SPON „Gesundheit“

Oh, bei Spiegel Online hat mal wieder jemand die berühmt-berüchtige Flegal-Studie rausgekramt und zu einem schlechten Artikel verwurstet.

Brülleraussage: „In unseren Untersuchungen stellte sich heraus, dass rund 25 Prozent der Menschen mit einem BMI zwischen 30 und 40 metabolisch gesund sind, während etwa 20 Prozent der Normalgewichtigen als stoffwechselkrank gelten“

Ach so, wenn man es nur gut genug verschwurbelt, merkt man kaum, dass wir hier von dem Unterschied reden, mit 80%iger Wahrscheinlichkeit gesund zu sein oder mit 75%iger Wahrscheinlichkeit krank zu sein. Aber wenn immerhin 25% der Dicken gesund sind und ganze 20% der Dünnen krank, dann liegt ja quasi auf der Hand, dass…

„Weniger essen, mehr Sport treiben – für den Moment hat das bei gesunden Übergewichtigen keinen erkennbaren Nutzen für die Gesundheit.“

In einer Nachfolgeartikelreihe dann: „Abstinenz – für Alkoholiker die noch keinen Leberschaden haben, vollkommen unnötig“ und „Nichtrauchen? Wozu, wenn du noch keinen Lungenskrebs hast?“

21 Gedanken zu “SPON „Gesundheit“

  1. Wer ist diese Flegal Person überhaupt – und warum bringt sie wiederholt Studien raus, deren Ergebnisse und Vorgehensweise jedes Mal kritisiert werden. Also ich meine, was treibt Flegal et. al dazu, 2005(?) und 2013(?) mit der Erkenntnis, das geringes Übergewicht gesund ist, hausieren zu gehen. Was haben die davon. Ich habe die Studien nicht gelesen und habe von diesem ganzen Forschungsbetrieb keinen blassen Schimmer – was haben die davon? Die FA Bewegung ist schließlich kein Konzern, der ihnen sowas sponsern würde 😛

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    1. ichichich

      @ maunzendemaus

      Mit einer Studie, die allem, was als Stand der Forschung gilt, widerspricht, kann man medientechnisch einfach mehr reißen als mit „Neue Studie bestätigt zum 231. Mal, was seit 50 Jahren eh schon bekannt ist“.

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      1. Ja, schon… aber vereinbart man sowas mit sich selbst? Wenn einem die Doktortitel zu den Ohren rauskommen, dann wird man doch merken, wenn man schlecht gebaute Studien durchführt, die das Ergebnis verzerren. Wie kann man da mit sich selbst im Reinen sein, mal rein als Wissenschaftler, dem es an ordentlichem Vorgehen doch irgendwie gelegen sein sollte? Fehler macht man doch eigentlich nur so lange, bis sie einem aufgezeigt & erklärt werden – aber von 2005 bis 2013 scheint sich da ja nichts geändert zu haben.

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  2. Biene

    Die erklären in dem Artikel doch auch welche Fettablagerungen Probleme bereiten und welche nicht und zum Schluss sagen sie auch, dass Abnehmen nur bei gesunden ÜGs nicht unbedingt nötig ist, aber diese auch nicht weiter zunehmen sollten, da sie sonst eine gute Chance haben auch ungesund zu werden.

    Ich seh ja auch, dass man den Artikel als üg Mensch durchaus falsch lesen kann, aber die Verkürzung hier finde ich offen gesprochen sinnverzerrend und polemisch.

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    1. „Dein Risiko ist stark erhöht, und zugegeben, es ist auch dann noch erhöht, wenn du (noch) gesund bist… aber hey, Sport und wenigeressen ist unnötig, solange du nicht weiter zunimmst“

      Ist etwa so, wiedem Alkoholiker zu sagen „Jaaaa, bei deinen 10 Flaschen Bier jeden Abend ist dein Risiko natürlich erhöht, aber solange du nicht zu härteren Sachen greifst….“

      Sorry, sowas ist komplett verantwortungslos.“Nicht weiter zunehmen“ als Rat, wenn das Risiko klar erhöht ist?!

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      1. Biene

        Dir ist klar, dass das nur für die ÜGs mit einer speziellen Fettverteilung gilt?
        Ich sehe ja auch, dass man da so generalisierend wie zitiert lesen kann und das finde ich nicht gut, aber – sollte es diese verschiedenen Arten der Fettverteilung geben vorausgesetzt – ist das dann auch ein gefährlicher Ratschlag für diejenigen, die eben diese zufällig haben?

        Ich kann nicht sagen, ob vermehrtes Obserschenkel- oder Pofett mit dünnem Oberkörper (typische Birne halt) weniger negative Wirkung auf den Organismus haben (Die Gelenke werden aber mMn aber belastet.), ich muss das mal als vorausgesetzt nehmen.
        In diesem Fall sehe ich nicht, was da arg problematisch wäre (außer das Skelett und die Gelenke mal wieder).
        Dass jetzt so mancher mit so einigem viszeralen Fett sich gerne als Birne sehen möchte und auch ein paar Kilo mehr da sicher nicht problematisch sein dürften in dieser Art des Lesens, finde ich ebenfalls sehr problematisch.

        Auch wieder diese steile These, dass Übergewichtige länger lebten als Schlanke istja im Artikel. Das ist ja nur eine mögliche Interpretation weil man gewisse Faktoren wie Krankheiten, die zur Abnahme führen usw., einfach nicht miteinbezieht.
        Da finde ich es sehr wichtig anzusetzen.

        Was mich aber echt interesieren würde, ist ob verschiedene Ablagerungsorte von Fett denn tatsächlich so gravierend unterschiedlich auf den Körper wirken (wieder hier die Gelenke usw. ausgeklammert, denn ich Belastung ist Belastung mMn) wie es z.B. bei viszeralem Fett und Unterhautfett dargestellt wird.
        Sollten da die Unterschiede in der Wirkung auf das hormonelle Gleichgewicht und den Insulinspiegel und allem drumherum so gravierend sein, wäre das doch tatsächlich eine gute Sache zu wissen. Eben ganz besonders für die Menschen mit zu viel viszeralem Fett, weil dann eine Differenzierung stattfände und man eine bessere handhabe hätte Übergewicht in seiner Schädlichkeit zu bewerten.

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      2. Sorry, ich merke, wie ich mich aufrege und hoffe, jetzt nicht zu harsch zu klingen.

        Sie schreibt im Artikel selbst:
        „in Drittel der gesunden Adipösen haben gegenüber ungesunden lediglich einen Zeitvorsprung, wie eine australische Langzeitstudie mit über 3.743 Teilnehmern zeigt: Von den 291 als gesund eingestuften Adipösen zählten nach acht Jahren 33 Prozent ebenfalls zur Gruppe der stoffwechselkranken. Der Anteil der kranken Normalgewichtigen nahm hingegen nur um 16 Prozent zu.“
        Also auch die ganz tollen ÜGs mit der super Fettverteilung HABEN EIN HÖHERES RISIKO.
        Und ihr Rat?
        „Ändere halt einfach trotzdem nichts!“ Ist klar, warum das ein schlimmer Rat ist?

        Ja, die Fettverteilung macht einen Unterschied und inneres Fett ist schädlicher. Dennoch sorgt Fettgewebe generell durch absterbende Zellen für Entzündunsprozesse im Körper, die dann wiederum andere Systeme belasten, und es wirkt auf die Gelenke. Es ist also zwar nicht so ungesund wie Bauchfett aber immernoch ungesund. Dieser Artikel stellt es dar, als sei jeder, der in jungen Jahren (steht übrigens auch im Orginalartikel: Die ungesunden Dünnen sind im Schnitt älter und ärmer, die gesunden Dicken jünger und wohlhabender) noch kein Diabetes hat, damit quasi „sicher“ und kann auch noch die nächsten 50 Jahre unbesorgt adipös sein, und das ist falsch. So einfach. Das so zu schreiben ist unverantwortlich.

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      3. Biene

        Gibt keinen Grund für ein Sorry *Blümchen reich* (<- ehrlich keine Ironie, wollte es sicherheitshalber mal dazu schreiben.)
        Du schreibst doch anständig und höflich.

        Hm, ja das mit den Entzündungsprozessen weiß ich zwar, aber habe ich nicht auf der Platte gehabt. Sehr guter Punkt. Danke dafür.

        Jetzt sehe ich auch, was da dann wirklich ärgerlich ist, gerade aus Deiner Sicht. (Glaube ich jetzt einfach mal so. Muss natürlich nicht zutreffen.)

        Dann wäre es im Anschluss ja interessant, warum dieser Artikel da so steht? Es gibt ja offensichtlich genügend Material, das seine Argumentaion nicht stützt.

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      4. Weisst du, dein „Dir ist klar, dass das nur für die ÜGs mit einer speziellen Fettverteilung gilt?“ ist halt auch ein super Beispiel dafür, warum es so gefährlich ist, das so zu schreiben. Bei dir kam ja offensichtlich auch an, dass nur eine bestimmte Fettverteilung gefährlich ist, und der Rest relativ safe ist. Auch du hast offensichtlich nicht bewusst wahrgenommen, dass sie das bereits in diesem Abschnitt (nochmal zitiert): “Ein Drittel der gesunden Adipösen haben gegenüber ungesunden lediglich einen Zeitvorsprung, wie eine australische Langzeitstudie mit über 3.743 Teilnehmern zeigt: Von den 291 als gesund eingestuften Adipösen zählten nach acht Jahren 33 Prozent ebenfalls zur Gruppe der stoffwechselkranken. Der Anteil der kranken Normalgewichtigen nahm hingegen nur um 16 Prozent zu.” SELBST widerlegt, indem sie zugibt, dass auch das „gesunde“ Verteilungsmuster auf Dauer schädlich ist.

        Und was kommt bei der Mehrheit (und dir) an? „Hey, wenn du wenig Bauchfett hast und deine Blutwerte noch ganz gut sind, musste dir keine Sorgen machen und abnehmen ist unnötig.“
        Nochmal: Das ist verantwortungslos.

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      5. Biene

        Ja, auf jeden Fall.
        Das ist sehr geschickt formuliert, bzw. leitet das Denken auf ein bestimmtes Muster hin.

        Da sehe ich auch wirklich eine Art Manipulation von Meinung, wie Du es beschreibst, dass eben erstmal bestimmtes Fett als nicht so schlimm dargestellt wird.
        Leider ist das nur ein Aspekt. Sowas wie Entzündungsprozesse wird da außer Acht gelassen und ist zum beispiel bei mir da total unter den Tisch gefallen, weil sowas bei mir nur passives Wissen ist. Manche Leute wissen das ja auch gar nicht und haben noch schlechtere Karten, bzw. glauben vielleicht im Anschluss daran sogar noch dran, dass gewisse Fette weniger entzündungsförderlich wären, weil sich das so schön verbinden ließe ohne dass es irgendwer sagt…

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  3. ichichich

    Ich musste ja schon lachen, als ich das Foto zum Artikel gesehen habe.

    Das ist offenbar das einzige Foto, dass SPON aus Kostengründen zur Bebilderung des Themenbereichs vorgesehen hat, es sollte auch bereits früher einmal „Leichtes Übergewicht ist gesund“ bebildern.

    Gott sei Dank gab es damals wenigstens ein paar Kommentare, die darauf hingewiesen habe, dass die Frau nicht „leicht übergewichtig“, sondern morbid adipös ist.

    Und das weiße Tuch im Wind flattern lassen, soll wohl Lebensfreude symbolisieren. LOL.

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  4. nessii

    Mal eine Frage: Es wird ja geschrieben, Bauchfett sei besonders schädlich. Aber es ist doch beiweitem nicht alles Fett am Bauch gleich Viszeralfett, oder?. Ich habe zumindest bei mir das Gefühl, das meiste Fett sitzt auch da direkt im Unterhautgewebe (der Teil, der schwabbelt). Ich hätte den menschlichen Körper für intelligent genug gehalten, das Fett nicht sofort da einzulagern, wo es den größten Schaden anrichten kann (viszeral) sondern eben erstmal da, wo es „nur“ etwas stört (Unterhaut).

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  5. Litschi

    Ich halte in Punkto Gesundheit den BMI immer noch für einen ungenauen resp. den falschen Ankerpunkt und wäre eher am KFA der Probanden interessiert und vielleicht auch an der Fettverteilung. Nicht um die Übergewichtigen zu entlasten, sondern um diese 20% Kranken bei den Dünnen mal genauer unter die Lupen zu nehmen.
    Ich finde es nämlich ebenso bedenklich, Leuten zu suggerieren, sie wären absolut gesund, weil sie normalgewichtig sind, wie Übergewichtigen zu versichern, dass sie gar nicht soooooo krank sein müssen. Dass ihre letzte Sporteinheit in der Schulzeit absolviert hatten und ihre Ernährung kalorientechnisch zwar innerhalb ihres Energieverbrauchs bleibt, diese Ernährung aber nicht zwingend zu ihrer Gesundheitserhaltung beisteuert, wird meist aussen vor gelassen.

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    1. käse

      Stimm ich zu. Details sind manchmal entscheidend.
      (Zumindestens wenn es um das Schaffen von Wissen geht.
      Um sich für „Gesünder“ zu halten braucht man eigentlich keine Studien, da reicht Journalismus.)

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