Jugendgeeignet?

Gestern kam eine Anfrage per Mail von einem Vater, der sich erkundigte, ob „Fettlogik“ etwas für seine 14 Jährige Tochter sein könnte. Ich dachte, ich stelle mal die Frage selbst, sowie meine Antwort darauf zur Diskussion.

Meine Antwort lautete nach etwas Überlegen:

Ich tendiere zum „Nein“. Wo ich mögliche Probleme sehe ist das letzte Drittel, wo ich über gesellschaftliche Themen schreibe und dort auch bewusst „radikale“ Thesen aufstelle. Das richtet sich ganz klar an Erwachsene, die so eine Radikalität einzuordnen wissen. Auch der medizinische Teil ist möglicherweise zu drastisch für eine 14-jährige, auf die solche Risikozahlen vielleicht zu stark wirken. Mein eigenes Beispiel (6 Monate auf 500 kcal täglich) wird zwar kritisch dargestellt und nicht direkt empfohlen, aber da Jugendliche oft zu Radikalität neigen, bin ich mir nicht sicher, inwiefern das schwierig ist. Kurz: Es ist einiges im Buch enthalten, das ich als „Erwachsenenthema“ einsortieren würde.
Auf der anderen Seite sind auch viele Themen und Informationen enthalten, die aus meiner Sicht schon möglichst jung ankommen sollten, um zu vermeiden, dass – so wie bei mir – ein Selbstbild geprägt wird, das sehr auf eine „dicke Identität“ ausgelegt ist. Diese „dicke Identität“ berichten viele Leser, und darüber, dass sie sich durch das Buch geändert hat, aber einerseits sehr lange belastend war und andererseits dann in manchen Situationen doch wieder zum Tragen kommt. Gerade auf das Thema „Veranlagung“ gehe ich recht ausführlich ein, als Teil dieses Problems.
Ich denke, wenn, dann wäre es am sinnvollsten, ihr als Eltern lest das Buch und gebt an sie die Informationen weiter, die für sie wichtig sein könnten. Oder – ihr könnt sie ja wesentlich besser einschätzen in ihrer Reife – falls ihr nach dem Lesen denkt, sie kann mit den radikaleren Punkten umgehen, ihr gebt es ihr selbst zu lesen und redet mit ihr darüber.
Was meint ihr dazu? Beim Schreiben hatte ich ganz klar eine erwachsene Zielgruppe vor Augen. Ab welchem Alter würdet ihr Fettlogik empfehlen?
Die Altersverteilung der Facebookfollower ist da recht klar, 99% der Leser sind offenbar älter als 18 Jahre.
alter
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20 Gedanken zu “Jugendgeeignet?

  1. Eshmael

    Korrekt: das angegebene Alter von 99% der FB Follower ist über 17!

    Ich finde das „Kinder“ (wir reden hier von einer Jugendlichen) sehr oft gerade was Medienkompetenz angeht unterschätzt werden.
    In den 80ern wurden noch Ärzte Songs indiziert. Heute sind wir weiter.
    Ich würde es meiner Tochter mit 14 immer zu lesen geben.
    Ich würde aber auch immer mit ihr darüber reden. Den dieses Thema ist wie vieles eben nicht simpel und muss daher differenziert und vor allem reflektiert werden.

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    1. Mona

      Nein. Wenn man seinen 18. Geburtstag hatte, dann ist man 18 Jahre auf der Welt und an dem Tag nach seinem 18. Geburtstag ist man 18 Jahre und einen Tag alt, also über 18.

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  2. Mädels in dem Alter suchen sich eh schon auf Instagram und Co. radikale Abnehmmethoden. Ich habe mich selbst mit 14 schon intensiv mit essen auseinander gesetzt und bin ganz ohne Mühe damals auf Pro-Ana-Seiten und weitere abgespacte Sachen gekommen. Dann doch lieber ein wissenschaftlich fundiertes Buch, das mit Mythen aufräumt, anstatt dass Mädels am Ende die Schokodiät oder Farbendiät ausprobieren oder heimlich Fatburner-Pillen im Netz bestellen. Das das Gelesene mit dem Buch-empfehlenden Elternteil besprochen wird, sollte ja kein Problem sein. Als angehende Lehrerin kann ich übrigens auch von meinen Schuleindrücken nur bestätigen, dass gerade die Mädels in dem Alter eh schon alle den Kopf voller Diättricks haben und fleißig Chia-Whey-Pudding löffeln. Da kann frühes Aufklären nur nützlich sein.

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  3. Bella

    Halte deine Antwort bzw. Einschätzung für sehr reflektiert und richtig.Würde ich dem Vater genau so vermitteln, wobei ich auch anraten würde, es zunächst selbst zu lesen um seine Tochter bei deren Reflexion des Buches (sofern sie es lesen darf) entsprechend unterstützen zu können. Ebenfalls würde ich darauf hinweisen, dass eine solche Reflexion zumeist nicht mit einem einzigen Gespräch darüber ad acta gelegt werden sollte.

    Solche Themen brennen deutlich nach – obgleich für andere nicht immer wahrnehmbar und bei Teenies auch nicht zwingend erfragbar. Gerade ein Teenager wird sich vermutlich sehr lange (psychisch) damit beschäftigen, weshalb ich es für wichtig halte, dass eine Reflexion bzw. ein Gespräch darüber regelmäßig angeboten wird. Bei Jugendlichen sind die Voraussetzungen zur Selbstreflextion noch nicht soweit ausgereift, dass man sie damit relativ schnell „alleine“ lassen sollte, auch wenn sie den Eindruck vermitteln, dass alles okay damit ist, etc.

    Begleitende und regelmäßige Unterstützung zur Selbstreflexion der Tochter wäre daher etwas, was ich als Kommunikationspsychologin noch hervorheben würde. Spontan gefällt mir die Idee, dass Vater und Tochter jedes Kapitel gemeinsam lesen und besprechen, sich also bewusst Zeit dafür nehmen, anstelle es in einem Rutsch zu lesen und dann den ganzen „Brocken“ aufeinmal besprechen – dabei würde vieles vergessen werden oder ggf. auch zu kurz kommen. Einzelne Kapitel – die ich alle für wichtig halte – können so besser aufgearbeitet werden, sodass die Wahrscheinlichkeit einer (möglicherweise nicht preisgegebenen) Überforderung und kritische Schlüsse (Stichwort Extreme) reduziert wird.

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  4. Ich denke der Leidensdruck bei Jugendlichen ist einfach größer als bei Erwachsenen, sie sind noch nicht innerlich gefestigt, dazu kommt der Druck der Peergroup.

    Eigentlich kann noch nicht mal beurteilt werden, ob die Tochter überhaupt abnehmen muss.

    – Ist sie übergewichtig?
    – Wenn ja, wie stark?
    – Treibt sie Sport?
    – Wie stark ist sie mittlerweile entwickelt, welche Wachstumsschübe sind zu erwarten?

    Da „Fettlogik“ von Erwachsenen ausgeht und die Besonderheiten der Pubertät nicht behandelt ist es einfach ungeeignet.

    Bei Jugendlichen kann man auch andere Ansätze wählen. Gerade die mit den Wachstumsphasen einhergehende Hormonumstellung kann man für Kraftsport nutzen, durch die Belastung wird der Körper dazu angehalten zusätzliche Muskel- und Knochenmasse aufzubauen.

    Es wäre mit Sicherheit ein spannendes Thema, aber eher für ein eigenes Buch, „Fettlogik Junior Edition“ 😉

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  5. fak

    Ich halte deine Antwort auch für passend. Habe mir darüber tatsächlich auch schon Gedanken gemacht, weil ich eine Fußballmannschaft trainiere und da auch einen 14jährigen habe, von dem ich weiß, dass er immer mal wieder zumindest behauptet, abnehmen zu wollen (der Junge hat schon wahrnehmbares Übergewicht, so dass es sinnvoll sein könnte, ist allerdings auch niemand, bei dem ich von außen sagen würde, dass es da angemessen wäre von sich aus irgendwie einzuwirken). Ich habe zuletzt mal mit ihm über das Thema gesprochen, wobei dann von ihm unter anderem so etwas kam wie „ich habe halt auch so das Problem, dass bei mir Sachen unheimlich schnell ansetzen und ich aber nicht so viel verbrauche“. Ich habe dann dazu kurz was gesagt und das Gespräch so beendet, wie ich es ohnehin beenden wollte, nämlich mit dem Hinweis, dass er mich gerne ansprechen kann, wenn er mehr über das Thema wissen will. Habe mich dann aber im Nachhinein gefragt, ob ich ihm, wenn er mich ansprechen sollte (wovon ich nicht ausgehe und was bislang auch nicht passiert ist – erstens ist das vielleicht in dem Alter etwas viel verlangt und zweitens und vor allem habe ich nicht den Eindruck, dass er wirklich abnehmen will) das Buch zu lesen geben würde. Meine Antwort wäre in dem Fall eher nein, weil ich ihn für nicht so weit halte und generell das Buch, trotzdem man es recht leicht lesen kann, dann zu anspruchsvoll finde, gerade wenn auf Studien eingegangen wird. Eine vernünftige Einordnung von Studien fällt ja selbst Erwachsenen ohne Studium, das sich mit wissenschaftlichem Arbeiten beschäftigt hat, äußerst schwer (mal abgesehen davon, dass es auch genug Menschen schwerfällt, die ein solches Studium absolviert haben). Deswegen würde ich jetzt nicht gleich jedem davon abraten, das Buch zu lesen, wenn dementsprechende Kenntnisse nicht vorhanden sind, aber gerade für einen Jugendlichen fände ich es dann schon hilfreich, das Buch quasi begleitet zu lesen. Finde deinen Vorschlag da also wie gesagt sehr angemessen.

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  6. noxneurotica

    Hm, vielleicht lehne ich mich auch zu weit aus dem Fenster, aber ich hätte das Buch mit 14 gut ertragen (und gebrauchen können!), da ich schon immer gern gelesen habe, gern auch Fachbücher und ‚wissenschaftliche‘ Literatur (dem Alter eben angemessen). Ich habe in dem Alter oft Sachbücher geschenkt bekommen (zB zu Philosophie oder Schlagfertigkeit) und obwohl ich manches vielleicht nicht zu 100% verstand, war es toll, über diese Dinge nachzudenken. Wenn die Tochter also interessiert daran ist, was dazuzulernen, warum nicht. Vielleicht muss man als Elternteil dann noch den Disclaimer vorschieben, dass das Buch nicht als Kritik oder Anweisung zu verstehen ist bzw einfach generell den Inhalt mit dem Kind aufarbeiten. Ich hatte aber nie den Eindruck, dass irgendwas dabei sei, was für Kinder ‚zu hart‘ wäre.

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  7. Für mich wäre es mit 14 noch ungeeignet gewesen, aber nur, weil ich dafür nicht reif genug gewesen wäre und weniger, weil es mich in irgendwelche Extreme getrieben hätte. Gut, ich war damals auch nicht wirklich extrem dick o.ä. Aber natürlich ist das gerade bei weiblichen Teenagern teilweise stark anders, weshalb ich da ehrlich gesagt auch keine Patentlösung hätte. Finde es aber gut, dass du dir da entsprechende Gedanken machst. Letzten Endes kommt es ja vermutlich auf den Teenager an, was die Probleme sind, etc. Ein Ernährungsberater o.ä. der das Buch gelesen hat wäre evtl. ideal 😉

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  8. Mal ganz kategorisch können Mädels mit 14 schwanger werden; dann können sie auch ein Buch lesen. Und bei den meisten Frauen ist die intellektuelle Entwicklung zu dem Zeitpunkt eh abgeschlossen.

    Aber ernsthaft: Wenn sich eine 14jährige tatsächlich durch den unendlich öden Teil mit den medizinischen Forschungsergebnissen quälen würde, dann schadet ihr das Buch sicher nicht. Wird sie aber eher nicht. Insofern ist die Frage komisch; aber unabhängig davon wäre meine Antwort: soll er ihr doch einfach die Comics zeigen und die lesen lassen.

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  9. Meine ist 17 und liest seit gestern.Ich finde es o.k.
    Es gibt wirklich schwierigere Literatur mit Hang zur Radikalität. Da fallen mir auch einige Klassiker ein die gern von Klasse 6-8 gelesen werde, entspricht also 12-14 .
    In deinem Buch gibt es klare Meinungsäußerung das finde ich gut, heute fehlt es meiner Meinung nach an Diskurs und Radikalität. Das ergibt in meinem Sinn auch ein Reibungsfeld an dem der einzelne wachsen kann, und somit auch Vorbilder suchen kann.
    Gewicht ist ein sensibles Thema für Jugendliche, das seh ich an meinen, da ich selber dick bin, war /bin ich extrem vorsichtig, denn ich kenne den Weg den meine Psyche gegangen ist.
    Meine Kinder sind voller Fettlogiken, und die haben sie sicher nicht von mir. Da ist es besser ein Buch zu reichen, Mutti erzählt in dem Alter eh nur Quatsch. …
    Und allemal schädlicher als Klopfmassagenbücher oder unendlichen Schwachsinn wie „Biss zum Morgen…Abend und Nachtisch “ kann per se Gehirnretardierender sein,
    als das Fettlogik Buch !

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  10. Lea

    Ich finde generelle Altersfreigaben oder Altersempfehlungen nicht sehr sinnvoll, da sich einzelne Menschen zu stark unterscheiden. Ich kenne zB. eine rationale kritische 11 Jährige, aber auch einen Lehrer im besten Alter der jeden Quatsch (Esoterik, Verschwörungen) glaubt und logischen Argumenten verschlossen ist.

    Da ich in dem Alter sehr viel Erwachsenenliteratur, auch sehr radikale Bücher las und vor allem, weil heute im Internet sehr viel Schwachsinn (auch über Ernährung) steht, bin ich der Meinung, dass es nicht schadet Kinder und Jugendliche schon früh zum kritischen Lesern zu begleiten und ihnen auch den Zugang zu nicht altersgerechten Werken zu ermöglichen.

    Eine Gefahr sehe ich nur, falls du im Buch nicht auf die Risiken bei Untergewicht hinweist und die Tochter nach dem erreichen des Normalgewichts weiter Gewicht verlieren will.
    Ich fühle mich sehr Unsicher, ungesundes verhalten von Freunden Anzusprechen. Und fühle ich hintergangen, wenn mir Bekannte ungefragt fertige Lösungen (Ratgeber) für mein (angebliches) Problem geben. Deshalb ist aus meiner Sicht, die Buchübergabe bzw. das Thema ansprechen ein heiler Punkt. Falls die Tochter um Unterstützung gebeten hat, würde ich klar empfehlen das Buch der Tochter zu geben und mit ihr zu besprechen. Ansonsten bin ich der Meinung, dass er zuerst fragen soll, ob sie etwas ändern möchte und dabei Unterstützung wünscht. Falls nicht, könnte er dein Buch selber lesen, herumliegen lassen und auf die Neugier der Tochter Vertrauen, wie dies einige Eltern bei der Sexualaufklärung machen.

    Da ich vermute, dass viele Gewichts und Ernährungsprobleme in der Jugend beginnen, finde ich es hilfreich, wenn Jugendliche früh an seriöse, wissenschaftlich gesicherte Informationen kommen und so mit kleinen Umstellungen von Anfang an verhindern können, dass ihr Gewicht ausufert. Deshalb könntest du begleitend hier im Blog noch über Kinder/Jugendspezifische Themen schreiben. zB. wie aussagekräftig ist der BMI bei wachsenden und wie sind Abweichungen zu interpretieren (Wachstumsschub bei unverändertem Gewicht -> BMI fällt von 20 auf 18) , BMI senken während Längenwachstum (Gewicht verlieren oder „nur“ Gewicht halten und wachsen), Ernährung umstellen wenn man nicht selber kocht, gemeinsames Essen bei unterschiedlichem Energiebedarf…

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  11. Mir 17, hätte das Buch bestimmt auch schon mit 14 geholfen, aber ich denke, dass ist sehr stark von dem jeweiligen Menschen abhängig. Der Vater kann es ja zuerst lesen und dann selbst entscheiden.

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  12. Ich finde, du hast genau richtig geantwortet. Ein Stück weit nutzen Eltern Altersbeschränkungen, beziehungsweise Freigaben, um ihre Verantwortung abzuwälzen. Du kannst ein Kind, das du nicht kennst, auf keinen Fall besser einschätzen und gerade mit 14 gibt es da meines Erachtens eine weite Streuung, was Reife angeht. Sinnvoll ist doch immer, wenn Eltern selbst wissen, womit sich ihre Kinder beschäftigen, um zumindest gesprächsbereit zu sein.

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  13. freak

    Ich denke, man kann das schwer beurteilen, ohne genauere Umstände zu kennen. Vielleicht sind dem Kind einige Fettlogiken bekannt, viele vermutlich nicht und ohnehin irrelevant.
    Sollte das Kind (stark) üg sein, würde ich ohnehin empfehlen, einen Hausarzt/Kinderarzt und evt ein Programm der GK hinzuzuziehen. Dem unbenommen kann der Vater das Buch gerne lesen und vielleicht Denkmuster und -fallen enttarnen, so dass er sein Kind besser unterstützen kann!

    OT: Tolles neues Layout!

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  14. Kommt auf die Persönlichkeit der Tochter an.
    Ich frage mich gerade, ob mir das Buchm it 14 geholfen hätte. Ich war zu dick und wollte das ändern. Ernsthaft probiert habe ich es nie… Ich glaube ganz ehrlich mir hätte dieses Buch gut getan.
    Ich würde dem Vater raten, das Buch doch gemeinsam mit seiner Tochter durchzugehen. Es kann nicht schaden, dickmachende Verhaltensweisen schon im Jugendalter abzulegen.

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  15. Die Informatikerin

    Da es bis jetzt noch niemand so formuliert hat, tue ich es: Bei allem Respekt empfinde ich deine verfasste Antwort als schwierig. Dazu gibt es durchaus mehrere verschiedene Gründe. Der erste Aspekt ist der, dass ich die Erfahrung gesammelt habe, dass Erwachsene überhaupt nicht einschätzen können, was gut für einen sei und was nicht. Als ich in der Grundschule war und ganz artig auf Altersbeschränkungen (bei Spielen oder Büchern) gehört habe, wurde ich bei Erreichen des Mindestalters i.d.R. ziemlich enttäuscht davon, dass es „leichte Kost“ war. Als ich elf war und sehr gerne wissenschaftliche Texte (bzw. im Grunde waren es hauptsächlich philosophische Abhandlungen und Diskussionen von Menschen, die (wenn ich mich recht entsinne) teilweise schon ihre Professur hatten) gelesen habe oder eben mit Erwachsenen versucht habe, diverse Inhalte (sei es über Religionskritik, freien Willen, etc.) zu diskutieren, hieß es andauernd, ich sei ja viiiiiel zu jung für das alles. Die Texte könne ich ja gar nicht verstehen und bei Diskussionsanfängen von meiner Seite hieß es, ich solle warten bis ich älter bin, um das alles zu diskutieren. Auf kritische Fragen wurde dementsprechend oft gar nicht erst eingegangen mit dem Hinweis darauf, ich könne das ja noch nicht begreifen. Es dauerte einige Jahre, die mir vor allem erst deutlich mehr Selbstvertrauen bringen mussten, bis ich begriff, dass diese Erwachsenen i.d.R. einfach absolut keine Ahnung hatten. Viele Erwachsene gehen davon aus, dass wenn sie selbst etwas nicht verstehen können, auch keine Elfjährige das könne. Und durch so eine zurückweisende Haltung werden viele Samen der intellektuellen Herausforderung, welche eine Person erst fördern und unterstützen könnten, bereits im Keim erstickt. Die Liebe zum Wissen gerät so immer stärker in den Hintergrund. Es ist nur meine Meinung, aber als ich jünger war, hat mir praktisch überhaupt kein Erwachsener irgendetwas zugetraut mit dem Hinweis ich sei ja noch zu jung für das alles. Sich selbst haben sie dabei in ihrer Auffassungsgabe überschätzt. Im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass eine unvoreingenommene Einstellung für das Kind/die Jugendliche das Beste ist. Denn selbst wenn man es nicht verstehen sollte, kommt Unwissenheit dann wenigstens nicht durch fehlerhafte Erwartungen des äußeren Umfeldes zustande.
    Das war das Erste. Der zweite Aspekt ist für mich wie bereits oben erwähnt, dass Jugendliche ohnehin ihre eigenen Recherchen an den Tag legen und dabei auf unglaublich viel ungesunden Schwachsinn kommen. Zum einen treiben sich welche in Anorexiaforen herum, um sich dort „Tipps“ zu holen (damit meine ich nicht Essgestörte, sondern gesunde Personen) oder sie bestellen sich irgendwelche homöopathischen angeblichen Wundermittel, mit denen sie an ihrem Körper mehr Schaden als Nutzen anrichten. Ein solches Beispiel einer jungen Frau wurde im Buch sogar erwähnt. Gerade in solchen Fällen ist es doch notwendig, Jugendlichen genauso wie Erwachsenen zu erklären, wie es richtig funktioniert und ihnen diese Fettlogik, sie könnten aus sonstwelchen Gründen nicht abnehmen, zu derationalisieren. Gerade junge Heranwachsende haben in Bezug auf ihr Gewicht deutliche „Komplexe“. Der Körper entwickelt sich gerade erst und das Aussehen so wie der Vergleich mit anderen Gleichaltrigen wird immer wichtiger. Hinzu kommt, dass Übergewicht deutlich seltener ist und betroffene Kinder/Jugendliche so eher „herausstechen“, was für die Entwicklung des eigenen Selbstbewusstseins auch nicht unbedingt förderlich ist. Ich denke, wenn man diesen Jugendlichen abseits der durch die Medien verbreiteten Fettlogiken erklärt, wie es wirklich funktioniert, würde ihnen das nicht nur dabei helfen, selbstbestimmt und dadurch mit einem Gefühl von Proaktivität (das für jeden Menschen unabhängig vom Alter notwendig und erstrebensweise ist) an ihr Gewicht heranzugehen, sondern auch ihre Gesundheit unterstützen.
    Gerade in Bezug auf die Gesundheit wird in dem Buch ja deutlich herausgestellt, wie schädlich Übergewicht ist (ich persönlich fand diesen Part durchaus interessant, der medizinische Teil war aus meiner Sicht auch nicht zu langweilig oder abgehoben formuliert). Dementsprechend kann man doch davon ausgehen, dass 18 Jahre Übergewicht/Adipositas/zu hoher Körperfettanteil durchaus schlecht für die Gesundheit der Kinder/Jugendlichen ist und eine entsprechende Lektüre, die zu einer Verringerung dieser Risiken führen würde, etwas erstrebenswertes ist.
    Man nehme einmal eine Bestandsaufnahme der derzeit gängigen und verfügbaren Literatur sowie derjenigen Informationen, welche aus dem Netz gewonnen werden können. Ich persönlich hatte gerade durch die Flut von unterschiedlichen, sich widersprechenden Informationen Schwierigkeiten, zu verstehen, wie Abnehmen eigentlich funktioniert. Eine alternative Lektüre, die diesen Prozess einfach und anschaulich vermittelt, ist mir derzeit nicht bekannt, ich würde allerdings davon ausgehen, dass diese durchaus medizinischer/biologischer aufgebaut wäre.
    Wenn man schon sagt, dieses Buch sei nichts für die eigene Tochter, sollte doch eine Alternative für sie geboten werden. Alleine, damit sie eine hinreichende Chance hat, sich auf diesem Gebiet ihr Wissen anzueignen und ihren zu hohen Körperfettanteil angehen zu können. Ich persönlich denke hierbei, dass Fettlogiken allgemein so stark verbreitet sind, dass dieser Erwerb von objektiven Fakten/Informationen sich ebenfalls als problematisch erweisen könnte.
    Die Comics sollte man ihr m.M.n. nicht ausschließlich zum Lesen geben, da es allein von dem grundlegenden Aufbau nicht möglich ist, die Sachverhalte hinreichend belegt darzustellen. Der Interpretationsspielraum ist einfach zu breitgefächert.
    Zu dem Hauptargument, einige Thesen am Ende des Buches seien zu „radikal“ und eventuell ungeeignet, wenn sich der kritische Geist der Jugendlichen noch nicht herausgebildet hat, wären Veranschaulichungen bzw. Beispiele aus meiner Sicht zur Verdeutlichung angebracht. Ich persönlich fand keine These sonderlich „radikal“. Ungewöhnlich, ja. Modern, ja. Allerdings wäre jetzt kein Sachverhalt vorhanden, den ich im Speziellen als allzu kritisch für eine 14-Jährige betrachten würde (zumal auch sehr viele Erwachsene da überhaupt nichts kritisch hinterfragen und die allermeisten Leser auch das Allermeiste aus dem Buch als eindeutige Wahrheit betrachten). Konkret: Die These, dass in den 60er Jahren die Menschen auch kein Übergewicht attraktiv fanden, sondern die allgemeine Wahrnehmung des Körpergewichts noch eine andere war, fände ich nicht kritisch. Das Aufzeigen, dass die meisten Prominenten sich in einem unteren Normalgewicht befinden, die eigene Wahrnehmung des Gewichts durch das direkte Umfeld „verzerrt“ wird, fände ich auch nicht unbedingt kritisch.
    Im Gegenteil würde ich eher davon ausgehen, dass gerade Jugendliche eher von ungesunden, radikalen und schädlichen Maßnahmen ablassen, wenn sie begreifen, wie ihre Gewichtsreduktion gesund und realistisch vonstatten gehen kann. Im Allgemeinen denke ich, dass das Buch durchaus reflektiert genug und mit ausreichend Sachverstand geschrieben wurde, dass auch Jugendliche damit umgehen können, zumal wenn man bedenkt, was ihnen sonst alles in Medien, Foren, etc. präsentiert wird.
    Die Befürchtung von einem vorherigen Beitrag, dass diese sich dann eher auf Untergewicht herunterhungern würden, halte ich durchaus für hinterfragbar. Zum einen könnte das Erwachsenen genauso passieren. Zum anderen ist in dem Buch durchaus an mehreren Stellen darauf eingegangen worden, dass Untergewicht sich ebenfalls schädlich auf die Gesundheit auswirkt (lediglich weniger ausführlich). Auch im jugendlichen Alter sind Menschen meines Erachtens nach dazu in der Lage, soweit auf ihre Gesundheit zu achten, dass Untergewicht als nicht erstrebenswert gilt.
    In dem Kapitel über Magersucht wurde weiterhin darauf eingegangen, dass erfolgreiche Gewichtsreduktion nicht zu Essstörungen führt. Dementsprechend würde ich in der Hinsicht von keiner Gefahr ausgehen. Bzw. die Gefahr für eine Reduktion des Körpergewichts auf zu niedrigen Bereich besteht unabhängig von der Lektüre dieses Buchs.
    Eine „Fettlogik Junior Edition“ halte ich im Allgemeinen auch für nicht notwendig. Wenn, dann würde es auch ausreichen, ein Kapitel über Untergewicht hinzuzufügen und ein paar über jugendlichen/kindlichen Stoffwechsel, sofern es natürlich nicht den Rahmen des Buches sprengt. 500 Seiten Gesamtlänge sind nicht unbedingt notwendig… (über 400 Seiten müssen es auch nicht sein) Das soll jetzt nicht als eindeutiger Vorschlag an die Autorin gewertet werden, sondern vielmehr als eine Gedankenüberlegung zu den Aussagen, Kritiken und Hinweisen meiner Vorredner hier.
    Hintergrund ist für mich, dass jegliche Sachbücher, welche extra für Kinder/Jugendliche geschrieben werden, die von mir auch gelesen wurden, unzureichend für mich waren. Oft werden darin Informationen viel zu oberflächlich abgehandelt, dass man sie gar nicht richtig nachvollziehen kann. (Vielleicht auch gerade, weil Erwachsene meist unterstellen, dass Jugendliche eh alles glauben ohne kritisch zu hinterfragen und dass sie die eigentlichen Funktionsweisen gar nicht verstehen könnten.) Da kann man auch gleich ein „Erwachsenenbuch“ lesen, zumal es auch nicht übertrieben viele Fachbegriffe beinhaltet.
    Die Option, dass der Vater das Buch liest und wichtige Inhalte weitergibt bzw. nach der Lektüre entscheidet, ob es etwas für seine Tochter ist, finde ich je nach elterlichem Verhalten angemessen oder kritisch. In der persönlichen Aufnahme macht es einen deutlichen Unterschied, ob der Vater einem Informationen weitergibt (der vielleicht zu vage und ungenau die Sachverhalte beschreibt) oder ob man durch Selberlesen die Studien und Belege wirklich detailliert mitbekommt. Dass Eltern mit ihren Kindern Inhalte von Büchern diskutieren und diese vermitteln kenne ich persönlich nur aus der Theorie. Ich finde nicht einmal, dass meine Lehrer da wirklich „perfekt“ vorgegangen sind. Die Bereitschaft, mit der Kritik junger Menschen umzugehen und deren Informationsquellen nicht einfach abzutun, sondern nachzuvollziehen oder eingehend zu diskutieren, war bei jeglichen Erwachsenen während meiner Jugend äußerst gering. Gerade bei so einem Buch hat die Tochter mit Sicherheit bereits von dutzenden Studien gehört oder gelesen, die diese Fettlogiken ja eindeutig zu bestätigen scheinen. Da als Erwachsener mit Worten durchzudringen stelle ich mir schwieriger vor, als ihr das Buch selber zum Lesen zu geben und sie gegebenenfalls eigenständig Sachen nachrecherchieren zu lassen (falls sie so eine ist).

    Wenn ich überlege, wie ich dieses Buch wohl mit 14 Jahren (vor 8 Jahren) aufgenommen hätte, kommen unterschiedliche Gedankengänge hervor. In dem Alter wog ich ca. 68 kg bei einer Größe von 172 cm, also nicht einmal Übergewicht. Ich glaube, Kalorienzählen hätte mir ganz gut getan, da ich doch sehr unregelmäßig aß, d.h. an einem Tag sehr viel, am nächsten sehr wenig. Die allgemein verbreitete Diätregel „Frühstücken“ hat bei Befolgung nur zur Gewichtszunahme geführt, da in den Artikeln dazu die Wichtigkeit einer gleichbleibenden Kalorienaufnahme (keiner Erhöhung der Gesamt-Kalorienaufnahme!) nicht ausreichend herausgehoben wurde.
    Mein generelles Problem war es allerdings, dass ich nicht ausreichend Sport in meiner Freizeit gemacht habe, vor allem weil ich mich aus sozialen Ängsten nicht getraut hatte. In der Hinsicht stellt das Buch die Wichtigkeit hervor, die Überwindung wäre aber immer noch dagewesen.

    Worin ich mir auf alle Fälle sicher bin ist allerdings, dass es mir eindeutig weitergeholfen hätte in meinem Verständnis von Gewicht und der Wahrnehmung davon. Schädlich hätte nichts davon gewirkt, eher einiges als Denkanstoß.

    Ich respektiere es, dass man in so einer Fragestellung keinen falschen Ratschlag geben will und vor allem finde ich es auch gut, dass dieses Thema im Blog zur Diskussion gestellt wird, damit eben auch unterschiedliche Meinungen Gehör finden. Dieser lange Beitrag war nun meine Stellungnahme dazu. Natürlich kann ich von mir selbst nicht auf alle anderen Jugendlichen folgern. Mein Beitrag war aber meine persönliche Perspektive, basierend auf meinen Erlebnissen und Erfahrungen.

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  16. maximalereinsatz

    Ich denke es kommt auch immer auf den Jugendlichen, seinen Charakter an. Es gibt Jugendliche, sie eine schlechte Selbsteinschätzung haben und noch sehr verloren in der Welt herumgeistern ( so war ich) oder Jugendliche, die sich selbst gut einschätzen können und wesentlich „erwachsener“ denken ( wie mein Mann ).
    Es ist jedem selbst überlassen, jeder muss sein Kind selbst einschätzen. Ich finde es wichtig, überhaupt mit den Kindern darüber zu reden und ihnen zu erklären ( meine sind 8 Jahre und ich würde sie das Buch nicht lesen lassen) das zuviel essen einfach nicht gut ist. Ich rede mit ihnen drüber, und erkläre ihnen, dass man auch ein Hungergefühl entwickeln muss ( also nicht Magengrummeln, das ist kein Hunger meiner Meinung nach), und wenns besonders gut schmeckt, und man Nachschlag möchte, erst einmal in sich reinzuhören, ob man das wirklich noch brauch. Und das man nicht, weil es gut schmeckt, noch einen zweiten Teller essen muss, weil es einfach dick macht.

    Manche Punkte in dem Buch sind einfach nichts für Jugendliche, aber mal ganz ehrlich. Ich hab mir mit 14 heimlich Horrorfilme angeschaut, mit dem Rauchen angefangen, und in dem Alter nicht mal gewusst ( bzw nicht interessiert) was anständige, gesunde Ernährung ist. Mir wurde von der Umwelt eingetrichtert, deine Familie ist dick, also wirst du es irgendwann auch mal werden und manche können einfach alles in sich reinstopfen ohne zuzunehmen.

    Da finde ich es besser, wenn die Kinder die Wahrheit kennen, und damit aufwachsen. Besser mit 14 gelernt, pass auf wieviel du isst, als mit so einem Schwachsinn aufzuwachsen.
    Aber das wird ja teilweise schon in den Schulen falsch beigebracht, so war es bei uns damals zumindest.

    Klar, es besteht immer minimal das Risiko das eine Essstörung entwickelt wird. Aber ich denke, wer diese Gefährdung hat, braucht nicht extra ein Buch dazu.
    Wir leben in einer Zeit, in der zehnjährige auf ihrem Handy nach Diäten googeln, und ständig finden, dass sie zu dick sind, und schon in dem Alter ( obwohl sie es nicht nötig haben) ständig ungesund diäten.
    Weil viele Eltern das so machen. Wieviele in meinem Alter machen ständig irgendwelche Lowcarb, Atkins usw. Die Kinder kriegen das mit, auch dann solche Sätze wie „Ich nehm nicht weiter ab, ich hab meinen Stoffwechsel zerstört“ oder „Ich bin halt zu dick, ich kann da nichts für“ Da finde ich es wichtiger mit den Kindern drüber zu reden ,und vor allem zu involvieren. Und aufzuhören, so einen Schwachsinn in der Welt zu verbreiten. Das brennt sich in das kleine kindliche Gehirn ein, und wird verinnerlicht. Wie das endet wissen wir ja.

    Ob man das Kind das Buch lesen lässt, seit jedem selbst überlassen.

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