Die dicke Identität

Im September letztes Jahr habe ich endlich ein lange geplantes Vorhaben umgesetzt: Eine Radtour von meinem früheren Studienort zu meinen Eltern (ca. 80km). Ich hatte das mit 20 schon mehrfach versucht und bin jedes Mal gescheitert und musste abbrechen. Als ich dann bis auf 150kg zunahm, wurde diese Radtour so eine Art Symbol für alles, was so ausser Reichweite schien: Fitness, Aktivsein, überhaupt in der Lage, auf einem (normalen) Rad zu sitzen.

Im September war es dann so weit und ich machte mich mit ca. 80kg auf den Weg – erfolgreich.

radtour

Während der Tour hatte ich eine Menge Zeit für Grübeleien, und irgendwann erfand ich mir eine Geschichte. In meiner Geschichte war ich mein Leben lang schlank und super sportlich, und hatte im letzten Jahr durch eine Knie-OP und die Inaktiviät zugenommen. Nun fühlte ich mich zu dick und war wieder dabei, auf meine normalen 63-65kg zu kommen. Ich stellte mir vor, wie es sei, mich mit dieser Geschichte irgendwelchen Zufallsbegegnungen vorzustellen und wie es sich anfühlen würde, eine ganz andere Rolle zu spielen. Nicht die zu sein, die immer mollig, dick oder adipös war.

Gestern war ich bei einer neuen Ärztin, da meine alte Hausärztin aufgehört hat. Irgendwann bei der Untersuchung meinte sie plötzlich ganz überrascht: „Sie haben viel abgenommen!!!“ und offenbar war ich nicht enthusiastisch genug, denn sie begann mir einen kleinen Vortrag zu halten, dass ich doch mal stolz auf mich sein solle, und dass das doch ganz toll sei und überhaupt, das muss man ja erst mal schaffen, und warum ich mich nicht mehr freue.

Wenn ich mich zurück erinnere, mit 20, als ich kurzzeitig für wenige Monate normalgewichtig war, fühlte ich mich immer (ex)dick. Wenn ich meine Spiegelung zufällig in einer Scheibe sah, erkannte ich mich selbst nicht. Äußerlich war ich schlank, innerlich nach wie vor dick.

In „Fettlogik“ hatte ich kurz über die „dicke Identität“ in Verbindung mit Fettlogiken gesprochen, und mir fällt immer mehr auf, wie diese „dicke Identität“ mittlerweile weg ist. Nicht weil das Gewicht weg ist, sondern weil die Fettlogiken weg sind. Mit 20 glaubte ich nach wie vor daran, dicke Gene, einen schlechten Stoffwechsel und sonstige „dicke Veranlagungen“ zu haben, und sozusagen eine dicke Person mit dünner Tarnung zu sein. Heute fühlt sich das anders an, irgendwie neutraler. Ich bin ich, und eine lange Zeit war ich „ich + Übergewicht“, jetzt bin ich „ich“.

Demnächst steht ein größerer Umzug an, und ich merke, wie ich mich darauf freue, irgendwo neu anzufangen, wo Nachbarn und das Umfeld mich so kennenlernen. Versteht mich nicht falsch, es stört mich nicht, über mein Übergewicht zu sprechen und ich schäme mich nicht oder will es verheimlichen. Wenn es sich ergibt, werde ich es sicher erzählen (verheimlichen geht ja auch schlecht, wenn man ein Buch darüber geschrieben hat), aber ich freue mich einfach darauf, wenn Leute mich so wahrnehmen, wie ich mich selbst wahrnehme, nicht mehr als die (ex)dicke sondern als „ich“.

Ich denke, mein mangelnder „Stolz“ hat etwas damit zu tun, dass ich mich eben nicht (mehr) wie jemand fühle, der eigentlich dazu geboren ist, dick zu sein und nun unter Aufbietung aller Energie den verdammten Set Point unmöglich tief nach unten drückt.

Wie geht es euch mit dieser Thematik? Hat „Fettlogik“ oder das Abnehmen einen Einfluss auf eure (dicke) Identität? Hattet ihr als Übergewichtige überhaupt so etwas wie eine „dicke Identität“?

45 Gedanken zu “Die dicke Identität

      1. Dann vote ich Ruhrgebiet (da gibt’s sicher auch was für ‚anständige‘ Leute, auch wenn Lolli vor eingerichtet Zeit darauf verwies, dass da nur der Abschaum der BRD haust), ich finde die Region charmant. Und wenn das Geld arg locker sitzt ist Köln schon auch geil… Oder Worpswede, da haben die Supermärkte am Sonntag bis um 16 Uhr geöffnet xD

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      2. Jemand

        Köln ist in den Stadtrand-Stadtteilen zwar auch schon teuer, aber irgendwie noch bezahlbar, solange man nicht für eine 5-köpfige Familie sucht. Und das direkte Kölner Umland ist teils noch schöner und gleich deutlich günstiger. 🙂
        Von den Menschen her kann ich Göttingen (und das Umland) übrigens auch wärmstens empfehlen. Lebendig, offen, freundlich… 🙂

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    1. Schreibe einen zehnseitigen Text mit einer Nebeninfo und alle fragen nur nach der Nebeninfo 😀

      Ja, das Renovieren wird jetzt halt abgebrochen und das Haus wieder verkauft. Ein bisschen schade wegen des Hauses, aber ich bin froh, die 800qm Garten los zu sein. Das nächste Haus wird keinen Garten haben^^

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      1. Oh mann, tut das grad gut zu hören 😀 Hab seit Monaten ein schlechtes Gewissen, weil mich ständig Leute davon überzeugen wollen, ein Haus zu kaufen und am besten noch ein altes Bauernhaus renovieren oder so. Und ein Teil von mir fühlt sich zwischendurch fast verpflichtet, weil ich ja könnte. (Ist natürlich Bullshit. Ich bin handwerklich so begabt wie ein Bürostuhl und habe nicht mal auf meine 20 qm Garten irgendwie Bock.) Dein Kommentar macht mein unsicheres Haus- und Gartenarbeit hassendes Herz gerade sehr glücklich ^^

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      2. Mona

        Michael M., du hättest ruhig eine Triggerwarnung schreiben dürfen! Balkon ist ein wunder Punkt bei mir. 😛

        Gibt es solche Bücher?
        Ich hätte auch große Probleme mit der Arbeit, wenn ich eine große Fläche zu pflegen hätte. Ich mag aber große Zimmer, die einfach viel Luft enthalten und nicht so viel Krimskrams. Mein Freund ist das Gegenteil: Er stellt alles voll und nutzt jedes bisschen Raum bis alles fast aussieht wie ein Lager. Er besitzt einfach sehr viel Zeug und ich nur das Nötigste. Vielleicht wäre ein Umzug auch was für mich, wo ich alle Räume leer genug machen kann und Oberflächen schön frei halten kann. *schwärm* 😀

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      3. Kuttel Daddeldu

        >> Gartenshaming, Balkonacceptance

        😀 😀 😀

        Tom weist den Weg: zur Hälfte mit Haus, Garage, Terasse, Holzlager usw. bebaute überschaubare 390qm statt ein paar tsd – das war durchaus schon befreiend. In Zukunft werde ich weiter reduzieren, auch i m Haus und dann im Alter frei vom Ballast genau das um mich haben, was ich wirklich brauche.

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      4. Damit große Gärten nicht so stressen gibt’s nur eins: alle Bäume fällen, Unterholz rausreißen, grubbern, schleppen, Rasen aussäen. Dann musste nur noch einen Rasenmähertrecker kaufen und ab und zu Runden drehen. Es sei denn, man entwickelt die Idee, dass der Rasen makellos sein muss, dann hat man wieder Stress.

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      5. Funktioniert nur, wenn man beim Anblick der Wildnis keine Schuldgefühle spürt, dass man das eigentlich ja mal in „Ordnung“ bringen wollte 😉 Das Roden ist halt die Option, das „ich muss das aufräumen“ im Hinterkopf zu ersticken, ohne dabei etwas zu schaffen, dass intensiver und kreativer Pflege bedarf (wie zB mehrstöckige Blumenbete, Weidensitzecke plus Gemüsegarten xD)

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  1. Ich habe seit Monaten einen Entwurf über genau das Thema in WordPress, vielleicht sollte ich den endlich mal zu Ende schreiben. Bin zwar noch nicht „fertig“ mit dem Abnehmen, aber man kann ja immer Teil 2 raushauen.
    Die Tendenz das eigene Leben retrospektiv (oder auch näher dran, durch regelmässiges Tagebuch führen) zu narrativisieren treibt mich schon länger um. Ich mach mir mein Selbst, widdiwiddiwie es mir gefällt 🎤🎶 interessant zu lesen, dass/ob und wie so etwas bei anderen abläuft.

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    1. Um näher auf den Post Bezug zu nehmen: dicke Identität war (ist?) vorhanden, fettlogik hat sowieso einfach fast alle meiner Perspektiven verschoben (inklusive derer auf meinen Kern) und das Ergebnis ist noch nicht raus. Tendenz geht zu einem Bruch mit der fetten Seele.

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  2. Ich tue mich schwer, mich als „normalgewichtig“ vorzustellen (da trennen mich noch 12 Kilo von der oberen Kante), da es sehr lange her ist, dass das mal real war. Vielleicht hab ich sogar gewisse, unbewusst ständig wirkende Bedenken, dann weniger „gewichtig“ zu sein – keine Ahnung.
    (Zur Zeit mache ich Krafttraining, was das weitere Abnehmen fürs erste nicht leichter macht…)

    Kürzlich hab ich eine „Naturschlanke“ kennen gelernt und im mehrstündigen Zusammensein wurde mir sehr klar, dass ich nie und nimmer sein werde wie sie, selbst wenn ich das mit dem Gewicht hinkriege.

    Üblicherweise sitzt man bei solchen Besuchen viele Stunden um den Tisch und redet – doch sie motivierte zuerst zu einem längeren Spaziergang. Dann am Tisch stand sie alle paar Minuten auf, um Tee zu machen, Kakao zu bereiten, Kastanien im Ofen zu braten, Kekse und Schokolade ran zu holen – sie hatte einen vollen Vorratsschrank und stand massiv auf Süßes, dem sie auch ordentlich zusprach. Sie zeigte ihre Wohnung, nahm überhaupt JEDE erdenkliche Gelegenheit wahr, vom Stuhl aufzustehen und sich zu bewegen – während wir 2 Besucher da saßen wie angegossen, das Süßzeug jedoch gewohnheitsmäßig weitgehend ignorierten.
    Als wir gingen, begleitete sie uns ein Stück weit… eine Frau in ständiger Bewegung, die deshalb essen kann was und wieviel sie Lust hat, auch „Ungesundes“… sie ist und bleibt schlank, richtig schlank!

    So werde ich niemals werden, das ist offenbar ein angeborenes anderes Temperament.

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    1. Mona

      Oh, solche Naturschlanken kenn ich gar nicht. Die wuseligen Leute, die ich kenne, sind nicht wirklich schlank. Ich glaube bei denen ist das so, weil sie halt so wuselig sind, dass denen mal aufräumen und mal irgendwohin gehen nichts ausmacht, scheuen die auch keine Mühe sich was Schönes zu kochen oder eine zweite und dritte Portion zu holen und zwischendurch mal zu essen.

      Die Schlanken, die ich kenne, können ewig lang wie angewurzelt an einem Fleck sitzen, dabei zappeln sie vielleicht, aber deren Schlank“geheimnis“ ist einfach, dass sie nicht so oft Hunger haben oder den Hunger sogar vergessen und dass sie schnell satt sind, dann brauchen sie wieder ne Weile bis sie wieder Lust auf Essen haben.

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      1. Delilah

        Ich kenne eine von diesen Wuseligen, die leider an sämtliche „Fettlogiken“ glaubt…sie würde ja mehrere Tausend Kalorien am Tag futtern.
        Erstens: Istt sie zwar hochkalorische (sie trinkt gezuckerte Kaffeesahne pur, igitt!), aber nur kleine Mahlzeiten und langsam (Mein Freund und ich essen in gleicher Zeit das doppelte wie sie).
        Dazu ist die Kellnerin (entsprechende Laufstrecken) und besteht fast nur aus Muskeln…
        Behauptet aber steif und fest, ihr Stoffwechsel wäre „einfach superbesonders“.

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  3. Ja, es hat absolut etwas verändert. Ich hab mich vorher auch gefühlt wie eine, die zum Dicksein verurteilt worden ist und nur unter „unmenschlichen“ Bedingungen normalgewichtig sein kann. Daher hat es mich immer sehr verletzt, wenn ich Kommentare über mein Übergewicht bekam oder allgemein über Dicke gesprochen worden war, weil ich mich sofort angesprochen gefühlt hab.
    Einfach die Tatsache: Ich bin zu dick, weil ich zu viel gegessen hab, ist so nüchtern, dass ich überhaupt nicht mehr verletzt sein kann. Mein Zustand ist veränderbar. Ich bin ja immernoch übergewichtig, aber das ändere ich ja! 🙂 ich sehe mich grad so: Ich + normalgewichtig in spe

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  4. yannaba

    Über das Thema habe ich schon viel nachgegrübelt, weil ich da sehr zwiegespalten bin. Ich war ja bis Mitte 20 sehr schlank. Außerdem bin ich sehr eitel und achte sehr auf mein Äußeres. Als ich dann plötzlich so viel zugenommen habe, war es eher so, dass mein altes „schlankes Ich“ jedesmal völlig fassungslos und hilflos war, wenn ich in den Spiegel geschaut habe.

    Ich habe mich jahrelang fast nicht mehr vor die Tür getraut. Bis ich mich irgendwann dann doch daran gewöhnt habe, und ich ein „dickes Ich“ entwickelt habe. Trotzdem ist mein „schlankes Ich“ nie ganz weggewesen und ich war immer mal wieder total geschockt, wenn ich ein besonders unvorteilhaftes Foto gesehen habe oder mich mal in eine Umkleide im Kaufhaus gewagt habe (die Spiegel des Grauens – ich habe daher fast nur noch online Klamotten gekauft). Deswegen war ich quasi auch immer auf Diät, weil ein Teil von mir das eben einfach nicht akzeptieren wollte.

    Jetzt wo schon ganz gut abgenommen habe (na gut, ich habe noch einiges vor mir) merke ich, wie ich mich selbst wiederfinde, so komisch das klingen mag. Ich fange wieder Hobbies an, die ich früher als schlanke Person hatte – die aber zum Teil absolut überhaupt gar nichts mit dem Gewicht zu tun haben (also, ich hätte die als Dicke auch pflegen können).

    Im Spiegel erkenne ich mich langsam selbst wieder und ich werde tatsächlich von Woche zu Woche glücklicher, fühle mich wohler und bin mit mir und meinem Leben mehr und mehr im Reinen.
    Auch andere „zwanghafte“ Verhaltensweisen werden immer weniger.

    Manchmal bekomme ich das Gefühl, dass das alles zu gut um wahr zu sein ist und fürchte mich fast schon ein wenig davor, wo das alles hinführt…

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    1. Mona

      Bei mir ist das sehr ähnlich, dass ich mich als Übergewichtige nicht erkannte und jetzt als Normalgewichtige wieder erkenne.

      Ich hatte aber nie ein „dickes Ich“ entwickelt. Ich war immer geschockt und hab mich immer gefragt, wo ich selbst geblieben bin.

      Mein „schlankes Ich“ ist aber auch immer sehr seltsam gewesen. So Sachen, die ich nicht zu meiner Zufriedenheit verändern kann: verhältnismäßig dicke Beine und schlechte Haut, haben mir mein Leben immer schwer gemacht. Mein schlankes Ich war sehr skinnyfat und einfach schlapp/schwach. (Zusätzlich hatte ich damals mehr als 10 Jahre Eisenmangel immer wieder, das ist auch für schlanke Menschen total schrecklich immer müde zu sein. Da erkannte ich mich auch nicht wieder.)

      Ich erkenne mich jetzt wieder und fühle mich wie ich.

      Ich hab eher das „skinnyfat Ich“ und das neue „sportliche Ich“. Ich wollte schon in der Grundschule ein „sportliches Ich“ aufbauen, aber ich bin damit immer wieder gescheitert, weil ich zu oft krank war oder nicht das Richtige für mich gefunden hab. Erst mit Mitte 20 hab ich das langsam wirklich geschafft und gemerkt, dass ich nicht immer so super-schwach sein muss. Ich kann auch sichtbare Muskeln haben und sogar schwere Sachen anheben und neuerdings kann ich sogar ein bisschen Joggen. 30 Minuten Laufen fällt mir so furchtbar schwer, obwohl ich ohne Probleme eine ganze Aerobic- oder Zumba-Stunde aushalte. Ich möchte das sportliche Ich beibehalten und weiter abnehmen, damit die skinnyfat Person in mir nicht mehr da ist und nur die sportliche Person da ist, von der Einstellung her. Vielleicht sieht man mir sogar irgendwann an, dass ich gerne Sport mache. Das finde ich immer schön, wenn man jemandem anmerkt, dass er Sport macht. Es muss ja nicht sein, dass ich in jeder Lebenslage Sport mache, aber dass ich immer wieder dahin zurückfinde und meine eigene Kraft und Beweglichkeit spüre, das ist mir wichtig.

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      1. Bei mir ist es anders, so ein bauchbeinepo Kurs plättet mich total, 1 Stunde Crosstrainer bringt mich zwar zum schwitzen und keuchen, aber ich stoppe halt „einfach“ die Bewegung nicht und ziehe durch. Bei Kursen habe ich immer sie Versuchung zu sagen, ich kann nicht mehr, oder dass ich kurz Pause machen muss. Einfach mal kurz anhalten ist ja kein Ding. Allerdings schriebst du auch 30 Minuten „laufen“, nicht crosstrainer. Ich traue mich nicht aufs Laufband. Erstens weil ich die Bedienung nicht kenne (aber das wurde mir auch schon erklärt von Katinka Bell – oh Mann ich habe gerade in diesem Moment deinen Namen verstanden. Wow. Lange Leitung.) und weil ich mich vor einem sprunghaften Anstieg des Schwierigkeitsgrades fürchte. Ist natürlich albern, wenn ich ernsthaft abnehmen und Sport machen will (ich will natürlich eigentlich die Art cardio machen, die am meisten reinhaut, verbrennungstechnisch), aber mir graut es so davor, auf dem crosstrainer auf Stufe 12 mit 160er Puls 60 Minuten durchziehen zu können und dann nach 15 Minuten vom Laufband zu kippen xD und ich habe leichte Gelenkprobleme auf meiner rechten Körperseite, Ellenbogen und Knie knacken und wabbeln gern, ein weiterer Grund, erstmal auf den crosstrainer zu gehen. Aber vielleicht würde es ja trotzdem gehen. Hat schon mal jemand den Wechsel von crosstrainer nach Laufband vollzogen hier?

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      2. Mona

        Auf dem Laufband war ich noch nie. Ich hab früher paar mal einen Crosstrainer ausprobiert. Das war schrecklich, ab Minute zwei dachte ich, dass ich sterbe und nach 10 Minuten spätestens hab ich aufgegeben. Zum Aufwärmen hat es gereicht. 🙂

        Ich glaube, wenn ich ein Laufband ausprobieren wollen würde, würde ich zuerst nur Gehen und schauen, wie das alles geht. Ich glaub auch nicht, dass ich direkt loslaufen würde. Es ist auch ganz gut langsam zu laufen. Wenn man seine 30 bis 60 Minuten (Grundlagenausdauer oder so?) aushält, kann man die Geschwindigkeit steigern.

        Ich laufe meistens Kreise entweder beim Ausgleichstraining mit anderen in einer Sporthalle oder einfach draußen. Der Unisport hier hat eine Finnbahn, das soll gelenkschonend sein, weil auch wenn man falsch aufkommt (mit der Ferse), man immernoch abgefedert wird und nicht das Knie den Schlag abbekommt. Auf einer Leichtathletikbahn kann ich aber auch laufen. Ich glaub, sie ist aus Gummi, sie federt auch ein bisschen. Laufschuhe puffern sowieso. Ich weiß nur noch nicht, was ich davon halte viel Stabilität zu haben, weil ich immer denke, dass ich dadurch kleinere Muskeln am Fuß nicht trainiere und falls ich sie mal brauche, mich eventuell verletzen könnte.

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      3. Closer Than Yesterday

        @maunzendemaus:
        Wenn du Gelenkprobleme hast, dann würde ich das mit dem Laufband nicht unbedingt machen, da Laufen die Gelenke und Knie schon stark belastet. Zumindest hört sich das nicht so gut an, wie du es jetzt schreibst. Genaueres kann natürlich nur ein kompetenter Arzt für den Einzelfall sagen. Wobei ich trotzdem denke, dass man grundsätzlich auf seinen Körper hören muss. Ein OK vom Arzt hilft nichts, wenns trotzdem weh tut.

        Ich habe allerdings selbst die Erfahrung gemacht, dass sich manche Beschwerden auch verringern bzw. ganz weg gehen, wenn man seine Muskulatur eine Weile gut trainiert, in dem Fall sind gerade die Muskeln in Knienähe wichtig. Wenns jetzt Probleme macht, würde ich dir den Automatic Motion Trainer empfehlen, sofern du die Möglichkeit hast, den irgendwo zu nutzen. Das ist schonender als ein Laufband, jedoch gezielter als der normale Crosswalker. Fahrrad fahren im Wald (am Besten mit kleinen Bergen) ist auch ein super Cardio-Training als Alternative.

        Was die Umstellung angeht, würde ich mir sonst nicht so viele Gedanken machen. Dann fängst du eben mit kürzeren Zeiten an, ja und? Nimm dir einen Trainingsplan, schau auf die Herzfrequenz und notier deine Ergebnisse und du wirst garantiert schnelle Fortschritte machen. Es muss vor allem ja auch Spaß machen. Es hilft nichts, wenn du zu Hause am Crosswalker gelangweilt bist und lieber durch die Natur laufen würdest. Da lohnt sich die Umstellung allein deshalb!

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      4. Der crosstrainer steht im Studio und es ist irgendwie dämlich, aber draußen laufe trau ich mich nicht. Habe keinen laufpartner und würde abends gehen, wobei ich mich allein im Park im Dunkeln fürchten würde. Naja, aus der Innenstadt erstmal in schöne Natur kommen, ne 😉
        Automatic Motion Trainer google ich mal.
        Und mit dem knie sollte ich tatsächlich mal zum Arzt… Ich denke, es ist das Resultat einer nie behandelten Verletzung von vor… 10 Jahren? Eine Lehrerin hat mich trotz knieschmerz zu 9 Stunden wandern in tiefschnee und langlaufski gezwunu 😀 juhu. Seitdem Patellaluxation, denke ich. Knie wabbelt, springt aber nie ganz raus. Fühlt sich periodisch so an, als müsste ich es einknacken lassen, aber es gibt nur ein Druckgefühl…

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  5. Lustig, wie man solche Gefühle manchmal erst reflektieren kann, wenn jemand etwas Ähnliches erzählt. Bei mir waren beide Identitäten, die schlanke und die übergewichtige, nicht besonders konstruktiv… Erst habe ich mich viel zu lange als Schlanke „mit ein bisschen zu viel Bauchspeck im Moment“ wahrgenommen. Damit konnte ich das Problem schön runterspielen, schließlich war ich doch immer irgendwie schlank und das würde sich schon wieder einrenken, vor allem wenn ich wieder Sport machte. Und es wurde schleichend Kilo um Kilo mehr…
    Irgendwann habe ich dann eingesehen, dass das so bald nicht mehr passieren wird und es wohl das beste sei, wenn ich mich jetzt so akzeptiere. Bin ich halt etwas übergewichtig, „echte Frauen haben Kurven“ und sich wiegen ist ja sowieso total unfeministisch. Oder so. Als ich kein Auto mehr hatte und nur noch mit dem Rad zur Arbeit gefahren bin hab ich dann erstmal relativ unbemerkt abgenommen. Lustigerweise hab ich mich zu dem Zeitpunkt aber schon so sehr (und im Rückblick vielleicht etwas melodramatisch) als dicker identifiziert, dass es auf meine Außenwelt irgendwann total absurd gewirkt hat, wie ich über mich spreche. Gerade dickere Bekannte haben wohl öfters gedacht „die spinnt doch und will nur Komplimente fischen, wenn sie sagt, sie sei so unsportlich“ – denn ich sah ja, vor allem in gut sitzender Kleidung, schon längst wieder schlank aus. Nur eben für mich selbst nicht. Total bescheuert.
    Das ist übrigens etwas, was ich glaub ich erst mit dem Lesen von „Fettlogik“ wirklich ablegen konnte. Mich als mich zu sehen und das Körperfett eben als Körperfett – das steigt bei weniger Aktivität und mehr Chips und sinkt bei mehr Sport und weniger Pizza mit Käserand. Es definiert mich nicht mehr sondern ist einfach ein Zustand, auf den ich Einfluss haben kann, wenn ich will. (Danke!)

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  6. noxneurotica

    Da ich nie wirklich Übergewicht hatte, hatte ich nie eine dicke Identität, dafür eine beschönigenende schlanke Identität. Ich hielt mich für ‚gesundes Mittelmaß‘, obwohl ich schon am oberen Ende des Normalgewichts war und sicher zu viel Körperfett hatte. Dass nach unten hin doch noch viel mehr Luft war als angenommen wurde mir erst klar als ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigte. Leider wurde mir dann klar, wie mein Gewicht wirklich war und ich entwickelte ein negativeres Selbstbild. Ich habe zwar auf BMI 21 abgenommen, habe aber anteilig immer noch zu wenig Muskelmasse. Jetzt also die ’skinnyfat/untrainiert‘-Identität, die schwer ist abzulegen. Ich fühle mich nicht wie jemand, der mal ein total aktives sportliches Leben führen wird. Aber ich weiß, dass das nur die Wahrnehmung ist. Ich arbeite dran.

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  7. Magenta

    Ich habe vorher schon zwei mal mit Diäten viel abgenommen (je 25-30 kg) und war dann
    für eine gewisse Zeitspanne schlank oder zumindest normalgewichtig.
    Jetzt wo ich den Beitrag lese merke ich, dass meine Identität tatsächlich immer dick war.
    Für mich gab es 2 Lebensentwürfe: entweder normal essen und immer dick sein oder
    jeden Tag mein Gewicht und meine Nahrungszufuhr zu kontrollieren bis an mein Lebensende.

    Kein Wunder dass dieser „Kampf“ dann immer irgendwann scheiterte. Wer hält schon eine
    ständige eiserne Selbstkontrolle durch? Deshalb habe ich auch immer alle Kleidergrößen
    aufbewahrt (in Säcken auf dem Dachboden) von Größe 38 bis 52.
    „Wenn ich wieder dick werde, wird es nicht so teuer, als wenn ich alles neu kaufen muss.“,
    dachte ich.

    Ist es diesesmal anders? Hmmm, die dicke Identität ist noch nicht verschwunden, aber mein
    Denken hat sich schon verändert. Ich habe die Sachen, die zu groß sind, alle ausrangiert
    und glaube inzwischen, dass es meine persönliche Entscheidung ist, wieviel ich wiege.
    Aber ab und zu kommen mir schon noch Zweifel, ob es wirklich auf Dauer funktioniert.
    Deshalb bin ich froh, dass es diesen Blog hier gibt.

    Inzwischen habe ich 24 kg abgenommen, noch 6 kg bis zum Normalgewicht. Zur Zeit führe
    ich in meinem Umfeld die Diskussionen von der Sorte:
    „Du brauchst kein Gramm mehr abzunehmen, du siehst toll aus, du bist doch schon super
    schlank, du musst doch nicht hundsderre werden, das sieht nicht gut aus … u.s.w.
    Es nervt sehr und Familienmitgliedern kann man nicht wirklich aus dem Weg gehen.
    Andererseits kommen auch Komplimente, die mir guttun.

    Ich hoffe, wenn ich mein Wunschgewicht erreicht habe, dass sich meine dicke Identität
    dann für immer verabschiedet.

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  8. Mittlerweile denke ich auch, es ist für mich wesentlicher, das Selbstbild als Sportmuffel (das ich schon IMMER hatte, egal wie dünn/dick ich grade war) zu verlieren und es durch „Ich bin stark und trainiere gern“ zu ersetzen. Zu meinem Erstaunen gelingt mir das derzeit in ersten Ansätzen – und das schon nach nur 6 Stunden mit einem Trainer und dazwischen nur wenig Single-Training. Ich fasse es kaum, wie drastisch und schnell die Kraft mehr wird…

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  9. Hmm, ich habe mich bis zuletzt eigentlich nie wirklich dick gefühlt sondern groß/breit/stark (siehe Fettlogik). Mir wird jetzt erst im Nachhinein bewußt, daß ich zwar ziemlich stark war aber nicht so stark wie ich mich optisch gefühlt habe.

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    1. ichichich

      Dito. Wobei ich auf Fotos und Videos aus der Zeit durchaus etwas aufgeschwemmt aussehe, gerade im direkten Vergleich zu jetzt. Ich habe das in der Vergangenheit auf Verzerrung durch die Kameraoptik und Beleuchtung zurückgeführt.

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  10. nessii

    Ich habe seit 2013 50kg abgenommen, von 114kg auf 64kg, was bei meiner Größe von 1,63m gerade so Normalgewicht ist.
    Allerdings habe ich immer noch einen KFA um die 35%, die überschüssige Haut wabbelt mit dem Restfett um die Wette. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich jemanden, der immer noch dick ist. Nicht mehr so fett wie vorher, aber auch sicher nicht normalgewichtig. Ich erwarte insgesamt durchaus, dass ich mein Gewicht bei 64-66kg ohne größere Probleme halten kann (mache ich zumindest aktuell seit 2,5 Monaten).
    Bei Gesprächen, bei denen es um Übergewicht geht, fühle ich mich trotzdem jedesmal angesprochen und will mich (bzw. „meine Gruppe“) verteidigen. Ich komme mir auch irgendwie wie ein Betrüger vor, wenn ich jetzt neue Menschen kennenlerne, die mich nie fett gesehen haben. Da ist irgendwie immer das Bedürfnis da, denen die alten Bilder zu zeigen à la „Das bin ich übrigens wirklich“. Denn genau so fühle ich mich. Das „dicke Ich“ ist meine wahre Identität, auch wenn ich jetzt offiziell einen BMI unter 25 habe und behalten will.

    Am meisten stört mich an dieser Sichtweise, dass sie mich aktuell daran hindert, sportliche Fortschritte zu machen und den KFA zu senken. Denn da kommt oft genug der Gedanke „Du hast das Ziel doch erreicht, das ist quasi nur noch die Kür, was du da vorhast.“ Die 64kg waren mein langfristiges Ziel und irgendwie hat es mein Hirn noch nicht verstanden, dass ich eigentlich mit „KFA senken auf 20-25%“ schon wieder ein neues Ziel festgelegt habe. Irgendwie kommt da auch im Hintergrund eine Stimme, die fragt: „Wann sind wir denn endlich fertig?“ Und dass ich da drauf aktuell nichts Zufriedenstellendes antworten kann, frustriert mich ungemein. Denn wer sagt denn, dass ich – nur weil ich regelmäßig Krafttraining betreibe und meinen KFA senke – wirklich eines Tages so aussehen werde, wie ich gern aussehen würde. Mit definierten Armen, Ansätzen eines Sixpacks, ohne Schwabbel… Dieses Bild scheint mir SO unrealistisch, dass ich gar nicht erst versuche, es zu erreichen. So gesehen bin ich immer noch „Die Dicke“ und ich fürchte, das wird auch so bleiben.

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    1. Mona

      Vielleicht brauchst du ein anderes Ziel, damit du dir selbst glaubst?
      Also statt „Ich werde so und so viel Körperfettanteil erreichen.“ könntest du sagen „Ich lasse nie mehr als 3 Tage ohne Sport vergehen.“ Ausnahmen sind natürlich Krankheit, bei der man keinen Sport machen kann und geplante Auszeiten, die man wirklich schon Wochen vorher festgelegt hat, wie den Jahresurlaub von der Arbeit.

      Je nach Sport kannst du dir auch dort Ziele setzen. Bei Gewichten das Ziel „Ich werde immer so viel Gewicht nehmen, dass ich höchstens m Wiederholungen schaffe.“ oder sowas, damit man sich immer wieder herausfordert. Oder EMN mit ihrem Crosstrainer kann sich ja auch immer vornehmen, Schwierigkeitsstufe x, Geschwindigkeit y und Dauer z.

      Ich glaub, Ziele für 1 bis 2 Wochen sind ganz gut, wenn man es geschafft hat, nimmt man den nächsten Schritt. Beim Sport ist das Ende ja offen bis man keine Lust mehr hat oder keine Zeit mehr oder ein Leistungssportler geworden ist. 😀

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  11. Pingback: Fundstück: Falscher Alarm bei “Fettlogik überwinden” | Geschlechterallerlei

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