BMI & Sterblichkeit

Es gibt eine neue Studie zur Sterblichkeit und dem Gewicht. Ich hatte bereits ausführlich im Buch und auch im Blog das Problem thematisiert, dass in der Gruppe der Normalgewichtigen häufig Raucher und (chronisch) Kranke sind, die wegen dieser schädlicher Faktoren weniger wiegen und gleichzeitig deswegen eine höhere Sterblichkeit aufweisen. Auf die Art werden die Sterblichkeitsraten für das Normalgewicht nach oben verzerrt und Übergewicht steht im Vergleich besser da.

Die aktuelle Studie untersucht den Aspekt der Gewichtsveränderung, indem sie nicht nur das Gewicht zum Befragungszeitraum erhebt sondern auch das maximale Gewicht, welches je im Leben erreicht wurde.

Das Ergebnis fällt wie erwartet aus: Übergewicht und Adipositas sind noch wesentlich gesundheitsschädlicher, als erwartet.

Kritisieren kann man, dass nicht unterschieden wurde, ob das Körpergewicht freiwillig reduziert wurde oder ob die Befragten aufgrund von Erkrankungen abgenommen haben. So steht die Gruppe der Abnehmer recht schlecht da, im Vergleich, obwohl – wie auch in Fettlogik thematisiert – bewusstes/freiwilliges Abnehmen nicht mit erhöhter Sterblichkeit einher geht. Hier wurden also wieder verschiedene Risikogruppen zusammengemixt.

Ich finde daher am interessantesten den Vergleich zwischen den Gruppen, deren aktuelles Gewicht auch ihrem Maximalgewicht entspricht, die also nicht (stark) abgenommen haben.

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Bereits leichtes Übergewicht steigert demzufolge tendenziell die Sterblichkeit, und ab BMI 35 ist die Sterblichkeit mehr als verdoppelt.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie: In der Kategorie der derzeit Normalgewichtigen hatten immerhin 38,5% schon einmal Übergewicht.

24 Gedanken zu “BMI & Sterblichkeit

  1. > Bereits leichtes Übergewicht steigert demzufolge tendenziell die Sterblichkeit

    Was auch immer die Tabelle uns sagen will. – das sagt die Tabelle sicher nicht. Die p-Werte sind in der Zeile so hoch, dass das nicht signifikant ist. Wenn Du um die fehlende Signifikanz mit dem „tendenziell“ rumwieseln möchtest: Unfein. Ich kenne da eine tolle Studie zum Pegelstand des Rheins und dem Auftreten von AIDS, die hat ordentliche p-Werte und ist trotzdem doof. Du hingegen hast zwar eine schöne Theorie, aber keine Zahlen, die sie belegen. Zumindest nicht in dieser Tabelle.

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  2. Mona

    Vor 10 Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal Übergewicht bekomme. Seit dem hatte ich zwei Mal Übergewicht, das letztes mal sogar an der 30 BMI-Grenze gekratzt. Bin wieder normal, yeaay. 😉 Leider noch nicht bei meinem gewohnten Gewicht angekommen. Ich Januar esse ich meistens zu viel. Vielleicht ist mir zu kalt? Im Dezember war es ja wärmer und da hab ich sogar wieder abgenommen. Langsam glaube ich, dass ich nur in geraden Monaten abnehmen, in den ungeraden zunehme. Ist das auch eine Fettlogik? 😛

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  3. Wer von euch kennt Professor Achim Peters, Arzt (Endokrinolog, Internist und „Hirnforscher“) https://de.m.wikipedia.org/wiki/Achim_Peters ? Er behauptet u.a. Übergewichtige (von denen niemand Zuviel isst, sondern nur entsprechend seinen Bedürfnisse, die hirnphysiologisch begründet sind) hätten bessere Überlebenschancen bei schweren Krankheiten (zB Herzinfarkt). Seine Ideen und Bücher sind eine fast unendliche Reihe von Fettlogiken, die er auch wissenschaftlich begründet vorlegt.
    Wie kann man solchen Personen und Ideen begegnen und sie begründet widerlegen?
    Eure Meinung (insbesondere von EMN) interessiert mich sehr.

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    1. Klar, er sagt mir was. Im Kapitel: „Laut Adipositas-Paradox haben Übergewichtige eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit für bestimmte Krankheiten!“ gehe ich auf die besseren Überlebenschanchen ein. Auch seine übrigen Argumente werden alle(?), soweit ich weiß, in Fettlogik behandelt.

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      1. Nicht als extra Kapitel. Ich hatte den Eindruck, dass das nicht nötig ist. Ich wollte ja eher Grundlagen und verbreitete Irrtümer behandelt und nicht jede Theorien, die sich irgendwer ausdenken könnte.

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      2. käse

        Man kann ja durchaus kritisch bleiben, allerdings hat er eine ganze Forschergruppe hinter sich. Das kann zumindestens ich nicht ganz ignorieren, damit ist er nicht irgendwer der eine Theorie spinnt. (Die meisten Fettlogik-Theorien werden ja eher von Journalisten und Laien erfunden. Die sind dann wirklich „irgendwer“)
        Eher glaube ich, dass dein Ansatz total anders ist und dass es evtl. demotivierend sein könnte zu hören, dass es einen „Energie-Brainpull“ gibt, den nicht jeder einfach ignorieren kann ohne Nachteile zu haben.

        Es kann auch Vorteilhaft sein diesen Mechanismus zu kennen um dann zu versuchen, das Schlupfloch zu finden, um die negativen Auswirkungen zu umgehen.

        Ein Pessimist liest natürlich wieder nur „Ich kann nix dafür dass ich dick bin, das wissenschaftlich begründbar“. Wer es sich selbst einfach machen will, findet immer Wege.

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    2. maSu

      „Selfish Brain“ – wenn ich das schon lese, dann rollen sich meine Fußnägel auf. Die sogenannten „Forscher“, die das entdeckt haben wollen, sind mal wieder zu dumm, Korrelationen und Kausalitäten zu trennen. Traurig.
      Man findet heraus, dass das Gehirn wohl irgendwie vorrangig mit Energie versorgt wird. Was für ein Wunder. Wäre der rechte Bizeps immer zuerst dran, dann würden manche Armdrücker (Sportler) beim Training spontan ins Koma fallen oder gar direkt mit Hirntod umfallen.
      Unser ganzer Organismus hat nur einen Sinn und Zweck: die Arterhaltung und damit auch die Selbsterhaltung. Das Gehirn ist dafür zwingend notwendig. Der rechte Bizeps läuft da eher unter „nice to have“. D.h. wenn es einen Mangel an Nahrung gibt, dann werden Fettreserven abgebaut und langfristig auch Muskeln und Organe. Denn: Wer weniger Körpermasse hat, der braucht auch nicht so ein riesiges Herz, um alle Regionen mit Blut und damit Sauerstoff zu versorgen. Alle Organe, Muskeln und sonstige Körperteile werden immer nur so groß sein, wie unbedingt nötig und immer so klein wie möglich. Ebenso unser rechter Bizeps: Er wächst nur, wenn wir mit Belastung (=Training) signalisieren, dass wir einen größeren Bizeps brauchen. Stellen wir das Training dann wieder ein, dann schrumpft der Bizeps wieder: Er wird nicht mehr in dieser Größe benötigt.
      Nur unser Gehirn, das ist eine „Konstante“. Das liegt auch daran, dass Nervenzellen fast als einzige Zellen nur begrenzt in der Lage sind, sich zu vermehren (siehe Rückenmarksverletzungen die anders als ein Beinbruch weit weniger gut verheilen!).
      Unser Gehirn besteht zu einem nicht geringen Anteil aus Fett (je nach Boulvardzeitung mal 33% und mal 70%, alles Quark, aber ich finde gerade keine gute Quelle und verlasse mich daher auf die Erinnerungen an mein Biologiebuch von früher).
      Jetzt fragt man sich, warum die Fettmenge im Gehirn auch bei akuter Unterernährung kaum abnimmt? Hm? Da ist doch genug Fett? Warum wird es nicht in Energie umgewandelt?! Ganz einfach: Dieses Fett braucht das Gehirn um korrekt arbeiten zu können. Das Fett umschließt die Nervenfasern und beschleunigt die Reizweiterleitung enorm ( https://de.wikipedia.org/wiki/Myelinscheide ).
      Würde der Körper nun dieses Fett abbauen, würde unser Gehirn immer schlechter arbeiten und wir wären nicht mehr Handlungsfähig, was bzgl. des evolutionsbiologischen Ansatzes „survival oft he fittest“ dann doch ein größerer „Nachteil“ wäre.
      Daher werden diese Fette vom Körper erst dann zur Energiegewinnung genutzt, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, wenn der Körper also so unterernährt ist, dass der Tod unmittelbar bevorstünde.
      Mit der Glucoseversorgung des Gehirns verhält es sich ebenso: Ohne funktionierendes Gehirn ist der restliche Körper ein Haufen pulsierender Kompost. Also wird erst das Gehirn versorgt und dann der Rest.
      So und diese längst bekannten Tatsachen werden nun genommen und daraus werden wilde Theorien gebastelt. Das ist alles.
      Der Körper wird alle Körperteile, die für die Selbst- und Arterhaltung notwendig sind, so lange wie möglich funktionsfähig halten. Ist es eben nicht mehr möglich gesunden Nachwuchs zu erzeugen, dann wird die Arterhaltung bzw. Fortpflanzung eingestellt (z.B. Hormonelle Störungen bei Frauen bei Unternerährung). Die Selbsterhaltung bleibt aber bestehen. D.h. das Herz wird schwächer und schwächer, bleibt aber immer erhalten, da es Systemrelevant ist. Das Gehirn darf nicht schwächer werden, da es auch Systemrelevant ist und nur in nahezu optimalem Zustand arbeiten kann. Das Herz kann auch nur deswegen schwächer werden, weil die Körpermasse bei Unterernährung abnimmt und so weniger Körper versorgt werden muss und das Herz daher nicht so groß sein muss.

      Was als „selfish brain“ bezeichnet wird, das ist mMn nichts weiter als ein hormonelles Ungleichgewicht, das möglicherweise(!) Adipositas begünstigen kann!

      Trotz allem sind aber alle Menschen in der Lage, ihre Nahrungsaufnahme selbst zu steuern. Wenn ich WILL, dann kann ich 5 Tage auf Nahrung verzichten oder 5 Tage lang 10.000kcal/Tag konsumieren.

      D.h. selbst wenn man persönlich (warum auch immer) einen anderen, ja evtl. gestörten Hormonhaushalt aufweist und daher eher Appetit auf hochkalorische Lebensmittel hat, so hat man jederzeit die Möglichkeit, diesem Appetit zu widerstehen. Ggf. ist dies für manche Menschen schwerer als für andere, sich derartig selbst zu kontrollieren, es ist aber nicht unmöglich.

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      1. Mona

        Wozu wurde selfish brain geschrieben? Haben sie irgendwelche Wundermittelchen oder Wunderbehandlungen anzubieten mit denen sie dann Geld verdienen?

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      2. maSu

        Mona: Wozu? Profilierungssucht? Geldgier (auf Forschungsgelder)? Inkompetenz? Dummheit? Ich weiß es nicht. Es ist mir auch egal.

        Fakt ist: Selfish Brain kombiniert biologisches Wissen aus der Mittelstufe mit der Hoffnung, dass die armen dicken Menschen ja nichts dafür könnten. Und das ist eben genau falsch.

        Evtl. gibt es zig Gründe, die dafür sorgen, dass Menschen dazu neigen zu viel zu essen. Und manche erliegen diesen Gründen, andere nicht.

        Der Wille ist das Problem.

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      3. käse

        @Mona: nein, der verkauft nix. Der forscht nur (Na gut, zwei populärwissenschaftliche Bücher hat er)

        @Masu:
        Zitat:“Fakt ist: Selfish Brain kombiniert biologisches Wissen aus der Mittelstufe mit der Hoffnung, dass die armen dicken Menschen ja nichts dafür könnten. Und das ist eben genau falsch.“

        Genau, das ist falsch, denn das machst DU daraus.

        Und natürlich ist logisches Schlussfolgern wichtiger als Studien auszuwerten.
        (Kann sich ja jeder denken dass es so und so funktioniert, ja klar. Wozu brauchen wir Wissenschaft, wir haben den gesunden Menschenverstand.)

        Der Mensch neigt ja nicht zum Rationalisieren und nimmt alles immer genau so wahr, wie es ist.
        Menschen sind nie subjektiv, Doppelblindstudien sind auch nur rausgeworfenes Geld.

        Und wer anderer Meinung ist, der ist wohl offensichtlich zurückgeblieben. Q.E.D.

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      4. maSu

        Käse: Ich brauche keine Studie um zu wissen, dass das wichtigste Organ des ganzen Körpers die höchste Priorität bei der Versorgung mit Nährstoffen hat. Ich brauche auch keine Studie um zu wissen, dass für den Fall, dass das Gehirn zu wenig Nährstoffe bekommen könnte, alles getan wird um den Appetit anzuregen um mehr Nahrung aufzunehmen.

        Das alles läuft unter Selbsterhaltung.

        Ich brauche auch keine Studie, um zu wissen, dass die Sensorik, die den Appetit bzw. die Sättigung steuert gewissen Fehlern unterliegt.

        Und ich brauche keine Studien, die bei der erstbesten Korrelation laut „KAUSALITÄT GEFUNDEN!!!“ rufen.

        Der eine sagt: „Ich habe ein selfish-brain, ich muss zu viel essen!!!“
        Der andere sagt: „Ich habe Schilddrüse, ich muss zu viel essen!!!“

        Ich sage beiden: Ihr müsst gar nichts. Ihr seid nicht fremdgesteuert.

        Achja:
        Ich möchte auch bezweifeln, dass das „selfish brain“ eine evolutionäre Neuentwicklung ist. Adipositas ist erst seit ~100 Jahren ein Problem.

        Am coolsten fand ich bei Wikipedia diesen Satz:

        „Stellt man sich die Energieversorgung des menschlichen Organismus als Lieferkette (Abbildung 1) vor, die von der Außenwelt mit ihren Angeboten und Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme über den Körper ins Gehirn als Endverbraucher und Kontrollorgan verläuft, dann wird Adipositas durch einen Stau in der Lieferkette verursacht. Dieser ist gekennzeichnet durch eine überproportionale Akkumulation von Energie im Fettgewebe oder im Blut.“

        Gehirn: „ich brauche Zucker!“
        Supermarkt: „hier! Zucker!“
        Fettgewebe: „Nix da Gehirn, die Kalorien behalte ich!!!“

        Evolutionär betrachtet scheint es doch an ein Wunder zu grenzen, dass der Mensch noch lebt. Allerdings würde eine mangelhafte Energieversorgung des Gehirns durch diverse Verkehrsprobleme diverse gesellschaftliche Probleme der Gegenwart erklären.

        Plötzlich wäre die hohe Auflage der BILD Zeitung das Produkt eines Verkehrsproblems im Körper: Ehe das Gehirn mitbekommt, wie es mit Unsinn bombardiert wird, ist die ganze „Zeitung“ schon gelesen. Das Gehirn kann nicht mehr eingreifen und so wiederholt sich das jeden Morgen….

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  4. Lilly

    Ich hab die Studio, und auch die Flegal Studie, auf meiner Facebookwall verlinkt. Einfaqch weil ich das gut finde, wenn man die Studien, die ständig irgendwie zitiert werden, auch mal gelesen hat.
    Nun argumentiert eine schwer adipöse Freundin auf meiner Wall, die Studie belege, dass man eine höhere Sterblichkeitsrate aufweist, wenn man stark abnimmt. Ergo: abnehmen ist gefährlich.

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  5. CatpainBlockudder

    Moment mal… lese ich richtig, dass die Probanden, die sich zur Zeit in einer niedrigeren Kategorie befinden eine aus ihrem früheren Maximalgewicht resultierende Sterblichkeit haben, die höher ist, als hätten sie nicht abgenommen?
    Also ein aktueller Obese II hat eine geringere Sterblichkeit (2.19) als ein Normal, der mal Obese II war (3.18)? O_o

    Ich muss da doch einem Denkfehler aufgesessen sein, oder?

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  6. Pingback: Neue BMI-Studie – Fettlogik überwinden.

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