Adipositivity & Fa(c)tacceptance

Eben las ich einen Artikel zum Adipositivity-Projekt einer Fotografin, die mit dem Ablichten adipöser Menschen Körperliebe promoten möchte. Der Artikel war natürlich wie üblich begeistert („beautiful“, „stunning“, „inspiration“). – Dabei stieß ich auf den Kommentar einer Frau, die in ihrem Profil angab, einen Abschluss in Psychologie und Women’s Studies zu haben, also vermute ich, eher feministisch angehaucht ist. Den Kommentar fand ich richtig gut, und ein tolles Beispiel dafür, wie Körperliebe positiv umgesetzt werden kann, auch und gerade im feministischen/ fatacceptance Kontext.

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Währenddessen schlägt die SPD ins Gegenteil und geht in den Negativ-Fatacceptance-Modus, mit der Leugnung der Risiken von Übergewicht. Ich hatte hier bereits über den Beschluss „Keine Chance für Fatshaming – Es den Dicken leichter machen“ berichtet, und in den letzten Tagen versuchte Ernährungsepidemiologe Dr. Gunter Kuhnle die SPD ins Gespräch zu bekommen. Über mehrere Tage schickte er Daten und Informationen, bis er schließlich aufgab:

In der Tat. Sehr schade.

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9 Gedanken zu “Adipositivity & Fa(c)tacceptance

  1. Erna

    Twitter ist für die SPD (und generell wohl für die meisten in den meisten großen Parteien) eine reine Einbahnstraße zum Ausstrahlen von PR.

    Antworten gibt, wenn überhaupt, nur der Politikstudent, der als Praktikant in der parteinahen Stiftung oder dem MdB-Büro arbeitet und schon mal die Parteitreue übt.

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  2. Hana Mond

    Schade, dass es immer auf ein entweder-oder hinauslaufen muss: Dicke Körper schön finden dürfen oder die Gesundheitsschädlichkeit von Übergewicht realistisch beurteilen. Warum geht nicht beides? Ich kann auch einen dicken Menschen schön finden und ihm trotzdem sagen: „Ich fände es gut, wenn du abnehmen würdest, und würde dich dabei unterstützen.“
    Eine Fataccaptance-Bewegung, die sagt „Auch wenn es ungesund ist, kann Dicksein auch schön sein“, die Körper- und Selbstliebe predigt und auch übergewichtige Körper positiv betrachtet, ohne die Risiken zu leugen, das wär mal was …

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    1. Mona

      So wie ich verstanden habe, verstehen viele die Fatacceptance so, dass Dicksein schön aussehen und toll sein kann, aber das Dünnsein schlimm ist und schlecht aussieht. Wieso sollten sie sich dann bemühen ins Normalgewicht zu kommen, wenn sie dann aus der liebevollen Fatacceptance-Welt ausgestoßen werden und ganz allein dastehen? Ich denk, da reicht es nicht zusagen, dass sie dann mehr gesunde Jahre haben später später sterben, weil sie ihre jetzigen Fatacceptance-Freunde nicht verlieren wollen und deswegen dick bleiben.

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    2. Es geht ja eigentlich gar nicht um das Aussehen, sondern darum, daß wider besseren Wissens behauptet wird, Körpergewicht hätte nichts mit Gesundheit zu tun (und die Datenlage sei widersprüchlich). Ein wenig erinnert mich das an die Diskussion zum Sicherheitsgurt, Rauchen und Impfen – die Datenlage ist schon recht eindeutig, wird aber ignoriert und von interessierter Seite werden Zweifel gestreut.

      In den meisten Ländern der Erde (und auch der WHO) wird Übergewicht als eines der großen Probleme der Zukunft angesehen – insbesondere Entwicklungsländer leiden darunter (u.a. auch solche, bei denen man eigentlich eher an Unterernährung als Hauptproblem denkt). Übergewicht erhöht das Risiko für zahlreiche Krankheiten die später teuer behandelt werden müssen und die meisten Ländern versuchen intensiv, dagegen anzugehen (siehe z.B. die Diskussion um Zucker in England oder den USA).

      Natürlich kann man argumentieren, daß jeder das Recht hat, sich selbst zu schädigen – das ist eine Diskussion, die man bei fast allen Interventionen hat; und die Frage ist nicht einfach zu beantworten – obwohl die Mehrheit derer, die diese Frage stellen, kein Problem mit Gurt- oder Helmpflicht hat. Gesundheit ist aber ein etwas komplizierteres Gebiet und für viele Menschen ist es schwierig, langfristige Risiken vernünftig abzuschätzen (wieviele derer, die behaupten, Übergewicht sei nicht gesundheitsschädlich sorgen sich vor gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln, Aspartam oder Kernkraft?).

      Hat eine Gesellschaft die Pflicht, einzelne Mitglieder vor Risiken zu bewahren – ggf auch gegen deren Willen? Meiner Meinung nach schon, besonders dann, wenn diese Risiken nicht offensichtlich sind. Das faszinierende am Beispiel der SPD ist, daß die SPD eigentlich kaum eine libertäre Partei ist die eine Einmischung des Staates per se ablehnt.

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      1. > Das faszinierende am Beispiel der SPD ist, daß die SPD eigentlich kaum eine libertäre Partei ist die eine Einmischung des Staates per se ablehnt.

        Erzähl. Wirklich? Die SPD ist eine totalitäre, kommunistische Vereinigung, die sich ab und zu mal libertär gibt? Wirklich? Boah, das ist total neu für mich.

        Ich finde an Deinem Post das Zusammenwerfen von diversen Themen nicht in Ordnung, also konkret Übergewicht, Rauchen und Impfen, Gurt- oder Helmpflicht, gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln, Aspartam oder Kernkraft. Es vermischt Themen individueller Entscheidungen mit Themen, die Dritte betreffen und Themen, die ggf. nachfolgende Generationen betreffen. Das ist doch Unsinn.

        Nimm mal das Beispiel Kernkraft: Da ist ja nur das Müllproblem ein reales solches; die Betriebsrisiken sind deutlich niedriger als bei zB Windkraft (selbst mit Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima gibt es mehr Windkrafttote als Kernkrafttote). Denn: Grundsätzlich könnte man ja man den ganzen Müll in irgendeiner gottverlassenen Gegend in Glas eingießen und in einem Wellblechschuppen in der Sahara lagern, und dann stellt man alle 100m in einem 1km-Radius einen Soldaten hin, der halt alle erschießt, die da hinwollen. Braucht man bei 8h-Schichten beeindruckende 180 Soldaten für – das ist nichtmal einer pro Land. Und mirwegen verhundertfachen wir das, ergänzen Panzer und ein russisches S400-System, ist immer noch kein Zehntel dessen, was an der Nord-Südkoreanischen Grenze Poker oder Majiang spielt. Da fehlt kein Problembewusstsein, da fehlt Lösungswille.

        Einen Schritt sanfter geht das mit gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln: Wo soll denn da das Problem sein? Ich meine, mirwegen verhungert halb Afrika, oder halb die ganze Welt, aber das Zeug hat halt tolle Erträge und so. Ob da jetzt ein paar Leute draufgehen, weil das gentechnisch veränderte Zeugs doch nicht so prickelnd ist ist ein kleiner Preis für die Unmenge, die draufgehen würde, wenn’s nicht da wäre.

        Der Rest wird dann schon individueller: Es ist natürlich seltsam, wenn ein Motorradfahrer, dem ein besoffener Arsch die Vorfahrt nimmt, eine Mitschuld bekommt, weil er keinen Helm getragen hat, aber das ist sicher kein Argument _für_ eine Helmpflicht. Dito Gurt. Gesetzte und Regeln – z.B. Vorfahrtsregeln – müssen klar und eindeutig sein. D.h., wenn Du jemanden halbtot fährst, weil Du Dich nicht an die Regeln gehalten hast, ist das halt _Dein_ Problem. Wenn Du Dich selber halbtot fährst, dito. Huh, Du bist mit Deinem Mottorrad auf einer Ölspur ausgerutscht? Mein, Dein Bier Fahr halt langsam.

        Das sind keine Dinge, für die ich ach so solidarisch einstehen will. Wenn wir das aber nun müssen, bedingt das immer krankere Vorschriften wie Dein „Hat eine Gesellschaft die Pflicht, einzelne Mitglieder vor Risiken zu bewahren – ggf auch gegen deren Willen? Meiner Meinung nach schon“. Das ist Scheiße. Anderer Leute Probleme sind anderer Leute Probleme. Mirwegen verrecken die, ist ihre eigene Verantwortung. Ich bin so solidarisch, dem verunfallten Motorradfahrer, dem irgendein Arsch die Vorfahrt genommen hat, mit oder ohne Helm seine Retung zu co-finanzieren, aber der entsprechende Arsch möge dann doch bitte jeden möglichen Cent zurückzahlen, bis er stirbt. Klar, könnte ein Unfall, Unachtsamkeit oder sonstwas gewesen sein, aber dafür wird es sicher Versicherungsanbieter geben.

        Für Zeugs, was nur Dich selbst betrifft, ist das ach so solidarische Konzept nur eine Einladung zu „give me more“. Und da hackst Du mit Aspartam (wtf?), Rauchen, Fettsein, Impfen und – ergänze ich mal – Saufen auf den Falschen rum. Solange die GKV es bezahlt, dass sich irgendwer seinen Schwanz abschneiden lassen will, rede ich darüber nämlich _kein Wort_.

        tl;dr: > Natürlich kann man argumentieren, daß jeder das Recht hat, sich selbst zu schädigen

        Ja. Aber dann soll er halt ggf. auch verrecken; ist sein eigenes Problem, nicht meines. Persönliche Freiheit – _das_ wäre libertär! Aber dazu gehört halt auch persönliche Verantwortung. Zumindest für einen selbst.

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      2. Zwei Anmerkungen zum Thema Kernkraft:
        – das mit dem Endlager ist ein brauchbarer Plan für vielleicht ein paar hundert Jahre, aber im Prinzip braucht man eine Lösung für ein paar hundertausend Jahre. Wenn man sich mal überlegt, was in den letzten 100000 Jahren so passiert ist frag ich mich schon, wie man sicherstellen will, daß in ein paar Tausend Jahren niemand drüber stolpert, der nicht weiß, was das ist
        – das viel realere Betriebsrisiko ist ein monetäres. Ein Super-GAU ist arschteuer, seriöse Schätzungen gehen so bei 100 Milliarden langsam los. Ich meine, was passiert, wenn es einen ordentlichen GAU z.B. in Brokdorf gibt? Mit ein bisschen Pech ziehts nach Hamburg. Die paar Toten sind egal, Menschenleben sind billig. Die Krebsfälle sind schon teurer, siehe Tabakkonzerne, aber auch eher schwer nachzuweisen. Was aber richtig teuer wird sind die entwerteten Immobilien, das kann bei einer verstrahlten deutschen Großstadt schon in die Billionen gehen. Und das Problem ist, daß das keiner zahlt. Die Energiekonzerne sind dagegen mit ich meine so 5 Milliarden versichert, das reicht natürlich hinten und vorne nicht. Zusätzlich könnte man den verantwortlichen Konzern enteignen (wird aber niemand machen, wär ja Kommunismus oder sowas), auch das wird nicht reichen.
        Also werden die Kosten schön sozialisiert (aka. die Betroffenen bleiben größtenteils drauf sitzen). Die Alternative wäre eine passende Versicherung, aber das geht wie gesagt in Größenordnungen, die auch große Rückversicherer überfordern und es würde den „billigen“ Atomstrom brachial verteuern.

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      3. @Björn: Auch wenn ich Dir grundsätzlich gerne Recht geben würde, ist das so halt eine recht naive Vorstellung. Mein Vorschlag funktioniert – sehr günstig – solange er aufrecht erhalten wird. Man kann das Zeug ja alle 100 Jahre mirwegen in eine neue Wellblechhütte und neu in Glas eingießen. Wenn er nicht mehr aufrecht erhalten wird, haben wir eh irgendein apokalyptisches Endzeitszenario, da ist dann das bisschen Atommüll kein nennenswertes Problem. Vor allem weißt Du aber nicht, ob wir in 100 Jahren nicht vielleicht schon soweit sind, aus dem furchtbaren Atommüll niedliche Katzenbabyembryonen zu molekularmodifizieren (oder sowas).

        Und mit den Kosten… da ist Fukushima mit unter 200 Milliarden Euro aktuell das teuerste; Tschernobyl war recht günstig und in Sellafield wie Three Mile Island ist ja kaum was passiert.

        Also rechnen wir mal: Fukishima ging 1971 mit 4,5 Gigawatt Leitung ans Netz und lief 40 Jahre, das macht 1,57 Billiarden kWh Strom. Jetzt 200 Milliarden (geschätzte, auch zukünftige Kosten) macht 12,6 cent/kWh. Wenn jetzt statistisch seit der Nutzung der Kernkraft jedes 100ste (es gibt 438) Kraftwerk währen 50järiger Nutzungsdauer hochgeht, nimmt z.B. der deutsche Staat für die 12,4 cent Ausgaben für das hochgegangene Kraftwerk 100mal 2,05 cent (Stromsteuer von sowohl dem hochgegangenen als auch den 99 funktionierenden Kraftwerken) ein. Das sind 6% Ausgaben. Ich würde das als Privatunternehmen jederzeit anbieten, 94% Gewinn sind fuck geil, und 2 cent/kWh sind gar nichts. Kernkraft bleibt, egal wie Du es rechnest, verdammt billig.

        Wofür gibt es denn sonst Stromsteuern? Weil es das Recht des Staates ist, jeden Dreck zu besteuern, ohne dass man dafür eine Gegenleistung hat? So ist das System nicht gedacht… hoffe ich zumindest.

        Natürlich muss man solche Fälle einplanen, d.h., Kraftwerke _nur_ in die Pampa bauen. Aber übertriebene Panikmache ist vor allem aufgrund fehlender Alternativen m.E. der falsche Weg – schau, Hiroshima hat heute knapp 1,2 Mio. Einwohner.

        So, ich bin dann mal offline. Frohe Feiertage.

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  3. aranxo

    Ihr unterschätzt den Weitblick und die Weisheit der Genossen! Angesichts des wachsenden Demographie-Problems und der auch von der SPD vorgenommenen Aushöhlung des staatlichen Rentensystems, müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um denjenigen, die das Rentenalter noch erreichen, ein halbwegs erträgliches Auskommen zu sichern.

    Von daher ist es dringend erforderlich, schon im Vorfeld die Zahl der zukünftigen Rentenempfänger auf ein geeignetes Maß zu reduzieren. Die Unterstützung von diskriminierten dicken Menschen trägt damit nicht nur zum sozialen Frieden bei, sondern entlastet mittelfristig auch spürbar die Rentenkassen. Eine Win-Win-Situation also.

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