Versicherungen.

Im November hatte ich einen Blogpost geschrieben, zu dem gestern nochmal eine Nachfrage kam. Mir war schon damals während dem Schreiben kurz der Gedanke gekommen, ob wohl alle wissen, was ich mit meinem Argument aussagen will, aber da niemand gefragt hat, ging ich davon aus, dass das der Fall ist.

Konkret ging es um diesen Abschnitt über Versicherungen: „Wäre es tatsächlich so, dass ein höherer BMI gesünder wäre, dann hätten sich schon längst findige Versicherungen auf Dicke gestürzt, denn für Versicherungsgesellschaften bedeuten diese Krankheits- und Sterblichkeitsberechnungen bares Geld. Wären Dicke tatsächlich langlebiger und gesünder, würde sich eine Lebensversicherungsgesellschaft, die Dickenfreundliche Tarife anbietet eine goldene Nase verdienen. Gerade Versicherungen geht es ausschließlich um Geld, und ganz sicher nicht um versteckte Absichten und hintergründige Verschwörungen.“

Das bezieht sich auf ein Argument, das ich schon häufiger gehört habe, nämlich darauf, dass es sich bei den „Übergewichtige sind kränker und sterben früher“-Daten um veraltete oder falsche Informationen handle, die aber von Versicherungen aus Profitgründen weiter verbreitet werden, um Dicken höhere Beiträge abknöpfen zu können.

In etwa so lautete auch die Argumentation des Kommentators: „Wenn die dicken länger Leben verdient sich eine Versicherung also eine goldene Nase, wenn sie dickenfreundliche Tarife anbietet. Aha. Die Nase wird allerdings noch goldener, wenn ich den Dicken einrede, sie hätten mit ihrem BMI ein höheres gesundheitliches Risiko, gegen das sie sich unbedingt absichern müssen und das natürlich auch ganz andere Beiträge erfordert, schließlich ist man ja auch ein Risiko für die Versicherung. Und wenn solche Beitragszahler dann tatsächlich länger leben, blechen sie auch schön lange.
Wieso soll eine Versicherung jetzt nochmal dickenfreundliche Tarife einführen?“

Dieses Thema nochmal aufzugreifen eignet sich gut, um die Unsinnigkeit mancher „Verschwörungstheorie“ zum Übergewicht zu illustrieren. Zunächst nochmal der Hinweis, wir reden von LEBENSVersicherungen, nicht von KRANKENversicherungen.

Die Lebensversicherung schließt mit uns quasi eine Wette ab, darüber, wie lange wir leben. Die Lebensversicherung hofft auf ein möglichst langes Leben, so dass unsere monatlichen Beiträge am Ende die Prämie im Todesfall übersteigen.Ein vorzeitiger Tod wäre quasi ein „Gewinn“ des Kunden, aus finanzieller Sicht. Je länger also eine Person potentiell lebt, desto interessanter ist sie für Versicherungen und desto niedriger können die monatlichen Beiträge sein, weil die Versicherung davon ausgehen kann, dass die Person noch viele Jahrzehnte zahlen wird. Jeder Risikofaktor für einen frühen Tod ist auch für die Versicherung ein Risikofaktor, den sie sich bezahlen lässt. Je älter man bei Abschluss der Versicherung ist, desto höher der Beitrag. Raucher zahlen höhere Beiträge als Nichtraucher. Risikosportler, Menschen mit gefährlichen Berufen, Männer, chronisch Kranke …. alle zahlen höhere Beiträge oder werden sogar abgelehnt. Besonders unfair an dieser Stelle: Menschen, die schon einmal eine Psychotherapie gemacht haben werden oft von vornherein als zu hohes Risiko als Versicherungsnehmer ausgeschlossen. Lebensversicherungen sind recht wählerisch darin, auf wen sie wetten.

Gerade weil diese Risikoberechnungen für Versicherungen so wichtig sind, liegt ihnen viel an möglichst umfassenden und guten Daten. Lebensversicherungen sind hier ganz klar die Instanz, die ein absolutes Interesse an ehrlichen Daten haben, weil jeder Irrtum im Todesrisiko sie Unsummen kostet.

Nun lautete die Argumentation ja sinngemäß, dass die Versicherungen wüssten, dass Normalgewicht gar nicht gesünder ist, sondern Dicke eigentlich langlebiger seien. Sie erzählten aber den Dicken einfach etwas von höherem Risiko, um ihnen teurere Tarife anzudrehen. Das würde eventuell halbwegs Sinn ergeben, gäbe es nur eine einzige Versicherungsgesellschaft auf der Welt, die sich denkt: „Da schon die Mehrheit der Deuschen übergewichtig ist, könnten wir die doch mal mehr abzocken“ wobei sich dann die Frage stellen würde, warum man einer potentiell unattraktiveren Gruppe (also Normalgewichtige, die früher sterben) attraktivere Konditionen anbietet, und damit mehr von dieser Gruppe zum Abschluss einer Lebensversicherung lockt, obwohl die Rechnung doch schlechter ist.

Aber tatsächlich gibt es eben nicht nur eine, sondern zig Versicherungsgesellschaften, die in direkter Konkurrenz um jeden Kunden stehen. Das führt dann eben dazu, dass wie immer in der freien Wirtschaft, attraktive Klienten hart umkämpft und umworben werden und weniger attraktive Kunden mit miesen Tarifen abgestraft werden. Wäre es nun tatsächlich so, dass Dicke heimlich die langlebigsten – also die attraktivsten – Klienten wären, würde es aus Sicht der Gesellschaften keinen Sinn ergeben, ihnen schlechtere Tarife anzubieten und das Risiko einzugehen, dass die Konkurrenz etwas besseres bietet. Denn mit langlebigen Klienten kann man ja sehr attraktive Tarife vereinbaren und immernoch Gewinn machen. Die Versicherungsgesellschaft, die als erstes ihre Werbung in den Bereich „Dickenfreundlichste Tarife“ erstreckt, würde umgehend überrant werden von der attraktivsten und langlebigsten Klientenruppe, und quasi konkurrenzlos eine goldene Nase damit verdienen. Jede Versicherungsgesellschaft ist erpicht darauf, als erstes eine besonders langlebige Gruppe zu finden und mit attraktiven Preisen zu ködern – oder als erstes einen hohen Risikofaktor ausfindig zu machen, um diese Leute der Konkurrenz aufs Auge zu drücken.

So hart das klingt, für Versicherungen sind wir nur Zahlen, die es möglichst genau zu erfassen gilt. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Zahlen, auf die sich Versicherungen berufen, die glaubwürdigsten überhaupt, denn hier geht es nicht um irgendwelche versteckten Interessen oder Manipulationen. Wenn Versicherungen BMI 20-25 als geringstes Todesrisiko sehen, dann kann man davon ausgehen, dass dies dem aktuellen Stand der Forschung entspricht. Dass Versicherungen z.B. nicht vor drei Jahren, als die Flegal-Studie ergab, das angeblich das „leichte Übergeicht“ das gesündeste und Adipositas nicht besonders schädlich ist, direkt ihre Tarife neu ausgerichtet haben, zeigt ebenfalls, dass die Studie schlichtweg qualitativ nicht so gut war wie die duzende Studien davor, währenddessen und danach, die eben das Normalgewicht als gesündestes bestätigen.

Versicherungsgesellscaften sind somit gerade aufgrund ihres starken finanziellen Eigeninteresses die denkbar schlechteste Instanz für Verschwörungstheorien und im Gegenteil, diejenigen, die am ehesten glaubwürdig sind in Sachen Sterblichkeitsberechnung. Sollten tatsächlich Lebensversicherungen irgendwann anfangen, Dicken die besseren Tarife anzubieten, wäre das auf jeden Fall für mich ein Grund, mir die neusten Forschungen nochmal genau anzusehen.

26 Gedanken zu “Versicherungen.

  1. sim

    …auch wenn es grad nicht exakt das Thema trifft, ich arbeite für eine Versicherung – und seit gut zwei Jahren haben wir in Kranken- und Leben- das Thema mit den Untergewichtigen … währen „Dicke“ BMI BIS 35 einen Risikozuschlag in der Krankenversicherung erhalten (fällt weg, wenn Versicherungsnehmer = VN abnimmt), so sind Untergewichtige – BMI unter 18 NICHT VERSICHERBAR – selbe Ablehnung wie auch bei Depressionen (da die Folgeerkrankungen bisher nicht abgeschätzt werden können.)

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    1. Das überrascht mich insofern nicht, als dass die Sterblichkeitskurve im Untergewicht recht schnell massiv ansteigt, während es bis BMI 35 ja noch langsam ansteigt. Wie sind denn da so die Reaktionen? Und ändert es etwas, wenn die erson auf BMI 18+ zunimmt oder sind die dann für alle Zeiten raus, so wie nach einer Psychotherapie?

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  2. Man kann das doch nicht verallgemeinern. Für manche mag ein BMI von 20 gesund sein für andere ist ein BMI von 29 gesünder. Wir Menschen sind zum Glück sehr unterschiedlich, eben auch bei der Statur. Und Studien trau ich sowieso nicht, egal in welche Richtung.
    Wirklich Dicke sind sicher nicht langlebiger – aber was ist dick?. Ich (60 Jahre alt) jedenfalls fühle mich nachdem ich 16 kg abgenommen habe, mit dem erreichten BMI von 29 bis 30 schlank und gesund.
    Trotzdem – es wäre doch grauenhaft, wenn wir Menschen alle durch eine genormte Figurschablone passen würden.- Das wäre dann eine „Schlankheitslogik“.
    Jeder muss doch selber fühlen, ob er sich gesund fühlt, was gut für ihn ist. Ich bin überzeugt, dass es für viele Menschen weit ungesünder ist, permanent gegen seinen Körper zu kämpfen, als eine gewisse Fülle zu akzeptieren.
    Meine Verwandten, die kräftiger waren, sind interessanterweise steinalt geworden. Allerdings hatte ich auch 2 schlanke Tanten, die das 50. Lebensjahr nicht erreicht haben. Deshalb habe ich schon immer bei älteren Menschen mit einer schlanken Figur, Todesnähe assoziiert. Das ist sicher auch einseitig, jedoch ist unsere Lebenserwartung nicht höher als je zuvor? Und sind wir nicht wohlgenährter als je zu vor? Und ist es so erstrebenswert ein sehr hohes Alter zu erreichen? Wollen wir alle noch ein paar Jährchen Demenz mitnehmen?

    Und übrigens – Zitat: „Menschen, die schon einmal eine Psychotherapie gemacht haben werden oft von vornherein als zu hohes Risiko als Versicherungsnehmer ausgeschlossen.“
    Warum ist das unfair?
    Denn Zitat: „für Versicherungen sind wir nur Zahlen, die es möglichst genau zu erfassen gilt. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Zahlen, auf die sich Versicherungen berufen, die glaubwürdigsten überhaupt, denn hier geht es nicht um irgendwelche versteckten Interessen oder Manipulationen.“

    Im Übrigen stehen hinter den Versicherungsgesellschaften auch nur Menschen, die Trends hinterher hecheln, sich irren, korrigieren und manche Firmenpleite verursacht haben.

    Einige der „Fettlogiken“ sind für mich nachvollziehbar. aber eben nicht alle…

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    1. Über die Unfairness der Psychotherapie habe ich mir nach dem posten ebenfalls Gedanken gemacht, also das Argument, was Sie bringen, fiel mir auch ein.
      Ich denke, was mich stört ist die Tatsache, dass Leute aufgrund dessen dann von einer Behandlung zurückschrecken, die ihnen helfen könnte. Natürlich ist es nicht in dem Sinne unfair, als dass die Versicherung natürlich das Recht hat, Risikofaktoren für sich zu bestimmen und ggf. dann danach Leute auszuschließen. Die Gesamtsituation ist einfach ungünstig.

      Das mit dem erstrebenswerten hohen Alter kann ich dagegen nicht nachvollziehen. Im Buch habe ich ja genau das auch thematisiert, dadurch, dass man eben nicht „nur“ ein paar Lebensjahre verliert, sondern im Schnitt bis zu 20 gesunde Jahre. Es ist also ja gerade nicht so, dass der Dicke einfach mit 70 tot umfällt und der Dünne noch 20 Jahre dahinvegetiert, sondern so, dass der übergewichtigere dann oft schon früh an Lebensqualität einbüßt und zusätzlich auch noch früher stirbt.
      Wenn Sie allerdings Studien generell nicht trauen, ist Fettlogik wohl auch eher nichts für Sie, denn das basiert ja zu 95% auf Studien. Das wäre dann vermutlich so, als würde man die Bibel lesen und sagen, dass man das Konzept von Gottesglauben ablehnt. Ohne jetzt Glaube mit Wissenschaft gleichzusetzen, wobei das vermutlich dann ein Vergleich ist, der Ihnen nicht unsympathisch ist, wenn Sie Studienergebnissen eher misstrauen.

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      1. yannaba

        „Es ist also ja gerade nicht so, dass der Dicke einfach mit 70 tot umfällt und der Dünne noch 20 Jahre dahinvegetiert, sondern so, dass der übergewichtigere dann oft schon früh an Lebensqualität einbüßt und zusätzlich auch noch früher stirbt.“

        Das sehe ich genauso – und sehe es auch an meinen Eltern. Beide haben (dank Fettlogik) im letzten Jahr stark abgenommen, besonders meine Mutter, die schon fast Normalgewicht erreicht hat. Dafür erntet sie (besonders in der Familie, aber erschreckenderweise auch bei der Hausärztin) zum Teil schwere Kritik.
        Fakt ist aber: Ihr Reflux ist weg, ihre Blasenschwäche ist weg, sie nimmt nur noch die Hälfte an Blutdruckmedikamenten und auch eine geringere Dosis Schilddrüsenhormon. Und wo sie noch vor einem Jahr nachmittags meist vor sich hindösend auf dem Sofa gesessen hat, rennt sie heute durch die Gegend wie eine junge Frau. Meine Tante hingegen, die sich massiv gegen das Abnehmen wehrt (das tu ich mir nicht an, ihr spinnt doch alle mit eurem Diätwahn) ist schon außer Atem, wenn sie ans Telefon geht (in ihrer 2-Zimmer Wohnung kann der Weg dahin unmöglich weiter als ein paar Meter sein).
        Also, wer hat da an Lebensqualität gewonnen oder sich „etwas angetan“?

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      2. IULIUS

        Daß Menschen mit Psychotherapien grundsätzlich nicht versichert werden stimmt so nicht. Es gibt Versicherungen, die u. U. trotzdem versichern, dafür aber die Risikoprämie verdoppeln. Zumindest war das noch vor 15 Jahren so. Das sich das geändert haben soll kann ich mir nciht vorstellen.
        Bzw. gibt es Tarife ohne „Gesundheitsfragen“.
        https://ergodirekt.de/de/produkte/lebensversicherung/kapitallebensversicherung.html#tarifmode=berechnung;basisdaten%7CMDM3YWM5YWMtNjMwZS00NzZiLWI0ZGItMmU2MGRiYTVlMTAy&tabnavi=tab1
        cosmos direkt wird sicher auch versichern

        Ich finde Abnehmen um 16 Kg schon mal einen guten Anfang. Vielleicht macht sie weiter.

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      3. Oups – ich lehne weder Fettlogik noch Gottglauben ab – habe aber mit beidem meine Probleme.;-). Ich stimme Ihnen zu, was eine Einbuße der Lebensqualität bei Fettleibigkeit betrifft. Betonung auf Fettleibigkeit. Ab wann ist man fettleibig?
        Auch hier greife ich auf eigene Erfahrungen zurück: Ich bin 160 cm klein und wiege Ca. 77 Kg und fühle mich schlank. Ich bin beweglicher und sportlicher als in jungen Jahren mit 60 – 65 kg. Das liegt ganz einfach daran, dass ich mich jetzt bewege und Freude an der Bewegung habe. Mit meinem Höchstgewicht von 93 kg habe ich mich nicht so wohl gefühlt obwohl ich mich auch da gerne bewegte. In meinen jugendlichen und schlanken Zeiten – wobei jugendlich auch noch für 45 Jahre gilt – war ich einfach eine faule Socke.

        Ich würde gerne noch 4-5 kg loswerden (mehr nicht). Und im Grunde genommen hat mich Ihr Buch dabei durchaus motiviert, auch wenn ich nicht in allen Punkten übereinstimme. Das mag aber auch daran liegen, dass man immer nur das Alter beurteilen kann, das man schon durchlaufen hat. Beispiel: Mit 30, 40 Jahren konnte ich schnell einige Kilos abspecken – ich habe mich damals mit meinem Normalgewicht eher dick gefühlt.

        Heute mit fast 61 Jahren geht das Abnehmen nur zäh und langsam und leider auch unter Verlust von Lebensqualität. Die Regel „weniger essen als man verbraucht“ stimmt in jedem Fall. Und ich habe mich bei Ihrem Buch köstlich über die Beschreibung einiger „Fettlogiken“ (ich hatte das immer ausreden genannt) amüsiert. trotzdem – meine Abnahme von 16 kg habe ich nur über einen Zeitraum von über einem Jahr, mit einem sehr geringen Kaloriendefizit geschafft. Bereits bei ein paar Kalorien zu wenig, werde ich unkonzentriert, arbeitsunfähig und sogar krank. Ich habe einen interessanten anspruchsvollen Job und viele Interessen und kann mir so etwas nicht leisten.

        Im übrigen – doch ja – Ihr Buch hat mir schon gefallen. Jedoch manche Ansichten hier im Forum kann ich nicht ernst nehmen.

        Viele Grüße

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      4. IULIUS

        „Bereits bei ein paar Kalorien zu wenig, werde ich unkonzentriert, arbeitsunfähig und sogar krank. Ich habe einen interessanten anspruchsvollen Job und viele Interessen und kann mir so etwas nicht leisten.“
        Ich würde da einfach mal keck behaupten, daß es da nicht die Kalorien sind, die fehlen, sondern irgendwelche Vitamine oder Mineralien. Ggf. auch zu wenig getrunken.

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    2. Litschi

      Leider ist mit Ihrer Aussage „Studien trau ich generell nicht.“ ist leider jeglicher Ansatz für eine Diskussion bereits im Keim erstickt worden.

      Interessanterweise versuchen Sie uns aber gleich darauf mit Hilfe einer „Studie“ aufzuzeigen, dass man nicht Gesundheit und Übergewicht nicht verallgemeinern kann. Es handelt sich dabei um Ihre eigene, persönliche Studie ihres Umfeldes. Denn was anderes ist die Aussage „Ich kenn x Leute, die Übergewicht haben und alt wurden, dafür y Leute, die früh gestorben sind.“ anders als eine „Studie“? Sicherlich keine wissenschaftliche Studie, aber Sie haben Beobachtungen angestellt und Ihre Schlüsse daraus gezogen. Das ist im Prinzip und stark vereinfacht eine Studie.
      Allerdings haben Sie eine sehr geringe Menge an „Probanden“ (ihre Familie), eine sehr kleine Anzahl beobachtender Faktoren (genau zwei, Alter und Gewicht) und diese sind dazu noch sehr ungenau. Das verleiht Ihrer persönliche Studie, oder, wie man es in diesem Fall nennt, Beobachtung, wissenschaftlich gesehen, leider nicht sehr viel Gewicht und als Argument ist sie sehr, sehr schwach.
      Da Sie aber mit Ihrer oben getätigten Aussage „Studien trau ich generell nicht.“ sämtliche wissenschaftliche Ansätze im Vornherein ausgeschlossen haben, ist, zumindest in Ihren Augen, Ihre persönliche Beobachtung wichtiger, als der Versuch Fakten anzuhören und dann zu überlegen, ob etwas dran sein könnte.
      Schade!

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      1. Nick

        Naja, die Politik der Versicherungen ist auch nicht unbedingt eine gute Studie, wenn es darum geht med. Fragen zu beantworten. Den Einwand, dass dort auch nur Menschen entscheiden, die vor allem nicht das Ziel einer Erkenntnis über med. Zusammenhänge haben finde ich durchaus berechtigt. Es ist bekannt, dass nicht nur Otto Normalverbraucher, sondern selbst Konzernvorstände in ihren Entscheidungen von Modeerscheinungen stark beeinflußt werden.

        Oft ist es so, dass einfach geschaut wird wie die erfolgreiche Konkurrenz das macht, nach dem Motto: „Da weiß man doch, dass es funktioniert“.

        Auf lange Sicht korrigiert sich das aber meistens. Modeblasen platzen früher oder später. Soweit ich weiß kommt der BMI ursprünglich aus der Lebensversicherungsbranche und wird schon sehr lange herangezogen, insofern ist es plausibel dass da was dran ist. Was genau weiß man aber nicht, und was genau interessiert auch die Lebensversicherung eher nicht.

        Angenommen es gäbe eine Schwangeschaftsversicherung, die die Tarife nach dem Storchenflug gestalten würde. Sie könnte das Jahrhundertelang erfolgreich tun..

        Eine Korraltion ist für Versicherungen eben vollkommen ausreichend, sie will ja keine Hypothesen verifizieren.

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      2. Nein – Studien trau ich tatsächlich wenig. Ich weiß, wie die zustande kommen. Es gibt einen Geldgeber, der eine Studie in Auftrag gibt und dabei genau sagt welches Ergebnis er haben möchte….

        Meinen eigenen Erfahrungen (keine Studien) traue ich tatsächlich weit mehr. Im Laufe meines doch schon recht lange währenden Lebens, habe ich so viele Aussagen und Erkenntnisse aufgrund von Studien kennengelernt, die im Laufe der nächsten Jahre von neuen Studien widerlegt und über den Haufen geworfen wurden.

        Es sind gesellschaftliche Trends, welche die Ergebnisse von Studien beeinflussen. Unternehmen bedienen sich dieser Trends für ihre eigenen Interessen.

        Das Buch „Fettlogik“ finde ich trotzdem in vielen Punkten gut. Es steckt nämlich auch eine gute Portion „gesunder Menschenverstand“ drin.

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    3. Hotte

      Hallo Renate,

      da wittere ich aber Altersdiskriminierung! 😉

      Meine Mutter (66) hat von mir im Mai von „Fettlogik“ erfahren und als ich sie im Oktober besuchte, hatte sie 15kg runter.

      Was die kognitiven Defizite angeht, möchte ich mich IULIUS anschließen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass es sich allein in der Reduktion der Gesamtkalorien begründet.
      Bei mir selbst beobachte ich deutlich stärkere Konzentration, Denkgeschwindigkeit etc wenn ich gezielt Kohlenhydrate zu mir nehme als wenn ich diese massiv einschränke. Neben den Makronährstoffen sind aber gerade die Mikronährstoffe (Vitamine und Spurenelemente) sehr wichtig für den korrekten Ablauf von Hirnfunktionen.
      Zur Vorbeugung von Demenz empfiehlt sich zusätzlich auf Vermeidung eventueller Schadstoffbelastung zu achten. Nähere Informationen aus Richtung der Orthomolekularen Medizin gibt es zum Beispiel vom Umweltmediziner Klaus-Dietrich Runow.

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      1. yannaba

        Ja, ich vergaß oben auch zu erwähnen, dass meine Eltern mitte 70 sind und jeweils in einem halben Jahr 15 Kilo abgenommen haben. Aber ist ja auch egal, 16 Kilo in einem Jahr sind ja auch ok, kann ja jeder machen, wie er will.

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  3. sim

    bei „leichtem“ Untergewicht ist, soweit ich weiß ein neuerlicher Antrag mit ärztlicher Diagnose möglich. Das Thema bei der Krankenversicherung ist einfach, dass es einer der wenigen Verträge mit EINSEITIGEM Kündigungsrecht ist. Also hat die Versicherung mal nen Untergewichtigen/Adipösen/Krebskranken – bekommt sie ihn nicht mehr los. Während der VN jederzeit kündigen könnte.

    Bei der Psychotherapie kommt es darauf an wegen was die Person thearpiert wurde – nur weil ich Angst vor Spinnen hab, bin ich nicht nicht versicherbar.
    Depressionen, Panikattaken, Alkoholismus, Drogen, Medikamentensüchte sehen da schon anders aus…..

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    1. Mona

      Wie schätzt eine Versicherung ab, ob jemand zu Krebs neigt? Das geht doch gar nicht, oder?

      Der eine bekommt halt mit 25 Jahren schon Krebs, der andere halt mit 80 Jahren. In ihrem 20. Lebensjahr können es beide doch nicht wissen und die Versicherung doch auch nicht.
      Und was passiert, wenn man den Krebs schon 5 oder 10 Jahre los ist, muss man dann auch mehr zahlen für die Lebensversicherung?

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  4. Mona

    Wow, du hast dir so viel Mühe gemacht etwas zu erklären, was eigentlich gut verständlich ist.
    Das finde ich gut. Vielleicht verstehe ich irgendwann irgendwelche deiner Aussagen auch nicht und du erklärst sie mir dann. Das wär echt lieb.

    Ich hab schon eine Frage: Wieso verkürzen Depressionen das Leben laut den Versicherungen? Gehen die Versicherungen davon aus, dass sich alle depressiven Menschen irgendwann umbringen? Ich stelle mir vor, es gibt viel mehr Depressive, die am liebsten tot wären, aber sie es trotzdem nicht tun und sich mit ihrem Leben weiter abquälen. Selbstmord gilt ja bei den meisten Familien als etwas, was „man nicht tut“. Also genauso „verboten“, wie jemand anderen zu töten.

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    1. Deli

      @Mona: Als Betroffene kann ich gerade nur für das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung sprechen:

      Da ist es so, dass Depressionen und andere psychische Erkrankungen momentan mit die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit sind. Daher werden die Leute abgelehnt.
      Das lange Gesicht von versicherungsvertretern ist dabei immer goldig…haben jemand Anfang 20 vor sich sitzen (klasse Material!) und können dem nichts verkaufen.

      Allerdings ist es meines Wissens nach so, dass man 5 Jahre nach Ende einer Therapie (medikamentös oder andere) eine Chance hat, doch eine abschließen zu können.
      Es gibt auch einen einzigen Anbieter, der auch versichert, wenn man in Behandlung ist (allerdings nicht, wenn man Medikamente erhält). Die Beiträge sind aber n Relation zu der herauskommenden Zahlung so niedrig, dass man das auch gleich direkt auf ein Sparkonto zahlen könnte…
      Ich habe zum Glück den Vorteil, ein Versorgungswerk zu haben, dass zumindest bei 100% Berufsunfähigkeit zahlt. Das ist mehr, als viele andere Betroffene haben.

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    2. Nick

      Gehen die Versicherungen davon aus, dass sich alle depressiven Menschen irgendwann umbringen?

      Für Versicherungen stellt sich die Frage etwas anders: „Müssen wir für die Gruppe der Depressiven mehr leisten als für die Gruppe der Nichtdepressiven? Wenn ja, dann lohnt es sich auf diese Kundengruppe zu verzichten.“

      Da interessiert der Einzelfall erstmal nicht. Auch med. Zusammenhänge interessieren erstmal nicht, die Erkenntnisse werden meistens aus eigenen Statistiken gewonnen und es geht auch nur rein um statistische Größen. Das Geschäftsmodell der Versicherungen ist es, Risiken auf alle Versicherungsnehmer zu verteilen.

      Erst dann, wenn es darum geht neues Kundenpotenzial aufzutun wird geschaut, ob man innerhalb der Gruppe der Depressiven vielleicht doch einige risikoarme Kunden findet.

      Der abgewiesene Kunde findet es natürlich unfair, weil er ohne Ansehen der Person kurzerhand in eine Schublade einsortiert wird. Er wird als bloße statistische Größe behandelt. Andererseits will der Kunde möglichst günstige Tarife, und die sind eben nur machbar wenn die Versichung ihren Kundenstamm möglichst risikoarm hält.

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    1. Dummerjan

      Einige Anmerkungen: Was DU schreibst unterstellt, daß alle Versicherungen das gleiche Modell und die gleiche Population haben. Haben sie aber nicht.
      Mit anderen Worten: Die Argumente gelten nur eingeschränkt.
      Die Frage ob eine Versicherung den BMI für relevant erachtet ode r nicht hängt eben vom Modell und der Population der Versicherten ab, die diese Versicherung betrachtet.

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      1. Ich wollte sagen, dass der Versuch einer genauen Risikoeinschätzung bei Versicherungen nichts neues sei, sicherlich werden dort unterschiedliche Maßstäbe angelegt, der BMI kann einer davon sein.

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  5. Hotte

    Erst gestern war ich auf einem Fachtag zum Thema Entstigmatisierung und habe erfahren, dass statistisch gesehen jeder Dritte mit einer F-Diagnose rumläuft, also als psychisch krank gilt.
    Wenn dem so wäre, dann würden die Versicherungen also auf die zwei Drittel der Bevölkerung als Kundschaft beschränken, die sich nicht in Behandlung begeben.
    Ob sich das langfristig betrachtet wirklich auszahlen wird?

    Ich denke, da wird dem Suizidalen in der Praxis dann doch eher die Sterbegeldversicherung verkauft als die Lebensversicherung. Es gibt ja mehr als ein Produkt, das so ein Versicherungsvertreter in petto hat…

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  6. Den Versicherungen ist Kausalität egal, sie betrachten nur Korrelationen. Ist eine starke Korrelation zwischen messbarem Wert (hier: BMI oder Restlebensdauer nach diagnostizierter Depression) vorhanden, fließt dieser in die Tariffindung ein. Welche Versicherung jetzt welches Modell genau verfolgt und welche Maßstäbe wie genau einfließen wird sicher ein Firmengeheimnis sein, sicher ist jedoch, dass es einfließen wird. Es gibt z. B. auch eine Korrelation zwischen Einkommen und Sterberisiko, warum? Es gibt m. W. nur Mutmaßungen, ist die Korrelation stark genug wird es aber trotzdem mit einfließen. Wichtig bei einer Lebensversicherung ist ja aus Sicht des Versicherres nicht warum die Menschen sterben, sondern dass sie nicht vor Vertragsende sterben, damit der Vertrag einen positiven Deckungsbeitrag abwirft.

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  7. Hannelore

    Zum Thema Kaloriendefizit kann ich das Buch „Satt essen und dabei abnehmen“ von Prof. Schudziarra empfehlen, gehört zwar thematisch nicht unbedingt hierher, aber es würde den Kommentar von ganz oben ergänzen. Bei mir brachte dieses Buch und Fettlogik 10Kilo in 6Monaten

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