negativen Nebeneffekt musste ich feststellen, dass ich im Bezug auf Magersucht skeptischer wurde, wenn sie von anderen berichtet wurde. Wenn mir jemand von eigener Magersucht erzählt, nehme ich das selbstverständlich ernst. Bei Menschen, die mir Magersucht unterstellen, hartnäckig darauf beharren, und dann argumentieren, dass sie x magersüchtige Personen im Umfeld haben, überlege ich meist, ob diese „magersüchtigen Bekannten“ ebenso(wenig) magersüchtig sind, wie ich.

Das haben mir übrigens schon mehrere Menschen mit ähnlichen Erfahrungen rückgemeldet, und ich denke, es tut der Erkrankung wirklich absolut keinen Gefallen, wenn sie derartig inflationär über jeden gestülpt wird, der in ein selbsterdachtes Schema fällt.

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, aufmerksam zu sein und auf negative Entwicklungen bei Menschen, die einem nahe stehen, zu achten. Es kann sehr viel bringen, wenn jemand rechtzeitig ein offenes Ohr hat für jemanden, der vielleicht dabei ist, in eine Depression zu rutschen, zu viel zu trinken, zu wenig zu essen oder sonstiges. Das Gefühl zu haben, sich an jemanden wenden zu können ist wichtig. Und es kann auch hilfreich sein, wenn man rückgemeldet bekommt, dass das eigene Verhalten irgendwie ungewöhnlich wirkt. Manchmal merkt man tatsächlich nicht, wenn man dabei ist, abzustürzen. Was es aber nicht werden sollte, ist in eine Inquisition auszuarten, in eine Art Hezenprozess, in der es nur darum geht, den anderen zum „gestehen“ zu bringen.

Gerade ich hatte jetzt schon öfter die Situation, dass jemand mich hartnäckig öffentlich „beschuldigt“ hat und das dann mit „Sorge um mich“ begründete. Es tut mir leid, aber allein die Tatsache, dass trotz mehrerer persönlich-privater Kontaktmöglichkeiten (Mail, Facebookmessages) eine öffentliche Ansprache gewählt wird für so ein potentiell schambesetztes Thema, zeigt klar, das es nicht darum geht, dass sich jemand „Sorgen“ um mich macht, sondern dass jemand mich öffentlich „überführen“ und das darstellen will.

Wenn ihr euch ernsthaft um jemanden sorgt, dann versucht, ihm öffentliche Szenen zu einem derartig persönlichen Thema zu ersparen. Sprecht ihn unter vier Augen an und macht dabei keinen Druck. Ihr seid nicht die Magersuchtpolizei, oder die Alkoholpolizei oder auch die Übergewichtspolizei, die hier einen Verdächtigen überführt. Sprecht über eure Wahrnehmung und maßt euch nicht an, diese dann über die Wahrnehmung eures Gegenübers zu stellen. Solange ihr nicht die Eltern dieser (minderjährigen) Person seid oder sonstwie in einer verantwortlichen Position, habt ihr schlichtweg nicht das Recht dazu. Wenn ihr sagt „Mir kommt es vor, als wärst du sehr dünn und als würdest du kaum essen“ und die andere Person sagt „Nein, das ist nicht so“, dann müsst ihr das respektieren. Ihr könnt ein Angebot machen („Okay, aber falls du doch ein Problem hast, dann kannst du dich jederzeit an mich wenden.“) aber nicht hartnäckig besserwissen. In den meisten Fällen zerstört ihr damit nur effektiv das Vertrauensverhältnis und die Beziehung, und sorgt dafür, dass ihr garantiert die letzte Person seid, der sich die andere Person anvertraut.  Im Zweifel macht ihr es sogar schlimmer, weil das Gegenüber sich so gedemütigt fühlt, dass es erst recht nicht zugeben wird, falls etwas wäre.

Wie schon angeschnitten gilt das natürlich auch für das Thema Übergewicht, das ebenso schambesetzt sein kann. Es ist eine Sache, Fakten als solche zu benennen (z.B. „Nein, leichtes Übergewicht ist nicht gesünder“) aber eine andere, die Wahrnehmung infragezustellen („Als Dicker lügst du dir doch selbst was in die Tasche, wenn du sagst, dass du dich wohl fühlst. In Wirklichkeit fühlst du dich doch ….“) – das hat genau den selben Effekt.

So, das waren jetzt meine 2 Cent zu der Sache. Und glaubt nicht, dass mir nicht bewusst ist, dass nun einige Unbelehrbare hinter ihrem Bildschirm sitzen und sagen „Hah! Dass sie dazu einen langen Text schreibt, zeigt doch nur, dass sie magersüchtig ist und sich jetzt versucht, hier irgendwie rauszureden!“ – könnt ihr natürlich so wahrnehmen. Die Wahrnehmung spricht euch schließlich keiner ab 🙂

76 Gedanken zu “Wahr_nehmung

  1. NOCH schlimmer wird es, wenn du wirklich mal magersüchtig warst. Ist bei mir 15 Jahre her, aber ich werde immer noch beobachtet und befragt und natürlich hab ich jedes Mal abgenommen, wenn man mich trifft (auch wenn ich mein Gewicht seit über 10 Jahren halte). Jaaa, es machen sich alle Sorgen, schon klar, aber meine Güte, nervt das! Und wehe, ich sag mal was in die andere Richtung…
    Aber ist ja immer so. Spricht man jemand Schlankes auf sein Gewicht an, ist man besorgt. Spricht man einen Adipösen auf sein Gewicht an, ist man ein fieses, mobbendes Stück, das sich in Dinge einmisch, die es nichts angehen.

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  2. Als BMI 20 „Hungerhaken“ kann ich dir das nachfühlen. Es nervt! Allerdings stelle ich eben jetzt beim Schreiben fest, daß mir noch nie jemand Magersucht unterstellt hat. Da ist man wohl bei Frauen eher geneigt.

    (Für den Vergleich mit Frau verprügeln sehe ich einen Shitstorm kommen)

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    1. Das mit dem „Frau verprügeln“ ist eine recht bekannte Redewendung, die eine ausweglose Frage darstellt, da sie die Anschuldigung bereits als gesichert beinhaltet. Die Antwort „Ja“ impliziert, man habe seine Frau früher verprügelt, die Antwort „Nein“ besagt, dass man sie weiterhin verprügelt. So oder so „ich verprügle meine Frau“ wird durch die Antwort bestätigt.

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      1. Ah, siehste mal. Manche aprachlichen Feinheiten sind bei mir wohl durch die Maschen der zweisprachigen Erziehung geschlüpft.
        Aber nochmal zum anderen Punkt, denkst du nicht auch man unterstellt Magersüchtigkeit eher Frauen und Mädchen?

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    2. Hana Mond

      Magersucht tritt m.W. sehr viel häufiger bei Frauen und Mädchen auf als bei Männern und Jungen, daher denkt man sich das beim weiblichen Geschlecht wohl auch eher.

      Aus deinem Kommentar geht nicht hervor, ob du schon immer sehr schlank warst oder viel abgenommen hast? Letzteres bewegt natürlich auch mehr Leute, an Magersucht zu denken, als wenn jemand schon immer dünn war (da denkt man eher: Na, der/die ist einfach ein „schlechter Esser“)

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    3. Buhu

      „BMI 20 Hungerhaken“ Wie das schon klingt… Meine Eckdaten männlich 23 Jahre 190 cm 69 kg

      Angefangen habe ich, nach einem schweren Unfall und 3 Montaen Krankenhaus so wie 6 Monaten Reha im Alter von 17, bei 52 kg. Ich habe mein aktuelles Gewicht im letzten November erreicht. Die Gewichtszunahme war alles andere als leicht. Einfach „hochfressen“? Pfft völlig zwecklos, natürlich eine Woche lang alles in sich reinstopfen was man finden kann ist kein Problem allerdings kommt dann in der 2. Woche der Punkt an dem man vor dem Teller sitzt und gar nicht erst anfangen kann zu essen. Ich habe mit viel Bewegung um jedes Gramm gekämpft.
      Inzwischen ist ein Punkt erreicht an dem ich mich manches Mal tasächlich „dick“ fühle.

      In der anfangs Zeit war das „Du siehst ja total magersüchtig aus, iss mal mehr… blabla“ sehr schlimm. Vor allem weil durch die viele Bewegung die meisten annahmen, dass ich weiter abnehmen möchte. Alleine diese ständige Erklärung, dass ich mich nicht runter gehungert habe und gerade dabei bin zu zu nehmen war nicht nur Kräfte zehrend sondern auch sehr demotivierend. Es ist einfach immer dieselbe Leier, auf ein „es ist gar nicht so leicht gesund Gewicht auf zu bauen“ folgt immer ein Shitstorm, dass man ja so neidisch ist, dass ich mich beim essen nicht zurückhalten muss und ich mich nicht so anstellen soll…

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      1. Oh, ich fühle mit dir! Ich kenne das selbst! (Gewicht normalerweise: 53 kg, aktuell leider nur 49 kg weil ich vor einer Woche einen ziemlich krassen grippalen Infekt und Durchfall hatte. Meine Körpergröße ist 1,70 m.)
        Das mit der „Mastkur“ funktioniert bei mir auch nicht so gut, weil ich irgendwann an einen Punkt komme, wo ich einfach nicht mehr weiter essen kann. Oder anders ausgedrückt: Ich kann nicht mehr als das reinstopfen, was mit aller Gewalt in mich reingeht. Wenn mein Magen voll ist, ist er voll. Da ist weiteressen für mich eine Qual. Klar, man kann auch Lebensmittel mit hoher Energiedichte konsumieren, aber das hängt mir auch irgendwann zum Hals raus. und ich habe den Eindruck, dass gehaltvolle Lebensmittel bei mir tendenziell ganz schön lange im Magen rumliegen. Das ist dann sicherlich auch nicht im Sinne einer wenigstens halbwegs gesunden Diät.

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      2. Tja das ist dann wohl der Fall „kann soviel essen wie ich will“ … ihr wollt/könnt eben nicht so viel essen. Wohingegen unsereins auch locker 5000kcal+ pro Tag reinkriegt. Ich weiß echt nicht was besser ist… (statistisch wohl das nicht so viel reinkriegen).

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  3. Verzerrtes Weltbild. Loose/Loose

    Ja, wenn jemand Magersüchtig ist, ist das Weltbild verzerrt und die Daten erstunken und erlogen. Wiegetag? Gleich mal 1l Wasser vortrinken. So ein Kilogramm macht da schon einen großen Unterschied. Oder finden die ganze Diskussion zum Kotzen.

    Und ja – die Reflexe sind ganz selten hilfreich. Sahnetorte? Es reicht ein normaler Kuchen, eine „normale“ Portion essen – ich habe Frauen 45 Minuten mit 6 Oliven und 2 Scheiben Knäckebrot kämpfen sehen.

    Und Familienangehörige, die zum Essen meinten – „Ist das eine große Portion, ich könnte das nicht schaffen.“ – Während der Sprössling sich gerade nach oben kämpft.

    Ansehen? Ja und Nein. Weite schlabberige Pullies, die jede Kontur verwischen. Und doch kann man es sehen. Stehen – und beim Sitzen auf der Stuhlkannte, mit geradem Rücken, damit auch maximal alle Muskeln angespannt sind. – Eingefallene Wangen, tiefe Augenhöhlen.

    Ja mag sein, dass ein BMI von 21 aus Sicht von 35 magersüchtig aussieht. Von da sind es aber noch einige Kilos zu den richtigen Untiefen. Die nicht nur für das eigene Selbstbild bedrohlich sind, sondern das Leben der Untergewichtigen bedrohen.

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  4. Ich war in meinem erwachsenenleben noch nie in einem normalen BMI. Im Moment arbeite ich daran, (wieder) unter 30 zu kommen. 2011 bis 2013einhalb habe ich von 145kg auf 90kg abgenommen (ein Monat war ich auf 85). Da kamen schon die ersten Kommentare ala „Jetzt musst du abe rnicht mehr abnehmen, das ist sonst gefährlich.“ Bei einem BMI über 25… Ich fand das schrecklich..

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  5. Mona

    EMN, du hast das aktuelle Beweisfoto vergessen, damit wir über deine Figur streiten können. 😉

    Ich kenn das noch so, dass über dünne Menschen dann hinterm Rücken geredet wird. Also man scheut sich das direkt bei der Person anzusprechen. Zum Beispiel Weihnachten und eine Person war dünner als früher. Als sie kurz weg war, wurde plötzlich darüber geredet, dass sie ja so wenig gegessen hat usw. Aber es stimmte gar nicht. Ich hab mich vollgefressen und die Person hat genauso viel gegessen, wie ich, nur halt kein Fleisch oder fettigen Salat, sondern an dem Nachtisch und den Süßigkeiten (die ich auch gern gegessen hätte, aber ich war schon voll und es passte wirklich kein Bissen mehr rein). Manchmal sehen Menschen nur das, was sie sehen wollen.

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  6. Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Wenn ich sage, ich habe Normalgewicht, ernte ich auch immer ungläubige Blicke.
    Einmal ging es in einem Urlaub mit Freunden um unsere Körpergröße, die wir dann nachgemessen haben. Dabei kam heraus, dass ich einen Zentimeter größer war, als ich gedacht hatte. Darauf hin meinte eine Freundin: „Ha, ich hab doch gewusst, dass das bei dir mit dem Normalgewicht nicht stimmten kann! Klar kommt da ein normaler BMI raus, wenn du deine Körpergröße zu klein eingibst in den Rechner!“ Dieser eine Zentimeter macht bei mir 0,2 BMI Punkte aus und katapultiert mich auch nicht schlagartig ins Untergewicht. Die verzerrte Wahrnehmung haben eben auch oft die anderen.

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  7. Tja, bei mir kamen die ersten Kommentare in diese Richtung, da hatte ich kaum angefangen abzunehmen und war noch im oberen nicht-adipös-übergewichtigen Bereich.

    Ärztin angenehm ganz direkt: „Entwickeln Sie gerade eine Esstörung?“
    ich: „Nö.“
    Ärztin: *nimmt das als Information zur Kenntnis und lässt es auf sich beruhen*

    Wochen später, die ersten Kilos sind runter und der BMI im Dreh von etwa 27-28: „Sag mal, wirst du magersüchtig?“
    ich: „Nö.“
    Nachbarin: „Da musst du aber arg aufpassen, du siehst so verhungert aus“
    ich: „Ich wiege derzeit XX Kilo, auf meine Körpergröße gerechnet ergibt sich damit ein BMI von *was im Dreh von 27-28, ich erinnere mich nicht mehr genau*, damit bin ich also immer noch übergewichtig und weit entfernt von Untergewicht“
    Nachbarin: *besteht darauf, noch ne Runde weiterzustreiten*
    ich: *verliere langsam die Geduld*

    Was ich gelernt habe: künftig schneller die Geduld zu verlieren und das auch unmissverständlich deutlich zu machen. Sorgen machen ist okay, sich über Pseudosorge an mir auszuagieren ist es nicht.

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  8. Susanne

    Tja, „wohlgemeinte“ Ratschläge der sich „sorgenden“ Mitmenschen können sehr nervend sein: mir wurde geraten, mit dem Abnehmen aufzuhören, denn jetzt sei es genug – und da war ich von einem BMI von fast 31 auf gerade etwas über 25 gekommen! War also immer noch übergewichtig! Als ich meinte, dass ich schon noch einige kg abnehmen wolle, hiess es, dass ich dann ja ziemlich dünn wäre (ich ich dachte, so ca 57kg bei 163cm wären Normalgewicht? 😉 ). Und das letzte Fettpolster am Bauch würde man eh nur durch Training loswerden und nicht durch eine Diät… hm, und ich dachte, das wären die 8kg, die noch runter sollen? Nun denn, ich mache weiter wie bisher – sehe ja, dass es funktioniert – und lasse sie reden.

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  9. yannaba

    Abgesehen davon, dass ich es auch absolut unmöglich finde, andere (und im Prinzip fremde) Menschen öffentlich auf angebliche Probleme anzusprechen und das als Sorge zu tarnen, frage ich mich auch ernsthaft, was dieser Magersuchtsscheiß eigentlich überhaupt soll.
    Kennen die Leute wirklich so viele magersüchtige? Ich meine: wirklich magersüchtige?
    Ich nicht.
    Also, ich habe eine Freundin, die ein paar Jahre Probleme hatte, weil sie untergewichtig war – aber als magersüchtig würde ich sie trotzdem nicht bezeichnen. Ich hatte einen Cousin, der wirklich magersüchtig war. Der ist daran gestorben. Und der Grund für seine Krankheit war garantiert kein Schönheitsideal – nein, der hatte ganz andere Probleme.
    Deswegen nervt mich das Geseier der Leute wirklich ungemein – die wissen doch überhaupt gar nicht, wovon sie reden. Ich empfinde das als eine totale Verniedlichung einer wirklich schweren Krankheit – und das ist in meinen Augen nicht nur unfair, sondern auch unverschämt. Ganz besonders gegenüber einer Psychologin, die ja höchstwahrscheinlich sehr wohl weiß, wovon sie spricht…

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  10. Ich bewege mich aktuell immer wieder um einen BMI von 25. War schon drunter, bin jetzt wieder knapp drüber. Ich komme von einem BMI von über 30. Ich habe festgestellt, dass ich ein Problem mit der Wahrnehmung habe. Wenn ich jemanden sehe, kann ich nur in extremen Fällen einschätzen, ob derjenige jetzt dicker ist als ich oder dünner. Ich weiß, dass ich am Bauch ein Fettpölsterchen habe, dass ich gerne weiter minimieren würde. Und dafür halte ich mich am BMI fest. Ziel ist für mich BMI 21-22, damit ich im gesunden Bereich bleibe, auch wenn es durch Urlaub oder Feiertage oder Stresszeit mal etwas hoch geht. Ich halte mich sehr an dem BMI fest, weil das für mich einen objektiven Wert darstellt, den ich zur Orientierung brauche, weil meine Wahrnehmung das unmöglich macht. Gerne würde ich darüber sprechen und es anderen erklären, die mich auf Gewicht ansprechen, aber…

    Ich werde jetzt schon dauernd damit genervt, dass ich ja jetzt genug abgenommen habe, dass ich so, wie ich bin, auf jeden Fall total in Ordnung und gut bin, dass ich nicht weiter abnehmen muss und dass ich mich nicht verrückt machen soll. Und da schwingt immer auch die Sorge mit, ich könnte es übertreiben. Wenn ich solchen Leuten jetzt auch noch sage, dass ich ein BMI-Ziel habe und mich daran orientieren werde, weil ich in der Regel nicht wirklich wahrnehmen kann, wie dünn/dick ich bin, dann würden die doch Amok laufen. Das will ich mir nicht antun, ganz ehrlich. Also rede ich kaum bis gar nicht drüber, winke ab, lache weg oder gehe drüber weg, wenn jemand kommentiert.

    Das gefährliche daran ist, dass diese Wahrnehmungsstörung ja tatsächlich das Potential birgt, ich könnte in Richtung Magersucht rutschen. Und ausgerechnet damit bin ich (fast) allein, weil ich keine Lust habe, noch mehr unpassende Besorgnis hervorzurufen, mit Kleidergröße 40-42 und M.

    Vielleicht ist es für viele so, dass sie das Gefühl haben, dass es eine Krankheit sein muss, wenn man abnimmt, weil sie damit vor sich selbst rechtfertigen, dass sie es nicht tun.

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    1. käse

      „weil sie damit vor sich selbst rechtfertigen, dass sie es nicht tun.“

      Unterstellungen mit Unterstellungen abzuwehren mag einem selbst schmeicheln, ist aber eigentlich nix anderes als das, was man an anderen kritisiert.

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  11. Gerade nochmal nachgerechnet: Habe jetzt einen BMI von 23.5 Also vollkommen in Ordnung.

    Neulich hat meine Schwiegermutter mir gegenüber auchd as Wort „Magersucht“ in den Mund genommen. Davon bin ich bei meiner Größe noch gut 13kg entfernt.

    Ich denke, es ist eine Mischung aus Bewunderung, ehrlicher Sorge und Neid, die da in der Stimme mitschwingt. Und EMN hat in ihren Erlebnissen ja auch schon protokolliert, dass man zwischendurch beim Abnehmen manchmal wirklich dünner aussieht, als man ist, weil sich die Proportionen immer erst anpassen müssen. Man kann dem Körper nicht befehlen, wo er zuerst die Fettpolster abbauen soll. (Bei mir gerade die Brüste und der Hintern)

    Aber: Alles ist gut, was man gerne tut. Solange ich mich fit fühle ist alles in Ordnung.

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  12. Lustigerweise habe ich jetzt 43 kg abgenommen und will überhaupt nicht mehr, dass das noch jemand kommentiert, denn meine Erfahrungen damit waren bisher eher unerfreulich. In meiner Familie kommen schon jetzt, bei einem BMI von 29, die „Aber jetzt reicht es doch, oder?“- bzw. die „Aber nicht zu extrem werden“- Kommentare, und es nervt mich ganz böse. Ich möchte auch partout nicht das Gefühl haben, dass ständig alle schauen, was ich esse.
    Ich bin zwar unheimlich HAPPY über die Abnahme an sich, vor allem, weil ich zu denen gehöre, die sich immer wie wahnsinnig für ihren Körper geschämt haben. Aber die Kommentare meiner Familie gehen mir teilweise jetzt schon auf den Zeiger… ich möchte nicht wissen, was hier los ist, wenn ich tatsächlich beim Normal- oder gar IDEALGEWICHT bin. Kommentare von Fremden habe ich hingegen noch gar nicht bekommen- ahne aber auch nichts Gutes, wenn ich so von den Erfahrungen anderer lese. Insgesamt bin ich durchaus zufrieden, wenn die Kommentare ausbleiben… ich will mich einfach nicht ständig rechtfertigen müssen.

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  13. Magersuchtskommentare kenne ich auch bereits :/ Oder die seltsamen Fragen meiner Therapeutin, wenn es darum geht, dass ich noch ein paar Kilo abnehmen will. Das finde ich noch am schlimmsten – eine Therapeutin sollte doch unterscheiden können zwischen zielgerichteter Abnahme und total zwanghafter Essstörung.

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  14. Fee Rena

    Meine beste Freundin unterstellt es mir auch 😦 Seitdem ich erfolgreich abnehme (ca 10kg pro Jahr, bin jetzt auf nem BMI von 25). Sie seit dem Kalorienzählen bin ich angeblich anorektisch, manchmal auch bulimisch. Es hat sich mittlerweile etwas gebessert, aber es gab ne Zeit in der es zwischen uns angespannt war weil sie mich so stark beobachtet hat und zb die Musik ausgemacht hat wenn ich auf Toilette gegangen bin…
    Und sie hat ne Weile immer angedeutet ich würde über mein Gewicht lügen und eigentlich viel weniger wiegen. Das komische ist: mittlerweile runde ich wirklich auf. Ich denke ihr Problem ist in Wirklichkeit ihre eigene Unsicherheit und Unzufriedenheit mit sich selbst. In unserer Freundschaft war sie immer „die Schlanke“, jetzt bin allerdings wirklich bei ihrem Gewicht. Ich glaube es wird schlimm wenn ich offiziell weniger wiege als sie. Momentan runde ich noch 2 Kilo auf wenn sie fragt, ich hasse es das zu tun, aber ich scheue die Konfrontation 😦

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  15. Wie schonmal geschieben: erst beklatscht, dann bewundert, dann bemitleidet und gewarnt. Das erste „Übertreibe es nicht“ bei 93 Kilo auf 1,82 Meter (deutliches Übergewicht). Jetzt, bei 80 Kilo, Schauergeschichten über Krebs durch Gewichtsabnahme und natürlich der Hinweis auf drohende Magersucht. Das Problem dabei ist: Seit ich mich bewusst ernähre, kann ich wirklich nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

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    1. freak

      Magersucht ist NICHT Bulimie, auch derartige Begriffsverwirrungen tun niemandem gut. Es existiert ein Subtyp, der ggfs durch „aktive Massnahmen“ wie Erbrechen, Afm, Diuretika u.a. Gewichtsverlust herbeiführt. Doch ein Kernsymptom der AN ist Erbrechen nicht.

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      1. Hi Freak,

        mit k*tzen meinte ich nicht Bulimie, sondern meinen natürlichen Reflex auf Besserwisserei von Leuten, die es besser finden, wenn ich ungesundes Übergewicht mit mir herumtrage. Unterschiede zwischen Anorexie und Bulimie kenne ich (meine Frau ist Psychotherapeutin)

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  16. Mit dem Magersuchtsvorwurf hatte ich ernsthaft nicht gerechnet, als ich angefangen habe, abzunehmen. Ich selber bin zwar noch im Bereich: „Jetzt reicht es aber langsam mit dem Abnehmen!“ (Mein BMI ist gerade bei etwa 28.), aber mein Mann bekommt häufiger ein leicht besorgtes: „Du hast aber viel abgenommen, du wirst doch nicht etwa magersüchtig!“ zu hören. Den Leuten zu erklären, dass ein BMI von 21 völlig okay und noch nicht untergewichtig ist, hat irgendwie keinen Zweck.

    Ich hätte nie gedacht, dass es so ermüdend sein könnte, sich mit solchen Bemerkungen auseinanderzusetzen.
    Interessanterweise sagt nie jemand etwas, wenn man zunimmt. Und das Thema Gewicht scheint so emotional besetzt zu sein, dass es eine sachliche Feststellung wie „Ich habe abgenommen/zugenommen.“ nicht gibt. (Die häufige Beteuerung anderer, ich sei doch nicht dick, wenn ich mich mit 30 Kilo mehr als eben dick bezeichnet habe, fand ich damals allerdings recht lustig, weil faktisch schlicht und ergreifend falsch.)

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  17. Am besten solche Leute zu Tee und Kuchen einladen, ne Waage, nen Maßband und Taschenrechner in die Hand drücken und schauen was bei rumkommt 😛
    Aber vermutlich würde selbst das nichts helfen; da wird der BMI nur wieder angegriffen … muss wohl erstmal Infoheft erstellen, das mit übergeben wird 🙂

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  18. freak

    Das Tragische ist imho, dass sich schlicht die wahrnehmung in unserer Gesellschaft dessen, was dick/normal/dünn ist, drastisch verschoben hat. Das hast du ja in deinem Buch sehr deutlich dargelegt. Wenn in Deutschland ein Drittel der Menschen üg, sprich NICHT NORMALGEWICHTIG sind, wird genau das zur Norm und zum gefühlten Normalzustand. Folge: jeder, der ng ist, sticht da schon mal heraus und wird schnell als „zu dünn“ wahrgenommen.

    Ein anderes Beispiel: Wenn man in einer Gesellschaft lebt, in der das durchschnittliche Nettoeinkommen bei, sagen wir, 10.000 Euro läge, würde jemand mit einem Nettogehalt von knapp 2000 oder darunter bereits als „arm“ gelten. Setzte man dieselben Lebenshaltenskosten an wie bei uns, erscheint UNS 2000 wohl nicht gerade als arm. Der Kontext bestimmt eben mit, wie wir etwas wahrnehmen (generell ist wahrnehmung ja ein sehr spannendes Feld).

    Ich habe mit meinem Mann viel über den Gewichtsaspekt gesprochen und er hat anfangs auch stets gesagt: „Das? Das sieht man doch dauernd, ist nicht auffällig, nicht unbedingt dick.“

    Heute und durch schlichte Wahrnehmungsschulung 🙂 sagt er selber, dass sich sein Blick dafür, was tatsächlich klinisch gesehen bereits üg ist und was normal, durch das überall vorhandene ÜG verändert hat. Ich denke, dass diesem Phänomen auch Ärzte erliegen, weshalb jemand mit (leichtem) üg gar nicht mehr als ab-norm gesehen wird – was ja faktisch stimmt, wenn die Norm als der Großteil der Masse X gesehen wird – leider.

    Es gibt einen interessanten Artikel dazu:

    https://munchies.vice.com/de/articles/wie-es-ist-ubergewichtig-zu-sein-und-trotzdem-an-anorexie-zu-leiden-937

    Diese Haltung führt das Ganze gänzlich ad absurdum. Wenn jemand das Gewichtskriterium der AN nicht erfüllt, IST ER EINFACH NICHT MAGERSÜCHTIG! Es existieren Diagnosen, die die geschilderten Essstörungen erfassen. Ich denke, die Rolle die Magersucht in der Wahrnehmung der Bevölkerung spielt, ist mittlerweile vollkommen verdreht – junge Frauen versuchen sich, diese Diagnose wie eine Trophäe anzuhungern, gesundgewichtigen Menschen wird sie angedichtet und die tatsächlich Betroffenen leiden nach wie vor an unzureichenden Therapieangeboten.

    Im übrigen erinnert mich das, was du schreibst, an den inflationären Gebrauch des Wortes „Trauma“: wie oft lesen oder hören wir, jemand sei „traumatisiert“, weil er Xy erlebt hat.

    „Als Kind musste ich Wollunterhosen tragen, ich bin bis heute traumatisiert.“

    Das macht es für Menschen mit echter PTBS schwierig, weil es Leiden und unvorsztellbare Qual aufweicht und zum Allgemeingut macht.

    Zusammenfassend kann zu allen Aspekten gesagt werden:

    „Think, before you speak.“
    :-))

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  19. Statistisch gesehen ist ein BMI von 21 schon ein Ausreißer nach untern, wenn zwei Drittel über 30 liegen… Ernsthaft, die Menschen nehmen sich trotz Adipositas als normal wahr, da ist das eigentliche Normalgewicht natürlich untermaßig. Da hilft eigentlich kein Reden, sondern Waage, Zollstock, Taschenrechner, um diesen Leuten ihre verzerrte Wahrnehmung vor Augen zu führen. Fazit: „Ich bin nicht magersüchtig, aber Du bist adipös, kümmer Dich gefälligst um Deine eigenen Angelegenheiten!“

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  20. Ich bin wieder mal nur geplättet, wie kommunikativ das Umfeld anderer Menschen in dieser Hinsicht ist. Ich hab jetzt 19,5 Kilo runter, das erste Kompliment/ersten ausdrücklichen Kommentar, ob ich wohl abgenommen hätte, bekam ich nach 17 Kilo. Und es war positives Feedback zu meinem Outfit. Ansonsten wurde der Gewichtsverlust indirekt positiv bewertet mit Aussagen wie „gut siehst du aus“ o.ä.
    Letztens habe ich Leute wiedergesehen, die mich das letzte Mal mit 15 Kilo mehr gesehen hatten, und die haben zwar geschaut, aber sich nicht rausgenommen, irgendetwas dazu zu sagen. Worüber ich auch froh bin, mit face2face Komplimenten weiß ich nicht so recht umzugehen.
    Auch Freunde, die mit ihrem Gewicht nicht zufrieden sind, sagen nichts – sie äußern sich weder positiv, noch negativ – wo andere ja oft vo neidvollen Sticheleien berichten.
    Ich denke das nächste Mal, dass mich jemand gezielt ansprechen wird, wird im März meine Oma sein. Die hatte mir auch als letzte/einzige gesagt, dass ich zu fett bin.
    Ansonsten weiß ich, dass nicht alle Menschen in meinem Umfeld mit meiner Herangehensweise übereinstimmen, aber sie reiten nicht drauf rum.

    Vielleicht bin ich auch nur allen egal und sie hoffen, dass ich verhungere, wer weiß xD

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  21. vepasa

    Wie Sumseli weiter oben beschrieben hat, habe ich selbst auch ein Problem mit der Wahrnehmung. Erstens habe ich mir mindestens zwanzig Jahre den Blick in den Spiegel schön geredet und mir vorgemacht, es sei schon nicht so schlimm. Jetzt – 30 Kilo leichter – kann ich mich (immer noch) selbst ganz schlecht einordnen. Letzte Woche war ich mit meinen Kindern Schwimmen und habe mich im Badeanzug noch genauso unwohl gefühlt wie vor einem guten halben Jahr mit Ü100. Ständig habe ich meine Kinder gefragt: „Bin ich jetzt dicker als die da vorn?“ oder „War ich so dick wie die da?“
    Seit drei Monaten mache ich Sport, seitdem tut sich auf der Waage weniger, aber ich sehe durchaus, dass sich mein Körper verändert. Völlig unverhältnismäßig dazu empfinde ich aber die Bemerkungen anderer Leute, wonach ich jetzt auf jeden Fall genug abgenommen hätte. Und es ist wahr, jeder, wirklich jeder fühlt sich berufen, sich dazu zu äußern.
    Bis jetzt bin ich noch ganz deutlich im Übergewicht bei einem BMI von 26, aber ich habe jetzt angefangen, mich in Unterwäsche zu fotografieren, um die Zahlen auf der Waage nicht als alleiniges Maß zu haben.
    Mir gehen diese Mahner und Warner bzgl. des angeblich zu hohen Gewichtsverlustes fürchterlich auf den Wecker und ich versuche, das alles zu ignorieren. Finde es allerdings unfassbar, dass ich so ewig lange nicht ein einziges Mal auf mein beträchtliches Übergewicht angesprochen wurde und jetzt meinen aber alle, sie dürften sich zu meinem Gewicht äußern.

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    1. Ich pers. halte mich derzeit einfach noch an BMI, weil bei 130kg keiner sagen kann, dass ich nicht extrem adipös bin. Wenn ich dann langsam den Normalbereich erreiche, werde ich auch sicher andere Faktoren testen, Fettanteil messen, etc.etc. Natürlich habe ich den „Vorteil“, dass man Männern so gut wie nie vorwirft, Magersucht o.ä. zu haben, so dass ich aller Wahrscheinlichkeit nach diese Zahlen nur für mich brauchen werde und nicht, um mein Gewicht vor anderen zu rechtfertigen, wie das bei Frauen ja leider oft genug der Fall zu sein scheint…

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    1. Ich vermute stark, dass es gerade bei Menschen, mit denen man noch weiter Kontakt haben will/muß (Familie, Freunde, Arbeitskollegen) nicht ganz einfach ist, das so brutal abzuwürgen. Ich sehe da ehrlich gesagt auch (wieder mal) die Pflicht bei den nervigen „Tätern“ und nicht beim Opfer, sich die dauernden Angriffe zu verbitten. Ist natürlich utopisch, das denen nahe zu liegen.

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      1. R. Forderlich

        Halte ich auch für utopisch. Warum sollten die Leute auch damit aufhören, wenn sie keine eindeutigen Signale bekommen, dass ihr Verhalten unerwünscht ist, sondern ihnen ganz im Gegenteil signalisiert wird, dass man sich auf Grenzüberschreitungen einlässt?

        Wenn mich etwas stört, ist es meine Sache, es zu verbalisieren. Das muss natürlich nicht zwangsläufig „brutal“ passieren.

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  22. Litschi

    Ich war der „klassische“ Fall, der von der Diät in die Magersucht rutschte.
    Als Kind war ich übergewichtig und als Jugendliche gar Adipös. Mit dem Übertritt ins Gymnasium kam der Gewichtsverlust, hauptsächlich dadurch, dass ich sehr viel mehr Sport machte im Gymnasium (ja, ich bin die sportliche Dicke gewesen, die „gar nicht so dick aussieht“. Ich sage ja „klassisch“!) und dass das Mensa-Essen nicht schmeckte. 😛 Hinzu kamen einige unterstützende „Diät“-Versuche wie „Abends nur Suppe“ oder „Abends nur Obst“. Mit 17 hatte ich Normalgewicht und hatte vor nichts so sehr Angst wie vor dem Wieder-Zunehmen. In der Folge ass ich immer weniger. Ein endgültiger Durchbruch der Krankheit hatte ich nach einem schweren Reitunfall mit 18, den ich zwar körperlich relativ unbeschadet überstand, der mir dafür psychisch ziemlich zusetzte. Damals wog ich etwa 57kg, BMI 21.
    Durch die Folgen des Unfalles konnte ich für zwei Wochen keinen Sport mehr machen, was für mich die Hölle bedeutete. Denn ich würde garantiert zunehmen! Ich fürchtete die Gewichtszunahme so sehr, dass ich weniger und weniger ass. Auch als alle Blessuren verheilt waren und ich wieder Sport machen konnte, fürchtete ich mich immer noch vor der Gewichtszunahme. Meiner Mutter fiel schon auf, dass ich mich immer mehr vor dem Essen drückte und gleichzeitig irgendwie kein anderes Thema zu haben schien als wieviel Kalorien welches Lebensmittel hat.
    Ich strich nach und nach Lebensmittel aus meinem Speiseplan. Erst waren es nur Süssigkeiten, dann auch Nudeln und Brot, schliesslich ass ich Müsli nur noch mit Wasser anstatt mit Milch, dann ass ich gar kein Müsli mehr sondern nur noch Magerjoghurt mit einem Stück Obst. Gleichzeitig war ich völlig versessen auf Sport. Erst machte ich nur jeden Tag Sport, dann begann ich an manchen Tagen zusätzlich noch eine Sporteinheit anzuhängen. Dann zählte ich die Stunden, die ich mit Sport verbrachte… Und hatte einfach eine riesige Angst zu „versagen“ genauer: Alle Menschen, die mir gratuliert haben, dass ich übergewichtiges Kind nun endlich abgenommen hatte, zu enttäuschen, in dem ich wieder zunehmen würde. (Ich kann immer noch nur darüber lachen, wenn Leute behaupten, dass Teenies magersüchtig wegen den Laufsteg-Models werden…)

    Ich weigerte mich einige Zeit einzugestehen, dass ich ein Problem hatte, obwohl meine Mutter mich immer damit nervte. Erst als ich durch den ständigen (Nicht-)Essensstress einen Nervenzusammenbruch hatte, gestand ich mir ein, dass ich Hilfe brauchte. Meine Mutter war sofort für mich da.
    Mein Tiefstgewicht war gar nicht so tragisch. 47kg, BMI 17. Rein von den Zahlen ist es gerade so knapp Magersucht, aber von der Gedankenwelt, in der ich gefangen war, war es definitiv Magersucht.

    Heute schwanke ich so zwischen 55kg und 57kg, womit ich mich absolut wohl fühle. Meine Mutter beäugt aber auch nach über 10 Jahren immer noch die Portionsgrössen, die ich bei gelegentlichen Besuchen verdrücke oder kommentiert, wenn ich gerade wieder eher 55kg denn 57kg bin. Zum einen nervt es, zum anderen kann ich sie verstehen. Auch ich möchte nicht noch einmal eine Magersucht durchmachen!
    Leider habe ich mir dadurch auch angewöhnt, dass ich immer extra ein bisschen mehr esse, wenn ich bei meinen Eltern oder Grosseltern bin. Ebenso vermeide ich es extrem meine Mutter und ihre durch steigendes Gewicht immer schlechter werdende Gesundheit anzusprechen… Denn was darf ich, als Ex-Magersüchtige, die ja sowieso ein verzerrtes Weltbild hat, da schon dazu sagen…?

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  23. Ich finde die auch im Buch angesprochene Verzerrung in der Wahrnehmung bei mir jeden Tag wieder erstaunlich. Ich habe deine Bilder nun schon öfter gesehen, trotzdem denke ich immer mal wieder „Schon krass wie dünn sie da aussieht. Ist das echt Normalgewicht?“ Auch bei meiner Schwester. Sie ist 1,55 cm klein und wiegt 60kg. „60kg, das ist doch voll wenig!“ denk ich mir, wenn sie klagt. Aber das ist bei ihr garnicht wenig. Man sieht tatsächlich einen Speckbauch, wenn man versucht mal objektiver hinzu schauen. Aber irgendwie lande ich immer wieder an einem Punkt wo ich bei dir, bei ihr oder bei Freunden denke, dass es zu dünn oder zu wenig ist. Ich weiß es rational besser, aber das hilft iwie nichts.

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    1. Gewicht ist einfach relativ. 60 kg klingt für große Menschen vermutlich nach wenig; ich bin mit 1,54 m und 62 kg aber übergewichtig und das sieht man auch. In normaler Kleidung kann ich das noch ganz gut kaschieren, aber im Bikini würde mich kein vernünftiger Mensch „dünn“ nennen. Gerade weil das ganze Fett am Bauch sitzt …

      Wenn man nicht nach Gewicht, sondern rein nach Optik geht, wird man als große Frau vermutlich schneller in die Magersuchtsschublade gesteckt als ich. Eine schlanke Figur macht optisch größer, Übergewicht macht optisch kleiner – wenn ich schlank bin, gleicht die Figur erstmal meine „fehlende“ Körpergröße aus, deshalb wirke ich dann nicht so dünn wie jemand, der bei gleichem BMI 30 cm größer ist.

      Genauso hätte ich eine 1,85 m große Freundin nie so dick geschätzt wie sie ist, weil schon ihre Körpergröße sie optisch schlanker macht. Ein geringer BMI sähe an ihr dann mit Sicherheit viel extremer aus als an mir.

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  24. meiner Erfahrung nach FRAGEN die meisten Menschen nicht, ob man magersüchtig ist. Sie stellen es einfach fest. Und das nicht immer so, dass man etwas dazu sagen könnte bzw. so, dass eine Reaktion gewünscht ist.
    Mitunter nur allgemein formuliert „NA, besser, ein paar Kilo zuviel, als sich ständig den Finger in den Rachen zu stecken“ – wer darauf reagiert und sich angesprochen fühlt, beweist ja quasi, dass er das tut. etc pp.

    Ich merke z.B. dass ich gar nicht mal feststellen darf, dass mein Körperfettanteil ziemlich hoch ist, denn ich bin ja dünn und wenn ich sage: „ICh hab schon viel Körperfett“ (ist halt so…), dann ist das gleich verdächtig

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  25. Ich kann mich gut erinnern an einen Aufenthalt in der Psychosomatik. Dort waren wir krass adipösen zusammen mit den Magersüchtigen auf einer Station und ich bin mir recht sicher, dass ich seitdem durchaus halbwegs erkennen kann, wer magersüchtig ist und wer einfach nur schlank ist.
    Leider fehlt den meisten Menschen eine solche Erfahrung und dann kommt solcher Unsinn zustande.

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  26. Rondo

    Ist vielleicht etwas offtopic aber gibt es irgendwelche Aussagen über ein aus gesundheitlich optimalen BMI? Im Buch kann ich mich daran erinnern, dass die untere Hälfte des BMI empfohlen wurde aber ich weiß nicht mehr ob diese Zahlen uneingeschränkt gelten oder der optimale Bereich von anderen Faktoren abhängig ist (Geschlecht, Größe, Alter, etc.)

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    1. Es ist eher eine GewichtsSPANNE, kein Punktgenauer Wert. Ich denke, der wichtigste Faktor ist die Fettmasse an sich. Also wer mehr Muskelmasse hat, kann und sollte auch mehr wiegen. Männer haben biologisch bedingt mehr Muskeln, daher sollten z.B. inaktive Frauen aus gesundheitlicher Sicht eher im unteren Bereich des Normal-BMI liegen, inaktive Männer unten-mittig; und aktive Menschen mit viel Muskelmasse eben entsprechend höher. Eine Frau wird trotz viel Muskelmasse eher schwer in den „übergewichtigen“ Bereich rutschen, bei einem Mann passiert das schon eher.
      Ansonsten würde ich auf den Taillenumfang achten (Bauchfett ist das schädlichste) und aufs persönliche Wohlfühlen.

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      1. Ich pers. halte den BMI für eine grobe Richtschnur, an der man sich erstmal entlang hangeln kann, solange man im Extrembereich davon lebt. Sobald man eher im Normalbereich (oder knapp außen rum) rumhängt, gibt es sicher bessere Methoden, wie du eben sagst, Waist-To-Hip-Ratio, zum Beispiel, aber eben auch reine Körperfettmessung. Da kann man dann sehr viel genauer „nachjustieren“ als man es mit dem „groben“ BMI könnte. Aber das lohnt halt erst in nem gewissen Bereich, denke ich, vorher reicht auch locker der BMI um zu sagen „nicht gesund“.

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  27. Fred Chen

    Ein Hexenprozess ist gegen dich in Gange? Du möchtest keine öffentliche Szene, bauscht das Thema aber mit einem öffentlichen Beitrag hoch? Du wünscht keine öffentliche Ansprache des schambesetzten Themas? Du stehst in der Öffentlichkeit und zeigst deinen Körper und du vermarktest ihn sogar. Da muss man sich die Frage gefallen lassen, ob jemand, der nicht müde wird, über sich und sein Essverhalten beständig weiterzuschreiben, nicht vielleicht doch noch irgendwie essgestört ist oder, wenn schon der Hintern nicht mehr fett ist, die Profilneurose umso mehr? Ich meine auch, eine gewisse Koketterie mit dem Magersuchtsthema herausgelesen zu haben. Die Empörung erscheint mir ziemlich aufgesetzt. Komm, sei doch ehrlich, es schmeichelt dir, dass sich Leute „Sorgen“ machen. Reines phishing for compliments, dieser Beitrag.

    Wolle Profilneurose kaufe?

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    1. Wenn meine Person oder mein Blog dir derartig unsympathisch sind, dass du Beleleidigungen als vollkommen angemessen empfindest, frage ich mich, warum du dich gleichzeitig für ein E-Mail Abonnement entschieden hast, um sicher zu gehen, nur ja keinen der Beiträge zu verpassen?

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    2. weiter oben schrieb ich: Wer auf entsprechende Unterstellungen reagiert oder sich davon angesprochen fühlt, beweist ja quasi, dass die Unterstellungen stimmen – in der allgemeinen Ansicht.

      Sprich: Die einzige Möglichkeit, um nicht in den Verdacht zu geraten, ist: Das Thema totschweigen.
      Dann wird aber bald jemand fragen: Komisch, dass sie darüber nie was sagt! Ob sie wohl doch… ?

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    3. Ja, es ist einfach unglaublich, dass eine Autorin, die ein Buch zum Thema Gewicht, Ernährung, Abnehmen, etc. geschrieben hat, sich tatsächlich mit dem Thema weiter beschäftigt. Jeder vernünftige Autor würde da todsicher mit „Ok, Buch fertig, Thema durch, nächstes Thema“ abschließen und niemals wieder über das Thema sprechen.

      Sorry, aber… Wat? Wenn jemand nun ein Buch über’s Klettern schreibt, weil er sich damit auskennt, darf er danach nie wieder über das Thema reden, weil ihn sonst irgendwelche Leute vorwerfen würden, dass er bestimmt nur angeben will, sonst würde er nicht dauernd vom Klettern reden? Oder willst du Hawkins vorwerfen, dass er tatsächlich häufiger über Physik spricht? Bestimmt nur ein Angaber und kein Physik-Fan. Und… Wen kümmert es, was irgendwelche Leute denken?

      Leute reden gerne über Themen. Und wenn diese Leute sogar Experten auf einem Gebiet sind, hören wir sogar zu. Das gleiche ist doch hier. Die Autorin hat ein gewisses Expertenwissen angehäuft und spricht da nun auch weiter drüber. Dass dies nicht aus leidender Selbstaufopferung geschieht weil sie das Thema eigentlich hasst, ist relativ wahrscheinlich, sicherlich freut man sich, wenn die Leute einem zuhören. Aber das macht einen nicht weniger zum Experten und deutet auch nicht auf irgendeine Neurose hin.

      Seien wir mal ehrlich, das ist mal wieder so ein typischer Kommentar, der viel über den Autor des Kommentars aussagt und nichts über das kommentierte Thema. Man könnte nun fies sein, und anfangen, böse Unterstellungen zum Thema „Victim Blaming“ machen, aber die Debatte lassen wir hier lieber mal 😉

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  28. Pingback: Gastbeitrag: Warum mich Fettlogiken nerven – Fettlogik überwinden.

  29. david

    Ist es nicht so, dass Adipositas-Patienten nahezu nie magersüchtig werden?
    Ich habe übrigens nicht alles gelesen, also sorry falls redundant, aber ich würde das spontan für einen sehr untypischen Verlauf halten, auch wenn ich jetzt spontan keine empirischen Befunde dazu aufzählen könnte.
    Klassischerweise waren Anorexie-Patientinnen schon immer recht dünn und sind extrem diszipliniert und in vielerlei Hinsicht ehrgeizig, vor allem auf den Körper bezogen.
    Ich würde mal behaupten, Adipositas-Patienten haben in aller Regel dispositionell wenig Risikofaktoren für eine Anorexie, auch wenn ich es nicht ausschließen darf.
    Für Anorektikerinnen wird oft der Blick auf die Wage und das Erfolgserlebnis eben wörtlich zur Sucht, daher ist es nicht gänzlich unplausibel. Aber die eine Anorexie konstituierenden Denkmuster, das normabweichende subjektive Schlankheitsideal (Abgemagert sein ästhetisch finden) kommen ja nicht plötzlich aus dem nichts,die würde ich schon für sehr Persönlichkeitsnah halten.
    Ich würde ohne es genau zu wissen erstmal anzweifeln, dass viele Anorektikerinnen in ihrer Vorgeschichte einmal starkes Übergewicht hatten.

    nur mal so aus dem Bauch raus…

    Was ich mir viel eher vorstellen könnte als Risiko jeglicher Diäten und Abnehmversuche ist eine Bulimie, das erscheint mir bei der übermäßigen Beschäftigung mit Essen und Gewicht wesentlich wahrscheinlicher.

    Allerdings ist das ja kein Grund, daher auf das Abnehmen zu verzichten.

    Das ist ja so wie wenn ich das tägliche McDonald’s Maxi Menu damit rechtfertige, keine Orthorexia nervosa entwickeln zu wollen:-)

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    1. Nick

      Ist es nicht so, dass Adipositas-Patienten nahezu nie magersüchtig werden?

      Nach meiner Kenntnis haben Magersüchtige meistens eine Körperschemastörung. Das scheint mir in der Tat nicht zu Adipositas zu passen.

      Hier hat offenbar der „self-objectification“-Diskurs ganze Arbeit geleistet, der Magersucht nicht als individuelle Krankheit, sondern als gesellschaftlices Symptom sieht. Demzufolge sei Magersucht eine Internalisierung der erlebten Erfahrung der „Objektifizierung des weiblichen Körpers“. Folgt man dieser „Theorie“, ist konsequenterweise jede Frau, die sich „den Schönheitsidealen unterwirft“ und ihr Übergewicht loszuwerden sucht, auch hochgradig gefährdet für Magersucht.

      Die Trashmedien tun sehr viel dafür, diese falsche Vorstellung von der schweren und sehr komplexen Krankheit Magersucht zu verbreiten, indem sie Moralunternehmertum gegen „die Magermodels“ befördern und selbstredend eine regelrechte Magersucht-Epidemie an die Wand malen – Moralunternehmertum muss eben immer abendlandbedrohende Zustände skandalisieren. Tatsächlich hat sich die Prävalenz für Magersucht in den letzten 20 Jahren kaum verändert und man kannte diese Krankheit schon im 19. Jahrhundert. Schönheitsideale mögen ein Risikofaktor sein, aber sie sind sicher nicht die Ursache.

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      1. david

        Bei den Todesfällen kann ich nicht wirklich eine Entwicklung erkennen abgesehen von einem erklärungsbedürftigen Peak vor einigen Jahren. Das kann viele Ursachen haben, wie beispielsweise das Aufkommen der ProAna-Bewegung im Internet.

        Bezüglich der Prävalenzrate verlasse ich mich lieber auf seröse Epidemiologie-Studien, nicht auf diese seltsame Bezahlseite. Dass „in Krankenhäusern“ mehr Diagnosen gestellt werden, dürfte damit zu erklären sein dass man das Thema mehr im Blick hat, aber nicht dass die Gesamtprävalenz steigt.

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  30. freak

    Es gibt Magersüchtige, die waren schon immer „ein Spargel“.
    Es gibt Magersüchtige, die waren ganz normal.
    Es gibt Magersüchtige, die waren vor der erkrankung üg.

    Was lernen wir daraus? Es gibt keine „klassische Magersüchtige“, nicht den Prototypen, den viele offenbar im Kopf haben.
    Es gibt Individuen, die an einer tödlichen Krankheit erkranken.

    Mittlerweile weiss man, dass tatsächlich eine genetische Disposition für AN besteht, diese jedoch generell mit einer Suchtveranlagung gekoppelt ist. Und dann bleiben immer noch Umweltfaktoren, die ein Auslösen ermöglichen/fördern.
    Oder eben – nicht.

    Ja, Magersüchtige haben häufig eine Körperschemastörung. Diese entwickelt sich jedoch idR im Laufe der Krankheit, ist also nicht a priori vorhanden.
    Im Übrigen halte ich es für denkbar, dass auch Adipöse eine solche Störung haben – mit welcher sie sich als nicht derartig fett und gewaltig wahrnehmen, als sie es tatsächlich sind.
    Dann darf man die Gewöhnung nicht vergessen: wer seit 10 Jahren einen BMI von 16 hat, für den ist das „normal“ und jedes Kg mehr fühlt sich erschreckend und fremd an.
    Wer seit 10 Jahren einen BMI von 30 hat, für den…you get it.

    Bei alledem darf nicht vergessen werden, dass hinter der AN ein unglaublicher Leidensdruck besteht, der unabhängig vom Gewicht ist. Also relativ unabhängig, nämlich ein grundsätzliches Liden an sich selbst, der eigenen Person, die häufig als unzulänglich erlebt wird. Die AN ist sehr eng verwandt mit Angststörungen.

    Und, finally, durch Hungern entsteht ein neurobiologisches Ungleichgewicht. Ich denke, die Minnesota-starvation-study hat Nadja bestimmt mal erwähnt…? Long story short: gesunde Männer wurde in den 40/50ern in den USA auf eine Reduktionsdiät gesetzt für 6 Monate.
    Die Folgen im Denken und Verhalten waren denen einer AN sehr ähnlich.

    HUNGERN VERÄNDERT DAS GEHIRN!!!

    So sehr, dass Betroffene Denkstörungen erleiden, nicht wenige entwickeln Zwangsstörungen. Vieles verbessert sich mit mehr Gewicht.

    So, Exkurs Ende.

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    1. david

      Ähm, natürlich gibt es „klassische Magersüchtige“, ich arbeite z.b. mit einer. Es gibt klar umrissene Risikofaktoren und Persönlichkeitskorrelate, ich würde sagen das Spektrum ist sogar wesentlich enger als bei den meisten anderen Störungen.

      Ja, Köperschemastörungen sind auch bei Übergewicht nachgewiesen, die Wahrnehmungsverzerrung geht aber ja dann erstmal in die andere Richtung.

      Du schreibst hier nichts neues, mir ist völlig klar dass es auch Anorexie-Patientinnen mit Adipositas-Vorgeschichte gibt, die Frage war wieviele sind es und ist es nicht eher ein Schutz- als ein Risikofaktor. Dabei geht es um Zahlen und Signifikanzen, kannst du dazu auch was sagen?

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      1. freak

        Nun, ich würde mich weiterhin dagegen verwehren, von Stereotypen sprechen zu wollen. Dem unbenommen existieren natürlich bestimmte Risikofaktoren zb stark ausgeprägter Perfektionismus/geringer selbstwert u.a. Dennoch ist die Bandbreite der Erkrankten – ihres Umfeldes und ihrer Persönlichkeiten weit gefächert. Darunter sind sicher auch welche, die in das vermeintliche Muster einer „klassischen“ AN fallen. Wenn man die ANforschung retrospektiv betrachtet, so wird man in den 60/70ern mit Hilde Bruch und Palazzoli ua. auf die Mutter als Krankheitsverursacherin stoßen – die An als Ablehnung der vorgelebten Rolle und natürlich auch als ablehnung von Weiblichkeit und Sexualität. AN schien hauptsächlich in nach außen harmonischen Mittelstandsfamilien vorzukommen, in denen jedoch Mangel an Empathie und Emotionalität herrschte. Soweit der state of the art bis teilweise Mitte der 90er Jahre. Mit einer Zunahme der AN, einem teilweise sehr jungen Ausgangsalter UND einer Manifestation auch in deutlichem Erwachsenenalter, mit zunehmender Forschung der Neurobiologie und differenzierteren Ansätzen hat sich das Bild der „klassischen Magersuchtsfamilie“ zum Glück in vielen Therapieeinrichtungen und bei vielen Behandlern zugunsten eines individuelleren Ansatzes verändert.

        Was deine Frage betrifft: prämorbides ÜG kommt durchaus vor, idR nehmen solche Betroffene deutlich mehr Gewicht ab als Patienten mit prämorbidem NG (aus nachvollziehbaren Gründen), erreichen jedoch oft nicht einen sehr nierdigen BMI:

        https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2003-814807

        Fichter (ehemaliger Chefarzt der Klinik Roseneck, eine der führenden Essstörungskliniken in D), nennt u.a. Übergewicht/Adipositas als prämorbides Risiko für die spätere Entwicklung einer AN/BN.

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      2. david

        Was deine Frage betrifft: prämorbides ÜG kommt durchaus vor

        Kurz: du weißt also auch gar nichts genaueres, geschweige denn hast konkrete Zahlen ob prämorbides ÜG wirklich als Risikofaktor und nicht vielmehr als Schutzfaktor gesehen werden kann. Ich behaupte ganz klar letzteres, zumindest für AN. Das könnte ich nun auch nochmal ausführlich psychologisch begründen, lass es aber weg, weil es mir erstmal nur um die Empirie geht.

        Nun, ich würde mich weiterhin dagegen verwehren, von Stereotypen sprechen zu wollen

        Das hat nichts mit „Stereotypen“ zu tun. AN-Patienten sind fast allesamt junge Mädchen, mindestens Mittelschicht,extrem hoher Anteil Gymnasiastinnen mit überdurchschnittlicher Intelligenz und hohem Leistungsmotiv, überprotektivem Erziehungsstil, hohem Perfektionismus und Neurotizismus. Wie gesagt, kaum bei einer anderen Störung ist das Risikoprofil so klar umrissen.
        Sorry, aber ÜG bei den Risikofaktoren aufgelistet ist habe ich wirklich noch nirgendwo gesehen, da hätte ich gerne eine belastbarere Quelle. Wo soll das stehen?
        In deinem Link steht dazu eben auch nichts!

        Da steht nur, dass es auch mal prämorbid Übergewichtige (ÜG ungleich Adipositas!) gibt, aber das wussten wir bereits.
        Die Korrelation von .6 zwischen prämorbidem BMI und Aufnahme-BMI ist äußerst beachtlich, daraus lässt sich durchaus schließen dass ÜG eher ein Schutzfaktor ist, es also diesen Wechsel von einem Extrem ins andere selten gibt, und man es wenn dann nur mit einer sehr milden AN mit moderatem BMI zu tun hat.
        Außerdem steht noch in deinem Link, dass zu prämordidem ÜB keine Aussagen gemacht werden können, dazu würden Studien fehlen.

        Ich werde den Verdacht nicht los, dass du dich mit Namedropping profilieren willst. Die extrem umstrittene Systemikerin Palazzoli (ich habe einiges über sie gelesen) aus den 70er Jahren ist nun wirklich nicht die Top-Referenz für die Fragestellung.

        Ich kenne übrigens selbst gleich mehrere Leute, die in Prien arbeiten und gearbeitet haben, auch den aktuellen Chefarzt kenne ich persönlich, hab auch schon eine Patientin dorthin überweisen.
        Du solltest mir also keinen „Exkurs“ geben, sondern einfach die Frage beantworten, wenn du denn kannst.

        Meine Einschätzung steht: ein Übergang von Adipositas in die AN ist sehr sehr unwahrscheinlich und nichts, worüber man sich beim Abnehmen all zu viele Gedanken machen muss. Das ist KEIN klassisches Risiko oder Nebenwirkung einer Adipositas-Gewichtreduktion (ich geb zu, ich hatte bei einigen Turbo-Abnehmern auch erst bedenken, bis Nadja mir mal den Kopf zurechtrückte und ich mich näher mit AN beschäftigt hab).

        Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

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      3. david

        Vor allem der Risikofaktor Alter ist übrigens auch ein wichtig zu erwähnen an der Stelle, neben allen möglichen psychologischen Variablen. Wer mal schwer adipös war, ist bezüglich AN-Risiko wohl eh schon altersmäßig relativ übern Berg.

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    1. Godfrey ist wohl eher ein Scherz-Account, aber die Kommentare zu dem Bild sind schon echt hammermäßig scheiße. Ich würde stark bezweifeln, dass die Frau in nem gesundheitlich bedenklichen BMI Bereich liegt. Sie ist halt schlank und das ist wohl zu viel für manche Leute.

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  31. freak

    Hallo David, ich denke, du verstehst mich falsch. Ich habe nirgends geschrieben, dass ÜG ein Risikofaktor für An darstellt. Du scheinst mich auf etwas festnageln zu wollen, was ich nirgends geschrieben habe und was auch nicht meiner Überzeugung und Erfahrung entspricht. Was ich geschrieben habe:

    „Es gibt Magersüchtige, die waren schon immer “ein Spargel”.
    Es gibt Magersüchtige, die waren ganz normal.
    Es gibt Magersüchtige, die waren vor der erkrankung üg.“

    anschließend hast du mich gefragt, ob ich dazu nähere Fakten habe und ich habe ein bisschen recherchiert – inwieweit prämorbides ÜG mit späterer An zusammenhängt ist nämlich nichts, womit ich mich permanent befasse 🙂

    1. Die Statistiken habe ich von der Seite des BZgA:
    http://www.bzga-essstoerungen.de/index.php?id=44

    Was die Prävalenz angeht: in diesem Artikel des Ärzteblatts von 1994 wird die Prävalenz mit 0,3 angegeben, http://data.aerzteblatt.org/pdf/91/17/a1210.pdf
    Mittlerweile liegt sie bei 1,1.

    2.http://www.das-apotheker-forum.de/media/pdf/fuer_alle_lesbar/ewp/ausgabe_2008_04/Fichter.pdf

    Gegen den Vorwurf irgendeiner Form von Profilierung verwehre ich mich. Hast du die Literatur von Palazzoli gelesen? An ihr mögen sich die Geister scheiden, in der Geschichte der Therapie der AN dürfte sie dennoch ihren Platz haben. Auch Bruchs Theorien erscheinen aus heutiger Sicht überholt, dennoch war sie zu ihrer Zeit eine Art Pionierin in der Behandlung der AN (die, btw, auch mehr als zu kritisieren ist). Was ich versuche deutlich zu machen und was ganz offenbar und bedauerlicher Weise bei zumindest dir nicht ankommt: Schubladendenken wirkt sich seltenst zum Vorteil des Klienten/Patienten aus. Das betrifft nicht nur die AN, sondern die gesamte Psychologie/Medizin und ist auch im Alltag mE eher hinderlich.
    Denn es gibt, wenn auch seltener, postmeopausal beginnende Essstörungen oder generell Essstörungen des höheren Lebensalters. Wer diese Erkrankungen grundsätzlich bei “ fast allesamt junge(n) Mädchen,“ sieht, dem wird möglicherweise entgehen, wenn sich eine ältere – sehr dünne – Frau mit vorrangiger Angst- oder Depressionsthematik vorstellt, dass dahinter eine manifeste Essstörung steckt. Ich selbst habe das mehrfach erlebt – Patientinnen, die unter eben solcher Diagnosen aufgenommen werden und bei denen sich erst im Laufe der Therapie herausstellt, dass sie das klinische Bild einer AN erfüllen. Häufig leben diese Betroffenen bereits seit Jahrzehnten (!) mit ihrer ES, nicht selten, ohne sich darüber klar zu sein, dass ihr immer wieder ins UG schwankende Gewicht oder das Erbrechen nach einzelnen Mzs bereits eine Krankheit darstellen. In Konsequenz sieht eine Therapie auch anders aus, als bei jungen Frauen oder Mädchen, bei denen der Bezug zu einem Leben vor Beginn der ES noch gegeben ist. Dennoch haben auch diese Frauen die Möglichkeit auf mehr Lebensqualität und zumindest weitgehende Remission.

    Unterm Strich und ganz ohne Exkurs:

    Ich halte Adipositas NICHT für einen Marker in der Entwicklung einer AN.
    Und ich bin ein Fan von Jeder ist anders, auch wenn vieles ähnlich ist.

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  32. david

    Hallo freak,
    erstmal sorry, vielleicht hast du mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich reagiere oft etwas empfindlich, wenn ich mir gegenüber einen belehrenden Ton wahrnehme, obwohl ich den auch selbst gerne anschlage 😉 Besonders natürlich wenn es um was fachliches geht.

    Ich glaube wir sind nicht weit auseinander, daher fasse ich mich eher kurz:

    Ich fand deine Aussage, dass es solche und solche, auch AN mit prämorbidem ÜG gibt, halt etwas trivial und an der Frage vorbei.
    Die Befundlage, dass der Weg aus der Adipositas öfter als in absoluten Ausnahemfällen in einer AN mündet, scheint mir äußerst, ja, dünn^^. Und für plausibel halte ich es inzwischen auch nicht mehr. Aber klar hätte ich dafür gerne Zahlen, vielleicht hat Nadja ja welche.

    Gegen den Begriff „Schubladen“ wehre ich mich und ganz ehrlich: dieses Problem von dem du sprichst halte ich für konstruiert. Wer als Therapeut eine AN „übersieht“ (wie soll das denn gehen?), egal bei welchem Geschlecht oder Alter, der ist völlig inkompetent. Ein Hausarzt „übersieht“ auch keine schwere Adipositas, nur weil der Patient zuvor keiner Hochrisikogruppe angehörte.

    Bzgl Prävalenz: man sollte aus schwankenden Angaben verschiedener Epidemiologie-Studien nicht gleich auf einen Anstieg schließen. Meines Wissens ist das Konsens, dass es einen solchen bisher nicht gibt. Ausschließen will ich es aber nicht, möchte jetzt auch keine Quellenschlacht draus machen. Aber ich glaube es gibt auch aktuellere Erhebungen mit den 0,3%. Hat oft mit Erhebungsmethodik zu tun.

    Zu Palazzoli: ihre Verdienste sind unbestritten, bei weitem nicht nur bezüglich Anorexie. Aber als Autorität würde ich mich heute nicht mehr auf eine Frau berufen, die in dramatischen Familiensitzungen Patienten alle Schuld dem „Symptomträger“ ins Gesicht geknallt hat (nach dem Motto: „du bist doch nur schizophren, damit deine Mutter den Seitenspruch deines Vaters vergessen soll“) und damit Erkrankungen von heute auf morgen geheilt haben will.

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  33. freak

    Hallo David, geht mir genauso – in Punkto Belehrung und so 😉

    Noch ein Wort zum „Erkennen von ES“, da kann ich dir aus der Praxis (leider) nur sagen:

    Es kommt viel zu oft vor, dass eine bereits manifeste ES „übersehen“ oder eben nicht erkannt wird. ZT liegt das sicher auch daran, dass gerade ANpatientinnen ihr „Essproblem“ häufig herunterspielen oder ganzaus dem Therapiekontext ausklammern möchten. Entweder, weil sie es selbst noch nicht als Problem erkennen, oder weil sie nicht bereit sind, sich dem zu stellen oder weil sie der Meinung sind, sie „übertreiben“ und seien gar nicht magersüchtig. Tatsächlich gehört zum Bild der AN sehr häufig – ähnlich wie die Körperschemastörung – die Idee, „nicht krank genug“ zu sein, auch bei tiefstem BMI.
    Insofern kann eine ES tatsächlich übersehen werden. Noch schwieriger ist es, wenn der Betroffene im annähernden NG liegt. Falls er/sie nicht absolut direkt mit einer dezidierten Beschreibung eines gestörten Ess- und Wahrnehmungsverhaltens heraus rückt, denkt niemand zwingend sofort an eine ES.

    Dies dürfte überdurchschnittlich häufig Männer betreffen, bei denen sich die ES oft in einem Muskelwahn zeigt und in Zeiten von Fitnessreligion hat das eben doch einen gewissen lifestylestellenwert.

    Aber ach, das führt alles zu weit 😛 Die eigentliche Diskussion drehte sich ja um die Magersuchtsbefürchtung bei Menschen im NG.

    Irgendwie muss ich dabei immer an diesen Satz denken:

    „Heute sind doch alle magersüchtig“

    http://www.anorexie-heute.de/

    Schönen Feierabend!

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  34. Honson

    Disclaimer: mich hat noch nie jemand als magersüchtig bezeichnet (bin aber auch am oberen Ende des Normal-BMI), Ich denke aber, dass mich der Vorwurf genauso tangieren würde, wie alle anderen Situationen, in denen Leute irgendwelchen Unsinn kallern: gar nicht.

    Wenn ich lese, wie belastend andere derlei Dinge empfinden, frage ich mich immer, ob vielleicht mit mir etwas nicht stimmt. Ich WEISS doch, dass ich nicht magersüchtig (oder was auch immer) bin, was juckt es mich? Wenn mir einer sagt, dass er sicher ist, das 2+2 5 ergibt, warum sollte ICH mich deswegen sorgen?

    Und ich bin nicht besonders selbstbewusst oder anderweitig „persönlichkeitsstark“ – ich habe in vielen Situationen Angst, irgendwas verkehrt zu machen und ich kann keine fremden Menschen ansprechen, egal wegen was (auch nicht nach Uhrzeit oder so). Aber bei (für mich) offensichtlicher Falscheinschätzung meiner Person bin ich die Gelassenheit selbst. Texte wie dieser lassen mich dankbar dafür sein.

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    1. Prinzipiell stimme ich dir zu – ginge es einfach darum, dass da jemand evident Blödsinn redet, könnte ich das auch, augenrollend zwar, ignorieren und meiner Wege gehen. Das Problem ist allerdings oft, zumal bei den Kommentatoren aus dem näheren Umfeld, dass die nicht einfach kommentieren, sondern regelrecht übergriffig werden. Das kann verbal bleiben oder auch mal die halbe Tiefkühl-Sahnetorte vor der Tür sein. So geschehen letzte Woche hier, großzügige Spenderin: die Nachbarin, die darauf besteht, dass ich dabei bin, magersüchtig zu werden. Gegessen – und genossen 😀 – hab ich trotzdem meine Hälfte davon, schließlich weiß ich ja, wie das geht mit dem Gewicht. Und inzwischen gehöre ich auch zu den Glücklichen, deren Körper auf Tage mit hoher Kalorienzufuhr mit Tagen der Appetitlosigkeit reagiert. Da ist ein Plus von 1000 kcal am Montag bis Mittwoch wieder raus, ganz ohne dass ich viel Willenskraft investieren muss. Nur Aufmerksamkeit halt, weil ich darauf achten muss, nur dann zu essen, wenn ich wirklich Hunger habe, und nicht aus Frust, Gewohnheit oder Langeweile.

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      1. Wenn das einfach als nette Geste gemeint wäre, sicherlich nicht. Aber im konkreten Bezug dazu, dass ich gerade abnehme und meiner Nachbarin das einfach nicht ins Zeug passt – und sehr viele Übergewichtige große Probleme haben, Essen stehenzulassen, zumal wenn es ihnen geschenkt wurde – ist das schlicht ein Sabotageversuch. Gut gemeint und gut sind zwei verschiedene Sachen, leider.

        Ansonsten: Gern! Komm vorbei, dann kriegst du sie 😉

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