Bestimmt wegen der Fettröllchen.

Mir wurde wiedermal ein Artikel mehrfach zugeschickt, wie immer, wenn etwas auf einer hoch frequentierten Seite besonders viel Fettlogik enthält. Diesmal war es der feministische Blog „Mädchenmannschaft“, der einen sarkastisch-ironischen Artikel über „gute Dicke“ postete.

In dem Artikel ging es viel um Meinungen, und da ich in den meisten Fällen eine komplett andere Meinung habe, könnte ich nun einen ebenso langen Artikel darüber schreiben, dass ich es anders sehe. Dann haben am Ende eben zwei Menschen auf zwei Blogs einen Artikel darüber geschrieben, dass sie eine Meinung haben, und als Leser kann man sich dann aussuchen, welche Meinung man nun lieber mag.

Ich denke, einen Mehrwert bringen eher Fakten. Also beschäftige ich mich einfach mit einem Mini-Ausschnitt aus dem Artikel, nämlich diesem…

Dick und Asthma? Tja, bestimmt wegen der Fettröllchen, die auf die Lungen drücken.

… der ironisch darüber spottet, dass Asthma auf das (Über)gewicht geschoben wird.

Ich schmiss also die Suchmaschine an, gab BMI, Weight & Asthma ein und schaute mal, was da so für Ergebnisse kamen:

  • Übergewichtige und adipöse Kinder haben ein 16-37% erhöhtes Asthmarisiko und wenn Asthma diagnostiziert wird, ist es im Schnitt schwerwiegender als bei normalgewichtigen Kindern (link)
  • Für Frauen ist der BMI ein signifikanter Risikofaktor für Asthma (link)
  • Adipöse haben eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit für schwere Asthmasymptome (link)

So ging das noch ein paar Seiten lang. Aber natürlich bedeutet das gar nichts, denn wer sagt denn, dass dem asthmatischen Dicken nun damit geholfen ist, wenn der Arzt zum Abnehmen rät?

  • In einem 10-wöchigen Abnehmprogramm bei asthmatischen Kindern verbesserte die Gewichtsreduktion deutlich die Asthmasymptome im Vergleich zur Kontrollgruppe (link)
  • In einem 3-monatigen Abnehmprogramm nahmen adipöse Erwachsene im Schnitt etwa 16,5kg ab und die Schwere ihres Asthmas reduzierte sich deutlich, das Lungenvolumen wurde besser und ihre Lebensqualität stieg an, im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Gewichtsverlust (link)
  • In einer Meta-Analyse verschiedener Studien zu Asthma und Gewichtsverlust war Abnehmen mit einer 48-100%igen Remission von Symptomen und Medikamentennutzung verbunden (link)
  • Nach 8 Wochen auf einer sehr niederkalorischen Diät und durchschnittlichem Gewichtsverlust von ca. 14kg verbesserten sich Lungenfunktion, Symptome, Sterblichkeit und Gesundheitsstatus bei Asthmatikern, und die Effekte blieben auch nach einem Jahr signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe (link)
  • Auch bei schweren Asthmatikern führt Gewichtsverlust zu einer signifikanten Reduktion der Symptome, und zwar nicht durch Änderungen der Entzündungsprozesse sondern durch besseres Ausdehnen der Lungen (link)

Auch hier: Das sind die ersten von buchstäblich hunderten Studien.

In den Kommentaren meldet sich dann eine Übergewichtige zu Wort, die den Artikel kritisiert und die Autrorin antwortet dazu:

fettIch weiß nicht inwieweit die Autorin selbst von übergewichtsassoziierten Erkrankungen betroffen ist, aber um ehrlich zu sein verstehe ich nicht, wie man es lustig oder angemessen finden kann, reale Erkrankungen wie Asthma, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen und sogar tödlich sein können, so ironisch abzutun und die tatsächlichen Krankheitsmechanismen (Fett drückt auf die Lunge und schränkt deren Funktion ein) zum Inhalt von Witzen zu machen und Betroffenen zu suggerieren, dass ihr Gewicht nichts mit ihrer Erkrankung zu tun hat.

Wo bitteschön ist es ein „Safe Space“, wenn man Menschen, die an Erkrankungen leiden, einredet, dass wirkungsvolle Maßnahmen ihnen nicht helfen? Mag sein dass ich da überempfindlich bin. Statt „Asthma“ könnte da ebensogut „Arthrose“ stehen.

Das Problem, das ich an der Stelle sehe ist, dass diese Meinung in gewisser Weise anschlussfähig ist. Die Meinung, dass „alles aufs Gewicht geschoben“ wird, ist bereits „mainstream“ und die meisten Menschen unterschätzen, wie stark Übergewicht auf diverse Erkrankungen Einfluss nehmen kann. Solche beiläufig spöttischen Scherze vermitteln Asthmatikern den Eindruck, als sei es total absurd, dass ihre Fettröllchen etwas mit ihren Atemproblemen zu tun haben könnten.

Und hier kommt es zur ungesunden Vermischung von Akzeptanz mit Verleugnung. Der „Safe Space“ besteht nicht darin, ein Klima zu schaffen, in dem Übergewichtige nicht abgewertet werden, sondern darin, dass Tatsachen nicht ausgesprochen werden dürfen. Diese Tatsachen  schaden aber real, und nicht nur in der Theorie. Ein übergewichtiger Asthmatiker könnte seine Symptome stark verbessern.

Mit 150kg war ich immobil, und litt darunter. Die Immobilität ging nicht dadurch weg, dass ich in einem SafeSpace war, in dem nicht darüber geredet wurde, dass mein Übergewicht mich immobil machte. Die unglaublichen Schmerzen beim Gehen ließen sich nicht durch flockig-spöttische Witzchen wie „Dick und Arthrose? Tja, bestimmt wegen der Fettröllchen, die auf die Knie drücken.“ beseitigen.

Die Folgen von Übergewicht sind real, und das wegzuleugnen schadet aktiv denjenigen, die darunter leiden. Die Unterschiede sind real:

diff
Welche Knie tun wohl weniger weh?

Und es hilft Betroffenen kein Stück, ihnen einzureden, dass sie nichts an ihren Krankheiten und Schmerzen ändern können. Die Fettröllchen drücken nämlich auf die Lunge, und das lässt sich nicht wegspotten.

30 Gedanken zu “Bestimmt wegen der Fettröllchen.

  1. Danke für deinen Blogartikel. Eigentlich geht Wertschätzung und Zuneigung (oder Freundschaft) doch gar nicht ohne die Sorge um seine stark adipösen Mitmenschen. Wenn ich jemanden gern habe, möchte ich doch, dass es ihm besser geht. Ich kann den Kampf nicht für die Person kämpfen, ich kann und will sie auch nicht unter Druck setzen, aber ich kann doch wenigstens aufhören, die Lage zu verharmlosen. Wenn eine Verbesserung der Symptomatik zwischen 48-100% bei Gewichtsreduktion möglich ist, dann wäre es doch fast ein destruktiver Akt, darüber zu witzeln, um dann besonders tolerant gegenüber einer diskriminierenden Minderheit zu wirken. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Wenn ich übergewichte Menschen verachte ist das doch etwas anderes, als wenn ich ihnen ein besseres Leben wünsche …

    Ich stelle einem drogensüchtigen Freund doch auch nicht sein Drogenbesteck hin und verziere und schmücke noch den Ort, an dem er sich einen Schuss gibt. 😦

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  2. Vielen Dank für den Artikel zum Artikel! 🙂
    Wir diskutieren den seit gestern in unserer AbnehmCom (komm doch auch rein?), dein (unfreiwilliger) Beitrag dazu ist super!
    AbnehmenCommunity: https://plus.google.com/communities/103281229793315627231

    Von deinem Buch hab ich letzte Woche das erste Mal gehört (begeistert! Wurde gleich rumempfohlen), deinen Blog sehe ich gerade erst. Ich hab dich gleich mal in unserem BlogRadar „AbspeckBlogger“ eingetragen, und auch unter „Abnehmen“ – ein paar Klicks mehr schaden ja niemandem. 🙂

    BlogRadar AbspeckBlogger:
    https://kochkatastrophen.blogspot.de/p/abspeckblogger.html

    BlogRadar Abnehmen:
    https://kochkatastrophen.blogspot.de/p/blogs.html

    Natürlich würde ich mich auch freuen, wenn Du das AbspeckBlogger-Logo bei Dir einbaust, aber das ist natürlich freiwillig.
    http://kochkatastrophen.blogspot.de/p/abspeckbloggerlogos.html
    Als Dankeschön spendiere ich dann noch einen Link auf der Startseite unter
    http://kochkatastrophen.blogspot.de/#verlinktvon

    Viele Grüße und ich les hier jetzt mal öfters rein,
    Marc 🙂

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  3. Litschi

    Das finde ich einen sehr schönen Eintrag! Ich finde, noch keiner deiner Beiträge hat so eindrücklich und verständlich dargelegt, warum du die Fatacceptance-Bewegung kritisierst.
    Toller und lehrreicher Eintrag! Mehr braucht man dazu nicht zu sagen!

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  4. Michael

    Moin! Ich beobachte seit Kurzem fasziniert Deinen Blog und mache mir Gedanken über das, was Du schreibst. Ich möchte mal loswerden, wie das ganze Thema auf mich wirkt, weil ich glaube, dass meine Perspektive recht speziell ist.

    Ich bin Physiker, und habe mir über Gesundheit nie viele Gedanken gemacht, auch weil mir das Thema oft zu unübersichtlich war. Es gibt so viele tieffliegende Meinungen, alle krampfhaft verfestigt, fast alle unbelegt, viele unplausibel und die meisten widersprüchlich – da hat mich das Ganze eher abgestoßen.

    Wie Körpergewicht, körperliche Aktivität und Nahrungsaufnahme zusammenhängen, leuchtete mir vor nicht allzu langer Zeit ein, als mir ein anderer Physiker eine Aufgabe gezeigt hat, die er Studenten stellt: „Angenommen, Sie wollten kurzfristig abnehmen und müssten sich zwischen zwei Handlungsoptionen entscheiden: Mehr Sport zu treiben oder weniger zu essen. Welcher Weg wäre effizienter? Tipp: Betrachten Sie die Energiedichte.“ Schlagartig war mir klar, was Sache ist: Ein kleines bisschen Nahrung, das in Sekunden verputzt ist, kann so viel Energieaufnahme entsprechen, dass es Stunden braucht, sie wieder umzusetzen. Die Nahrungsaufnahme zu reduzieren ist der wesentlich effizientere Weg.

    Auf mich selbst bezogen leuchtete dieses simple Modell auch bestens ein:
    Gewichtsentwicklung = Nahrungsaufnahme – (Grundumsatz + Aktivität).
    Ich habe nie ernsthaft meine Nahrungsaufnahme geändert, aber in Zeitern erhöhter Aktivität habe ich abgenommen (und mich darüber gefreut).

    Dann wurde ich auf Deinen Blog aufmerksam, weil Leute, die ich sehr schätze, Deine Arbeit loben. Was was Du schreibst ist für mich aber sehr schwierig nachzuvollziehen. Es gibt also eine „Fettlogik“ – okay, Logik klingt erstmal gut, worin besteht sie denn? Nein, halt, die Fettlogik ist etwas Falsches. Na gut, was besagt sie denn? Schwer zu sagen, denn viele Beiträge hier sind ironisch/sarkastisch und beziehen sich auf ebenso kryptische, zum Teil selbst ironisch/sarkastische(!) Vorwürfe. Es ist die Rede von gefährlichen Diäten, gutem/schlechtem Stoffwechsel, Fat Shaming (das wahlweise ein echtes Problem ist, kein Problem ist oder gar nicht existiert), „Hungermodus“ und lauter anderem wirrem Zeug. Die Links in irgendwelche Brigitte-Foren lassen die ganze Diskussion nur hysterischer, aber kein bisschen klarer erscheinen. Die Gemüter kochen hoch, es wird viel geschimpft und sarkastisch über Sarkasmus geschrieben, so viel war jedenfalls nach meiner ersten Recherche klar.

    Das Bild, das ich mir im Folgenden zusammenstückeln konnte, sieht so aus (und es würde mich interessieren, ob zutrifft^^): Die Gewichtsentwicklung hängt für die allermeisten Menschen hauptsächlich mit Nahrungsaufnahme und Aktivität zusammen. Sehr viele Menschen glauben aber, das wäre nicht so. Stattdessen wird von komischen Diäten erzählt, die in der Regel nicht funktionieren. Um das irgendwie zu erklären, werden mehr oder weniger abenteuerliche Thesen über den menschlichen Stoffwechel aufgestellt, und dabei zum Teil auch schlimme Gefahren an die Wand gemalt, die kaum real sind. Kommerz kommt mit ins Spiel, weil sich Diät-Heftchen und „Wunderpillen“ prima verkaufen. Den ganzen Komplex um diese Diäten, Wundermittel und die damit zusammenhängenden Theorien nennst Du „Fettlogik“, und Du prangerst sie an. Du möchtest die Menschen überzeugen, dass ihre Gewichtsentwicklung hauptsächlich mit Nahrungsaufnahme und Aktivität zusammenhängt. Dafür wirst Du aber auch hart angefeindet und setzt Dich dagegen zur Wehr. – Kommt das so in etwa hin?^^

    Wenn ja, dann kann man meine Perspektive vielleicht so beschreiben: Die *Lösung*, für die Du streitest, leuchtete mir schon vorher ein. Ich habe mich dann erst durch mehrere Schichten von Ironie und Ärger zum eigentlichen *Problem* vorgearbeitet, von dem ich (zwar dick, aber ein Mann) in meinem Leben glücklicherweise immer verschont geblieben war.

    Kurios! So richtig steige ich durch das Ganze immer noch nicht durch, aber mein Eindruck ist, dass es gut ist, dass Du für Aufklärung sorgst – zumal das, was die Gegenseite erzählt (und Du „Fettlogik“ nennst), zum Teil ganz albern bis abenteuerlich klingt. Für mich persönlich war das ein spannendes Rätsel, und eine Übung darin, einen mir völlig fremden Konflkt nachzuvollziehen 😉

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    1. Danke 😀 Dein Beitrag erinnert mich daran, endlich das drigend benötigte FAQ einzurichten.
      Vermutlich wird zu wenig klar, dass der Blog hier nur ein Zusatz zum Buch ist, also quasi eine Ergänzung für Leser. Einiges wirkt dann ohne das Vorwissen (Wie du sagst geht es u.a. um die Mechanismen von Ab- und Zunahme, aber auch um alle anderen Mythen, die man immer wieder liest – auf amazon gibt es eine Leseprobe, wo man sich die Kapitelüberschriften ansehen kann) möglicherweise unverständlich, merkwürdig, gemein….
      Die Gratwanderung ist (und dasgelingt nur bedingt), Neuleser nicht komplett zu überfordern und gleichzeitig nicht diejenigen, für die der Blog eigentlich da ist (Buchleser) damit zu langweilen, immer wieder erst die Basisinfos in jeden Artikel reinzufummeln.

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    2. lakritzhimmel

      Danke, Michael! Dank Überessen habe ich in letzter Zeit meine hart erarbeiteten 3kg wieder drauf (etwa 4% meines Körpergewichts und 33% meines Gesamtziels (nur damit keiner sagt, aach, 3kg ist ja nix.)). 😦 Deine rein physikalische Formel von „Gewichtsentwicklung = Nahrungsaufnahme – (Grundumsatz + Aktivität)“ hat mir mal wieder vor Augen geführt, dass ich nicht nur auf der Seite der Aktivität schrauben kann. Sondern meine Disziplin beim Essen muss wieder her.
      Außerdem: Danke, Nadja! Deinetwegen habe ich jetzt keine Angst mehr davor, in den „Hungermodus“ zu wechseln, meinen „Stoffwechsel zu ruinieren“ oder „auf jeden Fall!1!!“ dem Jojo-Effekt zum Opfer zu fallen. Dank dir habe ich jetzt Angst vor Fetteinlagerungen, die meine Gesundheit auf vielfältigste Weise beeinträchtigen können. 😀

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      1. Mona

        „Dank dir habe ich jetzt Angst vor Fetteinlagerungen, die meine Gesundheit auf vielfältigste Weise beeinträchtigen können. :D“

        Oh Jaaaaa, das kann ich auch unterschreiben. Aber es ist trotzdem sehr hilfreich das zu wissen.

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  5. well Mensch hab ich dir doch so getold, please sehr.

    Ich glaube ich brauche jetzt dringend einen „Sicheren Raum“ in dem ich vor all diesen fürchterlichen Anglizismen geschützt bin. Der Zitierte Text löst ja schmerzen aus.

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  6. Bernd der II.

    Hm. Ich war mir gar nicht sicher, ob der von dir zitierte Ausschnitt sich wirklich lustig macht über die Aussage, dass Fett die Lunge beeinträchtigt. Oder ob es nicht vielmehr um die Reaktion der Umwelt geht, die tatsächlich fragwürdig präsentiert wird.

    Aber zum Glück wird die Ambivalenz ja im zitierten Kommentar aufgelöst, in dem die Autorin ihre gesammelte Ignoranz unmissverständlich zum Besten gibt : )

    (Tatsächlich fällt es mir bei solchen Aussagen schwer, zu glauben, dass das ernst gemeint ist. Ich warte noch darauf, dass Fat Acceptance als von reddit gesendete Trollgruppe enttarnt wird. Es wird langsam Zeit.)

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  7. Erna

    Das Problem ist weniger der absurde Safe space noch die absurden „Triggerwarnungen“, sondern die Mentalität dahinter: Nicht gesellschaftsfähig zu sein ist nicht nur akzeptiert, sondern in Netzfeminismus-Kreisen sogar eine Auszeichnung.

    „Ich bin getriggert von einer Aussage, die meinen Überzeugungen widerspricht, ich muss mich jetzt in den safe space zurückziehen und drüber tweeten und bloggen“

    Die Vereinnahmung anderer (Netzfeministinnen meinen, für alle Frauen zu sprechen, übergewichtige Netzfeministinnen meinen, für alle Übergewichtigen zu sprechen) hat System.
    Ebenso das pauschale Verweigern der Meinungsfreiheit: „Du bist ein Mann, du bist bei Feminismusthemen disqualifiziert“, „Du bist cis-weiß, du hast still zu sein, wenn es um Transsexuelle geht“.
    Die definieren sich und andere nicht mehr über die Menschenwürde. Sondern über den Grad an Diskriminierung, dem sie unterworfen sind, an ihrer Opferrolle.

    Auffallend finde ich die schnoddrige Art des speziell deutschsprachigen Netzfeminismus. Von beiläufigen Abwertungen des Gegenübers (die eigene höhere Opferrolle legitimiert das) bis zurvollständigen Diskursverweigerung. Diese arrogante Immunisierung gegen Kritik durch ironische Vorwegnahme („Jaja, gleich kommt ihr wieder damit, dass deutlich mehr Männer sterben und obdachlos sind, totaaaal wichtig!“) und Stereotypisierung (… wie „gesellschaftskonforme, gute Dicke“). Die komplette Verweigerung von Logik („Bestätigung zeigt, dass ich Recht habe, Widerspruch meiner Gegner zeigt ebenfalls, dass ich Recht habe“).

    Allerdings bin ich inzwischen selbst zur Überzeugung gelangt, das Diskussionen mit diesen Leuten sinnlos sind. Effektiver ist die Strategie, die ich in diesem Blogposting sehe: Die Absurditäten für Dritte bloßstellen.

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    1. maSu

      Die definieren sich über vermeintliche Privilegien. Die Person, die nach gängigen Klischees darlegen kann, am wenigsten Privilegien zu haben, die hat den Opferstatus und damit Recht.

      Mann < Frau
      Heterosexuell < Homosexuell
      Weiß < Schwarz

      Und:
      Geschlecht < Sexuelle Orientierung < Hautfarbe

      D.h. homosexuelle Schwarze Frau = Trumpf

      Man kann das beliebig um weitere Abstufungen erweitern und noch Transsexuelle mit einbeziehen usw.

      Da wird es dann witzig: ein transsexueller Mann (also einer, der eine Frau sein will) hat nach meinen bisherigen Beobachtungen weniger Opferstatus als eine Frau, während die transsexuelle Frau wieder mehr Opfer ist, als die homosexuelle Frau …

      Uhm.

      Kann man daraus nicht ein Quartett machen :

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  8. MiataMuc

    Ich stimme dir völlig zu, finde aber, daß man irgendwie unterscheiden können müsste zwischen Feminismus und „Feminismus“. Die von dir geschilderten „Feministinnen und Feministen“ sind laut, verrrückt usw.. und dürften meines Erachtens nach denjenigen, die berechtigte Anliegen haben, massiv schaden.

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  9. käse

    Ich bin unentschlossen.

    Zum Zitat: „Gerade um einen „safer space“ zu kreieren, heißt das, dass wir gemeinsam Normen und Alltagswissen reflektieren, in Frage und manchmal auf den Kopf stellen. Wenn deine obigen Aussagen in deinen „safer space“ gehören, dann ist das toll für dich. Ich mach halt meinen eigenen Space auf!“

    Streng genommen wird das gleiche hier doch auch gemacht: Hier im Blog wird Alltagswissen (Fettlogik) reflektiert, in Frage gestellt, und manchmal auf den Kopf gestellt.
    Kritik daran ist zwar erlaubt, aber wehe es Kritisiert jemand das Buch, da kommt direkt das Trollkommando.

    ebenso hab ich nicht das Gefühl, dass der Artikel ein ganz anderes Hauptanliegen hat. (Auch wenn ich nicht zu den üblichen mädchenmannschaftlesern gehöre)

    Es geht um einen Charaktertyp, der als „der/die gute Dicke“ bezeichnet wird. Es werden ihm eine Summe an Eigenschaften zugewiesen. Ich les den Text allerdings nicht als eine Art Checkliste zum Abhaken, sondern an eine unbestimmte Masse an Eigenschaften, die aber nicht jeder einzelne haben muss.

    Weder die in dem Blog, noch hier im Blog, noch irgendeine Statistik kann genau sagen, ob im Einzelfall die Speckröllchen auf die Lungen drücken. Es mag statistisch gehäuft vorkommen, also ist damit durchschnittlich anzunehmen, dass es daran liegt. Muss aber nicht.

    Und wie ist das mit „dick und diabethes“? Oder „dick und depri“? Ja, kann im Einzelfall zusammenhängen, muss aber nicht.

    Dick und Schilddrüse? Hat nix miteinander zu tun. *ironie* *steht-im-Buch* *falscher-Kontext*

    Es kann sein dass ich den Text anders deute, weil ich anders als die hier lesenden mit Fatacceptance und auch der Autorin des Textes nichts zu tun habe, und deswegen neutral daran gehe.
    Für mich war die eigentliche Botschaft des Textes einen Stereotyp zu beschreiben. Wenn man sich an einzelnen Aussagen aufhängt, könnte es darauf hindeuten, dass man das Ganze nicht im Gesamtkontext sondern als Sammlung von Einzelaussagen verstanden hat.

    Die Kritikerin unter dem Text schrieb als ersten Satz:
    „Danke, dafür dass man als dicke Person mit Stoffwechselerkrankung auch noch hier beleidigt wird.“

    Was man so verstehen könnte, dass sie sich von Einzelaussagen angesprochen gefühlt hat.
    So wie der Rest des Textes den Eindruck bestärkt.

    Das die Autorin das dann versucht richtig zu stellen:
    „in meinem Beitrag geht es mir nicht darum, deine Haltungen / Lebensumstände / Aussagen abzuwerten, sondern darum, aufzuzeigen, wie sich bestimmte Haltungen / Lebensumstände / Aussagen in gesellschaftliche Normen einfügen.“

    Das suggeriert: es geht nicht um irgendeine naturwissenschaftliche Bewertung. Sondern eher um einen soziologisch geprägten Blick. Die Ausagen mit „dick und depri/diabethes/asthma“ haben in diesem Kontext nur Symbolwert. Es hätte genausogut jegliche andere Krankheit stehen können, die mit Adipositas korreliert.

    Wenn hier einer sagen würde „ich kann wegen meiner Schilddrüsenunterfunktion nicht abnehmen“ würde das doch ebenfalls kritisiert werden.

    Mit dem Typ „der gute Dicke“ oder „der schlechte Dicke“ verbunden würde das heißen:
    Der „gute Dicke“ hat Krankheit X, und kann deshalb nicht abnehmen. Er ist milde zu behandeln.
    Der „schlechte Dicke“ hat Krankheit X nicht, neigt zu Völlerei, ist Faul und Verfressen. Den können wir ruhig abwerten, der ist ja selbst Schuld. Der hat es so gewollt.

    Mit dem Zusatz, dass viele Menschen dem „guten Dicken“ seine Krankheit X zwar kurzfristig als Begründung akzeptieren, aber langfristig auch auf den „guten Dicken“ herabschauen.
    Übrigends: wenn der „gute Dicke“ (oder auch der „schlechte Dicke“) dann abnimmt, kommen Aussagen wie „jetzt reichts aber mal, du wirst noch magersüchtig“. Weil derjenige nun als „Konkurrent“ wahrgenommen wird, aus Neid oder einfach „Gewohnheit“. Hier im Blog kommt das Thema doch immer wieder auf, hier ist man irritiert darüber.

    Möglicherweise könnte es mit der unterschiedlichen Rollenwahrnehmung zusammen hängen. Die Rolle die man spielt ist nun eine andere, also zeigen viele sich irritiert, statt einfach mit geänderten Tatsachen umzugehen. So gesehen ist der Text der mädchenmannschaft eigentlich eine gute Ergänzung zu so manchem, was hier geschrieben wird. Er gibt die Möglichkeit, mal eine andere Perspektive einzunehmen.

    (Aber vermutlich kann ich das nur so positiv sehen, weil ich den Rattenschwanz an „schlechten“ Eigenschaften der Fatacceptancebewegung nicht verinnerlicht habe, und deswegen nur auf die für mich interessanten Elemente des Textes achte. Naja…Wahrnehmung ist selektiv)

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    1. noxneurotica

      Ich verstehe den Artikel so: Es wird kritisiert, dass man, um als Dicker ’normal‘ behandelt und akzeptiert zu werden, ständig beteuern muss, dass man weiß, wie schlecht Dicksein ist. Also prinzipiell, dass die Gesellschaft von jemandem, der einer Minderheit angehört, erwartet, dass derjenige sich am Spott über diese Minderheit beteiligt, ihn mit Humor nimmt oder sich ihm entzieht, indem er sich von anderen Mitgliedern dieser Minderheit abgrenzt. Eine durchaus angebrachte Kritik. Ich kenne das auch von Vegetariern/Veganern, die dann unter einem Vegetarierwitz auf Facebook gleich mal als vorauseilende Abwehr schreiben: ‚Ich bin Vegetarier und musste über den Witz lachen! Wir sind nicht alle humorlos ;)‘ Soll dann bedeuten: ‚Seht ihr, ich bin nicht so wie die Klischeevegetarier‘ So jemand wäre dann ein ‚guter Vegetarier‘, weil er andere nicht mit seiner Andersartigkeit ‚belästigt‘ oder Sonderbehandlung erwartet.

      Das ist eine soziale Dynamik, die ich auch etwas fragwürdig finde. Als Minderheit sollte man erwarten können, dass man nicht ständig die ‚Normalen‘ beschwichtigen muss, sondern dass man so genommen wird, wie man ist, ohne sich zu rechtfertigen.

      Insofern gebe ich dem Artikel recht. Was ich aber nicht unterschreibe, ist die Prämisse, dass man als ’schlechter Dicker‘ gilt, wenn man nicht selbstironisch ist oder den Willen zur Besserung kundtut. Ich habe auch schon oft erlebt, dass von Dicken überhaupt null erwartet wird, dass sie sich irgendwie ändern. Dass ihnen sogar davon abgeraten wird, abzunehmen. Dass ihr Gewicht nie jemals thematisiert wird. Vor was will man da einen Safe Space? Der Alltag heutzutage ist doch eigentlich schon der Safe Space. Zumindest in meinem Umfeld ist Gewicht so ein Totschweigthema. Zweites Problem, das ich sehe: die ‚guten Dicken‘ werden hier als Helden dargestellt, die ganz tapfer gute Miene zum bösen Spiel machen.
      Das verdrängt halt komplett, dass die Leute, die Probleme von Übergewicht aufzeigen, nunmal irgendwo recht haben und nicht die hochnäsigen Gazellen sind, die jeden Dicken prüfend anschauen und nach seinem Grund fürs Dicksein fragen. Ich habe mehr das Gefühl, der Rechtfertigungsdrang kommt da von den Dicken selbst. Und zwar nicht, weil sie gemobbt werden würden, wenn sie keinen guten Grund liefern können, sondern weil sie Angst vor einer Diskussion um das Thema Gewicht haben und es deswegen gleich abwehren wollen.

      Jemand, der wirklich an seinem Gewicht nichts ändern und zufrieden ist, hätte es nicht nötig sich bei den ‚Normalen‘ anzubiedern und muss es auch nicht. Zumindest hab ich nicht den Eindruck dass ein sozialer Druck zum Abnehmen herrscht.

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      1. noxneurotica

        Hm ja, stimmt wohl. Sorry, da war mein eigenes verzerrtes Hirn am Werk. Ich hatte immer das Bild vom wirklich Adipösen vor Augen, der ja noch eine Minderheit ist. Die ’nur‘ Übergewichtigen werden ja auch von der Allgemeinheit nicht als wirklich dick wahrgenommen, vielleicht als ein bisschen mollig. Ich hab aber auch irgendwie das Gefühl, dass sich Fat Acceptance gar nicht so sehr um alle Übergewichtigen dreht, sondern vielmehr um Leute kreist, die mit ihrem Gewicht stark auffallen oder eingeschränkt sind.

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  10. „Wo bitteschön ist es ein “Safe Space”, wenn man Menschen, die an Erkrankungen leiden, einredet, dass wirkungsvolle Maßnahmen ihnen nicht helfen? “

    Wie? der safe Space schützt gar nicht gegen die Realität? Dabei ist die doch sozial konstruiert??
    Die Studien sind natürlich auch nur Ausdruck des Thin Privileg. Hätten die Fataktistinnen durchgeführt, dann wären sie eben anders ausgefallen.

    Sprich: Der Safe Space ist etwas wie die finger in die Ohren stecken und „la la la“ singen

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  11. IULIUS

    Nur mal eine Frage zur Anatomie, sitzen die „Fettröllchen“ nicht an einer Stelle, an der sie beim besten Willen nicht mit der Lunge in Berührung kommen können?

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    1. Mona

      Ich dachte, wenn man Übergewicht hat (also zu viel Fett), hat man auch im Inneren „Fettröllchen“. Zum Beispiel ein verfettetes Herz ist doch größer, der Magen und der Darm wahrscheinlich auch. Dadurch bleibt doch weniger Platz für die Lunge und zusätzlich drückt von außen die Masse auf die Rippen, gegen die man anatmen muss, nicht?

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  12. Pingback: Gastbeitrag: Und dann hatte ich auf einmal kein Asthma mehr – Fettlogik überwinden.

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