Übergewicht in den Medien: Black Mirror S1E2

Als ich heute „Black Mirror“ sah, dachte ich, dass es eine interessante Sache sein könnte, die Thematisierung von Übergewicht in den Medien hier im Blog hin und wieder aufzugreifen.

Gestern stieß ich auf Netflix auf die Serie „Black Mirror“, und wollte eigentlich nur kurz reinschauen, weil ich schon ziemlich erschöpft war vom Crosstrainern und keine Energie mehr für eine weitere Folge hatte… dachte ich. Denn Black Mirror fesselte mich direkt derartig, dass ich locker die 45 Minuten durchhielt und schon überlegte, die zweite Folge ebenfalls anzugehen.

Die Serie erinnert stark an „Twilight Zone“, sie besteht aus einzelnen, in sich abgeschlossenen Folgen, die in unterschiedlichen (offenbar oftmals dystopischen) Realitäten spielen.

Folge 2 „Das Leben als Spiel“ muss der Großteil der Menschen auf Fahrrädern Strom erzeugen, um die Gesellschaft zu versorgen. Der erzeugte Strom bringt ihnen Guthaben, das sie dann u.a. in Essen investieren können. Im ersten Moment ist dabei nicht ganz klar, ob es sich hier um eine extrem fitnessfixierte Gesellschaft handelt, der Sinn und Zweck des Strampelns wird erst im Laufe der Folge deutlich.

Übergewicht ist offensichtlich in dieser Gesellschaft sehr verachtet und wird mit „Faulheit“ und nicht ausreichender Leistung gleichgesetzt. Wer nicht genug Leistung erzeugt (und dick ist) wird zum Putzdienst verdonnert und in einen gelben Anzug gesteckt. Diese Menschen scheinen die niedrigste Gesellschaftsschicht zu sein und werden verächtlich „Zitronen“ genannt. In virtuellen Ballerspielen sind sie eine Art Zombies, die man brutal niedermetzeln kann und in Gameshows werden sie gedemütigt. Das Thema Übergewicht ist nicht der Hauptbestandteil der Folge, und kommt eher am Rande vor, ist aber dennoch interessant und stellt vermutlich eine Überspitzung unserer heutigen Zeit dar.

Hierbei ist spannend, dass das Gewichtsthema wohl ausschließlich mit Leistung assoziiert ist, denn Gesundheit scheint in dieser Welt keine große Rolle zu spielen, abseits der körperlichen Leistungsfähigkeit. Gut erkennbar daran, dass das Hauptnahrungsmittel offenbar eine Art Zuckerwasser darstellt, das der Protagonist sinngemäß als „Teufelskreis“ beschreibt, da es süchtig mache und man dann wieder aufs Rad steige, um mehr Zuckerwasser trinken zu können. Andererseits erwähnt die andere Hauptdarstellerin, dass es eine kognitive Therapie gäbe, die im Schlaf das Verlangen nach gesunder Nahrung suggeriere.

Ich fand das Thema Übergewicht recht gut in Szene gesetzt, und  realistisch, in einer Gesellschaft, in der es offenbar nur darum geht, möglichst viel Strom durch Radfahren zu erzeugen. Ich denke, im Endeffekt war es als Kritik an heutiger Dickendiskriminierung (und Leistungsgesellschaft) gemeint, denn der größte Unsympath in der Geschichte ist gleichzeitig der größte Dickenhasser. Es gibt gleich zwei Mal eine Szene, in der eine weibliche „Zitrone“ aus dem Putzteam gerade dann hinter ihm steht, wenn er einen Porno sieht, und beides Mal bringt er lautstark zum Ausdruck, dass ihre Spiegelung ähnlich wirke, als würde man Bilder aus Kriegsschauplätzen zwischen den Porno schneiden, und dass er teuer für seinen Porno bezahle.

Wer kein Netflix hat und die Folge ansehen will, hier habe ich sie auf englisch gefunden:

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3 Gedanken zu “Übergewicht in den Medien: Black Mirror S1E2

  1. Oje, ob ich da schon wieder ne neue Serie gefunden habe? Twilight Zone bzw. Outer Limits fand ich immer hammergeil. Wenn es da jetzt was neues genau nach der selben Art gibt, muss ich mir das ansehen!

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    1. pufaxx

      Keine Sorge, es gibt nicht sonderlich viele Folgen – also kein „Zeitfresser“ wie so manche andere Serien.

      (Das Weihnachts-Special fand ich übrigens auch seeehr gut …!)

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  2. SirFoomy

    Gerade die ersten beiden Folgen auf Netflix geguckt. Hatte ich wegen der Beschreibung schon länger auf „Meine Liste“, und jetzt musste ich einfach mal reingucken. Ich schätze ich hab eine neue Serie gefunden. 😉

    Zu der Folge: Ich hab das die Folge so verstanden, dass sie eigentlich unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält. Vollgestopft mit geistigen Dünnschi… ständig auf der Suche nach einer Möglichkeit andere schlecht zu machen um das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. (Siehe Castingshows.) Und mit einer Vorliebe für die unnötigsten Sachen. Und keiner kann entkommen. Keiner darf entkommen, denn sonst bricht das ganze in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Ich bin kein Psychologe aber ich denke die Metaphern in der Folge sind IMHO perfekt gewählt. Jeder der Strampler steht für einen Menschentypus. Genial.

    Ich werde die Serie auf jeden Fall weiterschauen.

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