Rückblick

Beim Stöbern in meinen alten Dateien bin ich heute auf eine Kurve gestoßen, die ich zu Beginn meiner Abnahme angelegt (und irgendwann, beim letzten grünen Punkt vernachlässigt) habe. Ich dachte, es sei motivierend, das jeweils aktuelle Gewicht damit zu vergleichen, in welchem Jahr oder bei welchem Ereignis ich es zuletzt hatte. Ich wusste noch bei einigen Daten, welches Gewicht ich zu der Zeit hatte, also erstellte ich die Gewichtskurve anhand dieser Eckdaten. Beginn ist mit etwa 20, die Kurve reicht also über die letzten 13 Jahre.

gewichtskurve

04/07 war der Zeitpunkt, an dem ich meinen Mann getroffen habe. Das Faszinierende für mich ist, dass rückblickend tatsächlich nie eine Zeit existierte, in der ich mein Gewicht langfristig stabil hielt. Ich war relativ lange auf ~142kg, und weiß noch, dass ich damals dachte, das sei sicherlich mein Setpoint. 05/11 hatte ich den Termin bei der Adipositaschirurgie und nach etwas Kramen eben sogar nochmal den Arztbrief gefunden. Der Arztbrief war eine echte Überraschung. Ich erinnere mich, dass ich damals den Brief furchtbar arrogant fand und mich geärgert habe über den „von oben herab“-Ton. Was mit der Grund war, warum ich die Sache abgeblasen hatte und dachte „Das schaffe ich doch auch alleine!“ – wie man sieht, nahm ich frisch motiviert etwa 7-8 kg ab, bis … na ja. Außerdem war mir nicht bewusst, dass ich damals eine Fettleber und bereits Knieprobleme hatte. In meiner Erinnerung war ich damals noch ziemlich beschwerdefrei bis auf den massiven Bluthochdruck und die Gallenprobleme.

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(das Höchstgewicht hat sie falsch eingetragen, es lag nicht bei 120kg sondern bei 132kg … nicht dass das einen großen Unterschied macht)

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Im Nachhinein betrachtet ist der Brief gar nicht arrogant, sondern eine ziemlich neutrale Tatsachenbeschreibung, aber ich glaube, diese nüchterne Bestandsaufnahme mit Worten wie „Volumenesserin“ tat mir einfach weh zu lesen. Was das Fitnessstudio anging war das natürlich auch etwas beschönigt, ich war zwar angemeldet, aber sicherlich keine 1-2 Mal die Woche dort.

Etwas unangenehmes Nebendetail: Das psychologische Gespräch hatte ich noch mitgemacht (und wurde als geeignet eingestuft), aber es stellte sich heraus, dass die Psychologin, mit der ich sprach, gemeinsam mit mir in der Pychotherapieausbildung war. Wir kannten uns zwar nicht persönlich von dort, aber es war dennoch nicht die anenehmste Situation.

Mittlerweile bin ich froh, den Weg der OP nicht weiter verfolgt zu haben, auch wenn es so noch mehrere Jahre dauerte, und in der Zeit mein Knie dann völlig zerschossen wurde. Dennoch ist es gut, dass meine Organe noch unbeschädigt sind und ich nun nicht mein Leben lang Ergänzungsmittel nehmen oder eine bestimmte Ernährungsweise befolgen muss.

Nun ja, so viel zu meinem kurzen Ausflug in die Vergangenheit. Falls sich jemand wundert: Damals trug ich noch meinen Mädchennamen, unter dem ich auch praktiziere. Daher geschwärzt.

12 Gedanken zu “Rückblick

  1. Ich finde es höchst interessant, das du dein Bild bezüglich des Arztschreibens so geändert hast.Mir geht es ähnlich. Und ich glaube allen geht es so die es insgeheim wissen, daß der körperliche Zustand im Argen ist, und das man day mit selbstverantworten muss.
    Deshalb gibt es wohl auch diese shit-storms. Weil die ganze Wahrnehmung verzerrt ist.Arztbriefe spiegeln im seltensten Fall die persönlichen Meinungen des behandelden Arztes wieder, ausser die Empfehlung wird abgebrochen.
    Und ich lese ziemlich oft Artzbriefe. ..fast täglich. ..
    Dein Neues Design ist echt hübsch.
    So verschlankt. …😉
    Liebe Grüsse
    Stella

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  2. Mona

    Hach, ich bin beruhigt, dass Arztbriefe von anderen Menschen auch Zahlenfehler oder komische Sätze enthalten. Ich dachte immer, nur ich hab das Pech.

    „Derzeit ernährt sie sich regelrecht.“ Soll das irgendwas bedeuten oder ist das auch nur so ein Schreibfehler?

    Mich verwundert, dass du schreibst:
    “ In meiner Erinnerung war ich damals noch ziemlich beschwerdefrei bis auf den massiven Bluthochdruck und die Gallenprobleme.“

    Gerade Gelenkprobleme und massiven Bluthochdruck merkt man doch fast jeden Tag oder sogar mehrmals pro Tag. Ich ertrage sowas ganz schlecht. Ich konnte mein Übergewicht auch nicht aushalten und „musste“ abnehmen, damit ich mich halbwegs wohl fühle. Vielleicht hat diese Eingenschaft mich vor Adipositas usw. gerettet? Das ist irgendeine Selbsterhaltung, die ich gar nicht ausschalten kann, auch wenn ich völlig überzeugt bin, dass ich mir viel lieber schaden will. Deswegen verstehe ich nicht so wirklich, wie ein Mensch das aushält über Jahre zuzunehmen ohne dass dieser Selbstschutz einsetzt, ich wär dabei schon durchgedreht. Vielleicht ist einfach der Unterschied, dass du das Dicksein schon als Kind kanntest und ich erst als Erwachsene? Mein Leidensdruck kommt schneller oder du kannst deinen Leidensdruck besser ertragen, eins vom beiden oder beides.

    Sehr interessanter Beitrag!

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    1. kleinefrau

      Bluthochdruck merkt man nicht
      Ich hab 150/110 nicht gemerkt und im Zusammenhang mit der Galle hatte ich 230/140 vor der OP – ohne Messung hätt ich solche Werte im Leben nicht geschätzt.

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      1. Mona

        Beim hohen Blutdruck hat man Kopfweh oder einem wird schwummrig, wurde mir von den Bluthochdruck-geplagten immer so erzählt. Wenn man Medikamente dagegen nimmt, dann merkt man ja auch „oh, schon wieder Tablette, doofer Bluckdruck“ oder einem wird komisch, falls man mal die Medikamente vergisst.
        Ich selbst hab keinen hohen, eher einen niedrigen.

        Das klingt sehr gruselig und gefährlich, wenn man 230/140 nicht bemerkt. Hattest du da vielleicht schon Schmerzmittel und deswegen die Kopfweh nicht so sehr mitbekommen?

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      2. kleinefrau

        Mona, ich bin Migränikerin, schon seit sehr vielen Jahren. Auch mit niedrigem Blutdruck, 100/60 und ähnlich. Und schwummrig – ja, passiert gelegentlich. Wenn man aber nicht weiss, dass man Bluthochdruck hat, schreibt man solche Effekte anderen Ursachen zu. Schwummrig kann ja auch niedriger Blutdruck sein. Meine Migräne ist auch mit dem Blutdrucksenker nicht weniger geworden. Deswegen wird Bluthochdruck oft gar nicht erkannt – die Leute haben zu hohen, wissen nichts davon und erst bei einer Messung beim Arzt kommt es ans Licht.
        Nimmt man Tabletten, merkt man manchmal, wen der Blutdruck nicht so ist, wie er sein sollte, aber auch da, es ist nicht so deutlich, dass man´s eindeutig zuordnen könnte, wenn man auch andere Wehwehchen hat.
        Die 230/140 waren die Begleiterscheinung einer Gallenkolik, zu dem Zeitpunkt hab ich schon seit Stunden in der Notaufnahme auf Behandlung gewartet. Schmerzmittel gab´s erst hinterher, dafür dann aber ordentlich 😉

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      3. Womba

        Naja, ich hatte in der Schwangerschaft mal nen Blutdruckausrutscher auf über 200, den habe ich sehr deutlich gemerkt. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass man sich da dran gewöhnt, wenn er langsam steigt und permanent so ist..

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  3. Markus

    Ich habe jetzt auch vor kurzem angefangen, anhand der Statistik nachzuschauen, wann ich das letzte Mal dieses Gewicht hatte. Schön zu sehen, dass auch andere Leute solche Überlegungen anstellen.
    Allerdings umfassen meine alten Aufzeichnungen nur die Zeiten, in denen ich abgenommen habe. Erst seit ich eine Waage habe, die das Gewicht selber protokolliert, werden auch die Zunehmzeiten aufgezeichnet.

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  4. Ganz unübersehbar, die gewaltigen Plateaus, die dich am finalen Abnehmen gehindert haben 😉 Wollte mir ne Kollegin auch heute wieder einreden, dass ich sicher ein Plateau treffen werde… Aber mal ehrlich, wenn ich mit 500kcal pro Tag ein stabiles Gewicht halten kann (länger als durch Schwankungen ein paar Tage lang), melde ich mich als medizinisches Wunder bei nem Zirkus. Auch die Furcht, dass die Organe schrecklich angegriffen werden, wurde verbreitet… Aber ich bleibe einfach mal optimistisch, dass ich nicht das Montagsmodel eines Körpers habe, der die Organe aufzehrt um das wichtige Fett zu erhalten *g* (Und zur Sicherheit lasse ich mich auch regelmäßig beim Doc checken)

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  5. Pingback: Statistischer Rückblick | maunzendemaus – meowing mouse

  6. Pingback: Fundstück! – Fettlogik überwinden.

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