Liebe.

Unsicher zupft sie an dem roten Kleid, schiebt den Gürtel etwas nach oben, dann weiter nach unten. Sollte das nicht lockerer über die Hüfte fallen? Sie wirft einen scheuen Blick zu ihm und er mustert sie lange von oben nach unten. „Dafür hast du nicht die Figur.“, kommentiert er trocken und ihre Wangen nehmen den Ton des Kleides an, das sie hastig abstreift und zurück auf den Bügel hängt.

In der schwarzen Hose und der lockeren Tunika fühlt sie sich sicher. Er hatte zustimmend genickt ihr versichert, dass man kaum sehen könne, dass ihr Arsch fett sei. Als der Kellner mit den Häppchen vorbei geht, sieht er ihre Hand nach oben zucken und greift sie unauffällig in einer fließenden Bewegung. Die Geste fällt niemandem auf.

Während sie gemeinsam an einem Tisch in der Ecke sitzen, wandern seine Blicke unablässig zu den anderen Frauen. Eine davon trägt ein rotes Kleid, ganz ähnlich dem, das sie einige Stunden zuvor verschämt wieder in die Ecke ihres Kleiderschranks gehängt hatte.

Er kann unheimlich charmant sein und Schönheit in allem und jedem sehen. Seine Komplimente bringen die Frauen um sie herum zum strahlen. Während er Sandras trainierte Arme hervor hebt und diese dazu bringt, voller Stolz ihren Bizeps zu zeigen, wanderte sein Blick zu ihren unter der flatternden Tunika verborgenen Winkeärmchen. „Wann warst du eigentlich zuletzt trainieren?“, fragt er anschließend beiläufig.

Zuhause folgt er ihr vom Bade- ins Schlafzimmer, während sie sich bettfertig macht und redet unablässig über all die attraktiven Frauen, denen sie heute begegnet waren. Susanne hat abgenommen. Tinas neue Frisur lässt sie aussehen wie Jennifer Aniston in Friends. Janines definierte Schultern sahen toll aus in dem schulterfreien Kleid. Als sie nackt vor ihm steht spricht er über über Tanjas elfengleiche Figur. Er redet auch dann noch weiter als sie das Licht ausknipst und diese Atem-Meditationsübung macht, von der web.de sagt, dass sie innerhalb 5 Minuten zum Einschlafen führt.

Als sie morgens aufwacht ist sie wie gerädert. Web.de hatte unrecht im Bezug auf das Einschlafwunder, aber web.de hatte vermutlich auch nicht im Sinn, dass man sich bis 2 Uhr morgens darüber streiten sollte, dass es ein Unding ist, für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio jeden Monat 45 Euro auszugeben und im Gegensatz zu Sandra, Janine und all den anderen, nie hin zu gehen. Die Mitgliedschaft war seine Idee gewesen. Sie hatte schon beim ersten Probetermin gemerkt, dass sie sich nicht wohl fühlte, aber er hatte ihre zaghaften Bedenken beiseite gewischt und ihr erklärt, dass es kein Wunder sei, dass sie sich dort unwohl fühlte, schließlich sei sie fett. Und genau deshalb sollte sie die Zähne zusammen beißen und ins Studio gehen. Er hatte darauf bestanden, den Vertrag einzugehen und seither führten sie fast jeden Abend die selbe Diskussion, wenn sie von einem anstrengenden Tag nach Hause kam und es sich auf der Couch gemütlich machte. Manchmal eskalierte der Streit, dann hielt er ihr vor, dass 45 Euro im Monat kein Pappenstiel seien. Inzwischen starrte er sie häufig stundenlang vorwurfsvoll aus den Augenwinkeln an, während sie versuchte, sich auf ihr Buch zu konzentrieren. Vor kurzem hatte er sie dabei erwischt, wie sie die letzte Rippe einer kompletten Tafel Schokolade in den Mund steckte und sie angebrüllt, dass es kein Wunder sei, dass sie ein fettes Stück Scheiße sei, wenn sie sich Schokolade reinstopfte anstatt ihren wabbeligen Arsch ins Studio zu bewegen.

Ihre Therapeutin hatte den Begriff „dysfunktional“ verwendet und gefragt, ob sie das Gefühl hatte, dass er ihr gut täte. Sie hatte sich bisher nicht getraut, ihr die Beziehung wirklich zu schildern, nur einige Andeutungen gemacht. Diese hatten gereicht, um ihre Therapeutin aufmerksam zu machen, so dass diese nachbohrte. Ihr gegenüber zeigte er natürlich seine charmanteste Seite, stimmte ihr zu, wie wichtig ein gutes Selbstwertgefühl sei, wie es besser sei zu motivieren als abzuwerten und zu kritisieren.

Als sie die Praxis verließen, hatte er ihr klar gemacht, dass sie besser nicht einmal darüber nachdenken sollte, ihn zu verlassen. Ohne ihn sei sie ein Nichts. Ohne ihn würde sie sich blamieren. Was wäre wohl passiert, wenn er sie nicht davon abgehalten hätte, das rote Kleid zur Party zu tragen? Na? Was? Blamiert hätte sie sich, bis auf die Knochen. „Aber,“ warf sie ein, noch gestärkt von der Therapiesitzung und bereit, diesen Kampf auszufechten, „die Frau auf der Party, die das rote Kleid anhatte, das so ähnlich ist, wie meins… die hatte sicher 10kg mehr. Du fandest sie hübsch. Warum sagst du, dass ich mich blamiert hätte, wenn du es bei ihr anders siehst? Warum siehst du nur mich so… negativ?“

Sie liefen eine Weile schweigend die Straße entlang. Hatte sie ihn überzeugt? Ihn mit ihrem Argument zum Schweigen gebracht? „Warum ich dich so negativ sehe?“ wiederholte er ihre Frage. „Genau!“, bestätigte sie nachdrücklich: „Warum?“ Er seufzte genervt: „Das musst du doch wissen. Ich bin schließlich DEIN innerer Kritiker.“

(Kleine Kurzgeschichte, inspiriert von dieser Untersuchung, die herausgefunden hat, dass ein gutes Körperbild zu mehr Gewichtsabnahme führt. Weniger soziale Ängste und Sorgen über das eigene Aussehen beim Abnehmen führen zu einem verbesserten Essverhalten.)

Advertisements

47 Gedanken zu “Liebe.

      1. Ich kenne keine heterosexuellen Männer, bei denen ich mir

        > redet unablässig über all die attraktiven Frauen, denen sie heute begegnet waren. Susanne hat abgenommen. Tinas neue Frisur lässt sie aussehen wie Jennifer Aniston in Friends. Janines definierte Schultern sahen toll aus in dem schulterfreien Kleid. Als sie nackt vor ihm steht spricht er über über Tanjas elfengleiche Figur.

        … auch nur vorstellen könnte. Mein (homosexueller) Friseur in München redete aber schon genauso. Der von meiner Frau auch.

        Als kleine Randnotiz ist der Protagonist der Geschichte übrigens eine Frau, zu deren sexueller Orientierung ich auf Basis der Geschichte keine Mutmaßungen anstellen möchte.

        Gefällt 1 Person

      2. … um das zu konkretisieren: Wenn Du ein Mann wärst, und die Geschichte kommt zu dem Punkt „Als sie nackt vor ihm steht“, gibt es da genau zwei Möglichkeiten, wie es weitergeht: (1) Sex. Männer lernen so mit 14, 15 Jahren, dass es nicht produktiv ist, über andere Frauen zu reden, wenn man Sex will. Oder der Mann ist müde, dann käme (2) Schlafen. Reden hilft nicht beim Schlafen. In keiner Situation sagt der heterosexuelle Mann also etwas über „Tanjas elfengleiche Figur“, mal ganz abgesehen von der Formulierung.

        Gefällt 5 Personen

      1. Nur Teil 1, wo sich Wang Miao noch nicht so sicher ist, ob die Trisolaraner wirklich den wissenschaftlichen Fortschritt zerstört haben. Ich hab’s da aber nicht so eilig, der dritte Teil kommt eh erst 2016 auf Englisch raus, und mein Chinesisch ist nicht gut genug, um es im Original zu lesen. Sollte das bei Dir anders sein: Bitte keine Spoiler.

        Gefällt 1 Person

      1. maSu

        Der Mann, den man vor den Augen hat, der ist kein Arschloch, er ist ehrlich und direkt. Er legt den Finger in die Wunden, die seit langem bluten, aber ignoriert werden. Wenn ich mal so tue, als wäre das wirklich ein Paar und kein „innerer Kritiker“, dann würde ich beide so einstufen:

        Sie:
        Sich selbst gegenüber massiv unehrlich und unmotiviert. Darüber hinaus sehr sensibel und wenig selbstbewusst.

        Er:
        Sehr kritisch, sehr direkt, sehr ehrlich. Aber auch sehr unsensibel.

        Jetzt kann man behaupten, dass Ehrlichkeit und Direktheit zwei Attribute sind, die einen Menschen unweigerlich zum Arschloch abstempeln. Das wirft dann aber die Frage auf, was eine Person, die so denkt, von einem Mann erwartet?!

        Okay an der Sensibilität kann man arbeiten. Keine meiner bisherigen „Lebensabschnittsgefährtinnen“ hat mich all zu oft gefragt ob sie in Kleid XY dick aussehen würde, weil … ich habe es immer bejaht – aus Prinzip.

        Begründung: Ob sie darin dick aussieht oder nicht ist irrelevant, wenn sie bereits fragt, dann ist sie unsicher und wird sich ungeachtet meiner (erlogenen?) Belobigungen weiterhin unsicher fühlen und jeden Blick fremder Menschen als Kritik ansehen.
        Ich war mal jemand der dann sagte: „Nein, du siehst nicht dick darin aus!“ und dann durfte ich mir anhören, alle hätten geguckt und sie bestimmt für dick gehalten. Hmm das war eine heilsame Erfahrung.

        Seitdem reagiere ich auf so eine Unsicherheit anders. Mit Erfolg wie ich finde:

        1) ich werde weniger in dumme Diskussionen verwickelt, ob mir Kleid XY gefällt oder nicht.
        2) meine Lebensabschnittsgefährtinnen zogen sich eher so an, wie sie sich wohl fühlten und traten selbstsicherer auf.

        Natürlich kommen die hypersensiblen Damen damit nicht klar. Aber da ich mit diesen Damen eh nicht klarkomme, ist dieser „Beziehungsfilter“ eigentlich nur hilfreich.

        Gefällt 1 Person

      2. also, ehrlich und direkt bin ich auch. Und Ehrlichkeit tut manchmal weh. Die Sprüche, die dieser Mensch (wenn wir das Gedankenspiel beibehalten, dass es sich hier um ein Paar handelt) bringt, sind allerdings nicht einfach nur ehrlich sondern eben auch massiv unsensibel und zielen darauf ab, den anderen nieder zu machen und so zu ändern, dass er den eigenen Wünschen entspricht. Das hat nichts mit einfach ehrlich und direkt sein zu tun. Das wäre jemand, der einen anderen erniedrigt und sich selbst damit aufrichtet, Recht zu behalten.
        Er folgt ihr durch die Wohnung und redet auf sie ein, dass andere doch so wunderschön sind. Das ist ehrlich, ja, aber Ehrlichkeit muss nicht so agieren – und sie ist dennoch ehrlich.

        „Als sie die Praxis verließen, hatte er ihr klar gemacht, dass sie besser nicht einmal darüber nachdenken sollte, ihn zu verlassen. Ohne ihn sei sie ein Nichts. Ohne ihn würde sie sich blamieren.“

        So jemanden würdest du einfach als „ehrlichen Menschen“ beschreiben? Das ist emotionaler Missbrauch und das wäre ein Mann, vor dem ich Angst hätte.

        Gefällt 1 Person

      3. maSu

        Ilona: Ja der eine Satz ist echt … naja und würde in einer Beziehung so auch nur 1x vorkommen, dann wäre wohl Schluss.

        Und zu dem „hinterhergehen und ungefragt kommentieren“:

        uhm … wenn ich eine Freundin habe, die weiß, das sie unzufrieden mit ihrem Äußeren ist und mich damit nervt und zeitgleich nichts daran ändern, dann streue ich ihr Salz in genau diese Wunde bis sie:

        a) an ihrem Äußeren arbeitet
        oder
        b) mich mit ihrem Selbstmitleid in Ruhe lässt.
        oder
        c) einer von uns beiden genervt das Weite sucht.

        Gefällt mir

      4. ahh, ok. Nein, das mache ich nicht. Ich hatte einen Freund auf den genau das zutraf. Irgendwann sagte ich ihm nur noch: „Du weißt, was ich dazu denke. Entweder du änderst es oder du hörst auf zu jammern – ich rede nicht mehr darüber mit dir“.
        Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, hinter ihm her zu rennen und zu sagen: Hey, schau mal, der da drüben – im Gegensatz zu dir ist der knackig und fesch. Und ja, natürlich bist Du hässlich und fett, ist ja kein Wunder, dass dich keiner will etc.
        Man sollte Ehrlichkeit nicht mit Grausamkeit verwechseln. Das sind zwei unterschiedliche Dinge.

        Gefällt 2 Personen

      5. maSu

        Ilona: Das kommt auf den Zustand der Beziehung an. Wenn ich mir jeden Tag Gejammer anhören darf, dass sie unzufrieden mit ihrem Körper wäre, während sie zeitgleich den Hintern nicht vom Sofa bekommt, um etwas zu ändern, dann kann ich – je nachdem wie genervt ich bin – durchaus so etwas böses bringen. Das ist dann aber auch gleich das kalkulierte Ende der Beziehung, denn: Wenn ich diesen „Zustand“ erreiche, dann bin ich schon so pissig auf die Dame, dass ich kurz davor bin, Schluss zu machen.

        Es kommt eben auf die Vorgeschichte an.

        Und nein, das ist nicht grausam, das ist dann mehr ein: „Schau mal… andere schaffen es irgendwie auch. Warum du nicht, obwohl du es doch angeblich willst?“

        Gefällt mir

  1. freak

    Coole Auflösung, obwohl es ja auch echte solche Beziehungen gibt. Aber ich denke, die Arbeit mit dem iK ist ein ganz wichtiger Ansatz, nicht nur in bezug auf Gewichtsabnahme.
    Du hast ja mal geschrieben, dass du anfangs niemanden eingeweiht hast ins Abnehmenwollen. Das galt aber nicht für deinen Mann, oder?

    Gefällt mir

  2. DieGabsi

    Hui – und ich hatte schon befürchtet, dass das so eine doofe „böser-Mann-quält-Opfer“ – Geschichte wird, aber von wegen…

    Hätte mich bei dir auch gewundert, aber immerhin hat es heut wieder rund 35 Grad im Schatten, also wer weiß, ha, ha…. Gefällt mir jedenfalls gut, danke!

    Gefällt 1 Person

  3. Mona

    Ab „Als sie morgens aufwacht ist sie wie gerädert.“ wusste ich worum es geht.
    Vorher dachte ich eher an Leute, die wirklich so gegenüber anderen Personen sind (nicht unbedingt in dem Bereich Körperform). Jetzt weiß ich von wem ich das gelernt habe. Es ist so furchtbar schwer den Kritiker zu mäßigen und den anderen Persönlichkeitsteilen Platz zu verschaffen.

    Wieder toll erzählt, finde ich.

    Gefällt mir

  4. Hehe, voll reingefallen. Ich hab ganz schön gekocht beim Lesen… was für ein Arschloch.
    Am Ende hat’s mich echt wach gemacht! Ich bin zwar nicht ganz so krass, aber hui… ein Stück find ich mich wieder. *erschrickt ein bisschen*

    Hab’s meinem Mann vorgelesen, ohne vorher zu verraten wie es endet. Ihm ging’s ähnlich wie mir. Und hinterher sagte er dann so: „Also ich hab nur einen inneren Huldiger.“

    Mihihi. Auch schön.

    Gefällt 1 Person

  5. nessii

    Hm mein innerer Kritiker ist zwar ein ähnliches Arschloch zu mir; seit ich abnehme, hat er sich allerdings weiterentwickelt und findet jetzt auch bei anderen Frauen jegliche Makel. Quasi alles, was ihm an mir nicht gefällt, schaut er sich bei Anderen an und erklärt mir dann „Schau, die hat noch fettere Oberschenkel, macht sicher keinen Sport!“ oder „Na ein Glück, dass du nicht in kurzen Hosen rumrennst, schau mal, wie Scheiße das aussehen würde!“
    Wirklich schlimm wird er allerdings, wenn er an Anderen nichts findet, an dem er was aussetzen kann. Denn dann kommt direkt die Retourkutsche zu mir und die Frage, wieso ich nicht auch so aussehe wie die Dame, die da gerade vor uns läuft.
    Ich fand es früher nervig, dass er mir ständig meine Makel vor die Nase gehalten hat. Aber jetzt diese ständige Vergleicherei mit Anderen geht mir noch viel mehr auf den Keks. Leider habe ich keine Ahnung, wie ich ihn zum Schweigen kriege… Aktuell muss ich mich schon voll darauf konzentrieren, seine Meinung nie laut zu sagen.

    Gefällt mir

      1. maSu

        Dank deines Beitrags, liebe Mona, haben noch ein paar mehr gelacht, weil irgendwie klar war, dass sich eine Dame daran stören würde und einen Witz über Klischees mit anderen (ihren!) Klischees kritisiert würde.

        Gefällt mir

      2. Mona

        Mich hat es doch nur interessiert. Ich hab dabei an kein Klischee gedacht, sondern versucht mir eure Situation vorzustellen. Wie viele Frauen waren das denn?

        Gefällt mir

      3. @maSu Oder ihr habt halt einfach keine der (tatsächlich deutlich weniger zahlreich vorhandenen) weiblichen Absolventen eines solchen Studienganges eingestellt ^^ Aus meinem Freundeskreis bin ich die einzige, die nichts „vernünftiges“ oder „schweres“ macht 😛 Es gibt sie also, die Frauen, die auch mal Mathematik oder Physik bestehen.

        Gefällt mir

      4. maSu

        maunzdemaus:
        Ja aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die 1-2 Frauen, die mal Physik, Mathe, Informatik oder so studieren (und schaffen) ausgerechnet bei mir im Unternehmen landen? Genau: Gleich Null.

        Btw: Als ich damals studiert habe gab es in meinem Jahrgang von 120 Personen nur eine Frau … aber nach 1 Semester ward sie nicht mehr gesehen.

        Gefällt mir

      5. maSu

        bjoernstarkimarm: Können wir tauschen? Ich biete alle meine Ex an. Darunter: Unzählige Friseurinnen, einige Lehrerinnen und Erzieherinnen und einige Altenpflegerinnen.

        Ich meine: Du tauschst dann ca. 1:15 … ist doch ein gutes Geschäft oder?

        Gefällt mir

      6. @maSu höchst unwahrscheinlich – aber eben nicht unmöglich 😉 Nur ein kleiner, anekdotischer Einwurf, dass diese seltenen Wesen unter uns sind (und auch ihr Studium schaffen, zumindest meine Bekannten).

        @bjoern 15%? Wow! Was für ein Traummatch – ich verstehe leider nie die Informatik“witze“ meines Freundes. Aber er lacht dann halt selbst drüber.

        Gefällt mir

  6. Die Geschichte hat hart getroffen – und das gleich doppelt. Als ich noch dachte, es ginge um eine Beziehung ebenso wie nach dem Ende. Kein Wunder, dass mein innerer Kritiker „zufällig“ gern genau die Worte wählt, die ein sehr beschissener Exfreund gerne gewählt hat. Gut, dass mir beide mittlerweile (endlich) ziemlich am Arsch vorbei gehen.

    Gefällt 2 Personen

    1. Frank

      Wenn dein innerer Kritiker und dein Exfreund sich so einig sind, kann es dann sein, dass sie Recht hatten? Hast du etwas verändert, oder ist deine Selbstkritik lediglich unschärfer geworden?
      Versteh mich nicht falsch, wer seine Meinung so transportiert wie in der Geschichte, hat sich das Prädikat „beschissen“ und „Ex“ in meinen Augen redlich verdient, aber hat dieses Verhalten etwas bei dir bewirkt, was du im Nachhinein positiv findest?

      Gefällt mir

      1. käse

        Der innere Kritiker ist manchmal nur die verinnerlichte Stimme der „wichtigen“ Menschen im Leben.

        Wenn man keine harten inneren Kritiker hat, hat man dann meist eher wohlhollende Menschen um sich gehabt. Oder sich innerlich direkt von „Vertrauenspersonen“ distanziert, die einem nicht gut tun.

        Gefällt mir

      2. Mona

        Im Buch „Von der Freunde, den Selbstwert zu stärken“ wird das auch so beschrieben, dass der innere Kritiker für alle Regeln steht, die man sich selbst auferlegt oder auch die von anderen kommen (bei Kindern meistens durch die Eltern. manchmal durch irgendwelche Aussagen in den Medien). Es soll wohl so sein, dass wenn man erwachsen wird, wird man diese Regeln und Strategien hinterfragen und dadurch sortiert man alles Schädliche aus. Das funtkioniert anscheined nicht bei allen so gut und deswegen haben einige dann so einen viel zu starken Kritiker. Wenn man eigentlich nur wohlwollende Personen und sich hat, dann stärkt man die wohlwollende Stimme in sich und dadurch wird der Kritiker auch gemäßigt. Dadurch, dass der wohlwollende Anteil stark wird und der kritische Anteil gemäßigter wird, fällt es einem auch leichter sich selbst zu akzeptieren, realstische Ziele zu setzen und auch leichter die Ziele zu erreichen, weil der innere Kampf winzig wird. So hab ich das zumindest verstanden.

        Gefällt mir

      3. Nein, das Gegenteil ist der Fall: Als ich mir noch täglich anhören musste, dass ich ja so fett sei, während ich im unteren Normalgewicht lag, sank quasi jeden Tag mein Selbstwertgefühl. Ich fühlte mich immer hässlicher und fetter, obwohl ich schlank war. Wie ich später realisierte, war das aber nur Stufe 1 der Manipulation (und des emotionalen Missbrauchs). Mein Selbstwertgefühl sank quasi täglich, ich fand Speck an mir, wo keiner war, aber hey, der Wert besagten Ex-Freundes ging damit stetig nach oben, denn er wollte mich ja immer noch, obwohl mich ja sonst niemand wollen könnte, so wie ich aussehe (kommt aus dem Text bekannt vor, ne?). Das führte zu Stufe 2: Ich wurde mehr oder weniger strategisch von einer Person mit aktivem Lebensstil mit viel Sport zu einer Sofakartoffel gemacht („Du hast nie Zeit für mich, willst du nicht das schwimmen lassen?“ etc.), ausgelacht, wenn ich im Restaurant nicht aufessen wollte, was eindeutig eine Portion für 2-3 Frauen meiner Größe war (wahlweise „Meine Güte, stell dich nicht so an, immer dieser Schlankheitswahn“ oder „dein Arsch ist eh so fett, da kommt es auf den Burger auch nicht an“) und, jippieh, von meinen eher aktiven Freunden zunehmend ferngehalten, um mich in den eigenen Freundeskreis zu integrieren (war ja auch bequemer für ihn…).
        Statt mich zu motivieren, abzunehmen (was bei dem Selbsthass durchaus in krankhaftem hungern hätte enden können), hat es mich heimlich essen lassen – als Trost. (Der Klassiker.) Nachts die Tüte Chips bingen, zu viel Nachtisch, ein Stück Kuchen mehr, das alles noch obendrauf zu dem eh schon falschen Verhalten von zu viel essen und weniger Bewegung, siehe oben. Eine Spirale.
        Es ist ein kleines Wunder, dass ich in den 6 Jahren, die ich brauchte, um zu kapieren, dass der Typ scheiße war und nicht ich, nicht richtig gefährlich übergewichtig wurde. Das schiebe ich mal auf die vielen versuchten Diäten, die eh irgendwie in der Familie gang und gebe waren… Naja, und anschließend brauchte ich nochmal ca. 5 Jahre, um mein Selbst- und Körpergefühl aus dem Dreck zu ziehen. Siehe da: Wenn man seien Körper mögen lernt, ist abnehmen plötzlich ganz einfach. Insofern also auch eine Bestätigung der Ergebnisse der hier genannten Studie.

        Niemand, absolut NIEMAND braucht abfällige Kommentare dazu, wie unzulänglich man selbst oder der eigene Körper ist, egal ob dick oder dünn. Hilfe anbieten, klar, aber von oben herab gespuckte Gemeinheiten bringen weniger als gar nichts.

        Und wo ich eh grad schon so privat werde, noch ein sehr kranker Aspekt, der mir erst im Nachhinein klar geworden ist: In einer Beziehung, die so von emotionalem Missbrauch geprägt ist, ist es nicht selten, dass man sich selbst sabotiert. In den letzten Jahren eben jener Beziehung sind die Diätversuche immer dümmer und kürzer und seltener geworden – warum? Weil ich unterbewusst nicht mehr abnehmen wollte. Weil ich (noch) nicht in der Lage war, den Typ zu verlassen (kein Wunder, wenn man sich für Scheiße und ungewollt hält, nebenbei auch einfach Angst hat) und mir insgeheim wünschte, er fände mich irgendwann hässlich genug, zu gehen. Das ist so tiefschwarz und krank, dass es mich heute noch schaudert.

        Gefällt 3 Personen

      4. Frank

        Was meint ihr denn mit wohlwollend? Das zu erzählen, was die Person hören möchte? Schädliches Verhalten zu beweihräuchern, á la Fat Acceptance? Oder lieber die unbequeme Wahrheit erzählen, wenn auch in angemessenem Ton? Ich bin für letzteres. Zumindest beim Lebenspartner.

        Gefällt 1 Person

      5. Mona

        Nein, nicht erzählen was man hören möchte. Einfach sich gegenüber achtsam sein: Wenn man zum Beispiel das Ziel hat 1 kg in einer Woche abzunehmen und 750 g schafft, dann sagt der Kritiker: Du bist scheiße, kannst nicht mal abnehmen. Wozu all die Mühe? Bringt alles nichts, kannst jetzt fressen bis zum umfallen, kommt aufs Gleiche raus.
        Die wohlwollende Stimme sagt aber: Cool, schon 750 g abgenommen! Schade 1 kg nicht erreicht, war vielleicht ein bisschen viel gewollt für meine Umstände, aber ich probier das nächste Woche wieder. Kleine Erfolge werden sich auch läppern und bringen mich zum Ziel.

        Die wohlwollende Stimme feiert alle Fortschritte und Erfolge. Der Kritiker macht alle Forstschritte schlecht und lässt einen als totalen Versager darstehen, obwohl man auch etwas geschafft hat. Kein Wunder, dass es mit dem Kritiker schwerer ist voran zu kommen. Er hält einen davon ab Ziele zu erreichen. Also das eine ist hilfreich und ermutigend, das andere nicht.

        Manche Sachen die der Kritiker sagt, sind bestimmt super. Also es gibt immer berechtigte Regeln, die man für sich ausdenkt, aber wenn es zu rigide wird, wird das Leben schwerer.

        Gefällt mir

      6. Frank

        Mein letzter Kommentar galt käse und Mona.
        @ gruenkariert – Ziemlich heftig. Aber schon rein statistisch müsstest du mit den Nieten erst mal durch sein 🙂

        Gefällt mir

      7. IULIUS

        M. E. wäre die Frage zu klären, ob im Erwachsenenalter sich der innere Kritiker dem Partner anpaßt, oder sucht man sich jemanden, der sich mit dem inneren Kritiker blendend versteht.

        Meine Intention zielt darauf ab, wie man am Besten etwas dagegen tun kann.

        Gefällt mir

      8. käse

        „Was meint ihr denn mit wohlwollend? Das zu erzählen, was die Person hören möchte? Schädliches Verhalten zu beweihräuchern, á la Fat Acceptance?“

        Wohlwollen ist das Gegenteil von schwarzer Pädagogik. (Und damit meine ich nicht „Laissez-faire“.)

        Über politische Randgruppenbewegungen spreche ich nicht, die sind im Alltag nicht so präsent wie im Internet.

        Gefällt mir

Deine Meinung?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s