Wird man als 150kg Frau anders behandelt?

Gesten habe ich per Mail mit einem Transmann ein wenig über Geschlechterkrams geredet, u.a. darüber inwiefern man als 150kg-Frau (anders) behandelt wird. Er meinte daraufhin „Das wäre vielleicht ein Thema, das im Fettlogik-Blog anzuschneiden auch mal interessant wäre? Wie äußert sich das, und warum bzw auf welche Weise wird man anders behandelt?“

Ich habe bisher nicht viel dazu geschrieben, was sich sozial geändert hat zwischen 150kg und 65kg.

Das liegt u.a. daran, dass ich es nicht wirklich greifen kann und keine konkreten Dinge benennen kann. Der Unterschied für mich ist weniger drastisch als man womöglich erwarten würde. Ich denke, der Großteil spielt sich innerlich ab. Ich bin in vielen Situationen entspannter weil dicke Alltagssorgen mich nicht mehr begleiten. Ich muss nicht mehr überlegen, ob Sitzmöbel mich tragen, ob ich für bestimmte Dinge mobil genug bin oder ob Kommentare kommen.

Dazu sei gesagt, dass soweit ich mich erinnere, in den letzten 10 Jahren kein einziger Kommentar zu meiner Figur kam. Dennoch war diese Anspannung da, hauptsächlich wenn ich mit meinem Mann unterwegs war. Ich hatte oft das Gefühl, wenn Menschen uns zusammen sehen, denken sie womöglich: „Was will dieser Mann denn mit DER?“ und irgendwo war wohl die irrationale Angst da, wenn das mal jemand laut ausspräche, würde auch meinem Mann auffallen, dass er etwas besseres haben könnte. Er selbst hatte mir das Gefühl nie gegeben, im Gegenteil, aber je mehr ich -und damit wir- durch mein Gewicht eingeschränkt war, desto mehr hatte ich ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, da wir vieles im Alltag nicht (mehr) machen konnten. Es war also mehr mein eigenes schlechtes Gewissen.

Aber an sich sollte es ja hier darum gehen, wie Fremde mich mittlerweile behandeln. Ich glaube, ich habe nach außen eine freundlich-distanzierte Ausstrahlung, irgendwie so in der Art „Wenn du mir nicht doof kommst, mag ich dich. Aber ein freundliches Lächeln reicht an sozialer Interaktion.“ – das hat sich nicht geändert und die Reaktionen darauf haben sich auch nicht sehr geändert.

Es kann Einbildung sein, aber ich meine, dass Frauen früher etwas offener mir gegenüber waren und mittlerweile manchmal etwas unsicherer oder unfreundlicher sind. Aber die Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen.

Bei Männern ist es ebenfalls eher ein Gefühl, denn konkret hat sich nichts verändert. Ich wurde noch nie besonders oft (oder überhaupt) angebaggert, gecatcalled oder sonstwie angesprochen. Diesen Sommer ist mir das einmal passiert beim Radfahren, als ein paar junge Männer im Auto vorbeifuhren und hupten und winkten. Aber grundsätzlich würde ich sagen, die Quote hat sich von „gar nicht“ zu „fast gar nicht“ verändert. Darüber bin ich froh, denn ich habe gerne meine Ruhe. Was sich -glaube ich- verändert hat ist die männliche Reaktion auf mein grundsätzlich freundliches Lächeln. Wenn mir Leute begegnen, lächle ich sie an sich immer kurz an, egal ob Kinder, junge Männer oder alte Frauen. Während früher die Reaktionen meist ähnlich ausfielen (freundlich zurücklächeln) meine ich jetzt bei gleichaltrigen Männen eine Art kurzes, überraschtes Zögern wahrzunehmen, so als würden sie sich fragen, was ich ihnen mit diesem Lächeln sagen will. Ich habe das Gefühl, sie reagieren jetzt eher geschmeichelt oder erfreut darauf, von mir angelächelt zu werden, während es ihnen früher gleichgültig war. Das ist aber eine rein subjektive Einschätzung und ich mag mich da irren.

Konkret hat sich nichts verändert, was ich irgendwie objektiv quantifizieren könnte. Das ist, wie gesagt, der Grund, warum ich dazu bisher trotz der gelegentlichen Fragen dazu, nichts darüber geschrieben habe. Es gibt Bereiche, in denen sich vollkommen andere Welten aufgetan haben, wie etwa Körpergefühl/Energie oder Sport/Feizeit, aber von der sozialen Außenwikung hat sich für mich absolut gar nichts verändert. Tut mir leid, dass ich da keine interessanten Berichte auf Lager habe, wie wahnsinnig anders mein Sozialleben nun geworden ist. Das müsste man vielleicht bei extravertierten Menschen beobachten, und nicht bei einem zurückgezogenen-introvertierten Typen wie mir.

Ich war allerdings auch nie unzufrieden-introvertiert, oder schüchtern weil ich mich (wegen meines Gewichts) unsicher fühle, sondern ich kann und konnte schon immer auf Menschen zugehen und Kontakte knüpfen – ich bevorzuge es nur meist, das nicht zu tun. Es ist also nicht so, dass ich nun selbstbewusster oder anders bin, oder ein anderes Auftreten hätte. Ich gebe zu, dass ich durch das Lesen feministischer Artikel über Belästigungen manchmal die Befürchtung hatte, als schlanke Frau nun plötzlich andauernd angesprochen zu werden, aber nope, nach wie vor habe ich meine Ruhe.

Ich schätze also, dass eine Abnahme es leichter machen kann, Kontakte zu knüpfen, wenn man sich vorher durch das Gewicht unsicher gefühlt hat, aber zumindest in meiner Erfahrung ist es nicht so, dass die Welt sich andersherum dreht, wenn man nur noch die Hälfte an Körpermasse hat. Wie ist es bei euch? Habt ihr andere Erfahrungen gemacht?

41 Gedanken zu “Wird man als 150kg Frau anders behandelt?

  1. Hier ähnliche Erfahrungen: Ich bin ein immer etwas verpeilter, freundlicher Mensch und trage gerne Kleider und Röcke, unabhängig vom Gewicht. Wenn ich in den oberen Rängen dümpel, sind andere Frauen freundlich und Männer gleichgültig. Wenn ich weniger wiege, sind Frauen zurückhaltender und Männer fast schon zudringlich und auch nur schwer wieder abzukriegen. („Sehen Sie nicht, dass ich gerade lese? Ich möchte mich nicht unterhalten. Wirklich nicht. Gehen Sie weg.“)

    Mich irritiert ein wenig, dass sich auch das Verhalten derjenigen ändert, mit denen ich seit längerem gelegentliche höfliche Interaktion habe … und die demzufolge in den letzten Jahren auch mitgekriegt haben müssten, dass ich, unabhängig vom Umfang, immer der gleiche Mensch bin. (In der Zeit, in der ich wieder zugenommen hatte, waren die Frauen dann übrigens auch wieder freundlicher. Merkwürdiges Volk.)

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      1. Mona

        Ich hatte auch eine langsame 15-kg Schwankung. Ich bin recht schüchtern. Dadurch sehe ich unterschiedlich aus. Wenn ich dicker bin, dann verstecke ich mich und habe unauffällige Kleidung, wenn ich ein Wohlfühlgewicht hab, dann ziehe ich mich hübscher an, hab vielleicht wildere Haare oder auffälligeres Make-Up.

        Ich finde auch, wie Frauen und Männer reagieren, hängt häufig vom Gewicht ab. Als schlanke Frau kann man gleichgültige Männer und freundliche Frauen „erzeugen“, indem man einfach schlecht angezogen, nicht hübsch frisiert und geschminkt ist (überlastet aussieht), weil die Leute dann irgendwie ein bisschen Mitleid haben, aber einem nichts Böses wollen. Man wird dann nicht mehr als Konkurrenz- oder Jagdobjekt gesehen. Das wird man ja sowieso nur, wenn man so rüberkommt als würde man sein Leben im Griff haben und ein tolles Selbstwertgefühl besitzen.

        Ich hatte nur ein Mal mit Übergewicht eine seltsame Situation, wo ich versucht hab den Mann abzuwimmeln. Das war am Hannover Hauptbahnhof, wo ich umsteigen musste. Ich sah schrecklich aus, weil ich ein wenig erkältet war, vor Müdigkeit kaum die Augen aufhalten konnte und allgemein miese Laune hatte. Da wurde ich plötzlich angequatscht, dass ich ja so toll bin usw. Ich weiß echt nicht, was das sollte, weil ich da nur sagen konnte: „Danke. Ich bin sehr sehr müde und meine Bahn fährt gleich.“ Damit er mich nicht weiter bequatscht, hab ich ihm dann auch noch klar gesagt, dass ich vergeben bin. Das ist sehr mutig von dem Mann fremde Frauen (in dicker Winterjacke) am Bahnhof anzusprechen, aber er muss mich doch trotzdem in Ruhe lassen, wenn ich kein Interesse habe.

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      2. @Mona: hihi, das erinnert mich an die erfahrung in einem englischen pub, als ich total erkältet war, aussah wie der tod auf urlaub und mich in meine dicke lederjacke gemummelt hatte, die taschen ausgebeult von gebrauchten tempos, und ein attraktiver junger engländer mich zum tanzen aufforderte. ich war in dem moment völlig überfordert. (er: „do you dance?“ ich: „sometimes.“ er: geht.) ich hab noch jahre später bedauert, nicht anders reagiert zu haben. deine reaktion find ich aber klasse, sie war zielführend und trotzdem freundlich.

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  2. Ich denke, die etwas verhalteneren Reaktionen der Damenwelt liegen schlicht darin begründet, dass du nun als unmittelbare Konkurrenz angesehen wirst.
    Während von einer Frau mit 150 kg normalerweise nicht allzu viel Gefahr ausgeht, egal wie hübsch und nett sie ist, sieht das bei einer Frau mit toller Figur schon ganz anders aus 😉

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  3. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt weniger angestarrt werde. Ich fahre oft mit öffentlichen Verkehrsmitteln und glaube ich werde anders angeschaut. Früher mit einem BMI von 43 war es entweder peinliches “Wegstarren”, so á la “Guck-bloß-nicht-zu-lange-die-große-Dicke da-an”, oder ab und zu, wirkliches Gaffen. Jetzt mit einem BMI von 22 ist es meistens eher ein kurzer registrierender Blick und ansonsten nichts was mir irgendwie auffällt.

    Ich kann allerdings nicht einschätzen in wie weit das alles wirklich objektive Beobachtung von mir ist, oder nur meinem Gefühlsleben entspringt. Aber das ist eine Sache die mir doch bewusst aufgefallen ist, als ich vor kurzem wieder länger in einer vollen Bahn unterwegs war.

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  4. Erna

    Mein eigenes Verhalten hat sich da eigentlich wenig geändert.
    Bei Menschen, mit denen ich wirklich zu tun habe (Freundes-&Bekanntenkreis, weiter gefasst Projekte, Fortbildungen, Klienten, usw) rückt das Körpergewicht in den Hintergrund, soweit es keinen direkten Bezug gibt. Zusammen mit Hautfarbe und zu großen Ohren.

    Bestimmten Situationen im Alltag empfinde ich als krasse Belästigung. Wenn der Sitzplatz in Bus&Bahn nicht ausreicht und ich von einem Oberschenkel einfach zur Seite gedrückt werde. Als noch unangenehmer würde ich höchstens stinkende Menschen (Körpergeruch, Aschenbecher, usw) einordnen.
    Wie jemand aussieht, der nicht in meine Distanzzone (und die ist im ÖPNV echt nicht groß) eindringt, ist mir relativ egal.

    Das sind natürlich nur die bewussten Reaktionen. Ja, stark übergewichtige Leute „starre“ ich länger an (Sekunden), aber eben deshalb, weil sie meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das kann ich nicht abstellen, ohne in das bekannte krampfhafte Nicht-Hingucken zu verfallen.

    Interessant ist hierzu der „Halo-Effekt“. Menschen schließen von bekannten Eigenschaften auf unbekannte, auch wenn es keinerlei Hinweis darauf gibt. Gutaussehende Menschen sind statistisch genau so häufig Arschlöcher wie hässliche, aber man schreibt ihnen unbewusst einen guten Charakter zu. Sie kriegen für die gleichen Leistungen bessere Bewertungen, geringere Sanktionen für Fehlverhalten und Verzeihen fällt einem auch leichter.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Halo-Effekt

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  5. jetzt hatte ich nach der Vorschau tatsächlich erwartet, der eingangs erwähnte Trans-Mann sei möglicherweise übergewichtig und erzähle, wie sich das Verhalten der Menschen ihm gegenüber verändert hat, seit er transitioniert. Das wäre tatsächlich mal eine spannende Frage, ob ein 150km schwerer Trans-Mann anders behandelt wird, sobald er als Mann wahrgenommen wird.

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    1. Da geht’s leider nicht um das Gewichtsthema, aber vielleicht interessiert dich das ja auch:
      http://news.stlpublicradio.org/post/what-male-privilege-transgender-people-experience-how-men-and-women-are-treated-differently

      —–
      Zum Thema an sich: Meine extremste Schwankung waren von BMI 19 bis 27 und zurück. Mir sind von danach vor allem Sprüche wie „Schön, dass du wieder sexy bist.“ von Männern in Erinnerung geblieben. Fand ich kacke.
      In der Zeit, in der ich mehr gewogen habe, gab’s aber auch einige Bekannte, die mir sagten, sie fänden’s total geil, dass ich jetzt so große Brüste oder „einen BAM Hintern“ hätte oder so.
      Alles immer, ohne, dass ich sie nach deren Meinung gefragt hätte, versteht sich.

      Ob ich schwanger wäre wurde ich aber auch häufiger gefragt.

      Dass ich von fremden Menschen anders behandelt worden wäre, hab ich so nicht in Erinnerung – nur meinen eigenen Hirnfick diesbezüglich, aber so konkret nichts, was den bestätigen könnte.

      Vor ein paar Tagen sagte mir eine Freundin, ihr würde regelmäßig in ganz gönnerhaftem Ton (auch ungefragt natürlich) so was gesagt wie: „Naja. Du siehst ja trotzdem gut aus.“ o.O
      So nach dem Motto „Ich bin ja so großartig und tolerant, ich kann über dein Gewicht hinwegsehen.“
      Das hat mich echt ein bisschen erschreckt und auch sauer gemacht.

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    2. Es fällt mir oft schwer, Reaktionen einzuschätzen. Meine Gewichtsabnahme war von 80 auf 63, also nicht extrem aber doch deutlich sichtbar, zumal das Abbinden der Oberweite den optischen Effekt des Gewichtsverlusts verstärkt. Das Outing und somit das immer männlichere Auftreten liefen etwa zeitgleich mit der Gewichtsabnahme (ich hatte endlich ein Ziel, meinen Körper nicht mehr zu vernachlässigen), sodass ich nicht sagen kann, ob es an meinem Gewicht, meinem Auftreten oder meiner Ausstrahlung lag. Dennoch gibt es ein paar interessante Reaktionen, die ich dann versuchen werde zu beschreiben.

      Ich werde mir heute oder am Wochenende mal die Zeit nehmen und das auch näher beleuchten und dann hier verlinken 🙂

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      1. Danke schon mal für deine Antwort.
        Ich habe auch häufiger mit Trans*-Personen gesprochen, die z.T. interessante Beobachtungen gemacht haben, wie ein und dasselbe sehr unterschiedlich wahrgenommen wird – je nach dem, ob es ein Mann tut oder eine Frau.

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    3. Björn hat einen sehr interessanten Gastbeitrag für meinen Blog verfasst. Er lebt seit einigen Jahren auch äußerlich als Mann und hat drastische Unterschiede erfahren, wie er als gelesene Frau und später als Mann von seinen Mitmenschen behandelt wurde. Gerade im Hinblick auf die Feminismusdebatte ein sehr interessanter Punkt.

      http://twoheartedman.designblog.de/kommentare/gastbeitrag-reaktionen-in-der-oeffentlichkeit….242/

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  6. Oh, das sind aber viele schöne Beiträge hier! Also bei 150kg kann ich nicht mitreden, aber früher waren es einige zuviel. Ich kann deshalb die veränderten Reaktionen bei Männern und Frauen (sogar generationenübergreifend) gut nachvollziehen.

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  7. interessant, was du beschreibst, das kommt mir sehr bekannt vor. ich habe eine ähnliche grundhaltung und eine ähnliche außenwirkung, und wenn ich 117 kg zu 65 kg (mein leichtestes erwachsenengewicht vor schrittweiser zunahme) vergleiche und auch die 117 zu 93 (aktuelles niedrigstes gewicht nach bisheriger abnahme), sind die beobachtungen ähnlich. was mir nach den 20 kilo aktuellem gewichtsverlust aufgefallen ist, war aber, dass ich wieder „sichtbarer“ wurde – das hängt aber auch damit zusammen, dass ich mit geringerem umfang mehr optionen in bezug auf kleidung habe. wenn ich mich nur sackförmig verhülle, kann ich ja gar nicht auffallen, aber auf was anderes hatte ich in meinen schwersten zeiten auch keine lust, sah ja alles nach nichts aus. auch in normalgewichtszeiten kam es aber äußerst selten vor, dass mir der sprichwörtliche bauarbeiter hinterhergepfiffen hätte oder ich sonstwie angemacht wurde. das empfand und empfinde ich auch nach wie vor als vorteil und nicht als nachteil. hilfesuchende omis o. ä. machen keinen unterschied, die sprechen mich immer an. 😀 die gewichtsabnahme habe ich infolgedessen auch nicht wegen der außenwirkung gemacht, sondern weil genau wie bei dir die mobilität zu sehr eingeschränkt wurde (knie) und ich außerdem am ende nicht mal mehr schöne schuhe tragen konnte, und das ging dann gar nicht, ich liebe schuhe viel zu sehr. 😉

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  8. Die Damen sind nicht besser. Ich habe als Mann 30 kg abgenommen und bin zur Zeit noch nicht wirklich schlank. Ich scheine in den Augen der Damenwelt aber an Attraktivität gewonnen zu haben. Ich werde jetzt öfters mal angeflirtet, wobei ich als schüchterner Mensch eigentlich gar nicht weiß wie ich reagieren soll. Selbst mein Ehering scheint nicht wirklich zu stören. Manche Damen fangen auch an zu grabbeln, da sind nun alle Grenzen überschritten.

    Die Männer sind aber zum Glück nicht so eifersüchtig wie Frauen und freuen sich eher für einen.

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  9. kork

    Als jemand, die selbst nie uebergewichtig war, hatte ich vor langer Zeit mal ein Aha-Erlebnis: In einer Zeitschrift wurde ueber eine Frau berichtet, die sich einer Magenverkleinerung unterzogen hatte. Ich blætterte verbluefft vor- und zurueck und konnte nicht glauben, dass es sich um die selbe Person handelte. Dabei war es gar nicht die köperliche Verænderung die mich beeindruckte! Auf dem ersten Bild wirkte die Frau blöde und einfæltig. Auf dem zweiten Bild – schlank – sah ich eine intelligente und interessante Persönlichkeit. Das habe ich danach immer wieder so erlebt, vor allem bei Leuten, bei denen sich das Gesicht stark verændert.

    Wenn ich aber an Menschen denke, die ich persönlich kenne, zæhlen Æusserlichkeiten jedoch nicht. Mir fællt wirklich kein dicker Bekannter ein, den/die ich fuer dumm hielte. Ueberhaupt nur eine, die ich nicht mag, da sie mir zu rechthaberisch ist.

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  10. Interessant. Ich hatte schon das Gefühl, dass ich ab einer gewissen Abnahme von Männern anders wahrgenommen wurde. Ich bin aber unsicher, woran das liegt. Ich bin inzwischen nämlich nicht nur anders gekleidet als mit 15kg mehr, sondern ich bewege mich auch ganz anders durch die Welt. Eigentlich war schon mit 12kg so ein Punkt erreicht, wo mir auffliel, dass mich Männer jetzt viel häufiger anlächeln und schon zuvorkommender und freundlicher sind. Ich will den Männern da auch jetzt gar nichts unterstellen, sondern frage mich vielmehr, wie stark das mit mir selbst, meiner Selbstwahrnehmung und einer selbstsichereren Ausstrahlung zu tun hat. Ganz sicher bin ich im Umgang mit Menschen offener und anders als ich das mit meinem Höchstgewicht war. Vielleicht ist die Veränderung im Verhalten der anderen nur die Reaktion auf meine eigene Veränderung?

    Frauen sind noch nicht wirklich neidisch, so gut ist meine Figur noch nicht. Allerdings habe ich schon das Gefühl, dass ich teils beäugt werde, vor allem auch was, wie und wie viel ich so esse. Besonders, wenn mich jemand nach längerer Zeit wieder sieht, scheint das die Menschen zu beschäftigen.

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  11. nenzija

    Weniger Gewicht am Arsch, mehr Schmierlappen am Hals? Unterschreib ich sofort. Ist gewissermaßen Nenzija-geprüfter Fakt und der Grund, wieso ich bei Kleidung und Styling auf größtmögliche Schmierlappen-Inkompatibilität achte: aggressive Metalbandshirts oder Qwertees, immer Hosen, stabile Schuhe, kurze Haare, Basecaps und vor allem ungeschminkt.

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    1. Frank

      Bestimmt _sehr_ schick. Du nimmst an deinem Umfeld eine optische Bestrafung vor, weil du den Kommentaren von ein paar Idioten aus dem Weg gehen willst? Na ja, wenn es dir gefällt…

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      1. nenzija

        Okay, ich hab da einiges zu erwähnen vergessen, weil’s grade nix zur Sache tat: Meine Schultern und Oberarme passen (auch im oberen normalgewichtigen Zustand – bei etwa 74 kg hab ich das so erlebt) nicht in die lächerlich schmal geschnittenen Oberteile für Frauen rein. Bin zu muskulös. Vielleicht ist das mit 65 kg (Ziel) anders, aber darüber können wir in ein paar Monaten nochmal kakeln.

        Dann kommt aber noch was hinzu: Ich kann die meisten Farb- und Stoffkombinationen für Frauen nicht ab, die sind mir zu infantil und zu rüschig und ich hab da persönlich immer Angst, mich zu bewegen oder was anzufassen, weil dat hübsche Stöffschen dreckig werden könnte. Das ist, ohne jetzt in die feministische Grundsatzdebatte abgleiten zu wollen, für mich auch ein grundsätzliches Manko von Frauen- und Mädchenklamotten: Das Zeug ist irgendwie für’s Stillsitzen, Artig-Sein, Hübsch-Aussehen, Kochen und Essen-Auftragen entworfen und genäht worden, praktisch ist da garnix dran. Mit nem rosa Rüschenleibchen und ner weißen Hose wälzt man sich nicht im Matsch und die schmalen Absatzschühchen verhindern wirksam, daß man mehr als 100 Meter gradeaus volle Kanne rennt, außer man legt es drauf an, daß der hübsche Stöckel abbricht. Wenn Du sagst, ich würde mein Umfeld optisch bestrafen wollen, frage ich mich natürlich, wieso mich mein Umfeld haptisch kastrieren will.

        Und noch was: Das (teilweise auch hart körperliche) Anbaggern von Idioten endet nicht, nur weil man so angezogen ist, wie ich das meist tue. Es reicht, erkennbar weiblich zu sein.

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      2. Frank

        @ nenzija – Weder dein Umfeld, noch mich geht es etwas an, wie du dich kleidest. Es klang für mich halt nur so, als ob du dich hinter deiner Kleidung verstecken willst und das wäre traurig und – so glaube ich – auch nicht notwendig.

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      3. nenzija

        Ich kann mich ohnehin nicht verstecken, aber ich sag mal so: Grundsätzlich hab ich zwischen mir und einem schwerst übergriffigen Typen (und ja, die hab ich schon erleben dürfen) lieber eine Hose als einen Rock. Der letzte, bei dem es für mein Gefühl bedenklich wurde, ist noch nicht allzu lange her. Er saß neben mir in einem Auto, wir saßen zu mehreren da drin, es war dunkel und er war deutlich angetrunken, kriegte seine Finger kaum von mir weg und laberte mich zu. Der bemerkenswerteste Spruch von ihm war, ich solle dankbar sein, wenn man mir zu verstehen gäbe, daß ich schön sei (das brabbelte er nämlich dauernd, während er mich betatschte, ich sei schön, wobei ich „schön“ in diesem Moment eher in Richtung „weiblich, anwesend und im Zweifelsfall fickbar, solange nix Besseres da ist“ interpretierte). Als ich seine Hände von mir runterpflückte, hat er sich tausendmal entschuldigt und mich weiterbetatscht, während er sich entschuldigte. Zum Glück war das Theater von zeitlich begrenzter Dauer: Der Typ sollte ohnehin wenige Minuten später abgesetzt werden, also hab ich das Getatsche und Gelaber eher sanft und nonverbal abgewehrt, den Arschlochs-, Besoffenheits- und sexuellen Notstandsbonus rausgerechnet und mir so meinen Teil gedacht.

        Betatschen bin ich gewohnt seit mein Hüftspeck rundlich ist, was soll ich mich groß drüber aufregen.

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    2. Ich habe mir noch nie wirklich (so dämlich das klingt) überlegt, ob es an den Band-Shirts, der ewigen Jeans mit den flachen Schuhe liegt und den kurzen Haaren liegt, dass ich meine Ruhe habe – aber da könnte was dran sein. Wie praktisch, dass mein Geschmack dem Attraktivitätsempfinden der meisten Trottel diametral entgegen gesetzt ist. Zum Glück habe ich kein süßes Gesicht, das würde vielleicht doch den einen oder anderen noch überzeugen, mich anzulabern.

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      1. Doch, der Unterschied ist auch für mich merklich. Ich kleide mich wenn ich alleine reise eher „tarn“ (weite Parker, derbe Stiefel, Kapu, nicht schminken). Wenn ich mich eher „feminin“ kleide bin ich auch früher trotz einiger Kilo mehr und zeitweise Glatze/rasiertem Dreadlockiro und ähnlichen Sachen catcalled und belästigt worden. Richtig eskaliert ist es aber seit ich abgenommen und einen „fraulicheren“ Haarschnitt habe. Ich mag inzwischen schon gar nieMannden mehr freundlich angucken weil ich hinter jeder Ecke wen vermute der mich angrabscht. Nervt.

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      2. Ich kriege langsam das Gefühl, wenn ich meine Nicht-Ansprech-Ausstrahlung in Flaschen füllen und verkaufen könnte, würde mich das zur Millionärin machen. Keine Ahnung, warum ich keine Wirkung auf Männer habe. SO unattraktiv bin ich nun auch wieder nicht :/

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      3. Also ich werde auch nicht angesprochen, wenn ich im Korsett und mit Absätzen in der Disko stehe. Und das ist ja schon relativ „weibliche“ Kleidung. Von daher kann ich es vielleicht doch nicht auf meine Kleidung schieben, sondern es muss irgendwie an mir selbst im speziellen liegen 😀

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      4. Kann auch sein dass du dich einfach weniger in Kontexten bewegst die dafür anfällig sind? In deinem Beruf bist du ja eher die „Autorität“ im Raum (hihi dafür krieg ich bestimmt geich haue :D) , viel den ÖPNV nutzt du ja vermutlich auch nicht. Ich meine, mir sind solche Sachen auch schon beim Einkaufen passiert, aber da deutlich seltener. Aber es nervt mich einfach nur noch, dass ich sobald ich optisch femininer auftrete (ich hab trotzdem das Mundwerk eines Brauereikutschers :P) so ne extreme Zielscheibe werde. (Über deine Optik würde ich mir da keine Gedanken machen, ich bin eher so 5/10, meine Theorie ist auch dass die wirklich dreisten sich eher an „durchschnittliche“ Frauen trauen, weil sie die für ungeübter im Umgang mit ungewollter Aufmerksamkeit und somit unsicherer halten)

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    3. Nancy

      Ich trage auch sehr kurze Haare, habe nie „Frauen“-Klamotten an, so halte ich sie mir vom Hals. Soll jetzt aber keinen Männerhass transportieren, ich mag Männer!! Aber gegen überflüssige Anmache hilft es!!

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  12. yannaba

    Also, bei fremden Leuten merke ich eigentlich kaum einen Unterschied. Ich bilde mir ein, dass die vielen männlichen Jogger, die morgens bei meinem Hundespaziergang vorbeilaufen jetzt öfter auch mal mich und nicht nur den (wunderschönen) Hund (Husky) ansehen – vielleicht aber auch nur eine andere Wahrnehmung.
    Leute, die mich kennen, starren mich in letzter Zeit ziemlich unverholen und ungläubig an. Manchmal grinsen sie sogar dabei. Das ist mir manchmal schon sehr unangenehm, auch wenn ich’s als Kompliment sehe. Aber wenn die nach 15 Kilo schon so starren, wie soll das dann nach insgesamt 40 werden? Da gruselt’s mich schon ein wenig…

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  13. Kafu

    Ich hab nicht so extreme Gewichtssprünge vorzuweisen, konnte aber schon deutliche Veränderungen hinsichtlich der Reaktionen meines Umfeldes wahrnehmen, als ich von über 70 kg auf 55 kg abgenommen habe.

    Einige meiner Freundinnen versuchten mir einzureden, dass ich krank aussähe und doch wieder ein wenig zunehmen könnte (Konkurrenzangst?).

    Mein männliches Umfeld wurde plötzlich sehr anstrengend. Ich wurde mit Komplimenten überhäuft, musste lernen mich abzugrenzen, vorallem beim abendlichen Weggehen bedrängten mich einige Männer regelrecht. Einer begrabschte mich sogar ohne Vorwarnung o.O‘ Sowas habe ich mit 70 kg nie erlebt. Da gab es höchstens Mal den Spruch „Schau dir mal den fetten Hintern von der da an“.

    Auch in meinem männlichen Bekanntenkreis wurde es schwieriger. An meinem Wesen hat sich nichts verändert. Ich bin schon immer freundlich, lustig und hilfsbereit gewesen. Als Dicke war ich dadurch auch der klischeehafte Kumpeltyp, ich war zwar anwesend, aber es achtete niemand direkt auf mich. Als Schlanke zog ich plötzlich die Blicke auf mich, mein Verhalten wurde auch auf einmal anders gedeutet, nämlich als „Interesse an mehr“. Ich wusste mir dann häufig nicht anders zu helfen, außer mich zurückzuziehen und daran zerbrachen viele Freundschaften.

    Mittlerweile wiege ich wieder über 70 kg und bin erneut „unsichtbar“. Meine Freundinnen beteuern, dass ich eine tolle Figur habe und die Männer lassen mich in Ruhe. Ich denke, dass ist auch mit ein Grund dafür, dass meine Abnahmen immer nur kurzfristiger Natur sind. Das Schlank sein ist einfach mit anderen Anstrengungen verbunden als das Dick sein und diesen Anstrengungen bin ich nicht gewachsen. Die Reaktionen meines Umfeldes – vorallem das ständige Gesehen werden und Aufmerksamkeit bekommen – waren einfach Stress für mich.

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  14. nessii

    Ich fühle mich jetzt (65kg) unsichtbarer als vorher (114kg) und finde das gut so. Mit einem BMI von 40+ hatte ich immer das Gefühl, angestarrt zu werden, einfach weil mein Gewicht so weit ab von der Norm war. Inzwischen habe ich diesen Punkt ja „korrigiert“ und der Rest meines Äußeren ist so (unter)durchschnittlich wie vorher, von daher schaut jetzt niemand mehr.
    Ich trage Jeans und Shirt/ Bluse, Make-Up nutze ich sowieso nicht, meine Armbanduhr ist mein einziges „Accessoire“ und mein höchster Schuhabsatz dürfte ca. 4cm haben. Von daher bin ich quasi die typische „graue Maus“ (trotz des Regenbogens, der in meinem Kleiderschrank herrscht) und nutze das im Alltag auch voll für mich aus. Man glaubt gar nicht, was Unsichtbarkeit für Vorteile haben kann. 🙂

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  15. Nancy

    Ich wurde ganz klar anders behandelt mit Übergewicht, Männer haben mich anders wahrgenommen, Frauen auch, für Frauen war ich nicht mehr die verständnisvolle Kumpeline, sondern ein (freundliches, hoffe ich) Konkurrenzobjekt.

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  16. Joey

    Ich merke den Unterschied auch vor allem bei so catcall-Geschichten. Ich werde auch mit über 100 Kilo noch manchmal angesprochen, aber ich habe das Gefühl, dass 90% davon nicht ernst gemeint sind. Also dieses klassische „Ey hast du geile Titten“ hinterhergerufen von nem Typen, der mit seinen Kumpels rumhängt anstatt eines tatsächlichen Ansprechens von jemandem, der einen kennen lernen möchte. Mit ca. 70kg passierte das häufiger. Dumme Sprüche kommen immer, aber diesen Typen die nur auf Belästigung aus sind, ist es meiner Erfahrung nach relativ egal, wie eine Frau aussieht, solange sie weibliche Attribute hat. Tatsächlich habe ich auch mehr negative Erfahrungen wenn ich stärker geschminkt bin. Am Wochenende alleine mit rotem Lippenstift durch die Stadt laufen ist die Garantie für catcalls.
    Bei Frauen merke ich keinen so großen Unterschied, es gibt aber glaube ich einige, die sich lieber mit normschöneren, aka schlankeren, Frauen sehen lassen wollen. Vielleicht so ein Coolness-Ding? Aber meine schlankeste Phase war auch, als ich so 18/19 war…

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  17. Juli

    Ich bin eine schlanke und nicht total unattraktive Frau – allerdings werde ich nie angebaggert oder auch nur irgendwie angemacht von Männern… Glaub nicht, dass ich soo ein Problem damit hätte mit meiner großen Klappe – aber das ist mir in den letzten 10 Jahren wirklich nicht passiert. Ich hab mich auch schon gefragt, womit das zusammenhängen könnte – erzählmirnix, du bist also nicht die Einzige 😉

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  18. Pingback: 150kg zu 65kg – FAQ zum Körpergefühl – Fettlogik überwinden.

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